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| - | ======Ahlfeld, | ||
| - | (3. Sonntag des Advents.) | ||
| - | Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen. | ||
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| - | Text: Matth. 11. 2-6. \\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er zwei seiner Jünger, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. ** | ||
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| - | In Christo Jesu geliebte Gemeinde. Ein rechtes Christenherz ist wie ein schöner Garten, in dem eitel schöne Blumen und fruchtbare Bäume stehen. Mitten drinnen steht der Lebensbaum, Jesus Christus, und ragt hoch über alle andern hinauf. Um ihn herum steht in schönen Gruppen die Zeder des Glaubens, deren Blätter Sommer und Winter grünen; die Palme des Sieges, den die Gläubigen schon davongetragen haben und weiter davontragen werden; der Weinstock und Ölbaum, als die Bilder des stillen und ruhigen Lebens in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, und die Rose mit Blüten und Dornen, als das Bild des Kreuzträgers, | ||
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| - | Du Menschenkind, | ||
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| - | Bist du, der da kommen soll? | ||
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| - | Frage und Antwort fassen wir zusammen in die Zeilen: | ||
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| - | Tasten Zweifel deinen Glauben an. \\ | ||
| - | Geh zu Christo, der sie lösen kann; \\ | ||
| - | Antwort wird er auf die Frage geben, \\ | ||
| - | Antwort aus dem Leben und zum Leben. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Tasten Zweifel deinen Glauben an. \\ | ||
| - | Geh zu Christo, der sie lösen kann. | ||
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| - | Geliebte Gemeinde. Wie selten ist ein Herz, das Zeit seines ganzen Lebens fest steht in dem lieben Kinderglauben; | ||
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| - | Anders war es mit Johannes. Herodes hatte sein Weib, eine Tochter des arabischen Königs Aretas, mit der er fünfzehn Jahre in der Ehe gelebt, verstoßen, und hatte seinem Bruder Philippo sein Weib, die Herodias, genommen. Darüber war ein blutiger Krieg zwischen Aretas und ihm ausgebrochen. In diesen Gräueln tritt Johannes vor ihn und spricht: „Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Philippi Weib hast!“ Zum Dank für seine treue Mahnung setzte ihn Herodes gefangen in das feste Schloss Machärus jenseits des Toten Meeres. Jesu Arbeitsfeld aber war Galiläa und die Gegend um Jerusalem. Nur arme einzelne Botschaften von Christi Taten drangen dort in Johannes Ohren. Er hoffte wohl, dass der Welt Erlöser auch sein Erlöser aus den Ketten sein sollte. Er hoffte, dass der Herold bei dem Herrn, den er verkündigt hatte, bleiben und seine Werke schauen sollte. Er hoffte, dass das Werk rascher auf Flügeln des Sieges vorwärts schreiten sollte. Da in dem finsteren Kerker, da in seiner Einsamkeit beschlich den Mann der Zweifel, und er sandte seine Boten und er tat seine Frage. - | ||
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| - | Lieber Christ, willst du deine Seele bewahren vor Zweifeln, so wende besonders ein Mittel an, das in unserem Evangelio zwar nicht geschrieben steht, das wir aber doch herauslesen können: hüte dich vor Trennung, hüte dich vor Absonderung von deinen christlichen Brüdern und Schwestern. O wie gern hätte Johannes in brüderlichem Bunde mit ihnen gestanden, aber er konnte nicht. Der Zweifel ist wie ein Räuber, der die Wüste und Öde der Einsamkeit durchstreift. Da überfällt er die einzelne Seele und fängt sie in seinen Stricken. Wenn aber dein Bruder neben dir steht, wenn du in christlicher Gemeinschaft wie ein Baum im dichten Walde stehst, dann prallt der Sturm ab an der gemeinsamen Stärke, dann steht Einer für Alle und Alle für Einen, Einer schützt und stützt den Anderen. Es gehört eine hohe christliche Reife dazu, wenn wir uns in der Einsamkeit, in der Zurückgezogenheit von den Brüdern aufrecht erhalten oder gar aufbauen sollen. Eva ward auch verführt, da sie von dem Manne weggegangen war. - | ||
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| - | Wenn nun aber dennoch der Zweifel kommt, sei es an den Einsamen, oder sei es an den, der in brüderlichem Verkehr steht, so lernt von Johannes, wie ihr euch gegen ihn wehren sollt. Horcht, er hängt ihm nicht nach, er sitzt nicht stille, er nagt sich nicht tiefer in sein Bedenken hinein. Das ist ein schlechter Hausherr, dem bei einem Regenschauer das Wasser durch das Dach in das obere Stock gedrungen ist, und der nun ruhig den zweiten Schauer abwartet, wo es auch in das untere dringen wird. Johannes fragt auch nicht umher bei Anderen, die etwa auch nicht fest sind in ihrem Glauben an Christum, oder die ihn gar ganz weggeworfen haben. Solch Nachfragen kann ihn zu keiner Gewissheit bringen. Das ist ein schlechter Hausherr, dem das Wetter durch das Dach gedrungen ist, und der dann auf der Nachbarschaft umherläuft und hier und da fragt: „Nachbar, sieht es denn in deinem Haus auch so aus, wie in meinem, oder gar noch ärger?“ und der dann in diesem gemeinsamen Ruin sich tröstet, und die Verwüstung weiter dringen lässt. Nein, der rechte Hauswirt läuft zum Meister. Er besinnt sich nicht lange, er berät sich nicht lange, er spricht zum Meister: „Bessere schnell den Riss aus, denn es könnte bald ein zweiter Platzregen kommen.“ Nun ist dem alten Johannes ein Riss in seinen Glauben gekommen. Er bedenkt sich nicht lange. Er selber kann nicht gehen, Herodes Kerkerdiener erlauben es ihm nicht. Da sendet er zwei seiner Jünger, die Ein- und Ausgang bei ihm hatten. Er sendet zwei, damit er ja eine volle Antwort bekomme. Was der Eine nicht sieht, soll der Andere sehen; was der Eine nicht hört, soll der Andere hören. Er sendet sie an den rechten Mann, vor die rechte Tür. Der Meister, der die Risse im Glaubensbau ausbessern kann, ist kein anderer, denn der den ganzen Bau ausgeführt hat, Jesus Christus. Er geht auch nicht lange um die Sache herum. Er lässt gleich die Grundfrage tun: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Nun, mein Christ, wenn die Wellen des Unglaubens an dein Herz schlagen, wenn die Zweifel an deiner Seele nagen, hast du denn auch zwei Boten, die du zu Christo senden kannst? Ja, du hast sie, lass sie nur nicht schlafen. Sie sind: Gebet und Forschen in der Schrift. Den einen sollst du hinaufsenden zu dem Gnadenthrone Christi, den andern sollst du hineinsenden in das geoffenbarte Wort. Dennoch sollen sie beide Hand in Hand gehen. Du kannst nicht beten, ohne auf dem Boden der Schrift zu stehen. Die Schrift hat dich erst: „Gott“ und „Vater“ und „Heiland“ sagen gelehrt. Du kannst nicht forschen in der Schrift, ohne zu beten. Das Gebet ist das Grubenlicht, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Antwort wird er auf die Frage geben, \\ | ||
| - | Antwort aus dem Leben und zum Leben. | ||
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| - | Aber, möchtest du sagen, hat denn Christi Antwort über ihn selber eine Bedeutung? Gilt denn sein Zeugnis von ihm selber? Er spricht ja selbst: „So ich von mir selber zeuge, so ist mein Zeugnis Nichts,“ Du hättest Recht in diesem Bedenken, wenn Christus zeugte mit bloßen Worten, mit Versicherungen des Mundes. Da könnte kein „Ja“ und kein „Wahrhaftig“ und kein Schwur ausreichen. Er gibt lebendige, sichtbare Antwort. Klar hatten die Propheten von dem Messias geredet. Sie hatten, so zu sagen, von dem, der da kommen sollte, und der ist der Heiland, ein Signalement gegeben. Es lautet bei Jesaja: „Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren werden geöffnet werden. Alsdann werden die Lahmen löcken wie ein Hirsch, und der Stummen Zunge wird Lob sagen.“ (Jes. 35,5.6.) „Der Geist des Herrn ist über mir, darum hat mich der Herr gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden; zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, und den Gebundenen eine Öffnung; zu predigen ein gnädiges Jahr des Herrn, und einen Tag der Rache unseres Gottes, zu trösten alle Traurigen“ (Jes. 61,1.2.). Diese Beschreibung des zukünftigen Heilandes musste Johannes kennen. Der Prophet musste wissen, was seine Vorgänger von ihm geweissagt hatten. Diesem Signalement stellt der Herr nun seine Taten entgegen. Er spricht zu Johannis Boten: „Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen, die Tauben hören, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Passt denn nun nicht hier die Erfüllung auf die Weissagung wie die rechte Hand auf die linke? Ja wohl, und überall in zwiefachem Sinne. Die Blinden sehen. Die, denen Star und Nacht auf dem auswändigen Auge lag, die, welche blinder gewesen waren als Isaak, der seine Söhne nicht mehr unterscheiden konnte, bekamen Licht; und um die, so in Finsternis und Schatten des Todes gewandelt hatten, schien es helle. Die, denen kein Laut mehr in die Ohren drang, hörten recht und helle; und die, welche bisher gegen Gottes Wort so taub gewesen waren wie Kieselstein, | ||
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| - | Ja, in der Erfüllung war noch mehr denn in der Weissagung. Der Herr fügt noch hinzu: „Und die Toten stehen auf.“ Wir kennen die drei, die er vom leiblichen Tode erweckt hat. Wer will aber die zählen, die er geistlich auferweckt hat? Ja, er hat Solche auferweckt, über denen die Erde und ihre Lust höher und schwerer lag, denn die Grabesdecke über den Begrabenen. - | ||
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| - | Das war die Antwort an Johannis Jünger. Wahrlich es war eine Antwort aus dem Leben. Es war aber auch eine Antwort zum Leben. „Geht hin,“ spricht Christus, „und sagt dies Johanni wieder.“ Und sie sind hingegangen. Was meint ihr wohl, welche Freude in dem armen Gefängnis gewesen sei, als diese Botschaft kam? Es freut sich Gras und Blume und Baum und Strauch, wenn nach der Dürre ein Regen darauf fällt. Die welken Blätter heben sich. Vorher hingen sie schlaff zur Erde nieder, nun gehen die Spitzen himmelan. Aber größer war die Freude bei dem Gefangenen. „Er ist es, auf den die Väter gehofft haben, er ist gekommen, es soll kein anderer kommen!“ Sein Kerker ward ihm helle, selige Gewissheit schien in seine Seele. Auch das Strafwort: „Selig ist, der sich nicht an mir ärgert“ stört ihn nicht. Er hatte es ja verdient. Die Botschaft von dem Tatenfelde Christi war ein Quell, der mit ihm floss durch seine Wüste. Und als Herodes Henker mit dem Schwert kam, hatte er auch für diese heiße Stunde einen Labetrunk darauf: „Und die Toten stehen auf.“ - | ||
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| - | Geliebte Gemeinde, das tote Meer des Unglaubens ist gar groß. Seine Arme ziehen sich durch die ganze Erde hin, seine Busen und Buchten ziehen sich tief in die Christenheit hinein. Wenn du nun in seiner Nähe wohnst, wenn der Zweifel, ob Christus der Welt Heiland sei, dein Herz antastet, und du sendest jene zwei Boten zu Christo, ob er dir wohl auch Antwort gibt? Ja, er tut es, sende deine Boten nur kühn hinaus zu ihm und hinein in das Wort. Er wird dir auch antworten - „Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Aussätzigen werden rein, und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Er wird dir Leute zeigen in deiner Bekanntschaft, | ||
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| - | Nun Geliebte, wenn denn das Wort Gottes selber den, welcher es ohne Gebet zum Spott lesen wollte, überzeugen kann, dass Jesus ist der Christ, der Heilige Gottes, der Welt Heiland - wie soll es nicht den überzeugen, | ||
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| - | Wollen wir noch eines anderen warten? Nein. Die Sonne der Gerechtigkeit ist aufgegangen. Wenn nun mitten am Tage, wo die äußere Sonne schon hoch steht, Jemand unverwandt, nach Oben schaute, als ob sie erst kommen sollte, so würden wir ihn einen Toren nennen. Wir würden ihm sagen: Da steht sie ja, du willst nur nicht sehen. Ein solcher Tor ist auch der. der nach einem andern Heiland ausschaut. So wahr die alte Sonne, die wir kennen, die rechte ist, von Gott bestimmt, die Erde zu erleuchten und zu erwärmen und zu geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre: so wahr ist Jesus Christus die einzige Sonne der Gerechtigkeit, | ||
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| - | ======Bomhard, | ||
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| - | Das Scheiden eines Gläubigen, der in deinem Namen, in der Hoffnung auf dein Heil diese Welt verlässt, wollen wir heute betrachten, Herr Jesu! Den Hingang deines großen Zeugen Johannes aus dieser Zeit, das Ende, mit welchem sein frommer Glaube dich noch vor den Menschen gelobt hat, den Trost, womit das Hinschauen auf deine Herrlichkeit ihm seinen Kerker erhellt und seinen Tod versüßt hat, wollen wir unter dem Beistande deines Geistes erwägen. Gib deinen Geist, gib deinen Segen zu unserem Vorhaben! Zeige uns, wie diejenigen von hinnen gehen, die mit dir hienieden gewandelt haben und was das heiße, in dir sterben, wenn man zuvor in dir gelebt hat! - Sohn Gottes, unsere Zuversicht, wir kommen bald an die Grenze unserer Zeit; wir stehen vielleicht schon ganz nahe an der ernsten Stunde, die uns von hinnen fordert, an der dunklen Pforte, durch welche wir aus dieser Welt wandern müssen. Schenke uns vornehmlich für unsere letzten Tage und Stunden deinen Frieden, der über alle Vernunft ist! Reiche uns vornehmlich alsdann deine starke Gnadenhand, dass wir im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe als die Deinigen scheiden, noch durch unser Ende dich loben, und vor deinem Richterstuhl offenbar werden mögen mit Freuden! | ||
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| - | O Herr, im Glauben stärke mich!\\ | ||
| - | Lass mich den Trost empfinden, | ||
| - | Den hohen Trost, dass ich durch dich\\ | ||
| - | Den Tod kann überwinden!\\ | ||
| - | Grab und Verwesung schreckt mich nicht,\\ | ||
| - | Denn Du bist meine Zuversicht. Amen. | ||
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| - | Seltsam, meine Zuhörer, und merkwürdig, | ||
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| - | Wir können hierbei an das Leben des Christen gedenken, welches dem beschwerlichen Zuge durch die Wüste gleicht, und an der Grenze des verheißenen Landes sich beschließt; | ||
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| - | Evangel.: Matth. 11, 2-10. | ||
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| - | Einen der merkwürdigsten und edelsten Männer, welche dem Volke Israel, ja dem ganzen menschlichen Geschlechte jemals zur Zierde gereichten, zeigt uns dieses Evangelium, Johannes den Täufer, und zwar ganz nahe am Ziele seiner ruhmvollen Bahn, im Gefängnis, wohin ihn die treue Erfüllung seiner Berufspflicht und die Wut eines Tyrannen geführt hatte, seinem letzten Augenblick entgegensehend, | ||
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| - | **Der Christ am Ende seiner Zeit.** | ||
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| - | Nichts ist, was mich von Jesu scheide,\\ | ||
| - | Nichts, es sei Leben oder Tod.\\ | ||
| - | Im Leben ist er meine Freude,\\ | ||
| - | Mein Trost in meiner letzten Not.\\ | ||
| - | Ich bitt', o Gott, durch Christi Blut,\\ | ||
| - | Mach's nur mit meinem Ende gut! Amen. | ||
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| - | Fasset es wohl ins Auge, meine Zuhörer, was ich euch hiermit nach Anleitung unsres Textes darzustellen versprochen habe - den Christen, sagte ich, am Ende seiner Zeit, in der Nähe des Todes wollen wir betrachten. Nicht also den Unchristen, den Heuchler, den Selbstbetrüger, | ||
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| - | Nehmen wir nun den Christen am Ende seiner Zeit zum Gegenstand unserer Betrachtung, | ||
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| - | =====Er blickt aus seinem Kerker glaubensvoll auf Christum hin. ===== | ||
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| - | Womit sich Johannes beschäftigte, | ||
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| - | Blick aus dem engen düsteren Kerker des hinfälligen Leibes, aus den Fesseln des Alters, der Krankheit, der nahen Todesgefahr auf den Sohn Gottes, auf den Erlöser und Seligmacher der Menschen - wie bist du so süß, so erquickend und stärkend, wie wunderbar erfreust du das Herz des scheidenden Christen! Auf das Sichtbare, auf das Eitle, auf das was schon unaufhaltsam dahin schwindet und vergeht, richtet der unglückliche Weltmensch noch am Ende seiner Zeit mit vergeblicher Begierde, mit schmerzlicher Sehnsucht seinen Blick, sucht Trost, Hilfe, Rettung, wo noch Keiner im Tode sie gefunden hat; mit Gütern, die zurückbleiben, | ||
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| - | Aber der Christ blickt mit Johannes desto unverwandter, | ||
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| - | =====Er stärkt noch einmal seinen frommen Glauben. ===== | ||
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| - | So sehen wir hier den scheidenden Johannes tun. Fürwahr, Johannes kannte, vom Geiste Gottes erleuchtet, Christum schon lange, und wusste wohl, an wen er glaubte. Er hatte schon seit mehreren Jahren es gewusst, wer der sei, der da kommen sollte, hatte bei der Taufe Jesu den Himmel sich über ihm auftun und den Geist Gottes auf ihn hernieder kommen gesehen, hatte das große Wort des Vaters von ihm gehört, und selbst treulich und vielfältig von ihm Zeugnis gegeben, hatte von ihm bekannt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt;“ hatte zu seinen Jüngern gesagt: „Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, sondern vor ihm hergesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu, und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllt; er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Der von oben kommt, ist über alle.“ Noch heute wird alle Jahre der christlichen Kirche sein Zeugnis gepredigt: „Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt; der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse.“ Nein, von irgendeinem bangen Zweifel an Christo konnte in Johannis erleuchteter Seele wohl nicht die Rede sein. Aber um Wachstum in seiner Erkenntnis Christi, um Stärkung seines Glaubens, um frohe Botschaften von ihm, um neue Zeugnisse von seiner Hoheit und Ehre war es auch ihm zu tun, und das umso mehr, je näher er selbst sich seinem Ende sah. Seine Seele fühlt sich wohl auch gedrückt von der Kerkerluft, die er lange eingeatmet hat; er teilt das Los der Menschheit unter langwieriger Trübsal, fühlt sich unter den Fesseln, die seinen Leib beschweren, wohl manchmal ermüdet, dürre im Gemüte, verdrossen, einer Stärkung, einer Erquickung bedürftig; sein Glaube ist ein Licht, das abnimmt und zunimmt. Darum sendet er seine Jünger zu Christo. Sie sollen an seiner Statt gehen und den Herrn aufsuchen, weil er selbst seines Anschauens nicht genießen kann; sie sollen ihm eine liebliche Botschaft, ein großes Wort, einen guten Trost von Christo in seine Einsamkeit bringen, sollen ihm eine neue glorreiche Antwort auf die Frage holen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ Sie bringen ihm reichlich, was er gewünscht hatte. Was konnte willkommener, | ||
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| - | So sucht der Christ noch am Ende seiner Zeit mit allem Fleiß seinen Glauben zu stärken. Oder wer bedürfte einer solchen Stärkung nicht, wie zu aller Zeit, so vornehmlich in der trüben Einsamkeit des hohen Alters, in dem Grauen schlafloser Nächte, unter den Qualen langwieriger Krankheit, bei den Angriffen des alles erschütternden Todes? Wenn man seufzen muss: „Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, | ||
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| - | =====Er weist die Seinigen zu Christo hin. ===== | ||
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| - | Denn nicht bloß um sein selbst willen sandte Johannes seine Jünger zu Christo, sondern offenbar mehr noch um ihrer willen. Johannes hatte Jünger, die er liebte, für deren Heil er besorgt war; sie waren ihm seine Kinder, das Teuerste, was er in dieser Welt besaß; ihnen hatte er den besten Teil seiner Zeit gewidmet, auf sie seine Weisheit, seinen Glauben, seine Tugenden, seine Hoffnungen zu vererben sich angelegen sein lassen. An ihnen hing das Herz dieses Mannes, dem das Irdische so gleichgültig, | ||
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| - | Ihm haben von jeher alle gläubigen Christen es hierin nachgetan; ihm werden, so lang auf Erden wahre Christen leben, alle es nachzutun suchen. Hast du Angehörige, | ||
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| - | Darum bemerken wir von dem Christen am Ende seiner Zeit noch weiter: Er bittet nicht ängstlich um Fristung seiner Tage. Nicht nach einem langen Tagewerke, müde von der Arbeit, satt von Jahren, erschöpft an Kräften ward Johannes abgerufen. Mitten im Laufe des nützlichsten Lebens, in der Übung des segensreichsten Berufes, in der Fülle seiner Kraft sieht er plötzlich sein Wirken gehemmt, seine Arbeit geendet, seine Stunde gekommen. Noch scheinen die Seinigen, mehr noch sein ganzes Volk so sehr seines treuen Dienstes zu bedürfen; noch hätten seine großen Gaben so viel zur Ausbreitung des Evangeliums beitragen können; noch konnten seiner so viele hohe Freuden hier warten bei der immer weiteren Entwicklung des göttlichen Werkes Christi, immer heller werdenden Enthüllung seiner Herrlichkeit, | ||
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| - | Nachahmungswerte Gesinnung! Nein, jenes ängstliche Kleben an dieser Zeit, jenes unaufhörliche Warten auf Vermehrung der irdischen Tage, jene weichliche Liebe zu dem gegenwärtigen Leben, jenes unmutige, heftige Widerstreben gegen den Ratschluss des Höchsten, der uns von hinnen fordert, wie man bei so vielen Menschen es findet, das verträgt sich nicht mit der Gesinnung des Christen, nicht mit der Überzeugung, | ||
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| - | =====Er verherrlicht seinen Heiland auch im Tode noch.===== | ||
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| - | Edel tritt Johannes von dem Schauplatz dieser Zeit ab. Zur Ehre des Herrn gereicht noch das Letzte, was er tut; mit einer Sendung seiner Jünger an Christum, mit einer Absicht, in welcher der ganze Endzweck seines Lebens, die heilige Sorge aller seiner Tage sich deutlich zu erkennen gibt, deren Beantwortung das Wichtigste betrifft, was genannt werden kann - mit einer Bemühung für die Offenbarung der Herrlichkeit Christi: damit beschließt der Vorläufer des Herrn sein irdisches Wirken. „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ lässt er ihn fragen. Er weiß, dass diese Frage ganz Israel beschäftigt und Millionen Herzen noch bewegen wird; er hört die Antwort darauf im Geiste schon, er sieht voraus, dass diese Antwort Christi forthallen wird durch alle Länder, Geschlechter und Zeiten, dass sie unaufhörlich die Freude, der Trost, die Bewunderung, | ||
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| - | Erhabener, seliger Beruf des Christen, den Herrn zu loben im Leben und im Tode noch, den Erlöser zu verklären vor den Menschen noch am dunklen Rande des Grabes! Wo die Welt ihre Gaben und Freuden alle zurück nimmt, da erhebt der Christ den, der ihn von der Welt erwählet hat, um ihm ein besseres Erbe zu geben; wo der Sünder seinen Götzen flucht, die ihn in die Verdammnis bringen, da leuchtet der Glanz des dankbarsten Lobes des lebendigen Gottes in den brechenden Augen des Frommen, da preiset seine scheidende Seele mit Entzücken den, der sie zu seiner Seligkeit führet. Dein Lob, o Herr, deine Verklärung auf Erden ist das Leben deiner Getreuen in dieser Zeit, ihr Wandel im Glauben - dein Lob, Herr Jesu, deine Verklärung vor den Menschen ist noch ihr friedenvolles, | ||
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| - | Ich will dich noch im Tod erheben; \\ | ||
| - | Selbst nah, am Grabe preis‘ ich dich! \\ | ||
| - | Zum Segen gabst du mir mein Leben; \\ | ||
| - | Nimmst du es mir, du segnest mich. \\ | ||
| - | Mein Gott, im Leben war ich dein; \\ | ||
| - | Dein werd' ich auch im Tode sein. Amen, | ||
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| - | ======Brenz, | ||
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| - | 1541. | ||
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| - | Matth. 11,2-10.\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin, und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist als ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | An den vergangenen Sonntagen haben wir geredet von der zwiefachen Zukunft Christi; die eine hat in Erniedrigung und am Kreuz stattgefunden, | ||
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| - | Das aber scheint eine müßige und überflüssige Rede zu sein unter Christen, die, wie sie sagen, alle glauben, Jesus, Marias Sohn, sei der wahre Christus oder Messias, der in Majestät wiederkehren werde. Und doch zeigt sich in der Tat ganz etwas Anderes, als man mit den Worten aussagt. Denn schamlos sündigt noch der größte Teil der Menschen unter den Christen und führt das verderbteste Leben. Ich rede nicht von der Erbsünde, der alle Menschen, und wären sie noch so fromm, unterworfen sind, sondern von den äußerlichen Sünden und Lastern, wodurch die Menge der Menschen besudelt ist. Nun erkennen aber Diejenigen, welche Lastern frönen und ihr Leben ohne Reue in Lastern hinbringen, Jesum Christum nicht an, ob sie es gleich mit Worten aussagen. Denn Johannes sagt (1. Joh. 2,3.4): „An Dem merken wir, dass wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten. Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit.“ Und wiederum (1. Joh. 3,6): „Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen, noch erkannt.“ Und Christus selber sagt (Joh. 16,3): Solches werden sie euch darum tun, dass sie weder meinen Vater, noch mich erkennen.“ Da also die größte Menschenmenge unter den Christen auf Sünden und Laster bedacht ist, so ist das ein klarer Beweis, dass sie diesen Jesus noch nicht als ihren wahrhaftigen Messias anerkennen und weder glauben, er sei gekommen, noch glauben, er werde kommen. Und eben deshalb ist durchaus notwendig, dass mit Fleiß aus dem Evangelium nachgewiesen werde, er sei der wahre Messias, damit Jene ihn anerkennen und zur Besinnung kommen. | ||
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| - | Wohlan denn, lasst uns die Behandlung derjenigen Beweise in Bezug auf den Messias vornehmen, welche das heutige Evangelium darbietet. Indem die Propheten verkündigt haben, Christus werde Anfangs in Niedrigkeit kommen, haben sie zwei bestimmte Merkmale und Zeugnisse hinzugefügt, | ||
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| - | So hast du nun das zweite Merkmal oder Zeugnis, dass Jesus der wahre Christus oder Messias sei, und diese zwei Zeugnisse verbindet Christus (Joh. 5,33.36): „Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit. Ich aber habe ein größer Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, dass ich sie vollende, dieselbigen Werke, die ich tue, zeugen von mir, dass mich der Vater gesandt habe.“ Das verhält sich denn also: wie es gewiss ist, Jesus sei Christus, ebenso gewiss ist es denn auch, dass er das Himmelreich mit sich auf die Erde gebracht hat; denn Daniel sagt (Dan. 2,44): „Christus werde vom Himmel ein Königreich aufrichten.“ Daher bleibt nur noch übrig, dass wir in dieses Reich eingehen und es annehmen, wir gehen aber durch Sinnesänderung in dasselbe ein. Tut Buße,“ spricht er „,denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen.“ Er schließt ja Keinen aus, der einzugehen begehrt, stößt Keinen zurück, auch den nicht, welcher die größten Sünden begangen hat; denn er spricht: „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu erlösen, sondern die Sünder“ keinen Kranken, denn er spricht: „Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ keinen Greis oder Krüppel, denn es gibt kein Ansehen der Person bei Christo. Allein diejenigen verwirft er, welche nicht in das Reich Gottes eingehen wollen und lieber in ihren Sünden fortfahren, als Buße tun; Solche sind unbußfertig. Daher dürfen wir die Zeit nicht verabsäumen, | ||
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| - | ======Burger, | ||
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| - | Text: Matth. 11, 2-10\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei. Und ließ ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder, was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | Unser Text erzählt uns von beunruhigenden Zweifeln eines geistig großen Mannes, von der Antwort, mit welcher Jesus ihn zufrieden stellte, und von dem Zeugnis, welches Er ihm danach gab vor allem Volke. Was selbst einen Johannes zu der Frage bringen konnte: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ ist nicht schwer zu sagen. Nach den großen Erwartungen, | ||
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| - | Auf welchem Wege wir unser angefochtenes Herz zu beruhigen vermögen, wenn es am Gange des Reiches Gottes irre werden will. | ||
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| - | Meine Antwort ist: | ||
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| - | - Wir müssen Rat und Zuflucht suchen vor allem im Hinblick auf die Person des Herrn selbst; | ||
| - | - wir müssen achten aus die entscheidenden Wahrzeichen Seiner Wirksamkeit, | ||
| - | - wir müssen glauben dem Worte der Propheten, welche von Ihm zeugen. | ||
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| - | Herr Jesu, Herr der Herrlichkeit! der Du sprichst: Selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert! mache Du unser Herz getrost und stark, dass alle Anfechtung und aller Kleinmut vor dem Lichte Deiner Wahrheit schwinden wie der Nebel vor der Sonne. Segne Dein Wort dazu auch heute unter uns, und gib ihm Eingang in die Herzen, dass sie in Dir fröhlich werden. Amen. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Will eine Seele Friede finden, welche in Gefahr steht, irre zu werden an dem Gange, den Gottes Reich auf Erden nimmt, so ahme sie vor allem darin dem Johannes nach, dass sie auf Jesum selber ihre Blicke richte. Johannes hatte verhältnismäßig wenig von dem Herrn gesehen und aus Seinem Mund vernommen; doch war es genug, um sein Vertrauen so an Ihn zu binden, dass er auch mitten in der Anfechtung nirgends Rat und Aufschluss sucht als nur bei Ihm. Nun denn, was dem Johannes wohl anstand und was er vermochte, das sollte uns um Vieles leichter sein. Er stand mit den Bedenken, die seinen sonst so klaren Blick vorübergehend trübten, nur den Anfängen Jesu gegenüber; wir haben auch den Ausgang Seines Weges vor den Augen. Er sah den Herrn nur in Niedrigkeit und unbegreiflicher Verhüllung Seiner Macht und Ehre, erfuhr nur, wie geduldig und gelassen unter Schmähung und Verkennung Er still und langsam Seinen Weg ging, nicht eilte und nicht drängte mit der Geltendmachung Seines Anspruchs an das Volk, das doch berufen war zu Seinem Eigentume; wie Er um ihren Glauben sich bewirbt mit unerschütterlicher Langmut, und ihre freie Anerkennung sucht, nicht ihre Sinne blendet oder sie betäubt durch Überraschung. Wir wissen noch viel mehr von Ihm. Wir kennen Ihn erniedrigt bis zum Missetätertod am Kreuze, aber auch siegreich auferstanden und erhöht zur Rechten Gottes und erwiesen als königlichen Priester im oberen Heiligtume durch die Gaben, die Er über Seine Jünger ausgießt. Wenn nun Sein Volk, die Gläubigen auf Erden, einen Weg gehen müssen, der dem Seinen gleichet, kann uns das ernstlich irre machen und befremden? Hat Er es nicht vorher gesagt? „Der Jünger ist nicht über seinen Meister,“ spricht Er, „noch der Knecht über den Herrn“ (Matth. 10, 24). „Gedenkt an Mein Wort, das Ich euch gesagt habe,“ ruft Er uns zu wie einst Seinen Jüngern: „der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie Mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie Mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das Alles werden sie euch tun um Meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der Mich gesandt hat“ (Joh. 15, 20. 21). Hier ist uns deutlich an die Hand gegeben, woran wir uns halten sollen, wenn eintrifft, was Er uns vorher gesagt hat. Wir sollen uns nicht wundern, wenn Er Seiner Kirche nicht erspart, worin Er ihr vorangegangen ist mit Tun und Leiden. Ihm wäre es ein Kleines gewesen, die Kräfte des Himmels und der Erde zu bewegen und Seine Gegner zu schrecken mit der Allmacht Seines Willens, dass sie sich zitternd hätten vor Ihm beugen und Seinem Namen angstvoll Ehre geben müssen. Aber solch einen Sieg verschmähte Er, weil Er nicht ihre Unterwerfung suchte, sondern ihrer Seele Leben; weil Er sie nicht richten wollte, das wird Er zuletzt tun, sondern um sie werben, damit Er sie selig machte. Ist die Aufgabe Seiner Kirche bis auf diese Stunde eine andere geworden? Und kann es darum Jemand wundern, wenn sie demselben Widerstand begegnet, den Er erduldet hat, und wenn Er doch nicht eilt aus solchem Widerspruch sie zu erlösen? wenn Er auch ihr das Ziel steckt, langsam mit der Kraft des Sauerteiges die Welt zu durchdringen, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Aber es wäre unserem Fleische zu viel zugemutet, sollten wir allein mit diesem Trostgrund uns begnügen müssen. Eine Herrlichkeit, | ||
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| - | Da ist denn gut sie zu erinnern an die Taten Christi, die eben so viel Pfänder und Wahrzeichen Seines Sieges sind in ihrem eigenen Geiste. Sie wissen es, Er hat sie nie betrogen. Sie kannten Ihn einst nicht; aber seitdem Sein Name ihnen aufgegangen ist, ist Er ihr Trost und Heil gewesen und hat niemals sie in Not verlassen. So haben sie ja die Bestätigung Seiner Wahrheit in sich selber schon erfahren, und sollen nur gedenken an die Worte Pauli: „Darum rühmen wir uns durch Ihn nicht allein der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, | ||
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| - | =====III.===== | ||
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| - | Aber wir dürfen noch ein drittes Stärkungsmittel nicht vergessen, obgleich es von Vielen nicht erkannt wird - ihnen selbst zum Schaden: wir sollen gläubig achten aus das Zeugnis der Propheten von unserem Herrn und Seinem Werk. Die Botschaft des Johannes gibt dem Herrn Anlass, ein Wort über diesen selbst noch an das Volk zu richten. Wie jede neue und befremdliche Erscheinung, | ||
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| - | Geliebte in dem Herrn, noch jetzt gibt es Viele, die eine Weile glauben; wenn aber Anfechtung kommt, so fallen sie ab. Sie glauben, weil etwa ein Zug, der dazu drängt, einmal durch die Welt geht. Gibt es doch Zeiten, wo es sogar Mode wird, auch dem Worte des Lebens einiges Gehör zu schenken, weil man entdeckt hat, dass es geistreich sei, weil es sich brauchen lässt zu irdischen Zwecken, weil eine gewisse Leere damit ausgefüllt wird, die man sich nicht verbergen kann, wenn man auch weit entfernt ist ihren eigentlichen Grund und Ursprung einzusehen. Aber das ist kein Unterbau, auf dem sich eine sichere Bergungsstätte anlegen ließe wider Not und Tod, aus dem man Anfechtung überstehen könnte und am Glauben halten, auch wenn er in Widerspruch gerät mit dem, was unsere Augen sehen, und mit den Geistern, die die Welt bewegen. Das kann nur, wessen Seele von der Wahrheit des Wortes sich hat überführen lassen, und wer es fest hält und ihm glaubt, weil ihm die Kraft aus Gott, die darin liegt, das Herz besiegt hat. Der aber bleibt dann an der Quelle, welche ihn erquickt hat, kehrt nicht mehr um zu den löchrigen Brunnen der selbsterfundenen Weisheit dieser Welt, die nur den Gaumen kitzelt, aber das Herz leer lässt. Er liebt das Zeugnis der Propheten, weil Jesus Christus dessen Kern und Stern ist, und nährt seinen Geist daraus mit sieghafter Überzeugung und mit göttlicher Gewissheit. So lasst uns auch also tun, so viele unter uns im Ernst bemüht sind, Wahrheit zu erfahren. Wir leben in der Adventzeit, und wie sie uns immer wieder mahnt an die gnadenvolle Einkehr des eingeborenen Sohnes vom Vater in unser Fleisch und Blut, um uns zu retten, so ist sie auch bestimmt, uns hinzuweisen auf Seine zweite Ankunft, Seine Wiederkunft, | ||
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| - | ======Ficker, | ||
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| - | über Matth. 11, | ||
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| - | 1840. | ||
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| - | Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen! Amen. | ||
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| - | In dem Leben eines jeden Christen, mag über ihm noch so freundlich und hell die Sonne des Glückes scheinen, mag Vergangenheit, | ||
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| - | Wie sollen wir uns nun in solchen Stunden verhalten? Welchen Weg sollen wir gehen, dass wir das Ziel nicht verfehlen? Welches Mittel ergreifen, wodurch wir die Dunkelheit solcher Stunden verscheuchen und das Licht des Tages heraufführen können? Zu wem uns wenden, dass er seine Hand uns reiche und uns verhelfe durch das Tal der Trübsal auf den Berg, wo Hilfe, Kraft und Trost uns entgegenkommen? | ||
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| - | Text. Matth. 11, v. 2-11.\\ | ||
| - | „**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, Und ließ ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. | ||
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| - | Einen treuen Freund Gottes, der da verordnet war, dem Erlöser den Weg zu bereiten und seine Steige richtig zu machen, und von dem Christus selbst zeugte, dass er höher stehe als alle Propheten, finden wir heute im Gefängnis. Der Eifer für die Ehre seines Gottes; das freie und ungeschminkte Wort der Wahrheit: „Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib hast,“ und nichts anderes hat ihn an diesen Ort gebracht. Was mochte da in dem Herzen dieses treuen Zeugen für Gottes Ehre und Wahrheit vorgehen? „Du hast die Befehle Gottes bisher treu ausgerichtet und sein Wort freudig verkündigt; | ||
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| - | An uns ist es nun, auf ihn zu achten, wie er sich in dieser Dunkelheit seines Lebens verhält; an uns ist es, von ihm zu lernen, wie auch wir uns verhalten müssen in den dunklen Stunden unsres Lebens, wenn wir auf den Ruhm eines treuen Freundes Gottes rechnen wollen. Zu dem Ende lasst uns jetzt | ||
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| - | die Botschaft der Johannesjünger an den Herrn zum Gegenstande unserer Betrachtung machen, und zwar zuerst | ||
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| - | - das Anbringen derselben, und sodann | ||
| - | - die darauf erhaltene Antwort erwägen. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Johannes hörte auch im Gefängnisse von den Werken des Herrn, dass er die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gehend, die Stummen redend, die Aussätzigen rein und die Toten lebendig gemacht habe und dass das Evangelium den Armen gepredigt werde, und dass Jesus der verheißene Erretter des menschlichen Geschlechts sei, das war ihm bisher außer allem Zweifel gewesen, also dass er alle seine Kräfte und seine Zeit in dem ihm gewordenen Berufe aufwendete, dem mit Jesu eintretenden Himmelreiche die Bahn zu brechen. Dass nun aber Jesus seine göttliche Macht nur gebrauchte, um menschliches Elend zu lindern, wo und wie es ihm auch begegnen möchte, dass Jesus absichtlich alle eigene Ehre verachtete und alles äußere Ansehen vermied, dass kein Schimmer von Hoffnung in die dunkle Stätte seines Kerkers leuchtete, wie sein Volk und er selbst aus den Händen schwacher und gottloser Fürsten befreit und das Joch einer fremden heidnischen Oberherrschaft zerbrochen werden könnte, das alles konnte er nicht zusammenreimen mit der Verheißung der glücklichen und seligen Zeit, die mit dem Eintritte des Messias aufgehen sollte; das alles häufte einen Berg voll Zweifel und Bedenken auf, über den er nicht hinweg kommen konnte; das alles führte ihn in eine Dunkelheit, aus der er selbst sich nicht zu retten vermochte. Er wendete sich also an den Herrn selbst, und die Hände und Füße gebunden sendete er seine Jünger an ihn, dass sie ihn fragen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ Das war das Anbringen der Johannesjünger. | ||
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| - | Wie glücklich sind wir doch, meine Brüder, und wie gut ist's bestellt um den Frieden unsres Herzens auch in den dunkelsten Stunden des Lebens! „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“, eine solche Frage brauchen wir nicht erst zu tun. Wir wissen es, dass in Jesu Christo die Hoffnung aller Völker und die Verheißungen unsres himmlischen Vaters erfüllt worden sind. Ein Jahrhundert hat es dem andern und ein Geschlecht hat es dem andern verkündigt, | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
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| - | Doch welche Antwort erhalten die Johannesjünger auf ihr Anbringen? Zuerst rechtfertigt der Herr sich selbst vor dem zweifelnden Herzen des Johannes und seiner Jünger. Dass er der sei, der da kommen sollte, und dass sie keines andern warten sollten, dafür zeugten die Taten des Herrn selbst. „Geht hin und sagt es dem Johannes wieder, was ihr seht und hört. Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt, | ||
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| - | Dies Dreifache wollen nun aber auch wir beherzigen, indem wir es in das Eine zusammenfassen: | ||
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| - | „Bleibt in mir,“ mit dieser Bitte empfing uns der Herr beim Eintritt ins neue Kirchenjahr. Siehe, Herr und Heiland, wir kommen auch heute und alle Tage zu Dir und sprechen: „Aus deiner Hand soll uns Nichts reißen, weder Freude noch Schmerz, weder Reichtum noch Armut, weder freundliche noch dunkle Stunden unsres Lebens, weder Leben noch Tod. Du gibst uns Antwort auf alle Fragen. Du bist unser Leben, und Sterben in Dir ist unser Gewinn! Amen.“ | ||
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| - | ======Frommel, | ||
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| - | „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde,“ so schildert die Heilige Schrift im ersten Verse ihres ersten Blattes den Anfang der Weltgeschichte; | ||
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| - | Jesaja 64, 1.\\ | ||
| - | **Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!** | ||
| - | |||
| - | Sinnend hat der Prophet gestanden und zurückgeblickt auf die Führung Gottes mit seinem Volke, unter Lobgesang hat er der Güte des Herrn gedacht, die er an dem Hause Israel getan, mit den zartesten Farben hat er das Herz Gottes gemalt, wie er sich seiner Kinder angenommen. Er hat gebetet: „So schaue nun vom Himmel und siehe herab von deiner heiligen herrlichen Wohnung“ aber als sein Auge nun fällt auf sein heißgeliebtes Volk, wenn er sieht, wie sie irren von Gottes Wegen und wie die Widersacher das Heiligtum zertreten, da genügt' | ||
| - | |||
| - | Wir hören in diesem Worte | ||
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| - | den Adventsgesang der Kirche, und zwar | ||
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| - | den Klageruf aus der Tiefe, \\ | ||
| - | das Hosianna in der Höhe. \\ | ||
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| - | Du aber, o Herr, der du das Rufen deiner Kinder erhörst, gib uns Ohren, die da hören und Herzen, die da vernehmen, gib uns Lippen, die dich preisen und Hände, die dir dienen. Ja, erweise deine Macht auch unter uns, der du die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Ausfähigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig machst, und lass uns Arme dein Evangelium für unseren größten Schatz achten. Amen. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ Es ist der Seufzer Israels, der in dem Klageruf des Propheten zu Worte kommt. Seit der Mensch gesündigt hatte, lag hinter ihm das verlorene Paradies, zu seinen Füßen die mit dem Fluch beladene Erde und vor ihm das Grab mit seinem bitteren Weh; da war ihm der Himmel verschlossen, | ||
| - | |||
| - | Es ist, recht verstanden, auch der Seufzer aus der Heidenwelt. Was der Prophet mit hellen Worten ausspricht, das geht als dunkles Sehnen durch die Völker der alten Welt. Die Göttersagen der Heiden trotz ihrer tiefen Entstellung und dem sittlichen Schmutz, der ihnen zum Teil anhaftet, sie tragen im Keime doch die Erinnerung an das verlorene Paradies, und die Sagen von dem Besuch der Götter bei den Menschen, sie bergen doch die Ahnung von der Verbindung und Gemeinschaft des Himmels mit der Erde. Wenn ein edler Grieche, Plato, sehnsuchtsvoll ausschaut nach dem Kommen des einzig Gerechten, wenn Athen den Altar baut: Dem unbekannten Gotte - was ist's anders als der Schrei aus der Heidenwelt: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ | ||
| - | |||
| - | Der Seufzer Israels und der Schrei der Heidenwelt sind der Klageruf der Menschheit und des einzelnen Menschenherzens. Wahrheit will der Mensch finden, wenn Gottes Geist und Gottes Hand ihn aufgeweckt, Antwort will er haben auf die tiefsten Fragen seines Daseins, Antwort auf die Rätsel des Lebens und des Sterbens, Antwort auf die Frage: Woher und wohin? Wenn er aber zu dem Schlusse gelangt, den der Dichter mit jenem Worte ausspricht: „Es irrt der Mensch, so lang' er strebt,“ wenn er die Antwort sich selbst nicht geben kann, wenn er erkennt, dass alles Wissen und Menschenweisheit, | ||
| - | |||
| - | Ein Ideal will der Mensch finden, und seine Fantasie dichtet bald Götter und Göttinnen, bald Helden und Heldinnen, Gestalten, in welchen alles Wahre und Gute und Schöne sich zusammenfinden. Aber sobald er diese Gestalten in der nüchternen Wirklichkeit sucht, zerrinnen sie wie ein Nachtgesicht, | ||
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| - | Nach Glück verlangt der Mensch. Ich kannte eine Frau, welche Mittel die Fülle hatte, um sich und andere zu erfreuen, aber sie war krank an Leib und Seele. Der Herr hatte ihr ihren blühenden Sohn, den Liebling ihres Mutterherzens genommen, und sie wurde all ihrer Erdengüter nicht froh. Sie suchte umsonst Heilung bei allen Ärzten und in allen Bädern. Als nun der letzte Arzt, den sie beriet, etwas unwillig sie fragte: Was wollen Sie eigentlich? da brach sie heraus: Glücklich möchte ich werden! Der Arzt aber rief mit kalter Ruhe aus: Ja, wer kann glücklich werden auf Erden! Was die Frau gesagt, das ist der Klageruf aus der Tiefe in Tausenden von Menschenherzen. Sag an, hast du nicht auch drinnen in deinem tiefsten Gemüte den Ruf getan: Glücklich, glücklich möchte ich werden! Und blick um dich her: In all dem Regen und Bewegen der Menschen, in dem rastlosen Handeln und Wandeln, Schaffen und Gaffen, Fragen und Klagen, Türmen und Stürmen - was ist's anders als die Jagd nach dem Glück! Und wenn du nach vielen vergeblichen Versuchen, das Glück zu erjagen, deine Träume immer wieder zerrinnen siehst, dich selbst tief unbefriedigt fühlst, die Welt dir öde und leer erscheint und du an manchen Menschen, die du für edel hieltest, irre geworden, anfängst zu verzagen, dass andere Menschen dich glücklich machen können; wenn die ganze Welt dir vorkommt wie ein großes Grab deiner gestorbenen Wünsche und du mit Hiob auf dem Trümmerhaufen deines ersehnten Glückes sitzt, wenn dir so tief weh ums Herz ist wirst du dann dich beruhigen mit dem Ausspruch jenes Arztes: Wer kann glücklich werden auf Erden? Soll dies dein Rezept sein, welches die schmerzliche Wunde heilt, oder willst du nicht vielmehr deine Augen aufheben zu Dem, der selbst Fülle und Quell eines ewigen Glückes und aller Seligkeit ist? Und wenn die Erde kein bleibendes Glück zu bieten vermag, wird nicht vom Himmel her ein Glück mir nahen, das dem tiefen Sehnen meines innersten Herzens entspricht? | ||
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| - | Weißt du aber, o Menschenkind, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Und auf den Klageruf aus der Tiefe folgt das Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da gekommen ist im Namen des Herrn, gelobt sei, der noch immerdar zu Zion kommt sanftmütig, | ||
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| - | Jesus Christus hat den Himmel zerrissen und ist herabgefahren. Halleluja. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, | ||
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| - | In Christo ist die Wahrheit erschienen „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoße ist, der hat es uns verkündigt.“ Er darf sagen: Ich bin die Wahrheit. In Ihm ist Antwort auf unsere Fragen, in Ihm die Lösung unserer tiefsten Rätsel. Denn in Ihm ist erschienen die Liebe Gottes, und diese starke, große, ewige Liebe meines Gottes gibt mir Antwort auf meine Frage: Woher bin ich? Antwort: Die ewige Liebe hat mich erdacht, geschaffen, erlöst, geheiligt. Und wohin soll ich? Antwort: In die Arme dieser ewigen Liebe, die ein Vaterhaus für mich gebaut, die durch das Blut des Sohnes dem Cherub das Schwert entrungen und die durch die Hand des Geistes mich leiten will durch Alles hindurch zum ewigen Licht. | ||
| - | |||
| - | Im Tempel zu Sais stand ein großes Götterbild, | ||
| - | |||
| - | Und in Christo ist das Ideal aller Ideale erschienen, real geworden. Einmal und nun auf ewig ist es da in der hochgelobten Person des Einzig Einen, von dem der Vater gesagt hat: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ | ||
| - | |||
| - | Und in Christo ist das Glück erschienen. Denn das Leben ist erschienen und die Liebe ist erschienen, ein Glück, das da bleibt, ja, das vorhält mitten in dem Elende dieser unerneuerten Welt. | ||
| - | |||
| - | Aber wie die Wahrheit und das Leben in der Person Christi erschienen ist, so ist es für uns da durch sein ganzes großes Werk auf Erden, durch sein ganzes Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen. Halleluja: Christus hat den Himmel zerrissen für uns, nicht in einer plötzlichen Gotteserscheinung, | ||
| - | |||
| - | Darum macht die Tore weit und die Türen eurer Herzen hoch, dass der König der Ehren einziehe. Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der Herr Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, | ||
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| - | ======Gerok, | ||
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| - | 1881. | ||
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| - | (Luk. 3,2-18.)\\ | ||
| - | **(2) Da Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zachariä Sohn, in der Wüste. (3) Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße, zur Vergebung der Sünden; (4) Wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesajä, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. (5) Alle Täler sollen voll werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg (gerade) werden. (6) Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. (7) Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließ: Ihr Otterngezücht, | ||
| - | |||
| - | Es ist ein großartiges und ergreifendes Gesicht des Propheten Ezechiel, wie ihn des Herrn Hand auf ein weites Gefilde voll Totengebeine führt. Und auf das Wort des Propheten, im Auftrag des Herrn gesprochen, rauscht es über das Totenfeld und regt sich in den Gebeinen und sie finden sich zusammen jegliches zu seinem Gebein und überziehen sich mit Fleisch und ein Wind kommt daher und bläst ihnen wieder den Odem ein und sie werden lebendig und richten sich auf ihre Füße und ihrer war ein sehr großes Heer. (Ezech. 37.) | ||
| - | |||
| - | Es ist die Erweckung seines in der babylonischen Gefangenschaft zerstreuten und wie tot darniederliegenden Volkes, seine sittliche und staatliche Erneuerung durch den Geist Gottes, was der Prophet zunächst unter jenem erhabenen Bild weissagt. | ||
| - | |||
| - | Es ist die geistliche Erweckung überhaupt, wie sie nicht nur über einzelne Menschen, sondern hin und wieder über ganze Familien, über ganze Gemeinden, über ganze Völker gleich einem gewaltigen Frühlingswehen kommt, dass sie wie aus einem Todesschlaf erwachen in sittlicher Ermahnung, religiöser Erhebung und geistiger Wiedergeburt, | ||
| - | |||
| - | Eine solche Erweckung hat die Christenheit vor 350 Jahren durch die Reformation, | ||
| - | |||
| - | Auch in den Tagen Johannes des Täufers ging etwas wie eine Erweckung durch das jüdische Volk; es war, als rauschte es in den Totengebeinen, | ||
| - | |||
| - | Antwort: | ||
| - | |||
| - | - Der rechte Mann; | ||
| - | - das rechte Wort; | ||
| - | - die rechte Zeit; | ||
| - | - die rechte Frucht. | ||
| - | |||
| - | O dass dein Feuer recht entbrennte, \\ | ||
| - | Dass wir es säh'n in alle Lande geh'n, \\ | ||
| - | Auf dass bald alle Welt erkennte, \\ | ||
| - | Was zur Erlösung ihr von dir gescheh' | ||
| - | O Herr der Ernte, siehe du darein: \\ | ||
| - | Die Ernt' ist groß, der Knechte Zahl ist klein! | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | Was gehört zu einer rechten Erweckung im Volk Gottes? Vor allem: | ||
| - | |||
| - | =====1) Der rechte Mann, ===== | ||
| - | |||
| - | von Gott berufen und ausgerüstet, | ||
| - | |||
| - | Wenn das Volk dort in Scharen hinausströmte an den Jordan, von nah und fern, aus Städten und Dörfern, schriftgelehrte Pharisäer und einfache Zöllner, friedliche Hirten und raue Kriegsleute; | ||
| - | |||
| - | Und ein solcher Magnet war Johannes, Zacharias Sohn. Ein Gottesmann, dem es auf der Stirn geschrieben stand: Der Herr ist's, der mich sendet; dem der Eifer für das Reich Gottes aus den Augen flammte, der mit Herz und Seele ganz aufging in seinem Prophetenberuf. Und zugleich ein Volksmann, der mit dem Volke zu reden wusste in jener schlichten und doch gewaltigen, in jener gemeinverständlichen und doch urkräftigen Sprache, die den Nagel auf den Kopf und den Menschen ins Herz trifft. Ein großer Mann, von eigenartigem, | ||
| - | |||
| - | Mit einer ähnlichen Ausrüstung hat einst Mose, der Mann Gottes, sein Volk erweckt aus der Knechtschaft Ägyptens, und Elias, die Feuerflamme des Herrn, Israel vom Baalsdienst zurückgeführt zum lebendigen Gott; hat Paulus, der große Heidenapostel, | ||
| - | |||
| - | Auch im kleineren Kreis einzelner Gemeinden sendet Gott der Herr je und je solche auserlesene Rüstzeuge, die mit der Gabe erwecklicher Predigt in besonderem Maß begnadigt sind, die etwas von Prophetenart an sich tragen und die, wo sie auftreten, eine tiefere Bewegung der Geister hervorrufen, | ||
| - | |||
| - | Solch eine Johannesgestalt war vor 60 Jahren hier in Stuttgart der jugendliche Ludwig Hofacker mit seiner feurigen Predigt vom Gekreuzigten: | ||
| - | |||
| - | Wir wollen Gott danken für solche Männer, die gewaltig wirken in ihrer Zeit und noch fortpredigen über ihrem Grab. Wir wollen Gott bitten, dass er auch ferner, wo es not tut, seiner Kirche es nicht fehlen lasse an auserlesenen Rüstzeugen, | ||
| - | |||
| - | Aber wir wollen nicht von jeder Zeit das Außerordentliche erwarten. Wir wollen nicht neugierig und genusssüchtig nur dem Ungewöhnlichen und Pikanten nachlaufen. Wir wollen auch den redlichen Dienst des treuen Knechtes nicht gering achten, der mit einem Pfund statt mit fünfen gewissenhaft haushält und mit liebreicher Hirtenstimme statt mit erschütterndem Posaunenton an die Herzen spricht. Gehört ja überhaupt zur rechten Erweckung nicht nur der rechte Mann, sondern auch: | ||
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| - | =====2) Das rechte Wort, ===== | ||
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| - | nämlich das Wort Gottes, das da ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter unserer Gedanken und der Sinne unseres Herzens. | ||
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| - | Geht zu Johannes hinaus an den Jordan. So gewaltig der Mann dasteht wie ein Fels in der Wüste und so mächtig seine Stimme tönt gleich dem Rollen des Donners: nur in Gottes Wort hat er seine Stärke, nur durch Gottes Wort will er etwas wirken. | ||
| - | |||
| - | Er weist zurück auf das Wort des alttestamentlichen Propheten, der vor ihm kam, und will nichts sein, als was Jesajas geweissagt, eine Stimme eines Predigers in der Wüste: „Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden, und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.“ | ||
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| - | Und er weist hinaus auf den Stifter des Neuen Bundes, der nach ihm kommt und stärker ist als er, dem er nicht genugsam ist, auch nur die Riemen seiner Schuhe aufzulösen, | ||
| - | |||
| - | Und wie Johannes, so jeder echte Gottesknecht. Wodurch hat Paulus soviel Herzen bezwungen und soviel Gemeinden gegründet? Es war nicht die unscheinbare Persönlichkeit des kränklichen Mannes mit dem Pfahl im Fleisch. Es war nicht die rabbinische Gelehrsamkeit des Pharisäerschülers, | ||
| - | |||
| - | Welches war der Lebensquell, | ||
| - | |||
| - | Und dabei bleibt' | ||
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| - | Eine gewaltige Persönlichkeit kann die Leute anziehen, dass sie scharenweise zu einer Kirche strömen, Gebildete und Ungebildete, | ||
| - | |||
| - | Dieses Wort, in Einfalt verkündigt von einem schlichten Prediger so gut als von einem gewaltigen Prediger Johannes; dieses Wort, in Andacht gehört in der Wüste so gut als unter dem vergoldeten Zederngebälk des Tempels zu Jerusalem; dieses Wort, gläubig zu Herzen genommen in einem schmucklosen Dorfkirchlein oder im stillen Kämmerlein so gut als im prächtigsten Gotteshaus, dieses Wort tut Wunderkuren, | ||
| - | |||
| - | Darum, wenn wir eine Erweckung wünschen für unser Volk, so weiß ich kein anderes Mittel, als das alte, das schon der Prophet Jeremias in sein Volk hineingerufen hat: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Und wenn eine einzige Seele hier kräftig erweckt, gründlich bekehrt, göttlich getröstet werden soll, so können wir sie nur immer aufs Neue hinweisen auf Gottes Wort, das eine Kraft Gottes ist, selig zu machen alle, die daran glauben. Wo man an dies Wort sich hält, da kommt dann für die rechte Erweckung gewiss auch | ||
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| - | =====3) Die rechte Zeit, ===== | ||
| - | |||
| - | eine Zeit der gnädigen Heimsuchung Gottes. | ||
| - | |||
| - | „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen, | ||
| - | |||
| - | „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ so hatte schon zu Jesajas Zeiten das verstörte Volk sehnsüchtig gefragt nach dem Tag des Heils. „Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und Gott sein gefangenes Volk erlöste!“ so seufzt schon im Psalm (53) der fromme Sänger. | ||
| - | |||
| - | Jahrhunderte gingen noch vorüber, immer dunkler wurde die Nacht, immer schlimmer die Zeit, immer schwerer der Druck äußerer Not und geistlicher Knechtschaft, | ||
| - | |||
| - | Endlich hat die rechte Stunde geschlagen auf Gottes Uhr. Jetzt war das Volk Israel mürbe geworden unter den Hammerschlägen der Trübsal. Jetzt war auch die Heidenwelt müde ihrer Götzen und reif für ein neues Heil. Der Boden der Menschheit war bereit für den Samen des Evangeliums. Das Himmelreich war nahe herbeigekommen. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten! Dieser Weckruf scholl aus der Wüste am Jordan mächtig ins jüdische Land hinein und über die Grenzen des jüdischen Landes in die Welt hinaus, die Menschheit zu erneuern. | ||
| - | |||
| - | Wann die Not am höchsten, dann ist Gott am nächsten! So hieß es auch in Luthers Tagen. Jahrhunderte vorher hatten edle Wahrheitszeugen das Licht des Evangeliums wieder auf den Leuchter zu stecken gesucht und hatten ihr Blut dabei gelassen. Jetzt war des Herrn Stunde gekommen und nun konnte keine päpstliche Bannbulle und keine kaiserliche Reichsacht den Geist mehr dämpfen und das Licht mehr unter den Scheffel stellen. Die Christenheit wachte auf. | ||
| - | |||
| - | Wann die Not am höchsten, dann ist Gott am nächsten! Dabei wird's auch künftig bleiben. Gottes Stunde muss geduldig erwartet sein und kein Mensch kann den Zeiger auf seiner Uhr eigenmächtig vorrücken, aber kein Mensch kann auch seinem Geist wehren, wenn er vom Himmel braust, einen neuen Frühling auf die Erde zu bringen. | ||
| - | |||
| - | So wollen wir denn getrost erwarten, wann es dem Allmächtigen gefällt, wieder einen Geist der Erweckung über seine Kirche zu senden, dass es rauscht in den Totengebeinen, | ||
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| - | Für uns selber aber, meine Lieben, wollen wir nicht warten auf einen fernen Tag des Heils, sondern uns freuen: Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils; und unsere Buße nicht verschieben auf eine ungewisse Zukunft, sondern uns gesagt sein lassen: Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, der wird abgehauen und ins Feuer geworfen. | ||
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| - | Frucht ist's ja: | ||
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| - | =====4) Die rechte Frucht ===== | ||
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| - | einer rechtschaffenen Buße, was zu einer rechten Erweckung gehört als die entscheidende Probe. Wie stand es wohl damit beim Volk der Juden in den Tagen Johannis des Täufers? Eine Bewegung ging ja wohl durch viele Herzen. Neugierig zogen sie hinaus, den merkwürdigen Mann zu sehen und zu hören. Lernbegierig fragten sie: was sollen wir tun? aufmerksam ließen sie sich ihre Standessünden vorhalten, ihre Standespflichten ans Herz legen. Erschüttert gingen sie weg und brachten manchen guten Eindruck und Vorsatz mit heim. Aber wirklich erweckt waren nur die wenigen, bei denen die Predigt auch Frucht brachte im Leben, bei denen die Taufe auch eine wahre Sinnesänderung wirkte, die sich auch dem zuführen ließen, dem Johannes Bahn machen wollte in den Herzen, der mit Geist und mit Feuer taufen kann, dem Heiland aller Menschen. | ||
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| - | Und wie steht es bei uns mit den Früchten einer rechten Erweckung? Eine flüchtige Bewegung geht ja wohl manchmal durch eine Gemeinde, wenn irgendeine schwere göttliche Heimsuchung die Herzen mürbe macht, wie eine herzzerreißende, | ||
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| - | Wecke mich recht auf, dass ich meinen Lauf \\ | ||
| - | Unverrückt zu dir fortsetze, \\ | ||
| - | Und mich nicht in seinem Netze \\ | ||
| - | Satan halte auf; fördre meinen Lauf. \\ | ||
| - | Zeuch mich ganz zu dir, dass dein Lieben mir \\ | ||
| - | Ganz durchströme Herz und Sinne, \\ | ||
| - | Und mein Elend ganz zerrinne, \\ | ||
| - | Süßes Heil, in dir; wohne du in mir. | ||
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| - | Amen. | ||
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| - | ======Gerok, | ||
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| - | (1871.) | ||
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| - | Matth. 11,2-10.\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: bist du der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern; oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? ja ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet! Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | Herr, wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? diese Frage und Klage kehrt manchmal wieder in den Psalmen des vielgeprüften Königs David (13,2; 27,9; 69,18; 88,5.). Und auch ein Christ weiß, was das zu bedeuten hat. Wie jetzt in dieser Winterzeit die Sonne wochenlang ihr Antlitz verbirgt, dass kein Stückchen Himmelblau durch die Wolken blickt, kein goldener Sonnenstrahl die Nebeldecke durchbricht: | ||
| - | |||
| - | Das sind schwere Zeiten im Christenleben, | ||
| - | |||
| - | „Selig ist, der sich nicht an mir ärgert“, der sich den Glauben an mich und durch mich an Gott durch keinen Zweifel rauben lässt! So lautet die Mahnung Jesu an Johannes im Gefängnis. Es ist eine Mahnung auch an uns. Lasst‘s uns beherzigen: | ||
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| - | Selig ist wer am Herrn sich nicht ärgert, | ||
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| - | und dabei sehen | ||
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| - | - Wie auch ein Christ in Gefahr kommen kann, an seinem Herrn sich zu ärgern; | ||
| - | - Was wir zu tun haben, um in solcher Gefahr uns zu helfen. | ||
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| - | Geber aller guten Gaben,\\ | ||
| - | Festen Glauben möcht ich haben,\\ | ||
| - | Wie ein Meerfels unbewegt,\\ | ||
| - | Wenn an ihn die Woge schlägt.\\ | ||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | =====1) Wie auch ein Christ Gefahr laufen kann, an seinem Herrn sich zu ärgern, | ||
| - | |||
| - | sei es, dass das Ärgernis mehr von außen kommt, vom widrigen Weltlauf, oder von innen, aus seinem eigenen verkehrten Herzen, das sehen wir in unserer evangelischen Erzählung an dem Gottesmann Johannes. | ||
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| - | Bist du s der da kommen soll, bist du der Messias, oder sollen wir eines anderen warten? So lässt er aus dem Gefängnis durch zwei seiner Jünger Jesum fragen. Wie? meinst du, so kann ein Johannes fragen, der hochbegnadigte Vorläufer des Herrn, auf den im Texte das Prophetenwort angewendet wird: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der dir den Weg bereiten soll; der gewaltige Prediger in der Wüste, der längst auf den Herrn hingewiesen hatte mit dem demütig freudigen Zeugnis: dieser ist's, der nach mir kommen soll, dem ich nicht wert bin, die Schuhriemen aufzulösen, | ||
| - | |||
| - | Schon aus seiner äußeren Lage. Johannes war im Gefängnis. Auf dem einsamen Bergschloss Machärus saß er seit Monaten auf Herodes Befehl, weil er gewagt hatte, ihm zu sagen: Es ist nicht recht, dass du mit deines Bruders Weib lebst. Denken wir uns in seine Lage hinein. Der Mann der Wüste, der sein halbes Leben lang zugebracht hatte in der freien Natur, unter Gottes offenem Himmelszelt einen öden Winter lang eingesperrt in ein dumpfes Kerkergemach; | ||
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| - | Macht doch uns eine viel kleinere Trübsal oft wankend im Glauben! Wenn Gott uns auf ein Krankenlager legt, o wie bald wird da mit dem Leib auch der Geist matt und schwach, die Stimmung mürrisch und bitter, und statt zu erkennen: Leiden ist jetzt mein Geschäft, murren wir, dass das Tagewerk liegen bleibt; statt zu hoffen auf die Hilfe des Herrn, klagen wir, als hätte er unser ganz vergessen! Wenn der Weltlauf draußen nicht geht, wie wirs uns gedacht und gewünscht, wie gern grollen wir da mit dem Schicksal, werden irre an der Weltregierung Gottes und verzweifeln am Kommen seines Reiches, statt uns zu beugen unter das Wort: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege! Wenn der unerforschliche Gott uns selbst und unser Haus heimsucht mit einem schweren Schicksalsschlag, | ||
| - | |||
| - | Denn, meine Lieben, des Menschen Herz ist ein trotzig und verzagtes Ding, und mit der Trübsal von außen verschwört sich gar gern unser eigenes Herz, dass wir uns ärgern an dem Herrn. Der Täufer war ein eiserner Charakter, unbeugsam vor der Welt, wie der Herr selbst ihm bezeugt, kein Rohr das vom Winde bewegt wird. Brachte nicht diese seine Natur die Versuchung mit sich, dass er auch gegen seinen Gott und Herrn nicht immer in der kindlichen Demut stand, dass er auch den Lauf der Welt und den Gang des göttlichen Reichs meinte nach seinem Sinn zwingen zu können, und dass er schwerer, als ein weicheres Gemüt zu lernen hatte an dem Wort: Nicht mein Wille, Herr, sondern der deine! - Er war ein Eiferer für Gottes Gesetz und hatte mit Donnerstimme es in sein Volk hineingerufen, | ||
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| - | Meine Lieben, ertappen wir nicht oft unser eigenes Herz über solchem Trotz und solcher Verzagtheit? | ||
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| - | =====2) lasst uns lernen: was haben wir zu tun, damit wir uns nicht ärgern an dem Herrn. ===== | ||
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| - | Wende dich an den Herrn mit deinen Zweifeln und lass dich von dem Herrn belehren durch seine Werke, das sind die zwei Ratschläge die unsere Erzählung für uns ergibt. | ||
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| - | Wende dich mit deinen Zweifeln an den Herrn. So hats der Täufer gehalten. Er sandte seiner Jünger zwei zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du's der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Da sehen wir den ehrlichen, geradsinnigen Mann; wie er als Prediger gegen jedermann offen mit der Sprache herausrückte, | ||
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| - | Machs auch so, lieber Christ, bist du in Gefahr dich zu ärgern an deinem Herrn und Gott! Machs nicht wie so viele, die wenn sie etwas im Worte Gottes ärgert, nun die ganze Bibel wegwerfen und sprechen: jetzt glaub ich auch gar nichts mehr; die, wenn eins ihrer Gebete unerhört blieb, nun vom Gebet überhaupt nichts mehr wissen wollen. Wende dich nicht ab vom Herrn, wenn du in Gefahr bist dich an ihm zu ärgern, sondern dann gerade wende dich zu ihm mit doppeltem Ernst. Und kannst du keine Boten zu ihm schicken wie der Täufer aus seinem Gefängnis, so sende deine Gebete zu ihm als geflügelte Gesandte. Ringe mit ihm im Gebet, wenn er sich dir entziehen will, wie Jakob tat und ist ihm obgelegen. Ruf ihn an in der Not, wie David nach Gott in seinen Klagepsalmen schrie, und siehe zu, ob du nicht in solchem Gebetsverkehr deinem Gott und Heiland wieder näher kommst und es erfahren darfst, seis durch äußere Hilfe oder doch durch innere Stärkung: Ja, Er ist doch noch mein Gott, Er ist's doch noch der da kommen soll und helfen kann, und ich darf keines andern warten. Und kannst du nicht, wie Johannes dort, Antwort bekommen aus Jesu leiblichem Mund, so frage sein Wort und hole dir da Licht in deinen Zweifeln, Trost in deinen Nöten. Lies deine Bibel, höre deine Predigt und denke drüber nach und beweg es in deinem Geist, ob nicht manches, was dich geärgert hat beim ersten Lesen und Hören, bei längerer Betrachtung und reiferer Erfahrung dir klar und deutlich, ja lieb und teuer werden wird? Auch menschlicher Handreichung darfst du dich dabei nicht schämen. Wie Johannes, weil er in Banden lag, seine Freunde schickte, dass sie ihm Trost aus Jesu Munde brächten, so darfst auch du in Stunden der Anfechtung und Glaubensschwäche, | ||
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| - | „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Fürwahr eine großartige Antwort des Herrn an seinen Zweifler, die Antwort mit der Tat; eine kräftige Beglaubigung für den Messias, das Zeugnis seiner Wunder und Zeichen. „Seid getrost und fürchtet euch nicht, seht, euer Gott kommt und wird euch helfen. Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden und der Tauben Ohren werden geöffnet werden, alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch und der Stummen Zunge wird Lob sagen.“ Mit diesen Worten hatte der Prophet Jesajas im 35. Kapitel die goldene Zeit die der Messias bringen würde, seinem Volke begeistert ausgemalt. Und nun deutet Jesus hin auf seine Taten die er in der Kraft Gottes unter seinem Volke getan, und gibt damit dem zweifelnden Täufer zu verstehen: Gräme dich nicht: Was die Väter gehofft, was die Propheten verheißen, was du selber geglaubt und gepredigt hast, es ist kein Wahn; das Himmelreich ist nahe herbeigekommen; | ||
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| - | Und diese herrliche Antwort, meine Lieben, kommt sie nicht auch uns zu gut und ruft uns zu: Lass vom Herrn dich belehren durch seine Werke, wenn du irre wirst an seiner Person und seinen Wegen! Wenn Jesus den Täufer hinweist auf sein eben erst segensreich begonnenes Tagewerk: liegt nicht vor uns sein ganzer unvergleichlicher Lebenslauf bis zu dem Siegeswort am Kreuz: Es ist vollbracht? Ja liegt nicht vor uns die bald zweitausendjährige Geschichte seines Reichs mit all den Segnungen die es der Menschheit gebracht hat, und bestätigt es uns: Er ist's der da kommen soll, wir dürfen keines anderen warten? Wenn dem Täufer seine Jünger Botschaft brachten von leiblichen Wundern die Jesus unter seinem Volke getan: stehen nicht vor unseren Augen die größeren geistlichen Mirakel, die der Herr durch sein Wort und seinen Geist seit achtzehnhundert Jahren in der Menschheit getan? Wie viel geistlich Blinden hat er die Augen, wie viel geistlich Tauben hat er die Ohren aufgetan, wie viel Sünder hat er rein, wie viel Tote lebendig, wie viel Arme reich gemacht durch sein Evangelium und es damit bewiesen: Es ist in keinem Anderen Heil! Wenn den Johannes der Herr hinwies auf das was er an Anderen getan: darf er nicht uns erinnern an so Vieles was er an uns getan, die wir leben dürfen unter den Segnungen seines Reichs; an so manche Wunder seiner Macht und Liebe, wodurch er in unsrem eigenen Leben uns erwiesen hat, dass er ein lebendiger Gott ist und ein treuer Heiland der Seinen; an so manche Gnadenstunde, | ||
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| - | Davon zum Schluss noch ein Beispiel. Wir alle wissen von dem württembergischen Patrioten und unverzagten Christen, dem Landschaftskonsulenten Johann Jakob Moser. Wie der Täufer auf dem Bergschloss Machärus, so saß er als Gefangener auf der Felsenburg Hohentwiel, weil er nach Pflicht und Überzeugung seinem Fürsten die Wahrheit gesagt und zu mancher Regierungshandlung des glänzend begabten, aber leidenschaftlichen Herzogs das Johanneswort gesprochen hatte: Es ist nicht recht! Fünf Jahre saß er dort in strenger Haft, ohne Umgang, ohne Bücher, ohne Feder und Papier, allein mit seinem Gott und seinem Gewissen. Aber hatte er einen ungnädigen Herrn auf Erden, so hatte er im Himmel einen gnädigen Gott und in seiner Brust ein gutes Gewissen und einen festen Glauben; darum ärgerte er sich nicht an dem Herrn und konnte aus dem Gefängnis, als es ihm zuletzt erlaubt war, an seine Frau schreiben: „Was das Innere anbelangt: der Friede Gottes, der mich in meinen Arrest begleitet hat, ist bisher unverrückt bei mir geblieben. Die Tage und Stunden sind zwar nicht alle gleich und es gibt manchen Kampf und Tränensaat, | ||
| - | |||
| - | Ist das nicht ein Geistesbruder unseres Täufers? Ja sehen wir nicht an ihm und seinem unerschütterlichen Glauben: der Kleinste im Himmelreich ist größer denn Johannes? Selig ist, wer an dem Herrn sich nicht ärgert. An diesem deinem Glauben hast du einen Stern in jeder Nacht, einen Stab auf jedem Weg, einen Schild in jedem Kampf, bis du eingehst vom Glauben zum Schauen, wo die Rätsel dieses Lebens in Licht und die Klagen des Kleinglaubens in den Lobgesang sich auflösen: der Herr hat alles wohlgemacht! Dazu hilf du uns, Herr Jesu, du Anfänger und Vollender unseres Glaubens. | ||
| - | |||
| - | Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, \\ | ||
| - | Tröste dann mein zagend Herz, \\ | ||
| - | Hilf zum treuen Tugendlauf \\ | ||
| - | Meiner Schwachheit mächtig auf; | ||
| - | |||
| - | Dass ich, wenn du, Lebensfürst, | ||
| - | Herrlich wieder kommen wirst, \\ | ||
| - | Froh dir mag entgegensehn \\ | ||
| - | Und gerecht vor dir bestehn! \\ | ||
| - | Amen. | ||
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| - | (1879.) | ||
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| - | Matth. 11,2-10.\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin, und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
| - | |||
| - | Es ist die ehrwürdige Gestalt des Vorläufers Jesu, des Täufers Johannes, welche wie alljährlich in der Adventszeit, | ||
| - | |||
| - | Vergessen zu werden, nicht erst nach dem Tode, sondern schon im Leben, nicht bloß von den Fernerstehenden, | ||
| - | |||
| - | Man braucht kein ehrgeiziger und eingebildeter Mensch zu sein, um schmerzlich berührt zu werden von solcher Vergesslichkeit der Welt. Nur ein ganz roher und niedrig gesinnter Mensch, der weder von sich selbst noch von andern etwas hält, setzt sich leichten Mutes hinweg über das Urteil seiner Mitmenschen. Siehe zu, dass du einen guten Namen behaltest, der bleibt gewisser, denn tausend große Schätze Goldes; das ist ein Spruch (Sir. 41, 15), der auch für den Christen noch seine Geltung hat. Und so lasst uns diesmal von unsrem Text Anlass nehmen zu betrachten: | ||
| - | |||
| - | Johannes im Gefängnis oder das bittere Los vergessen zu werden. | ||
| - | |||
| - | - Wie wir es uns zu erklären haben. | ||
| - | - Wie wir es ertragen sollen. | ||
| - | |||
| - | Herr mein Gott! | ||
| - | |||
| - | Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm,\\ | ||
| - | So sehr sie Menschen rühren,\\ | ||
| - | Des guten Namens Eigentum \\ | ||
| - | Lass mich nur nie verlieren, \\ | ||
| - | Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, \\ | ||
| - | Der Ruhm vor deinem Angesicht \\ | ||
| - | Und frommer Freunde Liebe. Amen. | ||
| - | |||
| - | Johannes im Gefängnis oder das bittere Los vergessen zu werden. | ||
| - | |||
| - | =====1) Wie haben wirs uns zu erklären? ===== | ||
| - | |||
| - | Teils aus der Unart der Welt, teils aus unserer eigenen Schuld, teils aus dem Lauf der Natur. | ||
| - | |||
| - | Wenn Johannes, dieser unerschrockene Zeuge der Wahrheit, dieser redliche Freund seines Volkes, nachdem er vor kurzem noch der Held des Tages, der Liebling der Leute, der gesuchteste und gepriesenste Mann im Lande gewesen war, nun verlassen und vergessen in seinem Felsenkerker saß, ohne dass ein Mensch nach ihm fragte, eine Hand sich für ihn regte, so müssen wir das freilich der Welt zur Sünde und Schande anrechnen. Es war zunächst das böse Gewissen des Königs Herodes, welches den lästigen Mahner sich aus dem Auge schaffen wollte, dessen kühner Mund, ja dessen strafender Blick schon ihm sagte: Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib hast. Darum legte er ihn ins Gefängnis. Aber warum rührte sich niemand für den unschuldig Gefangenen, der doch seine Zuhörer und Verehrer gehabt hatte unter allen Ständen, unter Schriftgelehrten und Kriegsknechten, | ||
| - | |||
| - | Die Welt ist auch heute nicht viel anders. Dass man einen lästigen Mahner, der den Leuten bittere Wahrheiten sagt, wenn man ihn nicht gerade tot macht, doch wenigstens tot zu schweigen sucht, als wäre er gar nicht da, und wenn man ihn nicht gerade in den Kerker wirft, wenigstens stehen lässt als einen Prediger in der Wüste; dass mancher ehrliche Mann sichs gefallen lassen muss, trotz seiner redlichen Bemühungen, | ||
| - | |||
| - | Dass nur nicht unsere eigene Schuld dazukomme, uns um ein gesegnetes Gedächtnis bei den Menschen zu bringen! | ||
| - | |||
| - | Das ist ja klar: Der Übermütige und Herzlose, der seine Stellung nur missbraucht andere zu drücken und zu misshandeln, | ||
| - | |||
| - | Aber selbst wenn du zu denen Allen nicht gehörst, wenn du getan hast was du konntest und deinen Platz ausgefüllt so gut du vermochtest: | ||
| - | |||
| - | Das liegt im Lauf der Natur, in der Ordnung Gottes. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darübergeht, | ||
| - | |||
| - | Unaufhaltsam fließt der Strom der Zeit und reißt in seinen Wellen zuerst uns selbst, dann die Spuren unsres Wirkens und ein paar Jahre oder ein paar Jahrzehnte hernach auch unser Gedächtnis mit fort, und wenige sind der Auserwählten, | ||
| - | |||
| - | Lass dich das beugen und demütigen, stolzes Menschenkind, | ||
| - | |||
| - | =====2) Wie sollen wirs ertragen das bittere Los, vergessen zu werden? | ||
| - | |||
| - | so lautet die Antwort: Wirke treulich so lang es für dich Tag ist; freue dich neidlos des Größeren, der nach dir kommt, und hoffe getrost auf den, der keines der Seinen vergisst. | ||
| - | |||
| - | Wirke treulich weiter, so lang es für dich Tag ist. Oder wie? Weil ich weiß, dass auch über mein Werk die Wellen der Zeit hingehen, soll ich darum mutlos die Hand vom Pfluge ziehen? Weil ich drauf gefasst sein muss, dass mein Name über ein Kleines vergessen sein wird, soll ich darum meine Arbeit einstellen und meine Hand und meinen Mund und mein Herz verschließen gegen die undankbare Welt? | ||
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| - | Nein, damit würdest du ja gestehen, dass du nur um des Lohnes willen arbeitest; dass es nur die Selbstsucht und der Ehrgeiz ist, was dich treibt und beseelt. Hat der edle Täufer etwa seinen eigenen Ruhm gesucht, als er noch im Feuer seiner gesegneten Wirksamkeit stand? Hat er nicht damals schon gewusst und bezeugt, dass er nur einem Größeren den Weg bereite, der wachsen müsse, während er selbst abnehme und vom Schauplatz verschwinde? | ||
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| - | Auch wir, je kürzer die Zeit uns bemessen, wo unser Name noch etwas gilt in der Welt, um so treulicher wollen wir wirken so lang es Tag ist, ehe die Nacht kommt, da niemand mehr wirken. kann. Und je geneigter die Welt ist uns zu übersehen und zu vergessen, umso mehr wollen wir Fleiß tun, uns durch das Gute, das wir wirken durch die Liebe, die wir üben, da und dort wenigstens in einem Herzen ein freundliches Andenken zu sichern. Und ob niemand uns dankte und niemand an uns dächte, was schadets, wenn nur das Gute geschehen ist, wenn wir nur etwas dazu beigetragen haben, dass dem Herrn der Weg bereitet und das Reich Gottes gefördert werde auf Erden? Wirke treulich so lang es Tag ist, tue Gutes wo du kannst, nicht um des Danks, nicht um des Ruhms, nicht um deiner selbst, sondern um der Pflicht, um des Guten, um des Herrn deines Gottes willen - das ist die erste Mahnung an den Christen bei dem bitteren Gedanken vergessen zu werden von der Welt! | ||
| - | Und freue dich neidlos des Größeren der nach dir kommt. | ||
| - | |||
| - | „Bist du es der da kommen soll oder sollen wir eines andern warten?“ Bist du der Mann, den Rat Gottes auszuführen und die Hoffnung Israels zu erfüllen? Das war des Täufers schmerzlichste Sorge und bitterster Kummer in seinem Gefängnis. Und als er darüber beruhigt war, als er Kunde erhielt von dem geräuschlosen Segensgang Jesu unter seinem Volk: „die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt, | ||
| - | |||
| - | Welch ein beschämendes und erhebendes Beispiel für uns! Wir ärgern uns auch manchmal über einen, der neben uns arbeitet oder nach uns kommt, aber meist nicht sowohl weil er hinter unseren Erwartungen zurückbleibt, | ||
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| - | O wie heißt das so kleinlich denken! Wie verbitterst du dir dadurch selber dein Leben und beraubst dich des edelsten Genusses, fremder Begabung dich neidlos zu freuen, zu höheren Verdiensten bewundernd emporzublicken! Nein, denkt der Christ, wenn mein Name verklingt: Gottlob dass noch andre da sind, die mehr leisten als ich; wenn meine Leistungen übertroffen werden: umso besser für die Welt und fürs Reich Gottes. Und wenn alles menschliche Tagewerk Stückwerk bleibt, Gottlob, dass der noch da ist in der Welt und seinen stillen Segensgang fortsetzt in der Menschheit und immer neue Knechte ausrüstet für seinen Dienst, von welchem wir wissen: Er ist's der da kommen soll, wir dürfen keines anderen warten, und von dem wir auch heute es dankbar rühmen: | ||
| - | Hier ist mehr als Davids Sohn,\\ | ||
| - | Unvergänglich ist sein Thron, \\ | ||
| - | Licht der Seelen, ew'ges Heil \\ | ||
| - | Ward durch Jesum uns zu Teil! | ||
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| - | Bei ihm kommen auch seine Knechte nicht zu kurz. Darum wenn du dich vergessen siehst von der Welt, hoffe getrost auf den, der die Seinen nie vergisst! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes. Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Welch gewichtiges Lob aus diesem Mund! Freue dich, edler Gottesknecht: | ||
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| - | Das soll jedem redlichen Knecht Gottes zum Troste werden im Dienste des Herrn und in der Arbeit für Gottes Reich. Mag unser Tun unbeachtet bleiben bei den Menschen, dein himmlischer Vater, der ins Verborgene sieht, wird dirs vergelten öffentlich. Mag die Welt unser vergessen, der Herr kennt die Seinen. Mögen unsere Namen verhallen auf Erden, wenn sie nur im Himmel angeschrieben sind zum ewigen Leben. Mag unser Tagwerk Stückwerk bleiben und unser Wirken verdunkelt und überflügelt werden von denen, die ein größeres Pfund empfangen haben als wir, - wenn wir nur treu erfunden werden am Tage der Rechenschaft und das Gnadenzeugnis empfangen aus dem wahrhaftigen Mund: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude. So soll uns denn über Menschenlob Gottes Wohlgefallen gehen, und wichtiger als aller Nachruhm auf Erden die Bitte an unseren Richter im Himmel sein: Gedenke meiner, mein Gott, im Besten! | ||
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| - | Ach Gott, gedenke mein, gedenke mein zum Besten!\\ | ||
| - | Dies ist das schöne Wort, das mich allein mag trösten. \\ | ||
| - | Ich fürchte keine Not und keine Angst noch Pein, \\ | ||
| - | So lang ich rufen kann: ach Gott, gedenke mein! | ||
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| - | Amen. | ||
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| - | ======Gleissberg, | ||
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| - | Alle Veranstaltungen, | ||
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| - | Text Matth. 11, 2-10. | ||
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| - | **2 Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei 3 und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? 4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört: 5 die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; 6 und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. ** | ||
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| - | **7 Da die hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? 8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. 9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. 10 Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ ** | ||
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| - | Johannes, von dem der eben vernommene evangelische Abschnitt handelt, Johannes wusste im Geist, dass er es war, von dem geschrieben steht: siehe, ich sende meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll. Darum ging auch sein eifriges, unablässiges Bestreben dahin, den Weg zubereiten vor dem her, welchen er als den wahren Messias erkannte und bezeichnete. Keine Anstrengung war ihm zu groß, dass er sie nicht übernommen hätte, keine Gefahr zu drohend, dass er ihr nicht begegnet wäre; er scheute keinen Hass, kein Gefängnis, keinen Tod, wenn es galt, dem, der da kommen sollte, den Weg zu bereiten. Wie kam es denn aber, dass er, als er nun im Gefängnis des Herodes saß und die Werke Christi hörte, zwei seiner Jünger zu Jesu sandte und Ihn fragen ließ: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? War ihm die Erscheinung Jesu Christi zu niedrig? Oder war ihm seine Gefangenschaft zu drückend? Oder was war es sonst, das ihn an der bereits erkannten und bezeugten Sendung Jesu wieder irre machte? Vielleicht glaubte er zwar selber noch, aber seine Jünger zweifelten, ob mit Jesu Christo der verheißene Messias wirklich erschienen sei, und vielleicht sandte er sie zu Ihm, damit sie durch Ihn selbst von ihren Zweifeln befreit würden; wie dem auch sei, Zweifel, wenn auch nur leichte, bald zu besiegende Zweifel mochten in der Seele des Lehrers oder seiner Jünger entstanden sein; denn sonst hätte Jesus nicht so ausführlich auf Seine großen Taten hingewiesen und gesprochen: selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Wurden auch diese bedeutungsvollen Worte zunächst nur durch die Johannisjünger veranlasst, so galten sie doch auch dem ganzen Volke, so gelten sie auch noch allen Menschen. Selig ist, der sich nicht an mir ärgert! so spricht der Herr auch noch zu uns und wir nehmen daher Veranlassung, | ||
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| - | Wie selig der ist, der sich nicht an Jesu Christo ärgert. | ||
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| - | Unsere Betrachtung nimmt von selbst eine doppelte Richtung, wir haben nämlich zu erwägen: | ||
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| - | - Wer sich nicht an Jesu Christo ärgert? und | ||
| - | - Wie selig ein Solcher ist. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Hätten die Jünger Johannis Jesum nicht gefragt: „bist Du der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ so hätte Er ihnen wohl auch nicht erwidert: selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Wir dürfen also wohl in Bezug auf den ersten Teil unserer Betrachtung zuvörderst sagen: derjenige ärgert sich nicht an Jesu Christo, der Ihn für den hält, der da kommen sollte. Wofür hat man Ihn denn aber zu halten? Diese Frage lässt verschiedene Antworten zu, je nachdem der Standpunkt verschieden ist, von dem aus wir die Bestimmung des Weltheilandes betrachten. Unstreitig wollte Er selbst auf die Beantwortung jener Frage hinleiten, wenn Er sprach: gehet hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört, die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Nach dieser eigenen Beschreibung Seines Wirkens sehen wir in Christo den, der Übel nimmt und Güter gibt, freilich hier noch großenteils zeitliche Übel und zeitliche Güter, aber auch ewige, und wenn wir Seine Bestimmung nur einigermaßen recht zu würdigen verstehen, erfahren wir: zeitliche Übel und Güter um der ewigen willen, oder im Gefolge derselben. Was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Sehen wir bei Christo und Seinem Wirken vor Allem und am meisten auf das Unsichtbare, | ||
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| - | Alles wahre Übel will Jesus von uns nehmen. Gelobt sei, der da kam im Namen des Herrn! Aber was ist wahres Übel? Nicht Blindheit, nicht Lahmheit, nicht Aussatz, nicht Taubheit, nicht Tod, nicht Armut; diese und andere Dinge der Art sind wohl auch Übel und zum Teil harte Übel, aber doch immer Übel, die, wenn Gott sie sendet, auch Güter bringen sollen, und die, wenn Gott sie auch nicht sendet, doch nicht mit jenen wahren Übeln verwechselt werden dürfen, die weit tiefer liegen, unheilbarer sind und jedem wahrhaft Verständigen als weit furchtbarer erscheinen. Wir könnten sie geistige Blindheit, geistige Lahmheit, geistige Unreinigkeit, | ||
| - | |||
| - | Und wie Er kam, alles wahre Übel hinwegzunehmen, | ||
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| - | Das können wir nun aber zugestehen, wir können behaupten: „Er war, der da kommen sollte, und wir brauchen keines andern zu warten“ und dennoch ärgern wir uns vielleicht am Ende noch an Ihm, wenn wir Seine segensreiche Erscheinung nicht recht benützen. Wer deswegen sich nicht an Ihm ärgern will, der muss diese Seine Erscheinung auch so benützen, wie Er sie benützt haben will. Er ist freilich erschienen, um den Menschen alles wahre Übel zu nehmen, und alles wahre Gute zu geben: aber so wenig Er ihnen jenes mit Gewalt entreißen will, so wenig will Er ihnen dieses mit Gewalt aufdrängen. Er nimmt jenes, und gibt dieses, o! so willig und gern, aber wir sollen es uns auch gern und willig nehmen und geben lassen, wir sollen für das Eine wie für das Andere Empfänglichkeit, | ||
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| - | Und wie mit dem wahren Übel, so ist es natürlich auch mit dem wahren Gut; wenn es möglich wäre, äußere Güter, Gesundheit, Ehre, Reichtum und sofort von Christo zu erlangen, wie würde man Ihn in großen Schaaren allenthalben aufsuchen! Da Er aber andere Schätze darbietet, als die, welche Motten und Rost fressen, und denen die Diebe nachgraben, sie zu stehlen, so überhört man so oft Seine heilsamen Lehren, so verlässt man so leicht Seine ewigen Wege, so tut man lieber als wäre der Verheißene noch nicht erschienen und als hätte man eines anderen noch zu warten. Heißt das aber nicht sich an Ihn, ärgern und Sein seligmachendes Verdienst verschmähen? | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Da wir nun betrachten wollen, wie selig der ist, der sich nicht an Christo ärgert, so haben wir, die wir wissen, wer sich an Ihm ärgert, noch zweitens zu erwägen: wie selig ein Solcher ist. | ||
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| - | Lasset uns zu dem Ende wieder auf unser Evangelium zurücksehen und uns in die Lage des Johannes versetzen! Was mag er gefühlt haben, als seine Jünger, begeistert wohl, zu ihm zurückgekommen waren und ihm gesagt hatten, was sie hören und sehen durften! Schwer und trüb war seine Gegenwart, er saß ja unschuldig im Gefängnis; mochte ihm nicht aber das Herz ganz leicht, der Blick ganz hell werden, als er seine Jünger von den großen Taten Christi reden hörte, als von diesen Reden alles Ärgernis an Christo aus ihrer Seele wich und es ihnen vielleicht war, als hörten sie die lieblichen, trostreichen Worte, die wir bald nach unserem Evangelium aufgezeichnet lesen: Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken; nehmet auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Wir können uns nicht in die Lage des Johannes versetzen, ohne zu lernen: Wer sich nicht an Jesu ärgert, steht leichteren Herzens und helleren Blickes auch in einer schweren und trüben Gegenwart. | ||
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| - | Was ihn auch drücken mag, verliert nicht jedweder Druck gar viel von seiner Qual, wenn das Herz, das ihn leidet, durch den innigen und lebendigen Glauben an Jesum Christum das klare, sichere Bewusstsein von der Vergebung seiner Sünden m sich trägt? Ein solches Herz ist leicht, denn, womit es auch die Leiden dieser Zeit, die Verunglimpfungen dieser Welt beschweren mögen, es fühlt sich ja vereint mit Gott und fragt: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch Seines eingeborenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat Ihn für uns Alle dahingegeben, | ||
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| - | So mochte Ihn wohl Johannes lieb haben, darum hielt er auch fest an Ihm in schwerer und trüber Gegenwart, und hoffte festen und unverzagten Mutes auf eine bessere Zukunft. Freilich sah er damals, als seine Jünger mit der trostreichen Nachricht von Jesu wieder zu ihm kamen, das Schwert des Henkers, das seinem Haupte drohte und das teure Haupt auch fällen sollte, noch nicht von ferne. Wenn er es aber auch gesehen hätte, dieses furchtbare Schwert, würde es ihn bestimmt haben, seinen Weg vom Wege Christi zu trennen? Was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet, oder was seid ihr, hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Nein, den wollten sie nicht sehen, den sahen sie nicht, sie sahen einen Propheten, sie sahen einen Mann, der auch mehr war als ein Prophet war, einen Mann, der mit festem und unverzagtem Mute auf eine bessere Zukunft hoffte, wie er mit festem und unverzagtem Mute Allem kühn entgegentrat, | ||
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| - | Nein, wir zweifeln nicht daran, wir trauen Dir, lieber Herr, der Du sprichst: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht! Auf Dich, treuer Heiland, der Du die Wahrheit bist, auf Dich gründen wir unsere beste Hoffnung, auf Dich gründen wir uns selbst und gehen so getrost und unverzagt einer besseren Zukunft entgegen. O möchte doch durch Dich unser Herz immer leichter und ruhiger, unser Mut immer fester und unverzagter, | ||
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| - | ======Goßner, | ||
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| - | Matth. 11, 2 - 10. | ||
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| - | Da Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte. | ||
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| - | Johannes und Christus - die Morgenröte und die Sonne - erscheinen in diesem Evangelio. Die Morgenröte, | ||
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| - | Er zeugt von sich selbst, und beweist durch Seine Taten, dass Er derjenige sei, der da kommen sollte, der verheißen und erwartet wurde nach dem Worte Gottes - dass wir also mit Recht Seinen Advent, Seine Ankunft feiern, und uns derselben freuen können, und keinen anderen erwarten dürfen, wie die Juden. Also wiederum ein gutgewähltes Advent-Evangelium. Wir haben Ihn. Er ist's und kein anderer. Er ist's, der der alten Schlange den Kopf zertritt, indem sie Ihm in die Ferse sticht. Er ist's, der den, Abraham verheißen war, der Same, in dem alle Geschlechter gesegnet werden sollen. Er ist's - der Held, der kommen sollte, nachdem das Zepter von Juda genommen sein würde. Er ist's, von dem Moses weissagte: Einen Propheten wie mich wird euch Gott erwecken, dem sollt ihr gehorchen rc. 5 Mos. 18, 15. Er ist der Davids Sohn, Jer. 23., der Jungfrauen Sohn, das Kind, das Lamm, das Jesaja sah, das aller Welt Sünde trug, und um unserer Missetat willen verwundet wurde, auf das Gott all unsere Sünde und Strafe warf, auf dass wir Friede hätten. Er ist's, von dem alle Propheten zeugen, dass in Seinem Namen Vergebung der Sünden empfangen sollen, die an Ihn glauben. | ||
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| - | „Bist du es?“ lässt der gefangene Johannes fragen. Jesus spricht nicht von sich selbst, sondern lässt Seine Taten reden. „Sagt dem Johannes, | ||
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| - | Das ist ja doch genug; wir wollen keinen andern - einen solchen Heiland bedürfen wir, der genüget uns. - Und das hat vor Ihm und nach Ihm keiner geleistet. Damit hat auch Johannes sich im Gefängnis begnügt, und gab seinen Kopf dafür. | ||
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| - | Und dies hat Er nicht nur getan, \\ | ||
| - | Da man Ihn sah auf Erden wallen; \\ | ||
| - | Nein, Er ist immer einerlei, \\ | ||
| - | Gerecht und fromm und ewig treu. \\ | ||
| - | Wie Er war unter Schmach und Leiden, \\ | ||
| - | So ist Er auf dem Thron der Freuden: \\ | ||
| - | Den Sündern liebreich zugetan, \\ | ||
| - | Mein Heiland nimmt die Sünder an. | ||
| - | |||
| - | Schon seit achtzehn hundert Jahren wurden, und noch heute werden, wo Sein Name verkündigt wird, die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, und die Tauben hörend, die Toten stehen auf, und Sein Evangelium war immer und ist noch eine Kraft Gottes, selig zu machen Alle, die daran glauben, und sich nicht an Ihm ärgern. Nun, meine Lieben, davon sind wir alle überzeugt, denn ich rede nicht zu Ungläubigen, | ||
| - | |||
| - | Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern, jetzt überall. Er war kein Hofprediger, | ||
| - | |||
| - | Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ich sage euch, er ist wohl mehr, als ein Prophet. Denn er ist der Freund des Bräutigams, | ||
| - | |||
| - | Der Herr Christus will mit diesen drei Fragen an das Volk: Warum seid ihr zum Johannes hinausgegangen in die Wüste? Wolltet ihr etwa ein Moosrohr, oder einen weichlichen Hof- und Modeprediger, | ||
| - | |||
| - | Übrigens haben wir Prediger und ihr Zuhörer uns ernstlich zu fragen, ob wir nicht Moosrohre sind, die sich von jedem Wind der Lehre hin und her bewegen lassen; ob wir auf dem rechten „Grund und Felsen“ befestigt sind, der ewig unbeweglich steht, wenn Erd' und Himmel untergeht; ob wir stark sind in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke; ob unser Glaube der Sieg ist, der die Welt überwunden und Christum und das ewige Leben ergriffen hat, oder nur ein schwankendes Rohr, das von jedem Stoß des Zweifels, der Anfechtung und der Trübsal erschüttert wird; ob wir bei den heilsamen Worten Jesu Christi, bei dem Einen, das nottut, und bei der Hauptsumme des Gebotes, der Liebe von reinem Herzen, und gutem Gewissen und ungefärbtem Glauben so fest bleiben, dass uns keine Nebenlehre, Streitfrage über Worte und Buchstaben, über Formen und Sekten irre machen oder das Ziel verrücken kann. | ||
| - | |||
| - | Zweitens soll sich ein Jeder fragen: Bist du kein weichlicher Mode-Christ? | ||
| - | |||
| - | Drittens dürfen und sollen wir uns selbst fragen: Bin ich nicht mehr als ein Prophet? wie Johannes? Stehe ich Christo nicht näher, als die Propheten des Alten Testaments, die Jesum nur von ferne sahen und verkündigten? | ||
| - | |||
| - | Nun, meine Lieben, so lasst uns denn den Advent des Gekommenen, nicht des Zukünftigen oder Kommenden feiern! Er muss schon da sein, bei dir und in dir sein; du sollst Ihn nicht erst erwarten; du sollst Ihn haben, und es an Seinen Werken an dir und den Wirkungen Seines Geistes in dir erkennen und gewiss wissen, dass Er es ist, und du auch keines andern bedarfst. Dein muss Er sein, dir nahe, in dir muss Er sein mit all Seinem Leben, Leiden und Sterben, mit Seinem ganzen Verdienste, mit Seiner Weisheit, Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Liebster Jesu, in den Tagen \\ | ||
| - | Deiner Niedrigkeit allhier, \\ | ||
| - | Hörte man zum Volk Dich sagen: | ||
| - | Es geht eine Kraft von mir. | ||
| - | |||
| - | Lass auf mich auch Kraft ausfließen, | ||
| - | Und sich Deinen Geist ergießen, \\ | ||
| - | Da Du in der Herrlichkeit \\ | ||
| - | Nun regierst mit Freundlichkeit. | ||
| - | |||
| - | Ja, Du kannst noch Allen lachen, \\ | ||
| - | Deine Kraft ist nie zu klein, \\ | ||
| - | Es bezeugen' | ||
| - | Die uns aufgezeichnet sein. | ||
| - | |||
| - | Ja, Du bist dazu gekommen, | ||
| - | Nur der Sünder, nicht der Frommen, | ||
| - | Aller Kranken Heil zu sein, \\ | ||
| - | Und zu retten Groß und Klein. | ||
| - | |||
| - | Hier, mein Arzt, bin auch ich Armer, | ||
| - | Krank am Geiste, blind und bloß; | ||
| - | Rette mich, o mein Erbarmer, | ||
| - | Mache mich von Sünden los; | ||
| - | |||
| - | Von der Eigenliebe Tücken, | ||
| - | Die mein armes Hetz bestricken; | ||
| - | Ach, lass Deinen süßen Mund \\ | ||
| - | Zu mir sprechen: Sei gesund! | ||
| - | |||
| - | Siehe, meine Seele rühret | ||
| - | Deinen Saum im Glauben an, \\ | ||
| - | Wartet, bis sie endlich spüret, | ||
| - | Dass Du ihr auch wohlgetan. | ||
| - | |||
| - | Amen, Du wirst mich erhören | ||
| - | Und zu mir Dein Antlitz kehren, | ||
| - | Sprechen: Ja, ich will, sei mein! \\ | ||
| - | Ich werd' ewig selig sein. | ||
| - | |||
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| - | ======Harms, | ||
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| - | Ges. 209. Mit Ernst, o Menschenkinder. | ||
| - | |||
| - | Der Gesang ist in seinem letzten Vers ein Gebet gewesen, der Prediger kann auch beten, wisset ihr wohl, doch zunächst und an dieser Stätte, zu dieser Stunde soll er eben nicht beten, sondern predigen. Wollt' euch sagen lassen einmal, Geliebte, was es heißt, predigen! Es heißt nicht, was immer es ist vortragen und in beliebiger Weise, sondern Botschaft Gottes bestellen an die Hörenden, Empfangenes wiedergeben, | ||
| - | |||
| - | Wie das jetzt gesprochene Wort zu der Predigt gehöre, die nun gehalten werden soll, das wird der Text zeigen, der nun verlesen wird. | ||
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| - | **Luc. 3. 2-18. Da Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zacharias Sohn, in der Wüsten. Und er kam in alle Gegenden um den Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesaja, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Bereitet den Weg des Herrn, und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlechter Weg werden; Und alles Misch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volk, das hinaus ging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, | ||
| - | |||
| - | Ein langer Text melde eine lange Predigt an? Das nicht allemal, er kann auch auf eine kurze deuten. Die Lust geht mir nicht zu, mich messen zu wollen mit diesem Prädikanten. Kehr' ich besser meine Worte so, als wenn ich's gar nicht bin, sondern dass er, Johannes der Täufer es ist. Lassen wir ihn uns zeigen, euch und mir: | ||
| - | |||
| - | Eine wie ernsthafte Sache das Christentum sei, ob es angenommen und bewahrt, oder ob es abgelehnt und Preis gegeben werde. | ||
| - | |||
| - | * Sehn wir auf den Mann, der die Botschaft von Christo bringt; | ||
| - | * Hören wir seine Forderungen, | ||
| - | * Überhören wir sein Wort nicht, wenn er sich mit Christo vergleicht, | ||
| - | * Und unser Herz bebe in uns, wie er von Christi einstigem Tun spricht. Das eine, wie das zweite, dritte, vierte zeigt, eine wie ernsthafte Sache das Christentum sei. | ||
| - | |||
| - | =====1.===== | ||
| - | |||
| - | Ja, sie sind abgetreten, Petrus, Paulus, Jacobus, Johannes, alle zwölf, dreizehn, die mit ihrem Wort vortraten, auch der Täufer Johannes ist abgetreten, ihm wurde bei Christi Lebzeiten das Haupt abgeschlagen, | ||
| - | |||
| - | =====2.===== | ||
| - | |||
| - | Sei das Christentum von Inhalt, was es sei, an andern Tagen ergehe die Predigt sich in dem Inhalt, heute sehen wir von dem ab und betrachten das Christentum bloß als eine ernsthafte Sache, die es ist, zweitens, und uns so erscheinen muss, wenn wir auf die Forderungen hören, die Johannes macht Christi wegen. Was muss das Christentum doch sein, wenn, um dessen teilhaft zu werden, solche Dinge müssen vorgenommen werden? Was fordert er? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße. Die ist in ihrem Anfang Sündenerkenntnis, | ||
| - | |||
| - | =====3.===== | ||
| - | |||
| - | Wir lassen heute den Täufer Johannes uns predigen, wie er zeigt, welch' eine ernste Sache es mit dem Christentum sei. Wir hören seine Forderungen, | ||
| - | |||
| - | So tut er, weil das Volk im Wahne stand, er möchte Christus sein, der verheißene Messias. Aber Johannes Sache ist es nicht, Jemanden in einem Wahn zu lassen, wenn es auch der Vierfürst Herodes ist, der seines Bruders Weib hatte und auch sonst Übles tat. Das rügte er und ließ es sich seinen Kopf kosten. Dieser Mann konnte das Volk auch nicht über seine eigne Person in einem Wahn lassen und sagte frei heraus: Ich bin nicht Christus. Wer ist es denn? Dermalen lebte Christus noch verborgen, aber Johannes sagt: Er kommt nach mir. Nach des Evangelisten Johannes Bericht hat der Täufer noch gesagt: Welcher vor mir gewesen ist. Das Nach ihm kommen ist verständlich, | ||
| - | |||
| - | =====4.===== | ||
| - | |||
| - | Und viertens noch: unser Herz sollte beben in uns bei dem, was Johannes von dem einstigen Tun Christi zeuget. In zweierlei Zuständen bebt das Herz, in großer Freud' und in großer Angst. Dass sei unsere Freude, dass Christus, wenn er kommt, mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufe. Ist uns denn nicht, als wären wir bisher nur mit Wasser getauft worden und auch das kaum? Wasser erweicht doch, wir aber sind an Stellen noch steinhart. Alle Stellen werden auch nicht vom Wasser weich, freuen wir uns, dass Christus mit einer andern Taufe, mit der Geistestaufe und ihrem Feuer kommt. Ich meine nicht zu irren, wenn ich annehme, da sind hier auch unter euch, welche sagen: Wie ist's doch einmal mit mir! Diese Predigt nun, die ich gehört habe, sie ist bald zu Ende, sie läuft von mir wie ein Regen vom Stein ab, ich komme wohl nie zu einem Christentum! Warum nicht? Lege dich nur hinaus, Christus tauft dich mit dem heiligen Geist und mit Feuer, er kommt, davor wirst auch du, Stein, der du bist und dich auch dafür hältst, ganz gewiss aufweichen, o du schon nicht Stein mehr, wenn ein Begehren in dir ist und du dich hinauslegest, | ||
| - | |||
| - | Hören aber das Letzte noch, die sonst nichts hören und die alles überhören, | ||
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| - | ======Harms, | ||
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| - | Kröne dein Leben mit Taten, die zur Ewigkeit reifen! \\ | ||
| - | Deiner Sterblichkeit Tage lass tatenlos keinen entfliehen. \\ | ||
| - | Sende sie alle hinauf vom Staube zum Throne der Gottheit, \\ | ||
| - | Jeder begegnet dir dann im Triumph - am Tage des Todes. | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Vom Christenleben will ich reden, das sich in Taten zeigt, - den guten Wandel empfehlen. Fürchtet nicht, dass die Jugend dem reiferen Alter zu viel zumute und im Gefühl ihrer Kraft kräftiges Handeln verlange, auch da vielleicht, wo schweigen, ruhen und leiden Christenpflicht wäre. Fürchtet nicht, dass ich leichten Sinnes jener eitlen Vieltuerei das Wort rede, dem geschäftigen Müßiggange. der das Große verspricht und, wenns viel ist, nur das Kleine erreicht. Nein, ich ehre den stillen Ernst des Weisen, den langsamen aber festen Gang des bedächtigen Mannes; - ich ehre und lobe die tatenlosen Stunden, in welchen die Hände und das Werk ruhen, und nur der Geist sich bewegt, seis, dass er Taten wägt, dass er nachdenkt über Menschenleben und Menschenschicksale, | ||
| - | |||
| - | Wie wohl wird dann, o dann mir sein,\\ | ||
| - | Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freuen,\\ | ||
| - | Ihn dort anbeten werde!\\ | ||
| - | Von keiner Sünde mehr entweiht,\\ | ||
| - | Ein Mitgenoss der Ewigkeit,\\ | ||
| - | Nicht mehr der Mensch von Erde!\\ | ||
| - | Heilig, Heilig,\\ | ||
| - | Heilig singen wir dir, bringen Preis und Ehre,\\ | ||
| - | Dir, der war und sein wird, Ehre. | ||
| - | |||
| - | Vom Christenleben wollte ich reden, das sich in Taten zeigt - den guten Wandel empfehlen. Ware die Rede zu hoch hinaus gegangen? Voran sollte bloß die Erklärung gehen, dass ich den Schein für Schein halte und das innere Leben dem äußern weit, weit vorziehe. Wie Seele und Leib, so ist das innere und äußere Christenleben. Dürfen wir nun aber den Leib verachten, weil die Seele besser ist? Also dürfen wir auch das äußre Leben nicht vernachlässigen, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Text, 1. Pet. 2, 12.\\ | ||
| - | **Lieben Brüder. Führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, so von euch afterreden, als von Übeltätern, | ||
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| - | Die jetzt - Ehre sei Gott! - herrschende christliche Kirche war ein kleines, unterdrücktes Häuflein, als der Apostel Petrus schrieb. Die Bekenner einer Lehre, die den Juden ein Ärgernis war und den Heiden eine Torheit, waren dem Mutwillen des Volks, dem Spott der Vornehmen und den Verfolgungen der Herrscher ausgesetzt. Sie konnten sich noch auf keine andere Weise Sicherheit verschaffen, | ||
| - | |||
| - | Die Lehre vom guten Wandel des Christen, | ||
| - | |||
| - | und betrachtet denselben | ||
| - | |||
| - | - als einen treuen Spiegel der Seele, | ||
| - | - als einen glaubwürdigen Zeugen vor der Welt, | ||
| - | - als ein deutliches Exempel für den Nächsten. | ||
| - | |||
| - | =====1.===== | ||
| - | |||
| - | So wie der Mund übergeht, wenn das Herz voll ist, und Worte hinströmen, | ||
| - | |||
| - | Wenn ich des Morgens von meinem Lager aufstehe, geschieht es mit dem Gefühl der erneuerten Kraft, mit Preis und Dank dem hohen Beschützer? | ||
| - | |||
| - | Doch die wenigsten Menschen verleugnen in ihren Handlungen das Menschliche; | ||
| - | |||
| - | Der gute Christ dagegen mag es wohl, mag gern sich sehen im Spiegel der Werke. Er kennt die Vorzüge, mit welchen der Schöpfer die Menschen auszeichnete und hat sich frühe bemüht, mittelst ihrer, selber vorzüglich zu sein. Er knüpfet alles ans Höchste, bringt es höher und strebt mit allem zum Höchsten. Den Rat Gottes findet er gegeben in seinem Verstande, und bemüht sich, denselben immer weiterzuentwickeln, | ||
| - | |||
| - | =====2.===== | ||
| - | Die Miene hat Bedeutung, das Wort gilt viel, die Tat noch mehr. Die Miene ist veränderlich, | ||
| - | |||
| - | Darf die Welt einen Zeugen von uns fordern? Ja, die Welt darf einen Zeugen fordern! Der du menschliches Antlitz trägst, die Menschheit darf einen Zeugen fordern, dass du das Menschliche in dir zugerichtet hast, dass du deinen Verstand geübt, dein Gewissen geschärft und die natürliche Teilnahme deines Herzens geleitet und erhöhet hast. So lange du es nicht bewiesen, beschwere dich nicht, dass man in Höflichkeit misstrauisch gegen dich ist. Zeuget aber dein Wandel, dass du deinen Verstand ungeschickt anwendest, so lacht man über dich, - dass dein Gewissen stumpf ist, so verachtet man dich - dass in deinem Herzen keine Teilnahme wohnt, so wirst du verabscheut. Der du den Christennamen führst, die Christenheit darf einen Zeugen fordern, dass du den Christenglauben im Herzen und die christlichen Lebensregeln vor Augen hast. Wie könnte ein bloßes Wort und Bekenntnis den Seelenbund der Liebe und Einigkeit aufrecht erhalten! Zeuget dein Wandel von Unwissenheit, | ||
| - | |||
| - | Und möchtest du nicht lieber, still und unbekümmert, | ||
| - | |||
| - | =====3.===== | ||
| - | |||
| - | Jede Tat steht als Beispiel da, der Wandel ist ein deutliches Exempel für den Nächsten. Damit soll euch kein neues Gebot gegeben, sondern nur das alte Gebot eingeschärft werden: „Es tue jeder seine Pflicht allzeit.“ Da wird nichts Besonderes, nichts Überpfllchtiges gemeint, welches übel wäre. Doch gibt es gewisse Leute von Ansehen, welche sichs beikommen lassen, gewisse Handlungen, die sie sonst nicht täten, des Beispiels wegen zu tun oder um keinen Anstoß zu geben, und als Beispiele Anderen vor Augen zu bringen. Das sind Vorschriften der Mode, nicht der Sittenlehre. Damit ich Eine solche Handlung nenne: Wer es nicht für seine Pflicht hält, die Kirche zu besuchen, darum, weil ihm daselbst der vollkommene Mann beschrieben wird, weil er daselbst auf die Mängel und Flecken seines Herzens aufmerksam gemacht wird, weil er daselbst wieder Kraft schöpfen kann in den Kämpfen der Pflicht, und Trost in den Leiden des Lebens; wer nicht herkommt, damit seine Seele sich einmal wieder losmache von Erdesorgen und Erdegedanken, | ||
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| - | Es tue jeder seine Pflicht allezeit, so hat er zugleich das beste Beispiel gegeben, so lasst uns die Sache ansehen. Fühlt sich jemand schwach, eine gewisse Obliegenheit zu erfüllen; fürchtet jemand, er möchte seine sündhafte Neigung nicht unterdrücken, | ||
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| - | ======Harms, | ||
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| - | Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unserem HErrn Jesu Christo. Amen. | ||
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| - | Text: Ev. Matth. 11. 2 - 10. | ||
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| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ Ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an Mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Ober was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, Ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, Ich sende Meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll.** | ||
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| - | Wir lesen in unserem Evangelio: da Johannes im Gefängnisse die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Das ist eine höchst merkwürdige Frage in dem Munde eines Mannes, wie Johannes war, und viele Leute sind schon durch diese Frage an Johannes irre geworden und haben gemeint, das Gefängnis müsse doch diesen Mann sehr kleingläubig gemacht haben, dass er solche zweifelnde Frage an Jesum habe tun können, als ob er nicht wüsste, ob er Jesum für den verheißenen Heiland und Gottessohn halten solle, oder nicht. Noch andre schreiben diesen vermeintlichen Kleinglauben des Johannes einer besonderen Anfechtung des Teufels zu, und fahren dann wohl gar zu, ihren Kleinglauben mit des Johannes Kleinglauben zu entschuldigen und meinen: wenn der hochbegnadigte Johannes schwach werden konnte im Glauben, wer will es denn uns geringen Leuten hoch anrechnen, wenn wir einmal schwach werden im Glauben? Und da soll denn Johannes das Feigenblatt sein, das sie auf ihre eigne Blöße legen. Ich aber sage euch geradeheraus: | ||
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| - | Ist Jesus der da kommen soll? und wie sollen wir Ihn empfangen? | ||
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| - | Zuvor aber lasst uns beten: Lieber HErr Jesu Christe, gib uns Deinen heiligen Geist beides zum Predigen und Hören, dass unser Glaube fest gegründet werde und wir nicht mehr zweifeln, dass Du wahrhaftig bist Christus, Gottes Sohn, der Welt Heiland und wir in diesem Glauben fröhlich leben und selig sterben. Wir können ja nicht an Dich glauben aus unserer eigenen Kraft und Vernunft, das ist Gottes Werk, dass wir glauben an Dich, und wir bekennen es Dir, wiewohl wir uns von Herzen schämen, unser Glaube ist oft so schwach und klein, dass er nur noch einem Fünklein gleicht. Darum blase doch hinein mit Deinem heiligen Geist in dies Fünklein, dass ein groß Feuer daraus werde, und wir Dich mit beiden Armen umfangen und fröhlich jauchzen: HErr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, ich bin Dein, niemand soll uns scheiden. Ich bin Dein, weil Du Dein Leben und Dein Blut, mir zu gut, in den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich Dich fasse, und Dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Lass mich, lass mich hingelangen, | ||
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| - | =====I. ===== | ||
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| - | Jesus ist der Heiland, der da kommen soll, wir sehen es mit unseren Augen und hören es mit unseren Ohren. Welch einen herzerhebenden Anblick hatten die Jünger des Johannes, als sie zu Jesu kamen! Da steht der liebe, treue, freundliche Heiland, und um Ihn her eine ganze Menge Volks. Alle, alle haben ein Anliegen an Ihm, und Er, mit immer gleicher Liebe und himmlischer Freundlichkeit, | ||
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| - | Und seht weiter, da kommt ein Lahmer her, ob er an Krücken hergehinkt kam, oder ob die Leute ihn trugen, ich weiß es nicht. Und während er sich auf die Krücken unter seinen Armen stützt, oder hilflos von der Bahre aufblickt, sieht er den lieben Heiland in Sein holdseliges Antlitz, faltet die Hände und ruft: ach, HErr Jesu, Du kannst alle Dinge, allmächtiger Sohn Gottes, heile mich, dass ich wieder gebrauchen kann meine lahmen Füße und Dir nachfolgen! Ein lahmer Mann ist ja auch ein armer Mann, er kann ja nicht in die Kirche gehen, wo Jesus ist, er kann ja nicht an seine Arbeit gehen und sein Brot verdienen, muss von der Barmherzigkeit der Menschen leben, und die sind so unbarmherzig. Da jammert es den HErrn in Seinem treuen Herzen, Er erbarmt sich des armen, lahmen Mannes, Er spricht: stehe auf und wandle! Und auf dies allmächtige Wort Seines Mundes geschieht die Wundertat. Der Lahme kann seine Krücken wegwerfen, von seiner Bahre aufstehen, kann gehen, wandeln, springen! Der hat gewiss seine gesunden Beine zuerst dazu gebraucht, vor Jesu niederzuknieen und sein Mund hat gesprochen: ich danke Dir, Herr Jesu, für Deine gnadenreiche Hülfe, nun will ich Dir nachfolgen und Deine Wege wandeln bis in den Tod. | ||
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| - | Aber da steht in der Ferne ein Unglücklicher, | ||
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| - | Aber noch hat der Heiland keine Ruhe. Da kommt noch ein tauber Mann, den halte ich für den unglücklichsten, | ||
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| - | Und noch Größeres sollen wir sehen. Ein Toter wurde da hergebracht im langsamen Trauerzuge, vielleicht war es der Jüngling zu Nain, und seine Mutter, eine Witwe, die ihren einzigen Sohn verloren hatte, ging weinend hinter dem Sarge her. Der Tod aber hat keine Macht vor Jesu, dem Fürsten des Lebens. Der HErr, der einst die Toten aus den Gräbern erwecken wird, kann auch die auferwecken, | ||
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| - | Das alles sehen die Jünger des Johannes an und ihr könnt leicht denken, sie wussten nicht, wie ihnen geschah, ein Zweifel nach dem andern schwand aus ihren Herzen. Alles, was sie sahen, die allmächtigen Wunderwerke des HErrn und die immer gleiche, unermüdliche Liebe und Freundlichkeit, | ||
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| - | Unser Evangelium erzählt uns aber noch herrlichere Dinge. Die leiblich Kranken hat Jesus geheilt. Nun steht da aber noch die ganze Menge derer, die an der Seele krank sind, die Menge der Sünder, denen gar kein Mensch auf Erden helfen kann, weil kein Mensch auf Erden Sünden vergeben kann. Was soll aus denen werden? Wer gesündigt hat, sei es mit Worten, Werken, oder Gedanken, der kann nicht selig werden. Wer gesündigt hat, der muss verdammt werden ewiglich, die Hölle ist ihm aufgetan, der Himmel ist ihm verschlossen. Denn wie kann der reine Gott einen unreinen Sünder in Seinen reinen Himmel nehmen? Teufelsknechte, | ||
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| - | Evangelium, was ist denn das? Das ist die selige Botschaft, dass Christus Jesus kommen ist die Sünder selig zu machen, auch die Vornehmsten unter ihnen, dass Gott also die Welt geliebt hat, dass Er Seinen liebsten, eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, denn Gott will nicht, dass der Gottlose verloren gehe, sondern dass er sich bekehre und lebe. Evangelium, das ist die wunderbare Predigt, dass Gottes Sohn kommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, dass das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, die Sünder rein macht von allen Sünden, dass es auch die blutrote Sünde schneeweiß wäscht, dass die Gnade viel, viel mächtiger ist als die Sünde. Es ist die Botschaft, dass auch die Menge der Sünden dir die Seligkeit nicht rauben soll. Denn ob ihrer mehr sind, als der Haare auf deinem Haupte, ob sie zahlreicher sind, als der Sand am Meere, Jesus will sie nehmen und alle werfen in die Tiefe des Meers, dass ihrer nicht mehr gedacht werden soll ewiglich. Denn dos Blut Jesu Christi, weil es das Blut des Sohnes Gottes ist, ist solch ein kostbares Lösegeld, dass unser Gesangbuch mit Recht sagt: dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, dass auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt kann reine und aus des Teufels Rachen frei, los und ledig machen. Jesu Mund selber predigt es ja: wer an Mich glaubt, der wird nicht gerichtet, sondern ist vom Tode ins Leben durchgedrungen. An Ihm haben wir die Erlösung durch Sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. | ||
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| - | Seht, das ist es, was uns Sündern nötig ist, das ist die einzige Arznei, die uns helfen kann: Vergebung der Sünden. Was du mit Gold nicht kaufen, was du mit Werken nicht verdienen kannst, das schenkt dir Jesus aus Gnaden, ohne all dein Verdienst und Würdigkeit. Aber wem schenkt Er es? den Armen, d. h. den armen Sündern, die ihre Sündennot erkennen und ihren Sündenjammer fühlen und deshalb zu Jesu gehen, vor Ihm niederfallen, | ||
| - | |||
| - | Konnten die Jünger des Johannes, die das alles sahen und hörten, nun noch fragen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Ich weiß gewiss, sie schämten sich nun der Frage, die sie getan hatten. Aber wie unbeschreiblich liebenswürdig ist doch hier wieder Jesus. Er wusste ja recht wohl, weshalb Johannes die Jünger zu Ihm geschickt hatte, dass nicht des Johannes Unglaube, sondern der Jünger Unglaube die Ursache war. Und doch wie liebreich erspart ihnen Jesus vor der versammelten Menge alle unnötige Beschämung, | ||
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| - | Und wenn ich euch nun frage, meine Lieben, ist Jesus euer Heiland, oder wartet ihr eines andern? O dass ich auch diese Johannesfreude an euch allen hätte, dass ihr antwortetet mit Einem Munde: Wir glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist, wir armen Sünder glauben, dass Jesus unser Heiland ist. Wir warten keines andern mehr, Jesus ist unser Friede! Nur dann habt ihr ein freudenreiches Weihnachten und eure Freude soll niemand von euch nehmen, denn ihr habt dann den Arzt des Leibes und den Heiland der Seele, und was wollt ihr mehr! Ihr könnt dann singen: mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein. In lauter Lust und Singen sieht es den Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein HErr Jesus Christ. Das, was mich springen macht, ist was im Himmel ist. Ist aber noch einer unter euch, der Jesum noch nicht hat, der Ihn noch nicht seinen Heiland nennen kann, o den bitte ich: armer, armer Sünder, säume nicht, siehe noch ist Sein Gang zu dir gekehrt, noch will Jesus dich auch annehmen und selig machen, noch ist die Zeit der Gnade. O heiße Jesum willkommen, tue Ihm dein Herz auf, bete, stehe zu Ihm, was du kannst: HErr Jesu, erbarme Dich auch über mich, auf dass dies Weihnachten, | ||
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| - | =====II. ===== | ||
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| - | Wie sollen wir Ihn empfangen? Jesus sagt zuerst: selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert. Es ist eine gemeine Unart bei den Menschen, dass sie Jesum nicht haben wollen, wie Er ist, sondern so wie sie Ihn nach ihrem Kopfe gern haben möchten. So wie Er ist, stoßen sie sich bald an diesem, bald an jenem. Und weil Er nun nicht ist, wie Er nach ihrem Sinne etwa sein müsste, so wollen sie Ihn nicht. Das heißt denn: sich an Jesu ärgern. So war es vorher mit den Jüngern des Johannes gewesen. Jesus war nicht nach ihrem Kopfe. Hätte Er gefastet, hätte Er sauer gesehen, hätte Er ein härenes Kleid getragen, hätte Er Heuschrecken und wilden Honig gegessen u. s. w., dann wäre Er ihr lieber Jesus gewesen. Nun aber taugte Er nicht für sie. Diese Unart ist noch gemein bei den Christen. Der eine hat dies, der andre jenes an Ihm auszusetzen. Dass Er alle Sünder in einen Topf wirft, und die ebenso wohl Mörder nennt, die ihren Bruder hassen, oder ihn schelten, als die, welche mit der Faust totschlagen, | ||
| - | |||
| - | Sodann weist uns der HErr Jesus auf Johannes den Täufer hin, um uns zu zeigen, wie unser Herz und Wandel beschaffen sein soll, wenn wir wollen, dass Jesus bei uns einkehre und uns einst für die Seinen bekenne. Vor allen Dingen tut ab alle Menschenfurcht und Menschengefälligkeit, | ||
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| - | Dagegen seht den Mann Johannes an. Der steht wie ein Fels im Meer, ein unerschütterlicher, | ||
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| - | Und weiter zeugt der HErr von Johanne und spricht: was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. O was für ein herrliches Ehrendenkmal setzt der HErr dem Johannes mit diesen Worten! Der war kein Schlecker und Lecker, der seine Seligkeit hingab um gut Essen und Trinken! Der war kein Mann nach der Mode, der um einen hübschen Rock, um eine geckenhafte Kleidung, um einen Schmuck von Gold und Silber den Himmel verkaufte und sich drehte und ein Rad schlug wie ein Pfau! Der war kein Faullenzer, der um einen Platz im Lehnstuhl, oder um einen weichen Pelz, oder um elende Faultage seinen Himmel verscherzte! Der war ein rechter Mann, der alle Weichlichkeit und Bequemlichkeit verachtete, der keine Mühe, keine Arbeit, keine Anstrengung, | ||
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| - | Jesus sagt weiter: oder wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja ich sage euch, der auch mehr ist, als ein Prophet; denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: siehe, Ich sende Meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll. Warum ist Johannes ein größerer Prophet, als alle die vor ihm gewesen sind? Hat er Wunder getan, wie die andern? Nein. Aber er hat Buße gepredigt? Das haben die andern auch getan. Höre, darum ist er größer, als alle Propheten des Alten Testaments: er hat mit seinem Finger hingezeigt auf Jesum und gesagt: das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt! Was die andern glaubten, das schaute er. Der Himmel ist größer, als die Erde, denn im Himmel schauen wir, was wir auf der Erde glaubten. Darum ist auch Johannes größer, als alle andern Propheten. Auf Jesum hoffen, und Jesum haben, das ist ein Unterschied, | ||
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| - | Lasset uns beten: Lieber HErr Jesu Christe, Du bist der einzige wahre Arzt des Leibes und Heiland der Seele, darum gib uns Kraft und Gnade, dass wir Dich als unseren Arzt und Heiland annehmen. Wir wollen in aller unserer Not Leibes und der Seele vor allem und zuerst immer zu Dir fliehen und Dir vorhalten Dein Wort und Deine Verheißung und Dich nicht lassen, Du segnest uns denn. Nun aber, da das liebe, selige Weihnachten so nahe ist, bitten wir Dich von ganzer Seele, bereite unsere Herzen und Häuser zu Deiner Herberge. Salbe uns mit Deinem heiligen Geiste, dass wir glauben an Dich, dass wir im wahren Glauben uns bekehren zu Dir, dass wir fortan keinem andern angehören, als Dir allein; Du, lieber Heiland, sollst sein unser Ein und unser Alles. Alles wollen wir für Schaden und Dreck halten außer Dir. Wir wollen uns nimmermehr an Dir ärgern, Du gerade, Du Heiland der armen Sünder, Du bist es, des wir begehren. Vergib uns unsere Sünden. Deine Ehre allein wollen wir suchen, nicht die Ehre der Menschen. Dich allein wollen wir fürchten, nicht die Menschen. Wir wollen kein Rohr sein, das der Wind hin und her weht. Dich wollen wir bekennen vor den Menschen, auf dass Du einst uns wieder bekennest vor Deinem himmlischen Vater. Vertreibe aus unseren Herzen und Häusern alle bösen Geister des Hochmuts, der Üppigkeit, der Putzsucht und was Dir sonst ein Gräuel ist, und gib uns, dass wir Dir leben, Dir sterben und mit Dir einst ewig uns freuen im seligen Himmelreich. Amen. | ||
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| - | ====== Hofacker, Ludwig - Predigt am dritten Sonntage des Advents. ====== | ||
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| - | Text: Matth. 11,2 - 10 | ||
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| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? JEsus antwortete, und sprach zu ihnen: gehet hin, und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing JEsus an zu reden zu dem Volke von Johanne: was seid ihr hinausgegangen in die Wüste, zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht, siehe, Ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | In unserem heutigen Evangelium wird uns die Verhärtung des menschlichen Herzens gegen die Kraft der göttlichen Wahrheit auf besondere Weise vor die Augen geführt. Die zwei Jünger Johannis, die ihr Meister zu JEsu sandte, hatten vorher die Zeugnisse, die der Täufer von Christo ablegte, mit angehört; es war auch zu ihnen die Kunde von den Taten des Heilandes gedrungen, und doch können sie den Heiland fragen: bist Du der Messias, oder sollen wir eines anderen warten? So wenig waren die triftigsten Zeugnisse im Stande gewesen, ihren im Unglauben und in allerhand Ärgernissen, | ||
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| - | O meine lieben Zuhörer! die Worte, die der HErr JEsus in unserem Evangelium und dem ganzen übrigen elften Kapitel Matthäi hierüber zu dem Volke spricht, sind sehr bedeutend, und gehen uns sehr nahe an. Zwar haben wir, die wir im neunzehnten Jahrhundert leben, uns nicht am Täufer Johannes verschuldet wie das jüdische Volk: aber ob wir mit dem uns gepredigten Worte Gottes nicht eben so heillos umgegangen sind oder umgehen wie Jene: ob wir nicht großenteils auch die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten wie Jene: das ist eine andere Frage. Die Absicht, warum uns Gott Sein Wort verkündigen lässt, und zu dem Worte den Geist gibt, ist keine andere, als dass die Menschen, und zwar jeder Einzelne, möchten in das durch die Sünde verlorene Ebenbild Gottes erneuert werden. Die Menschen sollen durch das Wort und den Geist Gottes gerührt; aber nicht nur oberflächlich gerührt, sondern auch wirklich aus ihrem Sündenschlafe erweckt; aber nicht nur erweckt, sondern auch zum Genuss des Verdienstes Christi, zur Vergebung der Sünden durch den Glauben an JEsum gebracht; aber nicht nur zum Glauben an JEsum gebracht werden, sondern auch im neuen Leben wandeln als Kinder Gottes. Dieß ist die Absicht Gottes. Aber an wie Vielen erreicht Er diese Seine liebevolle Absicht ganz? An Wenigen. Warum? hauptsächlich darum, weil es den Menschen unbequem ist, sich, sowohl nach ihrem Herzen als nach ihrem Verstande nach dem Worte Gottes zu beugen; weil sie viel lieber das Wort Gottes nach ihren verborgenen oder offenbaren Lüsten und nach ihren Vorstellungen, | ||
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| - | Doch wir wollen diesen Gedanken weiter nachgehen, und ich will mit Gottes Hülfe einige Hindernisse angeben, warum es bei vielen Menschen | ||
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| - | * zu keiner Rührung durch das Wort Gottes komme; | ||
| - | * wenn sie auch gerührt werden, zu keiner wirklichen Erweckung; | ||
| - | * wenn sie auch erweckt werden, zu keinem Frieden mit Gott durch Christum; | ||
| - | * wenn sie auch Frieden finden, zu keinem rechtschaffenen Wesen in Christo. | ||
| - | |||
| - | Liebreicher Heiland! Du tust unaussprechlich Viel an uns, begegnest uns allenthalben, | ||
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| - | ===== I. ===== | ||
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| - | Das Erste, was in einem Menschen vorgehen muss, an welchem die Absicht, die Gott mit Seinem Worte hat, erreicht werden soll, ist das, dass er muss durch die Kraft des Wortes Gottes gerührt, auf seinen verlorenen Zustand aufmerksam gemacht werden. Dieß lag im Auftrag Johannis des Täufers. Er sollte den Israeliten ihre Sünde vorhalten, er sollte eine Bewegung unter ihnen anrichten durch das Wort Gottes, das er predigte; er sollte Bahn machen; das Höckerige sollte sein Wort eben, und das Krumme gerade machen, damit der Heiland einen offenen Weg in die Herzen fände. Dieses Geschäft ist ihm auch an vielen Menschen gelungen. Viele wurden durch das Wort des Propheten erschüttert, | ||
| - | |||
| - | Woher kommt das? Wenn man diese Frage beantworten soll, so muss man zum Voraus sagen, dass es überhaupt für ein großes Wunder zu achten ist, wenn ein Menschenherz einen Eindruck von der göttlichen Wahrheit bekommt. Es ist dies ein Wunder, das nur durch die göttliche Lebenskraft, | ||
| - | |||
| - | Indessen gibt es Herzensstellungen und Gemütslagen, | ||
| - | |||
| - | Um Euch aber dieses deutlicher zu machen, so will ich es Euch so sagen. Die für die Kraft des Wortes Gottes unbesiegbarsten Menschen, die noch einmal so viel Bollwerke gegen Gottes Wort in ihrem Herzen haben als Andere, sind die Sadduzäer und die Pharisäer. Von diesen zwei Sekten waren die Leute, welchen der HErr (Matth. 21,32.) das scharfe Wort sagte: „Johannes kam zu euch, und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr es wohl saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, dass ihr ihm danach auch geglaubt hättet.“ | ||
| - | |||
| - | Die Sadduzäer waren gebildete Weltleute, Leute, die ihre eigene Religion hatten, welche die Volksreligion für Aberglauben hielten, und sich weit über den Pöbel hinaufdachten mit ihren aufgeklärten Religionsansichten. Weil der fleischliche Mensch, dessen Trieb auf das Sichtbare geht, keine Freude am Unsichtbaren hat, und der Gedanke an eine Geisterwelt und Ewigkeit mit einem unheimlichen Gefühl für ihn verbunden ist: so hatten es sich die Sadduzäer bequem gemacht. Sie entfernten aus ihrer selbstgemachten Religion Alles, was nur von ferne an eine unsichtbare Welt erinnerte; sie verwarfen eigenmächtig das göttliche Ansehen aller alttestamentlichen Bücher bis auf die fünf Bücher Mosis, wo, wie sie behaupteten, | ||
| - | |||
| - | Ihr seht, liebe Zuhörer! dass eben nicht viel Kunst und Weisheit dazu erforderlich ist, um ein Sadduzäer zu sein; auch könnet ihr das sehen, dass die Sadduzäer gegenwärtig überhandgenommen haben in der Welt. Wie sehr aber eine solche Denkungsart gegen die züchtigende und ergreifende Kraft des Wortes Gottes das Herz verschließe, | ||
| - | |||
| - | ===== II. ===== | ||
| - | |||
| - | Die zweite Denkungsart, | ||
| - | |||
| - | Wir dürfen aber nicht meinen, liebe Zuhörer, als ob es unter uns keine Pharisäer mehr gebe, und diese Denkungsart nur jener jüdischen Sitte angehört habe. O nein! auch in der Christenheit sind viele, erstaunlich viele Pharisäer. Nur die äußere Gestalt der Sache hat sich verändert; der darunterliegende Sinn ist der nämliche wie damals. Es gibt freilich keine Leute unter uns, die breite Denkzettel an ihren Kleidern tragen, die keinen Bissen Brot essen, ohne vorher die Hände zu waschen, und die aus diesen und dergleichen äußerlichen Beobachtungen und Übungen eine Gerechtigkeit zusammenflicken, | ||
| - | |||
| - | Diese Pharisäer haben keine Erkenntnis des Evangeliums. Es gibt aber auch Pharisäer, welche christliche Erkenntnis haben, die Heilslehre wohl kennen, schon Vieles vom Heiland gehört, wohl auch selbst von Ihm geredet haben, und sind doch tot im Herzen. Diese halten ihre Erkenntnis, ihre Sprüche, ihre Verse, die sie im Kopfe haben, ihr Anerlerntes, | ||
| - | |||
| - | Wer ist denn nun empfänglich für die Kraft des Wortes Gottes? Antwort: den Armen wird das Evangelium gepredigt, und am Ende des elften Kapitels des Evangeliums Matthäi, aus welchem der evangelische Abschnitt des heutigen Sonntags genommen ist, sagt der Heiland: „Kommet her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch erquicken.“ Wer in einem äußerlichen Leidensdrucke steht, in wem Zweifel an seiner eigenen Weisheit erwachen, wer in seinem Gewissen beunruhigt ist, solche Seelen sind dazu vorbereitet, | ||
| - | |||
| - | Aber freilich bei den ersten Rührungen darf es nicht bleiben, es muss zu einer eigentlichen Erweckung kommen bei einem Menschen, wenn der Zweck, den Gott hat mit Seinem Wort und Geist, an ihm erreicht werden soll. Gott will mit der Kraft Seines Wortes nicht bloß einen oberflächlichen Eindruck auf das Herz des Menschen machen, nein! es soll auch tiefer dringen; es soll hinunterdringen auf des Herzens Grund; es soll des Herzens innerste Gestalt offenbaren; es soll schneiden, bis dass es scheide Seele und Geist, auch Mark und Bein (Hebr. 4,12.). Wenn du einen Menschen, der sorglos am Rande eines unergründlichen Abgrundes schläft, hundert Mal anstoßen und zu ihm sagen würdest: Freund! wache auf, und bedenke deine gefährliche Lage! und er würde hundert Mal die Augen aufschlagen und sprechen: du hast Recht, ich will aufstehen; würde aber jedes Mal die Augen wieder schließen und fortschlafen, | ||
| - | |||
| - | Liebe Zuhörer! dieses völlige Wachwerden ist aber eben keine angenehme Sache für das Fleisch. Ihr wisset ja, wie es mit dem leiblichen Schlafe ist. Wenn man gerade in tiefem, festem Schlafe liegt, und es kommt Jemand, und weckt und spricht: „stehe auf, du hast dies und das zu tun“, so ist das etwas Unangenehmes; | ||
| - | |||
| - | Und das ist eben das Hindernis, das Viele nicht über die ersten Rührungen hinauskommen lässt. Dass das Wort Gottes einen Eindruck auf ihr Herz alle Sonntage mache, das können sie schon leiden; aber dass es Wurzel in ihnen fasse, dass es seine durchsuchende, | ||
| - | |||
| - | Weil aber doch durch das Wort der Wahrheit einige Unruhe in das Herz gekommen ist: so sucht man dieser Unruhe auf andern Wegen abzuhelfen. Man tröstet sich selber, dass es doch so schlimm nicht mit einem stehe; man habe doch seine Freude am Worte Gottes, und möge auch gerne davon reden hören, oder man sucht seine Ruhe in allerhand Werken. Man sucht sie im Lesen erbaulicher Bücher, welches Viele in ihrem Unverstande Beten heißen; oder man sucht sie darin, dass man zu andern Leuten geht, die vom Christentum reden, und mit ihnen redet; oder man sucht sie in allerhand Aufopferungen, | ||
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| - | Sehet die Juden an, wie sie es mit Johannes dem Täufer trieben. Scharenweise strömten sie hinaus zu ihm in die Wüste; es wurde, ich darf mich ja wohl dieses Ausdrucks bedienen, Mode unter dem Volke, zu Johannes zu gehen, und ihn zu hören; das ganze jüdische Land war voll von dem Ruhme des Täufers; Unzählige wurden durch sein ernstes Bußwort getroffen. Aber dabei blieb es auch bei den Meisten. Wenn sie hätten in ihrem fleischlichen Sinne verharren können, wenn es nicht die Ruhe, die Sorglosigkeit und Sicherheit des Fleisches gegolten hätte: so wäre ihnen Johannes und seine Bußpredigt schon recht gewesen; und so lange es auch mit einem oberflächlichen Beifall ausgerichtet zu sein schien, war der Täufer sehr gerühmt bei ihnen. Als aber die Sache tiefer gehen sollte, als man sah, dass man nicht mit einer geschwinden Buße abgefertigt, | ||
| - | |||
| - | O meine lieben Zuhörer! Ich weiß ja, dass viele Seelen unter uns sind, auf die das Wort Gottes einen starken Eindruck gemacht hat: aber ich fürchte gar sehr, es möchten wenig wahrhaft Erweckte darunter sein. Nicht wahr? Wenn es mit dem oberflächlichen Beifall, den man der Sache gibt, ausgerichtet wäre; oder wenn es genug wäre, das Wort zu hören, und dann zu sagen: das ist eine rechte Predigt gewesen; oder wenn es damit ausgerichtet wäre, dass man zusammensitzt und vom Christentum redet, oder auch, wenn das Christentum darin bestünde, dass man eine richtige Erkenntnis der Heilswahrheiten erlangt, - nicht wahr? dann wären die Meisten unter uns auf dem Wege der Seligkeit. Aber obgleich alle diese Dinge gut sind, so glaubet doch nur nicht, dass damit die Sache abgetan sei; da würdet ihr euch elend betrüben. | ||
| - | |||
| - | Grund muss erst gegraben werden,\\ | ||
| - | Eh' man Türme bauen mag,\\ | ||
| - | Und das Korn muss in die Erden,\\ | ||
| - | Eher kommt kein Erntetag. | ||
| - | |||
| - | Ich bitte daher um JEsu willen ein Jegliches, dem Gott einigen Willen ins Herz gegeben hat, ein anderer Mensch zu werden, dass es doch diese große Sache nicht leichtsinnig ansehen, sondern sich möchte seinen verlorenen und unseligen Herzenszustand aufdecken lassen durch den Heiligen Geist, dass es zu dem Ende möchte doch recht angelegentlich um den Heiligen Geist beten. Der Heiland hat gesagt: „so ihr, die ihr arg seid, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben Denen, die Ihn darum bitten.“ Wir wollen Ihn an diesem Worte fassen, auf dieses Wort hin wollen wir es tun. Glaubet sicherlich, das Schwatzen vom Christentum macht die Sache nicht aus; im Gegenteil, wenn sich ein Mensch hierauf legt, so wird er nach und nach reif zum höllischen Feuer, mehr denn Andere. Ein Nachfolger des Heilandes sagte einmal: er wüsste sich keinen größeren Schmerz, keine größere Schmach, die Gott über ihn kommen lassen könnte, zu denken (er bitte daher inständig um Abwendung derselbigen), | ||
| - | |||
| - | Ich meine JEsum Christum nenne,\\ | ||
| - | Und Seinem Herzen ferne sein,\\ | ||
| - | Sich selber nicht im Grunde kennen,\\ | ||
| - | Und also nicht um Gnade schrei' | ||
| - | Und weil sich's Fleisch und Blut commode\\ | ||
| - | Und niemals gerne sauer macht,\\ | ||
| - | Ein Christentum auf seine Mode\\ | ||
| - | Zu führen, wie's die Welt erdacht. | ||
| - | |||
| - | Das kann man noch für keinen wesentlichen Segen im Amte des Wortes halten, wenn Viele gerührt werden; aber wenn ein einziger Mensch, ernstlich-suchend, | ||
| - | |||
| - | ===== III. ===== | ||
| - | |||
| - | Aber es fragt sich, warum Viele, die doch wirklich erweckt sind, oft so lange nicht zu der Gnade hindurchdringen, | ||
| - | |||
| - | Einige, die wohl erweckt sind, sind nicht gründlich erweckt. Wenn ein Mensch des Herrn JEsu teilhaftig werden will: so muss er mit seinem innersten Willen von der Gemeinschaft mit der Sünde austreten; er muss mit seiner Finsternis in das Licht des Heilandes kommen; es muss ihm darum zu tun sein, im Licht Gottes je mehr und mehr die Finsternis und die verborgensten Fäden der Finsternis in seinem Herzen zu entdecken, und nichts vor dem HErrn zu verhehlen. Diesem Offenbarwerden weichen Viele lange Zeit aus; vielleicht weil sie sich fürchten, ihre eigene Gerechtigkeit einzubüßen; | ||
| - | |||
| - | Ost sind es auch bloße Vorurteile, falsche Begriffe, welche den Erweckten den Weg zur Gnade verschließen. Eine solche falsche Vorstellung, | ||
| - | |||
| - | Sehet! deswegen kommen Manche so lange nicht aus ihrem elenden, trüben Herzenszustande heraus, weil sie sich ein Bild festsetzen in ihrem Kopf, wie es kommen müsse, und namentlich meinen, der Heiland müsse ihnen vorher recht empfindlich nahe werden, und dann erst hätten sie ein Recht, die Vergebung ihrer Sünden zu glauben. Aber wo steht dieses geschrieben? | ||
| - | |||
| - | Eine andere falsche Vorstellung, | ||
| - | |||
| - | Dieß wissen wir; dies meinen wir auch zu glauben: aber, recht betrachtet, wird diese Wahrheit von Wenigen geglaubt. Da höre ich Jemand seufzen: wenn ich es nicht übertrieben hätte mit Sündigen, so wollte ich gerne glauben! Ein anderer meint: wenn ich nur jetzt nicht so untreu wäre, so wollte ich wohl glauben; aber ich muss mich in allen Stücken schuldig geben und unter die Sünde gefangen bekennen. Ein Dritter sagt: ehe er sich zum Glauben anschicken könne, müsse er notwendig vorher bußfertiger, | ||
| - | |||
| - | Sehet da einige Hindernisse des Glaubens bei Erweckten. Es ist aber nicht möglich, alle diese oft so verborgenen Stricke der Sünde oder des Gesetzes anzugeben. Ein Jedes wende sich selber an seinen Erbarmer; erzähle Ihm seinen Herzenszustand; | ||
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| - | ===== IV. ===== | ||
| - | |||
| - | Es ist noch übrig, davon zu reden, warum Viele, die etwa Frieden und Vergebung der Sünden gefunden haben, doch zu keinem rechtschaffenen Wesen in Christo kommen? Diese Frage will ich kurz und im Allgemeinen beantworten. Es gibt im Allgemeinen zwei Hauptabwege für solche Seelen, dass sie entweder in einen weltförmigen oder in einen gesetzlichen Sinn zurückkehren, | ||
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| - | Viele werden bald, nachdem sie Vergebung der Sünden erlangt haben, lau, leichtsinnig, | ||
| - | |||
| - | Andere verirren sich auf einen andern Abweg. Sie können sich nicht darein finden, dass, nachdem Sich ihnen der Heiland so herrlich in Seiner Gnade geoffenbart habe, die alte sündliche Natur sich immerwährend noch in ihnen regen soll. Das treibt sie wieder in das Gesetz zurück. Sie wollen durch eigenes Wollen und Wirken, durch selbst gefasste Anläufe und allerhand Erfindungen dem Übelstande abhelfen. Dadurch entfernen sie sich aus der Gemeinschaft des Todes JEsu, und geraten in eigene Wege. Auch haben sie etwa aus der Zeit, wo sie den Frieden Gottes erst suchten, allerhand gesetzliche Vorstellungen und Bilder in ihren Gnadenstand mit herübergenommen. Diese alten, aus dem Gesetze und der Vernunft kommenden Bilder erheben sich wieder in der Seele und drängen sie aus dem Gnadenstande hinaus. So wird man wieder elend, saft- und kraftlos, meint: man sei ernstlicher als unter dem sanften Regiment der Gnade, und steht doch nicht wahrhaftig in der Gemeinschaft des Sohnes Gottes. Von diesem Abwege zeugt der ganze Brief an die Galater. | ||
| - | |||
| - | Selig die Seele, die an sich erfährt, was der selige Luther von Gott gerühmt hat, indem er spricht: „der mir täglich und reichlich meine Sünden vergibt!“ Hierin liegt das ganze Geheimnis der Heiligung. Der HErr führe uns Alle auf den schmalen Weg um Seines Namens Willen. Amen! | ||
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| - | {{tag> 3_Advent }} | ||
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| - | ======Hofacker, | ||
| - | |||
| - | Text: Jes. 40, 1-8. | ||
| - | |||
| - | **Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, dass ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen Von der Hand des HErrn, um alle ihre Sünde, es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HErrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserem Gott. Alle Täler sollen erhöhest werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckerig ist, soll schlecht werden: denn die Herrlichkeit des HErrn soll geoffenbart werden; und alles Fleisch miteinander wird sehen, dass des HErrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des HErrn Geist bläst darein. Ja, das Volk ist das Heu. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unsres Gottes bleibet ewiglich.** | ||
| - | |||
| - | In den verlesenen Worten ist ein Laut aus längst vergangener Zeit zu unfern Ohren gedrungen. Die Hallen des alten Bundes haben in ihnen sich vor uns aufgeschlossen, | ||
| - | |||
| - | Wort aus Gottes Munde, | ||
| - | Wort vom Friedensbunde! \\ | ||
| - | Evangelium! | ||
| - | Quelle wahrer Freuden, | ||
| - | Trost in allem Leiden, | ||
| - | Unser höchster Ruhm! \\ | ||
| - | Gotteskraft, | ||
| - | Die Glauben schafft! | ||
| - | Frohe Botschaft, uns zum Leben\\ | ||
| - | Selbst von Gott gegeben! | ||
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| - | Von der Herrlichkeit des Wortes Gottes handelt auch unsere Abendlektion, | ||
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| - | - in dem unversiegbaren Troste, den es darreicht; | ||
| - | - in der bahnbrechenden Gewalt, die ihm verliehen ist; | ||
| - | - in der ewigen Jugend, mit welcher es alle Zeit und alle Geschlechter überdauert. | ||
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| - | =====I. ===== | ||
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| - | 1) Die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit offenbaret sich vor allen Dingen durch den unversiegbaren Trost, den es darreicht. Schon im alten Bunde war es Aufgabe des Wortes der Wahrheit, die Betrübten zu trösten, die Verwundeten zu heilen, die Bekümmerten zu erquicken, die Müden zu laben. „Tröstet, | ||
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| - | Ist's nicht auch so bei uns, den Kindern des neuen Bundes? Offenbart sich uns die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit nicht auch in unversiegbarem Troste, den es uns darreicht? Wenn wir in Trauer und Betrübnis gehüllt sind, und unser Herz vergeblich nach Trost und Beruhigung ringt, ist's nicht ein mächtiger Lichtstrahl, | ||
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| - | 2) Und was für einen Trost gibt es denn? Was ist der Inhalt des Trostes, den wir daraus schöpfen können? Sein Trost ist ein unversiegbarer. Die Welt tröstet auch, sie spricht: die Zeit werde die Wunden heilen; sie spricht: man müsse sich eben schicken lernen in die Umstände. Das sind irdische Trostgründe, | ||
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| - | =====II. ===== | ||
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| - | 1) Jedoch die Herrlichkeit des Worts der Wahrheit offenbart sich auch in der bahnbrechenden Macht, die ihm vom HErrn verliehen ist. Nicht bei Allen kann das Wort der Wahrheit als Wort des Trostes und der Gnade Gehör finden. Zwar sind wir Alle, wenn wir richtig über unseren inneren Zustand nachdenken, des Trostes sehr bedürftig, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil unser Leben von so manchen Trübsalen umgeben ist. Aber dennoch gibt es gar Viele, welche dieses Trostes gar nicht zu bedürfen wähnen; sie sind ruhig und getrost in ihrem Wesen, sie wandeln sicher und sorgenlos ihre Straße; sie hüpfen vielleicht leichtfertig und leichtsinnig durchs Leben, und sind bezaubert von der Lust und Herrlichkeit der Welt. Sie kann und will das Wort Gottes nicht trösten. War es ja doch in Israel auch so; als der HErr erschien auf Erden, da musste ein Johannes der Täufer vorangehen; er musste den Weg erst bahnen, damit der süße Trost des Evangeliums in die Herzen hineinfallen könnte. Und dieser Johannes war ein Prediger in der Wüste: er war dies nicht bloß, weil er in der Wüste auftrat und das Volk hinausströmte in die öden Gegenden des israelitischen Landes, um sein Wort zu vernehmen, sondern weil es auch wüste und öde und verwildert aussah in der Menschenwelt, | ||
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| - | Ist das nicht fort und fort, wie im alten Bund, so noch jetzt die Stellung des Wortes der Wahrheit zu der Welt, in der es auftritt? Ist es nicht fort und fort noch ein Prediger in der Wüste, wo die Ungeheuer der Leidenschaften und Begierden hausen, und die Bestien der Ungerechtigkeit und Sünde auf Raub und Untergang lauern? Die Welt ist gebildet worden, sehr gebildet, vielleicht überbildet, | ||
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| - | 2) Jedoch noch eine besondere Aufgabe weist der HErr dem Worte Gottes in der Abendlektion an: die Täler soll es erhöhen, die Hügel soll es erniedrigen; | ||
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| - | Die zweite bahnbrechende Macht des Wortes Gottes ist abgebildet in dem Worte: die Berge und Hügel sollen erniedrigt werden. Damit sind nicht die Berge der Verheißung und des Glaubens gemeint, auf welche sich der Glaube stellen und festen Fuß darauf fassen soll; sondern es sind die Berge des Hochmuts, der Eigenliebe, der Eigengerechtigkeit, | ||
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| - | Die dritte bahnbrechende Gewalt des Wortes Gottes drückt der Prophet mit den Worten aus: und was höckerig ist, soll eben werden. Es gibt veränderliche Gemüter, deren inneres und äußeres Leben gleichsam wellenförmig sich hinbewegt; das eine Mal sind sie in der Höhe, das andere Mal in der Tiefe, das eine Mal im Himmel, das andere Mal in der Hölle. Sie machen sich mit dieser Veränderungslust selbst viele Schmerzen. Aber das Wort Gottes hat eine ebnende, eine zurechtbringende, | ||
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| - | Aber der HErr setzt endlich noch hinzu: auch der unebene Weg soll gerade werden; was ungleich, was schlangenförmig gewunden ist, das soll gerade werden. Es gibt versteckte, schlangenförmige Gemüter; wie sie nicht ehrlich und aufrichtig sind gegen die Menschen, so sind sie es auch nicht gegen den HErrn ihren Gott; sie machen versteckte Schlangenwindungen: | ||
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| - | =====III. ===== | ||
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| - | So ist das Wort der Wahrheit belehrend, beruhigend, -stärkend und zurechtweisend. Doch noch eins ist zurück, was unsere Abendlektion zur Verherrlichung des Wortes der Wahrheit zum Schlusse noch anführt, was ich nur noch im Vorübergehen kurz berühren und dann eurem weiteren Nachdenken zu Hause überlassen will. Es ist die ewige Jugend des Wortes der Wahrheit. Denn es spricht eine Stimme zum Propheten: predige, -und er sprach: was soll ich predigen? Die Antwort aber war: Alles Fleisch ist wie Heu, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit. Gibt es etwas, was die Herrlichkeit des Wortes Gottes in helleres Licht stellen könnte, als eben diese seine ewige Jugend? Alles um dasselbe her hat sich verwandelt, Geschlechter sind gekommen und gegangen. Jahrhunderte sind gekommen, Jahrtausende sind gekommen, Völker, Zeiten, Gesetze, Staatsverfassungen fielen wie welke Blätter auf den Boden der Vergänglichkeit. Ein Weiser verdrängt den andern, eine Weisheit die andere. Ein Reich ist gefallen ums andere: die Reiche von Assyrien, von Babylon, von Griechenland, | ||
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| - | ======Häring, | ||
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| - | Ev. Matth. 11, 2-10. (I. Jahrgang.)\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen, und die Lahmen. gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet! Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | In Christo Geliebte! Das Evangelium des ersten Advent hat uns gesagt: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! Das Evangelium des zweiten Advent hat uns bezeugt: Er wird kommen in der Herrlichkeit. Heute vernehmen wir die Frage: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Diese Frage gibt der Stimmung Ausdruck, welche zwischen dem ersten und zweiten Advent über die Gemeinde Christi kommen kann. Sie ist aber von so entscheidender Wichtigkeit, | ||
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| - | „Den Armen wird das Evangelium gepredigt“. So bleiben wir denn stehen | ||
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| - | - bei der weitverbreiteten und hochwichtigen Frage des Johannes: Bist du, der da kommen soll? | ||
| - | - bei der naheliegenden und allgenugsamen Antwort Jesu: Sagt dem Johannes, was ihr seht und hört: den Armen wird das Evangelium gepredigt. | ||
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| - | Unser Christenleben bewegt sich in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Advent des Herrn. Da ist es eine weitverbreitete und hochwichtige Frage: Bist du, der da kommen soll? Welch ein anderes Wort aus des Johannes Mund: der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, derselbige ist es, der mit dem heiligen Geist tauft (Joh. 1, 33). Das war seines Lebens größte Stunde, seines Geistes kühnster Blick. Aber, eine Feuerseele, dem Elias gleich, begehrt er die Erfüllung seiner eigenen Weissagung von der Taufe mit Geist und Feuer, doppelt hinter den Kerkermauern der Bergfeste, wohin des Herodes Befehl ihn verschlossen. Richtete der erwartete Retter das Reich auf, so sprangen auch seine Fesseln, und aus dem Gefangenen ward ein dem Thron Nächster. Nun aber ging dieser Mann der Zukunft seinen eigenen stillen Weg. Wohl dringt manchmal eine Kunde seiner Zeichen in das Verließ des Gefangenen. Aber sie scheinen ihm nicht deutlich genug. Dann entsteht ein Widerstreit der Gedanken: Ist er's, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Vergessen wir nur nicht: Johannes zweifelt und glaubt zugleich; zweifelt, ob er in der Person des Erwarteten sich getäuscht, aber die Erwartung selbst hält er aufrecht, sie ist der einzige Stern seiner Kerkernacht. Die Frage des Johannes ist in der Christenheit weit verbreitet. Nicht von denen reden wir, die dem christlichen Glauben entschlossen den Rücken gewandt haben; von uns, meine Freunde, die wir durch unsere Versammlung im Namen Jesu Christi tatsächlich uns zu ihm bekennen. Schwebt nicht gerade in der Adventszeit die Johannesfrage auf manchen Lippen halb ausgesprochen, | ||
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| - | Unser Herr schilt den Johannes nicht wegen seines Zweifels. Er hat das nie getan, wenn ein Zweifel aus der Wahrheit kam. Er hat überhaupt nie andere Jünger haben wollen, als überzeugte, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Eine Antwort auf die Frage, die uns heute bewegt, ist im Grunde jede Predigt des Evangeliums, | ||
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| - | Ist diese Antwort nicht allgenugsam, | ||
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| - | Nun, so versuchen wir den Tatbeweis, den Beweis des Geistes und der Kraft! Brauchen wir dies Evangelium, so versuchen wir es mit ihm aufs Neue, immer mit neuem Ernste! Hier handelt es sich nicht um Überlegen und Reden, sondern um Tun, Erfahren, Erproben. Es ist ein treffendes Wort: Wenn der Kranke die wohltätigen Wirkungen des elektrischen Funkens empfindet, so kümmert ihn wenig der Streit der Gelehrten über die Art seiner Wirkung. So hat der Apostel Paulus gedacht, wenn er sagt: Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Selbsterprobter Kraft schämt sich Niemand. Und wer die Kraft des Evangeliums erlebt, der hat eine Antwort auf die Frage: Bist du, der da kommen soll? Er weiß alles, was er hat, unzertrennlich verbunden mit dem Namen Jesus Christus. Er erkennt immer mehr, wie er es nur hat durch diesen Einen. Er findet es ganz natürlich, dass dieser Eine über alle sich erhebt und auch in unserem Evangelium so unvergleichlich sagt: Selig ist, der sich nicht ärgert an mir. Er ärgert sich nicht an dem Weg der Niedrigkeit, | ||
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| - | ======Hörschelmann, | ||
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| - | d. 12. Dezember, dem Stiftungstage der Universität((Aus einer früheren Sammlung aufgenommen)). | ||
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| - | Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt, Amen! | ||
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| - | Zur Feier eines Doppelfestes haben wir uns im Gotteshaus versammelt. Mit der ganzen Christenheit begehen wir den dritten Sonntag des Advents, als Glieder der Hochschule und Universitätsgemeinde feiern wir den Stiftungstag unserer Alma Mater. Dieser akademische Festtag empfängt seine besondere Weihe von oben, indem wir seine Feier hineingestellt sehen in das Licht der Erscheinung dessen, der in die Welt gekommen ein König der Wahrheit und des Friedens, um in unsere Herzen seinen Einzug zu halten, um alle Lebensgebiete mit seinem Geist zu durchdringen, | ||
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| - | 1. Korinther 4, 1-5.\\ | ||
| - | **Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, | ||
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| - | Von Rechenschaft und Gericht handelt unser Text. Er redet von menschlichen Richtern und menschlichen Tagen, vor denen wir zu bestehen haben, von dem Richter, den wir tragen in der eigenen Brust. Wir wollen sie nicht übersehen, nicht geringachten. Denn Gott hat sie uns zu Hütern und Wächtern bestellt und redet auch durch ihr Zeugnis zu uns. Aber über diesem menschlichen Urteil und dieser Selbstbeurteilung steht als höchste, heiligste Instanz das Urteil dessen, der auch das Verborgene ans Licht zieht und den Rat der Herzen offenbart. Sein Urteil gibt der oft so trügerischen menschlichen Meinung, gibt der schwankenden Selbstbeurteilung erst ihre Berechtigung, | ||
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| - | Tue Rechenschaft von deiner Haushaltung, | ||
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| - | 1) Was uns Gott vertraut hat, \\ | ||
| - | 2) Was er von uns fordert. | ||
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| - | Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine, siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | „Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse“. Mit diesen Worten spricht der Apostel es aus, wozu uns Gott gemacht, was er uns vertraut hat. | ||
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| - | Dem heiligen apostolischen Amt, dem geistlichen Amt im Dienst der Gemeinde gelten diese Worte zunächst, weiter aber auch jedem Amt, zu dem uns Gott in seinem Reiche berufen. Was er dir auch befohlen und wo er dich hingestellt, | ||
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| - | Und bist du Haushalter Gottes, so gilt auch von dir, dass du Haushalter bist über „Gottes Geheimnisse“. Gaben und Kräfte sind dir vertraut, die über sich hinaus weisen in eine geheimnisvolle, | ||
| - | |||
| - | „Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ dieses große und tiefe Wort, an welches unser Text unmittelbar anknüpft, lehrt uns die Fülle dessen, was uns vertraut ist, zusammenfassen unter ein Haupt, alle Erkenntnis in Zusammenhang bringen zu der einen Wahrheit, die Verschiedenheit der Gaben in den Dienst stellen des einen Herrn und alle unsere Wege lenken auf das eine Ziel. | ||
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| - | Von diesem Haupt- und Mittelpunkt strömt Licht auf alle Wege Gottes, Kraft und Segen auf alle unsere Wege. | ||
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| - | So hat Gott uns in Christo, in seiner Kraft und Gemeinschaft seine Geheimnisse geoffenbart. Nur als Diener Christi können wir rechte Haushalter Gottes sein, seine Güter und Gaben nach seinem Willen zur Förderung der gemeinsamen *Wahrheitserkenntnis, | ||
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| - | Willst du es sein? Willst du ein Diener Christi sein? willst du einstimmen in die Worte des Apostels: „dafür halte uns Jedermann“, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Steht es so, sind wir die Diener, er der Gebieter, wir die Haushalter, er der Herr, da hat er auch Macht und Recht, von uns Rechenschaft zu fordern, da sind wir gebunden und verpflichtet, | ||
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| - | Viel hat er uns vertraut, was aber fordert er von uns? Haushalter sind wir. Nun aber fordert man vom Haushalter nicht mehr, denn dass er treu erfunden werde. Nicht mehr und nicht weniger - hier haben wir die haarscharfe Waage, auf der er uns wiegt. Nichts anders fordert er als die Treue, nicht das Andere, worauf die Menschen bei ihrem Urteil Gewicht legen, nicht hohe Gaben, glänzende Erfolge, einen weithin strahlenden Ruhm, nicht das, wonach wir selbst unsere Arbeit schätzen, nicht Freude, Lust, Befriedigung im Gefühl der eigenen Kraft. Das sind edle, hohe Gaben, Segnungen und Früchte. Aber die Gaben kommen von Gott. Segen und Fruchtschaffen steht bei ihm. Weil wir's nicht in unserer Hand haben, so fordert er es auch nicht von uns. Was er aber von uns fordert, von einem Jeden ohne Ausnahme und Unterschied fordert, das ist die Treue in der Verwaltung der Gaben, in der Verwertung der Kräfte, die er uns vertraut. Er fordert' | ||
| - | |||
| - | Seist du ein Schüler und eine Schülerin, seist du Lehrer oder Erzieher, seist du ein Jünger der Wissenschaft, | ||
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| - | Und nicht nur auf gewissenhafte Pflichttreue in der Arbeit überhaupt, auf den Geist und Sinn der Arbeit sieht er. Nicht nur im Hinblick auf das Urteil der Menschen und die Prüfung menschlicher Tage sollen die Lernenden das Ihre tun, nicht nachdem die akademische Jugend zuerst den Genuss als Hauptaufgabe angesehen, gilt es eilig in träger Hinnahme, in gedankenlosem Aneignen des Wissensstoffes auf das nächste Ziel sich rüsten; im akademischen Lehramt nicht auf dem Gewonnenen ruhen und das stete erneute Schöpfen aus den Quellen der Erkenntnis, das stete frische Gestalten zu versäumen; auch nicht nur augenblicklichen Einfällen und Launen folgen, sondern in anhaltendem Ernst der Geistesarbeit sich in den Gegenstand der Erkenntnis vertiefen, - nicht nach Willkür den Stempel des eigenen Geistes den Dingen aufprägen, nach selbstgesetzten Zwecken sie formen und modeln, sondern in treuem Wahrheitssinn den Gesetzen und Ordnungen folgen, die dem unbefangenen Geist ihr Wesen offenbaren. | ||
| - | |||
| - | So im Ernst der Selbstzucht, | ||
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| - | Das, meine Lieben, ist es, was Gott an uns sucht, was er von uns fordert, wonach er uns einst richten wird. Auf dieses Gericht weist auch der Apostel, auf den Richterstuhl dessen, „der auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird den Rat der Herzen offenbaren“. Also Offenbarung ist zunächst sein Gericht, Offenbarung dessen, was sich hier vorbereitet, | ||
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| - | Es sind das gar ernste Gewissensfragen, | ||
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| - | Was hier im Zeugnis des Gewissens, in den Geschicken des Lebens sich allmählig vorbereitet, | ||
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| - | Dem lasst uns nachdenken! Wahrlich, es ist es wert! Wonach wir gerichtet werden, danach lasst uns richten unser Sein und Wesen! Und was uns als Richtschnur gegeben für Denken und Handeln, dem lasst uns folgen mit ganzem Ernst und voller Kraft in allem unseren Wandel! Nach der Treue lasst uns streben! Und der Herr, unser Gott, er hat es uns verheißen: die Treue, die er von uns fordert, die wird er uns erweisen. Den Demütigen gibt er Gnade, den Aufrichtigen lässt er es gelingen. In der Treue, die da eins ist mit dem Glauben, ergreifen wir seine Hand. Und in der Treue, die da eins ist mit der Gottes Gnade, wird er uns halten und führen, wird uns Freudigkeit geben, zu stehen in seinem Dienst, zu arbeiten an seinem Reich, Freudigkeit auch auf den Tag des Gerichts, zu bestehen vor seinem Angesicht. An seine Treue wendet sich unser Vertrauen, - so schauen wir zu ihm auf, so beten wir einmütig: | ||
| - | |||
| - | Ach, bleib mit deiner Treue\\ | ||
| - | Bei uns, mein Herr und Gott;\\ | ||
| - | Beständigkeit verleihe,\\ | ||
| - | Hilf uns aus aller Not! | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
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| - | ======Hörschelmann, | ||
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| - | =====Altar-Gebet===== | ||
| - | |||
| - | So finde er Jeden unter uns auch einst durch Deine Gnade, ewiger und barmherziger Gott! Das erflehen wir von Dir heute, da Deine Macht und Treue uns diesen Einen Tag zu unserer Gnadenzeit hinzufügt, und Dein teures, heiliges Evangelium uns abermals verkündigt werden soll, um das Reich Deines lieben Sohnes fester zu gründen in unseren Herzen und. in unserem Wandel. Wende uns seinen ganzen Segen zu, Du reicher Geber aller heiligen Güter, in dem wir Alles haben, was wir an Leib und Seele bedürfen, und dem wir täglich und stündlich zu danken haben, für alle Deine Gnadengaben, | ||
| - | |||
| - | =====Predigt über 1. Kor. 4,1-5.===== | ||
| - | |||
| - | Darf denn ein Mensch so sprechen, wie es hier gelautet hat? Ziemt sich denn uns, bei unserem dürftigen, schwankenden, | ||
| - | |||
| - | Das soll kein Tadel sein für den Sänger des Liedes, sondern eine Warnung für die, die es ihm nachsingen. Der brauchte zwar auch das übellautende Wort, aber in seinem Munde hatte es seine Bedeutung verloren und sollte nichts sein, als ein freies Geschenk der Gnade Gottes, in der gläubigen Hoffnung von ferne her erschaut, auf welche wir Alle bauen und bauen dürfen, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, und hat sein Leben uns zum Pfand gegeben, dass wir Gottes Gnade hätten! Ja! so söhnen wir uns aus mit diesem Worte! So duldest Du es auch in unserem Munde, Du unser Herr und Richter! Bist Du nur allzeit unsere Zuversicht, und lässt die Seele nur von Dir im Glauben nicht, so wirst Du es machen, weit über Alles, was wir bitten und verstehen und verdienen! In Deine Hände befehlen wir unseren Geist und Dir zum Eigentume geloben wir unsere Herzen. Mache Du, Herr, dass sie stets in der Treue gegen Dich erfunden werden mögen, und lass nach Deiner Gnade und Barmherzigkeit diese allen unseren Mangel vor Dir bedecken! Amen! | ||
| - | |||
| - | Auch zu solchen Gebeten würde es uns an Mut gebrechen, flößte nicht das Gotteswort uns denselben ein! Wir haben aber ein solches, welches uns gerade zur Feier des dritten Advent- Sonntages in unserer Festepistel entgegen tritt, die zu lesen ist: | ||
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| - | 1. Kor. 4,1-5.\\ | ||
| - | „**Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, | ||
| - | |||
| - | Ihr seht, Geliebte, aus diesen Worten des Apostels seht Ihrs aufs Neue, was vielfach unserer Seele großer Trost, wenn auch noch lange nicht der einzige oder höchste ist, nämlich, dass im Reiche Gottes Alles von der Treue abhängt. | ||
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| - | Bevor wir den Gedanken weiter entwickeln und die darin ruhenden Schätze christlicher Erbauung uns aneignen, lasst mich nur Eines vorausschicken, | ||
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| - | Das wollest Du tun, Du Herr und Haupt des Reiches voller Frieden. | ||
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| - | =====Schluss-Gebet.===== | ||
| - | |||
| - | Ja! wer's spricht und nach dem Worte tut, allezeit und mit Freudigkeit! Herr! hierin stehe Du uns bei! Wir wissen es, in Deinem Reiche hängt alles von der Treue ab! Du prüfst die Herzen, und erforschst, ob wir es redlich meinen, und weißt, ob sie an dir hangen oder sich einem andern Herrn zugewandt haben! Erhalte uns Dir bei Dir und lass Dein Wort in seiner ganzen Macht und Stärke in uns bleiben, damit wir Dir zum Eigentum zufallen mit aufrichtiger Freudigkeit der Herzen! In Dir sei unser Heil allein in Zeit und Ewigkeit! Amen! | ||
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| - | ======Kapff, | ||
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| - | Text: 1 Kor. 4, 1-5. | ||
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| - | **Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, | ||
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| - | Der HErr kommt! ist ein wichtig Wort \\ | ||
| - | Für Christi Untertanen; \\ | ||
| - | Es soll die Seinen immerfort \\ | ||
| - | An seine Zukunft mahnen. \\ | ||
| - | So werden sie in Angst erfreut, \\ | ||
| - | So werden sie vor Sicherheit \\ | ||
| - | Durch ihren HErrn bewahret. \\ | ||
| - | |||
| - | Von diesem Kommen des HErrn haben wir vor acht Tagen gesprochen, und zwar von seiner andern Zukunft oder von seinem zweiten Advent, zum Gericht über den Antichristen und zur Stiftung seines herrlichen Friedensreiches auf Erden. Auf den zweiten Adventssonntag folgt heute der dritte und veranlasst uns, über den dritten Advent des HErrn, auf den unsere Epistel hinweist, nachzudenken. Dass wir einen zweiten und dritten Advent des HErrn unterscheiden, | ||
| - | |||
| - | In der Offenbarung Johannis werden die Zeiten zwischen diesen drei Hauptzeiten näher geschildert, | ||
| - | |||
| - | Was der dritte Advent Christi uns predige: | ||
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| - | - seid getreu bis in den Tod und wandelt im Licht, | ||
| - | - richtet nicht vor der Zeit und achtet nicht das Ansehen der Menschen. | ||
| - | |||
| - | Hilf, Gott, dass ich in Zeiten \\ | ||
| - | Auf meinen letzten Tag \\ | ||
| - | Mit Buße mich bereiten \\ | ||
| - | Und täglich sterben mag. \\ | ||
| - | Im Tod und vor Gerichte \\ | ||
| - | Steh' mir, o JEsu, bei, \\ | ||
| - | Dass ich im Himmelslichte \\ | ||
| - | Zu wohnen würdig sei. Amen. | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | Im Anfang unserer Epistel sagt Paulus, das, worauf es in jeder menschlichen Rechenschaft und im göttlichen Gericht vor Allem ankomme, sei Treue. „Nun sucht man nichts mehr an den Haushaltern, | ||
| - | |||
| - | Paulus spricht in unserer Epistel zunächst von einem menschlichen Gericht, dergleichen die Korinther eines über ihn ausübten, aber über das blickt er hinweg als über etwas Unbedeutendes in Vergleichung mit dem Gericht des HErrn, auf das es allein ankomme. Bei diesem Gericht wird der Weltrichter Christus, dem der Vater alles Gericht übergeben hat, den innersten Rat der Herzen nach unserem Texte offenbaren. Seine feuerflammenden Augen blicken hinab bis auf den tiefsten Herzensgrund, | ||
| - | |||
| - | Dieses schreckliche Gericht gebietet uns, im Geringsten treu zu sein und der künftigen Rechenschaft so zu gedenken, wie ein Haushalter oder Verwalter stets gerüstet sein soll, Rechnung zu tun von seinem Haushalt. Wie da alle Posten der Rechnung durchgegangen und Einnahmen und Ausgaben genau miteinander verglichen werden, so wird der HErr von dem, der viel empfangen hat, auch viel fordern. Dem Knecht, der mit seinem Pfund zehn Pfund erworben, dem wird Er Macht geben über zehn Städte, dem, der mit seinem Pfund fünf Pfund erworben, dem wird Er Macht geben über fünf Städte. Von dem aber, der nichts hat, wird auch das genommen werden, das er hat. Das treibt uns zu fleißigem Eifer, dem HErrn wohlzugefallen, | ||
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| - | Diese Erlösung dürfen wir nie so uns zueignen, als ob wir es ihretwegen mit der Sünde leicht nehmen dürften und denken, weil wir im Glauben an JEsu Verdienst stehen, so können wir dem Gericht ruhig entgegengehen, | ||
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| - | Die ganze Heilsanstalt Gottes in Christo bezweckt ja nur unsere Zurückführung zu dem verlorenen Ebenbild Gottes, zur Heiligkeit und Seligkeit in Ihm. Durch jede Sünde wird der Lauf zu diesem erhabenen Ziele aufgehalten, | ||
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| - | Zu solcher Treue bis in den Tod gehört ein Überwinden alles dessen, was Welt und Fleisch und Satan in uns erhebt gegen Christum, ein Kreuzigen unseres Fleisches samt seinen Lüsten und Begierden, und ein himmlischer Sinn, dem JEsus mehr ist, als die ganze Welt, und seine Liebe höher, als aller Menschen und aller Kreaturen Liebe. Das ist der Wandel im Licht, den Paulus Eph. 5, 9. gebietet, und ohne den wir auf den Tag des Gerichtes nur Furcht und Schrecken haben können. Im Gericht wird der HErr nach unserem Text „ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist.“ Welch' entsetzliche Schmach muss es sein, vor dem ganzen Geisterreiche bloß und enthüllt dastehen zu müssen, so dass alle geheimen Sünden, bösen und unreinen Gedanken, Unredlichkeiten, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Richtet nicht vor der Zeit und achtet nicht das Ansehen der Menschen. Dieser Punkt könnte in Vergleichung mit dem ersten als sehr unbedeutend erscheinen, aber schon daraus, dass der Apostel um seinetwillen so ernstlich auf das Gericht hinweist, sehen wir, wie viel daran liegt, dass wir vom menschlichen Richten die rechte Ansicht haben, sowohl von unserem Gericht über Andere, als von dem Gericht Anderer über uns. Wie viele Seelen haben schon ihr geistliches Leben verloren, weil sie durch das Urteil der Leute sich zu viel einschüchtern und zu viel leiten ließen, oder weil sie zu viel über Andere richteten. Bei den Korinthern ging das Richten über Paulum Hand in Hand mit ihrem immer tieferen geistlichen Verfall. Deswegen ruft er ihnen in unserem Texte so ernstlich zu: richtet nicht vor der Zeit, bis der HErr komme, auf dessen Urteil es allein ankommt. Nur Er kann den Rat der Herzen offenbaren; wir sehen Niemand ins Herz, und sollten daher da, wo nicht offenbare Tatsachen sprechen, unser Urteil über Andere zurückhalten, | ||
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| - | O Geliebte, hierin muss es auch bei uns noch ganz anders werden. Es ist viel zu viel Richten unter uns, viel zu viel Neigung, Andere zu verkleinern und in Schatten zu stellen, um dadurch unser eigen Ich mehr ins Licht zu setzen und zu erheben. Wir sollten viel mehr uns in Andere hineindenken, | ||
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| - | Stellen wir so Alles Dem heim, der da recht richtet, so werden wir auch das andere Gebot unseres Textes über das menschliche Gericht befolgen können, nämlich: achtet nicht das Ansehen der Menschen. Die Pharisäer mussten das als eine große Tugend JEsu rühmen, und Paulus wurde besonders durch diese Eigenschaft so groß und so reich gesegnet. Er sagt in unserem Text: „Mir ist es ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage.“ Die Korinther richteten Vieles an ihm, den Einen war er zu stark, den Anderen zu schwach, den Einen seine Rede zu gewaltig, den Anderen zu nieder und ungeschmückt, | ||
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| - | Wie sollen wir uns nun gegen solche Urteile verhalten? Wir können uns darum bekümmern, sofern ein guter Name viel wert ist und an einem Christen Christo selbst zur Ehre gereicht; ferner, sofern wir aus allem Tadel mehr lernen, als aus dem Lob, und durch Menschen uns Fehler aufgedeckt werden können, die wir selbst nicht an uns sehen; überhaupt ist Alles, was uns demütigt, uns heilsam. Aber so weit dürfen wir um Urteile Anderer uns nicht bekümmern, dass wir ihretwegen irgendetwas aufgäben, was Gott von uns verlangt, oder irgendetwas täten, was Gott nicht gefällt. Gegenüber von der Welt, die über christlichen Ernst spottet, dürfen wir alles Menschengerede durchaus nicht anschlagen, um nicht durch Menschenfurcht ins Verleugnen der Wahrheit getrieben zu werden. Da muss Christi Schmach uns lieber sein, als aller Menschen Ehre, und wer da nicht den Mut hat, sich spotten und auslachen zu lassen, aus dem wird nie Etwas. | ||
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| - | In feineren Verhältnissen aber - auch mit Gleichgesinnten - dürfen wir Menschenurteil gleichfalls nicht zu hoch anschlagen, sondern vor Allem auf das sehen, was der HErr über uns urteilt und wie wir im Licht seines zukünftigen Gerichts vor Ihm stehen. Hat der Geist nichts an uns zu strafen, so darf Menschengericht uns nicht erschrecken, | ||
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| - | Darum sei unser höchstes Bestreben nur das, dass wir dem HErrn wohlgefallen. Dann haben wir das menschliche und selbst das göttliche Gericht nicht zu scheuen. Freilich geht es auch so ohne Fehler, Versäumnisse und Übertretungen nicht ab, und selbst unsere besten Werke sind nicht ganz rein vor dem HErrn. Deswegen kann nur der Freudigkeit haben auf den Tag des Gerichts, der durch das Blut JEsu gewaschen ist von aller seiner Sünde, und im Vertrauen auf seine ewig gültige Versöhnung sagen kann: „Nun wir dann sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unseren HErrn JEsum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben, nicht mehr den schreckensvollen Hintritt zum Richterstuhl, | ||
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| - | So ging es z. B. einem jungen Mann, Namens Christoph, der durch ein leichtsinniges Leben seine Gesundheit verderbt und eine tödliche Auszehrung sich zugezogen hatte. Ein für das Heil seiner Seele besorgter Verwandter besuchte ihn und redete mit ihm über seinen inneren Zustand, und stellte ihm die Ewigkeit so ernstlich vor, dass er über sein Sündenleben erschrak. Nach längeren Kämpfen gegen den Hochmut, der Recht haben wollte, wurde es ihm doch immer deutlicher, dass er vor dem Richterstuhl Gottes nicht erscheinen könne. Oft ergriff ihn eine unaussprechliche Angst, und er glaubte auf ewig verloren zu sein. Als ihm der Trost des Evangeliums verkündigt wurde, konnte er lange nicht glauben, dass auch ihm noch vergeben werden könne. Da las und erklärte ihm sein Geistlicher das dritte Kapitel des Briefs an die Römer, wonach Alle ohne Unterschied Sünder sind und ohne alles eigene Verdienst allein durch JEsu Gnade gerecht und selig werden. Der Geist Gottes machte ihm die Worte lebendig, und er konnte es glauben, dass JEsus auch für ihn gestorben sei und dass seine Gerechtigkeit seine Sünden hinwegnehme. Von da an hatte er vor dem Gericht keine Angst mehr, konnte freudig beten und Lebenskräfte im Gebet anziehen, und sein ganzes Leben wurde ein neues Leben. Jetzt war ihm der Besuch bekehrter Leute, die er vorher nicht geliebt hatte, das Allerliebste, | ||
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| - | Mein JEsus ist mein Trost allein, \\ | ||
| - | Auf JEsum schlaf ich selig ein. | ||
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| - | So entschlafen Seelen, die durch JEsu Versöhnung Freudigkeit haben auf den Tag des Gerichts, dagegen die Unbekehrten ohne Hoffnung und so ohne Trost dahinfahren. So erzählt der Arzt, der den berüchtigten Religionsspötter Voltaire zuletzt behandelte, dass „dieser Mensch, der so oft über Hölle und Gericht gespottet hatte, in seinem 84sten Jahre vor dem nahen Tod, als vor dem furchtbarsten Schrecken, sich entsetzte. Wie im Sturm starb er als ein verzweifelnder Wütender, der sich in Verzückungen an die Erde ankrallt, die er durchaus nicht verlassen will.“ Solch ein Tod ist schon ein Gericht, ja eine Hölle. Aber was wird es erst sein in der Ewigkeit! O liebe Seelen, was ist alle Lust und Herrlichkeit der Erde, wenn sie mit solchem Gericht endet; dagegen was ist alles Leiden und alle Entbehrung und Schmach der Erde, wenn die Krone des ewigen Lebens am Ziele blinkt. Darum: | ||
| - | |||
| - | Nicht nach Welt, nach Himmel nicht \\ | ||
| - | Meine Seele wünscht und sehnet, \\ | ||
| - | JEsum wünscht sie und sein Licht, \\ | ||
| - | Der mich hat mit Gott versöhnet, \\ | ||
| - | Der mich freiet vom Gericht. \\ | ||
| - | Meinen JEsum lass ich nicht. Amen. | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ======Kirmß, | ||
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| - | Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.\\ | ||
| - | Hebr. 13,9 | ||
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| - | Evang. Matth. 11. v. 2 bis 10.\\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert.“ Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? wollt ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wollt ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wollt ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
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| - | Der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. | ||
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| - | Die Bußpredigt Johannis des Täufers am Jordan hatte eine tiefgehende, | ||
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| - | Er war der Größte in ganz besonderem Sinn. Hatten seine Vorgänger mit scharfem Auge, in glühender Erwartung hinausgespäht in die Zukunft, um den zu sehen, der da kommen sollte, so war es Johannes als dem letzten und größten Propheten beschieden, dem Verheißenen Auge in Auge gegenüberzustehen. Denn als Jesus in Nazareth gehört hatte von der großen Volksbewegung, | ||
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| - | Doch rasch entflieht die große Zeit. Der freie Prophet ist ein gefangener Mann. Denn er hatte auch vor dem Königsthron seine männliche Überzeugung ausgesprochen, | ||
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| - | der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. | ||
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| - | Lasst uns betrachten | ||
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| - | die Frage des Zweifels; die Lösung des Zweifels; die Frucht des Zweifels. | ||
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| - | =====1. Die Frage des Zweifels===== | ||
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| - | Die Frage des Johannes ist eine Frage des Zweifels, der sich nach Gewissheit sehnt. Einige Ausleger sehen in dieser Frage den entstehenden Glauben an Christus, andere den erschütterten Glauben. Jedenfalls spricht sich darin aus der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. | ||
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| - | Zweifel! Ist uns der Täufer nicht ein abschreckendes Beispiel? Werden die Christen nicht vor dem Zweifel gewarnt? Doch zwischen Zweifel und Zweifel ist ein großer Unterschied. Es gibt einen Zweifel, der den Tod des Glaubens in sich trägt, und einen Zweifel, der den Keim des Glaubens in sich trägt; es gibt einen Zweifel, der die Wahrheit hasst und sie flieht; es gibt aber auch einen Zweifel, der nichts anderes ist als die keimende Liebe zum Glauben. Die Zweifler der ersteren Art sind zur Zeit Jesu die Hohenpriester und Schriftgelehrten, | ||
| - | |||
| - | Dieser Zweifel, der nach Gewissheit sucht, ist so wenig zu verwerfen, dass wir vielmehr sagen müssen, er ist der Weg, der zum Glauben führt. Denn der Glaube ist ein Gut, das erworben werden muss; dieser Zweifel ist die Tätigkeit, durch die man sich's erwirbt. | ||
| - | |||
| - | Gewaltige Männer, ja die größten im Reiche Gottes schließen sich Johannes dem Täufer an. Da sehen wir einen Saulus, welcher Anstoß nimmt an dem gekreuzigten Messias und doch sich mit wunderbarer Gewalt immer wieder zu ihm hingezogen fühlt und nicht von ihm loskommt, bis er überwunden wird. Da sehen wir einen Augustin, der in den Wissenschaften des Heidentums oder in den Geheimnissen religiöser Sitten Frieden sucht für seine Seele; und all' dieses Suchen, das ihn ruhelos umhertrieb in der alten heidnischen Welt, war doch nur ein Suchen nach Gewissheit. Vor allem aber gleicht Johannes dem Täufer ein deutscher Mann. Wie Johannes dort in seinem Kerker auf der Burg Machärus sich abringt mit seinem Zweifel und sich danach sehnt, dass der Strahl der Gewissheit in seinen Kerker falle, so sehen wir in einer Klosterzelle einen bleichen Mann sich abringen im Zweifel, im Suchen nach der Gewissheit des Seelenheils, | ||
| - | |||
| - | Dieser Zweifel lässt uns sprechen: Wie glücklich sind doch die Menschen, welche einen festen Glauben haben! Wie gern möchte ich glauben! So hilf du, an den ich glauben möchte, meinem Unglauben! Die Menschen sagen, du seiest die göttliche Liebesmacht, | ||
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| - | Jesus sagt: Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Es gibt ja Menschen, die von solchen Zweifeln verschont bleiben; ruhige, ebenmäßig sich entwickelnde Naturen, welche ganz allmählich, | ||
| - | |||
| - | =====2. Die Lösung des Zweifels===== | ||
| - | |||
| - | Wie löst Jesus diesen Zweifel? Er antwortet weder ja noch nein, sondern weist hin auf Tatsachen, die ja noch viel bessere Beweise sind als Worte und Bekenntnisse. Er weist hin auf Blinde, welche sehen, Lahme, welche gehen. Johannes hatte daran Anstoß genommen, dass Jesus immer nur predige; er vermisst die Zeichen“. Da weist Jesus ihn hin auf die Weissagung des Jesaia, dass der Messias die Blinden sehend und die Tauben hörend machen würde. Das geschieht aber jetzt. So sind diese Tatsachen die Beweise dafür, dass er der Verheißene ist. | ||
| - | |||
| - | Durch Jesus geschieht, was geschehen soll; es liegt im Weltplan Gottes, dass die Gebrechen der menschlichen Natur geheilt werden, dass der Mensch nach allem Kampf der Erde zuletzt zum Frieden mit Gott gelange; so muss wohl das Kommen dessen, der diese Gebrechen heilt und diesen Frieden bringt, nach Gottes Weltplan bestimmt sein. Die tiefsten Bedürfnisse der Menschenseele sind Verheißungen, | ||
| - | |||
| - | So weist ihn Jesus hin auf seine Gemeinde, damit sie für ihn zeuge. Dieses Zeugnis gilt auch heute noch. In der christlichen Gemeinde sind Gottes Verheißungen erfüllt, alle Anlagen der Menschen zur Tätigkeit entfaltet, und alle Kräfte da, die Gebrechen der Menschen zu heilen. Hier geschehen die wahren Wundertaten Christi. Der Mensch, der nicht einmal imstande ist, das Wesen und den Zusammenhang dieser Welt zu erkennen, sodass auch der scharfsinnigste Gelehrte nur einen ganz kleinen Gesichtskreis hat, dieser von Natur blinde Mensch hat an der Seite Jesu Christi sehen gelernt und blickt mit wunderbar scharfem Auge durch alle Wolken, durch alle Himmel bis zu dem Gott, der über den Sternen wohnt, und bis hinein in das Herz des unsichtbaren Vaters. Und wie er hinaufschaut, | ||
| - | |||
| - | So kommt denn, ihr Zweifler, und seht die Taten Christi in seiner Gemeinde! Würden euch allerhand gelehrte Verstandesbeweise gebracht, ihr würdet sagen: das glaube ich nicht. Hier aber werden euch Tatbeweise gebracht; die Erfahrung wird zum Zeugnis für euch. Die könnt ihr nicht wegleugnen. Hier steht Christus vor euch, umgeben von seinen Jüngern, von den Blinden, welche sehend, von den Lahmen, welche gehend, den Tauben, welche hörend, den Aussätzigen, | ||
| - | |||
| - | =====3. Die Früchte des Zweifels===== | ||
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| - | die Früchte eueres Zweifels. Die Frucht des Zweifels ist die Gewissheit: Ich weiß, an wen ich glaube; ich weiß, dass mein Erlöser lebt; ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendeine Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes in Christo Jesu, unserem Herrn. | ||
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| - | Diese Gewissheit schafft Menschen, wie Jesus in unserem Evangelium den Johannes schildert. Dort am Jordan, wo Johannes getauft hatte, da rauschte der Wind im flüsternden Rohre, und das Rohr wehte hin und her und hier und da brach eins ab und lag nun verwelkt da. | ||
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| - | So sind die Menschen, die keine Gewissheit haben; sie schwanken hin und her; sie unternehmen Anläufe zum Guten und lassen bald wieder ab; sie gehören in der Kirche Gott an und leben in der Welt, als ob es keinen Gott gebe; sie tragen bald ihr Haupt in stolzem Übermut, bald klagen sie in dumpfer Verzagtheit; | ||
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| - | Johannes trug keine weichen Kleider, sondern ein raues Gewand; er aß kein Brot und trank keinen Wein, sondern nährte sich von der Nahrung der Einöde. Was kümmern den Mann, dessen ganzes Herz und Leben erfüllt war von seiner Aufgabe, die kleinen Bedürfnisse der Gegenwart? Die Menschen, die durch innere Kämpfe sich hindurchgearbeitet haben zu der Gewissheit des Heils, der unauflöslichen Gemeinschaft mit Gott, die reich geworden sind in Gott, brauchen die reichen Kleider der Üppigkeit, des Luxus nicht, und alle die tausend Genüsse und Bequemlichkeiten, | ||
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| - | Oder wolltet ihr, so sagt der Herr, einen Propheten sehen? Längst war der Strom des prophetischen Geistes in Israel versiegt, und die Propheten waren ausgestorben. Aus längst vergangenen Zeiten klang zu Israel die Kunde herüber von jenen wunderbaren Gottesmännern, | ||
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| - | Wer um seinen Glauben innerlich gekämpft und die Angst des Zweifels durchgemacht hat, der hat auch immer etwas an sich von der Natur eines Propheten. Je schwerer ihm der Kampf um die Klarheit und Gewissheit des Glaubens geworden ist, umso teurer ist ihm dieser Glaube, umso entschiedener muss er für ihn eintreten und ihn bekennen. Und wenn er selbst in sich die Gewissheit gefunden hat, dass der Gott, der ihm innerlich offenbar geworden durch Christus, nun in alle Ewigkeit ihn nicht lassen kann, so sieht er, mögen die Zeiten auch noch so trübe sein, hoffnungsfreudig hinaus in die Zukunft seines Volkes. Dann stehen Propheten, Männer, wie wir sie auch in der Geschichte unseres Volkes gesehen haben, Arndt, Fichte, Schleiermacher, | ||
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| - | Solche Menschen, fest und unbeweglich, | ||
| - | {{tag> 3_Advent}} | ||
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| - | ---- | ||
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| - | ======Krafft, | ||
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| - | Christus, unsere Heiligung. | ||
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| - | Die Erlösung der Kinder Israel aus der leiblichen Knechtschaft in Ägypten ist ein lehrreiches Bild unserer geistlichen Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, und wird uns in der Schrift auch vielfach so dargestellt, | ||
| - | |||
| - | Sie hatten erst noch einen langen, beschwerlichen Zug vor sich, den Zug durch eine Wüste, einen Weg, auf der einen Seite voll von Erfahrungen der göttlichen Gegenwart, Leitung und Hülfe, auf der andern Seite aber auch voller Entbehrungen, | ||
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| - | Um diese Gnade bitten wir Dich, Herr, Heiliger und Wahrhaftiger, | ||
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| - | Text: 1. Korinth. 1, 30. | ||
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| - | **Von welchem auch ihr herkommt im Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, | ||
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| - | Alles, ohne Ausnahme Alles, was uns zur Seligkeit Not ist, ist uns von Gott in Christo bereitet. Diesen Inbegriff des Heils, das wir Christo verdanken, legt Paulus hier in vier einzelnen Gütern und Wohltaten auseinander, | ||
| - | |||
| - | Die Gerechtigkeit oder das Recht zum Leben , das uns durch Christum geschenkt wird, hängt unzertrennlich zusammen mit dem Werke unserer Heiligung, dem Werk unserer fortgesetzten, | ||
| - | |||
| - | Er ist uns von Gott zur Heiligung gemacht in jedem Sinne des Worts. Wir haben an Ihm zuvörderst den vollkommenen Lehrer der Heiligkeit. Er hat uns den geistlichen Sinn des göttlichen Gesetzes aufgeschlossen in seiner ganzen Tiefe. Er hat uns gelehrt unterscheiden den Gehorsam nach dem Buchstaben von dem Gehorsam des Herzens, und gezeigt, dass wir Gott nimmer gefallen können Mit äußerer Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Nun, geliebte Zuhörer, wer unter uns der Heiligung begehrt, der suche sie nun auch auf dem hier vorgeschriebenen Wege, in der hier vorgeschriebenen Ordnung. Unsre Heiligung ist in dem ganzen Werk der Gnade Gottes an unsrem Herzen der Zweck, sie ist das Ziel aller Veranstaltungen, | ||
| - | |||
| - | Aber, Geliebte, diejenigen unter uns, die es erkennen, dass es die ewige Weisheit und Liebe ist, die diese Gnadenordnung entworfen, und diesen Weg uns bereitet hat, diese muss ich zum Schlüsse unserer heutigen Betrachtung auch auffordern und ermahnen zum Eifer und zum Fleiße in der Heiligung. Die Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | „Und wo mir's Not, so schneide, stich und brenne, \\ | ||
| - | „Verschone nicht, bis sich die Sünde trenne, \\ | ||
| - | „Und meine Seel ihr höchstes Gut Dich nenne \\ | ||
| - | „Aufrichtiglich.“ | ||
| - | |||
| - | Wohl jedem, der das beten kann! Amen. | ||
| - | {{tag> | ||
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| - | ---- | ||
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| - | ======Krafft, | ||
| - | |||
| - | Marias Lobgesang. | ||
| - | |||
| - | Predigt am dritten Advent-Sonntag, | ||
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| - | über Evang. Lukas 1,39-56. | ||
| - | |||
| - | Wir haben an den beiden vorigen Sonntagen die zwei göttlichen Botschaften vernommen, beide durch den Engel Gabriel vom Himmel herabgebracht, | ||
| - | |||
| - | Text. Evang. Luk. 1,39-56.\\ | ||
| - | **Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge eilends, zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zachariä, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll; und rief laut, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leib. Und, o selig bist du, die du geglaubt hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dein Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm, und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen von Stuhl, und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern, und lässt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit, | ||
| - | |||
| - | So weit dieser Bericht vom seligen Zusammentreffen der beiden auserkorenen Mütter, und von den Worten des Segens und von den Worten des Lobes, wovon ihr Mund bei der ersten Begrüßung aus dem Glauben und der Freude ihrer Herzen überfloss. Der Geist des Herrn, durch den sie geredet, was wir hier hören, segne den Inhalt ihrer Worte an uns zu unserer. Erbauung! | ||
| - | =====I. ===== | ||
| - | |||
| - | Wir hören zuerst, (V. 39.) dass Maria nach der Offenbarung, | ||
| - | |||
| - | Und da sie in das Haus Zachariä kam V. 40., grüßte sie Elisabeth. „Und siehe, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll; und rief laut, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (V. 41 - 43.) Deutlich geht aus dieser Erzählung hervor, dass der Elisabeth in dem Augenblick, wo sie die hereintretende Maria ansichtig wurde, und ihren Gruß hörte, sogleich alles klar war, dass ihr noch ehe Maria ihr irgendetwas davon gesagt, die hohe Bestimmung derselbigen, | ||
| - | |||
| - | Für Maria war das eine unerwartete Freude und eine ungemeine Glaubensstärkung, | ||
| - | |||
| - | „Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ (V. 46. 47.) Maria hat außerordentliche Gnade und Ehre empfangen. Was sie empfangen hat, gibt sie dem, von dem sie es empfangen, wieder, durch das Lob, das sie Ihm dafür gibt, durch die Lobpreisung, | ||
| - | des Herrn, und so blieb sie auch selig. Sie bewahrte sich damit ihre Seligkeit in der ihr gewordenen Gnade, denn die Lauterkeit und die Seligkeit des Herzens gehen zusammen. Mein Geist, sagt sie, freut sich Gottes meines Heilands, meines Erlösers. „Denn“, sagt sie, und redet nun auch von sich selbst, - aber wie tut sie es? V. 48. „Denn Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ - Keine Spur hier, dass sie hohe Gedanken von sich selbst gehabt; sie weiß und fühlt und spricht es hier aus, dass sie nicht die geringste Würdigkeit vor Gott geltend zu machen gehabt hätte dieser ihr gewordenen überschwänglichen Ehre halber. Diese Niedrigkeit aber, welche Maria in ihren Augen hatte und behielt, hinderte sie nicht, sich des ganz außerordentlichen Maßes der ihr widerfahrenen Gnade und Ehre bewusst zu sein. „Siehe“ -, setzte sie hinzu. V. 48. „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.“ Sie sah es im Geist voraus, dass man sie selig preisen werde, als die begnadigtste aller Mütter, durch alle Zeiten der Zukunft, weil sie im Geist erkannte, wer der sei, den sie gebären sollte, der Sohn Gottes, der dem David verheißene göttliche Thronfolger und ewige König, der Heiland Israels in der Welt. Das wusste sie, darum wusste sie auch, dass sie werde selig gepriesen werden durch alle Zeiten der kommenden Geschlechter von Kind zu Kindeskinder. Indessen reicht nur einige Aufmerksamkeit und Einsicht hin, zu erkennen, wie wenig übereinstimmend mit Marias Sinn und Geist, und wie widersprechend demselbigen es ist, sie abgöttisch zu verehren und anzurufen, und das nicht allein, sondern auch als eine Mittlerin, deren Fürsprache bei Christo vom höchsten Gewichte sein soll, sie anzurufen, und sie so Christo dem Herrn, dem einigen Mittler zwischen Gott und uns, an die Seite zu setzen, und so die Leute vor der seligmachenden Kraft des Vertrauens auf Ihn allein vorbeizuführen, | ||
| - | |||
| - | V. 49. „Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist.“ V. 50.: „Und seine Barmherzigkeit währt immer für und für, bei denen, die Ihn fürchten.“ Sie preist die Wundermacht Gottes, die Er an ihr verherrlicht, | ||
| - | |||
| - | Und nun preist Maria auch das Tun und Walten der freien Macht und Gnade des Herrn mit Hindeutungen auf die heilige Geschichte und mit Aussprüchen des göttlichen Wortes, aus denen erhellt, wie ihre Seele auf den fruchtbaren Auen des göttlichen Wortes genährt und wie sie mit den Wegen Gottes vertraut war. Sie sagt V. 51.: „Er übt Gewalt mit seinem Arm, und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.“ V. 52-53.: „Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt Er mit Gütern, und lässt die Reichen leer.“ Sie erkennt in dem, was an ihr geschehen und was sich neu nun anbahnt, die alten Wunderwege des Herrn, und seine Gerichte. Die Worte dieses ihres Psalmes weisen auf die Worte des Lobgesanges der Hanna, der Mutter des Samuel, und auf die Worte der Psalmen ihres Vaters David zurück, den Gott auch aus der Niedrigkeit erhoben, und von den Schafhürden weggenommen und ihn zum Fürsten seines Volks bestellt hatte. Sie endet ihr Lied mit dem Lob der Wahrhaftigkeit und Treue des Herrn in der Erfüllung seiner Verheißungen. V. 54.55.: „Er denkt der Barmherzigkeit, | ||
| - | |||
| - | V. 57. „Und Maria blieb bei ihr bei drei Monden.“ In aller Weise freundlich war mit diesem dreimonatlichen Aufenthalt der Maria bei der Elisabeth im Hause des Priesters Zacharias für das beiderseitige Bedürfnis ihrer Herzen und für die Ehre der Maria gesorgt. Nach Ablauf dieser drei Monate, also kurz vor der Niederkunft der Elisabeth, kehrte sie nach Nazareth wieder heim. | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Geliebte in dem Herrn! Soll ich es in wenig Worte zusammenfassen, | ||
| - | |||
| - | Derselbige Glaube aber, der das Herz selig macht, reinigt es auch. Er wurzelt in der Demut, und seine Frucht ist die dankbare und neidlose Liebe. War etwas an der Maria, was der Herr ansah, da Er sie wählte, die Mutter des Erlösers zu werden, so war es vor Allem dies, dass sie in ihren eigenen Augen niedrig und vor dem Angesicht Gottes demütig war. Darum musste der Engel Gabriel vor vielen hohen, vornehmen und stattlichen Jungfrauen in Jerusalem und in den Städten des jüdischen Landes vorübergehen, | ||
| - | |||
| - | Der seligmachende Glaube wurzelt in der Demut und seine Frucht ist die dankbare und neidlose Liebe. Der Begnadigte weiß, wofür er dem Herrn zu danken und Ihn zu loben hat. Der Begnadigte ist reich und auch in Trübsal nicht verlassen, nicht ohne mächtigen Halt göttlichen Trostes. Gewiss ist, dass, wenn uns Alles genommen würde, und nur die Gnade Gottes uns bleibet, dass wir an ihr genug haben, wie auch der Apostel in seinem Leiden damit aufgerichtet wurde, dass es zu ihm hieß: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ Gewiss aber auch, dass, wenn Gott diejenigen, die Er zu Gnaden angenommen hat, auszeichnen will mit Gaben und Ehren und Vorzügen nach seiner freien Gnade und Macht, dass auch die höchsten Auszeichnungen dem nicht schaden, der in der Demut bleibt, und in dem, was er empfangen hat, nicht Gefallen an sich selber hat, sondern es Gott dem Herrn, von dem er es empfangen, in dankbarem Lob zurückgibt. In demselben seligmachenden Glauben an die freie Gnade empfangen wir auch Licht und Kraft, da wo wir Andere gesegnet und hochbegnadigt und vorgezogen sehen, unser Herz zu bewahren, wie vor dem Neid darüber und Stolz, der sich in der Herabsetzung der Gaben Anderer wohlgefällt, | ||
| - | |||
| - | {{tag> 3_Advent }} | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ======Körber, | ||
| - | |||
| - | (Dritter Advent 1871.) | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Text: Matth. 25,31-46.\\ | ||
| - | **Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; | ||
| - | |||
| - | Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. So hat ein großer Dichter gesprochen. Aber dieses Wort ist, so schön es auch klingt, genau betrachtet, nicht wahr. Der Mund der ewigen Wahrheit redet anders. Freilich richtet Gott schon in dieser Zeit die Menschen; Gott lässt das Böse nicht ungerächt, sondern greift richtend und strafend ein in die Geschichte der Völker im Großen und in die Geschichte jedes einzelnen Menschen im Kleinen; und diese Gerichte Gottes sind oft so gewaltig und in die Augen fallend, dass die Menschen sich demütigen und beugen und ausrufen müssen: Das ist Gottes Finger! Fürchtet Gott und gebt Ihm die Ehre! Aber ganz und endgültig wird das Böse in dieser Zeit nicht gerichtet, so wenig als das Gute seinen ganzen Lohn findet. Der Gottlose grünt und blüht oft wie ein Palmbaum, und die Übeltäter wachsen und gedeihen; dagegen die Frommen sitzen oft in Dunkelheit und Finsternis, die den Herrn fürchten, müssen oft seufzen und weinen. Darum weist die ganze heilige Schrift Alten und Neuen Testaments mit heiligem Ernst unwidersprechlich klar und deutlich hin auf einen großen Tag der Rechenschaft, | ||
| - | |||
| - | Die Welt kommt einst zusammen \\ | ||
| - | Im Glanz der ew'gen Flammen \\ | ||
| - | Vor Christi Richterthron. \\ | ||
| - | Dann muss sich offenbaren, \\ | ||
| - | Wer die und jene waren,\\ | ||
| - | Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. | ||
| - | |||
| - | Des Menschen Sohn, der Weltheiland, | ||
| - | |||
| - | O Geliebte, dass doch diese Wahrheit uns nicht bloß ins Ohr, sondern ins Herz fallen möchte, so dass ernste Buß- und Belehrungsgedanken in uns aufsteigen und zur Reife gelangen, und wir unsere Seligkeit mit Furcht und Zittern schaffen. Wer weiß, wie nahe unser Ende ist? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie geschwind und wie behände wird kommen unsere Todesnot! Lasst uns besonders wachen und beten, dass wir nicht ergriffen werden von dem Geiste der fleischlichen Sicherheit und Trägheit, der im Genuss dieser Welt spricht: Mein Herr kommt noch lange nicht. O lasst uns allezeit wacker sein und beten, dass wir würdig werden mögen, zu entfliehen dem ewigen Verderben und zu stehen vor des Menschen Sohn. | ||
| - | |||
| - | Zu dem Ende wollen wir noch weiter miteinander reden | ||
| - | |||
| - | Von dem großen Tage des Gerichtes, | ||
| - | |||
| - | dieser Tag ist | ||
| - | |||
| - | - ein Ehrentag des Menschensohns, | ||
| - | - ein Tag der großen Scheidung und ewigen Entscheidung für alle Menschenkinder. | ||
| - | |||
| - | Herr Jesus Christus, du ewiger Gott und Heiland der Welt, du Richter der Lebendigen und der Toten! Du wirst wieder kommen in Kraft und Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Wir reden, im Herrn Geliebte, von dem großen Tage des Gerichts, und zwar: | ||
| - | |||
| - | =====I. dieser Tag ist ein Ehrentag des Menschensohnes.===== | ||
| - | |||
| - | „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Himmel, freue dich, und Erde, sei fröhlich! Das Meer brause und was darinnen ist, das Feld sei fröhlich und Alles, was darauf ist! Freue dich, Christengemeinde; | ||
| - | |||
| - | So hat es denn trotz aller Aufklärung und allen Fortschritts sein Verbleiben bei dem großen Grundsatz des göttlichen Reiches: Wer da glaubt an den Sohn Gottes, Jesum Christum, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. | ||
| - | |||
| - | Er kommt zum Weltgerichte, | ||
| - | Zum Fluch dem, der ihm flucht; \\ | ||
| - | Mit Gnad und süßem Lichte \\ | ||
| - | Dem, der ihn liebt und sucht. | ||
| - | |||
| - | „Des Menschen Sohn, Christus, wird kommen in seiner Herrlichkeit“. Bei seiner ersten Ankunft im Fleisch ist er nicht in Herrlichkeit gekommen, sondern er trug den Orden der göttlichen Majestät auf der Brust verhüllt unter dem Mantel der menschlichen Schwachheit und Niedrigkeit. Sein ganzer Lauf durch diese Welt war ein Weg der Entsagung, ein Pfad der Verleugnung, | ||
| - | |||
| - | Die Posaun' | ||
| - | Sprengt die Gräber jeder Zone, \\ | ||
| - | Sammelt Alle vor dem Throne. | ||
| - | |||
| - | Erd' und Tod wird schau' | ||
| - | Alle Kreatur sich heben,\\ | ||
| - | Antwort vor Gericht zu geben. | ||
| - | |||
| - | „Es werden vor ihm alle Völker versammelt werden.“ Alle Menschen vor Gottes Thron! Alle Geschöpfe vor dem Schöpfer! Alle Sünder vor dem Heiligen! Da kann Niemand sich verbergen, Niemand sich verstecken; die Allmacht Gottes bringt Alle herbei, keine Seele wird fehlen. Und wenn Einer sein ganzes Leben hindurch keine Versammlung in der Kirche unseres Gottes besucht hat, um ja nicht in die Reihe der Kirchgänger und Stundenleute gezählt zu werden: diese Versammlung vor Gottes Thron muss er besuchen; da helfen keine Entschuldigungen, | ||
| - | |||
| - | Der große Tag des Gerichts ist ein Ehrentag des Menschensohns; | ||
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| - | =====II. für alle Menschenkinder ein Tag der großen Scheidung und ewigen Entscheidung.===== | ||
| - | |||
| - | „Er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.“ Jetzt ist noch Alles durcheinander auf dieser Erde, Böse und Gute, Gottlose und Fromme, Gläubige und Ungläubige, | ||
| - | |||
| - | O Tag der großen Scheidung! du furchtbarer, | ||
| - | |||
| - | Seelen, lasst uns Gutes tun, \\ | ||
| - | Gutes, und nicht müde werden! \\ | ||
| - | Wann es Zeit ist, wird man ruh'n, \\ | ||
| - | O wie sanft, von den Beschwerden! \\ | ||
| - | Aber ruhen nicht allein, \\ | ||
| - | Dort wird auch die Ernte sein. | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Der Tag der großen Scheidung bringt aber auch mit sich eine ewige Entscheidung. „Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, | ||
| - | |||
| - | Im Fluch auf ewig brennen,\\ | ||
| - | Gott seinen Gott nicht nennen,\\ | ||
| - | O, das ist ja betrübt!\\ | ||
| - | Ach Gott, ich flieh gerade.\\ | ||
| - | Allein zu deiner Gnade,\\ | ||
| - | Mein Gott, der du die Welt geliebt! | ||
| - | |||
| - | Du hast den Sohn gegeben, \\ | ||
| - | Im Sohn ein ewig Leben; \\ | ||
| - | Im Sohn will ich dich fleh' | ||
| - | Dich fleh'n um deine Liebe, \\ | ||
| - | Dich fleh'n aus heißem Triebe:\\ | ||
| - | Lass mich das Heil in Jesu seh'n! | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | {{tag> | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ======Körber, | ||
| - | (Dritter Advent 1872.) | ||
| - | |||
| - | Lest: Luk. 3, 1-17.\\ | ||
| - | **In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberii, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war, und Herodes ein Vierfürst in Galiläa, und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa, und in der Gegend Trachonitis, | ||
| - | |||
| - | Wie ist es euch zu Mute, im Herrn Geliebte, bei diesem heutigen Adventstext? | ||
| - | |||
| - | Fröhlich soll meine Herze springen \\ | ||
| - | Dieser Zeit, \\ | ||
| - | Da vor Freud\\ | ||
| - | Alle Engel singen.\\ | ||
| - | Erd und Himmel, nehmts zu Ohren!\\ | ||
| - | Jauchzend ruft\\ | ||
| - | Alle Luft:\\ | ||
| - | Christus ist geboren. | ||
| - | |||
| - | Aber diese edle Weihnachtsfreude kann in den Herzen nicht entstehen und Raum gewinnen, wenn nicht zuvor die göttliche Traurigkeit in ernster Buße und Bekehrung eingezogen ist. Darum darf ein evangelischer Prediger nicht nur Liebes und Gutes, Süßes und Freundliches seiner Gemeinde verkünden; er darf nicht immer nur predigen: Friede, Friede! und ist doch kein Friede. O was wäre das ein Unglück für die Gemeinde und den Prediger! Wie könnten einst die eingeschläferten, | ||
| - | |||
| - | die Adventspredigt des Täufers Johannes am Ufer des Jordans. | ||
| - | |||
| - | Wir betrachten: | ||
| - | |||
| - | I. den Predigttext aus dem Propheten Jesaja. \\ | ||
| - | II. die Erklärung des Textes aus Johannis Mund und seine Anwendung auf das Volk. \\ | ||
| - | |||
| - | O großer Gott und Heiland aller Welt! Du willst nicht, dass Jemand verloren gehe; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Lass diesen deinen heiligen Liebeswillen an uns Allen, an jeder einzelnen Seele in dieser Gemeinde in Erfüllung gehen. Lass dazu die ernste Adventszeit uns gesegnet sein, rede du selbst mit einem Jeden von uns und lass uns Alle wohl bedenken, dass ohne Buße und Bekehrung kein Leben und keine Seligkeit zu finden ist. O Herr, rette unsere Seelen! o Herr, mach uns selig! Amen. | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | Wir betrachten die Adventspredigt des Täufers Johannes am Ufer des Jordans, und fassen zuerst den Predigttext. ins Auge. Ein jeder Prediger hat einen Text zu seiner Predigt, und zwar einen Bibeltext, um sich vor der Gemeinde zu legitimieren als Diener und Bote seines Gottes, und seinen Worten die rechte Weihe, den rechten Nachdruck, den rechten Geistesgehalt zu geben. Aus dem Texte schöpft und trinkt der Prediger selbst Wasser des Lebens, das er wiederum der Gemeinde gibt. So hat auch Johannes, der gewaltige Bußprediger in Israel, einen Text. Er predigt nicht nach den Einfällen seiner eigenen Vernunft und Fantasie, sondern wie es geschrieben. steht im Buch der Rede Jesajas, des Propheten. Die Stelle lautet also: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen“. Diese Worte bilden für Johannes den Text, nicht bloß seines Predigens, sondern seines ganzen Lebens; diese Worte sind der feste Grund und Boden, auf welchem Johannes steht, von welchem aus er ins Volk hinein ruft und zeugt und lockt zur Buße und Bekehrung. Nun ich will jetzt auch diese Worte als festen Grund und Boden unter meine Füße nehmen und in die Gemeinde hinein rufen: Bereitet den Weg des Herrn in euren Herzen, macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden! | ||
| - | |||
| - | Was heißt denn das? fragst du, mein lieber Zuhörer. Ein Tal liegt nicht auf der Höhe, sondern in der Tiefe. So gibt es viele Seelen, die liegen in der Tiefe, im Tal der Traurigkeit, | ||
| - | |||
| - | Auf, auf, gib deinem Schmerze \\ | ||
| - | Und Sorgen gute Nacht! \\ | ||
| - | Lass fahren, was dein Herze \\ | ||
| - | Betrübt und traurig macht. | ||
| - | |||
| - | Bist du doch nicht Regente, \\ | ||
| - | Der Alles führen soll. \\ | ||
| - | Gott sitzt im Regimente \\ | ||
| - | Und führt Alles wohl. | ||
| - | |||
| - | Alle Täler sollen voll werden, so hebt der Predigttext des Täufers lieblich an. Aber gar ernst heißt es weiter: alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden! Nichts steht dem Kommen des Heilandes in die Herzen so sehr entgegen als die Berge des Hochmuts, der Eigenliebe, der Selbstgerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Hinab, mein Herz, hinab! \\ | ||
| - | So wird Gott in dir wohnen. \\ | ||
| - | Die Demut lohnet er \\ | ||
| - | Mit gold' | ||
| - | Im Demutstale liegt \\ | ||
| - | Des Heil' | ||
| - | O wohl dem, der sie sucht, \\ | ||
| - | Hinab, mein Herz, hinab! | ||
| - | |||
| - | Alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist in den Herzen, verdreht, verkehrt und lügenhaft, soll richtig werden; und was uneben ist, holperig, rau und roh, soll ebener, schlichter Weg werden. So allein wird alles Fleisch den Heiland Gottes sehen; einen andern Weg als den Weg aufrichtiger, | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Wie hat nun der Täufer Johannes den gewaltigen Predigttext aus dem Propheten Jesaja selbst erklärt und auf das Volk angewendet? Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: „Ihr Ottern-gezüchte! wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?“ Was kommt ihr zu mir mit so selbstgerechten, | ||
| - | |||
| - | O meine Lieben, was ist das für eine Anrede an das Volk! Unsere Seele entsetzt sich darob, es möchten einem die Haare darüber zu Berge stehen! Ja wir in unserer feinen und gebildeten Zeit möchten versucht sein, dem Manne Gottes zu sagen: du redest unverschämt und grob. So wird es auch in den Herzen mancher Zuhörer des Johannes gelautet haben, absonderlich in den Herzen der Pharisäer und Sadduzäer. Aber ist es wahr, was Johannes sagt? das ist eine andere wichtige Frage, auf die wir mit Beschämung antworten müssen: Ja freilich ist es wahr, nur zu wahr! Wir gehören von Natur auch zu dem Volk, das Johannes mit Otterngezüchte angeredet hat; wir sind von Natur, ohne die Gnade des Herrn, ein arges und böses Geschlecht; unser Herz ist von Natur schlangenartig, | ||
| - | |||
| - | Er gibt Buße, Er gibt Glauben, \\ | ||
| - | Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. \\ | ||
| - | Wer sich nur will retten lassen, \\ | ||
| - | Der soll das Vertrauen fassen: \\ | ||
| - | Gnade strömt aus Jesu Wunden, \\ | ||
| - | Gnad ist auch für mich gefunden. | ||
| - | |||
| - | O, lasst uns Alle ein rechtes Vertrauen fassen zu diesem Jesus. Er kann uns in der heiligen Adventszeit zu einer wahren Buße und Bekehrung helfen, dass wir ein frohes Weihnachten erleben. Er ist der Stärkere, der nach Johannes. kommt; wer diesem Starken in die Arme läuft, und ans Herz sich legt, der kann in seiner Kraft auch die stärksten Bande der Sünde zerreißen, seine Lieblings- und Schoßsünden überwinden. Denn Er tauft mit dem heiligen Geist und mit Feuer. | ||
| - | |||
| - | Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße! Es ist nicht genug, Buße tun; es handelt sich auch um rechtschaffene Früchte der Buße. Wenn der himmlische Gärtner, Jesus Christus, am Baum deines Lebens keine Früchte findet, so ist auch keine Buße des Herzens vorhanden. Nicht Blätter der Buße, nicht Blüten der Buße, die am Ende taube Blüten sind und abfallen, sondern Früchte der Buße sucht und verlangt der Herr. Und zwar rechtschaffene Früchte, edle und gesunde Früchte. Ihr wisst, meine Lieben, gar manche Frucht hängt an den Bäumen, von außen ist sie ganz hübsch und schön anzuschauen, | ||
| - | |||
| - | Zum Schluss weist Johannes auf den großen Tag des Gerichts, und das sei auch unser Schluss. Es herrscht gegenwärtig ein Leichtsinnsgeist in der Welt. Die Menschen leben in den Tag hinein, als ob es keinen Gott, keine Ewigkeit, kein Gericht, keine Vergeltung gäbe. Sie essen und trinken, sie arbeiten und schlafen, sie treiben Sünde und Schande; sie lachen und scherzen, sie tanzen und spielen, sie laufen in die Gesellschaften, | ||
| - | |||
| - | Ach, mache du mich Armen \\ | ||
| - | In dieser Gnadenzeit \\ | ||
| - | Aus Güte und Erbarmen, \\ | ||
| - | Herr Jesu, selbst bereit! \\ | ||
| - | Zeuch in mein Herz hinein, \\ | ||
| - | Und wohn auf immer drinnen, \\ | ||
| - | So werden Herz und Sinnen \\ | ||
| - | Dir ewig dankbar sein. | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | {{tag> | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ====== Luther, Martin - Predigt am 3. Sonntag des Advents ==== | ||
| - | |||
| - | Matthäus 11, 2-10 | ||
| - | |||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, dass der Wind hin und her webt? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** | ||
| - | |||
| - | In diesem Evangelium sind zwei Stücke: das erste, wie Johannes seine Jünger aus dem Gefängnis zu Christus sendet, dass sie ihn hören, und seine Wunderwerke sehen, und ihn als den rechten Messias oder Christum annehmen sollen. Und dient uns dazu, dass wir unseres lieben Herrn Christi Wort auch gern hören, und für den höchsten Schatz achten sollen, an dem alle unsere Seligkeit gelegen ist. Das andere Stück ist eine Predigt, damit unser lieber Herr Christus nicht allein den Heiligen Johannes trefflich hoch rühmt und lobt, dass er ein Ausbund sei vor allen anderen Predigern, besonders weil er seines Amtes so fleißig wartet, dass er damals, da er im Kerker und Gefängnis war und selbst nicht predigen konnte, dennoch seine Jünger zu Christus sendet; sondern er schimpft auch die Juden ihres Unglaubens wegen, dass sie solchen Prediger so gering achten und nach seiner Predigt gar nichts fragen. Solches dient uns dazu, dass wir vor solcher Unart uns hüten, Gottes Wort nicht verachten, sondern es gern hören und uns darum besseren sollen. | ||
| - | |||
| - | Das erste nun, dass wir das Wort Christi fleißig hören sollen, ist dabei angezeigt, dass Johannes, da er schon im Gefängnis lag, alsbald er von den Wunderwerken Christi hört, seine Jünger zu ihm sendet, mit einem solchen Befehl, dass sie ihn fragen sollten: Ob er der sei, der da kommen sollte, von welchem Moses und alle anderen Propheten so viel geweissagt hätten und hernach im Neuen Testaments so viel gepredigt sollte werden? Das ist, ob er der verheißene Christus sei, von dem geschrieben stünde, dass er der Juden Reich und Moses Lehre sollte bestehen bis auf seine Zukunft; danach sollte Moses Lehre und Gottesdienst aufhören, und eine neue Lehre und neuer Gottesdienst angerichtet werden, nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Heiden in der ganzen Welt. | ||
| - | |||
| - | Wie denn solches war lauter und klar zuvor geweissagt. Darum, weil es bald, nach dem Johannes im Gefängnis war, angegangen, und der Herr Christus vom ewigen Leben und dem Reich Gottes jetzt predigte und Wunderwerke tat, wollte Johannes seine Jünger zu ihm weisen; schickt sie deswegen hin zu Christus, dass sie mit ihren Augen die Wunderwerke sehen und mit ihren Ohren die Predigt hören sollten, da so lange Zeit zuvor die Propheten von geweissagt hatten, dass sie Christus auf Erden bringen und sich also offenbaren würde. | ||
| - | |||
| - | Deswegen ist solches Schicken anderes nichts, denn als sagte Johannes also: Ich weiß es zwar wohl, dass er der rechte Christus ist, aber die Leute glauben' | ||
| - | |||
| - | Nun, was sagte aber Christus zu solcher Botschaft? Er sagt weder Ja noch Nein, da sie ihn fragten, ob ers sei; sondern antwortet bloß mit den Werken und spricht: Ihr sehts, hörts und greifts, dass ich es bin. Denn eben, wie Jesaja und andere Propheten geweissagt haben, dass Christus die Lahmen gerade, die Blinden sehend machen werde, so seht ihr jetzt vor euren Augen, bedürft also weiter keines Unterricht noch Antwort, wenn ihr euch nur wolltet recht auf das Wort schicken. | ||
| - | |||
| - | Das ist und eine schöne, herrliche und tröstliche Predigt, die alles sehr fein fasset, was man von Christus predigen kann, nämlich was er für ein König sei, und für ein Reich habe, nämlich ein solches Reich, da Blinde, Lahme, Aussätzige, | ||
| - | |||
| - | Moses ist der höchste Prediger, aber diese Kunst kann er nicht, dass er arme Sünder sollte trösten, ja, das Widerspiel tut er; denn alle seine Predigten lauten also: Du sollst und musst das Gesetz halten, oder verdammt sein. Da kommt dann ein Jammer: die ihre Sünde fühlen, und von der Sünde gern los wären, leben nach dem Gesetz, können aber nicht zufrieden sein, noch ein fröhliches Herz und Gewissen dadurch erlangen. Wie denn die Heiligen im Alten Testament klagen, so Moses Regiment überdrüssig sind, und ein herzliches sehnen nach dem Reich der Gnade, in Christus verheißen, haben. Als, Psalm 14,7.: «Ach, dass aus Zion die Hilfe über Israel käme, und der Herr sein gefangen Volk erlöste.» Und Psalm 102, 14.: «du wolltest dich auf machen, denn es ist Zeit, dass du ihr gnädig seist.» Wiederum die Heuchler meinen, wenn sie äußerlich das Gesetz halten, so dürfen sie kein Evangelium noch Christum, denken, es haben nicht Not, Gott müsse sie wohl wegen ihres Fastens, Betens, Almosen gebens wegen in den Himmel nehmen. Das sind die sicheren, satten Geister, die unseres Herrn Gottes und seiner Gnade nicht bedürfen. | ||
| - | |||
| - | Nun ist es wohl wahr, Moses Predigt muss man haben, und die Leute zu solcher äußerlichen Zucht und gutem Wandel vermahnen; eben wie man im Weltregiment Henker und Polizei darum haben muss, den wilden rohen Haufen zu strafen, wenn solche äußerliche Zucht nicht hält, sondern hurt, stiehlt, geizt, wuchert. Aber wenn das Stündlein kommt, dass du Sterben sollst, sage mir, was hilft dir Moses Lehre, wenn du dich gleich danach gehalten hast? Ist es nicht wahr, du musst bekennen, und sagen: Lieber Herr Gott, ob ich gleich kein Ehebrecher, Dieb noch Mörder gewesen bin, so begehre ich doch, du wollest mir gnädig und barmherzig sein, ich muss sonst auch bei allen meinen guten Werken verzweifeln. | ||
| - | |||
| - | Davon kann man in der Geschichte: «Leben der Väter» lesen. Es stand jemand drei Tage an einer Stätte, hob immer auf die Augen zum Himmel, seufzte und klagte. Als ihn aber seine Jünger fragten, was er hätte? Antwortete er: Ich fürchte mich vor dem Tode. Da fingen seine Jünger an, und erzählten, was er doch für ein strenges Leben geführt und sich so fleißig nach Gottes Geboten gehalten hätte, meinten, sie könnten ihn dadurch trösten. Aber er sprach: Ich sage euch, dass ich mich sehr fürchte; ich habe wohl, wie ihr sagt, mich fleißig nach Gottes Wort gehalten, noch kann ich solcher Furcht nicht los sein; denn ich weiß, dass Gottes Gerichte anders sind, denn der Menschen Gerichte. Dieser ist soweit gekommen, dass er gesehen hat, wenn die Züge kommen, die vor Gott und sein Gericht treiben, dass Gottes Gericht so scharf, ernst und schwer ist, dass unsere Heiligkeit und guten Werke den Stich nicht halten, noch wir damit bestehen können. | ||
| - | |||
| - | Deswegen, ob man das Gesetz gleich predigen, und sich in guten Werken ohne Unterlass üben, und nach dem Wort Gottes sich alle Zeit richten soll; doch wenn es soweit kommt, dass man sterben soll, so muss man sagen, wie dieser Vater: Ach Gott, wer hilft jetzt? Dieser ist der elenden auch einer, da hier von steht, aber er weiß nicht, woran er sich halten soll. Denn dies mangelt ihm, wovon der Herr hier sagt: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt.» Er sieht und hat nicht mehr, denn das Gesetz; und lässt ihm ein Böses Gewissen, in Angst und Not stecken, und kann alles nicht trösten. | ||
| - | |||
| - | Das Evangelium aber ist eine solche Predigt von Christus, die zu dem Sünder sagt: Mein Sohn, sei getrost und fröhlich, erschrecke nicht; denn du sollst wissen, dass Christus befohlen hat, den Armen, das ist, den elenden, betrübten Herzen, Gnade anzusagen, dass er seine Reinigkeit, die göttlich und ewig ist, für dich setzen, dich mit Gott zufrieden machen, deine Sünder abwaschen und vergeben wolle. Diese Gnade heißt er dir durch sein Wort anbieten; darum zweifle nicht, wie du hörst und glaubst du es nun, so wird es dir widerfahren. | ||
| - | |||
| - | So heißt nun Evangelium eine gnadenreiche, | ||
| - | |||
| - | Das, sagt Christus hier, ist mein Reich, ein ganz anderes Reich, denn als das Weltreich ist. Da geht es so zu, dass man dem Stärksten hilft und wie das Sprichwort lautet: Der Stärkere steckt den anderen in seinen Sack. Das Weltreich regiert nach der Schärfe mit dem Schwert, schlägt und haut überall um sich, es soll auch keine Laster und Untugenden leiden. Deshalb muss es Henker, Ruten, Schwert, Wasser, Feuer dazu haben, damit es überall strafen kann. | ||
| - | |||
| - | Aber hier im Reich Christi ist es ganz anders, dass hat nichts zu schaffen mit starken, Heiligen Leuten, sondern mit schwachen, armen Sündern, wie Christus spricht: «Die Blinden sehen, die Toten stehen auf.» Nun, Tote auferwecken ist ein großes Wunderwerk; aber dies Wunderwerk ist viel größer und herrlicher, obwohl es das Ansehen nicht hat, nämlich: dass Gott also die Welt liebt, dass er seinen Sohn gibt, den er von Ewigkeit dazu geordnet hat, dass er ein König der Sünder sei, denselben das Evangelium predige. Von solchem König und Evangelium predigt Moses und das Gesetz nicht. Da heißt es also: Wer ein Sünder ist, gehört in des Teufels und des Todes Reich. Das lautet, als sei unser Herr Gott ein König der Heiligen und Frommen, die eine größere Frömmigkeit haben, als es das Weltregiment fordert. Und es ist wahr. Denn Moses Reich ist auch unseres Herrn Gottes Reich, und die Predigt, die er führt, ist Gottes Wort. Eben wie auch das weltliche Regiment Gottes Reich genannt werden mag. Denn er will haben, dass es bleiben und wir uns in denselben gehorsam halten sollen. Es ist aber nur das Reich der linken Hand, da er Vater, Mutter, Kaiser, König, Richter, Henker hin setzt und ihnen das Regiment befiehlt. | ||
| - | |||
| - | Sein rechtes Reich aber, da er selbst ist und regiert, ist dies, dass den Armen das Evangelium gepredigt wird, in welchem du lernst, wenn es dahin kommt, dass deine Frömmigkeit dir nie helfen kann, damit du sprichst: Herr, ich habe getan, was ich gekonnt habe, meinem Vater, meinem Herrn treu gedient, niemand betrogen, nicht gemurrt, mein Haus, Kinder und Nächte treulich unterrichtet, | ||
| - | |||
| - | Also weissagt der Prophet Jesaja von Christus im 50. Kapitel, 4 da er, der Herr Christus, selbst spricht: «Der Herr hat mir eine gelehrte Zunge, gegeben,» das ist, Gott hat sein Wort auf meine Zunge gelegt, «dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden,» das ist, die blöden Gewissen recht trösten. Das legt hier der Evangelist aus, und sagt: Christus predigt den Armen das Evangelium. Denn darum und dazu ist er zum König gesetzt, dass er evangelisieren, | ||
| - | |||
| - | Darum so spricht der Herr weiter: «selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Denn an diesem König und seiner Predigt, an der sich jedermann freuen sollte, ärgert sich die ganze Welt. Wie wir in der Geschichte des Evangelium sehen, dass die Pharisäer, Schriftgelehrten, | ||
| - | |||
| - | Aber hier steht es: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Nun, hörst du Christum recht, nähmest sein Wort an, und du kommst in sein Reich, so würdest du erfahren, dass das Evangelium gute Werke nicht verbietet, wie die Katholiken an uns lügen; sondern die Christen lehrt und vermahnt, gute Werke zu tun, dass sie sich mit Ernst darum annehmen, dass sie gegen Gottes Wort und Gewissens sich nichts vornehmen; lässt die weltliche Obrigkeit bleiben, Kaiser, König, lässt den Henker das Schwert, Rute und anderes brauchen, was zur Zucht gehört. Warum ärgerst du dich denn an dem Heiligen Evangelium, und lästerst es, dass man nichts Gutes tun soll? Gute Werke verwirft noch verbietet das Evangelium nicht. Das aber verbietet es, wenn wir jetzt sterben, und in ein anderes Leben kommen sollen, und da keine Rat noch eine Hilfe ist, dass wir dann auf unser Leben und gute Werke nicht bauen noch trauen sollen; sondern uns nach dem Herrn Christus umsehen, mit festem Vertrauen auf sein Werk und Verdienst uns verlassen, dass wir durch ihn Gnade und ewige Seligkeit in jenen Leben finden sollen. | ||
| - | |||
| - | Denn eben darum hat uns Gott einen solchen Leib, mit so manchen guten Gliedern, gegeben, dass wir hier auf Erden nicht müßig sein, sondern mit den Füßen gehen, mit den Händen zugreifen, mit dem Mund reden, mit den Augen sehen sollen. Über das alles hat er auch sein Wort, die Zehn Gebote gegeben, dass wir unsere Werke alle danach richten, wieder seiner Ehre und unseres Nächsten Nutz nicht handeln sollen. Solches lässt das Evangelium nicht allein geschehen, sondern heißt auch, wir sollen es fleißig tun. Wenn aber der Mensch jetzt bloß und allein ist, und aus dieser Welt vor Gottes Gericht kommen soll, da befiehlt das Evangelium nach einen anderem Trost umsehen, da du deine Hoffnung und Herz drauf stellen und gründen kannst. | ||
| - | |||
| - | Darum hast du wohl gelebt: ist recht und gut, danke Gott darum; aber verlasse dich im Sterben nicht darauf, als sollte Gott dir dafür den Himmel geben; sondern halte dich hier zu diesem König, unserem Herrn Christus Jesus, der, wie der Evangelist hier meldet, das Amt haben soll, dass er die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend machen, die Toten auferwecken, | ||
| - | |||
| - | Die nun ihn dafür nicht ansehen, noch von ihm Gnade erhoffen, sondern sich an ihm und seiner Lehre ärgern und ihn verachten, wie die Juden taten und die Heuchler auch noch heute tun, denen wird er zu seiner Zeit es richten. Und ist eben das der Ärgernisse eins, dass die Welt sich an der Lehre Christi ärgert, dass sie nicht will auf Gottes Gnade, sondern auf ihr eigenes Werk und Verdienst sich verlassen. Schimpft deswegen das heilige Evangelium, es sei eine verführerische Lehre, die gute Werke verbiete, die Leute böse und wild mache. | ||
| - | |||
| - | Zum anderen ärgert sich die Welt auch an dem an Christus, dass er so ganz arm und elend ist; also, dass er das Kreuz trägt und sich daran hängen lässt: also vermahnt er auch seine Christen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen, und ihm also durch allerlei Anfechtung Trübsal nachzufolgen. Solchem ist die Welt immer feind, scheuen sich davor, und eben wie man sieht, wenn wir das Evangelium bekennen, und um des Evangeliums willen etwas wagen oder leiden sollen, dass sie mit großen Haufen dahin fallen, wie das wurmstichige Obst im Sommer. | ||
| - | |||
| - | Zum dritten heißt das auch ein Ärgernis, wenn wir uns mehr an unser Herz und Gewissen kehren, wie wir uns fühlen, denn an das Evangelium von Christum; das ist, wenn uns unser Tun und Lassen mehr anficht und bekümmert, denn die Gnade unseres lieben Herrn Jesu Christi, im Evangelium verkündigt, | ||
| - | |||
| - | Also ist der liebe Herr Christus überall in der Welt ein ärgerlicher Prediger; wie er nach diesem Evangelium noch klarer meldet, dass die Leute an diese Predigt sich stoßen, und sie verachten werden und verfolgen. Was aber die Welt für ein Urteil darum muss ausstehen, zeigt die schreckliche Predigt an wider die drei Städte, Kapernaum, Chorazin und Bethsaida; also, die ernste Klage Christi wider die Juden, da er spricht: Johannes ist ein strenger Prediger gewesen, aß nur wilden Honig und Heuschrecken, | ||
| - | |||
| - | Solche Ärgernisse muss man leiden. Denn so es damals, als der Herr Christus selbst gepredigt, und mit Wunderzeichen geregnet und geschneit hat, dass die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gerade, die Aussätzigen rein, die Toten wieder lebendig geworden sind, nicht hat helfen wollen; sondern das Wort ist gleichwohl verachtet, und er, der liebe Herr Christus, darüber an das Kreuz geschlagen, und die Apostel aus dem jüdischen Land verjagt worden sind, und nirgend in der ganzen Welt um dieser Predigt willen sicher sein konnten: was wollen wir denn sehr darüber klagen? Und was für ein Wunder ist's, dass die Welt das heilige Evangelium und rechtschaffene Prediger zu unserer Zeit so verachtet und mit Füßen tritt. Ist es doch damals Christus, unserem Herrn, selbst und den Aposteln nicht anders gegangen, welche nicht allein das Wort führten, sondern auch noch treffliche große Wunderzeichen taten, die wir nicht tun, sondern allein das bloße, ärgerliche Wort führen. | ||
| - | |||
| - | Deswegen müssen wir uns daran gewöhnen und geschehen lassen. Denn dem Evangelium wird es nie anders gehen. Es ist und bleibt eine Predigt, daran sich nicht allein nur geringe Leute stoßen, sondern die heiligsten, frömmsten, weißesten, gewaltigsten auf Erden, wie die Erfahrung zeigt. Wohl aber denen, die wissen und glauben, dass es Gottes Wort ist; die sind genesen, getröstet und gestärkt wider alle solche Ärgernisse. Die es aber nicht wissen, blasen sich auf ihrer guten Werke willen, fallen von diesem Wort auf ihre eigene Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Das ist nun das andere Stück, dass wir hier merken sollen: dass das Evangelium eine Lehre und Predigt für die Armen ist, das ist, für die betrübten, geänstigten Gewissen, die ihr Elend und Jammer fühlen, sich vor Gottes Zorn und Gericht entsetzen und erschrecken; | ||
| - | |||
| - | Vor solchem Ärgernis, wie gesagt, warnt Christus sein Häuflein und spricht: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Als wollte er sagen: Wenn ihr nun seht und erfahret, dass die Welt sich an meinem Wort ärgert, euch, die ihr es bekennt, darüber verfolgen wird, so lasst euch nicht beirren noch anfechten, sondern denkt: ist es doch Christus, Gottes Sohn, unserem Herrn, selbst auch so gegangen. Und ob er wohl so gewaltig predigte, und so viel herrliche große Wunderzeichen tat, hat es ihn dennoch nichts geholfen. Und das wir ja andächtig sein sollten, nicht uns der Welt Weisheit, Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Weil es denn unseren lieben Herrn Christus Jesus selbst begegnet ist, dass sich sein eigenes Volk, dem er verheißen und gesandt zum Heiland war, an ihm geärgert hat, und ob sie wohl seine herrlichen, großen Wunderzeichen sahen, die er vor ihren Augen tat, sich dadurch trotzdem nicht bewegen lassen, seiner Predigt zu glauben und ihn anzunehmen, ja, haben ihn gekreuzigt und ermordet: so mögen wir wohl schweigen und nicht klagen, wenn wir um des Evangeliums willen auch verachtet, verlacht und verfolgt werden. Solche Lehre vom Ärgernis ist uns nötig, besonders in diesen Zeiten, da jedermann das Evangelium lästert und sich daran ärgert. | ||
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| - | Also haben wir aus dem heutigen Evangelium eine treffliche und hohe Lehre, an welcher unsere Seligkeit und das ewige Leben gelegen ist, nämlich, dass wir lernen, wie Christus ein König der Gnaden und alles Trostes sei, der den Armen betrübten Gewissen durch sein Evangelium freundlich zusprechen, und sie in Sünden trösten, und ihnen zum ewigen Leben helfen will. Denn, obwohl das strenge weltliche Regiment auch Gottes Reich ist, so ist es doch nur ein linkes Reich, dass einmal aufhören soll. Dies aber ist sein rechtes und ewiges Reich, dass zu uns kommt durch das Wort, wenn wir, so der Sünde und des Todes Last drückt (denn solchen wird es gepredigt), dasselbe annehmen und glauben. Das tröstet und versichert uns denn, dass wir gewiss auf Christus dahin fahren sollen, und mit gewisser Zuversicht sagen: Ich glaube an meinen Herrn Jesus Christum, der die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig gemacht. Das Wort habe ich, und bin deswegen gewiss, dass er mich in meinen höchsten Nöten nicht stecken lassen, sondern mich aus dem Tod und des Teufels Reich ins ewige Leben und Himmelreich führen wird. Denn darum ist er Mensch geworden und zu mir auf Erden gekommen, dass er mich armen, elenden Sünder durch sein Evangelium trösten und mir von Sünde und Tod in Ewigkeit helfen will. Alle nun, die solches von Herzen glauben, die fahren dahin aus diesen Jammertal in die ewige Freude und Seligkeit. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen. | ||
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| - | ======Melanchthon, | ||
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| - | Der Hauptgegenstand dieses Vortrags soll die Lehre vom Messias und Seinem Reiche und der daraus hervorgehende Trost, im Gegensatze gegen menschliche Einbildungen davon sein. Die Juden träumten, es werde der Messias ein weltlicher König sein. Auch wir mögen wohl dem Traum von einem blühenden Zustande der Länder und Staaten uns hingeben, wofern wir nur das Evangelium von Christus festhalten. Es war auch die Veranlassung zu der von den Jüngern des Täufers hier vorgelegten Frage keine andere, als weil sie, bei dem Anblick der niedrigen Erscheinung Christi, den sie gleich einem Arzte und Synagogenlehrer umherziehen sahen, schwankten, ob sie Ihn wirklich für den Messias zu halten hätten. Aber nicht bloß zur Widerlegung politischer Träume jener Zeiten ist dieser Text bestimmt, sondern er soll, seiner allgemeinen Bestimmung nach, uns Trost gewähren bei dem kampfvollen, | ||
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| - | Im Anfange des Textes geschieht des Gefängnisses Johannis Erwähnung. Johannes hatte das Lehramt, zu dem er besonders berufen worden war, ungefähr zwei Jahre lang öffentlich verwaltet. Ins Gefängnis aber wurde er geworfen, weil er dem Herodes Antipas Vorwürfe gemacht hatte, dass er die Gemahlin seines Bruders Philippus widerrechtlich an sich gezogen, und mit ihr in blutschänderischem Umgange lebte. In diesem Gefängnisse wurde er einige Zeit verwahrt, und seine Schüler konnten ihn besuchen und sich mit ihm unterreden. Denn die gebildeten Völker vergruben die Menschen nicht in unterirdische Turmverließe, | ||
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| - | Weiter heißt es im Texte: „Den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Das Wort „Evangelium“ braucht aber die göttliche Offenbarung, | ||
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| - | Es folgen im Texte die Worte: „Selig ist, der sich nicht an Mir ärgert.“ Der Sinn ist: Selig ist, wer an Meiner armseligen, niedrigen Erscheinung nicht irre wird, an ihr keinen Anstoß, kein Ärgernis nimmt. Ohne Zweifel entlehnte Christus diesen Ausdruck aus dem Jesaja, der in einer Weissagung vom Messias spricht: „Er wird sein ein Stein des Anstoßes und ein Fels der Ärgernis den zweien Häusern Israels, zum Strick und Falle den Bürgern zu Jerusalem, dass ihrer Viel sich daran stoßen, fallen, zerschellen, | ||
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| - | Aber auch bei dem genommenen oder uneigentlich so genannten Ärgernis gibt es Grade. So nimmt man z. B. Ärgernis aus Schwachheit, | ||
| - | dass man ihre irrigen Meinungen antastet, ihrer Gewinnsucht entgegen tritt, und nun halsstarrig der Wahrheit sich widersetzen. | ||
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| - | Man könnte jenen Schluss auch so bilden: Wer Ursache zum Ärgernis gibt, handelt böse; Christus gibt Ursache zum Ärgernis, folglich handelt er böse. Wahr ist der Obersatz, bezogen auf gegebenes Ärgernis, weil es etwas an sich Schlechtes ist, nämlich böse Grundsätze, | ||
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| - | Der zweite Satz aber in jenem Schlusse handelt vom genommenen Ärgernis, welches man ohne einen lauteren Grund nimmt, wie z. B. Vielen die Reden und Aussprüche Christi ärgerlich sind, weil sie über die Vernunft hinaus gehen, und sich nicht mit den vorgefassten Meinungen, die von den Meisten hartnäckig verteidigt werden, vertragen. Vielen ist der leidende Christus ein Anstoß und Ärgernis, gleichwie selbst Petrus es nicht begreifen konnte, dass der Messias sterben müsse. Deshalb sprach er auch, als er vernahm, dass Christus leiden werde: „Herr, schone Dein selbst!“ Aber er muss das harte Wort vernehmen: „Hebe dich, Satan, von Mir!“ (Matth. 16, 22 f.) Nie ist ein strengerer Ausdruck des Tadels im Evangelium an ein Glied der Kirche gerichtet worden, als dieser an Petrus gerichtete ist. Bei vielen anderen aber ist es nicht Schwachheit, | ||
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| - | Wenn uns auch die Papisten vorwerfen, dass wir Lutheraner durch unsere Trennung von der römischen Kirche Ärgernisse veranlasst, und mithin übel gehandelt: so ist ihnen zu entgegnen, dass man allerdings vermeiden muss, durch eine Handlung Ärgernis zu geben, aber nur, inwiefern man sich dieselbe überhaupt niemals erlauben darf. Desgleichen ist: Anderen Schaden zufügen, oder durch verwerfliche Mittel, als falsche Lehrsatze, böses Beispiel, Unordnung und Zerrüttung anrichten. Anderer Art hingegen sind die pharisäischen Ärgernisse, | ||
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| - | So kann Spaltung in der Kirche allerdings Entschuldigung für sich haben, nie aber Aberglaube, - und obgleich Paulus spricht: „Tut Alles zur Ehre Gottes, und seid der Kirche nicht ärgerlich“ (1. Kor. 19, 31.): so trifft doch jener Vorwurf der Papisten wegen unserer Trennung von der römischen Kirche unsere Kirche nicht; es ist ein pharisäisches Ärgernis! Bei einem Solchen aber muss man unterscheiden, | ||
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| - | Weiter sagt Christus: „Johannes sei nicht ein Rohr, das vom Winde hin und her geweht werde.“ Dieses Bild bezeichnet einen Menschen, der aus bloßer Sucht nach dem Neuen Etwas unternimmt. Denn alle menschliche Einrichtungen und Unternehmungen außer dem göttlichen Worte sind dem Schilfrohre gleich, das vom Winde hin und her geweht wird, und es zeigt zuletzt der Erfolg, dass jener Ausspruch Christi wahr sei: „Alle Pflanzen, welche Mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerottet“ Matth, 15, 13., und: „Was nicht aus Gott ist, wird vergehen.“ Johannes hingegen ist nicht ein von dem Winde hin und her gewehtes Rohr, d. h., der aus bloßem Streben nach Neuerungen ein neues Institut gegründet. | ||
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| - | Zugleich aber stellt jenes Bild die Unbeständigkeit Derer vor Augen, welche ihre Absichten oder Lehre ihren Leidenschaften oder dem Beifall der Menge und der Mächtigen anbequemen. Wiewohl dieser Fehler richtiger auf das folgende Glied zu beziehen ist, wo Christus sagt: „Johannes sei nicht Einer, der in weichen Kleidern einher gehe.“ Er will nämlich ausdrücken, | ||
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| - | Aesop soll dem Solon auf die Frage, wie er mit dem Krösus reden solle, geantwortet haben: Entweder möglichst wenig, oder möglichst schmeichlerisch! Und ein in italischer Sprache geschriebenes Büchlein: vom Hofleben, betitelt, in welchem Viel von den Hofkünsten gesprochen wird, enthält unter Anderm auch diese Worte: | ||
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| - | Gib, nimm an, frage, sehr Viel, Wenig, Nichts; | ||
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| - | welche also zu verbinden sind: Gib möglichst Viel, nimm Wenig an, frage und bekümmere dich um Nichts; oder: „Wer zu Hof Viel fragen und reformieren will, der lauft scheußlich an,“ und nicht ohne Grund hat man gesagt: „Wer fromm sein will, meide den Hof.“ | ||
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| - | Wohl beruft Gott auch Fürsten und andere fromme Menschen, welche mit ihnen an den Höfen leben, zur Gemeinschaft der Kirche. Solche halten an Gott, und gewähren der Kirche Schutz und Pflege. Jedoch sind diese zu einer Zeit die Mehreren, zur andern die Wenigeren. Jedoch schenkt Gott nach Seiner Güte immer Einige, wie geschrieben steht: „Die Könige der Heiden werden Ihn anbeten“ (Psalm 72,11.); und: „Wenn die Völker zusammen kommen, und die Königreiche, | ||
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| - | Ein solcher Zustand ist in diesem geistesschwachen, | ||
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| - | Was die Worte betrifft: „Das Himmelreich leidet Gewalt, - so sind sie eigentlich so zu erklären: Das Himmelreich bricht mit Macht hervor, schreitet kräftig vorwärts, erweitert mit Gewalt seinen Umfang, und zwar nicht mit Hilfe physischer oder politischer, | ||
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| - | Bisher hat Er vom Himmelreich, | ||
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| - | Es liegt demnach zugleich die Aufforderung in diesen Worten, dass fromme Christen wacker und beharrlich fortfahren sollen, die Wahrheit des Evangelium zu behaupten, zu reinigen, zu schützen, keinen Drohungen oder Schrecknissen der Feinde zu weichen, keinen Kampf, keine Gefahr zu fliehen, welche das Bekenntnis notwendig herbeiführt. Denen, welche solches tun, ist die Verheißung gegeben, dass sie einst ewige Bürger des Reiches Gottes sein sollen, nach dem Ausspruche: „Gott, der das Wollen gibt, wird auch das Vollbringen geben“ (Philipp. 2, 13.). Es lässt sich nicht mit Worten sagen, wie Wohltuend der Inhalt beider Glieder dieses Ausspruches, | ||
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| - | Darauf, als das Evangelium unter den Heiden ausgebreitet worden, gedachten Nero, Diokletian und Julian den Christennamen zu vertilgen, und alle ihre Absichten und Unternehmungen waren darauf gerichtet, das Evangelium auszurotten; | ||
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| - | Das ist eine weit stärkere Macht, als wenn weltliche Herrscher Heere zusammen ziehen, um ihre Feinde zu durchbrechen; | ||
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| - | Es erinnert uns aber auch jenes Wort: „Und die Gewalt tun, reißen es zu sich,“ an unsere Pflicht, dass wir nicht träge noch müßig, nicht schläfrig noch verzagt seien, sondern der Widerwärtigkeiten und Hindernisse, | ||
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| - | Von einem Zwange, einer Notwendigkeit, | ||
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| - | Immer reißen es also die, so Gewalt tun, zu sich, d. h., in welchen nicht ohne Kampf und Ringen die ersten Funken des Glaubens entzündet worden sind, die fahren auch unter göttlicher Mitwirkung fort, und lassen sich nicht hindern. Wende solches Jeder auf sich besonders an! Gott hat dir Gnade verliehen, dass du nicht ein epikurisch gesinnter Verächter des göttlichen Wortes bist; du hast schon ein Fünklein des Glaubens, du vernimmst die Stimme des Evangelium, und möchtest doch gern, dass dein Glaube lichte Flamme werde; du fühlst deine Schwachheit; | ||
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| - | So viel zum Verständnis der Worte: Es wird daraus einleuchtend, | ||
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| - | Lasst uns noch auf einige Hauptpunkte in unserer Erzählung aufmerksam machen. Der erste ist: das Beispiel der Befestigung schwacher Gemüter, welche Wunsch und Verlangen zu lernen, haben, gleichwie die Jünger des Johannes hier zu Christo gesandt werden, um sich von ihm befestigen und in der Erkenntnis der Wahrheit fördern zu lassen. Lasst uns beherzigen, dass in der Kirche, d. h. eben in der Gesellschaft der zu Gott bekehrten Christen zu allen Zeiten große Schwachheit herrschte. Ja in den Heiligen selbst wohnt noch große Dunkelheit. | ||
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| - | Wir sehen, mit welchen Schwierigkeiten wir bei der Beurteilung der Dinge zu kämpfen haben, welche die menschliche Vernunft einigermaßen begreifen kann. Um wie viel größer ist unsere Schwachheit, | ||
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| - | Gar schwach ist Anfangs das Fünklein des Glaubens in uns. Es will jedoch Gott, dass wir allmählig fortschreiten sollen, denn es heißt: „Wer da hat, dem wird gegeben werden!“ (Matth. 25, 29.) und ein altes Wort sagt: „Der Mensch schreitet entweder fort, oder er geht zurück. Dieß gilt von jeder Kunst schon, wo man bei unterlassener Übung leicht einrostet. Weit mehr aber fordert es die Sache bei den Übungen unsres Glaubens, dass wir nach Fortschritt streben. Denn die menschliche Natur ist im Allgemeinen so beschaffen, dass sie nicht in demselben Zustande verharrt, und wo wir nicht vorwärts schreiten, da werden wir je mehr und mehr unseren Rückschritt inne. - | ||
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| - | Was die Frage betrifft, ob Johannes in Christus Zweifel gesetzt, so behaupte ich, dass er eben so wenig gezweifelt habe, als ihm die Person Christi unbekannt war. Er sandte daher nicht um seinetwillen, | ||
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| - | Mild und freundlich aber nimmt sie Christus auf, ganz übereinstimmend mit dem Ausspruche des Paulus: „Den Schwachen im Glauben nehmet auf, und verwirret die Gewissen nicht.“ (Röm. 14, 1.) Die Schwachen aber sind es eben, welche gelehrig sind, und nach Fortschritt streben. Die Anderen, die sich nicht mögen belehren lassen, und der erkannten Wahrheit widerstreben, | ||
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| - | Der zweite Hauptpunkt enthält die Zeugnisse, welche Christus in Seiner Antwort anführt, um die Jünger des Johannes zu befestigen: Einmal, dass Er der gesendete Messias sei, dass Er aber auch der nämliche Messias sei, von dem die den Vätern gegebenen Verheißungen reden, und dass kein anderer Messias zu erwarten sei. Er bedient sich aber auch solcher göttlicher Zeugnisse, welche in den prophetischen Weissagungen vorher verkündigt worden waren, denn Er legt ihnen diesen Vernunftschluss vor: Es ist vorher verkündigt worden, dass der Messias bei seinem öffentlichen Auftreten mit diesen Wundergaben ausgerüstet sein werde: „Die Lahmen werden gehen, die Blinden sehen, die Toten werden auferstehen.“ Ihr seht nun, dass Gott Meine Berufung durch solche Zeugnisse bestätigt; darum sollt ihr also wissen, dass Der der Messias ist, den ihr seht. Hierher gehört die Lehre von den Wundern. Gott, will in Seinen Werken erkannt werden, nicht nur in denen, welche Er an die Gesetze der Natur gebunden, sondern auch in denen, welche Er aus ihrem Zusammenhange heraus gestellt hat. Die ersteren bilden die gesamte Naturordnung. Die außerordentlichen Werke aber sind die Wunder, welche uns zeigen, dass Gott nicht an Mittelursachen gebunden, sondern ein durchaus frei waltendes Wesen ist, und diese Naturordnung abändern kann. Solche Werke verbindet Gott mit Seinem Worte, weil es der Vernunft unbekannt ist. | ||
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| - | Solche Werke führt nun Christus auch von Sich an, und auch wir sollen jene Zeugnisse unablässig beherzigen und uns alle die vorhalten, welche vom Anbeginn der Kirche an ergangen sind, und uns durch das Wort Gottes und die von Gott beigefügten Zeugnisse befestigen. - | ||
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| - | Christus schließt hier an die übrigen Wunder die Bemerkung an: „dass den Armen das Evangelium gepredigt wird.“ Er drückt damit aus, dass die Predigt des Evangelium an die Armen nicht nur an sich das größte Wunder sei, sondern auch, dass die übrigen Wunder zu dem Zwecke geschehen, damit die Kirche gesammelt und das menschliche Geschlecht zu Gott bekehrt werde. Solche Güte Gottes nun, der Seinen Sohn zur Sammlung der Kirche sendet, wollen wir zu Herzen nehmen, und die Überzeugung fest halten, dass der Sohn Gottes das „Wort“ und das „Leben“ sei, und dass das Menschengeschlecht gänzlich untergegangen sein würde, wofern nicht wäre beschlossen worden, dass der Sohn Gottes unsere menschliche Natur annehmen, sich zu uns gesellen und uns das Leben erwerben sollte. Dieser Ratschluss in Ansehung unserer Rettung aber wird durch die Predigt des Evangelium kund getan, durch welche auch die Kirche, wie auch die Macht der Welt und des Teufels sich dagegen setze, gesammelt, und nicht nur gesammelt, sondern auch erhalten wird, wenn ihr auch kein menschlicher Schutz zu Gebote stände. Nicht ohne Grund zählt also Christus dieses Wunder den übrigen bei. Unter den „Armen“ sind zu verstehen die Armen am Geiste, d. h. die, welche um ihrer Sünden willen in tiefem Schmerz gebeugt sind, von denen es auch bei dem Propheten heißt: „Wo wird der Herr wohnen, außer bei denen, so zerschlagenen, | ||
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| - | Sodann mag man diese Benennung der Armen auch auf den Zustand der Kirche anwenden, welche keinen Schutz und Verteidigung von äußerer Herrschaft und weltlicher Macht zu erwarten hat. Ein treffliches Bild davon ist im Zacharias, das uns unablässig vor Augen stehen sollte. Das Volk war aus Babylon heimgekehrt, | ||
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| - | Der dritte Hauptpunkt betrifft das Amt des Johannes, von dem hier Christus sagt: „Unter Allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, | ||
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| - | Aber warum setzt Christus hinzu: „Der aber der Kleinste ist im Himmelreich, | ||
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| - | Am meisten aber hat der Sohn Gottes Seine Demut gezeigt, als Er die menschliche Natur annahm, und Sich unter alle Kreaturen erniedrigte, | ||
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| - | Aus der Betrachtung dieser Stelle ergibt sich, dass Christus etwas Besonderes ausdrücken wollte, wenn Er Sich „den | ||
| - | Kleinsten im Himmelreiche“ nannte, und wenn auch dies weit über menschliche Fassungskraft hinaus liegt, so muss es uns doch antreiben, dem Sohn Gottes brünstig zu danken, dass Er Sich auch um unsertwillen so tief erniedrigt hat. Zugleich wollen auch wir aus diesem Bilde der vollkommensten Demut ein klein wenig Geduld, ich will nicht einmal sagen Demut, lernen, und unseren abscheulichen, | ||
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| - | Der letzte Hauptpunkt betrifft das Wort: „Das Gesetz und die Propheten haben geweissagt bis auf Johannes; | ||
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| - | Hier muss man das Wesentliche der Lehre von den Teilen des Gesetzes wiederholen, | ||
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| - | Was nun die erste Behauptung betrifft, so ist es wahr, dass das Ewige nicht aufhört, nämlich das, was in Gott selbst ist; denn das ist unveränderlich. Was aber außer Ihm ist, betreffe es nun bürgerliche oder kirchliche Einrichtungen, | ||
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| - | Eben so reichen auch die Propheten bis auf Johannes, d. h. die Propheten haben von der Ankunft des Messias geweissagt. Diese Weissagungen sind jetzt erfüllt, und gleichermaßen wird auch was die Propheten von der Bedeutung des Gesetzes gelehrt haben, im Reiche des Messias erfüllt werden. Ja es wird endlich das Ende des ganzen levitischen Amtes eintreten, nicht nur in Ansehung der Zeremonien, sondern auch der Belehrung über die äußere bürgerliche Zucht, insofern sie sich auf die mosaische Verfassung bezieht, weil die Heiligen im neuen Bunde das haben werden, was das Gesetz vorschreibt, | ||
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| - | Das Zeremonialgesetz handelt nicht von Dem, was in uns ist, sondern von äußern Gebräuchen, | ||
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| - | Das bürgerliche Gesetz ist die zum Frieden unentbehrliche äußerliche Zucht eines äußerlichen Vereins. Auch dieses bezieht sich auf äußerliche Handlungen, im bürgerlichen Leben nämlich, gleichwie sich das Zeremonialgesetz auf den äußerlichen Cultus im kirchlichen Leben jenes Volks bezog. Auch die bürgerlichen Gesetze sind ein Ausdruck des göttlichen Willens, weil Alles, was die Förderung äußerer Zucht betrifft, Zeugnis ist, dass Gott die Sünden hasst und straft; denn Gott will, dass die bürgerliche Gerechtigkeit von Seiner eigenen Gerechtigkeit zeugen soll, und straft, nach den Lehren der Geschichte, da, wo die Obrigkeit Verbrechen nicht straft, die Obrigkeiten und ihre Untergebenen selbst. | ||
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| - | Wiewohl aber die bürgerliche Gerechtigkeit ein Zeugnis von Gott ist, so ist doch die bürgerliche Zucht selbst noch nicht jenes Ewige, was das Sittengesetz als wesentlich fordert. Der Wille Gottes hat den Zeremoniendienst, | ||
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| - | Aber redet Paulus nicht auch vom Sittengesetz, | ||
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| - | Auch folgt daraus, dass Gott die Sünden vergibt, keineswegs, dass falsch sei, was in Maleachi (3, 6) gesagt wird: „Ich bin der Herr, der Unveränderliche!“ Gott wendet Sein Missfallen von denen, die an Seinen Sohn glauben; jedoch verändert Er Sich darum nicht, weil Er ja beschlossen hat, denen, welche Buße tun und an den Sohn glauben würden, die Sünde zu vergeben. So bleibt auch das Sittengesetz ewig und unveränderlich, | ||
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| - | Dieß Alles ist auch in dem Ausspruche Christi enthalten: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, | ||
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| - | Richtig wird auch gesagt: „Christus erfülle das Gesetz,“ außer der schon abgehandelten Weise auch dadurch, dass Er das Gesetz lehre, es einschärfe und erkläre, weil Er nicht nur selbst das Gesetz wiederholt und dargestellt hat, sondern dasselbe auch durch das Amt das Evangelium unablässig wiederholt und dargestellt wissen will. Da nun dieses die Predigt der Buße und der Vergebung der Sünde ist, so wiederholt Er eben dadurch das Gesetz und verdeutlicht dasselbe. | ||
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| - | Der Ausspruch des Jeremias aber: „Ich will kein Gesetz in ihr Herz geben, und wird Keiner mehr den Anderen, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den Herrn, sondern sie werden Alle von Gott gelehrt sein“ (Jer. 31, 33. 34), worauf die Wiedertäufer den Wahn bauen, als dürfe es im neuen Bunde kein Lehramt geben, und so weder Buße, noch Evangelium gepredigt werden, redet von der Vollendung des neuen Bundes im ewigen Leben. Diese wird jedoch hier durch die Stimme des Evangelium begonnen, durch welche der Heilige Geist wirkt. Wahr aber bleibt jene Behauptung, dass Keiner vom Anderen solle belehrt werden, einmal darum, weil, die Stimme des evangelischen Amtes nicht die eines Menschen, sondern des Heiligen Geistes ist; sodann, weil die Bekehrung des Menschen durch das Evangelium nicht, eine solche Erziehungsweise ist, wie wenn der Lehrer einen ungeratenen Schüler durch Schläge zwingt, oder die Obrigkeit die Verbrecher ins Gefängnis setzt, oder den Dieb aufhängen lässt. Sondern von Innen regt der Heilige Geist das Herz an, dass es durch Erkenntnis belebt, in Regungen der Furcht und Liebe Gottes flamme, die Vollendung wird aber erst im ewigen Leben erfolgen, wo kein Lehramt mehr nötig sein wird, weil dann Gott Alles in Allem sein, d. h. unmittelbar Sich und Seine Güter uns mittellen wird. | ||
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| - | Aber auch der Grund der Gesetzesfeinde gilt nicht, welche, indem sie den Ausspruch Christi: „das Gesetz reichet bis Johannes, | ||
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| - | {{tag> 3_Advent}} | ||
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| - | ======Römheld, | ||
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| - | Wie groß, wie angebetet ist dein Name, o Heiland Jesus Christ, wie teuer deinem Volke. Ja, dein Name ist uns heilig und teuer; aber wir bitten dich, wirke jetzt durch dein Wort und durch den Heiligen Geist, dass uns dein Name noch lieber und höher werde, ach, verkläre in dieser Stunde deinen Namen! Amen. | ||
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| - | Text: Ev. Matth. 11, 2-11.\ | ||
| - | **Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Wahrlich ich sage euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, | ||
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| - | Geliebte in dem Herrn! Man sagt zwar: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne“, und bis zu einem gewissen Grade ist das auch richtig. Ähnliche Ereignisse, wie die, welche in unserer Zeit geschehen, ähnliche Bestrebungen, | ||
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| - | Aber dieser Trost ist doch nicht ganz fest und zuverlässig. Denn es geschieht doch auch manches Neue unter der Sonne, und es ereignet sich doch auch manches, was noch nie dagewesen ist. So hat z. B. unsere Zeit manches Gute und Große, was, so lange die Erde steht (soviel wir wenigstens wissen), noch nie dagewesen ist, und was die Menschen der früheren Jahrhunderte und Jahrtausende nicht besessen haben. Bei einigem Nachdenken werdet ihr selbst leicht einiges der Art finden. Dagegen hat unsere Zeit auch vieles Bedenkliche, | ||
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| - | Lasst uns heute einmal in eine Zeit und in Begebenheiten blicken, die nie zuvor dagewesen waren. Wir reden | ||
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| - | Von den zwei größten Menschen, die je gelebt haben, und betrachten sie, indem wir 1) eine Frage, 2) eine Antwort zur Sprache bringen. | ||
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| - | =====I. Die Frage. ===== | ||
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| - | Als Johannes der Täufer unschuldig im Gefängnis saß, gut verschlossen, | ||
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| - | Ich kann mir von dem großen und allgemeinen Aufsehen, welches die Taten des nazarenischen Mannes unter dem Volke und den Zeitgenossen hervorbrachten, | ||
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| - | Nun kann man sich denken, was das für ein Aufsehen und einen Aufruhr im ganzen Lande gab, als Jesus, mit göttlicher Machtvollkommenheit ausgerüstet, | ||
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| - | Nun drang auch durch die Kerkermauern des armen gefangenen Johannes die Nachricht von den außerordentlichen Taten des Mannes von Nazareth, ein Beweis, dass man allgemein von ihm sprach. Glaubt ihr auch, dass es einen Unterschied macht, wo und in welcher Lage jemand von Jesu und seinen Taten hört? Wer sie in lustiger Gesellschaft hört, auf den wird solche Nachricht anders wirken, als auf den, der sie auf dem Kranken- und Schmerzenslager einsam und verlassen hört. Wer im Glücke dieser Welt drin ist, auf den wirkt die Botschaft von Jesu und seinen Taten anders, als auf den, der tief im Unglück ist. Johannes war tief im Unglück, unschuldig war er darin. Ruchlose Herzen und ruchlose Hände hatten ihn eingekerkert, | ||
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| - | Wunderbare Frage! Bist du, der da kommen soll, nämlich vom Himmel? Der Adventskönig, | ||
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| - | Johannes glaubte das Letztere. Aber vor seinem Lebensende, ehe er den Kopf dem Henkerbeile neigte, wollte er völlige und unbezweifelte Gewissheit darüber haben, er wollte wissen, ob er im Glauben an Jesum selig sterben könne. Und darum schickte er zu ihm selbst und fragte bei ihm selbst. Von Jesu selbst wollte er Antwort, Bescheid und Gewissheit darüber haben, von keinem anderen. | ||
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| - | Gehen wir weiter und hören | ||
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| - | =====II. die Antwort. ===== | ||
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| - | Als die fragenden Boten zu dem großen Manne kamen, war er mitten in seiner Arbeit, und er konnte seine Antwort kurz machen. Tut die Augen auf, tut die Ohren auf, seht und hört selbst, und was ihr selbst seht und hört, das bringt dem gefangenen Johannes als Antwort zurück! Und was sahen und was hörten sie? Die Blinden sahen; die Lahmen gingen; die Aussätzigen wurden rein; die Tauben hörten; die Toten standen auf; und den Armen wurde das Evangelium gepredigt, den Armen wurde das Himmelreich angeboten und geschenkt. | ||
| - | |||
| - | Das sahen, das hörten sie selbst, davon waren sie Augen- und Ohrenzeugen. Ich muss gestehen, das war etwas ganz Neues unter der Sonne, denn es war alles das Umgekehrte von dem, was stets in der Welt gewesen war. In aller Welt sehen die Blinden nichts, und hier? Die Blinden sahen. Und was dabei noch besonders merkwürdig ist, die Sehenden waren blind, wie Jesus an einer anderen Stelle sagt. In aller Welt können die Lahmen nicht fort, und hier? Die Lahmen gingen. Die Tauben hören sonst nichts, und hier? Die Tauben hörten. Die Aussätzigen waren sonst unheilbar, und hier? Die Aussätzigen wurden rein. Die Toten bleiben in aller Welt liegen, regungslos bleiben sie liegen, und hier? Die Toten standen auf und wandelten. Und den Armen und Elenden, den Mühseligen und Beladenen, den geängsteten und beschwerten Herzen wurde das Evangelium gepredigt, und durch das Evangelium wurde ihnen das Himmelreich angeboten und geschenkt; aber an den Reichen, Hohen, Angesehenen und Einflussreichen ging das Himmelreich vorüber! | ||
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| - | O, eine wunderbare Zeit, wo es so herging! Eine solche Zeit hatte die Welt noch nicht erlebt. Und wisst ihr, was das Wesentliche an allen diesen Taten und Begebenheiten war? Wisst ihr, wie wir alles, was die Boten des Johannes sahen und hörten, in vier Worte zusammen fassen können? Blindheit ist der anfangende Tod, wer blind ist, bei dem ist ein Glied des Leibes tot. Lahmheit ist ein Stück Tod. Taubheit ist ein Stück Tod. Aussatz ist schon weit vorgeschrittener Tod. Armut und Elend ist ein Stück Tod. Und der Tod derer, die wieder lebendig auferstanden, | ||
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| - | Das war es, was die Abgesandten des Gefangenen sahen und hörten und worin sie Jesum von Nazareth mittendrin antrafen. Sie sahen mit eigenen Augen und hörten mit eigenen Ohren, wie der Mann von Nazareth den Tod in allen seinen Gestalten vertrieb und das Leben schuf und gab. Und davon sprach er: Geht hin und sagt es dem schwergeprüften Dulder in seinem Kerker! | ||
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| - | Aber sie sahen nicht bloß diese Taten und Werke, sie sahen auch ihn, der sie verrichtete. Und in ihm sahen sie das wahrhaftige Leben und den Lebengeber in sichtbarer Gestalt vor sich, in leibhaftiger Person. Denn in ihm war das Leben. Das sahen die glücklichen Boten des Johannes, und das sollten sie ihm melden. | ||
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| - | Das, meine Lieben, war eine Antwort durch die Tat, oder vielmehr durch eine Reihe von Taten; und es war eine Antwort durch den Anblick der einzigen und höchsten Person, die je auf Erden gelebt hat. Aber der große Mann gab auch noch eine Antwort in Worten; denn er fügte hinzu: Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Selig ist, wer an meiner armen und niedrigen Erscheinung keinen Anstoß nimmt, sondern mich als das Leben und den Lebengeber erkennt; selig ist, wer an mich als den Quell des Lebens, als den Vertreiber des zeitlichen und ewigen Todes glaubt! Das sollten die Boten dem Johannes gleichfalls sagen. | ||
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| - | Es ist kein Zweifel, als sie zu dem Gefangenen zurückkehrten und erzählten ihm: Wir haben das wahrhaftige Leben gesehen, er hat den Tod in allen Gestalten vertrieben, er hat nach allen Seiten hin das Leben gegeben, er hat gesagt: wer sich an mir nicht ärgert, der ist selig, es ist kein Zweifel, als Johannes dies von Augen- und Ohrenzeugen hörte, da war er froh und glücklich in seinem Kerker, und er glaubte nun unzweifelhaft an Jesum als das erschienene Gottesleben. Und in dem Glauben an Jesum ist er fest, mutig und froh durch Henkershand den Tod der Gerechten gestorben, und hat das unvergängliche, | ||
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| - | Meine Lieben, das ist mir eines der teuersten und kostbarsten Worte in der ganzen Heiligen Schrift: Selig ist, wer sich an Jesu von Nazareth nicht ärgert! Wir wollen uns nicht an ihm ärgern, wir wollen keinen Anstoß an ihm nehmen, wenn auch die ganze Welt Anstoß an ihm nähme, sondern wir wollen an ihn glauben, von ganzem Herzen an ihn glauben denn wir wollen selig werden! Nicht wahr? | ||
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| - | Dass dieser Jesus von Nazareth der größte Mann ist, der je auf Erden gewandelt hat, das werdet ihr wohl glauben, denn dieser Mann ist zugleich das erschienene uranfängliche Leben, Gott von Gott geboren. Aber dass Johannes der Täufer der zweitgrößte Mann war, der je auf Erden lebte, das wird euch schon zweifelhafter sein. Ich würde es auf eignes Urteil hin und nach eigner Ansicht auch nicht behaupten; aber ich spreche es dem nach, den wir eben als den Allerhöchsten kennen gelernt haben. Dieser hat gesagt: Wahrlich, ich sage euch, unter allen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer aufgekommen, | ||
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| - | Dabei versteht sich's von selbst, dass noch ein unendlicher Abstand zwischen Jesu und Johannes ist. Denn jener ist der Herr, dieser ist sein Knecht, Jesus ist das Licht der Welt und strahlt im eigenen göttlichen Glanze, Johannes aber glänzt in dem Lichte, welches von Jesu auf ihn fiel. | ||
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| - | Meine Brüder und Schwestern! Ist Jesus der, der da kommen sollte vom Himmel? Ja, gewiss! Oder sollten wir vielleicht doch eines anderen zu warten haben? Nein, nimmermehr! Nun denn, selig ist, wer sich an Jesu von Nazareth nicht ärgert! Amen. | ||
| - | {{tag> 3_Advent}} | ||
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| - | ======Savonarola, | ||
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| - | Sermoni XIX nella prima epistola di San Giovanni et altri luoghi della scrittura. Sermone III. | ||
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| - | 3. Predigt im Advent 1491 über 1. Joh. 1,1. | ||
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| - | „Und unsere Hände haben es betastet.“ | ||
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| - | Von der Herrlichkeit des göttlichen Worts, liebe Brüder, hat Sankt Johannes uns Zeugnis abgelegt nicht bloß nach dem, was er gehört, sondern auch, was er geschaut und geschmeckt hat von all' dem Wunderbaren, | ||
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| - | Wenn du nicht sagen willst, dass er ihn betastet habe wie Sankt Thomas, als er rief: „Mein Herr und mein Gott!“, nämlich mit Hand und Erkenntnis zugleich. Sicherlich hat Johannes den Herrn Jesum berührt, als er an seiner Brust lag, aber doch hat er anders geschaut, anders betastet, anders geglaubt als Thomas. Daher will dir der selige Johannes sagen: Lasst uns nicht leichtfertig glauben, denn wer so gar schnell glaubt, ist leichtfertigen Herzens; aber indem wir anfühlen und betasten, viele Male sehen und beschauen seine Werke und sein Leben und das mit der Heiligen Schrift vergleichen, | ||
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| - | So hat Gott alles eingerichtet nach Zahl, Gewicht und Maß und auch dieses Zeugnis lasst uns betrachten. Wenn auch der Glaube niemals daran gezweifelt hat, hat er nichtsdestoweniger den Gründen des Glaubens ebenso eifrig nachgeforscht, | ||
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| - | Auch noch anders können wir das Betasten verstehen. So gibt es Viele, zu deren Vollkommenheit wir noch nicht gelangt sind, weil sie ganz sicher sind, mit den Händen betastet zu haben. Die Hand ergreift und hält fest und zweierlei ist's in uns, damit das Wort ergriffen und festgehalten wird: die Erkenntnis und der Wille. Aber nicht immer hat man das Wort ergriffen, wenn man es betastet zu haben behauptet, denn Viele haben wohl allerlei Erkenntnis vom Wort und glauben doch nicht, Andere lieben das Wort, aber nicht recht, weil sie zugleich Reichtum besitzen wollen. Unser Heiland aber sagt: Niemand kann zwei Herren dienen. | ||
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| - | Doch auf welche Weise kann die Erkenntnis das Wort betasten? Wenn sie sich von ihm nach Oben erheben lässt, und das geschieht, wenn sie sieht ein neues Licht, das aller Kreatur aufgeht durch das Licht der Gnade Gottes; wie geschrieben steht: „In deinem Lichte erwachen wir zum Licht.“ Das geschieht, wenn sie mit Gott vertraulich redet, wie der Apostel Johannes mit ihm vertraut war, und wenn sie mit der Braut spricht: „Mein Freund ist mein und ich bin sein!“ Ein solcher Mensch ergreift das Wort mit lebendigem Glauben, er betastet es, wenn er vertraulich mit ihm redet, er hält es fest, wenn er unerschütterlich glaubt und spricht: „Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, dass er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen Tag.“ Dieser wird erhoben über den Erdenstaub, wovon Abraham bei seiner Fürbitte für die Bewohner Sodoms sagt: „Ich habe mich unterwunden zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin.“ Auch David spricht, als der Herr ihm so Großes verheißen: Wer bin ich, Herr Gott, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geleitet? und Ezechiel sagt im 2. Kapitel((Ez. 1, 28.)): Da ich es gesehen, fiel ich auf mein Angesicht! Ebenso erfüllt sich das vertrauliche Reden an David, wenn er sagt: Erhöht werde ich zu dir, wenn ich gedemütigt und beunruhigt werde.((Luther: | ||
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| - | Auch mit der andern Hand wird Gott ergriffen und festgehalten, | ||
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| - | Solche Erkenntnis und Liebe kann allein von Gott kommen, da sie über das Geschaffene hinausgeht und der Mensch mit Dahintenlassen des Sichtbaren mit ganzem Herzen das Unsichtbare sucht in dieser Erleuchtung, | ||
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| - | So seid denn fleißig, liebe Brüder, und müht euch, dieses Ziel zu erlangen; durch Gebet und Betrachtung werdet ihr es erreichen. Aber sage ich das nicht alle Tage und doch vergebens? Alle loben es, aber wenige tun danach! Wie kommt das? Weil viele noch am Glauben zweifeln. Und das kommt wieder daher, dass die Bücher der Heiden lieber gelesen werden als die Heilige Schrift. Darum schallt der Name Jupiters im Munde der Christen wieder und die Kinder schon werden hierzu erzogen. Darum reden viele gegen den Glauben, die Guten verspottend. Darum singen sie Lieder wider den Glauben. Darum findet sich kein Eifer! Gott redet zu euch und ihr hört ihn nicht. | ||
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| - | Er mahnt euch zu Gebet und Betrachtung seiner selbst, ihr aber denkt nur an irdische Dinge. Was kann ich euch Freundlicheres von Gott sagen, als dass er in mir zu euch redet und mit mir ist? Müsste er euch nicht hinaustreiben um eurer Sünden willen und zu euch sagen: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Und haben wir euch nicht ein so herrliches Zeugnis gegeben, warum trachtet ihr nur nach dem Irdischen? | ||
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| - | Sicher wisst ihr, dass in Kurzem alles verlassen werden muss. Sei der Mensch auch glücklich, soweit die Welt ihn dazu machen kann, aber was dann? Musst du nicht sterben? Jawohl, alle müssen wir sterben. Wir eilen dahin über die Erde, wie das Wasser, das nicht wieder zurückläuft, | ||
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| - | Siehe, was für Toren wir sind: wir folgen der Welt, die uns von allen Seiten bedrängt und uns hindert zu Gott zu gehen. Ringsum ist Krieg, Teuerung, Hinterhalt und Verfolgung, und wir könnten befreit sein davon und wollen nicht, sondern folgen der Welt in Angst und Not, weil wir mit ihr verdammt sind. Wir mühen uns gegen den Wind, weil wir nicht glauben. Das ist die Zeit, von der der Apostel predigt: „Du sollst aber wissen, dass in den letzten Tagen werden gräuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die von sich selbst halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, | ||
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| - | Doch lasst uns zum vorliegenden Texte zurückkehren. Wir haben bezeugt mit Sankt Johannes von dem Worte des Lebens, ein ganz bestimmtes Zeugnis haben wir abgelegt. So hütet euch, dass nicht das Wort des Herrn sich an euch erfülle: „Wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören, so geht heraus von demselbigen Hause oder Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich ich sage euch: dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Jüngsten Gericht, denn solcher Stadt.“ Es hüte sich auch jeder, dass er nicht spreche wie die, die sich selbst nicht erkennen, die nicht glauben Sünder zu sein, sondern der Zahl der Gerechten anzugehören. Viele kommen zur Predigt und, wenn sie einen Tadel hören, denken sie flugs an den Nächsten, anstatt bei sich selbst einzukehren; | ||
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| - | Siehe, wiederum bin ich abgeschweift, | ||
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| - | ======Textor, | ||
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| - | Ich will Dich lieben, o mein Leben! \\ | ||
| - | Als meinen allerbesten Freund; \\ | ||
| - | Ich will Dich lieben und erheben. \\ | ||
| - | So lange mich Dein Glanz bescheint. \\ | ||
| - | Ich will Dich lieben, Gottes Lamm! \\ | ||
| - | Als meinen liebsten Bräutigam. Amen! | ||
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| - | Geliebte Christen. Der König David sagt im 101. Psalm: „Ich hasse den Übertreter und lasse ihn nicht bei mir bleiben. Ein verkehrtes Herz muss von mir weichen, den Bösen leide ich nicht. Der seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vertilge ich. Ich mag des nicht, der stolze Gebärden und hohen Mut hat. Meine Augen sehn nach den Treuen im Lande, dass sie bei mir wohnen, und habe gern fromme Diener.“ Was David so redete, das redete er durch den Geist Gottes, der in ihm war. Er stellt in diesen Worten einen Regentenspiegel auf, wie es bei den Königen der Erde sein sollte, und wie es bei dem König des Himmels wirklich ist. Der König dort oben leidet den Bösen nicht, und die verkehrten Herzen müssen von ihm weichen. Er mag des nicht, der stolze Gebärden und hohen Mut hat. Seine Augen sehen nach den Treuen im Lande, dass sie bei ihm wohnen. Aber wo sind die Treuen im Lande in unseren Tagen? Wo hat die Treue ihre Wohnung und Zuflucht? Reichtum wohnt in Palästen, aber die Treue ist meistens aus denselben verdrängt. Die in Lüsten leben und weiche Kleider tragen sind in der Könige Häusern, aber die Treue findet selten Zugang zu ihren Toren. Macht, Ehre und Ruhm sind bei den Großen der Erde, aber die Treue die doch herrlicher ist, als diese alle, ist meistens fern von ihnen. Wo wohnt die Treue? wo sollen wir sie ' | ||
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| - | Epistel: 1. Korinther 4. 1-5. ,\\ | ||
| - | **Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, | ||
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| - | Der Apostel Paulus hatte, indem er diese Worte schrieb, zunächst sich selbst und den Apollo in Gedanken, wie er durch die hinzugefügten Worte anzeigt: „Solches habe ich auf mich und Apollo gedeutet.“ Seine Worte aber leiden auf alle Diener des Evangeliums und demnach auf alle Christen Anwendung. Wir Alle sind im weiteren Sinne des Wortes Diener Christi und Haushalter Gottes. Die verlesene Epistel hält daher uns Allen die Ermahnung vor: Ringet nach der Treue im Dienste Jesu Christi! Diese Ermahnung wollen wir näher beherzigen, indem wir zuerst die Notwendigkeit und zweitens den Segen dieser Treue darzulegen suchen. | ||
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| - | Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Jesu Christi treu zu sein, denn Gott ist treu, wir aber sind von Natur sehr untreu. Gott ist treu. Wahrhaftig sind seine Worte und was er zusagt, das hält er gewiss. Wie er es von Anfang der Welt her verheißen hatte, so hat er es erfüllt, als die Zeit erfüllt war, und hat seinen eingeborenen Sohn gesandt in die Welt, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Treu ist er in seiner Liebe, Langmut und Barmherzigkeit. Er nennt sich barmherzig, gnädig, geduldig, und er ist und bleibt es auch. Er wartet lange, dass wir uns zur Buße kehren sollen, er vergibt den Bußfertigen ihre Übertretung, | ||
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| - | Wir sind dagegen von Natur sehr untreu. Wenn der Apostel Paulus den natürlichen Zustand der sündigen Menschen beschreiben will, so sagt er im Briefe an die Römer (3, 10 ff): „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer. Da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage; sie sind Alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden; da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht Einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handeln sie trüglich, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen; in ihren Wegen ist eitel Unfall und Herzeleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht; es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“ Wenn nun Gott, der Herr, sich über die Verlorenen erbarmt, und sie aus ihrem Sündenelend gerissen hat, wenn sie in Christi Tod getauft und zum Reich der Gnade berufen sind, dann sollte man meinen, würden sie auch ablassen von der Bosheit ihres verkehrten Herzens. Aber siehe, schon unter den ersten zwölf Jüngern war einer ein Teufel, in dessen Herzen keine Treue war. Und wie viel Tausende sind nun, die den Namen Christi tragen, aber ihrem Herrn und Erlöser völlig untreu sind! Wie viel Tausende werden gefunden, die Christum mit dem Munde bekennen, aber mit dem Wandel verleugnen, ja ihn abermals kreuzigen. Und wir Alle, die uns hier um Christi Kreuz und um das Wort der Wahrheit versammeln, können wir uns treu nennen? treu dem Herrn und Erlöser, der uns mit seinem Blute erkauft hat? Müssen wir nicht vielmehr uns selbst strafen wegen mannigfaltiger Untreue? Wie oft sind wir träge und lässig in seinem Dienste; wie oft sind wir seinem Worte ungehorsam! Wie oft murren wir unter dem Kreuze, welches er uns auflegt! Wie oft lassen wir uns gelüsten nach eitler Ehre, nach vergänglichen Schätzen! Wie oft suchen wir, was unser ist, nicht das, was Christi Jesu ist! Wie oft täuschen und verblenden wir unser eignes Herz, sind gleichgültig gegen unsere Sünden, achten nicht genug auf die Stimme des Gewissens, auf den Ruf des göttlichen Wortes, sind träge zum Gebete, schwankend im Glauben, arm an Liebe, weil wir nicht treu genug die Gnade ergreifen und bewahren, die uns in Christo gegeben ist! Es ist daher notwendig, dass wir nach dieser Treue ringen, die uns so sehr fehlt. | ||
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| - | Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Christi treu zu sein, denn wir sind Christi Diener und Gottes Haushalter, an denen mau die Treue sucht. Wir sind nicht Alle Diener am Worte, Diener des Evangeliums, | ||
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| - | Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Jesu Christi treu zu sein, denn die Treue wird an jenem Tage die Entscheidung geben, wohin unser Los fallen wird. Der Treue ist die Krone des Lebens verheißen. Auch dort vor dem Richter der Lebendigen und Toten wird man an uns suchen, dass wir treu erfunden werden. Vor ihm gelten irdische Vorzüge nichts, denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. König oder Bettler, reich oder arm, gelehrt oder ungelehrt, geschickt oder ungeschickt, | ||
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| - | Schon aus dem bisher Gesagten leuchtet der mannigfache Segen solcher Treue im Dienste Jesu Christi hervor; wir wollen aber nach Anleitung unserer Epistel denselben noch in besondere nähere Erwägung ziehen. | ||
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| - | Die Treue im Dienste Jesu Christi hat zuvörderst den Segen, dass sie uns einen getrosten Mut gegen alle Menschen in allerlei Anfechtung und Verfolgung gibt. „Mir ist es ein Geringes, | ||
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| - | Die Treue im Dienste Jesu Christi hat ferner den Segen, dass sie uns ein ruhiges Gewissen gibt. „Auch richte ich mich selbst nicht,“ sagt der Apostel in unserer Epistel; „ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt.“ Dieser Mann Gottes hatte sich dem Heilande, Jesu Christo, ganz zum Dienste ergeben. Er hatte um seines Herrn willen viel erlitten, aber in Allem weit überwunden durch Den, der ihn zuerst geliebt hatte. Er war schon öfters gegeißelt, ja gesteinigt und für tot fortgeschleppt worden. Hunger und Durst, Frost und Blöße waren ihm im Dienste seines Herrn reichlich bekannt geworden. Nun achtete er es nichts, dass Menschen ihn richteten, denn er wusste wohl, dass alle Menschen Lügner sind, und Gott allein wahrhaftig. Auch er selbst wollte sich nicht gerecht sprechen, vielmehr bekannte er, dass er es noch nicht ergriffen habe, oder schon vollkommen sei. Er hielt sich nicht gerechtfertigt vor Gott, wiewohl er sich nichts bewusst war; denn es war ihm bekannt genug, dass ein Mensch nicht merken kann, wie oft er fehle, und Gott auch um Verzeihung für die verborgenen Fehler bitten muss. Aber der Gewinn war ihm durch die Treue gegen seinen Herrn und Meister zu Teil geworden, dass sein Gewissen ihn nicht ängstigte, noch verklagte. Sein Gewissen war gereinigt von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Er hatte Buße getan und tat täglich Buße um alle seine Sünde; er lebte und webte in der Gnade Gottes, die ihm in Christo gegeben war. Er machte keinen Frieden mit irgendeiner Sünde, und diente von ganzem Herzen nur Einem Herrn. Darum hatte er ein ruhiges Gewissen, und konnte sagen: „Ich bin mir nichts bewusst;“ nämlich nichts, was ihn von der Gnade Christi und von der Liebe Gottes, des Vaters, hätte scheiden können. Denselben Segen können auch wir uns im Dienste Jesu Christi erringen, wenn wir ihm als unserem einigen Herrn und Meister immer treuer werden. Das Gewissen wird gereinigt durch die aufrichtige Buße von allen Sünden, und durch den Glauben an Christi Kreuz, welchen Gott uns zur Gerechtigkeit rechnet. Es wird rein bewahrt durch die Treue gegen diesen Herrn, der uns zu seinem Dienste erworben und gewonnen hat. Ziehe dich also nicht lange hin mit irgendeiner Sünde, sondern eile zu dem Versöhner, der da reinigen und erretten kann! Reiß aus , die Sündenwurzel! Teile dein Herz nicht unter zwei oder mehre Herrn! „Einer ist euer Meister!“ Einem sei treu in allen Dingen, so wirst du dein Herz vor ihm stillen können, und den Frieden in deiner Seele haben, welcher höher ist, als alle Vernunft. | ||
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| - | Die Treue im Dienste des Herrn hat endlich den Segen, dass sie uns eine Freudigkeit gibt zum Tage des Gerichts. Davon sagt der Apostel in unserer Epistel: „Der Herr ist es aber, der mich richtet; darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren.“ - Was der Gottlosen Schrecken ist, nämlich dass Alles ans Licht gebracht werden soll, was im Finstern verborgen ist, dass auch der Rat der Herzen offenbar werden soll, dessen tröstete und freute sich dieser Knecht Jesu Christi. Er rief späterhin, als er seinem Ziele schon näher war, mit freudiger Zuversicht aus: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit!“ Nur mit freudigem Mute, nur mit herzlichem Verlangen sah er auf den Tag des Gerichtes hin und in die Ewigkeit hinein. Das konnte er darum, weil er treu gewesen war im Dienste Jesu Christi. Auch wir können uns diesen Segen erringen, wenn wir eifrig ringen nach der Treue im Dienste Jesu Christi. Dem treuen Knechte ist die ewige Freude seines Herrn verheißen. | ||
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| - | So richtet denn allen euren Fleiß darauf, das Wörtlein „Treue“ zu lernen und zu behalten! Feget allen Sauerteig der Schalkheit und Bosheit aus I Einer sei unser Herr, auf den unsere Augen sehen, dem wir folgen wollen, wie er uns fuhrt. Diesem Herrn aber, dem Heilande Jesu Christo, sei Ehre, Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen! - | ||
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| - | Das sei Dir zugesagt, Herr Jesu Christo, Du treuer und wahrhaftiger Zeuge, im Vertrauen auf Deine Gnade und Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, dass wir im Glauben und Gehorsam Dir treu sein wollen bis an unser letztes Ende. Wir haben geglaubt und erkannt, dass wir in Dir allein Gerechtigkeit und Stärke haben, darum sehen unsere Augen auf Dich, und warten, bis Du uns gnädig werdest. O mache uns treu in Deinem Dienste; treu im Lieben und im Leiden, treu im Wachen und im Beten, treu im Großen und im Kleinen, dass wir also den Glaubenslauf vollführen, | ||
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| - | ======Thomasius, | ||
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| - | Die Gnade unsres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes, des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen. Amen. | ||
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| - | Wenn man die Menschen zumal, die auf Erden leben, fragen würde, was sie denn suchten mit all ihrer Arbeit und Mühe, die sie sich machen, sie würden Alle, wie aus Einem Mund, antworten: wir suchen Heil und Leben; sieht man aber ihren Wandel an, wie er hingeht, so wird man sagen müssen, dass die Wenigsten das finden, was sie suchen. Denn was ist das Leben der Meisten anders, als eine Reihe getäuschter Hoffnungen, verfehlter Wünsche und, im besten Fall, ein rastloses, ruheloses Treiben von heut auf morgen? Ja, was der Psalm von den Menschenkindern bezeugt: „den Weg des Friedens wissen sie nicht“, das bestätigt schon ein Blick auf die Außenseite ihres Daseins; und könnte man erst in die Tiefe blicken, in die Herzen hinein, wo die verborgene Quelle der Leiden und Freuden fließt, man würde erstaunen über die Größe des Elends und über die Last des Unheils, die auf unserem Geschlecht liegt. Selbst bei solchen, die da scheinen die Glücklichsten zu sein, würde sich diese Erfahrung bestätigen. Aber da mitten hinein in dieses arme, friedenlose Dasein, mitten hinein in diese Welt voll Unruhe und Verwirrung wirft das Wort des Herrn einen Blick der Gnade und Erbarmung, und zeigt den Verirrten den Weg zum Heil. An alle heilsbedürftigen Herzen, an alle müden und beladenen Seelen wendet es sich und sagt ihnen, wo sie das gewiss und sicher finden können, was sie suchen und begehren: es ist der Höchste selber, der zu seinem Volke spricht: | ||
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| - | Hosea 13.9.\\ | ||
| - | **“Israel, | ||
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| - | Man könnte sagen, dass der Inhalt dieses Wortes der Grundton des ganzen Alten Testamentes ist; denn überall, wo der Herr zu seinen Kindern redet, bezeugt er ihnen, dass in ihm und sonst in keinem anderen das Heil zu finden sei. So spricht er zu Abraham, dem Vater der Gläubigen: „Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn“; zu seinem Volk: „Wahrlich, | ||
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| - | **Die Erkenntnis des Unheils und des Heils.** | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Er lehrt uns nämlich, dass beides, Heil und Unheil, nicht darin besteht, worin wir es gewöhnlich suchen. | ||
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| - | 1) Vergleichen wir, meine Geliebten, das Wort unseres Textes mit dem Sinn der Welt, wie er sich allenthalben ausspricht, so stehen beide im geraden Widerspruch miteinander. Denn der Herr sagt zu seinem Volk, dass es sich selbst ins Unglück bringe, darum, weil es ihn verlasse und mit seinem Herzen von ihm weiche; dass aber in der Rückkehr zu ihm allein die Rettung liege; „denn dein Heil, spricht er, steht allein bei mir.“ Die Welt hingegen schiebt all ihr Unglück und Elend auf Gott. Er muss die Schuld des ganzen Unheils tragen, das auf ihr lastet; er muss sich von ihr schelten lassen, wenn sie in Not und Jammer steht. Dagegen aber sucht sie alles Heil bei sich selbst. Auf ihren Wegen, in ihren Werken oder Gütern will sie es finden, und hat sie es da gefunden, so gibt sie sich selbst die Ehre und spricht zu sich selber: Siehe, mein Heil steht bei mir. Und dass es da in der Tat die allermeisten Menschen suchen, das liegt ja offen am Tage. Sie sehen das Heil in die Dinge dieses Lebens; teils in die irdischen, leiblichen Güter, Wohlstand, Reichtum, gute Tage, teils in die geistigen Güter, Weisheit, Bildung, Wissenschaft, | ||
| - | |||
| - | 2) Dasselbe aber, meine Geliebten, lernen wir aus unserem Text über das, was die Menschen das Unheil nennen. Unheil nennen sie das Weh und Leiden der Erde, die Armut, den Schmerz, die Not und da sind nicht nur Tausende, die unter solchen Übeln seufzen, sondern sie klagen auch und sagen: sie hätten dawider ihr Leben lang gekämpft und gestritten, hätten auch Gott um Abnahme der Last gebeten, aber keine Hilfe erfahren; und so hätten sie wohl Leid und Unheil genug, aber von Gottes Heil und Hilfe erführen sie nichts. Ich will euch, die ihr also sprecht, nicht erst danach fragen, ob nicht vielleicht die Ursache dieses eures Unheils an euch selber liegt; denn es gilt allerdings von der Mehrzahl der Leiden, welche heut zu Tag die Menschen quälen, was der Herr zu seinem Volk sagt: „Israel, du bringst dich selbst ins Unglück, es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupt wirst und deines Ungehorsams, | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | dass beides, Unheil und Heil gerade darin besteht, worin es die Wenigsten suchen. | ||
| - | |||
| - | 1) Hat nämlich, meine Geliebten, der Herr gesagt: Dein **Heil** steht allein bei **mir**,“ so muss Alles dasjenige Unheil sein, was uns von ihm entfernt und entfremdet. Das aber tut die Sünde. Denn die Sünde ist die Abkehr des Herzens von dem Quell des Lebens; sie scheidet den Menschen von Gott und Gott von den Menschen, und beschließt den Sünder unter Gottes Ungnade und Zorn; denn der Herr unser Gott ist ein heiliger Gott, ein Licht, in welchem keine Finsternis ist, wer böse ist, bleibt nicht vor ihm, er ist Feind allen Übeltätern, | ||
| - | |||
| - | 2) Denn, dein Heil, spricht der Herr, steht allein bei mir. Wie wunderbar, meine Geliebten, derselbe, den wir mit unseren Sünden betrüben, dessen Heil wir von uns stoßen, der spricht: Dein Heil steht allein bei mir. Er kann dein Unheil wenden, Er kann aus der Sünde heraus in Freiheit, aus dem Tod zum Leben dich führen - Er allein; denn sein ist Macht und Stärke; und er kanns nicht nur, er will es auch. Seine Macht ist eine Macht der Gnade und Erbarmung; sein Name heißt: Ich bin die Liebe. Die ewige Liebe aber will auch des Verirrten Heil; ja was sage ich, sie will? Als sie in Knechtsgestalt auf Erden gewandelt hat, als sie die Sünden der Welt getragen, als sie am Kreuz für uns das Leben gelassen hat, um es wieder zu nehmen, da hat sie uns das Heil erworben da hat sie Erlösung gestiftet und ewiges, seliges Leben ans Licht gebracht. Nun steht für Alle, die danach begehren, die Gnadentüre offen, nun ist für jede Seele, die sich heraus aus dem Unheil sehnt, die Hilfe vorhanden in der barmherzigen Liebe des Herrn. Und damit unser enges kleines Herz dieses Wunder der Liebe umso leichter fassen und ergreifen könne, so geht sie umher und ruft einem Jeden in ihrem Worte zu: Siehe, dein Heil steht allein bei mir! da suche es, lieber Mensch, denn du bedarfst es fürwahr, wenn du nicht verloren gehen willst, und da suche es allein. Siehe nicht auf die Schwere deiner Schuld, sondern auf die Macht seiner Gnade, nicht auf die Ohnmacht deines Vermögens, sondern auf den Reichtum seiner Erbarmung. Lass es dich auch nicht hindern, dass du ihrer so gar unwürdig bist. Es liegt nicht an deiner Würdigkeit und Unwürdigkeit, | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ======Ahlfeld, | ||
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| - | (Am 2. Advent 1854.) | ||
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| - | Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen. | ||
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| - | In Christo Jesu geliebte Gemeinde. Der Herr spricht durch den Propheten Jesaias zu dem Volke Israel: „Gedenkt nicht an das Alte, und achtet nicht auf das Vorige. Denn siehe, ich will ein Neues machen, jetzt soll es aufwachsen; dass ihr es erfahren werdet, dass ich Weg in der Wüste mache, und Wasserströme in der Einöde; dass mich das Tier auf dem Felde preise, und die Drachen und Straußen. Denn ich will Wasser in der Wüste und Ströme in der Einöde geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.“ Das hat er getan, er hat den Himmel zerrissen und hat seine Liebe und Gnade niederströmen lassen in seinem Sohne. Das hat er getan, als das Wort Fleisch ward, als das Wort zur Tat ward: „Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ Was ist denn neu in der Welt, wenn nicht das, dass der heilige, allmächtige Gott seinen eingeborenen, | ||
| - | |||
| - | „Herr und Schöpfer aller Ding, \\ | ||
| - | Wie bist du worden so gering, \\ | ||
| - | Dass du da liegst auf dürrem Gras, \\ | ||
| - | Davon ein Rind und Esel aß.“ | ||
| - | |||
| - | So will der Herr auch in deinem Herzen auf Stroh und Stoppeln, auf den mit Reue und Leid bekannten Sünden, ruhen. So kommt denn mit hinaus in die Wüste. Den Johannes wollen wir hören. Die Stadt Jerusalem, das ganze jüdische Land und alle Länder am Jordan sind hinausgegangen. Wir wollen auch mitgehen. Du aber, treuer Heiland, gib Gnade, dass wir recht angetan hinkommen vor deinen Herold. Behüte uns, dass wir nicht vornehm vor den treuen Gesetzesprediger hintreten, als ob seine Predigt für uns überflüssig sei. Behüte uns, dass wir nicht denken: „Wir haben Christum, was brauchen wir den Johannes? Wir haben den freundlichen Heiland, was brauchen wir den Mann mit dem rauen Kleide, mit dem ledernen Gürtel und mit dem harten Wort?“ Ach Herr, jeder Tag ist eine ganze Heilsgeschichte. Wo wir an einem Tage das Gesetz nicht fühlen mit seinen Drohungen und mit seinem Gericht, da haben wir auch dich nicht recht. So erbarme dich unser, dass wir uns erst in der Wüste holen das zerbrochene und zerschlagene Herz, damit wir dann auch an deiner Wiege fingen können: „Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilandes. Du hast angesehen das Elend deines Knechts, und hast seine Seele errettet von den Ketten des Todes. Ich habe erfahren den Tod des Todes und die Angst des Gerichtes; nun lässt du mich erfahren den Reichtum und die Herrlichkeit der Gnade. Dir sei Preis und Dank und Anbetung in Ewigkeit.“ Amen. | ||
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| - | Unser heutiger Text steht geschrieben: | ||
| - | |||
| - | Ev. St. Matth. Kap. 3, V. 1-10.\\ | ||
| - | **Zu der Zeit kam Johannes, der Täufer, und predigte in der Wüste des jüdischen Landes, und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbei gekommen. Und Er ist der, von dem der Prophet Jesaias gesagt hat, und gesprochen: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste, bereitet dem Herrn den Weg, und macht richtig seine Steige. Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren, | ||
| - | |||
| - | Wir behalten uns aus diesem teuren Gottesworte für unsere weitere Andacht den Grundgedanken: | ||
| - | |||
| - | Der Advent in der Wüste. | ||
| - | |||
| - | Wir sehen | ||
| - | |||
| - | - den Adventsprediger, | ||
| - | - seine Gemeinde, | ||
| - | - seine Predigt, | ||
| - | - ihre Frucht. | ||
| - | |||
| - | =====I. Der Adventsprediger.===== | ||
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| - | Am Schlusse des alten Bundes spricht der Herr: „Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr begehrt.“ Und damit man über jenen Engel, welcher dem Herrn den Weg bereiten soll, desto klarer werde, fügt er hinzu: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn.“ Dieser Elias ist gekommen. Keine zwei Männer des alten Bundes sehen sich so ähnlich wie Elias und Johannes. Ihre Namen sind allerdings verschieden. Elias bedeutet: „der Herr ist Gott.“ Ja Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott, Die falschen Götzen macht zu Spott, Gebt unserem Gott die Ehre: das war Elias Aufgabe. Johannes heißt: „Gott ist gnädig, Gott erbarmt sich.“ Weil sein Leben in eine lieblichere Zeit fiel, weil er der Nachbar und der Morgenstern für die aufgehende Gnade war, hatte ihm Gott einen lieblicheren Namen gegeben. Aber im Leben und in der einen Hälfte des Berufs ist er dem Elias ganz gleich. Beide waren eiserne und scharfe Prediger des Gesetzes. Beide kannten keinen Handel und keinen Vertrag mit der Sünde. Beide schnitten mit ihrer Predigt ein bis auf das Mark. Beide schonten weder Hohe noch Niedere. Beide stießen in ihrer Predigt mit den Königen des Landes zusammen. Dort widerstanden dem Manne Gottes Ahab und Jesebel, hier Herodes und Herodias. Beide führten ein Leben in äußerster Selbstverleugnung, | ||
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| - | Schon sein Name bedeutet einen Strom, der von oben herniederwallt. Seine Ufer waren bekleidet mit dem schönsten Grün und mit fruchtbaren Bäumen. Die Propheten reden gar gern vom Jordanschmuck. Lag denn nun dem Volke die Ahnung so fern, dass ihm Gott der Herr mit diesem Nebeneinander in dieser Zeit Etwas sagen wollte? Mit großen, sichtbaren Lettern hatte es Gott der Herr dahingeschrieben: | ||
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| - | =====II. zur Gemeinde des Johannes.===== | ||
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| - | Es ging hinaus die Stadt Jerusalem, und das ganze jüdische Land und die Länder an dem Jordan. Es war ein Wallfahrten, | ||
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| - | Nun weißt du Eins, was das Volk zu Johannes hinauszog. Außerdem zog die ernste Persönlichkeit und die strenge Entsagung. Es war auch lange kein Prophet dagewesen. Die wunderbaren Zeugnisse Gottes bei Johannes Geburt wirkten mit. Viele glaubten auch, er sei vielleicht der verheißene Messias selbst. Wieder andere wollten sich durch den Besuch bei ihm und durch seine Taufe in die Krone ihrer eigenen stolzen Gerechtigkeit noch einen neuen Edelstein setzen. Aber den letzten Grund haben wir tiefer zu suchen. Es gibt Frühlingszeiten, | ||
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| - | =====III. Seine Predigt.===== | ||
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| - | Alle, die in den Wüsten des Morgenlandes gewesen sind, wissen nicht genug zu sagen von ihrer Einförmigkeit und Eintönigkeit. Ein Odem des Windes zieht durch dieselben hindurch; einen Ton hört das Ohr, ein Bild sieht das Auge. Also hat auch die Predigt des Johannes nur einen Grundton: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Die Nähe des Himmelreichs ist der Grund, weshalb die Leute jetzt Buße tun sollen. Der Herr steht vor der Tür und klopft an. So Jemand seine Stimme hören und ihm die Tür auftun wird, zu dem will er eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten. Dem Herrn sollten sie den Weg bereiten, seine Steige sollten sie richtig machen. Alles, was hoch war, sollte erniedrigt, Alles, was niedrig war, sollte erhöht, was höckricht und krumm war, sollte gerade und schlecht werden, denn die Herrlichkeit des Herrn sollte offenbart werden, der Herr wollte seinen Einzug in das Seine halten. - | ||
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| - | Wie nun, teure Gemeinde, gilt der Grund bei uns auch: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen? | ||
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| - | Christi Blut und Gerechtigkeit\\ | ||
| - | Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, \\ | ||
| - | Damit will ich vor Gott bestehn \\ | ||
| - | Und zu der Himmelsfreud' | ||
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| - | Wie komme ich zu Christo? - Durch die Buße. Diese Buße ist aber nicht etwa eine Ausbesserung, | ||
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| - | Dieweil du dir aber das nicht selbst geben kannst, musst du vor den Thron dessen, der schaffen und neuschaffen kann, und bitten: „Schaff in mir Gott ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist.“ Wenn du aber so bittest, dann bist du herum, dann bist du mit deinem Angesichte zu Gott gekehrt. Das ist Buße. Dahin wollte Johannes seine Zöllner und Soldaten auch bringen. Und wenn sie dahin gekommen waren, dann war auch für sie das Himmelreich nahe herbeigekommen. Dann konnte er sagen: „Seht da! da ist der, welcher mit Feuer und mit dem Heiligen Geiste taufen kann. Da ist er, welcher sprechen kann: Siehe, ich mache Alles neu. Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden.“ Seine Predigt war wohl angelegt und festgegürtet wie er selbst. Sie war recht dazu gemacht, aus der Wüste zum Jordan, von Johanne zu Christo hinzutreiben. | ||
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| - | „Aber wie geht er doch um mit den Pharisäern und Sadduzäern? | ||
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| - | =====IV. nach der Frucht dieser Predigt.===== | ||
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| - | Sie war eine verschiedene. Von den Pharisäern lesen wir gar Nichts. Die scharfe Predigt hatte ihnen nicht gefallen. Sie gingen noch verstockter wieder nach Hause, als sie gekommen waren. Den Toten ist das Wort Gottes ein Geruch zum Tode. Die Andern ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. Damit war dem Herrn in sie hinein der Weg bereitet. Wo ein ehrliches Sündenbekenntnis ist, da ist auch das Bedürfnis eines Heilandes und eines Glaubensbekenntnisses. Wer die Taufe des Johannes empfing, versiegelte es damit, dass er ein armer Sünder sei und wartete auf den Herrn, der die Sünden vergeben, und mit Feuer und dem Heiligen Geist taufen konnte. Als der Herr kam, waren diese Johannesjünger zum Teil seine ersten Jünger. Die Sonne schien in die Wüste und die Gnadenströme flossen in die Einöde. Und du, mein Christ, für den Johannes auch gepredigt hat, den er auch zu der neuen Ankunft des Herrn wieder rüsten will: was willst du tun? Denke an die Worte: „Sie ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“ Denke du zurück an deine Taufe. So viele unserer getauft sind, die haben Christum angezogen. Wir sind ja mit Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen wir auch in einem neuen Leben wandeln. Wir haben aber das neue Kleid befleckt, wir sind in das alte Leben zurückgefallen, | ||
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| - | ======Ahlfeld, | ||
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| - | (II. Sonntag des Advents.) | ||
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| - | Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen. | ||
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| - | Text: Luk. 21. 25 -36.\\ | ||
| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
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| - | Geliebte Christen! Ein großer Unterschied ist oft zwischen zwei Sonntagen, die dicht nebeneinander liegen, besonders in dieser Jahreszeit. An dem einen geht man trocknen Fußes zur Kirche, und die Sonne scheint so freundlich herab, wie wenn sie Ihres mittun wollte, dass es ja ein rechter Sonntag werde. Und am andern bahnt man sich den Weg durch den Schnee, und das Wetter wirbelt immer noch fort, als ob es die Kinder Gottes hindern wollte, sich vor dem Angesicht ihres Herrn zu versammeln. | ||
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| - | Da spricht denn ein Kirchgänger zu dem andern: „Wie ist es doch heute so ganz anders als vor acht Tagen!“ - Liebe Christen, sehen wir das heutige Evangelium an, und vergleichen wir es mit dem vorigen, so wandelt uns dasselbe Gefühl an, nur in dem Grade gewaltiger, als der große Gerichtstag Gottes gewaltiger ist, denn jeder Winter- und Wettertag. Wie ist doch das heutige Evangelium so ganz anders als das vor acht Tagen! Dort kam Christus vom Ölberge hernieder - hier kommt er hernieder von dem Thron seiner ewigen Herrlichkeit, | ||
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| - | Warum hat denn aber die Kirche diese beiden großen Tage so eng zusammengefasst, | ||
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| - | Siehe, dein König kommt zu dir in Macht und Herrlichkeit. | ||
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| - | Den Inhalt dieses großen Wortes zerteilen wir uns nach unserm Texte in dieser Folge: | ||
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| - | Dein Herr kommt zum Gericht mit großer Macht, \\ | ||
| - | Er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht, \\ | ||
| - | Christ, mach dich fertig und steh auf der Wacht, \\ | ||
| - | Sonst kommt er wie ein Dieb in finstrer Nacht. | ||
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| - | =====l. Dein Herr kommt zum Gericht mit großer Macht.===== | ||
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| - | Jesus Christus, geliebte Christen, ist heimgegangen in seines Vaters Reich. Zwischen diesem Reiche und seinem Reiche hienieden ist keine Kluft befestigt, dass wir nicht hinüber könnten, dass er nicht herüber könnte. Im brünstigen Gebet steht die Seele an der Himmelspforte, | ||
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| - | Das aber ist in unserm Evangelio nicht gemeint. Es gibt in der Geschichte seiner Kirche besondere Ankunftszeiten. Er kommt in großen Taten in der Geschichte. Wenn gewissen Völkern die Gnadensonne lange geschienen hat, und sie sind kalt und tot geblieben, ja sie sind immer kälter und toter geworden, dann kommt er zum Gericht solcher einzelnen Völker, dann stößt er den Leuchter unter ihnen um, dann schlägt er sie mit mächtigem Arm. Und unter solchen Schlägen muss sein Reich wachsen. Er ist gekommen in der Zerstörung Jerusalems. „Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass Alles geschehe.“ Gegen 40 Jahre nach seiner Himmelfahrt, | ||
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| - | Wer will uns hindern, auch in der Reformation und in den Schrecken, die ihr folgten, ein Kommen des Herrn zu sehen? Er hat seine Kirche sichten wollen, wie man den Weizen von der Spreu sichtet. Bewegung und Erwartung der Völker ist ihr genug vorangegangen. Und so wir nach Zeichen fragen, so mögen wir nur den Melanchthon hören. Dieser erzählt, wie 30 Jahre vor Luther zu Eisenach ein armer Mönch, Namens Johannes Hilten eingekerkert sei, weil er die Irrlehre und die Missbräuche der katholischen Kirche mit scharfem Wort gerügt habe. Als ihm die Mönche im Gefängnis hart zusetzten, sagte er ihnen ins Angesicht - „Im Jahre 1516 wird ein Anderer kommen. der wird eure Herrlichkeit zu Grunde richten, dem werdet ihr nicht widerstehen können.“ Und als er endlich im Kerker gestorben war, fand man diese Weissagung auch in seinen Büchern. | ||
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| - | Doch alle diese Wege des Herrn sind nur kleine Vorboten auf seine große Zukunft, es sind nur Zeugnisse, dass seine Weissagungen Ja und Amen sind. Sie sind Weckstimmen für die Ungläubigen, | ||
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| - | Die Zeichen aber, die diesem großen Tage vorangehen, geschehen am Firmament, an Sonne, Mond und Sternen, geschehen an der Natur - das Meer und die Wasserwogen werden brausen! - geschehen an dem Menschenherzen: | ||
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| - | =====II. Er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht===== | ||
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| - | Ist das wahr, liebe Christen? Kommt Jesus zum Gericht mit großer Macht? Ja, er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht. Worauf ruht diese Wahrheit? Sie ruht auf Jesu eigenem Worte, und das ist fester als irgendein Felsen, und wäre es ein Granit, der bis in die Mitte der Erde mit seinen Wurzeln hineinreichte. Er aber kannte unseren schwachen Glauben in diesem Stück. Was nur einmal geschieht in der ganzen Geschichte der Welt, was nur einmal geschehen kann, was der Herr hingesetzt hat an das Ende der Tage, wovon Niemand aus Erfahrung reden kann, das ist vor Allem dem Zweifel ausgesetzt. An Nichts hat dieser mehr genagt, als an Christi Wiederkunft zum Gericht. Die Geburt des Herrn kannst du in dir feiern, in der Wiedergeburt. Die Auferstehung des Herrn kannst du in dir feiern, wenn der alte Mensch mit allen Lüsten und Begierden in dir stirbt, und du in einem neuen Leben wandelst. Die Ausgießung des Heiligen Geistes kannst du in dir feiern in deinen Pfingsttagen. Diese Pfingsttage können auch mitten im Winter sein. Auch in Frost und Wetter kann dich der Odem des Heiligen Geistes anwehen. Aber dieses letzte große Totenfest hat keinen Vorgang im inneren Leben, der ihm ähnlich wäre. Es reichet Alles nicht hinein. Darum hat hier der Zweifel, der Unglaube und der Spott sein sonderliches Feld. Darum lässt es dir aber auch der Herr von drei Evangelisten fast mit denselben Worten erzählen. Darum drückt er bei allen dreien selbst sein Siegel drauf. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ - | ||
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| - | Der Glaube an die Ankunft des Herrn ruht aber auch schon auf der Geschichte. Wenn du eine Reise machst in ein unbekanntes Land, so fragst du einen des Landes und Weges kundigen Mann, was dir begegnen wird. Und er antwortet dir etwa: „Wenn du eine kleine Strecke gezogen bist, so kommt ein wilder Strom, der das sichre Land an den Ufern fortreißt, und dahinströmt unter Brausen und Zerstören. Doch wirst du eine Brücke finden, die dich sicher über ihn leitet.“ Und nun beschreibt er weiter. Und zuletzt heißt es: „Des Landes Grenze ist ein wildes Meer. Seine Fluten gehen so hoch, wie die Fluten keines andern Meeres, und die Stürme rasen auf ihm wie auf keinem andern. Doch ist ein Steuermann oder ein Lotse da, der dich treu und sicher hinüber führt.“ - Du ziehst nun vorwärts, du findest Strom und Brücke. Du glaubst nun auch dem weitern Wort des Raters, auch von dem Meer, das du noch nicht gesehen, auch von dem Lotsen, der dich führen soll. Sieh, der Pilgersmann, | ||
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| - | Der Glaube an die Zukunft des Herrn ruht auch auf unserm eigenen Denken. Wer mit dem Saattuche still durch sein Feld gehet, die weichen Furchen entlang, und ausstreut guten Samen auf seinen Acker, ist der nun fertig? Kommt der nicht wieder? Lässt er es nun wachsen und reifen, wie es will? O nein, er kommt zur Zeit in festem Schritt mit der Sense, und lässt sie hinrauschen durch die vollen und leeren Halme. Dein Herr hat auch gesät, er ist über das Land geschritten, | ||
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| - | So Jemand ein Netz aufgestellt hat in den Fluss oder in das Meer, so geht er von dannen. Kommt er denn aber nicht wieder? Ja er kommt wieder, er wird es zuziehen, er wird es ans Land ziehen, er wird zusehen, was er gefangen hat. Er wird die guten Fische auslesen in seine Gefäße, und die schlechten wird er wegwerfen. - Der Herr hat auch ein Netz aufgestellt. Das Netz ist seine Kirche. Er dehnt es immer weiter aus, damit es den ganzen Strom des Menschengeschlechts bespanne. Soll er nun nicht kommen und sein Netz zusammen und ans Land ziehen? Ja er wird kommen am letzten Tage. Er wird es an das einzige feste Ufer des großen Meeres ziehen; dies Ufer und Land ist sein ewiges Reich. - | ||
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| - | Der du aber dieser evangelischen Lehre lachst, was dünket dich um die Welt und ihre Zukunft? Soll es ewig so fortgehen: geboren werden und sterben, freien und sich freien lassen, einmal ein Krieg und eine Pest, dann wieder Friede und Gesundheit, heute das Angesicht voll Lachen und morgen voll Tränen? Soll die Welt ein ewiger Kirchhof sein, wo fort und fort die Geschlechter in den Staub sinken, und aus dem Staub immerfort neue Geschlechter sich erheben? Soll die Sünde wuchern fort und fort ohne Maß und Ziel, und in neuen Formen und Farben sich erheben? Und soll das Reich Gottes einen ewigen Kampf kämpfen, ohne einst ein Siegeslied zu singen, ohne ein letztes, volles Halleluja? Nein, so wahr Gott die Welt geschaffen hat mit seinem Wort, so wahr er den Erneurer, seinen lieben Sohn gesandt hat, so wahr wird er einst ihre Erneuerung vollenden. Himmel und Erde werden vergehen, aber seine Worte werden nicht vergehen. Die Stunde aber, wann des Menschen Sohn kommen wird, weiß Niemand, denn allein der Vater. Darum | ||
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| - | =====III. Christ, mach dich fertig und steh auf der Wacht, Er kommt sonst wie ein Dieb in finstrer Nacht.===== | ||
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| - | Der ganze Schluss unseres Evangeliums ist eine große Warnung. „Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig sein möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohne.“ Zwei Dinge sind es besonders, die uns in diese Sicherheit einwiegen vor dem Tode und vor dem Kommen des Herrn. Es ist die Lust des Lebens, es ist der Genuss, der den Tag und den Abend seine Befriedigung gefunden hat und den Morgen wieder nachdenkt, wo er sie heute finden soll. Du siehst darin wohl um dich, du siehst wohl unter dich. Du hebest auch in Freude und Mut deines natürlichen Menschen dein Haupt empor, du reckest es hoch auf. Aber willst du dabei sehen, ob sich deine Erlösung naht? Nein, du willst ja nicht los sein, du zitterst vor der Erlösung, die dir keine Erlösung ist. Du reckst und streckst dich, um zu zeigen, wie wohl du in deiner Lust zu Hause bist, und wie du nicht heraus willst. Erst musst du das Haupt mit Demut niedersenken lernen, erst musst du arm werden in dem Herrn, erst musst du fühlen, dass deine Freude Nichts ist, als wilde Blumen um ein hohles Grab - dann lernst du dein Haupt emporheben und aufschauen nach deiner Erlösung. - | ||
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| - | Das ist die eine Hälfte unter uns. Die andere geht einher verstrickt in Sorgen des Lebens. Sie sieht zur Erde nieder. Sie singt das Klagelied: „Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden?“ O du Sorgenkind, soll dich denn dein Sorgen um den köstlichsten Ausblick betrügen? Tue nach Gottes Ordnung was in deinen Kräften steht. Dann lass ihn sorgen. „Schaue die Vögel unter dem Himmel an, die nicht säen und nicht ernten und nicht in die Scheuern sammeln. Und dein himmlischer Vater nähret sie doch. Bist du denn nicht viel mehr denn sie? Schaue die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen. Sie nähen nicht, sie spinnen auch nicht. Und doch sage ich dir, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen eins. Bist du denn nicht viel mehr denn sie?“ Wie tief ist aber die Sicherheit, in die uns die Freude und die Sorge dieser Welt wieget! Wenn dir Jemand gewiss verkündigen könnte: „In vier Wochen wirst du sterben,“ ei, würdest du da auf deiner Sicherheit herausgeschreckt! Du schlössest deine Rechnungen, du machtest dein Testament, du suchtest das Angesicht deines Gottes, du lägest vor ihm auf den Knien, dass er dir ein seliges Ende bescherte. In deinem Haus wärst du ein Engel des Friedens, es ginge so still darinnen her, als ob es ein Vorhof zum Himmel wäre. Deine Kinder sprächen leise untereinander: | ||
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| - | Dein Leben hängt an keinem festeren Faden, als das der Kinder Hiobs und des Chaldäerkönigs. Es kann gar leicht im Leben ein solcher Unterschied zwischen zwei Sonntagen sein, wie zwischen zwei Sonntagen im Wort. Die Ankunft deines Herrn zum Gericht kann so nahe sein wie die des Perserkönigs. Du hast so wenig einen Sicherheitsbrief wie Jene, nicht einmal einen Heimatsschein auf etliche Jahre. Wohlauf denn! Reiß dich los aus den Banden der Lust und Sorge. Sei wacker allezeit. Wache und bete. Stehe fest im Glauben. Heilige dem Herrn dein Leben. Stelle dir seine Zukunft fleißig vor. Und wenn du an das liebe Weihnachtsfest denkest, und es geht wie ein Freudenstrahl der Gedanke durch die Seele: „Der Herr ist gekommen sanftmütig, | ||
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| - | ======Bomhard, | ||
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| - | Nur wer dich kennt und liebt, du ewiger Brunnquell der Wahrheit und des Lebens, du starker Hort und Helfer der Deinen - wer sich im Glauben treu mit dir vereinigt und auf deine Verheißungen, | ||
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| - | „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenn gleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. - Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schutz! Sela.“ Es ist ein großer, kühner Sinn, der in diesen Worten des sechs und vierzigsten Psalmes sich ausspricht - ein erhabenes herrliches Gottvertrauen, | ||
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| - | „Wir aber, sagt der Prophet, fürchten uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenn gleich das Meer wütete und wallte, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen!“ Ist es nicht ein allzu kühnes stolzes Wort, das er hiermit redet? Grenzt es nicht an eitle Ruhmredigkeit, | ||
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| - | Der fromme Verfasser des Psalmes beantwortet uns diese Fragen zur vollen Genüge; er zeigt uns, dass es nicht törichter Leichtsinn, nicht strafbare Anmaßung, nicht ein kindisches Prahlen mit einem in der Gefahr dahin schwindenden Mute ist, was ihm diese getrosten Worte in den Mund gegeben hat. „Gott, sagt er, ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben: der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schutz.“ Gewiss, wenn er uns diese Zuversicht als die Quelle seines Mutes, seiner die Welt verachtenden Tapferkeit nennt, so können wir nichts dagegen einwenden, so müssen wir ihm Recht geben, so begreifen wir die Möglichkeit und die Hoheit einer solchen Gesinnung. Wer sagen kann: „der Herr ist mein Licht und mein Heil,“ der kann auch hinzu setzen: „vor wem sollte ich mich fürchten? | ||
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| - | Gibt es nun eine Gesinnung, die wir uns unter den mancherlei Beängstigungen und Gefahren dieses Lebens herzlicher wünschen möchten, als diese? Halten wir nicht alle einen allezeit getrosten Mut, eine auf Gottes Macht und Gnade gebaute Nutzen der Seele für ein großes Gut? Fühlen wir nicht alle tief die Wahrheit und Bedeutung jenes schönen Spruches: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde?“ Wohlan, lasst uns darüber nachdenken, worin diese köstliche Festigkeit des Herzens besteht und wie gewiss sie niemals dem fehlen kann, dessen Zuversicht und Stärke der Herr ist. Die Worte des sechs und vierzigsten Psalmes, an die wir euch jetzt erinnert haben, stehen in einem genauen Zusammenhange mit unserm heutigen Evangelio, und wenn dort der Fromme spricht: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben; darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,“ so hören wir in unserm Evangelio den Herrn uns ermahnen, selbst unter den Schrecknissen des Jüngsten Tages getrost unsere Häupter aufzuheben, darum dass unsere Erlösung sich naht. Mögen alle das können! Wir bitten Gott darum in dem Gebete seines lieben Sohnes. Vater unser rc. | ||
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| - | Evangelium: Luc. 21, 25 - 36. | ||
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| - | Fürchterliche Dinge sind es, von denen der wahrhaftige Mund Christi in diesem Evangelio redet. Über der Zukunft schweben seine Gedanken; schreckliche Veränderungen, | ||
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| - | =====Das feste Herz des gläubigen Christen.===== | ||
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| - | „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“, sagt die Heilige Schrift. Was versteht sie unter einem festen Herzen, und warum nennt sie es ein köstlich Ding? Sie versteht darunter ein Gemüt, welches das unveränderliche Ziel seiner höchsten Wünsche, die Aufgabe und Absicht seines Daseins in Gott gefunden hat, welches all sein Hoffen, sein ganzes Glück allein auf den unbeweglichen Felsen, auf Gott gründet und baut; das nun durch keinen Sturm des Schicksals, durch kein Drängen und Treiben der Welt, durch kein Locken der Lust, durch kein Schlagen und Verwunden des Unglücks, durch kein Widersprechen der Menschen, durch kein Zweifeln des Verstandes sich mehr irre und wankend machen lässt; ein Gemüt, das im höchsten zeitlichen Glück mit einem Paulus denkt: „Ich achte es alles für Kot und achte es für Schaden, auf dass ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde“; und das im tiefsten zeitlichen Leide mit einem Asaph spricht: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ Diesen Mut, welcher die Welt überwindet, | ||
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| - | =====Sein Glaube hängt nicht von den Meinungen der Menschen ab. ===== | ||
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| - | Was ist beweglicher, | ||
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| - | Preis dem Herrn! Was auch ungewiss, schwankend, der Veränderung und Verbesserung fähig sein mag auf Erden - unser Christenglaube ist das nicht! Denn dieser beruht einzig und allein auf dem Worte Gottes. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ So spricht der König der Wahrheit im heutigen Evangelio. So haben sich seine Worte seit achtzehnhundert Jahren bewiesen; so stehen sie noch heute in ihrer ganzen unerschütterlichen Wahrheit, Hoheit, Gültigkeit und Majestät da und werden so von allen erleuchteten und gottliebenden Seelen erkannt; so werden sie sich noch ferner beweisen in alle Ewigkeit. Wie freut sich der Christ des untrüglichen, | ||
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| - | =====Sein Glück beruht nicht auf der Welt. ===== | ||
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| - | Voll ist zwar diese Erde von Gütern und Annehmlichkeiten mancher Art, die etwas Schmeichelhaftes, | ||
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| - | Aber das Glück des gläubigen Christen beruht auf dem Unsichtbaren, | ||
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| - | =====Seine Gerechtigkeit steht nicht in seinen eigenen Werken. ===== | ||
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| - | Soll unsere Hoffnung auf Gott nicht eitel, soll unser auf seine Gnade gebautes Glück nicht ein Traum sein, so müssen wir gerecht vor ihm erfunden werden, so müssen wir durch ihn selbst versichert sein, dass nicht sein Zorn, sondern seine Gnade über uns waltet, dass nicht die Strafen, sondern die Freuden seiner Ewigkeit auf uns warten. Ernste Betrachtung - bedenkliche Untersuchung, | ||
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| - | Aber darum lernt der Christ von Tag zu Tag immer inniger und dankbarer sich desjenigen freuen, der, nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst gemacht hat, sich gesetzt hat zu der Rechten der Majestät in der Hohe, der an unserer Statt das Gesetz vollkommen erfüllt hat und dessen Gehorsam nun den Gläubigen von Gott zugerechnet wird, der den Fluch des Gesetzes von uns abgewendet hat, da er ward ein Fluch für uns. Für ihn nun, den gläubigen Christen - bei aller seiner Kenntnis des Gesetzes und der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, bei aller seiner Ehrfurcht davor, bei all seinem tiefen Gefühl seiner Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit - für ihn hat das Furchtbarste, | ||
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| - | =====Sein Freund ist kein Sterblicher. ===== | ||
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| - | Auf Freunde traut und baut der Mensch, mehr als er selbst sich's bewusst ist; von der Einsicht, von der Macht, von dem Wohlwollen seiner Freunde hofft er gar Vieles. Und das ist an sich nicht zu tadeln; es ist uns das tief in unsere Natur gepflanzt, ist eine Einrichtung Gottes selbst, der unser Herz zur Freundschaft gebildet hat und durch die treuen Gefährten unsers Lebens uns des Guten unzähliges erzeigt. Auf die Beratung und Fürsorge zärtlicher Eltern stützt sich die hilflose Kindheit; an Freundesherzen schließt sich die Jugend an mit allem Feuer und Vertrauen der früheren Jahre; Freunde sollen uns die mühevollen Tage des männlichen Alters erleichtern und verschönern; | ||
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| - | Heil uns, wir haben, wir haben diesen bessern Freund, der das Herz fest macht, der uns immer einen gewissen Rat, eine sichere Zuflucht, einen mächtigen Trost, eine unfehlbare Hilfe gewährt! Du bist dieser Freund, o mein Jesus! spricht die gläubige Seele; du erlaubst mir zu dir zu sagen: „Mein Freund ist mein und ich bin sein!“ Dieser gibt mir nie einen falschen Rat, denn er ist das Licht der Welt, in ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Dieser ist nie ferne von mir, denn er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Dieser ist nie zu schwach mir zu helfen, denn ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Dieser wird nie ungeduldig über mich, denn „barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte;“ „das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen.“ Dieser ändert sich nicht, denn „Jesus Christus gestern und heute, und derselbige auch in Ewigkeit!“ Dieser wird mich nie verleugnen, denn: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den werde ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Dieser stirbt mir nicht; er spricht vielmehr: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ - Weil der Christ einen solchen Freund hat, wie sollte er nicht das köstliche Ding eines festen Herzens haben? Weiß er doch durch diesen Freund gewiss: | ||
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| - | =====Seine Erlösung wird nicht ausbleiben. ===== | ||
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| - | Auf Befreiung von gegenwärtigen Übeln hofft der Mensch unter dem Drucke des Elends; nach kommenden besseren Tagen blickt er sehnend hinaus, um sich über seine Leiden zu trösten. Wird der Christ in dieser Hoffnung sich täuschen? Er weiß: „das Warten der Gerechten wird Freude werden.“ Was zeigt der Herr den Seinigen im heutigen Evangelio mitten unter den schauderhaften Erscheinungen, | ||
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| - | O selige Verheißung, | ||
| - | |||
| - | Ja, Herr, du führest sie heran\\ | ||
| - | Die Stunde der Erlösung, | ||
| - | Die Stunde, da ich hoffen kann\\ | ||
| - | Trost, Freiheit und Genesung;\\ | ||
| - | Da Engeln gleich\\ | ||
| - | Im Himmelreich\\ | ||
| - | Ich ewig werde leben\\ | ||
| - | Mit Herrlichkeit umgeben. Amen. | ||
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| - | |||
| - | ======Brenz, | ||
| - | |||
| - | 1539. | ||
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| - | Luk. 21,25-36.\\ | ||
| - | „**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht, und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen; so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen; | ||
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| - | Wir haben am vorigen Sonntag gehört, dass diese Zeit nach öffentlichem Sprachgebrauch die Zukunft des Herrn genannt worden ist. Obwohl aber Heuchler diese Anordnung zum Aberglauben missbraucht haben, darum haben unsere Altvorderen dennoch solchen Zeitabschnitt festgesetzt, | ||
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| - | **von der letzten Zukunft Christi** | ||
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| - | reden. Öffentlich wird Christus nämlich noch einmal in großer Herrlichkeit und Majestät kommen am Jüngsten Tag, um zu richten die Lebendigen und die Toten. | ||
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| - | Es ist aber notwendig, von solcher Zukunft mit Sorgfalt zu handeln. Denn die Frommen haben in den so großen Nöten dieser Welt, in solcher Unordnung und Verwirrung aller Dinge keinen anderen Trost, als den aus dieser Zukunft Christi, wodurch Alles in seine rechte Ordnung gefügt werden soll. Indem Paulus an die Thessalonicher schreibt, redet er von dieser Zukunft mit dem Zusatz: „So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander.“ (1. Thess. 4,18.) Und ferner spricht er (2. Thess. 1,6.7.): „Es ist recht bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbart werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft.“ Damit also die Frommen im Glauben und im Gehorsam des Glaubens erhalten bleiben, muss uns die Zukunft Christi in der Majestät immerdar vor Augen gestellt werden. Und obwohl die Gottlosen lachen, so oft von solcher Zukunft Christi die Rede ist, und vollständig das tun, was er im Gleichnis bei Matthäus (24,48-51.) von dem Knecht erzählt, der seine Mitknechte schlug, als der Herr zu kommen verzog: so ist dennoch erstens: Nichts gewisser als diese Zukunft. Denn die Schrift bezeugt schon vom Anbeginn des Erdkreises, der Heilige Geist habe offenbart, es werde ein allgemeines Gericht über die ganze Schöpfung stattfinden, | ||
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| - | Nun wollen wir von der Art und Weise seiner Zukunft handeln. Was also wird die Weise der Dinge sein bei der Zukunft Christi? Was soll vorhergehen und was bei jener Zukunft geschehen? Das Evangelium, welches am heutigen Sonntag pflegt gelesen zu werden, redet von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen und wird gewöhnlich ausgelegt in Betreff der Zeichen, welche der zweiten Zukunft Christi vorangehen sollen. Obwohl wir nun an einem anderen Ort gezeigt haben, Christus rede in solcher Predigt vornehmlich von der Zerstörung der Stadt Jerusalem und dem Untergang des jüdischen Volkes zu der Zeit, als diese Zeichen in Erfüllung gingen: so wollen auch wir es dennoch von den Zeichen des Jüngsten Tages auslegen. Denn es ist wahrscheinlich, | ||
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| - | Was aber Christum selbst anlangt, sagt der Apostel (1. Thess. 4,16): „Der Herr wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel.“ Und (Matth. 25,31): „Des Menschen Sohn wird kommen in seiner Herrlichkeit, | ||
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| - | Es gibt aber auch keinen anderen Tag, an welchem Alles soll umgestaltet werden, außer diesem Tage. Vieles, ja Unzähliges ist in dieser Welt ungeordnet. Groß ist die Verwirrung, dass die Frommen unterdrückt werden, die Gottlosen dagegen glücklich leben; aber diese Verwirrung wird nicht eher umgestaltet werden, als bis jener Tag gekommen ist. Groß ist die Verwirrung der Dinge, dass man predigt, Christus habe den Satan überwunden, | ||
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| - | Nun lasst uns von der Zeit derselben hören. Wann also, oder in welchem Jahre, oder an welchem Tage wird Christus kommen? Über die Zeit dieser Zukunft ist dasselbe zu sagen, was Christus über die Zerstörung Jerusalems sagt. Von diesem Tage, spricht er, weiß nicht einmal des Menschen Sohn. Er weiß es zwar nach seiner Herrlichkeit; | ||
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| - | Die Tage unseres Lebens währen siebzig oder achtzig Jahre, und ist es mehr, so ist's Arbeit und Schmerz; und dennoch bereiten wir uns nicht zu rechter Zeit auf den Tod vor. Was würden wir also tun, wäre uns die Zeit des Jüngsten Tages bekannt? Ebendeshalb verbirgt uns Gott den Augenblick dieser Zeit, um uns zur Wachsamkeit zu ermuntern. Denn wie jeder große Festtag, z. B. Weihnachten, | ||
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| - | ======Frommel, | ||
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| - | Es ist etwas eigentümlich Inniges und Sinniges um die liebe Adventszeit, | ||
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| - | Das hat seinen Grund darin, dass wir als Christen von einem doppelten Advent wissen: von dem Kommen Christi ins Fleisch und von dem Wiederkommen Christi zum Gericht. Ja, unser ganzes Christenleben ist hineingestellt zwischen dieses doppelte Kommen unsers Zionskönigs und Friedefürsten: | ||
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| - | Psalm 126.\\ | ||
| - | **Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan; der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Herr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.** | ||
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| - | So sang Israel, wenn es hinaufzog gen Jerusalem zu den hohen Festen, und über Berg und Thal schollen seine Pilgerlieder, | ||
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| - | Ein Adventslied der pilgernden Kinder Gottes. | ||
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| - | Wir singen es im Glauben als Lied der Erlösung, Wir singen unsern Psalm in der Hoffnung als Lied der Vollendung. | ||
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| - | Herr Jesu, Du Adventskönig, | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | Das Leben eines Christen hienieden ist ein Pilgerleben, | ||
| - | |||
| - | Wie lautet denn nun unser Psalm, gesungen im Glauben als Lied der Erlösung? Meine Lieben, wer Christum gefunden im bußfertigen Glauben, wer sich von Herzen zu Ihm bekehrt hat, der frohlockt: „Der Herr hat die Gefangenen Zions von der Knechtschaft der Sünde und des Todes erlöst, als er auf Golgatha rief: „Es ist vollbracht!“ Die Tür meines Kerkers hat Er aufgetan, wo ich saß im Schatten des Todes, und ich erblickte seine hehre Gestalt mit den Nägelmalen in seinen Händen und mit der Wunde in seiner Seite, mit der Heilandsliebe auf seinem Angesicht, mit der suchenden Hirtenliebe in seinen Augen. Und als er zu mir trat und ich hörte in seinem Wort seine holdselige Stimme mit der frohen Botschaft: „Fürchte Dich nicht, Ich habe Dich erlöst, du bist frei, Deine Schuld ist vergeben, Dein Lösegeld ist bezahlt“ da war mir doch wie einem Träumenden, | ||
| - | |||
| - | Unser Kerker, da wir saßen \\ | ||
| - | Und mit Sorgen ohne Maßen \\ | ||
| - | Uns das Herze selbst abfraßen, \\ | ||
| - | Ist entzwei und wir sind frei. | ||
| - | |||
| - | Wer aber Amen gesagt hat zu der Absolution Gottes: Gehe hin, deine Sünden sind dir vergeben; wer da spricht: Das ist gewisslich wahr, das ist gewisslich mein dem ist sein Mund voll Lachens geworden und seine Zunge voll Rühmens. Wer in Christo den Isaak gefunden, in welchem alle Verheißungen auf ewig erfüllt und alle Geschlechter ewig gesegnet werden, der sagt mit Sara: „Gott hat mir ein Lachen zugerichtet, | ||
| - | |||
| - | O, dass ich tausend Zungen hätte \\ | ||
| - | Und einen tausendfachen Mund, \\ | ||
| - | So stimmt' | ||
| - | Vom allertiefsten Herzensgrund \\ | ||
| - | Ein Loblied nach dem andern an\\ | ||
| - | Von dem, was Gott an mir getan. | ||
| - | |||
| - | Und selbst die Heiden, die Kinder dieser Welt, müssen etwas davon inne werden, dass der Herr Großes an einem Menschen getan, der sich zu Christo in Wahrheit bekehrt hat, wenn sie sehen, dass das Reich Gottes nicht besteht in Worten, sondern in der Kraft, wenn sie erkennen, dass der Geist Gottes aus einem Weltkinde ein Gotteskind gemacht, dass er die Trägen fleißig, die Zornigen sanftmütig, | ||
| - | |||
| - | So lautet das Pilgerlied Israels im höheren Chor als Lied von der Erlösung, wenn es der Glaube des Christen singt. Aber lass mich die Frage an dich richten: Kannst du das Lied singen? Kennst du die heilige Freude und die Zunge voll Rühmens darüber, dass der Herr die gefangene Seele erlöst hat? Kennst du die verborgene, täglich neue Kraft, welche darin liegt, dass ein Christ unter allen Umständen, auch unter Tränen singen kann: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!“? | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Freilich bleibt daneben der Seufzer unsers Psalms bestehen in unserer Pilgrimschaft: | ||
| - | |||
| - | O meine Lieben, dieser Blick in die große Zukunft lässt einen Christen singen auch mitten im Elende. Durch das Wort lässt Gott uns erblicken im Glauben die Herrlichkeit der zukünftigen Welt, und sein Geist gibt uns hienieden schon Stunden, wo unsere Seele schwebt über den Höhen auf Erden und gespeist wird in Vorahnung mit dem himmlischen Erbe. Es gibt Sterbebetten gläubiger Seelen, über welchen eine Verklärung lagert und von welchen Kräfte der zukünftigen Welt ausgehen, dass auch Fernerstehende ergriffen werden von der Morgenluft der Ewigkeit, die um solche Siech- und Siegesbetten seiner Heiligen weht. Wenn mein großer Vorgänger hier (in Celle) Johann Arnd, auf seinem Sterbebette freudestrahlend rief: „Ich habe die Herrlichkeit des Herrn gesehen,“ so ist das wie ein Schauen Mosis auf dem Berge Nebo hinüber ins gelobte Land und in die Erbteile der Kinder Israel, oder wie der Blick Johannis, dem der Engel im Gesicht die Stadt Gottes zeigt im Morgenlicht der Ewigkeit. Da regt der Geist seine Schwingen, da greift die Hand nach der Harfe, da schwellen die Lippen von dem Gesang des Heimwehs, wie es der Sänger in dem herrlichen Liede ausspricht: | ||
| - | |||
| - | Ich hab' von ferne, Herr, deinen Thron erblickt, \\ | ||
| - | Und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt, | ||
| - | Und hätte gerne mein müdes Leben, \\ | ||
| - | Schöpfer der Geister, dir hingegeben. \\ | ||
| - | Das war so prächtig, was ich im Geist gesehn; \\ | ||
| - | Du bist allmächtig, | ||
| - | Könnt ich an diesen hellen Thronen\\ | ||
| - | Doch schon von heute an ewig wohnen.\\ | ||
| - | Ich bin zufrieden, dass ich die Stadt gesehn, \\ | ||
| - | und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn \\ | ||
| - | Und ihre hellen goldnen Gassen \\ | ||
| - | Lebenslang nicht aus den Augen lassen. | ||
| - | |||
| - | So lautet unser Psalm als Lied von der Vollendung, wenn es die Hoffnung des Christen singt. Aber lass mich auch hier die Frage an dich richten: Kannst du das Lied singen? Kennst du das heilige Verlangen und Sehnen der Seele, abzuscheiden und bei Christo zu sein, weil Christus dein Leben und Sterben dein Gewinn ist? Kennst du die verborgene, täglich neue Kraft, welche darin liegt, dass ein Kreuzträger Christi unter allen Umständen zuversichtlich sagen darf: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mir aufhelfen zu seinem himmlischen Reich?“ Die Hand aufs Herz: Wär' es dir die höchste Freude, wenn der Herr heute zu dir träte und zu dir spräche: Heute sollst du mit mir im Paradiese sein?“ Siehe, darauf wird mit ehrlichem Ja nur antworten können, wer inwendig Valet gesagt hat der Welt und ihrer Lust((Abschied genommen hat)), wer aufgebrochen und ein Pilgrim geworden ist, der Christo nachfolgt in seiner Niedrigkeit und Christo entgegengeht zu seiner Herrlichkeit. Das Lied der Vollendung kann nur der fingen, der zuvor das Lied der Erlösung gesungen, nur wer im Glauben gewiss geworden der Vergebung, ist in der Hoffnung gewiss der ewigen Freude. Wer aber Christum den Gekreuzigten ergriffen hat als seine einzige Rettung,` der hält auch fest Christum den Auferstandenen und Thronenden und Wiederkommenden als seine einzige Hoffnung. Wem er zum A geworden in der Erlösung, dem ist er auch zum O geworden für die Vollendung. | ||
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| - | So kehrt das Ende unserer Betrachtung in ihren Anfang zurück: das Christenleben steht zwischen dem doppelten Advent Christi: hinter uns die Welterlösung, | ||
| - | |||
| - | Summa, es ist ein selig Ding, ein Jünger und eine Jüngerin Jesu zu sein und in Freud und Leid, mit einem Munde voll Lachens und mit Augen voll Tränen, im Leben und im Sterben singen und sagen zu können: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.“ Amen. Halleluja. Amen. | ||
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| - | ======Gerok, | ||
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| - | Der große Tag des Herrn | ||
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| - | (1848.) | ||
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| - | Matth. 25,31-46.\\ | ||
| - | **Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, | ||
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| - | Es war ein liebliches Adventsbild, | ||
| - | |||
| - | Haben wir des einen Bildes uns erfreut, so dürfen wir auch vom andern uns nicht abwenden. So gewiss der Herr gekommen ist, so gewiss wird Er wieder kommen am Ende der Tage. Zwischen diese beiden Adventszeiten sind wir hineingestellt mit unserem Leben; beide predigen uns, beide rufen uns zu, die eine aus der Vergangenheit herauf, die andere aus der Zukunft herüber: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. | ||
| - | |||
| - | So lasst uns denn heut nicht überhören den Posaunenton des Weltgerichts, | ||
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| - | Der große Tag des Herrn | ||
| - | |||
| - | - mit seiner großen Offenbarung, | ||
| - | - mit seiner großen Rechnung, | ||
| - | - mit seiner großen Scheidung und | ||
| - | - mit seiner großen Entscheidung. | ||
| - | |||
| - | Tief im Staub ring ich die Hände, \\ | ||
| - | Gnädig dich zum Sünder wende, \\ | ||
| - | Herr, gedenke mein am Ende! | ||
| - | |||
| - | Zu den Schafen mich geselle,\\ | ||
| - | Fern den Böden und der Hölle,\\ | ||
| - | Mich zu Deiner Rechten stelle. Amen. | ||
| - | |||
| - | Der große Tag des Herrn sei heute das Thema unserer Betrachtung. Der große Tag des Herrn | ||
| - | |||
| - | =====1) mit seiner großen Offenbarung.===== | ||
| - | |||
| - | So viel liebliche und majestätische Offenbarungen der heilige Gott Seiner Welt schon zugedacht hat von der grauen Urzeit an, wo Er mit Noah im Regenbogen und mit Moses im Wetter redete, bis da Er über dem Haupte Seines Eingeborenen sprach: Siehe, das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören! und bis auf den heutigen Tag, wo Er sich uns immer noch offenbart in Seinem Wort und in Seiner Welt, in mächtigen Völkerschicksalen und in verborgenen Menschenführungen noch eine, die größte, gewaltigste Offenbarung Gottes steht der Welt bevor. Das ist die, von welcher der Herr weissagt in unserem Text: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm, dann wird Er sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden.“ Höre es, o Erde, nimm's zu Ohren, o Welt: des Menschen Sohn wird kommen, wird wieder kommen! Er ist nicht verschollen in der Welt; Er hat nicht Abschied genommen auf ewig von der Erde dort als er vom Ölberg gen Himmel fuhr; Er hat Sein letztes Wort noch nicht gesprochen mit der Welt, Sein letztes Amt noch nicht ausgerichtet an der Menschheit. Die Gläubigen sollen nicht ewig Sein warten, die Ungläubigen sollen nicht ewig Sein spotten; Er wird halten, was Er in Seiner tiefsten Schmach Seinen Feinden ins Antlitz geweissagt: „Ich sage euch von nun an wird es geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels“ (Matth. 26,64.). „Er wird wiederkommen! Und wird kommen in Seiner Herrlichkeit!“ In der Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Auch jetzt ist Seine Herrlichkeit verhüllt vor der Welt. Wohl wird sie Seinen Gläubigen im Herzen kund; wenn Er ein stolzes Sünderherz niederschlägt mit Seiner Siegesmacht, | ||
| - | |||
| - | „Er wird kommen und Seine heiligen Engel mit Ihm.“ Die himmlischen Geister, die so hoch über uns Menschen stehen und doch vor dem Menschensohne nur Knechte und Vasallen sind; die Ihn verkündigten, | ||
| - | |||
| - | Dann, wann der Richter wie ein Blitz Vom Himmel niederfährt, | ||
| - | Wann aller Sünder Lust und Witz In Heulen sich verkehrt, \\ | ||
| - | Dann kommt Er dir als Morgenstern Mit süßem Gnadenschein; | ||
| - | Dann gehst du mit deinem Herrn zu Seinen Freuden ein. | ||
| - | |||
| - | Aber zuvor kommt die große Rechnung. | ||
| - | |||
| - | Das ist das Zweite, was der große Tag des Herrn mit sich bringt | ||
| - | |||
| - | =====2) eine große Rechnung.===== | ||
| - | |||
| - | „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist usw.“ So wird der Herr einen Jeden auf Seiner heiligen Waage wägen, einen Jeden messen mit Seinem untrüglichen Maßstab, und ihm die Rechnung seines Lebens stellen. Jetzt, meine Lieben, weiß Keiner unter uns, was er vor Gott wert ist. Was die Welt für ein Urteil über uns fällt, was unser eigenes Herz über uns urteilt, das gilt noch nicht in der Waage des ewigen Richters. Die Welt ist oft verblendet, unser Herz ist meist bestochen in Seinem Urteil. Aus dem Munde des Herzenskündigers erst werden wir's erfahren, in dem Lichte jenes großen Tages wird's offenbar werden, was an uns ist. | ||
| - | |||
| - | Und wonach wird der Richter fragen? mit welchem Maßstab wird Er messen? Wird unser Geld und Gut in Seiner Waage wiegen? oder wird unser Stand und Amt ins Gewicht fallen? wird Er uns messen nach unseren Kenntnissen und Geschicklichkeiten? | ||
| - | |||
| - | Liebe Christen! nach diesem Maßstab gemessen, nach dem Maßstab der uneigennützigen Bruderliebe - was ist wohl unser Leben wert? Wenn nur das gilt vor dem Herrn, was wir in Liebe gewirkt - o, wie verwerflich muss da so manches kalte, selbstsüchtige Herz, wie unnütz muss da so manches eitle, im Dienst des Eigennutzes verschwendete Leben, wie verächtlich muss da so viel selbstsüchtiges Tun und Treiben, wie eitel muss da so viel Schein- und Maulchristentum erscheinen in Seinen heiligen Augen! Bei wie Manchem unter uns würde da, wenn der Herr heute sein Herz und Leben auf die untrügliche Waage des oberen Heiligtums legte, das Urteil ausfallen, wie dort bei Belsazar: Man hat dich gewogen und zu leicht erfunden! - lasst uns diese Entdeckung nicht aufsparen auf jenen großen Tag; heute, jetzt wollen wir in uns gehen und uns fragen, für wen hab ich denn bisher gelebt, für mich oder für die Brüder? Was hat mich getrieben bei meinem Tun und Lassen: Eigennutz und Selbstsucht, | ||
| - | |||
| - | Aber freilich, liebe Christen, diese Liebe, diese herzliche, ungefärbte Bruderliebe muss noch eine tiefere Quelle haben. Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan, spricht der Richter. „Seine Brüder“ nennt Er unsere Brüder! Nur als Seine Brüder, nur in Ihm, nur um Seinetwillen können wir unsere Brüder recht lieben. Keine rechte Bruder-Liebe ohne Liebe Gottes und Christi; keine wahrhaft gute Tat ohne frommen Sinn; kein christlich Leben ohne christlichen Glauben. Das wird doch keines unter uns wähnen, dass der Herzenskündiger an jenem Tag nur das äußere Werk ansehen werde: den Trunk Wasser, das Schnittlein Brot, den Fetzen Kleid, das Stück Geld, das wir dem Nächsten gereicht, und werde nicht auch nach dem Herzensgrund fragen, aus dem die Gabe geflossen? das wird Keines unter uns glauben, dass der Gesetzgeber des Neuen Testaments, der, welcher die Bergpredigt einst gehalten, hier eine eitle Werkheiligkeit predigen wolle, dabei man durch ein paar leichte Liebeswerke, | ||
| - | |||
| - | Stell uns Herr, die Ernte für, Dass wir gern auf Hoffnung säen; \\ | ||
| - | Was wir tun und tun es Dir, Lässt Du nicht umsonst geschehen: \\ | ||
| - | Hat man kein Verdienst davon, Gibt die Gnade dennoch Lohn. | ||
| - | |||
| - | Denn nach dem Erfund dieser Rechenschaft wird sich dann auch ergeben | ||
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| - | =====3) die große Scheidung.===== | ||
| - | |||
| - | „Und Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken.“ | ||
| - | |||
| - | Fürwahr, eine große, eine wichtige Scheidung. Hienieden, Geliebte, ist auch Allerlei, was die Menschen von einander scheidet. Da sind Unterschiede der Zeit und des Orts; liebende Herzen werden getrennt und stellen sich Berg und Tal dazwischen; verwandte Seelen sind durch Jahrhunderte von einander geschieden. Da sind Unterschiede der Sitten und Sprachen; unter wie vielen Völkern, in wie vielen Sprachen wird nur heute das Evangelium verkündet; welcher Abstand zwischen einer Sonntagsgemeinde hier in der alten Christenheit und drüben bei neubekehrten Heiden! Da sind Unterschiede der Bildung und des Geistes; der Gebildete sieht herab auf den Ungebildeten, | ||
| - | |||
| - | An jenem Tag wird's anders sein! Da fragt man nicht: Reich oder arm? Herr oder gemeiner Mann? schwarze oder weiße Haut? Da gilt nur Eines: gehörst du dem Herrn oder nicht? und nach diesem Maßstab bekommst du deine Stelle. O, meine Lieben, wie gar anders wird da geschieden werden zwischen den Menschen, als jetzt geschieden ist! Wie Mancher wird da herabsteigen müssen, der hienieden hoch steht! wie Mancher wird da zu den Böcken stehen müssen, der hier im Schafskleid geht! wie Manche werden da nebeneinander kommen, die sich's in diesem Leben nicht geträumt, und wie Manche werden auseinander kommen, die hier nebeneinander gewandelt! Wie wird sich da oft buchstäblich erfüllen jenes Wort des Herrn: Zwei werden auf dem Felde sein; Einer wird angenommen und der Andere wird verlassen werden. Zwo werden mahlen auf der Mühle, Eine wird angenommen, die Andere wird verlassen werden (Matth. 24,40.41.). Ja, wenn der Herr, der Herzenskündiger, | ||
| - | |||
| - | Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; \\ | ||
| - | Wo auf ihren Ehrenthronen Sitzet der zwölf Boten Zahl; \\ | ||
| - | Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; | ||
| - | Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Ewig Halleluja tönt! | ||
| - | |||
| - | Ja, ewig Halleluja; denn der große Tag des Herrn bringt endlich auch | ||
| - | |||
| - | =====4) eine große Entscheidung mit.===== | ||
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| - | „Da wird dann der König sagen zu denen zu Seiner Rechten: kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Dann wird Er auch sagen zu denen zur Linken: geht hin von mir, ihr Verfluchten, | ||
| - | |||
| - | Ewige Pein oder ewiges Leben! Kommt her zu mir, ihr Gesegneten des Herrn, oder: geht hin von mir, ihr Verfluchten! das himmlische Freudenreich oder das höllische Feuer! O, meine Lieben, was ist das für eine Entscheidung! was ist alle Sündenlust, | ||
| - | |||
| - | Und was sind alle Leiden dieses Lebens, alle Verleugnungen des Christen, alle Entbehrungen des Unglücklichsten auf Erden gegen das himmlische Friedens- und Freudenreich, | ||
| - | |||
| - | Zu Himmel oder Hölle! Jetzt noch ist die große Entscheidung nicht geschehen. Jetzt noch ist der Weg uns Allen offen zu Himmel oder Hölle. Jetzt noch ist der Tag des Heils, frei die Wahl des besten Teils. Und wenn Eines unter uns bis heute auf verkehrtem Wege gegangen ist, heute noch kann es umkehren, kann seine Seele erretten durch Buße, Glauben und neuen Gehorsam, kann sich noch ein Plätzchen zur Rechten erbeten und erkämpfen. Heute noch dann nicht mehr. Wenn einmal der Tag der Entscheidung kommt, dann ist die Gnadenzeit vorbei, dann ist die Umkehr unmöglich; dann ist's zu spät! Darum, heute entscheidet euch: Himmel oder Hölle? Wer Ohren hat zu hören, der höre! | ||
| - | |||
| - | Du aber, o Herr, bereite uns selbst auf Deinen großen Tag und lehre uns bedenken, was zu unserem Frieden dient. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe und erfahre, wie ich es meine; siehe Du, auf welchem Wege ich bin, und leite mich auf ewigem Wege, | ||
| - | |||
| - | Dass ich, wenn Du, Lebensfürst, | ||
| - | Froh Dir mög entgegenseh' | ||
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| - | ======Gerok, | ||
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| - | 1879. | ||
| - | |||
| - | (Mat. 25,31-46.) \\ | ||
| - | **(31) Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Nicht ohne ein Wort demütigen Dankes gegen Gott dürfen wir heute in diesem Gotteshaus erscheinen für ein abermaliges Wunder gnädiger Behütung und allmächtiger Bewahrung, das er an einem gesalbten Haupt, an einem unserem Königshaus nahe verwandten, großen und edlen Monarchen getan hat. | ||
| - | |||
| - | Beschließt einen Rat und es werde nichts daraus! So hat der Alleingewaltige, | ||
| - | |||
| - | Ja, es waltet noch über uns ein lebendiger Gott, der den Erdboden richtet mit Gerechtigkeit. Das haben uns die Ereignisse der verflossenen Woche wieder gepredigt. | ||
| - | |||
| - | Und es steht ein Endgericht bevor, wo alle Welt versammelt werden soll zur letzten Rechenschaft, | ||
| - | |||
| - | „Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig.“ So lautete vor acht Tagen die gnadenreiche Adventsbotschaft, | ||
| - | |||
| - | In anderer Gestalt sehen wir ihn heute, sitzend auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | So tröstlich der erste, so schrecklich der letzte. Und doch auch durch die Posaunen des Weltgerichts, | ||
| - | |||
| - | - voll erbarmender Liebe für die leidende Menschheit, | ||
| - | - voll segnender Liebe für seine redlichen Jünger, | ||
| - | - voll mahnender Liebe für die pflichtvergessene Welt. | ||
| - | |||
| - | Hehrer König, Herr der Schrecken, \\ | ||
| - | Gnade nur tilgt unsre Flecken, \\ | ||
| - | Gnade, Gnade lass mich decken! | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | Auch auf dem Stuhl des Weltenrichters bleibt Jesus Christus der König der Liebe. Als eine tröstliche Verheißung, | ||
| - | |||
| - | =====1) Die erbarmende Liebe für die leidende Menschheit.===== | ||
| - | |||
| - | „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist, durstig und ihr habt mich getränkt, ein Gast und ihr habt mich beherbergt, nackt und ihr habt mich bekleidet, krank und ihr habt mich besucht, gefangen und ihr seid zu mir gekommen. Denn was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Und was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan!“ So lauten die Entscheidungsgründe seines letzten Richterspruchs. | ||
| - | |||
| - | Hören wir da nicht auf dem Stuhl des Weltenrichters den alten liebevollen Menschensohn und Menschenfreund, | ||
| - | |||
| - | Das schreib dir in die Herzen, \\ | ||
| - | du hochbetrübtes Heer, \\ | ||
| - | Bei denen Gram und Schmerzen \\ | ||
| - | sich häufen mehr und mehr! | ||
| - | |||
| - | Also wie einst, da er hienieden im Staube wandelte, angelaufen und umdrängt von Leidenden aller Art, so auch droben auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Und wenn hier auf Erden niemand eurer in Liebe gedächte, wenn ihr von den Leichtsinnigen übersehen, von den Hartherzigen an ihrer Tür weggewiesen, | ||
| - | |||
| - | Und wenn hier in dieser Zeit euer Recht euch nicht würde und eure Hilfe nicht käme, so tröstet euch, es gibt ein gerechtes Gericht Gottes, das die Ungerechtigkeiten dieser Welt ausgleichen wird; es kommt ein Tag der Vergeltung, wo der arme, fromme Lazarus von Engeln getragen wird in Abrahams Schoß, wo der unbarmherzige reiche Mann Pein leidet in der Flamme. Also nicht in Ungerechtigkeit und Gewalttat, nicht in Raub und Mord und Brand und dem Umsturz göttlicher und menschlicher Ordnung sucht euer Heil, sondern der göttlichen Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | =====2) Und voll segnender Liebe für seine redlichen Jünger.===== | ||
| - | |||
| - | „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ So lautet der gnadenreiche Richterspruch des Menschensohnes über die zu seiner Rechten. Und worin zeigt sich denn ihre Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Hören wir nicht auch da wieder die Liebe, die billig fordernde, die milde urteilende, die reichlich lohnende, die unverdient segnende Liebe des Weltenrichters? | ||
| - | |||
| - | Und muss es uns nicht ein Trost sein in unserer Schwachheit, | ||
| - | |||
| - | Es ist ja gewiss: nicht ohne einen geheimen Schauer kann auch der Mutige, nicht ohne tiefes Bangen kann auch der Gerechte sich hineindenken in jene furchtbare Stunde, da wir allesamt müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl des gerechten Gottes, um zu empfangen, was unsere Taten wert sind, und auch ein redlicher Knecht Gottes, auch ein treuer Jünger Jesu muss einstimmen in die Klage: | ||
| - | |||
| - | Weh, wie werd ich Armer stehen, \\ | ||
| - | Wen zum Anwalt mir erflehen, \\ | ||
| - | Wenn Gerechte schier vergehen? ((Aus einer Übersetzung des Dies irae.)) | ||
| - | |||
| - | Muss denn nicht im Feuer der göttlichen Heiligkeit all unsere Gerechtigkeit zu Asche verbrennen? Müssen nicht im Licht der Ewigkeit tausend böse Flecken offenbar werden auch an den Besten? | ||
| - | |||
| - | Wenn ich gerichtet werde nach meinen Werken und mir vergolten wird nach dem, was ich gehandelt habe bei Leibesleben, | ||
| - | |||
| - | Aber wenn nun der Herr mein Herz ansieht und nicht nur mein Tun, mein Wollen und nicht bloß meinen Wandel; wenn er mit dem Flammenblick des Weltenrichters hineinschaut in die geheimsten Winkel meiner Seele, wenn er die Triebfedern meines Tuns erforscht, auch dessen, was gut getan scheint vor den Menschen; wenn er die argen Gedanken und bösen Gelüste ans Licht zieht, die auch in meinem Herzen hausen, ob sie auch vor der Welt bedeckt sind von der Hülle eines ehrbaren Wandels; wenn der Herzenskündiger mich nach den Gesinnungen meines Herzens richtet, werde ich da nicht noch übler bestehen, als wenn er mein äußeres Tun auf seine Waage legt? | ||
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| - | Wir wollen solche Fragen nicht leicht nehmen; der wäre kein aufrichtiger, | ||
| - | |||
| - | Aber den Trost darf doch ein redlicher Christ aus jenem milden Spruch des Weltenrichters sich entnehmen: | ||
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| - | Ob du auch keine glänzenden Verdienste und keine großen Taten aufweisen kannst am Tag des Gerichts: wenn du nur Gutes tust, wo du kannst, und Liebe übst, so weit du vermagst, so darfst du auf einen gnädigen Richter hoffen. Jedes gute Werk in Gott getan, wenn auch die Menschen nichts davon wissen, wenn auch du selber nicht viel davon hältst und nicht mehr daran denkst, es bleibt im Himmel angeschrieben; | ||
| - | |||
| - | Und ob du auch tausend Flecken in deinem Leben, tausend Mängel in deinem Herzen siehst und dein heiliger Herr und Gott noch zehnmal mehr als du selbst - eines ist's, was viele Mängel ersetzt und viele Schäden bedeckt: eine herzliche Liebe zum Herrn und um seinetwillen zu den Brüdern. Wo die im Herzen wohnt und im Leben sich zeigt, da soll auch ein Trunk Wasser, in Liebe gereicht, nicht unvergolten bleiben, da fällt auch das Scherflein der Witwe, aus treuem Herzen geopfert, in die Waagschale des Weltenrichters, | ||
| - | |||
| - | =====3) Zeigt er doch seine Liebe, seine heilig mahnende Liebe selbst an der pflichtvergessenen Welt.===== | ||
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| - | Furchtbar klingt ja freilich das Urteil des Richters über die zu seiner Linken: „Geht hin von mir, ihr Verfluchten, | ||
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| - | Ist es nicht ihr eigenes Tun und Lassen, wonach auch die zur Linken gerichtet werden, wodurch sie sich selbst ihr Los in Ewigkeit bereiten? | ||
| - | |||
| - | Sind es nicht mäßige Forderungen, | ||
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| - | Und waren sie nicht vorher belehrt, vorher gemahnt, vorher gewarnt durch das Wort des Herrn, das sie hören durften in ihrer Gnadenzeit, ehe es sie nun richtet in der Ewigkeit? | ||
| - | |||
| - | Ist nicht das ganze Evangelium, ist nicht unser heutiges Evangelium insbesondere ein heilsamer Mahnruf, ein wohlgemeintes Warnungswort, | ||
| - | |||
| - | Er kommt zum Weltgerichte, | ||
| - | Zum Fluch den, der ihm flucht; \\ | ||
| - | Mit Gnad und süßem Lichte \\ | ||
| - | Dem, der ihn liebt und sucht. \\ | ||
| - | Ach komm, ach komm, O Sonne, \\ | ||
| - | Und hol uns allzumal \\ | ||
| - | Zum ewgen Licht und Wonne \\ | ||
| - | In deinen Freudensaal! \\ | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
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| - | ======Gerok, | ||
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| - | (1861.) | ||
| - | |||
| - | Röm. 14,7-12.\\ | ||
| - | **Denn unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben, und auferstanden und wieder lebendig worden, dass er über Tote und Lebendige Herr sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellt werden, nach dem geschrieben steht: So wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Kniee gebeugt werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.** | ||
| - | |||
| - | „Kind, wem gehörst du?“ so fragen wir manchmal ein kleines Kind das uns auf der Straße begegnet, seis dass es uns besonders wohlgefällt oder dass es Unarten treibt; seis dass es zutraulich zu uns herkommt und uns die Hand gibt, oder dass es weinend und verlassen dasteht, vielleicht gar von Hause sich verirrt hat. „Kind, wem gehörst du?“ Und wenn das Kind nur soweit im Verstand und im Sprechen ist, dass es sagen kann, wems gehört, wie der Vater heißt, was er ist, wo er wohnt - so ist schon geholfen. Ist ihm etwas zugestoßen, | ||
| - | |||
| - | „Kind, wem gehörst du?“ Diese Frage, meine Lieben, hat aber einen Sinn für alle Menschenkinder, | ||
| - | |||
| - | Nun denn „Kind, wem gehörst du?“ Kannst dus sagen, wem du gehörst mit Leib und Seele, im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit? Ja, meine Lieben, wir wissens wohl, aber tun wir auch darnach? Wir habens schon oft vernommen und schon oft gesagt wem wir gehören, seit wir als Kinder das Gebetlein lernten: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein,“ und seit wir als Konfirmanden bezeugten: „Herr Jesu, dir leb ich, dir leid ich, dir sterb ich, dein bin ich tot und lebendig“; | ||
| - | |||
| - | „Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn,“ dieses schöne Bekenntnis eines Gotteskinds lasst uns betrachten; wie darin liegt | ||
| - | |||
| - | - ein hoher Glaubenstrost, | ||
| - | - eine große Lebensaufgabe, | ||
| - | - eine schöne Liebesregel. | ||
| - | |||
| - | Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, \\ | ||
| - | Ich bin dein, du bist mein, \\ | ||
| - | Niemand soll uns scheiden; - \\ | ||
| - | Lass mich, lass mich hingelangen, | ||
| - | Wo du mich \\ | ||
| - | Und ich dich \\ | ||
| - | Ewig werd umfangen. | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | „Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn“; so lautet das schöne Bekenntnis eines Gotteskinds, | ||
| - | |||
| - | =====1) ein hoher Glaubenstrost; | ||
| - | |||
| - | der Trost: Lebend steh ich in der Hut des Herrn, sterbend fall ich in die Hand des Herrn. Von einem reichbegabten, | ||
| - | |||
| - | Leben wir, so leben wir dem Herrn; o dieser Gedanke was wirft er für ein mildes, freundliches Licht auf alle unsre Pilgerwege. Ich gehöre dem Herrn; ich bin nicht ein Spielball des Schicksals, ich bin nicht eine Beute feindseliger Menschen, ich bin nicht ein Raub finstrer Mächte nein, ich gehöre dem Herrn, dem allmächtigen Schöpfer, der Leben und Odem gibt allen Kreaturen; dem gütigen Regierer, von dem es heißt: Was unser Gott erschaffen hat, das will er auch erhalten; dem barmherzigen Erlöser, der nicht will dass eine Seele verloren gehe, der auch mich zu seinem Eigentum erkauft hat nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit seinem heiligen teuren Blut, dem gehör ich an - mit solchem Bekenntnis geht ein Kind Gottes mutig und getrost durch die Welt; das ist seine Antwort auf die Frage: „wem gehörst du?“ sein Licht auf dunklen Wegen, sein Schild wider alle Anfechtung, sein Reisepass an allen Orten, sein Zehrpfennig bei allem Mangel, sein Adelsbrief bei aller äußeren Niedrigkeit: | ||
| - | |||
| - | „Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn;“ lebend steh ich in seiner Hut und sterbend fall ich in seine Hand, das ist noch ein höherer Trost, noch ein größerer Sieg des Glaubens. Auch der letzte und ärgste Feind der Menschenkinder, | ||
| - | |||
| - | „Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Wenn wir das glauben und fassen - o wie ruhig können wir da Zeit und Stunde unsres Abschieds erwarten! „Mein Vater wird mich schon holen,“ sagte jenes verlaufene Kind im fremden Haus. Mein Vater wird mich schon holen, zu rechter Zeit und Stunde, so sprich auch du, Kind Gottes, wenn dir die Zeit zu lange und das Leben zu schwer werden will; dein Vater vergisst dich nicht, er kommt keine Stunde zu spät, aber auch keine Stunde zu früh; harr aus, harr aus! „Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Wenn wir das glauben und fassen, o wie getrost können wir da auch über die Art und Weise unsres Todes sein. Nur kein langes Krankenlager! nur keinen schweren Todeskampf! nur keinen bösen, schnellen Tod! solche Wünsche und Seufzer steigen oft auch aus frommen Herzen. Es ist wahr, der Tod hat seine Schauer für die sündige Menschennatur, | ||
| - | |||
| - | „Sterben wir, so sterben wir dem Herrn“ o wenn ich nur das fasse und halte: wie getrost kann ich auch dem unbekannten Land hinter dem Grab entgegensehen. Es ist mir freilich ein unbekanntes Land trotz so manchem verheißungsvollen Lichte, das die Schrift über seiner Pforte mir aufsteckt. Wie es dort aussieht, wie sichs dort lebt, wohin meine Seele kommt, wenn sie von diesem ihrem treuen Lebensgefährten, | ||
| - | |||
| - | Wir sind des Herrn, so kann im dunkeln Tale\\ | ||
| - | Uns nimmer graun, uns scheint ein heller Stern, \\ | ||
| - | Der leuchtet uns mit ungetrübtem Strahle, \\ | ||
| - | Es ist das teure Wort: wir sind des Herrn! | ||
| - | |||
| - | Aber dieses teure Wort ist auch ein ernstes Wort: „Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn.“ In diesem schönen Bekenntnis eines Gotteskinds liegt auch | ||
| - | |||
| - | =====2) eine große Lebensaufgabe; | ||
| - | |||
| - | nämlich die: mach dich fertig im Leben zum Dienste des Herrn, im Sterben zur Rechenschaft vor dem Herrn. | ||
| - | |||
| - | „Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber, leben wir, so leben wir dem Herrn,“ so konnte freilich ein Apostel sagen wie unser Paulus, dessen ganzes Leben ein Dienst des Herrn war, der all sein Erdenglück, | ||
| - | |||
| - | Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn“, so konnte der sagen, der jeden Tag bereit war um Christi willen als ein Schlachtschaf sich zur Marterbank führen zu lassen, und der in demselben Rom, wohin er schrieb: wir sterben dem Herrn, wirklich nachher sein Haupt auf den Block gelegt hat und gestorben ist im Dienste seines Herrn. Aber, meine Lieben, ists denn auch in unsrem Munde wahr: Unser keiner lebt ihm selber, leben wir, so leben wir dem Herrn, ihm zum Dienst und zur Ehre? Wohl sind wir alle durch unsre Taufe zu seinem Dienst und Eigentum geweiht. Wohl haben wir alle bei unsrer Konfirmation uns verpflichtet, | ||
| - | |||
| - | Und hier steht weiter: „Leben wir, so leben wir dem Herrn.“ Bei wie vielen unter uns ist denn das wahr? Wenn ich dirs auch glaube, du lebst nicht gerade nur dir selber: lebst du darum dem Herrn? Du Gewerbsmann sagst: ich lebe meinem Gewerbe; du Beamter: ich lebe meinem Amt; du Staats- oder Volksmann: ich lebe meinem Vaterland; du Künstler und Gelehrter: ich lebe meiner Kunst und Wissenschaft; | ||
| - | |||
| - | „Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn;“ denn wohlgemerkt, | ||
| - | |||
| - | „Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Im Tode wie im Leben gehören wir dem Herrn, ach das bedenken wir viel zu wenig, das vergessen wir viel zu oft. | ||
| - | |||
| - | Nicht nur der Selbstmörder vergisst es, der den großen Schritt in die Ewigkeit eigenmächtig tut, ohne zu warten auf das Geheiß dessen der die Menschenkinder lässt sterben und spricht: kommt wieder, Menschenkinder, | ||
| - | |||
| - | Auch der Sündendiener vergisst das, der im Dienste des Lasters auf seine Leibes- und Geisteskräfte hineinhaust und so früher als Gott ihms bestimmt, reif wird zum Grabe, und eine zerrüttete Seele hinüberbringt vor seinen Herrn und Gott. | ||
| - | |||
| - | Auch der Leichtsinnige und Sichere vergisst das, der sich das Jenseits zurecht macht nach seinen eitlen Träumen und Gelüsten, statt nach den heiligen Winken des göttlichen Worts; der nach einem Erdenleben ohne Gott sich Rechnung macht auf ein ewiges Leben bei Gott, oder auf eine eingebildete Selbstgerechtigkeit ohne weiteres die Hoffnung des Himmels baut. Diesen allen und uns allen, meine Lieben, ruft der Apostel mahnend und warnend zu: Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. In seine Hand fallen wir, wenn unser Haupt aufs letzte Kissen sinkt; vor seinen Stuhl treten wir, wenn unsre Seele hinübergeht ins Land der Vergeltung; aus seinem Mund hören wir unser ewiges Los, aus dem Munde dessen, von dem es heißt: „Er kommt zum Weltgerichte, | ||
| - | |||
| - | Wir sind des Herrn, so lasst uns ihm auch leben, \\ | ||
| - | Sein eigen sein mit Leib und Seele gern, \\ | ||
| - | Dass Herz und Mund und Wandel Zeugnis geben, \\ | ||
| - | Es sei gewisslich wahr: wir sind des Herrn! | ||
| - | |||
| - | Und eben aus diesem Blick auf unsern Herrn und Richter, dem wir lebend und sterbend angehören, ergibt sich auch noch | ||
| - | |||
| - | =====3) eine schöne Liebesregel, | ||
| - | |||
| - | nämlich die: wirf du dich nicht zum Herrn und Richter auf über deines Nächsten Leben oder Sterben! Davor warnt uns der Apostel noch ganz besonders, wenn er uns im Text zuruft: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du andrer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Christi dargestellt werden. - So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“ Meine Lieben, sind das nicht goldene Worte auch für uns? Wenn es so ist, wie wirs bis daher betrachtet: unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber, sondern lebend und sterbend gehören wir dem Herrn, folgt dann nicht von selbst daraus: der Herr ists der uns richtet, mich, dich und jeden von uns, der Knecht aber darf sich nicht zum Richter aufwerfen über seinen Mitknecht. Und doch - wie unbrüderlich, | ||
| - | |||
| - | Richten über sein Leben, als wär unsereins der Herr um deswillen er eigentlich da sein und dem er zu Diensten stehen soll; als wär unsereins der Richter, vor dem er Rechenschaft abzulegen hat. Ist dann einer anders geartet und begabt als du flugs sprichst du über ihn ab, als wäre deine Weise die alleingültige, | ||
| - | |||
| - | Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Auch das vergessen wir so oft bei unsern Brüdern. Wie lieblos, wie herzlos, wie unchristlich, | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
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| - | ====== Gerok, | ||
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| - | (1869.) | ||
| - | |||
| - | Luk. 15,35-48.\\ | ||
| - | **Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wann er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wirds also finden, selig sind diese Knechte! Das sollt ihr aber wissen: wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihrs nicht meint. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns, oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wann er kommt! Wahrlich ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: mein Herr verzeucht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen; so wird desselbigen Knechtes Herr kommen an dem Tag, da er sichs nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche Leiden müssen; der es aber nicht weiß, hat doch getan, das der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.** | ||
| - | |||
| - | Es ist ein ernster Gruß, mit welchem jene Mönche von La Trappe nach ihrer Ordensregel sich begrüßen, wo sie einander begegnen und außer welchem kein Wort über ihre schweigenden Lippen gehen darf: Memento mori! Gedenk an dein Sterben! Und ein Christ braucht nicht im Kloster zu leben, um gar oft diesen ernst mahnenden Gruß zu hören. Auch wir können ihn eben jetzt von mancherlei Seiten vernehmen. Die winterlich erstorbene Natur, das zu Ende eilende Jahr, der häufige Klang der Totenglocke, | ||
| - | |||
| - | Aber meine Lieben, wozu soll nun dieser Gedanke ans Sterben uns dienen? Wie sollen wir auf den letzten Advent des Herrn in die Welt, wie sollen wir auf sein gerichtliches Kommen zu jeglichem unter uns, wie sollen wir auf unsere Todesstunde uns bereiten? Etwa dadurch, dass wir aus der Welt uns zurückziehen und von nichts mehr reden als vom Tod und an nichts mehr denken als an den Tod und unsre Hände zu nichts mehr brauchen außer dem Gebet als etwa wie jene Mönche unser Grab uns damit zu graben? Nein, sondern dazu soll der Gedanke an unsern Tod uns dienen, dass wir unser Leben recht nützen, unsere Hände recht rühren, unsere Zeit recht auskaufen, damit der Herr, wann er kommt, uns wachend finde. Darum hat der edle Herder Recht gehabt, wenn er als Gegenstück zu jenem Memento mori einst eine berühmte Predigt hielt über das Thema: „Gedenke zu leben!“ Kommt ja doch beides auf Eins hinaus: Gedenkst du selig zu sterben, so musst du drauf denken, im wahren Sinn zu leben. Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben. Darüber wollen wir mit Benützung unseres Textes jetzt weiter nachdenken und der Herr selber lehre es uns erkennen: | ||
| - | |||
| - | Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben, | ||
| - | |||
| - | ein Leben | ||
| - | |||
| - | - in der Furcht des Herrn, | ||
| - | - in der Liebe des Nächsten, | ||
| - | - in der Sorge für unsere Seele. | ||
| - | |||
| - | Ja Vater hilf mir sorgen, \\ | ||
| - | Wie ich so leben mag, \\ | ||
| - | Dass ich an jedem Morgen \\ | ||
| - | Denk an den letzten Tag. \\ | ||
| - | Und wird er einst anbrechen, \\ | ||
| - | So gib, dass ich erfreut \\ | ||
| - | Von Herzen könne sprechen: \\ | ||
| - | Komm, Herr, ich bin bereit! Amen. | ||
| - | |||
| - | =====1) In der Furcht des Herrn musst du leben, willst du bereit sein zum Sterben.===== | ||
| - | |||
| - | „Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten,“ ruft Jesus im Evangelium uns zu. Einem Knechte gleicht der Christ, der jeden Augenblick gefasst ist, dass sein Herr kommt und ihn auf seinem Posten überrascht, | ||
| - | |||
| - | Aber dieses: „Dein Herr kommt,“ wie anders klingt es dem Christen, der alle Tage seines Herrn wartet, der im Aufsehen auf seinen Herrn als ein treuer Knecht sein Tagewerk hienieden bestellt. Wenn ich schon in gesunden Tagen lebe und webe im Gefühl meiner unbedingten Abhängigkeit von Gott, wenn ich mich mit Leib und Seele jeden Augenblick weiß in seiner allmächtigen Hand, jedes Erdengut, dessen ich gebrauche, jede Lebensfreude, | ||
| - | |||
| - | Also wenn du fragst: wie soll ich mich anschicken zum seligen Sterben? so sag' ich, indem du dich anschickst zum christlichen Leben! Lebe von heute an in der Furcht des Herrn, dann kannst du heut oder morgen sterben im Frieden des Herrn. Warte seiner täglich, dann wirst du nicht erschrecken, | ||
| - | |||
| - | Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben. Ein Leben in der Furcht des Herrn und | ||
| - | |||
| - | =====2) in der Liebe des Nächsten. ===== | ||
| - | |||
| - | Das erste Recht an dein Leben hat der Herr im Himmel. Aber den zweiten Anspruch daran haben deine Brüder auf Erden. So hat's der Herr selber geordnet. „Der Herr aber sprach: „Wie ein groß Ding ist's um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe. Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wann er kommt.“ Ein Glied in Gottes großer Welthaushaltung, | ||
| - | |||
| - | Damit gibt der Herr zunächst den Haushaltern im geistlichen Amt eine ernste Warnung, ihres Berufes treulich zu warten, der ihnen anvertrauten Seelen sich gewissenhaft anzunehmen, und nicht durch fleischliches Wohlleben, durch trägen Müßiggang, | ||
| - | |||
| - | Aber wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, der seinem Nächsten gibt, was ihm gebührt und seinen Brüdern wohltut, wo er kann. Selig ist der Knecht, welchen sein Herr also findet tun, wann er kommt. Von seinem Tagewerk kann er Abschied nehmen zwar mit dem demütigen Bekenntnis: Ich bin ein unnützer Knecht und Stückwerk ist all mein Tun, aber doch mit dem tröstenden Bewusstsein, | ||
| - | |||
| - | Fragst du also, wie soll ich mich anschicken zu einem Sterben im Frieden? so ist meine Antwort: indem du dich anschickst zu einem Leben in der Liebe. Ob dir der Herr viel anvertraut hat oder wenig, ob er dich zum Haushalter gesetzt hat über dein Haus und deine Familie oder über ein ganzes Volk und Land - gib deinem Nächsten seine Gebühr an teilnehmender Liebe und fürsorgender Treue, dann wirst du nicht erschrecken, | ||
| - | |||
| - | Aber noch Jemand, o Christ, hat Anspruch auf deinen Dienst, das ist nach deinem Herrn im Himmel und mit deinen Brüdern auf Erden die Seele in deiner Brust. Darum | ||
| - | |||
| - | =====3) die Sorge für unsre eigene Seele ===== | ||
| - | |||
| - | gehört auch zu dem christlichen Leben das die beste Vorbereitung ist auf ein seliges Sterben. Jene Sorge für unsere Seele, die der Herr uns anbefiehlt mit den bedeutsamen Worten: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ | ||
| - | |||
| - | „Lasst eure Lenden umgürtet sein“, d. h. macht eure Seele los von allem, was sie hindert am Fortschritt zum Ziel ihrer Bestimmung, auf der Wallfahrt zu der ewigen Heimat; macht sie los von dem was den Menschen herabzieht in den Staub der Erde und zu Fall bringt in den Schmutz der Sünde, von der Trägheit des Fleisches, von der Lust an der Welt, vom irdischen Sinn. | ||
| - | |||
| - | „Lasst eure Lichter brennen“, d. h. pflegt in euren Seelen das Licht des Glaubens, das Feuer der Liebe, die Glut der Hoffnung, kurz die Flamme des inneren unsterblichen Lebens das aus Gott ist, in allen seinen Gestalten, damit wenn auch euer äußeres Lebenslicht erlöscht, in euch ein Funke glühe, der die Nacht des Todes überdauert, | ||
| - | |||
| - | Darum, willst du dich bereit machen zu einem seligen Sterben, so mach dich bereit zu einem christlichen Leben. Von heut an sorge für deine Seele, dass sie von Tag zu Tag freier werde von den Banden der Erde, von der Trägheit des Fleisches, von der Luft der Sinne, von der Verführung der Welt; von heut an sorge für deine Seele, dass das Licht des Glaubens immer heller in ihr brenne, dass die Flamme des göttlichen Lebens immer kräftiger in ihr leuchte, und dann mag die Nacht des Todes kommen heut oder morgen, du hast ein Himmelslicht auch in der Todesnacht; dann mag dein irdisches Lebenslicht auf langsamem Siechbett oder rasch vom tödlichen Schlage getroffen, bei heller Besinnung oder bewusstlos wie im Traum erlöschen: Du bist zum seligen Sterben bereit, bereit nicht nur durch eine zweifelhafte Bekehrung auf dem Totenbette, sondern durch ein christliches Leben, und kannst mit dem Apostel sprechen: Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn; | ||
| - | |||
| - | |||
| - | Vollende Gott, vollende\\ | ||
| - | Was mir dein Wort verheißt, \\ | ||
| - | In deine Vaterhände \\ | ||
| - | Befehl ich meinen Geist. | ||
| - | |||
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| - | |||
| - | Amen. | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | |||
| - | ======Gerok, | ||
| - | |||
| - | (1886.) | ||
| - | |||
| - | Matth. 25,31-46.\\ | ||
| - | **Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; | ||
| - | |||
| - | „Wie soll ich dich empfangen und wie begegnen dir?“ Das war die Frage, die vor acht Tagen am ersten Adventsonntag das Festevangelium uns auf die Lippen legte. Heute am zweiten Advent unter dem Eindruck des soeben vernommenen Schriftworts könnte sich uns fast die Frage aus dem Herzen drängen: „Wie wirst du mich empfangen und wie begegnen mir,“ mein großer Herr und Heiland, dort bei deinem zweiten Advent, wenn du kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Toten? | ||
| - | |||
| - | Das ist ja der andre Advent Christi, an den diese Adventszeit uns mahnt, sein Kommen zum Gericht am Ende der Tage. Und wenn es eine wichtige Frage ist für uns alle: Wie soll ich heute ihn empfangen, da er unsichtbar noch einmal kommt als der Welterlöser? | ||
| - | |||
| - | Eine Antwort auf diese Frage bekommen wir aus des Herrn eigenem Mund in unsrem heutigen Evangelium in jenem großartigen Gemälde vom jüngsten Gericht mit seiner gewichtigen Schlusssentenz: | ||
| - | |||
| - | Also unsre Liebeswerke sind‘s, die uns nachfolgen in die Ewigkeit, und die uns dort Zinsen tragen sollen über Bitten und Verstehen, die aber auch ein böses Defizit aufweisen können zu unsrer furchtbaren Überraschung und unsrem ewigen Schaden. | ||
| - | |||
| - | Und doch, bleiben uns nicht da noch allerlei Fragen übrig? Sollte denn wirklich an solch einzelnen Werken, an solch äußerlichem Tun und Lassen der ganze Wert oder Unwert unsres Lebens, sollte daran unsre ewige Seligkeit und Verdammnis hängen? Stimmt das mit unsrem evangelischen Glauben? Stimmt es mit dem Pauluswort: Nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme? Stimmt es mit anderen Aussprüchen aus Jesu eigenem Mund? | ||
| - | |||
| - | Solche Fragen können einem denkenden Christen wohl aufsteigen beim Lesen oder Hören unsres heutigen Evangeliums. Aber ein denkender Christ wird auch die Antwort darauf nicht vergebens suchen. Auch wir wollen uns jetzt die Frage vorlegen: | ||
| - | |||
| - | Wie müssen unsere Liebeswerke beschaffen sein, dass wir damit bestehen können im Lichte der Ewigkeit? | ||
| - | |||
| - | Die evangelische Antwort lautet: | ||
| - | |||
| - | - Ihr Grund muss sein der rechte Liebessinn; | ||
| - | - Ihr Zweck muss sein das wahre Menschenwohl; | ||
| - | - Ihr Lohn muss sein ein reiner Gnadenlohn. | ||
| - | |||
| - | Weh, wie wird‘ ich Armer stehen, \\ | ||
| - | Wen zum Anwalt mir erflehen, \\ | ||
| - | Wenn Gerechte schier vergehen? \\ | ||
| - | Hehrer König, Herr der Schrecken, \\ | ||
| - | Gnade nur deckt unsre Flecken, \\ | ||
| - | Gnade, Gnade lass mich decken! Amen. | ||
| - | |||
| - | Wie müssen unsre Liebeswerke beschaffen sein, dass wir damit bestehen können im Lichte der Ewigkeit? Die evangelische Antwort lautet: | ||
| - | |||
| - | =====1) Ihr Grund muss sein der rechte Liebessinn; | ||
| - | |||
| - | die echte Liebe zu den Brüdern - wie sie wurzelt in der Liebe zum Herrn. | ||
| - | |||
| - | Hungrige speisen und Durstige tränken; Nackte kleiden und Kranke besuchen; Gäste beherbergen und bei Gefangenen einkehren, wenn daran die ewige Seligkeit hängt, dann könnte man denken, wird die heutige Christenheit glänzend bestehen am Tage des Gerichts, denn diese Liebeswerke alle - wann sind sie eifriger, wann sind sie vollständiger betrieben worden als in unsrer Zeit mit ihren Anstalten für wohlfeile Speise und gesunden Trank der Bedürftigen, | ||
| - | |||
| - | Gewiss, solche Werke der Barmherzigkeit sollen nicht unterschätzt und unsrer Zeit im Ganzen, und so manchem Mann und so mancher Frau unsrer Zeit insbesondere soll das Lob ihrer Liebesarbeit nicht entleidet und die Lust zu ihrem löblichen Tun nicht verkümmert werden - da sei Gott vor! Nur vergiss nicht, lieber Christ: Der, welcher über deine Liebeswerke zu Gericht sitzt, ist eben derselbe, der über die Almosen der Pharisäer das Urteil sprach: Sie haben ihren Lohn dahin, und frage dich: ist auch der Grund meines Tuns der rechte Liebessinn? | ||
| - | |||
| - | Ists wirklich aufrichtige Menschenliebe, | ||
| - | |||
| - | Aber jene aufrichtige Menschenliebe, | ||
| - | |||
| - | Wenn in deinem Herzen die stille Flamme eines lebendigen Glaubens und einer innigen Liebe für deinen Gott und Heiland glüht, dann nur, aber dann gewiss wirst du um seinetwillen auch seine und deine Brüder lieben. Wenn du alles, was du hast und bist, betrachtest als ein vom Herrn anvertrautes Pfund, dann wirst du mit diesem Pfund auch treu haushalten in seinem Dienst zum Besten derer, unter die er dich hineingestellt hat. Wenn du deinen Heiland im liebenden Herzen trägst, deinen Gott gewissenhaft vor Augen hast in all deinem Tun, dann wirst du nicht nur hier und da einmal in guter Laune dem Armen etwas hinwerfen von deinem Überfluss, sondern dann wird dein ganzes Leben eine Liebesarbeit werden im Dienste Gottes und der Menschen. Dann wirst du dir nicht nur das Leichtere heraussuchen von jenen Liebeswerten: | ||
| - | |||
| - | Sagt selbst, welche Kreise sind es denn und was für Leute sind es zumeist, die am reichlichsten ihre Opfer geben, am treulichsten ihre Hand bieten, am tüchtigsten ihren Mann stellen, am häufigsten auch ihre Frauen und Töchter schicken zu diesen Werken christlicher Barmherzigkeit an Armen und Kranken, an Kindern und Alten, an Verwahrlosten und Gefallenen? Sind es nicht die christlichen Kreise? Sind es nicht die Leute, die an Gott glauben und Christum lieb haben zum Beweis: die rechte Liebe zu den Brüdern wurzelt in der Liebe zum Herrn? | ||
| - | |||
| - | Und stehen unsre Liebeswerke auf diesem Grund, dann wirds auch am andern nicht fehlen: | ||
| - | |||
| - | =====2) Ihr Zweck muss sein das wahre Menschenwohl, | ||
| - | |||
| - | Den Hungrigen speisen, den Durstigen stärken, den Entblößten warm kleiden, den Kranken pflegen und den Fremdling beherbergen das sind ja wohl schöne Liebeswerke zu allen Zeiten und unter allen Völkern von Abrahams Tagen bis auf diese Stunde, in der Hütte des roten Indianers im Urwald, wie unter dem Zelte des Arabers in der Wüste. Den tausendfachen leiblichen Nöten steuern unter dem Volk, das ist ja gewiss eine heilige Pflicht, eine wichtige Sorge, ein hohes Verdienst für den einzelnen Christen wie für die christliche Obrigkeit und die christliche Gesellschaft im Großen und Ganzen. | ||
| - | |||
| - | Aber dass mit solcher äußeren Hilfe noch nicht alles getan ist auch nur für diese Welt, geschweige denn für die Ewigkeit; dass unsre Liebespflicht und unsrer Brüder Wohl noch mehr erfordert als solche leibliche Handreichung - das hat unser Herr und Heiland, der göttliche Menschenfreund und Seelenfreund, | ||
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| - | Wenn er‘s den Seinen zum Lobe anrechnet, Kranke besuchen und zu den Gefangenen kommen: was sollen sie denn dem Gefangenen in seine Zelle bringen, wo nicht Trost und Vermahnung aus Gottes Wort? Werden sie wenn sie die Seinigen sind dem Kranken nur eine leibliche Erquickung ans Bett stellen und nicht auch seine Seele zu erquicken suchen mit freundlichem Zuspruch und herzlichem Gebet? Wenn unsre christlichen Vereine ihre Häuser auftun, damit der Arme eine kräftige Speise für sich und die Seinen, der Arbeiter einen gesunden erwärmenden Trank, der Entblößte ein schützendes Gewand für sich oder sein Kind, der heimatlose Lehrling eine Unterkunft für seinen Feierabend, das arme Waisenkind ein Obdach und eine Pflege finde - ists uns bei dem allem nur um die leibliche Hilfe zu tun und nicht ebenso und noch mehr um sittliche Hebung und Bewahrung, um Behütung vor allerlei Bösem, um Erziehung zu allerlei Gutem? Und du selber, wenn dir Gott einen Hilfesuchenden in den Weg führt, wenn du einem Armen eine Gabe reichst, weißt du nicht, dass du noch weit mehr als durch die leibliche Gabe ihm oft wohltun kannst durch eine Ansprache an sein Herz, durch ein Wort liebreicher Nachfrage oder herzlicher Teilnahme, freundlichen Zuspruchs oder ernster Vermahnung, guten Rats oder milden Trosts? Nicht als müsste dabei immer ausdrücklich gepredigt und etwa die milde Gabe durch eine herbe Strafrede versalzen werden. Nein, auch ein einfältiges Wort herzlichen Wohlwollens ohne gesuchte Salbung kann sein Herz rühren, sein Gewissen wecken, seiner Seele wohltun, wenn er nur herausfühlt: | ||
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| - | Sollte nicht gerade diese Adventszeit das hohe Ziel aller rechten Liebesarbeit uns wieder recht rührend und erhebend vor Augen stellen? Was ist es denn, was den himmlischen Gast, den Heiland der Welt herabrief ins Jammertal dieser Erde? Ist es nicht das geistliche Elend, der sittliche Jammer, die Sündennot der Welt? Und was ist es denn, was der himmlische Gast, der Heiland der Welt herabgebracht hat ins Jammertal dieser Erde? Ist es nicht eine geistliche Hilfe, ein Heil für die Seelen, ein Reich Gottes das da ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist? Und wenn wir mit neuem Eifer beten in dieser Adventszeit: | ||
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| - | Und Eines vergesst nicht zum Schluss: sollen unsre Liebeswerke bestehen im Lichte der Ewigkeit, so muss | ||
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| - | =====3) ihr Lohn sein ein reiner Gnadenlohn, nicht in Selbstgerechtigkeit erwartet, sondern in aller Demut empfangen.===== | ||
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| - | „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ So lautet der Spruch des Weltrichters über die Seinen, womit er ihnen die Tür auftut zu einer seligen Ewigkeit und sie als treue Knechte eingehen heißt zu ihres Herrn Freude. | ||
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| - | Aber wie vernehmen sie diesen Spruch, wie empfangen sie diesen Lohn? Vernehmen sie ihn als ein längst erwartetes Urteil? Empfangen sie ihn als einen wohlverdienten Sold? Nein - und das ist ein besonders schöner und zarter Zug in diesem großartigen Gemälde - überrascht, | ||
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| - | Was lernen wir daraus? Das wollen wir daraus lernen, meine Lieben: Sollen unsre Liebeswerke wohlgefällig sein vor dem Herrn und bestehen im Lichte der Ewigkeit, so darf keine Lohnsucht daran kleben, als könnten wir uns damit eine Staffel in den Himmel erbauen; so darf kein Hochmut sich dran hängen, als hätten wir uns damit ein Verdienst erworben - vor den Menschen oder gar vor dem alleinguten und vollkommenen Gott. | ||
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| - | Wenn wir mit solchen Gedanken an unsre Liebesarbeit gingen und auf unsre guten Werke blickten, dann wären wir dem Spruch des Herrn über die Pharisäer verfallen: Sie haben ihren Lohn dahin; dann würden wir in jene unevangelische Werkheiligkeit zurücksinken, | ||
| - | |||
| - | Nun denn, lieber evangelischer Christ, - o lieb' so lang du lieben kannst; tue Gutes so lang du lebst; tue Gutes insbesondere auch in der bevorstehenden Festzeit zum Dank für die Liebe deines Gottes und Heilands; tue Gutes, wenn du kannst noch auf deinem Sterbebett, in deinem letzten Testament, dass über deinem Grabe noch ein herzliches Vergelts Gott für dich gen Himmel töne aus dankbaren Herzen! Aber vergiss nicht das Wort des Herrn: Wenn ihr alles getan habt was euch befohlen ist, so sprechet: wir sind unnütze Knechte, wir haben getan was wir schuldig waren, und bekenne es in Demut: nein, wir haben nicht einmal unsre ganze Schuldigkeit getan, mit all unsern guten Werken können wir unsrer Sünden Menge nicht zudecken, bei allem Lob der Menschen mangeln wir des Ruhmes den wir vor Gott haben sollten, und haben keine Hoffnung denn seine Barmherzigkeit, | ||
| - | |||
| - | Was ich den Deinen hier getan, | ||
| - | Den Kleinsten auch von diesen, \\ | ||
| - | Das siehst du, mein Erlöser, an, \\ | ||
| - | Als hätt' ich‘s dir erwiesen, | ||
| - | Drum gib mir, Herr, durch deinen Geist \\ | ||
| - | Ein Herz das dich durch Liebe preist! | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
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| - | ======Goßner, | ||
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| - | Evang. Lucas 21,25 - 36. | ||
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| - | Es werden Zeichen geschehen rc. | ||
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| - | 1) Der Herr ist gekommen ins Fleisch. 2) Er kommt immer in die Herzen. 3) Er wird kommen zum Gericht. Er kam sanftmütig zu Seinem Volke, um die Sünder selig zu machen, und kommt immer noch, klopft vor jeder Herzenstür und will bei Allen einkehren, um ihnen den Himmel ins Herz zu bringen. Das haben wir vor acht Tagen nach dem Evangelio betrachtet. Heute aber hält Er uns im Evangelio Seine letzte öffentliche Zukunft zum Gericht vor, wo Er kommen wird nicht mehr in Sanftmut, sondern mit großer Kraft und Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Himmel und Erde und das Meer werden die nahe Zukunft ihres Herrn und Richters verkünden. An den Himmelskörpern, | ||
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| - | Aus Barmherzigkeit und lauter Liebe hat der Heiland dies Alles vorausgesagt, | ||
| - | |||
| - | Welch ein Vorrecht der Gläubigen, dass sie das Fürchterlichste nicht fürchten, vor dem Entsetzlichsten sich nicht entsetzen, sondern vielmehr darauf sich freuen dürfen! Aber welch ein Jammer für die blinde Welt, dass sie, die Alles zu fürchten hat, sich jetzt nicht fürchtet, und Alles, was der Heiland von Seiner Zukunft zu ihrem Gerichte vorhergesagt hat, nicht glaubt oder nicht daran denkt und nicht daran erinnert werden will, um sich nicht fürchten und nicht bekehren zu müssen und dem Verderben zu entgehen! O möchten wir es doch allen Sündern vor Augen malen können mit den stärksten Farben, was ihrer wartet schon vor dem Gerichte! was wird es erst hernach werden? - Allein wenn das, was auf Golgatha für sie geschehen ist, sie nicht rührt und bekehrt, so werden die Dinge, die erst geschehen sollen, die Schrecken der Zornschalen, | ||
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| - | Darum fand der Heiland für nötig, auch Seine Jünger und alle Gläubige zu warnen, dass sie nicht sicher werden, sondern sich hüten sollen, dass ihre Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, dass sie wachen und beten sollen allezeit, um würdig zu werden zu entfliehen diesem Allen, und zu stehen vor des Menschen Sohn. O welche wichtige Warnungen und Ermahnungen auch für alle Fromme und Gläubige im Hinblick auf die Schrecknisse, | ||
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| - | Hütet euch also vor Allem, was das Herz beschwert, das Andenken an das Eine, was not tut, besonders in dieser letzten Zeit, schwächt, den Umgang mit Dem, der da ist und kommen wird, stört, was den Geist niederdrückt, | ||
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| - | Nun hört noch das zweite Ermahnungswort des Herrn: So seid nun wacker (oder wacht) allezeit und betet, dass ihr würdig werden mögt (denn aus sich selbst ist es Keiner), zu entfliehen dem allen, was geschehen soll, und zu stehen (bestehen) vor des Menschen Sohn. Das sagte der Herr seinen auserwählten Jüngern; wer will sich davon ausnehmen und sagen: Das gilt mir nicht, ich bin sicher, ich werde bestehen, ohne zu wachen und zu beten? Wer ist rein unter denen, da Keiner rein ist? Also auf! meine Lieben! lasst uns das Wort des Herrn nie vergessen, lasst uns wachen und beten, dass wir durch die Gnade des Herrn bewahret und würdig werden, in der großen Versuchungsstunde, | ||
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| - | Das Wachen allezeit und das Beten ist kein so schweres und saures Ding, als es sich Manche vorstellen, die es nicht von Grund aus kennen und üben. Es ist eine süße, ja die süßeste, leichteste Sache; es ist das Bleiben in Ihm - das sich so Festhalten im Glauben an den Unsichtbaren, | ||
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| - | ======Hagenbach, | ||
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| - | (Advents-Predigt.) | ||
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| - | Text: Joh. 7, 16.17\\ | ||
| - | **Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede.** | ||
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| - | Wir haben vor acht Tagen ein neues Kirchenjahr angetreten und stehen somit wieder in der heiligen Adventzeit. Unsre Voreltern waren so sehr an diesen Wechsel der kirchlichen Zeiten gewöhnt, so ganz in denselben eingelebt, dass ihr geistiger, ihr innerer Mensch nicht weniger davon berührt und bestimmt wurde, als nur immer unser äußerer Mensch noch jetzt es wird, bei dem Wechsel der natürlichen Jahreszeiten. Wie die veränderte Luft im Frühling oder im Spätjahre, wie der Wechsel von Wärme und Kälte, von Licht und Dunkel auf unser körperliches Wesen und Befinden seinen unverkennbaren Einfluss behauptet, so teilte sich auch in jenen früheren Zeiten die Stimmung, die einer festlichen Zeit des Jahres zum Grunde liegt, der eigentümliche Festcharakter derselben, unwillkürlich allen Gliedern der Kirche mit; sie atmeten gleichsam die herannahende Weihnachts- und Osterluft von selbst ein, ohne erst von außen daran erinnert zu werden; denn sie hingen eben viel enger mit der Kirche zusammen und waren viel tiefer in ihre Angelegenheiten verflochten, | ||
| - | |||
| - | Umso mehr aber ist es die Pflicht der Kirche und ihrer Diener an den Eintritt solcher heiliger Zeiten zu erinnern und die Stimmung der Gemeinden frühzeitig auf das vorzubereiten, | ||
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| - | Diese Vorbereitung aber, meine Freunde, ist keine so leichte Aufgabe. Oder wie? stände jene Gleichgültigkeit gegen die festlichen Zeiten nicht vielleicht in Verbindung mit einer größeren oder geringeren Gleichgültigkeit gegen den Herrn und seine Sache, mit einer Gleichgültigkeit, | ||
| - | |||
| - | =====l. Der Weg der Erfahrung ist in geistlichen Dingen der kürzeste Weg. ===== | ||
| - | |||
| - | Ist er es doch auch schon auf andern Gebieten des Lebens! Wie manche irdische Vorteile, wie manche nützliche Erfindungen eignen wir uns an aus dem reichen Schatze der Erfahrungen Anderer und aus der eignen Erfahrung, die wir machen, ohne dass wir abwarten, bis wir eine nach allen Seiten hin genügende Einsicht in deren Beschaffenheit und Zweckmäßigkeit erlangt haben, indem wir vielmehr hoffen, dass die Einsicht mit der Erfahrung komme, und durch sie geleitet werde. Solange die Erde steht, vertraut ihr der Landmann den Samen und freut sich des Sonnenscheines und des Regens auf eine gesegnete Ernte hin, ohne dass er die Gesetze, wonach das Samenkorn unter den Einflüssen von Himmel und Erde sich entwickelt, sich hinlänglich zu erklären wüsste. Wollte er warten mit Säen und Ernten bis die Geheimnisse der Natur seinem grübelnden Verstande klar geworden, er müsste wohl lange des täglichen Brotes entbehren und wir mit ihm. Der Kranke vertraut sich seinem Arzte und erfährt an sich die heilsame Kraft der verordneten Mittel, ohne zu warten, bis ihm diese Wirkungen durch eine vorangegangene Beweisführung einleuchtend geworden sind. Der beste Beweis ist ihm die Wiederkehr der Gesundheit. Eltern erziehen ihre Kinder, und die Kinder gehorchen ihnen, ohne dass beide Teile sich über die vernünftigsten Grundsätze der Erziehung miteinander verständigt hätten; vielmehr ist es ausgemacht, dass wo die Kinder mit den Eltern auf diesem Fuße der gegenseitigen Erörterungen, | ||
| - | |||
| - | Das alles sage ich nicht als ob nicht auf allen diesen Gebieten auch die verständige wissenschaftliche Forschung ihr Verdienst hätte. Im Gegenteil ist diese nötig, wo die Erfahrung nicht in einen blinden Dienst der Gewohnheit ausarten soll, und sie ist überhaupt des denkenden Menschen würdig. Aber einmal ist diese nähere Erforschung und Ergründung der Wahrheit nicht Jedermanns Sache, sondern es sind immer nur Einzelne, die von Berufs wegen sich damit abzugeben haben, und auch diese müssen von der Erfahrung unterstützt sein, denn in jedem Falle geht die Erfahrung der Erkenntnis und das tätige Leben der Beobachtung und dem weitern Nachdenken voraus. So, und nicht anders ist es auch auf dem geistlichen Gebiete. Auch hier ist es nicht Allen gegeben, den ganzen Umfang der christlichen Glaubenswahrheiten auf dem Wege des Nachdenkens und des gründlichen Forschens sich anzueignen, und selbst die, welche nun einmal diesen Beruf haben, würden nur auf großen Umwegen, ja wohl gar nie zu ihrem Ziel gelangen, dürften sie nicht auch zugleich mit den kürzeren Weg der Erfahrung betreten, der ihnen wie allen andern Christen, zum Heil ihrer Seele, offen steht. Haben es doch die größten, die weisesten Gottesgelehrten zu allen Zeiten bekannt, dass sie den Schatz des innern Lebens, den auch sie, wie wir alle, in irdenen Gefäßen tragen, dass sie den eigentlichen Grund der Seligkeit nicht ihren Büchern verdanken, nicht den Beweisen der Schule, nicht den Anstrengungen ihres Kopfes, sondern eben der Erfahrung des Herzens und des Lebens, in die sie Gott, als in die rechte Schule der Weisheit hineingeführt hat, ja dass manches, was bei allem Lichte der Wissenschaft ihnen dunkel geblieben wäre, erst dann ihnen klar geworden ist, nachdem sie angefangen hatten, die Lehre selbst zu üben, die sie erforschten und verkündeten. Und wenn je die Weisesten dies bekannt haben, sollten Dir der eignen Weisheit mehr vertrauen als der Erfahrung aller Zeiten, ja als der eignen Erfahrung, die auch wir machen können, sobald wir nur wollen? Zwar sollen auch wir nicht unsre Vernunft in dem Sinne gefangen nehmen, dass wir blindlings glauben, auch wir sollen als evangelische Christen fortfahren alles zu prüfen und in der Schrift zu forschen, ob es sich also verhalte; aber nur muss dieses Forschen und Prüfen beständig unterstützt und getragen sein von dem guten redlichen Willen, das zu tun, was Gott will und was zu unserm Heile dient, und erst wo diese Empfänglichkeit für das Gute, diese heilsame Übung in der Gottseligkeit vorausgeht, erst da können wir erwarten, dass auch das Licht der Erkenntnis allmählig uns aufgehen und statt mit falschem Schimmer uns zu blenden, mit wohltätigem Strahle uns erleuchten werde. | ||
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| - | Unser Heiland selbst hat uns in seinem Worte beide Wege bezeichnet, den der redlichen Forschung, wie den der eigenen Übung; wenn er das eine Mal sagt: suchet in der Schrift, denn sie ist's, die von mir zeugt, und das andere Mal: so jemand will den Willen dessen tun, der mich gesandt hat, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede. Auf das willige Tun der Lehre also, auf das Ausüben dessen, was sie uns empfiehlt, (worunter sowohl die äußere Ausübung der christlichen Tugenden im Leben, als vorzüglich auch die innere Übung, die Zucht des Geistes und die sorgfältige Bewachung des Herzens verstanden ist) legt er den meisten Nachdruck, so dass es auch hier heißen kann: „trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, | ||
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| - | =====2. Wie aber der Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen der kürzeste ist, so auch der sicherste. ===== | ||
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| - | Ist er es doch gleichfalls schon auf den Gebieten des äußeren Lebens. Nicht nur geht die gelehrte, die wissenschaftliche Forschung in allen Dingen einen langsamen Weg, sondern oft widersprechen sich auch die Ansichten der Weisesten und Gelehrtesten, | ||
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| - | Schon viele Beweise sind für die Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums geführt worden und manche edle Geister haben Kraft und Zeit darauf verwandt, diese Wahrheit und Göttlichkeit gegen die Trugschlüsse des menschlichen Verstandes sicher zu stellen. Manches davon hat gewiss auch seine Frucht getragen. Aber wie viele von den Beweisen, die vielleicht zu ihrer Zeit gute Dienste geleistet haben, sind dennoch wieder verschwunden, | ||
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| - | Aber wenn er denn der kürzeste und der sicherste ist, warum wandeln gleichwohl so Wenige diesen Weg? Sollte er vielleicht auch der schwierigste sein? Allerdings ist er das, nach einer Seite hin. Gesetzt aber auch, er wäre der schwierigste unter allen, sollte dies uns abhalten, ihn zu gehen, wenn wir einmal gewiss sind, auf ihm am kürzesten und sichersten zu unserm Ziele zu gelangen? Aber nun getrauen wir uns über. dies zu behaupten, dass eben dieser Weg der Erfahrung bei all den großen Schwierigkeiten, | ||
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| - | =====3. Leicht ohne Weiteres ist freilich der Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen so wenig zu nennen, ===== | ||
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| - | als in irdischen und leiblichen; denn Anstrengung, | ||
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| - | Doch nein! auch ihr fühlt in euch dasselbe Bedürfnis, das die ganze Christenschar in diesen Tagen wieder dem kommenden Herrn und König entgegenführt, | ||
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| - | ---- | ||
| - | ======Harms, | ||
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| - | Was erwartet eine Christengemeinde von dem, der an den Vorsonntagen des hohen, heiligen Festes in ihr auftritt zu reden? Dass er rede, was heilig ist, und die Seelen nicht aufhalte mit alltäglichen, | ||
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| - | Ich will keinen fragenden Blick auf die Versammlung werfen: wie viel oder wie wenig derer wohl sein, die einen solchen Vortrag wünschen und fassen und billigen. Keine Vermutung soll mich ablenken, kein Zweifel den ungewöhnlichen Gang, keine Bedenklichkeit das kühnere Wort hemmen. Als ob ich nichts fürchte, will ich fortfahren, das mitzuteilen, | ||
| - | |||
| - | Ich habe euch einen Blick eröffnet in die Seele des Christen, zur Zeit, wenn sie in des Glaubens Kraft und Fülle ihre Gemeinschaft mit Jesu erkennt und des göttlichen Friedens teilhaftig wird, lasst mich fortfahren, sie euch ganz zu enthüllen, dass ihr erkennt ihr Tichten und Trachten, was sie verschmäht und was sie hochschätzt, | ||
| - | |||
| - | Text. 1 Joh. 4, 9. \\ | ||
| - | **Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, dass er seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, dass wir durch ihn leben sollen.** | ||
| - | |||
| - | Johannes, möchte man ausrufen, du Apostel der Liebe und Seligkeit, deine Worte sind lieblich und lebendig, o schreibe den Christen noch einmal von der unendlichen Liebe Gottes und dem großen Werk seines Sohnes! Es ist eine Kälte jetzt in der Christenheit, | ||
| - | |||
| - | - die Eitelkeit aller Dinge betrachten, | ||
| - | - unser Gewissen urteilen lassen, und | ||
| - | - gewisser Stunden uns erinnern, in welchen vermutlich die meisten Christen sich des Lebens wirklich bewusst werden. | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | Das Christenleben ist mein Satz. Allein, wo nehm ich die Erklärung her? - Vom Äußern aufs Innere schließen, wer weiß nicht, wie mangelhaft und unzuverlässig das ist! Wozu noch kommt, dass in unsern Tagen so viele Christen ihr Äußeres einstellen und verstellen, denn auch nicht einmal den Schein wollen sie haben. Ehemals war das anders. Das wahre Wesen dagegen, - es liegt verborgen in der Tiefe des Gemüts, oft dem Besitzer selbst verborgen in christlicher Einfalt. Indessen lasst uns zusehen und versuchen, und einen vergleichenden Blick auf das Wesen der Welt werfen. | ||
| - | |||
| - | Betrachtet das Wesen der Welt. Wohl ist sie schön, die Welt! Aber was würdet ihr dem Jüngling sagen, der, Alles vergessend, sich hineinstürzen und den Freudenbecher ergreifen wollte, den ihm die Weltkinder darbringen? - Was würdet ihr der Jungfrau mit ernster Freundesstimme sagen, deren Aug' auf Flitter ruhte, deren Sinn auf Lustbarkeiten gerichtet wäre, die sich dem Strudel des Vergnügens mit eiligen Schritten nahte? - Möchtet ihr dieser nicht in den Weg treten, jenen nicht einholen, und beiden sagen: Kinder, täuscht euch nicht! die Welt ist arm an wahren Gütern, ist leer an reinen Freuden, und ihr sucht von dem, was sie noch hat, nicht einmal das Beste? Und wenn sie euch dann fragten: „Was ist besser? Zeige es uns!“ so würde euer bewegtes Herz euch den Mund öffnen: Das ist es, was euch warm entgegen schlägt und euch retten möchte vor dem Verderben, die christliche Liebe, die mich treibt, euch beizustehen, | ||
| - | |||
| - | Das ist die Vorschule des Lebens zum Leben. Wer nicht frühe lernt, dass es edlere Triebe gibt als die sinnlichen, und süßere Taten als die Befriedigung seiner Begierden, aus eigener Erfahrung lernt, wie will der bestehen die Prüfungen in der Kreuzschule, | ||
| - | |||
| - | Ja, in sich muss der Christ etwas tragen, viel tragen, oder er gibt sich gemach dem Irdischen hin. Sagt ihm, das Wesen dieser Welt vergehe, so wird er suchen und sorgen, es fest zu halten. Und es kann seinen Anstrengungen und seiner Klugheit gelingen. Aber ist dieses sein einziges Streben, wie strebt er dann so tief hinab, zu toten Götzen, aus der finstern Erde aufgeholt! wie strebt er dann nach einem traurigen Ende, sich um das Leben zu bringen, das nicht mit Speise und Trank erhalten wird! Wie kann der christlich lebendig bleiben, der beständig das kalte, schwere Metall an sein Herz drückt! Was hilft es dem Menschen, so er die ganze Welt gewinnt, und Schaden nimmt an seiner Seele! Wo der Schatz ist, da ist das Herz, unser Schatz soll in uns sein und von obenher vermehrt werden. So bewahren wir das Christenleben. | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Wir haben unsere Augen auf das Wesen dieser Welt gerichtet; nur noch einmal hingeschaut: | ||
| - | |||
| - | Oder glaubt ihr des Richters Gnade nicht zu bedürfen? Wir kennen die unglückliche Gewohnheit, im pharisäischen Staatskleide aufzutreten; | ||
| - | |||
| - | Wir haben unsere Augen auf das Wesen der Welt gerichtet und gesehen, dass nicht in ihr, sondern außer ihr, in der Gottseligkeit, | ||
| - | |||
| - | =====III.===== | ||
| - | |||
| - | Dem einen näher, dem andern entfernter liegt in der Vergangenheit die Stunde, in der wir uns feierlich bekannten zum Christentum, | ||
| - | |||
| - | Oder waren es Tränen der Wehmut und Bangigkeit? Sahn wir vielleicht vorher, dass wir die Jesu geweihte Seele nicht rein erhalten würden von irdischen Flecken, nicht frei von des Irdischen Gewalt? - O dann sind’s Tränen von wahrer Bedeutung gewesen, denn wer kann sagen: Ich habe gelebt wie ich gelobt an jenem Tage? Wir kamen auf verderbliche Wege; aber Er, der uns einmal angenommen, rief uns zurück und nahm uns abermals an. Freunde, es ist kein leerer Gebrauch, dass wir unsre Sünden bekennen, eh' wir uns dem Reinen und Heiligen wieder nah'n - kein blinder Glaube, dass Gott Sünden vergebe! Wüssten wir nicht, dass er vergeben, so könnten wir nicht an des Herrn Tisch treten mit Freudigkeit, | ||
| - | |||
| - | Ich habe zu Christen geredet. So kann ich meine Beschreibung des Christenlebens jetzt endigen. An die merklichsten Augenblicke im Christenleben hab' ich erinnert; wer sollte nicht diese und viele andere noch aus eigener Erfahrung kennen! Die herrschende Gesinnung im Christenleben hab' ich geschildert; | ||
| - | |||
| - | Nur ein Gebet noch, ihr Lieben, ein Gebet noch zu dem, der da gibt, zu dir, o Gott. Ich habe geredet von dem Geschenk deiner Liebe: Vater, segne meine Worte! der du die Herzen lenkst, lenke auch diese Herzen auf dein Geschenk, dass sie es ergreifen und sich zu eigen machen und treu bewahren. Zu dir, o Jesu, flehe ich. Du hast es dargebracht, | ||
| - | |||
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| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ======Harms, | ||
| - | |||
| - | Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unserm HErrn Jesu Christo. Amen. | ||
| - | |||
| - | Text: Ev. Luc. 21, 25 - 36. | ||
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| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht, und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und Er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum, und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
| - | |||
| - | Unser heutiges Evangelium, meine Lieben, handelt vom Jüngsten Gericht, wie ihr eben gehört habt. Da fragt ihr vielleicht voll Verwunderung: | ||
| - | |||
| - | Gerade daraus müsst ihr recht wieder erkennen, wie offenbar der HErr allezeit in Seiner Kirche gewaltet hat, gerade daraus, dass unter den Adventstexten derjenige vom Jüngsten Gericht nicht fehlt, der erst die Adventsfreude vollkommen macht für alle, die an Jesum Christum glauben. Wir haben am vorigen Sonntage das Thema gehabt: Jesus kommt, ein König, und daran die Frage geknüpft: wie sollen wir Ihn empfangen. So lasst uns denn heute unter Gottes Segen und nach Anleitung unsers Evangeliums andächtig betrachten: | ||
| - | |||
| - | Jesus kommt ein Richter; wie sollen wir Ihn empfangen? | ||
| - | |||
| - | Zuvor aber lasst uns beten: Du lieber HErr Jesu, wir danken Dir von Herzen, dass Du gekommen bist in das Fleisch als ein so sanftmütiger, | ||
| - | |||
| - | =====I. Jesus kommt ein Richter. ===== | ||
| - | |||
| - | Wunderbare Dinge werden der letzten Wiederkunft des HErrn Jesu vorangehen. Der HErr spricht: es werden Zeichen geschehen an der Sonne und an dem Mond und an den Sternen und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Es ist gerade so, wie wenn ein Mensch alt geworden ist, nun im Sterben liegt und der Todeskampf sich einstellt, da werden seine Augen dunkel, Frost und Hitze schütteln ihn, Zuckungen gehen durch seine mürben Glieder, alle seine Kräfte werden aufgezehrt von der innerlichen Hitze, sein Herz verschmachtet und er wird gelegt in des Todes Staub. | ||
| - | |||
| - | So ist es auch bei dem Ende der Welt. Die Welt ist alt geworden und die Zuckungen des Todes stellen sich ein. Himmel und Erde kommen in Aufruhr. Die Erde bebt und speit Feuer aus und glühende Flammen, die allenthalben hervorbrechen aus ihrem Schoß. Da zischt und brauset und rollt dann das Meer und die Wasserwogen und kämpfen mit den Feuergluten, | ||
| - | |||
| - | Und seht, meine Lieben, das alles geschieht den Frommen zu gut. Denn darum muss Himmel und Erde vergehen in Feuer, damit aus denselben ein neuer Himmel und eine neue Erde könne dargestellt werden, darauf Gerechtigkeit wohnen. Was bei dem Leibe des Menschen der Tod und die Verwesung ist, die notwendig erst erfolgen muss, ehe der neue verklärte Leib kann hervorgehen, | ||
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| - | Aber wie? ich habe vorhin gesagt, die Herzen der Gottlosen würden verschmachten vor Furcht und Entsetzen, wenn dies alles geschähe; wird denn nicht dasselbe bei den Frommen der Fall sein? Nein, eben so wie bei der Sündflut Noah eine sichere Zuflucht fand in der Arche, dass ihm alle Wasserwogen nichts schaden konnten, obgleich sie über die höchsten Berge gingen, sondern er blieb in der Arche völlig unberührt von dem Gericht; eben so hat zur Zeit des Weltenbrandes der HErr Seinen wenigen Frommen, die dann auf der Erde sind, eine sichre Zuflucht bereitet, wohin die Flammen nicht kommen können, wie hoch sie auch schlagen. Und von dieser sichern Zuflucht heben sie dann voll Sehnsucht Auge und Herz nach oben und rufen, stehen und bitten: Nun komm, HErr Jesu, komm bald! Und ihr sehnsüchtiges Rufen wird erhört. Denn alsdann werden sie sehen kommen des Menschen Sohn in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Von Osten her, wo sonst die Sonne aufging, als sie noch am Himmel stand, erscheint plötzlich ein blendender Himmelsglanz. Ist dieser blendende Himmelsglanz denn vielleicht die Sonne wieder? Ja es ist eine Sonne, aber nicht die irdische. Der HErr Jesus kommt daher in aller Seiner Kraft und Herrlichkeit, | ||
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| - | Und ein neues Wunder sehen sie vor ihren erstaunten Augen. Aus des HErrn Jesu Munde erschallt wie zur Zeit der ersten Schöpfung, das allmächtige Schöpferwort und auf dasselbe entsteht aus der Erde und aus dem Himmel, die im Feuer vergangen sind, die neue Erde und der neue Himmel. Vor ihren Augen führt aus dem Gotteshimmel auf diese neue Erde herab das himmlische Jerusalem, die Stadt des lebendigen Gottes, zubereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Manne, die soll fortan die sichtbare Wohnung des Königs Jesu Christi sein, und die neue Erde soll fortan der ewige, selige, ungetrübte Wohnplatz der auferstandenen und verklärten Frommen sein. Da ist ewig keine Sünde, kein Tod mehr, da gibt es keine Tränen, keinen Schmerz, kein Geschrei mehr; Schmerz und Seufzen wird da weg müssen, Freude und Wonne wird sie ergreifen, ewige Freude wird über ihren Häuptern sein. Und wenn dann Jesu Gnadenstimme zu ihnen erschallet: kommet her, ihr Gesegneten Meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! wenn es dann heißt: ihr seid über wenigem getreu gewesen, Ich will euch über viel setzen! und wenn dann der himmlisch glänzende Zug der verklärten Frommen mit dem heller leuchtenden Jesus und allen heiligen Engeln hingeht nach der neuen Erde, da geht dann in Erfüllung das Wort: was kein Auge, gesehen, was kein Ohr gehört, was in keines Menschen Herz gekommen ist, das bereitet der HErr denen, die ihn lieben. Da auf der neuen Erde ist kein Frost mehr und keine Hitze, kein Schnee, kein Regen, kein Hagel, kein Sturmwind, kein Letzen und Verderben mehr. Da sind lauter grünende Wiesen, blühende und fruchtbringende Bäume, herrlich schimmernde und duftende Blumen, lauter gehorsame, schöne Tiere, lauter zutrauliche Vögel von dem herrlichsten Gefieder, und die alle den Menschen dienen und von den Menschen geliebt und regiert werden und allenthalben die lieblichen Wohnungen der Frommen, und keine einzige Wohnung der Gottlosen mehr. Und das himmlische Jerusalem, die Stadt unsers Gottes mit ihren goldenen Gassen und Mauern von glänzenden Edelsteinen tut Tag und Nacht seine weißen Perlentore den seligen Frommen auf, die da ein- und auswallen in festlichen Sängerchören, | ||
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| - | Seht, meine Lieben, darum ist Jesu Kommen zum Gericht die rechte Freude der Frommen, darum gehört Jesu Kommen zum Gericht auch jetzt mit zu unsrer seligen Adventsfreude. Ja die Adventsfreude, | ||
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| - | Aber, ehe wir weiter gehen, zu betrachten, wie wir Jesum empfangen sollen und auf Seine Zukunft uns bereiten, ist noch eine Frage vorher zu beantworten, | ||
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| - | Sodann gibt Jesus ein gewisses Zeichen und Merkmal an, daraus wir erkennen können, dass solches alles, was Er vom Jüngsten Gericht gesagt hat und von Seiner Wiederkunft, | ||
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| - | Und endlich, um den Christen allen, auch den leisesten Zweifel zu benehmen, sagt der HErr: Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte vergehen nicht. Darum lass die Zweifler zweifeln und die Spötter spotten. Es wird ihnen eben so gehen, als den Leuten bei der Sündflut: als sie ersoffen, da zweifelten und spotteten sie nicht mehr; es war ihnen aber nicht mehr zu helfen. So wird es den Spöttern und Lästerern am Jüngsten Tage auch gehen. Dann, wenn sie brennen, werden sie auch aufhören zu spotten und zu lästern, aber dann ist ihnen auch nicht mehr zu helfen. Für dich, du gläubiger Christ, ist es genug, dass du gehört hast aus dem Evangelio: Jesus bat es gesagt. Darum Himmel und Erde werden vergehen, aber Jesu Worte nicht. | ||
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| - | =====II. Lasst uns nun sehen, wie wir Jesum empfangen sollen! ===== | ||
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| - | Dazu müssen wir uns jetzt bereiten, hier in dieser Gnadenzeit. Denn was wir hier gesät haben, so lange wir im Fleische wandeln, das werden wir ernten bei der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. Die Menschen haben ein gemeines Sprichwort, das lautet: wie der Baum fällt, so bleibt er liegen. Damit wollen sie sagen: ist der Mensch tot, so ist es aus mit ihm, er steht eben so wenig wieder auf, als der abgehauene Baum. Ich beneide diesen Leuten solche Weisheit nicht, die nicht von Gott kommt, sondern vom Teufel, um sie sicher zu machen, und an die sie selbst nicht einmal glauben. | ||
| - | |||
| - | Denn ich habe schon manche Menschen in Krankheits- und Sterbensnot ach Gott schreien hören, die im Leben und gesunden Tagen von Gott nichts wissen wollten. Aber in einer Hinsicht ist jenes Sprichwort wahr: so wie der Mensch hier aus der Welt geht, gerade so geht er in die Ewigkeit hinüber. Wird er hier als ein böser Baum abgehauen, so bleibt er böse in Ewigkeit; und wird er hier als ein guter Baum abgehauen, so bleibt er gut in Ewigkeit. Nach dem Tode gibt es für den Christen, der Gottes Wort und Sakrament, als die Mittel zur Seligkeit, hier gehabt hat. keine Umkehr mehr. Darum, so gewiss du weißt aus der Heiligen Schrift, dass Jesus wieder kommen wird zum Gericht, so bereite dich hier, Ihn zu empfangen und wisse, was du hier gesät hast, wirst du dort ernten. Und da beherzige zuerst die ernste Mahnung des HErrn: hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung. Höret ein Beispiel: Die Engländer haben jetzt Krieg in Ostindien mit ihren abgefallenen Untertanen, den Indern. Da rückt neulich ein englisches Regiment aus gegen die zahlreichen Feinde, die wohl zehnmal stärker gewesen sind an Zahl, als die Engländer. Aber die Engländer gehen tapfer auf die Feinde los und fragen nicht, wie viel ihrer sind. Solcher Tapferkeit und Todesverachtung können die Inder nicht widerstehen und fliehen bald in vollen Haufen. Die Engländer jagen ihnen nach mit lautem Siegesgeschrei in eine nahe Stadt, erobern auch die und erstürmen einige von den Feinden besetzte Häuser. Haben sie nun den Sieg? Höret, in diesen Häusern finden sie eine Menge von Lebensmitteln und viele Tonnen mit Rum und Branntwein. Da machen sie sich über diese Speisen und Getränke her, fressen und saufen. Als sie sich voll gefressen und gesoffen haben, kommen die Indie zurück, fallen über ihre Sieger her und schlagen sie bis aus den letzten Mann tot, denn sie können sich nun nicht mehr wehren. Das lasst euch zur Warnung gesagt sein. Ein Fresser und Säufer ist noch nie in das Himmelreich eingegangen, | ||
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| - | Wenn der HErr da sagt: zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, so hat da schon manche einfältige Seele gefragt: wie ist das denn möglich? der jüngste Tag kommt doch für alle, wie kann denn einer demselben entfliehen? Da steht ja aber gar nicht dem Jüngsten Tage, das wäre freilich nicht möglich; sondern dasteht: diesem allem, das geschehen soll, also dem Bösen, dem Unglück, dem Gerichte, das die Gottlosen treffen soll. Denn an dem sollen die Frommen keinen Teil haben. Eben so musste Noah den Tag der Sündflut auch erleben, aber dem Gerichte der Sündflut durste er entfliehen, weil die Frommen nicht mit den Gottlosen umkommen sollen. So wirst du, wenn du fromm bist, zwar den Jüngsten Tag mit erleben, aber dem Feuer und Gericht, dem Unglück und Entsetzen, das jener Tag für die Gottlosen mit sich bringt, sollst du entfliehen, und eben so sicher geborgen sein, als Noah in seiner Arche. Und eben so, wenn alle Menschen vor Jesu Angesicht erscheinen müssen, und die Gottlosen gelegt werden zum Schemel Seiner Füße, so wirst du das Stehen behalten, du wirst stehen können vor des Menschen Sohn. Aber höre des HErrn Wort: du musst wacker sein und beten. Einige leiten das Wort wacker her von wachen, und meinen, dass der HErr hier das Wachen empfehle. Nun kommt wachen und beten freilich oft sonst bei einander vor. Aber hier steht nicht wachen, sondern wacker. Und das ist noch mein Lebe nicht von wachen hergekommen. Sondern wackere Leute das sind brave, tüchtige, tapfere Leute, rechte Kämpfer. Also kämpfen, tapfer kämpfen sollen wir. Wissen wir ja doch, dass wir den listigen und grimmigen Satan zum Feinde haben und das ganze Heer seiner bösen Engel, dazu die ganze Menge der gottlosen Weltkinder, die ja immer zugleich Teufelskinder sind und die vornehmsten Werkzeuge seiner Schalkheit. Und dazu noch die Sündenlüste unsers eignen bösen Herzens. Das sind die Feinde, gegen die wir wacker streiten sollen. Und zwar in zweierlei Weise. Zuerst wir müssen uns verteidigen, | ||
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| - | Darum kommen wir auch jetzt zu Dir, Herr Jesu Christe, und bitten Dich, salbe uns mit Deinem Heiligen Geist, dass wir einen guten Widerstand tun und den Sieg behalten. Satan ist mächtig, Du bist allmächtig. Die Welt lockt; der Himmel aber lockt noch weit mehr. Die Sünde ist kräftig, aber Dein Heiliger Geist ist kräftiger, denn Er ist allmächtig, | ||
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| - | ====== Hofacker, Ludwig - Predigt am 2. Sonntage des Advents, oder am 26. Sonntage nach Trinitatis====== | ||
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| - | **Das Gericht und der Richter** | ||
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| - | Text: Matth. 25,31-46 | ||
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| - | **Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in Seiner Herrlichkeit, | ||
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| - | Dass ein Gericht, eine göttliche Entscheidung unseres ewigen Schicksals, die durch unser inneres und äußeres Verhalten in dieser Welt bestimmt wird, auf uns warte, wovon unser Evangelium ausführlichen Bescheid gibt: das braucht man den Menschen nicht zu beweisen. Eine tiefe Ahnung dieses zukünftigen Gerichtes ist dem Menschen in das Herz geschrieben. Auch die Heiden, die noch nichts vom Gesetze wissen, haben diese Ahnung. Denn ihre Gedanken, die sich in ihrem Herzen unter einander entschuldigen und verklagen, zielen auf einen Tag hinaus, an welchem Gott das Verborgene der Menschen richten wird durch JEsum Christum (Röm. 2,16.16.). Jede inwendige Bestrafung unseres Gewissens ist eine Anzeige davon, dass ein Gerichtstag bevorstehe. Die Lehre vom jüngsten Gericht gehört darum auch unter die Lehren, welche die Menschen leicht glauben. Ein natürlicher Mensch kann sie glauben; es gehört eben keine Erleuchtung des Heiligen Geistes dazu. Das Gewissen des natürlichen Menschen ist Zeugnis genug für die Wahrheit dieser Lehre. | ||
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| - | Aber die Menschen sind Lügner; auch die natürlichen, | ||
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| - | Weil nun der himmlische Vater gesehen hat, dass wir Menschen verkehrten Herzens, und von dem Geist der Lügen durchdrungen sind; weil Er gesehen hat, dass auch die Lehre von einem künftigen Gerichte, welche doch tief in des Menschen Herz eingeschrieben ist, nach und nach durch Ungehorsam gegen die Wahrheit würde verdunkelt oder gar verdrängt werden, so hat Er es den Menschen von jeher sagen lassen, dass ein Gericht auf sie warte. So hat schon Henoch, der Siebente von Adam, vom zukünftigen Gerichte geweissagt (Jud. 14.15); so finden wir diese Lehre von einem zukünftigen Tag des HErrn häufig im Alten Testamente ausgesprochen, | ||
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| - | Wir wollen hierbei ins Auge fassen, | ||
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| - | * den Richter und Die, welche gerichtet werden; | ||
| - | * den Maßstab, nach welchem gerichtet werden wird; | ||
| - | * den Ausspruch oder das Urteil des Richters. | ||
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| - | O JEsus, Du Richter alles Fleisches, hilf uns, dass wir uns von Deinem Worte und Geiste hier schon richten lassen, damit wir nicht dem unerträglichen Zorne Gottes anheimfallen! Amen. | ||
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| - | ===== I. ===== | ||
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| - | Liebe Zuhörer! Gegenwärtig ist es noch nicht so in der Welt, wie es sein wird, wenn unser heutiges Evangelium einmal in Erfüllung geht. Gegenwärtig ist noch Alles untereinander, | ||
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| - | Aber dieser Tag wird kommen. So gewiss wir ein Gewissen in uns haben, und Gedanken, die sich unter einander verklagen und entschuldigen; | ||
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| - | Wie ganz anders wird es dann sein, als es vor 1800 Jahren war, und als es jetzt noch ist. Vor 1800 Jahren kam JEsus als ein armer Mensch; als Er zu den Toren von Jerusalem einritt, konnte ein Welt-Auge von Seiner Herrlichkeit wenig oder nichts sehen. Bald darauf übergab Er Sich in die Hände Seiner Feinde, die den Mutwillen und die Bosheit ihres finstern Herzens an Ihm verüben durften; Er starb am Kreuze, wie ein Missetäter stirbt - nackend, in der alleräußersten Verachtung hing Er da am Kreuz zum Spott und Hohn Seiner Feinde, und starb. Aber auch jetzt noch sieht ein Welt-Auge nichts oder wenig von Seiner Herrlichkeit; | ||
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| - | Aber es wird anders werden an jenem Tage. Des Menschen Sohn wird kommen in Seiner Herrlichkeit. In der Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | So wird Er kommen vom Himmel mit einem Feldgeschrei, | ||
| - | |||
| - | Da werden dann vor Ihm versammelt werden alle Völker, beide, Kleine und Große; Knechte und Freie, Reiche und Arme; Gläubige und Ungläubige; | ||
| - | |||
| - | O liebe Zuhörer, jetzt kann noch ein Mancher die Schande seiner Blöße verbergen, und sich und Andere mit Heuchelschein betrügen. Es befindet sich gegenwärtig noch Mancher unter den Schafen, der eigentlich seinem Herzensgrunde nach ein Bock ist; ja Mancher steht selbst in dem Wahne, als ob er zur Heerde Christi gehöre, ob er gleich nicht dazu gehört; durch langgetriebenen Ungehorsam gegen die Zucht des Geistes kann man es endlich bis zu diesem Selbstbetruge bringen. Es ereignet sich auch zuweilen in dieser Welt, dass ein Bock vor einer Heerde Schafe einhergehet in Schafskleidern, | ||
| - | |||
| - | „Wir müssen offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi“, sagt Paulus. O das ist ein schreckliches, | ||
| - | |||
| - | ===== II. ===== | ||
| - | |||
| - | Wenn nun die Böcke von den Schafen geschieden sein werden, dann wird der Richter anheben zu richten. Aber nach welchem Maßstabe wird Er es tun? | ||
| - | |||
| - | Wird Er nach unserem guten Namen fragen, den wir unter den Menschen gehabt haben? Oder wird Er darnach fragen, ob du ein guter Haushalter oder Haushälterin gewesen seiest? Oder wie oft du zur Kirche und zum heiligen Abendmahl gegangen seiest? Oder ob du dich zu den sogenannten Frommen gehalten habest? Liebe Zuhörer, diese Dinge sind alle gut, aber darnach wird der Richter doch nicht hauptsächlich fragen. Was meinet ihr? Meinet ihr, es werde sich darum handeln, ob wir das Christentum und den Glauben an den Heiland gut im Kopfe gehabt haben? Oder meinet ihr, der Richter alles Fleisches werde Schule halten an Seinem großen Tage, und uns über die Sprüche abhören, die wir auswendig können? Oder meinet ihr, das werde den Ausschlag geben, wenn wir von dem Christentum gut reden oder schwatzen konnten? Ja, es wird einen Ausschlag geben in der Wage des Richters, einen mächtigen Ausschlag, wenn wir aus seiner Heilslehre, aus Seinem Evangelium ein Geschwätz gemacht haben, ein saft- und kraftloses Geschwätz, wenn wir die Gottseligkeit für ein Gewerbe gehalten, und handwerksmäßig getrieben haben; - aber der Ausschlag wird nicht zu unserem Vorteile ausfallen, sondern zum ewigen Schaden. | ||
| - | |||
| - | Wonach wird denn der König vornehmlich fragen? Antwort: Zu Denen zu Seiner Rechten wird Er sagen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; | ||
| - | |||
| - | Es hat in unsern Tagen Leute gegeben und gibt noch solche, die das ganze Christentum in diese guten Werke, welche der Heiland hier anführt, in ein menschenfreundliches, | ||
| - | |||
| - | Er wird sagen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt usw.. Was ihr getan habt oder nicht getan habt Einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan oder nicht getan.“ Auf die Worte: „ich, mich, mir, mein“ müssen wir merken. Der Heiland wird also richten nach dem Sinne, den wir für Ihn und die Seinigen in dieser Welt gehabt haben. Und das ist ein Gericht, wodurch nicht die Oberfläche, | ||
| - | |||
| - | „Wer euch aufnimmt“ - sagt der Heiland zu Seinen Jüngern - „der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt Den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen (darum, dass er ein Prophet ist), der wird eines Propheten Lohn empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen (darum, dass er ein Gerechter ist), der wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer dieser Geringsten Einen nur mit einem Becher kalten Wassers tränket in eines Jüngers Namen (darum, weil er ein Jünger ist), wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnt bleiben“ (Matth. 10,40-42). | ||
| - | |||
| - | O meine lieben Zuhörer! bedenket dieses schwere, dieses nicht fleischliche, | ||
| - | |||
| - | Wer ist denn nun tüchtig, solche Liebeswerke zu tun, die am Tage der Offenbarung bestehen mögen? Antwort: Nur Die, welche durch lebendigem Glauben Christo einverleibt sind. Wenn ein Mensch Jesum Christum wahrhaftig im Glauben ergriffen hat, so hänget er auch mit ganzem Herzen an Jesu; alle seine Gedanken fließen auf JEsum zusammen, auf den treuen Heiland, der ihn vom ewigen Tode freigemacht und unverdient zur Seligkeit gebracht. In dieser herzlichen Liebe tut der Mensch Alles um Jesu willen; er liebt JEsum in seinen, wenn auch geringen und vor der Welt unansehnlichen Brüdern; er schämt sich dieser Glieder seines Heilandes mitten unter einem unschlachtigen und verkehrten Geschlechte nicht; er überwindet und zerbricht seine liebste Lust, um dem Heilande zu gefallen; er überwindet um Jesu willen Geiz, Bequemlichkeitsliebe, | ||
| - | |||
| - | Seht, das ist der Sinn, den wir haben müssen, wenn wir wollen vom Richter unter die Gesegneten Seines Vaters gezählt werden. Seine Reichssache muss unsere Herzenssache sein. Das Geschwätz vom Christentum macht' | ||
| - | |||
| - | Und nun prüfe sich doch ein Jegliches, ob es in diesem Sinne stehe. Täusche sich doch ja Keines mit leeren Einbildungen! Siehe, wenn du nicht durch wahre Buße zum Glauben gekommen bist, wenn du nicht in der Gemeinschaft Jesu stehest, wenn du dich nicht täglich von Ihm im Geiste erneuern lässt, wenn du nicht unter der Zucht Seines Geistes stehest, und durch tägliche ernstliche Buße und Vergebung deiner Sünden gehest - siehe! so hast du diesen Sinn nicht; und wenn du diesen Sinn nicht hast, so bist du ein Kind des Verderbens, du seiest im Übrigen, wer du seiest. Nun prüfe dich doch; nun gehe auch einmal in einen Ernst ein in deinem Christentum; | ||
| - | |||
| - | ===== III. ===== | ||
| - | |||
| - | Denn was wird der König sagen zu Denen zu Seiner Rechten? „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ O liebe Zuhörer, was wird das sein, wenn man aus dem Munde des Königes diese Worte wird hören dürfen! Wenn Er uns „Gesegnete Seines Vaters“ heißet“ - Leute, auf welchen der Fluch des Gesetzes gelastet hatte, dessen sie aber losgeworden sind durch den Glauben an Christum, auf welchem nun das wohlgefällige Auge des Vaters ruht. Was wird es sein, wenn man den Segen, wenn man das Reich ererben darf, das der Vater in Christo dem Menschen bereitet hat; wenn das Wort des Königes in Erfüllung geht, das Er noch in den Tagen Seines Fleisches dem Vater in das Herz gesagt hatte: „Vater, Ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir sein, die Du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die Du mir gegeben hast.“ Was wird das sein! Eingehen dürfen zur ewigen Ruhe, in die Stadt, wo kein Verbanntes, wo keine Sünde mehr ist, wo das Lamm ist, und Seine Knechte, die Ihm dienen und Sein Angesicht sehen, und nicht mehr hinausgehen müssen; ewig geborgen, ewig aufgehoben, aus aller Fährlichkeit von Innen und Außen gerettet sein im ewigen Königreiche unsers Gottes - was wird das sein! | ||
| - | |||
| - | Da wird man Freudengarben bringen,\\ | ||
| - | Denn uns're Tränensaat ist aus.\\ | ||
| - | Welch' heller Jubel wird erklingen\\ | ||
| - | Und süßer Ton im Vaterhaus!\\ | ||
| - | Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen\\ | ||
| - | Wird müssen flieh' | ||
| - | Wir werden unsern König seh' | ||
| - | Er wird bei'm Brunnen uns erfrischen, | ||
| - | Die Tränen von dem Auge wischen,\\ | ||
| - | Wer weiß, was sonst noch wird gescheh' | ||
| - | |||
| - | Aber wie schrecklich ist auch der andre Ausspruch aus dem Munde des Königes: „Gehet hin, ihr Verfluchten, | ||
| - | |||
| - | Liebe Zuhörer, dies ist das Endurteil; bei diesem Urteile hat es sein ewiges Verbleiben; über wen dieses Urteil gefällt ist, über den fällt der Richter fernerhin kein Urteil mehr; wir lesen von keiner künftigen Abänderung oder Milderung in der Bibel. O, lasst uns das wohl bedenken! Jetzt leben wir noch in der Gnadenzeit, in der Bußzeit, in der Zeit der Aussaat. Wenn ein Mensch bis heute auf verkehrtem Sinn gewesen wäre, und er würde heute umkehren und Gott ernstlich suchen: so kann er noch Gnade finden, und noch sein Plätzchen zur Rechten erhalten. Dann aber, wann der Tag des HErrn erscheint, ist solches vorbei, auf ewig vorbei, dann ist die Gnadenzeit verscherzt; dann hat der Mensch sich selbst verloren, auf ewig verloren. Bedenkt, was das heiße: sich selbst, nicht sein Geld oder Gut, nicht seinen Leib, sondern sich selbst auf ewig, unwiederherstellbar verloren haben. | ||
| - | |||
| - | Ich weiß nicht, was uns nüchtern machen soll, zu bedenken, was zu unserem Frieden dienet, wenn's diese zentnerschwere Wahrheit nicht tut. Darum besinne sich, wer sich besinnen kann! Amen. | ||
| - | |||
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| - | |||
| - | ======Hofacker, | ||
| - | |||
| - | Text: Röm. 14, 7-12. | ||
| - | |||
| - | **Denn uns keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben, und auferstanden, | ||
| - | |||
| - | Die Totenbetten, | ||
| - | |||
| - | Blicken wir nun in unsere heutige Epistel hinein, so sehen wir auch einen Apostel Paulus fürs Leben und Sterben auf keinem andern Glaubensgrunde stehen; Christus ist ihm für Beides auch A und O, Anfang und Ende, Mittel und Zweck, und es ist wohl aus der Seele aller Gläubigen vom Anfang bis zum Ende herausgeredet, | ||
| - | |||
| - | Das schönste und einfachste Herzensbekenntnis eines begnadigten Kindes Gottes; es besteht aus drei Teilen: | ||
| - | - ich lebe dem HErrn, | ||
| - | - ich sterbe dem HErrn; | ||
| - | - lebend, und sterbend bin ich des HErrn. | ||
| - | |||
| - | =====I. ===== | ||
| - | |||
| - | 1) Ich lebe dem HErrn - so lautet der erste Teil des Glaubensbekenntnisses, | ||
| - | |||
| - | 2) Und was ist denn nun die Frucht davon, wenn man also zu dem Heiland sich hält und mit Ihm sich also verlobt und vertraut? Keine andere, als dass man erfahren darf, dass man an Ihm einen HErrn hat, der seinesgleichen sucht im Himmel und auf Erden; und darum spricht der Gläubige mit einem Hochgefühl der Freude und Wonne: ich lebe dem HErrn! Hat er ja doch an Ihm einen allmächtigen HErrn, wer dürfte ohne dessen Willen ihm auch nur ein Haupthaar krümmen? Hat er ja doch an Ihm einen allweisen HErrn, wie könnte ihm deshalb auch irgendetwas begegnen, das ihm nicht zum Besten dienen müsste? Hat er ja doch an Ihm einen starken HErrn, - wie dürfte er sich vor seiner eigenen Schwachheit fürchten, da Er zu ihm spricht: meine Kraft ist in den Schwachen mächtig? (2 Kor. 12,9.) Hat er ja doch an Ihm einen mitleidigen HErrn, wie sollte Er Gefallen daran haben, das glimmende Docht auszulöschen und das zerstoßene Rohr zu zerbrechen? Hat er ja doch an Ihm endlich einen getreuen HErrn, wie sollte er Ihm nicht kindlich vertrauen, dass sein Gottesspruch ewige Wahrheit bleibt: es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer (Jes. 54, 40.)? Ja, mit diesem HErrn ist der Gläubige geborgen in freudereichen und in traurigen Tagen, in sonnenhellen und in stürmischen Zeiten, bei Anfechtungen von innen und von außen. Denn der HErr, dessen Worte ewige Geltung und Währung haben, spricht zu ihm: fürchte dich nicht; denn Ich habe dich erlöst, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein; denn so du durchs Wasser gehst, will Ich mit dir sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du durchs Feuer gehst, soll dich die Flamme nicht anzünden - denn Ich bin der HErr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland (Jes. 43,1-3.). | ||
| - | |||
| - | Sollte bei solchen glorreichen Verheißungen nicht jedes Herz höher pochen und schlagen, und nicht jeder Mund gerne in jenes Losungswort einstimmen, das alle wackeren Streiter und lebendigen Zeugen Christi zu dem ihrigen gemacht haben: lebe ich, so lebe ich dem HErrn? Ihr, die ihr bisher euch selber lebtet, und eurem eigenen Willen und eurem eigenen Fleisch und der Welt und dem Frondienst der Eitelkeit und des vergänglichen Wesens, das von gestern her ist und morgen zerstäubt, was hattet ihr bisher für Frucht davon? Nicht wahr, eine Frucht, deren ihr euch entweder jetzt schon, gewiss aber am Tage der Offenbarung schämen müsset. O tretet herüber aus dem sauren und herben Dienste der Sünde, die endlich nur den Sold des Todes euch darbietet, tretet herüber in den Dienst der Gerechtigkeit Jesu Christi und preiset den HErrn, beides an eurem Leibe und an eurem Geiste, welche beide sind Gottes; die Welt vergeht ja mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibet in Ewigkeit (1 Joh. 2,17.). | ||
| - | |||
| - | =====II. ===== | ||
| - | |||
| - | Das erste und wichtigste Bekenntnis eines gläubigen Kindes Gottes ist: ich lebe dem HErrn. Aber unwillkürlich schließt sich daran das andere an, das nur eine Folge des ersten ist: ich sterbe dem HErrn. | ||
| - | |||
| - | 1) Die Schiffer und Weltumsegler bedürfen nicht nur eines Kompasses, der ihnen die rechte Richtung zeige und die gerade Wasserstraße weise, nein, sie haben auch eine Rettungsschaluppe notwendig, die sie dann aussetzen, wenn das Schiff zu Trümmern geht, und sie Gefahr laufen, dass das Wellengrab sie in seinen feuchten Schoß aufzunehmen droht. Mit der Rettungsbarke aber segeln sie dann getrost in den Hafen ein, wenn sie auch an seinem Eingang das Schiff in die Fluten untersinken sehen; denn sie sind gerettet, und Schiffe kann man neue bauen. | ||
| - | |||
| - | So, meine Lieben, gehen wir Alle einem Schiffbruche entgegen; früher oder später zerschellt unser Lebensschiff an einem Felsenriffe, | ||
| - | |||
| - | Ich sterbe dem HErrn, spricht ein Kind Gottes, dieweil es weiß, dass Er im Rate seiner Weisheit die Stunde bestimmt hat, in welcher unser Abschied erfolgen soll. Nicht Zufall und blindes Geschick waltet ja über dem Leben der Erlösten Christi, sondern ein Ratschluss der ewigen Liebe; ihre Tage sind ja in das Buch Gottes geschrieben. Warum wollen wir also unser Herz uns zergrämen über der Ungewissheit, | ||
| - | |||
| - | Ich sterbe dem HErrn, spricht der Glaube, und darum wirft er auch die Sorgen wegen der letzten Kämpfe auf den HErrn. Wir wissen nicht, welche Todesleiden unserer noch warten, welche Kämpfe der sinkenden Hütte wir noch zu bestehen haben, wie viele bange Nächte zu durchwachen, | ||
| - | |||
| - | Ich sterbe dem HErrn, spricht der Glaube, dieweil er nicht mehr der Welt und der Sünde zu sterben braucht, der er abgestorben ist, dieweil der Tod nicht mehr Sold der Sünde ist, nachdem, was Christus gestorben, er der Sünde gestorben ist (Röm. 6,10), und dadurch den Fluch hinweggenommen hat. Ich sterbe dem HErrn, der mich erlöst von allem Übel, der mich errettet von der Hand meiner Widersacherin, | ||
| - | |||
| - | So spricht der Glaube und hebt sein Haupt empor, dieweil er weiß, dass seine Erlösung naht; und wenn der Todesengel mit sanftem Flügelschlag zu seinen Häupten rauscht, so erzittert er nicht, sondern spricht: ich weiß, dass mein Erlöser lebt (Hiob 19, 25.); Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn (Phil. 1,21.); Er lebt und ich soll auch leben (Joh. 14,19.). | ||
| - | |||
| - | 2) Meine Lieben, solche Sterbenskraft und Sterbensfreudigkeit kann der Glaube verleihen, der Glaube, der nicht sieht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. In solchem Glauben ist ein Stephanus die Todesstraße gewandelt, von dem geschrieben steht: sein Angesicht war wie eines Engels Angesicht (Apostelg. 6, 15.); in solchem Glauben haben viele hundert Märtyrer ihr Haupt auf den Todesblock gelegt, oder sind sie mit festem Schritt auf den Scheiterhaufen gestiegen, um in Flammensegeln und mit Feuerrossen aufwärts zu fahren; in solchem Glauben haben viele edle Zeugen auch in unsern Mauern schon ihre Zuversicht im Tode bekräftigt und besiegelt, also dass Paulus von ihnen sprechen kann: seht ihr Ende an und folget ihrem Glauben nach (Hebr. 13,7.)! Und wenn sie auch nicht Alle mit der gleichen Freudigkeit, | ||
| - | |||
| - | Verlangt euch nicht auch nach einem solchen Glaubensende? | ||
| - | |||
| - | =====III. ===== | ||
| - | |||
| - | Ich lebe dem HErrn, ich sterbe dem HErrn, so lautet das Glaubensbekenntnis eines Kindes Gottes. Aber es fehlt noch der Schluss: lebend und sterbend bin ich des HErrn. | ||
| - | |||
| - | Wie vor einem Adler, der sich in die Sonnenhöhen emporschwingt, | ||
| - | |||
| - | Und wie freundlich kommt diesem Wunsche, des HErrn zu sein, - diesem Wunsche, den unser unsterblicher Geist hegt und in sich trägt, die Heilige Schrift entgegen: das Wort Gottes sagt uns von einer Erwählung vor Grundlegung der Welt, von Planen der Liebe über uns, die in alle Ewigkeit sich erstrecken; sie sagt uns, dass wir erwählt seien von Anfang an (Eph. 1, 4.), aber auch, dass wir bei dem HErrn sein sollen allezeit (1 Thess. 4,17.); der Maßstab der Zeit verschwindet, | ||
| - | |||
| - | Lasst sie deswegen nur herankommen - die Welt mit ihren Anerbietungen, | ||
| - | |||
| - | Alles Ding währt seine Zeit, \\ | ||
| - | Aber seine Lieb' in Ewigkeit. | ||
| - | |||
| - | Lasst endlich auch das Licht unseres Glaubens sich verdunkeln, und die Leuchte unserer Hoffnung erlöschen - dennoch sprechen wir: der HErr hat nur auf Augenblicke sein Angesicht vor mir verborgen, aber mit ewiger Gnade will Er sich meiner erbarmen (Jes. 54, 7. 8.); und wenn wir auch jetzt Traurigkeit haben, wir werden uns dennoch freuen, und jene Freude soll Niemand von uns nehmen; denn es bleibt dabei: wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn! und damit kann man harren, bis man ihn von Nahem sieht, bis das Perlenthor der Ewigkeit sich öffnet; denn ich bin's gewiss, dass weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, | ||
| - | |||
| - | {{tag> | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ======Hörschelmann, | ||
| - | |||
| - | **Gnade sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt.**\\ | ||
| - | Römer 15, 4-13. | ||
| - | |||
| - | Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
| - | |||
| - | „Siehe dein König kommt zu dir sanftmütig“, | ||
| - | |||
| - | Die Lebenskräfte aber, die unser Adventskönig uns spendet, sie bestehen in | ||
| - | |||
| - | 1) der Geduld und Beharrlichkeit für das Werk, das uns befohlen ist,\\ | ||
| - | 2) dem Frieden und der Einmütigkeit in dieser Welt des Streites,\\ | ||
| - | 3) dem Trost und der Hoffnung in dem Leiden dieser Zeit. | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | „Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
| - | |||
| - | Solche Geduld ist aber eine Gabe des Herrn, den der Apostel selbst einen Gott der Geduld nennt, dessen Geduld wir für unsere Seligkeit zu halten haben. Und auch seine Geduld erweist sich nicht nur im langmütigen Tragen unserer Schwachheit, | ||
| - | |||
| - | Die Wahrheit und Barmherzigkeit Gottes rühmt der Apostel in unserem Text. „Gnade und Wahrheit“ sind ja die beiden Strahlen der Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | Dieser Gott der Gnade und Wahrheit, der Geduld und Treue, er ruft nun auch uns auf zur Beharrlichkeit und Ausdauer in dem Werk, das er uns befohlen. Wie seiner Verheißung die Hoffnung der Völker begegnet, so soll seiner Wahrhaftigkeit unsere Treue, dem Dienst seines Erbarmens der Dienst unserer dankbaren Liebe entgegenkommen. Unser Auge schaut auf seine Gnade. Seine Augen schauen auf unseren Glauben. So gilt es denn Treue beweisen vor Allem im Glauben. Der Glaube ist ja die Hand, die sich unserem Gott entgegenstreckt, | ||
| - | |||
| - | Treue gegen Gott im Glauben und Gehorsam, das ist das Erste, was Gott von uns fordert, Treue gegen einander in der Liebe und in gegenseitigem Dienst, das ist das Andere. „Nehmt euch unter einander auf, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe“ mahnt uns der Apostel. Welches auch die Aufgaben seien, die wir an einander haben, in Lehre und Leitung, in Zucht und Regiment, in Hilfe und Dienst, einander aufnehmen sollen wir in fördernder und tragender Liebe, einander aufnehmen in die Teilnahme des Segens und der Gaben, die uns Gott beschert, in die Teilnahme der Arbeit und des Dienstes, die wir einander tun, vor Allem einander aufnehmen in die Teilnahme der Liebe, in der wir einander umfangen. Sind wir darin treu, so will er; der Herr, sich treulich zu uns halten und uns helfen, in seiner Nachfolge, in gegenseitigem Dienst dem großen Tage entgegenzureifen, | ||
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| - | =====II.===== | ||
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| - | Damit sind wir schon auf die zweite Gabe gewiesen, die der Adventskönig uns darreicht: Friede und Einmütigkeit in dieser Welt des Unfriedens und Streites. | ||
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| - | „Gott aber der Geduld und des Trostes gebe Euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach Jesu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi.“ Einerlei gesinnt sein! welch köstliches Gut von dem Gott des Friedens uns dargereicht, | ||
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| - | Doch was brauchen wir auf die großen Gemeinschaften und Gemeinwesen der Völker zu sehen, wo derselbe Feind, die Zwietracht und der Unfriede, in die innersten Heiligtümer der Häuser und der Herzen sich den Weg bahnt, den Frieden stört und das Glück untergräbt. Was hat nicht die untergehende Sonne unter den Nächsten und Allernächsten, | ||
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| - | Ein Wunder der Gottesgnade ist es, wo etwas von solcher Einheit, solchem Frieden unter uns wohnt, eine Frucht seines Geistes ist es, die er in denen wirkt, die auf dem einen Grunde stehen, den einen Weg wandeln, das eine Ziel im Auge haben, die eine Gnade im Glauben ergreifen, an der einen Liebe in dankbarer Gegenliebe hangen, dem einen Herrn in Treue dienen. Das gibt einerlei Sinn, erhält und erneuert den Frieden. Aus der Liebe Christi, aus der Kraft seines Geistes kommt uns solcher Sinn. Köstlich ist es, wo solcher Geist im Hause wohnt, wo solcher Sinn unter Hausgenossen waltet, köstlich, wo Einmütigkeit im Geist und Dienst des Herrn in der Gemeinde voll und ungetrübt offenbar wird. In den Feierstunden unserer Gottesdienste, | ||
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| - | =====III.===== | ||
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| - | Als streitende Gemeinde gehen wir diesem Ziele entgegen. Die streitende Gemeinde ist aber zugleich die leidende, die Kreuzgemeinde. Damit wir nun unter Kreuz und Leiden nicht verzagen, gibt uns der Herr als dritte, köstliche Gabe: Trost und Hoffnung im Leiden dieser Zeit. | ||
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| - | „Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
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| - | Was wird das kommende Kirchenjahr uns bringen? Das weiß Gott allein. Sehen wir aber an die Zeichen der Zeit, die Zeichen, die unsere Geschicke uns deuten, so scheint' | ||
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| - | Dieses Wort reicht der Herr unser Gott, als einen Stecken und Stab auf unserem Wege, als Trost und Halt in unserer Trübsal uns dar. Wir haben ein festes prophetisches Wort, als ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort. Wie hell leuchtet es und wie fest und über Alles gewiss ist dieses Wort! Es ist dasselbe von dem der Herr im Evangelium sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ Unser Glaube, unsere Hoffnung gründet sich auf das Gewisseste, was es im Himmel und auf Erden gibt, auf Gottes ewiges, wahrhaftiges Wort. Wie das Wort der Verheißung, | ||
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| - | Von diesem uns bereiteten Ziel strahlt das Licht uns auch schon auf den Weg, aus der Zeit der Vollendung strömen Kräfte des Trostes und der Hoffnung auch schon in die Gegenwart, in das Dunkel und die Trübsal dieser Zeit. Schauen wir unsere Trübsal an mit den Augen unseres fleischlichen Sinnes, da schwillt unser Leid und unsere Trübsal riesengroß an, und die Herrlichkeit des Herrn erscheint verschwindend klein. Wir sehen über uns nichts als dunkle, drohende Wolken, und das Licht der Herrlichkeit wird zu einem matten, verlöschenden Schein. Da sollen wir uns aber um solch' ungläubigen, | ||
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| - | Das sind die herrlichen Gaben, die wir von dem Gott der Geduld und des Trostes, des Friedens und der Hoffnung empfangen. | ||
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| - | Wollen wir nun müde werden, - wir stärken die schwankenden Knie in der Kraft des Herrn. Droht uns der Mut zu sinken, wir richten einander auf in einmütigem Preis der Gottesgnade und Treue. Will Bangen und Zagen uns beschleichen, | ||
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| - | So ziehen wir denn getrost und fröhlich unsere Straße, pilgern voller Sehnsucht, Friede und Freude unserem herrlichen Ziele zu. Unter aller Last der Leiden heben wir unsere Augen auf zu den Bergen, von denen uns Hilfe kommt, in aller Drangsal der Arbeit, in aller Hitze der Trübsal heben wir getrost unsere Häupter auf, dieweil wir wissen, dass mit der herrlichen Zukunft des Herrn auch unsere Erlösung naht. Amen. | ||
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| - | ======Hörschelmann, | ||
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| - | =====Altar-Gebet.===== | ||
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| - | So erheben wir denn die Herzen und die Augen auch heute wieder zu Dir, Du Geber aller Güter, der Seelen treuer Hüter, und flehen abermals um dieses Brot des ewigen Lebens, das wir, als Eine seiner teuren Gaben, aus der Hand Deines eingeborenen Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, empfangen haben, und das Du täglich in Deiner Kirche darreichst durch Kraft des Heiligen Geistes, den Du, o Vater, zu uns sendest auf Deines Sohnes heilige Fürbitte. Mache uns den heutigen Tag hierin zu einem Tage der Gnade, damit wir Dir im Geistigen, wie im Leiblichen, als einstige Bürger Deines Himmels, und als Kinder eines irdischen Reiches und Vaterlandes aufs Neue mit Dank verfallen sind. Denn auch hier ist es Dein Segen, dass wir uns an unserem teuren irdischen Oberhaupt heute des Namens freuen, in welchem Er ehemals den Bund des Glaubens und der Liebe mit Dir, in Jesu Christo, durch die heilige Taufe eingegangen ist; auch hier haben wir Dir zu danken für alle segensreiche Gaben, die Du uns durch Seine Hand hast darreichen lassen, seitdem Du Seinen Namen unter uns erhöhtest, dass die Völker dieses Reiches ihre irdischen Hoffnungen mit Lust und Zuversicht daran knüpfen! Erwecke uns denn heute aufs Neue zu herzinnigem Danke vor Dir, wie es Dir gefallen kann! Ach! Herr, wie ist er so lange ausgeblieben! So. oft wir Dein Angesicht schauen, haben wir vor Dir unsere Sünden zu bekennen, und zu flehen, Du wollest sie uns in Jesu Christo vergeben! Reiche uns heute auch diesen Trost dar, dass wir Kraft gewinnen, Dir in der Besserung zu dienen, und uns Dir für alle unsere Lebenszeit zu ergeben, in guten, wie in bösen Tagen, vertrauend auf unsern Herrn, in welchem wir Dein Volk sind nun und in Ewigkeit! Amen! | ||
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| - | =====Predigt über Röm. 15, | ||
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| - | Den ersten Schritt in den, uns aufs Neue sich eröffnenden Kreis kirchlicher Erbauung haben wir unter Erwägung des Festwortes der Adventzeit getan, da einem Jeden beim Eintritt in dieselbe zugerufen wird: Siehe! Dein König kommt zu Dir sanftmütig! Wo dieses Wort in einem Herzen Wurzel gefasst hat, da ist das ganze christliche Leben geborgen, ihm die Kraft beigelegt, sich mit Früchten der Gerechtigkeit zu schmücken, ihm der Geist eingeflößt, | ||
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| - | Sehen wir von den beiden Texten, welche die Väter der Kirche für jede sonntägliche Erbauung auserwählt haben, den Einen stets als die Ergänzung des Andern an, wie die Sache das mit sich bringt, so wird uns nicht entgehen, dass überall der Segen des göttlichen Wortes, welches uns vorgelegt wird, daran geknüpft ist, dass in der Gemeinschaft der Kirche Christi einen Jeden von uns das Bewusstsein begleitet: siehe! mein König kommt zu mir sanftmütig! So steht neben dem Evangelio des Tages, welches die, dem Volke Gottes nahenden, schweren und verhängnisvollen Tage verkündigt, | ||
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| - | Röm. 15,4-13\\ | ||
| - | „**Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
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| - | Es ist nicht schwer zu sehen, dass auch hier der Mittelpunkt dieses apostolischen Wortes und der ganzen Rede, die Paulus an uns tut, Jesus Christus sei, der gekommen ist, wiewohl in Herrlichkeit des Gottessohnes und unsers Königs, doch überkleidet mit der Dürftigkeit unseres Wesens, und angetan, gleich den Vätern und Brüdern Seines Volkes, als Diener des nämlichen Gesetzes, damit wir Alle durch Ihn Leben und volle Genüge hätten. Derselbe ist es, zu welchem in schwerer und verhängnisvoller Zeit, nach Inhalt unseres heutigen Evangeliums, | ||
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| - | **Herrn darstellen, als unsere Hoffnung in verhängnisvoller Zeit.** | ||
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| - | So müsste der Ausdruck gewählt werden für jede Zeit im Leben, da der Herr unsere Hoffnung sein soll, auf dass wir entweder entfliehen mögen dem, das da geschehen soll, oder doch wackeren und frommen Mutes stehen dem, das über uns kommt. So musste er gewählt werden, zunächst unserem heutigen Evangelio zu Liebe, welches im eigentlichen Sinne des Wortes von einer verhängnisvollen Zeit spricht, da es Jerusalems und des Jüdischen Volkes letzte Tage schildert nach dem ganzen Ernste und Gewichte, nach welchem die Hand Gottes auf dem nämlichen Geschlechte ruhen würde, zu welchem der Herr spricht. Sei es denn auch, dass wir solche Schickungen Gottes für uns nicht zu befürchten haben, weil im Reiche der Gnade, wie im Reiche der Natur, des Tages Anbruch, der immer auch ein Durchbruch durch ein Heer feindlicher Gewalten ist, unter Wehen und Brausen, unter Bewegen der Kräfte des Himmels, also immer unter einem furchterfüllten Warten der Dinge, die da kommen sollen, erfolgen muss, sei es, dass wir in diesem Sinne nunmehr, nachdem das Reich Gottes sich auf Erden gegründet hat in großer Herrlichkeit, | ||
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| - | Aber dazu noch gibt Dir Gott der Geduld und des Trostes noch einen festeren Grund Deiner Hoffnung auf diesen Deinen Herrn in jeder verhängnisvollen Zeit, indem er Dir in seinem heutigen Worte zurufen lässt: Derselbe hat Dich aufgenommen zu Gottes Lobe! O! frage Dich nur selbst, was es sei, dass in verhängnisvoller Zeit die Menschen verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden? Siehe zu, ob es nicht das sei, dass sie sich in solcher Zeit vereinzelt fühlen, sich verlassen sehen von jeder Freundeshand, | ||
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| - | ===== Schlussgebet ===== | ||
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| - | Mit dieser Zuversicht der Frommen nahen wir auch heute Deinem Thron, Gott der Geduld und des Trostes, in welchem wir unsere Hoffnung haben durch Jesum Christum unseren Herrn! Kommen gerufen durch die Botschaft Deiner Gnade, da Du den König unserer Seelen zu uns gesandt hast sanftmütig und von Herzen demütig, dass wir Ihm ganz vertrauen! Hilf Du durch Kraft des Heiligen Geistes, dass wir auch alle unsere Hoffnung auf Ihn sehen, der gekommen ist, um uns Dir zu versöhnen, und uns aufgenommen hat zu Deinem Lobe! Hilf uns in Ihm auf zu unwandelbarem Vertrauen nun und immerdar! Amen! | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ---- | ||
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| - | ======Kapff, | ||
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| - | Text: Röm. 15, 4-13. | ||
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| - | **Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
| - | |||
| - | „Siehe, dein König kommt zu dir;“ dieser frohen Adventsbotschaft freuten wir uns vor acht Tagen, und fühlten uns gedrungen, unsere Herzen dem HErrn aufzutun, der aufs Neue bei uns eingehen will mit dem vollen Segen seines gottmenschlichen Lebens und mit allen Fruchten seines großen Erlösungswerkes. So ihn in uns aufzunehmen, | ||
| - | |||
| - | Auf diese glorreiche Wiederkunft des HErrn warten die Gläubigen seit 1800 Jahren mit Sehnsucht. Die meisten Christen aber wollen nichts davon wissen, weil dieses andere Kommen des HErrn für alle Unbekehrte ein gerichtliches Kommen sein wird, bei dem nur die wahrhaft Gläubigen würdig sein werden, zu entfliehen allen den Gerichten, die nach unserem Evangelium kommen werden, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Deswegen ermahnt der HErr im heutigen Evangelio: seid wacker allezeit und betet. Und noch genauer gibt unsere Epistel die Eigenschaften an, ohne welche wir dem zweiten Advent Christi nicht ruhig entgegengehen können. Feste Gemeinschaft der Heiligen, einerlei Gesinnung, schonende und tragende Bruderliebe, | ||
| - | |||
| - | Wie wir uns auf den zweiten Advent Christi bereiten sollen? Nach unserer Epistel: \\ | ||
| - | - durch Glauben und Hoffnung, \\ | ||
| - | - durch Liebe. \\ | ||
| - | |||
| - | HErr JEsu! lass mich sowohl auf Zorn als Huld\\ | ||
| - | In deiner Zukunft merken. \\ | ||
| - | Lass stets dein Wort mich in Geduld \\ | ||
| - | Und in dem Glauben starken, \\ | ||
| - | Und lehre mich in Einem Geist \\ | ||
| - | Mit Allen, die Du gläubig heißt, \\ | ||
| - | Auch sprechen: Komm, HErr JEsu! Amen. | ||
| - | |||
| - | =====I. ===== | ||
| - | |||
| - | Unsere Epistel beginnt mit den Worten: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
| - | |||
| - | Die Erschütterungen der Natur werden der Ausdruck der geistigen Erschütterungen sein, durch welche das religiöse und bürgerliche Leben so starken Verwerfungen ausgesetzt sein wird, wie die Gestalt der Erde bei einem Erdbeben. Denn es wird in der letzten Zeit der Abfall von Christo den höchsten Grad erreichen, und alle Feinde Christi werden sich immer mehr gegen Gott und seinen Gesalbten und gegen die Gläubigen empören, und als das Haupt des ganzen Antichristentums wird zuletzt der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens auftreten, der nach 2. Thess. 2 „sich erhebt über Alles, das Gott oder Gottesdienst heißt, also, dass er sich setzet in den Tempel Gottes als ein Gott, und gibt sich vor, er sei Gott. Und seine Zukunft wird geschehen nach der Wirkung des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | In dieser schrecklichen Versuchungszeit des Antichristen werden die Gläubigen viele Drangsale durchzumachen haben. Denn es wird ihm nach Offenb. 13 gegeben zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden, | ||
| - | |||
| - | Von dieser Zukunft und folglich auch von der ihr vorangehenden Notzeit sagt der HErr oft, dass sie bald erfolge und dass wir allezeit darauf warten sollen, weil wir nie wissen können, ob er am Abend oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens erscheine. Und sehen wir die Zeichen unserer Zeit an, so finden wir so manche Vorzeichen der letzten Zeit, dass, wenn der HErr will, bald vollends Alles sich schnell entwickeln kann, was seine Zukunft herbeiführt. Der Abfall ist auf einen hohen Grad gestiegen, Menschenvergötterung ist der Geist der Zeit unter Gelehrten und Ungelehrten, | ||
| - | |||
| - | So bereitet zu sein, dazu ist nun vor Allem Glaube nötig. Ohne Glauben ist Geduld und Trost der Schrift uns nicht möglich. Daher wünscht der Apostel auch am Schlüsse unseres Textes den Römern, dass sie doch erfüllt werden möchten mit aller Freude und Friede im Glauben und völlige Hoffnung haben durch die Kraft des Heiligen Geistes. Ohne Glauben gibt es keine Freude und keinen Frieden und keine Hoffnung. Der wahre Glaube blickt rückwärts und vorwärts, rückwärts auf alles das, was JEsus von der Krippe bis zum Kreuz und vom Kreuz bis zum Throne der Herrlichkeit für uns und uns zu gut getan und gelitten und uns als ewiges Erbe erworben hat. Darin findet der Glaube sein Heil und seinen Frieden. Aber er blickt auch vorwärts auf das, dessen wir nach dem Worte Gottes noch zu warten haben, und ist nicht, wie so viele Christen, gleichgültig gegen das, was zur Lehre vom zweiten und vom dritten Advent Christi gehört. | ||
| - | |||
| - | Wer über diesen wichtigen Gegenstand die Belehrungen der heil. Schrift noch nicht kennt, dem fehlt eines der Hauptstücke des christlichen Glaubens, und er kann nicht im vollen Sinn „Geduld und Trost der Schrift“ haben. So gewiss der erste Advent JEsu in Niedrigkeit und Leiden aller Art geschah, und uns ewiges Heil erwarb, so gewiss wird der zweite Advent in Herrlichkeit geschehen zur Vernichtung der antichristlichen Macht und zur Errichtung des herrlichen Königreiches JEsu noch auf dieser Erde, worauf dann erst der dritte Advent, d. h. sein letztes Kommen zum allgemeinen Weltgericht erfolgen wird. Über das Alles hält der Glaube das fest, was JEsus und seine Apostel in klaren und bestimmten Worten voraussagen. Und da hat der Glaube die trostvolle Hoffnung, dass JEsus bei seinem zweiten Advent nach 2. Thess. | ||
| - | |||
| - | Ohne diesen Glauben und ohne diese Hoffnung können wir auf den zweiten Advent Christi uns nicht bereiten. Daher bitte ich euch Alle, in dieser Adventszeit auch das prophetische Wort fleißig zu betrachten und aus demselben den Ruf der heiligen Wächter zu vernehmen, die aus aller Gegenwart beständig auf die Zukunft hinausweisen und uns gebieten, in beständiger Erwartung des andern Advents Christi zu leben, wie eine Braut sich allezeit sehnet nach ihrem Bräutigam. In solcher hoffnungsvollen Erwartung Christi und der großen Erlösung, die Er den Seinigen bringen wird, können wir täglich, wie unser Text wünscht, mit aller Freude und Friede Alles geduldig aus der Hand des HErrn annehmen, was Er uns zuschickt, uns willig ins Leiden geben, über das, was feindlich gegen JEsum und uns in den Weg tritt, siegen, den Versuchungen entfliehen, und, in Hoffnung der künftigen Freude, Hülfe und Herrlichkeit, | ||
| - | |||
| - | =====II. ===== | ||
| - | |||
| - | auch die Liebe, welche in Allem erst das rechte Band der Vollkommenheit ist. Von ihr hauptsächlich spricht unser Text, und zwar ganz besonders von der brüderlichen Liebe, von welcher der ganze Abschnitt, zu dem unsere Epistel gehört, handelt. Dabei aber weist der Apostel immer auf die Liebe Gottes und JEsu als das Fundament der brüderlichen Liebe hin. Wir sollen einerlei gesinnt sein nach JEsu Christ, sollen mit Einem Munde Gott loben und also auch Ihn lieben, sollen uns unter einander ausnehmen, d. h. lieben, gleichwie Christus uns hat aufgenommen zu Gottes Lobe, sollen Alle lieben, weil Gottes Verheißungen noch an Allen sollen erfüllt werden. | ||
| - | |||
| - | Weil der HErr uns so hoch geliebt hat, so ist unsere erste Aufgabe, Ihn zu lieben und zu loben, und darin steht auch die beste Bereitung auf den zweiten Advent Christi. Wie könnten wir nach unserem Evangelium allezeit wacker, d. h. wachsam sein, in Erwartung seiner Zukunft wachen, wenn nicht Liebe uns dazu treibt! Nur diese Liebe kann uns über das erheben, was uns einzuschläfern droht. Solcher Dinge gibt es so viele, dass ein starkes Gegengewicht von göttlicher Liebe nötig ist, um die Weltliebe aufzuwägen. Vor wie Vielem muss JEsus warnen, als vor Hindernissen einer rechten Bereitschaft, | ||
| - | |||
| - | Aber solche Liebe zu JEsu kann nicht sein ohne wahre Bruderliebe. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er den HErrn lieben, den er nicht sieht, und wie kann er dem HErrn entgegengehen, | ||
| - | |||
| - | Nie ist festes Zusammenhalten der Gläubigen nötiger, als in der letzten Zeit. Nur gemeinschaftliche Kraft ist stark. Wer außer der Gemeinschaft der Gläubigen steht, der kann viel christliche Erkenntnis und christliche Gesinnung haben, aber wenn er um Christi willen etwas leiden, etwas verleugnen und überwinden soll, so fehlt es meistens an Mut und Kraft, ja selbst die Erkenntnis in geistlichen Dingen ist desto richtiger, je inniger wir mit den Brüdern verbunden sind. Besonders die Erkenntnis der Irrtümer und Irrlehren und Irrwege wird in der Gemeinschaft mit Andern viel leichter, als wenn wir allein stehen. | ||
| - | |||
| - | Deswegen sollte unser Hauptbestreben darauf gerichtet sein, die Gemeinschaft der Heiligen immer mehr zu befestigen und zu erweitern, dass alle Kinder Gottes einerlei gesinnt wären in den Grundwahrheiten unseres allerheiligsten Glaubens, in Nebensachen aber das Gebot unserer Epistel befolgten, in deren ganzem Zusammenhang Paulus ermahnt, entgegenstehende Ansichten mit Geduld zu behandeln, der Schwachen Gebrechlichkeit zu tragen und nicht Gefallen an uns selber zu haben. Jeder soll sich so stellen, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung nach dem hohen Vorbild Christi. Nur in solcher Liebesgemeinschaft sind die Kinder Gottes stark gegen den gemeinschaftlichen Feind, vor dessen Unchristentum ja doch alle Unterschiede des ernstlichen Christentums als unbedeutend erscheinen. | ||
| - | |||
| - | Wie schrecklich es aber geht, wenn Einer dem Zank und Streit sich überlässt, | ||
| - | |||
| - | Und in Folge der Bekehrung Israels werden dann, durch Israels Beispiel und Predigt angelockt, die Heiden in Masse sich bekehren, und so werden erst die Verheißungen erfüllt, deren unser Text vier aufführt, wonach noch alle Heiden Gott loben, also als Christen des Heils Gottes teilhaftig werden sollen. In gar vielen Stellen des A. B. ist die Verheißung gegeben, dass noch alle Heiden bekehrt werden sollen. Das wird im tausendjährigen Reich geschehen, die bekehrten Israeliten werden dabei besonders mitwirken, und es wird erfüllt werden, was der HErr Jes. 45 sagt: „Wendet euch zu mir, so weidet ihr selig, aller Welt Ende, denn Ich bin Gott und Keiner mehr. Ich schwöre bei mir selbst und ein Wort der Gerechtigkeit gehet aus meinem Munde, da soll es bei bleiben, nämlich: Mir sollen sich alle Kniee beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Solche werden auch zu Ihm kommen, aber Alle, die Ihm widerstehen, | ||
| - | |||
| - | Auf diese große Wiederbringung der Nationen, da alle auf Erden Christo als ihrem König dienen und Ein Hirte und Eine Herde ist, darauf blickt Paulus in unserem Text hinaus und aus dieser allgemeinen Annahme aller Völker durch das Erbarmen Gottes leitet er die Pflicht der Liebe ab, der brüderlichen und der allgemeinen Menschenliebe. Wie kannst du den hassen oder verachten, der vielleicht morgen dein Bruder ist! So sollten wir über die Welt denken, nicht sie wegwerfen, über sie nur schimpfen und klagen, sondern durch Liebe unser Licht leuchten lassen und als Priester Gottes die Welt auf dem Herzen tragen, und nach 1. Tim. 2 vor allen Dingen zuerst tun Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung **für alle Menschen**. Durch solche Gebete und durch einen ihnen gemäßen Wandel können wir in der letzten Zeit nach als Mitarbeiter Gottes (1. Kor. 3, 9.) zur Ausführung seiner großen Absichten helfen, wozu ein Knecht Gottes uns mit den Worten ermahnt: Wenn die, die beten können, mehr beteten, so würden mehr Menschen selig. | ||
| - | |||
| - | Stehen wir so in rechter Liebe und lebendigem Glauben, so werden wir als kluge Jungfrauen das Öl des Geistes allezeit in unsern Lampen haben, dass, wenn der HErr kommt, Er uns wachend finde und aufnehmen könne in sein Freudenreich. | ||
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| - | Wann Er kommen wird, wissen wir nicht. Und wenn wir auch seine große Zukunft nicht erleben sollten, so ist der Tod, der uns jeden Tag und jede Stunde überraschen kann, er ist für den Einzelnen, was Christi Zukunft für das Ganze. Ein Schüler fragte einmal seinen Lehrer: „Meister, wie lange darf ich noch sündigen? | ||
| - | |||
| - | O liebe Seelen! prüfe sich doch ein Jedes von uns, wie es dem Tag Christi entgegengehe. Es ist gewiss nicht umsonst, dass JEsus und seine Apostel so oft von seiner Zukunft reden und so ernstlich ermahnen, dass wir doch recht wachen und beten, dass unsere Herzen doch ja nicht beschwert werden mit irdischen Dingen, Lüsten des Fleisches, Fressen, Saufen, Sorgen der Nahrung, da dann der große Tag Christi wie ein verderblicher Fallstrick über uns käme. Deswegen ist es nötig, dass wir recht oft, ja ich möchte sagen täglich, die Frage an uns machen: Wie wäre dir's, wenn der HErr heute käme, wenn Er jetzt majestätisch hier hereinträte in unsere Mitte und seine feuerflammenden Augen hereinleuchteten in alle unsere Werke, Pläne, Wünsche und Gedanken? Würde dir's da vielleicht auch gehen, wie dem Dieb, der gestohlene Sachen bei sich trägt und der beim Anblick der Polizei Alles in den verborgensten Winkel wegzuwerfen wünscht! Hättest du keine solche Dinge in deinem Leben, in deinem Herzen, die du vor den Augen JEsu nicht sehen lassen könntest, ohne zu zittern und zu beben! O wie erscheint so Vieles uns in so ganz anderem Lichte, wenn wir uns damit in die Gegenwart JEsu hineinversetzen. Wie erschrecken wir da über Gedanken, Worte und Werte, die uns vielleicht kein Mensch vorwerfen kann, über die aber aus seinem Mund ein gewaltiges „Ich habe wider dich“ uns trifft. O, wir haben keinen Begriff davon, was es sein muss, Ihn zu sehen. Als Johannes, der doch an seiner Brust gelegen war, Ihn später in seiner himmlischen Herrlichkeit sah, da fiel er ohnmächtig und wie tot auf den Boden. So gewaltig und so heilig ist seine Majestät. Wenn es einem heiligen Apostel so ging, wie werden wir den Anblick seiner Herrlichkeit vertragen können! Wenn alle Geschlechter der Erde darüber heulen und zittern, wie wird's uns dabei sein! Wohin wollen wir dann uns verkriechen mit so vielem Fleischlichen, | ||
| - | |||
| - | Ach, Geliebte! so wenig alles dieses Ungöttliche an uns den großen Advent JEsu vertragen kann, so wenig sollte es heute schon die, wenn gleich unsichtbare, | ||
| - | |||
| - | Wenn Jemand tausend Jahre wachte \\ | ||
| - | Und Er kam' erst im letzten an. \\ | ||
| - | So wär' | ||
| - | Doch klug und nicht umsonst getan. \\ | ||
| - | Und wer nicht an dem Tage wacht, \\ | ||
| - | Der schläft gewiss auch bei der Nacht. | ||
| - | |||
| - | Darum bitten wir: | ||
| - | |||
| - | HErr, mache Du mich alle Tage \\ | ||
| - | Auf alle Stunden recht bereit, \\ | ||
| - | Dass ich mein Öl stets bei mir trage \\ | ||
| - | Und sei zum Brauttag angekleid' | ||
| - | Wenn Du schon kommst, so ist der Rat, \\ | ||
| - | Sich erst zu rüsten, allzuspat. | ||
| - | |||
| - | Ach, mache das Gefäß der Seele \\ | ||
| - | Mit einem Glaubensvorrat voll. \\ | ||
| - | Damit mir's in der Zeit nicht fehle, \\ | ||
| - | Wenn ich entgegengehen soll. \\ | ||
| - | So schließ' | ||
| - | Nicht in der letzten Stunde aus. | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | {{tag> 2_Advent}} | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | |||
| - | ======Knapp, | ||
| - | |||
| - | Text: Römer 15, 1 - 13.\\ | ||
| - | **Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein Jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an Ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben steht: die Schmach derer, die Dich schmähen, sind über mich gefallen, Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
| - | |||
| - | „Ein Herz und eine Seele.“ - Das war die Grundbeschaffenheit der ersten Christengemeinde, | ||
| - | |||
| - | Weil aber auch bei gläubig gewordenen Seelen die Selbstsucht und Eigenliebe stets wieder das vorhergeführte Regiment zu gewinnen sucht, und sie leider auch nur allzu häufig gewinnt, so würde schon zur apostolischen Zeit jenes heilige Friedensband oft in den Gemeinden zerrissen, eben damit aber das freudige Wachstum der einzelnen Seelen gehemmt und nicht selten ertötet. Die Apostel hatten beständige Mühe, vor die mannigfaltigen Risse der Eintracht zu stehen, welche durch selbstsüchtige Missverständnisse hin und wieder entstanden, und nur selten gelang es ihnen im Verlauf ihres Amtes, dass eine Gemeinde einträchtig und mit einem Munde Gott lobte, den Vater unsers Herrn Jesu Christi. | ||
| - | |||
| - | Wie diesem Elend abzuhelfen sei, darüber spricht Paulus hier ausführlich zu der ihm befreundeten römischen Gemeinde, und nach seinem Worte betrachten wir nun: | ||
| - | |||
| - | Was ist bei unsern heutigen Christen vornämlich abzutun, wenn sie in Christo ein Herz und eine Seele werden wollen? | ||
| - | |||
| - | Wir reden diesmal nicht besonders von dem Werte und von der Notwendigkeit der Geistesgemeinschaft in Christo Jesu, nicht davon, dass ein Christ ohne dieselbe nimmermehr wird und werden kann, was er in Christo werden soll; nicht davon, welche Schuldenlast sich Diejenigen aufladen, die, gegen das Hauptgebot des Erlösers, vereinzelt und getrennt von andern Kindern Gottes dahingehen, und sich dennoch ihres Christentums getrösten, während Johannes schreibt: Wir wissen, dass wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Auch davon reden wir nicht, dass uns in der Gottheit Jesu Christi, im Blute der Versöhnung, | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | Als das erste Hindernis erscheint hier das Vertrauen auf eigene Kraft, möge man dieselbe nun in geistiger Anlage und Bildung, oder in äußerem Wohlstand und Ansehen suchen. Der Apostel redet zwar nur von geistlicher Christenkraft. Man muss aber unsern jetzigen Christen sagen, dass sie sich ihrer natürlichen Kräfte nicht überheben sollen. Sehr leicht geschieht es nämlich, um nur ein Beispiel zu bezeichnen, dem talentvolleren, | ||
| - | |||
| - | Teure Zuhörer! Es liegt noch viel Sauerteig in unserem heutigen Christenleben, | ||
| - | |||
| - | Dieß Alles kommt bloß von der Weltliebe und Selbstgefälligkeit her, und wird am Tage der Offenbarung wie Schnee vor der Sonne zerfließen. O wie schlecht wird das vornehme Christentum vor den Flammen des Richterthrones sich ausnehmen, vor welchem die Nationen „wie Heuschrecken sind, und wo Jeglicher gerichtet wird nach seinen verborgenen Herzensgedanken!“ | ||
| - | |||
| - | Paulus ermahnt uns in der Gnadenzeit: „**Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen haben an uns selbst. Es stelle sich aber ein Jeglicher also, dass er seinem Nächsten gefalle zur Besserung. Denn Christus hatte auch nicht Gefallen an sich selbst, sondern es steht geschrieben von Ihm: die Schmähungen derer, die mich schmähen, sind auf mich gefallen.**“ - In welchen rohen Umgebungen, in welchen herzangreifenden Volkskreisen hat sich der Heiland um unsertwillen bewegt! Wie vielfach und wie lange ist Er mit armen, sündigen, oft wenig gelehrigen Seelen demütig umgegangen, um sie für Sein ewiges Reich zu gewinnen, und hat darüber bloß Hohn und Lästerungen der Welt zum Lohn gehabt! Er, der die Geheimnisse Gottes und alle Schätze der Weisheit im Busen trug, und den Armen das Evangelium predigte, hat sich nicht darum zu Barrabas Seite, zum schmähenden Geschrei des blinden Weltvolks und zur Kreuzesschmach Golgathas erniedriget, | ||
| - | |||
| - | Herz und Herz vereint zusammen,\\ | ||
| - | Sucht in Gottes Herzen Ruh;\\ | ||
| - | Lasst eure Liebesflammen\\ | ||
| - | Lodern auf den Heiland zu! | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Es gibt jedoch eine weitere Hemmung der Geistesgemeinschaft, | ||
| - | |||
| - | Das ist uns Allen gesagt, so Viele von uns Christum erkennen, sei dieses nun seit Jahren oder seit gestern der Fall. Barmherzigkeit ist der Grund unseres neuen Lebens, sein wir nun in der Taufgnade erwachsen oder erst später aus schweren Verirrungen dem Erzhirten zugeführt. Auf diesem Grunde blühet die wahre Einigkeit im Geiste, sonst nirgends. - Alter, erfahrener Christ! vergegenwärtige dir fleißig die Zeit, da Christus unter Bußtränen eine Gestalt in dir gewann; vergiss nicht die Jahre, darin das göttliche Erbarmen dich Tag für Tag mit zahllosen Schwächen deiner Seele getragen hat! Lebst du täglich von der lauteren Gnadenquelle des Herrn: nun ja, so siehe nicht als Judenchrist die nachgeborenen Kinder Gottes gleich Heidenchristen missliebig an, sondern freu dich, dass auch sie dem Herrn geboren sind, wie der Thau aus der Morgenröte! Verachte keins unter ihnen ob seinen Schwachheiten, | ||
| - | |||
| - | Du aber, jüngerer Christ, dessen Geistesgeburt vielleicht in freieren Formen geschah, verachte darum nicht die älteren Jünger des Herrn, und blase dich nicht auf als ein Neuling, der oft einen phantastischen Einfall, wenn er glänzt, über die schmucklose, | ||
| - | |||
| - | =====III.===== | ||
| - | |||
| - | Nicht weniger jedoch, als das bisherige Hindernis, steht bei manchen Christen die allzu große Freiheit in den Mitteldingen, | ||
| - | |||
| - | Nein, Geliebte, wahre Einigkeit im Geiste kann nur bestehen, wenn Jeglicher in seinem Teile streng vermeidet, was andere Herzen befremden und ihr Vertrauen lähmen kann. O wie viel gehört dazu, „vorsichtig zu wandeln,“ wozu Paulus ermahnt, und überall „ein guter Geruch Christi“ zu sein! Es ist unendlich besser, du entziehest dich einem Lebensgenusse, | ||
| - | |||
| - | Liebe und übe, was Jesus dich lehret, \\ | ||
| - | Und was Er dir saget, dasselbige tu! \\ | ||
| - | Lasse und hasse, was Er dir verwehret, \\ | ||
| - | So findest du Frieden und selige Ruh'. \\ | ||
| - | Ja, selig, die also sich Jesu ergeben, \\ | ||
| - | Und treu nach dem Worte des Heiligen leben! \\ | ||
| - | |||
| - | |||
| - | =====IV. ===== | ||
| - | |||
| - | Zum Schluss füge ich noch einen Punkt hinzu, - die falsche, auf bloßer Einbildung ruhende Glaubensreinigkeit, | ||
| - | |||
| - | Wo das Wort von der ewigen Liebe Gottes in Christo Jesu, das Wort von der durch Christi Blut gestifteten Versöhnung der Sünder wahrhaft getrieben und beachtet wird, da werden alle Geister, die aus der Wahrheit sind, auch einträchtig zusammenhalten; | ||
| - | |||
| - | O wer beherzigt genug den Segen der vollherzigen Christeneintracht, | ||
| - | |||
| - | Dass Deren Viele werden, die also gesinnt sind und ihre Gesinnungen durch die Tat beweisen, - und dass Dein erlöstes Volk, welchem Du alle Scheidewände durch Dein Kreuz zerbrochen hast, in der Kraft Deines Heiligen Geistes ein Herz und eine Seele, - ein Abbild Deiner himmlischen, | ||
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| - | ======Krafft, | ||
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| - | über 1. Kor. 1,30. Christus, unsere Gerechtigkeit. | ||
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| - | Mit tiefer Wehmut redet der Apostel Paulus im Brief an die Römer von der traurigen Erfahrung, dass das Volk Israel, nachdem der verheißene Heiland gekommen war, doch größtenteils ungläubig blieb. Lieben Brüder, sagt er am Anfang des 10. Kapitels, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch Gott für Israel, dass sie selig werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten ihre eigne Gerechtigkeit aufzurichten, | ||
| - | |||
| - | Diese damalige Klage des Apostels über Israel, muss sie nicht auch in unsern Tagen über die christlichen Länder und Völker und Gemeinden und die große Mehrzahl ihrer Mitglieder geführt werden? nicht nur in der katholischen, | ||
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| - | Nun Du, Herr, kennest uns und erforschest uns! Was wir bedürfen, weißt Du, und wie wir gesinnt sind. Der Du in Barmherzigkeit uns anflehst, noch ehe wir Barmherzigkeit begehren und wissen, dass wir ihrer bedürftig sind, und auch unter uns tun kannst über Bitten und Verstehen nach der Kraft, womit Du in uns wirkest, Dich rufen wir um Segen zur Betrachtung Deines Wortes auch heute an. Du kennest uns und weißt, dass wir von Natur allesamt nichts, als Sünder und Kinder der Finsternis sind, so blind, dass wir unsre Knechtschaft für Freiheit, unsre Finsternis für Weisheit ansehen. Du aber willst den Reichtum Deiner Gnade darin verherrlichen, | ||
| - | |||
| - | Text: 1. Korinth. 1, 30.\\ | ||
| - | **Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Der Apostel fasst hier in vier Wohltaten den Inbegriff des Heils zusammen, das Gott in Christo uns bereitet hat. Christus ist uns zur Weisheit gemacht. Ihm verdanken, durch Ihn empfangen wir die Erkenntnis der seligmachenden Wahrheit, derjenigen Wahrheit, die uns Gott und uns selbst und den Weg zur ewigen Seligkeit kennen lehrt. Diese Wohltat Gottes in Christo nennt der Apostel zuerst, und wir haben heute vor acht Tagen näher gehört, wie wahr dieses Zeugnis ist, dass wir in der Tat und Wahrheit nirgend Weisheit finden, als bei Ihm, dass in Ihm dagegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind, dass wir aus seiner Fülle empfangen können und sollen Licht um Licht, in der Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis, | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | Um den Sinn dieses Zeugnisses zu verstehen, müssen wir wohl bemerken, was der Apostel hier unter Gerechtigkeit versteht. Die Gerechtigkeit nämlich, von der er redet, unterscheidet er selbst ganz deutlich von der Heiligung. Christus ist uns zur Weisheit zuerst, dann zur Gerechtigkeit, | ||
| - | =====II.===== | ||
| - | Haben wir aber den Sinn dieses Zeugnisses aufgefasst, so lasst uns auch nicht versäumen, seine Wichtigkeit für uns zu erwägen. Zuvörderst heißt es, dass uns Christus zur Weisheit gemacht worden, dass sein erstes Amt und Werk an uns ist, uns Weisheit, also wahre Gotteserkenntnis Und Selbsterkenntnis; | ||
| - | =====III.===== | ||
| - | Ja, selig, wer in Christo seine Gerechtigkeit vor Gott gefunden! Darum waren die Apostel und die ersten Christen so selig. Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, hieß es, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Sie wussten, was sie an Christo hatten, und so nach ihnen durch alle Jahrhunderte alle Gläubigen, die den Frieden der Seele wirklich gefunden. Es ist, wie wir unlängst gesehen, das Hauptverdienst der großen Kirchen-Reformation des 16. Jahrhunderts, | ||
| - | =====IV.===== | ||
| - | Jeder unter uns nun prüfe sich, ob er dieses Glaubens lebt, ob Christus seine Gerechtigkeit geworden, oder ob er sich noch mit dem alten Wahn und Dünkel einer eigenen Gerechtigkeit vor Gott herumträgt? | ||
| - | |||
| - | So, geliebte Zuhörer, so prüfet euch, wenn ihr erkennen und erfahren wollt, wie ihr an Euch selbst beschaffen, wie ihr vor Gott gestaltet seid! Habt ihr euch so noch nicht kennen gelernt, so kennt ihr Euch überhaupt noch nicht, und ich muss, ich kann nicht anders, ich muss diejenigen unter euch, die sich so in ihrer natürlichen Schlechtigkeit und Schändlichkeit vor Gott noch nie kennen gelernt, ich muss euch sagen, dass ihr allen Grund habt, an der Echtheit eures Christentums zu zweifeln, und eine gründliche Prüfung mit euch anzustellen, | ||
| - | |||
| - | Darum, Geliebte, lasst mich Euch bitten, um eurer Seelen Seligkeit willen Euch bitten, zunehmen, zu ergreifen, was ihr haben könnt, was euch geboten wird; denn noch ist es, auch für Euch noch, Zeit! Wir dürfen, wenn wir Euch das Evangelium predigen, sagen: Gott vermahnet euch durch uns. So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Sind nicht noch viel Unversöhnte unter uns? Wohlan, macht Euch seine Gerechtigkeit zu Nutze! Er ist uns ja von Gott dazu gemacht. Warum wollt ihr nicht zugreifen? Er ist ja dazu gekommen, wir werden ja dazu eingeladen! Kommt, kommt, hören wir ja einmal Über das andere die Stimme des Herrn in seinem Wort und durch seinen Heiligen Geist, so lange der Tag der Gnade uns noch leuchtet, so lange es noch heute heißt. Wir werden geladen, nicht mitzubringen, | ||
| - | |||
| - | {{tag> 2_Advent}} | ||
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| - | ======Krafft, | ||
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| - | Text: Ev. Joh. 12, 1 - 8. | ||
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| - | **Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, | ||
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| - | Wir hören in den vorgelesenen Worten einen der merkwürdigsten Auftritte aus den letzten Tagen des Wandels Jesu auf Erden, eine Geschichte, die unser Erlöser selbst der besondern Aufmerksamkeit seiner Bekenner für alle Zeiten der Zukunft empfohlen hat. - Wahrlich, ich sage Euch, sprach Er, wie die beiden Evangelisten Matthäus und Markus bei der Erzählung derselben Geschichte hinzufügen: | ||
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| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | V. 1. Es war sechs Tage vor Ostern, also wenige Tage vor dem Tode des Herrn, in Bethanien einem Flecken unweit Jerusalem, demselben Ort, wo Jesus eben vorher den gestorbenen Lazarus wieder auferweckt hatte, wo diese Geschichte sich zutrug, und zwar wie die andern Evangelisten berichten, in dem Hause eines Mannes Namens Simon, mit dem Beinamen des Aussätzigen, | ||
| - | |||
| - | V. 2. In diesem Hause bereiteten sie Ihm am Abend jenes Tages ein Mahl, und Martha diente, sie besorgte das Mahl und wartete auf, Lazarus aber war der einer, die mit Ihm zu Tische saßen. Da saß dieser vom Tode Auferweckte, | ||
| - | |||
| - | Sie besaß eine Pfund Salbe von ungefälschter, | ||
| - | |||
| - | Diese Handlung der Maria war ein natürlicher Ausdruck und unwillkürlicher Erguss der innersten Gesinnungen ihres Herzens, beredter als alle Worte. Sie tat in Einfalt und Liebe, was die innerste Stimme des Herzens sie hieß, ohne vorab Rücksichten zu nehmen und Überlegungen anzustellen, | ||
| - | |||
| - | V. 4-6. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Ischariothes, | ||
| - | |||
| - | Aber der Herr ist mit dem Lobe des angefochtenen Werkes noch nicht zu Ende. Als Werk der Liebe bezeichnet er das, was sie getan, noch näher, indem er hinzusetzt, wie wir im 8. Verse des angeführten Kapitels im Evangelium Marei hören, sie hat getan, was sie konnte, wörtlich, was sie hatte, das Kostbarste, was sie besaß, hat sie ohne Rückhalt, ohne Vorbehalt dargebracht. Ein hohes Lob, geliebte Zuhörer: sie hat getan, was sie konnte! ein ähnliches Lob, wie das, welches er der Witwe gab, die zwei Scherflein einlegte in den Gotteskasten, | ||
| - | |||
| - | V. 8., „denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und (wie es bei Marcus noch weiter heißt) und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun, mich aber habt ihr nicht allezeit.“ Mit diesen Worten empfing nun insbesondere noch Judas eine Zurechtweisung, | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Zu diesem Endzwecke lasst uns noch einige kurze Erinnerungen hinzufügen: | ||
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| - | 1. Wir erneuern in dieser Woche das Gedächtnis der Leiden unseres Erlösers, und feiern die Liebe, in der er sein Leben für uns gelassen. Wir werden mehr als sonst daran erinnert, wieviel ihn das Werk unserer Erlösung gekostet. Der Herr richtet durch die Feier dieser Wochen an einen jeden unter uns die Frage: Das tat ich für dich, was tatst du für mich? Was wollen diejenigen unter uns auf diese Frage ihm antworten, die ihm ihr Herz noch nie gegeben, oder es ihm wieder entwendet haben? - Wessen Herz noch nicht durch den Glauben und die Liebe mit ihm verbunden und in ihm gewurzelt, der dient ihm auch mit dem Leben nicht, und vergilt ihm, statt etwas für ihn getan zu haben, mit Undank und mit Verachtung: wie will der hoffen, als sein Jünger von ihm erkannt und dereinst von ihm vor seinem Vater bekannt zu werden? Ach wer mit uns sich anklagen muss, dass seines Herzens Gedanken und Wünsche von Morgen bis Abend auf andere Dinge gerichtet sind, als darauf, dass er dem Herrn gefalle und diene, der lasse sich warnen und zur Buße erwecken, so lange die angenehme Zeit, die Zeit der Gnade noch nicht abgelaufen ist. Oder sollte jenes halbe und laue Wesen, bei welchem man zwar der Wahrheit nicht widerspricht, | ||
| - | |||
| - | Was hilft das Mögen ein Christ sein, wo doch der Wille nicht da ist? Sind nicht viele, die darin hangen bleiben, dass sie ihr Mögen für Wollen ansehen? Sie möchten sich wohl zu Christo bekehren, und mit ganzem und rechtschaffenen Herzen Christen sein, und doch ist der Wille nicht vorhanden. Aber wer da meint mit dem bloßen Mögen das Reich Gottes zu erwerben, der wird nicht hineinkommen. Das Mögen ist ein laues und ohnmächtiges Wesen, mit welchem man nicht abkommt von jener breiten Straße, die zum Verderben führt. | ||
| - | |||
| - | Aber auch unter denen, die das Zeugnis haben in ihrem Herzen und Gewissen, dass sie durch den Glauben ein seliges Eigentum Christi geworden und ihm leben und dienen, - wird Niemand sein, für den die Frage des Herrn: Was tatst du für mich? nicht viel Demütigendes enthielte. Es will viel sagen, das Zeugnis des Herrn, das Maria hier von ihm empfing: sie hat getan, was sie konnte. - Vor dem Herrn gilt die Treue, nicht wie viel Kräfte oder Gaben oder Vermögen man hat, sondern wie mans in seinem Dienste anlegt, dass man nicht mehr, aber auch nicht weniger tut, als man kann. So dem Herrn eigen werden und anhangen, dass man mit allem, was man hat, mit Kräften Leibes und der Seele und mit ganzem Herzen, mit dem täglichen Beruf und dem täglichen Gebrauch der Zeit ihm dient, diese Ganzheit, diese Treue hat der Herr von jeher an seinen Knechten und Mägden hoch geehrt, und sie gesegnet. Wer mich ehrt, hat er gesagt, den will ich wieder ehren, und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Lasst uns allesamt wohl erwägen, was wir tun konnten und sollten, und doch nicht getan haben, noch tun. | ||
| - | |||
| - | 2. Und was insbesondere das Wohltun angeht, und das Reichwerden an guten Werken, so lasst uns da ja nicht überhören, | ||
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| - | {{tag>2 _Advent}} | ||
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| - | ======Krafft, | ||
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| - | Predigt am zweiten Advent-Sonntag, | ||
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| - | Text. Evang. Luk. 1, V. 26 - 38. \\ | ||
| - | **Und im sechsten Mond ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth; zu einer Jungfrauen, die vertraut war einem Mann, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern! Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seiner Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leib, und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? Sintemal ich von keinem Mann weiß. Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; | ||
| - | |||
| - | Aus den vorhergehenden Worten haben wir heute vor acht Tagen die göttliche Botschaft vernommen, die der Engel Gabriel dem Priester Zacharias im Tempel brachte, dass ihm jetzt in seinem Alter von seinem Weib Elisabeth ein Sohn werde geboren werden, den er Johannes nennen sollte, der sei der von den Propheten geweissagte Vorbote, der vor dem Herrn, dem verheißenen Erlöser, hergehen und ihm den Weg bereiten, der das Volk zu seiner Aufnahme vorbereiten werde. In unseren heutigen Textesworten hören wir eine zweite göttliche Botschaft desselben Engels, viel größeren und herrlicheren Inhaltes noch, als die erste, die Botschaft von dem wundersamsten und gnadenreichsten aller Wunder, das nun geschehen sollte, in der Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes durch übernatürliche Wirkung des Heiligen Geistes im Leibe der Jungfrau Maria. Diesen Bericht lasst uns an dem heutigen, dem 2ten Advent-Sonntag hören und erwägen, der Herr gebe, zu unserer Erhebung und Stärkung im Glauben, und in der Freude in Ihm. | ||
| - | |||
| - | Elisabeth, wie wir zuletzt gehört, verbarg sich in den ersten 5 Monaten ihrer Schwangerschaft. „Im 6ten Monat“ (V. 26.), demselbigen also, wo sie sich wieder sehen ließ, „ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth; zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria.“ (V. 26. 27.) Die Verkündigung der Geburt des Johannes war in Jerusalem, im Tempel, im Heiligen des Tempels geschehen; die Verkündigung der Geburt Christi geschah in Nazareth, einem unansehnlichen und sehr gering geachteten Städtlein in Galiläa, in einem armen Privathaus daselbst. Schon von der Ankündigung seiner Geburt an zeigen sich die Spuren der tiefen Niedrigkeit und der Knechtsgestalt, | ||
| - | |||
| - | Lasst uns nun hören, wie der Engel Gabriel die hohe Botschaft an die Jungfrau Maria in Nazareth ausrichtete. V. 28.: „Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du Holdselige, | ||
| - | |||
| - | Gewöhnlich ist es anders. Gewöhnlicher ist es, dass man bei überraschenden Erscheinungen mehr mit der Person sich beschäftigt als mit dem, was dieselbige sagt. Maria war von dem wundersamen Gruß mehr betroffen als von der wundersamen Erscheinung, | ||
| - | |||
| - | Jesus heißt Erretter, Seligmacher, | ||
| - | |||
| - | Maria empfing, ohne darum zu bitten, nun auch noch ein Zeichen zu ihrer Stärkung und Befestigung im Glauben bei solcher wundersamer Eröffnung. Der Engel fügte noch hinzu: V. 36. „Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und geht jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, dass sie unfruchtbar sei.“ „Denn,“ sagt er, V. 37. an die Worte des Herrn bei der Verkündigung der Geburt des Isaaks - im hohen Alter Abrahams und Saras erinnernd, „Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Hiermit erhielt Maria zugleich einen Wink, wohin sie sich jetzt einstweilen zu begeben hatte, wo sie die Personen fand, denen sie sich öffnen, denen sie sagen durfte, was ihr durch den Engel hier offenbart war. Was nun Maria hiernach, nachdem sie über alles, was sie für jetzt bedurfte, belehrt war, was sie hiernach dem Engel erwiderte, das hören wir im letzten Vers unseres Textes, V. 38.: „Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ | ||
| - | |||
| - | In dieser Antwort ist der ganze Adel der Demut wie des Glaubens der Maria ausgedrückt. Es war echte Demut, diese überschwängliche Ehre und Gnade, die ihr wurde, so anzunehmen mit Beiseitesetzung aller überflüssigen Bemerkungen, | ||
| - | |||
| - | Unsere heutigen Textesworte, | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ======Krause, | ||
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| - | Predigt am zweiten Sonntag des Advents. | ||
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| - | **Mein Gott, nimm mich nicht fort in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für. Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Amen.** ((Ps. 102, | ||
| - | |||
| - | So, geliebte Gemeinde, rühmt der Psalm die Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes gegenüber der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit der Welt. Aus dem Nichts hat sein allmächtiges Schöpferwort sie hervorgebracht, | ||
| - | |||
| - | Solche Antwort auf diese Frage geben uns denn auch die heiligen Urkunden unsers Glaubens. Aus dem Munde Jesu haben wir die Zusicherung, | ||
| - | |||
| - | **Was lehrt Jesus vom Jüngsten Tage?** | ||
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| - | (Gesang. Gebet.) Evangelium Lukas 21, | ||
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| - | In dem vorgelesenen Evangelio, nicht minder in dem 24. Kapitel des Evangeliums des Matthäus, in dem 13. des Evangeliums des Markus spricht der Heiland ausführlich von dem einstigen Ende des jetzigen Zustandes der Dinge auf Erden in unmittelbarer Verbindung mit seiner Hinweisung auf die nahe bevorstehende Zerstörung Jerusalems. Wenn in Folge dessen auch die ersten Christen sich das Eintreten beider Ereignisse als unmittelbar verbunden dachten, und darum eine Wiederkehr des Herrn noch bei ihrem Leben erwarteten, wie solche Hoffnung selbst von den Aposteln in einigen Stellen ausgesprochen wird((1. Kor. 15,51.52. 1. Thess. 4,17)), so hat die Erfahrung diese Hoffnung genügend widerlegt. Daraus folgt aber nicht, dass, weil das letzte Ereignis nicht in derjenigen unmittelbaren Verbindung mit dem ersten eintraf, in welcher die Apostel es setzen zu dürfen glaubten, es darum überhaupt nimmer eintreffen werde. Vergleichen wir vielmehr die Rede Jesu in dem heutigen Evangelio mit seinen übrigen Aussprüchen über den gleichen Gegenstand, und betrachten wir sie genauer, so gewinnen wir dadurch die unumstößliche Überzeugung: | ||
| - | |||
| - | Jesus lehrt jedenfalls, dass einmal ein solcher Zeitpunkt, der gewöhnlich der jüngste Tag genannt wird, eintreten werde, und wir erkennen zugleich den Grund, warum seine Bekenner auf Erden würden erdulden müssen, und mit der Ankündigung der furchtbaren Zerstörung, | ||
| - | |||
| - | Entkleiden wir nun diese Rede ihres bildlichen Ausdrucks, so finden wir nichts, dessen Wahrheit irgendwie zu bezweifeln stände, wohl aber Alles geeignet, den tiefsten sittlichen Eindruck auf den Geist und das Herz der Menschen zu machen. | ||
| - | |||
| - | Diese Ordnung der Dinge auf Erden soll also einmal aufhören! Bewundern und als einen Beweis seiner göttlichen Erleuchtung ansehen muss man es, dass Jesus dies zu seiner Zeit, da die Wissenschaft noch schlief, so klar erkannte und verkündete - an der Wahrheit dieser Verkündigung kann aber heute kein Mensch mehr zweifeln. Schon Moses lehrt uns in seiner Schöpfungsgeschichte mit bewundernswürdiger Wahrheit, dass diese Erde, welche wir bewohnen, nicht durch eine einzige Tat des Schöpfers in der Gestalt und Einrichtung hergestellt ist, in welcher wir sie jetzt sehen, sondern dass sie verschiedene Entwicklungsperioden, | ||
| - | |||
| - | So wie für diese, so auch für das Menschengeschlecht in seiner jetzigen Ausstattung. Oder wollen wir zweifeln, dass dasselbe auch als ein Ganzes seine große gottgegebene Bestimmung habe, zu deren Erreichung jeder Einzelne nur seinen Teil beizutragen hat? Wollen wir daran zweifeln, dass diese Aufgabe einmal erfüllt, werden werde, die wir ja sehen, welche mächtigen Fortschritte in geistiger und sittlicher Bildung große Teile dieses Menschengeschlechtes in wenigen Jahrtausenden getan haben; und was sind diese Jahrtausende im Vergleiche zu der Ewigkeit Anders, als eine kurze Spanne Zeit? Wollen wir zweifeln, dass was einzelnen Völkern gelang endlich auch allen Menschenstämmen gelingen, dass sich an ihnen der Wille Gottes erfüllen werde, nach welchem allen Menschen geholfen werde, alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen sollen?((1. Tim. 2,4)) Müssen wir es nicht ganz natürlich und vernünftig finden, dass dem Menschengeschlecht dann, wenn es das in der jetzigen Weltgestaltung Erreichbare erreicht hat, ein anderer, seinen dann erlangten Kräften von Neuem entsprechender, | ||
| - | |||
| - | Aber mit diesem Tage soll auch ein allgemeines Gericht verbunden sein, und es fällt uns allerdings schwerer, dies für den Plan der göttlichen Gerechtigkeit notwendig zu erkennen, wie denn auch die Aussprüche Jesu über diesen, doch jedenfalls geistig zu fassenden Hergang auch dunkler und bildlicher sind. - Jeder Mensch hat zuvörderst seinen eignen Jüngsten Tag - der, an welchem er stirbt, und an diesem muss auch notwendig ein Gericht eintreten. Denn nach dem ganzen geistigen und sittlichen Zustande, den ein Mensch bei seinem Scheiden von dieser Erde erlangt hat, muss sich der Zustand richten, in welchem er in die andere Welt eintritt, und darin spricht sich schon das Ergebnis eines Gerichtes aus. - Danach ließe sich wohl die Vermutung ausstellen, dass diese einzelnen Jüngsten Tage, diese Einzelgerichte in dem Bilde eines Gesamtgerichtes zusammengefasst sind, denn der Unterschied der Zeit verschwindet ja vor dem Unendlichen, | ||
| - | |||
| - | Und wann wird dieser Zeitpunkt eintreten? Das weiß Niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater((Mk. 13,32)). So spricht Jesus! Sollte man glauben, dass nach diesem so entschiedenen Ausspruche des Herrn noch so Viele sich die unfruchtbare Mühe gemacht haben, diesen Zeitpunkt auszugrübeln und auszurechnen, | ||
| - | |||
| - | Wie groß diese aber auch sein mögen, Jesus lehrt uns auch von dem Jüngsten Tag, dass wir seinen Schrecken entgehen können. So seid nur wacker alle Zeit und betet, spricht er, dass ihr würdig werden mögt zu entfliehen diesem Allen, und zu stehen vor des Menschen Sohn; und an einem andern Orte: So wacht nun, denn ihr wisst nicht, wenn der Herr kommt, auf dass er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich Allen; Wacht! Also auch uns ist diese Mahnung zugerufen; wir wollen sie daher beherzigen. Nur dann werden wir uns wacker halten in aller Zeit, wenn wir wachsam sind auf uns selbst, dass nicht irgendeine böse Neigung oder Leidenschaft bei uns einwurzele, denn umso schwerer wird es uns werden, sie auszurotten, | ||
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| - | {{tag>1 2_Advent}} | ||
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| - | ======Krummacher, | ||
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| - | Predigt über Lukas 3,7-18. | ||
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| - | gehalten am 2ten Adventssonntage, | ||
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| - | Lukas 3,7-18.\\ | ||
| - | **Da sprach er (Johannes) zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, | ||
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| - | Geliebte in dem Herrn! Durch die Adventszeit, | ||
| - | |||
| - | Wir folgen ihrer Stimme, und scharen uns aufs Neue um den ernsten Adventsherold. War es am verwichenen Sonntage seine **Berufung** und sein **Amt**, worauf wir unsre Blicke richteten; so ist es heute seine **Predigt**, | ||
| - | |||
| - | Der Herr begleite unsre Betrachtung mit seinem Segen, und hebe selbst uns von den Wundern seines Königreichs den Schleier! | ||
| - | |||
| - | |||
| - | =====1. ===== | ||
| - | |||
| - | Die Kunde von dem Auftreten des geheimnisvollen Mannes in der Wüste hat sich bald wie ein Lauffeuer durch das ganze Land verbreitet. Das Volk, empfänglich für dergleichen Erscheinungen, | ||
| - | |||
| - | **Weltreich** soll, will und wird das Reich Immanuels sein; aber es ist **kein Reich von dieser Welt**. So wenig sich’s auf weltliche Kräfte stützt, neigt’s auch dazu, in weltlicher Herrlichkeit zu erscheinen. Wäre das Reich von dieser Welt, Johannes würde in der Wüste ganz anders verfahren sein, als wir ihn verfahren sehn. Er würde, da, in die allgemeine Bewegung mit hineingerissen, | ||
| - | |||
| - | =====2. ===== | ||
| - | |||
| - | Wer nur so obenhin darein sah, konnte gewiss nicht anders, als sich freuen, auch Männer, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | =====3. ===== | ||
| - | |||
| - | Doch hören wir Johannem weiter. Von einem Herolde des anbrechenden **Messiasreiches**, | ||
| - | |||
| - | |||
| - | =====4. ===== | ||
| - | Johannis Wort von den unfruchtbaren Bäumen und der Axt an ihrer Wurzel hat getroffen. Ängstlich fragt das Volk: **“Was sollen wir denn tun?“** Und was antwortet er? – „Haltet das göttliche **Gesetz**? | ||
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| - | |||
| - | =====5. ===== | ||
| - | Ihr stutzt. – „So herrscht ja dennoch noch **Moses** wieder in dem Reiche!“ sprecht ihr. – O nicht doch, Freunde! – Kein Reich erneuter **Forderungen** und **Bebürdungen** ist das Reich; sondern ein **Reich der Gnade**. Hört unsern Herold! Jetzt bricht durchs Gewölk seiner Worte die **Sonne** durch, und von der Herrlichkeit des Christusreichs weicht der letzte Schleier. **“Ich“**, | ||
| - | |||
| - | So habt ihr denn abermals einen wenngleich nur flüchtigen Blick in die Natur **des** Königreiches werfen dürfen, dem die Liederklänge gelten, welche zu dieser Zeit durch die Kirche gehen. Sorget, dass ihr in seinen Bürgerlisten auch **eure** Namen geschrieben wisst: denn der Thron **des** Gottes, „bei welchem viel Vergebung ist“, stehet nur in **diesem** Reiche aufgerichtet. – Den Weg in dasselbe hinein, den einzig sichern, führt euch Johannes. Ist’s auch ein Todesweg für den alten Menschen: schlagt ihn entschlossen ein, und werdet durch Gottes Gnade bald dahingebracht, | ||
| - | |||
| - | {{tag> | ||
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| - | ======Körber, | ||
| - | |||
| - | (II. Advent 1873.) | ||
| - | |||
| - | Text: Luk. 21, 25-36. | ||
| - | |||
| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; den auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
| - | |||
| - | Ein schönes, uns Allen wohlbekanntes Lied hebt also an: | ||
| - | |||
| - | Die Gnade sei mit Allen, | ||
| - | |||
| - | Die Gnade unsers Herrn,\\ | ||
| - | Des Herrn, dem wir hier wallen \\ | ||
| - | Und sehn sein Kommen gern. \\ | ||
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| - | In diesem kleinen Verse sind zwei große Hauptstücke des Christentums enthalten, einmal: wir wallen dem Herrn und dann: wir sehen sein Kommen gern. Ja, meine Lieben, so ist es. Das Leben eines Christen besteht eigentlich darin, dass er dem Herrn wallt; das heißt: er lebt nicht mehr sich selbst, sondern dem, der für ihn gestorben und auferstanden ist, so dass bei ihm zutrifft, was Paulus sagt: Ich lebe, doch nicht ich, Christus lebt in mir; und was ich noch lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat. So wallt ein Christ dem Herrn und bringt ihm Leib und Seele dar als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer. Aber zu diesem dem Herrn geweihten Leben kommt noch ein zweites bei den rechten Jüngern Jesu: sie sehen sein Kommen gern. Es heißt bei ihnen nicht nur: „unser Wandel ist im Himmel,“ sondern auch: „von dannen wir warten unseres Heilandes Jesu Christi,“ | ||
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| - | Wir warten dein, o Gottessohn, \\ | ||
| - | Und lieben dein Erscheinen; \\ | ||
| - | Wir wissen dich auf deinem Thron \\ | ||
| - | Und nennen uns die Deinen.\\ | ||
| - | Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt \\ | ||
| - | Und sieht dir entgegen, \\ | ||
| - | Du kommst uns ja zum Segen. | ||
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| - | Wenn wir nun freilich in die Christenheit hineinsehen, | ||
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| - | Aber, meine Lieben, der Glaube spricht anders, die Kirche spricht anders, unser Text spricht anders, die ganze Bibel spricht anders. Alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Jesus wird wiederkommen, | ||
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| - | I. Er kommt zum Weltgerichte, | ||
| - | Zum Fluch dem, der ihm flucht; | ||
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| - | II. Mit Gnad und süßem Lichte \\ | ||
| - | Dem, der ihn liebt und sucht. | ||
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| - | III. Ach komm, ja komm, o Sonne, \\ | ||
| - | Und hol uns allzumal\\ | ||
| - | Zum ewgen Licht und Wonne \\ | ||
| - | In deinen Freudensaal. \\ | ||
| - | |||
| - | O großer Heiland, lass uns am Tage deiner herrlichen Zukunft nicht zu Schanden werden. Komm in unsre Herzen mit deinem Geist des Glaubens und der Liebe; dann wirst du uns einst nicht zum Gericht und Fluch kommen, sondern mit Gnad und süßem Lichte, und uns zum ewigen Licht und Wonne in deinen Freudensaal heimholen. Amen. | ||
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| - | =====I. Er kommt zum Weltgerichte, | ||
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| - | Es gehört zu den schwersten Aufgaben des Predigers, vom Gericht zu reden; und ist der Prediger weichen und zarten Gemütes, so wird diese Aufgabe doppelt und dreifach schwer. O wie köstlich ist es, von der Lieblichkeit und Leutseligkeit Gottes unseres Heilandes zu erzählen, von dem Aufgang aus der Höhe, der die kranke Welt besucht hat, dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Wie köstlich ist es, von dem Sünderheiland zu predigen, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen was verloren ist, zu trösten alle Traurigen und zu heilen die zerstoßenen Herzen. Ja davon zu reden und zu zeugen ist für einen evangelischen Prediger Lust und Wonne; das sind für ihn Freuden- und Weihestunden. Aber schwer, sehr schwer wird ihm sein Amt, wenn er reden muss vom Gericht. Und doch ist auch dies seine heilige Pflicht. Denn die ganze Bibel weist unwidersprechlich klar hin auf einen Tag des Gerichts, auf den Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, welcher geben wird einem Jeglichen nach seinen Werken: nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; denen aber, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Von dieser Trübsal und Angst, welche hereinbricht über die gottentfremdete Welt am Tag der herrlichen Wiederkunft Christi, redet unser Text in den Worten: Es werden Zeichen geschehen an der Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.“ was muss das für ein Tag sein, da Himmel und Erde in Bewegung gesetzt werden durch die Allmacht Gottes! Die Sonne verkehrt sich in Finsternis, und der Mond verwandelt sich in Blut, und die Sterne verlieren ihren Schein; das Meer braust, wallt und tobt, die Wasserwogen erheben sich; alle Elemente erregen und bewegen sich, um zu verkündigen, | ||
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| - | Aber nun könnte Jemand sagen: Bange machen gilt nicht; es sind schon viele Menschen gestorben und haben den Tag der Wiederkunft Christi zum Gericht nicht erlebt, und werden noch viele sterben, ohne ihn zu erleben. Man braucht also keine Angst zu haben, sich nicht zu fürchten vor diesem Tag. Höre als Antwort: Jeder Mensch erlebt in gewissem Sinn den Tag der Wiederkunft Christi, nämlich an seinem Sterbetage, dem, wie es leider nur zu wahr ist, niemand entgeht. Das ist auch ein Kommen des Herrn, wenn die Seele vom Leibe scheidet; da kommt der Herr entweder zum Gericht und zur Verdammnis oder zum Heil und zur Seligkeit. Willst du nun, dass er dir nicht zum Gericht komme, dass an deinem Sterbetage nicht Verzweiflung und Höllenangst über dich falle, sondern dass du im Frieden von hinnen fahrest: o sieh, so muss es dir jetzt in der Zeit, so lange es heute heißt, einmal angst und bange werden um deine Seligkeit; du darfst nicht gleichgiltig in den Tag hineinleben, | ||
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| - | =====II. mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. ===== | ||
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| - | „Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht.“ | ||
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| - | O meine Freunde, was sind das für herrliche, köstliche Worte, welche der Heiland zu seinen lieben Jüngern und getreuen Nachfolgern spricht, zu der Gemeinde, die ihn kennt und liebt und an ihn von Herzen glaubt. Für sie kommt er nicht zum Gericht, sondern mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ihnen gilt es: wenn dies anfängt zu geschehen, so seht auf!“ Wenn Himmel und Erde erschüttert werden, wenn das Meer tobt und wallt und die Wasserwogen brausen, wenn die Welt mit ihren Kindern in Todesangst und Verzweiflung zu Boden blicken und in dunkler Schwermut in sich hineinstarren muss: so darf und soll Gottes Volk, die Kirche Jesu, aufsehen und gen Himmel schauen. Wohl stehen dunkle Wetterwolken am Himmel, der Donner des göttlichen Gerichtes rollt und die Blitze zucken; aber den Gläubigen und auserwählten Jüngern Jesu kommt der Herr nicht als Richter, sondern als Freund und Bräutigam, als Erretter, Erlöser und Seligmacher, | ||
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| - | Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig \\ | ||
| - | Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; \\ | ||
| - | Ihr Licht bricht an, ihr Stern geht auf. \\ | ||
| - | Darum seht auf, und hebt eure Häupter auf.“ | ||
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| - | Die Welt muss freilich das Haupt sinken lassen, das hochmütige, | ||
| - | |||
| - | „O seht auf und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Seht an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
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| - | Aber auch schon jetzt, wenn er beim Sterben die Seinigen heimholt ins Vaterhaus. Während die Welt im Tode händeringend und verzweifelnd das Haupt sinken lassen muss, weil es abwärts geht: so darf der Christ auch im Tode aufsehen, über Tod und Grab hinübersehen und das Haupt erheben, darum, dass sich seine Erlösung naht. So hat ein Stephanus mitten unter den Steinwürfen seiner Peiniger und Mörder den Himmel offen gesehen, und die Herrlichkeit Gottes, und Jesum zur Rechten Gottes stehen, bereit seine Seele in Empfang zu nehmen; und er rief an und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Und jene Märtyrerin Cäcilia sagte: Ich sterbe nicht, nur mein Elend stirbt. So gibt es, seit die Kirche auf Erden steht und Jesus mit Gnad und süßem Lichte zu den Seinigen im Tode kommt, unzählige Beispiele eines seligen Sterbens. Eines noch anzuführen kann ich mich nicht enthalten. Philipp Ludwig, Graf zu Hanau und Rheineck, lag im August 1612 auf dem Sterbebette. Am Abend des 7. August ließ er, nachdem er von den Seinigen Abschied genommen, alle Türen öffnen und sprach zweimal laut: Macht alle Türen auf und lasst alle meine Leute kommen, dass sie sehen, wie ich so fröhlich sterbe, und sich meines Exempels trösten. Am Sonntag den 9. August hob er am frühen Morgen die Augen und das Haupt auf und rief mit heller Stimme: Nun bin ich einmal erlöst! Jetzt läutete man in der Altstadt zur Predigt, und als ihm da der Prediger Appelius zusprach: „Diese Glocke ruft jetzt Euch zu dem himmlischen Engelgesang; | ||
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| - | Heißt es da nicht, im Herrn Geliebte: Jesus kommt mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht? O möchte der Herr, wenn unser legtes Stündlein schlägt, so auch zu uns kommen! Aber da muss es auch in unsrer Seele heißen: | ||
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| - | =====III. Ach komm, ja komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne in deinen Freudensaal!===== | ||
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| - | Rechte Christen tragen eine Sehnsucht und ein Verlangen nach dem Herrn in sich. So oft sie hören: Siehe, ich komme bald! spricht ihr Herz: Amen, ja komm Herr Jesu! Wenn ihnen vom kommen des Herrn gepredigt wird, so ergreift sie keine Furcht und Bangigkeit, sondern vielmehr große Freude; sie wissen, dass sie hienieden Fremdlinge und Pilgrime sind und keine bleibende Stätte haben; darum suchen sie die zukünftige Stadt, deren Baumeister Gott ist, und trachten nach dem, das droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sie schauen auf ihrer Reise zur stillen Ewigkeit oft und viel auf nach den Wohnungen des ewigen Lichts und der seligen Wonne, nach dem Freudensaal des Himmels, da ewige Freude über ihrem Haupte sein wird. | ||
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| - | Da wir aber, so lange wir auf Erden wallen, stets in Gefahr sind, vom Irdischen bestrickt zu werden, beschwerte Herzen zu bekommen, einzuschlafen, | ||
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| - | Aber auch vor den Sorgen der Nahrung! Es ist merkwürdig, | ||
| - | |||
| - | Was sorgst du dich in deinem Sinn \\ | ||
| - | Und grämst dich Tag und Nacht? \\ | ||
| - | Nimm deine Sorg und wirf sie hin \\ | ||
| - | Auf den, der dich gemacht! \\ | ||
| - | Sorgen kommt dem Schöpfer zu, \\ | ||
| - | meine Seele sucht nur Ruh! | ||
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| - | Ruhe in Gott, Ruhe in Christo, dem Heiland der Welt. O da ist Ruhe, süße, sanfte, stille, selige Ruhe! Er wird Alles wohl machen. So lasst uns denn allezeit wacker sein und beten, dass wir würdig werden mögen, zu entfliehen dem Allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Ja komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewigen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
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| - | ---- | ||
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| - | ======Körber, | ||
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| - | (Zweiter Advent 1874.) | ||
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| - | Text: Luk. 12, 35-48.\\ | ||
| - | **Lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen. Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen, | ||
| - | |||
| - | Der Herr kommt! Der Herr kommt! Dieser Ruf erklingt nicht nur in unsrem heutigen Adventsevangelium, | ||
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| - | Also Jesus wird wieder kommen. Wie er vor bald zweitausend Jahren gekommen ist in der Schwachheit des Fleisches, in Knechtsgestalt, | ||
| - | |||
| - | Aber wann wird er kommen? Wann wird die Sehnsucht der Kirche gestillt, wann das Verlangen der Jahrhunderte erfüllt werden? Auf diese Frage antwortet der Herr in unserm Evangelium: Des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr es nicht meint; an dem Tage, da sich's der leichtsinnige Knecht nicht versteht; in der Stunde, die er nicht weiß. Das ist nicht nur hier in unserm Texte gesagt, sondern auch sonst bezeugt es der Herr, wie seine Apostel (Luk. 17, 24-30. 1 Thess. 5, 1-3). Aber diese Ungewissheit über das „Wann“ soll uns den Tag des Herrn nicht in eine weite, dunkle Ferne rücken, sondern vielmehr in die nächste Nähe. Den einen Tag hat uns Gott verborgen, damit wir Acht haben auf alle Tage, damit wir wachen mit umgürteten Lenden und brennenden Lichtern und gleich seien den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Aber steht man denn da nicht in Gefahr, sich vergeblich zu rüsten? Haben die, welche in den vergangenen Jahrhunderten auf den Herrn gewartet haben, nicht umsonst gewartet? Nein! denn der Herr kam zu ihnen im Tode. Und so kommt er auch zu dir, wenn du den großen Tag seiner Zukunft nicht erlebst, ganz gewiss im Tode. Gilt es da nicht zu wachen und das Herz in beiden Händen zu tragen? Wie oft kommt der Tod zu einer Stunde, da wir es nicht meinen. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod! Wie unvermutet, wie behände kann kommen meine Todesnot! Mögen wir da wachend erfunden werden und dem Herrn, wenn er kommt und anklopft, bald auftun mit Freuden. So wollen wir uns denn rüsten und bereiten auf den Tag des Herrn und in dieser stillen Andachtsstunde miteinander die ernste Wahrheit betrachten: | ||
| - | |||
| - | Der Herr kommt! | ||
| - | |||
| - | I. Die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh;\\ | ||
| - | II. Die Trägen aber stürzt er in ein ew‘ges Weh. \\ | ||
| - | |||
| - | Ja du kommst, von allem Bösen \\ | ||
| - | Uns, deine Christen, zu erlösen, \\ | ||
| - | Des sind wir froh und danken dir. \\ | ||
| - | Auch in noch so trüben Tagen \\ | ||
| - | Soll unser Herz doch nie verzagen, \\ | ||
| - | Auf deine Zukunft hoffen wir. \\ | ||
| - | Wir wissen, wer du bist;\\ | ||
| - | Wir traun dir, Jesus Christ,\\ | ||
| - | Und sind stille.\\ | ||
| - | Wenn gleich die Welt\\ | ||
| - | Zu Trümmern fällt:\\ | ||
| - | Dein Arm ist's, der uns ewig hält. \\ | ||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | =====I. ===== | ||
| - | |||
| - | Der Herr kommt, sei es nun am Tage seiner glorreichen Wiederkunft oder an unsrem Todestage. Da führt er die Treuen mit sich in des Himmels Höh. Ja die Treuen. Darum nur treu! Nur treu! Diesen Denkspruch habe ich schon in manchem Zimmer an der Wand hängen sehen; am besten aber steht er in unserm Herzen und Leben geschrieben. Denn es ist ein großes Ding um einen treuen und klugen Haushalter.“ Was gehört aber zur Treue? Einmal der Gurt um die Lenden, in der Hand das brennende Licht, und im Herzen das Warten auf den Herrn. | ||
| - | |||
| - | „Lasst eure Lenden umgürtet sein?“ Kennst du diesen Gurt um die Lenden des Gemütes, den Gürtel der Wahrheit, wie Paulus sagt? Ja der Wandel eines Christen soll und muss in der Wahrheit geführt werden, ein Christ muss aufrichtig sein in Wort und Tat, ohne Trug und Heuchelei. „Siehe, ein rechter Israeliter, in dem kein Falsch ist“ dies Wort muss von einem treuen und klugen Haushalter Christi gesagt werden können. Er muss frei sein von den Schlacken der Unlauterkeit, | ||
| - | |||
| - | Und in der Hand das brennende Licht! Lasst eure Lichter brennen.“ Nicht nur glimmend, sondern brennend, flammend und leuchtend soll das Licht der Christen sein, dass man es sieht, dass ringsum Wärme, Licht und Leben davon ausgeht. Das Feuer des Glaubens, die Glut der Liebe, die Flamme der Hoffnung soll helle brennen und sich sichtbar darstellen durch einen Wandel im Licht. Du sollst in deinem Hause, in deinem Amte ein helles, freundliches Licht sein, von dem Liebe und Friede ausstrahlt auf deine Umgebung, eine milde Sonne, die ihren Glanz und Schein täglich und stündlich empfängt von dem großen Lichte der Welt, von Christus. Du sollst ein Kind des Tages, ein Kind des Lichtes sein, dessen Wesen Licht ist, dass du mit Paulus sagen kannst: ich bin nicht von der Nacht, noch von der Finsternis, ich schlafe nicht mehr in der Sünde, sondern bin aufgewacht aus der Sünde; ich laffe nun die Sünde nicht mehr herrschen in meinem sterblichen Leibe und begebe meine Glieder nicht mehr zu Waffen der Ungerechtigkeit, | ||
| - | |||
| - | Brich herfür, brich herfür,\\ | ||
| - | Gottes Volk, herfür in Kraft! \\ | ||
| - | Lass die Bruderliebe brennen, \\ | ||
| - | Zeige, was der in dir schafft, \\ | ||
| - | Der dich als sein Volk will kennen!\\ | ||
| - | Auf, er selbst hat aufgetan die Tür; \\ | ||
| - | Brich herfür, brich herfür! \\ | ||
| - | |||
| - | „Lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun.“ Um die Lenden den Gurt der Wahrheit, in der Hand das brennende Licht des neuen Lebens, und im Herzen | ||
| - | |||
| - | „Wir das Warten auf den Herrn: also geziemt es sich für treue Knechte. Ja ihr Herz ist bei ihrem Herrn. Wenn gleich die Füße auf Erden wandeln, so ist das Haupt doch in der Höh. Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir warten unsres Heilandes Jesu Christi. Dieses Warten auf den Herrn ist ein Kennzeichen des wahren Christentums. | ||
| - | |||
| - | „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen; wir warten dein, du hast uns ja das Herz schon hingenommen, | ||
| - | |||
| - | Noch ein Zug im Bilde des treuen und klugen Haushalters darf nicht vergessen werden. Jesus spricht zu Petrus: „Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr seht über sein Gesinde, dass er ihnen zur rechten Zeit ihre Gebühr gebe.“ Mit diesen Worten weist der Herr hin auf das Amt und den Beruf, in den uns Gott gesetzt hat; da sollen wir treu sein und uns als Christen zeigen und beweisen. Das Gleichnis stellt uns einen Haushalter vor, der dem Gesinde, den Knechten und Mägden, zur rechten Zeit das rechte Maß von Speise und Trank und Lohn gibt. Nun schaue dieses Bild recht an und lerne von demselben, dass das Christentum dein ganzes Leben durchdringen soll, auch dein Familien- und Amtsleben; da sollst du Treue beweisen und tun, was recht ist. Du sollst nicht nur im Gebetskämmerlein, | ||
| - | |||
| - | Ja die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh. „Wahrlich, | ||
| - | |||
| - | Ja die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh. | ||
| - | |||
| - | =====II. ===== | ||
| - | |||
| - | Die Trägen aber stürzt er in ein ew‘ges Weh. Über diesen zweiten Punkt reden wir noch in Kürze, obwohl ich meinem Herzen nach am liebsten gar nicht davon sprechen möchte. Aber der Haushalter, den der Herr über sein Gesinde gesetzt hat, soll treu und klug sein, das Wort Gottes recht austeilen, und darf deshalb den heiligen Ernst des Evangeliums nicht verschweigen. Also die Trägen stürzt Er in ein ewiges Weh. So aber derselbe Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr, verzieht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen: so wird desselben Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.“ Da haben wir das Bild eines untreuen und trägen Knechtes, ein trauriges Bild, traurig in diesem Leben, traurig auch in der Ewigkeit. Merkt wohl, von wem der Herr redet! Er hat nicht Leute im Auge, die den Glauben über Bord geworfen, mit dem Christentum gebrochen, der Kirche den Rücken gekehrt haben; nicht von Spöttern und Ungläubigen ist hier die Rede, sondern, dass ich es kurz sage, von Namenchristen, | ||
| - | |||
| - | Die Trägen aber stürzt er in ein ewiges Weh. „Desselben Knechtes Herr wird kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern, | ||
| - | |||
| - | O teure Gemeinde, lasst uns den heiligen Ernst des Evangeliums wohl bedenken und zu Herzen nehmen. Lasst uns nicht schlafend und träumend in den Tag hinein leben, sondern aufwachen, so lange es heute heißt. Ja lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. | ||
| - | |||
| - | So mache denn, mein Herz und Sinn, \\ | ||
| - | Und schlummre ja nicht mehr! \\ | ||
| - | Blick täglich auf Sein Kommen hin, \\ | ||
| - | Als ob es heute wär! \\ | ||
| - | |||
| - | Amen. | ||
| - | |||
| - | {{tag> | ||
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| - | ====== Luther, Martin - Predigt am 2. Sonntag des Advents ====== | ||
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| - | Lukas 21, 25-36 | ||
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| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
| - | |||
| - | Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her, wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, dass sie trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, dass Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, | ||
| - | |||
| - | Solches wussten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn, was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe? | ||
| - | |||
| - | Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier: Wenn sie sehen werden, dass sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen sie wissen, dass Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat: Sie sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden. | ||
| - | |||
| - | Also lehret er sie vom Jüngsten Tag auch und spricht: Wenn ihr Zeichen sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und lasst mit solchen Zeichen keinen Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, dass der jüngste Tag jetzt vor der Tür ist. | ||
| - | |||
| - | Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem Jüngsten Tag werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt: Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube ich, dass etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden, dass der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich, an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken, und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit einholen. | ||
| - | |||
| - | An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, dass sie ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht), so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und fallen herein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, dass die Finsternis an der Sonne geschehen muss im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond, so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich doch sehr bald zutragen. | ||
| - | |||
| - | Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen, welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, dass ein Regenbogen um die Sonne gehen soll, dass die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, | ||
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| - | Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen der Wasser, dass es tobt, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber, Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, dass er davon soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, dass Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein wird, ehe es ganz zu Boden geht. | ||
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| - | Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, dass wir es erlebt haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen, das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum dass man gepredigt hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten, beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wussten niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum, war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen, jetzt mit anderen Werken; dass ich glaube, solches sei der größte Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor großer Furcht und Schrecken, dass sie sich nicht trauten, zu bestehen vor Gottes Gericht. | ||
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| - | Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, dass wir uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen, rief deswegen die Jungfrau Maria an, dass sie mir beistehen und gegen solchen Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir nicht. Christum hatten wir verloren und mussten bekennen, dass wir bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits geschehen. Gleichwie ich's dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen, so kann es doch alle Tage sich begeben, dass sie auch kommen. Wir sollen aber darum nicht unterlassen, | ||
| - | |||
| - | Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: «die Leute werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen.» Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große Furcht ist, und sie kommt daher, dass die Menschen vor den Zeichen des Jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind, heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts, wie es mit dem Jüngsten Tage gehen werde. | ||
| - | |||
| - | Solche gottlose, sichere Leute lässt der Herr fahren. Denn weil sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen, und sich darüber entsetzen, die lässt der Herr sich befohlen sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, | ||
| - | |||
| - | Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel stehen, zittern und beben werden. | ||
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| - | Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn es muss also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muss sie zuvor krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es muss sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund, wird im Gesicht blass und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun. | ||
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| - | Aber ich sage euch: Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure, spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt. Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis. | ||
| - | |||
| - | Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken, | ||
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| - | Darum mag man den Jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt: «Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde.» Da wollen wir, ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, | ||
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| - | Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasst euch nicht anfechten; gedenkt, dass ihr mich haben wolltet. Denn so ich euch erretten soll, so muss ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten. Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm, und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber noch froh sein, wenn du wüsstest, dass es um deinetwillen wäre, dich also frei zu machen. | ||
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| - | Also ist es hier auch; lasst euch nicht Schrecken, dass die Welt sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen, über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, dass ich euch in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, | ||
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| - | So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen. Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen, und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir, wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und geht nun der schöne Sommer an. | ||
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| - | Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer Kunstbuch sein, dass ihr lernt, wie ihr des Jüngsten Tages warten sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so lasst euch ebenso wenig schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen, | ||
| - | |||
| - | Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden, den Gottlosen: die lasst trauern und erschrecken. Hier aber freut euch, dass eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann, die er sehen und hören musste, bis sie überreif wurden und Gott nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen Anblick gehabt haben, dass der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war dass der Trost, dass er wusste, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten, die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten. Die mussten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung wieder die Gottlosen. | ||
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| - | Also wird uns, so wir es erleben, am Jüngsten Tag auch geschehen. Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern, und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich, dass es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig; auf das, obgleich über dem schrecklichen, | ||
| - | |||
| - | Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den Jüngsten Tag recht erkennen, dass wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen. Das ist ja ein gewisses Zeichen, dass man kein Vertrauen zu Christus hat, sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium lehret er uns anders, nämlich, dass er wolle kommen, nicht dass er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen, was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben, für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet fest und zweifelt nicht daran, und freut euch auf meine Zukunft; denn sie soll euch zum besten geraten, dass ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt erlöst, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich und reichlich getröstet. | ||
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| - | Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens herein fallen, dass den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel, der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie bald es geschehen ist, dass man zu Fall kommt, werden sie blöde und verzagt darüber. Denn sie denken: Wer weiß, wie dieser Tag dich finden wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist, und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein ewiger Trauertag. | ||
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| - | Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen, wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht: «Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, dass geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.» | ||
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| - | Dass ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht; so heißt er auch nicht, wie der Papst, dass man alles liegen und stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und trinket, dass gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung, denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, dass eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, dass ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen. Das lasst das erste sein. | ||
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| - | Danach so betet auch, dass ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen, und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz. | ||
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| - | Aber hier muss man auch dieses merken, dass man Gott nicht recht anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet eine rechtschaffene Buße, und dass man sich vor mutwilligen Sünde hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte im Namen Jesu Christi bitte, dass er in seiner Furcht uns erhalten, durch seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben bis ans Ende erhalten wolle, auf dass wir dieses selbigen Tages mit Freuden erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr und Erlöser Jesus Christus, Amen. | ||
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| - | {{tag> 2_Advent}} | ||
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| - | ======Majer, | ||
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| - | Dekan Majer in Biberach | ||
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| - | Ev. Matth. 25,31-46. (I. Jahrgang.)\\ | ||
| - | **Wann aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, | ||
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| - | „Zweiter Advent“ heißt unser heutiger Sonntag, Geliebte in Christo Jesu, und ist mit diesem die ganze Adventszeit noch nicht abgeschlossen, | ||
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| - | Der zweite Advent dieses Wort schon mahnt uns eben an das zweite Kommen Jesu auf Erden, an seine Zukunft zum Gericht. Wohl möchte unser Auge lieber ruhen bleiben auf dem Anblick des sanftmütigen Königs, als hinausschauen auf das Erscheinen des gerechten Richters, doch gerade damit das Antlitz unseres Richters einmal uns nicht finster, sondern freundlich sei wie das des holdseligen Jesuskindes und ewig freundlich bleibe auf, o Christenmensch! dein Auge an diesem zweiten Advent von der Krippe zum Kreuze, vom Kreuze zum Throne! Sonst wenn wir von einem Menschenkinde ahnen, dass aus ihm ein großer Mann wird, von dem unser irdisch Wohlsein abhängt, wie schaut alles hinauf an ihm! Hier bei diesem Jesuskinde wissen wir es gewiss, was es schon geworden ist und bleibt in Ewigkeit, unser Erlöser und Richter, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden; umsonst aber will er nicht für uns geboren, gestorben, auferstanden, | ||
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| - | Kommt her! Geht hin! Die zweite Advents-Botschaft. | ||
| - | |||
| - | Welches von diesen zwei Worten wird einmal vom Richterthrone über uns gesprochen? | ||
| - | |||
| - | Kommt her! Geht hin! Sollten unter andren ernsten Gedanken, welche unser heutiges Evangelium in uns erweckt, nicht auch diese Worte, als unsere zweite Adventsbotschaft, | ||
| - | |||
| - | Und doch, wie schnell kann der, von dem die Adventsbotschaft lautet: „Er kommt!“ der ewige Richter, unser Herr und König, in seiner Herrlichkeit vor uns erscheinen, und von seinem Throne ergeht nach rechts und links über alle Völker der Richterspruch über unser ewiges Wohl oder Wehe; ja, kann er nicht heute, nicht jetzt kommen? Freilich sind nahezu Jahrtausende dahin gegangen, seitdem diese zweite Ankunft vorausgesagt ist und immer ist sie noch nicht eingetroffen, | ||
| - | |||
| - | „Kommt her!“ Wer von uns sollte sich nicht wünschen, dass dieses Wort einmal über uns, als die Gesegneten des Vaters Jesu Christi von Ihm, dem Richter-Könige, | ||
| - | |||
| - | Diese Gesegneten des himmlischen Vaters - sind das nicht ganz besondere Heilige, Apostel, Märtyrer, Kirchenväter, | ||
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| - | An dem Herrn selbst unmittelbar persönlich können wir ja nichts auf Erden tun, und sieht er, was wir an seinen Brüdern tun, an, als ob wir's ihm getan hätten, wie er selbst sagt. So leicht' | ||
| - | |||
| - | „Geht hin!“ wer mag nur einen Augenblick sich denken: „Dieses schreckliche Wort ergeht am Gericht über dich, du wirst unter denen zur Linken stehen, unter den Verfluchten vor allen Engeln und Auserwählten, | ||
| - | |||
| - | „Kommt her“, „Geht hin“. Diese zweite Adventsbotschaft, | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ======Münkel, | ||
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| - | Röm. 15, 1- 13. | ||
| - | |||
| - | **Wir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben steht: Die Schmach derer, die dich schmähen, sind über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben; | ||
| - | |||
| - | Es ist diese Epistel auf den Advent verordnet, weil darin gehandelt wird von der Hoffnung, die wir haben zu Christo, dass wir auf ihn hoffen zur Seligkeit. Da sind denn auch allerlei schöne Sprüche aus den Psalmen und Propheten angeführt, darin Christus als der Heiland nicht bloß der Juden, sondern auch der Heiden gepriesen wird, und heißet daselbst die Wurzel Jesse, darum dass er herkommt nach dem Fleische aus dem Hause Jesses, welcher war der Vater Davids. Also dieses Reich Christi auf dem ganzen Erdboden und diese Hoffnung zu ihm, unserem gnädigen Könige, das ist es, was unsere Epistel handelt. Doch hat der hl. Apostel davon eine Anwendung gemacht, und gezeigt, wie eine Gemeinde von Christen sich halten muss, wenn sie der Herr Jesus in sein ewiges Reich aufnehmen und in seiner Gnade behalten soll. Soll er uns aufnehmen, so müssen wir uns untereinander aufnehmen; und das Stück ist gewiss von den Hauptstücken eins, und wird zu wiederholten Malen in der Heilige Schrift gelehrt und getrieben. Darum betrachten wir das Wort: | ||
| - | |||
| - | Nehmt euch unter einander auf! | ||
| - | |||
| - | 1) Das ist Gottes Gebot;\\ | ||
| - | 2) das dient zu eurem Heile und Gottes Ehre; \\ | ||
| - | 3) das fördert den Lauf des Wortes Gottes. | ||
| - | |||
| - | =====I.===== | ||
| - | |||
| - | Das ist Gottes Gebot. Denn so schreibt Paulus: „Wir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben.“ In der Gemeinde Gottes werden immer zweierlei Klassen von Menschen sein, Starke und Schwache. Nun sind freilich alle Christen in diesem Leben mit Schwachheit umgeben, und Paulus selbst sagt deshalb von sich: „Ich will mich am liebsten meiner Schwachheit rühmen;“ setzt aber doch hinzu: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Also sind doch immer einige, welche man, vergleichsweise gegen andere gehalten, stark nennen kann, wiewohl auch sie vor Gott schwach sind. Um deswillen unterscheidet die Heilige Schrift auch sonst zwischen Geistlichen und Fleischlichen, | ||
| - | |||
| - | Damit wir nun davon einen richtigen Begriff haben, so merken wir uns erst, wer die Schwachen sind. Das sind nicht die Verkehrten, welche alle ihre Gleichgültigkeit und Leichtfertigkeit mit der gemeinen Rede zudecken: Wir sind schwache Menschen; und dabei wissentlich in Sünden wider Gottes Wort leben, ohne sie zu bekämpfen. Sondern es sind solche, die an Christum glauben, und mit Ernst danach trachten, rechte Christen nach Gottes Wort zu werden. Bei denen finden sich oftmals große Gebrechen, und wenn du genau zusehen willst, so wirst du nicht einen, auch dich selber nicht, ganz davon frei finden. Zum Teil liegen diese Gebrechen in der Lehre und Erkenntnis, zum Teil liegen sie im Leben und Wandel. | ||
| - | |||
| - | Es gibt manche Christen, die nicht einmal in den Hauptstücken der Lehre richtige, gesunde Begriffe haben, und deshalb leicht in starke Irrtümer geraten, und wunderliche Dinge vorbringen. Stehen die nun nicht auf ihrem Sinne, und wollen sie aus Gottes Wort Lehre annehmen; so muss man sie nicht zu den Irrgläubigen, | ||
| - | |||
| - | Willst du nun solche schwache Menschen weit wegwerfen, nur heilige Leute ohne Anstöße passieren lassen und mit ihnen zu tun haben; so bist du selbst noch recht schwach und tust am besten, dich in den Himmel versetzen zu lassen, wo du nur mit starken, heiligen Menschen zu tun hast; oder, da das nicht geht, dir einen einsamen Ort in der Wüste auszusuchen, | ||
| - | |||
| - | Wollen wir weiter sehen, woher die Klagen über die unerträglichen Gebrechen anderer kommen, so liegt ihr rechter Quell in der Eigenliebe, welche blind ist gegen die eigenen Gebrechen, und empfindlich gegen fremde Gebrechen. Wir halten hoch von uns, und sehen auf andere herab, können wohl endlich das wahre Christentum nirgends anders entdecken als bei uns. Das ist der größte Feind, den wir bei uns haben, der macht es mit uns wie die Raubvögel, die ihrer Beute erst die beiden Augen aushacken, damit sie ihnen nicht wieder entlaufen kann. Darum sollen wir nicht Gefallen an uns selber haben. Denn es wird niemand seines Bruders Gebrechen tragen, dem Gott nicht ein herzliches Missfallen an ihm selber ins Herz gegeben hat, dass er klein und zunichte geworden ist, sein eignes Elend fühlt, und bei den Gebrechen des Bruders immer an seine eigenen nicht geringen Gebrechen schmerzhaft erinnert wird. Da erst lernt man, was es mit Gottes Gebot auf sich hat, dass man erstlich keinen Schwachen, auch nicht den Schwächsten, | ||
| - | |||
| - | Jemand wegwerfen, ist eine geringe Kunst, aber jemand tragen, den alle wegwerfen, weil er ihnen zu lästig ist, ihn zurechtweisen, | ||
| - | |||
| - | Können wir so dem Nächsten gefallen zum Guten, zur Besserung, wenn wir grade denen aus dem Wege gehen, welche dessen am meisten bedürfen? Erkennt doch, dass der Herr spricht: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Wie können wir salzen, wenn wir das Ungesalzene wegwerfen, und denen ein Salz sein wollen, die Salz genug haben? Erkennt, dass dies des Herrn heiliges Gebot ist, und dass wir nimmermehr in der Nachfolge Christi bleiben können, wenn wir ihm nicht auf seinem Hauptwege folgen wollen, da er nicht Gefallen an sich selber hatte, sondern die bußfertigen Zöllner und Sünder aussuchte und mit ihnen aß, um sie zu retten. Wir selbst wären nimmermehr in Gottes Reich, wenn er es mit uns gemacht hätte, wie wir es so gern mit andern machen. Aber weil dies sein heiliges Gebot ist, zu tragen, so setzt er uns auch immer dahin, wo wir zu tragen finden, damit einer dem andern Handreichung tue zur Besserung der Gemeinde Gottes. Wer sich dem entzieht, der entzieht sich seinem Berufe und wird dem Gebote ungehorsam; der ist nicht schwach, sondern verkehrt, der ist, wie der Herr spricht, ein Salz, das da dumm geworden ist, zu nichts hinfort nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Das dient zu eurem Heile und zu Gottes Ehre. Wenn nun auch die Last groß ist, gleichwie uns kleine Lasten oft schon groß dünken, so sollen wir doch wissen, dass wir nicht vergeblich und auch nicht alleine tragen. Von Christo steht im Alten Testamente geschrieben, | ||
| - | |||
| - | Denn wenn wir unserem Nächsten in seiner Schwachheit dienen, und ein Gehilfe des Heiles werden wollen, so ist uns vor allen Dingen Geduld nötig. Wir wissen es ja an uns selber, wie schwer das Werk unsrer Besserung ist, und wie oft die oftmals bereuten Gebrechen wiederkehren. Lasst uns dasselbe bei den Gebrechen des Nächsten bedenken, und nicht vergessen, dass uns vielleicht leicht sein kann abzulegen, was dem Nächsten schwer wird. Denn obwohl wir alle der gleichen Sünde unterworfen sind, so hat doch diese Sünde in dem einen nicht dieselbe Gestalt, wie in dem andern. Der eine ist mehr zum Zorne geneigt, der andere zur Schwatzhaftigkeit; | ||
| - | |||
| - | Dass doch diese Liebe mehr unter uns zur Herrschaft käme! Seht, was ferner daran hängt: „Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, schreibt Paulus, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander nach Jesu Christ, auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi.“ Nach dem Vorbilde Jesu Christi soll die Gemeinde rechter Christen in diesem Sinne einig sein, dass niemand Gefallen an sich selber hat, sondern jeder darauf denkt, dass er dem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung, indem er seine Gebrechen trägt. Nur wenn so die Gemeinde in geduldiger Liebe eins ist, kann sie auch wie Ein Mann vor Gott stehen, und ihn einmütig mit Einem Munde loben, dass er sie durch Christum aufgenommen hat. | ||
| - | |||
| - | Die tragende Liebe soll also nicht bloß unsre Hoffnung auf Christum nähren und mehren, sie soll insbesondere und hauptsächlich zu Gottes Lobe dienen. Denn das Ende der Wege Gottes ist Gottes Lob und Ehre, dass alle Welt der Herrlichkeit des Herrn voll werde. Wo sein Lob nicht regiert, da weicht er. Wo regiert aber sein Lob? Allein da regiert es, wo die höchste seiner herrlichen Tugenden, seine Freundlichkeit gegen die Sünder und seine schonende, geduldige Liebe erkannt und gepriesen wird. Wer Gott loben kann, von Herzen loben, der kann auch von Gottes reichen Gnadenerweisungen sagen. Aber kannst du Gott den Vater loben für seine Geduld und erbarmende Liebe, wenn du die Kinder Gottes wegwirfst; kannst du ihn preisen, dass er deine Schwachheit trägt, wenn du den schwachen Bruder nicht tragen willst? Kannst du zugleich Gott loben, und Gottes Gefäße und Eigentum verachten? Siehst du nicht ein, dass dein Lob Gottes Heuchelei und verdeckte Lästerung ist? Ja freilich, du lobst dennoch. Gott, aber das Lob ist auch danach; und Gott lässt sein Urteil davon im Propheten Jesaia hören, da er spricht: „Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber mit seinem Herzen ist es ferne von mir.“ Frage dich, ob du wohl sprechen kannst: „das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und deinem Namen lobsingen, du Höchster.“ Je weniger von dieser tragenden Liebe in einer Gemeinde ist, je mehr man in blinder Selbstgefälligkeit über des Nächsten Gebrechen zu Gerichte sitzt; desto frostiger wird auch das geistliche Leben, desto unerquicklicher die Gemeinschaft und die Gottesdienste. Wie sollte das auch anders sein! Gottes Ehre wird daselbst verdunkelt, das Seufzen der Schwachen und Elenden über unsere Härtigkeit tritt als ein Verkläger täglich vor Gottes Thron hin; wie sollten von Gottes Throne die fröhlichen, | ||
| - | |||
| - | Von solchen Menschen spricht der Herr: „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt. Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße. Wo aber nicht, werde ich dir bald kommen, und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wo du nicht Buße tust.“ „Darum nehmet euch unter einander auf, spricht der Apostel, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe,“ dass er Gottes Ehre an euch wiederbrächte, | ||
| - | |||
| - | =====III.===== | ||
| - | |||
| - | Das fördert den Lauf des Wortes Gottes. Abermals hält uns der Apostel Christum vor, ob er uns in die Nachfolge seiner tragenden, barmherzigen Liebe ziehen möchte: „Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen, der Beschneidung um der Wahrheit Willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung den Vätern geschehen; dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen.“ Es hat sich der Herr Jesus nicht bloß Ein Volk herausgesucht, | ||
| - | |||
| - | Wir leiden an zwei starken Gebrechen. Das erste ist die unglaubliche Engherzigkeit mitten in der Christenheit. Jeder sieht nur auf sich selber und bekümmert sich so wenig um den Lauf des Wortes Gottes und die Schicksale und Kämpfe der Kirche Christi, als wenn das Reich Gottes nicht größer wäre, denn seine geringe Person, oder sein kleines Haus, oder etwa das kleine Häuslein, dazu er sich hält. Kann er sich nur einen guten Taler oder einen guten Tag machen, oder hat er sich etwas aus dem Schlamme herausgearbeitet; | ||
| - | |||
| - | Hast du nicht in ihr deine geistlichen Brüder und Schwestern, die dir näher sind als dein eigen Fleisch und Blut nach der natürlichen Geburt? So tue doch wenigstens so viel an ihnen, als du an deinem Fleische und Blute tust, ehre doch deine geistliche Mutter nach dem vierten Gebot. Hilf, wo du helfen kannst, bitte, damit das Wort Gottes laufe und gepriesen werde. Oder bist du ein verirrtes Kind, das seine Mutter auf Erden verloren hat und darum auch seinen Vater im Himmel nicht finden kann? | ||
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| - | Das zweite Gebrechen ist dem ersten gleich. Es ist die Zertrennung derjenigen, die Ein Leib und Ein Geist sein sollten, dass sie nicht fleißig sind zu halten die Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens. Von einem großen Teile gilt, was Jesaja klagt: „Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg.“ Selbst die, welche an Einem Orte und in Einer Nachbarschaft wohnen, gehen kühl nebeneinander her, als wenn sie sagen wollten: Gehe du deinen Weg, ich gehe meinen Weg; wenn sie nicht gar über einander zu Gerichte sitzen und einer dem andern etwas nachträgt. Das ist dieselbe Engherzigkeit, | ||
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| - | So ist es geschehen, Geliebte, dass die Kirche Christi zertrennt und zerstreut ist. Als ein hoher Baum sollte sie die Welt beschatten, dass die Vögel des Himmels unter ihren Zweigen wohnten; aber hier liegt ein Zweig und da liegt ein Zweig, und ihre Feinde gehen schon damit um, die Axt an die Wurzel zu legen und sie zu verbrennen. Hiermit wird es freilich gute Weile haben, denn Gott ist bei ihr darinnen. Auch hat man wieder angefangen, die Kirche daheim zu bauen und draußen unter den Heiden dem Teufel das Feld streitig zu machen, dass er seinen Raub herausgeben muss. Wollt ihr aber sehen, wie gebrechlich wir noch sind, so seht, wie träge wir daheim das Werk treiben, und wie wenig deshalb draußen geschehen kann! Gottes Ehre ist es, dass sein Wort laufe und gepriesen werde, und das ist das Opfer, das wir ihm bringen sollen. Was tut uns denn not? Das tut uns not, dass wir ernstlich den Feind in unsrer Mitte bekämpfen, damit wir nicht als ein uneiniges, zerstreutes Heer wider den Feind stehen, sondern einmütig mit Einem Munde, Gott loben. Dazu beten wir nach der Weise des Apostels am Schluss unsrer Epistel: | ||
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| - | Du Gott der Hoffnung! hast uns Christum verordnet zu unsrer Seligkeit, also dass wir warten auf seine herrliche Erscheinung, | ||
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| - | {{tag> | ||
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| - | ======Neveling, | ||
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| - | Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden.\\ | ||
| - | Offb. Joh. 22, 12. | ||
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| - | Evang. Luk. 21. v. 25 bis 36.\\ | ||
| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt, zu geschehen, so seht auf und erhebt eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
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| - | Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in Herrlichkeit. | ||
| - | |||
| - | Liebe Gemeinde! Ist der Jesus, der hier zu uns redet, derselbe, den wir am vorigen Sonntag seinen Einzug in Jerusalem halten sahen? Dort kam er zu seinem Volke sanftmütig, | ||
| - | |||
| - | Aber dunkel sind die Worte, in denen Jesus von seinem Kommen in Herrlichkeit redet. Wie hat er selbst sich dasselbe vorgestellt? | ||
| - | |||
| - | Doch lasst uns in dieser Stunde über das Dunkle dieser prophetischen Rede nicht streiten, sondern | ||
| - | |||
| - | Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in Herrlichkeit | ||
| - | |||
| - | also miteinander betrachten, dass wir uns nur halten an das, was klar und gewiss ist. Wir reden | ||
| - | - von der Siegeszuversicht, | ||
| - | - von der Kampfesfreudigkeit, | ||
| - | |||
| - | Mein siegend Haupt dort in der Herrlichkeit, | ||
| - | Du lebst, beglückst, regierst!\\ | ||
| - | Ich bin dein Glied, doch lieg ich noch im Streit, \\ | ||
| - | Bis du zum Frieden führst. \\ | ||
| - | Noch kämpf' | ||
| - | Mit Sünd' und Leidenschaft, | ||
| - | Doch du gibst deinen Frieden \\ | ||
| - | Und Mut und Siegeskraft. Amen. | ||
| - | |||
| - | =====1. Von der Siegeszuversicht===== | ||
| - | |||
| - | Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in des Himmels Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit ist mir immer besonders bedeutungsvoll erschienen um des Zeitpunktes willen, in dem er sie gesprochen. Es war nicht auf der Höhe seiner Wirksamkeit, | ||
| - | |||
| - | Hat die Geschichte Jesu Worte Lügen gestraft oder seine Siegeszuversicht als Schwärmerei erwiesen? Gewaltige Stürme, furchtbare Verfolgungen sind über die Jünger Jesu, über die Verkündiger seines Wortes und die Bekenner seiner Wahrheit dahingegangen, | ||
| - | |||
| - | Oder zweifelst du an der Siegeskraft des Evangeliums Jesu in unserer Zeit? Etwa um deswillen, weil so viele um uns her, die es von Jugend auf kennen, gleichgültig gegen dasselbe sind und nach ihm nichts fragen? Hört denn die Sonne auf zu scheinen, weil manche die Fenster ihres Hauses gegen ihre Strahlen verschließen und verhängen? O lass im neuen Kirchenjahre des Herrn Wort hineinleuchten in dein Herz, dann wird es seine Siegeskraft in deinem Leben aufs Neue bewähren, und er selbst wird zu dir kommen und Wohnung in dir machen und dich erfüllen mit Freudigkeit, | ||
| - | |||
| - | =====2. Von der Kampfesfreudigkeit====== | ||
| - | |||
| - | Dass Christus siegt, unterliegt keinem Zweifel. Aber darauf kommt es an, dass du mit ihm siegst. Wirst du im Kampf nicht müde werden und verzagen, wenn die Anfechtung aufs höchste steigt und von allen Seiten dir Untergang und Verderben droht? Nicht nur im Großen der Weltgeschichte gibt es solche Krisen, da die Himmelslichter sich verfinstern, | ||
| - | |||
| - | Aber nicht nur in den Zeiten schwerer Trübsal und Bedrängnis sollen wir Christen kampfesbereit und kampfesfreudig sein, sondern auch in den ruhigen Zeiten unseres Lebens. Gewiss danken wir dem Vater im Himmel von Herzen, dass er auch solche uns immer wieder schenkt. Aber verführen die Zeiten der Ruhe uns nicht gar leicht zur Untätigkeit? | ||
| - | |||
| - | Reinigt euch von euren Lüften, \\ | ||
| - | Besieget sie, die ihr seid Christen, \\ | ||
| - | Und steht in des Herren Kraft. \\ | ||
| - | Stärket euch in Jesu Namen,\\ | ||
| - | Dass ihr nicht strauchelt wie die Lahmen;\\ | ||
| - | Wo ist des Glaubens Ritterschaft? | ||
| - | Wer hier ermüden will,\\ | ||
| - | Der schaue auf das Ziel!\\ | ||
| - | Da ist Freude\\ | ||
| - | Wohlan, so seid\\ | ||
| - | Zum Kampf bereit:\\ | ||
| - | So krönet euch die Ewigkeit. Amen. | ||
| - | {{tag> | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
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| - | ====== Pauli, Simon - Predigt über das Evangelium am andern Sonntage des Advents. ====== | ||
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| - | Text: Luk. 21 (v. 25-36). | ||
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| - | Es schreibt der heilige Hieronymus in einer Epistel an etliche Klosterjungfrauen, | ||
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| - | === Das erste Stück. === | ||
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| - | == Es werden Zeichen geschehen. == | ||
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| - | Nachdem viele Leute zweifeln am Jüngsten Tage, ob er werde kommen oder nicht (wie hievon nach der Länge gesagt ist im Evangelio, welches Dominica 26. nach Trinitatis gepredigt wird), so verkündigt der Herr Christus allhie gewisse Zeichen, die zuvor sollen vorhergehen und geschehen, auf dass ein Jeder daraus wissen und schließen könne, es werde der jüngste Tag mit Nichten ausbleiben, sondern gewisslich kommen. Es mischt aber unter einander und tut zusammen der Herr die Zeichen, so für der Zerstörung Jerusalems und für dem jüngsten Gericht sollen vorhergehen, | ||
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| - | == An der Sonne. == | ||
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| - | Das ist zu verstehen zum Ersten von den vielen Finsternissen, | ||
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| - | == Und Mond. == | ||
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| - | Das andere Zeichen wird genommen von dem Mond. Was aber von der Sonne gesagt ist, Das kann auch auf den Mond gedeutet werden. Denn nun mehr Finsternisse des Mondes geschehen, als vormals. Es werden auch mehr denn ein Mond gesehen. Desgleichen der Mond nimmt ab am Schein und an Kräften und scheint nicht so oft als zuvor, weil er den Kopf in die Wolken hineinwickelt und windet, damit er die Sünden, Bosheit und Laster, so auf Erden fast bei Jedermänniglich sich begeben und zutragen, nicht sehen möge noch könne. | ||
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| - | == Und Sternen. == | ||
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| - | Das dritte Zeichen wird genommen von den anderen Sternen, welche, wenn sie schießen, oder als fielen sie angesehen werden, durch Feuchtigkeit, | ||
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| - | == Auf Erden wird den Leuten bange sein. == | ||
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| - | Das vierte Zeichen, von der Bangigkeit, versteht Lutherus von geistlicher Traurigkeit, | ||
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| - | == Das Meer und die Wasserwogen werden brausen. == | ||
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| - | Das fünfte Zeichen sind ungewöhnliche, | ||
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| - | == Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht etc. == | ||
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| - | Das sechste Zeichen ist die gemeine Traurigkeit aller Menschen. Denn die Leute nun nicht mehr so fröhlich sind, als sie vormals gewesen sind, weil ihnen ihr Herz groß Unglück und Strafen, so bald für dem jüngsten tage über Alle auf Erden und in der Hölle über die Gottlosen in Ewigkeit ergehen werden, vorher zugesagt. Wenn Einem ein Unglück vorhanden oder bald anstoßen will, ob er wohl nicht weiß warum, so ist ihm doch bange; denn sein Herz sagt ihm an, es werde Etwas kommen. Also sind die Leute nun trauriger, denn vormals, sintemal ihr Herz ihnen zusagt, dass viel Unglücks nun für dem Jüngsten Tage vor der Tür sei und bald die ewige Strafe über die Gottlosen ergehen wird. Es hält der Welt ein groß Unglück, so bereits angefangen, in allen Landen für, desgleichen nicht gewesen. Daher ein Jeder getrübt und beängstigt ist, und scheinet die Traurigkeit den Leuten zu den Augen aus. Es ist ein Zeichen von dem Jüngsten Tage. | ||
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| - | == Denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. == | ||
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| - | Das siebente Zeichen wird genommen von allen Kreaturen unter dem Himmel. Zum Ersten wird fast der ganze Himmel in Tränen verwandelt. Denn der Himmel stehet und weinet seine Tränen durch das viele Regnen, so er tut über die Schande und Laster, die geschehen und über das Unglück, welches bald darauf erfolgen wird und vornehmlich über die ewige der Gottlosen Verdammnis, die vor der Tür und vorhanden. Zum Andern geschehen auch viele andere Zeichen in der Luft: Es werden viele Kometen und brennende Lichter, so Irrwische oder Lügenlichter genannt, geschehen. Es ist der Himmel die nächsten acht Jahr her voller feuriger Strahlen gesehen worden, die ein Ansehen von Spießen und von Schwertern gehabt. Oft hat man den Himmel hier bei uns nicht anders gesehen, denn einen Feuerofen brennen, wie Maleachi 4. geschrieben ist: Siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen, und die Gottlosen werden Stroh sein. Zum Dritten geschehen viele Wunderzeichen in den untersten Kreaturen, sintemal seltsame Monstra geboren worden, die auch Etwas bedeuten. Zum Vierten so seufzen und ängsten sich die Kreaturen unter dem Himmel wie eine Frau in Kindesnöten und warten auf ihre und auf der Kinder Gottes Erlösung, Röm. 8: Das ängstliche Harren der Kreaturen wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes, sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um Des willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung; denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Aller Kreaturen Kräfte, Stärke, Gedeihen nimmt täglich ab, wie wir sehen an den Tieren, Ochsen, Schafen, die nicht mehr so groß sind wie vor, item an Vögeln, Fischen, Holz, Stein, so nicht mehr so gut sind, wie sie vormals gewesen noch für wenig Jahren. Es ist den Kreaturen zuwider und es verdrießt sie überaus sehr, dass die Gottlosen ihrer so schändlich missbrauchen zum Stolz, Frevel, Mutwillen und anderer Bosheit und Wollust. Derhalben ist ihnen angst und bange, wie einer Frau in Kindesnöten, | ||
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| - | == Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen. == | ||
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| - | Weil das Bild des jüngsten Gerichts erklärt wird im Evangelio, welches am 26. Sonntage nach Trinitatis gepredigt wird, kann es allda gesucht und gelesen werden. | ||
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| - | === Das andere Stück. === | ||
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| - | == Wenn aber Dieses anfähet zu geschehen, so seht auf. == | ||
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| - | Nachdem die Verkündigung von den Zeichen und vom Elend, so für dem Jüngsten Tage werden vorhergehen, | ||
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| - | == Seht an, spricht er, den Feigenbaum und alle Bäume. == | ||
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| - | Der Feigenbaum und andere Bäume sind ein Bild des Jüngsten Tages. Sie sind die Knoppen der Zeichen, welche vormals erzählt sind, und davon mehr erzählt worden am 26. Sonntage nach Trinitatis. Je größer die Knoppen sind, so viel näher der Sommer ist. Also auch, je mehr der Zeichen geschehen, und je deutlicher sie werden, so viel näher ist der jüngste Tag und das Reich Gottes, wie der Herr spricht: Wenn ihr dies Alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Weil denn nun die Zeichen täglich größer und klarer werden, nicht allein die, so an der Sonne, Mond, Sternen, Meer, Menschen und allen anderen Kreaturen geschehen, davon hier im heutigen Evangelio gedacht wird, sondern auch die, welche der Herr anderswo und vornehmlich Matth. 24. verkündigt hat, nämlich, dass nun sind mancherlei Sekten, Rotten und Korruptelen in der Lehre, dadurch, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten möchten in den Irrtum verführet werden; dass Kriege und Geschrei von Kriegen gehört werden in allen Landen, im deutschen Lande, in Frankreich, in Hispanien, in England, Dänemark, in Schweden, in Polen; dass sich empört ein Volk über das andere, ein Königreich über das andere; dass ungewöhnliche Pestilenzen sind, so viele tausend Menschen würgen und wegfressen; dass unerhörte Teuerungen sind, also dass viele Dinge drei oder vier Mal so teuer verkauft werden, als vor zwanzig Jahren; dass Erdbeben sind hin und wieder; dass Verfolgungen sind, dadurch die Christen in Trübsal und in den Tod überantwortet werden; dass ich Viele ärgern und abfallen von der erkannten, wahren Lehre; dass sich die Leute unter einander verraten, die Eltern die Kinder, die Kinder die Eltern, wie im Niederland und in Frankreich geschieht; dass die Ungerechtigkeit überhand nimmt und die Liebe erkaltet; dass der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens, der römische Antichristus, | ||
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| - | == Wahrlich, ich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen. == | ||
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| - | Das ist, es wird der jüngste Tag nicht kommen, es sei denn, dass diese jetzt verkündigten Zeichen erfüllt sind. Etliche verstehen es von den Juden, dass die nicht sollen vor dem Jüngsten Tage gar ausgerottet werden, sondern bis an dieselbige Zeit bleiben. | ||
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| - | == Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. == | ||
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| - | Das ist, die Himmel, wie 2. Petri 3 steht, werden zwar vergehen mit großem Krachen, die Elemente werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen. Aber es müssen zuvor geschehen die Zeichen, die ich vor der Welt Ende verkündigt habe. Über das ist in diesen Worten ein sehr angenehmer, lieblicher Trost, dass die Lehre des heiligen Evangelii rein und unverfälscht neben der Kirche bleiben wird an etlichen Örtern bis an der Welt Ende, auch unter vielen Sekten, Rotten und Korruptelen der Lehre und der weltlichen Regimenter Untergang. | ||
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| - | === Das dritte Stück. === | ||
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| - | == Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden. == | ||
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| - | Mit diesen Worten hält uns der Herr für die Sicherheit und Sünden, so für dem Jüngsten Tage vornehmlich im Schwange gehen werden. Von Troja schreibt Virgilius, dass sie eingenommen und gewonnen, und der Feind hineingefallen sei, als die Leute im Wein und im Schlaf gleich sind begraben gewesen. Also wenn der Herr Christus wird zum Gericht kommen, wird er hereinfallen in die Welt, welche im Schlaf und im Wein wird begraben sein. Matth. 24., gleich wie sie waren in den Tagen Noä für der Sündflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien bis an den Tag, da Noah zur Arche einging, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Es sind aber zwei Sünden, so der Herr hier anzeiget und vollendet, welche kurz vor dem Jüngsten Tage vornehmlich werden im Schwange gehen. Zum Ersten Übermaß, so nicht allein in Speise und Trank und Kleidern, in böser Begierde, Wollüsten und vornehmlich in Unzucht ungehalten ist, sondern auch Alles auf die Pracht wendet, dadurch dann nicht allein Herren und Fürsten, sondern auch gemeine Leute in Not und Armut geraten und gesetzt werden. Zum Andern Geiz, so auf was Art und Weise es geschehen kann, Gold zusammenschlägt und kratzt und eine Ursache ist der vielen unbilligen und unmäßigen Schatzungen, | ||
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| - | == So seid nun alle Zeit wacker und betet. == | ||
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| - | Wacker sein ist Aufsehen haben auf seinen Beruf und auf die Gottseligkeit, | ||
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| - | Es sollen uns aber stets vor Augen sein diese Ursachen, die uns reizen und bewegen, dass wir wacker sind und beten, auf dass wir würdig werden mögen zu entfliehen dem Allen, was geschehen soll und zu stehen vor des Menschen Sohn. Die erste Ursache ist des Herrn Christi Befehl, davon allhie steht: So seid nun alle Zeit wacker und betet. Und Lucä 12: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten; 1. Thess. 5: Lasst uns nicht schlafen wie die Anderen, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Die andere Ursache ist das Exempel der Sündflut, nämlich, dass der jüngste Tag gewiss kommen wird, obwohl die Zeit lange währet, wie die Sündflut kam, ob sich’s schon eine Zeitlang verweilte. 2. Petri 3: Wisset Das aufs Erste, dass in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibet es Alles, wie es von Anfang der Kreaturen gewesen ist. Aber mutwillens wollen sie nicht wissen, dass der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselben mit der Sündflut verderbet. Also auch der Himmel jetzund und die Erde werden durch sein Wort gespart, dass sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts. Die dritte Ursache ist der Richter Christus, der ohne Ansehen der Person mit Gerechtigkeit richten wird alle Kaiser, Könige, Fürsten, Grafen, Freiherren, Edelleute, Bürgermeister, | ||
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| - | Diese Lehre von den Zeichen des Jüngsten Tages, von dem Trost wider das Übel und Unglück, so kurz vor dem Jüngsten Tage sein wird, von der Vermahnung, dass wir uns hüten, damit unsere Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und dass wir alle Zeit wacker sein und beten, sollen wir alle Zeit vor Augen haben und in unsere Herzen einschließen, | ||
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| - | {{tag> 2_Advent }} | ||
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| - | ======Römheld, | ||
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| - | O Herr, gib uns den Heiligen Geist, damit wir deine Erscheinung lieb haben und deinem großen und offenbarlichen Tage mit Freuden entgegensehen können! Amen. | ||
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| - | Text: Ev. Luk. 21, 25-36.\\ | ||
| - | **Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
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| - | Geliebte in dem Herrn! Ein Wort, ein Wort, ein Mann ein Mann; das bleibt unsre Sitte. Wer nicht danach sich richten kann, der tret‘ aus unsrer Mitte! - Das ist ein altes deutsches, ein menschliches Sprichwort. Seid ihr mit dessen Inhalt einverstanden? | ||
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| - | Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, das möchte ich auch ein göttliches Sprichwort nennen; jedenfalls ist's ein göttlicher Grundsatz. Denn Gott legt großen Nachdruck darauf, dass er sein Wort auch halte und erfülle. Und wenn das auch nicht immer so bald geschieht, wie die kurzsichtigen und ungeduldigen Menschen meinen, geschehen wird es gewiss. „Ich habe mein Wort, ich habe meine Verheißungen und Drohungen nicht vergessen“, | ||
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| - | Aber das Sprichwort geht noch weiter: Wer nicht danach sich richten kann, der tret' aus unsrer Mitte. Wer richtet sich denn nicht danach? Vor allen Dingen der, der sein Wort bricht. Wer sein Wort nicht hält, der soll aus der Gesellschaft und Gemeinschaft der Zuverlässigen und Treuen, die ihr Wort halten, austreten oder ausgestoßen werden. Aber wer stets sein Wort hält und nie wortbrüchig ist, was kann der auch verlangen? Der kann verlangen, dass ihm jedermann Glauben schenke, dass jedermann sein Wort für Wahrheit nehme. Wer ihm nicht glaubt, wer sein Wort und Versprechen in Zweifel zieht, der richtet sich nicht nach jener Regel von der Mannestreue, | ||
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| - | Und auch dies ist ein göttlicher Grundsatz. Wer Gotte nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner. Und wer sich nicht danach richten kann, dass Gott in allen Fällen sein Wort hält, von dem spricht auch Gott: Der tret' aus unsrer Mitte, der kann in der Gemeinschaft Gottes und seiner Kinder nicht bleiben, der wird gleicherweise von Gott und seiner Gemeinschaft ausgestoßen. Also das Sprichwort: Ein Wort ist ein Wort, ein Mann ist ein Mann; das bleibt unsre Sitte; wer sich danach nicht richten kann, wer selbst sein Wort bricht, oder wer dem, der nie sein Wort brach, Wortbrüchigkeit und Treulosigkeit zutraut und nachsagt, der tret' aus unsrer Mitte, dies menschliche Sprichwort ist auch ein göttlicher Grundsatz. | ||
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| - | Nun lasst uns | ||
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| - | Ein Wort und Versprechen des Herrn Jesu Christi | ||
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| - | hören, das er halten wird, das wir glauben, und nach welchem wir uns richten müssen. | ||
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| - | =====I. Das Wort und Versprechen selbst. ===== | ||
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| - | Es war ein König, der verließ eines Tages sein Königsschloss, | ||
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| - | In dem Dorfe erkannten ihn einige. Sie sahen seinem ganzen Wesen die königliche Hoheit und Art an, und sie liebten und ehrten ihn als König, gehorchten seinem Rat und Willen, und hingen ihm an. Vielen aber war grade seine königliche Art und Hoheit zuwider, sie wollten nichts von ihm wissen, sondern lieber in den Banden und Neben des Tyrannen bleiben. Sie wurden sogar nach und nach boshaft gegen den fremden Gast, misshandelten ihn, und stießen ihn zum Orte hinaus. Da ist denn der König wieder in seine Residenz und in sein Schloss zurückgekehrt. Ehe er aber ging, sagte er zu denen, die ihn liebten und ihm anhingen: Bleibt fest an mir hängen, lasst euch nicht von mir abwendig machen, leidet euch und seid standhaft und treu bis in den Tod. Und wenn ihr von der anderen Partei auch ganz unterdrückt werden solltet, - nur standhaft geblieben! Ich werde nach einer längeren Zeit wiederkommen, | ||
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| - | So sprach der König, ehe er ging. Und die ihm anhingen, dachten: Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, das bleibt unsre Sitte; wer nicht danach sich richten kann, der tret' aus unsrer Mitte. Sie wussten: Unser König hat sein Wort gegeben, das wird er nicht brechen. Und geduldig ertrugen sie alles, was ihnen von der Gegenpartei widerfuhr. Ihr Trost war und blieb: Unser König wird wiederkommen und wird schon alles schlichten und in Ordnung bringen. Die aber sein Wort nicht glaubten und sich nicht danach richten konnten, die traten aus ihrer Mitte und schlugen sich zur Gegenpartei. | ||
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| - | Ihr wisst, wer der König, was seine Residenz, was das Dorf ist. Der König ist der Sohn Gottes, der seinen Himmel verließ und als ein armer Mann auf die Erde kam. Er hat sein Wort gegeben: Ich will euch wieder sehen und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Noch vom Himmel herunter hat er uns sagen lassen: Dieser Jesus wird wieder kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Und: Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann! Jesus wird und muss sein Wort halten, und wir haben keinen Grund, ihm Wortbrüchigkeit zuzutrauen, sondern müssen ihm glauben. | ||
| - | |||
| - | Also das ist sein Wort und Versprechen, | ||
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| - | =====II. wie er sein Wort erfüllen wird. ===== | ||
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| - | Wenn der Herr wieder kommt, dann ist ein großer, großer Abschnitt des ganzen Weltlaufs zu Ende. Die ganze gegenwärtige Welt, namentlich die Reiche der Welt, sind dann zu Ende, denn der eigentliche Herr und König kommt nun. Also wird alles im Zusammenleben der Menschen umgestaltet. Und deshalb gibt es auch große Veränderungen in der Natur und an den Weltkörpern, | ||
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| - | Wenn's dann diese majestätischen Veränderungen an Sonne, Mond und Sternen und am Meere gibt, dann werden die Menschen auf Erden zagen, sie wissen nicht, was das geben soll, dass Himmel und Erde beben und in Bewegung sind; nichts ist fest, alles droht unterzugehen. Da werden die Menschen vor Furcht nichts essen und trinken können, und viele werden verschmachten, | ||
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| - | Also auf diese Weise wird er sein Wort halten und erfüllen. Und damit wir ja nicht daran zweifeln, dass er sein Wort hält, setzt er hinzu: Dieses Geschlecht, das Volk der Juden, wird nicht vergehen, bis das alles geschehen wird. Und wirklich, während alle anderen Völker der damaligen und der früheren Zeit untergegangen sind, hat sich das Volk der Juden bis heute erhalten, obschon es kein Land, keine eigne Obrigkeit, keine Priester und keinen Versöhnungsdienst mehr besitzt. Und unter sein Wort drückt er noch das Siegel: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. | ||
| - | |||
| - | Also, meine Lieben, stehen Jesu Worte fester, als die Erde, und fester, als der Himmel. Die Erde bebt und wird untergehen, der Himmel wird wanken, in Bewegung kommen und vergehen, aber Jesu Worte beben nicht und wanken nicht, sie werden geschehen und erfüllt werden. Und das glauben wir ihm; wir halten den Herrn Jesum nicht für einen Lügner, sondern für die Wahrheit selbst. Wenn er nun sein Wort hält, | ||
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| - | =====III. wie sollen wir uns denn danach richten? ===== | ||
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| - | Vor allen Dingen müssen wir zu seinen Freunden, Jüngern und Kindern gehören, nicht aber zu seinen Widersachern und Feinden, dann gibt sich alles von selbst. Nicht zagen, wenn die Erde zu beben, der Himmel zu wanken anfängt, nicht den Kopf hängen lassen! Nicht voll Furcht und Angst sein! Nicht verschmachten vor Bangigkeit! Das wollen wir seinen Feinden überlassen. Sondern aufsehen und den Kopf in die Höhe heben voll kindlicher Zuversicht zu unserm König. Denn er ist ja nicht unser Feind, und wir sind nicht seine Feinde, sondern er ist unser König und Vater, und er kommt, uns zu erlösen von allem Kampfe, von allem Übel. Und ob auch Himmel und Erde beben, und ob auch seine Feinde verzweifeln, | ||
| - | |||
| - | Nun fügt der Heiland aber noch eine Warnung hinzu: Der Tag wird plötzlich kommen, wenn's fast niemand glaubt, er wird kommen wie ein Fallstrick über alle, die auf Erden wohnen. Darum seid auf eurer Hut und wacht, lasst euch ja nicht in die Lustbarkeiten der Welt, in Essereien und Trinkgelage ein, und hütet euch vor Nahrungssorgen! Dagegen seid allezeit bereit, vor dem Menschensohn zu erscheinen und vor seinem Angesicht zu stehen! | ||
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| - | Auf diese Weise richten wir uns nach seinem Worte. | ||
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| - | Das ist nun, meine Lieben, ein herrliches Evangelium. Die Wiederkunft des Heilandes ist die Sehnsucht aller lebendigen Gotteskinder. Ja, Himmel und Erde harren diesem größten Weltereignis entgegen. Gott gebe uns seinen Geist, er gebe uns Öl auf unsre Lampen, dass wir diesem Tage auch mit Freuden entgegensehen können! Amen. | ||
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| - | ======Sigel, | ||
| - | Text Luc. 21, 25-36.\\ | ||
| - | **25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wassermengen werden brausen, 26 und Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen. 27 Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht. 29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume: 30 wenn sie jetzt ausschlagen, | ||
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| - | Das, andächtige Zuhörer, ist das Evangelium vom zweiten Advent Christi zum Ende und Gericht der Welt. Aber wie redet der Herr in unserm Text von dieser Seiner Wiederkunft? | ||
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| - | Damit wir | ||
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| - | **Christi zweiten Advent zum Ende und Gericht der Welt** | ||
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| - | nicht fürchten, sondern immer freudiger hoffen lernen, wollen wir aus des Herrn Worten zu Herzen nehmen zuerst den Grund dieser Hoffnung, sodann ihre Bedingung. | ||
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| - | =====I.===== | ||
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| - | An die Weissagung vom Gericht über Juda und Jerusalem, von der Zerstörung der heiligen Stadt durch die Römer und vom Gräuel der Verwüstung auf dem heiligen Berg knüpft der Herr hier und in den entsprechenden Stellen bei Matthäus (24, 15 ff.) und Markus (13, 14 ff.) die Prophezeiung vom Ende der Welt und der herrlichen Wiederkunft des Menschensohns so nahe an, dass oft schwer zu sagen scheint, wo die eine Weissagung in die andre übergeht, und doch ist klar und gewiss, dass er dies Zwiefache weissagt. Wahrlich, ich sage euch, spricht er von dem Einen (Luc. 21, 32), dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es Alles geschehe; und siehe, das Geschlecht Seiner Junger und Zeitgenossen war auch noch nicht vergangen, da hielt der Herr im Himmel Sein Wort, er goss die Schale Seines Zorns über Jerusalem und Juda aus, ließ die Stadt des Heiligtums (Luc. 21, 24.) zertreten von den Heiden und das Volk des Eigentums zerstreuen und verjagen nach allen vier Winden. Was Er aber sagt von dem Andern, von den Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, vom Brausen des Meers und der Wasserwogen und von Erschütterung der Kräfte des Himmels (Luc. 21, 25. 26.), wie oft auch schon gewaltige Erscheinungen der Natur und stürmische Erschütterungen der menschlichen Verhältnisse dafür gehalten worden sind, sie waren doch nicht die geweissagten; | ||
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| - | Und ist dies Verheißene nicht der Art, dass Christen darauf sich freuen können und freuen müssen, dass, was von wahrhafter Freude und christlicher Hoffnung unser Herz bewegt, im Harren darauf seine Stütze, in seinem Kommen und Zustandekommen sein letztes Ziel, seine Vollendung findet? - Vornehme Geister zwar, dem einfältigen Glauben stolz entwachsen und mit einem Wissen, das nicht aus Gottes Wort kam, sondern aus menschlicher Einbildung, sich blähend, sie mögen spöttisch lächeln über die Beschränktheit dessen, der noch auf eitle andere Herrlichkeit hofft als die Herrlichkeit dieser Welt, der von einem Jenseits hofft, was er im Diesseits gar nicht oder nur unvollkommen fand, sie mögen mitleidig die Achseln zucken über die Beschränktheit des gläubigen Christen, der auf einen zweiten Advent seines Herrn und Erlösers darum hofft, weil er seines ersten in das Fleisch und in die Welt christtäglich sich freut, doch aber das Kommen seines himmlischen Herrn noch nicht für geschlossen, | ||
| - | |||
| - | Können wir uns aber, andächtige Zuhörer, unmöglich denen gleich stellen, für die das Wort unseres Textes wie die ihm gleichlautenden sonstigen aus dem Munde Jesu und in den Briefen der Apostel gleichsam nicht vorhanden ist, weil es ihnen nichts gilt, weil sie daran nicht glauben, so wollen wir doch auch nach dem Willen unseres Herrn auch in Erwartung des Schrecklichen, | ||
| - | |||
| - | Was heißt dies anders, geliebte Freunde, als, dass wir wohl selig sind, aber selig in Hoffnung, dass wohl aller Gläubigen Leben friedlich und selig geborgen ist mit Christo in Gott, aber doch nur geborgen und verborgen, noch nicht offenbar in der Herrlichkeit, | ||
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| - | Wohlan, Geliebte in dem Herrn, wonach wir uns sehnen um unserer Unvollkommenheit und der Welt Sünde willen, wonach mit uns sich gesehnt haben die ältesten Christen und die frömmsten Christen zu jeder Zeit, es ist uns verbürgt und zugesagt in Christi Wiederkunft zum Ende und Gericht der Welt. Dieses Wort annehmen im Glauben, das heißt warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt nach Seiner Verheißung, | ||
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| - | Und diese Aussicht ist's sie nicht wert, dass wir darauf hoffen? sind wir Toren und Schwarmgeister, | ||
| - | |||
| - | =====II.===== | ||
| - | |||
| - | Aber, Geliebte in dem Herrn, versteht es sich denn so von selbst, dass wir Freudigkeit haben dürfen auf den zukünftigen Tag der Offenbarung Jesu Christi? ist die freudige Hoffnung darauf uns so natürlich als es uns und der Welt natürlich ist, dass wir sterben, und Himmel und Erde vergehen müssen. Der Tag Jesu Christi ist ja ein Tag des Sieges, nun so wird es auch Besiegte geben; er ist ein Tag der Rache, nun so gibt es auch Niedergeworfene und Zertretene; er ist ein Tag der Vergeltung, nun, so gibt es auch Verurteilte und Verdammte. Wer wird nun den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? wer wird bestehen, wann wird Er erscheinen? Nicht Alle sind ja würdig zu entfliehen dem Schrecklichen und mit Freuden zu stehen vor des Menschen Sohn, (Luc. 21, 36.); sondern Vielen wird bange sein und werden zagen und werden verschmachten, | ||
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| - | Das sind die, die den Herrn lieb haben und Seine Zukunft schon jetzt, das sind die, die den Anfang Seiner Erlösung schon jetzt im Herzen verspüren und an das Gekommensein Seines Reichs der Gnade in fröhlicher Adventszuversicht glauben: die Jünger sind es, zu denen Er dies sagt. Seine Jünger sind' | ||
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| - | Sodann aber, was sagt der Herr weiter? die Er als Seine furchtlosen, | ||
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| - | Diese Furcht sollen wir nicht mehr kennen. Wir sollen sie austreiben und vor ihrer Rückkehr uns bewahren durch jene bessere Furcht, die da spricht: wie sollte ich so groß Übel tun und wider den Herrn meinen Gott sündigen! Und wahrlich, meine Geliebten, wir treiben sie auch aus mit dieser freien und seligmachenden Furcht Gottes, die das ungebärdige Fleisch meistert und die versucherische Welt scharf bewacht, die wacker macht allezeit und zum Gebet treibt ohne Unterlass. Darum sei diese Furcht Gottes auch unserer Weisheit Anfang, und auch unseres Jüngertums Schutzwehr und Bewährung: so mögen auch wir wohl würdig werden, zu entfliehen den Wehen des letzten Tags, mit Freudigkeit aber als selig Gerettete zu stehen vor des Menschen Sohn. Amen. | ||
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| - | ======Steinhäuser, | ||
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| - | Am zweiten Advent 1852. | ||
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| - | Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Amen. | ||
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| - | Ein schöneres Bekenntnis, als dies, den Willen Gottes gern zu tun, und sein Gebot in unserm Herzen zu haben, könnten wir von uns nicht ablegen. Aber vermögen wir es auch? Ist es wahr, dass wir den Willen Gottes gern tun? überall und zu jeder Zeit? da auch, wo er von uns verlangt, dass wir uns selbst verleugnen sollen? da auch, wo unsere Pflicht in Widerstreit kommt mit unserm Vorteil? Ist es wahr, dass du das Gebot Gottes in deinem Herzen hast? Was hast du in deinem Herzen? den Himmel, oder die Erde? das Unsichtbare und Ewige, oder das, was flüchtig und vergänglich ist? sehnt es sich nach der Herrlichkeit, | ||
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| - | Woran aber liegt die Schuld, dass es so ist? Fehlt es uns an der rechten Erkenntnis? wissen wir nicht, was heilig und gut ist, und was der Herr, unser Gott, von uns fordert? Ach, das wissen wir wohl, und auch der weiß es, der in seinen Sünden sich verstockt, und dessen hartes Herz durch den Ruf zur Buße nicht erschüttert wird. Aber die Einsicht in das, was gut ist, befähigt uns noch nicht, es zu tun. Die Einsicht ist uns kein Antrieb zum Handeln; sie steht unter dem Einflusse der Gesinnung. Die klugen Menschen tun des Bösen mehr, als die beschränkten, | ||
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| - | Text: Matthäus 5, 17-19.\\ | ||
| - | **“Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, | ||
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| - | Unser Herr spricht in unserm Texte von dem Verhältnisse, | ||
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| - | Wodurch wird es uns möglich, die Gebote Gottes zu erfüllen? | ||
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| - | Als Antwort auf diese Frage bieten sich uns drei Sprüche der heiligen Schrift dar. Der erste ist ein Ausspruch des Apostel Johannes: „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.“ Der zweite ist ein Ausspruch des Apostel Paulus: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus.“ Der dritte ist ein Ausspruch unsers Herrn selbst: „So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede.“ | ||
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| - | =====1. ===== | ||
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| - | Wenn wir klagen, es sei schwer, überall das zu tun, was Gott will, so ist das ein Bekenntnis, dass die Liebe zu Gott in unserm Herzen nicht lebendig ist. Ohne die Liebe zu Gott sind wir nichts, vermögen wir nichts. Die Kraft, die das Größte vollbringt, die vor dem Beschwerlichsten nicht zurückweicht, | ||
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| - | „Gib mir, mein Sohn, dein Herz,“ so ruft er dir zu; es ist schon mein, denn ich habe es dir gegeben. Wolltest du ihm nicht geben, was sein ist? Ist nicht alles sein? liebt er uns nicht in allem, was er uns gibt? Wolltest du ihn nicht wieder lieben? Wenn du dich freuest, dass du zum Leben erwacht bist, dass das Licht vom Himmel dir leuchtet, ist es nicht sein Werk? Wenn du hinausblickst in die Wunder seiner Schöpfung, wie er alles so herrlich geschmückt und so weise geordnet hat; und hinauf zu des Himmels Höhe, da zahllose Welten noch größere Wunder seines Wirkens dich ahnen lassen; und um dich her auf die Menschen, die schon in ihrer Gestalt die Spuren des Göttlichen an sich tragen, da ein denkender, liebender, hoffender Geist aus freundlichen Augen dich anschaut: musst du nicht ausrufen, wie groß und wie gütig ist Gott! wie herrlich erweiset er uns seine Liebe! Und wenn dein Werk einen glücklichen Fortgang hat; wenn du den Segen verspürst, der von oben kommt, und der sich nicht erzwingen lässt, das Gedeihen, mit dem er deine Arbeit und dein Haus reichlich segnet: ist es nicht sein Geschenk, das Geschenk seiner freien Gnade? Und wenn deine Kinder fröhlich gedeihen, in Zucht und Ehren heranwachsen, | ||
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| - | „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen.“ Zu seinem Kinde hat er dich erhoben, an sein Herz hat er dich gezogen. Du kannst zu ihm aufblicken und beten: Abba, lieber Vater. Du bist bei ihm, er ist bei dir. Was soll dich scheiden von seiner Liebe? Wirst du dann noch seufzen, es sei so schwer, zu tun, was er gebietet? Wird er noch nötig haben, dir etwas zu gebieten? Was soll zur Sünde dich reizen? dein irdischer Sinn? du denkst nicht was irdisch, sondern was himmlisch ist. Die Macht deiner Begierden? Das Höchste, wonach du dich sehnst, ist deines Vaters Liebe. Dein Geld und Gut? Du achtest es gering gegen die Schätze, die dir im Himmel bereitet sind. Deine Sorge und Not? Du bist reich in Gott und leidest keinen Mangel. Es wird dir nicht schwer, so zu denken und zu handeln, sondern leicht wird es dir sein, du findest dein höchstes Glück darin. „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.“ Die Liebe ist es, die aus dir spricht und betet: | ||
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| - | O Vater, du mein Licht und Leben.\\ | ||
| - | Du aller guten Gaben Quell, \\ | ||
| - | Dir bin ich einmal übergeben, \\ | ||
| - | Dir, dir gehört meine Seel'. \\ | ||
| - | Ich will mich nicht mehr selber fuhren, \\ | ||
| - | Der Vater soll das Kind regieren. \\ | ||
| - | So führe du mich aus und ein;\\ | ||
| - | Ich geh' nicht einen Schritt allein. | ||
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| - | =====2. ===== | ||
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| - | Aber das ist vielleicht deine Klage, dass du sprichst, es gelingt mir nicht immer, Gott so zu lieben. Wenn ich immer mit meinem Geiste so bei ihm wäre, wie in den gehobensten Stunden meines Lebens, dann würde es mir auch nicht schwer, sondern eine Freude sein, das zu tun, was er gebietet. Gott ist mir wohl nahe, aber er ist mir doch auch so fern; nirgends sehe ich ihn selbst; überall sind es seine Werke, die zwischen ihn und mich treten, hinter denen er vor mir verborgen ist. Ich will mit meinem Geiste eindringen in sein Wesen; aber es ist mir zu tief und unbegreiflich. Ich will ihn lieben um seiner Wohltaten willen; aber es ist eine unsichtbare Hand, die sie mir reicht. Ich kann so oft die Schwäche meiner irdischen Natur nicht überwinden, | ||
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| - | Was er wirkt in dem Menschen, das schaue zunächst an dem Apostel, der in jenen Worten ein so schönes Bekenntnis von der Kraft und Wirksamkeit Christi in sich abgelegt hat. Bon seinem Geist ergriffen wurde ihm leicht, was ihm vorher unmöglich gewesen war, den alten falschen jüdischen Zorn und Eifer abzuwerfen und demütig die Liebe Gottes zu suchen; von all seinen früheren Hoffnungen und Verbindungen, | ||
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| - | =====3.===== | ||
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| - | Wenn du nun dem Willen Gottes treu gewesen bist, hat dir diese Treue nicht auch eine köstliche Frucht gebracht? Wenn derjenige, der eines von diesen kleinsten Geboten auflöst, der Kleinste im Himmelreich heißen wird, wirst du, wenn du es lehrest und tust, nicht groß heißen im Himmelreich? | ||
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| - | Warum solltest du denn nicht bleiben bei dem, was dich glücklich macht, und nicht bloß bleiben, sondern vielmehr wachsen und zunehmen darin? Oder wäre es anders? Du bist einem Betrübten begegnet auf deinem Wege, und du gingst nicht vorüber, sondern du redetest freundlich mit ihm und hast ihn aufgerichtet durch Worte des Trostes und durch Stärkung seines Glaubens. Hat dich das nicht selbst gestärkt und getröstet? Du hast einem, der ohne seine Schuld Mangel leiden musste, helfend die Hand gereicht, in sein verdunkeltes Gemüt ein helles Freudenlicht scheinen lassen. Hat das nicht auch in dir selbst der Freude Licht heller aufleuchten lassen? Du hast einem, der dir Wehe getan hat, nicht Böses mit Bösem vergolten. Als er später deines Fürwortes, deiner Teilnahme bedurfte, dachtest du nicht mehr des Unrechts, das er dir zugefügt, noch der Bosheit, mit welcher er dich gekränkt hat. Mancher freut sich, wenn er seinem Feinde wieder eine Kränkung bereiten kann, du freuest dich, wenn du es vermagst, ihm Gutes zu erzeigen. Welche Freude wird seliger sein? Du hast deine Hände von unrechtem Gute rein erhalten, du hast dich nicht überreden lassen, der Betrug an denen verübt, die mehr haben, als du, sei nicht Betrug, sondern Notwehr gegen die Ungerechtigkeit des Schicksals, das jenen viel, dir aber wenig gegeben habe. Dass du dich nicht zur Untreue verleiten ließest, hat dich das später gereut, oder dankst du nicht vielmehr Gott, dass er dich dem Versucher hat Widerstand leisten lassen? Wirst du später anders handeln? Wirst du nicht vielmehr immer fester in deiner Rechtschaffenheit und lehrest deine Kinder auch also? Du beginnest dein Tagewerk mit dem Gedanken an Gott und beschließest es mit ihm; du dankest ihm für die Speise, die er dir gibt, und für alle Gaben, die dich erfreuen; du trauest auf ihn in bedrängter Zeit und weichest nicht von ihm, wenn du überflüssig hast, was du brauchst. Sprich, bist du nicht selig in deiner Liebe zu Gott und deinem Vertrauen auf ihn? Wolltest du ihn verlassen und der Sünde dienen? | ||
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| - | Nein, du überhebest dich nicht, als wärest du schon vollkommen; aber du strebest darnach, dass du es immer mehr werdest. Du meinest nicht, der göttlichen Gnade und Vergebung nicht zu bedürfen; aber deine Sehnsucht und dein Streben ist es, einem Zustande näher zu kommen, wo wir weder des Gesetzes noch der Vergebung mehr bedürfen. Die Liebe Gottes führt dich zur Liebe seiner Gebote; der Glaube an Christum stärkt dich, sie zu vollbringen; | ||
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| - | {{tag> 2_Advent}} | ||
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| - | ======Textor, | ||
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| - | Jesu, komm doch selbst zu mir, \\ | ||
| - | Und verbleibe für und für; \\ | ||
| - | Komm' doch, werter Seelenfreund, | ||
| - | Liebster, den mein Herze meint. \\ | ||
| - | Tausendmal begehr' | ||
| - | Weil sonst nichts vergnüget mich; \\ | ||
| - | Tausendmal schrei' | ||
| - | Jesu, Jesu, komm zu mir. | ||
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| - | Amen! | ||
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| - | „Dein König kommt zu Dir!“ das, geliebte Christen, predigt die Adventszeit der ganzen Christenzeit. Sein Kommen ist ein vergangenes, | ||
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| - | Doch, liebe Christen, der König der Ehren ist schon zu uns gekommen von unsrer Taufe an bis auf den heutigen Tag. Es kommt jetzt nur darauf an, dass wir uns immer aufs Neue, immer fester und treuer zu seinem Dienste verbinden. Daran mahnt uns die immer wiederkehrende Adventszeit. Sie ruft uns zu: „Bereitet auch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht alle Steige richtig, lasst Alles, was er hasst!“ , | ||
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| - | In dem Lichte dieser Adventszeit wollen wir nun unsre heutige Epistel betrachten, und erflehen uns zur gottseligen Beherzigung derselben den Segen Gottes in einem stillen und andächtigen Gebete. | ||
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| - | Epistel: Römer 15, 4-13.\\ | ||
| - | **Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
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| - | Wir suchen uns aus dieser Epistel Antwort auf die Adventsfrage: | ||
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| - | Es liegt in der Natur der Sache, dass wir dabei immer ein Zweifaches zu tun haben, nämlich dass wir aus dem Wege räumen, was den Empfang verhindert, und dass wir willig und freudig annehmen, was Christus mit sich - bringt, ja dass wir ihm gläubig entgegengehen. Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen zuerst die Heilige Schrift zu unserm Lehrmeister machen. „Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, | ||
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| - | Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen einerlei gesinnt werden und einmütig Gott loben. Davon sagt unsre Epistel: Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach Jesu Christo, auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unsres Herrn Jesu Christi.“ Da findet sich abermals ein Stein vor des Herzens Tür, welcher Christo den Eingang verhindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muss. Es ist der Eigensinn, der Eigenwille und das Eigenlob. Wer seinen Eigensinn und seinen Eigenwillen im Herzen nicht brechen will, wie kann der mit Christi Gliedern einerlei gesinnt werden nach Jesu Christo? Wer sich selbst lobt, es sei im Herzen oder mit Worten, wie kann der Gott allein die Ehre geben, und Gott loben um alle die unverdiente Barmherzigkeit, | ||
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| - | Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen uns untereinander aufnehmen, gleichwie Christus uns aufgenommen hat. Das sagt unsre Epistel in den Worten: „Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe.“ Lasst uns das wohl merken. In den Mitmenschen und besonders in den Brüdern will Christus aufgenommen sein. Er sagt: „Was ihr getan habt dieser Geringsten Einem unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Wir sollen nun an den Brüdern tun, wie er an uns getan hat, wir sollen uns untereinander aufnehmen, gleichwie er uns aufgenommen hat zu Gottes Lobe. Das gilt nicht allein von der äußeren Tat, als ob es schon erfüllt wäre, wenn wir nur fleißig den Armen Almosen geben, sondern es gilt von der Stellung des Herzens und von der Tat zugleich. Denn wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze. Da findet sich abermals ein Stein vor des Herzens Tür, welcher Christo den Eingang hindert und welcher aus dem Wege geräumt werden muss, das ist die Eigenliebe. „Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Das Wörtlein: „Der verleugne sich selbst,“ lehrt es uns, dass wir Christo nicht anders nachfolgen, also ihn auch nicht recht empfangen können, als wenn wir die Eigenliebe aus dem Herzen vertilgen. Dieses Wohlgefallen an uns selbst, welches unser Herz von Natur ganz besessen hält, dieses Trachten nach Allem, was uns behagt, dieses Überschätzen unsers eignen Wertes macht uns so hart und so kalt, so ungerecht und ungeduldig gegen den Nächsten. Wir müssen uns verleugnen, uns vergessen, dann erst können wir uns untereinander aufnehmen, wie Christus uns aufgenommen hat. Fraget euch nur: Wie hat uns Christus aufgenommen? | ||
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| - | Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen unser Vertrauen ganz auf Gottes Verheißung und Barmherzigkeit setzen. Hierauf weist unsre Epistel uns hin, indem sie sagt: „Ich sage aber, dass Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, | ||
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| - | Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen seinen Namen auch unter den Heiden loben, auf dass die Heiden sich mit uns freuen, mit uns ihn preisen, mit uns auf ihn hoffen. Davon sagt unsre Epistel: „Es steht geschrieben: | ||
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| - | Gott aber der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir völlige Hoffnung haben durch die Kraft des Heiligen Geistes! Amen! | ||
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| - | Du hast besucht und erlöst Dein Volk, Du Aufgang aus der Höhe, Du hast Deine Barmherzigkeit predigen lassen, die da ist in Vergebung der Sünden; Du lassest Dir auch unsre Armut gefallen, o Jesu, und bereitest Dir eine Wohnung unter uns. Dafür danken wir Dir von Grund der Seele, dass Du nicht ansiehst unsre Sünde, und unsre Übertretung hinter Dich zurückwirfst. Du weißt alle Dinge, Du weißt, ob wir Dich liebhaben, ob unsre herzen dir entgegengestreckt sind: o Herr, richte dir selbst eine Bahn an unter uns; lass Deinen Geist unsere Herzen öffnen, bereiten, schmücken, Dich als König der Ehren zu empfangen! Gieße Deine Liebe aus in uns, dass wir fest vereinigt mit Dir und unter einander in Einem Geiste und Glauben als eine Mauer und Wehr dastehen gegen alle Anläufe des Bösewichts. Amen! - | ||
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| - | =====Thomasius, | ||
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| - | Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, dass euer Geist ganz, samt Seel und Leib, unsträflich erfunden werde auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Amen. | ||
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| - | Wenn man die Texte ansieht, die zur kirchlichen Betrachtung auf die vier Adventssonntage verordnet sind, so handeln sie alle von dem Kommen des Herrn, und zwar die meisten nicht von seinem Kommen ins Fleisch, sondern von seinem Kommen in der Herrlichkeit am Ende der Tage. Dass die Kirche Beides, was doch so weit auseinander fällt, so eng miteinander verbunden wissen will, darin handelt sie ganz im Sinn der Schrift, welche auch Beides stets zusammen stellt, und kaum dass sie die heilsame Erscheinung der Gnade Gottes in Christo gepriesen hat, alsogleich auf die selige Hoffnung und Erscheinung seiner Herrlichkeit verweist, wie in der Weihnachtsepistel und an vielen anderen Orten. Aber nicht nur das; die Heilige Schrift - und das ist eine viel zu wenig erkannte und beachtete Eigentümlichkeit derselben - die Heilige Schrift lässt den Gedanken an die Zukunft des Herrn wie ein Licht in alle Verhältnisse des Lebens hineinfallen; | ||
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| - | Off. Joh. 22,12.\\ | ||
| - | **“Und siehe ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben. einem Jeglichen, wie seine Werke sein werden.“** | ||
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| - | Mit diesem Text, meine Geliebten, will ich euch noch einmal an den Inhalt meiner vorigen Predigt erinnert haben, insbesondere an die große Hoffnung, die darin für seine Gemeinde liegt. Auslegen will ich ihn heute nicht abermals, aber das Licht möchte ich euch zeigen, das von dieser Hoffnung aus auf unser irdisches Leben fällt, und auch das nur in Beziehung auf etliche Dinge, die man gewöhnlich nicht zu achten, oder zu würdigen weiß, nämlich: in Beziehung auf die Zeit, auf den Leib, und auf das irdische Gut. Und so sage ich denn: | ||
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| - | Die Hoffnung auf die Zukunft des Herrn lehrt uns die Bedeutung der Zeit, in der wir stehen, des Leibes, in dem wir leben, und der Güter, die wir besitzen. | ||
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| - | =====I. Der Zeit, in der wir stehen. ===== | ||
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| - | „Siehe ich komme bald“, spricht der Herr, und ihr wisst, meine Geliebten, dass dieses Bald durch das ganze neue Testament hindurch geht. So heißt es in dem Brief Jakobi: „So seid nun geduldig, lieben Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn. Siehe ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis er empfange den Morgenregen und Abendregen. Also seid auch ihr geduldig, und stärkt eure Herzen; denn die Zukunft des Herrn ist nahe“; und in dem Brief an die Hebräer: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches große Belohnung hat; denn noch über eine kleine Weile wird kommen, der da kommen soll und nicht verziehen.“ Im Hinblick darauf schreibt nun Johannes: „Kindlein, | ||
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| - | ======II. des Leibes, in dem wir leben. ===== | ||
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| - | „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, spricht der Herr.“ Dieser Lohn ist der Vollgenuss der Seligkeit, die Verklärung in das Bild seiner Herrlichkeit; | ||
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| - | Gegenüber der nahen Zukunft des Herrn, welcher die Lebendigen und die Toten richten und die Verstorbenen auferwecken wird, etliche zum Leben, etliche zur Schmach und zur Schande, lernt die Bedeutung des Leibes erkennen, in dem wir leben, und sage ich: | ||
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| - | =====III. der irdischen Güter, die wir besitzen. ===== | ||
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| - | „Siehe ich komme bald, spricht der Herr, und mein Lohn mit mir, zu geben einem Jeden, wie seine Werke sein werden.“ Nach den Werken also wird er richten, das ist die einstimmige Lehre der heiligen Schrift. „Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein Jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse.“ „Was der Mensch sät, das wird er ernten; wer da kärglich sät, wird kärglich ernten, wer aber reichlich sät, wird reichlich ernten.“ Freilich nicht so, als ob die Zahl oder das Maß unserer einzelnen Werke im Gericht entscheiden werde. Die Werke erhalten ja ihren Wert erst durch die Gesinnung, aus der sie kommen, und nach diesem ihren inneren Wert wird der Herr sie ansehen und lohnen, welcher ja Jedem geben will, was seine Werke wert sind. Und das kann Er auch allein; denn vor seinen Augen liegen alle die verborgenen Wurzeln offen da, aus denen die Früchte unseres Lebens wachsen. Wenn diese Augen einst mit ihrem Feuerblick uns treffen, wie viel von dem wird dann als leerer Schein verschwinden, | ||
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| - | Angesichts dieser Verheißungen bitte ich Euch mit dem Apostel: „Lasst eure Lindigkeit kund werden allen Menschen, der Herr ist nahe.“ Und darum bitte ich Euch insbesondere in dieser Zeit. Ihr wisst selbst, wie groß die Not unter uns geworden ist, und sie wird noch höher steigen, ja da der Winter vor der Tür ist. Habt also Mitleid mit euern armen Brüdern; beweist ihnen Liebe, nicht mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Das sage ich Euch, ihr Reichen: „denn so Jemand dieser Welt Güter hat, und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm“? - unter den Reichen aber verstehe ich nicht nur diejenigen, welche die Fülle haben, sondern Alle, denen Gott so viel beschert hat, als zur Leibes-Nahrung und Notdurft gehört. Wer sein tägliches Brot, wenn auch mit Sorge und Arbeit, essen kann, der gedenke derer, die weder Brot noch Arbeit haben, und wer ein Herz hat für die Gnade unsers Gottes in Christo, der gehe hin und helfe der leiblichen, und, wenn er kann, auch der geistigen Not. Es ist ein weites Feld, das sich hier vor uns auftut, und es gilt auch von ihm, was die Schrift sagt: „Wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben.“ | ||
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| - | Erkennt also, der nahenden Zukunft des Herrn gegenüber, die Bedeutung der Zeit, in der wir stehen, des Leibes, in dem wir leben und der irdischen Güter, die wir besitzen. Das ist es, was ich heute eurer ernstlichen Erwägung vorlegen wollte. Ich hätte noch Vieles zur Ermahnung hinzuzufügen, | ||
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