Gerok, Karl von – Andachten zum Psalter - Psalm 116.
(1) Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört, (2) Dass er sein Ohr zu mir neigt; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen. (3) Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Angst der Hölle hatte mich getroffen; ich kam in Jammer und Not. (4) Aber ich rief an den Namen des Herrn: O Herr, errette meine Seele! (5) Der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. (6) Der Herr behütet die Einfältigen. Wenn ich unterliege, so hilft er mir. (7) Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes. (8) Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. (9) Ich will wandeln vor dem Herrn, im Lande der Lebendigen. (10) Ich glaube, darum rede ich. Ich werde aber sehr geplagt. (11) Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner (12) Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? (13) Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Namen predigen. (14) Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen, vor allem seinem Volk. (15) Der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten vor dem Herrn. (16) O Herr, ich bin dein Knecht; ich bin dein Knecht, deiner Magd Sohn. Du hast meine Bande zerrissen. (17) Dir will ich Dank opfern, und des Herrn Namen predigen. (18) Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen, vor allem seinem Volk; (19) In den Höfen am Hause des Herrn, in dir, Jerusalem, Halleluja.
Wo sind aber die Neune? Diese Frage, die der große Menschenfreund und Nothelfer, Jesus Christus, einst dort aussprach auf dem Wege von Galiläa nach Jerusalem, nachdem er zehn Aussätzige geheilt: Wo sind aber die neun andern? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Diese wehmütige Frage kann der gütige Geber aller guten Gaben, der mächtige Retter aus allen Nöten auch heute noch, auch vom Himmel herab tun über die undankbare Welt. Undank ist der Welt Lohn. Nicht nur menschliche Freunde und Wohltäter werden von ihr ausbezahlt mit diesem Lohn, nein, auch der reiche Gott im Himmel wird zumeist mit Undank abgespeist von seinen Menschenkindern. Unter zehn Geretteten, denen der Herr wohlgetan, ein Dankbarer; auf neun Bittgebete, die man in der Not getan, ein herzliches Dankgebet, wenn die Not vorüber ist - das wird ungefähr auch heute noch das Verhältnis sein, so dass es auch heute noch hundertmal wörtlich gilt: Sind ihrer nicht zehn rein geworden; wo sind aber die Neune?
Und es handelt sich dabei, meine Lieben, nicht nur um die ganz rohen und gottesvergessenen Seelen, die alle Segnungen Gottes trotzig hinnehmen als einen Raub und mit verhärtetem Gemüte den Dank ersticken, der dem Allgütigen gebührt; nein, auch edlere Seelen, auch gewissenhaftere Kinder Gottes werden da beschämt an ihre Brust schlagen und sich getroffen fühlen in ihrem Gewissen. Ich frage jedes hier, das auf sich selbst acht hat und sein eigen Herz in der Zucht hält: Hast du dich nicht auch schon ertappt über solchem Undank und Kaltsinn; hast du dich nicht schon wundern müssen und ärgern müssen über dich selbst, dass du sogar dann, wenn du dir selber zuriefst: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan“, ihn doch nicht recht fröhlich und herzlich loben, kein recht feuriges Dankgefühl in deiner Seele erwecken konntest, so dass dein Dankgebet mehr Pflichtsache als Herzenssache war?
Da muss es denn uns allen willkommen sein, in unserem heutigen Psalm ein recht warmes, schönes Dankgebet zu vernehmen, das wie ein voller, wallender Strom aus tiefstem Herzensgrunde quillt, ein Dankgebet, an dem wir allesamt wieder haben können:
Eine Anleitung zu einem Gott gefälligen Opfer des Dankes.
Da ist denn:
1) Die erste Regel,
die wir von unserem Psalmisten lernen können: Vergiss nicht die Not, in der du gewesen. Noch zitternd gleichsam im Andenken an die überstandene Not und Gefahr greift unser frommer Sänger in die Harfe. Wie der Schiffbrüchige von dem Felsen, auf den er sich gerettet hat, schaudernd zurückblickt in die brausenden Wellen, mit denen er soeben noch gekämpft hat, die ihn um ein Kleines verschlungen hätten, so blickt unser Psalmist rückwärts auf das, was er durchgemacht, wenn er besonders V. 3 ausruft: „Stricke des Todes hatten mich umfangen und Angst der Hölle hatte mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.“ Was es auch für eine Not war, die er überstanden, eine tödliche Krankheit oder eine boshafte Verfolgung oder sonst eine Lebensgefahr tieferschüttert gedenkt er der Todesnot, in der er geschwebt, der Höllenangst, die er durchgemacht, und schämt sich nicht, es zu bekennen, wie weit es mit ihm gekommen war. Nimm ein Beispiel dran, liebe Seele. Ach wie schnell schlagen wir uns oft die Not wieder aus dem Sinn, sowie sie vorüber ist. Eine gefährliche Krankheit, die uns an den Rand des Grabes brachte; eine augenscheinliche Lebensgefahr, der wir wie durch ein Wunder entgangen; eine teure Zeit der Not und des Mangels, unter der wir seufzten; eine peinliche Verlegenheit, in die unser eigener Leichtsinn oder Sünde uns gestürzt hat; eine Familientrauer oder ein Hauskreuz, womit der Herr uns und die Unsrigen heimsuchte; - wie bald ist alles wieder vergessen! wie ungern lassen wir uns wieder dran erinnern! Warum? Weil uns eine solche Erinnerung demütigt; weil sie uns an unsere Schwachheit, an unsere Sterblichkeit mahnt. Da sind wir entweder zu weichlich dazu: wir mögen nicht in unserem jetzigen Behagen gestört sein; oder sind zu hoffärtig dazu: wir schämen uns unseres damaligen Elends, unserer Seufzer, unserer Tränen, unserer Gebete sogar vielleicht, und darum blicken wir nicht gern rückwärts und darum ersticken wir mit dem Andenken an die Not auch den Dank für die Errettung. Nicht also, liebe Seele, das ist die ernste Lehre, die der heilige Gott uns einschärfen will durch die Trübsal: unsere Schwachheit und Gebrechlichkeit Leibs und der Seele, und wie gar nichts wir sind ohne ihn, wenn nicht er uns hält mit seinem starken Arm, wenn nicht er uns deckt mit seinen treuen Flügeln. Und diese Lehre wollen wir nicht gleich wieder vergessen und liegen lassen auf dem verlassenen Krankenlager, von dem wir aufstehen, und bei Seite stellen mit den ausgetrunkenen Arzneigläsern, sondern die wollen wir mithinausnehmen ins Leben; sie wird uns demütig machen, vorsichtig machen, dankbar machen in dem Gefühl: In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!
Vergiss nicht die Not, in der du gewesen! Das ist die erste Regel für ein Gott wohlgefälliges Opfer des Dankes. Die zweite aber heißt:
2) Vergiss nicht den Herrn, der dir geholfen!
Der Herr hat Großes an mir getan! Von diesem Gefühl ist die Seele, von diesem Bekenntnis ist der Mund unseres frommen Sängers voll. In das Lob des Herrn bricht er aus gleich:
V. 1 und 2: „Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört, dass er sein Ohr zu mir neigt; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.“ Dem Herrn gibt er weiter die Ehre:
V. 4. 5. 6: „Aber ich rief an den Namen des Herrn: Herr, errette meine Seele! Der Herr ist gnädig und gerecht und unser Gott ist barmherzig. Der Herr behütet die Einfältigen. Wenn ich unterliege, so hilft er mir.“ Der Herr hat geholfen. Vom Herrn ist es geschehen; von dem Allwissenden, der sein Ohr geneigt hat zu meinem Schreien; von dem Barmherzigen, der ein Herz hat für seine Kinder; von dem Gerechten, der die Seinen nicht dem Widersacher zur Beute lässt; von dem Wahrhaftigen, der seine Verheißungen pünktlich erfüllt; von dem Allweisen, der alles wohlmacht, wenn wir nur einfältig an ihn glauben und uns kindlich seiner Führung überlassen; von dem Allmächtigen, der mit starkem Arm auch vom Rande des Abgrunds die Seinigen noch zurückreißen, auch aus dem Staube des Todes sie wieder emporheben kann; von dem Herrn ist es geschehen und ist ein Wunder vor meinen Augen! Mit diesem Bekenntnis legt der Psalmist sein Dankopfer nieder vor dem Throne des Allerhöchsten. Sollten wir's nicht auch so machen? Ist es nicht eine Schande, meine Lieben, und unbegreiflich und unverantwortlich, dass das Menschenherz so schwer dazu kommt, dem die Ehre zu geben, dem sie doch zuerst und zuletzt gebührt, dem lebendigen Gott? Da muss alles andere eher geholfen haben, nur Gott nicht; da haben wir selber das Beste getan mit unserem Verstand, mit unserem Mut, mit unserer Kraft; da hat dieses oder jenes Mittel Wunder getan, dieser oder jener Arzt uns herausgerissen; da hat die Zeit geholfen, der Zufall geholfen, der Himmel geholfen, nur einer nicht, der lebendige Gott. Sei immerhin dankbar auch menschlichen Freunden, Rettern und Wohltätern; brauch immerhin auch die Kräfte, die dir geschenkt, auch die Mittel, die dir angewiesen sind; aber vergiss nicht: die Hauptsache, das Beste muss doch immer der im Himmel tun. Wenn er nicht will, dann richtet alle Menschenkraft nichts aus; wenn er will, dann gilt's ihm gleich, durch wenig oder viel zu helfen. Ist denn das so schwer zu erkennen? Oder ist es so schwer zu bekennen? Ist es eine Schande für einen schwachen Menschen, sich zu beugen vor dem großen allmächtigen Gott, der ihn mit Wohltaten überschüttet, und zu bekennen:
Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun, Du hältst die Wach vor unsrer Tür und heißt uns sicher ruhn. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu, Und stehst uns, wenn wir in Gefahr, mit Huld und Stärke bei! Vergiss nicht den Herrn, der dir geholfen! Und damit dein Dankopfer desto fröhlicher gen Himmel steige, so lerne:
3) Die dritte Regel:
Vergiss nicht des Guten, das dir widerfahren ist durch die Gnade des Herrn!
V. 7. 8. 9: „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes. Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. Ich will wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.“ Mit diesen Worten erkennt der Psalmist dankbar das Gute, das ihm vom Herrn widerfahren, und trocknet seine Tränen und tröstet seine Seele und freut sich doppelt des neugeschenkten Lebens, der freundlich aus den Wolfen wieder leuchtenden Sonne. „Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes.“ So wollen auch wir zu uns selber sprechen, wenn wir Gottes Güte wieder schmecken dürfen. Es gibt ängstliche Gemüter, die sich auch nach überstandener Not von ihrer Angst nicht erholen können; schwermütige Seelen, die einen erlittenen Verlust nicht verschmerzen wollen, auch wenn Gott seine Gnadensonne wieder leuchten lässt; unzufriedene Herzen, die über dem, was ihnen fehlt, das nicht schätzen, was sie Gutes haben und genießen dürfen; mürrische Leute, die über dem ewigen Klagen und Seufzen nie, auch in leichten und linden und erträglichen Tagen nicht, zum Loben und Danken gelangen. Solchen gilt das Wort: Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes.“ Trockne deine Tränen und weine nicht aus bloßem Eigensinn fort wie ein störrisches Kind, wenn ihm nichts mehr weh tut. Vergiss nicht soviel Gutes, das du noch allezeit vom Herrn genießen darfst neben so mancher Trübsal, und wär's nur dein täglich Brot, oder dein gesunder Leib, oder ein liebes Kind oder ein treuer Freund. Denke, der bis hierher geholfen, der wird auch ferner helfen; der aus sechs Trübsalen errettet hat, der wird auch in der siebenten seine Hand nicht von mir abziehen. So will ich denn wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen; will seiner Sonne mich freuen, solang er sie mir scheinen lässt; will jeden Tag, den er mir hienieden noch schenkt, dankbar annehmen als eine Gnadenzeit und fleißig nützen zu meiner Seelen Seligkeit und fröhlich sprechen:
Sollt ich meinem Gott nicht singen, sollt ich ihm nicht dankbar sein,
Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er's mit mir mein.
Ist's doch nichts als lauter Lieben, was sein treues Herze regt,
Das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben;
Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
Freue dich des Guten, das dir vom Herrn widerfährt. Und:
4) Vergiss nicht, Gott die Ehre zu geben vor aller Welt.
Das ist eine vierte Regel, die du lernen kannst aus unserem Dankpsalm.
V. 12: „Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut?“ So fragt in edler Liebesglut die dankbare Seele. Liebe, wie vergelt ich dir, was du Gutes getan an mir? Ja, welches dankbare Kind Gottes hätte nicht auch schon so gefragt, wenn ihm das Herz überfloss vom Gefühl göttlicher Gnade und Erbarmung? Die Antwort ist freilich schwer auf diese Frage, denn was kann ich armes Menschenkind vergelten dem ewigreichen Gott, der selber alles Guten Fülle ist? Was kann ich schwaches Geschöpf ihm geben, das ihm nicht zum Voraus schon gehörte?
Was kann ich sündiger Mensch ihm für ein Opfer bringen, an dem sein heiliges Auge nicht tausend Flecken entdeckte? Aber eine Antwort hören wir doch auf diese Frage, die der fromme Psalmist sich selber gibt und auch uns gibt, wenn er sagt:
V. 10: „Ich glaube, darum rede ich.“ Und V. 13. 14: „Ich will den heilsamen Kelch nehmen und des Herrn Namen predigen. Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen vor allem seinem Volk.“ „Ich glaube, darum rede ich.“ Ja, weil ich an den lebendigen Gott glaube, weil ich seine gnädige Hilfe erfahren habe; darum will ich auch davon reden, darum will ich ihm auch die Ehre geben vor der Welt. Nicht nur im tiefen Herzensgrund soll das Opfer meines Dankes ihm flammen, nein, wes das Herz voll ist, des soll der Mund auch übergehen. Nicht nur im stillen Kämmerlein soll mein Dankpsalm zu ihm aufsteigen, nein, auch vor den Leuten will ich mich nicht schämen, es zu bekennen: Der Herr ist mein Licht und mein Heil, meine Hilfe und mein Schild. In der Gemeinde der Gläubigen, wo man dem Herrn lobsingt, soll auch meine Stimme nicht fehlen, und auch unter dem Haufen der Ungläubigen, wo man den lebendigen Gott nicht kennt und nicht ehrt, auch da will ich meinen Glauben nicht verleugnen und meinem treuen Herrn die Ehre geben und sprechen: Wich alles Volk auch noch so fern: ich und mein Haus stehn zu dem Herrn. Das heißt den heilsamen Kelch nehmen und des Herrn Namen predigen. Bei den feierlichen Dankopfern im Volk Israel ward ein Festmahl gehalten und der Gastgeber füllte einen Kelch mit Wein und hob ihn betend empor und goss ihn aus als Spende des Dankes für den Herrn. So wollen auch wir den heilsamen Kelch, den der Herr uns eingeschenkt, den Trübsalskelch wie den Freudenbecher, getrost vor aller Welt emporheben gen Himmel und es bezeugen dem Herrn zur Ehre:
Was Gott tut, das ist wohlgetan!
Muss ich den Kelch gleich schmecken,
Der bitter ist nach meinem Wahn,
Lass' ich mich doch nicht schrecken,
Weil doch zuletzt ich werd ergötzt
Mit süßem Trost im Herzen;
Da weichen alle Schmerzen.
Ja, das wäre das rechte Dankopfer; da käme dann auch das letzte dazu:
5) Vergiss nicht, was du dem Herrn gelobt hast.
Bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Das ist die letzte und wichtigste Regel für ein dankbares Herz, die uns unser Dankpsalm lehrt. „Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen vor allem seinem Volk.“ So wiederholt zweimal der Psalmist und zwar feierlich und öffentlich, V. 14 und V. 18. 19. „Dir will ich Dank opfern,“ fügt er V. 17 hinzu. „Du hast mich vom Tode errettet, denn der Tod deiner Heiligen ist wert geachtet vor dir,“ V. 15; das heißt: du gibst sie nicht ohne Not dem Tode preis. So soll nun auch mein Leben dir heilig und ergeben sein und will ich ganz dir angehören mit Leib und Seel.
V. 16: „ Herr, ich bin dein Knecht, ich bin dein Knecht, deiner Magd Sohn; du hast meine Bande zerrissen“ und mich dafür an dich gebunden mit den Banden der Dankbarkeit, der Liebe und des neuen Gehorsams. Was verspricht da der fromme Sänger seinem Gott und Erretter? Offenbar nicht nur ein äußerliches Opfer, das er ihm in der Not gelobt hat und das er ihm nun darbringen will und bezahlen, sondern nach dem Spruch: Gehorsam ist besser denn Opfer, will er dem Herrn danken durch ein frommes, gottgefälliges Leben. So, Geliebte, wollen auch wir dem Herrn unsere Gelübde bezahlen. O wieviel Schönes und Gutes haben auch wir dem Herrn schon gelobt, sei es in Stunden der Angst und Not, sei es in Augenblicken des Danks und der Freude. Wie oft schon haben wir ihm neue Treue versprochen und gelobt, dieser oder jener Sünde abzusagen, dieses oder jenes Opfer ihm und seinem Reich darzubringen. Was müsste aus uns allen schon geworden sein, hätten wir diese Gelübde auch bezahlt, hätten wir diese Opfer auch gebracht! Aber wer unter uns allen steht nicht als Schuldner vor dem Herrn hundertfach und tausendfach? Hätt er's nicht um uns alle verdient, dass wir ihm jeden Tropfen Blut zum Eigentum ergeben? Müssen wir nicht auch bekennen: Herr, ich bin dein Knecht, ich bin deine Magd; du hast meine Bande zerrissen und mich erlöst von Sünde, Tod und Hölle? Wohlan denn, liebe Seele, opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde. Denk an die Not, in der du gewesen, und an den Herrn, der dir geholfen, und an das Gute, das dir geworden, und an die Welt, vor der du Gott die Ehre geben, und an deine Gelübde, die du bezahlen sollst durch ein frommes Leben, und sprich:
Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn;
Liebe, die mich überwunden, und mein Herz hat ganz dahin:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewig!
Amen.