Flügge, Carl August - Ist die Taufe nötig zum Seligwerden?
Wenn wir Menschen die zum Seligwerden unerlässlichen Stücke angeben sollten, möchten wir manches nicht unbedingt Erforderliche doch als nötig anführen und vielleicht auch manches fehlen lassen, was doch nicht fehlen darf. Man frage nur einmal die Menschen in seiner Umgebung, die sich doch fast alle Christen nennen und nennen lassen, was ihrer Meinung nach dazu gehört, einen Menschen zum Erben des Himmelreichs zu machen, und man wird sich wundern über die verschiedenen Antworten.
Weil wir Menschen durch eigenes Können das Himmelreich nicht erlangen und durch eigenes Wissen den Weg dazu nicht finden können, darum kam Jesus vom Himmel, um uns von der drohenden Hölle zu erlösen und das Evangelium vom Himmelreich zu verkündigen. Die Natur dieses Reiches Gottes ist derart, dass wir mit unserem verkehrten, der Welt und Sünde zugewandten Sinn in Buße erst umkehren müssen und werden wie Kinder, ja wir müssen sozusagen gänzlich von neuem geboren werden, sonst können wir es gar nicht einmal sehen, viel weniger hineinkommen. Diese von jedem Menschen geforderte Veränderung nennt die Heilige Schrift, insofern der Mensch dabei handelt, „Bekehrung“, und insofern sie von Gott bewirkt wird, „Wiedergeburt“.
Die Seligkeit ist nun in jedem Falle ein Geschenk der Gnade. „Es ist vollbracht“ für uns und an unserer Statt, dieses Wort Jesu am Kreuz ist der Kern und Stern des Evangeliums, der Grund unserer Hoffnung, die Ursache unserer Seligkeit, der Zweck des Kommens Jesu, das Schreckenswort für den Teufel, unser Losungswort im Kampf mit Satan und Sünde, die Quelle unserer Siegesfreude, das Geheimnis unserer Kraft, das Überwindungswort im Tal der Todesschatten. Alle, die an Ihn und an dies Sein Wort glauben und so dem vollbrachten Erlösungswerk trauen, sollen nicht verloren werden, wer aber nicht glaubt, der wird (infolge seiner Verachtung dieser größten Gottestat) verdammt werden.
Nachdem Jesus nun so durch Sein Blutopfer am Kreuz als unser Stellvertreter alles vollbracht hatte, ehe Er gen Himmel fuhr, gab Er Befehl, dies Evangelium aller Kreatur zu predigen und alle, die es hören und bußfertig gerne annehmen, zu taufen. (Mt. 28, 19; Mk. 16, 16; Apg. 2, 44.) Wie lautet nun dies Evangelium in einer kurzen Formel zusammengefasst? Jesu letztes hierauf bezügliches Wort, das alles Wesentliche in sich schließt, heißt: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“
Also dies ist nur nötig, dieses aber ist auch nötig; wir freuen uns, dass es so einfach ist, und wir wagen es nicht, noch davon abzutun, „denn so jemand davontut von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil vom Holz des Lebens und von der heiligen Stadt“. (Off. 22, 19.)
Im Nachsatz des obigen Wortes (Mk. 16, 16) heißt es bloß: „Wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Hier ist die Taufe gar nicht erwähnt, folgt nun aber daraus, dass sie unnötig ist? Durchaus nicht. Die Meinung ist: ob wir als Katholische, Evangelische oder als Baptisten, als Erwachsene oder als Kinder getauft sind, hilft uns gar nichts, wenn wir nicht den rechten, seligmachenden Herzensglauben haben. Dieser Nachsatz will uns nur sagen, dass man durch die Taufe allein weder wiedergeboren noch selig werden wird. Das wirkt der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut.
Wenn man nun auch zugeben muss, dass nach Jesu klarem Wort die Taufe dem Glauben zum Seligwerden folgen muss, so wendet man vielleicht doch ein, dass andererseits z. B. der Schächer auch ohne Taufe ins Paradies gegangen sei. Ganz recht; er starb ja auch vor Jesu Taufbefehl und ist selig geworden, wie Abraham und der arme Lazarus auch. So wie er findet ja auch jeder verlorene Sünder Annahme, der in seiner letzten Not gläubig um Gnade fleht; denn wer zu Ihm kommt, der wird nicht hinausgestoßen. In der ganzen Schrift finden wir aber nicht ein Beispiel, dass jemand nach Christi Himmelfahrt ein Jünger oder Gemeindeglied geworden sei, ohne sich, nachdem er gläubig geworden, in Jesu Namen taufen zu lassen.
Aber ist es denn nicht genug, dass man als Säugling besprengt, benetzt oder sonstwie „getauft“ ist? Nun, was wohlmeinende Menschen in guter Absicht tun, ist nicht darum schon, weil sie es „Taufe“ nennen, eine biblische Taufe, ebenso wenig wie die Namengebung eines Schiffes eine „Taufe“ ist, obgleich man auch diese diese so nennt, und wie das Werfen dreier Handvoll Erde auf den Sargdeckel ein Begräbnis ist. Die Taufe durch Untertauchen aber ist ein Begrabenwerden mit Christo. (Röm. 6, 4; Kol. 2, 12.) Wie denn Calvin sagt: „Das (mit taufen übersetzte griechische) Wort „baptizo“ (davon ist der Name Baptist abgeleitet) bedeutet untertauchen, und der Gebrauch des Untertauchens wurde von der alten Kirche beobachtet.“
So ist die Taufe am Herrn selbst vollzogen und von Ihm verordnet. Nun kann es vorkommen, dass man einen Scheintoten beerdigt; aber man begräbt doch die Menschen nicht, damit sie sterben, sondern zur Besiegelung und Kundmachung des Todes. Ebenso wenig wie ein jüdisches Kind vor der Geburt beschnitten und der israelitischen Kultusgemeinde hinzugetan werden kann, ebenso wenig kann man zu dem einen (Christi) Leibe getauft und der christlichen Gemeinde hinzugetan werden, ehe man aus Gott geboren ist. Durch die Wiedergeburt wird man ein Kind Gottes und durch die Taufe ein Glied der Gemeinde Gottes. (1 Kor. 12, 13; Apg. 2, 41. 47.). Etliche meinen, es sei genug, wenn man die Geistestaufe empfangen hat. Petrus, der jedoch den Herrn besser als wir verstanden haben wird, urteilt gerade entgegengesetzt in Apg. 10, 47. 48.
Nach Mt. 28, 19; Apg. 2, 38; 8, 12.36-38; 9, 19; 18, 8; 16, 33; Gal. 3, 27; 1 Petri 3, 21 ist also die Bekehrung oder Wiedergeburt zum ewigen Leben immer verbunden mit der Taufe, die mit vorausgegangener Buße und Glauben verbunden ist. Dass aber niemand den Schluss übersehe: „Wer nicht glaubt (und wenn er auch getauft ist), wird verdammt werden.“ „Macht keusch eure Seelen zum Gehorsam der Wahrheit“ (1 Petri 1, 22; Lk. 7, 30), „zum Gehorsam des Glaubens durch Wort und Werk.“ (Röm. 15, 18; 16, 26; 2 Kor. 13, 5.) seid, prüft euch selbst.“
„Versucht euch selbst, ob ihr im Glauben steht. „C. A. F.