Grashoff, Wilhelm - Vom Paradiese bis zum Nebo - Vorwort.
Meditationen hätte ich diese Betrachtungen nennen mögen, weil dies eine Wort mehr sagt, als mit vielen Worten beschrieben werden kann. Aber jenes edle Wort ist ein fremdes, und die Sache selbst ist leider vielen fremd geworden in dieser ruhelosen Zeit. Dass man das heilige Wort im Herzen bewegt, dass man darüber sinnet, es vor dem Angesichte Gottes betrachtet, anbetend überlegt, über dem Worte mit Gott redet, vor Ihm über dasselbe mit sich redet all dies anbetende, ehrfürchtige, andächtige Bewegen und Überlegen des Wortes in tiefster Herzensstille, wie dürfte es dem Volke Gottes fehlen! Das eine Wort „Meditation“ sagt und fasst das alles in einen Laut. Und ich wüsste nicht, was uns mehr nottut in dieser ruhelosen Zeit, als solche anbetende Betrachtung in stiller Sammlung; ganz unentbehrlich ist es, wenn wir im Segen zum Tische des Herrn gehen wollen.
An Beicht- und Kommunionbüchlein fehlt es freilich nicht; aber neben dem, was in Übung und im gesegneten Gebrauch ist, wird ein Gang durch den Vorhof des Alten Testamentes immerhin seine Stelle haben dürfen, sintemal es der Weg ist, welchen Gott der Herr Sein Volk führt zu allen Höhen und Tiefen des Neuen Testamentes. Zielet alles im Worte des Alten Bundes auf die Vollendung im Neuen Bunde, so ist es ja so einfach, von jedem Punkte dort die Linien zu ziehen zu der Krone aller neutestamentlichen Segnungen, zum Tische des Herrn.
Ich habe dieses Büchlein der Hermannsburger Missionsanstalt zum Eigentum übergeben in dankbarer Erinnerung an die Zeit, in welcher ich das gesegnete Gotteswerk dieser Mission entstehen sah und mit fürbittender Freude das Wachsen desselben und die Ausbreitung in allen Weltteilen begleitete bis an diesen Tag. Und so bitte ich auch ferner, dass diese Mission mit ihren Anstalten und Arbeitsfeldern draußen wachsen und gedeihen möge und Frucht bringen für Zeit und Ewigkeit. Es ist mir eine große Freude, dies Scherflein zu des Herrn Füßen legen zu dürfen. Er ist der Herr, Er tue auch mit diesem Büchlein, was Ihm wohlgefällt.
Meppen, den 15. Juli 1892.
W. Grashoff.
Vorwort zur zweiten Auflage.
Der Verlag wünschte zu Gunsten der Missionskasse eine zweite Auflage dieses Kommunionbüchleins zu veranstalten. Ich habe der Sache nach nichts zu ändern gehabt und lasse das Büchlein ausgehen mit der Bitte, dass Gott auch diese zweite Auflage segnen wolle nach Seiner Freundlichkeit. Zugleich danke ich Gott, dass eine zweite Auflage möglich geworden ist; denn derartige Bücher, die zwar den Seelen zum Frieden und den Herzen zur Ruhe dienen könnten, finden nur schwer Beachtung in einer Zeit, in der die Unruhe das große Wort führt und die stille, tiefe, innere Sammlung durch den Lärm des öffentlichen Lebens so unleidlich erschwert wird. Und doch sind denn der Seelen so wenige, welche die Zeichen dieser Zeit verstehen und die sich am Himmelsrande sammelnden dunklen Wolken mit ihren Sturmeszeichen zu Herzen nehmen, dass sie eben von der Unruhe der Zeit aus ein tieferes Bedürfnis empfinden, in die heilige Stille zu flüchten, da man die Welt und ihre Not vergessen darf, weil man das Angesicht des in Gnaden Gegenwärtigen schaut? Gnade und Friede den Seelen, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, sie sollen satt werden; Gnade und Friede den Seelen, die da suchen, - an ihnen wird die Verheißung erfüllt, dass sie finden sollen. Gnade sei mit allen, die da lieb haben unsern Herrn Jesum Christum unverrückt! Amen.
Meppen, am 29. Februar 1896.
W. Grashoff.