Gerok, Karl von – Andachten zum Psalter - Psalm 140.

Gerok, Karl von – Andachten zum Psalter - Psalm 140.

(1) Ein Psalm Davids, vorzusingen. (2) Errette mich, Herr, von den bösen Menschen; behüte mich vor den frevelhaften Leuten, (3) Die Böses gedenken in ihrem Herzen, und täglich Krieg erregen. (4) Sie schärfen ihre Zunge, wie eine Schlange; Otterngift ist unter ihren Lippen. Sela. (5) Bewahre mich, Herr, vor der Hand der Gottlosen; behüte mich vor den frevelhaften Leuten, die meinen Gang gedenken umzustoßen. (6) Die Hoffärtigen legen mir Stricke, und breiten mir Seile aus zum Netz, und stellen mir Fallen an den Weg, Sela. (7) Ich aber sage zum Herrn: Du bist mein Gott; Herr, vernimm die Stimme meines Flehens. (8) Herr, Herr, meine starke Hilfe, du beschirmst mein Haupt zu der Zeit des Streits. (9) Herr, lass dem Gottlosen seine Begierde nicht; stärke seinen Mutwillen nicht, sie möchten sich's erheben, Sela. (10) Das Unglück, davon meine Feinde ratschlagen, müsse auf ihren Kopf fallen. (11) Er wird Strahlen über sie schütten, er wird sie mit Feuer tief in die Erde schlagen, dass sie nimmer nicht aufstehen. (12) Ein böses Maul wird kein Glück haben auf Erden, ein frevelhafter böser Mensch wird verjagt und gestürzt werden. (13) Denn ich weiß, dass der Herr wird des Elenden Sache und der Armen Recht ausführen. (14) Auch werden die Gerechten deinem Namen danken, und die Frommen werden vor deinem Angesicht bleiben.

Wir nähern uns allmählich dem Ende des Psalmbuchs, an dem wir uns nun schon so manches Jahr miteinander erbaut haben in dunkeln Winterabendstunden wie an heitern Sommermorgen. Noch elf Psalmen von den 150 sind uns mit dem soeben verlesenen übrig zur Betrachtung. Und diese elf letzten Psalmen zerfallen in zwei Partien. Im heute verlesenen gleichwie in den drei folgenden vernehmen wir noch einmal, wie früher so manchmal, die Stimme der Klage: es sind Klagepsalmen des verfolgten Davids über die Bosheit seiner Feinde. In den sieben letzten Psalmen aber, vom 144sten an, lässt sich zum guten Schluss, damit es auch hier heiße: Ende gut, alles gut - noch einmal hören die Stimme des Lobens und Dankens: es sind Loblieder auf die Herrlichkeit Gottes, die am Ende ausklingen mit dem letzten Vers des 150. Psalms in den Triumphgesang: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Halleluja.“

Möchte das auch unser letztes Lied einmal sein auf Erden, unser letzter Hauch hienieden, wie unser ewiger Lobgesang droben: ein seliges Halleluja! Inzwischen aber wird freilich auch bei uns vielleicht noch mancher Klagepsalm

vorausgehen und so wollen wir denn von unserem David auch diesmal wieder lernen, wie ein frommes, mit Gott vertrautes Herz alle seine Klagen vor Gott bringt im Gebet, namentlich auch die Klagen über boshafte Feinde, über giftige Zungen. Hauptsächlich:

Wider die bösen Zungen ist dieser Psalm gerichtet und wir vernehmen da:

1) Davids Klage, V. 1-6.
2) Davids Hoffnung, V. 7-14.

1) Davids Klage wider die bösen Zungen wird gleich nach der Überschrift laut:

V. 2: „Errette mich, Herr, von den bösen Menschen, behüte mich vor den frevelhaften Leuten.“ In seinen letzten Tagen noch, als ihm die Strafe des Herrn angekündigt wurde vom Propheten Gad für seine gottmissfällige Volkszählung und ihm die Wahl gelassen wurde zwischen sieben Jahren Teuerung, drei Monaten Flucht vor seinen Widersachern und drei Tagen Pestilenz im Lande, sprach David zum Boten des heiligen Gottes: Es ist mir sehr angst, aber lass uns in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hände fallen. Von der Bosheit der Menschen freilich hatte er Bitteres genug erfahren seit Sauls Verfolgungen in seiner Jugend bis zu Absaloms Empörung in seinem Alter, und lieber wollte er von der Hand des Herrn gestraft werden, die doch bei aller Strenge immer eine heilige und barmherzige Vaterhand bleibt, als noch einmal ein Spielball werden in den Händen übermütiger, unbarmherziger Menschen. Es geht auch uns nicht anders. Ein Leid, das aus Gottes Hand kommt, das hat für den Christen doch immer an sich selber etwas Heiliges und Tröstliches, und beim heißten Schmerz kann doch die gläubige Seele sprechen:

Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide?
Dringt das liebe Kreuz herein mit dem bittern Leide,
Lass es dringen, kommt es doch von geliebten Händen,
Schnell zerbricht des Kreuzes Joch, wenn es Gott will wenden.

Aber das Leid, das uns Menschen antun, das trägt in sich einen viel bittereren Stachel. Dort ist's der allmächtige Gott, unter dessen gewaltige Hand wir uns alle beugen müssen, - aber hier sind's Menschen, unseresgleichen, schlechtere als wir, unter denen wir leiden; dagegen empört sich unser Fleisch und Blut und fragt unwillig: Warum soll der über mich kommen? Dort ist's ein heiliger Wille, von dem wir überzeugt sein dürfen: Es soll so sein; was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; aber hier ist's ein unheiliger, ein böser Wille, den man gegen uns auslässt, und unser innerstes Gefühl sagt uns: Es soll nicht so sein, es ist nicht recht vor Gott und Menschen, dass man so mit mir umgeht. Dort glauben wir's, hinter allem Ernst und aller Strenge göttlicher Gerichte ist lauter heilige Liebe verborgen, denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er; aber hier ist es Hass und Bosheit, die wir empfinden müssen, und das tut weh. Da kann man auch zu der Bitte Davids kommen: Lass mich in die Hand des Herrn fallen, nur nicht in der Menschen Hände; und zu dem Seufzer unseres Psalms: „Errette mich, Herr, von den bösen Menschen, behüte mich vor den frevelhaften Leuten.“ Aber einen Rat lass dir geben, liebe Seele: wenn dir das Leid, das von Menschen kommt, unerträglich scheinen will, denk: es kommt im Grund auch von Gott; sie dürften mir's ja nicht antun ohne Gottes Zulassung; denk, wie unser David dachte, als der boshafte Simei dem flüchtigen König auf der Straße nachfluchte und den Gesalbten Gottes einen Bluthund schalt, und als Abisai, einer von Davids Getreuen, voll Entrüstung sprach: Ich will hingehen und ihm den Kopf abreißen; da sprach der fromme König: Lasst ihn fluchen, denn der Herr hat's ihm geheißen. So denk auch du von deinem Feind: Der Herr hat's ihm geheißen, oder wenigstens der Herr hat's ihm erlaubt, mich zu üben in der Geduld, mich zu prüfen in der Demut. Mein bitterster Feind ist nur eine Rute in der Hand meines himmlischen Vaters, der sie jetzt braucht zu meinem Besten und der sie wieder wegwerfen wird und vielleicht ins Feuer werfen, wenn er sie ausgebraucht hat. So will ich denn nicht soviel an die Rute denken als an die Vaterhand, welche die Rute führt. Jedenfalls aber, statt wieder zu fluchen, will ich mein Leid dem Herrn klagen, der da recht richtet, wie auch David nun seine Klage anhebt über seine Feinde:

V. 3: „Die Böses gedenken in ihrem Herzen und täglich Krieg erregen.“ Es ist wahr, es gibt solche Leute, die fast nur Böses gedenken in ihrem Herzen gegen jedermann, denen man täglich zurufen könnte wie der Heiland dort den Pharisäern: Warum denkt ihr so Arges in euren Herzen? Leute, die zum Voraus immer nur das Schlimmste annehmen von jedermann, die jeden Fehler und jede Schwachheit des Nächsten immer aufs ärgste auslegen, die selbst an dem Guten, das der Nächste hat und tut, nichts Gutes lassen, sondern immer etwas Böses dahinter wittern, weil sie eben andere beurteilen nach ihrem eigenen bösen Hegen. Leute, die, wie man's gewissen Spinnen nachsagt, aus allem, was sie berühren, nur Gift heraussaugen, statt dass ein gutmütiges, redliches, liebreiches Herz vielmehr der Biene gleicht, die nur den Honig sucht in jeder Blume und wär's eine Distel. Es ist wahr, es gibt solche Leute, die täglich Krieg erregen, denen Zank und Zwietracht ihr Element ist, darin sie leben wie der Salamander im Feuer, denen es nicht wohl ist, wenn sie irgendwo Frieden und Liebe, Eintracht und Vertrauen wohnen sehen, sondern alsbald wo sie hinkommen, wissen sie den Samen der Zwietracht auszustreuen und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen, den Mann gegen die

Frau, die Frau gegen den Mann, den Bruder wider die Schwester, den Freund wider den Freund, das Gesinde wider die Herrschaft, die Untertanen wider die Obrigkeit. So ein Mensch ist freilich ein böser Nachbar und übler Hausgenosse und eine schwere Last für ein friedliebendes Herz, dem es ernst ist mit dem Gebet: Lass mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, soweit es christlich ist, zumal da es so schwer ist, seinem Schwert auszuweichen und vor seinen Pfeilen sich zu hüten. - Und das Schwert, mit welchem solche Leute Krieg erregen, kennen wir alle: es ist die Zunge; die Pfeile, die sie wider einen abschießen, haben wir alle schon erfahren: es sind giftige Worte.

V. 4: „Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange, Otterngift ist unter ihren Lippen; Sela.“ Wer hätte nicht auch schon etwas zu erfahren bekommen von solchem Gifte böser Zungen? Gleichwie oft, während wir ruhig unsere Straße gehen und an nichts Arges denken, aus irgendeinem Winkel ein zänkischer Hund auf uns losfährt und uns anbellt und uns zehn oder zwanzig Schritte verfolgt mit seinem Gebell, so kann es einem rechtschaffenen Mann oft begegnen, dass auf einmal ohne Grund und Ursache so eine böse Zunge wider ihn losfährt und ihn mit boshaftem Geschrei eine Strecke weit verfolgt auf seinem Lebensweg. Nur dann sich nicht umdrehen und keinen Stein nehmen und nach dem Hündlein werfen, da bellt's desto ärger, sondern ruhig seines Weges gehen. So wird der Kläffer müd und kehrt am Ende um und setzt sich knurrend wieder unter seine Haustür. Noch lieber freilich als ins Gesicht greifen dich die bösen Zungen hinter dem Rücken an, sagen dir heimlich Böses nach, streuen irgendein boshaftes Gerücht über dich aus und schleichen sich davon wie die Schlange. Oder statt die Zunge zu schärfen, spitzt man heutigen Tags auch je und je die Feder, schreibt einen anonymen Schmähbrief an dich, auf den du nicht antworten kannst, weil du nicht weißt, woher er kommt, und wirft ihn in den Briefschalter und geht davon, als hätte man eine große Heldentat getan, und hat doch bloß einen Bubenstreich begangen, den Streich eines Feiglings, der aus dem Gebüsch einen Stein nach dem Wandersmann wirft und sich alsbald heimlich davon schleicht. Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber ich meine, diese feige Bosheit, die es nicht einmal wagt, ihren Namen herzugeben zu dem, was sie ausbrütet, und offen hervorzutreten gegen den, welchen sie angreift, die sei besonders auch ein Zeichen unserer Zeit. - Da kann freilich oft ein edleres Gemüt ausbrechen in den Seufzer Davids aus dem 55. Psalm: „O hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich flöge und etwa bliebe, siehe, so wollte ich mich ferne machen und in der Wüste bleiben,“ lieber in der Wüste bleiben als in der Stadt, wo Frevel und Hader umgeht bei Tag und Nacht, wo Lügen und Trügen umherschleicht in allen Gassen. Da hat freilich auch ein redlicher Mann Ursache, mit David zu beten:

V. 5: „Bewahre mich, Herr, vor der Hand der Gottlosen; behüte mich vor den frevelhaften Leuten, die meinen Gang gedenken umzustoßen,“ d. h. mich zu Fall zu bringen. Ja nur das nicht, nur deinen Gang lass dir nicht umstoßen, nur vom rechten Weg lass dich nicht abbringen durch solche boshafte Feinde; werde nicht auch schlecht, wenn sie schlecht sind; werde nicht auch leidenschaftlich, wenn sie ihren Leidenschaften den Zügel schießen lassen; fang nicht auch an zu schelten, wenn sie dich schelten; - eine bittere Stunde mögen sie dir machen, bei den Leuten mögen sie dir schaden, deinem guten Namen sogar mögen sie einen Flecken anhängen, nur in deine Seele hinein lass das Gift nicht dringen, nur in deinen Grundsätzen lass dich nicht irre machen, nur deinen Gang lass dir nicht umstoßen, den ruhigen Gang in Gottes Wegen; und bitte den Herrn selber: Bewahre mich, Herr, dass ich nicht zu Fall komme, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn.

Die Versuchung ist freilich groß auf allen Seiten, wie David weiter klagt:

V. 6: „Die Hoffärtigen legen mir Stricke und breiten mir Seile aus zum Netz und stellen mir Fallen an den Weg, Sela.“ Oder wie es in jenem Liede heißt:

Man muss hier stets auf Schlangen gehn,
Die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen;
Da kostet's Müh, auf seiner Hut zu stehn,
Dass nicht das Gift kann in die Seele dringen;
Wenn man's versucht, so spürt man mit der Zeit
Die Wichtigkeit.

Aber man spürt auch, wenn man's versucht, die Hilfe von oben; man erfährt auch den starken Beistand des Allmächtigen, der den Seinen versprochen, Ps. 91: „Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. Auf den Löwen und Ottern wirst du gehen und treten auf den jungen Löwen und Drachen.“ Das ist auch Davids Trost und Zuversicht.

Vernehmt nun:

2) Davids Hoffnung wider die bösen Zungen,

V. 7-14.

V. 7: „Ich aber sage zum Herrn: Du bist mein Gott; Herr, vernimm die Stimme meines Flehens.“ Ein schöner Aufschwung von der tiefsten Klage zu der seligen Höhe des Glaubens und Gottvertrauens. Ihr möget sagen, was ihr wollt; ihr möget lästern, wie ihr wollt; ich aber sage zum Herrn: Du bist mein Gott! - Nicht mit seinen Feinden lässt er sich in Streit ein, denn ein Kind Gottes vergilt nicht Scheltwort mit Scheltwort. Nicht bei der Welt sucht er sich zu verteidigen, denn die glaubt lieber das Böse als das Gute. Nein, zum Herrn wendet er sich, zu dem Allwissenden, der die Seinigen kennt, zu dem Barmherzigen, der die Seinen liebt, zu dem Allmächtigen, der die Seinen schützt.

O selig, wer diesen Freund kennt, zu diesem Freund sich flüchtet, wenn die Bosheit der Feinde ihm das Herz schwer und das Leben sauer macht; selig, wer dann mit Hiob spricht: Siehe da mein Zeuge ist im Himmel und der mich kennt, ist in der Höhe; selig, wer dann mit Paulus sagen kann: Mir ist's ein Geringes, ob ich von euch gerichtet werde: Gott ist's, der mich richtet; selig, wer dann mit David betet: „Ich aber sage zum Herrn: Du bist mein Gott; Herr, vernimm die Stimme meines Flehens.“ Gar kräftig lässt er nun die Stimme seines Flehens erschallen:

V. 8: „Herr, Herr, meine starke Hilfe, du beschirmst mein Haupt zur Zeit des Streits.“ Ja, der Herr ist eine starke Hilfe der Seinen. Aus allen Stricken und Netzen, aus allen Lästerungen und Schmähungen kann er die Seinen. siegreich herausführen. Das hat ein Josef erfahren, ein Hiob, ein David, eine Susanna und ein Daniel. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Und dass er so ein starker Gott ist, das beweist er den Bösen zum Trutz, den Frommen zum Schutz. Den Bösen zum Trutz, dessen tröstet sich David, V. 9-12.

V. 9: „Herr, lass dem Gottlosen seine Begierde nicht,“ lass ihn seine argen Gedanken nicht zur Ausführung bringen; „stärke seinen Mutwillen nicht,“ dadurch dass du's ihm gelingen lässt; „sie möchten sich's erheben,“ sie möchten nur um so übermütiger deshalb werden. Wie der allmächtige, gerechte Gott im Himmel bösen Rat bricht und hindert und in seiner Weisheit es gut zu machen weiß, was die Menschen gedachten böse zu machen; dafür gibt's ja manches herrliche Beispiel von Josefs Tagen an bis auf unsere Zeit, bis 3. B. auf das Mordattentat, das er in Paris vor etlichen Wochen so wunderbar vereitelt hat. Da heißt's noch immerdar wie beim Propheten, Jes. 8: Seid böse, ihr Feinde, und gebt doch die Flucht; beschließet einen Rat und es werde nichts daraus; beredet euch und es bestehe nicht, denn hier ist Immanuel. Ja noch mehr, er vereitelt nicht nur ihren Rat; er lässt auch ihre Bosheit zurückfallen auf ihr eigenes Haupt:

V. 10: Das Unglück, davon meine Feinde ratschlagen, müsse auf ihren Kopf fallen.“ Denkt an Josefs Brüder, an Susannas Verleumder, an Daniels Verkläger.

V. 11: „Er wird Strahlen über sie schütten, er wird sie mit Feuer tief in die Erde schlagen, dass sie nimmer nicht aufstehen.“ Denkt an das Feuer, das die lästernde Rotte Korah verschlang.

V. 12: „Ein böses Maul wird kein Glück haben auf Erden, ein frevelhafter böser Mensch wird verjagt und gestürzt werden.“ Wie hundertmal ist das schon erfüllt worden von jenem großsprecherischen Gaal an in Sichem, davon Richter 9 zu lesen steht, bei dem es hieß, als die Feinde über ihn kamen: Wo ist nun dein Maul? und von jenen Verklägern der schuldlosen Susanna, die mit ihrer Lüge sich selbst ums Leben brachten, bis auf diesen Tag, wo so manches Lästermaul den Fluch an sich erfahren muss, dass es kein Glück hat auf Erden, keine Liebe bei den Menschen, keinen Segen von seinem Lügen; und wie schrecklich wird es erst erfüllt werden dort, wo wir Rechenschaft ablegen müssen von einem jeglichen Wort, das wir geredet haben. Den Frommen aber und den unschuldig Verfolgten wird Gottes Schutz nicht fehlen:

V. 13: „Denn ich weiß, dass der Herr wird des Elenden Sache und der Armen Recht ausführen.“ Ja, Gott ist der rechte Sachwalter der Seinen und mancher schon hat's erfahren dürfen, was Paulus bezeugt: In meiner Verantwortung stand niemand bei mir, der Herr aber stand bei mir und stärkte mich. Und endlich wird er alle Klagepsalmen der Seinen in Lobgesang verwandeln:

V. 14: „Auch werden die Gerechten deinem Namen. danken und die Frommen werden vor deinem Angesicht bleiben.“ Ja dort, wohin die Bösen nicht kommen und die Lügner keinen Einlass finden, im ewigen Friedensreich Gottes, da werden die Frommen vor seinem Angesicht bleiben. O wenn wir solche Aussichten recht ins Auge fassen, wie klein und gering erscheint uns da alles Leid und aller Streit dieser armen Erde und wie schwach und ohnmächtig alle Bosheit der Bösen, die uns ja den Himmel doch nicht rauben kann, den Himmel nicht, den wir jetzt schon im Herzen tragen, und den Himmel nicht, der droben auf uns wartet! Da heißt's für und für:

Mein Herz beginnt zu springen und kann nicht traurig sein,
Ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein!
Die Sonne, die mir lacht, ist mein Herr Jesus Christ,
Das was mich singen macht, ist was im Himmel ist!

Amen.

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