Blumhardt, Johann Christoph - Predigt am Pfingstmontag

Pfarrer Joh. Chr. Blumhardt in Bad Boll.

Apostelgeschichte 2, 1-18. (I. Jahrgang.)

Als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und es erschienen ihnen. Zungen zerteilet, wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden verstürzt, denn es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadocien, Pontus und Asia, Phrygien und Pamphilien, Ägypten und an den Enden der Libyen bei Cyrene und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber? Wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Da trat Petrus auf mit den Elfen, hub auf seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, lieben Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, das sei euch kund getan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage. Sondern das ist's, das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist: Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in den selbigen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Der heutige Festtag ist ein besonders großer und zeigt uns, wie der Herr mit seinen Offenbarungen, von einem Anfangspunkt aus, immer weiter und weiter gegangen ist. Zuerst hat er nur einem einzelnen Manne gesagt: Gehe aus deinem Vaterlande, und ich will dich und deinen Samen segnen, zu einem Segen für alle Geschlechter der Erde. So kam der Herr öfters zu Einzelnen, und die ganze übrige Welt blieb zunächst wie unbeachtet; der Herr kam nicht auch dorthin, aber es ging vorwärts, und vom Sinai herab hat ein großes Volk, die Nachkommen jenes Abraham, die Stimme des Herrn Zebaoth gehört, und seine Herrlichkeit gesehen. Diese Offenbarung kam von außen her, und blieb auch äußerlich erkennbar in den Tafeln des Gesetzes und in Worten, die, in ein Buch geschrieben, dem Volke dienen sollten. Von da an ging die Sache des Herrn ihren Gang bis in die Zeit der Propheten hinein. Aus diesen Propheten heraus spricht in neuer Weise der Herr, in einer Weise, dass das Wort, welches sie sprachen, nicht mit ihrer Persönlichkeit vermischt, vor die Ohren des Volkes kam: Der Herr sprach. Das hörte wieder auf, aber im Anschluss an dieses Wort Gottes in Propheten kam Gott selbst in Christo persönlich. Jesus wurde geboren, er kam aus dem Schoße des Vaters und mit ihm der Vater selbst, so dass er sagen konnte: „Philippus, wer mich sieht, der sieht den Vater“. Da stand nun der Mann, der die volle Gottesherrlichkeit in sich trug, und redete und zeugte von der Barmherzigkeit des großen Gottes, welche über aller Welt als ein Licht aufgehen soll. Er geht dahin, und mit ihm schien wieder alles zu gehen; denn was blieb auf Erden noch, als er fort war! Nun aber, was wird es jetzt? Nun kommt das herrliche Pfingsten, und nun kommt der dreieinige Gott in die Herzen derer hinein, die da glauben. Die höchste Offenbarung, die die Menschen nur erwarten mögen auf Erden! Sie werden Alle von Gott gelehrt, sie sollen Alle Tempel des Heiligen Geistes sein, sie sollen Alle eine unmittelbare Unterweisung in der Wahrheit von oben haben, das ist Pfingsten, und so hat denn Gott das Größte gegeben, und begreifen kann man es, wie doch eigentlich die Menschheit im Ganzen noch nicht reif war, diese große Gabe in ihrer ganzen Fülle zu schätzen und zu behalten; man kann es begreifen, wie zu nächst diese große Offenbarung an Pfingsten nur auf verhältnismäßig Wenige verheißungsvoll kommen konnte. Es war zu groß, und wenn es ins gewöhnliche Leben hereinragte, und von Geschlecht zu Geschlecht sich fortpflanzen sollte, so standen der Entfaltung dieser Offenbarung große Hindernisse entgegen, so dass sie in ihrer äußeren Erscheinung wie verschwand. Aber diese höchste Offenbarung auf Erden wird doch noch von einer größeren Offenbarung übertroffen werden, wenn der, der einst unsichtbar in Flammen kam, als der zur Rechten Gottes erhöhte Menschensohn und Gottessohn wird sichtbar wieder kommen vom Himmel herab. Dann kommen die Offenbarungen Gottes alle in einem zusammen, und es wird dann nicht bloß das unsichtbare Innewohnen Gottes in den Herzen stattfinden, sondern auch das sichtbare Zusammensein mit dem Herrn allezeit, und dann ist alles fertig zur Vollendung der Dinge. Wie weit sind wir vorgeschritten? So viel ist gewiss: Wir gehen dem Ende zu, die große Erlösung aller seufzenden Kreatur wird fertig werden. Wir kommen zum Ziel. Stetig ist Gott, der Herr Zebaoth, von Stufe zu Stufe weiter gekommen; die letzte Stufe wird auch erreicht werden, da er kommt in der Herrlichkeit des Vaters, um zu sich zu rufen seine Getreuen. Aber wenn wir das so denken, so meinen wir doch und sollten es meinen und mit der allergrößten Gewissheit glauben, dass diese höchste Offenbarung im Anschluss an die letztgewordene kommen, dass also auch, ehe die Zukunft Christi eintritt, die Offenbarung Gottes im Heiligen Geist sich wieder erneuern werde. Ist diese doch eigentlich die Anbahnung zum Letzten, dass wenn wir das Letzte erwarten, die Kräfte des Heiligen Geistes uns als das Nächste erscheinen müssen, welche auch in den legten Kämpfen uns neu gegeben werden, so dass sich unter den Wirkungen des Heiligen Geistes alles schnell reif macht zu der Erscheinung des Herrn vom Himmel. Wir dürfen also mit besonderer Inbrunst Pfingsten feiern. Wenn wir auch viel vermissen, wir haben es doch, weil wir hoffen, dass es wiederkommt, nachdem es dem Herrn gefällt; und wer weiß, ob der Heilige Geist sich nicht noch in erhöhtem Grade kund tut auf die Zukunft Jesu Christi hin; denn der liebe Gott will immer wieder sich selbst übertreffen mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Aber wir wollen nun von dem Gnadenvollen etwas reden, das uns im Heiligen Geiste offen steht. Unsere Geschichte gibt uns dazu Anleitung; wir sehen, wessen wir uns als einer Gabe des Heiligen Geistes erfreuen sollten. Wir wollen an die drei Punkte unsere Betrachtung anschließen:

I. Die Einmütigkeit der Jünger.
II. Die Sprachengabe im Heiligen Geist.
III. Die Joelsche Verheißung.

I.

Sie ist auch als eine Frucht der Pfingstgnade anzusehen, die Einmütigkeit, mit welcher die Jünger damals bei einander waren, die beständig miteinander beteten, und im Blick auf den zum Himmel erhöhten Heiland in der größten Einigkeit der Herzen standen. Sie waren einmütig, ehe der Heilige Geist ausgegossen wurde, aber schon die Nähe dessen, was kommen sollte, hatte eine Wirkung. Die Hoffnung schon hatte eine Wirkung. Den Jüngern war auch schon vorher Heiliger Geist mitgeteilt, und so war ihre Seelenstimmung eine durch den Geist Gottes sich ebnende und werdende. Somit wollen wir dessen eingedenk sein, dass vor Allem Einmütigkeit Not tut bei denen, welche Gaben vom Himmel erwarten. Auf diese Einmütigkeit können wir gerichtet sein, und wenn wir heute einmütig auch zum Tisch des Herrn gegangen sind, so soll als Frucht des ganzen Festes das uns wichtig werden, dass wir nun, so viel an uns liegt, solche Einmütigkeit weiter pflegen. Diese Einmütigkeit sollten wir uns eine Sorge sein lassen. Ihr Alle also, die ihr heute das Fest gefeiert und miteinander das heilige Abendmahl genossen habt, sorgt dafür, dass von euch aus die Einmütigkeit der Herzen nicht gestört werde. Wenn vorerst nur alle gläubigen Christen das wollten beachten, von sich aus keine Stimme der Zwietracht in die Gemeinschaft der Gläubigen hineinzuwerfen, mit Hervorhebung ihrer entgegenstehenden Gedanken, mit Ansprüchen auf Anerkennung besonderer Meinungen und Einrichtungen, so könnten wir unsererseits sehr weit kommen in der Bereitschaft, göttliche Gaben in Empfang zu nehmen. Ja wir könnten wohl in Zeiten, in welchen man über Vieles nicht eins werden kann, doch mit den verschiedensten Menschen, so lange sie noch Gottes sind, dennoch Einmütigkeit walten lassen, herzliche Gemeinschaft pflegen. O, des argen Streites in den christlichen Zeiten, nach den Aposteln und in unserer Zeit! Da entstehen immer neue Richtungen, im Gegensatz zu den anderen, und deren Führer poltern und streiten immer wieder aufs Neue und machen die Einmütigkeit redlicher Seelen fast unmöglich. O, das ist etwas Schlimmes! Auch in Freundeskreisen gibt es hie und da Einzelne, die haben etwas so Schneidendes in ihrer Rede, etwas Rechthaberisches, auf äußerliche Systeme Gerichtetes, und sie schleudern Worte hin, da es ist, wie wenn man lauter Stiche bekäme, und die Einmütigkeit geht dabei zu Grund. Nehme sich Jedes in Acht, dass es nicht seinerseits etwas herbeibringt, was mit Wort oder Tat die Eintracht stört. Die Herzen sollen freundlich gegeneinander schlagen, denn nur unter solcher Einmütigkeit darf man das Nahesein des Herrn verspüren. Namentlich Solche, welche in der Predigt und beim heiligen Abendmahl eins gewesen sind, sollen es sich merken und das harte, spitze Wesen abtun, damit man sich gegenseitig liebe, und auch befähigt werde, miteinander einmütig Gott anzurufen um Gaben von Oben.

II.

Wir lesen in unserer Geschichte, wie der Heilige Geist zunächst sich kund gab in der Sprachengabe, und wie diese Gabe vorzüglich zur Anwendung kam. Die Zuhörer aller Nationen mussten sagen: „Wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden.“ Es kam alles darauf an, dass die großen Taten Gottes zu Ehren kämen, dass von ihnen gesprochen werde, und Gott über ihnen gepriesen werde. Die großen Taten Gottes sind das Kommen des Herrn Jesu ins Fleisch, die Versöhnung durch das Blut Jesu Christi, die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu, und die Hoffnung einer zukünftigen Erlösung der seufzenden Kreatur, unter Zeichen und Wundern, wie sie der Herr noch zu tun beschlossen hat. Solche Taten Gottes uns angelegen sein lassen, sie aussprechen, über ihnen Gott zu loben und zu preisen, das muss auch unsere Aufgabe sein. Dazu haben auch wir den Heiligen Geist, und wir sollen das Wort reden, welches uns gegeben ist. Die Schweigsamkeit über die großen Dinge des Evangeliums wird mehr und mehr zur Sünde Vieler. Häufig redet man weniger dieses Evangelium, als wer weiß welche menschliche Gedanken, die nichts weniger als die Taten Gottes auslegen und entwickeln. Auch sogar in christlichen Versammlungen kann es geschehen, dass man immer nur von sich redet, von seiner Heiligung, wie man müsse ein Mensch werden, von allem Natürlichen abgezogen usw.; und man kann mit solchen Gedanken sich immer aufhalten, welche einerseits schon recht wären, aber das Verdienst Christi, sein Opfertod, das Erbarmen Gottes, die Versöhnung der Sünden, kurz die großen Taten Gottes bleiben unbesprochen. Auch einzelne Seelen plagen sich mit Kämpfen aller Art, dass sie nicht weit genug seien mit der Heiligung, aber die großen Taten, die Gott getan hat, den Sünder ohne Verdienst gerecht und selig zu machen, die Taten unseres Herrn Jesu, damit wir Frieden hätten, werden oft in den Gedanken solcher Menschen fast ganz bei Seite geschoben. Daher kommen viele redliche Seelen in großes Gedränge, weil die Grundlage der Erbauung nicht die Geschichte der Taten Gottes ist. Wir müssen aber immer auf die Geschichte zurückkommen, denn der Heilige Geist will die Geschichte fest machen, dass wir von da aus einen starken Felsen haben wider alle Anläufe der Finsternis. Wollen wir in etwas beweisen, dass auch bei uns die Sprachengabe des Heiligen Geistes nicht ganz erloschen ist, so wollen wir es damit kund tun, dass wir die großen Taten Gottes immer wieder zur Hand nehmen und den Herrn auch bitten, dass er sie Jedem recht verständlich mache, vor welchem wir davon reden. Das tut freilich Not, dass der Heilige Geist wiederkomme und die Taten Gottes wichtigmache. Oft ist es, wenn wir davon predigen, als ob uns Niemand verstände, wie wenn wir gar nicht in ihrer Sprache redeten. Lassen wir es uns aber ein Anliegen sein, dass diese Hindernisse aufgehoben werden, und die Taten Gottes wieder in den Herzen ihre Kraft beweisen, wenn auch wir mit neuen Zungen wieder reden dürfen.

III.

Es ist hier noch eine Stelle aus dem Propheten Joel angeführt, welcher von den letzten Tagen redet, in welchen der Heilige Geist ausgegossen werden soll über alles Fleisch. Daraus lasst uns entnehmen, dass wir den Herrn bitten, er möchte diese Verheißung, die noch nicht an allen Völkern erfüllt ist, je länger je mehr erfüllen, namentlich auch mit den Bestrebungen sein, durch welche in heutiger Zeit so viel zur Bekehrung der Heiden geschieht. Es ist klar: Je höher die Gabe des Heiligen Geistes steht und die Offenbarung Gottes in derselben, der ein Gott alles Fleisches ist, desto weniger kann sie bloß einem einzigen Volke zukommen, oder bei denen allein verbleiben, welche sie erstmals erfahren haben. Alle sollen es haben, und wir Christen dürfen uns in keiner Weise einengen in kleine Kreise. Wir sind erst recht Geistesleute, wenn uns alles Fleisch, das heißt, jede Menschenseele um uns her und in weiter Ferne, gleich viel gilt, wie auch der Heilige Geist Allen verheißen ist. Weitherzig müssen wir werden, das lehrt uns vor Allem die Joelsche Verheißung und die Erfüllung an Pfingsten bestätigt es, dass wir müssen ein weites Herz gewinnen, wenn wir sehen, wie Gott sein Herz auftut allen Völkern und Sprachen und Zungen.

Es ist hier auch von Söhnen und Töchtern die Rede, die weissagen sollen, von Jünglingen, die Gesichte sehen, von Knechten und Mägden, auf welche der Geist gelegt werden soll. Im Anschluss an diese Verheißung ist das vornehmlich ins Auge zu fassen, wie der Herr sorgt für alle Alter und alle Stände; Söhne und Töchter von klein herauf, ebenso wie für die Älteren; für die niedrig Gestellten ebenso wie für die Hohen: Alle sollen gleichmäßig im Genuss des Heiligen Geistes stehen und darum auch in die Pflege genommen werden durchs Wort. Es liegt hierin eine Ermahnung, ja nicht fahrlässig und gleichgültig zu werden, namentlich gegenüber der Jugend und geringeren Menschen, vielmehr alles zu tun, dass ihr Geist aufgeklärt werde; sie sollen Alle also genommen werden, dass sie des Heiligen Geistes gewürdigt sind. Außerdem ist freilich hier gemeint, dass eine ganz besondere Gemeinschaft entstehen werde zwischen Allen, die des Herrn sind; sie sollen verborgene Dinge schauen, sollen Ahnungen haben von Zukünftigem zu ihrer Belehrung wie zu ihrem Schutz. Sie sollen auch allerlei Geschick bekommen, sich richtig zu verhalten in dieser Welt und nicht nur wachend, sondern auch schlafend heiligende Gedanken haben.

In gegenwärtiger Zeit wollen ihrer Viele diese Weissagung benützen, um falsche Träumereien und Offenbarungen in eigentümlichen Gesichten und Erscheinungen zu rechtfertigen, Da muss man sich aber in Acht nehmen, dass so ein erkünsteltes Wesen die Jünger Jesu nicht ergreife, denn Solches führt auf ganz falsche Wege und bringt uns in die Gefahr, dass der Feind sein Spiel mit uns treibt, mit falschen Offenbarungen von seiner Seite. Wir dürfen wohl ernstlich darum bitten, dass der Herr solchen falschen Bestrebungen entgegentrete. Der Herr Jesus wird auch zuletzt diesen falschen Offenbarungen ein Ende machen. Er darf nur den verborgenen unheimlichen Geistern gebieten, dann ist es aus mit ihnen. Er wird noch gebieten und mit dem reinen lauteren Geist hervortreten. O, was wäre es, wenn die Hunderttausende, welche in der ganzen Christenheit gegenwärtig mit Eigenwillen Geisteroffenbarungen suchen, plötzlich überwiesen werden könnten, dass Solches nur irre geführt hat. Das wäre eine Tat Gottes, die von Solchen, die das Reich Gottes lieb haben, mit großer Freude begrüßt würde. Wir hoffen, der Herr werde es noch dahin bringen, dass redliche Seelen das Echte klar vor sich sehen, damit sie nicht von Unechtem und Falschem betört werden, indem sie meinen, das komme von Gott. Das Echte des Heiligen Geistes gibt sich immer darin zu erkennen, dass es den Menschen adelt. Gegenwärtig darf kaum etwas von solchen Gesichten als echt genommen werden; das sieht man schon daran, dass dieselben vor aller Welt sich verstecken müssen, und keine den Menschen erleuchtende und veredelnde Art an sich haben; auch sieht man gleich, wie solche Offenbarungen nur dem Eigeninteresse einzelner Menschen dienen, während der Heilige Geist doch immer und in allen seinen Bezeugungen sich so gibt, dass Jedermann, der aus der Wahrheit ist, ohne Umschweife sich damit befreunden kann. Darum bin ich der, der am allermeisten vor Allem solchem heimlichen Wesen warnt. Wer sich darein einlässt, wird nur Schaden davon ernten.

Aber die Joelsche Stelle führt noch weiter: „Ich will Wunderzeichen geben im Himmel und auf Erden, nämlich Blut, Feuer und Rauchdampf, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.“

Also gerade auf die Endzeit hin, in welcher die größten Kämpfe sein werden und da auch die Auserwählten in Versuchung kommen; um des großen Durcheinanders willen, wird der Herr sich wieder am meisten und auffallendsten kund tun, und alles das hat wieder seine Beziehung eben darauf, dass Seelen errettet werden, welche durch solche Offenbarungen den Namen des Herrn anrufen lernen. Dieser große und schreckliche Tag des Herrn ist der große Gerichtstag, welcher beginnen wird mit den Zeiten des Wiederkommens Christi. Das Pfingstfest soll uns eben auch an diesen schrecklichen Tag erinnern; wir werden aufmerksam gemacht, dass das Ende nahe sei, und weil ein Verzug eingetreten ist, so darf man nicht meinen, es habe damit die Verheißung auch ein Ende. Es ist vielmehr gewiss, dass eben die Joelsche Verheißung sich ganz erfüllen wird, wenn der Verzug ein Ende hat, und die Endzeiten sich nahen, bis über alles Fleisch der Geist Gottes wird ausgegossen sein.

O, lasst uns an den Ernst der Zeit erinnert werden! Beten wir um die erneuerte Ausgießung des Heiligen Geistes, aber mit dem Gedanken, dass wir damit um die Annäherung des großen und schrecklichen Tages des Herrn bitten. Ach, dass er auch heute uns näher gekommen wäre! Der Herr helfe uns zur Klugheit, dass wir unsere Seelen erretten auf den Tag der Zukunft Jesu Christi. Amen.

Gebet. Herr unser Erbarmer, wir bitten dich, du wollest alles das, woran der heutige Tag uns erinnert, in uns eine Mahnung sein lassen, ernster und treuer uns dir hinzugeben. Wir bitten dich, du wollest uns inne werden lassen, wie du zu haben bist. Lehre und unterweise uns in der Einmütigkeit, dass wir unsererseits als Friedfertige uns zeigen. Wir sind der guten Zuversicht, du werdest noch alles so zu richten wissen, dass nichts zurückbleiben darf, was zur Erlösung aller Kreatur gehört, bis du wiederkommst, um dann was dein ist, zu dir zu nehmen, und bei dir zu trösten in Ewigkeit. Amen.

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