Gerok, Karl von - Andachten zum Psalter - Psalm 85.
(1) Ein Psalm der Kinder Korahs, vorzusingen. (2) Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande, und hast die Gefangenen Jakobs erlöst; (3) Der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk, und alle ihre Sünde bedeckt, Sela; (4) Der du vormals hast allen deinen Zorn aufgehoben, und dich gewendet von dem Grimm deines Zorns; (5) Tröste uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns. (6) Willst du denn ewig über uns zürnen, und deinen Zorn gehen lassen immer für und für? (7) Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass sich dein Volk über dich freuen möge? (8) Herr, erzeige uns deine Gnade, und hilf uns. (9) Ach dass ich hören sollte, dass Gott der Herr redete, dass er Frieden zusagte seinem Volk, und seinen Heiligen, auf dass sie nicht auf eine Torheit geraten. (10) Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; (11) Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; (12) Dass Treue auf der Erde wachse, und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; (13) Dass uns auch der Herr Gutes tue, damit unser Land sein Gewächs gebe; (14) Dass Gerechtigkeit dennoch vor ihm bleibe, und im Schwange gehe.
Der heutige Aschermittwoch gilt seit uralter Zeit in der christlichen Kirche als ein Tag stiller Sammlung und ernster Buße, wo das eitle Getümmel der Winterlustbarkeiten verstummen, wo die andächtige Vorbereitung auf die Passionswoche beginnen, wo die Christenheit das bunte Narrenkleid ausziehen und Buße tun solle im Sack und in der Asche. Und doppelt ernst tritt dieser Aschermittwoch diesmal in unser Land herein als ein Prediger der Buße, als ein Bote göttlicher Gerichte. In einer so schweren und so bösen Zeit, wo Hunger und Kummer einander begegnen auf allen Straßen und Kreuzwegen im Lande; wo die Not wie ein reißendes Schneegewässer mit jedem Tag im Lande steigt, da fürwahr ergeht an alle, die noch Ohren haben zu hören, mächtiger als je der Ruf: Heute, so ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht!
Hätten wir heute nicht ohnehin eine Betstunde - es wäre der Mühe wert gewesen, auf heut eine zu bestellen. Und hätten wir für diese unsere heutige Abendstunde und Aschermittwochbetrachtung einen eigenen Text gesucht, so hätten wir kaum einen passenderen finden können, als diesen unseren 85. Psalm. Es ist ein Notpsalm. In einer Zeit allgemeiner Landesbedrängnis, wahrscheinlich nach der Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, ist er gesungen. Der Herr hatte zwar damals sein Volk aus fremder Knechtschaft gnädig wieder heimgeführt. Aber es war noch böse Zeit für die Zurückgekehrten; die Stadt lag im Schutt und gab ihnen noch kein Obdach; die Felder lagen wüst und gaben noch keine Speise; die Feinde ringsum neckten, höhnten und störten die Kinder Israels beim Bau, also dass sie bauen mussten, wie wir bei Nehemia lesen, in der einen Hand die Kelle zur Arbeit, in der andern den Spieß zum Streit. Damals mag aus der Mitte des bedrängten Volks mit manchem Seufzer und Klagelied auch dieser Notpsalm gen Himmel gestiegen sein. Er ist zugleich ein Bußpsalm. Als eine Gnade erfleht sich's das Volk durch den Mund des Psalmisten von dem Gott, der die Missetat vormals vergeben hat, dass er von seinem Zorn ablassen und das gute Werk, das er am Volke begonnen, auch treulich hinausführen wolle bis zum Ende, dass das Land wieder grüne und das Volk wieder blühe wie vor Alters.
Ein solches Gebet aber, Geliebte, ist gewiss auch in unserer Zeit am Platz, und so wollen wir denn unsern 85. Psalm betrachten als
Einen Not- und Bußpsalm auch für unser Volk. Wir finden:
1) Einen wehmütigen Rückblick in die bessere Vorzeit; V. 2–4.
2) Einen demütigen Aufblick zu dem Gott aller Gnade; V. 5-9.
3) Einen hoffnungsvollen Ausblick in eine schönere Zukunft; V. 10-14.
1)
Mit einem wehmütigen Rückblick in die bessere Vorzeit beginnt der Sänger:
V. 2: „Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast die Gefangenen Jakobs erlöst.“
Da mahnt er den Gott Israels an seine alten Gnadentaten und Liebeswunder nicht nur aus der grauen Vorzeit, da er unter Mose sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens erlöst, durch die Wogen des roten Meers und durch die dürren Steppen der Wüste wie durch die Kriegsheere ihrer Feinde, Moabs und Amaleks, Kanaans und Philistäas sie wohlbehalten hindurchgeführt und eingesetzt ins Land, da Milch und Honig floss, sondern auch an seine jüngsten Gnadenwohltaten mahnt er den Herrn, da er sein Volk aus der Fremde, wo sie saßen an den Wassern zu Babel und ihre Harfen hingen an den Weiden und weinten, wenn sie an Zion gedachten, nach 70 Jahren der Verbannung erlöste, indem er dem großen König Kores das Herz lenkte, dass er, edler denkend als einst Pharao in Ägypten, dem Volk Israel erlaubte, wieder hinaufzuziehen gen Jerusalem und dem Herrn ein Haus zu bauen. „Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Volk.“ Bist du denn nicht mehr der alte Gott, klagt nun der Sänger; bist du müde deiner Gnade und Erbarmung und willst nicht zu Ende führen das gute Werk, das du angefangen, und uns helfen, die Mauern Zions wieder zu bauen?
„Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast die Gefangenen Jakobs erlöst.“ Ach, so möchte man auch heutzutage klagen, wenn man aus der trüben Gegenwart zurückblickt in die bessere Vorzeit. Wieviel Gnade hat Gott seit Jahrhunderten auch an unserem Volk und Lande getan; durch wieviel Stürme hat er es gnädig hindurchgeführt! Zu unserer Großväter Zeit ging das Sprichwort: Das Land Württemberg könne man nicht ruinieren, wenn man's auch mit Fleiß darauf anlegte - und nun ach möchte man's oft umkehren und sagen: Unserem Lande könne man nicht mehr aufhelfen, wenn man auch allen Fleiß und Mühe daran wendete. Noch vor zehn und fünfzehn Jahren galt unser Schwabenland als ein gesegnetes Land, als ein Augapfel Gottes; Most und Wein floss in die Kelter des fleißigen Landmannes, wohlfeiles Brot und die dampfende Kartoffelschüssel stand auch auf des armen Mannes Tisch, und wer arbeiten wollte, der hatte zu leben. Wie gar anders ist das nun geworden; sieben magere Jahre nacheinander in Weinbergen und Obstgärten, auf Kartoffeläckern und Kornfeldern haben das Mark des Landes aufgezehrt; auch die Gewerbe liegen darnieder, auch der fleißige Mann kann sich fast nicht mehr fortbringen, und kaum schmilzt der Schnee, so ziehen wieder scharenweise die Auswanderer fort, um sich überm Meer ein gelobtes Land, eine neue Heimat zu suchen. O wahrlich, da möchte man auch in bitterer Wehmut gedenken der vorigen besseren Zeiten und schmerzlich gen Himmel klagen: Sieh uns doch wieder in Gnaden an, o Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast die Gefangenen Jakobs erlöst!
V. 3: „Der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk und all ihre Sünde bedeckt, Sela.“ Damit geht der Sänger über auf die geistlichen Segnungen Gottes, die er seinem Volk gespendet, indem er Gnade vor Recht ergehen ließ und ihre Missetat ihnen vergab. Auch seinen geistlichen Segen, den Reichtum seiner Gnade und Erbarmung hat Gott von altersher ausgeschüttet über unser Volk und Land. Reichlicher noch und seliger als das Volk des alten Bundes haben wir, ein christliches Volk in seinem Sohne Jesu Christo, schmecken und erfahren dürfen den Reichtum göttlicher Langmut, Barmherzigkeit und Geduld; lauterer und ungetrübter als manchem andern Christenvolk ist unserem altevangelischen Württembergerland seit 300 Jahren das Brünnlein der göttlichen Gnade und Erbarmung geflossen in dem unverfälschten Evangelium Jesu Christi. Wohl hat unser Volk diesen teuren Schatz nicht immer so geschätzt und benützt, wie er's verdiente; wohl hat es auch in vorigen Tagen durch seine Sünden oftmals die schweren Zorngerichte Gottes sich aufgeladen, sei's dass es mit Hunger und teurer Zeit oder mit verheerenden Kriegsläuften oder mit heillosem Regiment im eigenen Innern gestraft ward. Aber die Gerichte Gottes gingen doch immer wieder vorüber, wie der Psalmist sagt:
V. 4: „Der du vormals hast allen deinen Zorn aufgehoben und dich gewendet vom Grimm deines Zorns.“ Wenn der Kelch des Zorns ausgetrunken war, dann kam doch auch wieder ein Becher der Erquickung; wenn die Trübsalswetter ausgedonnert hatten, dann erschien doch auch wieder der Friedensbogen der göttlichen Gnade und der Sonnenschein göttlicher Güte, dass sich die Menschheit wieder erholen konnte und der Erbarmung ihres Gottes erfreuen. O, im wehmütigen Rückblick auf eine bessere Vorzeit stimmen wir auch von Herzen mit ein in das rührende Klagelied, das der fromme Gerhard gesungen im Jammer des dreißigjährigen Kriegs:
Herr, der du vormals hast dein Land mit Gnaden angeblicket,
Und wenn du Strafen ihm gesandt, es wiederum erquicket;
Der du die Sünd und Missetat, die alles Volk begangen hat,
Uns väterlich verziehen;
Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wieder laben?
Und sollen wir an deinem Licht nicht wieder Freude haben?
Ach geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt und Segen aus
Auf uns und unsre Häuser! 1)
2)
Ein demütiger Aufblick zu der göttlichen Erbarmung, das ist's, was auch unser Psalm uns lehrt:
V. 5: „Tröste uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns.“ Dass niemand trösten kann, niemand helfen kann in unserer Landesnot als der allmächtige Gott, das haben wir nun seit Jahren nach und nach einsehen lernen, nachdem alle menschlichen Mittel und Anstrengungen dem Übel nicht abhelfen konnten. Darum wohl uns, wenn wir alle, vom Fürsten auf dem Thron bis zum Ärmsten auf dem Stroh, im demütigem Gefühl unserer eigenen Ohnmacht flehende Hände gen Himmel erheben mit dem frommen Gebet: „Tröste uns, Gott, unser Heiland!“ Unser Heiland! Gottlob, dass wir bei diesem süßen Namen ihn rufen dürfen, den großen, heiligen, alleingewaltigen Gott! Gottlob, dass wir einen Namen kennen, in dem uns der ewige Gott sein treues Heilandsantlitz zugewendet hat und all seine Liebe und Erbarmung uns immer aufs Neue wieder schenkt, den Namen unseres Herrn Jesu Christi; in ihm, unserem Heiland, dürfen wir auch den ewigen Gott als unsern Helfer und Heiland erkennen und umfassen; der Gott der Barmherzigkeit, der in Jesu Christo seine Gnade uns auf ewig zugesagt, der wird auch von seiner zeitlichen Ungnade ablassen, wenn wir demütig und bußfertig sein Angesicht suchen.
V. 6: „Willst du denn ewig über uns zürnen und deinen Zorn gehen lassen immer für und für?“ Nein, das will der nicht, das kann der nicht, der selber sagt durch den Mund seines Propheten Jesaias (57, 16): Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewig zürnen - der Gnädige und Barmherzige, der nicht von Herzen plagt die Menschenkinder und hat nicht Lust am Tode des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe.
V. 7: „Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass sich dein Volk über dich freuen möge?“ O ja, das will er und kann er und wird er, der auch das alte Bundesvolk getröstet hat durch Prophetenmund (Jes. 54): Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser! Rufet ihn nur an in der Not; lasst nur nicht ab, zu ihm zu flehen bei Tag und bei Nacht, in der Kirche und im Kämmerlein, wie unser Psalmist ruft und fleht:
V. 8: „Herr, erzeige uns deine Gnade und hilf uns!“ Ja wenn so unser Volk beten würde von ganzem Herzen; wenn nächsten Sonntag, am großen Landesbußtag, ein betendes Volk auf den Knien läge vor seinem Gott als ein bußfertiges Volk, das demütig um Gnade fleht, weil es einsieht: Ich habe Zorn verdient und kann mir nicht selber helfen; und als ein gläubiges Volk, das vertrauensvoll um Hilfe bittet, weil es weiß: Ich habe einen Gott und Heiland im Himmel, der da helfen kann, weil er der Allmächtige, und der da helfen will, weil er der Barmherzige ist, o dann fürwahr würden wir nicht vergeblich flehen, dann gewiss würde der heiße Wunsch auch uns in Erfüllung gehen, den der Psalmist ausspricht:
V. 9: „Ach, dass ich hören sollte, dass Gott, der Herr, redete; dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht auf eine Torheit geraten.“ Ja der Herr sagt Frieden zu seinem Volk, sowie sein Volk Frieden sucht bei ihm; der Herr schenkt auch uns Frieden, sowie wir nur auf seinen Wegen, den Wegen des Friedens wandeln als seine Heiligen, als ein Volk, das da fleißig ist zu guten Werken. Dann zieht der Friede Gottes ein in unsere Herzen - und in unsere Häuser - und in unser ganzes Land. Dann werden wir nicht aufs neue in eine Torheit geraten. es ist traurig zuzusehen, wie ein Volk von einer Torheit in die andere gerät und sich selbst ins Verderben stürzt durch seine Verblendung, ja wie es auch durch die Warnungen, durch die Mahnungen, durch die Züchtigungen Gottes nicht zur Besinnung kommt, sondern immer tiefer hineinrennt in Trotz und Grimm, in Leichtsinn oder Verzweiflung, wie wir das erleben an Tausenden in unserem Volk. Davor behüt uns, lieber Herr und Gott! Ja da flehen wir abermals mit unserem Gerhard:
Ach dass ich hören sollt das Wort erschallen bald auf Erden:
Dass Friede sollt an jedem Ort, wo Christen wohnen, werden;
Ach dass uns doch Gott sagte zu des Krieges Schluss, der Waffen Ruh
Und alles Unglücks Ende!
Ach kehrte doch die böse Zeit sich um zu guten Tagen,
Damit wir in dem großen Leid nicht möchten ganz verzagen;
Doch ist ja Gottes Hilfe nah und seine Gnade steht da
All denen, die ihn fürchten! 2)
Ja wohl, darum schließt auch unser Psalm gar lieblich:
3)
Mit einem hoffnungsvollen Ausblick in eine schönere Zukunft.
V. 10: „Doch, doch trotz allem Jammer, in dem wir jetzt stecken, ist ja seine Hilfe nah und steht vor der Tür denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne.“ Ja wenn die Furcht des Herrn wieder einkehrt in unsern Häusern, dann wird auch der Segen des Herrn wieder kommen. Wenn man Gott wieder ehrt im Lande, dann wird er auch uns wieder zu Ehren bringen, wie er gesagt hat: Wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden, (1. Sam. 2.) Warum ist unserem Volk der Ehrenkranz vom Haupt gefallen, der einst um seine Stirne grünte, so dass es nun dasteht arm, kraftlos unter seinen Nachbarn, den einen zum Spott, den andern zum Mitleid? Weil man Gott nicht mehr ehrte, weil Gottes Wort in Verachtung, christliche Zucht und Sitte in Abgang kam bei Hohen und Niederen, weil man sich seiner alten Christentugenden schämte, des Glaubens, der Ehrbarkeit, der Gottseligkeit, darum fiel ein Läublein nach dem andern, ein Zweiglein nach dem andern. aus unseres Volkes Ehrenkranz, dass nächstens nichts mehr übrig ist als eine Dornenkrone. Aber gebt nur dem Herrn wieder die Ehre mit Herzen, Mund und Wandel; lasst nur Gotteswort und Gottesfurcht wieder zu Ehren kommen im Palast und in der Hütte, dann wird auch im Lande wieder Ehre wohnen, dann wird unser Volk wieder blühend dastehen inmitten seiner Nachbarn. Ja dann werden die Segensengel Gottes, die schon Abschied genommen zu haben schienen, wieder freundlich das Land durchwandeln auf allen Wegen und Stegen.
V. 11: „Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“ Liebliches Gemälde eines goldenen Zeitalters! Seliges Land, in welchem so göttliche Segnungen und menschliche Tugenden einander die Hand reichen wie verschwisterte Engel! Seliges Land, wo der Engel der göttlichen Güte mit seinem goldenen Füllhorn durch die Fluren wandelt und schüttet Segen aus über Berg und Tal; wo der Engel der Treue ihm begegnet auf dem Weg, wo fromme Treu und Redlichkeit wohnt in Stadt und Land, in der Hütte und im Palast; wo Gerechtigkeit und Friede sich küssen, wo der Engel der Gerechtigkeit durchs Land schreitet mit bloßem Schwert und hält Bosheit und Verbrechen mit starker Hand darnieder, und wo der Engel des Friedens ihm begegnet mit seinem Palmzweig und küsst ihn und geht mit ihm Hand in Hand; (denn Gerechtigkeit und Frieden gehen Hand in Hand); wo Gerechtigkeit waltet, da wohnt auch allein der wahre, der dauernde Frieden, da können wir ein friedliches und ruhiges Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, wie es Christen geziemt. O da lächeln Erd und Himmel einander freundlich zu:
V. 12: „Dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.“ Auf Erden ein Volk, das zu Gott aufschaut und emporwächst, das fruchtbar ist an guten Werken und zunimmt an allem, was etwa eine Tugend, etwa ein Lob ist; - und im Himmel ein Gott, der mit Vateraugen herniederschaut auf sein Volk und es segnet mit allerlei geistlichem und leiblichem Segen: könnet ihr euch etwas Lieblicheres denken?
Wir schauen hinauf, der Vater herab,
An Lieb' und Treu' geht uns nichts ab,
Bis wir zusammenkommen!
O dann würde unser Land wieder voll Segens werden im Leiblichen und im Geistlichen. Im Leiblichen:
V. 13: „Dass uns auch der Herr Gutes tue, damit unser Land sein Gewächs gebe.“ Ja dann wird der Herr unsere Weinberge und Obstgärten, unsere Fruchtfelder und Kartoffeläcker wieder segnen, dass sie ein fleißiges und frommes Volk wieder nähren. Und dazu der geistliche Segen:
V. 14: „Dass Gerechtigkeit dennoch vor ihm bleibe und im Schwange gehe;“ dass wir je mehr und mehr heranwachsen zu einem gerechten Volk, zu einem Volk des Eigentums, das da fleißig sei zu guten Werken. O das sind selige Aussichten! Und sagt nicht: es sind leere Träume; nein, so sollte es werden nach Gottes heiligem Ratschluss. So könnte es werden, so schlimm es jetzt aussieht, wenn wir uns nur von ganzem Herzen bekehrten.
Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott schon wieder zu uns wenden,
Den Krieg und alle andre Not nach Wunsch nun also enden,
Dass seine Ehr in unsrem Land und allenthalben werd erkannt,
Ja stetig bei uns wohne!
Die Güt' und Treue werden schön einander grüßen müssen;
Das Recht wird durch die Lande gehn und wird den Frieden küssen;
Die Treue wird mit Lust und Freud auf Erden blühn,
Gerechtigkeit Wird von dem Himmel schauen. 3)
Amen.