Zuletzt angesehen: Frommel, Max - Am Ostersonntage.

Frommel, Max - Am Ostersonntage.

Frommel, Max - Am Ostersonntage.

Den am Abend lang währt das Weinen, so war's am Karfreitag Abend, als die tiefen Schatten über das Land Israel fielen und der große Sabbat anbrach, da der Herr im Grabe lag und ruhte von allen seinen Werken. Da weinte Maria, die Mutter Jesu, denn ihr war unter dem Kreuz das Schwert durch ihre Seele gegangen, davon Simeon ihr geweissagt; bei ihr saß weinend Johannes, der sie zu sich genommen als heiligen Nachlass seines sterbenden Herrn am Kreuz; er verhüllte sein Angesicht in stummem Schmerz, denn durchbohrt war die Brust des Meisters, an der er einst gelegen als der Jünger, welchen der Herr lieb hatte. Da weinte Simon Petrus seine bitteren Tränen, doppelt bitter, weil zu dem Schmerz um das Sterben des Herrn die Reue über die eigene Verschuldung sich gesellte; da weinte der schwermütige Thomas, der Alles hatte so kommen sehen und gesagt: „Lasst uns mit ihm ziehen, dass wir mit ihm sterben.“ Da weinten Nikodemus. und Joseph von Arimathia, die den heiligen Leichnam vom Kreuz genommen und mit liebenden Händen zur Ruhe gebettet hatten im kühlen Grabe; da weinten die Jüngerinnen, die sich gegen das Grab gesetzt und in sprachlosem Weh Alles, Alles begraben wussten, was die Liebe ihrer Seele gewesen. Es sind viel Tränen gewesen zu Jerusalem in stillen Kammern, aber der Herr hat sie alle gezählt. Den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens die Freude.“ Denn siehe, als die Morgenröte des Ostertages ihre ersten Schwingen regte, da ward es lebendig in den Kammern der Erde. Das Erbeben der Natur ist wie ein Posaunenstoß und wie eine Osterglocke mit lautem Schalle - da fliehen die Hüter, da regt sich's in den Kammern der Trauernden, die Frauen eilen zum Grabe und finden den Stein abgewälzt und das Grab offen, und der Engel ruft: „Ihr sucht Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten, er ist auferstanden und ist nicht hier.“ Da kommt das Erbeben über die Herzen der Frauen, sie eilen zu den Jüngern, sie fassen die Stränge der Osterglocke, sie heben an zu läuten, erst leise: Das Grab ist offen, dann lauter: Der Engel hat gesagt: Jesus ist auferstanden! Es kommt Maria Magdalena vom Grabe, und der Herr ist ihr erschienen; es kommt Simon Petrus die Tränen sind hinweg, der Herr ist ihm begegnet; es kommen die Emmausjünger, es sammeln sich die Jünger, und durch die verschlossene Türe tritt der Auferstandene selbst und ruft: „Friede sei mit euch!“ Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Was erst wie ein Flüstern durch sie hingegangen war, das ist zur vollen Gewissheit geworden, und der Osterjubel ist losgebrochen: Jesus lebt und wird hinfort nimmermehr sterben; Jesus lebt und hat den Tod besiegt und herrscht nun in Ewigkeit. Und siehe, dieser helljauchzende Ton, das ist die Osterposaune und der Klang der Osterglocke, der nun nimmer schweigen soll. Jesus lebt, Jesus stirbt nicht - das läuten die Jüngerhände durch alle Kreatur, und mächtig geht der Ton von Ohr zu Ohr, von Herz zu Herz, von Mund zu Mund, von Volk zu Volk, von Jahrhundert zu Jahrhundert. In alle Lande ist ausgegangen ihr Schall - von Sonntag zu Sonntag, von Osterfest zu Osterfest tönt immer noch das Erdbeben, die Engelverkündigung, die Jüngerpredigt. Jesus lebt in den Kirchen, auf den Kanzeln, an den Altären, in den Glocken und in den Stimmen der singenden Gemeinde, bis hinein ins Kämmerlein der Weinenden tönt's laut und vernehmlich: „Jesus Lebt! Christ ist erstanden von der Marter alle. Des sollen wir alle froh sein, Christus will unser Trost sein. Halleluja.“ Dieser Posaunenton und Osterglockenklang soll auch heute unter uns tönen. O, möchte ich Jedem von euch heute ins tiefste Herz hineinläuten können: Dein Jesus lebt, dein Jesus stirbt nicht. Halleluja.

Vernehmt dazu unseren Text, welcher geschrieben steht:

Joh. 14, 19.
Ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Wir hören hier:

Das Osterevangelium im Munde des Auferstandenen:

es lautet:

Ich lebe, Ihr sollt auch leben.

Herr, Du siegreicher Osterkönig, der Du für uns gelitten und gestritten, für uns gesiegt und überwunden hast, wir bitten Dich, teile unter uns Deine Osterbeute aus durch Dein Wort, dass unsere Seelen froh werden in heiliger Osterfreude. Amen.

I.

„Der Herr ist auferstanden“, so lautet der Ostergruß, und zurück tönt's: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Wohl dem, der das antworten kann. Die Rationalisten können es nicht, sie haben einen toten Christus, einen großen Propheten von Nazareth, der vor 1800 Jahren gelebt, gelehrt, gelitten hat und im Grabe geblieben ist. Sie geben sich zwar alle Mühe, ihn zu feiern, reden vielleicht auch an Ostern von der Auferstehung seines Geistes, aber ihr Christus ist tot, und alle ihre Mühe ist nur ein Salben des großen Toten mit 100 Pfund Aloen und Myrrhen.

Aber du, du, hast du auch einen toten Christus, oder kannst du sagen: Jesus lebt, der Herr ist wahrhaftig auferstanden? An der Antwort auf diese Frage hängt denn doch die ganze Osterfreude.

Vielleicht ist Mancher unter uns, der gern antworten möchte mit dem Herzen, aber noch umfangen ist von den Zweifeln des Verstandes, Mancher, der die bange Frage in sich trägt: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Denen möchte ich erst Antwort bringen und sagen: Die Auferstehung Jesu Christi ist allererst keine Lehre, sondern eine Geschichte, eine Tatsache, eine Großtat, deren Urheber der allmächtige Gott ist. Als eine Tatsache der Geschichte muss man sie aber nicht zuerst beweisen, sondern bezeugen. Darum ist die Predigt von Christo wesentlich ein Zeugnis und erst in zweiter Reihe eine Lehre. Und die Auferstehung Jesu Christi ist uns bezeugt, es gibt keine Tatsache der Weltgeschichte, die besser bezeugt wäre. Nicht nur ist sie im Alten Testament geweissagt, von Christo vorhergesagt und ein Teil seines Zeugnisses, sondern sie ist der Mittelpunkt des ganzen apostolischen Zeugnisses. Alle Evangelien, alle Episteln bezeugen sie; Zenge der Auferstehung Christi ist vor Allem Saulus, der durch die Erscheinung des Auferstandenen zum Paulus geworden ist, kein Mann von kranken Nerven, sondern der nüchternste Praktiker, den es je gegeben, dessen ganze Persönlichkeit, Bekehrung, Briefe, dessen ganzes riesiges Werk ein ungelöstes Rätsel bleibt, wenn Christus nicht auferstanden ist. Die Schrift Neuen Testaments bleibt die große Zeugin der Auferstehung Jesu Christi, und obwohl die Feinde diese Zeugin vernichten wollen, so gilt doch von ihr das Wort, dass auch sie wie das edle Silber im Feuer der Kritik noch immer bewährt worden ist siebenmal, und von ihren Verächtern gilt die Grabschrift: „Sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben standen.“

Aber wie die Schrift, so ist auch die Kirche Zeugin der Auferstehung Christi. Wenn Johannes sagt: „Drei sind, die da zeugen auf Erden, der Geist und das Wasser und das Blut“, so nennt er damit die drei großen Gnadenmittel der Kirche, in welchen Gott von Christo zeugt: der Geist im Worte der Predigt des Evangeliums, das Wasser in der heiligen Taufe, das Blut im Kelch des Neuen Testaments. Ja wahrlich, die ganze Predigt ist im tiefsten Sinne Osterpredigt: „Ihr sucht Jesum den Gekreuzigten; er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat“, Wort vom Kreuz und Wort vom offenen Grab; und die Taufe ist ein Begrabenwerden. und Auferstehen mit Christo, und das heilige Abendmahl ist eine fortgehende Todesverkündigung des Auferstandenen, der uns seinen verklärten Leib und sein verklärtes Blut gibt. Ist Christus nicht auferstanden, so ist unser Glaube ein frommer Wahn, und wir sind noch in unsern Sünden, und das ganze Tun der Kirche ist eine Lüge. Aber nicht nur durch ihr Wort und Sakrament zeugt die Kirche von Christo, dem auferstandenen Fürsten des Lebens, sondern ihr ganzes Dasein, ihr Leben, ihre Geschichte ist ein Tatbeweis und Tatzeugnis für die Auferstehung. Ist nicht ihr Leben immer und immer wieder eine Grablegung des alten Menschen und eine Auferstehung des neuen Menschen? Und ihre Geschichte, ist sie nicht immer und immer wieder eine Ostergeschichte. Noch immer ruft Kaiphas sein „Kreuzige“, noch immer geißelt Pilatus, kreuzigt, begräbt sie und versiegelt ihr Grab mit amtlicher Urkunde und stellt Hüter ums Grab aber nach drei Tagen steht sie immer wieder auf und triumphiert: Jesus lebt, und seine Kirche soll auch leben! Es hat schwerere Zeiten für die Kirche gegeben als die, in welcher wir leben; sie hat sich flüchten müssen unter den Verfolgungen der heidnischen Weltherrscher, die Kirche der Wüste und die Kirche der Katakomben; sie ward verfolgt von den römischen Päpsten, die Kirche der Kerker und die Kirche der babylonischen Gefangenschaft, aber immer ist ihr Quell wieder hervorgebrochen und ihre Stimme laut geworden: Jesus lebt und stirbt nicht. Mag welken und altern in der alternden Welt, was da will, Jesus altert nicht, sein Auge wird nimmer dunkel und seine Kraft verfällt nicht, und ob Hunderte des Evangeliums spotten und seinen jüngsten Tag weissagen, es bleibt doch bei dem Siegesruf: Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit; der da tot war, und siehe, Er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Aber ihr Zeugnis ist nicht ein bloß geschichtliches, etwa wie die Geschichte bezeugt, dass Napoleon einmal nach Russland gezogen ist, sondern es ist selbst voll Geist und Leben, sodass es zugleich inwendig überführt und überzeugt durch die Erfahrung am eigenen Herzen, wie es Paulus ausspricht: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir“, und wie es Christus verheißen hat: „Der Heilige Geist wird zeugen von mir.“ Dieses Zeugnis des Heiligen Geistes geht nun aber nicht ohne das Wort oder neben dem Wort oder über dem Wort einher, sondern in dem Wort und durch das Wort von Christo wirkt der Geist die Gewissheit, dass in keinem andern Heil ist als in Christo dem Gekreuzigten und Auferstandenen, wie Johannes sagt: „Wer dieses Zeugnis annimmt, der versiegelt es, dass Gott wahrhaftig ist.“

II.

Wohlan, du, du, hast du einen toten Christus oder kannst du sagen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden? O, wolltet ihr nicht fröhlich Ostern feiern heute in der Gewissheit: Jesus lebt, und ich soll auch leben? Wer empfängt solche Gewissheit? Die Engelpredigt am Grabe zeigt uns, an wen sie sich wendet: „Ihr sucht Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten.“ Wer sucht, der findet. Den Aufrichtigen lässt Er es gelingen. Er lässt keinen Simon und keine Magdalena in ihren Tränen, keinen Emmausjünger in seiner Traurigkeit, keinen Thomas in seinem Zweifel. Aber wen suchst du? Was suchst du? Das ist die Frage.

Lass mich dir's sagen: Leben suchst du, volles Leben, Leben für Leib und Seele, tiefes, wahres Leben das ist die Sehnsucht unseres inneren Menschen, das ist der Trieb, der in allen Gestalten unser Denken, Fühlen und Wollen beherrscht. „Leben und leben lassen“ ist recht verstanden einer der tiefsinnigsten Sprüche unseres Volkes: Leben und die Fülle haben, so dass auch andere an diesem Leben teilnehmen; den Becher voll haben, so dass er schäumend auch für andere übergeht, das ist wahrhaft menschliches Sehnen, das ist menschliche Bestimmung, und ich stehe nicht an zu sagen: recht verstanden ist leben und leben lassen“ das göttliche Ebenbild im Menschen, das Ebenbild Christi im Christen, der da sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Aber was ist Leben? Doch etwas mehr als die freundliche Gewohnheit des Daseins! So mag das Leben der Blume heißen, die da frühe blühet und des Abends welk wird, wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Aber das wahre Leben der Seele ist doch mehr. Wohl führen manche Menschen so ein Blumenleben, aber trostlos hören wir sie sagen: „Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder, mir hat er abgeblüht;“ es kommt der Sommer mit seinen versengenden Strahlen, und bald braust der Herbstwind über die Stoppeln des kahlen Alters! Aber ich will tieferes Leben für meine Seele, ich will einen dauernden Mai und Frühling für mein armes welkendes Herz. „Wer wälzt mir den Stein von des Grabes Tür?“ Wo finde ich Leben in dieser Welt voll Todes, voll Gräber, voll Verwesung? Ich suche Leben und finde Tod rings umher; ich bin zum Leben von Gott bestimmt, und der Tod wirft Alles unerbittlich ins Grab! Es ist mir immer unbegreiflich gewesen, wie Menschen sich an den sogenannten. Widersprüchen der Heiligen Schrift den Kopf zerbrechen und zerbrechen sich nicht das Herz an dem bittersten Widerspruch aller Widersprüche, dem Tod, diesem Widerspruch gegen das Leben! Nein, sag ich und will es sagen, so lange ein Lebensodem in meiner Brust ist, nein, Leben muss ich haben, Leben, das den Tod überwindet, Leben, das da bleibt über Grab und Verwesung hinaus, mit Einem Worte: ewiges Leben. Gibt es das nicht für mich, so gibt es keinen Gott für mich und keine einzige fröhliche Stunde. Oder soll mich trösten der Hinweis auf das allgemeine Leben, in welches mein einzelnes Leben zurücksinken soll wie die Welle ins Meer? Was ist's Was ist's doch anders als ewiger Tod! Nein, wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Halleluja, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden und spricht: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Das ist Evangelium, frohe Botschaft, Osterkunde für mein sterbendes Herz. Der Tod ist der Sünde Sold, die Sünde ist die Auflehnung gegen Gott, die Trennung von Gott, und weil Gott das Leben, die Liebe, das Licht ist, so folgt notwendig, dass die Sünde uns trennt von Liebe, Licht und Leben und bringt die Seele des Menschen in lichtlosen, lieblosen, leblosen Stand. Die Sünde als Widerspruch gegen Gott, der das Leben alles Lebens ist, hat zur Folge den Tod als den Widerspruch gegen Alles, was Leben heißt.

Soll der Tod aufgehoben werden, so muss die Sünde aufgehoben werden. Soll die Sünde aufgehoben werden, so muss statt der Scheidewand zwischen Gott und den Menschen ein Mittler zwischen Gott und den Menschen stehen, der mit dem vollgültigen Sühnopfer seines Gehorsams uns mit Gott versöhnt und wieder vereinigt, wie wir am Karfreitag gehört. In Christo ist das Leben erschienen, denn in Christo lebt Gott im Menschen und der Mensch in Gott, und dieses Leben ist in den Tod, in den Widerspruch eingegangen, damit es Leben für uns würde. Christus der Gekreuzigte hat die Sühne vollbracht, und mit seiner Beute ist er ins Grab gestiegen. Da kann er nicht bleiben, so wahr ein Gott im Himmel lebt und so gewiss Christus der einzig Heilige war und so wahrhaftig der Heilige Geist unser Gewissen überzeugt, dass in Ihm die Leistung gegeben ist, die vom Gesetz als Forderung an uns ergeht. Wer Leben sucht, der muss eine Macht über den Tod suchen; wer die Macht über den Tod sucht, der muss die Macht über die Sünde suchen; wer die Macht über die Sünde sucht, der muss Christum den Gekreuzigten suchen, und von wem es heißen kann: „Ihr sucht Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten,' zu dem heißt es dann auch: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“, Jesus lebt und stirbt nicht. Jesus lebt und trägt die Beute seines Sieges triumphierend in seinen durchgrabenen Händen: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Denn wo Vergebung der Sünde ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Nun ist der vorhanden, der da sagen darf: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Nun ahnen wir, was das heißt: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich, dass du allein wahrer Gott und allein das wahre Leben bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, als den Lebensbringer und Lebensmittler erkennen.“

Meine Lieben, das ist erst die rechte heilige Osterfreude, dass uns die Vergebung der Sünde gewiss ist in Jesu Christo. Wundert euch nicht, dass ich euch immer dies Eine predige, denn da ruht die Quelle unseres Lebens. Die Sünde hat unser Herz zu einem Grab gemacht voller Totengebein und Modergeruch; die Sünde hatte den schweren, großen Stein davor gewälzt, der uns von unserm Gott, von Licht und Leben schied. Aber Halleluja, Jesus lebt und hat uns die Vergebung der Sünde gebracht, der Stein ist abgewälzt, und wer Solches glaubt, dem scheint die Ostersonne der Gnade Gottes ins offengewordene Grab des Herzens hell hinein, die Engel Gottes sitzen um ihn her und erzählen ihm lauter Evangelium. Wer Solches glaubt: Jesus lebt, lebt für mich, in dem hebt Jesus selbst an zu leben: Er ist ein Liebling und Liebhaber seines Gottes wieder geworden, und Licht und Leben strömt ihm zu, denn die Scheidewand ist hinweg. Wohl weiß er, dass sein Herz ein Grab ist, aber ein offenes Grab, ein geheiligtes Grab. Siehe die Stätte da liegt Jesu Dornenkrone und seine reine Leinwand und sein. Schweißtüchlein, die hat er mir gelassen, die Dornenkrone, dass ich sie aufsetze und ihm nachfolge, die reine Leinwand seiner Gerechtigkeit, dass ich mich drein hülle und vor Gott bestehen mag, das Schweißtüchlein, dass ich meine Tränen damit trockne, wie der Dichter singt:

In meines Herzens Grunde
Dein Nam' und Kreuz allein
Funkelt all' Zeit und Stunde,
Drauf kann ich fröhlich sein.

Siehe, da bricht Leben wieder hervor in einer Menschenseele, wenn sie Vergebung ihrer Sünde gefunden hat in Christo dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Da ist Leben, wie ich es brauche: volles, ganzes, tiefes, wahres Leben, Leben, das den Tod überwindet, Leben, das in Wahrheit ewiges Leben ist; da keimt und knospet es drinnen, da regt sich Frühling und Mai im Herzen. trotz aller Stürme des Kampfes, trotz alles Winters der Trübsal hienieden. Da heißt es nun in Wahrheit: Leben und leben lassen, selbst das Leben der Seele in Christo haben und Anderen zu solchem Leben verhelfen. Seht nur die Osterzeugen alle, seht Maria Magdalena, seht die Emmausjünger, seht die Apostel: kaum haben sie selbst erkannt und geglaubt, dass Jesus lebt, so eilen und laufen sie, so läuten sie die Osterglocke und verkündigen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Denn auch von der Osterfreude heißt es: Geteilte Freude ist doppelte Freude“, und auch vom Osterfrieden heißt es: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

Als die Söhne Jakobs in Ägypten gewesen und ihren Bruder Joseph, den sie einst verkauft und der ins Gefängnis geworfen und dann zum ersten Fürsten zur Rechten des Königs erhoben worden, wiedergefunden hatten; als sie Buße getan dort im Gefängnis und in sich gegangen waren und bekannt hatten: „Das haben wir an unserm Bruder Joseph verschuldet, als er uns flehte, und wir wollten ihn nicht erhören;“ als dann Joseph zu ihnen getreten und zu ihnen gesagt hatte: „Ich bin euer Bruder Joseph“ da eilten sie hin und riefen ihrem Vater voll Freude entgegen: „Joseph lebt und ist ein Herr in Ägyptenland!“ Meine Brüder, Jesus ist um unserer Sünde willen dahingegeben, und wir haben ihn verkauft und ihm das Leid verursacht; aber Gott hat ihn erhöht zu seiner Rechten. Wer nun seine Schuld erkennt, der tue seine Augen auf: Jesus tritt auch heute in seinem Worte zu ihm und sagt zu ihm: Ich bin Joseph dein Bruder, ich bin Jesus dein Mittler, und jauchzend wollen wir antworten, wollen bekennen vor Gott und seinen Engeln, vor unsern Brüdern und Schwestern, vor der Hölle und ihren Dämonen: Jesus lebt und ist ein Herr in Ägyptenland, ein Herr Himmels und der Erden, mein Herr und mein Gott, Halleluja. Amen.

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/f/frommel_max/frommel_max_-_ostersonntag.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain