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-======Ahlfeld, Johann Friedrich - Bist du, der da kommen soll? ====== 
-(3. Sonntag des Advents.) 
  
-Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen.  
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-Text: Matth. 11. 2-6. \\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er zwei seiner Jünger, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. ** 
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-In Christo Jesu geliebte Gemeinde. Ein rechtes Christenherz ist wie ein schöner Garten, in dem eitel schöne Blumen und fruchtbare Bäume stehen. Mitten drinnen steht der Lebensbaum, Jesus Christus, und ragt hoch über alle andern hinauf. Um ihn herum steht in schönen Gruppen die Zeder des Glaubens, deren Blätter Sommer und Winter grünen; die Palme des Sieges, den die Gläubigen schon davongetragen haben und weiter davontragen werden; der Weinstock und Ölbaum, als die Bilder des stillen und ruhigen Lebens in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, und die Rose mit Blüten und Dornen, als das Bild des Kreuzträgers, dessen inneres Leben unter Trübsal nur herrlicher aufblüht. Hier und da im Schatten und in den Ecken steht auch das unscheinbare Kräutlein der Geduld, Auch Unkraut wächst noch darin, denn wer ist rein unter allen, die von Weibern geboren sind? Aber es kann nicht emporkommen, es kann die edlen Gewächse nicht niederwuchern, die Gnadenpflanzungen lassen es nicht in die Höhe. Ein solcher Garten ist gar lieblich, lieblicher als die Lustgärten Salomos. Die Engel Gottes ergehen sich darin. Es ist der Anfang zu einem neuen Garten Eden. Möchtest du einen solchen Garten haben? Möchtest du, dass dein Herz ein solcher Garten wäre? Ja, ist deine Antwort. Nun, so kämpfe vor Allem gegen einen Feind. Höre, wenn der Herr angefangen hat diesen Garten in dir zu pflanzen, dann kommt der Feind, der Zweifel, führt eine Axt in seiner Hand und geht in dem Garten herum. Er zertritt die schönen Blumen, die da wachsen, er sieht sich die Bäume an, und versucht erst die kleinen niederzuhauen. Wenn du das duldest, geht er immer weiter, und haut die großen nieder. Zuletzt legt er seine Axt auch an den Lebensbaum inmitten des Gartens. Und wenn der fällt, ist der Garten eine Wüste geworden. Dornen und Disteln überwuchern ihn dann, und Giftpflanzen schlingen sich mit ihren Ranken empor. Ein Elend kommt über den Menschen, das sich nicht aussprechen lässt. -  
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-Du Menschenkind, erkenne hier die unergründliche Erbarmung deines Gottes. In jenen Tagen, da Christus auf Erden wandelte, da der Himmel offen war zu den größten Gnadentaten, da mussten Zweifler aufstehen und die größten Grundwahrheiten des Evangeliums antasten. Sie mussten sie antasten, da sie der Herr noch persönlich widerlegen, da ihnen die Jünger, die ersten Träger und Zeugen des neuen Lebens, den Mund stopfen konnten. Thomas bezweifelte die Auferstehung des Herrn, die große Tat des Osterfestes. Christus gab ihm den handgreiflichen Beweis. Er ließ ihn seine Finger in die Nägelmale und seine Hand in die Seite legen. Als die Spötter am Pfingstfest schrien: „Sie sind voll süßen Weins,“ da konnte Petrus ihnen eine Antwort geben, die nicht Hörner noch Zähne hatte. Auch die große Gnadentat Gottes am Weihnachtsfest, dass er in Christo den in die Welt gesandt habe, der da kommen sollte, ist angezweifelt worden, und zwar von dem Mann, von dem wir es am wenigsten erwarten sollten. Johannes war schwankend geworden. Er sendet Boten, die müssen fragen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Gott sei Dank, er hat noch zur rechten Zeit, er hat bei dem rechten Mann gefragt. Er hat darum auch eine rechte und völlige Antwort erhalten. Wir tun heute mit ihm seine Frage noch einmal:  
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-Bist du, der da kommen soll?  
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-Frage und Antwort fassen wir zusammen in die Zeilen:  
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-Tasten Zweifel deinen Glauben an. \\ 
-Geh zu Christo, der sie lösen kann; \\ 
-Antwort wird er auf die Frage geben, \\ 
-Antwort aus dem Leben und zum Leben.  
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-=====I.===== 
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-Tasten Zweifel deinen Glauben an. \\ 
-Geh zu Christo, der sie lösen kann.  
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-Geliebte Gemeinde. Wie selten ist ein Herz, das Zeit seines ganzen Lebens fest steht in dem lieben Kinderglauben; das in die heiligen Wahrheiten des evangelischen Glaubens in der Kindheit eingeführt ist wie in ein festes Friedens-Haus, und dann nie darin unruhig geworden, nie auf die Türschwelle getreten ist, als ob es herausgehen wollte. Ach, wenn doch noch Alle auf der Schwelle stehen geblieben wären, die Schwelle gehört ja auch noch zum Hause! Sie hätten bei den Wettern des Lebens schnell wieder umkehren können. In unseren Tagen, in den Unruhen, die jetzt die Kirche durchschüttert haben, möchte man ein solches Herz länger suchen müssen, als Maria und Joseph das Christkind suchten. Ja, der Zweifel tastet das Herz an. Er kommt besonders, wenn die Seele arm ist an Gebet, wenn das Wort Gottes ungebraucht im Winkel liegt, wenn wir allein dastehen ohne christliche Gemeinschaft. Wer kann es denn zuriegeln? Der Zweifel ist wie ein nagender Wurm. Wenn wir uns abends auf unser Lager gelegt hatten, und es kamen uns Gedanken des Zweifels in die Seele, dann dachten wir wohl: „Du willst deine Augen zuschließen, du willst die Gedanken zusammendrücken, dass sie stille sein müssen, du willst lieber schlafen, als ihnen weiter nachgehen.“ Aber sie ließen dich nicht schlafen, sie rüttelten dich wieder auf, und stahlen dir einen guten Teil der Nacht. Greifen sie doch selber diesen Johannes an, der Christo vorging im Werk und in der Kraft des Elias. Er hatte einst von sich und Christo ausgesagt: „Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Bereitet dem Herrn den Weg und macht seine Steige richtig! Ich muss abnehmen, jener aber muss zunehmen. Ich bin nicht wert, dass ich mich bücke und ihm die Riemen seiner Schuhe auflöse. Ich taufe mit Wasser, der aber nach mir kommt, wird euch mit Feuer und mit dem heiligen Geist taufen. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Und nun fragt er: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Wie kam er doch dahin? Wie war doch der feste Mann im Kleide von Kamelhaaren und mit dem ledernen Gürtel so wankend geworden? O, werft keinen Stein auf ihn! Wenn wir einen werfen wollen, wollen wir ihn zuerst auf uns selbst werfen, denn wir kennen des Herrn Werk ganz, und Niemand hat uns abgeschlossen, Niemand hält uns gefangen, dass wir ihm in seinen großen Taten nicht nachgehen könnten.  
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-Anders war es mit Johannes. Herodes hatte sein Weib, eine Tochter des arabischen Königs Aretas, mit der er fünfzehn Jahre in der Ehe gelebt, verstoßen, und hatte seinem Bruder Philippo sein Weib, die Herodias, genommen. Darüber war ein blutiger Krieg zwischen Aretas und ihm ausgebrochen. In diesen Gräueln tritt Johannes vor ihn und spricht: „Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Philippi Weib hast!“ Zum Dank für seine treue Mahnung setzte ihn Herodes gefangen in das feste Schloss Machärus jenseits des Toten Meeres. Jesu Arbeitsfeld aber war Galiläa und die Gegend um Jerusalem. Nur arme einzelne Botschaften von Christi Taten drangen dort in Johannes Ohren. Er hoffte wohl, dass der Welt Erlöser auch sein Erlöser aus den Ketten sein sollte. Er hoffte, dass der Herold bei dem Herrn, den er verkündigt hatte, bleiben und seine Werke schauen sollte. Er hoffte, dass das Werk rascher auf Flügeln des Sieges vorwärts schreiten sollte. Da in dem finsteren Kerker, da in seiner Einsamkeit beschlich den Mann der Zweifel, und er sandte seine Boten und er tat seine Frage. -  
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-Lieber Christ, willst du deine Seele bewahren vor Zweifeln, so wende besonders ein Mittel an, das in unserem Evangelio zwar nicht geschrieben steht, das wir aber doch herauslesen können: hüte dich vor Trennung, hüte dich vor Absonderung von deinen christlichen Brüdern und Schwestern. O wie gern hätte Johannes in brüderlichem Bunde mit ihnen gestanden, aber er konnte nicht. Der Zweifel ist wie ein Räuber, der die Wüste und Öde der Einsamkeit durchstreift. Da überfällt er die einzelne Seele und fängt sie in seinen Stricken. Wenn aber dein Bruder neben dir steht, wenn du in christlicher Gemeinschaft wie ein Baum im dichten Walde stehst, dann prallt der Sturm ab an der gemeinsamen Stärke, dann steht Einer für Alle und Alle für Einen, Einer schützt und stützt den Anderen. Es gehört eine hohe christliche Reife dazu, wenn wir uns in der Einsamkeit, in der Zurückgezogenheit von den Brüdern aufrecht erhalten oder gar aufbauen sollen. Eva ward auch verführt, da sie von dem Manne weggegangen war. -  
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-Wenn nun aber dennoch der Zweifel kommt, sei es an den Einsamen, oder sei es an den, der in brüderlichem Verkehr steht, so lernt von Johannes, wie ihr euch gegen ihn wehren sollt. Horcht, er hängt ihm nicht nach, er sitzt nicht stille, er nagt sich nicht tiefer in sein Bedenken hinein. Das ist ein schlechter Hausherr, dem bei einem Regenschauer das Wasser durch das Dach in das obere Stock gedrungen ist, und der nun ruhig den zweiten Schauer abwartet, wo es auch in das untere dringen wird. Johannes fragt auch nicht umher bei Anderen, die etwa auch nicht fest sind in ihrem Glauben an Christum, oder die ihn gar ganz weggeworfen haben. Solch Nachfragen kann ihn zu keiner Gewissheit bringen. Das ist ein schlechter Hausherr, dem das Wetter durch das Dach gedrungen ist, und der dann auf der Nachbarschaft umherläuft und hier und da fragt: „Nachbar, sieht es denn in deinem Haus auch so aus, wie in meinem, oder gar noch ärger?“ und der dann in diesem gemeinsamen Ruin sich tröstet, und die Verwüstung weiter dringen lässt. Nein, der rechte Hauswirt läuft zum Meister. Er besinnt sich nicht lange, er berät sich nicht lange, er spricht zum Meister: „Bessere schnell den Riss aus, denn es könnte bald ein zweiter Platzregen kommen.“ Nun ist dem alten Johannes ein Riss in seinen Glauben gekommen. Er bedenkt sich nicht lange. Er selber kann nicht gehen, Herodes Kerkerdiener erlauben es ihm nicht. Da sendet er zwei seiner Jünger, die Ein- und Ausgang bei ihm hatten. Er sendet zwei, damit er ja eine volle Antwort bekomme. Was der Eine nicht sieht, soll der Andere sehen; was der Eine nicht hört, soll der Andere hören. Er sendet sie an den rechten Mann, vor die rechte Tür. Der Meister, der die Risse im Glaubensbau ausbessern kann, ist kein anderer, denn der den ganzen Bau ausgeführt hat, Jesus Christus. Er geht auch nicht lange um die Sache herum. Er lässt gleich die Grundfrage tun: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Nun, mein Christ, wenn die Wellen des Unglaubens an dein Herz schlagen, wenn die Zweifel an deiner Seele nagen, hast du denn auch zwei Boten, die du zu Christo senden kannst? Ja, du hast sie, lass sie nur nicht schlafen. Sie sind: Gebet und Forschen in der Schrift. Den einen sollst du hinaufsenden zu dem Gnadenthrone Christi, den andern sollst du hineinsenden in das geoffenbarte Wort. Dennoch sollen sie beide Hand in Hand gehen. Du kannst nicht beten, ohne auf dem Boden der Schrift zu stehen. Die Schrift hat dich erst: „Gott“ und „Vater“ und „Heiland“ sagen gelehrt. Du kannst nicht forschen in der Schrift, ohne zu beten. Das Gebet ist das Grubenlicht, mit dem du in ihre Tiefen hineinsteigest. Wenn du betest, ohne den Glauben an Gottes Wort im Herzen zu haben, bist du wie ein Vogel, der in die Höhe will und doch keine Flügel hat. Wenn du die Schrift studierst ohne Gebet, bist du wie ein Bergmann, der in die Tiefe will und kein Licht hat. Mit diesen beiden Waffen geh an die Arbeit, durch diese beiden Boten frage an bei dem Herrn, ob er der sei, der da kommen solle. Und  
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-=====II.===== 
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-Antwort wird er auf die Frage geben, \\ 
-Antwort aus dem Leben und zum Leben.  
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-Aber, möchtest du sagen, hat denn Christi Antwort über ihn selber eine Bedeutung? Gilt denn sein Zeugnis von ihm selber? Er spricht ja selbst: „So ich von mir selber zeuge, so ist mein Zeugnis Nichts,“ Du hättest Recht in diesem Bedenken, wenn Christus zeugte mit bloßen Worten, mit Versicherungen des Mundes. Da könnte kein „Ja“ und kein „Wahrhaftig“ und kein Schwur ausreichen. Er gibt lebendige, sichtbare Antwort. Klar hatten die Propheten von dem Messias geredet. Sie hatten, so zu sagen, von dem, der da kommen sollte, und der ist der Heiland, ein Signalement gegeben. Es lautet bei Jesaja: „Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren werden geöffnet werden. Alsdann werden die Lahmen löcken wie ein Hirsch, und der Stummen Zunge wird Lob sagen.“ (Jes. 35,5.6.) „Der Geist des Herrn ist über mir, darum hat mich der Herr gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden; zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, und den Gebundenen eine Öffnung; zu predigen ein gnädiges Jahr des Herrn, und einen Tag der Rache unseres Gottes, zu trösten alle Traurigen“ (Jes. 61,1.2.). Diese Beschreibung des zukünftigen Heilandes musste Johannes kennen. Der Prophet musste wissen, was seine Vorgänger von ihm geweissagt hatten. Diesem Signalement stellt der Herr nun seine Taten entgegen. Er spricht zu Johannis Boten: „Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen, die Tauben hören, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Passt denn nun nicht hier die Erfüllung auf die Weissagung wie die rechte Hand auf die linke? Ja wohl, und überall in zwiefachem Sinne. Die Blinden sehen. Die, denen Star und Nacht auf dem auswändigen Auge lag, die, welche blinder gewesen waren als Isaak, der seine Söhne nicht mehr unterscheiden konnte, bekamen Licht; und um die, so in Finsternis und Schatten des Todes gewandelt hatten, schien es helle. Die, denen kein Laut mehr in die Ohren drang, hörten recht und helle; und die, welche bisher gegen Gottes Wort so taub gewesen waren wie Kieselstein, hatten Ohren dafür. Der Leibesaussatz ward geheilt; und der alte Aussatz, der die Seele zerfrisst, die Sünde, wich auch vor dem Arzte. Die da lahm waren an den Füßen wie Jonatans Sohn Mephi Boseth, den seine Amme bei der Schreckensbotschaft von Gilboa hatte fallen lassen, die konnten gehen; und die vorher nach beiden Seiten gehinkt, die halb Gott und halb der Welt gedient hatten, die wandelten recht.  
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-Ja, in der Erfüllung war noch mehr denn in der Weissagung. Der Herr fügt noch hinzu: „Und die Toten stehen auf.“ Wir kennen die drei, die er vom leiblichen Tode erweckt hat. Wer will aber die zählen, die er geistlich auferweckt hat? Ja, er hat Solche auferweckt, über denen die Erde und ihre Lust höher und schwerer lag, denn die Grabesdecke über den Begrabenen. -  
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-Das war die Antwort an Johannis Jünger. Wahrlich es war eine Antwort aus dem Leben. Es war aber auch eine Antwort zum Leben. „Geht hin,“ spricht Christus, „und sagt dies Johanni wieder.“ Und sie sind hingegangen. Was meint ihr wohl, welche Freude in dem armen Gefängnis gewesen sei, als diese Botschaft kam? Es freut sich Gras und Blume und Baum und Strauch, wenn nach der Dürre ein Regen darauf fällt. Die welken Blätter heben sich. Vorher hingen sie schlaff zur Erde nieder, nun gehen die Spitzen himmelan. Aber größer war die Freude bei dem Gefangenen. „Er ist es, auf den die Väter gehofft haben, er ist gekommen, es soll kein anderer kommen!“ Sein Kerker ward ihm helle, selige Gewissheit schien in seine Seele. Auch das Strafwort: „Selig ist, der sich nicht an mir ärgert“ stört ihn nicht. Er hatte es ja verdient. Die Botschaft von dem Tatenfelde Christi war ein Quell, der mit ihm floss durch seine Wüste. Und als Herodes Henker mit dem Schwert kam, hatte er auch für diese heiße Stunde einen Labetrunk darauf: „Und die Toten stehen auf.“ -  
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-Geliebte Gemeinde, das tote Meer des Unglaubens ist gar groß. Seine Arme ziehen sich durch die ganze Erde hin, seine Busen und Buchten ziehen sich tief in die Christenheit hinein. Wenn du nun in seiner Nähe wohnst, wenn der Zweifel, ob Christus der Welt Heiland sei, dein Herz antastet, und du sendest jene zwei Boten zu Christo, ob er dir wohl auch Antwort gibt? Ja, er tut es, sende deine Boten nur kühn hinaus zu ihm und hinein in das Wort. Er wird dir auch antworten - „Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Aussätzigen werden rein, und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Er wird dir Leute zeigen in deiner Bekanntschaft, in der Gemeinde der Gläubigen, die blind waren für ihr Heil und taub für Gottes Ruf, und nun haben sie sehen und hören gelernt. Er wird dir Leute zeigen in deiner Bekanntschaft, deren Wandel befleckt war mit dem Aussatz von Lug und Trug, von Wollust und Galle, und sie sind rein geworden, sie wandeln richtig vor dem Herrn. Er wird dir Leute zeigen in deiner Bekanntschaft, die geistig tot waren und siehe! sie leben; verlorene Söhne, die die Säue gehütet haben, und sie sind wieder bei ihrem Vater und dienen ihm. Und kannst du sie in deiner jetzigen Bekanntschaft nicht finden, so suche sie in der Geschichte der christlichen Kirche, denn die Gläubigen aller Zeiten sollen auch deine Bekannten sein. Im Rheinland lebte einst eine arme Witwe. Die Not lag hart auf ihr. Ein Stück Hausrat nach dem andern war verkauft. Endlich hatte sie nur noch ein Neues Testament, über das sie verfügen konnte. Mit blutendem Herzen versetzte sie es bei einem Juden. Dieser nahm es, lud sich noch zwei Genossen dazu und wollte das Evangelium Matthäi mit ihnen durchlesen, um sich einmal über den Jesus von Nazareth recht satt zu lachen. Sie fingen an zu lesen und zu lachen. Aber je weiter sie hineinkamen, um so leiser ward das Lachen bei dem, der das ganze lose Treiben angefangen hatte. Und als sie hinkamen nach Golgatha, da verstummte sein Lachen ganz. Sie lasen fertig. Als sie fertig waren, fing jener allein an das Buch noch einmal zu lesen. Er las es aber nicht mehr mit Lachen. Und als er wieder hinkam nach Golgatha, da weinte er unter der Kreuzesstätte, wie weiland die Weiber, die Christo aus Galiläa gefolgt waren. Und als er ausgelesen hatte, da stand es ihm fest, dass Jesus der sei, der da kommen sollte, auf den die Väter gehofft, von dem die Propheten geweissagt haben; da stand er auf und suchte einen Geistlichen und bat ihn, dass er ihn taufen sollte auf den Namen Jesu Christi. -  
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-Nun Geliebte, wenn denn das Wort Gottes selber den, welcher es ohne Gebet zum Spott lesen wollte, überzeugen kann, dass Jesus ist der Christ, der Heilige Gottes, der Welt Heiland - wie soll es nicht den überzeugen, der als ein redlicher Sucher mit demütigem Gebet daran geht. Aber daran fehlt es, dass die Meisten, die gegen Christum reden, sich nie Mühe gegeben haben, die alte Gnadenurkunde mit Ernst und Gebet zu lesen, sie wohl seit ihren Kinderjahren nicht wieder in die Hand genommen haben. - Wohlan denn, senke deine Seele hinein! Der Herr wird dir eine Antwort geben aus dem Leben zum Leben. Das Wort wird ein Tau sein, der auf deine Seele fällt. Der Zweifel wird weichen. Die dürren Auen werden in dir grünen. Aus dem Lebensquell wird neues Leben in dein Herz quillen. Du wirst rühmen: „Ich bin nie so selig gewesen, ich habe nie ein solches Leben in mir gefühlt, als in dieser Gnadenzeit.“ Du wirst trauern, dass du dich je an Christo geärgert hast. Du wirst sagen: „Es war eine arme Zeit. Gottlob, dass sie vorbei ist.“ Und wer hat das Alles getan? Der die Blinden sehen, der die Lahmen gehen, der die Tauben hören, die Aussätzigen rein werden und die Toten aufstehen heißt. Er hat es getan, und kein anderer. -  
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-Wollen wir noch eines anderen warten? Nein. Die Sonne der Gerechtigkeit ist aufgegangen. Wenn nun mitten am Tage, wo die äußere Sonne schon hoch steht, Jemand unverwandt, nach Oben schaute, als ob sie erst kommen sollte, so würden wir ihn einen Toren nennen. Wir würden ihm sagen: Da steht sie ja, du willst nur nicht sehen. Ein solcher Tor ist auch der. der nach einem andern Heiland ausschaut. So wahr die alte Sonne, die wir kennen, die rechte ist, von Gott bestimmt, die Erde zu erleuchten und zu erwärmen und zu geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre: so wahr ist Jesus Christus die einzige Sonne der Gerechtigkeit, von Gott geordnet und gesetzt, den inwendigen Menschen zu erleuchten und zu erwärmen, und ihm zu geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre. Es geht keine andere Gnadensonne auf, und wenn sich noch so Viele ihrem Lichte verschließen. - Sie hat genugsam von sich gezeugt. Uns liegt nun das ob: Wie Christus mit seinem Leben und Sterben bezeuget hat, dass er der Christ sei, so wollen wir mit Leben und Sterben bezeugen, dass wir Christen sind. Das walte in uns, dazu helfen uns der dreieinige Gott durch seine Gnade. Amen.  
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Bomhard, Georg Christian August - Am dritten Sonntag des Advents====== 
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-Das Scheiden eines Gläubigen, der in deinem Namen, in der Hoffnung auf dein Heil diese Welt verlässt, wollen wir heute betrachten, Herr Jesu! Den Hingang deines großen Zeugen Johannes aus dieser Zeit, das Ende, mit welchem sein frommer Glaube dich noch vor den Menschen gelobt hat, den Trost, womit das Hinschauen auf deine Herrlichkeit ihm seinen Kerker erhellt und seinen Tod versüßt hat, wollen wir unter dem Beistande deines Geistes erwägen. Gib deinen Geist, gib deinen Segen zu unserem Vorhaben! Zeige uns, wie diejenigen von hinnen gehen, die mit dir hienieden gewandelt haben und was das heiße, in dir sterben, wenn man zuvor in dir gelebt hat! - Sohn Gottes, unsere Zuversicht, wir kommen bald an die Grenze unserer Zeit; wir stehen vielleicht schon ganz nahe an der ernsten Stunde, die uns von hinnen fordert, an der dunklen Pforte, durch welche wir aus dieser Welt wandern müssen. Schenke uns vornehmlich für unsere letzten Tage und Stunden deinen Frieden, der über alle Vernunft ist! Reiche uns vornehmlich alsdann deine starke Gnadenhand, dass wir im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe als die Deinigen scheiden, noch durch unser Ende dich loben, und vor deinem Richterstuhl offenbar werden mögen mit Freuden! 
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-O Herr, im Glauben stärke mich!\\ 
-Lass mich den Trost empfinden,\\ 
-Den hohen Trost, dass ich durch dich\\ 
-Den Tod kann überwinden!\\ 
-Grab und Verwesung schreckt mich nicht,\\ 
-Denn Du bist meine Zuversicht. Amen. 
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-Seltsam, meine Zuhörer, und merkwürdig, wie das ganze Leben Mosis des Mannes Gottes gewesen war, so war auch sein Ende beschaffen, und eine bedeutungsvolle Erinnerung, eine hohe, tröstliche Lehre für alle Gläubigen ist darin enthalten. Vierzig Jahre lang hatte dieser große Mann das Volk Israel geführt, gelehrt, mit unsäglicher Mühe und Arbeit zu bilden gesucht, und seinem künftigen Wohnplatze, dem Gegenstand seiner heißesten Wünsche, dem Lande Kanaan entgegen geführt. Die wunderbarsten Taten Gottes waren durch ihn geschehen, die preiswürdigsten Wohltaten des Allgütigen waren durch Mosis Vermittlung über Israel verbreitet worden, die vortrefflichsten Vorbereitungen zu einer künftigen besseren Gestaltung dieser tief gesunkenen sehr verwilderten Nation, zu einem geordneten, gesitteten, glücklichen Leben derselben in dem Lande, welches ihnen der Herr geben wollte, waren durch diesen großen Propheten, den Gott selbst zu ihrer Führung berufen und seit so vielen Jahren an ihre Spitze gestellt hatte, gemacht worden. Vierzig mühselige Jahre des Umherziehens in der Wüste, der immerwährenden Unruhe, Plage, Sorge, besonders für Moses, sind nun vorüber. Man kommt endlich nach Gottes Rat und Willen an die längst ersehnte Grenze des verheißenen Landes; man sendet Kundschafter in dasselbe voraus, und erhält die erwünschtesten Nachrichten von der herrlichen Beschaffenheit dieses Landes; man trifft alle Anstalten zum Einzug in dasselbe. Aber siehe da - Moses der treue Knecht Gottes, der ruhmvolle Führer Israels, der edle Greis, der einen großen Teil seines Lebens an die Wohlfahrt seines Volkes gewendet hat, Moses soll nicht mit seinem Volk in Kanaan einziehen! „Und der Herr, heißt es im zwei und dreißigsten Kapitel des fünften Buches Mosis, redete mit Mose desselbigen Tages und sprach: gehe auf das Gebirge Abarim, auf den Berg Nebo, der da liegt im Moabiter Lande gegen Jericho über, und besiehe das Land Kanaan, das ich den Kindern Israel zum Eigentum geben werde; und stirb auf dem Berge, wenn du hinauf kommen bist, und versammle dich zu deinem Volk!“ Moses tut, wie ihm geboten war, er steigt auf den Berg Nebo; der Herr selbst zeigt ihm allda die lieblichen Gefilde Kanaans, die schönen weiten Fluren des Landes, darinnen Milch und Honig floss; er nennt ihm die Wohnungen, welche jedem der zwölf Stämme Israels dort bestimmt waren. Und hiermit ist die Laufbahn dieses außerordentlichen Mannes vollendet, sein Tagewerk beschlossen; hier heißt ihn der Herr sterben und besorgt durch seiner Engel Hand sein Grab, dass keines Menschen Auge es je gesehen hat. Josua, der Sohn Nuns wird jetzt von Gott berufen, Israel in das gelobte Land zu führen, und sein Heldenarm ist es, der die Feinde besiegt und seinem Volke den ruhigen Besitz Kanaans erwirbt.  
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-Wir können hierbei an das Leben des Christen gedenken, welches dem beschwerlichen Zuge durch die Wüste gleicht, und an der Grenze des verheißenen Landes sich beschließt; denn nur durch den Tod können wir in dasselbige eingehen. Wir sehen aber hierin auch ein deutliches Vorbild von dem, was in späteren Zeiten bei der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden geschehen ist, eine Hindeutung auf das Schicksal des merkwürdigen Mannes, dessen unser heutiges Evangelium gedenkt. Johannes der Täufer hatte seit Jahren als ein zweiter Moses das Gesetz eingeschärft, als ein zweiter Elias die Buße und Bekehrung gepredigt, hatte mit großer Kraft und Gewissenhaftigkeit alles getan, um sein Volk zum Wohnen in dem Reiche Christi geschickt zu machen und dem Herrn den Weg in ihre Herzen zu bereiten. Aber nun erscheint der Held, der zur Besiegung der Feinde und zur Einführung des Volkes Gottes in das rechte verheißene Land von Gott verordnet ist, dessen Namen schon es bezeugt, dass Josua ein beziehungsreiches Vorbild von ihm war. Und siehe, hier endet sich die glänzende, doch kurze Bahn des Johannes. Nun wird für ihn der Kerker des Herodes zu dem Berg Nebo, von wannen er noch einen hellen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft seines Volkes hinaus senden darf, wo er sich des Reiches Gottes freut, das ihm in willkommener Nähe und lieblicher Klarheit gezeigt wird, und wo er sterben muss, ohne hier die Vollendung dessen erlebt zu haben, wonach er sich sehnte. Aber schön und ehrwürdig, wie einst Moses, steht Johannes auf dieser entscheidenden Grenze; und wie wir bei Christi Verklärung Mosis seligen Geist mitten in dem verheißenen Lande auf Tabors Gipfel erblicken, um dort mit dem Erlöser frohen Umgang zu pflegen, so erscheint uns auch der Geist des edlen Johannes schon als der glückliche Bürger des ewigen Reiches Gottes, indem sein Leib ganz nahe dem Schwert des grausamen Herodes ist, welches ihn töten wird. Viel Lehrreiches und Nachahmungswürdiges bietet uns dieser Anblick dar, zu dessen fruchtbarer Erwägung wir uns den Segen Gottes erflehen in dem Gebete seines lieben Sohnes.  
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-Evangel.: Matth. 11, 2-10. 
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-Einen der merkwürdigsten und edelsten Männer, welche dem Volke Israel, ja dem ganzen menschlichen Geschlechte jemals zur Zierde gereichten, zeigt uns dieses Evangelium, Johannes den Täufer, und zwar ganz nahe am Ziele seiner ruhmvollen Bahn, im Gefängnis, wohin ihn die treue Erfüllung seiner Berufspflicht und die Wut eines Tyrannen geführt hatte, seinem letzten Augenblick entgegensehend, aber auch ganz darauf gefasst, und bereitet. Ist Johannes während seines vorhergegangenen Lebens als eine mächtige Weckstimme Gottes unter den Schlafenden, als ein gewaltiger Bußprediger im Geist und in der Kraft des Elias, als ein erleuchteter Verkündiger des nahen Reiches Gottes und Vorläufer des Herrn - ist uns Johannes in der Verwaltung dieses hohen Berufes ein erfreulicher und betrachtungswürdiger Anblick, so ist er uns das auch noch in den Mauern seines Gefängnisses, in den letzten dunklen Tagen seiner Zeit, schon im Begriff diese Welt zu verlassen; und so wenig es ist, was uns in diesem Evangelio davon angedeutet wird, so enthält dieses doch, gehörig erwogen und mit dem, was wir sonst von ihm wissen, zusammengehalten, reichen Stoff für unsere fromme Betrachtung. Wohl weiß ich, dass es eigentlich der Herr selbst und nicht der Knecht ist, auf den dieses Evangelium wie jedes andere unsere Aufmerksamkeit lenken will, indem es den, der da kommen sollte und der - gelobt sei Gott! - auch gekommen ist, im vollen Glanze seiner prachtvollen Taten und Gnadenwirkungen unserer freudigsten Bewunderung darstellt. Aber es soll unfehlbar zu nichts andrem als zum dankbarsten Preise des Herrn gereichen, wenn wir jetzt den gläubigen, frommen Diener in der edlen Gesinnung, womit er von diesem Leben scheidet, betrachten. Vorbildlich erscheint uns Johannes in der bedenklichen furchtbaren Lage, in der wir ihn in diesem Evangelio sehen; das werden wir leicht erkennen, indem der Gegenstand unsres erbaulichen Nachdenkens sein wird: 
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-**Der Christ am Ende seiner Zeit.** 
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-Nichts ist, was mich von Jesu scheide,\\ 
-Nichts, es sei Leben oder Tod.\\ 
-Im Leben ist er meine Freude,\\ 
-Mein Trost in meiner letzten Not.\\ 
-Ich bitt', o Gott, durch Christi Blut,\\ 
-Mach's nur mit meinem Ende gut! Amen.  
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-Fasset es wohl ins Auge, meine Zuhörer, was ich euch hiermit nach Anleitung unsres Textes darzustellen versprochen habe - den Christen, sagte ich, am Ende seiner Zeit, in der Nähe des Todes wollen wir betrachten. Nicht also den Unchristen, den Heuchler, den Selbstbetrüger, den ungläubigen eitlen Weltmenschen, die alle sehr mit Unrecht nach Christi heiligem Namen sich nennen; nicht einen solchen Menschen, der während seines vorhergegangenen Lebens einem fleischlich gesinnten, ausschweifenden, gottesvergessenen Herodes ähnlicher gewesen ist, als einem frommen Johannes. Von Johannes dem Täufer und seinem gottergebenen, erwecklichen, vorbildreichen Annähern an den Schluss seiner Tage ist in unserem Evangelio die Rede; von einem Manne, der die Buße nicht bloß gepredigt, sondern selbst redlich geübt hatte; der längst schon von dieser Welt ausgegangen war, ehe er sie sterbend verließ; der Gottes Recht und Wahrheit also lehrte, dass er ihr auch sein Leben zum Opfer darbrachte; der seinen Beruf, seinen Ruhm und sein Glück darin gesucht hatte, ein demütiger, gläubiger Bekenner und Freund Christi zu sein und ihm den Weg zu bereiten auf Erden. Findet ihr nicht viele, die mit seiner Gesinnung dem Ende ihrer Tage sich nähern, so wird die Ursache nur darin zu suchen sein, dass ihrer nicht viele sind, die mit seiner Gesinnung vorher gelebt haben. - Unter denen aber, die sich am Ende ihrer Zeit befinden, verstehen wir entweder die Wohlbejahrten, denen die Menge ihres Alters sagt: „Meine Zeit ist dahin und vor mir aufgeräumt, wie eines Hirten Hütte,“ oder die Kranken, die von der Gewalt eines tödlichen Übels ergriffen es fühlen: „Ich werde schon geopfert und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden - mein Odem ist schwach, meine Tage sind abgekürzt, das Grab ist da.“ Es hindert uns jedoch nichts, dass wir alle uns für Diejenigen ansehen, die sich mit Johannes am Ende ihrer Zeit erblicken und das Schwert des Todes schon über sich gezückt sehen. Denn, o mein Gott! wer unter uns kann wissen, wie nahe ihm vielleicht bereits sein Ende ist? Wer müsste nicht gestehen: „So wahr der Herr lebt, es ist immer nur ein Schritt zwischen mir und dem Tode?“ Wie Manche sieht vielleicht dein Auge in dieser Versammlung, zu denen du gar bald die Botschaft senden wirst: „bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben!“ - 
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-Nehmen wir nun den Christen am Ende seiner Zeit zum Gegenstand unserer Betrachtung, so wäre da freilich weit mehr zu sagen, als uns die engen Grenzen einer Predigt gestatten. Wir wollen daher Manches, was sich leicht von selbst versteht, hier übergehen, als da ist die Bestellung seines Hauses, die Selbstprüfung, Beugung vor dem Richterstuhl Gottes, und dergleichen. Wir wollen bloß bei dem stehen bleiben, was uns dieses Evangelium hierzu deutlich an die Hand gibt. So bemerken wir denn von dem Christen am Ende seiner Zeit zuerst dieses: 
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-=====Er blickt aus seinem Kerker glaubensvoll auf Christum hin. ===== 
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-Womit sich Johannes beschäftigte, als sein öffentlicher Beruf aufgehört hatte und die düsteren Mauern des Kerkers ihn umgaben; welche Gegenstände ihm auch jetzt noch am meisten am Herzen lagen, als bald alles Irdische für ihn aufhören sollte; worin er seine Erheiterung, seinen Trost, seine Freude noch immer fand, als die Gestalt dieser Welt immer drohender und trauriger für ihn wurde: das sehen wir auf eine sehr anschauliche Weise. Auf den Herrn, der jetzt sein erhabenes Prophetenamt übernommen und sein glorreiches Werk angefangen hatte, waren seine Blicke gerichtet; auf den, der nach ihm kommen sollte und vor ihm schon gewesen war, lenkten sich unausgesetzt seine Gedanken; von Christo ließ er sich erzählen, nach ihm erkundigte sich der treue Diener bei allen, denen es vergönnt war ihn zu besuchen; die Worte, die Taten, den Ruhm, die Majestät, die Absichten, die Segnungen des Sohnes Gottes erwog Johannes mit der lebhaftesten Freude noch in seinem Gefängnisse; beseelt von der herzlichsten Teilnahme an den wichtigsten Angelegenheiten der Menschheit, erfüllt von den erhabensten Gedanken, mit denen sich die nach dem Bilde Gottes geschaffene Seele beschäftigen kann, erwärmt von den edelsten Empfindungen, die es für ein frommes Herz gibt, erquickt von den tröstlichsten Hoffnungen, womit ein Sterblicher begnadigt werden kann - so erscheint uns dieser Größte unter den Propheten am nahen Ziele seiner Zeit. Denn auf den Sohn Gottes heftet er unverwandt den Blick seiner Aufmerksamkeit, seines Nachdenkens, seiner Zuversicht; was sonst schon immer seine liebste Beschäftigung gewesen war, das ist es ihm auch jetzt noch, und zwar in einem höheren Grade; was schon in seinen vorigen Tagen sein Herz mit den besten Freuden und Hoffnungen erfüllt hatte, das hat ihm der Tyrann nicht rauben können, das hat ihn in seinen Kerker begleitet und erhellt ihm dessen Dunkelheit, das lässt ihn in seinen Fesseln ein Vorgefühl von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes im Himmel empfinden, das schließt seinen Blicken eine weite, große Aussicht in das Glück einer besseren Zukunft, in die Schönheit des irdischen und himmlischen Reiches Gottes auf, und heißt Furcht und Kleinmut aus seiner Seele verschwinden. 
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-Blick aus dem engen düsteren Kerker des hinfälligen Leibes, aus den Fesseln des Alters, der Krankheit, der nahen Todesgefahr auf den Sohn Gottes, auf den Erlöser und Seligmacher der Menschen - wie bist du so süß, so erquickend und stärkend, wie wunderbar erfreust du das Herz des scheidenden Christen! Auf das Sichtbare, auf das Eitle, auf das was schon unaufhaltsam dahin schwindet und vergeht, richtet der unglückliche Weltmensch noch am Ende seiner Zeit mit vergeblicher Begierde, mit schmerzlicher Sehnsucht seinen Blick, sucht Trost, Hilfe, Rettung, wo noch Keiner im Tode sie gefunden hat; mit Gütern, die zurückbleiben, mit Genüssen, die vorüber sind ohne Wiederkehr, mit Stützen, die schon wanken und brechen, mit Entwürfen, die eitel sind, mit Zerstreuungen, die bald wieder der Angst Platz machen, mit Hoffnungen, die die Seele betrügen, oder, wenn sein Gewissen erwacht, mit Vorwürfen, die bitterer sind als der Tod, mit Vorsätzen, zu deren Ausführung keine Zeit mehr da ist - damit beschäftigt sich der Mensch der Sünden am Schlusse seiner Tage; von jammernden Klagen, von vergeblichen Wünschen, von schauderhaftem Leichtsinn oder von Schrecken und Entsetzen ist dort seine Seele erfüllt, aber nicht von dem, in welchem allein das Leben und das Licht der Menschen ist, der allein die Hand reichen kann, die uns von dem Versinken in den furchtbaren Wellen des Verderbens errettet. Denn ferne von dem Herrn sind seine vorigen Tage gewesen, darum kann er ihn auch gewöhnlich bei seinem Ende nicht mehr finden, sondern fährt dahin wie der Schächer zur Linken. -  
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-Aber der Christ blickt mit Johannes desto unverwandter, desto treuer, ehrerbietiger und liebevoller nach seinem Heilande hin, je drückender die Luft des Kerkers wird. Der Christ spricht: „Ich habe den Herrn allezeit vor meinen Augen, er ist mir zu meiner rechten Hand, darum werde ich wohl bleiben; wenn ich im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht. Wir freuen uns und sind fröhlich über dich, wir gedenken an deine Güte - die Frommen lieben dich.“ Es ist das Licht, es ist das Leben, es ist die Kraft, es ist die Versöhnung und Erlösung, es ist die ewige Allmacht und Gnade, es ist die Herrlichkeit und Seligkeit selbst, was sich dem Christen in dem Blick auf seinen Heiland offenbart; darum erfährt er: „Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du meine Seele.“ Damit er aber sich Gottes seines Heilandes desto mehr erfreuen könne, so tut er, was wir von dem Christen am Ende seiner Zeit zweitens bemerken: 
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-=====Er stärkt noch einmal seinen frommen Glauben. ===== 
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-So sehen wir hier den scheidenden Johannes tun. Fürwahr, Johannes kannte, vom Geiste Gottes erleuchtet, Christum schon lange, und wusste wohl, an wen er glaubte. Er hatte schon seit mehreren Jahren es gewusst, wer der sei, der da kommen sollte, hatte bei der Taufe Jesu den Himmel sich über ihm auftun und den Geist Gottes auf ihn hernieder kommen gesehen, hatte das große Wort des Vaters von ihm gehört, und selbst treulich und vielfältig von ihm Zeugnis gegeben, hatte von ihm bekannt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt;“ hatte zu seinen Jüngern gesagt: „Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, sondern vor ihm hergesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu, und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllt; er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Der von oben kommt, ist über alle.“ Noch heute wird alle Jahre der christlichen Kirche sein Zeugnis gepredigt: „Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt; der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse.“ Nein, von irgendeinem bangen Zweifel an Christo konnte in Johannis erleuchteter Seele wohl nicht die Rede sein. Aber um Wachstum in seiner Erkenntnis Christi, um Stärkung seines Glaubens, um frohe Botschaften von ihm, um neue Zeugnisse von seiner Hoheit und Ehre war es auch ihm zu tun, und das umso mehr, je näher er selbst sich seinem Ende sah. Seine Seele fühlt sich wohl auch gedrückt von der Kerkerluft, die er lange eingeatmet hat; er teilt das Los der Menschheit unter langwieriger Trübsal, fühlt sich unter den Fesseln, die seinen Leib beschweren, wohl manchmal ermüdet, dürre im Gemüte, verdrossen, einer Stärkung, einer Erquickung bedürftig; sein Glaube ist ein Licht, das abnimmt und zunimmt. Darum sendet er seine Jünger zu Christo. Sie sollen an seiner Statt gehen und den Herrn aufsuchen, weil er selbst seines Anschauens nicht genießen kann; sie sollen ihm eine liebliche Botschaft, ein großes Wort, einen guten Trost von Christo in seine Einsamkeit bringen, sollen ihm eine neue glorreiche Antwort auf die Frage holen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ Sie bringen ihm reichlich, was er gewünscht hatte. Was konnte willkommener, tröstlicher für ihn sein, als der Bescheid des Herrn: „Sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Gewiss, das war für Johannes nährendes Brot des Geistes, das war für ihn ein Gefäß, voll geschöpft aus den Strömen des lebendigen Wassers, woran seine Seele genug hatte, sich zu laben und zu stärken, um im Glauben fest bewahrt zu bleiben bis ans Ende. 
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-So sucht der Christ noch am Ende seiner Zeit mit allem Fleiß seinen Glauben zu stärken. Oder wer bedürfte einer solchen Stärkung nicht, wie zu aller Zeit, so vornehmlich in der trüben Einsamkeit des hohen Alters, in dem Grauen schlafloser Nächte, unter den Qualen langwieriger Krankheit, bei den Angriffen des alles erschütternden Todes? Wenn man seufzen muss: „Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird; der sterbliche Leichnam beschwert die Seele, und die irdische Hütte drückt den zerstreuten Sinn“ - wo wäre der Glaube, der sich da nicht oft nach einem frischen Labetrunk sehnte aus den Bächen des lebendigen Wassers? O jetzt erhebt der Christ von dem Berge Nebo fleißig sein Haupt zum langen, hellen, gedankenvollen, tröstenden Hinschauen in das verheißene Land; jetzt bedenkt er in der Stille seiner Seele noch oft die Wunder Gottes in der Erlösung der Menschen; jetzt sucht er mit größerem Fleiß als sonst je in der Schrift nach den glänzendsten Zeugnissen für die Ehre des Herrn, nach den lieblichsten Worten und süßesten Verheißungen des Königs der Wahrheit; jetzt verdoppelt er seinen Eifer im Gebet und Flehen; jetzt bittet er seine gläubigen Freunde, viel mit ihm zu reden von göttlichen Dingen; jetzt spricht er: „Wer will mir zu trinken holen des Wassers aus dem Brunnen zu Bethlehem unter dem Tore?“ Jetzt sendet er nach dem Diener der Kirche, und bittet ihn, ihm noch einmal eine gute Botschaft von seinem lieben Heilande in den dunklen Kerker zu bringen, ihm viel zu erzählen von dem, durch welchen die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen rein werden, die Tauben hören und die Toten auferstehen. Jetzt empfängt er noch einmal im heiligen Abendmahle voll Buße und Dankbarkeit das teuerste Unterpfand der Vergebung der Sünden, das rührendste Zeugnis der Gnade unsres Herrn Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, die gewisseste Bürgschaft des ewigen Lebens, die köstlichste Erquickung, die seligste Stärkung zum schweren Gang in die Ewigkeit. Und so wird ihm die Bitte gewährt: „Herr, stärke uns den Glauben!“ So kann er dann mit Jakob sagen: „Herr, ich warte auf dein Heil!“ und mit Paulo: „Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, dass er mir meine Beilage wohl bewahren wird bis an jenen Tag;“ und mit Simeon: „Herr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ - Eben so gewiss zeigt uns aber auch dieses Evangelium von dem Christen am Ende seiner Zeit: 
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-=====Er weist die Seinigen zu Christo hin. ===== 
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-Denn nicht bloß um sein selbst willen sandte Johannes seine Jünger zu Christo, sondern offenbar mehr noch um ihrer willen. Johannes hatte Jünger, die er liebte, für deren Heil er besorgt war; sie waren ihm seine Kinder, das Teuerste, was er in dieser Welt besaß; ihnen hatte er den besten Teil seiner Zeit gewidmet, auf sie seine Weisheit, seinen Glauben, seine Tugenden, seine Hoffnungen zu vererben sich angelegen sein lassen. An ihnen hing das Herz dieses Mannes, dem das Irdische so gleichgültig, aber Menschenwohl so wichtig war, mit zärtlicher Liebe. Er sieht sein gutes Werk, das er in ihnen angefangen hatte, bald unterbrochen; er merkt, dass die Zeit seines Abscheidens vorhanden ist; es fällt ihm wohl schmerzlich, so frühzeitig schon von seinen lieben Jüngern scheiden zu müssen, sie so unbefestigt, unbewährt in dieser Welt zurückzulassen. Wenn etwas im Stande wäre, ihn an diese Erde zu fesseln, so wäre es diese Sorge; wenn etwas ihm das Scheiden schwer machen könnte, so wäre es der Gedanke an ihre Zukunft. Doch Johannes weiß, an wen er sie weist, wem er sie übergibt, wer sich ihrer künftig annehmen und überschwänglich an ihnen tun wird über Bitten und Verstehen. Er sendet seine Jünger zu Christo; ihn sollen sie kennen lernen, an ihn sollen sie glauben, nicht mehr um des Wortes Johannis, sondern um sein selbst willen; an ihn selbst, den Herrn, sollen sie forthin sich halten, wenn der Diener, der sie bisher unterwiesen und geleitet hatte, nicht mehr bei ihnen sein wird. Und also geschah es. Johannes der Evangelist, der geliebteste unter den Aposteln Christi, der Mann, der nachher einen so ruhmvollen Platz im Reiche Gottes einnahm, dieser war nach dem Berichte einiger alten Schriftsteller der Kirche, der eine von jenen zwei Jüngern des Täufers, die dort zu Jesu kamen, und der andere wird vielleicht sein edler Bruder Jakobus gewesen sein. Du hattest wohl für sie gesorgt, redlicher Johannes, als du sie zu Christo hinsandtest; du hast ihnen dadurch ein besseres Erbteil gelassen, als wenn du ihnen den Thron des Herodes, das Zepter des römischen Kaisers, alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit hinterlassen hättest! 
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-Ihm haben von jeher alle gläubigen Christen es hierin nachgetan; ihm werden, so lang auf Erden wahre Christen leben, alle es nachzutun suchen. Hast du Angehörige, um deren Wohlfahrt du bekümmert bist, hast du Kinder, die du gerne mit Aufopferung deines Blutes glücklich machen möchtest - du wirst sie an Christum weisen, sie mit ihm bekannt machen, sie im Glauben, in der Liebe zu ihm wohl zu gründen dich befleißigen; du wirst sie mit inbrünstigen Gebeten in seine allmächtige Gnadenhand befehlen schon während deines ganzen Zusammenseins mit ihnen, ganz besonders aber dann, wenn es dir klar wird, dass du von ihnen scheiden musst. Die letzten Reden, Ermahnungen, Wünsche und Bitten, die letzten Beispiele und Gebete sterbender Christen sind von einem besonders großen Gewichte und dauernden Segen für die Ihrigen. Ein Johannes, der aus seinem Gefängnisse die Seinigen zu Christo hinsendet, darf nicht fürchten, dass sie verschmäht werden. Darum wirst du nicht ängstlich sorgen, die Deinigen nicht für verlassen und hilflos halten, wenn du von ihnen gehen musst; wie frühzeitig auch dieses geschehe, wie unbefestigt sie noch seien, wie trübe dir ihre Zukunft dünken möge - sprich getrost: „Siehe ich sterbe und Gott wird mit euch sein; ich bin desselbigen in guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, wirds auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi!“ Der, dem du noch bei deinem Scheiden die Deinigen empfiehlst, wird sein Wort zu halten wissen: „Bittet, so werdet ihr nehmen, auf dass eure Freude vollkommen werde; alles, was ihr bitten werdet im Glauben, das wird euch gegeben werden.“ -  
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-Darum bemerken wir von dem Christen am Ende seiner Zeit noch weiter: Er bittet nicht ängstlich um Fristung seiner Tage. Nicht nach einem langen Tagewerke, müde von der Arbeit, satt von Jahren, erschöpft an Kräften ward Johannes abgerufen. Mitten im Laufe des nützlichsten Lebens, in der Übung des segensreichsten Berufes, in der Fülle seiner Kraft sieht er plötzlich sein Wirken gehemmt, seine Arbeit geendet, seine Stunde gekommen. Noch scheinen die Seinigen, mehr noch sein ganzes Volk so sehr seines treuen Dienstes zu bedürfen; noch hätten seine großen Gaben so viel zur Ausbreitung des Evangeliums beitragen können; noch konnten seiner so viele hohe Freuden hier warten bei der immer weiteren Entwicklung des göttlichen Werkes Christi, immer heller werdenden Enthüllung seiner Herrlichkeit, bei den außerordentlichen und so willkommenen ersehnten Dingen, die durch den Messias geschehen sollten auf Erden. Aber sehen wir, dass Johannes von diesen Betrachtungen sich bekümmert fühlt, dass er sich in einer Rücksicht für unentbehrlich hält, dass er ängstlich darum sorgt, seiner Lebenslänge eine Elle zuzusetzen? Sendet er darum seine Jünger zu Christo, damit dieser ihm Befreiung aus seinem Kerker, Fristung seiner Tage verschaffen soll? Seine Seele voll Ergebung, voll Demut, voll Vertrauen, voll Glaubensfreudigkeit, weiß nichts von einer solchen Gesinnung. Er hat sein Schicksal vollkommen Gott heimgestellt; sollen seiner Tage noch mehr werden, soll er seine äußerliche Freiheit wieder erlangen - er wird mit Freuden die Werke Gottes fortwirken, so lange es für ihn Tag ist, und es beweisen: „Leben wir, so leben wir dem Herrn;“ soll seine irdische Laufbahn sich in diesem Kerker beschließen, soll er bald von hinnen gehen - er wird denken: „Es ist der Herr, er tue, was ihm wohlgefällt; sterben wir, so sterben wir dem Herrn - darum, wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn.“ Er weiß, dass das Vornehmen des Herrn fortgehen wird auch ohne ihn; er schlägt sein zeitliches Leben nicht so hoch an, dass er es nicht gerne gegen das ewige dahingehen sollte; er geht aus der Wüste, in welcher er die Stimme eines Predigers gewesen ist, gern in das gelobte Land. 
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-Nachahmungswerte Gesinnung! Nein, jenes ängstliche Kleben an dieser Zeit, jenes unaufhörliche Warten auf Vermehrung der irdischen Tage, jene weichliche Liebe zu dem gegenwärtigen Leben, jenes unmutige, heftige Widerstreben gegen den Ratschluss des Höchsten, der uns von hinnen fordert, wie man bei so vielen Menschen es findet, das verträgt sich nicht mit der Gesinnung des Christen, nicht mit der Überzeugung, Unterwerfung und Hoffnung einer mit dem Fürsten des Lebens vereinigten Seele. Mag die irdische Natur einen Schauer empfinden am Ende der Zeit; der Christ, vom Geiste Gottes gestärkt, wird bald darüber triumphieren. Mögen es gerechte Wünsche und Hoffnungen sein, mit denen das Herz eine Verlängerung des zeitlichen Daseins begehrt - der Christ bringt sie ohne Murren dem heiligen Ratschlusse Gottes zum Opfer und spricht: „Nicht wie ich will, Vater, sondern wie du willst.“ Mag es, wie bei Johannes, ein frühes, unvermutetes, trauriges Ende sein, das uns beschieden ist - der Christ weiß: „die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit denen, die seinen Bund und Zeugnis halten.“ - Wir sind getrost und wissen, dass dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen; wir sind aber getrost, und haben vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns, wir sind daheim oder wallen, dass wir ihm wohlgefallen.“ Und so bemerken wir von dem Christen am Ende seiner Zeit schließlich noch dieses: 
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-=====Er verherrlicht seinen Heiland auch im Tode noch.===== 
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-Edel tritt Johannes von dem Schauplatz dieser Zeit ab. Zur Ehre des Herrn gereicht noch das Letzte, was er tut; mit einer Sendung seiner Jünger an Christum, mit einer Absicht, in welcher der ganze Endzweck seines Lebens, die heilige Sorge aller seiner Tage sich deutlich zu erkennen gibt, deren Beantwortung das Wichtigste betrifft, was genannt werden kann - mit einer Bemühung für die Offenbarung der Herrlichkeit Christi: damit beschließt der Vorläufer des Herrn sein irdisches Wirken. „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ lässt er ihn fragen. Er weiß, dass diese Frage ganz Israel beschäftigt und Millionen Herzen noch bewegen wird; er hört die Antwort darauf im Geiste schon, er sieht voraus, dass diese Antwort Christi forthallen wird durch alle Länder, Geschlechter und Zeiten, dass sie unaufhörlich die Freude, der Trost, die Bewunderung, die Hoffnung aller Gläubigen sein wird. So erfüllt Johannes noch scheidend seinen hohen Beruf, ein Herold Christi zu sein und dem Herrn den Weg zu bereiten in die Herzen der Menschen. Wie die Sonne beim heitern Untergehen noch einen schönen Anblick gewährt, noch einmal durch ihre sanfte Pracht laut die Ehre ihres Schöpfers erzählt, und mit ihrem friedevollen Schimmer, mit ihren milden Strahlen allen denkenden Seelen und fühlenden Herzen vernehmlich sagt: „Lobt den Herrn, alle seine Werke an allen Orten seine Herrschaft!“ so lobt dieser erste Zeuge des menschgewordenen Sohnes Gottes bei seinem Scheiden noch einmal auf das Rührendste denjenigen, dessen Herrlichkeit sich in seiner Seele spiegelt mit aufgedecktem Angesichte. 
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-Erhabener, seliger Beruf des Christen, den Herrn zu loben im Leben und im Tode noch, den Erlöser zu verklären vor den Menschen noch am dunklen Rande des Grabes! Wo die Welt ihre Gaben und Freuden alle zurück nimmt, da erhebt der Christ den, der ihn von der Welt erwählet hat, um ihm ein besseres Erbe zu geben; wo der Sünder seinen Götzen flucht, die ihn in die Verdammnis bringen, da leuchtet der Glanz des dankbarsten Lobes des lebendigen Gottes in den brechenden Augen des Frommen, da preiset seine scheidende Seele mit Entzücken den, der sie zu seiner Seligkeit führet. Dein Lob, o Herr, deine Verklärung auf Erden ist das Leben deiner Getreuen in dieser Zeit, ihr Wandel im Glauben - dein Lob, Herr Jesu, deine Verklärung vor den Menschen ist noch ihr friedenvolles, von dir behütetes, versüßtes, geheiligtes Ende! Dein Preis, deine ewige Verherrlichung ist ihr neues Leben im Himmel! Dir gelobe ich's heute, und dein Geist stehe mir bei mein Gelöbnis zu halten: 
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-Ich will dich noch im Tod erheben; \\ 
-Selbst nah, am Grabe preis‘ ich dich! \\ 
-Zum Segen gabst du mir mein Leben; \\ 
-Nimmst du es mir, du segnest mich. \\ 
-Mein Gott, im Leben war ich dein; \\ 
-Dein werd' ich auch im Tode sein. Amen,  
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Brenz, Johannes - Dritter Advents-Sonntag.====== 
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-1541. 
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-Matth. 11,2-10.\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin, und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist als ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-An den vergangenen Sonntagen haben wir geredet von der zwiefachen Zukunft Christi; die eine hat in Erniedrigung und am Kreuz stattgefunden, die andere soll in Herrlichkeit und Majestät eintreten. Nun haben zwar die entweder niedrige oder herrliche Zukunft des Messias diejenigen niemals bezweifelt, welche den Propheten Glauben geschenkt haben. Denn die Propheten sagen ganz deutlich, der Messias werde Anfangs so kommen, dass er kaum erkannt werde, danach aber in großer Majestät erscheinen. Wer jedoch der Messias, welches die Person des Messias oder Christus sei: darüber ist unter den Juden immer großer Streit gewesen. Daher werden wir am heutigen Tage aus dem Evangelium darlegen müssen, dass jener von Maria unter Augustus im Städtlein Bethlehem geborene, danach in Nazareth erzogene und unter Pontius Pilatus gekreuzigte Jesus allein der wahre Christus oder der Messias ist, von welchem die Propheten geweissagt haben, und welcher einmal niedrig im Fleisch gekommen ist, sodann aber kommen wird in großer Herrlichkeit, um zu richten die Lebendigen und die Toten. 
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-Das aber scheint eine müßige und überflüssige Rede zu sein unter Christen, die, wie sie sagen, alle glauben, Jesus, Marias Sohn, sei der wahre Christus oder Messias, der in Majestät wiederkehren werde. Und doch zeigt sich in der Tat ganz etwas Anderes, als man mit den Worten aussagt. Denn schamlos sündigt noch der größte Teil der Menschen unter den Christen und führt das verderbteste Leben. Ich rede nicht von der Erbsünde, der alle Menschen, und wären sie noch so fromm, unterworfen sind, sondern von den äußerlichen Sünden und Lastern, wodurch die Menge der Menschen besudelt ist. Nun erkennen aber Diejenigen, welche Lastern frönen und ihr Leben ohne Reue in Lastern hinbringen, Jesum Christum nicht an, ob sie es gleich mit Worten aussagen. Denn Johannes sagt (1. Joh. 2,3.4): „An Dem merken wir, dass wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten. Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit.“ Und wiederum (1. Joh. 3,6): „Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen, noch erkannt.“ Und Christus selber sagt (Joh. 16,3): Solches werden sie euch darum tun, dass sie weder meinen Vater, noch mich erkennen.“ Da also die größte Menschenmenge unter den Christen auf Sünden und Laster bedacht ist, so ist das ein klarer Beweis, dass sie diesen Jesus noch nicht als ihren wahrhaftigen Messias anerkennen und weder glauben, er sei gekommen, noch glauben, er werde kommen. Und eben deshalb ist durchaus notwendig, dass mit Fleiß aus dem Evangelium nachgewiesen werde, er sei der wahre Messias, damit Jene ihn anerkennen und zur Besinnung kommen. 
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-Wohlan denn, lasst uns die Behandlung derjenigen Beweise in Bezug auf den Messias vornehmen, welche das heutige Evangelium darbietet. Indem die Propheten verkündigt haben, Christus werde Anfangs in Niedrigkeit kommen, haben sie zwei bestimmte Merkmale und Zeugnisse hinzugefügt, woran er könne erkannt werden. Das eine ist Elias. Maleachi nämlich spricht (3,1): „Siehe ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.“ Und ferner (4,5.6): „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elias, ehe denn kommt der große und schreckliche Tag des Herrn; der soll das Herz der Väter bekehren zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu ihren Vätern.“ Diesem Ausspruch zufolge war es eine unter den Juden weitverbreitete Meinung, Elias werde vor dem Messias kommen. Diesen Ausspruch des Maleachi erklären Etliche in Bezug auf die zweite Zukunft Christi, vor welcher der Elias, der unter Ahab in feurigem Wagen gen Himmel empor geführt worden ist, kommen, alle Juden zu Christo bekehren und die Gottlosigkeit des Widerchrists zeigen werde. Etliche setzen auch hinzu: Henoch werde mit Elias kommen; aber es ist offenbar, dass der Prophet von der ersten Zukunft Christi redet. Obgleich es nämlich für Gott möglich ist, nicht nur den Elias und den Henoch vor dem jüngsten Tage wieder zu uns zu senden, sondern auch viele andere Heilige zur Predigt des Evangeliums Christi von den Toten zu erwecken, so ist dieses uns doch nicht in der Schrift offenbart. Und was Christus (Matth. 17,11) sagt: Elias soll kommen, das weissagt er nicht von der Zukunft jenes Elias, der unter Ahab gelebt hat, sondern erweist damit den Satz der Schriftgelehrten, in dem Sinne: Diese haben es mit Recht gesagt; Elias wird kommen. Was sie daher als zukünftig bezeichnen, das bezeichne ich jetzt als erfüllt, weil der Elias, von welchem Maleachi schreibt, bereits gekommen ist. Der Elias jedoch, welcher Christo den Weg bereiten soll, und von welchem der Prophet Maleachi geweissagt hat, ist Johannes der Täufer; denn also legt es der Engel Gabriel (Luk. 1,17) aus: „Er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern“ rc. Und Christus selbst spricht in dem heutigen Evangelium: „Dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe! ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Und nachher (Matth. 17,12): „Ich sage euch: Es ist Elias schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt.“ Die Sache selbst indessen zeigt, dieser sei der Elias, von welchem der Prophet Maleachi geweissagt hat. Derselbe sagt nämlich: „Elias werde die Herzen der Väter zu den Kindern, und die Herzen der Kinder zu den Vätern bekehren,“ d. h., die wahre Religion der Väter predigen, dass die Kinder, welche der väterlichen Religion entfremdet waren, zu derselben zurückkehren würden. Fürwahr, das hat Johannes getan, weil der Väter Religion der Glaube an Christum gewesen ist. Diese Religion haben die späteren Juden nicht gekannt, Johannes aber hat sie wieder an das Tageslicht gebracht. Hat er also erfüllt, was der Prophet von Elias geschrieben hat, so ist offenbar, er sei der wahrhaftige Elias, und kein anderer sei zu erwarten. Nun hat dieser Elias, d. i. Johannes der Täufer, bewiesen, kein anderer sei als der Messias anzuerkennen, als eben Jesus, Marias Sohn. Er spricht ja: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Und ferner: „Dieser ist's, der nach mir kommen wird, des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse“ (Joh. 1,29.27.). Dieses Zeugnis aber ist nicht ohne Gewicht; denn Johannes hatte alle Eigenschaften eines glaubwürdigen Zeugen. Zuerst nämlich empfängt er Lob wegen seiner Festigkeit: „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Ein Rohr, das der Wind hin und her weht?“ d. h. Johannes ist der Vollkommenste. Darauf empfängt er Lob wegen seiner Wahrhaftigkeit: „Er ist nicht mit weichen Kleidern angetan,“ d. h. kein Schmeichler. Außerdem empfängt er Lob in Bezug auf den heiligen Geist: „Er ist mehr als ein Prophet.“ Da er nun die Eigenschaften eines glaubwürdigen Zeugen besitzt, und von Jesu gezeugt hat, dass er der wahrhaftige Messias sei, ist in der Tat kein anderer Heiland zu erwarten. Weshalb also, wird man sagen, schickt er seine Jünger zu Jesu, um zu fragen: ob er Der sei, der da kommen soll? Ich antworte: er schickt nicht, weil er es nicht weiß, sondern um seine Jünger zu belehren und sie von sich zu entfernen, damit sie Jesum kennen lernen. Denn was ihn selbst betrifft, hatte er ja zuvor schon denselben getauft und den heiligen Geist auf ihn herabkommen sehen und Zeugnis abgelegt, dass es keinen anderen Christus gäbe. Daran hast du das erste Merkmal und Zeugnis in Bezug auf Jesum, nämlich das des Elias oder Johannes des Täufers. Lasst uns nun auch das zweite hören. Die Propheten nämlich haben nicht bloß gesagt, Elias würde vor dem Messias kommen, sondern dieser würde auch Wunder tun, damit man ihn erkenne. Die Wunder also, die die Jesus getan hat, sind das zweite Merkmal, woran wir, nach dem Geheiß der Propheten, Christum erkennen sollen. Und das ist das Nämliche, was Christus zu den Jüngern des Johannes sagt, weil er zu derselben Stunde Viele geheilt hatte. Er redet deshalb: „Geht hin und sagt dem Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören“ rc. Gleich als spräche er: Johannes zwar weiß, wer ich bin, hat euch aber euretwegen zu mir gesandt, damit ihr nicht ungläubig seid bei seiner Stimme, mit welcher er von mir gezeugt hat. Lernt denn jetzt von den Taten, dass wahr ist, was Johannes mit Worten verkündigt hat. Er hat geredet, ich sei Christus, und diese seine Rede bestätigen meine Wunder. Wollt ihr nun mir nicht glauben, so glaubt meinen Werken. Denn Jesaja spricht (35,5.6): Wenn der Messias gekommen ist, „alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren werden geöffnet werden; alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch.“ Noch deutlicher jedoch (Jes. 61.1):“Der Geist des Herrn ist über mir, darum hat mich der Herr gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen.“ Das ist das Nämliche, was Christus sagt: „Die Armen hören das Evangelium,“ d. i.: Die Elenden hören die willkommenste und erwünschteste Botschaft. Denn zu der Zeit, als Christus sein Evangelium predigte, gab es keinen Menschen, der nicht Trost und Hilfe in seinem Elend empfangen hätte, wenn er Christum um Hilfe anrief; Niemand hat bei ihm eine Fehlbitte getan. Wer mit Sünden beladen war, hat auf seine Bitte Vergebung der Sünden von ihm erlangt. Wer mit Krankheit beschwert war, ist auf seine Bitte von Christo befreit und wieder gesund gemacht worden. Zwar sind auch Diejenigen elend, die ihren Gläubigern Vieles schulden und nicht im Stande sind zu bezahlen, oder die, welche in Gefängnisse eingeschlossen sind; wir lesen jedoch nicht, dass Christus solche Elende äußerlicher Weise befreit hat. Niemandem hat er äußerliche Schulden erlassen, Niemanden gewaltsam dem Kerker entrissen, nicht einmal Johannes den Täufer. Das ist aber deshalb geschehen, weil Christus nicht gekommen war, um in dieser Welt die Staatsverhältnisse zu stören; er hat dieselben vielmehr bis zu seiner letzten Wiederkunft erhalten wollen. Darum verkündigte er sein Evangelium den Elenden, welchen er ohne Störung der Staatsverhältnisse beistehen konnte. Den elenden Schuldnern und Gefangenen indessen hat er ebenfalls sein Evangelium gepredigt, so dass dieselben, wenn sie auch nicht aus der äußerlichen Gefangenschaft befreit worden sind, dennoch durch ihn wahrhafte Befreiung erlangt haben, nämlich von den Sünden und der ewigen Verdammnis. 
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-So hast du nun das zweite Merkmal oder Zeugnis, dass Jesus der wahre Christus oder Messias sei, und diese zwei Zeugnisse verbindet Christus (Joh. 5,33.36): „Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit. Ich aber habe ein größer Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, dass ich sie vollende, dieselbigen Werke, die ich tue, zeugen von mir, dass mich der Vater gesandt habe.“ Das verhält sich denn also: wie es gewiss ist, Jesus sei Christus, ebenso gewiss ist es denn auch, dass er das Himmelreich mit sich auf die Erde gebracht hat; denn Daniel sagt (Dan. 2,44): „Christus werde vom Himmel ein Königreich aufrichten.“ Daher bleibt nur noch übrig, dass wir in dieses Reich eingehen und es annehmen, wir gehen aber durch Sinnesänderung in dasselbe ein. Tut Buße,“ spricht er „,denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen.“ Er schließt ja Keinen aus, der einzugehen begehrt, stößt Keinen zurück, auch den nicht, welcher die größten Sünden begangen hat; denn er spricht: „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu erlösen, sondern die Sünder“ keinen Kranken, denn er spricht: „Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ keinen Greis oder Krüppel, denn es gibt kein Ansehen der Person bei Christo. Allein diejenigen verwirft er, welche nicht in das Reich Gottes eingehen wollen und lieber in ihren Sünden fortfahren, als Buße tun; Solche sind unbußfertig. Daher dürfen wir die Zeit nicht verabsäumen, sondern müssen Buße tun, auf dass wir mit Jesu Christo, dem wahrhaftigen Messias, das Erbe des himmlischen Reiches empfangen. Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Burger, Carl Heinrich August von - Am dritten Adventsonntag 1856.====== 
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-Text: Matth. 11, 2-10\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei. Und ließ ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder, was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-Unser Text erzählt uns von beunruhigenden Zweifeln eines geistig großen Mannes, von der Antwort, mit welcher Jesus ihn zufrieden stellte, und von dem Zeugnis, welches Er ihm danach gab vor allem Volke. Was selbst einen Johannes zu der Frage bringen konnte: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ ist nicht schwer zu sagen. Nach den großen Erwartungen, zu denen sein eigener göttlicher Auftrag, und was er gesehen hatte bei der Taufe Jesu, ihn berechtigte, erschien der Gang des Werkes Jesu ihm ganz unerklärlich langsam, zögernd, fast entmutigend für die große Zahl, die einer mächtigen Entfaltung sieghafter Herrlichkeit des Herrn mit gespannter Seele harrte. Sogar Johannes weiß sich nicht darein zu finden, und seine Frage an den Herrn ist eben so sehr bestimmt, sein eigenes Befremden als die Zweifel seiner Jünger aufzulösen, weil er diesmal unfähig ist mit der gewohnten Kraft und Sicherheit sie zu beraten. Was den Johannes anficht, ist seitdem Manchen in Zeiten innerer und äußerer Not der gläubigen Gemeinde Christi beängstigend auf das Herz gefallen und drängte ihnen in dunklen Stunden die Frage auf: Sind wir denn wirklich recht berichtet? Ist das, was wir vor Augen sehen, in der Tat das Reich des Herrn unsres Gottes, Seine Stiftung, die Stätte, da Er Seine Herrlichkeit erweisen, die Er mit Seinen Gaben füllen will? Wie niedrig und armselig erscheint das zersprengte und zerstreute Häuflein der aufrichtigen Bekenner Christi oft gegenüber der Menge derer, die es schmähen oder hassen oder wenigstens sich achselzuckend von ihm wenden? Und fällt die Missgestalt der Kirche nicht auch auf den zurück, den sie als ihren Herrn bekennt? ist sie nicht wie gemacht, den Glauben an die Zukunft unserer Sache selber zu erschüttern? Das sind Bedenken, die schon Manchen je und je beschlichen haben mögen; zu denen es an Anlass heutzutage am allerwenigsten gebricht. Sie drängen mich in unserer heutigen Betrachtung auf Grund des vorgeschriebenen Textes davon zu sprechen: 
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-Auf welchem Wege wir unser angefochtenes Herz zu beruhigen vermögen, wenn es am Gange des Reiches Gottes irre werden will. 
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-Meine Antwort ist: 
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-  - Wir müssen Rat und Zuflucht suchen vor allem im Hinblick auf die Person des Herrn selbst; 
-  - wir müssen achten aus die entscheidenden Wahrzeichen Seiner Wirksamkeit, die nicht verborgen sind; 
-  - wir müssen glauben dem Worte der Propheten, welche von Ihm zeugen. 
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-Herr Jesu, Herr der Herrlichkeit! der Du sprichst: Selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert! mache Du unser Herz getrost und stark, dass alle Anfechtung und aller Kleinmut vor dem Lichte Deiner Wahrheit schwinden wie der Nebel vor der Sonne. Segne Dein Wort dazu auch heute unter uns, und gib ihm Eingang in die Herzen, dass sie in Dir fröhlich werden. Amen. 
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-=====I.===== 
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-Will eine Seele Friede finden, welche in Gefahr steht, irre zu werden an dem Gange, den Gottes Reich auf Erden nimmt, so ahme sie vor allem darin dem Johannes nach, dass sie auf Jesum selber ihre Blicke richte. Johannes hatte verhältnismäßig wenig von dem Herrn gesehen und aus Seinem Mund vernommen; doch war es genug, um sein Vertrauen so an Ihn zu binden, dass er auch mitten in der Anfechtung nirgends Rat und Aufschluss sucht als nur bei Ihm. Nun denn, was dem Johannes wohl anstand und was er vermochte, das sollte uns um Vieles leichter sein. Er stand mit den Bedenken, die seinen sonst so klaren Blick vorübergehend trübten, nur den Anfängen Jesu gegenüber; wir haben auch den Ausgang Seines Weges vor den Augen. Er sah den Herrn nur in Niedrigkeit und unbegreiflicher Verhüllung Seiner Macht und Ehre, erfuhr nur, wie geduldig und gelassen unter Schmähung und Verkennung Er still und langsam Seinen Weg ging, nicht eilte und nicht drängte mit der Geltendmachung Seines Anspruchs an das Volk, das doch berufen war zu Seinem Eigentume; wie Er um ihren Glauben sich bewirbt mit unerschütterlicher Langmut, und ihre freie Anerkennung sucht, nicht ihre Sinne blendet oder sie betäubt durch Überraschung. Wir wissen noch viel mehr von Ihm. Wir kennen Ihn erniedrigt bis zum Missetätertod am Kreuze, aber auch siegreich auferstanden und erhöht zur Rechten Gottes und erwiesen als königlichen Priester im oberen Heiligtume durch die Gaben, die Er über Seine Jünger ausgießt. Wenn nun Sein Volk, die Gläubigen auf Erden, einen Weg gehen müssen, der dem Seinen gleichet, kann uns das ernstlich irre machen und befremden? Hat Er es nicht vorher gesagt? „Der Jünger ist nicht über seinen Meister,“ spricht Er, „noch der Knecht über den Herrn“ (Matth. 10, 24). „Gedenkt an Mein Wort, das Ich euch gesagt habe,“ ruft Er uns zu wie einst Seinen Jüngern: „der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie Mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie Mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das Alles werden sie euch tun um Meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der Mich gesandt hat“ (Joh. 15, 20. 21). Hier ist uns deutlich an die Hand gegeben, woran wir uns halten sollen, wenn eintrifft, was Er uns vorher gesagt hat. Wir sollen uns nicht wundern, wenn Er Seiner Kirche nicht erspart, worin Er ihr vorangegangen ist mit Tun und Leiden. Ihm wäre es ein Kleines gewesen, die Kräfte des Himmels und der Erde zu bewegen und Seine Gegner zu schrecken mit der Allmacht Seines Willens, dass sie sich zitternd hätten vor Ihm beugen und Seinem Namen angstvoll Ehre geben müssen. Aber solch einen Sieg verschmähte Er, weil Er nicht ihre Unterwerfung suchte, sondern ihrer Seele Leben; weil Er sie nicht richten wollte, das wird Er zuletzt tun, sondern um sie werben, damit Er sie selig machte. Ist die Aufgabe Seiner Kirche bis auf diese Stunde eine andere geworden? Und kann es darum Jemand wundern, wenn sie demselben Widerstand begegnet, den Er erduldet hat, und wenn Er doch nicht eilt aus solchem Widerspruch sie zu erlösen? wenn Er auch ihr das Ziel steckt, langsam mit der Kraft des Sauerteiges die Welt zu durchdringen, damit durch sie gewonnen werden, die seinen guten Herzens sind, wie Er selbst in der Deutung des Gleichnisses vom Säemann sie bezeichnet, und dass an ihr der von Gott abgewandte Sinn der übrigen sich offenbare, auf dass kund werde, was der Herr gesagt hat: „Das ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, aber die Menschen liebten die Finsternis mehr denn das Licht“ (Joh. 3, 19)? Wer an den Kämpfen, den scheinbaren Niederlagen, dem Widerspruche und der Feindschaft, die den Kindern Gottes, dem Bekenntnisse des Glaubens, dem Zeugnis Christi allezeit begegnet ist und noch begegnet, Anstoß zu nehmen sich berechtigt hält, der gehe mit seinem Anstoß nur sogleich noch weiter und nehme ihn auch an dem Herrn selbst, der auch auf Erden keine Gestalt noch Schöne hatte, von dem auch der Prophet sagt: „Wir sahen Ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte!“ (Jes. 53, 2). Wie aber der Herr trotz alle dem ausruft: „Selig ist, der sich nicht an mir ärgert!“ so sagen wir von Seiner Kirche, die Seinen Namen ehrt, die Sein Bekenntnis festhält und im guten Zeugnis wahren Glaubens sich bewährt, und wenn ihr noch so viele widersprechen: Hier ist kein Grund für Jemand, sich zu ärgern! Sie steht nicht auf der Menschen Beifall oder Willkür; sie steht auf dem Namen ihres Gottes; der kann sie wohl schützen, und ihren Weg hat Er ihr vorgezeichnet; die Apostel sind ihn gegangen, die ganze Schrift bezeugt ihn; er heißet: „So wir mit Ihm leiden, so sollen wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden“ (Röm. 8,17). 
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-=====II.===== 
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-Aber es wäre unserem Fleische zu viel zugemutet, sollten wir allein mit diesem Trostgrund uns begnügen müssen. Eine Herrlichkeit, von der man gar nichts inne wird, ist schwer zu glauben. Ein Sieg der Zukunft, der keinerlei Anzeichen der Gewissheit in die Gegenwart vorausschickt, könnte leicht ein schöner Traum sein, der vor dem Ernst und der Gefahr der Wirklichkeit nicht deckt noch Stand hält. Darum verweist auch unser Herr den fragenden Johannes nicht bloß auf Seine Person und auf Sein Wort und die Verheißung künftiger Dinge, sondern auf Taten der Gegenwart, die Jedermann vor Augen lagen: „Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ So können auch wir in der Anfechtung, welche auf dem langsamen unscheinbaren Gang des Reiches Gottes auf uns eindringt, uns stärken, wenn wir achten auf die entscheidenden Wahrzeichen der Wirksamkeit des Herrn, die nicht verborgen bleiben. Leiblichen Blinden zwar sehen wir die Augen durch die Wunderkraft des Herrn jetzt nicht geöffnet, und leibliche Krüppel und Verstümmelte heilt Er nicht vor unseren Augen; aber das ist auch nicht die Hauptsache, auf die es ankommt. Hätten doch jene Wunder allesamt nicht den Johannes zu voller Sicherheit des Glaubens und gewissem Frieden bringen können, wenn er sie nur für sich allein betrachtet und ihren tiefen Zusammenhang vergessen hätte. Denn einzelne Wunder taten die Propheten vor Jesu vielfach auch, und doch war immerhin not noch zu warten, bis der rechte Helfer käme. Aber von den Zeiten der Erfüllung spricht Jesaja: „Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden und der Tauben Ohren werden geöffnet werden; alsdann werden die Lahmen löcken wie ein Hirsch und der Stummen Zunge wird Lob sagen“ (Jes. 35, 5. 6); „und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Armen unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels“ (Jes. 29, 19). An diese Aussprüche erinnert Jesus den Johannes durch die Antwort, die Er seinen Jüngern mitgibt; dass jene Zeit gekommen sei, das soll er merken an dem, was sie als Augenzeugen ihm berichten können, und soll sich durch diese Zeichen überführen lassen, dass kein Grund vorliegt an dem Herrn zu zweifeln, so seltsam auch Sein Tun erscheinen möge. Nun aber, meine Lieben, redet der Prophet in jenen Stellen in Wahrheit nicht von leiblich Blinden oder Lahmen, die geheilt werden sollen, sondern von Aufhebung der Blindheit seines Volkes und von Lösung der Glieder, die in Finsternis und Knechtschaft des Sündendiensts und seiner Folgen schwer gebunden waren. Die rechte und wahrhaftige Erfüllung seines Wortes ist nicht, was des Johannes Jünger dort gesehen haben; sie sahen nur ein Zeichen der wahrhaftigen Erfüllung; die leibliche Heilung ist nächst dem Beweise, den sie für Christi Sendung gibt, uns erst das Sinnbild und das Gleichnis einer höheren und besseren, die von Ihm ausgehen sollte. Aber diese bessere Heilung, ist sie uns so fremd, dass wir uns nicht auf sie berufen, nicht mit ihr unseren angefochtenen Glauben stärken könnten? Ich wenigstens, ich kenne durch Gottes Gnade einen Blinden und Tauben, dem der Herr die Augen aufgetan hat und das Ohr geöffnet: das bin ich selbst. Aber sollte ich mit dieser meiner Erfahrung allein in eurer Mitte stehen? Sollte Niemand antworten können: So ist es mir auch ergangen? Freilich, Geliebte, wer nichts an sich selbst erfährt und erfahren hat von Christi Kraft und Gnade, dem predigen wir fremde unverstandene Dinge, wenn wir von Seinem Reich und Seiner Ehre reden. Er hört uns an und meint vielleicht zu glauben, weil er nicht widerspricht; in Wahrheit aber steht er dem Glauben ferne. Der kann auch noch nicht angefochten sein. Denn die Anfechtung geht dem Glauben nicht voraus, sie hängt sich an ihn an und folgt ihm. Wenn ich von Angefochtenen rede, kann ich immer nur Gläubige im Sinne haben, denen das Licht der Wahrheit sich verdunkelt hat, ob sie es wohl bereits gesehen haben. Die aber haben auch das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt schon geschmeckt (Hebr. 6, 5); sie haben schon Erfahrung von dem Heil in Christo gemacht an sich selber. Sein Friede hat sie schon erquickt, Sein Licht sie schon erleuchtet, Seine Gnadenkräfte sie schon überschattet. Jetzt aber stehen sie vielleicht in einem Kampf, wo all das ihnen zugedeckt ist und wie weggenommen; wo sie nur Dunkel um sich sehen und ihre Seele überwältigt wird von bangen Zweifeln. 
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-Da ist denn gut sie zu erinnern an die Taten Christi, die eben so viel Pfänder und Wahrzeichen Seines Sieges sind in ihrem eigenen Geiste. Sie wissen es, Er hat sie nie betrogen. Sie kannten Ihn einst nicht; aber seitdem Sein Name ihnen aufgegangen ist, ist Er ihr Trost und Heil gewesen und hat niemals sie in Not verlassen. So haben sie ja die Bestätigung Seiner Wahrheit in sich selber schon erfahren, und sollen nur gedenken an die Worte Pauli: „Darum rühmen wir uns durch Ihn nicht allein der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll, sondern wir rühmen uns auch der Trübsal, dieweil wir wissen, dass Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.“ Röm. 5, 2-5. Eines von beiden steht uns immer offen; ist unsere Stimmung so, dass wir der Hoffnung der Herrlichkeit uns zu rühmen nicht vermögen, so fehlt es sicherlich nicht an der Trübsal, in welcher wir Geduld beweisen können, und die Geduld ist nur ein anderer tieferer und gründlicherer Weg zur Freude. Aus der Erfahrung, die sie wirkt, geht eine Hoffnung aus, die in Gott selbst ruht, und darum über alle Anfechtungen des Zweifels siegt. Darum wenn solche Not von innen oder außen auf dich einstürmt, dass deine Seele angefochten wird und will an Gottes Weg verzagen, so gehe hin in deine Kammer und schließe die Türe nach dir zu; verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorüber geht (Jes. 26, 20) Der Herr ist dennoch treu; Er kann Sich selbst nicht leugnen (2. Tim. 2, 13), und die Erfahrung Seiner Wahrheit und Erbarmung, die Er vielmal dir in das Herz gedrückt hat, ist dir ein Unterpfand viel sicherer und gewisser noch als alle äußern Wunder, dass Er dein Herr und König ist, ein Helfer und ein Sieger, der Seine Sache im Erliegen ausführt und aus dem Übermut der Feinde nur Sich selber einen umso größeren ewigen Triumph bereitet. 
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-=====III.===== 
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-Aber wir dürfen noch ein drittes Stärkungsmittel nicht vergessen, obgleich es von Vielen nicht erkannt wird - ihnen selbst zum Schaden: wir sollen gläubig achten aus das Zeugnis der Propheten von unserem Herrn und Seinem Werk. Die Botschaft des Johannes gibt dem Herrn Anlass, ein Wort über diesen selbst noch an das Volk zu richten. Wie jede neue und befremdliche Erscheinung, so war auch er, sobald er auftrat, für die Menge ein Gegenstand der Aufmerksamkeit geworden, und Viele hatten ihn aufgesucht und ihre Neugierde an ihm befriedigt; aber Wenige waren ihm ernstlich nachgegangen und hatten, was er war und ihnen bot, benützt zu ihrem Segen. Darüber straft sie der Herr und verweist ihnen ihre Eitelkeit, mit der sie auch diese Heimsuchung des Herrn und das durch sie dargebotene Gnadenmittel sich selbst verderbt und seine Wirkung aufgehoben hatten. Johannes war kein Rohr vom Wind bewegt, kein Mensch, der heute so und morgen anders dem Ohr der Menge schmeichelt und sie nur vergnügen will für eine Weile. Auch Pracht und Zier nach dem Geschmack der Welt war nicht an ihm zu sehen; sondern was er hieß, das war er, nämlich ein Prophet, ja mehr als dies, der Bote und Vorläufer Christi, der Ihm Bahn brach, weil Er alsbald folgen wollte. Dann aber war nichts getan mit einer oberflächlichen Beachtung, die sich schnell nach neuen Gegenständen weiter wandte; dann war seine Erscheinung ein Gnadenruf von Gott, der Glaube und Gehorsam forderte. -  
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-Geliebte in dem Herrn, noch jetzt gibt es Viele, die eine Weile glauben; wenn aber Anfechtung kommt, so fallen sie ab. Sie glauben, weil etwa ein Zug, der dazu drängt, einmal durch die Welt geht. Gibt es doch Zeiten, wo es sogar Mode wird, auch dem Worte des Lebens einiges Gehör zu schenken, weil man entdeckt hat, dass es geistreich sei, weil es sich brauchen lässt zu irdischen Zwecken, weil eine gewisse Leere damit ausgefüllt wird, die man sich nicht verbergen kann, wenn man auch weit entfernt ist ihren eigentlichen Grund und Ursprung einzusehen. Aber das ist kein Unterbau, auf dem sich eine sichere Bergungsstätte anlegen ließe wider Not und Tod, aus dem man Anfechtung überstehen könnte und am Glauben halten, auch wenn er in Widerspruch gerät mit dem, was unsere Augen sehen, und mit den Geistern, die die Welt bewegen. Das kann nur, wessen Seele von der Wahrheit des Wortes sich hat überführen lassen, und wer es fest hält und ihm glaubt, weil ihm die Kraft aus Gott, die darin liegt, das Herz besiegt hat. Der aber bleibt dann an der Quelle, welche ihn erquickt hat, kehrt nicht mehr um zu den löchrigen Brunnen der selbsterfundenen Weisheit dieser Welt, die nur den Gaumen kitzelt, aber das Herz leer lässt. Er liebt das Zeugnis der Propheten, weil Jesus Christus dessen Kern und Stern ist, und nährt seinen Geist daraus mit sieghafter Überzeugung und mit göttlicher Gewissheit. So lasst uns auch also tun, so viele unter uns im Ernst bemüht sind, Wahrheit zu erfahren. Wir leben in der Adventzeit, und wie sie uns immer wieder mahnt an die gnadenvolle Einkehr des eingeborenen Sohnes vom Vater in unser Fleisch und Blut, um uns zu retten, so ist sie auch bestimmt, uns hinzuweisen auf Seine zweite Ankunft, Seine Wiederkunft, durch die Er Sein im Fleische angefangenes Werk dereinst vollenden will. In diesen Worten selbst liegt daher ein prophetischer Wink; sie weisen nicht bloß rückwärts auf das, was bereits geschehen ist, sondern ebenso wohl vorwärts auf den Abschluss der von jener ersten Einkehr ausgegangenen Entwicklung. Unmessbar reich ist Gottes Unterricht, mit dem Er uns auf diesen Abschluss vorbereitet. Die Bücher des Alten und des Neuen Testamentes sind voll von dem, was kommen wird; nichts kann und soll den Gläubigen mehr überraschen, der auf seiner Hut steht; denn es ist Alles, was hierher Bezug hat, ihm zum Voraus dargelegt und angedeutet. Aber wie viele sind, die davon etwas wissen, danach fragen! wie selten ist mitten in der Christenheit ein Achten und ein Merken auf die Stimme der Propheten, deren Zeugnis weit über unsere Gegenwart hinaus reicht, die uns mit Waffen rüsten auf viel schwerere und ernstere Kämpfe noch, von denen jetzt nur ein Vorspiel je zuweilen uns begegnet! Es ist nicht wohl getan, wenn so vielfache Warnung und Belehrung, die unser Herr, der alle Dinge weiß, aus treuem Herzen uns voraus geschenkt hat, gleichwohl unbenützt bleibt, und die Folge kann nur sein, dass auch Wohlgesinnte sich nicht auskennen in der Zeit, in der sie leben, weil sie den Rat des Herrn vergessen haben, der sie so oft hieß achten auf die Zeichen, die den Fortschritt Seines Werkes begleiten, und Seine Gläubigen gestärkt hat, dass sie nie an Ihm sich ärgern. Darum lasst das Wort der Propheten und Apostel bei euch nicht bestaubt im Winkel liegen, sondern forscht darin fleißig und achtsam früh und spät, und denkt daran, wie großen Segen, wie manche Seligpreisungen der Herr daran geknüpft hat, so wir hören und lesen dieses Wort. So werdet ihr Kraft und Stärke darin finden allezeit mit aufgerichtetem Haupte und gefasstem Mute einherzugehen, auch wenn die Wogen der Anfechtung hoch sich bäumen; denn der Herr ist mit uns; Sein Wort hat uns darauf vorbereitet; wir können immer es in unseren Ohren tönen hören: „Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt“ (Joh. 14, 29). Aber der uns zuvor gesagt hat, was Schweres kommen wird, Er hat uns auch den Ausgang nicht verhalten. Es müssen alle Reiche dieser Welt doch noch des Herrn und Seines Christus werden, und ob die Wasserströme feindseliger Bewegungen in dieser Welt mit lautem Brausen ihre Wellen hoch erheben: Gott ist noch größer in der Höhe. Sein Wort ist eine rechte Lehre. Heiligkeit ist die Zierde Seines Hauses ewiglich. Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Ficker, Christian Gotthilf - Predigt am 3. Sonntag des Advents====== 
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-über  Matth. 11,2-11.  
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-1840. 
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-Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen! Amen. 
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-In dem Leben eines jeden Christen, mag über ihm noch so freundlich und hell die Sonne des Glückes scheinen, mag Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich vereinigen, seine Seele zu erquicken, mag er noch so treu auf den Wegen seines Gottes und in der Liebe zu seinem Erlöser und in der Zucht des Heiligen Geistes erfunden zu werden sich bestreben, kommen doch auch Tage und Stunden, wo die Stürme der Zeit den Himmel seines Lebens trüben und den Frieden seines Herzens bedrohen, wo die Gewalt der Versuchung der Treue und dem Eifer im Werke der Heiligung also nahe tritt, dass Zittern und Zagen anhebt, ob er auch die Versuchung überwinden möchte zur Ehre seines Gottes und zum Heile seiner Seele. Mit allem Rechte nennen wir solche Stunden unsres Lebens die dunklen Stunden desselben. Denn dunkel um uns und in uns ist es, wenn die Krankheiten des Körpers uns heimsuchen und wir nicht wissen, ob Gott uns von ihrer Gewalt erretten und den Unsrigen uns erhalten werde oder nicht. Dunkel ist's, wenn wir die Unsrigen leiden sehen müssen unter den Schmerzen eines siechen Körpers, wenn der Zeiger an ihrer Lebensuhr still steht und bald die Glocken ertönen, dass wir sie auf ihrem letzten Wege begleiten. Dunkel ist's, wenn unverdiente Kränkungen, wenn der Hass, der Neid, die Falschheit und die Unredlichkeit unserer Brüder unsere Herzen verwunden. Dunkel ist's, wenn unsere Arbeit nicht gelingen will, wenn der Segen eines treuen Arbeiters zu lange ausbleibt, wenn die Sünden der Welt wohl gar die Freude einer reichlichen und gesegneten Ernte uns verkümmern. Dunkel ist's, wenn unsere eigenen Schicksale und die Schicksale der Unsrigen unsere Wünsche und Hoffnungen bedrohen, wenn ihre und unsere Wege nicht auch Gottes Wege, und Gottes Gedanken nicht auch unsere Gedanken sind. Dunkel ist's, wenn unser Glaube an Gottes Weisheit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit zu wanken, unsere Liebe zu ihm zu erkalten und unser Vertrauen auf ihn zu sinken anfängt. Dunkel ist's, wenn Fleisch und Blut, Welt und Herz zusammentreten, um die teuersten und uns sonst so sicheren Güter unsres Glaubens, unserer Liebe und unserer Hoffnung streitig oder zweifelhaft und ungewiss zu machen und wenn so die einzigen und sichern Leitsterne in unserem Leben erbleichen in ihrem Glanze. 
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-Wie sollen wir uns nun in solchen Stunden verhalten? Welchen Weg sollen wir gehen, dass wir das Ziel nicht verfehlen? Welches Mittel ergreifen, wodurch wir die Dunkelheit solcher Stunden verscheuchen und das Licht des Tages heraufführen können? Zu wem uns wenden, dass er seine Hand uns reiche und uns verhelfe durch das Tal der Trübsal auf den Berg, wo Hilfe, Kraft und Trost uns entgegenkommen? Unsre heutigen Textesworte zeigen uns den Weg, das Mittel und die Hand, nach denen wir unsere Hand ausstrecken und unsere Augen hinwenden müssen, um auch in den dunklen Stunden unsres Lebens uns erweisen zu können als treue Freunde Gottes. Gott segne dazu unsere Betrachtung! 
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-Text. Matth. 11, v. 2-11.\\ 
-„**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, Und ließ ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.  Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes? Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wollt ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wollt ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, Ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, der größer sei, denn Johannes, der Täufer; der aber der kleinste ist im Himmelreich, ist größer, denn er.** 
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-Einen treuen Freund Gottes, der da verordnet war, dem Erlöser den Weg zu bereiten und seine Steige richtig zu machen, und von dem Christus selbst zeugte, dass er höher stehe als alle Propheten, finden wir heute im Gefängnis. Der Eifer für die Ehre seines Gottes; das freie und ungeschminkte Wort der Wahrheit: „Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib hast,“ und nichts anderes hat ihn an diesen Ort gebracht. Was mochte da in dem Herzen dieses treuen Zeugen für Gottes Ehre und Wahrheit vorgehen? „Du hast die Befehle Gottes bisher treu ausgerichtet und sein Wort freudig verkündigt; für seine Ehre hast du ritterlich gekämpft und seine Wahrheit bekannt vor der Welt; und doch hat sich Gott deiner nicht erbarmt, als du um Rettung aus der Tyrannen Händen flehtest. Ach, vielleicht hat er deiner ganz vergessen und versäumt! Dem in die Welt gekommenen Heiland, worauf die Väter schon hofften, hast du den Weg bereitet und wie sich der Freund des Bräutigams freut über dessen Stimme, so ist's die Freude, dass das Reich des Heilandes zunimmt, während das deinige abnimmt. Und doch tritt der Heiland nicht bestimmt genug mit der Macht und Würde eines Messias hervor, sein Leben in Niedrigkeit und Armut ist dem Glauben an ihn ein Ärgernis. Ach, vielleicht ist er nicht, der da kommen sollte, vielleicht müssen wir eines andern warten, vielleicht ist die Zeit der Erfüllung unserer Wünsche und Hoffnungen noch in ferner Zukunft.“ Solche und ähnliche Gedanken mochte er wohl bewegen in seinem Herzen; solche und ähnliche Gefühle mochten sein Gemüt bestürmen. Stunden der Dunkelheit und der Finsternis waren über seinem Leben aufgegangen. 
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-An uns ist es nun, auf ihn zu achten, wie er sich in dieser Dunkelheit seines Lebens verhält; an uns ist es, von ihm zu lernen, wie auch wir uns verhalten müssen in den dunklen Stunden unsres Lebens, wenn wir auf den Ruhm eines treuen Freundes Gottes rechnen wollen. Zu dem Ende lasst uns jetzt 
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-die Botschaft der Johannesjünger an den Herrn zum Gegenstande unserer Betrachtung machen, und zwar zuerst  
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-  - das Anbringen derselben, und sodann  
-  - die darauf erhaltene Antwort erwägen. 
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-=====I.===== 
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-Johannes hörte auch im Gefängnisse von den Werken des Herrn, dass er die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gehend, die Stummen redend, die Aussätzigen rein und die Toten lebendig gemacht habe und dass das Evangelium den Armen gepredigt werde, und dass Jesus der verheißene Erretter des menschlichen Geschlechts sei, das war ihm bisher außer allem Zweifel gewesen, also dass er alle seine Kräfte und seine Zeit in dem ihm gewordenen Berufe aufwendete, dem mit Jesu eintretenden Himmelreiche die Bahn zu brechen. Dass nun aber Jesus seine göttliche Macht nur gebrauchte, um menschliches Elend zu lindern, wo und wie es ihm auch begegnen möchte, dass Jesus absichtlich alle eigene Ehre verachtete und alles äußere Ansehen vermied, dass kein Schimmer von Hoffnung in die dunkle Stätte seines Kerkers leuchtete, wie sein Volk und er selbst aus den Händen schwacher und gottloser Fürsten befreit und das Joch einer fremden heidnischen Oberherrschaft zerbrochen werden könnte, das alles konnte er nicht zusammenreimen mit der Verheißung der glücklichen und seligen Zeit, die mit dem Eintritte des Messias aufgehen sollte; das alles häufte einen Berg voll Zweifel und Bedenken auf, über den er nicht hinweg kommen konnte; das alles führte ihn in eine Dunkelheit, aus der er selbst sich nicht zu retten vermochte. Er wendete sich also an den Herrn selbst, und die Hände und Füße gebunden sendete er seine Jünger an ihn, dass sie ihn fragen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“ Das war das Anbringen der Johannesjünger. 
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-Wie glücklich sind wir doch, meine Brüder, und wie gut ist's bestellt um den Frieden unsres Herzens auch in den dunkelsten Stunden des Lebens! „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?“, eine solche Frage brauchen wir nicht erst zu tun. Wir wissen es, dass in Jesu Christo die Hoffnung aller Völker und die Verheißungen unsres himmlischen Vaters erfüllt worden sind. Ein Jahrhundert hat es dem andern und ein Geschlecht hat es dem andern verkündigt, dass Jesus Christus der Grund ist, auf welchem das Heil unserer Seele im Leben und Sterben fest gegründet stehe, dass alle, welche an ihn glauben, nicht verloren gegangen sind, sondern dass sie das ewige Leben ererbt haben, dass Alle, welche bei ihm um Rat gefragt in den Dunkelheiten ihres Lebens, hindurchgedrungen sind durch die Sorgen und Zweifel zum Licht, dass Alle, welche das Wort verstanden: „ohne mich könnet ihr nichts tun,“ kräftig und freudig ihr Tagewerk vollendet haben zur Ehre Gottes, dass Alle, welche aus seinem Worte ihre Waffen entnommen, einen guten Kampf gekämpft gegen die Sünden und Sorgen der Erde, dass er Allen, welche bei ihm und in seiner Liebe geblieben sind, mehr als Vater und Mutter gewesen ist und ihr Leben und Sterben gekrönt hat mit großer Freude und Ehre. Wir wissen, dass er auch unser Weg, unsere Wahrheit und unser Leben“ ist, dass er selbst in seinem Worte und in seiner Kirche uns täglich und stündlich zu sich ruft, damit wir erfahren möchten, dass er sei der Fürst unserer Seligkeit und der Herzog unserer Seelen. Wir preisen Gott in den Tagen der Not und der Sorgen, dass wir in Christo einen Trost haben, eine Stütze, die nicht zerbricht, eine Hoffnung, die nicht zu Schanden werden lässt, ein Licht, das nicht verlöscht, eine Freude, die Niemand von uns nehmen kann. Mögen das rum auch unter uns doch noch Viele nicht fragen nach des Herrn Weisheit, Kraft und Trost, mögen Viele dies Alles suchen bei menschlichen Ratgebern und Helfern, mögen Viele in der Tat auch noch fragen und fragen lassen, ob Jesus der verheißene Retter aus aller Not sei oder ob sie eines andern warten sollen, mögen sogar Viele es sich angelegen sein lassen, durch Aufwerfen verfänglicher Fragen, die doch zu nichts führen, und durch Auffinden mannigfacher Zweifel und Bedenken in Dingen, welche nun einmal ein Geheimnis für uns bleiben sollen, so lange wir im Lande der Unvollkommenheit leben, die Bande des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung immer lockerer zu machen, ja mögen die Worte und Taten so mancher Christen darauf hinausgehen, den christlichen Glauben in seinem Grunde zu untergraben, mag es mit einem Worte in unseren Tagen immer seltener werden, dass man erst in Gottes Worte nachfrage, ehe man etwas unternimmt oder ausspricht: wir wollen uns dadurch nicht irre machen lassen, wollen auf die Früchte achten, welche die Verächter Jesu Christi hervorbringen und wollen Gott danken, dass er uns seinen Sohn gegeben hat zum Führer und Berater in allen Lagen unsres Lebens, und diesen unseren Dank dadurch beweisen, dass wir vom Grunde unsres Herzens ausrufen: „Wohin anders sollten wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens.“ 
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-=====II.===== 
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-Doch welche Antwort erhalten die Johannesjünger auf ihr Anbringen? Zuerst rechtfertigt der Herr sich selbst vor dem zweifelnden Herzen des Johannes und seiner Jünger. Dass er der sei, der da kommen sollte, und dass sie keines andern warten sollten, dafür zeugten die Taten des Herrn selbst. „Geht hin und sagt es dem Johannes wieder, was ihr seht und hört. Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt,“ so antwortet der Herr, und in seiner Antwort liegt nun an den Johannes die Frage: „Was bedarf Johannes und ihr weiter Zeugnis?“ Damit verbindet nun aber der Herr auch den Ausruf: „Selig ist, der sich nicht an mir ärgert,“ und er meint damit nichts anderes, als: „Selig würde Johannes auch in seiner unglücklichen Lage sein, wenn meine Art und Weise zu denken und zu handeln, wenn mein Beruf, der Armen am Geiste und am Leibe mich zu erbarmen, ihm nicht zum Ärgernis gereichte, wenn Johannes tiefer eingedrungen wäre in das Geheimnis des Himmelreichs, dessen schönste Gabe ist das Warten der Kinder Gottes, der feste Glaube, dass Gott endlich Alles herrlich hinausführen“ und die Seinen durch Trübsal zur Herrlichkeit bringen werde. Damit nun aber das um den Herrn versammelte Volk nicht irre werde an Johannes dem Täufer, der kurz vorher mit aller Begeisterung von dem mit Jesu sich nahenden Himmelreiche in der Wüste gepredigt hatte, der aber jetzt in seiner Ungewissheit fragen lässt, ob Jesus auch der verheißene Messias sei, damit er das Wort erfülle, was Einer seiner Apostel aussprach: „Ehre dem die Ehre gebührt,“ so rechtfertigt er zuletzt den Johannes und gibt ihm das bisher verdiente Zeugnis eines standhaften, ernsten und eines die Welt und ihre Freuden freudig verleugnenden Diener seines himmlischen Vaters. Dies Dreifache ist in der Antwort des Herrn enthalten. 
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-Dies Dreifache wollen nun aber auch wir beherzigen, indem wir es in das Eine zusammenfassen: „Selig ist, der sich nicht an dem Herrn Jesu ärgert.“ Mag uns auch Vieles, was ihn betrifft, ein undurchdringliches Geheimnis bleiben, mag namentlich sein Eintritt in diese Welt und sein Ausgang aus ihr völlig die Grenzen unseres Wissens überschreiten: selig sind wir, so wir deswegen uns nicht ärgern an ihm, so wir vielmehr uns bescheiden, dass wir einst, wenn wir ihn schauen, auch darüber zur völligen Klarheit kommen werden. Mag er auch unter uns nicht mehr sichtbar wandeln, und mag auch sein Geist die Kranken unter uns nicht mehr gesund und die Toten nicht mehr lebendig machen: selig sind wir, so wir doch an ihn glauben. Ist er es doch, der die Augen unsres Geistes erleuchtet, dass sie die Wahrheit erkennen, der die Kräfte unsres Geistes und Herzens stärkt, dass auch die schweren Wege im Leben uns doch leichter werden, der die Seelen reinigt von dem Schmutz der Sünde, dass wir dem Vater im Himmel wohlgefallen; der uns fähig macht, dass wir mit Freuden trachten nach dem, „was ehrbar, keusch, gerecht und züchtig ist und was wohllautet vor dem Herrn,“ der die in ihm Sterbenden einführt zu seines Reiches Freuden und auch unsere Tränen trocknen und unsere Klagen stillen wird, bis auch wir von allem Übel erlöset werden und hinankommen zu der Gemeinde Gottes, die er sich erworben hat. 
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-„Bleibt in mir,“ mit dieser Bitte empfing uns der Herr beim Eintritt ins neue Kirchenjahr. Siehe, Herr und Heiland, wir kommen auch heute und alle Tage zu Dir und sprechen: „Aus deiner Hand soll uns Nichts reißen, weder Freude noch Schmerz, weder Reichtum noch Armut, weder freundliche noch dunkle Stunden unsres Lebens, weder Leben noch Tod. Du gibst uns Antwort auf alle Fragen. Du bist unser Leben, und Sterben in Dir ist unser Gewinn! Amen.“ 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Frommel, Max - Am dritten Sonntage des Advent.====== 
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-„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde,“ so schildert die Heilige Schrift im ersten Verse ihres ersten Blattes den Anfang der Weltgeschichte; in dem letzten Buche der Schrift, in der Offenbarung Johannis und deren Schlusskapiteln schaut Johannes die Vollendung der Dinge als ein Herabfahren der Stadt Gottes aus dem Himmel auf die neue Erde. Das ist der Schluss der Weltgeschichte, dass der Himmel auf Erden und die Erde im Himmel sein wird; das ist der Anfang der Weltgeschichte, dass die Welt in sich trägt den tiefgreifendsten Unterschied: den Unterschied zwischen. Himmel und Erde. Und das ist der Inhalt und das Thema der Weltgeschichte, dass der Himmel sich zur Erde neigen und die Erde zum Himmel aufsteigen soll, dass, obwohl die durch die Schöpfung gesetzten Unterschiede bleiben, doch aus dem Unterschiede eine selige Gemeinschaft auf ewig werden soll. Eine dunkle Ahnung davon. ruht in jedem Menschenherzen, das nicht in der Sünde verhärtet und im Irdischen versunken ist. Was aber als dunkle Ahnung durch das Sehnen des Einzelnen wie durch die Klagelieder der Völker zieht, das hat in einem Prophetenworte der Schrift einen gewaltigen Ausdruck gewonnen, in einem Spruch, den man ein Adventswort des Jesaja nennen kann, das wir heute miteinander betrachten wollen, wie es geschrieben steht: 
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-Jesaja 64, 1.\\ 
-**Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!** 
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-Sinnend hat der Prophet gestanden und zurückgeblickt auf die Führung Gottes mit seinem Volke, unter Lobgesang hat er der Güte des Herrn gedacht, die er an dem Hause Israel getan, mit den zartesten Farben hat er das Herz Gottes gemalt, wie er sich seiner Kinder angenommen. Er hat gebetet: „So schaue nun vom Himmel und siehe herab von deiner heiligen herrlichen Wohnung“ aber als sein Auge nun fällt auf sein heißgeliebtes Volk, wenn er sieht, wie sie irren von Gottes Wegen und wie die Widersacher das Heiligtum zertreten, da genügt's ihm nicht mehr zu beten: Schaue vom Himmel, denn nicht ein Blick, nur eine göttliche Tat kann helfen, mit wehmütiger Gewalt ergreift ihn der schmerzliche Gegensatz der großartigen Vergangenheit und der dürftigen Gegenwart, die tiefe Kluft zwischen Verheißung und Erfüllung dort einst Israel geführt durch den ausgereckten Arm Jehovahs aus der Knechtschaft Ägyptens, geführt durch die Wüste, geführt ins gelobte Land, überall umringt von den Großtaten des Herrn, und. nun dasselbe Gottesvolk selbst abgefallen von der Furcht Gottes und umringt von den drohenden Weltmächten da bricht heraus aus seinem tieftrauernden Herzen der stürmische Ausruf: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-Wir hören in diesem Worte 
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-den Adventsgesang der Kirche, und zwar 
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-den Klageruf aus der Tiefe, \\ 
-das Hosianna in der Höhe. \\ 
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-Du aber, o Herr, der du das Rufen deiner Kinder erhörst, gib uns Ohren, die da hören und Herzen, die da vernehmen, gib uns Lippen, die dich preisen und Hände, die dir dienen. Ja, erweise deine Macht auch unter uns, der du die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Ausfähigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig machst, und lass uns Arme dein Evangelium für unseren größten Schatz achten. Amen. 
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-=====I.===== 
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-„Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ Es ist der Seufzer Israels, der in dem Klageruf des Propheten zu Worte kommt. Seit der Mensch gesündigt hatte, lag hinter ihm das verlorene Paradies, zu seinen Füßen die mit dem Fluch beladene Erde und vor ihm das Grab mit seinem bitteren Weh; da war ihm der Himmel verschlossen, und der Cherub mit dem flammenden Schwerte stand vor dem Eingang. Nur Eins war ihm geblieben: die Verheißung Gottes, dass es so nicht bleiben, dass der Weibessame, der Erlöser kommen sollte. Wie milde Sterne am Nachthimmel leuchteten diese Weissagungen, eine heller als die andere, und die Wächter Jerusalems hoben ihre Augen auf zu dem Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert, und fragten in der dämmernden Nacht, die Augen voll Tränen: „Hüter, ist die Nacht schier hin?“ Verzweifelnd an aller Menschenhilfe und an aller Erdenmacht, bauend und trauend auf die Wahrheit der göttlichen Zusage hoben sie ihre Stimme auf und riefen aus der Tiefe: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-Es ist, recht verstanden, auch der Seufzer aus der Heidenwelt. Was der Prophet mit hellen Worten ausspricht, das geht als dunkles Sehnen durch die Völker der alten Welt. Die Göttersagen der Heiden trotz ihrer tiefen Entstellung und dem sittlichen Schmutz, der ihnen zum Teil anhaftet, sie tragen im Keime doch die Erinnerung an das verlorene Paradies, und die Sagen von dem Besuch der Götter bei den Menschen, sie bergen doch die Ahnung von der Verbindung und Gemeinschaft des Himmels mit der Erde. Wenn ein edler Grieche, Plato, sehnsuchtsvoll ausschaut nach dem Kommen des einzig Gerechten, wenn Athen den Altar baut: Dem unbekannten Gotte - was ist's anders als der Schrei aus der Heidenwelt: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-Der Seufzer Israels und der Schrei der Heidenwelt sind der Klageruf der Menschheit und des einzelnen Menschenherzens. Wahrheit will der Mensch finden, wenn Gottes Geist und Gottes Hand ihn aufgeweckt, Antwort will er haben auf die tiefsten Fragen seines Daseins, Antwort auf die Rätsel des Lebens und des Sterbens, Antwort auf die Frage: Woher und wohin? Wenn er aber zu dem Schlusse gelangt, den der Dichter mit jenem Worte ausspricht: „Es irrt der Mensch, so lang' er strebt,“ wenn er die Antwort sich selbst nicht geben kann, wenn er erkennt, dass alles Wissen und Menschenweisheit, alle Naturforschung und alle Geschichtsforschung wohl über das Gegebene, aber nie über das Woher und Wohin Aufschluss geben kann, wenn die ganze Welt ihm nicht antworten kann auf seine tiefsten Fragen, so hebt er sein Auge sehnsuchtsvoll aufwärts und begehrt eine Offenbarung von Dem, der sie allein geben kann, von Dem, der die Welt gemacht und ihn selbst ins Dasein gerufen hat. Der Durst nach Wahrheit steigert sich unter Gottes Leitung zu einem brennenden Verlangen nach göttlicher Offenbarung, und dieses Verlangen nach einer göttlichen Lösung seiner menschlichen Rätsel ist der Klageruf aus der Tiefe: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-Ein Ideal will der Mensch finden, und seine Fantasie dichtet bald Götter und Göttinnen, bald Helden und Heldinnen, Gestalten, in welchen alles Wahre und Gute und Schöne sich zusammenfinden. Aber sobald er diese Gestalten in der nüchternen Wirklichkeit sucht, zerrinnen sie wie ein Nachtgesicht, die Traumgestalten haben kein Fleisch und Bein, die Sünde ist eine zu starke Realität oder Wirklichkeit, als dass das geschärfte Auge nichts Unwahres, Unschönes, Ungutes entdecken sollte, und es entringt sich der Seufzer: Soll denn das Ideal niemals real werden, soll denn das Bild, das ich in meiner Seele trage, nie zur Wirklichkeit und Wahrheit werden? Und wenn es auch aus der Erde, aus der Menschheit nicht erwachsen und erblühen kann, will denn der Himmel nie zur Erde kommen und das Urbild von oben nie seine Stätte unter uns aufschlagen? Was ist das anders, wenn auch manchmal unbewusst, als der Seufzer eines Menschenherzens: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-Nach Glück verlangt der Mensch. Ich kannte eine Frau, welche Mittel die Fülle hatte, um sich und andere zu erfreuen, aber sie war krank an Leib und Seele. Der Herr hatte ihr ihren blühenden Sohn, den Liebling ihres Mutterherzens genommen, und sie wurde all ihrer Erdengüter nicht froh. Sie suchte umsonst Heilung bei allen Ärzten und in allen Bädern. Als nun der letzte Arzt, den sie beriet, etwas unwillig sie fragte: Was wollen Sie eigentlich? da brach sie heraus: Glücklich möchte ich werden! Der Arzt aber rief mit kalter Ruhe aus: Ja, wer kann glücklich werden auf Erden! Was die Frau gesagt, das ist der Klageruf aus der Tiefe in Tausenden von Menschenherzen. Sag an, hast du nicht auch drinnen in deinem tiefsten Gemüte den Ruf getan: Glücklich, glücklich möchte ich werden! Und blick um dich her: In all dem Regen und Bewegen der Menschen, in dem rastlosen Handeln und Wandeln, Schaffen und Gaffen, Fragen und Klagen, Türmen und Stürmen - was ist's anders als die Jagd nach dem Glück! Und wenn du nach vielen vergeblichen Versuchen, das Glück zu erjagen, deine Träume immer wieder zerrinnen siehst, dich selbst tief unbefriedigt fühlst, die Welt dir öde und leer erscheint und du an manchen Menschen, die du für edel hieltest, irre geworden, anfängst zu verzagen, dass andere Menschen dich glücklich machen können; wenn die ganze Welt dir vorkommt wie ein großes Grab deiner gestorbenen Wünsche und du mit Hiob auf dem Trümmerhaufen deines ersehnten Glückes sitzt, wenn dir so tief weh ums Herz ist wirst du dann dich beruhigen mit dem Ausspruch jenes Arztes: Wer kann glücklich werden auf Erden? Soll dies dein Rezept sein, welches die schmerzliche Wunde heilt, oder willst du nicht vielmehr deine Augen aufheben zu Dem, der selbst Fülle und Quell eines ewigen Glückes und aller Seligkeit ist? Und wenn die Erde kein bleibendes Glück zu bieten vermag, wird nicht vom Himmel her ein Glück mir nahen, das dem tiefen Sehnen meines innersten Herzens entspricht? 
- 
-Weißt du aber, o Menschenkind, was dich unglücklich macht, was dich um die Wahrheit gebracht? Weißt du, was dich hindert, das Ideal an dir und in dir zu verwirklichen, weil du immer wieder an dir Unwahres, Unschönes, Ungutes entdecken musst; weißt du, was dich das Glück nicht finden lässt, was dein eigenstes größtes Unglück ist? Das ist die Sünde: das ist deine Schuld! Und wenn du von diesem geheimsten Elend loskommen, wenn du eine Sühne finden willst, die dich rein wäscht von den Flecken des Gewissens, die du mit allem Wasser deiner Entschuldigungen nicht wegwaschen kannst, wie der Dichter es schildert an jener Königsmörderin, die in der Nacht aufsteht und ihre Hände wäscht und wäscht, aber die Blutflecken an ihrer Hand stehen immer wieder vor ihrem inneren Auge wenn dein Herz nach Sühne schreit, und dein Gewissen nach Vergebung von Gott ruft das ist der Klageruf aus der tiefsten Tiefe: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ Aber hier scheiden sich die Wege: die Einen töten die bange Frage und Klage in ihrem Herzen, sie löschen den Durst nach himmlischer Wahrheit und ewigem Glück, das Sehnen nach Offenbarung und Erlösung von Oben, indem sie sagen: Nein, es gibt nun einmal keine gewisse Wahrheit, alle Ideale sind Traum und Schatten, und es ist Niemand dauernd glücklich auf Erden. Die Anderen aber halten die Frage fest, der Durst nach Wahrheit klärt sich zum Verlangen nach göttlicher Offenbarung, der Durst nach Leben und Glück klärt sich zum Verlangen nach göttlicher Erlösung, das Verlangen nach Vergebung steigert sich zu dem Psalmruf aus der Tiefe: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Ihr Sehnen stimmt ein in den Seufzer des Propheten: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ 
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-=====II.===== 
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-Und auf den Klageruf aus der Tiefe folgt das Hosianna in der Höhe. Gelobt sei, der da gekommen ist im Namen des Herrn, gelobt sei, der noch immerdar zu Zion kommt sanftmütig, gelobt sei, der da kommen wird in seiner Herrlichkeit. Hosianna in der Höhe! 
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-Jesus Christus hat den Himmel zerrissen und ist herabgefahren. Halleluja. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. In der Person Jesu Christi, des wahrhaftigen Gottessohnes und des wahrhaftigen Menschensohnes, ist der Himmel auf die Erde gekommen, ist die Ewigkeit in der Zeit erschienen, ist Gott Mensch geworden das ist das Neutestamentliche Hosianna der Kirche auf jenen Ruf des Propheten im Alten Bunde. 
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-In Christo ist die Wahrheit erschienen „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoße ist, der hat es uns verkündigt.“ Er darf sagen: Ich bin die Wahrheit. In Ihm ist Antwort auf unsere Fragen, in Ihm die Lösung unserer tiefsten Rätsel. Denn in Ihm ist erschienen die Liebe Gottes, und diese starke, große, ewige Liebe meines Gottes gibt mir Antwort auf meine Frage: Woher bin ich? Antwort: Die ewige Liebe hat mich erdacht, geschaffen, erlöst, geheiligt. Und wohin soll ich? Antwort: In die Arme dieser ewigen Liebe, die ein Vaterhaus für mich gebaut, die durch das Blut des Sohnes dem Cherub das Schwert entrungen und die durch die Hand des Geistes mich leiten will durch Alles hindurch zum ewigen Licht. 
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-Im Tempel zu Sais stand ein großes Götterbild, verschleiert vom Haupt bis zu den Füßen, und wer nach dem Bilde fragte, erhielt zur Antwort: Das ist die Wahrheit, undurchdringlich verhüllt, und kein Sterblicher kann den Schleier lüften, bis die Gottheit selbst ihn hebt. Wie schmerzlich tief spricht dieser Eine Zug doch die ganze Sehnsucht der ganzen Menschheit aus. Aber Halleluja, die Gottheit selbst hat ihn gehoben, der Schleier ist gefallen, die Wahrheit ist erschienen, kein stummes, kaltes, marmornes Götterbild, sondern das Wort ward Fleisch, „es hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe, es ist erschienen die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes unsres Heilandes.“ 
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-Und in Christo ist das Ideal aller Ideale erschienen, real geworden. Einmal und nun auf ewig ist es da in der hochgelobten Person des Einzig Einen, von dem der Vater gesagt hat: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ 
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-Und in Christo ist das Glück erschienen. Denn das Leben ist erschienen und die Liebe ist erschienen, ein Glück, das da bleibt, ja, das vorhält mitten in dem Elende dieser unerneuerten Welt. 
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-Aber wie die Wahrheit und das Leben in der Person Christi erschienen ist, so ist es für uns da durch sein ganzes großes Werk auf Erden, durch sein ganzes Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen. Halleluja: Christus hat den Himmel zerrissen für uns, nicht in einer plötzlichen Gotteserscheinung, wie der Blitz den Himmel zerreißt und die Nacht nur um so schauerlicher erhellt, nicht für seine Person, um in der Herrlichkeit seiner Gottesgestalt es als einen Raub zu achten, Gott gleich zu sein, nein, für uns ist er Mensch geworden, hat unser Leben durchlebt, für uns hat er gelitten und geblutet, für uns ist er auferstanden und zum Vater gegangen, uns die Stätte zu bereiten; Er ist unsere Himmelsleiter geworden, die Brücke und der Weg, auf dem auch wir heimkommen, denn Niemand kommt zum Vater, denn durch Ihn. Wer Ihn hat, der hat die Wahrheit, wer Ihm nachfolgt, der hat das Glück, denn er hat Vergebung seiner Sünde, und wo Vergebung ist, da ist Leben und Seligkeit, da ist ein offener Himmel, da kommt lauter Güte und vollkommene Gabe von oben herab, und auch im dunklen Tal steht Er zur Seite, und auch in der tiefsten Trübsal kann ein Christ singen: „Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich.“ Es ist wahr: es bleibt die Erde der Acker voll Dornen und Disteln, voll Schweiß des Angesichts in der Arbeit und voll Tränen des Wehs über die Macht der Sünde und des Todes in der Welt, auch für den Christen. Seine Pilgerlosung bleibt: „Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir“; ein Christ wartet auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, darin Gerechtigkeit wohnt, aber inwendig genießt er täglich und reichlich den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft; auswendig Trübsal, inwendig Trost, auswendig dunkles Tal, inwendig die Geistesleuchte und heller Sonnenschein, auswendig die Wüste, inwendig das Paradies. Und über ein Kleines, da erneut sich der Adventsgesang der Kirche in anderer Weise: unter den Trübsalen der letzten Zeit und unter den Leiden der Christen durch die Drangsale der Verächter, unter den Schrecken des Endes und unter den Wehen des jüngsten Tages, da wird der Angstruf der Kirche aus der Tiefe steigen: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“ Und unter dem Flüstern der Brautjungfrauen: „Siehe, der Bräutigam kommt, geht aus ihm entgegen,“ und unter dem Schmettern der Posaunen der Erzengel und unter dem Krachen der Elemente wird Jesus den Himmel zerreißen und herabfahren auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit - da wird offenbar werden, was wir hienieden geglaubt, geliebt, gehofft, da wird die Wahrheit nicht mehr geglaubt, sondern geschaut, da wird das Glück nicht mehr nur inwendig geschmeckt, sondern volle Genüge zu seiner Rechten ewiglich auch auswendig erscheinen, da wird der Himmel auf der Erde und die Erde im Himmel sein. 
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-Darum macht die Tore weit und die Türen eurer Herzen hoch, dass der König der Ehren einziehe. Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der Herr Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist der König der Ehren. Hosianna in der Höhe. Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Gerok, Karl - Der Heimat zu! - 3. Advent.====== 
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-1881. 
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-(Luk. 3,2-18.)\\ 
-**(2) Da Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zachariä Sohn, in der Wüste. (3) Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße, zur Vergebung der Sünden; (4) Wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesajä, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. (5) Alle Täler sollen voll werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg (gerade) werden. (6) Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. (7) Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließ: Ihr Otterngezücht, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? (8) Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. (9) Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. (10) Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? (11) Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also. (12) Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? (13) Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. (14) Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht und lasst euch begnügen an eurem Sold. (15) Als aber das Volk im Wahn war und dachten alle in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre; (16) Antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, dass ich die Riemen seiner Schuhe auflöse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen; (17) In desselben Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. (18) Und viel anders mehr vermahnte und verkündigte er dem Volk.** 
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-Es ist ein großartiges und ergreifendes Gesicht des Propheten Ezechiel, wie ihn des Herrn Hand auf ein weites Gefilde voll Totengebeine führt. Und auf das Wort des Propheten, im Auftrag des Herrn gesprochen, rauscht es über das Totenfeld und regt sich in den Gebeinen und sie finden sich zusammen jegliches zu seinem Gebein und überziehen sich mit Fleisch und ein Wind kommt daher und bläst ihnen wieder den Odem ein und sie werden lebendig und richten sich auf ihre Füße und ihrer war ein sehr großes Heer. (Ezech. 37.) 
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-Es ist die Erweckung seines in der babylonischen Gefangenschaft zerstreuten und wie tot darniederliegenden Volkes, seine sittliche und staatliche Erneuerung durch den Geist Gottes, was der Prophet zunächst unter jenem erhabenen Bild weissagt. 
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-Es ist die geistliche Erweckung überhaupt, wie sie nicht nur über einzelne Menschen, sondern hin und wieder über ganze Familien, über ganze Gemeinden, über ganze Völker gleich einem gewaltigen Frühlingswehen kommt, dass sie wie aus einem Todesschlaf erwachen in sittlicher Ermahnung, religiöser Erhebung und geistiger Wiedergeburt, was wir in jenem Bild vorgebildet sehen. 
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-Eine solche Erweckung hat die Christenheit vor 350 Jahren durch die Reformation, eine solche Erweckung hat unser deutsches Volk vor bald 70 Jahren zur Zeit der Befreiungskriege erlebt. Eine solche geistige Erweckung wünscht so mancher Freund Gottes und der Menschen auch heutzutage sehnlich herbei für die im Glauben und Leben so vielfach erschlaffte Christenheit, für unser sittlich und religiös so vielfach erstorbenes Volk. 
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-Auch in den Tagen Johannes des Täufers ging etwas wie eine Erweckung durch das jüdische Volk; es war, als rauschte es in den Totengebeinen, als führe der Geist Gottes wie ein Frühlingswind durch das Land hin - und doch ist's zu einer nachhaltigen Erweckung, zu einer rechtschaffenen Bekehrung nur bei wenigen gekommen. Vielleicht ist es heilsam, wenn wir daraus lernen: Was gehört zu einer rechten Erweckung im Volk Gottes? 
- 
-Antwort:  
- 
-  - Der rechte Mann;  
-  - das rechte Wort; 
-  - die rechte Zeit; 
-  - die rechte Frucht. 
- 
-O dass dein Feuer recht entbrennte, \\ 
-Dass wir es säh'n in alle Lande geh'n, \\ 
-Auf dass bald alle Welt erkennte, \\ 
-Was zur Erlösung ihr von dir gescheh'n! \\ 
-O Herr der Ernte, siehe du darein: \\ 
-Die Ernt' ist groß, der Knechte Zahl ist klein!  
- 
-Amen.  
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-Was gehört zu einer rechten Erweckung im Volk Gottes? Vor allem: 
- 
-=====1) Der rechte Mann, ===== 
- 
-von Gott berufen und ausgerüstet, seinem Reich neue Bahnen zu brechen, wie Johannes, der Prediger in der Wüste. 
- 
-Wenn das Volk dort in Scharen hinausströmte an den Jordan, von nah und fern, aus Städten und Dörfern, schriftgelehrte Pharisäer und einfache Zöllner, friedliche Hirten und raue Kriegsleute; wenn eine Bewegung der Herzen, ein Fragen: was sollen wir tun? durch alle Schichten des Volkes ging - so muss es wahrlich ein starker Magnet gewesen sein, der eine solche Anziehungskraft ausübte auf die verschiedensten Menschenklassen. 
- 
-Und ein solcher Magnet war Johannes, Zacharias Sohn. Ein Gottesmann, dem es auf der Stirn geschrieben stand: Der Herr ist's, der mich sendet; dem der Eifer für das Reich Gottes aus den Augen flammte, der mit Herz und Seele ganz aufging in seinem Prophetenberuf. Und zugleich ein Volksmann, der mit dem Volke zu reden wusste in jener schlichten und doch gewaltigen, in jener gemeinverständlichen und doch urkräftigen Sprache, die den Nagel auf den Kopf und den Menschen ins Herz trifft. Ein großer Mann, von eigenartigem, imponierendem Gepräge, kein Rohr, das der Wind hin und her weht, sondern wie aus Eichenholz geschnitzt; kein Mensch in weichen Kleidern oder von weichem Gemüt, sondern ein scharfkantiger, schneidiger Charakter. 
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-Mit einer ähnlichen Ausrüstung hat einst Mose, der Mann Gottes, sein Volk erweckt aus der Knechtschaft Ägyptens, und Elias, die Feuerflamme des Herrn, Israel vom Baalsdienst zurückgeführt zum lebendigen Gott; hat Paulus, der große Heidenapostel, durch seine Predigt vom Kreuz ein Feuer angezündet in Kleinasien, Griechenland und Rom, und hat Luther, der teure Reformator, seinen Deutschen ans Herz und Gewissen gesprochen und einen neuen Geistesfrühling über die Christenheit heraufgeführt. 
- 
-Auch im kleineren Kreis einzelner Gemeinden sendet Gott der Herr je und je solche auserlesene Rüstzeuge, die mit der Gabe erwecklicher Predigt in besonderem Maß begnadigt sind, die etwas von Prophetenart an sich tragen und die, wo sie auftreten, eine tiefere Bewegung der Geister hervorrufen, eine mächtige Anziehungskraft auf die Herzen ausüben. 
- 
-Solch eine Johannesgestalt war vor 60 Jahren hier in Stuttgart der jugendliche Ludwig Hofacker mit seiner feurigen Predigt vom Gekreuzigten: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! So hat vor 40 Jahren der verewigte Christoph Blumhardt als ein Prediger in der Wüste seine Gemeinde im Schwarzwald erweckt und lebenslang, wo er weilte und wirkte, sei's mit dem Weckruf zur Buße oder mit dem Gnadentrost des Evangeliums eine merkwürdige Macht über die Gemüter geübt. 
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-Wir wollen Gott danken für solche Männer, die gewaltig wirken in ihrer Zeit und noch fortpredigen über ihrem Grab. Wir wollen Gott bitten, dass er auch ferner, wo es not tut, seiner Kirche es nicht fehlen lasse an auserlesenen Rüstzeugen, zum Beweis: Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. 
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-Aber wir wollen nicht von jeder Zeit das Außerordentliche erwarten. Wir wollen nicht neugierig und genusssüchtig nur dem Ungewöhnlichen und Pikanten nachlaufen. Wir wollen auch den redlichen Dienst des treuen Knechtes nicht gering achten, der mit einem Pfund statt mit fünfen gewissenhaft haushält und mit liebreicher Hirtenstimme statt mit erschütterndem Posaunenton an die Herzen spricht. Gehört ja überhaupt zur rechten Erweckung nicht nur der rechte Mann, sondern auch: 
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-=====2) Das rechte Wort, ===== 
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-nämlich das Wort Gottes, das da ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter unserer Gedanken und der Sinne unseres Herzens. 
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-Geht zu Johannes hinaus an den Jordan. So gewaltig der Mann dasteht wie ein Fels in der Wüste und so mächtig seine Stimme tönt gleich dem Rollen des Donners: nur in Gottes Wort hat er seine Stärke, nur durch Gottes Wort will er etwas wirken. 
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-Er weist zurück auf das Wort des alttestamentlichen Propheten, der vor ihm kam, und will nichts sein, als was Jesajas geweissagt, eine Stimme eines Predigers in der Wüste: „Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden, und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen.“ 
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-Und er weist hinaus auf den Stifter des Neuen Bundes, der nach ihm kommt und stärker ist als er, dem er nicht genugsam ist, auch nur die Riemen seiner Schuhe aufzulösen, der sein Volk mit Geist und mit Feuer taufen wird. 
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-Und wie Johannes, so jeder echte Gottesknecht. Wodurch hat Paulus soviel Herzen bezwungen und soviel Gemeinden gegründet? Es war nicht die unscheinbare Persönlichkeit des kränklichen Mannes mit dem Pfahl im Fleisch. Es war nicht die rabbinische Gelehrsamkeit des Pharisäerschülers, der zu Gamaliels Füßen gesessen: Es war das Wort vom Kreuz, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; es war das Evangelium von Jesu Christo, eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben! 
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-Welches war der Lebensquell, den der Bergmannsohn Luther dem deutschen Volk wieder aufschloss und wie belebende Frühlingswasser hinausleitete in alle Lande, dass Glaube, Liebe und Hoffnung wieder frisch aufgrünte, wie einst in den Tagen nach Pfingsten? Es war Gottes Wort, das er in seinen Predigten trieb, das er in seinen Liedern sang, das er in seiner deutschen Bibel dem Volk in die Hand gab, das er in seinen Katechismen der Jugend auslegte und um das er brünstig zu Gott betete: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und steure aller Feinde Mord! 
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-Und dabei bleibt's. Der Hammer, der Felsen zerschmeißt, und der Schlüssel, der Herzen eröffnet, ist und bleibt Gottes Wort mit dem heiligen Ernst seines Gesetzes und dem himmlischen Trost seines Evangeliums. 
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-Eine gewaltige Persönlichkeit kann die Leute anziehen, dass sie scharenweise zu einer Kirche strömen, Gebildete und Ungebildete, Kriegsleute und Frauen; eine glänzende Beredsamkeit kann die Gemüter ansprechen und anregen und auf eine Stunde fesseln und unterhalten; ein schöner Schmuck des Gottesdienstes in edlem Bildwerk und heiliger Musik kann die Herzen stimmen zu frommer Andacht. Aber was die Seelen erweckt, gründlich aufweckt aus ihrem Sündenschlaf zu rechtschaffener Buße, die da fragt: Was muss ich tun, dass ich selig werde; himmlisch erquickt mit dem rechten Gnadentrost, dass sie es im Glauben fassen: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren; kräftig stärkt zu neuem Gehorsam, dass es heißt: Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden; das ist keine Rednerkunst aus Menschenmund, kein Kerzenglanz und kein Chorgesang; das ist und bleibt allein Gottes lebendiges, lebendig machendes Wort. 
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-Dieses Wort, in Einfalt verkündigt von einem schlichten Prediger so gut als von einem gewaltigen Prediger Johannes; dieses Wort, in Andacht gehört in der Wüste so gut als unter dem vergoldeten Zederngebälk des Tempels zu Jerusalem; dieses Wort, gläubig zu Herzen genommen in einem schmucklosen Dorfkirchlein oder im stillen Kämmerlein so gut als im prächtigsten Gotteshaus, dieses Wort tut Wunderkuren, bildet neue Kreaturen, und ist eine Gotteskraft, die uns Seligkeit verschafft. 
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-Darum, wenn wir eine Erweckung wünschen für unser Volk, so weiß ich kein anderes Mittel, als das alte, das schon der Prophet Jeremias in sein Volk hineingerufen hat: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Und wenn eine einzige Seele hier kräftig erweckt, gründlich bekehrt, göttlich getröstet werden soll, so können wir sie nur immer aufs Neue hinweisen auf Gottes Wort, das eine Kraft Gottes ist, selig zu machen alle, die daran glauben. Wo man an dies Wort sich hält, da kommt dann für die rechte Erweckung gewiss auch 
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-=====3) Die rechte Zeit, ===== 
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-eine Zeit der gnädigen Heimsuchung Gottes. 
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-„Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen,“ so begann der Täufer seine Predigt. „Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt,“ so rief er mit warnender Stimme unter sein Volk hinein und mahnte damit an eine gnädige Zeit der Heimsuchung Gottes, die lange erwartet, nun endlich erschienen sei und ja nicht versäumt werden dürfe. 
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-„Hüter, ist die Nacht bald hin?“ so hatte schon zu Jesajas Zeiten das verstörte Volk sehnsüchtig gefragt nach dem Tag des Heils. „Ach, dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und Gott sein gefangenes Volk erlöste!“ so seufzt schon im Psalm (53) der fromme Sänger. 
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-Jahrhunderte gingen noch vorüber, immer dunkler wurde die Nacht, immer schlimmer die Zeit, immer schwerer der Druck äußerer Not und geistlicher Knechtschaft, der über dem Volk lag. Aber wann die Not am höchsten, dann ist Gott am nächsten. 
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-Endlich hat die rechte Stunde geschlagen auf Gottes Uhr. Jetzt war das Volk Israel mürbe geworden unter den Hammerschlägen der Trübsal. Jetzt war auch die Heidenwelt müde ihrer Götzen und reif für ein neues Heil. Der Boden der Menschheit war bereit für den Samen des Evangeliums. Das Himmelreich war nahe herbeigekommen. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten! Dieser Weckruf scholl aus der Wüste am Jordan mächtig ins jüdische Land hinein und über die Grenzen des jüdischen Landes in die Welt hinaus, die Menschheit zu erneuern. 
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-Wann die Not am höchsten, dann ist Gott am nächsten! So hieß es auch in Luthers Tagen. Jahrhunderte vorher hatten edle Wahrheitszeugen das Licht des Evangeliums wieder auf den Leuchter zu stecken gesucht und hatten ihr Blut dabei gelassen. Jetzt war des Herrn Stunde gekommen und nun konnte keine päpstliche Bannbulle und keine kaiserliche Reichsacht den Geist mehr dämpfen und das Licht mehr unter den Scheffel stellen. Die Christenheit wachte auf. 
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-Wann die Not am höchsten, dann ist Gott am nächsten! Dabei wird's auch künftig bleiben. Gottes Stunde muss geduldig erwartet sein und kein Mensch kann den Zeiger auf seiner Uhr eigenmächtig vorrücken, aber kein Mensch kann auch seinem Geist wehren, wenn er vom Himmel braust, einen neuen Frühling auf die Erde zu bringen. 
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-So wollen wir denn getrost erwarten, wann es dem Allmächtigen gefällt, wieder einen Geist der Erweckung über seine Kirche zu senden, dass es rauscht in den Totengebeinen, und wieder eine Zeit der Erquickung von seinem Angesicht seinem Volk zu schicken, wie unsere Abendlektion sie verheißt. 
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-Für uns selber aber, meine Lieben, wollen wir nicht warten auf einen fernen Tag des Heils, sondern uns freuen: Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils; und unsere Buße nicht verschieben auf eine ungewisse Zukunft, sondern uns gesagt sein lassen: Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, der wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 
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-Frucht ist's ja: 
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-=====4) Die rechte Frucht ===== 
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-einer rechtschaffenen Buße, was zu einer rechten Erweckung gehört als die entscheidende Probe. Wie stand es wohl damit beim Volk der Juden in den Tagen Johannis des Täufers? Eine Bewegung ging ja wohl durch viele Herzen. Neugierig zogen sie hinaus, den merkwürdigen Mann zu sehen und zu hören. Lernbegierig fragten sie: was sollen wir tun? aufmerksam ließen sie sich ihre Standessünden vorhalten, ihre Standespflichten ans Herz legen. Erschüttert gingen sie weg und brachten manchen guten Eindruck und Vorsatz mit heim. Aber wirklich erweckt waren nur die wenigen, bei denen die Predigt auch Frucht brachte im Leben, bei denen die Taufe auch eine wahre Sinnesänderung wirkte, die sich auch dem zuführen ließen, dem Johannes Bahn machen wollte in den Herzen, der mit Geist und mit Feuer taufen kann, dem Heiland aller Menschen. 
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-Und wie steht es bei uns mit den Früchten einer rechten Erweckung? Eine flüchtige Bewegung geht ja wohl manchmal durch eine Gemeinde, wenn irgendeine schwere göttliche Heimsuchung die Herzen mürbe macht, wie eine herzzerreißende, entsetzliche uns jetzt wieder aus jener glänzenden Kaiserstadt berichtet wird, oder wenn das Wort Gottes aus einem neuen Mund in neuer Tonart erschallt, aber wie oft ist's ein flüchtiges, schnell aufloderndes und schnell verrauchendes Strohfeuer und in den Herzen und in den Häusern bleibt alles nach wie vor. Eine augenblickliche Anfassung durch Gottes Wort und Geist, eine vorübergehende Rührung in Herz und Gewissen, ein rascher Vorsatz und Anlauf zum Guten bei wem unter uns wäre es dazu nicht schon gekommen? Aber war's auch eine rechte Erweckung, oder war's nur eine fruchtlose Regung, nur das Blinzeln des Schlaftrunkenen, der die Augen einen Moment öffnet, um sie sofort wieder zu schließen, der sich umwendet auf dem Kissen, um auf der andern Seite fortzuschlafen? Seht zu, tut rechtschaffene Frucht der Buße, ruft der Täufer uns zu und der Herr spricht: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Er helfe uns selber dazu durch seinen heiligen Geist und wecke uns recht auf zum neuen Leben durch sein kräftiges Wort. Ja Herr, 
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-Wecke mich recht auf, dass ich meinen Lauf \\ 
-Unverrückt zu dir fortsetze, \\ 
-Und mich nicht in seinem Netze \\ 
-Satan halte auf; fördre meinen Lauf. \\ 
-Zeuch mich ganz zu dir, dass dein Lieben mir \\ 
-Ganz durchströme Herz und Sinne, \\ 
-Und mein Elend ganz zerrinne, \\ 
-Süßes Heil, in dir; wohne du in mir.  
- 
-Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Gerok, Karl von - Aus ernster Zeit - 3. Predigt am 3. Advent.====== 
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-(1871.) 
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-Matth. 11,2-10.\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: bist du der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern; oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? ja ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet! Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
- 
-Herr, wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? diese Frage und Klage kehrt manchmal wieder in den Psalmen des vielgeprüften Königs David (13,2; 27,9; 69,18; 88,5.). Und auch ein Christ weiß, was das zu bedeuten hat. Wie jetzt in dieser Winterzeit die Sonne wochenlang ihr Antlitz verbirgt, dass kein Stückchen Himmelblau durch die Wolken blickt, kein goldener Sonnenstrahl die Nebeldecke durchbricht: so gibt es auch im Menschenleben Zeiten, wo uns die Sonne nicht scheint, wo der gütige Gott selber wochenlang, monatelang gleichsam sein Antlitz vor uns verbirgt, seis dass die Wolken äußerer Trübsal unseren Lebensweg umdüsteren, seis dass innerlich in der Seele die Schatten der Schwermut, der Anfechtung, des Zweifels aufsteigen, so dass wir nicht mehr wie sonst glauben und beten, nicht mehr wie in glücklicheren Tagen das Antlitz unseres himmlischen Vaters suchen und finden können. 
- 
-Das sind schwere Zeiten im Christenleben, wo der Glaube, sonst groß und stark, voll Zuversicht und Freudigkeit, klein und schwach wird, da viel Zweifel, Furcht und Kleinmütigkeit mit unterläuft. Aber, meine Lieben, wenn die Sonne draußen jetzt hinter Winterwolken sich verbirgt, so wissen wir es: zu seiner Zeit kommt der Frühling, wo sie in mildem Glanz wieder vom azurnen Himmel strahlt. Gilt nicht dasselbe wie im Gebiete der Natur auch im Reiche der Geister? Heißts nicht auch da: Nach dem Regen scheint die Sonne? Spricht nicht der Herr selbst, und erfüllts heute noch hundertmal im Leben der Seinen: Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen? Führt nicht gerade diese Adventszeit uns Den vor Augen, in welchem Gott sein lange verborgenes Antlitz der Welt wieder in Gnaden zugewandt hat; Den, aus dessen mildem Angesicht die Güte und Barmherzigkeit Gottes uns freundlich anleuchtet, mags auch noch so trüb aussehen um uns und in uns: Jesum Christum, das Licht und Heil der Welt? 
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-„Selig ist, der sich nicht an mir ärgert“, der sich den Glauben an mich und durch mich an Gott durch keinen Zweifel rauben lässt! So lautet die Mahnung Jesu an Johannes im Gefängnis. Es ist eine Mahnung auch an uns. Lasst‘s uns beherzigen: 
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-Selig ist wer am Herrn sich nicht ärgert, 
- 
-und dabei sehen 
- 
-  - Wie auch ein Christ in Gefahr kommen kann, an seinem Herrn sich zu ärgern; 
-  - Was wir zu tun haben, um in solcher Gefahr uns zu helfen. 
- 
-Geber aller guten Gaben,\\ 
-Festen Glauben möcht ich haben,\\ 
-Wie ein Meerfels unbewegt,\\ 
-Wenn an ihn die Woge schlägt.\\ 
-Amen. 
-        
-=====1) Wie auch ein Christ Gefahr laufen kann, an seinem Herrn sich zu ärgern,=====   
- 
-sei es, dass das Ärgernis mehr von außen kommt, vom widrigen Weltlauf, oder von innen, aus seinem eigenen verkehrten Herzen, das sehen wir in unserer evangelischen Erzählung an dem Gottesmann Johannes. 
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-Bist du s der da kommen soll, bist du der Messias, oder sollen wir eines anderen warten? So lässt er aus dem Gefängnis durch zwei seiner Jünger Jesum fragen. Wie? meinst du, so kann ein Johannes fragen, der hochbegnadigte Vorläufer des Herrn, auf den im Texte das Prophetenwort angewendet wird: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der dir den Weg bereiten soll; der gewaltige Prediger in der Wüste, der längst auf den Herrn hingewiesen hatte mit dem demütig freudigen Zeugnis: dieser ist's, der nach mir kommen soll, dem ich nicht wert bin, die Schuhriemen aufzulösen, der fragt nun doch: Bist du's der da kommen. soll, und wird selber wieder irr in seinem Glauben an den Messias ? Man hat schon gemeint, der Gottesmann habe nicht um seiner selbst, sondern nur um seiner zweifelnden Jünger willen diese Botschaft zum Herrn gesandt. Aber solche künstliche Deutung ist nicht nötig. Nein, meine Lieben, das Wort Gottes, als das Wort der Wahrheit, malt uns die Menschen nicht wie sie sein sollen, sondern wie sie sind. Es zeigt uns auch die Männer Gottes, einen Abraham, Moses, Hiob, David, Petrus und Johannes, nicht als fleckenlose Heilige, sondern als mangelhafte Adamskinder; auch die vorübergehende Glaubensschwäche eines Täufers deckt es uns ehrlich auf. Und sie ist ja wahrlich wohl zu begreifen. 
- 
-Schon aus seiner äußeren Lage. Johannes war im Gefängnis. Auf dem einsamen Bergschloss Machärus saß er seit Monaten auf Herodes Befehl, weil er gewagt hatte, ihm zu sagen: Es ist nicht recht, dass du mit deines Bruders Weib lebst. Denken wir uns in seine Lage hinein. Der Mann der Wüste, der sein halbes Leben lang zugebracht hatte in der freien Natur, unter Gottes offenem Himmelszelt einen öden Winter lang eingesperrt in ein dumpfes Kerkergemach; und wärs ein milder Gewahrsam, und wär es ein goldener Käfig gewesen; es war ihm gegen die Natur. Weiter: der Mann des feurigen Worts, der kräftigen Tat, verurteilt zu einem beharrlichen Schweigen, zu einer gezwungenen Ruhe: es war ihm wie ein Feuer in den Gebeinen. Und draußen unter den Fenstern seiner Wartburg sieht er das Land liegen, in dem er noch so viel zu wirken hätte und muss sitzen hinter Schloss und Riegel! Und durch die Besuche seiner Jünger hört er von dem Wirken Jesu, aber nicht dass er Ernst mache aufzutreten in messianischer Macht und Herrlichkeit, nicht dass er Anstalt treffe, seinen gefangenen Freund und Vorläufer aus dem Kerker zu befreien. Konnte da nicht auch einem Täufer Johannes der Glaube schwach, das Herz schwer, der Weg des Herrn ein Rätsel werden? Wenn sein Geistesverwandter, der feurige Elias, da er aus seinem Volke verbannt war, in der Wüste unter den Wacholder sich niederwarf mit der Klage: Es ist genug, Herr, so nimm nun meine Seele von mir; wenn sein Nachfolger Doktor Luther in der Einsamkeit seiner Wartburg finstere Anfechtungsstunden hatte, wo er mit dem altbösen Feind zu ringen meinte: müssen wir dann nicht auch einem Johannes im Gefängnis die Klage verzeihen: Herr wie lange verbirgst du dein Antlitz? und die Frage zu gut halten: Bist du es, der da kommen soll? 
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-Macht doch uns eine viel kleinere Trübsal oft wankend im Glauben! Wenn Gott uns auf ein Krankenlager legt, o wie bald wird da mit dem Leib auch der Geist matt und schwach, die Stimmung mürrisch und bitter, und statt zu erkennen: Leiden ist jetzt mein Geschäft, murren wir, dass das Tagewerk liegen bleibt; statt zu hoffen auf die Hilfe des Herrn, klagen wir, als hätte er unser ganz vergessen! Wenn der Weltlauf draußen nicht geht, wie wirs uns gedacht und gewünscht, wie gern grollen wir da mit dem Schicksal, werden irre an der Weltregierung Gottes und verzweifeln am Kommen seines Reiches, statt uns zu beugen unter das Wort: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege! Wenn der unerforschliche Gott uns selbst und unser Haus heimsucht mit einem schweren Schicksalsschlag, einem erschütternden Todesfall: o wie wird es da auch einem redlichen Christen oft so schwer, Glauben zu halten und sich in Gottes Wege zu finden mit einem gelassenen: dein Wille, o Vater, geschehe! 
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-Denn, meine Lieben, des Menschen Herz ist ein trotzig und verzagtes Ding, und mit der Trübsal von außen verschwört sich gar gern unser eigenes Herz, dass wir uns ärgern an dem Herrn. Der Täufer war ein eiserner Charakter, unbeugsam vor der Welt, wie der Herr selbst ihm bezeugt, kein Rohr das vom Winde bewegt wird. Brachte nicht diese seine Natur die Versuchung mit sich, dass er auch gegen seinen Gott und Herrn nicht immer in der kindlichen Demut stand, dass er auch den Lauf der Welt und den Gang des göttlichen Reichs meinte nach seinem Sinn zwingen zu können, und dass er schwerer, als ein weicheres Gemüt zu lernen hatte an dem Wort: Nicht mein Wille, Herr, sondern der deine! - Er war ein Eiferer für Gottes Gesetz und hatte mit Donnerstimme es in sein Volk hineingerufen, die Axt sei dem Baum an die Wurzel gelegt. Und als er nun vernahm, wie milde der Herr auftrat unter seinem Volk, wie er mit Zöllnern aß und mit Sündern verkehrte, mochte da nicht etwas von eigenwilligem Zorn und unduldsamem Feuereifer auflodern in seinem alttestamentlichen Prophetengeist, der die evangelische Wahrheit noch nicht recht verstand: des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er die Welt richte, sondern dass er sie selig mache? Er hatte das schöne Wort gesprochen gegenüber dem Herrn: Er muss zunehmen, ich muss abnehmen. Aber als er nun selber zwar abnahm, wie der Mond vor Sonnenaufgang erblasst, und doch nahm der Andere nicht zu, wie er gehofft, ging nicht triumphierend auf wie die strahlende Sonne, sondern trug seine Herrlichkeit im Knechtsgewande verborgen: mochte da nicht etwas von fleischlicher Ungeduld sich regen in seiner feurigen Eliasseele, dass er, unzufrieden mit den Wegen des Herrn, fragte: Wie lange verbirgst du dein Antlitz? Bist du es der da kommen soll? 
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-Meine Lieben, ertappen wir nicht oft unser eigenes Herz über solchem Trotz und solcher Verzagtheit? Wenn wir in fleischlicher Ungeduld Gottes Stunde nicht erwarten können und uns ärgern über den langsamen Gang seines Reiches; wenn wir in Zorn und Bitterkeit die Langmut nicht begreifen womit er die Welt trägt, und vergessen, dass wir selber getragen sind von der nämlichen Langmut und Geduld; wenn wir eigensinnig den Weltlauf regeln wollen nach unserem Meinen und Denken, statt zu erkennen: Gott sitzt im Regimente und führt Alles wohl; wenn wir in unserer Eitelkeit und Eigenliebe unsere Person verwechseln mit dem Reich Gottes und seiner Sache, als wären wir die Unentbehrlichen, als könnte ohne uns nichts vorwärts gehen in der Welt: liebe Freunde, sollten wir uns da nicht vielmehr ärgern über uns selbst, über unser schwaches, trotziges, unverständiges Herz, statt uns zu ärgern an dem Herrn und seinem allezeit guten und heiligen Rat? Sollten wir da nicht statt mit Gott zu hadern, vielmehr uns selber strafen: Bist du doch nicht Regente Der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente Und führet Alles wohl? Darum 
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-=====2) lasst uns lernen: was haben wir zu tun, damit wir uns nicht ärgern an dem Herrn. ===== 
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-Wende dich an den Herrn mit deinen Zweifeln und lass dich von dem Herrn belehren durch seine Werke, das sind die zwei Ratschläge die unsere Erzählung für uns ergibt. 
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-Wende dich mit deinen Zweifeln an den Herrn. So hats der Täufer gehalten. Er sandte seiner Jünger zwei zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du's der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Da sehen wir den ehrlichen, geradsinnigen Mann; wie er als Prediger gegen jedermann offen mit der Sprache herausrückte, gegen Fürst und Volk, gegen Schriftgelehrte und Kriegsknechte, so sagt er auch seinem Herrn und Meister ohne Rückhalt, wie es ihm ums Herz ist. Da sehen wir aber auch mitten in der Anfechtung sein noch glimmendes Glaubensdocht; wie unser Heiland, der in seiner Kreuzesnot beim schweren Gefühl der Gottverlassenheit doch noch an den Vater sich klammert mit der Klage: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? so wendet auch Johannes mit seinen Zweifeln sich dennoch zu dem, an dem er zweifelt, und bittet ihn um Aufklärung und Trost. 
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-Machs auch so, lieber Christ, bist du in Gefahr dich zu ärgern an deinem Herrn und Gott! Machs nicht wie so viele, die wenn sie etwas im Worte Gottes ärgert, nun die ganze Bibel wegwerfen und sprechen: jetzt glaub ich auch gar nichts mehr; die, wenn eins ihrer Gebete unerhört blieb, nun vom Gebet überhaupt nichts mehr wissen wollen. Wende dich nicht ab vom Herrn, wenn du in Gefahr bist dich an ihm zu ärgern, sondern dann gerade wende dich zu ihm mit doppeltem Ernst. Und kannst du keine Boten zu ihm schicken wie der Täufer aus seinem Gefängnis, so sende deine Gebete zu ihm als geflügelte Gesandte. Ringe mit ihm im Gebet, wenn er sich dir entziehen will, wie Jakob tat und ist ihm obgelegen. Ruf ihn an in der Not, wie David nach Gott in seinen Klagepsalmen schrie, und siehe zu, ob du nicht in solchem Gebetsverkehr deinem Gott und Heiland wieder näher kommst und es erfahren darfst, seis durch äußere Hilfe oder doch durch innere Stärkung: Ja, Er ist doch noch mein Gott, Er ist's doch noch der da kommen soll und helfen kann, und ich darf keines andern warten. Und kannst du nicht, wie Johannes dort, Antwort bekommen aus Jesu leiblichem Mund, so frage sein Wort und hole dir da Licht in deinen Zweifeln, Trost in deinen Nöten. Lies deine Bibel, höre deine Predigt und denke drüber nach und beweg es in deinem Geist, ob nicht manches, was dich geärgert hat beim ersten Lesen und Hören, bei längerer Betrachtung und reiferer Erfahrung dir klar und deutlich, ja lieb und teuer werden wird? Auch menschlicher Handreichung darfst du dich dabei nicht schämen. Wie Johannes, weil er in Banden lag, seine Freunde schickte, dass sie ihm Trost aus Jesu Munde brächten, so darfst auch du in Stunden der Anfechtung und Glaubensschwäche, wo dir selber der Weg zum Herrn mit Zweifeln verlegt ist, redliche Freunde, treue Diener des göttlichen Worts in Anspruch nehmen, dass sie mit dir und für dich beten und aus dem Schatz ihrer christlichen Erfahrung dir Trost und Rat vom Herrn bringen. So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, spricht der Herr, so will ich mich von euch finden lassen. An einer tröstlichen Antwort auf deine Fragen wird er's auch dir nicht fehlen lassen. 
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-„Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Fürwahr eine großartige Antwort des Herrn an seinen Zweifler, die Antwort mit der Tat; eine kräftige Beglaubigung für den Messias, das Zeugnis seiner Wunder und Zeichen. „Seid getrost und fürchtet euch nicht, seht, euer Gott kommt und wird euch helfen. Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden und der Tauben Ohren werden geöffnet werden, alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch und der Stummen Zunge wird Lob sagen.“ Mit diesen Worten hatte der Prophet Jesajas im 35. Kapitel die goldene Zeit die der Messias bringen würde, seinem Volke begeistert ausgemalt. Und nun deutet Jesus hin auf seine Taten die er in der Kraft Gottes unter seinem Volke getan, und gibt damit dem zweifelnden Täufer zu verstehen: Gräme dich nicht: Was die Väter gehofft, was die Propheten verheißen, was du selber geglaubt und gepredigt hast, es ist kein Wahn; das Himmelreich ist nahe herbeigekommen; der Messias ist da. Diese frohe Botschaft lass wie einen goldenen Sonnenstrahl in deine Kerkernacht fallen, diesen Glauben lass deines Herzens Trost sein im Leben, Leiden und Sterben. 
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-Und diese herrliche Antwort, meine Lieben, kommt sie nicht auch uns zu gut und ruft uns zu: Lass vom Herrn dich belehren durch seine Werke, wenn du irre wirst an seiner Person und seinen Wegen! Wenn Jesus den Täufer hinweist auf sein eben erst segensreich begonnenes Tagewerk: liegt nicht vor uns sein ganzer unvergleichlicher Lebenslauf bis zu dem Siegeswort am Kreuz: Es ist vollbracht? Ja liegt nicht vor uns die bald zweitausendjährige Geschichte seines Reichs mit all den Segnungen die es der Menschheit gebracht hat, und bestätigt es uns: Er ist's der da kommen soll, wir dürfen keines anderen warten? Wenn dem Täufer seine Jünger Botschaft brachten von leiblichen Wundern die Jesus unter seinem Volke getan: stehen nicht vor unseren Augen die größeren geistlichen Mirakel, die der Herr durch sein Wort und seinen Geist seit achtzehnhundert Jahren in der Menschheit getan? Wie viel geistlich Blinden hat er die Augen, wie viel geistlich Tauben hat er die Ohren aufgetan, wie viel Sünder hat er rein, wie viel Tote lebendig, wie viel Arme reich gemacht durch sein Evangelium und es damit bewiesen: Es ist in keinem Anderen Heil! Wenn den Johannes der Herr hinwies auf das was er an Anderen getan: darf er nicht uns erinnern an so Vieles was er an uns getan, die wir leben dürfen unter den Segnungen seines Reichs; an so manche Wunder seiner Macht und Liebe, wodurch er in unsrem eigenen Leben uns erwiesen hat, dass er ein lebendiger Gott ist und ein treuer Heiland der Seinen; an so manche Gnadenstunde, da wir angefasst in innerster Seele es ihm bezeugen mussten: Herr du hast Worte des ewigen Lebens! An solchen Erfahrungen richte dich auf, angefochtene Seele; an solchen Erinnerungen erquicke dich in Stunden der Glaubensschwäche und Herzensdürre. Glauben verloren alles verloren. Aber selig wer sich nicht ärgert an dem Herrn. Selig wer auch bei den dunkelsten Führungen festhält den kindlich frommen, mannhaft tapferen Glauben an die ewige Macht und Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe seines Gottes und Heilandes. 
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-Davon zum Schluss noch ein Beispiel. Wir alle wissen von dem württembergischen Patrioten und unverzagten Christen, dem Landschaftskonsulenten Johann Jakob Moser. Wie der Täufer auf dem Bergschloss Machärus, so saß er als Gefangener auf der Felsenburg Hohentwiel, weil er nach Pflicht und Überzeugung seinem Fürsten die Wahrheit gesagt und zu mancher Regierungshandlung des glänzend begabten, aber leidenschaftlichen Herzogs das Johanneswort gesprochen hatte: Es ist nicht recht! Fünf Jahre saß er dort in strenger Haft, ohne Umgang, ohne Bücher, ohne Feder und Papier, allein mit seinem Gott und seinem Gewissen. Aber hatte er einen ungnädigen Herrn auf Erden, so hatte er im Himmel einen gnädigen Gott und in seiner Brust ein gutes Gewissen und einen festen Glauben; darum ärgerte er sich nicht an dem Herrn und konnte aus dem Gefängnis, als es ihm zuletzt erlaubt war, an seine Frau schreiben: „Was das Innere anbelangt: der Friede Gottes, der mich in meinen Arrest begleitet hat, ist bisher unverrückt bei mir geblieben. Die Tage und Stunden sind zwar nicht alle gleich und es gibt manchen Kampf und Tränensaat, aber doch sieget der Glaube allemal. Die Wege des Herrn, so krumm und bitter sie für den alten Menschen sind, sind mir heilig und respektabel und mein Wille ruht in seinem Willen. Kurz, er hat eine ganze Erneuerung des inneren Menschen vorgenommen, das Licht ist wieder geputzt und der Staub vom Spiegel abgewischt. Hohentwiel auf der hohen Schule; 15. Nov. 1759.“  
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-Ist das nicht ein Geistesbruder unseres Täufers? Ja sehen wir nicht an ihm und seinem unerschütterlichen Glauben: der Kleinste im Himmelreich ist größer denn Johannes? Selig ist, wer an dem Herrn sich nicht ärgert. An diesem deinem Glauben hast du einen Stern in jeder Nacht, einen Stab auf jedem Weg, einen Schild in jedem Kampf, bis du eingehst vom Glauben zum Schauen, wo die Rätsel dieses Lebens in Licht und die Klagen des Kleinglaubens in den Lobgesang sich auflösen: der Herr hat alles wohlgemacht! Dazu hilf du uns, Herr Jesu, du Anfänger und Vollender unseres Glaubens.  
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-Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, \\ 
-Tröste dann mein zagend Herz, \\ 
-Hilf zum treuen Tugendlauf \\ 
-Meiner Schwachheit mächtig auf; 
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-Dass ich, wenn du, Lebensfürst, \\ 
-Herrlich wieder kommen wirst, \\ 
-Froh dir mag entgegensehn \\ 
-Und gerecht vor dir bestehn! \\ 
-Amen. 
- 
-{{tag>3_Advent }} 
- 
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-======Gerok, Karl von – Brosamen - 3. Predigt am 3. Advent.====== 
- 
-(1879.) 
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-Matth. 11,2-10.\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin, und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-Es ist die ehrwürdige Gestalt des Vorläufers Jesu, des Täufers Johannes, welche wie alljährlich in der Adventszeit, so auch heute wieder vor unsere Augen tritt. Aber nicht auf der Höhe seiner Kraft und seines Einflusses, nicht im Feuer seines Predigtamts am Jordan, nicht im Glanze seines Ruhms bei allem Volk sehen wir ihn heute. Im einsamen Kerker sitzt er auf dem Felsenschloss Machärus. Seine Wirksamkeit ist gelähmt, sein Tagewerk ist aus, niemand fragt nach ihm, niemand kümmert sich um ihn, er fühlt sich vergessen von seinem Volk. Und dies herbe Gefühl drückt seinen mannhaften Heldengeist darnieder, trübt seinen hellen Prophetenblick, macht ihn irre am Fortgang des Reichs Gottes, macht ihn misstrauisch selbst gegen den, von dem er so freudig gezeugt hatte, als dem Größeren, der nach ihm kommen sollte, und legt ihm die bittere Frage auf die Lippen: bist du es der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? 
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-Vergessen zu werden, nicht erst nach dem Tode, sondern schon im Leben, nicht bloß von den Fernerstehenden, sondern auch von den Nächsten, von denen man etwas Besseres verdient hätte, bei denen man auf dankbare Anhänglichkeit glaubte rechnen zu dürfen, das ist eine Erfahrung, auf die auch heute noch jeder Redliche gefasst sein muss und die auch heute noch jedem Wohldenkenden weh tut. 
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-Man braucht kein ehrgeiziger und eingebildeter Mensch zu sein, um schmerzlich berührt zu werden von solcher Vergesslichkeit der Welt. Nur ein ganz roher und niedrig gesinnter Mensch, der weder von sich selbst noch von andern etwas hält, setzt sich leichten Mutes hinweg über das Urteil seiner Mitmenschen. Siehe zu, dass du einen guten Namen behaltest, der bleibt gewisser, denn tausend große Schätze Goldes; das ist ein Spruch (Sir. 41, 15), der auch für den Christen noch seine Geltung hat. Und so lasst uns diesmal von unsrem Text Anlass nehmen zu betrachten: 
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-Johannes im Gefängnis oder das bittere Los vergessen zu werden. 
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-  - Wie wir es uns zu erklären haben.  
-  - Wie wir es ertragen sollen. 
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-Herr mein Gott! 
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-Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm,\\ 
-So sehr sie Menschen rühren,\\ 
-Des guten Namens Eigentum \\ 
-Lass mich nur nie verlieren, \\ 
-Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, \\ 
-Der Ruhm vor deinem Angesicht \\ 
-Und frommer Freunde Liebe. Amen.  
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-Johannes im Gefängnis oder das bittere Los vergessen zu werden. 
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-=====1) Wie haben wirs uns zu erklären? ===== 
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-Teils aus der Unart der Welt, teils aus unserer eigenen Schuld, teils aus dem Lauf der Natur. 
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-Wenn Johannes, dieser unerschrockene Zeuge der Wahrheit, dieser redliche Freund seines Volkes, nachdem er vor kurzem noch der Held des Tages, der Liebling der Leute, der gesuchteste und gepriesenste Mann im Lande gewesen war, nun verlassen und vergessen in seinem Felsenkerker saß, ohne dass ein Mensch nach ihm fragte, eine Hand sich für ihn regte, so müssen wir das freilich der Welt zur Sünde und Schande anrechnen. Es war zunächst das böse Gewissen des Königs Herodes, welches den lästigen Mahner sich aus dem Auge schaffen wollte, dessen kühner Mund, ja dessen strafender Blick schon ihm sagte: Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib hast. Darum legte er ihn ins Gefängnis. Aber warum rührte sich niemand für den unschuldig Gefangenen, der doch seine Zuhörer und Verehrer gehabt hatte unter allen Ständen, unter Schriftgelehrten und Kriegsknechten, unter Reichen und Armen? Es war der Undank des Volkes, bei dem es hieß: Aus den Augen, aus dem Sinn; dessen Begeisterung bald verraucht war, als es inne ward, worauf die Predigt des gepriesenen Propheten hinauslief: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen; das bereits wieder einem neuen, freundlicheren Stern nachlief, dem leutseligen wundertätigen Menschensohn, um auch ihn bald wieder zu verlassen und zu vergessen. 
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-Die Welt ist auch heute nicht viel anders. Dass man einen lästigen Mahner, der den Leuten bittere Wahrheiten sagt, wenn man ihn nicht gerade tot macht, doch wenigstens tot zu schweigen sucht, als wäre er gar nicht da, und wenn man ihn nicht gerade in den Kerker wirft, wenigstens stehen lässt als einen Prediger in der Wüste; dass mancher ehrliche Mann sichs gefallen lassen muss, trotz seiner redlichen Bemühungen, trotz seiner unleugbaren Verdienste von einem boshaften Feind, einem neidischen Nebenbuhler in den Schatten gestellt und in den Hintergrund gedrängt zu werden als wäre er nichts und könnte er nichts, das ist ja eine Erfahrung, die sich immer wiederholt auf dem Gebiete geistiger Arbeit wie beim Wettlauf des bürgerlichen Lebens und der gewerblichen Tätigkeit. Dass Undank der Welt Lohn ist, dass Volksgunst umschlägt wie Wind und Wetter, dass die Menschheit ein kurzes Gedächtnis hat. für ihre Wohltäter, dafür bietet nicht nur die biblische Geschichte ihre Beispiele, wenn sie uns einen Elias in der Wüste, einen Daniel in der Löwengrube, einen Johannes im Kerker und unseren Herrn und Heiland in der Dornenkrone zeigt; dafür liefert nicht nur die Weltgeschichte ihre Belege, wenn ein Aristides von seinem Volk, um das er sich hoch verdient gemacht, in die Verbannung geschickt wird, weil es müde ist, ihn immer den Gerechten nennen zu hören, oder wenn ein Kolumbus in Ketten heimgeschickt wird aus der neuen Welt, die er seinem König entdeckt hat und die statt mit seinem Namen, mit dem eines unbedeutenden Nachtreters getauft wird. Nein, auch im täglichen Leben muss jedermann auf solche Erfahrungen gefasst sein. Ein redlicher Diener mag noch so lang und noch so treu gedient haben auf hohem oder niederem Posten, wenn er seine Kraft abgenutzt hat, wenn man ihn nicht mehr brauchen kann, so kann er abtreten und ist bald ersetzt und meist auch bald vergessen. Ein treuer Lehrer mag viele Generationen von Schülern durch seine Schule laufen sehen und die Kraft seines Geistes und die Sorge seines Herzens und die Gesundheit seines Leibes an sie rücken: wenige bessere Gemüter werden seiner später noch in dankbarer Liebe gedenken. Eine gute Gattin mag noch so hingebend ihres Berufes warten, mag in selbstvergessener Liebe ihres Mannes Stütze und ihres Hauses Seele sein - vielleicht ehe das Gras auf ihrem Hügel wächst, ist sie vergessen und verschmerzt und ersetzt. Ein treubesorgtes Elternpaar mag sichs noch so sauer werden lassen fürs leibliche und geistige Wohl seiner Kinder ein ungeratener Sohn, eine leichtsinnige Tochter gedenkts ihnen nicht und verdankts ihnen nicht und vergisst ihrer Liebe und Treue vielleicht noch ehe sie die Augen geschlossen. Das ist der Welt Art und Unart heute wie vor zweitausend Jahren. 
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-Dass nur nicht unsere eigene Schuld dazukomme, uns um ein gesegnetes Gedächtnis bei den Menschen zu bringen! 
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-Das ist ja klar: Der Übermütige und Herzlose, der seine Stellung nur missbraucht andere zu drücken und zu misshandeln, der darf sich nicht verwundern, wenn niemand mehr ihn ansieht, sobald er von seinem Posten abgetreten; der Träge und Ungeratene, der nichts nütze ist in der Welt und seine Tage in Müßiggang verschwendet, der möge nicht erwarten, dass man ihn vermisst in der menschlichen Gesellschaft, der er nur zur Last fiel. Dem unfruchtbaren Baum gilt das Wort: haue ihn ab, was hindert er das Land? Der Selbstsüchtige und Geizige, der niemand wohl getan auf Erden, der möge sich nicht beklagen, wenn keine Träne an seinem Grabe fließt, wenn kein Vergeltsgott ihm in die Ewigkeit folgt, wenn keines Armen Mund an einem Christtag mit dankbarer Wehmut seines Namens gedenkt. 
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-Aber selbst wenn du zu denen Allen nicht gehörst, wenn du getan hast was du konntest und deinen Platz ausgefüllt so gut du vermochtest: bilde dir nicht zu viel ein auf das, was du geleistet und verdient hast, sondern denk an das demütige Wort unsres großen Gottesknechts Johannes: Ich muss abnehmen, er muss zunehmen. Jede Kraft hat ihre Grenzen, jede Arbeit hat ihre Mängel, jeder Mensch hat seine Zeit. Keiner ist unentbehrlich, keiner ist unersetzlich, der unter das Wort fällt: Von Erde bist du genommen, zur Erde sollst du werden. 
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-Das liegt im Lauf der Natur, in der Ordnung Gottes. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darübergeht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.“ So klagt im Psalm der heilige Sänger. Und der weltliche Dichter singt: „Völker verrauschen, Namen verklingen, Finstre Vergessenheit Breitet die dunkelnachtenden Schwingen Über ganzen Geschlechtern aus.“ 
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-Unaufhaltsam fließt der Strom der Zeit und reißt in seinen Wellen zuerst uns selbst, dann die Spuren unsres Wirkens und ein paar Jahre oder ein paar Jahrzehnte hernach auch unser Gedächtnis mit fort, und wenige sind der Auserwählten, deren Werke fortleben über ihrem Grab, deren Namen fortdauern in weiten Kreisen auf späte Geschlechter. Neue Kräfte tun sich hervor, neue Geschlechter treten auf, neue Fragen, neue Sorgen, neue Ereignisse, neue Aufgaben, neue Arbeiten nehmen von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation die Menschheit in Anspruch, und kein Sterblicher kann verlangen, dass um seinetwillen der Weltlauf stille stehe, dass an seinem Fuß der Strom der Zeit sich breche. Selbst im Reich Gottes gilt das Gesetz der Entwicklung, auch da folgt dem großen Knecht Gottes der größere und nur Einer bleibt gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Wir Menschen sind von gestern her und unser Leben fährt schnell dahin; daran mahnt uns jedes fallende Laub, jedes schwindende Jahr, daran mahnt uns auch dieser frühe strenge Winter, der sein Leichentuch deckt über die erstorbene Natur, daran mahnt uns auch diese ernste Adventszeit mit ihrer großen Botschaft von der letzten Zukunft des Herrn. In seinem Namen sollen sich beugen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind, vor seinem hochheiligen Namen muss jeder sündige Menschenname verhallen und verschwinden. 
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-Lass dich das beugen und demütigen, stolzes Menschenkind, aber lass dich das nicht niederschlagen und lähmen im freudigen Wirken. Nein, wenn wir fragen: 
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-=====2) Wie sollen wirs ertragen das bittere Los, vergessen zu werden?=====  
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-so lautet die Antwort: Wirke treulich so lang es für dich Tag ist; freue dich neidlos des Größeren, der nach dir kommt, und hoffe getrost auf den, der keines der Seinen vergisst. 
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-Wirke treulich weiter, so lang es für dich Tag ist. Oder wie? Weil ich weiß, dass auch über mein Werk die Wellen der Zeit hingehen, soll ich darum mutlos die Hand vom Pfluge ziehen? Weil ich drauf gefasst sein muss, dass mein Name über ein Kleines vergessen sein wird, soll ich darum meine Arbeit einstellen und meine Hand und meinen Mund und mein Herz verschließen gegen die undankbare Welt? 
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-Nein, damit würdest du ja gestehen, dass du nur um des Lohnes willen arbeitest; dass es nur die Selbstsucht und der Ehrgeiz ist, was dich treibt und beseelt. Hat der edle Täufer etwa seinen eigenen Ruhm gesucht, als er noch im Feuer seiner gesegneten Wirksamkeit stand? Hat er nicht damals schon gewusst und bezeugt, dass er nur einem Größeren den Weg bereite, der wachsen müsse, während er selbst abnehme und vom Schauplatz verschwinde? Und wenn ihm die Tore seines Kerkers sich wieder geöffnet hätten, hätte er wohl die Hände in den Schoß gelegt und sich grollend in die Wüste zurückgezogen, weil er den Undank seines Volks erfahren hatte, weil sein Name bereits von einem höheren verdunkelt war? Nein, ihm der nach ihm kam und über ihm stand, in die Hände zu arbeiten, unbekümmert um die eigene Ehre, das hätte der treue Gottesknecht, der demütige Vorläufer des Herrn sicherlich als seinen Beruf erkannt bis zum letzten Hauch. 
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-Auch wir, je kürzer die Zeit uns bemessen, wo unser Name noch etwas gilt in der Welt, um so treulicher wollen wir wirken so lang es Tag ist, ehe die Nacht kommt, da niemand mehr wirken. kann. Und je geneigter die Welt ist uns zu übersehen und zu vergessen, umso mehr wollen wir Fleiß tun, uns durch das Gute, das wir wirken durch die Liebe, die wir üben, da und dort wenigstens in einem Herzen ein freundliches Andenken zu sichern. Und ob niemand uns dankte und niemand an uns dächte, was schadets, wenn nur das Gute geschehen ist, wenn wir nur etwas dazu beigetragen haben, dass dem Herrn der Weg bereitet und das Reich Gottes gefördert werde auf Erden? Wirke treulich so lang es Tag ist, tue Gutes wo du kannst, nicht um des Danks, nicht um des Ruhms, nicht um deiner selbst, sondern um der Pflicht, um des Guten, um des Herrn deines Gottes willen - das ist die erste Mahnung an den Christen bei dem bitteren Gedanken vergessen zu werden von der Welt! 
-Und freue dich neidlos des Größeren der nach dir kommt. 
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-„Bist du es der da kommen soll oder sollen wir eines andern warten?“ Bist du der Mann, den Rat Gottes auszuführen und die Hoffnung Israels zu erfüllen? Das war des Täufers schmerzlichste Sorge und bitterster Kummer in seinem Gefängnis. Und als er darüber beruhigt war, als er Kunde erhielt von dem geräuschlosen Segensgang Jesu unter seinem Volk: „die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt,“ da ärgerte er sich nicht mehr an dem Herrn, da fügte er sich ohne Klage in sein eigenes Verschwinden, da trat er gern in den Schatten mit dem Bekenntnis, das er schon früher abgelegt hatte: Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme; dieselbige, meine Freude ist nun erfüllt. - 
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-Welch ein beschämendes und erhebendes Beispiel für uns! Wir ärgern uns auch manchmal über einen, der neben uns arbeitet oder nach uns kommt, aber meist nicht sowohl weil er hinter unseren Erwartungen zurückbleibt, als weil er sie übertrifft und uns in den Schatten stellt. Und statt von ihm zu lernen und uns seiner Gaben und Leistungen zu freuen, geben wir uns alle Mühe, sie zu bemäkeln und zu verkleinern. 
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-O wie heißt das so kleinlich denken! Wie verbitterst du dir dadurch selber dein Leben und beraubst dich des edelsten Genusses, fremder Begabung dich neidlos zu freuen, zu höheren Verdiensten bewundernd emporzublicken! Nein, denkt der Christ, wenn mein Name verklingt: Gottlob dass noch andre da sind, die mehr leisten als ich; wenn meine Leistungen übertroffen werden: umso besser für die Welt und fürs Reich Gottes. Und wenn alles menschliche Tagewerk Stückwerk bleibt, Gottlob, dass der noch da ist in der Welt und seinen stillen Segensgang fortsetzt in der Menschheit und immer neue Knechte ausrüstet für seinen Dienst, von welchem wir wissen: Er ist's der da kommen soll, wir dürfen keines anderen warten, und von dem wir auch heute es dankbar rühmen:  
-Hier ist mehr als Davids Sohn,\\ 
-Unvergänglich ist sein Thron, \\ 
-Licht der Seelen, ew'ges Heil \\ 
-Ward durch Jesum uns zu Teil! 
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-Bei ihm kommen auch seine Knechte nicht zu kurz. Darum wenn du dich vergessen siehst von der Welt, hoffe getrost auf den, der die Seinen nie vergisst! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes. Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Welch gewichtiges Lob aus diesem Mund! Freue dich, edler Gottesknecht: mag dein Volk dich vergessen, mag des Herodes Henkerschwert deinen Mund bald stumm machen für immer: der Herr selber hat deiner nicht vergessen und hat dir ein Ehrenzeugnis ausgestellt vor aller Welt, das nicht verhallen wird so lang Gottes Wort gepredigt wird auf Erden. 
- 
-Das soll jedem redlichen Knecht Gottes zum Troste werden im Dienste des Herrn und in der Arbeit für Gottes Reich. Mag unser Tun unbeachtet bleiben bei den Menschen, dein himmlischer Vater, der ins Verborgene sieht, wird dirs vergelten öffentlich. Mag die Welt unser vergessen, der Herr kennt die Seinen. Mögen unsere Namen verhallen auf Erden, wenn sie nur im Himmel angeschrieben sind zum ewigen Leben. Mag unser Tagwerk Stückwerk bleiben und unser Wirken verdunkelt und überflügelt werden von denen, die ein größeres Pfund empfangen haben als wir, - wenn wir nur treu erfunden werden am Tage der Rechenschaft und das Gnadenzeugnis empfangen aus dem wahrhaftigen Mund: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude. So soll uns denn über Menschenlob Gottes Wohlgefallen gehen, und wichtiger als aller Nachruhm auf Erden die Bitte an unseren Richter im Himmel sein: Gedenke meiner, mein Gott, im Besten! 
- 
-Ach Gott, gedenke mein, gedenke mein zum Besten!\\ 
-Dies ist das schöne Wort, das mich allein mag trösten. \\ 
-Ich fürchte keine Not und keine Angst noch Pein, \\ 
-So lang ich rufen kann: ach Gott, gedenke mein!  
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-Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Gleissberg, Johann Ernst - Predigt am dritten Sonntag des Advents====== 
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-Alle Veranstaltungen, die Du, Gott voll Liebe und Erbarmung, getroffen hast, um damit die segensreiche Erscheinung Deines eingeborenen Sohnes auf Erden vorzubereiten, Du hast sie auch schon für uns getroffen; denn Dein Sohn ist als unschätzbarer Beweis Deiner heilsamen Gnade auch uns erschienen. Nie, und am wenigsten in dieser ernsten Zeit, die dem dankbaren Andenken seiner segensreichen Ankunft auf Erden vornehmlich geweiht ist, sollten wir ihrer gedenken können, ohne den Entschluss in uns zu erneuern und zu bestärken: wir wollen Dir, Vater des Lichts, zu Dank und Ehre, die guten und vollkommenen Gaben unserer teuren Religion so benützen, dass Christus durch den Glauben immer sicherer wohne in unserem Herzen, und wir, wenn der Glaube einst in Schauen verwandelt sein wird, dann würdig mögen erfunden werden, zu stehen vor des Menschen Sohn! Lieber Vater im Himmel, segne dazu jede treue Bemühung, segne auch die gegenwärtige Stunde, wie wir Dich darum bitten in einem stillen, andächtigen Gebete. 
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-Text Matth. 11, 2-10. 
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-**2 Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei 3 und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? 4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört: 5 die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; 6 und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. ** 
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-**7 Da die hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? 8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. 9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. 10 Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ ** 
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-Johannes, von dem der eben vernommene evangelische Abschnitt handelt, Johannes wusste im Geist, dass er es war, von dem geschrieben steht: siehe, ich sende meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll. Darum ging auch sein eifriges, unablässiges Bestreben dahin, den Weg zubereiten vor dem her, welchen er als den wahren Messias erkannte und bezeichnete. Keine Anstrengung war ihm zu groß, dass er sie nicht übernommen hätte, keine Gefahr zu drohend, dass er ihr nicht begegnet wäre; er scheute keinen Hass, kein Gefängnis, keinen Tod, wenn es galt, dem, der da kommen sollte, den Weg zu bereiten. Wie kam es denn aber, dass er, als er nun im Gefängnis des Herodes saß und die Werke Christi hörte, zwei seiner Jünger zu Jesu sandte und Ihn fragen ließ: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? War ihm die Erscheinung Jesu Christi zu niedrig? Oder war ihm seine Gefangenschaft zu drückend? Oder was war es sonst, das ihn an der bereits erkannten und bezeugten Sendung Jesu wieder irre machte? Vielleicht glaubte er zwar selber noch, aber seine Jünger zweifelten, ob mit Jesu Christo der verheißene Messias wirklich erschienen sei, und vielleicht sandte er sie zu Ihm, damit sie durch Ihn selbst von ihren Zweifeln befreit würden; wie dem auch sei, Zweifel, wenn auch nur leichte, bald zu besiegende Zweifel mochten in der Seele des Lehrers oder seiner Jünger entstanden sein; denn sonst hätte Jesus nicht so ausführlich auf Seine großen Taten hingewiesen und gesprochen: selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Wurden auch diese bedeutungsvollen Worte zunächst nur durch die Johannisjünger veranlasst, so galten sie doch auch dem ganzen Volke, so gelten sie auch noch allen Menschen. Selig ist, der sich nicht an mir ärgert! so spricht der Herr auch noch zu uns und wir nehmen daher Veranlassung, jetzt miteinander zu erwägen: 
- 
-Wie selig der ist, der sich nicht an Jesu Christo ärgert. 
- 
-Unsere Betrachtung nimmt von selbst eine doppelte Richtung, wir haben nämlich zu erwägen: 
- 
-  - Wer sich nicht an Jesu Christo ärgert? und 
-  - Wie selig ein Solcher ist. 
- 
-=====I.=====  
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-Hätten die Jünger Johannis Jesum nicht gefragt: „bist Du der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ so hätte Er ihnen wohl auch nicht erwidert: selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Wir dürfen also wohl in Bezug auf den ersten Teil unserer Betrachtung zuvörderst sagen: derjenige ärgert sich nicht an Jesu Christo, der Ihn für den hält, der da kommen sollte. Wofür hat man Ihn denn aber zu halten? Diese Frage lässt verschiedene Antworten zu, je nachdem der Standpunkt verschieden ist, von dem aus wir die Bestimmung des Weltheilandes betrachten. Unstreitig wollte Er selbst auf die Beantwortung jener Frage hinleiten, wenn Er sprach: gehet hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört, die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Nach dieser eigenen Beschreibung Seines Wirkens sehen wir in Christo den, der Übel nimmt und Güter gibt, freilich hier noch großenteils zeitliche Übel und zeitliche Güter, aber auch ewige, und wenn wir Seine Bestimmung nur einigermaßen recht zu würdigen verstehen, erfahren wir: zeitliche Übel und Güter um der ewigen willen, oder im Gefolge derselben. Was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Sehen wir bei Christo und Seinem Wirken vor Allem und am meisten auf das Unsichtbare, Ewige, Wahre; so behaupten wir dann: der ärgert sich nicht an Ihm, welcher Ihn hält für den, der da kommen sollte, alles wahre Übel uns zu nehmen und alles wahre Gute uns zu geben. 
- 
-Alles wahre Übel will Jesus von uns nehmen. Gelobt sei, der da kam im Namen des Herrn! Aber was ist wahres Übel? Nicht Blindheit, nicht Lahmheit, nicht Aussatz, nicht Taubheit, nicht Tod, nicht Armut; diese und andere Dinge der Art sind wohl auch Übel und zum Teil harte Übel, aber doch immer Übel, die, wenn Gott sie sendet, auch Güter bringen sollen, und die, wenn Gott sie auch nicht sendet, doch nicht mit jenen wahren Übeln verwechselt werden dürfen, die weit tiefer liegen, unheilbarer sind und jedem wahrhaft Verständigen als weit furchtbarer erscheinen. Wir könnten sie geistige Blindheit, geistige Lahmheit, geistige Unreinigkeit, geistige Taubheit, geistigen Tod, geistige Armut nennen. Doch ist diese letztere nicht zu verwechseln mit dem Zustand derer, die Jesus glücklich preist, wenn Er spricht: selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Wir wollen darum lieber statt geistiger Armut geistige Armseligkeit sagen, um damit das Wesen derer zu bezeichnen, die sich über ihre geistigen Vorzüge aufblähen, gleich als hätten sie dieselben einzig in ihrer Art, und sie nur sich selbst zu verdanken. Kurz, die wahren Übel liegen samt und sonders in der Sünde, die in unendlich verschiedenen, bald einnehmenden. bald abstoßenden, bald freundlichen, bald schrecklichen Gestalten an dem äußern, und mehr noch an dem inwendigen Menschen haftet. Sie, die, wie sie sich auch immer schmeichlerisch und heuchlerisch gebärdet, der Leute Verderben, ihr zeitliches, ihr ewiges Verderben ist, sie wollte, und will noch immer Jesus Christus hinwegnehmen mit allen ihren unglückseligen Folgen. 
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-Und wie Er kam, alles wahre Übel hinwegzunehmen, so kam Er auch, alles wahre Gute dagegen zu geben. Hosianna, gelobt sei der da kam, im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Auch leibliche, irdische Gaben können uns gut sein; Reichtum, Gesundheit, das Leben sind Güter, die wir uns gerne erhalten, die wir nur ungerne verlieren, aber was sind sie gegen die inneren, geistigen, himmlischen Gaben, die uns Jesus Christus darreicht, was sind sie gegen die himmlische Liebe, zu der Er uns führt, gegen den göttlichen Frieden, den Er uns gibt, gegen das ewige Leben, das Er in uns erweckt?! Kaum was der Schatten ist gegen den Körper, der Schein gegen die Wahrheit! Und Er lässt uns unsere Freude am Schein, aber Er zeigt uns gegenüber die Wahrheit; Er enthüllt uns ihre Herrlichkeit, ihre Schätze, Er bietet sich uns selbst dar als den Weg, der dahin führt, Er macht uns fähig, durch Seinen Geist aus diesem Wege zu wandeln und hier zu nehmen, was die Welt mit aller ihrer Lust, was wir selbst mit aller unserer Kraft uns nicht geben können. Er gibt uns Gottes heilsame Gnade, der Seele wahrhaftiges Leben, des Himmels ewige Seligkeit. Um solches - und was ist nicht Alles in diesem enthalten! - um solches uns zu geben, dafür hat Er gelebt und gelehrt, dafür hat Er gekämpft und geduldet, dafür ist Er gestorben und auferstanden! Ja, Er ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket, erhöhet, verherrlichet. Wer möchte Ihn, der einst auf Erden erschien zum Heil der Menschen, und der nun beim Vater die Klarheit hat, die Er hatte, ehe der Welt Grund gelegt ward, wer möchte Ihn nicht für den halten, der da kommen sollte? Hat Er nicht die kühnsten Verheißungen der Propheten erfüllt, ja übertroffen? 
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-Das können wir nun aber zugestehen, wir können behaupten: „Er war, der da kommen sollte, und wir brauchen keines andern zu warten“ und dennoch ärgern wir uns vielleicht am Ende noch an Ihm, wenn wir Seine segensreiche Erscheinung nicht recht benützen. Wer deswegen sich nicht an Ihm ärgern will, der muss diese Seine Erscheinung auch so benützen, wie  Er sie benützt haben will. Er ist freilich erschienen, um den Menschen alles wahre Übel zu nehmen, und alles wahre Gute zu geben: aber so wenig Er ihnen jenes mit Gewalt entreißen will, so wenig will Er ihnen dieses mit Gewalt aufdrängen. Er nimmt jenes, und gibt dieses, o! so willig und gern, aber wir sollen es uns auch gern und willig nehmen und geben lassen, wir sollen für das Eine wie für das Andere Empfänglichkeit, Lust und Eifer beweisen. Wer sollte sich denn aber wahres Übel nicht gerne hinwegnehmen lassen? fragt vielleicht mancher unter euch, meine Lieben, bei sich selbst mit Befremden. Ein Mensch, der solches nicht wollte, kommt ihm Anfangs als ein ganz unerklärlicher, höchst sonderbarer Mensch vor; aber er forsche nur weiter und er wird bald eine Menge solcher Menschen um sich her erblicken und ach! vielleicht nur zu bald sich selbst mitten unter dieser Menge! Ja, wenn es gälte, sich äußere Übel, Krankheit, Armut, Niedrigkeit und dergleichen mehr nehmen zu lassen, wie bereitwillig würden dann viele zum Heiland kommen; da Er sich aber damit nicht befassen mag, da Er weit größere, schwerere, unheilbarere Übel aufheben kann und will, so bleiben sie ferne von Ihm. Es ist ihnen so oft unbehaglich, traurig und bange zu Mute unter der Gewalt der Sünde; ihre Ketten drücken und verwunden sie bald hier, bald dort, und doch wollen sie sich diese Ketten nicht abnehmen, doch wollen sie sich von jener Gewalt nicht frei machen lassen. Ihre Sünde ist ihnen sogar lieb geworden; sie haben sich mit ihr in eine so feste und vertrauliche Verbindung eingelassen, dass es ihnen ganz schwer werden würde, von ihr zu lassen, dass es ihnen sogar vorkäme, als ginge ein Teil ihres Wesens zu Grunde, wenn sie von ihr lassen sollten, Und so bewirten sie denn ihre bittersten Feinde, wie gute Freunde, mit dem Besten, was sie haben und fliehen den treusten Freund, der sein Bestes ihnen geben will, gleich als wäre er ein arger Feind. So lässt der Stolze nicht von seinem Stolz, der Geizige nicht von seinem Geiz, der Betrüger nicht von seinem Betrug, und so weiter, wie auch immer der Heiland in Seinem lebendigen Worte bitten, ermahnen, warnen mag! 
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-Und wie mit dem wahren Übel, so ist es natürlich auch mit dem wahren Gut; wenn es möglich wäre, äußere Güter, Gesundheit, Ehre, Reichtum und sofort von Christo zu erlangen, wie würde man Ihn in großen Schaaren allenthalben aufsuchen! Da Er aber andere Schätze darbietet, als die, welche Motten und Rost fressen, und denen die Diebe nachgraben, sie zu stehlen, so überhört man so oft Seine heilsamen Lehren, so verlässt man so leicht Seine ewigen Wege, so tut man lieber als wäre der Verheißene noch nicht erschienen und als hätte man eines anderen noch zu warten. Heißt das aber nicht sich an Ihn, ärgern und Sein seligmachendes Verdienst verschmähen? Ach, was hilft es denn, dann und wann von Seinen herrlichen Worten gerührt und bewegt zu werden, was hilft es denn, Seine großen Taten dann und wann zu bewundern und zu erheben, wenn sich die Wirkungen davon nicht immer kräftiger und heilsamer an unserem inneren und äußeren Leben beweisen? Wenn wir Seine Erscheinung also nicht benützen, wie Er sie von uns benützt haben will, wenn wir wahres Übel uns nicht nehmen, wahres Gut uns nicht geben lassen, dann ist Er umsonst, ja sogar zur Verdammnis uns erschienen, Er kann uns nicht zu den Seligen rechnen, die darum selig sind, dieweil sie sich nicht an Ihm ärgern. O, möchten wir doch täglich mehr in den Besitz dieser Seligkeit kommen, die so groß, so unschätzbar ist. 
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-=====II.=====  
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-Da wir nun betrachten wollen, wie selig der ist, der sich nicht an Christo ärgert, so haben wir, die wir wissen, wer sich an Ihm ärgert, noch zweitens zu erwägen: wie selig ein Solcher ist. 
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-Lasset uns zu dem Ende wieder auf unser Evangelium zurücksehen und uns in die Lage des Johannes versetzen! Was mag er gefühlt haben, als seine Jünger, begeistert wohl, zu ihm zurückgekommen waren und ihm gesagt hatten, was sie hören und sehen durften! Schwer und trüb war seine Gegenwart, er saß ja unschuldig im Gefängnis; mochte ihm nicht aber das Herz ganz leicht, der Blick ganz hell werden, als er seine Jünger von den großen Taten Christi reden hörte, als von diesen Reden alles Ärgernis an Christo aus ihrer Seele wich und es ihnen vielleicht war, als hörten sie die lieblichen, trostreichen Worte, die wir bald nach unserem Evangelium aufgezeichnet lesen: Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken; nehmet auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Wir können uns nicht in die Lage des Johannes versetzen, ohne zu lernen: Wer sich nicht an Jesu ärgert, steht leichteren Herzens und helleren Blickes auch in einer schweren und trüben Gegenwart. 
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-Was ihn auch drücken mag, verliert nicht jedweder Druck gar viel von seiner Qual, wenn das Herz, das ihn leidet, durch den innigen und lebendigen Glauben an Jesum Christum das klare, sichere Bewusstsein von der Vergebung seiner Sünden m sich trägt? Ein solches Herz ist leicht, denn, womit es auch die Leiden dieser Zeit, die Verunglimpfungen dieser Welt beschweren mögen, es fühlt sich ja vereint mit Gott und fragt: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch Seines eingeborenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat Ihn für uns Alle dahingegeben, wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken, wie sollte Er uns mit Ihm nicht die edelsten Güter des Lebens geben, Güter, die, wenn wir sie einmal besitzen, uns nimmer entrissen werden können? Dass so Vieles uns schon entrissen worden ist, dass so Manches uns noch entrissen werden kann, beschwerte unsere Herzen schon mit mancher harten Last, und verhüllte viele Augen schon in bittere Tränen. Was kann jedoch, wenn sich das Herz so beschwert fühlt, und wenn Finsternis das Auge umgibt, was kann das beschwerte Herz eher erleichtern und das umfinsterte Auge besser erhellen als die Gewissheit, dass es auch unverlierbare Güter gibt, dass alle die Güter, die wir durch Christum Jesum gewinnen können und sollen, unverlierbar sind, dass wir diese Güter in Wahrheit gerade für die edelsten und beseligendsten zu halten haben, und dass sie oft nur auf schweren, dunklen Wegen gefunden und behauptet werden können! Darum konnte Er die gerechtesten Ansprüche auf unsere Liebe machen, darum durfte Er auch sagen: wer Vater oder Mutter mehr lieb hat als mich, der ist mein nicht wert, wer Bruder oder Schwester mehr lieb hat, als mich, der ist meiner nicht wert. 
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-So mochte Ihn wohl Johannes lieb haben, darum hielt er auch fest an Ihm in schwerer und trüber Gegenwart, und hoffte festen und unverzagten Mutes auf eine bessere Zukunft. Freilich sah er damals, als seine Jünger mit der trostreichen Nachricht von Jesu wieder zu ihm kamen, das Schwert des Henkers, das seinem Haupte drohte und das teure Haupt auch fällen sollte, noch nicht von ferne. Wenn er es aber auch gesehen hätte, dieses furchtbare Schwert, würde es ihn bestimmt haben, seinen Weg vom Wege Christi zu trennen? Was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet, oder was seid ihr, hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Nein, den wollten sie nicht sehen, den sahen sie nicht, sie sahen einen Propheten, sie sahen einen Mann, der auch mehr war als ein Prophet war, einen Mann, der mit festem und unverzagtem Mute auf eine bessere Zukunft hoffte, wie er mit festem und unverzagtem Mute Allem kühn entgegentrat, was diese Zukunft zu zerstören oder aufzuhalten drohte, und der solchen Mut nicht verlor, als sein Leben in die drohendste Gefahr geriet. Mit einem solchen Mute werden auch wir auf eine bessere Zukunft hoffen, wenn wir uns nicht an Jesu Christo ärgern, nein, Ihm vielmehr angehören und dadurch seligen Teil an Seinem ewigen Reiche haben. Wie sollte dem auch nicht so sein? Sagte Er doch, der Kleinste im Himmelreich ist größer, denn Johannes, wie könnte uns sein fester und unverzagter Mut für die Zukunft fehlen? Ist uns nicht erschienen, worauf Er nur hoffte? ist es uns aber erschienen, was die Propheten geweissagt, sollten wir an der Erfüllung dessen zweifeln, was Er selbst verheißen hat? 
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-Nein, wir zweifeln nicht daran, wir trauen Dir, lieber Herr, der Du sprichst: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht! Auf Dich, treuer Heiland, der Du die Wahrheit bist, auf Dich gründen wir unsere beste Hoffnung, auf Dich gründen wir uns selbst und gehen so getrost und unverzagt einer besseren Zukunft entgegen. O möchte doch durch Dich unser Herz immer leichter und ruhiger, unser Mut immer fester und unverzagter, und möchten wir so immer teilhaftiger und froher werden der Seligkeit, die Du auch uns verheißest, wenn wir uns nicht an Dir ärgern. Hilf uns dazu, damit wir mit Deiner Hülfe hingeben, was Du uns nehmen - und annehmen, was Du uns geben willst! Lass uns Dir leben, Du hast ja auch uns gelebt; lass uns Dir sterben, denn Du bist ja auch uns gestorben; lass uns die Deinen sein, hier, wo wir Dir nur im Geiste begegnen können, und dort, wo Du uns einst vor Deinen Richterstuhl stellen wirst. O dass wir dann nicht zur Verdammnis, sondern zum ewigen Leben Dein Wort wieder hören möchten: Selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Amen. 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Goßner, Johannes - Evangelische Hauskanzel - Am 3. Sonntage des Advents.====== 
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-Matth. 11, 2 - 10. 
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-Da Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte. 
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-Johannes und Christus - die Morgenröte und die Sonne - erscheinen in diesem Evangelio. Die Morgenröte, die Verkündigerin des Tages, hat ihr Licht von der kommenden Sonne - Christus beleuchtet und belebt Alles. Er zeugt von sich selbst hier durch Hinweisung auf Seine Werke; Er zeugt von Johannes. 
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-Er zeugt von sich selbst, und beweist durch Seine Taten, dass Er derjenige sei, der da kommen sollte, der verheißen und erwartet wurde nach dem Worte Gottes - dass wir also mit Recht Seinen Advent, Seine Ankunft feiern, und uns derselben freuen können, und keinen anderen erwarten dürfen, wie die Juden. Also wiederum ein gutgewähltes Advent-Evangelium. Wir haben Ihn. Er ist's und kein anderer. Er ist's, der der alten Schlange den Kopf zertritt, indem sie Ihm in die Ferse sticht. Er ist's, der den, Abraham verheißen war, der Same, in dem alle Geschlechter gesegnet werden sollen. Er ist's - der Held, der kommen sollte, nachdem das Zepter von Juda genommen sein würde. Er ist's, von dem Moses weissagte: Einen Propheten wie mich wird euch Gott erwecken, dem sollt ihr gehorchen rc. 5 Mos. 18, 15. Er ist der Davids Sohn, Jer. 23., der Jungfrauen Sohn, das Kind, das Lamm, das Jesaja sah, das aller Welt Sünde trug, und um unserer Missetat willen verwundet wurde, auf das Gott all unsere Sünde und Strafe warf, auf dass wir Friede hätten. Er ist's, von dem alle Propheten zeugen, dass in Seinem Namen Vergebung der Sünden empfangen sollen, die an Ihn glauben. 
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-„Bist du es?“ lässt der gefangene Johannes fragen. Jesus spricht nicht von sich selbst, sondern lässt Seine Taten reden. „Sagt dem Johannes,“ antwortete Er, „was ihr hört und seht: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und (was das Beste ist) den Armen wird das Evangelium gepredigt, und selig ist, der sich an mir nicht ärgert.“ 
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-Das ist ja doch genug; wir wollen keinen andern - einen solchen Heiland bedürfen wir, der genüget uns. - Und das hat vor Ihm und nach Ihm keiner geleistet. Damit hat auch Johannes sich im Gefängnis begnügt, und gab seinen Kopf dafür. 
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-Und dies hat Er nicht nur getan, \\ 
-Da man Ihn sah auf Erden wallen; \\ 
-Nein, Er ist immer einerlei, \\ 
-Gerecht und fromm und ewig treu. \\ 
-Wie Er war unter Schmach und Leiden, \\ 
-So ist Er auf dem Thron der Freuden: \\ 
-Den Sündern liebreich zugetan, \\ 
-Mein Heiland nimmt die Sünder an.  
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-Schon seit achtzehn hundert Jahren wurden, und noch heute werden, wo Sein Name verkündigt wird, die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, und die Tauben hörend, die Toten stehen auf, und Sein Evangelium war immer und ist noch eine Kraft Gottes, selig zu machen Alle, die daran glauben, und sich nicht an Ihm ärgern. Nun, meine Lieben, davon sind wir alle überzeugt, denn ich rede nicht zu Ungläubigen, sondern zu Gläubigen. Aber nun müssen wir die Frage umkehren, und sie an uns stellen: Sind wir diejenigen, die denselben Jesus haben? oder: Ist der Jesus, den wir bekennen, derselbe Jesus, der diese Seine Taten auch an uns wirket, sich auch an uns bewiesen hat, als den, der da kommen sollte? Ist Er auch zu uns gekommen? Haben wir Ihn so aufgenommen, so an Ihn geglaubt, dass unsere Blindheit und Finsternis in Licht verwandelt wurde, dass wir aus Lahmen Wandelnde in der Wahrheit wurden? dass wir vom Aussatz der Sünde durch Ihn gereinigt, unsere Ohren für Gottes Wort und Evangelium aufgetan, dass wir vom Tode zum Leben erweckt, und als arme Sünder die Kraft Gottes, des heiligen Evangeliums, durch Vergebung der Sünden, und das Zeugnis des Heiligen Geistes in unseren Herzen erfahren haben, so dass uns das Wort vom Kreuz weder Ärgernis noch Torheit ist, sondern Weisheit Gottes und Kraft Gottes ewig bleiben wird? Ist das an Anderen geschehen, aber an uns nicht, so ist Er wohl ihr Jesus, ihr Christus, ist für sie da, sie können sagen: Wir haben den gefunden, von welchem Moses und die Propheten schreiben; oder wie Johannes sagt: Was wir erfahren, gesehen, mit Händen betastet haben, vom Worte des Lebens, das ewig war beim Vater, und das erschienen ist, das zeugen wir und verkündigen euch, auf dass auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und Sohne. 1 Joh.  1. Aber die das nicht erfahren haben, die noch blind und lahm, aussätzig in Sünden, taub und tot und ohne Vergebung und Begnadigung dahinleben, bloß den Buchstaben der Geschichte Jesu - historisch - glauben und bekennen, können ja nicht sagen: Derselbe Jesus, der solche Taten getan hat und tut an Anderen, ist auch mein Jesus, mein Heiland, ist auch für mich gekommen, hat sich auch mir erwiesen, dass Er derjenige ist, der da gekommen ist und mich erlöset hat. Das muss erst werden. Solche müssen erst kommen zu Jesus, wie die Jünger Johannis, und sehen und hören, was Jesus an Sündern, Blinden, Lahmen, Aussätzigen, Tauben und Toten für Wunder der Gnade wirket - müssen, wie die Kranken und Elenden in den Tagen des Menschensohnes, glauben, und im Glauben bitten zu den Füßen Jesu: Herr, wenn du willst, so kannst du mich heilen, sehend, hörend, gehend, rein und lebendig machen; müssen anhalten mit Flehen wie die Kanaanäerin, bis ihre Seele selig ist; bis ihnen die Sünden vergeben sind; bis sie erleuchtet, begnadigt sind, und das Leben aus Gott, den Geist der Gnade, offene Ohren und Augen und Friede mit Gott erlangt haben. O ihr Lieben! Möchte der, den ihr mit dem Munde bekennt, auch Euer aller Herzens-Gott und Heiland sein! Möchten Alle nicht nur dem Buchstaben der Schrift, sondern um der Werke willen, die Jesus an ihnen, an ihren eigenen Herzen getan hat, glauben und gewiss wissen, dass Er ihr Herr und Meister, ihr Heiland und Erlöser ist. Wo das Evangelium verkündigt wird, da ist Jesus mit all Seiner Gotteskraft, Blinde, Lahme, Aussätzige, kurz alle Krankheiten der Seele zu heilen und den ganzen Menschen selig zu machen; und zwar jeden, der da glaubt; wie im Hause des Cornelius, während Petrus noch redete, fiel der Heilige Geist auf die zuhörenden Heiden herab, und machte sie alle selig, so dass Petrus und nachher alle Juden-Christen erklärten: So hat denn Gott auch den Heiden, die da glauben, gleiche Gaben wie auch uns - und die Buße zum Leben gegeben - und reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Apg. 11, 17. 18. und 15, 9. Jesus Christus ist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe - und wirkt und tut immer noch dasselbe, was Er einst getan hat - Er lässt sich an keinem Herzen unbezeugt, das da glaubt. Wo Er hinkommt und einkehrt, da weicht alle Blindheit, alle Sünde, der Aussatz und der Tod; und Leben, Licht und Seligkeit kommt mit Ihm, und sind Zeugen Seiner Ankunft, Seiner Einkehr, Seines Daseins, Seines Heils und Seiner Erlösung, Beweise, dass Er der ist, der da kommen sollte. Kein Blinder macht sich selber sehend, kein Aussätziger sich selber rein, kein Toter sich selbst lebendig; es kann auch kein Mensch den andern erlösen noch Gott Jemand versöhnen, er muss es anstehen lassen ewiglich. Wer daher Licht, Leben, Gerechtigkeit und Heil, Vergebung, Entsündigung und Friede mit Gott gefunden hat, der hat Christum, das Reich Gottes, der ist ein lebendiger Beweis, dass da gekommen ist, der da kommen sollte, dass Gott seinen Sohn gesandt hat zum Heil der Welt, und Jesus der wahrhaftige Christ und Heiland aller Menschen, besonders aber der Gläubigen ist. Mit geheilten Blinden, Lahmen, Aussätzigen und Tauben, mit erweckten Toten und armen, durch das Evangelium seligen Gläubigen beweist Christus Seine göttliche Sendung, Seine Messiaswürde, das Amt und den Beruf Seiner Erscheinung auf Erden. Lassen wir also den Herrn Jesum Sein Amt an uns verrichten, und wenn Er uns mit Licht und Leben, mit Kraft und Gnade, mit Heil und Friede erfüllt hat, dann können wir sagen: Er ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen sollte. Er hat Alles wohl gemacht. Er hat uns Blinde sehend, uns Lahme gehend, uns Aussätzige rein, uns Taube hörend, uns Tote lebendig gemacht, Er hat uns Armen durch Sein Evangelium Gnade und Vergebung der Sünden und Alles, was zum göttlichen Leben und Wandel nötig ist, geschenkt. Wie könnten wir uns an Ihm, an Seiner Knechts- und Kreuzgestalt ärgern! Gelobt sei Sein herrlicher Name ewiglich! Wir wollen keine Boten zu Ihm senden, wie der gefangene Johannes; wir wollen selbst zu Ihm uns nahen; täglich Ihn suchen; uns stets von Ihm heilen, segnen, kräftigen und gründen lassen. So haben wir nicht nur an uns selbst den Beweis, sondern sind auch, wie die geheilten Kranken in Seinen Menschensohns - Tagen, für Andre ein lebendiges Zeugnis, dass Er es ist, der gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Er ist uns täglich zugänglich, ist alle Tage bei uns, bleibet ewiglich, hat ein unvergängliches Priestertum, daher Er auch selig machen kann bis ans Ende (vollkommentlich) die durch Ihn zu Gott kommen, als der da lebet immerdar, und bittet für sie. Da die Gesandten des Johannes weggingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volke von Johannes: „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet?“ Johannes ist kein Moosrohr, das sich nach dem Winde richtet, kein Prediger, der den Leuten zu Gefallen redet, sondern ein Felsenmann, der bei der Wahrheit bleibt, und Wahrheit spricht, sie gefalle oder nicht - kein Schmeichler, der jedem sagt, was und wie er es gerne hört, sondern ein unbestechlicher Zeuge, der Priester und Volk, Pharisäer und Sadduzäer, Schriftgelehrte und Oberste des Volkes, Vornehme und Geringe, Heilige und Sünder ohne Ansehen der Person straft und zurechtweist und Allen zuruft: „Bringet rechtschaffene Früchte der Buße.“ „Wer hat euch gewiesen, dem zukünftigen Zorne zu entfliehen?“ „Die Axt ist schon dem Baume an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ Er hielt Allen die Wurfschaufel vor, mit welcher der Herr Seine Tenne fegen und den Weizen in Seine Scheune sammeln, aber die Spreu mit unauslöschlichem Feuer verbrennen wird. Matth. 3, 8 ff. 
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-Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern, jetzt überall. Er war kein Hofprediger, der nach der Mode, in Kleidung und Gebärden, sich den Hohen und Großen gefällig machen wollte, sondern ein Bußprediger, der in eine Kamelhaut gekleidet, mit einem ledernen Gürtel um die Lenden, Heuschrecken und Waldhonig aß; doch war er auch ein Hofprediger, der aber den Kopf verlor, weil er die Laster des Königs und des Hofes ungescheut strafte, und dem ehebrecherischen Könige, wie der gemeinen Hure und dem Zöllner sagte: Es ist dir nicht erlaubt. Er war so frei von Menschenfurcht, als von Weichlichkeit und Hofsitte oder Höflichkeit, weswegen er auch ins Gefängnis befördert wurde, bis eine schickliche Gelegenheit kam, den lästigen, rauen Prediger der Wahrheit ganz aus dem Wege zu räumen und zu töten. 
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-Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ich sage euch, er ist wohl mehr, als ein Prophet. Denn er ist der Freund des Bräutigams, der nächste Vorläufer, der mit Fingern auf das Lamm weist, das der Welt Sünde trägt. Die Propheten sahen das Lamm nur von weiter Ferne, er steht vor Ihm und bereitet Ihm zunächst den Weg in die Herzen der Menschen, wie der Heiland selbst zum Beweise hinzusetzt: Denn dieser ist es, Von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der den Weg vor dir bereiten soll. Er war Sein Vetter, der im Mutterleibe Seine Nähe im Fleisch schon spürte und bezeugte. Er taufte Ihn und sah den heiligen Geist wie eine Taube auf Ihn herabkommen, und hörte des Vaters Stimme über Ihm am Jordan: Dieser ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 
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-Der Herr Christus will mit diesen drei Fragen an das Volk: Warum seid ihr zum Johannes hinausgegangen in die Wüste? Wolltet ihr etwa ein Moosrohr, oder einen weichlichen Hof- und Modeprediger, oder einen Propheten sehen? - die Leute zur Selbstprüfung fuhren, und ihnen zu bedeuten geben, aus welcher Absicht sie zu dem Johannes in die Predigt liefen? was sie denn bei ihm suchten? Er wollte nicht eigentlich dem Johannes eine Lobrede, sondern Seinen Zuhörern eine Straf- und Prüfungspredigt halten. Darum soll jeder, der in die Predigt läuft, wenn ein beliebter Prediger Aussehen macht, diese drei Fragen auch an sich stellen; denn da treibt viele Zuhörer mehr die Neugierde, als die Heilsbegierde; und wenn die Neugierde befriedigt ist, dann bleiben sie weg. Man sieht mehr auf den Prediger, auf seinen Vortrag, und auf Nebendinge, als auf die Hauptsache, die Predigt selbst. Man lauert auf die Worte, auf die Einteilung und Ausführung der Rede; man beobachtet alle Mienen und Gebärden, und kommt nur bis zum Prediger und zu seinem Äußern, nicht zur Wahrheit der Worte, nicht zum eigentlichen Hören und Glauben, nicht zur Bekehrung und Besserung, nicht zum Gepredigten, nicht zu Christus selbst. Viele bleiben ganz bei dem Beurteilen der Predigt und des Predigers stehen, loben oder tadeln - kommen aber nicht zum Urteil und Richten über sich selbst, lernen den Prediger kennen, aber sich selbst nicht. 
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-Übrigens haben wir Prediger und ihr Zuhörer uns ernstlich zu fragen, ob wir nicht Moosrohre sind, die sich von jedem Wind der Lehre hin und her bewegen lassen; ob wir auf dem rechten „Grund und Felsen“ befestigt sind, der ewig unbeweglich steht, wenn Erd' und Himmel untergeht; ob wir stark sind in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke; ob unser Glaube der Sieg ist, der die Welt überwunden und Christum und das ewige Leben ergriffen hat, oder nur ein schwankendes Rohr, das von jedem Stoß des Zweifels, der Anfechtung und der Trübsal erschüttert wird; ob wir bei den heilsamen Worten Jesu Christi, bei dem Einen, das nottut, und bei der Hauptsumme des Gebotes, der Liebe von reinem Herzen, und gutem Gewissen und ungefärbtem Glauben so fest bleiben, dass uns keine Nebenlehre, Streitfrage über Worte und Buchstaben, über Formen und Sekten irre machen oder das Ziel verrücken kann. 
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-Zweitens soll sich ein Jeder fragen: Bist du kein weichlicher Mode-Christ? Ist es denn mit deinem Christentum wahrer Ernst? Ist es ein rechtschaffenes Wesen in Christo? Ist dein äußeres und inneres Leben nicht ein bequemes, weichliches, fein oder grob sinnliches, so dass du dich in Kleidung, Gebärden, Essen und Trinken, Schlafen und Wachen, in Vergnügungen und Zerstreuungen, in Handel und Wandel mehr oder weniger der Welt gleichstellst, und dich von ihr in allen oder doch einigen dieser Dinge wenig oder gar nicht unterscheidest, und wenn du es nicht sagst, man nicht erkennt aus deinem Wesen, dass du ein Christ bist, ein Jünger oder eine Jüngerin Jesu, der zu den Seinigen sagte: Ihr seid nicht von der Welt, darum hasset euch die Welt. Wehe euch, wenn euch die Menschen loben. 
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-Drittens dürfen und sollen wir uns selbst fragen: Bin ich nicht mehr als ein Prophet? wie Johannes? Stehe ich Christo nicht näher, als die Propheten des Alten Testaments, die Jesum nur von ferne sahen und verkündigten? Darin besteht ja die Herrlichkeit des neuen Testaments, dass wir uns Christum nicht als zukünftig, nicht fern denken und weissagen, sondern als gekommen und nahe glauben und haben. „Die Alten hatten nur den Schatten der zukünftigen Güter, wir haben die Sache selber, und die ist Christus,“ sagt Paulus. „Bleibet in mir,“ sagt Er selbst, „so bleibe ich in euch“ - Er der Weinstock, wir die Reben. „Ich lasse Euch nicht Waisen, ich komme zu euch - mit meinem Vater komme ich zu euch und mache Wohnung in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Ist das nicht mehr, als alle Propheten und Patriarchen, als Alle vor Christo hatten? Darum dürfen wir nicht nur, wir müssen, wenn wir in das Neue Testament gehören wollen, uns fragen: Haben wir das, was der neue Bund, der Glaube an Christum verheißt, dass Er durch den Glauben in unseren Herzen wohnet, und wir in Ihm gewurzelt und gegründet - ja mit aller Fülle Gottes erfüllt sind? Stehen wir nicht mehr im alten Wesen des Buchstabens und Gesetzes, sondern im neuen Wesen des Geistes - des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu und uns frei gemacht hat vom Gesetze der Sünde und des Todes? Röm. 8, 2. Können wir sagen, was Paulus von der Klarheit des neuen Bundes, im Gegensatz gegen die des alten schrieb 2 Kor. 3, 18.: Nun aber spiegelt sich in uns Allen mit aufgedecktem Angesicht des Herrn Klarheit; und wir werden verwandelt in dasselbe Bild, von einer Klarheit zur andern, als vom Herrn, der der Geist ist? 
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-Nun, meine Lieben, so lasst uns denn den Advent des Gekommenen, nicht des Zukünftigen oder Kommenden feiern! Er muss schon da sein, bei dir und in dir sein; du sollst Ihn nicht erst erwarten; du sollst Ihn haben, und es an Seinen Werken an dir und den Wirkungen Seines Geistes in dir erkennen und gewiss wissen, dass Er es ist, und du auch keines andern bedarfst. Dein muss Er sein, dir nahe, in dir muss Er sein mit all Seinem Leben, Leiden und Sterben, mit Seinem ganzen Verdienste, mit Seiner Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung - Seine Krippe und Sein Kreuz, Sein Wandel und Sein Tod, Sein Auferstehen und Himmelfahren, Sein Sitzen zur Rechten der Kraft Gottes, Sein Geist und Sinn, göttliche Kraft und alles, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, ist dir geschenkt - die teuersten und köstlichsten Verheißungen, dass du selbst Seiner göttlichen Natur teilhaftig werden sollst, wenn du fliehst die vergängliche Lust der Welt. 2 Petri 1, 3. 4. Lasst uns diesen herrlichen Vorzug des neuen Testaments, diesen Reichtum des Advents des Herrn an uns reißen mit aller Gewalt des Glaubens und der Liebe! Lasst uns beten und ringen, unablässig und brünstig, dass wir Christi teilhaftig werden und in Ihm bleiben bis ans Ende, bis wir Ihn sehen werden, wie er ist, und Ihm gleich seien! Amen. 
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-Liebster Jesu, in den Tagen \\ 
-Deiner Niedrigkeit allhier, \\ 
-Hörte man zum Volk Dich sagen:  \\ 
-Es geht eine Kraft von mir.   
- 
-Lass auf mich auch Kraft ausfließen, \\ 
-Und sich Deinen Geist ergießen, \\ 
-Da Du in der Herrlichkeit \\ 
-Nun regierst mit Freundlichkeit.   
- 
-Ja, Du kannst noch Allen lachen, \\ 
-Deine Kraft ist nie zu klein, \\ 
-Es bezeugen's Deine Taten, \\ 
-Die uns aufgezeichnet sein.   
- 
-Ja, Du bist dazu gekommen,  \\ 
-Nur der Sünder, nicht der Frommen,  \\ 
-Aller Kranken Heil zu sein,  \\ 
-Und zu retten Groß und Klein.   
- 
-Hier, mein Arzt, bin auch ich Armer,  \\ 
-Krank am Geiste, blind und bloß;  \\ 
-Rette mich, o mein Erbarmer,  \\ 
-Mache mich von Sünden los;   
- 
-Von der Eigenliebe Tücken,  \\ 
-Die mein armes Hetz bestricken;  \\ 
-Ach, lass Deinen süßen Mund  \\ 
-Zu mir sprechen: Sei gesund!  \\ 
- 
-Siehe, meine Seele rühret  \\ 
-Deinen Saum im Glauben an,  \\ 
-Wartet, bis sie endlich spüret,  \\ 
-Dass Du ihr auch wohlgetan.   
- 
-Amen, Du wirst mich erhören  \\ 
-Und zu mir Dein Antlitz kehren,\\   
-Sprechen: Ja, ich will, sei mein!  \\ 
-Ich werd' ewig selig sein.   
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Harms, Claus - Am dritten Advent 1846.====== 
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-Ges. 209. Mit Ernst, o Menschenkinder. 
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-Der Gesang ist in seinem letzten Vers ein Gebet gewesen, der Prediger kann auch beten, wisset ihr wohl, doch zunächst und an dieser Stätte, zu dieser Stunde soll er eben nicht beten, sondern predigen. Wollt' euch sagen lassen einmal, Geliebte, was es heißt, predigen! Es heißt nicht, was immer es ist vortragen und in beliebiger Weise, sondern Botschaft Gottes bestellen an die Hörenden, Empfangenes wiedergeben, da, wo es niedergelegt ist, in diesem Buche, es hervorholen und was bei frommer Betrachtung desselben von oben herabkommt und durch des Predigers Seele zieht, jeweilen die Seele durchglüht, das vortragen, vorstellen, nicht beweisen oder dartun, es glaublich und beifallswert zu machen versuchen. Nein, nicht so. Wie denn? Das vom heiligen Geiste Empfangene aussprechen, verkündigen. Das ist es, man glaub' es oder glaub' es nicht, der Hörer Unglaube hebt Gottes Glauben nicht auf, Röm. 3. Dies heißet predigen. So geht vornehmlich in unseren Tagen die Predigt in der Christenheit umher. Sie stößt an, begreiflich; denn so Viele in unserer Zeit wollen das Evangelium gepredigt haben, das eben ihres ist, ihren Glauben, ihr Christentum, ihre Religion, und meinen im Recht zu sein, wenn sie das verlangen, wie's zuweilen aus einer Gemeinde herausschallt, dass die Gemeinde es so verlange. Wend' es Gott ab, dass ihnen ein Prediger darin zu Willen sei! Tuts einer, so mag er ein Redner sein, er ist aber kein Prediger, wie ihn Christus begehrt und wie es seine Sache fordert, die er unter den Menschen hat. Wolle er mich als einen gelten lassen und meinen Fleiß mit gnädigen Blicken ansehen. Wieder ist ein neues Kirchenjahr angefangen, ich hab' angefangen so und werde auf dieser Bahn bleiben, nicht Einen Schritt seitwärts tun. Herr, stärke mich! 
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-Wie das jetzt gesprochene Wort zu der Predigt gehöre, die nun gehalten werden soll, das wird der Text zeigen, der nun verlesen wird. 
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-**Luc. 3. 2-18. Da Hannas und Caiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zacharias Sohn, in der Wüsten. Und er kam in alle Gegenden um den Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesaja, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Bereitet den Weg des Herrn, und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlechter Weg werden; Und alles Misch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volk, das hinaus ging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmet euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen mir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Rücke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir denn tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute: Was sollen denn wir tun. Er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht, und lasst euch begnügen an eurem Solde. Als aber das Volk im Wahn war, und dachten alle in ihrem Herzen von Johanne, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu Allen: Ich taufe euch mit Wasser' es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, dass ich die Riemen seiner Schuhe auslöse; der wird euch mit dem heiligen Geiste und mit Feuer taufen. In desselbigen Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen, und wird den Weizen in seine Scheuer sammeln, und du Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen.** 
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-Ein langer Text melde eine lange Predigt an? Das nicht allemal, er kann auch auf eine kurze deuten. Die Lust geht mir nicht zu, mich messen zu wollen mit diesem Prädikanten. Kehr' ich besser meine Worte so, als wenn ich's gar nicht bin, sondern dass er, Johannes der Täufer es ist. Lassen wir ihn uns zeigen, euch und mir: 
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-Eine wie ernsthafte Sache das Christentum sei, ob es angenommen und bewahrt, oder ob es abgelehnt und Preis gegeben werde. 
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-  * Sehn wir auf den Mann, der die Botschaft von Christo bringt; 
-  * Hören wir seine Forderungen, die er Christo wegen macht; 
-  * Überhören wir sein Wort nicht, wenn er sich mit Christo vergleicht, 
-  * Und unser Herz bebe in uns, wie er von Christi einstigem Tun spricht. Das eine, wie das zweite, dritte, vierte zeigt, eine wie ernsthafte Sache das Christentum sei. 
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-Ja, sie sind abgetreten, Petrus, Paulus, Jacobus, Johannes, alle zwölf, dreizehn, die mit ihrem Wort vortraten, auch der Täufer Johannes ist abgetreten, ihm wurde bei Christi Lebzeiten das Haupt abgeschlagen, allein mit ihrem Worte stehen sie noch vor uns, besonders kenntlich und wie leibhaftig dieser Johannes, Christi Herold, wie ihn der Gesang nennet. Sein eigener Herold ist er nicht, sondern Christi, den er ankündigt, als er nun gekommen, das Lamm Gottes zu sein, das der Welt Sünde trägt, oder wie Johannis Vater, der Priester Zacharias, weissagend von Christo gesprochen hatte: Christus eine Erscheinung derer, die in Finsternis sitzen und Todesschatten, richtend derer Füße auf den Friedensweg, Luc. 1. Um auch in dieser Predigt etwas zu sagen, was Christus und Christentum sei, und die Frage hinterher: Habt ihr das Christentum angenommen so und bewahret? oder bisher abgelehnt und es Preis gegeben, was ungläubige Prediger und ihre Gemeinden, was Schriftsteller und ihre Leser mit dem Christentum, aus dem Christentum machten? Es ist eine ernsthafte Sache mit dem Christentum. Hier steht ein Mann vor uns, lasst seine Predigt etwas gelten! ermahne ich euch, um des Mannes willen, der uns Botschaft von Christo bringt. Hier berichtet der Evangelist: Zur Zeit, da Hannas und Caiphas Hohepriester waren - die Namen kennen wir aus der Passion -, geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zachariä Sohn, in der Wüste. Der Befehl Gottes; das Wort lesen wir im alten Testamente so oft, da die Propheten es von sich sagen; Johannes ist auch ein Prophet, der nicht redet, wann er will und was er will, sondern was und wann es ihm von Gott befohlen ist. Lügt Johannes? trügt dieser Johannes? Ich meine, danach ist er uns nicht bekannt, wie er denn auch lügenhafter, trügerischer Eltern Kind nicht war. Leset, was Cap. 1. von Zacharias und Elisabeth steht. Derselbige spricht auf Befehl Gottes. Nun, was auf Gottes Befehl gesprochen wird, das muss auf Gottes Befehl geglaubt, angenommen werden, da sträube sich auch in uns noch so viel davor. Seht nur den Mann, der uns die Botschaft von Christo bringet, ist der Mann nicht selbst mit seiner Person ein Gottesbefehl? Eine unfruchtbare Mutter hat ihn geboren. Er ist mit seinem Namen ein Befehl Gottes. Seid an die Engelserscheinung im Tempel und an das Täflein bei seiner Beschneidung und Namengebung erinnert. O, dies Täflein ist mir ein sehr kostbares Stücklein in der evangelischen Geschichte. Ich wollte, dass ich es vorzeigen könnte: Das ist es. Oder seht ihrs doch in meiner Hand? Allerdings, der Mann selbst dieses Namens, den sein Vater schrieb und sprach zugleich, der bis zu diesem Augenblick stumm war: Johannes selbst mit seinem Wort und Wandel gilt mir noch mehr, und was er sagt von Christo, das macht mir das Christentum zu einer ernsthaften Sache. 
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-Sei das Christentum von Inhalt, was es sei, an andern Tagen ergehe die Predigt sich in dem Inhalt, heute sehen wir von dem ab und betrachten das Christentum bloß als eine ernsthafte Sache, die es ist, zweitens, und uns so erscheinen muss, wenn wir auf die Forderungen hören, die Johannes macht Christi wegen. Was muss das Christentum doch sein, wenn, um dessen teilhaft zu werden, solche Dinge müssen vorgenommen werden? Was fordert er? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße. Die ist in ihrem Anfang Sündenerkenntnis, Sündenbekenntnis und ein ernstliches Suchen der Sündenvergebung. Nicht wahr, das ist doch merkwürdig? Was sonst vorgehalten wird zum Glauben und gläubigen Annehmen, dabei kommts ja nimmer auf die Gesinnung des Menschen sonderlich an, wenn er nur Gehör gibt und Verstand braucht. Letzteren begehrt Johannes nicht, er will das Herz haben und nicht ist er mit jedwelcher Herzensbeschaffenheit zufrieden, sondern es soll rein sein, gewaschen sein, das bedeutet die Taufe, die er vornimmt. Sie kommen zu ihm in Haufen und fragen: was sollen wir tun? Da mögen doch wohl in dem Haufen gewesen sein, die mildtätig waren und einen Rock abgaben, die nicht mehr forderten, als gesetzt war, die sich an ihrem Solde begnügen ließen; ja, sie mögen wohl darunter gewesen sein, aber der Täufer kehrt sich daran nicht, sondern, was er fordert, das fordert er von Allen. Wollen wir uns hierauf ansehen, welche wir sind? Denn der Herr ist nahe, wie es in einer Adventsepistel heißt, sein Kommen ist ein fortwährendes. Stehts mit uns also, dass wir hoffen dürfen, er komme auch zu uns, mit des Täufers Ausdruck: dass wir den Herrn zu sehen bekommen? Ein offenbares Stück Schlechtigkeit, ein heimliches Stück, wie es Eliphas Hiob ins Gewissen schob, Cap. 15., ihr Bessern, seht auch nach dem heimlichen Stück bei euch, dass ihr es noch vor Weihnachten entfernt. Das behaltend könnt ihr nicht Christum erhalten, ihr lehnt das Christentum damit von euch ab und gebt es Preis, was man mit demselben machen will. Es sind genug zu unserer Zeit, die es gern in Stücke zerrissen und es zunichte, zu Nichts machten. Gebet auch nichts gut auf euer etwaiges Gute, das ihr zugleich an euch habet, solche Meinungen von euch sind Höhen, die tragt ab und werft sie in eure Täler, die sich ebenfalls in euch finden und macht den Weg zu euch eben; denn auf andrem kommt der Heiland nicht zu euch. 
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-Wir lassen heute den Täufer Johannes uns predigen, wie er zeigt, welch' eine ernste Sache es mit dem Christentum sei. Wir hören seine Forderungen, die er Christi wegen macht, überhören wir auch sein Wort nicht, in welchem er sich mit Christo vergleicht. 
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-So tut er, weil das Volk im Wahne stand, er möchte Christus sein, der verheißene Messias. Aber Johannes Sache ist es nicht, Jemanden in einem Wahn zu lassen, wenn es auch der Vierfürst Herodes ist, der seines Bruders Weib hatte und auch sonst Übles tat. Das rügte er und ließ es sich seinen Kopf kosten. Dieser Mann konnte das Volk auch nicht über seine eigne Person in einem Wahn lassen und sagte frei heraus: Ich bin nicht Christus. Wer ist es denn? Dermalen lebte Christus noch verborgen, aber Johannes sagt: Er kommt nach mir. Nach des Evangelisten Johannes Bericht hat der Täufer noch gesagt: Welcher vor mir gewesen ist. Das Nach ihm kommen ist verständlich, Jesus sollte noch das erste Zeichen tun, war Johannes auch um sechs Monate älter, - dagegen: der vor mir gewesen ist, was will das sagen? Damit winkt, damit weist er aus dieser Zeit hinaus in die Vorwelt, in die Welt vor der Welt, in die Ewigkeit hinein, auf Christi ewiges Sein bei dem Vater, auf das Gottsein Christi. „Und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ spricht der Evangelist Johannes wie zur Erklärung, was der Täufer mit dem „Vor ihm gewesen“ sein gemeint habe. Der Eine ist Christus also und der Andere ist Johannes nur. Versteht hieraus, alle Gegenwärtigen, was es mit Christo auf sich habe, wer abgewiesen wird, wenn wir Christum abweisen. Tust du es? oder du? oder du? Ich weiß unter euch, die es tun, und ich will noch ein Wort aus ihnen selbst herausholen, das heißt: Ihr stellt bei euch Johannes den Täufer höher, als Christum. Bei eurem schlechten Glauben von Christo müsstet ihr das wenigstens tun. O, tut es nicht! ihr urteilt und redet wider den Sohn Gottes. Johannes vergleicht sich mit Christo und spricht: Des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse. Das Wort ist sprichwörtlich geworden. Erwägen wir's. Der Mann, seiner Herkunft nach aus priesterlichem Geschlecht, seiner Berufung nach ein von Gott befehligter Prophet, seiner Lebensart nach in Kleidern nicht weich, in Speisen nicht delikat, nach seinem Werk und Wort der unerschrockene Mann vor Volk und Fürst - der war ein anderer Volksredner, als die sich in unseren Tagen hören lassen -, aber der stellt sich so tief unter Christum. Das muss uns doch Christi Sache auf Erden zu einer sehr ernsthaften machen bei den Ungläubigen: wen verwerfen sie! und bei den Gläubigen: Ach, wir ehren Christum viel zu schwach! lassen ihn gar zu wenig bei uns gelten. Wer jagt denn eine Schlechtigkeit um Christi willen aus sich hinaus? Wer steht denn wohl mit aufgetaner Herzenstür in diesen Tagen und spricht: Zeuch in mein Herz herein? Gesungen ist das Wort; es soll ebenso getan werden. 
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-Und viertens noch: unser Herz sollte beben in uns bei dem, was Johannes von dem einstigen Tun Christi zeuget. In zweierlei Zuständen bebt das Herz, in großer Freud' und in großer Angst. Dass sei unsere Freude, dass Christus, wenn er kommt, mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufe. Ist uns denn nicht, als wären wir bisher nur mit Wasser getauft worden und auch das kaum? Wasser erweicht doch, wir aber sind an Stellen noch steinhart. Alle Stellen werden auch nicht vom Wasser weich, freuen wir uns, dass Christus mit einer andern Taufe, mit der Geistestaufe und ihrem Feuer kommt. Ich meine nicht zu irren, wenn ich annehme, da sind hier auch unter euch, welche sagen: Wie ist's doch einmal mit mir! Diese Predigt nun, die ich gehört habe, sie ist bald zu Ende, sie läuft von mir wie ein Regen vom Stein ab, ich komme wohl nie zu einem Christentum! Warum nicht? Lege dich nur hinaus, Christus tauft dich mit dem heiligen Geist und mit Feuer, er kommt, davor wirst auch du, Stein, der du bist und dich auch dafür hältst, ganz gewiss aufweichen, o du schon nicht Stein mehr, wenn ein Begehren in dir ist und du dich hinauslegest, wirst vielleicht noch ein Christ werden, dass Tausende sagen: Wär ich auch so einer! Bebe dein Herz darob. 
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-Hören aber das Letzte noch, die sonst nichts hören und die alles überhören, auch die heutige Predigt: Es geht nicht gut mit euch. Der Johannistaufe schon weigert ihr euch und vor der Taufe Christi lauft ihr weg. Wohin wollt ihr laufen? Den Ausdruck Johannis vertragt ihr von mir nicht, wenn ich ihn in den Mund nehme; so lass ich ihn weg und frage bloß, wie er fragt: Wer hat euch gesagt, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Wahrlich, ihr wisset noch nicht, wie noch in der Zukunft hier, bei eurer Lebzeit, der Zorn Gottes euch fressen werde. Nun singet ihr noch mit Anderen, und eure Seelen gleiten darüber hin, 209: Mit Ernst, o Menschenkinder, bereitet euch dem Herrn; ihr werdet noch, nicht singen, aber seufzen, schreien, 436: Mächtig fasst mich Angst vom Herrn, dass sein Zorn verdamme. Doch ihr mögt, wie über 209, obschon auch ernste Sachen darin stehen, und über diese Predigt nach dem Wort des ernsten Täufers ruhig und sanft hinschreiten, hingleiten, auf diesen Fall sag' ich euch: Kommen wird er, die Tenne wird er fegen. Die Christenheit ist seine Tenne. Da liegen wir alle, Weizen und Spreu ineinander. Die Wurfschaufel hat Christus in seiner Hand. Städter und ihr jüngeren Leute vom Lande, kennt ihr die ehemals einzige Art, wie man das Korn reinigte? Da steckt man die Schaufel in den Haufen und wirft, dann fliegen Spreu und Weizen auseinander. Dann wird Mancher sehen, der sich Weizen gedünkt hat, dass er nur Spreu gewesen ist und wird mit ihm geschehen, wie hier geschrieben steht. Hätt' ich denn eine Scheu, Johannes Wort zu brauchen oder eine Scham, wie er's nicht hatte? Nein, ich habe heute dieses Predigers Prediger sein wollen, bin es gewesen, meine ich, und will es denn am Schlusse noch sein: Die Spreu wird er mit ewigen Feuer verbrennen; und auch will ich das andere Gleichnis nicht ungesprochen lassen: Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt, welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Soll aber noch eignes Wort das letzte sein, so wär' es dieses: Sehen wir Alle Christum zweimal; mit der Art in der Hand und mit der Schaufel in der Hand, und nehmen wir das Christentum, was es ist, für eine gar ernsthafte Sache. Amen. 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Harms, Claus - Winter- und Sommerpostille - Am dritten Advent. - Der Christenwandel====== 
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-Kröne dein Leben mit Taten, die zur Ewigkeit reifen! \\ 
-Deiner Sterblichkeit Tage lass tatenlos keinen entfliehen. \\ 
-Sende sie alle hinauf vom Staube zum Throne der Gottheit, \\ 
-Jeder begegnet dir dann im Triumph - am Tage des Todes.  
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-Vom Christenleben will ich reden, das sich in Taten zeigt, - den guten Wandel empfehlen. Fürchtet nicht, dass die Jugend dem reiferen Alter zu viel zumute und im Gefühl ihrer Kraft kräftiges Handeln verlange, auch da vielleicht, wo schweigen, ruhen und leiden Christenpflicht wäre. Fürchtet nicht, dass ich leichten Sinnes jener eitlen Vieltuerei das Wort rede, dem geschäftigen Müßiggange. der das Große verspricht und, wenns viel ist, nur das Kleine erreicht. Nein, ich ehre den stillen Ernst des Weisen, den langsamen aber festen Gang des bedächtigen Mannes; - ich ehre und lobe die tatenlosen Stunden, in welchen die Hände und das Werk ruhen, und nur der Geist sich bewegt, seis, dass er Taten wägt, dass er nachdenkt über Menschenleben und Menschenschicksale, dass er die Gegenwart mit der Vergangenheit vergleicht und sich die Zukunft schmückt zur Ergötzung in gegenwärtiger Trübsal; - ich ehre, lobe und preise die heiligen Augenblicke, wo der Geist nicht vergleichet, nicht denkt, sondern in der Fülle der Andacht mit geistlichem Auge das allein ewige Wesen erblickt und sich erfreut des Anblicks, staunend verweilt bei den Wundern der Allmacht, betroffen stille steht bei den Spuren der höchsten Weisheit, und die zahlreichen Beweise der unendlichen Liebe erkennt da, wo sie zahllos sind, auf dem Gnadengebiet, und, von Rührung und Liebe durchdrungen, ausruft: „Also hat Gott die Welt geliebt!“ - An Worten arm ist die Liebe, aber es drängt sich die Träne hervor, in der sich der Dank spiegelt und die Freude und die völlige Ergebung, und diese Träne, die gottgeweinte, bringt unser Engel vor den Thron Gottes, bis wir selbst knieen und weinen werden an den Stufen seines Throns und den Allliebenden sehen von Angesicht zu Angesicht. 
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-Wie wohl wird dann, o dann mir sein,\\ 
-Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freuen,\\ 
-Ihn dort anbeten werde!\\ 
-Von keiner Sünde mehr entweiht,\\ 
-Ein Mitgenoss der Ewigkeit,\\ 
-Nicht mehr der Mensch von Erde!\\ 
-Heilig, Heilig,\\ 
-Heilig singen wir dir, bringen Preis und Ehre,\\ 
-Dir, der war und sein wird, Ehre. 
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-Vom Christenleben wollte ich reden, das sich in Taten zeigt - den guten Wandel empfehlen. Ware die Rede zu hoch hinaus gegangen? Voran sollte bloß die Erklärung gehen, dass ich den Schein für Schein halte und das innere Leben dem äußern weit, weit vorziehe. Wie Seele und Leib, so ist das innere und äußere Christenleben. Dürfen wir nun aber den Leib verachten, weil die Seele besser ist? Also dürfen wir auch das äußre Leben nicht vernachlässigen, obwohl dem inneren unsere größte Sorge gewidmet sein muss. Das Äußere ist des Innern Werk: soll jenes schlechter aussehen als dieses ist? - Ehemals dachten die Menschen mehr darauf, wie sie ihr Äußeres zierten, suchten es zu umkränzen mit einem Heiligenschein, schmückten sich mit guten Taten, und ob sie waren Sünder und Gottlose, wollten sie doch sich den Tugendhaften und Frommen gleichstellen. Damals hatte die Tugend noch Heuchler, - dass ichs sagen muss: Leider, auch der Heuchler Zahl nimmt ab! Ein schlimmer Beweis ist der, dass die Tugend nicht überall mehr gelitten ist. Euch frage ich, ihr Älteren in dieser Versammlung: ob in eurer Jugend die Laster so frech hervortraten wie heutiges Tages? ob der Wollüstige sich seiner Taten rühmen durfte und der Ehebruch so in der Ordnung war? - ob der Betrug so offenbar gespielt wurde und der Diebstahl damals nicht strafbarer und schändlicher war? - ob das gegebene Wort nicht mehr galt und der Eid nicht heiliger gehalten wurde? - Das ist ja eure Klage, die ihr die Vorzeit kanntet. Und unterlässt man das Böse nicht, scheut, hasset und flicht man das Böse nicht, wie wird man das Gute tun! Taten tun, die Mühe kosten und unbezahlt bleiben! Vom Christenleben will ich reden, das sich in Taten zeigt, - den guten Wandel empfehlen. 
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-Text, 1. Pet. 2, 12.\\ 
-**Lieben Brüder. Führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, so von euch afterreden, als von Übeltätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenns nun an den Tag kommen wird.** 
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-Die jetzt - Ehre sei Gott! - herrschende christliche Kirche war ein kleines, unterdrücktes Häuflein, als der Apostel Petrus schrieb. Die Bekenner einer Lehre, die den Juden ein Ärgernis war und den Heiden eine Torheit, waren dem Mutwillen des Volks, dem Spott der Vornehmen und den Verfolgungen der Herrscher ausgesetzt. Sie konnten sich noch auf keine andere Weise Sicherheit verschaffen, die Misshandlungen verhüten und den Spott zunichtemachen, als wenn sie, wozu auch der Apostel ermahnt, duldenden Sinn bewiesen, strengen Gehorsam gegen die Befehlenden übten, ihre Pflichten treulich erfüllten und durch Unsträflichkeit in den Sitten sich auszeichneten, kurz, einen guten Wandel unter den Heiden führten. Auf diese Weise könnten sie ein gutes Gewissen bewahren, am besten sich gegen Verleumder verteidigen und die Nichtchristen gewinnen, wie sie, Gott zu ehren durch hier Annahme der Religion seines Sohnes. Das sind die Seiten, von welchen wir den Wandel zu betrachten haben. Höret also in dieser Stunde: 
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-Die Lehre vom guten Wandel des Christen, 
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-und betrachtet denselben 
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-  - als einen treuen Spiegel der Seele,  
-  - als einen glaubwürdigen Zeugen vor der Welt,  
-  - als ein deutliches Exempel für den Nächsten. 
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-So wie der Mund übergeht, wenn das Herz voll ist, und Worte hinströmen, wenn das Gemüt bewegt wird, so kommen Taten ans Licht, wenn in der Seele die Gedanken arbeiten. Aber nicht jedes Wort kommt von Herzen, es gibt leere Worte; aber nicht jede Tat ist in der Seele geboren, es gibt eitle Taten. Was eitle Taten sind? Solche, die einer tut, ohne zu wissen, warum? ohne nachzudenken, wozu? die keinen Grund haben und keinen Zweck, das sind eitle Taten. Solche, die einer tut, weil er Andre sie tun sieht, die mitgemacht werden der Gewohnheit, des Herkommens, der Sitte wegen, das sind eitle Taten. Solche, die einer tut, als ob er selbst nicht dabei wäre, wo keine Kraft sich zeigt, wo der Geist nicht durchblickt, wo der Gedanke nicht herrscht, das sind eitle Taten. Was kann sich in ihnen abspiegeln? Nichts, denn es fehlt ihnen das Menschliche, wodurch sie hervortreten, - es fehlt ihnen das Vernünftige, wodurch sie sich von tierischen Verrichtungen unterscheiden - es fehlt ihnen Gemüt und Seele, wodurch sie größere Teilnahme erregen und tiefere Bedeutung erhalten sollten. Überblickt euer Tun, meine Freunde, und fragt: Was ist eitel darin? 
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-Wenn ich des Morgens von meinem Lager aufstehe, geschieht es mit dem Gefühl der erneuerten Kraft, mit Preis und Dank dem hohen Beschützer? oder geschieht es, ohne zu denken, geschweige zu danken? Wenn ich Speise und Trank genieße, geschieht es zuweilen mit einem frommen Blick zum milden Geber hinauf? oder bekümmre ich mich bei der Gabe nicht um den Geber? Wenn ich schlafen gehe, begleitet mich dann wohl ein guter Gedanke, eine Reue, ein Vorsatz des Bessern, eine Danksagung? Und mein Tagewerk, verrichte ich es mit Überlegung und Liebe? die Pflichten meines Berufs, erfülle ich sie mit Nachdenken und Willigkeit? die Geschäfte meines Amtes, treibe ich sie mit Neigung und Freude? Wenn das nicht wäre, wenn wir alles ohne Neigung und Überlegung täten, gezwungen oder gedankenlos - so täten wir bei aller Vieltuerei doch nichts, unsere Vorkehrungen zeichneten sich nicht vor dem aus, was die Tiere des Feldes und das ackernde Gespann tun, wahrnehmen könnte man an uns nichts Vortreffliches, aber schließen müsste man etwas sehr Entehrendes bei uns. 
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-Doch die wenigsten Menschen verleugnen in ihren Handlungen das Menschliche; der Verstand ordnet, die Seele regieret. Möchte er weise ordnen! möchte sie wohl regieren! Aber der Mensch kann sündigen; er allein unter allen Kreaturen auf Erden kann sündigen. Das ist von einer Seite betrachtet eine hohe Auszeichnung, dass ers kann, wiederum, wenn ers tut, das ist tiefe Erniedrigung. Dem Könige fluchet das ganze Land, wenn er, da ers kann, heillose Dinge tut; und der Mensch ist König in der sichtbaren Schöpfung. Wir sehen Taten, welche nur die ausdauerndste Kraft, der unerschütterlichste Mut hat ausführen können, aber es sind böse Taten, und in ihnen spiegelt sich eine Seele ab, die abscheulich ist. Wir sehen Taten, die von dem feinsten Verstande, von der gewandtesten Klugheit zeugen, aber es sind böse Taten, und in ihnen spiegelt sich eine Seele ab, die wir verachten müssen. Es spiegele sich der Betrüger in seinem Betrug und sehe zu, ob er sich achten könne! Es spiegele sich der Wollüstige in seinen Schandtaten, und sehe zu, ob er sich selber gefalle! Es spiegele sich der Lieblose in dem, was er aus Selbstsucht, Schadenfreude und Menschenfeindseligkeit an den Brüdern getan hat, und sehe zu, ob seine Seele ihm in freundlicher Gestalt erscheine! Es spiegele sich der Geizige in seinen Schätzen, in dem blanken Metall, welches er unverdrossen und mühselig aufgehäuft hat, und sehe, ob seine Seele rein sei wie Silber und lauter wie Gold, oder kalt und gefühllos wie Silber und Gold. Das mag aber der Sünder nicht, er mag sich nicht sehen im Spiegel der Werke, und sieht er sich zufällig einmal, so geht er von Stund an davon und vergisst, wie er gestaltet war. 
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-Der gute Christ dagegen mag es wohl, mag gern sich sehen im Spiegel der Werke. Er kennt die Vorzüge, mit welchen der Schöpfer die Menschen auszeichnete und hat sich frühe bemüht, mittelst ihrer, selber vorzüglich zu sein. Er knüpfet alles ans Höchste, bringt es höher und strebt mit allem zum Höchsten. Den Rat Gottes findet er gegeben in seinem Verstande, und bemüht sich, denselben immer weiterzuentwickeln, am Rat Gottes, den die Bibel angibt, - immer verständiger zu werden. Das Gesetz Gottes findet er geschrieben in seinem Gewissen, und übet sich, dasselbe immer mehr zu schärfen, am Gesetze Gottes, wie es in der Bibel verzeichnet steht, - immer gewissenhafter zu werden. Die Liebe Gottes findet er angedeutet in der Teilnahme seines Herzens an allem, was Menschenwohl und Weh betrifft, und sucht dieselbe stets inniger, reiner und umfassender zu machen, nach den hohen Beispielen, die uns die Bibel vorhält, - immer teilnehmender zu werden. Seine Seele hängt an dem Unsichtbaren, sein Geist sucht den Unendlichen. Gott ist ihm Alles, und Gott nachahmen ist seine hohe Laufbahn, Ihm ähnlich werden - sein glänzendes Ziel. Und ob er bescheiden seine Endlichkeit fühlt und bekennt, und ob er fast zweifelt, es möchte zu kühn sein, Gott nachahmen wollen, so steht er doch nicht von seinem Entschlüsse ab. Es geht ihm voran Jesus Christus, es rufet ihm zu Jesus Christus: Mir nach! mir nach! Ihm nach ringet der Christ. Die Bahn ist steil und das Ziel ferne, aber sein Mut ist groß und seine Hoffnung lebendig. Er findet Feinde, die ihm in den Weg treten, aber durch Sanftmut und Liebe weiß er sie zu gewinnen; sie ergreifen seine Hand und wandeln Einen Weg mit ihm. Es stellen sich Unglückliche an den Weg und rufen: Hilf uns! An ihnen wollte er gerade vorbei; er hilft so viel möglich und recht ist: die Träne des Mangels, der Trauer, des Unrechts, der Kränkung sucht er abzutrocknen. Es laufen Kinder umher, deren Eltern gestorben sind, Kinder, die keinen Vater haben, obwohl ihr Vater nicht tot ist, Kinder solcher Leute, die wohl zeugen und gebaren aber nicht nähren und lehren: er möchte, wenn er könnte, ihrer aller Vater sein, und tut so viel für sie, als in seinen Kräften steht. - So weiter, so weiter beschreibet euch selbst das Leben und die Taten des Christen! zeichnet euch seinen Wandel! Vergesset nicht die Entbehrungen, die Aufopferungen, die Sorgen und Mühen des Christen. Rechnet alles hinzu: das Kleine wie das Große, das Leichte wie das Schwere, das vergebliche Streben wie die gelungenen Taten, die ehrwürdigen Trümmer des einen, die erfreulichen Grundlagen des andern Werks. Und dann betrachtet den Christen, von seinen Taten umgeben! Rings um ihn stehen sie als Denkmäler seines Fleißes, seiner Rechtschaffenheit und seiner Liebe. Unter ihnen wandelt er und mehret täglich ihre Zahl. Wollt ihr strenge sein, und nicht erlauben, dass er sich ihrer freue, dass er mit Wohlgefallen sich erkenne in dem, was er getan, dass er sich spiegele in seinen Werken? Wohl weiß er, wie Menschenwerk unvollkommen sei, wohl weiß er, wer sein Beistand gewesen, spricht mit David: Nicht uns, Herr, nicht uns! spricht mit Paulo: Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, - aber er weiß auch, was Gott nur forderte, aber er weiß auch, dass es Gott genug ist, wenn der Mensch sich helfen lässt: - warum wollt ihr nicht alle euch helfen lassen? - Mag der gute Christ sich spiegeln in seinen Taten! und der schlechte sollte sich spiegeln. 
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-Die Miene hat Bedeutung, das Wort gilt viel, die Tat noch mehr. Die Miene ist veränderlich, das Wort flüchtig, die Tat ausdrücklich und fest. Darum eignet sich auch die Tat zum Zeugen vor der Welt. In seinem Wandel stellt der Christ einen glaubwürdigen Zeugen vor der Welt auf. 
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-Darf die Welt einen Zeugen von uns fordern? Ja, die Welt darf einen Zeugen fordern! Der du menschliches Antlitz trägst, die Menschheit darf einen Zeugen fordern, dass du das Menschliche in dir zugerichtet hast, dass du deinen Verstand geübt, dein Gewissen geschärft und die natürliche Teilnahme deines Herzens geleitet und erhöhet hast. So lange du es nicht bewiesen, beschwere dich nicht, dass man in Höflichkeit misstrauisch gegen dich ist. Zeuget aber dein Wandel, dass du deinen Verstand ungeschickt anwendest, so lacht man über dich, - dass dein Gewissen stumpf ist, so verachtet man dich - dass in deinem Herzen keine Teilnahme wohnt, so wirst du verabscheut. Der du den Christennamen führst, die Christenheit darf einen Zeugen fordern, dass du den Christenglauben im Herzen und die christlichen Lebensregeln vor Augen hast. Wie könnte ein bloßes Wort und Bekenntnis den Seelenbund der Liebe und Einigkeit aufrecht erhalten! Zeuget dein Wandel von Unwissenheit, so steht die Christenheit 1)ich als ein Kind an, welches noch lernen sollte, - zeuget dein Wandel von Unglauben und unchristlichem Sinn, so fliehet sie dich und mag nicht Gemeinschaft mit dir haben. Du hast Bürgerrecht in einem Lande, das Land macht gerade deinen Wandel zum Zeugen, und dein ganzes Bürgerglück beruht auf deines Wandels Zeugnis. Die tatenlosen Gedanken und Gesinnungen kommen nicht in Betracht; du giltst nach dem du tust. Zeuget dein Wandel von Schwachheit, so wirst du übersehen, - von Eigennutz, so wird dir nichts anvertraut, - von Widerspenstigkeit, so ist der Zwang da, - von Ungehorsam, so musst du die Strafe des Gesetzes leiden. Der du ein Amt bekleidest, mit heiligen Versprechungen und Gelübden dasselbe übernommen hast, die Gesellschaft, in welcher du das Amt bekleidest, darf einen Zeugen fordern, dass du deines Versprechens eingedenk und deinen Gelübden treu bist. Hier hilft das Wort nicht, das oft und feierlich wiederholte Wort nicht, die Taten sollen reden, der Wandel soll für dich zeugen. 
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-Und möchtest du nicht lieber, still und unbekümmert, den Wandel zeugen lassen, als in prahlender Rede dich hervorzutun oder zu rechtfertigen suchen? Einen glaubwürdigen Zeugen brauchst du vor der Menschheit, denn es kann dir, bei deiner Menschenwürde, nicht gleichgültig sehn, ob man dich anerkennt oder nicht, darum handle menschlich, und du hast deine Gestalt verteidigt, deine Würde festgesetzt. Einen glaubwürdigen Zeugen brauchst du vor der Christenheit, denn du kannst es, bei dem Glücke ein Christ zu sein, nicht gering achten, ob man dich für einen Bruder ansieht oder nicht, darum handle christlich und stelle den Glauben in die unwiderlegliche Tat, dann wird Jeder dir Herz und Liebe geben. Einen glaubwürdigen Zeugen brauchst du vor dem Vaterlande, denn du kannst es, bei deiner Ehre, nicht zugeben, dass öffentliches Misstrauen und öffentliche Zwangsmittel dich treffen, darum handle rechtlich, handle rechtlich mit Schaden, wenns sein soll, dann wird Jeder dir Hand und Vertrauen anbieten. Einen glaubwürdigen Zeugen brauchst du vor denen, unter welchen du ein Amt bekleidest, oder man wird dich einen Lohnknecht schelten. Dass du deine Obliegenheiten erfüllest, dazu kann man dich allenfalls anhalten, aber dass du sie nach Möglichster Einsicht, auf die angemessenste Weise, aus allen Kräften erfüllest, - möchtest du davon nicht deinen Untergebenen und Aufseher gewiss machen und vor den Augen der Welt selber als ein Mann erscheinen, der im Amt und strengen Dienst sich seine Freiheit zu erhalten weiß? Lass dein Verhalten für dich reden! lass deinen Wandel Zeuge sein! 
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-Jede Tat steht als Beispiel da, der Wandel ist ein deutliches Exempel für den Nächsten. Damit soll euch kein neues Gebot gegeben, sondern nur das alte Gebot eingeschärft werden: „Es tue jeder seine Pflicht allzeit.“ Da wird nichts Besonderes, nichts Überpfllchtiges gemeint, welches übel wäre. Doch gibt es gewisse Leute von Ansehen, welche sichs beikommen lassen, gewisse Handlungen, die sie sonst nicht täten, des Beispiels wegen zu tun oder um keinen Anstoß zu geben, und als Beispiele Anderen vor Augen zu bringen. Das sind Vorschriften der Mode, nicht der Sittenlehre. Damit ich Eine solche Handlung nenne: Wer es nicht für seine Pflicht hält, die Kirche zu besuchen, darum, weil ihm daselbst der vollkommene Mann beschrieben wird, weil er daselbst auf die Mängel und Flecken seines Herzens aufmerksam gemacht wird, weil er daselbst wieder Kraft schöpfen kann in den Kämpfen der Pflicht, und Trost in den Leiden des Lebens; wer nicht herkommt, damit seine Seele sich einmal wieder losmache von Erdesorgen und Erdegedanken, damit sein Geist an der Friedensstätte der Gläubigen sich leichter aufschwinge, über die Alltagswelt und ihre Unruhe, in die Gefilde des Glaubens und Friedens: wer nicht in dieser Absicht kommt, sondern, damit er dem, wie er glaubt, schwächeren Bruder, dem, wie er glaubt, bedürftigeren Christen ein Beispiel gebe - der bleibe lieber weg, denn dass er als Heuchler da steht. Zwar ist Raum da für ihn, aber der Schaffner muss ihn hinausweisen, weil er klein hochzeitliches Kleid an hat. Er bleibe an den Straßen! er gehe hin, seinen neuen Acker zu besehen! Besser, als dass er im Gotteshause Äfferei treibt; - Wahrlich, ein schrecklicher Gedanke, wenn sein Beispiel auf andere wirkte, und Jeder um des Anderen willen die Kirche besuchte: was wäre die Kirche dann für ein Haus! Und so vornehm-menschenfreundlich wird der Mensch leicht, wenn  er Exempel vor Augen hat. 
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-Es tue jeder seine Pflicht allezeit, so hat er zugleich das beste Beispiel gegeben, so lasst uns die Sache ansehen. Fühlt sich jemand schwach, eine gewisse Obliegenheit zu erfüllen; fürchtet jemand, er möchte seine sündhafte Neigung nicht unterdrücken, seine böse Gewohnheit nicht ablegen können: er bedenke alles und bedenke auch das, dass seine Handlung ein Beispiel ist, und erzittre vor dem Gedanken, wie unabsehbar, wie unabwendbar die Tat, einmal getan, sich fortwälzt und alles Unverwahrte, alles Schwankende mitnimmt. Mehr als die Lehre, mehr als Ermahnung, mehr als die eigene Überzeugung wirket das lebendige Exempel auf Alte und Junge. Auf Junge: Ihr Eltern in der Versammlung, lasst euch noch ein wohlgemeintes Wort insbesondere sagen. Bedenkt, bedenkt, dass euer Wandel ein Beispiel ist für eure Kinder. Ihr seid die Vorbilder derselben, auf euch sehen sie, euch folgen sie: Vor ihnen, vor ihnen lasst euer Licht leuchten. Von euch sollen sie lernen, das Laster fliehen, rechtschaffen sein, Gott und Menschen lieben. Die Liebe steht nicht in Worten, sondern in der Erweisung. Wenn ihr keine Liebe habt, wie sollen die Kinder lernen, was Liebe sei, Liebe zu Gott und Menschen! Wenn ihr kein Vertrauen beweist, sondern immer klagt und murrt und zweifelt, wie sollen Eure Kinder vertrauen lernen, dem Gott fest vertrauen lernen, der die Schicksale lenkt! Wenn ihr keine Dankbarkeit hegt gegen den Geber aller guten Gaben, wenn ihr von Gott schweigt, wie sollen eure Kinder von Gott reden lernen, ihm danken lernen! Und wenn ihr euren Mund zur Lüg' und Lästerung auftut, wenn ihr euren Arm dräuend erhebt wider den Unschuldigen, wenn Ehrgeiz und Geldgeiz eure Schritte lenken; wenn ihr das Vergnügen über die Pflicht schätzt und lieber die Lust stillet als euer Gewissen hört,- wes ist die Schuld und Verantwortung, dass Seelen verloren gehen, dass die Geweihten der Tugend, die freien Kinder Gottes, Sklaven der Sünde werden und in die Abgründe des Lasters sinken? - Wer sich schuldig weiß, der bebe! und besser, er bebe jetzt als später, zu spät. Und ein solches Beben, in Wirkung dass die Hügel in die Täler fallen, ist zugleich ein Bahnen des Wegs, da Christus der Herr herkommt. Der Herr ist nah, nach wenigen Tagen haben wir Weihnachten. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Harms, Ludwig - Am dritten Sonntage des Advents.====== 
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-Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unserem HErrn Jesu Christo. Amen. 
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-Text: Ev. Matth. 11. 2 - 10. 
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-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ Ihm sagen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an Mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Ober was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, Ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, Ich sende Meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll.** 
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-Wir lesen in unserem Evangelio: da Johannes im Gefängnisse die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Das ist eine höchst merkwürdige Frage in dem Munde eines Mannes, wie Johannes war, und viele Leute sind schon durch diese Frage an Johannes irre geworden und haben gemeint, das Gefängnis müsse doch diesen Mann sehr kleingläubig gemacht haben, dass er solche zweifelnde Frage an Jesum habe tun können, als ob er nicht wüsste, ob er Jesum für den verheißenen Heiland und Gottessohn halten solle, oder nicht. Noch andre schreiben diesen vermeintlichen Kleinglauben des Johannes einer besonderen Anfechtung des Teufels zu, und fahren dann wohl gar zu, ihren Kleinglauben mit des Johannes Kleinglauben zu entschuldigen und meinen: wenn der hochbegnadigte Johannes schwach werden konnte im Glauben, wer will es denn uns geringen Leuten hoch anrechnen, wenn wir einmal schwach werden im Glauben? Und da soll denn Johannes das Feigenblatt sein, das sie auf ihre eigne Blöße legen. Ich aber sage euch geradeheraus: entschuldigt euch nur nicht so mit Johannes und macht ihn nicht zu eurem Sündenbock. Denn es ist ganz unmöglich, dass Johannes je in solchen Kleinglauben und Zweifel an dem HErrn Jesu hätte fallen können. Was? der Mann, der war wie eine eherne Mauer und wie ein Fels; der Mann, der um seines mutigen Zeugnisses willen, das er vor Herodes abgelegt hatte, nun im Gefängnisse lag und den selbst das Gefängnis nicht hatte beugen können, dass er auch nur ein einziges Wort gegen Herodes zurückgenommen hätte, der sollte sein wie eine Wetterfahne, die der Wind hin und herweht? Und der Mann, der selbst mit seinen eigenen Augen den Geist Gottes hatte herniederfahren sehen auf Jesum, der selbst mit seinen Ohren die Stimme Gottes gehört hatte, die da sprach: dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe, der sollte an dem zweifelhaft geworden sein, was seine eigenen Augen gesehen und seine eigenen Ohren gehört hatten? Das ist rein unmöglich. Ich weiß recht wohl, dass Johannes ein sündiger Mensch war, gleich wie wir; ich weiß wohl, dass er auch den Anfechtungen des Teufels ausgesetzt war, gleich wie wir; ich weiß auch gar wohl, dass selbst der stärkste Glaube zu Zeiten schwach werden kann, denn wir tragen alle unseren Schatz in irdischen Gefäßen. Aber das nicht zu glauben, was man selbst mit Augen gesehen und mit Ohren gehört hat, das kann einem selbst der listige Teufel nicht weis machen, oder man muss ein wahnsinniger Narr sein. Das wäre gerade eben so, als wenn mir der Teufel sagen wollte, das wäre nicht wahr, das ich euch hier jetzt in der Kirche sähe, ich bildete mir das nur ein, ihr wäret lauter Larven und Gespenster, das würde ich ihm doch nicht glauben, so lange ich noch meine fünf Sinne hätte. Es ist hier, ja gar nicht vom Glauben, sondern vom Sehen und Hören die Rede. Aber, fragt ihr, steht hier denn nicht ausdrücklich geschrieben, Johannes ließ Jesum durch zwei seiner Jünger fragen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Ist denn das nicht Zweifel? Nein, sondern die Sache hängt so zusammen. Die meisten Jünger, die Johannes gehabt hatte, waren ihrem Meister gehorsam gewesen und waren zu Jesu gegangen und Jesu Jünger geworden, weil Johannes, der nicht seine eigne Ehre, sondern seiner Jünger Seligkeit suchte, zu ihnen gesagt hatte: siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt! das ist Gottes Sohn! Aber einige Jünger waren bei Johannes geblieben, hatten Jesu Jünger nicht werden wollen, weil sie sich an Jesu ärgerten, wie in dem heutigen Evangelio gesagt wird. Und die Ursache dieses Ärgernisses wird wohl gewesen sein, weil Jesus Seine Jünger nicht fasten ließ und ihnen die jüdischen Menschensatzungen nicht auflegte, die zur Seligkeit nichts nütze sind, oder weil Er nicht Heuschrecken und wilden Honig aß, oder nicht sechsmal am Tage die Hände wusch. Daran stießen sie sich, weil sie, wie alle schwachgläubige und engherzige Menschen, einen übertriebenen Wert auf äußerliche Gebräuche legten, und so meinten sie, Jesus könne der verheißene Messias nicht sein. Das tat nun Johannes in der Seele wehe, dass er sah, wie seine Jünger sich selbst um ihre Seligkeit betrogen, die doch allein in Jesu zu finden ist. Und wenn er nun gar daran dachte, dass er bald sterben würde (im Gefängnis lag er schon) und dass nach seinem Tode diese seine irregeleiteten Jünger gar nicht zu Jesu gehen würden, da sie nicht einmal bei seinen Lebzeiten sich dazu hatten bewegen lassen, so wurde er noch viel mehr über sie betrübt, denn ihre Seelen lagen ihm, als einem treuen Lehrer, am Herzen. Da nun aber der Ruf von Jesu großen Wundertaten selbst in seinen verschlossenen Kerker gedrungen war, so dachte seine treue, sorgende Liebe: nun ist die rechte Zeit gekommen, sie sollen selbst zu Jesu hingehen und Ihn fragen, ob Er der verheißene Messias sei. Wenn sie dann selbst Seine Wunder sehen und Seine Predigt hören, dann bekehren sie sich gewiss. Wenn er ihnen nun aber nicht einen Auftrag an Jesum zu bestellen gegeben hätte, so wären sie gewiss nicht gegangen, denn seine Bitten hatten bislang gar nichts geholfen. Deshalb gibt er ihnen den Auftrag: gehet hin, fraget Jesum in meinem Namen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Und so gibt uns denn unser heutiges Evangelium wieder die schönste Adventsfrage auf, die wir mit Gottes Hülfe beantworten wollen: 
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-Ist Jesus der da kommen soll? und wie sollen wir Ihn empfangen? 
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-Zuvor aber lasst uns beten: Lieber HErr Jesu Christe, gib uns Deinen heiligen Geist beides zum Predigen und Hören, dass unser Glaube fest gegründet werde und wir nicht mehr zweifeln, dass Du wahrhaftig bist Christus, Gottes Sohn, der Welt Heiland und wir in diesem Glauben fröhlich leben und selig sterben. Wir können ja nicht an Dich glauben aus unserer eigenen Kraft und Vernunft, das ist Gottes Werk, dass wir glauben an Dich, und wir bekennen es Dir, wiewohl wir uns von Herzen schämen, unser Glaube ist oft so schwach und klein, dass er nur noch einem Fünklein gleicht. Darum blase doch hinein mit Deinem heiligen Geist in dies Fünklein, dass ein groß Feuer daraus werde, und wir Dich mit beiden Armen umfangen und fröhlich jauchzen: HErr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, ich bin Dein, niemand soll uns scheiden. Ich bin Dein, weil Du Dein Leben und Dein Blut, mir zu gut, in den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich Dich fasse, und Dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Lass mich, lass mich hingelangen, wo Du mich und ich Dich ewig werd umfangen. Amen. 
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-Jesus ist der Heiland, der da kommen soll, wir sehen es mit unseren Augen und hören es mit unseren Ohren. Welch einen herzerhebenden Anblick hatten die Jünger des Johannes, als sie zu Jesu kamen! Da steht der liebe, treue, freundliche Heiland, und um Ihn her eine ganze Menge Volks. Alle, alle haben ein Anliegen an Ihm, und Er, mit immer gleicher Liebe und himmlischer Freundlichkeit, weist keinen einzigen zurück. Da kommt mit wankenden Schritten, von andern Leuten an der Hand geführt, ein armer, blinder Mann zu Jesu. Und als seine Handleiter ihm sagen: nun stehst du vor Jesu! da hebt er seine blinden Augen so flehend zu dem HErrn auf und ruft mit kindlichem Glauben: HErr Jesu, Du Sohn Gottes, hilf mir armen, blinden Mann, dass ich das Tageslicht wieder sehen kann! Nicht wahr? ein blinder Mann ist ein recht armer Mann! Das meint der HErr Jesus auch und antwortet mit dem allmächtigen Wort Seines Mundes: sei sehend! Und, o der Wonne, der arme, blinde Mann kann sehen, kann Jesum, seinen himmlischen Arzt sehen, kann alles um sich her erkennen: Menschen, Bäume, Blumen, Gras und Kraut. Der hat wohl gerufen mit Tränen in den sehenden Augen und mit jauchzendem Munde: ich danke Dir, HErr Jesu, dass Du so gut bist! 
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-Und seht weiter, da kommt ein Lahmer her, ob er an Krücken hergehinkt kam, oder ob die Leute ihn trugen, ich weiß es nicht. Und während er sich auf die Krücken unter seinen Armen stützt, oder hilflos von der Bahre aufblickt, sieht er den lieben Heiland in Sein holdseliges Antlitz, faltet die Hände und ruft: ach, HErr Jesu, Du kannst alle Dinge, allmächtiger Sohn Gottes, heile mich, dass ich wieder gebrauchen kann meine lahmen Füße und Dir nachfolgen! Ein lahmer Mann ist ja auch ein armer Mann, er kann ja nicht in die Kirche gehen, wo Jesus ist, er kann ja nicht an seine Arbeit gehen und sein Brot verdienen, muss von der Barmherzigkeit der Menschen leben, und die sind so unbarmherzig. Da jammert es den HErrn in Seinem treuen Herzen, Er erbarmt sich des armen, lahmen Mannes, Er spricht: stehe auf und wandle! Und auf dies allmächtige Wort Seines Mundes geschieht die Wundertat. Der Lahme kann seine Krücken wegwerfen, von seiner Bahre aufstehen, kann gehen, wandeln, springen! Der hat gewiss seine gesunden Beine zuerst dazu gebraucht, vor Jesu niederzuknieen und sein Mund hat gesprochen: ich danke Dir, Herr Jesu, für Deine gnadenreiche Hülfe, nun will ich Dir nachfolgen und Deine Wege wandeln bis in den Tod. 
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-Aber da steht in der Ferne ein Unglücklicher, noch viel elender, als der Lahme und als der Blinde, ein aussätziger Mann, behaftet mit jener schrecklichen Krankheit, die kein Arzt heilen konnte und die mehr wie jede andre Krankheit das rechte Bild der Sünde war. Hatte diese Krankheit recht überhandgenommen, so war die ganze Haut des Menschen voll böser Geschwüre, barst und riss auf wie ein rissiger Eichenstamm, und aus allen Rissen und Borsten drang fressender Eiter und Blut hervor. Dabei war die Krankheit so ansteckend, dass ein solcher Aussätziger aus seinem Dorfe hinausgestoßen wurde, sich keinem Menschen nähern durfte, meist unter freiem Himmel, oder in Höhlen der Berge sich aufhalten musste und mit Kummer sich nährte von dem Tränenbrot, das ihm an einem abgesonderten Orte hingelegt wurde. Der arme, aussätzige Mann stand in der Ferne; aber aus der Ferne schrie er zu Jesu mit seiner heiseren Stimme: O Jesu, Du Sohn Davids, erbarme Dich mein, hilf Du mir, denn nur Gott kann mir helfen, dass ich doch wieder besuchen könne die schönen Gottesdienste des HErrn und mit wallen unter den Haufen derer, die da feiern! Und der gnadenreiche Heiland erbarmt sich auch des Aussätzigen. Sei gereinigt, spricht Er zu ihm, und Sein Wort ist Gottes Wort. Auf dies Wort weicht alsobald der Aussatz, er ist rein, er darf wieder zurückkehren unter seine Brüder, darf wieder wohnen unter den Menschen, darf wieder mit gehen zu dem Tempel, darin die Ehre des HErrn wohnt. Ich denke, der hat es gemacht wie jener aussätzige Samariter, den Jesus heilte, ist hingelaufen, ist Jesu zu Füßen gefallen und hat Ihm gedankt aus der Tiefe des Herzens! 
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-Aber noch hat der Heiland keine Ruhe. Da kommt noch ein tauber Mann, den halte ich für den unglücklichsten, von allen diesen. Und frägst du, warum? Der Glaube kommt aus der Predigt, aus der Predigt haben wir die höchsten Güter, die himmlischen. Und die Predigt kann der taube Mann nicht hören, kann nicht hören den herzerhebenden Gesang der Gläubigen, kann nicht gemeinschaftlich beten mit den andern Betenden, kann nicht hören die tröstende Stimme des Bruders. Ja ich kanns leicht glauben, was ich einst selbst gehört habe aus dem Munde einer frommen Frau. Die war taub gewesen, dass sie kein Wort hören konnte. Nach jahrelangem Gebete hatte sie das Gehör wieder bekommen, war aber nun blind geworden, so dass sie nicht einmal einen Schimmer des Lichts sehen konnte. Da sah man sie Sonntag für Sonntag sitzen in ihrer lieben Kirche und sah so glücklich aus, sie sang so fröhlich mit, denn sie wusste fast alle Gesänge auswendig, hörte so andächtig zu, wenn gepredigt wurde, und betete so innig mit, wenn gebetet wurde, dass man recht erkannte, sie war glücklich in der Kirche. Ein Mann bedauerte sie einst und sagte zu ihr, als er ihre Geschichte gehört hatte, du arme Frau bist doch recht aus dem Regen in die Traufe gekommen, erst taub, und nun blind? Sie aber antwortete mit zufriedenem Lächeln: ich war sehr arm, da ich taub war, ich konnte die Predigt nicht hören. Ich bin sehr reich nun, da ich blind bin, ich kann die Predigt hören und singen und beten mit den Singenden und Betenden. Nun dieser arme, taube Mann will auch so gern hören Jesu süße Predigt und kanns nicht, da geht er zu Jesu und spricht: HErr, Du hast das Ohr geschaffen, Du kannst auch machen, dass es höre, tue mir armen Mann die Ohren auf! Und der HErr Jesus spricht: Hephata, d. i. tue dich auf, und wie Er spricht, so geschiehts. Nun kann er Jesu Predigt hören, o wie süß mögen ihm die Worte des ewigen Lebens gewesen sein, die aus Jesu Munde gingen! Der hat gewiss fortan keine Predigt versäumt.  
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-Und noch Größeres sollen wir sehen. Ein Toter wurde da hergebracht im langsamen Trauerzuge, vielleicht war es der Jüngling zu Nain, und seine Mutter, eine Witwe, die ihren einzigen Sohn verloren hatte, ging weinend hinter dem Sarge her. Der Tod aber hat keine Macht vor Jesu, dem Fürsten des Lebens. Der HErr, der einst die Toten aus den Gräbern erwecken wird, kann auch die auferwecken, die auf dem Wege zum Grabe sind. Auf Sein Wort stehen die Träger still, auf Sein Wort richtet sich der Tote auf und ist lebendig. Die Klage ist verwandelt in einen Reigen, die Augen, die eben noch vor Schmerz weinten, weinten nun vor Freude. Und aller Mund hat bekennen müssen, es ist ein großer Prophet in Israel aufgestanden und der HErr hat Sein Volk heimgesucht.  
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-Das alles sehen die Jünger des Johannes an und ihr könnt leicht denken, sie wussten nicht, wie ihnen geschah, ein Zweifel nach dem andern schwand aus ihren Herzen. Alles, was sie sahen, die allmächtigen Wunderwerke des HErrn und die immer gleiche, unermüdliche Liebe und Freundlichkeit, mit welcher der HErr bereit war, einem jeden zu helfen, der sich zu Ihm nahte, und auch nicht einen einzigen von sich stieß, musste sie überzeugen: dieser, und kein anderer ist der Messias, der den Vätern verheißen wurde. Und seht, meine Lieben, das ist der Jesus, der Weihnachten auch aufs Neue wieder zu uns kommen will, das ist der Jesus, der auch jetzt, in dieser Adventspredigt wieder bei euch allen anklopft und will in euern Herzen wohnen, wenn ihr ihm nur das Herz auftut. Und wir sollten trauern in dieser seligen Zeit? O Christ, du Jünger Jesu, du wolltest klagen, zagen, sorgen, weinen? Und dein Jesus kommt zu dir? Ich bitte dich, schäme dich doch, ist Er denn nicht dein Jesus? Ist Sein Gang nicht auch zu dir gekehrt? Oder ist Weihnachten für dich keine Gnadenzeit? Ja, sprichst du, ich bin arm, so ganz arm! Schäme dich, weißt du denn nicht, dass dein Jesus sehr reich ist, und der sollte dich, Sein Kind, an Seinem Weihnachtsfeste hungern lassen? Aber du sagst: ich bin krank, wie kann ich fröhlich sein? Schäme dich, dein Jesus kommt ja, und ist Er nicht noch immer derselbe wundertätige Helfer, der damals die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Tauben hörend, die Aussätzigen rein machte und die Toten auferweckte? Oder ist jetzt Seine Hand zu schwach und Sein Arm zu kurz geworden, dass Er nicht helfen könnte? Kannst du denn nicht zu Jesu beten, eben so kindlich, eben so gläubig und vertrauensvoll, als jene Leute? Sollen die Juden dich verklagen, und du willst doch ein Christ sein? Wahrlich ich sage dir, wenn du zu Jesu beten kannst, so sollst du Weihnachten nicht seufzen, der Helfer ist vor der Tür, der Not und Tod wenden und das Krankenbett zu einem Siegesbette machen kann. Bete nur zu dem, der ein Meister ist im Helfen, und du sollst die Wunder Gottes schauen. 
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-Unser Evangelium erzählt uns aber noch herrlichere Dinge. Die leiblich Kranken hat Jesus geheilt. Nun steht da aber noch die ganze Menge derer, die an der Seele krank sind, die Menge der Sünder, denen gar kein Mensch auf Erden helfen kann, weil kein Mensch auf Erden Sünden vergeben kann. Was soll aus denen werden? Wer gesündigt hat, sei es mit Worten, Werken, oder Gedanken, der kann nicht selig werden. Wer gesündigt hat, der muss verdammt werden ewiglich, die Hölle ist ihm aufgetan, der Himmel ist ihm verschlossen. Denn wie kann der reine Gott einen unreinen Sünder in Seinen reinen Himmel nehmen? Teufelsknechte, und das sind doch alle Sünder, die gehören in des Teufels Reich hinein und das ist die Hölle! Und all das Volk, das da um Jesum steht, das hat gesündigt, da ist kein einziger Reiner darunter, sie sind alle unrein, alle abgefallen, allesamt untüchtig geworden. O meine Lieben, ein Sünder ist tausendmal unglücklicher, als alle die Kranken, die vorhin zu Jesu kamen, ein Sünder ist geistlich blind, geistlich lahm, geistlich taub, geistlich aussätzig, geistlich tot, ein Sünder ist ein Kind des Zorns und der ewigen Verdammnis. Ist denn für Sünder keine Hülfe? O lasst uns ernstlich so fragen, mit allem Anliegen unserer Seele. Denn solche Sünder sind wir alle auch, kann jenen nicht geholfen werden, so ist auch für uns keine Hülfe, denn wir sind mit ihnen in gleicher Verdammnis. Aber lasst nur eure Bangigkeit fahren. Seht, in unserem Texte steht das kostbare Wort, tausendmal kostbarer, als alles Gold, alle Perlen und Edelsteine der Welt: den Armen wird das Evangelium gepredigt. Auf diese Predigt horchen die armen Sünder, die dort um Jesum stehen, auf diese Predigt horchen erstaunt die Jünger des Johannes, auf diese Predigt wollen auch wir armen Sünder hören.  
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-Evangelium, was ist denn das? Das ist die selige Botschaft, dass Christus Jesus kommen ist die Sünder selig zu machen, auch die Vornehmsten unter ihnen, dass Gott also die Welt geliebt hat, dass Er Seinen liebsten, eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben, denn Gott will nicht, dass der Gottlose verloren gehe, sondern dass er sich bekehre und lebe. Evangelium, das ist die wunderbare Predigt, dass Gottes Sohn kommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, dass das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, die Sünder rein macht von allen Sünden, dass es auch die blutrote Sünde schneeweiß wäscht, dass die Gnade viel, viel mächtiger ist als die Sünde. Es ist die Botschaft, dass auch die Menge der Sünden dir die Seligkeit nicht rauben soll. Denn ob ihrer mehr sind, als der Haare auf deinem Haupte, ob sie zahlreicher sind, als der Sand am Meere, Jesus will sie nehmen und alle werfen in die Tiefe des Meers, dass ihrer nicht mehr gedacht werden soll ewiglich. Denn dos Blut Jesu Christi, weil es das Blut des Sohnes Gottes ist, ist solch ein kostbares Lösegeld, dass unser Gesangbuch mit Recht sagt: dein Blut, der edle Saft, hat solche Stärk und Kraft, dass auch ein Tröpflein kleine die ganze Welt kann reine und aus des Teufels Rachen frei, los und ledig machen. Jesu Mund selber predigt es ja: wer an Mich glaubt, der wird nicht gerichtet, sondern ist vom Tode ins Leben durchgedrungen. An Ihm haben wir die Erlösung durch Sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden.  
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-Seht, das ist es, was uns Sündern nötig ist, das ist die einzige Arznei, die uns helfen kann: Vergebung der Sünden. Was du mit Gold nicht kaufen, was du mit Werken nicht verdienen kannst, das schenkt dir Jesus aus Gnaden, ohne all dein Verdienst und Würdigkeit. Aber wem schenkt Er es? den Armen, d. h. den armen Sündern, die ihre Sündennot erkennen und ihren Sündenjammer fühlen und deshalb zu Jesu gehen, vor Ihm niederfallen, Ihn anstehen: HErr Jesu, Du Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, Christe, Du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünden der Welt, erbarme Dich auch dieses armen Sünders, der jetzt zu Deinen Füßen liegt. Kommst du so, so streckt Jesus Seine segnende Hand über dich aus und spricht zu dir mit dem seligsten Liebeston: Ich tilge deine Sünden, wie einen Nebel, und deine Missetat, wie eine Wolke. Mein Sohn, meine Tochter, deine Sünden sind dir vergeben. Jesus kann das, denn da Er als dein Bürge deine Sünden auf sich genommen, deine Schuld bezahlt, deine Strafe gebüßt hat, so bist du frei, los und ledig von Sünde, Schuld und Strafe, unter der einzigen Bedingung, dass du glaubst an Jesum Christum, deinen Heiland, der deine Schuld bezahlt hat mit seinem teuren Blute. 
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-Konnten die Jünger des Johannes, die das alles sahen und hörten, nun noch fragen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Ich weiß gewiss, sie schämten sich nun der Frage, die sie getan hatten. Aber wie unbeschreiblich liebenswürdig ist doch hier wieder Jesus. Er wusste ja recht wohl, weshalb Johannes die Jünger zu Ihm geschickt hatte, dass nicht des Johannes Unglaube, sondern der Jünger Unglaube die Ursache war. Und doch wie liebreich erspart ihnen Jesus vor der versammelten Menge alle unnötige Beschämung, sie waren ja Irrende, keine böswilligen Verächter. Zu solchen Verächtern, oder zu Heuchlern und Scheinheiligen, da spricht Jesus auch wohl öffentlich: wehe euch, ihr Heuchler, und nennt sie Otterngezüchte und Schlangenbrut. Aber zu ehrlichen Leuten, die da irren, spricht er sanft und milde, es ist Ihm genug, wenn Er sieht, dass ihr Herz tief beschämt und zerbrochen ist, vor den Leuten macht er sie nicht herunter. Sie bedürfen des Trostes. Darum sagt Er auch hier zu den Jüngern des Johannes: sagt Johanni wieder was ihr gesehen und gehört habt. Und so gehen sie in Frieden wieder heim. Dass sie aber durch ihren Besuch bei Jesu nun gänzlich für Jesum gewonnen waren und alle ihre Vorurteile und Bedenklichkeiten hatten fahren lassen, das sehen wir deutlich  daraus, dass sie zu Jesu kommen, als Herodes den Johannes hatte enthaupten lassen, und erzählen Ihm das alles. So hatte denn der treue Johannes, der bis zum Tode treu war, noch vor seinem Ende die Freude, auch die letzten seiner Jünger selig zu wissen durch den Glauben an Jesum.  
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-Und wenn ich euch nun frage, meine Lieben, ist Jesus euer Heiland, oder wartet ihr eines andern? O dass ich auch diese Johannesfreude an euch allen hätte, dass ihr antwortetet mit Einem Munde: Wir glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist, wir armen Sünder glauben, dass Jesus unser Heiland ist. Wir warten keines andern mehr, Jesus ist unser Friede! Nur dann habt ihr ein freudenreiches Weihnachten und eure Freude soll niemand von euch nehmen, denn ihr habt dann den Arzt des Leibes und den Heiland der Seele, und was wollt ihr mehr! Ihr könnt dann singen: mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein. In lauter Lust und Singen sieht es den Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein HErr Jesus Christ. Das, was mich springen macht, ist was im Himmel ist. Ist aber noch einer unter euch, der Jesum noch nicht hat, der Ihn noch nicht seinen Heiland nennen kann, o den bitte ich: armer, armer Sünder, säume nicht, siehe noch ist Sein Gang zu dir gekehrt, noch will Jesus dich auch annehmen und selig machen, noch ist die Zeit der Gnade. O heiße Jesum willkommen, tue Ihm dein Herz auf, bete, stehe zu Ihm, was du kannst: HErr Jesu, erbarme Dich auch über mich, auf dass dies Weihnachten, welches nahe ist, und dir zum Heil gegeben ist, dich nicht verklage am jüngsten Tage, dass du es hast vergebens vorübergehen lassen. O denke an die fünf törichten Jungfrauen und an das schreckliche Wort: es ist zu spät. Wir haben gesehen, Jesus ist der Heiland, der da kommen soll, lasst uns nun sehen 
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-=====II. ===== 
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-Wie sollen wir Ihn empfangen? Jesus sagt zuerst: selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert. Es ist eine gemeine Unart bei den Menschen, dass sie Jesum nicht haben wollen, wie Er ist, sondern so wie sie Ihn nach ihrem Kopfe gern haben möchten. So wie Er ist, stoßen sie sich bald an diesem, bald an jenem. Und weil Er nun nicht ist, wie Er nach ihrem Sinne etwa sein müsste, so wollen sie Ihn nicht. Das heißt denn: sich an Jesu ärgern. So war es vorher mit den Jüngern des Johannes gewesen. Jesus war nicht nach ihrem Kopfe. Hätte Er gefastet, hätte Er sauer gesehen, hätte Er ein härenes Kleid getragen, hätte Er Heuschrecken und wilden Honig gegessen u. s. w., dann wäre Er ihr lieber Jesus gewesen. Nun aber taugte Er nicht für sie. Diese Unart ist noch gemein bei den Christen. Der eine hat dies, der andre jenes an Ihm auszusetzen. Dass Er alle Sünder in einen Topf wirft, und die ebenso wohl Mörder nennt, die ihren Bruder hassen, oder ihn schelten, als die, welche mit der Faust totschlagen, oder dass Er den, welcher ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, nicht minder einen Ehebrecher heißt, als den der wirklich das Ehebett besteckt, das gefällt den selbstgerechten, ehrbaren Leuten nicht. Dass Er die Sünden bei ihrem rechten Namen nennt, nennt das Huren Huren, das Lügen Lügen, und erklärt alle, die da Sünde tun, für Teufelskinder, das gefällt den feinen, gebildeten Weltleuten nicht, das ist ihnen zu grob. Dass Er von einer ewigen Verdammnis predigt, da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht, und dass Er sagt, dass alle die nicht an Ihn von ganzem Herzen glauben, dieser ewigen Verdammnis anheimfallen, das gefällt denen nicht, die auf beiden Seiten hinken, das ist ihnen zu streng, sie nennen es ungerecht. Dass Er Bekehrung verlangt und gänzliche Absagung des Teufels, der Welt und der Sünde, das gefällt den faulen Bäuchen nicht, die gern leben und leben lassen. Daran ärgern sie sich und wollen nichts von Jesu wissen, Er ist kein Mann für sie. Darum sagt der HErr mit so ernstem Nachdrucke in unserem Evangelio: selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert. Willst du also Jesum aufnehmen in deinem Herzen und Hause, soll Er bei dir einkehren, so musst du nicht verlangen, dass sich Jesus nach dir richte, sondern du musst dich nach Jesu richten. Gefällt dir etwas an Jesu nicht, ärgerst du dich an diesem oder jenem, so erkenne daraus: du bist verkehrt, Jesus nicht. Und nun beuge dich unter Jesum, und werde du so, wie Er dich haben will, dann wird Er bei dir einkehren, Wohnung bei dir machen und dich selig machen. Glaube es also Jesu zu, dass du ein eben so großer Sünder bist, als die andern alle, danke Ihm, dass Er deine schändlichen Sünden schändlich heißt und dich darüber straft, preise Ihn, dass Er dir offen deine ewige Verdammnis vorhält und dir zeigt, wohin dich dein elender Unglaube bringt, gib Ihm Recht, wenn Er deine Bekehrung und die Absagung des Teufels, der Welt und der Sünde von dir verlangt und siehe in allen Stücken den Fehler an dir, und nicht an Ihm, dann kann dir geholfen werden, denn den Aufrichtigen lässt Gott es gelingen. Beuge dich also in Gehorsam unter jedes Wort aus Jesu Munde, das ist das Erste, was der HErr von dir verlangt, wenn er bei Dir einkehren soll, das ist das erste notwendige Stück, um Ihn zu empfangen.  
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-Sodann weist uns der HErr Jesus auf Johannes den Täufer hin, um uns zu zeigen, wie unser Herz und Wandel beschaffen sein soll, wenn wir wollen, dass Jesus bei uns einkehre und uns einst für die Seinen bekenne. Vor allen Dingen tut ab alle Menschenfurcht und Menschengefälligkeit, auf dass ihr nicht seid wie ein Rohr, das der Wind hin und her wehet. Solche erbärmliche Leute waren die früheren Zuhörer des Johannes gewesen. An ihnen kann man recht sehen: verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Ann. Tausende hatten früher seine Predigt gehört, Tausende hatten sich früher von ihm taufen lassen. Aber nun, da Johannes im Gefängnis lag, in das ihn der gottlose Herodes hatte werfen lassen, wer von allen den Tausenden war treu geblieben? Da waren Priester und Leviten, da waren Bürger und Bauern, da waren Kriegsleute und Amtleute gewesen, die hatten sich vor Johannes geneigt, als er der große, bewunderte Bußprediger gewesen war. Nun war Herodes über ihn gekommen, jetzt neigten sie sich vor dem Prophetenmörder Herodes, und Johannes war vergessen und verlassen, nun galt er für einen Narren und Schwärmer, für einen eigensinnigen Mann, ja etliche sagten, er hätte den Teufel. Elendes wankendes und schwankendes Rohr, fuchsschwanzstreichendes Gesindel, das rechts sich beugt und links sich verneigt, nachdem der Wind weht.  
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-Dagegen seht den Mann Johannes an. Der steht wie ein Fels im Meer, ein unerschütterlicher, standhafter Glaubenszeuge. Groß oder klein, reich oder arm, König oder Bettler, das galt ihm gleich, er hielt Israel vor seine Übertretungen und Jakob seine Sünden. Er fürchtete Gott, darum fürchtete er keinen Menschen. Er liebte Gott, darum wollte er nicht in sündlichen Dingen den Menschen gefallen. Und mag auf Erden der Märtyrertod sein Lohn sein, so ist das ein seliger Tod, desto größer soll im Himmel sein Lohn sein, denn er war treu bis in den Tod, darum soll er die Krone des Lebens haben. Und seht, als alle ihn verlassen haben, da tritt Jesus für ihn auf. bekennt ihn öffentlich vor allen Menschen als einen Mann, den Er lieb hat und den Seinen nennt. Warum? weil Johannes treu war, kein Rohr, das der Wind hin und herweht. Darum weg mit eurer niederträchtigen Menschenfurcht und Menschengefälligkeit, die euch einst am Jüngsten Gericht den Hals brechen wird. Kann Jesus euch dermaleinst vor Seinem himmlischen Vater bekennen, wenn ihr nicht gewagt habt, Ihn, Seinen Namen und Sein teures Wort zu bekennen vor den Menschen, die doch nichts können, als höchstens euern Leib töten, aber die Seele nicht mögen töten? Suche nicht Ehre und Gunst bei den Menschen, die sind alle Lügner, auf keinen kannst du dich verlassen, sie können dich auch nicht selig machen. Suche allein Ehre und Gunst bei Jesu, der wird dir bis an den Tod zur Seite stehen und dich eben so treu bekennen, wie Er hier den Johannes bekannt hat. Er kann dich selig machen. Fürchte dich aber auch nicht vor den Menschen, ob sie dich gleich ins Gefängnis legen, dich stöcken und blöcken, oder gar dir den Kopf abschlagen, das schadet dir nicht an der Seligkeit. Fürchtest du Jesum, so bist du bei Menschen unbezwinglich, denn es ist dir dann nur daran gelegen, der Verdammnis zu entgehen und in den Himmel zu kommen. Und Jesus kann verdammen und selig machen. Darum im Wort und im Wandel bekenne dich treu als einen Jünger des HErrn Jesu, kämpfe für Ihn, leide es auch nicht, dass irgendein Bube Dreck an die Krone deines himmlischen Königs schmieren will, sondern zeige es frei, dass du an Jesum glaubst und Ihn deinen HErrn und Heiland nennst und hältst es für deine höchste Ehre, ein Christ zu sein, der an Jesum glaubt, Jesu dient und durch Jesum selig wird.  
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-Und weiter zeugt der HErr von Johanne und spricht: was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. O was für ein herrliches Ehrendenkmal setzt der HErr dem Johannes mit diesen Worten! Der war kein Schlecker und Lecker, der seine Seligkeit hingab um gut Essen und Trinken! Der war kein Mann nach der Mode, der um einen hübschen Rock, um eine geckenhafte Kleidung, um einen Schmuck von Gold und Silber den Himmel verkaufte und sich drehte und ein Rad schlug wie ein Pfau! Der war kein Faullenzer, der um einen Platz im Lehnstuhl, oder um einen weichen Pelz, oder um elende Faultage seinen Himmel verscherzte! Der war ein rechter Mann, der alle Weichlichkeit und Bequemlichkeit verachtete, der keine Mühe, keine Arbeit, keine Anstrengung, keinen Kampf scheute, um seine Seligkeit zu schaffen und die Seligkeit seiner Mitmenschen zu fördern, der lieber die härteste Armut ertrug, als dass er seinen hohen Beruf versäumt hätte, der gegen keinen Menschen eine Schuld und Verbindlichkeit haben wollte, ausgenommen, sie alle zu lieben und ihnen zu helfen und zu dienen zur Seligkeit, ja der nun auch im harten Gefängnis keines Menschen Dank begehrte! Da weist uns Jesus auf einen gefährlichen Feind hin, den wir jetzt mit Ernst bekämpfen müssen, wenn wir Jesum empfangen wollen, den Feind, der immer mächtigere Fortschritte macht und das Christentum zu verschlingen droht. Dieser Feind ist der abscheuliche Hochmutsteufel, der Putz- und Staatteufel, der jetzt regiert und die ganze Welt in den Strudel der Üppigkeit reißt, da ein jeder so über die Maßen hoch hinaus will, und keiner genug Staat. Eitelkeit und elenden Flitterkram anschaffen kann. Da darf jetzt bei keinem Bauer der schwarze Rock fehlen, er sähe ja sonst nicht aus als ein Herr, da darf bei keiner Bäuerin der Hut und die Moppe fehlen, sie sähe ja sonst nicht aus als eine Dame. Da darf jetzt in keiner Bauerstube das Sofa fehlen und wo möglich auch der Glasschrank und die gepolsterten Stühle, es sähe ja sonst nach nichts aus und säße sich auch nicht so weich. Ein jeder muss Gold und Silber an sich herumbummeln haben und die Männer sind eben so arg als die Weiber. Daneben aber Schuldenmachen, Betrügen, Bankrottmachen, Vater und Mutter verlassen und wo möglich mit Hundebrot füttern, das geht alles daneben her, denn ehrlich kann kein Mensch bleiben, der solchen Aufwand machen will. Und das Arbeiten schmeckt solchen Herren und Damen auch nicht mehr, desto besser das Kruggehen und Saufen und Karten spielen, das macht keine Schwielen. Habt ihr denn ganz vergessen das Wort der Schrift - ihr sollt euch nicht schmücken mit Kleideranlegen, Haarflechten und Goldumhängen, sondern euch begnügen lassen an Nahrung und Kleidung! O meine Lieben, schlecht und recht, das behüte euch, schmücket eure Herzen, Jesum zu empfangen, mit Buße, Glauben, Demut, Gehorsam, eure Häuser und Leiber mit Reinlichkeit, Zucht und Ordnung und denkt an euern Heiland Jesum, der alle Schätze, Üppigkeiten und Herrlichkeiten ausschlug, die Ihm der Teufel anbot, und sagte zu ihm: Hebe dich weg, Satan, es steht geschrieben, du sollst Gott anbeten und Ihm allein dienen! Und ob vielleicht ein Mann im blanken Rock, oder ein Weib im Umschlagetuch und Moppe dich höhnisch anlachen wird, dass du so altmodisch bist, so frage ganz freundlich, ob ihr blanker Kram, den sie an haben, auch schon bezahlt sei, deins wäre bezahlt. Christus kann nicht bei dir einkehren, wenn der Hochmutsteufel in dir wohnt.  
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-Jesus sagt weiter: oder wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja ich sage euch, der auch mehr ist, als ein Prophet; denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: siehe, Ich sende Meinen Engel vor Dir her, der Deinen Weg vor Dir bereiten soll. Warum ist Johannes ein größerer Prophet, als alle die vor ihm gewesen sind? Hat er Wunder getan, wie die andern? Nein. Aber er hat Buße gepredigt? Das haben die andern auch getan. Höre, darum ist er größer, als alle Propheten des Alten Testaments: er hat mit seinem Finger hingezeigt auf Jesum und gesagt: das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt! Was die andern glaubten, das schaute er. Der Himmel ist größer, als die Erde, denn im Himmel schauen wir, was wir auf der Erde glaubten. Darum ist auch Johannes größer, als alle andern Propheten. Auf Jesum hoffen, und Jesum haben, das ist ein Unterschied, und darum ist Johannes größer, als alle andern Propheten, er hatte, was die andern hofften. Darum ist er auch für uns wichtiger, als alle andern Propheten, denn er zeigt uns das Gotteslamm, das unsere  Sünde trägt und spricht: an diesen Jesum glaube, so bist du selig! Darum wies er auch alle seine eigenen Jünger von sich weg, auf Jesum hin. Jesus kann euch selig machen, ich nicht, sprach er, ihr müsst Jesu folgen! Und das müssen wir auch tun, meine Lieben, wenn Jesus bei uns einkehren soll. Wir müssen glauben an unseren HErrn Jesum Christum, dass Er ist Gottes Lamm, das der Welt Sünden trägt. Wer an Ihn glaubt, der wird nicht gerichtet. Wer an Ihn nicht glaubt, der ist schon gerichtet. Denn in Jesu allein ist Vergebung der Sünden, und ohne Vergebung der Sünden fährst du zum Teufel. Willst du aber an Jesum glauben, so musst du erkennen, dass du ein verlorener und verdammter Sünder bist, und dass dich verlorenen und verdammten Sünder der HErr Jesus erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und der Gewalt des Teufels, und das nicht mit vergänglichem Gold oder Silber, sondern mit Seinem heiligen, teuren Blut und unschuldigen, bitteren Leiden und Sterben, auf dass du fortan Sein eigen seist und in Seinem Reiche unter Ihm lebest und Ihm dienest in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie Er ist auferstanden von den Toten, lebet und regieret in Ewigkeit. Wenn du das glaubst, und in diesem Glauben dich bekehrst zu dem HErrn Jesu, dann sage ich dir freilich, das wird den Menschen nicht gefallen, die werden dich einen überspannten Narren, einen Kopfhänger, einen Beter und Heiligen schelten, du wirst ein Fegopfer aller Leute werden und deine eigenen Hausgenossen werden deine Feinde sein. Aber fürchte dich nicht, du wirst ein seliges Weihnachten feiern, denn Jesus wohnt in dir durch den Glauben, und wird eingewurzelt in dir durch die Liebe, und Er gibt dir die Vergebung aller deiner Sünden, Er tröstet dich, dass du das beste Teil erwählt hast, das ewiglich nicht von dir genommen wird. Und wenn es einst mit dir zum Sterben kommt, so wird dein Jesus dir Seine allmächtige Hand unter das Haupt legen und du wirst selig sterben. Und wenn einst der jüngste Tag kommt und du da auch vor Jesu erscheinst, da wird Er vor allen den Millionen dich bekennen, dass du Sein treuer Jünger gewesen bist, weil du an Ihn geglaubt hast von ganzem Herzen. Gott gebe uns allen ein solches Weihnachten, das wir im Glauben feiern. 
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-Lasset uns beten: Lieber HErr Jesu Christe, Du bist der einzige wahre Arzt des Leibes und Heiland der Seele, darum gib uns Kraft und Gnade, dass wir Dich als unseren Arzt und Heiland annehmen. Wir wollen in aller unserer Not Leibes und der Seele vor allem und zuerst immer zu Dir fliehen und Dir vorhalten Dein Wort und Deine Verheißung und Dich nicht lassen, Du segnest uns denn. Nun aber, da das liebe, selige Weihnachten so nahe ist, bitten wir Dich von ganzer Seele, bereite unsere Herzen und Häuser zu Deiner Herberge. Salbe uns mit Deinem heiligen Geiste, dass wir glauben an Dich, dass wir im wahren Glauben uns bekehren zu Dir, dass wir fortan keinem andern angehören, als Dir allein; Du, lieber Heiland, sollst sein unser Ein und unser Alles. Alles wollen wir für Schaden und Dreck halten außer Dir. Wir wollen uns nimmermehr an Dir ärgern, Du gerade, Du Heiland der armen Sünder, Du bist es, des wir begehren. Vergib uns unsere Sünden. Deine Ehre allein wollen wir suchen, nicht die Ehre der Menschen. Dich allein wollen wir fürchten, nicht die Menschen. Wir wollen kein Rohr sein, das der Wind hin und her weht. Dich wollen wir bekennen vor den Menschen, auf dass Du einst uns wieder bekennest vor Deinem himmlischen Vater. Vertreibe aus unseren Herzen und Häusern alle bösen Geister des Hochmuts, der Üppigkeit, der Putzsucht und was Dir sonst ein Gräuel ist, und gib uns, dass wir Dir leben, Dir sterben und mit Dir einst ewig uns freuen im seligen Himmelreich. Amen. 
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-====== Hofacker, Ludwig - Predigt am dritten Sonntage des Advents. ====== 
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-Text: Matth. 11,2 - 10 
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-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? JEsus antwortete, und sprach zu ihnen: gehet hin, und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing JEsus an zu reden zu dem Volke von Johanne: was seid ihr hinausgegangen in die Wüste, zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht, siehe, Ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-In unserem heutigen Evangelium wird uns die Verhärtung des menschlichen Herzens gegen die Kraft der göttlichen Wahrheit auf besondere Weise vor die Augen geführt. Die zwei Jünger Johannis, die ihr Meister zu JEsu sandte, hatten vorher die Zeugnisse, die der Täufer von Christo ablegte, mit angehört; es war auch zu ihnen die Kunde von den Taten des Heilandes gedrungen, und doch können sie den Heiland fragen: bist Du der Messias, oder sollen wir eines anderen warten? So wenig waren die triftigsten Zeugnisse im Stande gewesen, ihren im Unglauben und in allerhand Ärgernissen, die sie an Christo nahmen, verhärteten Sinn zu beugen, und ihre zweifelnden Gedanken zur Stille, und zu einem festen, siegenden Schluss, oder, mit andern Worten, zum Glauben zu bringen. Die ungläubige schwankende Gemütslage dieser zwei Jünger Johannis gab dann dem Heiland Veranlassung, bei ihrem Weggehen zu dem Volke von der Art zu reden, wie es den Täufer, diesen größten unter allen Propheten, aufgenommen habe; wie sie durch ihre Lüste Ärgernisse an ihm genommen, und in heillosem Unglauben sich von seinem Worte gewendet haben. 
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-O meine lieben Zuhörer! die Worte, die der HErr JEsus in unserem Evangelium und dem ganzen übrigen elften Kapitel Matthäi hierüber zu dem Volke spricht, sind sehr bedeutend, und gehen uns sehr nahe an. Zwar haben wir, die wir im neunzehnten Jahrhundert leben, uns nicht am Täufer Johannes verschuldet wie das jüdische Volk: aber ob wir mit dem uns gepredigten Worte Gottes nicht eben so heillos umgegangen sind oder umgehen wie Jene: ob wir nicht großenteils auch die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten wie Jene: das ist eine andere Frage. Die Absicht, warum uns Gott Sein Wort verkündigen lässt, und zu dem Worte den Geist gibt, ist keine andere, als dass die Menschen, und zwar jeder Einzelne, möchten in das durch die Sünde verlorene Ebenbild Gottes erneuert werden. Die Menschen sollen durch das Wort und den Geist Gottes gerührt; aber nicht nur oberflächlich gerührt, sondern auch wirklich aus ihrem Sündenschlafe erweckt; aber nicht nur erweckt, sondern auch zum Genuss des Verdienstes Christi, zur Vergebung der Sünden durch den Glauben an JEsum gebracht; aber nicht nur zum Glauben an JEsum gebracht werden, sondern auch im neuen Leben wandeln als Kinder Gottes. Dieß ist die Absicht Gottes. Aber an wie Vielen erreicht Er diese Seine liebevolle Absicht ganz? An Wenigen. Warum? hauptsächlich darum, weil es den Menschen unbequem ist, sich, sowohl nach ihrem Herzen als nach ihrem Verstande nach dem Worte Gottes zu beugen; weil sie viel lieber das Wort Gottes nach ihren verborgenen oder offenbaren Lüsten und nach ihren Vorstellungen, geschwinden Einfällen und guten Meinungen selber biegen, mit andern Worten: die Kraft des Wortes Gottes wird an den Menschen aufgehalten durch allerhand Ärgernisse. 
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-Doch wir wollen diesen Gedanken weiter nachgehen, und ich will mit Gottes Hülfe einige Hindernisse angeben, warum es bei vielen Menschen 
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-  * zu keiner Rührung durch das Wort Gottes komme; 
-  * wenn sie auch gerührt werden, zu keiner wirklichen Erweckung; 
-  * wenn sie auch erweckt werden, zu keinem Frieden mit Gott durch Christum; 
-  * wenn sie auch Frieden finden, zu keinem rechtschaffenen Wesen in Christo. 
- 
-Liebreicher Heiland! Du tust unaussprechlich Viel an uns, begegnest uns allenthalben, und trachtest, uns unser Herz abzugewinnen. Wir aber sind großenteils so fremd gegen Dich, und schließen die Tore unsres Herzens vor Dir zu als vor einem Feinde. Ach! offenbare doch unseren Herzen die große Abneigung und Widrigkeit gegen Dich, worin wir gefangen sind; zeige uns im Lichte Deiner Wahrheit die verborgenen Ursachen dieser Widrigkeit; zerstöre die Befestigungen der Eigenliebe, der Lüge, der falschen Tröstungen; richte Dir eine Bahn an in unseren Herzen, und ruhe nicht, bis Dir Alles darin zu Deinen Füßen liegt! Amen. 
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-===== I. ===== 
- 
-Das Erste, was in einem Menschen vorgehen muss, an welchem die Absicht, die Gott mit Seinem Worte hat, erreicht werden soll, ist das, dass er muss durch die Kraft des Wortes Gottes gerührt, auf seinen verlorenen Zustand aufmerksam gemacht werden. Dieß lag im Auftrag Johannis des Täufers. Er sollte den Israeliten ihre Sünde vorhalten, er sollte eine Bewegung unter ihnen anrichten durch das Wort Gottes, das er predigte; er sollte Bahn machen; das Höckerige sollte sein Wort eben, und das Krumme gerade machen, damit der Heiland einen offenen Weg in die Herzen fände. Dieses Geschäft ist ihm auch an vielen Menschen gelungen. Viele wurden durch das Wort des Propheten erschüttert, von der Ungerechtigkeit ihrer Wege überzeugt, und ließen sich taufen mit der Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Aber an Vielen richtete das Wort des Täufers nichts aus. Und so ist es noch jetzt mit dem Worte: auf Viele macht es keinen, auch nicht den ersten Eindruck. 
- 
-Woher kommt das? Wenn man diese Frage beantworten soll, so muss man zum Voraus sagen, dass es überhaupt für ein großes Wunder zu achten ist, wenn ein Menschenherz einen Eindruck von der göttlichen Wahrheit bekommt. Es ist dies ein Wunder, das nur durch die göttliche Lebenskraft, die im Worte liegt, erklärbar wird. Denn unsere Herzen sind von Natur kalt, tot, undurchdringlich für das Göttliche wie Stein. Der Heiland redet in unserem Evangelium von Blinden, Lahmen, Tauben, Aussätzigen, die Er geheilt habe, und versteht darunter leiblich Kranke. Aber wie viele Menschen äußerlich am Leibe gelitten haben, ehe sie der Heiland heilte, ebenso, ja noch vielmehr, leiden alle Menschen von Natur am Geiste. Ich könnte Stellen der Heiligen Schrift anführen, welche Euch beweisen sollten, dass wir von Natur geistlich blind, geistlich lahm, geistlich aussätzig, geistlich taub sind, nämlich in Beziehung auf Gott und das Leben in Gott; in Beziehung auf die Welt und das Leben in der Welt hat unsere Seele gesunde Sinne und Kräfte. Es würde mich aber zu weit führen, und auch nicht viel nützen. Denn bevor ein Mensch erleuchtet und lebendig gemacht wird durch den heiligen Geist, glaubt er nicht, dass er so elend ist. Und eben in dieser Hinsicht sind wir dem Geiste nach kränker, als es jene Kranken dem Leibe nach waren. Denn diese fühlten doch ihr Elend; sie seufzten unter ihrer Last; es trieb sie zum Heiland, zum Arzte; wir aber fühlen es nicht einmal; kennen es nicht; es ist uns keine Last, bevor der Heiland durch Seinen Geist eine Erkenntnis unseres Verderbens in uns anregt, und ein Verlangen nach etwas Besserem in uns erweckt. Dass ich es kurz sage: wir sind von Natur tot in Sünden. einen Toten aufwecken ist aber Gottes Werk. Darum habe ich gesagt: es sei überhaupt für ein großes Wunder zu achten, wenn ein Menschenherz einen Eindruck von der göttlichen Wahrheit bekommt. 
- 
-Indessen gibt es Herzensstellungen und Gemütslagen, die den Menschen für die Kraft des Wortes Gottes doppelt unzugänglich machen. Dieser Fall tritt ein, wenn eben jener erstorbene Herzenszustand für Weisheit oder für Frömmigkeit ausgegeben wird. Ein entsetzlicher, aber unter den Menschen sehr häufiger Betrug der Sünde! Die Kälte und Entfremdung des Herzens gegen Gott, die Blindheit in Absicht auf göttliche Wahrheiten wird dann so wenig als etwas Drückendes gefühlt, dass man vielmehr entweder sich derselben als der wahren Weisheit rühmt, oder sie, nachdem man sie in die Schranken der bürgerlichen Rechtlichkeit und der äußerlichen Gottesdienstlichkeit gezwungen hat, für die wahre Frömmigkeit, für das wahre Leben aus Gott ausgibt. So ist der Mensch zwiefach erstorben, nämlich 1) von Natur, und 2) dadurch, dass er seinen Tod für das Leben hält (Joh. 9,41.). 
- 
-Um Euch aber dieses deutlicher zu machen, so will ich es Euch so sagen. Die für die Kraft des Wortes Gottes unbesiegbarsten Menschen, die noch einmal so viel Bollwerke gegen Gottes Wort in ihrem Herzen haben als Andere, sind die Sadduzäer und die Pharisäer. Von diesen zwei Sekten waren die Leute, welchen der HErr (Matth. 21,32.) das scharfe Wort sagte: „Johannes kam zu euch, und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr es wohl saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, dass ihr ihm danach auch geglaubt hättet.“ 
- 
-Die Sadduzäer waren gebildete Weltleute, Leute, die ihre eigene Religion hatten, welche die Volksreligion für Aberglauben hielten, und sich weit über den Pöbel hinaufdachten mit ihren aufgeklärten Religionsansichten. Weil der fleischliche Mensch, dessen Trieb auf das Sichtbare geht, keine Freude am Unsichtbaren hat, und der Gedanke an eine Geisterwelt und Ewigkeit mit einem unheimlichen Gefühl für ihn verbunden ist: so hatten es sich die Sadduzäer bequem gemacht. Sie entfernten aus ihrer selbstgemachten Religion Alles, was nur von ferne an eine unsichtbare Welt erinnerte; sie verwarfen eigenmächtig das göttliche Ansehen aller alttestamentlichen Bücher bis auf die fünf Bücher Mosis, wo, wie sie behaupteten, der Wahnglaube an eine Auferstehung nicht eingedrungen sei (Matth. 22,29-32.); sie glaubten keinen Engel noch Geist, keine Auferstehung der Toten, vielleicht nicht einmal eine Unsterblichkeit der Seele. - Dieß Alles hatte viel zu sehr die Gestalt des Aberglaubens, oder konnte dazu Anlass geben. Sie scheinen den Grundsatz gehabt zu haben, der auch in unseren Tagen den sogenannten aufgeklärten Religionsansichten auf eine offenbarere oder verstecktere Weise zu Grunde liegt, dass nichts zu glauben sei, was nicht in die fünf Sinne falle. Diesen aus dem Fleische, aus tiefer Blindheit des Herzens und aus den gröbsten sinnlichsten Begriffen entsprungenen Wahn nannten sie Weisheit, Aufklärung, geistigere Religionsansichten. Dabei suchten sie natürlich ihr Teil in dieser Welt, trachteten nach Ehre, nach Geld, nach Wollüsten; die Welt und was die Welt gibt, das war ihnen groß; das Unsichtbare war nichts in ihren Augen, und so sehr sie sich feiner und geläuterter Religionsbegriffe rühmten, so grob dienten und frönten sie den Lüsten und Begierden des Fleisches. 
- 
-Ihr seht, liebe Zuhörer! dass eben nicht viel Kunst und Weisheit dazu erforderlich ist, um ein Sadduzäer zu sein; auch könnet ihr das sehen, dass die Sadduzäer gegenwärtig überhandgenommen haben in der Welt. Wie sehr aber eine solche Denkungsart gegen die züchtigende und ergreifende Kraft des Wortes Gottes das Herz verschließe, werde ich euch nicht erst beweisen dürfen. Was mag Johannes der Täufer für ein verächtliches Lichtlein in den Augen dieser aufgeblasenen Leute gewesen sein; was muss die einfältige Predigt des Evangeliums für ein törichtes Ding vor einem solchen Weltweisen sein! Wie wenig kann der Geist Gottes durch das verworfene und für einen Aberglauben gehaltene Wort einem solchen stolzen Herzen beikommen! Wahrlich! es war schon viel, wenn ein solcher weiser Mann nur hinausging, um den armseligen Propheten in der Wüste zu hören! Es war viel, wenn er den Bußprediger nicht ins Angesicht hinein auslachte. Und wenn je ein oder das andere Wort des Täufers einen solchen Sadduzäer traf: so war der Eindruck von seinen Freunden bald wieder weggelacht und weggespottet. 
- 
-===== II. ===== 
- 
-Die zweite Denkungsart, welche das Herz gegen die Kraft des Wortes Gottes besonders verriegelt, ist die der Pharisäer. Sie wickelten sich in ein äußeres Scheinbild von Gerechtigkeit; nannten dieses die wahre Gerechtigkeit, ob sie gleich die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht kannten, auch mit keinem Finger berührten. Das Gesetz ist geistlich und richtet die innersten Triebe und Gedanken des Herzens. Dieß ist dem fleischlichen Menschen, der die Sünde lieb hat, unbequem. Um nun doch ihrem Gewissen, das die Unterwerfung unter das Gesetz forderte, einigermaßen Genüge zu tun, warfen sich die Pharisäer mit aller Macht auf die Beobachtung des äußern mosaischen Gesetzes, und waren darin übertrieben genau, andächtig und gottesdienstlich. Hierbei fand das Fleisch immer noch seine volle Nahrung; es wurde ihm kein Abbruch getan, wenn es sich nur in gewisse äußerliche Schranken fügte. So brachten sie einen Schein von Gerechtigkeit zu Stande, und kamen so weit, dass sie diese fleischliche Gerechtigkeit für die Gerechtigkeit hielten, die vor Gott hielt; sich sehr viel darauf zu gut taten, und Alle, die nicht in eben dem Lügenbild gefangen waren wie sie, den Heiland (z.B. Matth. 11,19.9,11. Luc. 15,2.) auf das Tiefste verachteten. In solche eigengefällige und selbstgerechte Lügner hat, wie leicht einzusehen ist, das Wort der Buße keinen Eingang, wenn nicht Gott ein besonderes Wunder tut. 
- 
-Wir dürfen aber nicht meinen, liebe Zuhörer, als ob es unter uns keine Pharisäer mehr gebe, und diese Denkungsart nur jener jüdischen Sitte angehört habe. O nein! auch in der Christenheit sind viele, erstaunlich viele Pharisäer. Nur die äußere Gestalt der Sache hat sich verändert; der darunterliegende Sinn ist der nämliche wie damals. Es gibt freilich keine Leute unter uns, die breite Denkzettel an ihren Kleidern tragen, die keinen Bissen Brot essen, ohne vorher die Hände zu waschen, und die aus diesen und dergleichen äußerlichen Beobachtungen und Übungen eine Gerechtigkeit zusammenflicken, die vor Gott gelten soll; solche Dinge haben in der christlichen Kirche ihren Wert und ihr Ansehen verloren, und taugen nicht mehr zu unseren Sitten. Aber gibt es nicht auch Menschen unter uns, die in ihrer Herzensblindheit das, was äußerlich im Christentum ist, für das Wesentliche ansehen, und die Beförderungsmittel der Gottseligkeit - die Gnadenmittel, für die Gottseligkeit und Gnade selber halten? Wie Viele mögen wohl unter uns sein, ja wohl unter uns, die sich auf ihre Frömmigkeit, auf ihr rechtschaffenes Christentum etwas zu gut tun, und weil sie fleißig zur Kirche und zum heiligen Abendmahl gehen, weil sie in der Bibel lesen, und zu ihren Zeiten ihre Gebete verrichten, sich für gute Christen halten, und meinen, die Aufforderung zur Bekehrung gehe sie nicht an, indem sie solches nicht nötig haben? Sehet, das sind die nämlichen Pharisäer wie zu der Zeit Christi; sie wickeln sich, wie jene, in ein äußeres Scheinbild der Gerechtigkeit, und nennen dieses die wahre Gerechtigkeit. Und was soll ich sagen von den tugendhaften Leuten dieses Zeitlaufes, welche die Gerechtigkeit und das Verdienst Christi meinen, entbehren zu können, und eben darum das Wort vom Kreuze, wenn es ihnen ohne Schminke angeboten wird, schnöde von sich weisen? Ist es denn eine wahre Tugend, deren sie sich rühmen? Nein! nur ein elendes Flickwerk von allerhand eigenliebigem Selbstbetrug, von allerhand vermeintlichen Vorzügen, die das eigengefällige Herz sich selbst zugesprochen hat, oder die es, auf die heuchlerischen Schmeichelworte Anderer hin, an sich zu finden glaubt; eine Mischung von natürlicher Gutmütigkeit, Stolz, Torheit und Unbekanntschaft mit dem Willen Gottes, die erst das Feuer jenes Tages zersetzen muss. Diese Pharisäer sind gewöhnlich Sünder, die es mit dem Sündigen ins Große und Grobe getrieben haben und treiben. Ich habe schon zu bemerken die Gelegenheit gehabt, dass Leute, die es im Lügen und Betrügen, in allerhand Unzuchtshändeln, im Verleumden, im Spott und Verachtung des Nächsten, im Fressen und Saufen, und in den andern Werken des Fleisches weiter gebracht haben als Andere, sich am meisten mit ihrer Tugend brüsten; nicht bloß, um sich vor den Menschen einen guten Schein zu geben, sondern aus eigener innerer Überzeugung. Dieser Widerspruch kommt daher, weil der Dienst der Welt und der Sünde das Gewissen abstumpft, und das Licht desselbigen verdunkelt. Der ganze Ruhm solcher Leute besteht darin, dass sie sich auf eine artige abgeschliffene Weise gegen ihresgleichen betragen; ferner in einigen, wie sie es nennen, guten Taten, von welchen sie in neueren Schriften lesen, dass man dadurch selig werde, und darin, dass sie noch Niemand totgeschlagen haben; denn alle übrigen Gebote haben sie in der Regel oft und vollständig übertreten. Bey ihren Sünden, die sie Fehler und Schwachheiten nennen, haben sie es doch immer gut gemeint, ob sie gleich oft verkannt worden sind, und so das Bild der verkannten Tugend haben darstellen müssen. Die Ewigkeit, meinen sie, wird das Rätsel lösen, warum die Tugend hienieden öfters leiden muss. Das ist das Pharisäertum unserer Zeit, vermischt mit sadduzäischen Grundsätzen; solche Leute sind unzugänglich für das Wort Gottes, mit Lügen zehnfach verschanzt gegen die Wahrheit, zweifach erstorben. 
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-Diese Pharisäer haben keine Erkenntnis des Evangeliums. Es gibt aber auch Pharisäer, welche christliche Erkenntnis haben, die Heilslehre wohl kennen, schon Vieles vom Heiland gehört, wohl auch selbst von Ihm geredet haben, und sind doch tot im Herzen. Diese halten ihre Erkenntnis, ihre Sprüche, ihre Verse, die sie im Kopfe haben, ihr Anerlerntes, das auf der Oberfläche ihres Herzens schwimmt, und niemals in ihr Blut und Leben eingedrungen ist, für das wahre, ihnen eigentümliche, göttliche Leben. Diese sind wohl die unzugänglichsten für die Kraft des Wortes. Was sie davon lesen oder hören, das ist ihnen schon bekannt, und eine alte ausgemachte Sache. Ist das Wort Gottes scharf, so denken sie: das ist gut für die Unbußfertigen. Ist das Wort tröstend, so deuten sie es ganz auf sich; redet das Wort von Gläubigen, von Kindern Gottes, so sind sie darunter gemeint; ist von Ungläubigen die Rede, so sind Andere darunter verstanden. So wird die Kraft des Wortes ganz an ihren Herzen gebrochen und abgestumpft; sie meinen, sie hätten den Himmel gepachtet. Ein jämmerlicher Herzenszustand! - 
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-Wer ist denn nun empfänglich für die Kraft des Wortes Gottes? Antwort: den Armen wird das Evangelium gepredigt, und am Ende des elften Kapitels des Evangeliums Matthäi, aus welchem der evangelische Abschnitt des heutigen Sonntags genommen ist, sagt der Heiland: „Kommet her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch erquicken.“ Wer in einem äußerlichen Leidensdrucke steht, in wem Zweifel an seiner eigenen Weisheit erwachen, wer in seinem Gewissen beunruhigt ist, solche Seelen sind dazu vorbereitet, durch die Kraft des Wortes Gottes getroffen zu werden. Wo aber dies Alles nicht eintrifft, da findet die bittere und demütigende Wahrheit keinen Raum, und wenn ein solcher Mensch doch durch das Wort Gottes erschüttert wird, so ist es, wie oben gesagt wurde, ein doppeltes Wunder. 
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-Aber freilich bei den ersten Rührungen darf es nicht bleiben, es muss zu einer eigentlichen Erweckung kommen bei einem Menschen, wenn der Zweck, den Gott hat mit Seinem Wort und Geist, an ihm erreicht werden soll. Gott will mit der Kraft Seines Wortes nicht bloß einen oberflächlichen Eindruck auf das Herz des Menschen machen, nein! es soll auch tiefer dringen; es soll hinunterdringen auf des Herzens Grund; es soll des Herzens innerste Gestalt offenbaren; es soll schneiden, bis dass es scheide Seele und Geist, auch Mark und Bein (Hebr. 4,12.). Wenn du einen Menschen, der sorglos am Rande eines unergründlichen Abgrundes schläft, hundert Mal anstoßen und zu ihm sagen würdest: Freund! wache auf, und bedenke deine gefährliche Lage! und er würde hundert Mal die Augen aufschlagen und sprechen: du hast Recht, ich will aufstehen; würde aber jedes Mal die Augen wieder schließen und fortschlafen, was würde zuletzt aus ihm werden? Über kurz oder lang würde er trotz aller dieser Anmahnungen, von seinem schweren Schlafe überwältigt, in den Abgrund stürzen. So ist's auch nicht genug, dass ein Mensch durch das Wort Gottes gerührt werde, man muss aufwachen von seinem Sündenschlafe, vom Schlafe der Sorglosigkeit und natürlichen Sicherheit; man muss auch die Augen offen behalten, und sein Elend, seinen gefährlichen, seinen verzweifelt-gefährlichen Seelenzustand kennen lernen: sonst kann man nicht errettet werden aus der Obrigkeit der Finsternis, und fällt doch über kurz oder lang der höllischen Verdammnis anheim. 
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-Liebe Zuhörer! dieses völlige Wachwerden ist aber eben keine angenehme Sache für das Fleisch. Ihr wisset ja, wie es mit dem leiblichen Schlafe ist. Wenn man gerade in tiefem, festem Schlafe liegt, und es kommt Jemand, und weckt und spricht: „stehe auf, du hast dies und das zu tun“, so ist das etwas Unangenehmes; es kostet Überwindung, sich aus seinem tiefen und festen Schlafe herauswecken zu lassen, die Augen aufzutun, und völlig wach zu werden. Viel lieber würde man, wenn der Weckende weggegangen ist, sich auf die andere Seite legen und den Schlaf von vorne anfangen. So ist es auch im Geistlichen. Wenn das Wort Gottes das Herz rührt, wenn die Weckstimme des Sohnes Gottes an das Herz dringt: so ist es viel angenehmer, diese Stimme, wenn sie verhallt ist, wieder zu vergessen, und sich seiner vorigen fleischlichen Sicherheit zu überlassen. Ja! wenn es wie ein Donner in die Ohren getönt hat: „stehe auf, du Kind des Verderbens!“ so erschrickt man zwar, fährt erschrocken auf; aber bald kommt die vorige Schläfrigkeit wieder; der Schreckenseindruck verwischt sich; die Augen sinken wieder zu; und es kann kommen, dass man auf eine so kräftige Rührung hin wieder schläft und schnarcht, dass es in der Nachbarschaft gehört wird. Es kostet allerdings einige Überwindung; es kostet Verleugnung, wahrhaft geistlich wachend zu werden, und sein Elend, sein Verderben, seinen Aussatz kennen zu lernen. Man muss die Eindrücke, die das Wort Gottes auf das Herz gemacht hat, in sich erneuen und erneuen lassen; man muss unter der Zucht des Geistes Gottes aushalten; man muss sich einige Gewalt antun; es ist dem Fleische eben nicht bequem. Auch hat man indessen etwa schöne Träume gehabt; man hat geträumt von allerhand Dingen, die dem Fleische wohlgefallen; man hat geträumt von Sündlichem oder nicht gerade Sündlichem; man hat sich etwa in seinen Träumen im Sündenschlamme gewälzt; man hat vielleicht auch geträumt von ewiger Seligkeit und einem himmlischen, Tugendlohn; und nun aus allen diesen Träumen heraus die schreckliche Wirklichkeit sehen, dass man ein verdammter, verlorener, ein der Hölle zueilender Mensch sei; dies, liebe Zuhörer! man kann es nicht leugnen, ist eben keine angenehme Sache für das Fleisch. 
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-Und das ist eben das Hindernis, das Viele nicht über die ersten Rührungen hinauskommen lässt. Dass das Wort Gottes einen Eindruck auf ihr Herz alle Sonntage mache, das können sie schon leiden; aber dass es Wurzel in ihnen fasse, dass es seine durchsuchende, läuternde, scheidende und schneidende Kraft an ihren Herzen beweise: dazu lassen sie es nicht kommen; dazu haben sie keine Geduld; dazu sind ihre Gedanken zu ausschweifend; dazu haben sie das Eitle zu lieb; in einen Ernst zu Gott mögen sie nicht eingehen. Mit dem Christentum spielen, es zu einer Sache machen, an der man gewissermaßen seine Freude, aber freilich nur spielend und tändelnd, eine Zeit lang hat, das lässt sich die Natur schon noch gefallen; aber es zur Hauptangelegenheit des Herzens zu machen, mit Bitten und Flehen und Anhalten um die Gabe des Heiligen Geistes vor Gott zu treten, sich seine Sünden und Schanden willig ins Licht stellen lassen, das ist Wenigen bequem. 
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-Weil aber doch durch das Wort der Wahrheit einige Unruhe in das Herz gekommen ist: so sucht man dieser Unruhe auf andern Wegen abzuhelfen. Man tröstet sich selber, dass es doch so schlimm nicht mit einem stehe; man habe doch seine Freude am Worte Gottes, und möge auch gerne davon reden hören, oder man sucht seine Ruhe in allerhand Werken. Man sucht sie im Lesen erbaulicher Bücher, welches Viele in ihrem Unverstande Beten heißen; oder man sucht sie darin, dass man zu andern Leuten geht, die vom Christentum reden, und mit ihnen redet; oder man sucht sie in allerhand Aufopferungen, die man sich um des Reiches Gottes willen gefallen lässt. Dabei übt man die groben Werke des Fleisches nicht mehr aus, wie man es vorher getan hatte; man flucht nimmer; man sauft nimmer; man treibt nimmer Unzucht oder Ehebruch wie vorher; und so richtet man ein Gebäude auf, das man Christentum heißt, das aber nur, von weitem betrachtet, so aussieht. Auf diesen Schein hin fängt man an, sich unter die Frommen, unter die Bekehrten zu rechen; man will, dass man von Jedermann dafür angesehen werde, und wirft sich zuletzt gar zu einem Unterweiser und Leiter der Blinden, zu einem Lehrer Anderer auf, ob man gleich tot in Sünden ist. Das ist schrecklich. Solche Leute sind auf dem Punkte, die grimmigsten Feinde des Heilandes zu werden, unter lauter Selbstbetrug und Schein des Christentums. 
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-Sehet die Juden an, wie sie es mit Johannes dem Täufer trieben. Scharenweise strömten sie hinaus zu ihm in die Wüste; es wurde, ich darf mich ja wohl dieses Ausdrucks bedienen, Mode unter dem Volke, zu Johannes zu gehen, und ihn zu hören; das ganze jüdische Land war voll von dem Ruhme des Täufers; Unzählige wurden durch sein ernstes Bußwort getroffen. Aber dabei blieb es auch bei den Meisten. Wenn sie hätten in ihrem fleischlichen Sinne verharren können, wenn es nicht die Ruhe, die Sorglosigkeit und Sicherheit des Fleisches gegolten hätte: so wäre ihnen Johannes und seine Bußpredigt schon recht gewesen; und so lange es auch mit einem oberflächlichen Beifall ausgerichtet zu sein schien, war der Täufer sehr gerühmt bei ihnen. Als aber die Sache tiefer gehen sollte, als man sah, dass man nicht mit einer geschwinden Buße abgefertigt, und so des unangenehmen Dinges, das man Bekehrung heißt, auf einmal überhoben sei, und auf einmal mit allen Unarten des alten Menschen ein Bürger des Messiasreiches werde, sondern dass es mit der ganzen Sache und auch mit dem Auftreten des von Johannes bezeichneten Messias auf eine gründliche Herzensänderung angelegt und abgesehen sei, auf eine Herzensänderung, wobei man, unter geduldigem Ausharren, durch die Erkenntnis der Wahrheit und Verleugnung seines irdischen Sinnes frei werde: da wurden sie irre, von dem an war Johannes nicht mehr ihr Mann. Da hatten sie allerhand an ihm auszusetzen, die Einen hätten gewünscht: wenn er nur auch höflicher wäre! Die Anderen meinten: er sei doch gar zu streng und unbeugsam; - ein Rohr, das vom Winde hin und her geweht wird, hätten sie lieber gehabt, Andere gingen so weit, dass sie sagten: er ist besessen, er ist ein verrückter Kopf (Matth. 11,18.). Da sehen wir, wo es mit den Rührungen hinausläuft, wenn man dabei stehen bleibt, und es nicht zu einem wirklichen Ernste bei sich kommen lässt. 
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-O meine lieben Zuhörer! Ich weiß ja, dass viele Seelen unter uns sind, auf die das Wort Gottes einen starken Eindruck gemacht hat: aber ich fürchte gar sehr, es möchten wenig wahrhaft Erweckte darunter sein. Nicht wahr? Wenn es mit dem oberflächlichen Beifall, den man der Sache gibt, ausgerichtet wäre; oder wenn es genug wäre, das Wort zu hören, und dann zu sagen: das ist eine rechte Predigt gewesen; oder wenn es damit ausgerichtet wäre, dass man zusammensitzt und vom Christentum redet, oder auch, wenn das Christentum darin bestünde, dass man eine richtige Erkenntnis der Heilswahrheiten erlangt, - nicht wahr? dann wären die Meisten unter uns auf dem Wege der Seligkeit. Aber obgleich alle diese Dinge gut sind, so glaubet doch nur nicht, dass damit die Sache abgetan sei; da würdet ihr euch elend betrüben. 
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-Grund muss erst gegraben werden,\\ 
-Eh' man Türme bauen mag,\\ 
-Und das Korn muss in die Erden,\\ 
-Eher kommt kein Erntetag. 
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-Ich bitte daher um JEsu willen ein Jegliches, dem Gott einigen Willen ins Herz gegeben hat, ein anderer Mensch zu werden, dass es doch diese große Sache nicht leichtsinnig ansehen, sondern sich möchte seinen verlorenen und unseligen Herzenszustand aufdecken lassen durch den Heiligen Geist, dass es zu dem Ende möchte doch recht angelegentlich um den Heiligen Geist beten. Der Heiland hat gesagt: „so ihr, die ihr arg seid, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist geben Denen, die Ihn darum bitten.“ Wir wollen Ihn an diesem Worte fassen, auf dieses Wort hin wollen wir es tun. Glaubet sicherlich, das Schwatzen vom Christentum macht die Sache nicht aus; im Gegenteil, wenn sich ein Mensch hierauf legt, so wird er nach und nach reif zum höllischen Feuer, mehr denn Andere. Ein Nachfolger des Heilandes sagte einmal: er wüsste sich keinen größeren Schmerz, keine größere Schmach, die Gott über ihn kommen lassen könnte, zu denken (er bitte daher inständig um Abwendung derselbigen), als wenn er ohne Gnade, ohne Kraft und Salbung vom Heiland schwatzen lernte. Er sagt in seiner derben, altertümlichen Sprache: 
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-Ich meine JEsum Christum nenne,\\ 
-Und Seinem Herzen ferne sein,\\ 
-Sich selber nicht im Grunde kennen,\\ 
-Und also nicht um Gnade schrei'n,\\ 
-Und weil sich's Fleisch und Blut commode\\ 
-Und niemals gerne sauer macht,\\ 
-Ein Christentum auf seine Mode\\ 
-Zu führen, wie's die Welt erdacht. 
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-Das kann man noch für keinen wesentlichen Segen im Amte des Wortes halten, wenn Viele gerührt werden; aber wenn ein einziger Mensch, ernstlich-suchend, still, in sich gekehrt wird, das ist Freude im Himmel und auf Erden. Denn auf diesem Wege wird man arm am Geist, und den Armen kommt der Trost des Evangeliums zu Statten, den Anderen nicht. Die Armen werden versiegelt zu Kindern Gottes, die Anderen nicht. Sind sie aber Kinder, so sind sie auch Erben; so sind sie auch gerettet für alle Ewigkeit. 
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-===== III. ===== 
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-Aber es fragt sich, warum Viele, die doch wirklich erweckt sind, oft so lange nicht zu der Gnade hindurchdringen, immerdar nur über ihr Verderben zu klagen haben, und nicht auch sich ihres Heilandes freuen können? Unter erweckten Seelen sind solche zu verstehen, die durch das Licht und die Zucht des Heiligen Geistes zu dem klaren Bewusstsein gebracht worden sind, dass sie, als in sich selbst verdammte und verlorene Geschöpfe, ohne das Erbarmen Gottes in Christo JEsu, der verdammenden Gerechtigkeit Gottes anheimfallen. Zwischen einer solchen Seele und ihrem Erbarmer steht eigentlich nichts Scheidendes mehr, und es sollte, nach dem Ausdruck eines gesalbten Schriftstellers, keine Viertelstunde vergehen, bis eine Seele, die zu dieser Erkenntnis gelangt ist, ihres Heils froh und gewiss wäre. Was ist denn nun die Ursache, dass viele Erweckte so lange nicht zum Bewusstsein und Genuss des Friedens mit Gott hindurchdringen? 
- 
-Einige, die wohl erweckt sind, sind nicht gründlich erweckt. Wenn ein Mensch des Herrn JEsu teilhaftig werden will: so muss er mit seinem innersten Willen von der Gemeinschaft mit der Sünde austreten; er muss mit seiner Finsternis in das Licht des Heilandes kommen; es muss ihm darum zu tun sein, im Licht Gottes je mehr und mehr die Finsternis und die verborgensten Fäden der Finsternis in seinem Herzen zu entdecken, und nichts vor dem HErrn zu verhehlen. Diesem Offenbarwerden weichen Viele lange Zeit aus; vielleicht weil sie sich fürchten, ihre eigene Gerechtigkeit einzubüßen; vielleicht weil sie die Sünde noch heimlich nähren und pflegen; neben dem Leben aus Gott auch noch ein Leben des eigenen Ichs führen, mit andern Worten: zwei Herren dienen, und kein ganzes Eigentum des HErrn JEsu werden mögen. So muten sie dem Heiland zu, Er solle über ihren verborgenen Fleischessinn den Mantel Seiner Gerechtigkeit hereinziehen, und ihnen Seinen Frieden schenken, ob sie gleich die Finsternis noch lieb haben, und sich die feinere und verborgenere Gemeinschaft mit ihr nicht mögen ins Licht stellen lassen. Aber dies geschieht nimmermehr. Auf diese Art entstehen geistliche Zuckungen und Krämpfe. Der Geist Gottes offenbart der Seele diese oder jene Unart; die Seele aber will diese Unart nicht so bedeutend ansehen, als sie in den Augen des HErrn ist; sie will sich nicht schuldig darunter geben; will nicht anerkennen, dass die Gemeinschaft mit dieser vielleicht sehr gering scheinenden Sünde ihr den Zugang zu der Gnade verschließe; sucht lieber die Ursache anderswo, und bleibt so in ihrem trüben Herzenszustande. Eure Untugenden, unter welche ihr euch nicht schuldig geben wollt, scheiden euch und euren Gott voneinander. Wer aber seine Sünde bekennt, dem wird sie vergeben; der kann, eben unter solchem sich Schuldiggeben, seinen Versöhner und Bürgen, und eben darin die Kraft finden, die Sünde zu überwinden. 
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-Ost sind es auch bloße Vorurteile, falsche Begriffe, welche den Erweckten den Weg zur Gnade verschließen. Eine solche falsche Vorstellung, die häufig diesem Übelstande zu Grunde liegt, ist die, dass man meint und sich beredet: die Erfahrung müsse dem Glauben vorangehen, da doch der gewöhnliche Weg Gottes gerade umgekehrt ist. Gott sagt: zuerst glaube, dann wirst du erfahren; der eigensinnige Mensch aber sagt: nein! ich will nicht glauben, bis ich vorher erfahren habe. So hat es Thomas gemacht, und so weit kann es überhaupt die Vernunft bringen: was ich einmal erfahren und gesehen habe, das will ich glauben; so liegt es in unserer Vernunft. Dieser für das Reich Gottes untaugliche Schluss, der ohnehin fest genug in allen Menschen sitzt, wird oft noch von außen her befestigt. Da kommt Einer daher und erzählt, wie es ihm ergangen sei bei seiner Begnadigung; wie er vorher in große Finsternis, in eine Art Hölle hineingeführt worden sei; wie er beinahe verzweifelt sei; wie dann das Licht auf einmal bei dieser oder jener Gelegenheit in seinem Herzen aufgegangen sei. Er setzt nicht hinzu, wie er nach und nach, mitten in seiner Finsternis, zum Glauben, und durch den Glauben zum Anbruch des Tages in seinem Herzen vorbereitet worden ist; er kann dies vielleicht auch nicht auseinander wickeln und entziffern, weil, was in des Herzens Grund von Gott gewirkt wird, oft nicht in die äußere Wahrnehmung fällt; er sagt nur, wie aus der Finsternis das Licht ihm aufgegangen sei, und wie er dann habe glauben können, was ihm vorher unmöglich gewesen sein. Neben diesem Erzähler sitzt eine redliche Seele, hört zu, erschrickt und denkt, so etwas hast du noch nie erfahren, und fasst den festen Entschluss bei sich selbst: ehe du eine solche Buße und fühlbare Begnadigung erfährst, kannst und willst du nicht glauben, dass du Frieden mit Gott hast durch JEsum Christ. Aber dieser Schluss ist falsch. Es ist ja gewiss, dass Manche auf jenem beschriebenen Wege, und durch solche fühlbare und plötzliche Begnadigungen geführt werden, allein musst du deshalb ebenso geführt werden? Bläst nicht der Wind, wie und wo er will? Hat die Weisheit Gottes nicht die verschiedensten Wege, auf welchen sie ihre Kinder zur Herrlichkeit führen kann? 
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-Sehet! deswegen kommen Manche so lange nicht aus ihrem elenden, trüben Herzenszustande heraus, weil sie sich ein Bild festsetzen in ihrem Kopf, wie es kommen müsse, und namentlich meinen, der Heiland müsse ihnen vorher recht empfindlich nahe werden, und dann erst hätten sie ein Recht, die Vergebung ihrer Sünden zu glauben. Aber wo steht dieses geschrieben? Nirgends. Wenn du dich in deiner Verdammungswürdigkeit, in deinem Sünden-Elende fühlest: so hebe deine Augen auf zu der am Kreuz erhöhten Liebe, und fange an zu glauben, so gut du eben kannst; glaube es, wie wenn du ein Kind wärest, dem diese große Sache eben erst erzählt würde; nimm sie auf in dich; behalte und bewege sie in deinem Herzen; fange an, dich darüber schüchtern zu verwundern, dass du einen solchen vollgültigen Versöhner und Bürgen hast; fange an, dich darüber zu freuen; halte das Verdienst Christi deinem eigenen ungläubigen Herzen und den feurigen Pfeilen des Bösewichts als einen Schild entgegen; - gewiss, du wirst bald etwas von göttlicher Kraft spüren; du wirst bald inne werden, dass der Heiland wirklich nicht so ferne von dir steht, als du gemeint hattest, und dass Er dich in solchem Geschäfts unterstützt. Sodann fahre fort in dieser Glaubensarbeit, dann wirst du zuletzt versiegelt werden mit dem Heiligen Geiste zu einem Kinde und Erben Gottes, wie es geschrieben steht: „ da ihr glaubtet, wurdet ihr versiegelt“, nicht umgekehrt: da ihr versiegelt wart, glaubtet ihr. 
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-Eine andere falsche Vorstellung, die man sich gerne macht, ist die Meinung: der Heiland sei ein Heiland für die Frommen, nicht für die Sünder. O! wie lange kann sich ein armes Herz mit dieser Vorstellung plagen und abplagen! Ein Heiland für die Tadellosen ist zwar ein sich selbst widersprechender Begriff, es steht auch nichts deutlicher in der Bibel als die Wahrheit, dass JEsus ein Heiland der Sünder, der Verlorenen, sei; - der Name des Heilandes, Seine Menschwerdung, Sein Lauf, Seine Worte, Sein ganzes Evangelium, - Alles setzt Sünder voraus, wirkliche Sünder, d.h. Feinde und Beleidiger Gottes, die der Hölle wert sind. 
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-Dieß wissen wir; dies meinen wir auch zu glauben: aber, recht betrachtet, wird diese Wahrheit von Wenigen geglaubt. Da höre ich Jemand seufzen: wenn ich es nicht übertrieben hätte mit Sündigen, so wollte ich gerne glauben! Ein anderer meint: wenn ich nur jetzt nicht so untreu wäre, so wollte ich wohl glauben; aber ich muss mich in allen Stücken schuldig geben und unter die Sünde gefangen bekennen. Ein Dritter sagt: ehe er sich zum Glauben anschicken könne, müsse er notwendig vorher bußfertiger, zerknirschter sein. Allenthalben tritt das Streben hervor, in irgendetwas eine Würdigkeit herauszuzwingen, die man vor den Heiland bringen könne, weil Er ein Heiland der Würdigen, nicht der Unwürdigen sei. Aber, liebe Seelen, lernt doch Alles dieses aus dem rechten Lichte ansehen. Wahre Treue und wahre Buße entspringt erst aus dem Glauben; nur wenn man dem Heiland in Sein erbarmendes Herz geblickt hat, hat man einen Trieb, Ihm sich aufzuopfern, und weiß auch, was man für ein Sünder ist in seinen Sünden. Mit deiner Untreue, mit deiner Unbußfertigkeit, mit deinem geistlichen Tode bist du ja eben recht für den treuen und lebendigen Heiland. Das will dir ja der Geist des HErrn gerade offenbaren, dass du ein arger Sünder seiest, und nicht nur gewesen seiest in den Tagen deiner Blindheit, sondern dass du eben noch jetzt ein blindes, totes, unreines Herz hast, in welchem kein Gehorsam, keine Aufrichtigkeit, keine Liebe zu Gott, sondern das Gegenteil wohne, das nicht einmal über dieses sein Verderben sich beugen könne, wenn es ihm der Heiland nicht schenke, mit andern Worten: dass du tot seiest in Sünden. Aber wofür will dir Solches der Geist Gottes offenbaren! Um dich von JEsu wegzutreiben? Nein, um dich zu Ihm hinzutreiben, dass du Ihn als deinen vollgültigen Versöhner und Bürgen annehmen solltest, der dich als einen undankbaren, als einen toten Sünder annehme und selig mache, nicht um deinetwillen, auch nicht, weil du dich gebessert hast, sondern bloß lauter um Seinetwillen, um Seines Gehorsams, um Seiner heiligen Büßung am Ölberg, um Seiner Liebe zum Vater, um Seiner Schmerzen, um Seines Todes willen. Er muss dein ganzer Heiland werden; Er muss ganz die Ehre haben; wenn du der Frömmste wärest, so wird dich Gott nicht anblicken um deinetwillen: aber in Christo und um Christi willen wird Er dich als einen Sünder, als einen Gottlosen selig machen, so du Ihm die Ehre gibst und Solches zutrauest (Röm. 4,5.). 
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-Sehet da einige Hindernisse des Glaubens bei Erweckten. Es ist aber nicht möglich, alle diese oft so verborgenen Stricke der Sünde oder des Gesetzes anzugeben. Ein Jedes wende sich selber an seinen Erbarmer; erzähle Ihm seinen Herzenszustand; begehre Seinen Rat und Seine Hülfe: so wird es gewiss aus der Finsternis nach und nach einen Ausweg in das Licht finden, und gewisse Tritte tun. Nur JEsus kann unseren Gang gewiss machen, nicht Menschen; mit Ihm müssen wir bekannt werden, und unsere Sachen vor Ihm abhandeln, so wird das Gericht endlich zum Siege hinausgeführt. 
- 
-===== IV. ===== 
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-Es ist noch übrig, davon zu reden, warum Viele, die etwa Frieden und Vergebung der Sünden gefunden haben, doch zu keinem rechtschaffenen Wesen in Christo kommen? Diese Frage will ich kurz und im Allgemeinen beantworten. Es gibt im Allgemeinen zwei Hauptabwege für solche Seelen, dass sie entweder in einen weltförmigen oder in einen gesetzlichen Sinn zurückkehren, der rechte Weg aber ist: beim Heiland und in der Gemeinschaft Seines Kreuzes bleiben. 
- 
-Viele werden bald, nachdem sie Vergebung der Sünden erlangt haben, lau, leichtsinnig, vergessen das Wachen und Beten. Dazu trägt viel bei die Meinung, dass sie, wenn sie diese ersten Gnadenbezeugungen des Heilandes erfahren haben, sich alsobald für ausgemachte Leute und Christen ansehen. Sie werden wieder sicher; sie verwickeln sich wieder in die Elemente des Weltgeistes, sie spielen mit der Sünde, sie haben ja Gnade; es hat ja im Ganzen seine Richtigkeit bei ihnen; so haben also, wie sie meinen, kleinere Übertretungen nichts zu sagen. So werden sie nach und nach wieder gefangen unter die Sünde; verlieren auch den Genuss der Gnade, und endlich sind sie im Stande, es zu einer Lehre zu machen: dass ein Christ ein Knecht der Sünde bleiben müsse. Das gibt, wenn es gut geht, ein sieches, kränkelndes, kraftloses Christentum, das zwar einigermaßen aussieht wie Christentum, aber nichts weniger ist als ein rechtschaffenes Wesen in Christo Jesu. 
- 
-Andere verirren sich auf einen andern Abweg. Sie können sich nicht darein finden, dass, nachdem Sich ihnen der Heiland so herrlich in Seiner Gnade geoffenbart habe, die alte sündliche Natur sich immerwährend noch in ihnen regen soll. Das treibt sie wieder in das Gesetz zurück. Sie wollen durch eigenes Wollen und Wirken, durch selbst gefasste Anläufe und allerhand Erfindungen dem Übelstande abhelfen. Dadurch entfernen sie sich aus der Gemeinschaft des Todes JEsu, und geraten in eigene Wege. Auch haben sie etwa aus der Zeit, wo sie den Frieden Gottes erst suchten, allerhand gesetzliche Vorstellungen und Bilder in ihren Gnadenstand mit herübergenommen. Diese alten, aus dem Gesetze und der Vernunft kommenden Bilder erheben sich wieder in der Seele und drängen sie aus dem Gnadenstande hinaus. So wird man wieder elend, saft- und kraftlos, meint: man sei ernstlicher als unter dem sanften Regiment der Gnade, und steht doch nicht wahrhaftig in der Gemeinschaft des Sohnes Gottes. Von diesem Abwege zeugt der ganze Brief an die Galater. 
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-Selig die Seele, die an sich erfährt, was der selige Luther von Gott gerühmt hat, indem er spricht: „der mir täglich und reichlich meine Sünden vergibt!“ Hierin liegt das ganze Geheimnis der Heiligung. Der HErr führe uns Alle auf den schmalen Weg um Seines Namens Willen. Amen! 
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-{{tag> 3_Advent }} 
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-======Hofacker, Wilhelm - Am dritten Sonntage des Advents.  ====== 
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-Text: Jes. 40, 1-8. 
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-**Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, dass ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen Von der Hand des HErrn, um alle ihre Sünde, es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HErrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserem Gott. Alle Täler sollen erhöhest werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckerig ist, soll schlecht werden: denn die Herrlichkeit des HErrn soll geoffenbart werden; und alles Fleisch miteinander wird sehen, dass des HErrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; denn des HErrn Geist bläst darein. Ja, das Volk ist das Heu. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber das Wort unsres Gottes bleibet ewiglich.** 
- 
-In den verlesenen Worten ist ein Laut aus längst vergangener Zeit zu unfern Ohren gedrungen. Die Hallen des alten Bundes haben in ihnen sich vor uns aufgeschlossen, um ein seliges Wort der Gnade und Wahrheit, das der Väter Herz ehemals erquickt und erfreut hat, zu uns herüberzusenden und auch unser Gemüt noch dritthalbtausend Jahren zur nämlichen Freude und zum nämlichen Frieden zu stimmen. Jesajas heißt der teure Gottesmann, dessen Mund so teure, so evangelische Worte entflossen sind, und dessen großartigem Sehergeiste so helle Blicke in das Reich der Gnade und Wahrheit aufgetan wurden. Wie ein Adler zur Sonne emporsteigt, und mit gewaltigem Flügelschlag zu immer höheren Luftregionen sich aufschwingt, und dann ruhig im Himmelsblau sich wiegend herabschaut auf der Menschen Länder, die vor seinen Blicken, obgleich durch scheidende Grenzen und Ströme getrennt, dennoch friedlich neben einander liegen, indem auch die höchsten, schroff abgrenzenden Gebirge nur wie kleine Wellen erscheinen auf dem großen Länderozean; - so hat sich der große Schergeist eines Jesajas im kühnen Adlerflug zu den Sonnenhöhen der ewigen Gnade und Barmherzigkeit aufgeschwungen, und vor seinem Blick fallen nun die Grenzen, die den alten und den neuen Bund teilend voneinander scheiden, in nichts zusammen, der Zaun des Gesetzes ist vor seinen Augen abgetan, und sein Herz ergeht sich nun freudetrunken in den sonnenhellen Fluren der in Christo erschienenen Gnade und Wahrheit. Darum klingen auch seine Worte in unserer sonntägigen Abendlektion so neutestamentlich, so evangelisch, dass man wähnte, sie seien dem neuen Bunde entsprossen, und haben Inhalt und Farbe aus diesem entlehnt. Wie an der Pforte des neuen Bundes ein Engel stand und jenen Hirten zurief: „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren soll“: so steht Jesajas hier, sieben Jahrhunderte vorher, als ein Engel des Friedens vor uns und spricht: „Tröstet, tröstet mein Volk.“ Wie wir in den Tagen des Menschensohnes einen Johannes den Täufer als Herold dem kommenden Könige des Himmelreichs voranschreiten sehen, so sprach schon 700 Jahre früher Jesajas: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste, bereitet dem HErrn den Weg,“ - und wie im höchsten Glanz der Sohneswürde Jesus auftrat und sprach: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matth. 24, 35.), so frohlocket Jesajas schon zum Voraus tiefem Könige der Wahrheit entgegen: „Alles Fleisch ist Heu - alle seine Herrlichkeit wie eine Blume auf dem Felde; aber das Heu verdorret und die Blume verwelket, nur des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit.“ So ähnlich, so gleichförmig lautet die Sprache des alten und des neuen Bundes. Und warum das? Darum, weil sie aus einem Quell entflossen sind, weil sie aus einem Geiste stammen. Und deswegen dürfen wir im Blick aus den alten wie den neuen Bund sprechen: 
- 
-Wort aus Gottes Munde,  \\ 
-Wort vom Friedensbunde! \\  
-Evangelium!  \\ 
-Quelle wahrer Freuden,  \\ 
-Trost in allem Leiden,  \\ 
-Unser höchster Ruhm!  \\ 
-Gotteskraft,  \\ 
-Die Glauben schafft!  \\ 
-Frohe Botschaft, uns zum Leben\\ 
-Selbst von Gott gegeben! 
- 
-Von der Herrlichkeit des Wortes Gottes handelt auch unsere Abendlektion, und wir werden unsere diesmalige Betrachtung nicht besser heiligen können, als wenn wir geradezu bei diesen Gedanken länger stehen bleiben und miteinander betrachten die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit. Sie besteht 
- 
-  - in dem unversiegbaren Troste, den es darreicht; 
-  - in der bahnbrechenden Gewalt, die ihm verliehen ist; 
-  - in der ewigen Jugend, mit welcher es alle Zeit und alle Geschlechter überdauert. 
- 
-=====I. ===== 
- 
-1) Die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit offenbaret sich vor allen Dingen durch den unversiegbaren Trost, den es darreicht. Schon im alten Bunde war es Aufgabe des Wortes der Wahrheit, die Betrübten zu trösten, die Verwundeten zu heilen, die Bekümmerten zu erquicken, die Müden zu laben. „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott, redet mit Jerusalem freundlich.“ Diese Aufforderung erging vom obersten Thron im Himmel an alle Propheten, und in diesem Berufe bestand ein Hauptteil des Amts, das sie in Israel zu übernehmen und zu führen hatten. Nicht bloß mit dem Hammer des Gesetzes die felsenharten Herzen zu zerschmeißen, nicht bloß mit dem Donner der göttlichen Gerichte die Verächter und Gottlosen aus dem Todesschlafe zu wecken, war ihre Aufgabe; nein, auch trösten sollten sie die Traurigen, und freundlich reden mit denen, die bekümmerten und zerschlagenen Herzens waren. Und ach, wie Viele gab es dieser Art im Volke Israel, namentlich in den Zeiten des Verfalls und der allgemeinen Versunkenheit; wie Viele trauerten in der Stille über des Volks Sünden und ihre eigenen Sünden; wie Viele schmachteten nach einem Troste aus dem unversiegbaren Quell der göttlichen Wahrheit und Gnade; wie Viele lagen darnieder gestreckt unter dem schweren Gerichte des rächenden Arms Jehovas, der ihre und ihrer Väter Missetat heimsuchte bis ins dritte und vierte Glied, und sein huldreich Angesicht hinter den schwarzen Gewitterwolken seines Zornes verborgen hatte. Für sie war es wohl ein seliger Himmelslaut, wenn sie den obersten Kabinettsbefehl an alle Propheten und Diener des HErrn ergehen hörten: „Tröstet, tröstet mein Volk.“ Für sie war es recht ein frohes Morgenlicht, das die Dunkelheit ihrer traurigen Trostlosigkeit durchzuckte, wenn es hieß: „Redet mit Jerusalem freundlich.“ Schon das, dass der Heilige in Israel in Gnaden an sie denke; schon das, dass ihr Schmerz und ihre Trauer Ihm nicht verborgen und verhüllt sei; schon das, dass er Friedensgedanken über ihnen habe, und aus seiner Fülle mit Trost und mit Erquickung ihre Herzen laben wolle, schon das war Balsam für ihre Herzen, schon das war Oel in ihre Gewissenswunden, schon das war Wasser des Lebens für ihre vertrockneten Lippen. 
- 
-Ist's nicht auch so bei uns, den Kindern des neuen Bundes? Offenbart sich uns die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit nicht auch in unversiegbarem Troste, den es uns darreicht? Wenn wir in Trauer und Betrübnis gehüllt sind, und unser Herz vergeblich nach Trost und Beruhigung ringt, ist's nicht ein mächtiger Lichtstrahl, der durch die Dunkelheit des Innern bricht, wenn das Wort der Wahrheit uns zuflüstert: sei getrost und glaube nur; der HErr kennt dich und deinen Schmerz; deine Tage mit Allem, was sie dir bringen oder nehmen, sind alle auf sein Buch geschrieben, und ohne seinen Willen darf auch kein einziges Haar von deinem Haupte fallen? Oder wenn wir im Tiegel der Trübsal liegen und das Feuer der Läuterung uns zusammenschmelzt, also, dass auch der Glaube schwach und zaghaft werden will, und die Hoffnungslampe nur noch raucht und am Verlöschen ist, und das Wort der Wahrheit tritt vor unsere Seele und flüstert uns zu: „Das kommt vom HErrn, von dem nur gute und vollkommene Gaben herab kommen, bei welchem ist kein Wechsel des Lichts und der Finsternis, - Er ist's, der Treue und Wahrhaftige; der große Schmelzer, der an deinem Tiegel sitzt, will dich reinigen und läutern in dieser Hitze der Trübsal, auf dass dein Glaube viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das siebenmal durchs Feuer durchläutert ist,“ - und die Seele kann dieses Wort fassen und gläubig sich darein senken: o so ist der Trübsal der herbste Stachel bereits zerbrochen, und in den Leidenskelch fällt ein Tropfen nach dem andern ewigen, himmlischen Trostes. Oder es wird uns schwer, Christo das Joch der Selbstverleugnung und der Schmach vor der Welt nachzutragen, und es will uns zuweilen zu hart dünken, so dass wir es lieber abschüttelten und der Welt wieder zuliefen, von der wir ausgegangen, wenn wir nicht gehalten wären durch die unsichtbar bewahrende Treue unseres Gottes; aber das Wort der Wahrheit tritt nun ins Mittel und weist uns hin auf die Vollendung, die Christus durch Leiden des Todes und Selbstentäußerung erlangt hat, und zeigt uns, wie auch wir zur Ähnlichkeit und Ebenbildlichkeit feines Wesens nur in der gleichen Schule vollendet werden können, und der Glaube kann sich das zueignen: ist das nicht ein Labetrunk, der in der Wüste uns zu Teil wird, dass wir getröstet und erneuert laufen können, ohne müde zu werden, wandeln können, ohne matt zu werden? Sehet da! in solch tröstender Kraft erweist sich hauptsächlich die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit. Wenn Menschentrost und Welttrost zerrinnt und versiegen geht, wenn Menschengunst und Menschenehre und Menschenteilnahme in der Trübsal zurückweicht und ihr mattes Licht verlöschen lässt, dann gerade geht die Herrlichkeit des Wortes Gottes am hellsten in unserem Herzen auf und verbreitet besänftigendes Licht und milden, himmlischen Trost. Das eben ist ein Vorzug des göttlicher: Wortes, dass es gerade in der Dunkelheit leuchtet und da Helle gibt. 
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-2) Und was für einen Trost gibt es denn? Was ist der Inhalt des Trostes, den wir daraus schöpfen können? Sein Trost ist ein unversiegbarer. Die Welt tröstet auch, sie spricht: die Zeit werde die Wunden heilen; sie spricht: man müsse sich eben schicken lernen in die Umstände. Das sind irdische Trostgründe, wie sie bei Muhamedanern oder Heiden im Gange sind. So aber tröstet das Wort Gottes nicht; es tröstet nicht oberflächlich, sondern von innen heraus. Das Wort Gottes sucht bei uns nicht bloß die Wogen der Trauer und Betrübnis, die das Gemüt des Erdenpilgers überfluten, wieder abzuleiten, nein, es geht weiter zurück, es geht auf den Mittelpunkt, auf die Quelle alles Jammers und alles Elendes zurück, und sucht diese zu verstopfen; denn ist diese verstopft, dann richtet sich das Gemüt von selbst wieder auf und ersteht aus dem Tränenbade gestärkt und getröstet. Wo aber hat denn alles Elend und aller Jammer seine letzte Wurzel? Was macht denn alles Unglück hienieden recht bitter und schwer? Wodurch wird denn das trauernde Gemüt erst recht mit dem Todesstachel der Verzagtheit gefoltert? Das ist die Sünde, die uns im Spiegel des bösen Gewissens unsere Schuld und unsere Verdammlichkeit entgegenhält und in allem Kreuz und Leiden nur die herben Strafen unserer Übertretungen schmecken und fühlen lässt. Das ist die Sünde, die uns den freudigen Zugang zum Gott alles Trostes und Friedens raubt, und uns deswegen zurückscheucht von der einzigen Trostquelle in die einsame Todesstille unseres Jammers und Elends, und uns festschmiedet am Gebirge unserer eigenen Trostlosigkeit. Und darum bietet der HErr den größten, den unversiegbarsten, den herrlichsten Trost uns an, wenn Er in dem Worte der Wahrheit uns sagen lässt: „sagt ihr, dass ihre Ritterschaft ein Ende habe, dass ihre Missetat vergeben sei und sie nun Zwiefältiges empfangen werde von der Hand des HErrn um all ihre Sünde.“ Das ist der evangelische Glaubenstrost, der Glaubenstrost, der selbst mitten in der Trübsal unser Herz aufrecht erhält, ja der selbst mitten im Rachen des Todes unser Inneres nicht verschmachten und verzweifeln lässt. Zu den Trostbedürftigen, den Leidtragenden, den Armen im Geiste tritt das Wort des HErrn und spricht: Siehe, dein Knechtsdienst unter dem Fluch und der Dienstbarkeit des Satans und des Gesetzes hat ein Ende, du darfst die Waffen deines Eigenwirkens und eigener Anstrengung, mit denen du nur in die Luft gestrichen, nicht mehr tragen, denn ein anderer Kriegsheld ist gekommen, und hat für Alle einen Sieg erfochten, und ist auf der blutigen Wahlstatt, auf Golgatha, als Überwinder der Sünde und des Todes, des Teufels und der Hölle gefallen und hat Alles vollbracht. Darum ist euch die Missetat vergeben, der Zugang zum Gnadenthron aufgetan, die Pforten des Paradieses aufgeschlossen, und statt Fluch erlangt ihr zwiefältigen Segen, statt Verdammnis zwiefältige Gnade, statt Trauer zwiefältige Freude, statt Tod zwiefältiges Leben. Denn vom Stuhl der ewigen Majestät geht das Wort des Lebens aus: sagt ihr, dass ihre Ritterschaft ein Ende habe, dass ihre Missetat vergeben, dass sie Zwiefältiges erhalten werde. Sehet da! dies ist der Trost der Vergebung der Sünden, der rechte lebendige Glaubenstrost. Offenbart sich hierin nicht die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit? Wo ist ein Trost, wie er hier zu finden? Wo ist eine Lebensluft, wie man sie hier atmet? Wo ein solcher Friedensstrom, wie er hier fließet? Wo eine solche Seelenweide, wie sie hier im üppigsten Grün unseren Blicken sich darstellt? 
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-=====II. ===== 
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-1) Jedoch die Herrlichkeit des Worts der Wahrheit offenbart sich auch in der bahnbrechenden Macht, die ihm vom HErrn verliehen ist. Nicht bei Allen kann das Wort der Wahrheit als Wort des Trostes und der Gnade Gehör finden. Zwar sind wir Alle, wenn wir richtig über unseren inneren Zustand nachdenken, des Trostes sehr bedürftig, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil unser Leben von so manchen Trübsalen umgeben ist. Aber dennoch gibt es gar Viele, welche dieses Trostes gar nicht zu bedürfen wähnen; sie sind ruhig und getrost in ihrem Wesen, sie wandeln sicher und sorgenlos ihre Straße; sie hüpfen vielleicht leichtfertig und leichtsinnig durchs Leben, und sind bezaubert von der Lust und Herrlichkeit der Welt. Sie kann und will das Wort Gottes nicht trösten. War es ja doch in Israel auch so; als der HErr erschien auf Erden, da musste ein Johannes der Täufer vorangehen; er musste den Weg erst bahnen, damit der süße Trost des Evangeliums in die Herzen hineinfallen könnte. Und dieser Johannes war ein Prediger in der Wüste: er war dies nicht bloß, weil er in der Wüste auftrat und das Volk hinausströmte in die öden Gegenden des israelitischen Landes, um sein Wort zu vernehmen, sondern weil es auch wüste und öde und verwildert aussah in der Menschenwelt, die sich um ihn her drängte. Ja, freilich umgab ihn damals eine Wüste, eine Wüste, in der der Glaube keine Blüten, die Liebe keine Knospen, die Gottseligkeit keine Früchte trug. Wie herrlich stand darum dieser Prediger da! Die Welt um ihn her war genusssüchtig, er war genügsam und lebte von Heuschrecken und wildem Honig; die Welt um ihn her liebte den Tand und die Eitelkeit, er war zufrieden mit dem Gewand aus Kamelhaaren und seinem ledernen Gürtel; die Welt um ihn her hatte glatte Zungen und Otterngift auf ihren Lippen, er lehrte den Weg des Lebens recht und sagte Jedem die Wahrheit und heuchelte nicht; die Welt um ihn her wusste zu kriechen und sich zu schmiegen und den Mantel nach dem Wind zu hängen, er aber ging frei heraus mit der Sprache und sagte zu Herodes auch auf die Gefahr der Ungnade hin: du bist der Mann des Todes! -  und so leuchtete er herrlich wie ein Leuchtturm in dunkler und gewitterschwarzer Nacht. 
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-Ist das nicht fort und fort, wie im alten Bund, so noch jetzt die Stellung des Wortes der Wahrheit zu der Welt, in der es auftritt? Ist es nicht fort und fort noch ein Prediger in der Wüste, wo die Ungeheuer der Leidenschaften und Begierden hausen, und die Bestien der Ungerechtigkeit und Sünde auf Raub und Untergang lauern? Die Welt ist gebildet worden, sehr gebildet, vielleicht überbildet, und hat den Überwurf des Anstandes über sich hergebreitet: das Wort bleibt bei seinem schlichten und einfachen Rocke, den ihm der Herr der Herrlichkeit schon vor tausend Jahren angelegt hat; die Welt sucht Ränke und macht viele Künste und ladet sich Lob und Ehre auf, nach dem die Ohren jücken: das Wort Gottes bleibt bei seiner geraden und offenen Sprache und nennt fort und fort das Schwarze schwarz und das Weiße weiß. Die Welt ist genusssüchtig geworden und hat nur einen Trieb, die Mittel ihrer Genusssucht zu vermehren, und immer neue Reize und Befriedigung für die veränderliche Vergnügungssucht aufzufinden: das Wort der Wahrheit bleibt bei seinem Anathema Maharam Motha (1 Kor. 16, 22.): wer den Herrn Jesum nicht lieb hat, sondern die Welt lieb hat und was in der Welt ist, der ist verflucht. Die Welt ist weichlich geworden und mag nichts mehr hören von dem Zorn Gottes, von den Strafgerichten seiner rächenden Hände, von den Zuchtruten, die sein allmächtiger Arm über Einzelne und ganze Länder und Nationen zu schwingen wisse, das Wort Gottes aber behaut bei seiner eisernen Strenge, dass der Zorn Gottes sich offenbare vom Himmel über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten (Röm. 1, 18.). So, meine Lieben, kämpft das Wort der Wahrheit an gegen eine Welt voll Lüge, voll Eitelkeit, voll Finsternis und Unglauben; es ist ein zweischneidig Schwert, das durchdringet, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein. Und wer wird wohl als Sieger auf dem Kampfplatz bleiben? Der einzige Mann im kamelshaarenen Rock hat ganz Israel das Maul gestopft, also, dass sie ihm nichts antworten konnten; darum wird sich auch die Herrlichkeit des Wortes Gottes darin offenbaren, dass es alle Lügengewebe menschlicher Kunst und Weisheit zerhaut, und zuletzt als alleiniger Sieger auf der Wahlstatt bleibt. Eben darin offenbart sich seine Herrlichkeit, eben darin zeigt sich seine unüberwindliche Siegesmacht. 
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-2) Jedoch noch eine besondere Aufgabe weist der HErr dem Worte Gottes in der Abendlektion an: die Täler soll es erhöhen, die Hügel soll es erniedrigen; das Ungleiche soll es gerade und das Höckerige soll es eben machen. Mit diesen vier Fällen sind auch vier Gemütsbeschaffenheiten angegeben, welche nur das Wort Gottes ändern und in das rechte Geleise bringen kann. - Die Täler sollen erhöht werden; - hier ist nicht das Tal der Demut gemeint, in dem ein jeder Christ einhergehen soll; das sind die Täler des Kleinmuts, der Verzagtheit, der Mutlosigkeit; aus diesen soll das Gemüt herausgehoben und mit Glaubensmut, mit Freudigkeit, mit Zuversicht zu dem Gott aller Gnade, zu dem Vater aller Barmherzigkeit erfüllt werden, und ach! wie oft schon ist dem Worte Gottes dieser Sieg gelungen! Jener Gichtbrüchige, der zum HErrn gebracht wurde, der befand sich in diesem Tal des Kleinmuts und der Zaghaftigkeit; als er aber aus dem Munde Jesu das Trostwort vernehmen durfte: deine Sünden sind dir vergeben, so wurde dieses Tal erhöht. Jene Sünderin, die zum HErrn kam, die keine Worte für ihre Traurigkeit und ihren Schmerz in der Buße hatte, sondern nur Tränen der Trauer und Wehmut, ja sie war auch in dem Tal des Kleinmuts und der Zaghaftigkeit, aber dieses Tal wurde erhöhet, es wurde ausgefüllt, als Jesus sprach: sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben, gehe hin im Frieden. Und jener Schächer am Kreuze, der da sprach: ich empfange, was meine Taten wert sind, und sich zu Jesu wandte mit der Bitte: HErr, gedenke an mich, wenn Du in Dein Reich kommst! der befand sich auch im Tal der Kleinmütigkeit, aber eben deswegen wehte ihm der Mund der Wahrheit Himmelslüfte zu, als Er sprach: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. O wie weiß so das Wort Gottes zu erquicken und zu trösten! Darum ihr, die ihr noch seufzet und ringet nach Vergebung und nach einem Gewissenstrost, ihr, die ihr euer Haupt noch hängen lasst wie Schilf und beim Anblick des Glaubens eurer Brüder sprechet: solchen Glauben möchte auch ich haben, seid unverzagt, eure Trauertäler sollen ausgefüllt werden, und auch ihr werdet noch eure Kniee in Dank und Anbetung beugen und dem Herrn der Herrlichkeit es zuschwören: In Ihm habe ich Gerechtigkeit und Stärke. 
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-Die zweite bahnbrechende Macht des Wortes Gottes ist abgebildet in dem Worte: die Berge und Hügel sollen erniedrigt werden. Damit sind nicht die Berge der Verheißung und des Glaubens gemeint, auf welche sich der Glaube stellen und festen Fuß darauf fassen soll; sondern es sind die Berge des Hochmuts, der Eigenliebe, der Eigengerechtigkeit, der Hoffart, des Selbstvertrauens. Diese müssen abgetragen, diese müssen durch das Wort der Wahrheit erniedriget werden. Es kann dies zuweilen auf einmal geschehen, wie bei jenem Saulus auf dem Wege nach Damaskus der Berg seines Trotzes, seines hochfahrenden, schnaubenden Wesens: o wie wurde dieser Berg wie von einem gewaltigen Erdstoß niedergeworfen, so dass Saulus auf den Knieen bebend und zitternd fragte: HErr, was willst Du, dass ich tun soll? - Jener Berg der Eigenliebe und der Hoffart kann auch nach und nach abgetragen werden, wie der HErr an einem Joseph bewies, den er durch lange und fortgesetzte Demütigungen führte, bis sich der Ansatz von Eitelkeit, der sich in seinem Herzen durch die Bevorzugung seines Vaters angelegt hatte, durch die herbe Lauge in der Gefangenschaft und Sklaverei, und endlich noch im Gefängnis losgeschält hatte. Die Wege des HErrn sind nicht gleich; aber alle gehen dahin, dass das Wort der Wahrheit die Berge erniedrige und die Hügel verringere. 
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-Die dritte bahnbrechende Gewalt des Wortes Gottes drückt der Prophet mit den Worten aus: und was höckerig ist, soll eben werden. Es gibt veränderliche Gemüter, deren inneres und äußeres Leben gleichsam wellenförmig sich hinbewegt; das eine Mal sind sie in der Höhe, das andere Mal in der Tiefe, das eine Mal im Himmel, das andere Mal in der Hölle. Sie machen sich mit dieser Veränderungslust selbst viele Schmerzen. Aber das Wort Gottes hat eine ebnende, eine zurechtbringende, eine ausgleichende Gewalt; es soll diese höckerigen Gemüter ebnen: und das vermag es, wie wir z. B. bei Petrus sehen. Wie uneben, wie höckerig war sein innerer Lebensgang; wie stand er so hoch, als er sprach: wenn sich auch Alle an Dir ärgerten, so will ich mich doch nicht an Dir ärgern; und wie stand er wieder so tief, als er hinausging und anhub zu weinen. Aber wie hat der HErr dieses Gemüt, das so treu an Ihm hing, nach und nach in das Geleise hinübergeführt, so dass er für Viele ein Werkzeug ward zur Seligkeit, wie auch der HErr zu ihm sprach: wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stärke deine Brüder. 
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-Aber der HErr setzt endlich noch hinzu: auch der unebene Weg soll gerade werden; was ungleich, was schlangenförmig gewunden ist, das soll gerade werden. Es gibt versteckte, schlangenförmige Gemüter; wie sie nicht ehrlich und aufrichtig sind gegen die Menschen, so sind sie es auch nicht gegen den HErrn ihren Gott; sie machen versteckte Schlangenwindungen: wie es Wege gibt, die fort und fort im Zickzack sich hinziehen, auf welchen der Wanderer seiner Wanderung nicht froh wird, weil sie auf unnötige Weise seinen Gang in die Länge ziehen; es sind krumme, falsche und heuchlerische Menschen, bei denen man nie recht weiß, wo man mit ihnen daran ist. Zu diesen schlangenförmigen Gemütern gehörten zur Zeit Jesu die Pharisäer; und über solche Herzen hat der HErr ausgesprochen: eher werden die Hurer und Zöllner ins Himmelreich kommen, denn ihr schlangen glatten Betrüger. Aber was bei den Menschen unmöglich ist, das ist doch dem HErrn und seinem Worte möglich. Auch solche Gemüter kann das Wort der Wahrheit in das rechte Geleise bringen. Wie das Eisen, wenn es auch noch so krumm gebogen ist, wenn es ins Feuer kommt, durch die Hammerschläge zurecht gebracht werden kann, so können auch solche Gemüter durch den Hammer der Trübsal und das Feuer der Leiden noch gerade gemacht werden. So hat der HErr in der Gluthölle der Anfechtung schon manches krummgebogene Herz erweicht und es wieder gerad gebogen und zur Aufrichtigkeit vor Ihm zurückgeführt, dass es die Lügenlarve von sich geworfen und vor Ihm in seiner wahren Gestalt sich geoffenbart hat. Und eben darin offenbart sich die Herrlichkeit des Wortes der Wahrheit, das ein Hammer ist, der die Felsen zerschmeißt, und ein Feuer, das die eiskalten Herzen zerschmilzt. 
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-=====III. ===== 
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-So ist das Wort der Wahrheit belehrend, beruhigend, -stärkend und zurechtweisend. Doch noch eins ist zurück, was unsere Abendlektion zur Verherrlichung des Wortes der Wahrheit zum Schlusse noch anführt, was ich nur noch im Vorübergehen kurz berühren und dann eurem weiteren Nachdenken zu Hause überlassen will. Es ist die ewige Jugend des Wortes der Wahrheit. Denn es spricht eine Stimme zum Propheten: predige, -und er sprach: was soll ich predigen? Die Antwort aber war: Alles Fleisch ist wie Heu, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Heu verdorret, die Blume verwelket; aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit. Gibt es etwas, was die Herrlichkeit des Wortes Gottes in helleres Licht stellen könnte, als eben diese seine ewige Jugend? Alles um dasselbe her hat sich verwandelt, Geschlechter sind gekommen und gegangen. Jahrhunderte sind gekommen, Jahrtausende sind gekommen, Völker, Zeiten, Gesetze, Staatsverfassungen fielen wie welke Blätter auf den Boden der Vergänglichkeit. Ein Weiser verdrängt den andern, eine Weisheit die andere. Ein Reich ist gefallen ums andere: die Reiche von Assyrien, von Babylon, von Griechenland, von Rom sind darnieder gesunken und mit ihren Trümmern wurden viele Erdteile bedeckt: das Wort Gottes ist geblieben; aus den Trümmern selbst geht es immer wieder hervor in ewiger Jugendkraft. Sehet die Berge an, die um unsere Stadt her liegen; seit Jahrtausenden stehen sie und alle Frühlinge bedecken sie sich mit frischem Grün, und treiben neue Blüten und neue Früchte; so tritt auch das Wort Gottes über die vermodernden Gebeine immer wieder in neuem Schmucke hervor. Seine Kraft ist nicht verwelklich, sein Leben ist unvergänglich. Sehet die Quellen und Gesundbrunnen an, zu denen man eilt, um Genesung und Hebung aller Übel zu holen: sie strömen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden in gleichem Gehalt, und haben ihre Kraft noch nicht verloren, sich noch nicht umgewandelt; denn ihr Wasserstrahl kommt aus der Tiefe, die unzugänglich ist den Veränderungen, die die Oberfläche der Erde treffen; so ist das Wort der Wahrheit eine ewig frische und junge Quelle: aus ihr haben getrunken die Väter des alten Bundes, aus ihr die Kämpfer des neuen sich gelabt, und fort und fort ist sie ein Brunnen des Heils aus den Tiefen der Gottheit, die Dürstenden labend, die Verschmachtenden erquickend., Nehmet nur unsere heutige Abendlektion. O wie hat sie das trostbedürftige Volk des alten Bundes mit einem unversiegbaren Trost erfüllt, und wie haben wir nun nach dritthalbtausend Jahren diesen Nachmittag aus ihr getrunken, und sind erquickt worden, und siehe, die Kraft derselben ist dieselbe gewesen, wie Gott ewig derselbe ist, wie Christus, der da gestern und heute derselbige, derselbige ist in Ewigkeit. Darum bleibe auch dieses Wort der Wahrheit unsres Herzens Trutz und Stütze, unsere Freude und unser Trost, unsere Kraft und unser Leben, unser Schmuck, unsere Freude und unser Ruhm in Ewigkeit. Wenn wir hienieden noch schauen in einem dunklen Spiegel, so werden wir es dort schauen von Angesicht zu Angesicht; und wenn wir hienieden der Leuchte folgen, so wird uns drüben aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und des ewigen Lebens. Denn das Heu verdorret, die Blume verwelket, die Herrlichkeit des Menschen vergehet, aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit. Amen. 
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-{{tag>3_Advent}} 
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-======Häring, Theodor von - Predigt am dritten Advent====== 
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-Ev. Matth. 11, 2-10. (I. Jahrgang.)\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen, und die Lahmen. gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet! Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-In Christo Geliebte! Das Evangelium des ersten Advent hat uns gesagt: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! Das Evangelium des zweiten Advent hat uns bezeugt: Er wird kommen in der Herrlichkeit. Heute vernehmen wir die Frage: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Diese Frage gibt der Stimmung Ausdruck, welche zwischen dem ersten und zweiten Advent über die Gemeinde Christi kommen kann. Sie ist aber von so entscheidender Wichtigkeit, dass wir sie nicht unentschieden lassen können. Und unser Evangelium enthält eine Antwort voll eigenartiger Herrlichkeit, wie die Frage voll eigenartiger Not ist. „Sagt dem Johannes, was ihr seht und hört!“ Er selbst, um den es sich handelt, gibt sie, und er gibt sie durch den Hinweis auf das Nächstliegende. Auf gegenwärtige Tatsachen wird der edle Zweifler verwiesen. Das ist gut, wenn man etwas Gewisses dem Bedenken entgegenstellen kann. Und das Beste in der Antwort ist: 
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-„Den Armen wird das Evangelium gepredigt“. So bleiben wir denn stehen 
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-  - bei der weitverbreiteten und hochwichtigen Frage des Johannes: Bist du, der da kommen soll?  
-  - bei der naheliegenden und allgenugsamen Antwort Jesu: Sagt dem Johannes, was ihr seht und hört: den Armen wird das Evangelium gepredigt. 
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-=====I.===== 
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-Unser Christenleben bewegt sich in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Advent des Herrn. Da ist es eine weitverbreitete und hochwichtige Frage: Bist du, der da kommen soll? Welch ein anderes Wort aus des Johannes Mund: der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, derselbige ist es, der mit dem heiligen Geist tauft (Joh. 1, 33). Das war seines Lebens größte Stunde, seines Geistes kühnster Blick. Aber, eine Feuerseele, dem Elias gleich, begehrt er die Erfüllung seiner eigenen Weissagung von der Taufe mit Geist und Feuer, doppelt hinter den Kerkermauern der Bergfeste, wohin des Herodes Befehl ihn verschlossen. Richtete der erwartete Retter das Reich auf, so sprangen auch seine Fesseln, und aus dem Gefangenen ward ein dem Thron Nächster. Nun aber ging dieser Mann der Zukunft seinen eigenen stillen Weg. Wohl dringt manchmal eine Kunde seiner Zeichen in das Verließ des Gefangenen. Aber sie scheinen ihm nicht deutlich genug. Dann entsteht ein Widerstreit der Gedanken: Ist er's, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Vergessen wir nur nicht: Johannes zweifelt und glaubt zugleich; zweifelt, ob er in der Person des Erwarteten sich getäuscht, aber die Erwartung selbst hält er aufrecht, sie ist der einzige Stern seiner Kerkernacht. Die Frage des Johannes ist in der Christenheit weit verbreitet. Nicht von denen reden wir, die dem christlichen Glauben entschlossen den Rücken gewandt haben; von uns, meine Freunde, die wir durch unsere Versammlung im Namen Jesu Christi tatsächlich uns zu ihm bekennen. Schwebt nicht gerade in der Adventszeit die Johannesfrage auf manchen Lippen halb ausgesprochen, lebt sie nicht noch mehr halb verstanden auf vieler Herzen Grund? Manches Elternherz fragt sich: willst du allein deinen Kindern Freude machen? Oder gehört sie wirklich ganz dir selbst, die alte Weihnachtsbotschaft: „Euch ist der Heiland geboren?“ Was sind denn aber die Gründe, die uns die Frage unsres Evangeliums so wohl verständlich machen, so dass ein geheimes Band der Übereinstimmung uns mit dem doch sonst so fernen und vielfach fremden Johannes verbindet? Gewiss sind diese Gründe im Einzelnen so verschieden nach Form und Farbe, als wir überhaupt voneinander verschieden sind. Aber dem tiefsten Wesen nach doch auch wieder gemeinsam, wir haben oft dieselben Bedenken auf dem Herzen, die jene Frage zuerst veranlassten. Gar manchmal dünkt auch uns das Bild des Herrn den Anforderungen nicht zu entsprechen, die wir meinen, an dasselbe erheben zu müssen: es ist ja wirklich so anspruchslos und unscheinbar; die Begriffe von Größe und Heldenhaftigkeit, die wir sonst uns gebildet, treffen nicht zu; auf viele Fragen, die uns am Herzen liegen, hat er keine ausdrückliche Antwort; wir meinen dies und das mehr von ihm wissen zu sollen, und, was wir überhaupt von ihm wissen, sollte es nicht bis ins Einzelste hinaus über jedes Bedenken erhaben sein? Ähnliches gilt von seinem Reiche: man kann es bekämpfen, und keine Zeichen geschehen für dasselbe; man kann es bei Seite schieben in der öffentlichen Achtung, und wirklich, Tausende wenden ihm dann den Rücken. Vollends die Kirche, sie hat keine Gestalt noch Schöne in den Augen aller, die auf äußere Macht und greifbaren Einfluss sehen. Der letzte Erfolg aber, liebe Freunde, den solche und ähnliche Gedanken zu Zeiten auch in den Herzen der Gläubigen haben möchten, ist die Frage: Bist du, der da kommen soll? Ihr Männer, die ihr wieder eine Woche mittendrin gestanden im vollen Leben der Gegenwart, sagt, ist dasselbe nicht wie gemacht dazu, jene Frage euch nahezulegen? Unzählige gehen dahin, glücklich nach dem Augenschein, und fragen doch nie nach diesem „Gekommenen“; leben und arbeiten, streben und gewinnen ohne ihn, scheuen sich vielleicht sogar seinen Namen unter andern zu nennen. Ihr Frauen, die ihr euch wieder gemüht mit den Sorgen des Kreises, in dem ihr steht, habt ihr, wenn ihr nur saht, was vor Augen ist, den Eindruck bekommen, dass in all dem Wirbel von Kleinigkeiten und oft auch Nichtigkeiten, die das Leben füllen, das Wort gelte „Eins ist not!“ Ihr Jünglinge, denen das Herz glüht von heiliger Begeisterung für alles, was wahr und schön ist, wüsstet ihr nichts zu erzählen von Ärgernis, vom Verletzt-werden kindlichen Glaubens, vom Kühlwerden durch den ganzen Lauf der Welt, der um euch her so oft dahingeht, als hätte nie einer gesprochen „Was hilft es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ der so oft als ein herzloser Kampf des Stärkeren gegen den Schwachen unserem Glauben Hohn spricht: „Gott ist die Liebe,“ „Liebe deinen Nächsten als dich selbst.“ Aber es ist gar nicht nur der allgemeine Lauf der Welt, der zu Zeiten jedem die bange Frage nahe legt: Bist du, der da kommen soll? Es sind noch viel mehr die besonderen Erfahrungen, welche der Einzelne machen muss. Johannes fragt aus dem Gefängnis. Für die „Gefangenen Zions“ wird jene Frage drückender, peinlicher. Man hat vielleicht lange das Vertrauen eines Kindes Gottes aufrecht erhalten; aber da kam ein Schlag, so gewaltig, so scheinbar unvernünftig, und der Glaube wankte. O wenn doch in solchen Augenblicken des Zweifels, der das Bild Jesu Christi verdunkeln will, wenigstens keine Lust am Zweifel das Herz beschleicht, wenn im verborgensten Herzen jenes „dennoch“ anklingt, „dennoch bleibe ich stets an dir;“ wenn nur die Seele nicht versinkt in dieser irdischen Welt und sich einreden lässt, dass nichts bestehe, als was man sieht, nichts erstrebenswert sei, als was man genießen kann! In solchen Gemütern kann der Geist des Herrn die Erkenntnis wecken, wie hochwichtig, wie entscheidend die weitverbreitete Frage ist: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? 
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-Unser Herr schilt den Johannes nicht wegen seines Zweifels. Er hat das nie getan, wenn ein Zweifel aus der Wahrheit kam. Er hat überhaupt nie andere Jünger haben wollen, als überzeugte, und er weiß am besten, dass eine Überzeugung nicht angeboren wird, sondern erworben werden muss, und dass dies nicht ohne Kampf geschieht. Getrost also, liebe Mitchristen, wenn auch uns solcher Kampf nicht erspart ist. Wenn Niemand dich verstehen wollte, Er versteht dich; er bereitet die Lösung deines Zweifels vor, indem er seine ganze Bedeutung dir offenbart. Seht sein Verfahren gegenüber dem Johannes. Als die Jünger fortgegangen, redet er zum Volk von ihm. Er tut es, um keinen Schein des Vorwurfs auf seinen großen Vorgänger fallen zu lassen. Daher die Erinnerung an seine Vergangenheit: Was seid ihr hinausgegangen an den Jordan zu sehen? Und nun wird die Rechtfertigungsrede zur Ehrenrede ohne Gleichen. Denkt, Geliebte, aus solchem Munde solches Lob! Er ist ein Prophet, ja der größte, der dem Herrn den Weg bereiten soll. Aber welch ein aber! Dieser Größte ist kleiner als der Kleinste im Himmelreich. Um so viel der Neue Bund mehr als der Alte, um so viel ist der Kleinste im Himmelreich größer als der Größte, der noch außerhalb dieses Himmelreiches steht. So wichtig ist also auch für uns die Frage: „Bist du, der da kommen soll?“ So viel steht auch für uns auf dem Spiel. Würde wohl unser Lob aus dem Munde des Herzenskündigers dem des Johannes gleichen? Könnte man von uns sagen, dass wir als felsenfeste Charaktere uns von Anfang bis Ende bewähren, dass keine Nacht des Gefängnisses uns vom geraden Weg der erkannten Pflicht abbringe? Aber wenn auch: nimm einmal alles zusammen, was du Gutes hast, was deine Nächsten lieben, was deinen Beruf ziert der Kleinste im Himmelreich ist größer als der Größte außer ihm! Was bist du ohne das Himmelreich? Ohne mit Gott im Reinen zu sein? Ohne eine unerschütterliche Gewissheit deines ewigen Heils? Und gibt es ein Himmelreich ohne Ihn? Hängt es nicht an Jesus Christus, gestern, heute, in Ewigkeit derselbe? Geliebte, wenn wir erst die weitverbreitete Frage: „Bist du, der da kommen soll?“ als eine hochwichtige erkannt haben, als die Lebensfrage einziger Art, so sind wir dankbar begierig nach der Antwort, die in unserem Evangelium liegt. Sie lautet: Sagt dem Johannes, was ihr seht und hört: Den Armen wird das Evangelium gepredigt.  
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-=====II.=====  
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-Eine Antwort auf die Frage, die uns heute bewegt, ist im Grunde jede Predigt des Evangeliums, eine immer wieder neue und doch immer gleiche. Aber so, wie wir dieselbe in unserem Evangelium vernehmen, dürfen wir sie im besonderen Sinn eine naheliegende und eine allgenugsame nennen. Eine naheliegende, wenn wir ins Auge fassen, dass sie von dem Herrn selbst, um den es sich handelt, erbeten und erteilt wird. Schon in weniger wichtigen Verhältnissen könnte viel Missverständnis vermieden werden, wenn wir einen Nächsten, der uns in irgendwelcher Hinsicht zweifelhaft geworden, selbst fragen würden. Der Blick, mit dem er unsere Frage anhörte, würde uns manchmal gar nicht die Antwort abwarten lassen; jener Blick hätte uns ohne Worte überzeugt, gewonnen, überwunden, und ein stiller Händedruck würde das neue, fester gewordene Einverständnis besiegeln. Aber in Angelegenheiten unsres Glaubens verlassen wir uns oft viel zu sehr auf Dritte, statt uns an Christus selbst zu wenden. Man lässt sich eine Geschichte Jesu schreiben von Männern, die man um vieler Vorzüge willen ehren kann, denen aber auch ihre nächsten Freunde wenig genug Erfahrung in religiösen Dingen zutrauen. Man lässt sich das Gebet verdächtig machen von Leuten, die in die äußerste Verlegenheit gerieten, wenn man sie fragte, wie lange sie diese Kunst geübt, die sie eine unnütze nennen. Kommen wir lieber zu Ihm selbst, Geliebte, da wo er zu finden ist, in der Schrift, die von ihm zeugt. Nehmen wir dies Zeugnis einmal auch nur nach den Regeln, nach denen jedes Buch gelesen sein will, das den Anspruch macht, wichtige Wahrheit zu erschließen, aber mit dem wirklichen Ernst der Wahrheit, ohne vorgefasste Meinung, bereit zu lernen. Und weil dazu freilich Jeder auch wieder vermittelnder Führer bedarf, so lasst uns dem Johannes darin folgen, dass er zwei seiner Jünger sandte, erprobte Leute, auf die er sich verlassen konnte. Ist ein edler Vater, der mit seinem Leben den Beweis seiner Wahrhaftigkeit erbracht, nicht ein zuverlässigerer Führer als ein unbekannter Fremder, der uns mit oberflächlicher Geschwätzigkeit unseren Schatz rauben will? Aber naheliegend, liebe Freunde, ist die gute Antwort auf unsere Adventsfrage auch nach ihrem Inhalt. Sagt dem Johannes, spricht unser Herr, was ihr seht und hört. Es war das Gerücht von Jesu Werken, was den Johannes bewegt hatte. Nun bekommt er die Antwort: Sieh das alles genauer an; was dir Anlass zum Zweifel geworden, vielleicht ist es tiefer betrachtet, ein Grund zum Glauben. Von der Person weist er ihn zu den Werken, und was er tut, fasst er in ein Prophetenwort zusammen, gewiss absichtlich, um auf das wahre Wesen seines Wirkens aufmerksam zu machen: wohl beweist ihn der Vater mit mancherlei Zeichen als von ihm gesandt, aber das Höchste, das Bleibende ist, so hören wir nachdrücklich am Schluss: „Den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ 
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-Ist diese Antwort nicht allgenugsam, wie sie naheliegend ist? Unsre Reformatoren haben den Grundsatz ausgesprochen: Christum kennen lernen, heißt seine Wohltaten kennen lernen. Sie haben diese Anweisung den ersten Jüngern des Herrn abgelauscht. In der Tat, wie anders wollen wir irgendetwas, irgend Jemand in der Welt kennen lernen, als an seinen Wirkungen? Und diesem echt evangelischen, echt christlichen Grundsatz kommt unsere Zeit ganz besonders entgegen. Es ist ein Hunger, ein tiefes Verlangen nach Wirklichkeit ausgegossen, wir wollen erleben, erfahren; auch gute und große Gedanken, wenn wir sie nicht erproben können, stehen nicht im Werte. Wie köstlich und allgenugsam ist da die naheliegende Antwort: Sagt dem Johannes, was ihr seht und hört; den Armen wird das Evangelium gepredigt! Diese Antwort wollen wir gleich in ihrem tiefsten Sinn verstehen. Wohl freut und erhebt uns die Erinnerung an die tausend herrlichen Wirkungen, die Christi Name hervorgebracht, und wir freuen uns besonders, dass in unseren Tagen die tatkräftige Predigt der Liebe an arme verlorene Herzen dringt, an denen jedes andere Mittel der Hilfe sich unnütz erweist. Aber damit ist die Hauptsache nicht gesagt: die Hauptsache ist, dass wir immer aufs Neue uns fragen: Bist nicht auch du ein Armer, der das Evangelium braucht? Eine frohe Botschaft, dass mir Gott alle Sünden reichlich und täglich verzeiht, dass er mich aufnimmt an Kindesstatt und zum Erben aller himmlischen Güter, und dass ich in seinem Reich unter ihm lebe in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit? Ja wer möchte ohne diese Wahrheit des Evangeliums im Umtrieb dieses Lebens stehen? wer sich mühen um irgendein Gut ohne die Gewissheit, dies höchste Gut des Reiches Gottes als freies Geschenk zu besitzen und in freier Arbeit eines Gotteskindes an der Mehrung dieses Gutes zu arbeiten ohne Ermüden, weil ohne Verzagen? Sagt, Beliebte, wer ist nicht arm ohne diesen Reichtum? Wem sollte es eine Schande sein, diese Armut zu bekennen, diesen Reichtum zu suchen? 
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-Nun, so versuchen wir den Tatbeweis, den Beweis des Geistes und der Kraft! Brauchen wir dies Evangelium, so versuchen wir es mit ihm aufs Neue, immer mit neuem Ernste! Hier handelt es sich nicht um Überlegen und Reden, sondern um Tun, Erfahren, Erproben. Es ist ein treffendes Wort: Wenn der Kranke die wohltätigen Wirkungen des elektrischen Funkens empfindet, so kümmert ihn wenig der Streit der Gelehrten über die Art seiner Wirkung. So hat der Apostel Paulus gedacht, wenn er sagt: Ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben. Selbsterprobter Kraft schämt sich Niemand. Und wer die Kraft des Evangeliums erlebt, der hat eine Antwort auf die Frage: Bist du, der da kommen soll? Er weiß alles, was er hat, unzertrennlich verbunden mit dem Namen Jesus Christus. Er erkennt immer mehr, wie er es nur hat durch diesen Einen. Er findet es ganz natürlich, dass dieser Eine über alle sich erhebt und auch in unserem Evangelium so unvergleichlich sagt: Selig ist, der sich nicht ärgert an mir. Er ärgert sich nicht an dem Weg der Niedrigkeit, den dieser Einzige zur Herrlichkeit geht, er versteht diese Niedrigkeit auch in seinem Reich, seiner Kirche, in den Führungen des eigenen Lebens. Und so wird das Bekenntnis zu persönlicher Wahrheit: Ich glaube, dass Jesus Christus sei mein Herr. Was dann noch von Fragen und Bedenken bleibt, die „greifen nicht ans Herz“, und Er, der auch den treuen Thomas zufrieden stellte, wird auf unsere letzten Fragen ewige Antwort geben, wenn ein Leben in seiner Nachfolge uns hinaufführt zu Ihm. Amen. 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Hörschelmann, Ferdinand - Halte, was du hast - Am dritten Adventssonntage - Stiftungstag der Universität====== 
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-d. 12. Dezember, dem Stiftungstage der Universität((Aus einer früheren Sammlung aufgenommen)). 
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-Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt, Amen! 
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-Zur Feier eines Doppelfestes haben wir uns im Gotteshaus versammelt. Mit der ganzen Christenheit begehen wir den dritten Sonntag des Advents, als Glieder der Hochschule und Universitätsgemeinde feiern wir den Stiftungstag unserer Alma Mater. Dieser akademische Festtag empfängt seine besondere Weihe von oben, indem wir seine Feier hineingestellt sehen in das Licht der Erscheinung dessen, der in die Welt gekommen ein König der Wahrheit und des Friedens, um in unsere Herzen seinen Einzug zu halten, um alle Lebensgebiete mit seinem Geist zu durchdringen, um uns Alle in seinen Dienst zu zichen. Unser Christenberuf und unser besonderer Lebenslauf, auch der der akademischen Lehrer und Schüler - sie hängen aufs Innigste zusammen. Die Aufgaben des einen schließen die des anderen in sich. Die Kraft zu beiden empfangen wir von dem einen Herrn. Vor seinem Angesicht sind wir erschienen. Mit der ganzen Christenheit preisen wir den Namen dessen, der gekommen ist, also dass wir keines anderen zu warten brauchen, der fort und fort zu uns kommt mit dem Evangelium, das den Armen gepredigt wird, mit der Kraft, die in den Schwachen mächtig ist. Als Bürger unserer Universität sagen wir Gott Lob und Dank für den Segen, den er über unsere Hochschule ausgegossen während ihres nun 80-jährigen Bestandes, für den Gnadenbeistand, den wir auch im letzten Jahr erfahren. Wir gedenken aber auch der Rechenschaft, die wir ihm schuldig sind. An sie erinnert uns der Abschluss des Studienjahres, an sie mahnt uns der Hinweis auf den, der da kommen wird zu richten sein Volk. Auf diese Rechenschaft, auf dieses Gericht, vor welches der heilige Gott uns Alle insgesamt und jeden Einzelnen zieht, weist uns die heutige Epistel. Lasst sie uns vernehmen, wie sie aufgezeichnet steht: 
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-1. Korinther 4, 1-5.\\ 
-**Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren.** 
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-Von Rechenschaft und Gericht handelt unser Text. Er redet von menschlichen Richtern und menschlichen Tagen, vor denen wir zu bestehen haben, von dem Richter, den wir tragen in der eigenen Brust. Wir wollen sie nicht übersehen, nicht geringachten. Denn Gott hat sie uns zu Hütern und Wächtern bestellt und redet auch durch ihr Zeugnis zu uns. Aber über diesem menschlichen Urteil und dieser Selbstbeurteilung steht als höchste, heiligste Instanz das Urteil dessen, der auch das Verborgene ans Licht zieht und den Rat der Herzen offenbart. Sein Urteil gibt der oft so trügerischen menschlichen Meinung, gibt der schwankenden Selbstbeurteilung erst ihre Berechtigung, ihr Gewicht und ihre heilige Norm. 
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-Tue Rechenschaft von deiner Haushaltung, so ruft der heutige Text uns zu; und den heiligen Maßstab dazu gibt er uns an die Hand, indem er uns vorhält :  
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-1) Was uns Gott vertraut hat, \\ 
-2) Was er von uns fordert. 
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-Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine, siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. 
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-=====I.===== 
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-„Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse“. Mit diesen Worten spricht der Apostel es aus, wozu uns Gott gemacht, was er uns vertraut hat. 
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-Dem heiligen apostolischen Amt, dem geistlichen Amt im Dienst der Gemeinde gelten diese Worte zunächst, weiter aber auch jedem Amt, zu dem uns Gott in seinem Reiche berufen. Was er dir auch befohlen und wo er dich hingestellt, steht das fest, dass du deinen Beruf nicht menschlicher Willkür, sondern Gottes Willen verdankst, so steht auch fest, dass du Gottes Haushalter, dass du nicht dir selbst, sondern ihm zu dienen schuldig bist. Von ihm hast du die Kräfte und Gaben, die du fruchtbar machen sollst. Denn, was hast du, das du nicht von ihm empfangen hast, was bist du, was du nicht durch ihn geworden bist, was kannst du, wozu er nicht das Vermögen geben muss? Er hat dir deine Gaben gegeben, er dir deine Aufgaben gestellt. Im Hause und in der Familie, im Staat und in der bürgerlichen Gesellschaft, in der Schule und in der Kirche hat er einem Jeden seinen Platz angewiesen, einem Jeden seine Arbeitsstätte befohlen. Verwalter sollen wir sein über die reichen Güter seines Hauses, des Hauses, das Himmel und Erde, die Natur mit ihren Gesetzen, die Menschenwelt mit ihren sittlichen Ordnungen, das Reich der Gnade mit seinen Gaben und Kräften umfasst. Es sind ja nur verschiedene Gebiete des einen Reiches, das der eine Herr und Gott, der Schöpfer und Erhalter, der Regierer und Erzieher, der Erlöser und Seligmacher mit seinem Geiste durchwaltet, mit seinem heiligen und gnädigen Willen regiert. 
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-Und bist du Haushalter Gottes, so gilt auch von dir, dass du Haushalter bist über „Gottes Geheimnisse“. Gaben und Kräfte sind dir vertraut, die über sich hinaus weisen in eine geheimnisvolle, übersinnliche Welt. Rätselfragen des Daseins und des Lebens umgeben uns auf Schritt und Tritt. Und in dem Beruf insonderheit, dem wir in der Wissenschaft dienen, wo es gilt von den Tatsachen, Erscheinungen und Wirkungen forschend auf den Grund und die Ursachen der Dinge einzugehen, den inneren Zusammenhang des Werdens und des Seins zu erfassen, da stoßen wir allenthalben auf Probleme, an deren Lösung der beobachtende Fleiß und forschende Geist seine Kraft zu erproben hat. Und je höher die Gebiete des Forschens liegen, je bedeutsamer die Lebensaufgaben sind, umso mehr häufen sich diese Geheimnisse. Zumal wo sich's um Lösung der höchsten und heiligsten, für Zeit und Ewigkeit entscheidenden Aufgaben handelt, da werden die geheimnisvollen Rätsel des Daseins zu schmerzlichen Gegensätzen, die Gegensätze zu unheilvollen Widersprüchen. Aber gerade da, wo der menschliche Geist sich unergründlichen Geheimnissen und der menschliche Wille sich unüberwindlichen Schranken gegenübergestellt sieht, wo unsere Erkenntnis ihre ganze Unzulänglichkeit und unsere Kraft ihre ganze Ohnmacht erfährt, da Gott Lob und Preis - sind durch Gottes Gnade die Rätsel gelöst. Da sind die Geheimnisse zu Offenbarungen geworden, in denen Gottes Licht und Kraft sich über uns ergießt. Es ist geschehen in dem, in welchem alle Gottes-Offenbarungen sich vereinigen, alle Gottes-Wege zusammenlaufen, in dem der Abglanz Gottes und das Urbild des Menschen erschienen, in dem das Ebenbild Gottes sich erneut und das Menschheitsideal sich verkörpert in Jesu Christo, dem Gottes- und dem Menschensohn. 
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-„Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ dieses große und tiefe Wort, an welches unser Text unmittelbar anknüpft, lehrt uns die Fülle dessen, was uns vertraut ist, zusammenfassen unter ein Haupt, alle Erkenntnis in Zusammenhang bringen zu der einen Wahrheit, die Verschiedenheit der Gaben in den Dienst stellen des einen Herrn und alle unsere Wege lenken auf das eine Ziel. 
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-Von diesem Haupt- und Mittelpunkt strömt Licht auf alle Wege Gottes, Kraft und Segen auf alle unsere Wege. 
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-So hat Gott uns in Christo, in seiner Kraft und Gemeinschaft seine Geheimnisse geoffenbart. Nur als Diener Christi können wir rechte Haushalter Gottes sein, seine Güter und Gaben nach seinem Willen zur Förderung der gemeinsamen *Wahrheitserkenntnis, des Gesamtwohles der Menschheit, zu unserem Heil verwalten. 
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-Willst du es sein? Willst du ein Diener Christi sein? willst du einstimmen in die Worte des Apostels: „dafür halte uns Jedermann“, dafür halte ich mich selbst, als solcher will ich mich bekennen und betätigen in aller Welt? Euch frage ich, ihr Kollegen und Kommilitonen, euch, ihr Mitarbeiter im Dienst der Wissenschaft, euch, ihr Mitbrüder und Genossen im Reiche Gottes. O lasst diese Frage in Herz und Gewissen euch dringen! Prüft euch vor Gottes Angesicht, wie steht's darin mit euch? Wollt ihr Christi Diener und Gottes Haushalter sein, seid ihr es gewesen? Oder wollt ihr nicht Gottes Haushalter sein, sondern eure eigenen Herren? Habt ihr Christo nicht gedient, ihn nicht bekannt, sondern euch von ihm abgewandt, ihn verleugnet und damit auch gegen den Hausherrn und Hausvater euch aufgelehnt, dessen Haushalter ihr sein sollt? Und ob ihr es mit dem Munde vor Menschen getan, hat euer Herz ihn wirklich zu verleugnen vermocht, den zu verleugnen, von dem mit dem Worte unseres Gottes alle Zeugnisse der Kreatur, alle Stimmen in unserer Brust es bezeugen, dass über allen Gaben er als der einige Geber, über allen Gesetzen er als der einige Gesetzgeber, über allen Wegen der Menschen und der Menschheit er als der einige Leiter und Lenker waltet und thront? Kannst du ihn verleugnen, „du Mensch mit dem Adel der Gottesbildlichkeit an der Stirn, mit der Stimme des Gewissens in der Brust, mit dem Sehnen nach seiner Gemeinschaft im Herzen?“ Kannst du ihn verleugnen, du Christ, dem im Lichte der Offenbarung alle durch die Sünde verwischten Züge der Gotteshand wieder klar und deutlich vor Augen stehen, zu dem unter der Predigt des Wortes alle verworrenen Stimmen der Kreatur wieder laut und vernehmlich reden, du Christ, dem in solchem Licht der Einblick in deines Gottes offenes Liebesherz, in seinen in Christo geoffenbarten Gnadenrat sich aufgetan? O, wenn nur ein Strahl dieses Lichtes in dein Auge gedrungen, wenn nur ein Funke der Gottesliebe dir ins Herz gefallen, kannst du da anders, als dich zu ihm bekennen? Hast du nur Etwas davon erfahren, dass ihn erkennen Seligkeit, ihm dienen Freude und Wonne ist, dass es keine höhere Aufgabe gibt, als forschend seinen Gedanken nachzudenken und seinen Wegen nachzugehen, mitzuwirken, dass sein Name geehrt, sein Reich gefördert, seine Herrschaft ausgebreitet werde: dann wirst du auch diesem Herrn und Gott zu dienen als höchste Weihe und Krone deines Berufes erkennen, da wirst du dich freudig zu ihm bekennen und nicht für alle Reichtümer der Welt, nicht für alle Lorbeeren irdischen Ruhmes, nicht für alle Adelsbriefe der Wissenschaft die Ehrenstellung hingeben, den höchsten Beruf dir schmälern lassen: „Christi Diener zu sein und Haushalter über Gottes Geheimnisse,“ über die Schätze, die er uns vertraut. 
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-=====II.===== 
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-Steht es so, sind wir die Diener, er der Gebieter, wir die Haushalter, er der Herr, da hat er auch Macht und Recht, von uns Rechenschaft zu fordern, da sind wir gebunden und verpflichtet, sie ihm abzulegen. 
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-Viel hat er uns vertraut, was aber fordert er von uns? Haushalter sind wir. Nun aber fordert man vom Haushalter nicht mehr, denn dass er treu erfunden werde. Nicht mehr und nicht weniger - hier haben wir die haarscharfe Waage, auf der er uns wiegt. Nichts anders fordert er als die Treue, nicht das Andere, worauf die Menschen bei ihrem Urteil Gewicht legen, nicht hohe Gaben, glänzende Erfolge, einen weithin strahlenden Ruhm, nicht das, wonach wir selbst unsere Arbeit schätzen, nicht Freude, Lust, Befriedigung im Gefühl der eigenen Kraft. Das sind edle, hohe Gaben, Segnungen und Früchte. Aber die Gaben kommen von Gott. Segen und Fruchtschaffen steht bei ihm. Weil wir's nicht in unserer Hand haben, so fordert er es auch nicht von uns. Was er aber von uns fordert, von einem Jeden ohne Ausnahme und Unterschied fordert, das ist die Treue in der Verwaltung der Gaben, in der Verwertung der Kräfte, die er uns vertraut. Er fordert's in jedem Beruf, er fordert's auch im Lehr- und Lernberuf. 
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-Seist du ein Schüler und eine Schülerin, seist du Lehrer oder Erzieher, seist du ein Jünger der Wissenschaft, seist du Leiter und Führer im akademischen Beruf, er fordert von dir das Eine, die Treue. Treuen Ernst und Fleiß bei deiner Schularbeit, Treue im Dienst des Gehorsams, der Pietät gegen Eltern, Lehrer und Erzieher, Treue im Kampf gegen Trägheit und Trotz, gegen Leichtsinn und Übermut. Treue fordert er von dem Jünger der Wissenschaft, Treue in der Verwertung der Zeit, in der Ausbildung der Gaben, in der Sammlung von Erkenntnis, in der Vorbereitung für den zukünftigen Beruf. Treue fordert er vom Lehrer und Erzieher, vom Manne der Wissenschaft und akademischen Führer, Treue in der Hingabe an den Dienst des Berufs, in der Förderung der Wissenschaft, in der Leitung der uns vertrauten Jugend. 
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-Und nicht nur auf gewissenhafte Pflichttreue in der Arbeit überhaupt, auf den Geist und Sinn der Arbeit sieht er. Nicht nur im Hinblick auf das Urteil der Menschen und die Prüfung menschlicher Tage sollen die Lernenden das Ihre tun, nicht nachdem die akademische Jugend zuerst den Genuss als Hauptaufgabe angesehen, gilt es eilig in träger Hinnahme, in gedankenlosem Aneignen des Wissensstoffes auf das nächste Ziel sich rüsten; im akademischen Lehramt nicht auf dem Gewonnenen ruhen und das stete erneute Schöpfen aus den Quellen der Erkenntnis, das stete frische Gestalten zu versäumen; auch nicht nur augenblicklichen Einfällen und Launen folgen, sondern in anhaltendem Ernst der Geistesarbeit sich in den Gegenstand der Erkenntnis vertiefen, - nicht nach Willkür den Stempel des eigenen Geistes den Dingen aufprägen, nach selbstgesetzten Zwecken sie formen und modeln, sondern in treuem Wahrheitssinn den Gesetzen und Ordnungen folgen, die dem unbefangenen Geist ihr Wesen offenbaren. 
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-So im Ernst der Selbstzucht, in der Hingabe der Liebe, in der Empfänglichkeit des Glaubens gilt es die Treue in der Arbeit bewähren. Ja, meine Brüder, der Glaube im allgemeinsten und im höchsten Sinn des Wortes er ist so sehr die Bedingung rechter Wahrheitserkenntnis, ist so ganz mit der Treue eins, die Gott von uns fordert, dass im Urtext Glaube und Treue mit einem und demselben Wort bezeichnet wird. Gott, sich selbst und dem Nächsten treu sein - das macht den rechten Haushalter Gottes. Wer Gott treu ist, der ist wahr und fördert Gottes Ehre an ihm selbst. Wer sich selbst treu ist, der ist fest und stark in der Freiheit, zu der ihn die Wahrheit befreit. Wer dem Nächsten treu ist, der wandelt in der Liebe und fördert das Reich Gottes unter den Brüdern. 
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-Das, meine Lieben, ist es, was Gott an uns sucht, was er von uns fordert, wonach er uns einst richten wird. Auf dieses Gericht weist auch der Apostel, auf den Richterstuhl dessen, „der auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und wird den Rat der Herzen offenbaren“. Also Offenbarung ist zunächst sein Gericht, Offenbarung dessen, was sich hier vorbereitet, was Gott uns voraus erfahren lässt in den Stunden der Selbstbesinnung und Selbstprüfung, in denen wir uns vor Gottes Angesicht stellen, oder in Stunden, wie sie uns oft ungerufen kommen, da Gottes Hand uns ins Herz und Gewissen greift, wo längst vergangene Erlebnisse und Taten, Verschuldungen und Versäumnisse, plötzlich, wie aus dem Grabe erstehen, dräuend uns vor die Seele treten und uns auf das Gericht des heiligen, lebendigen Gottes hinweisen, oder wo etwa sonst ein Grab in unserer Mitte sich auftut und der, welcher ins Grab gesunken, mit bleichen Lippen eine Sprache zu uns redet, vor der das Herz erbebt und die Seele erzittert? So ist's auch jüngst unter uns geschehen((Es war kürzlich ein Selbstmord in der Gemeinde vorgekommen.)). Und wo ein Warn- und Bußruf so gewaltig an uns ergeht, wie sollten und dürften wir hier davon schweigen! Nicht über den, der vor Gott steht, durch den dieser Ruf an uns ergeht, geziemt's uns abzuurteilen. Da gilt das Wort, „richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt“. Aber an uns, an eure Kreise, ihr Kommilitonen, insonderheit wendet sich diese erschütternde Predigt. An die Versuchungen mahnt sie, die euch bedrohen, wo die leicht erregbare Jugend zuerst zu Fleischesdienst und Genusssucht verlockt wird, und dann die Sünde, mit der man gespielt, zum Herrn, und die Leidenschaften, denen man gefrönt, zu Tyrannen geworden, und all die bitteren Früchte und unheilvollen Folgen des fleischlichen Wesens dräuend und schreckend vor die Seele treten und die arme halt- und glaubenslose Seele, von Missglauben und Verzweiflung gepackt, dann im Sturm dem Verderben entgegengeführt wird, da gilt es wahrlich aus der Tiefe rufen: „Herr, führe uns nicht in Versuchung“, ebenso aber auch wachen und beten, dass wir nicht Andere in Versuchung führen. Die Treue, die ihr einander gelobt in dem Bund der Freundschaft, in den Gemeinschaften der Jugend, habt ihr sie einander recht gehalten? Seid ihr einander wie Freunde und Genossen, so auch Wächter und Hüter, Förderer und Helfer, die sich gegenseitig den Halt und die Stütze bieten, deren gerade die Jugend so sehr bedarf? Wohl hat so mancher in euren Kreisen solchen Halt gefunden in treuem Freundesrat und ernster Freundeszucht, der den Leichtsinnigen zum Ernste mahnt und dem Zagenden den Mut erneuert. Aber müsst ihr nicht auch, Angesichts des Geschehenen, euch vielfach dessen anklagen, dass so Manchem, der durch die unter euch im Schwange gehenden Unsitten in wüstes Wesen hineingezogen und zu Ausschreitungen aller Art verleitet ward, wo die vergeudete Kraft zusammen zu brechen drohte, - kein anderer Zuspruch ward als der: „da siehe du selbst zu“, und keine andere Zucht, als die in Spott und Hänselei geübt wird, und er vergebens nach einem Halte ausschaute, der den Sinkenden stützen, an dem der Schwankende sich aufrichten und der Verirrte sich zurechtfinden konnte? 
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-Es sind das gar ernste Gewissensfragen, die unausweichlich in die Herzen der Jugend, ebenso aber auch in die Gewissen ihrer Leiter und Führer wiederum von Gott hineingerufen werden. Lassen wir uns ein Jeder mahnen an das, was er verschuldet und versäumt, gedenken wir des Tages, da wir Rechenschaft ablegen werden vor dem, dessen Gericht Offenbarung und Enthüllung ist, aber ebenso auch Vergeltung. 
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-Was hier im Zeugnis des Gewissens, in den Geschicken des Lebens sich allmählig vorbereitet, es wird dort ewig und unwiderruflich sich erfüllen. Was der Mensch säet, das wird er ernten; wir werden empfangen, wie wir gehandelt bei Leibesleben. „Da wird einem Jeden von Gott Lob und Lohn widerfahren“. Es wird dieses Wort sich erfüllen in dem Reichtum seines unvergänglichen Trostes, aber auch in dem ganzen Gewicht seines furchtbaren Ernstes. Und der Maßstab, nach dem gerichtet wird, er ist und bleibt der eine, der Alles in sich schließt. Treue oder Untreue, im ganzen Umfang und Gewicht ihrer Bedeutung, entscheiden unser ewiges Los. 
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-Dem lasst uns nachdenken! Wahrlich, es ist es wert! Wonach wir gerichtet werden, danach lasst uns richten unser Sein und Wesen! Und was uns als Richtschnur gegeben für Denken und Handeln, dem lasst uns folgen mit ganzem Ernst und voller Kraft in allem unseren Wandel! Nach der Treue lasst uns streben! Und der Herr, unser Gott, er hat es uns verheißen: die Treue, die er von uns fordert, die wird er uns erweisen. Den Demütigen gibt er Gnade, den Aufrichtigen lässt er es gelingen. In der Treue, die da eins ist mit dem Glauben, ergreifen wir seine Hand. Und in der Treue, die da eins ist mit der Gottes Gnade, wird er uns halten und führen, wird uns Freudigkeit geben, zu stehen in seinem Dienst, zu arbeiten an seinem Reich, Freudigkeit auch auf den Tag des Gerichts, zu bestehen vor seinem Angesicht. An seine Treue wendet sich unser Vertrauen, - so schauen wir zu ihm auf, so beten wir einmütig: 
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-Ach, bleib mit deiner Treue\\ 
-Bei uns, mein Herr und Gott;\\ 
-Beständigkeit verleihe,\\ 
-Hilf uns aus aller Not! 
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-Amen. 
-{{tag>3_Advent}} 
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-======Hörschelmann, Paul Eduard - Dritter Advent - Im Reiche Gottes hängt alles von der Treue ab.====== 
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-=====Altar-Gebet===== 
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-So finde er Jeden unter uns auch einst durch Deine Gnade, ewiger und barmherziger Gott! Das erflehen wir von Dir heute, da Deine Macht und Treue uns diesen Einen Tag zu unserer Gnadenzeit hinzufügt, und Dein teures, heiliges Evangelium uns abermals verkündigt werden soll, um das Reich Deines lieben Sohnes fester zu gründen in unseren Herzen und. in unserem Wandel. Wende uns seinen ganzen Segen zu, Du reicher Geber aller heiligen Güter, in dem wir Alles haben, was wir an Leib und Seele bedürfen, und dem wir täglich und stündlich zu danken haben, für alle Deine Gnadengaben, die Du uns zugewandt hast, als allmächtiger Schöpfer unseres Lebens und Vater aller Dinge, und als Erlöser Aller, die Dich auf Erden anrufen, in Deinem eingeborenen Sohne, unserem Herrn Jesu Christo, und als der da heiligt die Gläubigen allzumal durch Kraft des Heiligen Geistes, ausgesandt uns zum Trost und zur Lehre und zur Kräftigung im Dienste Deines Reiches. Fördere denn auch heute dieses Dein Werk an unseren Seelen, dass sie Deinen Frieden lieben und ihn suchen lernen mit Ernst und frommer Treue! - Ach, Herr! den Mangel frommer Treue und des rechten Ernstes für Dein Reich bekennen wir auch heute vor Deinem Thron! bekennen die Sünde, die vielfach dadurch in unser Leben eingetreten ist und unsere Herzen schwer belastet, und bitten Dich: vergib sie uns in Jesu Christo, damit wir in Deiner erneuerten Gnade auch die Kraft gewinnen, Dir mit neuem Gehorsam dienen und Deinem Reiche alle unsere Treue weihen. Erhöre uns um Jesu Christi Willen! Amen. 
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-=====Predigt über 1. Kor. 4,1-5.===== 
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-Darf denn ein Mensch so sprechen, wie es hier gelautet hat? Ziemt sich denn uns, bei unserem dürftigen, schwankenden, vielfach getrübten Leben in Christo, solche rein freudige Aufblicke zu tun, als hier geschehen, und einen Himmel für uns offen zu sehen mit seiner Seligkeit, mit seinem Trost und Frieden. Wo nimmt denn Jemand von uns die süße Ruhe, bei dem Gedanken an den, der da kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten, noch von einem Lohne zu träumen, der ihm zufallen könnte und das aus einer Hand, die heilig und rein ist? - Da siehe doch Dein Leben darauf an, Dein ganzes Werk und Wesen, wer Du auch sonst seist unter den Kindern der Zeit, oder wie hoch sie Dich stellen im Reiche Gottes, ob Dir dabei jemals anders zu Mute werden könne, als wie, nach dem Worte des Herrn zu erwarten steht, da Er spricht: Wenn Ihr nun Alles getan habet, was Euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, das wir zu tun schuldig waren! So lange das unser Schmerz im Leben ist, mit Paulus sprechen zu müssen: Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute finde ich nicht!- und so sprechen zu müssen, die Augen mögen hingehen, in welche Kreise Deines Lebens es auch sei, so wird sich auch, wo wir von einem Lohne reden hören, desselben Apostels Wort uns in den Weg drängen, da es heißt: Ja! lieber Mensch, wer bist Du denn, dass Du mit Gott rechten willst! - Es ist nicht fein, aus Einem Munde Beides gehen zu lassen, nämlich das tägliche Gebet und Flehen: Herr! gehe nicht mit mir ins Gericht! und daneben doch auch bisweilen das Wort: Herr, reiche mir nun meinen Lohn dar! 
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-Das soll kein Tadel sein für den Sänger des Liedes, sondern eine Warnung für die, die es ihm nachsingen. Der brauchte zwar auch das übellautende Wort, aber in seinem Munde hatte es seine Bedeutung verloren und sollte nichts sein, als ein freies Geschenk der Gnade Gottes, in der gläubigen Hoffnung von ferne her erschaut, auf welche wir Alle bauen und bauen dürfen, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, und hat sein Leben uns zum Pfand gegeben, dass wir Gottes Gnade hätten! Ja! so söhnen wir uns aus mit diesem Worte! So duldest Du es auch in unserem Munde, Du unser Herr und Richter! Bist Du nur allzeit unsere Zuversicht, und lässt die Seele nur von Dir im Glauben nicht, so wirst Du es machen, weit über Alles, was wir bitten und verstehen und verdienen! In Deine Hände befehlen wir unseren Geist und Dir zum Eigentume geloben wir unsere Herzen. Mache Du, Herr, dass sie stets in der Treue gegen Dich erfunden werden mögen, und lass nach Deiner Gnade und Barmherzigkeit diese allen unseren Mangel vor Dir bedecken! Amen! 
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-Auch zu solchen Gebeten würde es uns an Mut gebrechen, flößte nicht das Gotteswort uns denselben ein! Wir haben aber ein solches, welches uns gerade zur Feier des dritten Advent- Sonntages in unserer Festepistel entgegen tritt, die zu lesen ist: 
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-1. Kor. 4,1-5.\\ 
-„**Dafür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage, auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt: Der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren, alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob wiederfahren.**“ 
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-Ihr seht, Geliebte, aus diesen Worten des Apostels seht Ihrs aufs Neue, was vielfach unserer Seele großer Trost, wenn auch noch lange nicht der einzige oder höchste ist, nämlich, dass im Reiche Gottes Alles von der Treue abhängt. 
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-Bevor wir den Gedanken weiter entwickeln und die darin ruhenden Schätze christlicher Erbauung uns aneignen, lasst mich nur Eines vorausschicken, zur Verwahrung und Verwarnung dawider, dass nicht Jemand glaube, wir führten durch dieses Wort im Reiche Gottes nur eine Münze vom neuen Gepräge ein statt der alten, durch das Evangelium für ungültig erklärten, welche die Welt sonst in die Hand nahm, um sich das Reich Gottes mit seinen Freuden, seinem Frieden und seiner Seligkeit zu erkaufen. Damals war alles Vertrauen auf die Werke gesetzt, sogar auf die, so der Mensch abtun und erfüllen kann, ohne einmal mit dem Herzen dabei zu sein, wenigstens auf solche, die aus den natürlichen Regungen eines noch nicht völlig verhärteten und verstockten Herzens hervorgegangen waren, ohne alle Rücksicht darauf, welcher Geist über den Tiefen desselben schwebte, und ob es irdische oder himmlische Kräfte waren, die sich drinnen regten. Meinst Du die hätten bestehen können vor dem Flammenauge des Gottessohnes? Siehe die Blumen auf dem Felde an; wenn sie in der Dürre stehen, so heben sie wohl auch für eine kleine Zeit ihre welkende Häupter auf, wenn eine stille Nacht sie mit Perlen des Taues bestreut hat; trifft aber der Senne heißer Strahl sie, so ist es mit der Hoffnung aus, und auch die letzte, arme Blüte fällt dahin. Sind sie aber gewurzelt in einem Erdreich voll treibender Kraft, die ihm der Himmel gegeben hat, so färbt derselbe Strahl sie nur noch schöner, als zuvor. So sind die guten Werke auch, je nachdem sie her sind; entweder von außen Deinem Leben angesetzt, als sein Schmuck und seine Zierde, oder von innen hervor getrieben, durch himmlische Kräfte, durch Kraft des Gotteswortes, durch Kraft der Gemeinschaft mit dem Gottessohne, durch Kraft des heiligen Gottesgeistes. Ja! da mögen sie wohl bestehen und sich immer schöner vollenden, nur dass Dir dabei stets im Gedächtnis bleibe, dass sie dann nicht Deine Werke sind, sondern Gottes, dessen, der da heißt ein Gott des Friedens, der allein Euch fertig macht in allem guten Werk, zu tun seinen Willen, und in Euch schafft, was vor ihm gefällig ist durch Jesum Christum! In diesem ist Deiner Seele einziger oder höchster Trost. Hast Du Ihn nicht in völligem Glauben bei Dir wohnend und in Dir wirkend, waltend und regierend, so ist Deine Hoffnung ewig eine eitle, ob Du sie auch bautest auf eine noch so große Summe Deiner Werke, die ja doch, so lange sie bloß Dein sind, weder an Zahl, noch an Art, weder an Umfang noch an Inhalt Dem genügen können, der allein heilig ist, ja wirklich Dir selbst nicht genügen in jeder schöneren ernsteren Stunde Deines Lebens, wenn Du im Lichte des Evangeliums Dein Leben und Wesen betrachtest; oder wenn sich Dein Auge eben an dem Anblick der Herrlichkeit geschärft und geläutert hat, die Dir in dem Sohne Gottes entgegen leuchtet. Wendest Du Dich nun ab mit Deinem Vertrauen von den Werken, die Dir selbst und Dir allein gelungen sind, und meinst, weil wir sagen: Im Reiche Gottes hängt Alles von der Treue ab! Du könntest durch erhöhte Treue den Mangel der Werke ersehen, so hast Du nur Werk gegen Werk vertauscht, und dienst unter einem andern Namen demselben Herrn, wie zuvor, nämlich Dir selbst, und hast wieder Dein Vertrauen auf Deine eigene Kraft gesetzt, nämlich auf die Kraft Deines Willens, was immer nichts Anderes ist, als sein Haus auf Sand bauen, wie das vorige auch darauf gebaut war. Unsere Meinung in der Sache konnte aber, so weit sie evangelisch ist, keine andere sein, als die, dass im Reiche Gottes insofern Alles von der Treue abhängt, als nur nach dem Maße der Treue, die Du übst, die rechte Stellung für Dich gefunden sei gegen Welt und Himmel, gegen Gott und die Menschen. Lass Dich nicht wundern, dass wir auch für das Reich Gottes und in Beziehung auf seine Angelegenheiten von dieser deiner Stellung zu Welt und Himmel reden. Notwendig ist es nicht, dass Beide in dieser Rücksicht einander feindlich entgegen gesetzt wären, wie Viele wähnen. Die Welt ist ja des Herrn und der Himmel ist sein. Jene trägt die Spuren seiner Herrlichkeit dem leiblichen Auge sichtbar an sich, und dieser enthüllt sie dem, aus dem Himmel stammenden Geiste, in einer Klarheit und in einem Lichte, das uns überwältigt, wenn wir aus dem irdischen Dunkel in dieses Meer von Glanz einen Blick tun. Die Welt ist der Vorhof des Himmels, das arme, dürftige, aber liebe Elternhaus, die enge Schule, in welcher unser Geschlecht seines Daseins Kindheit und Jugend zubringt, unter strenger und mühseliger Übung, um sich geschickt zu machen für höhere Kreise. Aus der Welt nimmt und wählt Gott die Bürger seines Reiches, die ganze, selige Schar der Verklärten. Und dazu noch ist die Welt in ihrer Dürftigkeit geehrt, verherrlicht und geheiligt worden durch den Eintritt dessen in ihre Kreise und in die Gemeinschaft ihres Lebens, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Wäre es notwendig, dass in der Welt nichts Himmlisches gedeihen könnte, so hätte auch der Sohn Gottes, da Er unter uns wohnte, seine göttliche Herrlichkeit nicht in diesen Kreisen ungetrübt bewahren mögen, oder er wäre nicht allerdinge seinen Brüdern gleich geworden und nicht in die volle Lebensgemeinschaft derer eingetreten, die in der Welt sind, wovon das Eine und das Andere gleich sehr der Heiligen Schrift und unserem Glauben zuwider ist. Sondern die Feindschaft tritt erst da ein, wo Jemand die rechte Ordnung verkehrt; also wenn Dir die Welt Eins und Alles ist, wenn sie Dir aus des Daseins Wiege seine bleibende Stätte und sein Ziel geworden ist; wenn Dein Sinn, Dein Sein und Wesen nicht mehr ist ein freies, fröhliches unaufhaltsames Streben himmelan, nicht mehr vergleichbar dem Wuchse des kräftigen Stammes, welcher in der Erde wurzelnd, wo sein Keim hingelegt ward, doch die Krone emporhebt und Äste und Zweige mit ihren Blüten und Früchten, dem Himmel entgegen treibt, sondern vergleichbar ist dem verächtlichen Kraute, dessen Schösslinge alle im Staube kriechen und die Erde ängstlich umschlungen halten. Von solchem Sinne und Wesen gilt des Apostels Wort: Wisst Ihr nicht, dass der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist! Drum ermahnt er und spricht: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters! So gibt es also in der Welt eine Stellung, die die rechte ist nach beiden Seiten hin, nämlich gegen Welt und Himmel. Und dass diese darin zu fassen sei, dass wir treu erfunden werden, das meinen wir, wenn wir sagen, im Reiche Gottes hänge Alles von der Treue ab. Beweis und Zeugnis für dieses Wort ist der Apostel in unserem heutigen Text, als welcher ja wohl wissen konnte, was uns für das Reich Gottes Not tue. Freier kann man wohl das Wort nicht dahin stellen, als er es hier tut. Denn nachdem er gesagt hat, wofür uns Jedermann zu halten habe, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse, spricht er ohne alle Beschränkung: Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden! - so dass sich dieses sein Wort gar nicht rechtfertigen ließe, wenn sonst noch etwas im Reiche Gottes über uns entschieden, und er hätte uns dasselbe dennoch an dieser Stelle verschwiegen, da er frei und öffentlich redet. Und umso weniger ist zu besorgen, er habe uns hier etwas vorenthalten, da wir ja ein gleich lautendes Wort aus dem Munde des Herrn selbst auch haben, welcher spricht: O! wie ein groß Ding ist's um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! So müssen wir wohl darauf bestehen, im Reiche Gottes hange Alles von der Treue ab, und nach dem Maße, als sie daran gesetzt und geübt ist, sei auch die rechte Stellung gefunden gegen Welt und Himmel, gegen Gott und die Menschen. Ja! gegen den zuerst, der auch des Himmels Herr und Haupt ist! Oder war es denn etwas anders, als eben diese Zuversicht, was den Apostel Paulus in unserem heutigen Text weit über alles Urteil der Menschen hinweg hob, so dass er es für ein Geringes achtete, von ihnen gerichtet zu werden! Was war denn seiner großen Freudigkeit Grund und Wurzel, mit welcher er sich dem Machtspruche der Welt über seine Tätigkeit im Reiche Gottes entnommen, jedem menschlichen Spruche unzugänglich und allein den Händen seines Herrn hierin überantwortet sah, ihn zu richten, wenn es nicht das war, was er eben zuvor gesagt hatte, dass an ihn, als den Haushalter über Gottes Geheimnisse nur eine Forderung von dem Herrn gemacht werde, die nämlich, dass er treu erfunden werde! Welche Hoffnung lebte ihm in seinem Herzen, wenn er freudig ruft: der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren! welche andere Hoffnung, als die, sein Herr werde das treue Herz zu erkennen wissen, dass er ihm darzubringen habe, werde zu scheiden wissen die Kraft von dem Rate, werde nicht die Erfolge messen oder wägen, sondern die Liebe für seinen Dienst und den treuen Sinn für seine Sache ansehen und danach ihn richten und ihm Lob widerfahren lassen! Und ob Du nun sagen wolltest: so baut also doch der Apostel, der nichts von sich wissen und rühmen will, auf sein Selbstwerk, auf den Ruhm seiner eigenen daran gesetzten Treue, und lässt mich trostlos stehen, der ich so fern davon bin, ihm an Größe des Werkes und an reiner Treue für den Dienst des Herrn zu gleichen? so hast Du nur hierin Recht, dass er Dir weit voraus ist in Beidem, sonst aber in nichts. Er baut nicht auf sich, nicht auf sein Verdienst und Würdigkeit, sonst müsste er glauben, der Mangel der Werke, den er wohl fühlt, durch die daran verwandte Treue ersehen zu können. Mitnichten aber! Ersetzt wird solcher Mangel nicht durch die bewahrte Treue für die Sache; aber er wird nur bedeckt dadurch, und das tut nicht der Mensch, sondern sein himmlischer Richter, und tut es aus lauterer Gnade und Barmherzigkeit. Es ist Seine Ordnung, dass Er nicht mehr an seinen Haushaltern sucht, als dass sie treu erfunden werden; es ist seiner unendlichen Liebe Werk, dass er sich hierin genügen lassen will; gleich wie wir an dem Sohne einen Hohenpriester haben, der mit unserer Schwachheit Mitleid hat, so tut es auch der, der ihn zu uns gesandt hatte. Und wer ihm hierin fest vertraut mit völligem Glauben und alle Zweifel samt der Furcht von sich getan hat, der ist in seinem Glauben selig und vor ihm gerechtfertigt, weil er auf die Gnade des Herrn trauet und nichts in Anspruch nimmt, als seine Barmherzigkeit! und eine andere Stellung im Reiche Gottes gebührt Dir auch nicht gegen Welt und Menschen, was ferner zu erwägen war, wenn wir das Wort bedenken: Im Reiche Gottes hängt Alles von der Treue ab! Zwar weiß ich, gerade die Welt und die Menschen, sie wollen am wenigsten von diesem Worte wissen. Sie drängen sich dazu, auch im Reiche Gottes Richter zu sein Einer über den Anderen, und weil sie nur Augen haben, zu sehen, was sich in Worten und in Werken, an Früchten und Erfolgen in lebendiger Wirklichkeit vor ihr Angesicht hinstellt, so glauben sie nicht, dass es überhaupt einen Dienst im Reiche Gottes gebe, dem sich die Herzen geweiht haben, wiewohl die sichtbaren Spuren davon entweder überhaupt noch nicht, oder noch nicht in solcher Fülle und Menge hervortreten, als ihre Schaulust sie verlangt. Gerade so geht es ja auch im Evangelio des heutigen Tages zu, dem unsere Epistel als Ergänzung dienen soll. War es denn etwas Anderes, als eben dieses, was Johannes den Täufer antrieb, aus dem Gefängnisse Boten zu senden und den Herrn zu fragen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Zu sagen, wie man das oft hört: Er wollte seine, vor Warten der Dinge im Glauben ermüdenden Jünger stärken! kann doch kaum genügen, denn wie die Sachen standen, konnte wohl diesen kein anderes Wort noch eindringlicher und überzeugender sein, als ihres eigenen Meisters Wort und Erklärung. Aber in seinem dunklen Kerker war eine finstere Stunde über ihn gekommen, wie sie ja im Leben der Menschen mehr oder weniger oft wiederkehrt, da sich der fromme Glauben in seinem heiteren Lichte auf eine Zeit lang in der Seele trübt, da sich das Gemüt beklommen fühlt von einer inneren Verdunklung und der Geist sich für einen schweren und bangen Augenblick verlassen fühlt. Auch Männer Gottes haben solche Kämpfe zu bestehen, um sich durch Kampf und Sieg zu bewähren. Ihm schien die stille, und scheinbare Wirksamkeit des Herrn zu wenig für den Dienst im Reiche Gottes. Er verstand die verborgene und tief dringende Tätigkeit seines Herrn in den Seelen derer nicht zu würdigen, die zuerst bereitet wurden, zu Gehilfen seines Werkes. Ihm war verborgen der unermesslich reiche Schatz der Treue, der des Herrn ganze Seele ausfüllte, dass sie für nichts zu leben wusste, als für das Himmelreich, das er zu gründen gekommen war. Ihm fehlte noch der Anblick seiner Werke in der äußeren Welt, und die innere, die sich schon zu bilden anfing, um sich bald aufzutun vor allem Volke, war seinem Auge noch verschlossen. Er urteilte also, wie Welt und Menschen tun, die die Augen nach allen Seiten hinwenden und fragen: was ist denn nun geworden? da ja doch jedes Werden erst lange ein verborgenes ist, gleich dem Samenkorn in dem Schoß der treuen Erde, an welchem längst ein Werden stattgefunden hat, ehe das Auge was davon sieht. Wenn nun aber der Herr auf solche Frage dessen, der vor Ihm hergehen sollte, auch nichts Neues zu sagen hatte, als was Alle längst wussten, und Johannes mit ihnen, dass die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Toten auferstehen und den Armen das Evangelium gepredigt wird; wenn er sogar für jetzt auch nichts Neues und nichts Gewisses einmal zusagt, sondern nur spricht: Selig ist, der sich nicht an mir ärgert! so siehst Du wohl, wie er gegen Welt und Menschen auch auf nichts verweist, als auf die stille, unerkannte Treue, die ihm im Herzen wohnt für das Reich seines Vaters, und die in sich selbst Bürgschaft trägt, sie werde ihrer Zeit sich in Tat und Wirklichkeit in vollem Segen bewähren, und lernst an ihm, gleichwie an seinem Apostel, Dich selbst über das Urteil der Welt und der Menschen getrösten, bei dem bewahrten Kleinod der Treue für die heilige Sache. Bist Du Dir dessen bewusst, so lass Deine Seele stille sein, ob sich auch Viele an dir ärgern sollten. Der Welt und den Menschen zu genügen durch Tat und Werke ist ohnehin unmöglich! Sie wissen nichts, als über alle Kraft hinaus stets neue zu fordern! So halte denn an der Treue im Dienst des Reiches Gottes, halte daran mit stiller Seele und festem Mut! Mache Deine Rechnung auf des Herrn Gnade und Barmherzigkeit, denn Er nimmt die Treue in seinem Dienste anstatt vieler Werke, die Dir noch nicht gelingen wollen! Lass Deines Herzens Wahlspruch sein: Meinen Jesum lass ich nicht! dann wird Er's wohl machen, und Dir helfen sein Reich bauen, um seinen Himmel zu erben. 
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-Das wollest Du tun, Du Herr und Haupt des Reiches voller Frieden. 
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-=====Schluss-Gebet.===== 
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-Ja! wer's spricht und nach dem Worte tut, allezeit und mit Freudigkeit! Herr! hierin stehe Du uns bei! Wir wissen es, in Deinem Reiche hängt alles von der Treue ab! Du prüfst die Herzen, und erforschst, ob wir es redlich meinen, und weißt, ob sie an dir hangen oder sich einem andern Herrn zugewandt haben! Erhalte uns Dir bei Dir und lass Dein Wort in seiner ganzen Macht und Stärke in uns bleiben, damit wir Dir zum Eigentum zufallen mit aufrichtiger Freudigkeit der Herzen! In Dir sei unser Heil allein in Zeit und Ewigkeit! Amen! 
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-======Kapff, Sixtus Carl von - Am dritten Sonntag des Advents.====== 
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-Text: 1 Kor. 4, 1-5. 
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-**Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der HErr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der HErr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren.** 
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-Der HErr kommt! ist ein wichtig Wort \\ 
-Für Christi Untertanen; \\ 
-Es soll die Seinen immerfort \\ 
-An seine Zukunft mahnen. \\ 
-So werden sie in Angst erfreut, \\ 
-So werden sie vor Sicherheit \\     
-Durch ihren HErrn bewahret. \\ 
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-Von diesem Kommen des HErrn haben wir vor acht Tagen gesprochen, und zwar von seiner andern Zukunft oder von seinem zweiten Advent, zum Gericht über den Antichristen und zur Stiftung seines herrlichen Friedensreiches auf Erden. Auf den zweiten Adventssonntag folgt heute der dritte und veranlasst uns, über den dritten Advent des HErrn, auf den unsere Epistel hinweist, nachzudenken. Dass wir einen zweiten und dritten Advent des HErrn unterscheiden, hat vielleicht für Manche etwas Auffallendes, aber es treibt uns dazu eine genauere Betrachtung der Bibelstellen, die von der Zukunft des HErrn handeln. Matth. 24 und 25 hat JEsus selbst als die drei Hauptereignisse der Zukunft folgende unterschieden: 1) die Zerstörung Jerusalems oder das Ende des Judentums; 2) das Kommen Christi in den Wolken zum Gericht über alles Antichristentum, das Ende der beständigen Bekämpfung Christi durch die Welt; 3) das Kommen Christi mit allen Engeln zum allgemeinen Weltgericht, das Ende der Welt. 
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-In der Offenbarung Johannis werden die Zeiten zwischen diesen drei Hauptzeiten näher geschildert, und zwar so, dass zwischen der Zerstörung Jerusalems und dem zweiten Advent Christi die wichtigsten Ereignisse der 1800 Jahre, die jetzt verflossen sind, angedeutet werden, zwischen das zweite und dritte Kommen Christi aber das herrliche Friedenskönigreich gestellt wird, in welchem der Satan gebunden ist und die Heiligen mit Christo als dem einzigen König der Erde leben und regieren werden tausend Jahre, nach deren Verfluss dann erst der dritte Advent Christi zum allgemeinen Weltgericht erfolgen wird. Diese Unterscheidung ist so schriftmäßig, dass alle einsichtsvolleren Schriftforscher, die sich mit den zukünftigen Dingen beschäftigten, sie als Grundanschauung festhalten. Die Apostel nahmen in ihren Ermahnungen gewöhnlich Beides zusammen in dem Ruf: der HErr ist nahe, das Ende kommt, die letzte Zeit ist da. Und allerdings ist schon die andere Zukunft Christi ernstlich genug, um uns, wie wir letzten Sonntag sahen, zu festem Glauben und heiliger Liebe zu treiben! Aber doch liegen wieder ganz besondere Gedanken und Antriebe in der Lehre vom dritten Advent Christi zum allgemeinen Weltgericht, wo Er nach unserem Texte auch die geheimsten Gedanken ans Licht bringen und Alles richten wird. Darüber wollen wir jetzt weiter nachdenken, indem wir unter dem Segen des HErrn nach unserem Texte betrachten,  
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-Was der dritte Advent Christi uns predige: 
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-  - seid getreu bis in den Tod und wandelt im Licht,  
-  - richtet nicht vor der Zeit und achtet nicht das Ansehen der Menschen. 
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-Hilf, Gott, dass ich in Zeiten \\ 
-Auf meinen letzten Tag \\ 
-Mit Buße mich bereiten \\ 
-Und täglich sterben mag. \\ 
-Im Tod und vor Gerichte \\ 
-Steh' mir, o JEsu, bei, \\ 
-Dass ich im Himmelslichte \\ 
-Zu wohnen würdig sei. Amen.  
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-=====I.===== 
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-Im Anfang unserer Epistel sagt Paulus, das, worauf es in jeder menschlichen Rechenschaft und im göttlichen Gericht vor Allem ankomme, sei Treue. „Nun sucht man nichts mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden.“ Haushalter über Gottes Geheimnisse und Christi Diener, wie er sich nennt, sind allerdings zunächst die Lehrer, aber auch alle Gläubigen, deren höchster Beruf der ist, dass sie Christo dienen in allem ihrem Wandel, und deren höchste Ehre die ist, dass ihnen die Geheimnisse Gottes anvertraut sind, die tiefen Wahrheiten unseres allerheiligsten Glaubens und alle Rechte Gottes, der ewige Liebesvorsatz Gottes mit Welt und Menschheit in Christo JEsu, und Alles, was zu dem großen Werk der Beseligung der Menschheit gehört. Das Alles haben Gläubige für sich, aber auch zur Mitteilung an Andere empfangen, und es kommt nun darauf an, wie wir damit haushalten, wie wir die Gnadenmittel, das Wort Gottes, die heiligen Sakramente, das Gebet, die Gemeinschaft der Heiligen benützen, im Glauben lebendig, in der Liebe hingebend, in der Hoffnung unbeweglich sind, kurz, wie wir den Heilsweg auf eine für uns und für Andere förderliche Weise wandeln. Darnach wird im Gericht gefragt. 
- 
-Paulus spricht in unserer Epistel zunächst von einem menschlichen Gericht, dergleichen die Korinther eines über ihn ausübten, aber über das blickt er hinweg als über etwas Unbedeutendes in Vergleichung mit dem Gericht des HErrn, auf das es allein ankomme. Bei diesem Gericht wird der Weltrichter Christus, dem der Vater alles Gericht übergeben hat, den innersten Rat der Herzen nach unserem Texte offenbaren. Seine feuerflammenden Augen blicken hinab bis auf den tiefsten Herzensgrund, und so majestätisch wird sein Gericht sein, dass, wenn er erscheinen wird auf dem großen, weißen Thron seiner Herrlichkeit, da wird vor seinem Angesicht die Erde und der Himmel fliehen und wird ihnen keine Stätte erfunden (Offenb. 20, 11.), und wenn dann alle Völker, die Lebendigen und die Toten, die Großen und die Kleinen, vor seinem Richterstuhl offenbar werden, und wenn die Bücher aufgetan werden und sie werden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken, da wird ein Jeglicher empfangen, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse (2 Kor. 5, 10.). Da wird der HErr nach Matth. 25 nicht bloß nach dem Glauben, sondern auch nach den Früchten des Glaubens fragen, ob wir Hungrige gespeist, Nackte bekleidet, Kranke erquickt haben, er wird fragen, ob wir nicht gelebt haben wie der ungerechte Haushalter, oder wie der reiche Mann, oder wie der Knecht, der seinen Zentner vergrub in die Erde, oder wie der, der sagt: mein HErr kommt noch lange nicht, und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, isst und trinket mit den Trunkenen, oder wie der, dem der HErr seine unermessliche Schuld erlassen, und der seinen Mitknecht um der geringsten Schuld willen würgte und ins Gefängnis warf, oder wie der, der ohne hochzeitliches Kleid sich eingedrungen hat unter die Gäste des Hochzeitmahles. Von solchen Allen lesen wir, dass der HErr sie in die äußerste Finsternis hinauswerfen ließ, wo sie Heulen und Zähneklappern, oder gar in das ewige Feuer, da ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht. 
- 
-Dieses schreckliche Gericht gebietet uns, im Geringsten treu zu sein und der künftigen Rechenschaft so zu gedenken, wie ein Haushalter oder Verwalter stets gerüstet sein soll, Rechnung zu tun von seinem Haushalt. Wie da alle Posten der Rechnung durchgegangen und Einnahmen und Ausgaben genau miteinander verglichen werden, so wird der HErr von dem, der viel empfangen hat, auch viel fordern. Dem Knecht, der mit seinem Pfund zehn Pfund erworben, dem wird Er Macht geben über zehn Städte, dem, der mit seinem Pfund fünf Pfund erworben, dem wird Er Macht geben über fünf Städte. Von dem aber, der nichts hat, wird auch das genommen werden, das er hat. Das treibt uns zu fleißigem Eifer, dem HErrn wohlzugefallen, rechtschaffene Früchte der Buße zu tun und dem Gebot des Apostels zu folgen (1 Petr. 1, 16.): „Nach dem, der euch berufen hat und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem eurem Wandel, und führet euren Wandel, so lange ihr hier wallet, mit Furcht, als die vom eitlen Wandel des alten Wesens erlöst sind mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.“ 
- 
-Diese Erlösung dürfen wir nie so uns zueignen, als ob wir es ihretwegen mit der Sünde leicht nehmen dürften und denken, weil wir im Glauben an JEsu Verdienst stehen, so können wir dem Gericht ruhig entgegengehen, auch wenn wir es mit dem Bekämpfen des Fleisches nicht so genau nehmen, Gott nehme es bei den Gläubigen auch nicht so genau. Wer so die Gnade Gottes auf Mutwillen zieht, der bedenke den tiefen Ernst, mit dem Paulus in unserem Texte sagt: „ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt.“ Wer von uns Allen kann sagen: ich bin mir nichts bewusst! Aber wenn es auch Eines sagen könnte, so wäre es damit doch noch nicht gerechtfertigt, denn es kommt rein auf das Urteil des HErrn an, und vor Ihm muss auch ein David beten (Ps. 19, 13.): „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler.“ Christi Gnade deckt freilich die Sünden eines ganzen Menschenlebens zu und schenkt uns vollkommene Rechtfertigung, aber doch nur den Seelen, die an der Sünde keine Lust mehr haben und die Gottes Rechte vollkommen anerkennen. 
- 
-Die ganze Heilsanstalt Gottes in Christo bezweckt ja nur unsere Zurückführung zu dem verlorenen Ebenbild Gottes, zur Heiligkeit und Seligkeit in Ihm. Durch jede Sünde wird der Lauf zu diesem erhabenen Ziele aufgehalten, auch bei Gläubigen. Nach jeder Sünde ist daher neue Buße nötig. Aber Alle, die dem Fleisch wieder bleibende Herrschaft über den Geist einräumen, die fallen aus der Gnade und verlieren ihr Erbe. Durch den Glauben und schon durch die Taufe sind wir mit Christo begraben in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferwecket von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln (Röm. 6, 4.). Je mehr das bei uns der Fall ist, desto mehr gilt uns das Wort: „Wer mein Wort hört (danach lebt), der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh. 5, 24.). Die wahren Glieder des Leibes JEsu empfangen ihr Urteil gleich nach dem Tode und kommen beim Weltgericht gar nicht in das Gericht, sondern werden als Heilige die Welt, sogar die Engel, mit Christo richten (1 Kor. 6, 2.3.), gleichsam als Gerichtsbeisitzer. Aber wer unter diese auserwählte Zahl gehöre, wird erst die Ewigkeit enthüllen. Paulus gehörte sicher dazu, und doch sagt er in unserem Text: der HErr ist's, der mich richtet. Deswegen gebietet er auch den Philippern (2, 12.): schaffet, dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. Und Johannes findet (l. Joh. 2, 28.) bei Christen, die vom Geist in alle Wahrheit geleitet waren, doch noch die Warnung nötig: bleibet bei Ihm, d. h. lasst euch doch durch nichts von Ihm abwendig machen, auf dass, wenn Er geoffenbart wird, dass wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor Ihm in seiner Zukunft. Und JEsus selbst sagt Matth. 24, 12.: Die Liebe werde in Vielen erkalten, aber nur wer bis ans Ende beharre, der werde selig. Daher sagt Er Offenb. 2, 4. zu dem Gemeinengel in Ephesus: „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlassest. Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke. Wo nicht, so werde Ich deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte.“ Dem von Smyrna aber, gegen den Er gar nichts zu klagen hat, gibt Er doch die Ermahnung: sei getreu bis in den Tod, so will Ich dir die Krone des Lebens geben. 
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-Zu solcher Treue bis in den Tod gehört ein Überwinden alles dessen, was Welt und Fleisch und Satan in uns erhebt gegen Christum, ein Kreuzigen unseres Fleisches samt seinen Lüsten und Begierden, und ein himmlischer Sinn, dem JEsus mehr ist, als die ganze Welt, und seine Liebe höher, als aller Menschen und aller Kreaturen Liebe. Das ist der Wandel im Licht, den Paulus Eph. 5, 9. gebietet, und ohne den wir auf den Tag des Gerichtes nur Furcht und Schrecken haben können. Im Gericht wird der HErr nach unserem Text „ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist.“ Welch' entsetzliche Schmach muss es sein, vor dem ganzen Geisterreiche bloß und enthüllt dastehen zu müssen, so dass alle geheimen Sünden, bösen und unreinen Gedanken, Unredlichkeiten, Lügen und Verstellungen offenbar sind vor Aller Augen. Ach, schon diese Enthüllung wäre Hölle genug. O wie ernstlich sollten wir Alle uns bestreben, dass der HErr nichts im Finstern Verborgenes bei uns finde, dass Er heute schon in alle unsere Gänge und Arbeiten und in das Innerste unserer Haus- und Herzenskammern hereinsehen dürfe, ohne dass wir erzittern müssen. Es kann eine Seele durch den Glauben an JEsum gerecht und selig werden, aber wenn sie noch allerlei Werke des Fleisches im Verborgenen bei sich beherbergt, und in der Treue und im Wandel des Lichts es bedeutend fehlen lässt, so kann sie zwischen dem Tod und Gericht noch lange, lange Zeit beleidigt werden von dem andern Tod (Offenb. 2, 11.) und kann Schaden leiden, durch den ihre Seligkeit in alle Ewigkeit zurückbleibt hinter dem, was sie hätte werden können. Eine Krone auf ewig zu verlieren, ist auch ein Gericht, wenn gleich kein höllisches. Wandeln wir aber ernstlich im Licht und in der Liebe, so dürfen wir über die vielen, uns doch immer noch anklebenden Befleckungen der großen Wahrheit uns getrösten, dass Christi Blut uns rein macht von aller Sünde. Und das gibt Freudigkeit auf den Tag des Gerichtes. Können wir so dem göttlichen Gericht ruhig entgegengehen, so werden wir auch durch das menschliche Gericht keinen Schaden leiden, weder selbst auf eine für uns verderbliche Weise richten, noch durch das Gericht Anderer uns zu viel bestimmen lassen, Beides im Blick auf das Gericht des HErrn, um dessen willen Paulus in unserem Texte gebietet: 
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-=====II.===== 
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-Richtet nicht vor der Zeit und achtet nicht das Ansehen der Menschen. Dieser Punkt könnte in Vergleichung mit dem ersten als sehr unbedeutend erscheinen, aber schon daraus, dass der Apostel um seinetwillen so ernstlich auf das Gericht hinweist, sehen wir, wie viel daran liegt, dass wir vom menschlichen Richten die rechte Ansicht haben, sowohl von unserem Gericht über Andere, als von dem Gericht Anderer über uns. Wie viele Seelen haben schon ihr geistliches Leben verloren, weil sie durch das Urteil der Leute sich zu viel einschüchtern und zu viel leiten ließen, oder weil sie zu viel über Andere richteten. Bei den Korinthern ging das Richten über Paulum Hand in Hand mit ihrem immer tieferen geistlichen Verfall. Deswegen ruft er ihnen in unserem Texte so ernstlich zu: richtet nicht vor der Zeit, bis der HErr komme, auf dessen Urteil es allein ankommt. Nur Er kann den Rat der Herzen offenbaren; wir sehen Niemand ins Herz, und sollten daher da, wo nicht offenbare Tatsachen sprechen, unser Urteil über Andere zurückhalten, weil JEsus gebietet: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.“ So ernstlich weist uns JEsus auf das Gericht hin, um dessen willen wir uns des Richtens enthalten sollen. Ein innerliches Gericht zeigt sich oft schon darin, dass die, welche so schnell über Andere aburteilen, vielleicht bald selbst die nämlichen Fehler an sich zeigen müssen, worüber sie Andere richten, so dass ihnen das Wort gilt: „Worinnen du einen anderen richtest, verdammest du dich selbst.“ Und im Gericht des HErrn wird es dann vielen Seelen gehen, wie dem Haman, der einen Galgen für Mardochai errichten ließ, an dem er selbst gehenkt wurde, während Mardochai zu den höchsten Ehren, die Haman sich zugedacht hatte, erhoben wurde. 
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-O Geliebte, hierin muss es auch bei uns noch ganz anders werden. Es ist viel zu viel Richten unter uns, viel zu viel Neigung, Andere zu verkleinern und in Schatten zu stellen, um dadurch unser eigen Ich mehr ins Licht zu setzen und zu erheben. Wir sollten viel mehr uns in Andere hineindenken, Alles zum Besten kehren, gute Absichten, nicht schlechte, voraussetzen, so lange es möglich ist; sollten vielmehr aneinander tragen, mehr mit Liebe zudecken, oder wo es gilt zu strafen, es in aufrichtiger Offenheit und mit Liebe ins Angesicht tun, statt hinter dem Rücken. Gewiss, wir können den Schaden nicht ermessen, den bei Vielen von uns das geistliche Leben durch voreiliges, liebloses Richten erleidet. Der Gedanke an das Gericht des HErrn sollte in hundert Fallen uns bewegen, das Gericht Dem heimzustellen, der da recht richtet. Wenn aus seinem Munde einem Jeglichen, der des Lobes weich ist, Lob widerfahren wird nach unserem Texte, dann werden wir uns wundern, wie hoch Mancher vom Ihm gestellt wird, den wir hier geringgeschätzt, vielleicht viel gerichtet haben, und dagegen wie Mancher, der in unseren Augen eine hohe Stufe des geistlichen Lebens einnahm, von dem HErrn nieder gestellt oder gar verworfen wird. Dieser Gedanke, dem ihr eure Zustimmung nicht versagen könnet, sollte uns doch recht vorsichtig im Urteil machen, recht langsam zu reden und unermüdlich in der Liebe. Solcher schonenden und verzeihenden Liebe gilt dann das Wort: die Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht (Jak. 2, 13.). 
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-Stellen wir so Alles Dem heim, der da recht richtet, so werden wir auch das andere Gebot unseres Textes über das menschliche Gericht befolgen können, nämlich: achtet nicht das Ansehen der Menschen. Die Pharisäer mussten das als eine große Tugend JEsu rühmen, und Paulus wurde besonders durch diese Eigenschaft so groß und so reich gesegnet. Er sagt in unserem Text: „Mir ist es ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage.“ Die Korinther richteten Vieles an ihm, den Einen war er zu stark, den Anderen zu schwach, den Einen seine Rede zu gewaltig, den Anderen zu nieder und ungeschmückt, die Einen stießen sich an seiner äußerlich geringen Erscheinung, Armut und vielen Trübsal, Andere hatten Gedanken, er suche eigenen Nutzen oder Ehre. Wie er, so haben alle Kinder Gottes in allen Zeiten es erfahren, dass man es nie allen Leuten recht machen kann. Entgegengesetzte, in sich ganz widersprechende Beschuldigungen werden oft zu gleicher Zeit über die gleichen Menschen ausgesprochen. Auch der Frommste und Redlichste bleibt nicht frei von üblen Nachreden, Verdächtigungen seiner Absichten und Missverständnissen. 
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-Wie sollen wir uns nun gegen solche Urteile verhalten? Wir können uns darum bekümmern, sofern ein guter Name viel wert ist und an einem Christen Christo selbst zur Ehre gereicht; ferner, sofern wir aus allem Tadel mehr lernen, als aus dem Lob, und durch Menschen uns Fehler aufgedeckt werden können, die wir selbst nicht an uns sehen; überhaupt ist Alles, was uns demütigt, uns heilsam. Aber so weit dürfen wir um Urteile Anderer uns nicht bekümmern, dass wir ihretwegen irgendetwas aufgäben, was Gott von uns verlangt, oder irgendetwas täten, was Gott nicht gefällt. Gegenüber von der Welt, die über christlichen Ernst spottet, dürfen wir alles Menschengerede durchaus nicht anschlagen, um nicht durch Menschenfurcht ins Verleugnen der Wahrheit getrieben zu werden. Da muss Christi Schmach uns lieber sein, als aller Menschen Ehre, und wer da nicht den Mut hat, sich spotten und auslachen zu lassen, aus dem wird nie Etwas. 
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-In feineren Verhältnissen aber - auch mit Gleichgesinnten - dürfen wir Menschenurteil gleichfalls nicht zu hoch anschlagen, sondern vor Allem auf das sehen, was der HErr über uns urteilt und wie wir im Licht seines zukünftigen Gerichts vor Ihm stehen. Hat der Geist nichts an uns zu strafen, so darf Menschengericht uns nicht erschrecken, so dürfen wir uns dadurch nicht bestimmen lassen, von der betretenen Bahn abzugehen. Solche Abhängigkeit von Menschen ist uns notwendig. Ohne sie wären wir ein schwankendes Rohr, das von jeglichem Winde umhergedreht wird. Wir müssen wissen, was wir wollen, und dann auch wollen, was wir wissen, was wir vor dem HErrn als recht erkannt haben. Wenn nur das Licht seines großen Tages in alle Beziehungen, Verhältnisse und Wege unseres Lebens hereinleuchtet, dann können wir ruhig sein und dem Ziel, das Er uns vorgesteckt, auch in einzelnen Sachen dem Ziel, das wir uns vorgenommen, ungestört entgegenwandeln. Was Paulus in der Leitung der korinthischen Gemeinde als nötig erkannte, davon konnte keine Einrede ihn abbringen, und was er in seinem ganzen Benehmen, in seiner Lebensart wie in seiner Amtsführung als recht vor dem HErrn ansah, darin blieb er fest und unerschütterlich, die Leute mochten sagen, was sie wollten. Die Leute - ist denn das eine so große Macht? Ein Paar geschwätzige Mäuler, die überall zu tadeln wissen, ein Paar leichtsinnige Mägde, denen Ohrenbläsern eine Freude ist - das ist oft die ganze Macht der Leute, nach deren Urteil so viel gefragt wird. Stehen wir lauter vor Gott als Kinder des Lichts, so darf es auch uns, wie dem Apostel, etwas Geringes sein, ob wir gerichtet werden von menschlichen Zungen. Es kann sich damit auch schnell wieder ändern. Wenn Jemandes Wege dem HErrn Wohlgefallen, so macht er auch seine Feinde mit ihm zufrieden (Sprichw. 16, 7.). 
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-Darum sei unser höchstes Bestreben nur das, dass wir dem HErrn wohlgefallen. Dann haben wir das menschliche und selbst das göttliche Gericht nicht zu scheuen. Freilich geht es auch so ohne Fehler, Versäumnisse und Übertretungen nicht ab, und selbst unsere besten Werke sind nicht ganz rein vor dem HErrn. Deswegen kann nur der Freudigkeit haben auf den Tag des Gerichts, der durch das Blut JEsu gewaschen ist von aller seiner Sünde, und im Vertrauen auf seine ewig gültige Versöhnung sagen kann: „Nun wir dann sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unseren HErrn JEsum Christum, durch welchen wir auch einen Zugang haben, nicht mehr den schreckensvollen Hintritt zum Richterstuhl, sondern den kindlich frohen Zugang zum Gnadenthron, so dass wir heute schon bei aller Unwürdigkeit doch um JEsu willen uns rühmen können der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.“ In dieser Glaubenszuversicht sind schon viele Tausende fröhlich in die Ewigkeit hinübergetreten, so sehr dieser ernste Schritt für unsere Natur etwas Grauenvolles hat, in dessen Gefühl wir nicht zu sterben wünschen. Aber frei von allem Grauen des Todes und Grabes und frei von allen Schrecken der Zukunft nach dem Tode sind die Seelen, denen das Wort gilt: „selig sind die Toten, die in dem HErrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach.“ So sind von den Aposteln an viele hundert Märtyrer gestorben und haben die schrecklichsten Qualen nicht gefürchtet, haben Alles in der Welt, Gut und Blut, gern geopfert, ja mit Jauchzen begrüßten Viele die Glut der Flammen, die sie verbrannten, als das Morgenrot des Freudentags der Ewigkeit. So sind auch schon Viele gestorben, die lange von schweren Anfechtungen über ihre Sünden gepeinigt, ja wie von Höllenangst umgetrieben waren. Wenn sie dann JEsu zu Füßen fielen und in herzlicher Buße sein Verdienst ergriffen, so konnten sie alle Angst vor dem Gericht aufgeben und sterben mit einer gewissen Hoffnung des ewigen Lebens. 
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-So ging es z. B. einem jungen Mann, Namens Christoph, der durch ein leichtsinniges Leben seine Gesundheit verderbt und eine tödliche Auszehrung sich zugezogen hatte. Ein für das Heil seiner Seele besorgter Verwandter besuchte ihn und redete mit ihm über seinen inneren Zustand, und stellte ihm die Ewigkeit so ernstlich vor, dass er über sein Sündenleben erschrak. Nach längeren Kämpfen gegen den Hochmut, der Recht haben wollte, wurde es ihm doch immer deutlicher, dass er vor dem Richterstuhl Gottes nicht erscheinen könne. Oft ergriff ihn eine unaussprechliche Angst, und er glaubte auf ewig verloren zu sein. Als ihm der Trost des Evangeliums verkündigt wurde, konnte er lange nicht glauben, dass auch ihm noch vergeben werden könne. Da las und erklärte ihm sein Geistlicher das dritte Kapitel des Briefs an die Römer, wonach Alle ohne Unterschied Sünder sind und ohne alles eigene Verdienst allein durch JEsu Gnade gerecht und selig werden. Der Geist Gottes machte ihm die Worte lebendig, und er konnte es glauben, dass JEsus auch für ihn gestorben sei und dass seine Gerechtigkeit seine Sünden hinwegnehme. Von da an hatte er vor dem Gericht keine Angst mehr, konnte freudig beten und Lebenskräfte im Gebet anziehen, und sein ganzes Leben wurde ein neues Leben. Jetzt war ihm der Besuch bekehrter Leute, die er vorher nicht geliebt hatte, das Allerliebste, von irdischen Sachen wollte er nichts mehr hören, seine Leiden, über die er vorher sehr ungeduldig gewesen war, trug er mit stiller Geduld und sagte, er hätte ja viel größere Schmerzen verdient. Vor dem Tod hatte er gar kein Grauen mehr und sehnte sich nach baldigem Heimgang, wobei er seiner Sache so gewiss war, dass er öfters sagte: o wie freu' ich mich, bis ich zu Ihm komme. So wurde sein Krankenbett Vielen zu großem Segen, und auch von seinen früheren Kameraden wurden Manche dadurch erweckt, ein neues Leben anzufangen. Am Christfest wurde er von seinen langen Leiden erlöst, und Jedermann hatte den Eindruck, dass sein Tod eine Geburt zum Leben sei. Sein letztes Wort war: 
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-Mein JEsus ist mein Trost allein, \\ 
-Auf JEsum schlaf ich selig ein. 
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-So entschlafen Seelen, die durch JEsu Versöhnung Freudigkeit haben auf den Tag des Gerichts, dagegen die Unbekehrten ohne Hoffnung und so ohne Trost dahinfahren. So erzählt der Arzt, der den berüchtigten Religionsspötter Voltaire zuletzt behandelte, dass „dieser Mensch, der so oft über Hölle und Gericht gespottet hatte, in seinem 84sten Jahre vor dem nahen Tod, als vor dem furchtbarsten Schrecken, sich entsetzte. Wie im Sturm starb er als ein verzweifelnder Wütender, der sich in Verzückungen an die Erde ankrallt, die er durchaus nicht verlassen will.“ Solch ein Tod ist schon ein Gericht, ja eine Hölle. Aber was wird es erst sein in der Ewigkeit! O liebe Seelen, was ist alle Lust und Herrlichkeit der Erde, wenn sie mit solchem Gericht endet; dagegen was ist alles Leiden und alle Entbehrung und Schmach der Erde, wenn die Krone des ewigen Lebens am Ziele blinkt. Darum: 
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-Nicht nach Welt, nach Himmel nicht \\ 
-Meine Seele wünscht und sehnet, \\ 
-JEsum wünscht sie und sein Licht, \\ 
-Der mich hat mit Gott versöhnet, \\ 
-Der mich freiet vom Gericht. \\ 
-Meinen JEsum lass ich nicht. Amen. 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Kirmß, Paul - Predigt am 3. Adventssonntage - Der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt.====== 
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-Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.\\ 
-Hebr. 13,9 
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-Evang. Matth. 11. v. 2 bis 10.\\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert.“ Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? wollt ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wollt ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? wollt ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-Der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. 
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-Die Bußpredigt Johannis des Täufers am Jordan hatte eine tiefgehende, alle Volkskreise umfassende Bewegung im israelitischen Volke hervorgerufen. Ein neuer Geist war über Israel ausgegossen; und kein Stand vermochte sich dem Einfluss desselben zu entziehen. Der Landmann verlässt seinen Pflug, der Handwerker seine Werkstätte, der Fischer seine Netz; selbst der Kriegsknecht kommt, und alle fragen, was sie in ihrem Stand und Beruf zu tun haben. Und diese außerordentliche Macht übt ein Mann aus, der sich nicht auf irgendeine staatliche oder kirchliche Autorität stützen kann, sondern allein durch seine gotterfüllte Persönlichkeit wirkt. Er ist eine Macht für sich und durch sich; deshalb braucht er auch auf niemand Rücksicht zu nehmen, weder auf die Großen, noch auf das niedere Volk. Er ist ein rechter Vertreter des israelitischen Prophetentums, welches kühn der Macht der Gewohnheit, dem starken Priestertum entgegentrat; ja, er ist der größte unter allen Propheten Israels. 
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-Er war der Größte in ganz besonderem Sinn. Hatten seine Vorgänger mit scharfem Auge, in glühender Erwartung hinausgespäht in die Zukunft, um den zu sehen, der da kommen sollte, so war es Johannes als dem letzten und größten Propheten beschieden, dem Verheißenen Auge in Auge gegenüberzustehen. Denn als Jesus in Nazareth gehört hatte von der großen Volksbewegung, die in der Jordanebene rauschte, wie die Wellen des heiligen Stromes, da hat es ihm keine Ruhe gelassen; der Ruf des Täufers ist ihm der Ruf Gottes; er kommt, und mit dem sündigen Volk, das sich weiht für die große Zeit des Messias, steigt er selbst in die Taufe hinab, um die Weihe zu empfangen für sein Amt. Das war der größte Augenblick im Leben des Täufers, als ihn beim Anblick Jesu wie eine Offenbarung Gottes der Gedanke durchzuckte: der ist es, der da kommen soll. 
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-Doch rasch entflieht die große Zeit. Der freie Prophet ist ein gefangener Mann. Denn er hatte auch vor dem Königsthron seine männliche Überzeugung ausgesprochen, wie einst Elia vor Ahab; deshalb hatte ihn Herodes gefangen genommen. Wie still ist es nun dort oben im Gefängnis auf der Bergfeste. Wie sehnt er sich zurück zu dem Volke, das an seinen Lippen hing. Doch sein Trost ist, dass er nun entbehrlich ist; denn der Größere, dem er nicht wert ist, die Schuhriemen zu lösen, ist ja nun da, der Mond kann still erbleichen, wenn die Sonne aufgegangen ist. Von seinen Jüngern lässt er voller Spannung sich berichten über das Auftreten Jesu. Doch befriedigen ihn diese Berichte noch nicht, er hat von Jesus eine große Volksbewegung erwartet; doch sie bleibt aus. Jesus zieht als ein sanftmütiger Lehrer an den Ufern des galiläischen Meeres umher. Johannes möchte so gern an ihn glauben; er sehnt sich deshalb nach einem festen Bekenntnis aus dem Munde Jesu, um seinen Glauben daran aufzurichten. Aus diesem Zweifel, der sich nach Gewissheit, nach dem Glauben sehnt, geht die Frage hervor: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Das ist 
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-der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. 
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-Lasst uns betrachten 
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-die Frage des Zweifels; die Lösung des Zweifels; die Frucht des Zweifels.  
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-=====1. Die Frage des Zweifels===== 
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-Die Frage des Johannes ist eine Frage des Zweifels, der sich nach Gewissheit sehnt. Einige Ausleger sehen in dieser Frage den entstehenden Glauben an Christus, andere den erschütterten Glauben. Jedenfalls spricht sich darin aus der Zweifel, der sich nach Gewissheit sehnt. 
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-Zweifel! Ist uns der Täufer nicht ein abschreckendes Beispiel? Werden die Christen nicht vor dem Zweifel gewarnt? Doch zwischen Zweifel und Zweifel ist ein großer Unterschied. Es gibt einen Zweifel, der den Tod des Glaubens in sich trägt, und einen Zweifel, der den Keim des Glaubens in sich trägt; es gibt einen Zweifel, der die Wahrheit hasst und sie flieht; es gibt aber auch einen Zweifel, der nichts anderes ist als die keimende Liebe zum Glauben. Die Zweifler der ersteren Art sind zur Zeit Jesu die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die sich durch ihn nicht wollten stören lassen im Besitz ihrer Gerechtigkeit und überlieferten Frömmigkeit, in der heutigen Zeit die Menschen, welche satt sind entweder an sogenannter Bildung oder an Reichtümern oder an eingebildeter Gerechtigkeit. Die anderen, die edlen Zweifler sind jene Menschen, welche in banger Erwartung, zögernd sich ihm nahen, welche rufen: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben! Ja, jene Sünder und Zöllner, die es noch nicht für möglich halten, dass dieser wunderbare Mann sich auch ihrer annimmt, auch den Armen das Evangelium predigt. Unter diesen edlen Zweiflern sehen wir auch Johannes. 
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-Dieser Zweifel, der nach Gewissheit sucht, ist so wenig zu verwerfen, dass wir vielmehr sagen müssen, er ist der Weg, der zum Glauben führt. Denn der Glaube ist ein Gut, das erworben werden muss; dieser Zweifel ist die Tätigkeit, durch die man sich's erwirbt. 
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-Gewaltige Männer, ja die größten im Reiche Gottes schließen sich Johannes dem Täufer an. Da sehen wir einen Saulus, welcher Anstoß nimmt an dem gekreuzigten Messias und doch sich mit wunderbarer Gewalt immer wieder zu ihm hingezogen fühlt und nicht von ihm loskommt, bis er überwunden wird. Da sehen wir einen Augustin, der in den Wissenschaften des Heidentums oder in den Geheimnissen religiöser Sitten Frieden sucht für seine Seele; und all' dieses Suchen, das ihn ruhelos umhertrieb in der alten heidnischen Welt, war doch nur ein Suchen nach Gewissheit. Vor allem aber gleicht Johannes dem Täufer ein deutscher Mann. Wie Johannes dort in seinem Kerker auf der Burg Machärus sich abringt mit seinem Zweifel und sich danach sehnt, dass der Strahl der Gewissheit in seinen Kerker falle, so sehen wir in einer Klosterzelle einen bleichen Mann sich abringen im Zweifel, im Suchen nach der Gewissheit des Seelenheils, einem Suchen, das große innere Schwankungen brachte, aber doch endlich zum Finden wurde. Ja, alle großen Fortschritte an religiöser Erkenntnis in der Christenheit sind aus dieser Art des Zweifels, aus dem Zweifel, der nach Gewissheit sucht, hervorgegangen. 
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-Dieser Zweifel lässt uns sprechen: Wie glücklich sind doch die Menschen, welche einen festen Glauben haben! Wie gern möchte ich glauben! So hilf du, an den ich glauben möchte, meinem Unglauben! Die Menschen sagen, du seiest die göttliche Liebesmacht, die Mensch geworden, und die Deinen auf Erden nennen sich Brüder und Schwestern. Aber wo ist die brüderliche Gemeinschaft, in welcher die Menschen untereinander zusammenhängen wie die Glieder eines Leibes? Die Menschen sagen: du seiest die Wahrheit; aber ich finde in der Lehre, die mir über dein Werk verkündigt wird, so viele Vorstellungen, die allem, was ich sonst aus Gottes Welt vernommen habe, zu widersprechen scheinen. Man sagt, du seiest die Gerechtigkeit; aber ich erlebe es, auch wenn ich mich an dich halten möchte, immer wieder sinke ich zurück! 
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-Jesus sagt: Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Es gibt ja Menschen, die von solchen Zweifeln verschont bleiben; ruhige, ebenmäßig sich entwickelnde Naturen, welche ganz allmählich, ohne Kampf in die Wahrheit hineinwachsen. Ihr Inneres wird bewahrt vor den Stürmen des Zweifels. Es ist wie ein stiller See, in welchem sich der Himmel widerspiegelt, am Tag in seiner wolkenlosen Herrlichkeit, nachts mit seiner Sternenpracht. Von ihnen sagt Jesus: Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Doch es gibt andere, die haben es nicht so leicht. Die müssen alles im Leben tief auffassen und mit ihrem Gewissen durcharbeiten; sie können sich nicht dabei beruhigen, den überlieferten Glauben einfach ohne Frage anzunehmen, sondern sie müssen ihm ins Auge sehen und sich fragen: Was ist Wahrheit? Was kannst du glauben mit ganzem Herzen, mit vollem Gewissen? Sie müssen danach ringen, den Glauben wirklich zu ihrem inneren Eigentum zu machen, und dazu müssen sie fragen, forschen, suchen. Scheltet sie deshalb, was nützt es euch? Gott hat ihnen nun einmal die Unruhe der Wahrheit in die Seele gelegt. Sie möchten nicht nur mit dem Herzen Christen sein und mit dem Verstand Heiden, sondern sie möchten gern mit Herz und Verstand die Wahrheit Christi umfassen. Viele verständige Leute sagen zu ihnen: Wer wird sich über solche Dinge beunruhigen! Ich kümmere mich nicht darum; so bin ich besser dran! Andere sagen: Ich habe eine fertige Glaubenslehre, darüber denke ich nicht nach. Welcher glaubt ihr wohl stehe dem Erlöser näher? Die Letzteren sind unfähig, überhaupt jemals den Glauben in sich zur Lebenskraft zu gestalten; sie sind wie ein Stein, wie ein dürrer Stamm. Jene aber, die in der Liebe zu Christus zweifeln, sie reifen heran, um die Wahrheit nicht bloß zu erkennen und für wahr zu halten, sondern um sich mit der Wahrheit zu durchdringen und dann für sie zu leben und zu sterben. Und deshalb soll die evangelische Kirche, deren unsichtbares Haupt Christus ist, diese Zweifler nicht verstoßen, sondern sich ihrer freuen, wie man sich freut der Saat, die der Ernte entgegenreift. Und wenn unter euch auch solche sind, die innerlich ringen um Gewissheit, und fühlen, dass sie darin noch nicht fertig sind, seid willkommen, suchet weiter und bittet Gott um Erleuchtung und Festigung; dann wird für euch die Stunde kommen, da ihr sprecht: Ja, du bist's, der da kommen soll; wir brauchen keines anderen zu warten. 
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-=====2. Die Lösung des Zweifels===== 
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-Wie löst Jesus diesen Zweifel? Er antwortet weder ja noch nein, sondern weist hin auf Tatsachen, die ja noch viel bessere Beweise sind als Worte und Bekenntnisse. Er weist hin auf Blinde, welche sehen, Lahme, welche gehen. Johannes hatte daran Anstoß genommen, dass Jesus immer nur predige; er vermisst die Zeichen“. Da weist Jesus ihn hin auf die Weissagung des Jesaia, dass der Messias die Blinden sehend und die Tauben hörend machen würde. Das geschieht aber jetzt. So sind diese Tatsachen die Beweise dafür, dass er der Verheißene ist. 
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-Durch Jesus geschieht, was geschehen soll; es liegt im Weltplan Gottes, dass die Gebrechen der menschlichen Natur geheilt werden, dass der Mensch nach allem Kampf der Erde zuletzt zum Frieden mit Gott gelange; so muss wohl das Kommen dessen, der diese Gebrechen heilt und diesen Frieden bringt, nach Gottes Weltplan bestimmt sein. Die tiefsten Bedürfnisse der Menschenseele sind Verheißungen, welche Gott in unser inneres Leben geschrieben hat; wer diese Bedürfnisse stillt und diese Gottesverheißungen erfüllt, der ist gewiss der, der da kommen soll. Sonst treffen oft in der Geschichte des religiösen Lebens Angebot und Nachfrage nicht zusammen; hier sind Menschen, die ihr volles Herz an die Menschen geben möchten; aber es sind keine da, die es haben möchten; und dort wieder sind Hungernde und Dürstende nach der ewigen Nahrung des Lebens, aber es ist niemand da, der ihnen diese Nahrung gibt. Hier dagegen traf beides zusammen: hier waren Blinde und Lahme und Taube, und hier war der, der die Blinden sehend und die Lahmen gehend und die Tauben hörend macht. Hier ist die Erfüllung, das ist der Tag, den Gott gemacht. 
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-So weist ihn Jesus hin auf seine Gemeinde, damit sie für ihn zeuge. Dieses Zeugnis gilt auch heute noch. In der christlichen Gemeinde sind Gottes Verheißungen erfüllt, alle Anlagen der Menschen zur Tätigkeit entfaltet, und alle Kräfte da, die Gebrechen der Menschen zu heilen. Hier geschehen die wahren Wundertaten Christi. Der Mensch, der nicht einmal imstande ist, das Wesen und den Zusammenhang dieser Welt zu erkennen, sodass auch der scharfsinnigste Gelehrte nur einen ganz kleinen Gesichtskreis hat, dieser von Natur blinde Mensch hat an der Seite Jesu Christi sehen gelernt und blickt mit wunderbar scharfem Auge durch alle Wolken, durch alle Himmel bis zu dem Gott, der über den Sternen wohnt, und bis hinein in das Herz des unsichtbaren Vaters. Und wie er hinaufschaut, so lernt er rückwärts schauen und umspannt mit seinem Blick die ganze Geschichte der Menschheit mit ihren Höhen und Tiefen als ein Werk, an welchem die Friedensgedanken Gottes arbeiten; und ebenso blickt er vorwärts und sieht die Zukunft als eine aufwärts steigende Entwicklung des Menschengeschlechts an der Hand Jesu Christi, der sie nach oben führt; und er blickt um sich und sieht in allen Menschen auch unter Staub und Schmutz das Ebenbild des Vaters, das herausgearbeitet werden soll, damit es leuchte im Licht des Tages. So beherrscht der Christ durch Christum mit seinem Blick Himmel und Erde, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die äußere und die innere Welt. Des Menschen Sinn ist sonst verschlossen, taub, dass er kaum die Sprache des andern versteht, die Reichen nicht die Sprache der Armen, die Armen nicht die Sprache der Reichen, die Gebildeten nicht die Sprache der Ungebildeten, und umgekehrt; der Mensch versteht oft nicht die Sprache des eigenen Herzens, das Suchen und Sehnen in der eigenen Brust, nicht die Sprache des Geschickes, des Schmerzes, des Todes. Dieser taube Mensch wird an der Seite Christi hörend, hört Gottes Stimme in Gottes Wort, hört die Stimme der ewigen Liebe Gottes aus jeglichem Geschick, aus der Freude und dem Leide, auch aus dem Tod heraus, hört aus der Sprache seiner leidenden Brüder die Stimme der Sehnsucht nach Friede und Freiheit. Die Tauben hören. Der Mensch ist von Natur gelähmt, gebunden an die Scholle, er arbeitet an seinem Plass und findet zuletzt seine Ruhe in einem kleinen Stücklein Erde. Durch Christus aber wird er gehend, wandelt über Berg und Tal, durch Angst und Not, durch den Tod hindurch bis hinüber in die lichte Ewigkeit. Die Lahmen gehen. Der Mensch ist von Natur voller Krankheit, Sünde, Gebrechen; durch Christus lernt er es, seine Krankheit, seine Schuld loszuwerden, und wird geschmückt mit der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Die Aussätzigen werden rein. Der Mensch ist vom Tode umfangen, sieht überall die Spuren des Todes, die Erde bedeckt von der Beute des Todes. Aber Christus, der Lebendige, zieht ihm voran, und der Mensch pflanzt am Grabe das Siegeszeichen dessen auf, der den Tod überwunden hat. Die Toten stehen auf. Der Mensch ist von Natur arm. Arm tritt er ein in die Welt; arm verlässt er die Welt; und was er inzwischen besitzt, ist nicht sein, gleichviel ob die Menschen ihn zu den Armen oder zu den Reichen rechnen. Aber durch Christum wird der Mensch reich; denn es wird ihm das Evangelium gepredigt, und erfüllt von Gütern, die nicht vergehen, verlässt er diese arme Erde. Den Armen wird das Evangelium gepredigt. 
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-So kommt denn, ihr Zweifler, und seht die Taten Christi in seiner Gemeinde! Würden euch allerhand gelehrte Verstandesbeweise gebracht, ihr würdet sagen: das glaube ich nicht. Hier aber werden euch Tatbeweise gebracht; die Erfahrung wird zum Zeugnis für euch. Die könnt ihr nicht wegleugnen. Hier steht Christus vor euch, umgeben von seinen Jüngern, von den Blinden, welche sehend, von den Lahmen, welche gehend, den Tauben, welche hörend, den Aussätzigen, welche rein, den Armen, welche reich geworden sind. Wollt ihr noch andere Beweise, als diese Wirkungen, welche ausgehen von Christus? Ihr müsst doch den Beweis gelten lassen: wo Sonnenschein ist, da muss die Sonne sein, wo die Erlösung ist, da muss der Erlöser sein. Anstatt euch herumzuschlagen mit den grübelnden Zweifeln, welche gern den Schleier Lüften möchten, mit welchem Gott die übersinnlichen Dinge für uns verhüllt hat, schließt euch durch die Tat an Christus an und versucht es, an euch zu erleben, was jene Erlösten erlebt haben. Tut, was er euch sagt, werdet nicht müde, Gott zu bitten, dass er euch immer inniger mit Christus vereinige, vertrauet ihm immer wieder, dem treuen Menschensohn, der eure Seele liebt, auch wenn sie ihn nicht ganz versteht; liebt die Menschen mit seiner Liebe; geht euren Lebensweg in seiner Nachfolge, dann werdet ihr auch an euch jenen Tatbeweis erleben und ernten 
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-=====3. Die Früchte des Zweifels===== 
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-die Früchte eueres Zweifels. Die Frucht des Zweifels ist die Gewissheit: Ich weiß, an wen ich glaube; ich weiß, dass mein Erlöser lebt; ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendeine Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes in Christo Jesu, unserem Herrn. 
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-Diese Gewissheit schafft Menschen, wie Jesus in unserem Evangelium den Johannes schildert. Dort am Jordan, wo Johannes getauft hatte, da rauschte der Wind im flüsternden Rohre, und das Rohr wehte hin und her und hier und da brach eins ab und lag nun verwelkt da. 
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-So sind die Menschen, die keine Gewissheit haben; sie schwanken hin und her; sie unternehmen Anläufe zum Guten und lassen bald wieder ab; sie gehören in der Kirche Gott an und leben in der Welt, als ob es keinen Gott gebe; sie tragen bald ihr Haupt in stolzem Übermut, bald klagen sie in dumpfer Verzagtheit; sie fließen gegen die Menschen bald vor Freundlichkeit über, bald verlegen sie durch unbedachte Worte. Es fehlt die innere Festigkeit, die Gewissheit. Seht diesen Johannes, der auch nicht schwankt, als er vor dem Thron des Königs steht, der auch nicht schwankt, als er ins Gefängnis wandert, als er zuletzt sein Haupt vor dem Henker neigt. So werdet ihr auch sein, wenn ihr euch euern Glauben, euere Überzeugung kämpfend erobert habt, wenn ihr durch Zweifel hindurchgedrungen seid zur Gewissheit. Denn wenn ihr sie euch teuer erkauft habt, so müsst ihr dafür einstehen, ob der Wind von der einen oder der anderen Seite weht, ob die Strömung hierhin oder dorthin geht, ob die Gunst der Menschen sich euch zuwendet oder von euch abwendet. Ihr seid nicht wie das schwankende Rohr, sondern wie der Baum, der, je mehr der Wind ihn schüttelt, sich mit seinen Wurzeln umso fester in die Erde eingräbt das ist der Mensch, der zur Gewissheit gelangt ist. 
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-Johannes trug keine weichen Kleider, sondern ein raues Gewand; er aß kein Brot und trank keinen Wein, sondern nährte sich von der Nahrung der Einöde. Was kümmern den Mann, dessen ganzes Herz und Leben erfüllt war von seiner Aufgabe, die kleinen Bedürfnisse der Gegenwart? Die Menschen, die durch innere Kämpfe sich hindurchgearbeitet haben zu der Gewissheit des Heils, der unauflöslichen Gemeinschaft mit Gott, die reich geworden sind in Gott, brauchen die reichen Kleider der Üppigkeit, des Luxus nicht, und alle die tausend Genüsse und Bequemlichkeiten, von denen andere das Glück ihres Lebens abhängig machen, sind für sie nicht vorhanden. Ihr Leben ist nach außen hin vielleicht sehr ärmlich, aber das ist eben die christliche Einfachheit, die auf dem Reichtum, dem Gesättigtsein des inneren Lebens beruht, die sich genügen lässt, weil sie gottselig ist. Jesus sagt: Die weiche Kleider haben, sind in der Könige Häusern. Doch auch in der Könige Häusern kann es solche Menschen geben, die anspruchslos, weil innerlich fest und reich, sich ganz an die sittlichen Aufgaben ihres Lebens hingeben. Ihr braucht nur an jenen ehrwürdigen Greis zu denken, der noch vor einigen Jahren auf unserem Kaiserthron gesessen hat, auch im Purpurmantel der einfache, anspruchslose Mann, und an seinen großen Feldherrn, der auch von Ruhm und Glanz umgeben doch immer die schlichte Erscheinung blieb, der Mann, der im Felde nicht mehr brauchte als der geringste Soldat. 
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-Oder wolltet ihr, so sagt der Herr, einen Propheten sehen? Längst war der Strom des prophetischen Geistes in Israel versiegt, und die Propheten waren ausgestorben. Aus längst vergangenen Zeiten klang zu Israel die Kunde herüber von jenen wunderbaren Gottesmännern, die ohne Priesterweihe vom Geiste getrieben in dunkler Zeit aufstanden, wie die Sterne aufgehen, wenn es auf Erden dunkel wird, und mit ihrer Begeisterung und Hoffnung das Volk erleuchteten. Dieser prophetische Geist war wieder auferstanden in Johannes, und so kamen sie nun, um ihn anzustaunen als einen alten Propheten, der von den Toten auferstanden sei. 
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-Wer um seinen Glauben innerlich gekämpft und die Angst des Zweifels durchgemacht hat, der hat auch immer etwas an sich von der Natur eines Propheten. Je schwerer ihm der Kampf um die Klarheit und Gewissheit des Glaubens geworden ist, umso teurer ist ihm dieser Glaube, umso entschiedener muss er für ihn eintreten und ihn bekennen. Und wenn er selbst in sich die Gewissheit gefunden hat, dass der Gott, der ihm innerlich offenbar geworden durch Christus, nun in alle Ewigkeit ihn nicht lassen kann, so sieht er, mögen die Zeiten auch noch so trübe sein, hoffnungsfreudig hinaus in die Zukunft seines Volkes. Dann stehen Propheten, Männer, wie wir sie auch in der Geschichte unseres Volkes gesehen haben, Arndt, Fichte, Schleiermacher, Schenkendorf, die, lange Zeit wie einst Johannes Prediger in der Wüste, doch schließlich ihr Werk erfüllt haben mit ihrer Begeisterung und mit ihrer Hoffnung, dass Gott als der gerechte Richter die Gefangenen erlösen werde. Propheten, liebe Freunde, voller Begeisterung und Hoffnung brauchen wir in dieser schwächlichen, hoffnungslosen Zeit. Ihr, die ihr eures Glaubens gewiss seid, sollt solche Propheten sein. Blicken eure Brüder alle nach unten, schämt euch nicht, allein nach oben zu sehen; klagen die kleinmütig-gläubigen: was soll das werden, bekennt überall eure Hoffnung, dass Gott noch niemals von seinem Volk gewichen ist. Wie Elia eifert für Gottes Ehre, wenn das Volk die Götzen anbetet; wie Jesaja weckt die Großen auf; wie Jeremia weint um die Erschlagenen in eurem Volk, um die, welche den Versuchungen der Zeit unterliegen. So werdet ihr auch, wie Jesus von Johannes sagt, die Engel sein, die dem Herrn den Weg bereiten; soweit euer Einfluss reicht, lasst euer Glaubenslicht hineinleuchten in die dunklen Seelen, erwärmt die Herzen durch die Kraft eurer Liebe, dass die Menschen wenigstens eine Ahnung bekommen, wer der Herr ist, der in euch wohnt. Engel Gottes sollt ihr werden, die dem Herrn den Weg bereiten; denn von Menschen, welche gewiss geworden sind in ihrem Glauben, geht, auch wenn sie nicht reden, eine stille Kraft aus, vor welcher die Menschenherzen und die Türen sich auftun für den, der da kommen soll. 
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-Solche Menschen, fest und unbeweglich, schlicht und einfach, voll Begeisterung und Hoffnung wie Johannes will Jesus schaffen. Lasst uns nicht fragen, wie viel oder wie wenig es in der Gemeinde, die sich nach Christus nennt, solcher Menschen gibt. Lasst uns vielmehr solche Menschen werden, Engel Gottes an unsere Brüder, die dem Erlöser den Weg bereiten. Amen. 
-{{tag> 3_Advent}} 
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-======Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig - Christus, unsere Weisheit - Dritte Predigt.====== 
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-Christus, unsere Heiligung. 
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-Die Erlösung der Kinder Israel aus der leiblichen Knechtschaft in Ägypten ist ein lehrreiches Bild unserer geistlichen Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde, und wird uns in der Schrift auch vielfach so dargestellt, als ein Spiegel des Werkes Gottes an unsren Seelen. Erst mussten die Israeliten das Elend ihrer Dienstbarkeit fühlen und die ganze Bitterkeit derselben schmecken, und inne werden, wie hart, wie schwer, wie schimpflich das Joch war, das sie trugen, sonst würden sie aus Ägypten gar nicht einmal hinausgewollt haben. Nun dies geschah, und war das Erste, Die Kinder Israel seufzten über ihre Arbeit und schrien, und ihr Schreien über ihre Arbeit und ihr Wehklagen kam vor Gott, Nun wurde Schritt vor Schritt Alles eingeleitet und vorbereitet zu ihrem Auszuge; der Auszug selbst aber erfolgte nicht eher, als bis das' Pascha gefeiert, bis das Lamm geopfert war, dessen Blut die Kraft hatte, den Häusern der Israeliten, die auf Gottes Befehl ihre Türpfosten damit bestrichen, Verschonung auszuwirken, nicht eher, bis das Osterlamm geschlachtet und gegessen war. Aber nachdem dieses geschehen war, erfolgte auch auf der Stelle, in derselben Nacht noch, der Auszug, und das ganze Heer des Herrn ging auf Einen Tag aus Ägyptenland. Israel war nun aus der Knechtschaft erlöset, und sang Dank-  und Loblieder am jenseitigen Ufer des roten Meers, Aber Kanaan, das gelobte Land, das verheißene, Erbe, das Land her Ruhe, war darum noch nicht erreicht, geschweige eingenommen, 
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-Sie hatten erst noch einen langen, beschwerlichen Zug vor sich, den Zug durch eine Wüste, einen Weg, auf der einen Seite voll von Erfahrungen der göttlichen Gegenwart, Leitung und Hülfe, auf der andern Seite aber auch voller Entbehrungen, voll Versuchungen und Gefahren, wo ihr Glaube und ihre Geduld auf schwere Proben kam, in denen sie zu ihrer Beschämung meistens schlecht bestanden, so dass kund wurde Alles, was in ihrem Herzen war, und offenbar wurde, dass es nur die Barmherzigkeit Gottes war, die sie doch endlich ans Ziel brachte. Ja, ein treuer Spiegel des Werkes der Gnade Gottes an unsren Seelen ist diese Geschichte; wie der Apostel auch ausdrücklich sagt, es sei das Alles uns zum Vorbilde geschehen. Die Knechtschaft Israels in Ägypten ist ein Bild unserer natürlichen Knechtschaft in Sünden, und das Erste, was uns nötig ist zu unserer Erlösung, ist, dass wir unser natürliches Verderben und Elend sehen und fühlen, und unsere Seufzer um Erlösung vor Gott bringen. Er hat unser bereits in Gnaden gedacht, noch ehe wir riefen, noch ehe wir da waren, und die Veranstaltung gen zu unserer Erlösung sind bereits getroffen. Das Osterlamm ist ein Bild des wahrhaftigen Einigen Opfers, welches Christus dargebracht hat für die Sünde der Welt; wie der Apostel ausdrücklich sagt: Wir haben auch ein Osterlamm, welches ist Christus, für uns geopfert. Durch den Glauben eigenen wir uns dieses Opfer zu, das Blut Christi reinigt unser Gewissen durch den Glauben an dasselbe. Durch den Glauben an das Evangelium und den gläubigen Genuss des heiligen Abendmahls haben wir an diesem Opfer der Versöhnung Teil. Ohne Glauben an das Blut der Versöhnung entrinnt Niemand der Obrigkeit der Finsternis. Durch Kraft dieses Glaubens kann die Errettung und der Ausgang geschehen auf Einen Tag. Damit aber ist das himmlische Erbe, die Heimat der ewigen Ruhe und Freude, die Krone der ewigen Ehre und Herrlichkeit noch nicht erreicht. Die Büß, kämpfe, die Wehen der Wiedergeburt sind dahinten, Friede und Freude treten an die Stelle, wenn der neue Mensch durch den Glauben zur Welt geboren wird, wenn es heißt: Ich habe gefunden, und mir ist Barmherzigkeit widerfahren, und ich weiß, wen meine Seele liebt! Aber nun erst kommt der Weg durch die Wüste, wo wir auf alle Weise zwar gestärkt, und mit Erfahrungen der Gnade Gottes erfreut und erquickt, aber auch vielfach von Ihm geübt, geprüft, versucht, gedemütigt und gezüchtigt werden, und werden müssen, auf dass wir seine Heiligung erlangen^ ohne welche Niemand sein Angesicht sehen wird. Und das ist die Wahrheit, von der ich nach unseren Textesworten heute zu Euch zu reden habe. Er helfe dem Redenden und den Hörenden, dass es im Segen geschehe zu unserer Erbauung. 
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-Um diese Gnade bitten wir Dich, Herr, Heiliger und Wahrhaftiger, der Du uns berufen und geboten hast, heilig zu werden, wie Du heilig bist, und uns wissen lassest, dass in Dein himmlisches Reich kein Unreiner eingehen und kein Ungerechter es ererben kann, wir bitten Dich, Du wollest Deinen Ruf kräftig werden lassen in unsren Herzen, Du wollest die Schlafenden unter uns erwecken, und die Sichern unter uns erschüttern durch die Schauer Deiner Heiligkeit, wenn sie hören, bei Dir seh Vergebung, dass man Dich fürchte, dass sie erzittern vor dem Tage des Gerichts, jetzt da es noch Zeit ist, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen; die Gedemütigten aber wollest Du gründen im Glauben, die Gläubigen aber wollest Du im Wachen und Beten erhalten auf dem schmalen Pfade der Heiligung, dass sie fortfahren mit der Heiligung in Deiner Furcht. Dazu segne uns auch jetzt die Betrachtung Deines Wortes durch Jesum Christum! Amen. 
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-Text: 1. Korinth. 1, 30. 
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-**Von welchem auch ihr herkommt im Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung.** 
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-Alles, ohne Ausnahme Alles, was uns zur Seligkeit Not ist, ist uns von Gott in Christo bereitet. Diesen Inbegriff des Heils, das wir Christo verdanken, legt Paulus hier in vier einzelnen Gütern und Wohltaten auseinander, und nennt sie gerade in der Ordnung, in der sie durch Gottes Gnade uns zufließen. Das Erste, was wir bedürfen, ist Licht, Erleuchtung, zu erkennen Gott, den Lebendigen, und uns selbst, und den Weg zum Ziele der Seligkeit. Alles, was wir hierzu bedürfen, finden wir in aller Fülle des Reichtums bei Christo. Er ist uns von Gott zuvörderst zur Weisheit gemacht. Was aber ist die erste Hauptentdeckung, die wir machen, wenn wir wirklich erleuchtet werden? Wir werden gewahr, dass wir vor Gott kein gutes Gewissen, keine Gerechtigkeit, dass wir die göttlichen Gebote allesamt nicht gehalten haben, dass wir von Kindesbeinen an Übertreter sind, dass wir, wenn Gott mit uns ins Gericht geht, auf Tausend nicht Eins Ihm antworten können, dass eine Schuld auf uns lastet, die wir auch aus eigenen Mitteln nimmermehr zahlen und tilgen können. Wir bedürfen demnach, wenn wir im Gericht Gottes nicht das Urteil unserer Verdammnis hören sollen, notwendig eines Mittlers, der für uns den Rechten der göttlichen Gerechtigkeit genug tut, eines Bürgen, der für uns Zahlung leistet, und durch dessen Verdienst wir freigesprochen werden im Gericht. Dieser mächtige Mittler, dieser gültige Bürge ist da, ein Lösegeld von unerschöpflichem Reichtum ist in dem Blute der Versöhnung vorhanden, das Er am Kreuze, für uns Sünder vergossen hat. Christus ist uns von Gott nicht nur zur Weisheit, sondern auch zur Gerechtigkeit gemacht. Wer an Ihn glaubt, ist gerecht, wird durch Ihn im göttlichen Gerichte seiner Schuld ledig, und erhält durch die ihm zugerechnete Gerechtigkeit Christi das Recht zum Leben, und diese Wohltat ist es, die der Apostel in unsrem Texte mit dem Worte Gerechtigkeit ausdrückt, nämlich unsere Rechtfertigung im göttlichen Gericht. Aber lasst uns nun auch hören, was unzertrennlich hiermit zusammenhangt, lasst uns jetzt auch erwägen die dritte Hauptwohltat, die wir Gott in Christo verdanken, dass uns Christus von Gott auch zur Heiligung gemacht ist. 
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-Die Gerechtigkeit oder das Recht zum Leben , das uns durch Christum geschenkt wird, hängt unzertrennlich zusammen mit dem Werke unserer Heiligung, dem Werk unserer fortgesetzten, fortwährenden Reinigung von der Sünde, von aller Befleckung des Fleisches und Geistes. Vor dem menschlichen, dem weltlichen Gerichte kann es der Fall sein, dass eine Lossprechung geschieht, ohne dass Besserung erfolgt. Hier kann ein Missetäter aus besonderen Gründen begnadigt, die Strafe ihm geschenkt, er kann in Freiheit gesetzt werden, und kann demunerachtet ein Bösewicht bleiben, Ganz auf dieselbe Weise wünschen sich unzählige Menschen auch im göttlichen Gericht bloß die Befreiung von der Strafe, das Recht zum Leben, zur Seligkeit; dies möchten sie, übrigens aber möchten sie auch gerne bleiben, was sie sind, mögen sich nicht reinigen von ihren Sünden und Untugenden, und sie nicht ablegen, sie begehren nicht andere Menschen zu werden in Ansehung, ihres Herzens und Wandels. Aber welche Torheit, im göttlichen Gerichte losgesprochen werden wollen mit solcher Gesinnung! Wem die Sünde nur leid ist, weil sie so üble Folgen mit sich führt, wer übrigens aber an ihr hängt, und sie nicht hasset, in des Geist ist Falsch! Darum sagt David schon, wenn er im Josten Psalm die Seligkeit des Begnadigten rühmt: „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist.“ So gewiss es ist, dass wir im göttlichen Gerichte losgesprochen und begnadigt werden nicht um unserer Heiligkeit willen, sondern lediglich aus Gnaden um Christi willen, so gewiss ist auf der andern Seite, dass wir ohne Heiligung das Reich Gottes und sein Angesicht nicht sehen werden, dass also unsere Rechtfertigung nur eine eingebildete und erträumte ist, wenn sie nicht unsere Heiligung zur Folge hat. Entweder also, wir müssen beide zugleich wollen, die Rechtfertigung, und die Heiligung, oder wir müssen beide fahren lassen. Wer die Vergebung sucht ohne die Reinigung, erlangt keines von beiden, und in des Geist ist Falsch. Doch, wer wahrhaft bußfertigen und gebeugten Herzens ist, dem darf dies nicht erst gesagt werden. Er sehnt sich mit starkem und brünstigem Verlangen seines ganzen Herzens nach beiden. Ihn dürstet auf der einen Seite nach Gnade, nach dem Troste der Vergebung, der Erlassung aller seiner Schuld, der Gewissheit seines Rechts und Anteils an der ewigen Freude und Herrlichkeit, - aber nicht minder sehnt er sich von Herzensgrund nach Erlösung von der Sünde selbst, nach Freiheit, nach Reinheit, nach Kraft, durch Gottes Gnade ein anderer und besserer Mensch zu werden, ein geheiligtes Gefäß im Hause Gottes, zu Ehren, dem Hausherrn bräuchlich, und zu allem guten Werk bereitet (2. Timoth. 2, 21). Wer das sucht und wünscht, wer das von Herzen begehrt, dem ist Befriedigung verheißen. Die nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, die sollen satt werden. Die Gnade Gottes in Christo ist allgenugsam. Wir empfangen durch Ihn nicht nur das Recht zum Leben, sondern auch die Kraft zum Leben. Christus ist uns, sagt der Apostel in unsrem Texte, auch zur Heiligung gemacht. Seher da einen neuen, den dritten Hauptgrund, warum wir Ursache haben, Christum willkommen zu heißen, und uns zu freuen seiner gnadenreichen Erscheinung!  
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-Er ist uns von Gott zur Heiligung gemacht in jedem Sinne des Worts. Wir haben an Ihm zuvörderst den vollkommenen Lehrer der Heiligkeit. Er hat uns den geistlichen Sinn des göttlichen Gesetzes aufgeschlossen in seiner ganzen Tiefe. Er hat uns gelehrt unterscheiden den Gehorsam nach dem Buchstaben von dem Gehorsam des Herzens, und gezeigt, dass wir Gott nimmer gefallen können Mit äußerer Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit, wenn nicht auch unsres Herzens Neigungen und Wünsche und Begierde hängen seinem heiligen Willen gleichförmig, und lauter und rein sind vor seinem heiligen Angesicht. In der Bergpredigt Jesu allein besitzen wir eine ohne allen Vergleich reinere und tiefere Tugendlehre, als alles, was alle Weisen der Heiden jemals von der Tugend Gutes gelehrt haben, zusammen genommen. Konnte David vom Gesetze Mosis sagen: „Das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel; die Befehle des Herrn sind richtig; die Gebote des Herrn sind lauter, und erleuchten die Augen; alsdann wird ein Mensch seinen Weg unsträflich gehen, wenn er sich hält nach deinem Gebot;“ wir haben von noch größerer Klarheit zu rühmen in den Geboten des Evangeliums. Auch nicht nur mit Worten ist Jesus uns ein vollkommener Lehrer der Heiligkeit, sondern auch mit seinem heiligen Leben und Wan, del ein Vorbild. Er ist uns auf dem Pfade der Heiligung vorangegangen, und hat uns sein Vorbild gelassen, dass wir nachwandeln seinen Fußstapfen. Doch was würde das uns helfen, wenn Christus bloß unser Lehrer, sein Evangelium uns bloß eine Weisheitslehre wäre! Das Evangelium aber enthält zugleich die stärksten, die kräftigsten Beweggründe und Ermunterungen zur Heiligung! Im Tode Jesu haben wir Alles vor Augen, was von der Sünde uns abschrecken, was uns die Sünde verleiden kann. In demselben Tode sehen wir Alles, was uns zur Liebe Gottes und zum Gehorsam der Liebe reizen kann. Ist das nicht Gerechtigkeit, dass die Sünde der Welt auf diese Weise gestraft ward? Ist das nicht Liebe, dass Gott seinen eingeborenen Sohn für uns dahin gab? Die Gerechtigkeit und die Gnade geben sich über dem Kreuze Christi die Hand, also, dass es ein Zeichen ist denen, die selig werden, und denen, die verloren gehen. In dem Evangelium wird uns vorgehalten Himmel und Hölle, die ewige Freude und die ewige Pein. Wer sich nicht heiliget, nicht reiniget von den Sünden, die er doch erkennt, wo seine Hand, oder sein Fuß, oder sein Auge ihn ärgert, fährt in die Hölle, sagt Jesus, in das ewige Feuer, da ihr: Wurm nicht stirbt, und ihr Feuer nicht verlöscht. Als Preis der Heiligung dagegen, der Reinigung von aller Befleckung Fleisches und Geistes, zeigt uns das Evangelium das ewige Leben, das himmlische Erbe, die Heimat der Ruhe, die Krone der Überwindung und unaussprechliche Herrlichkeit! Ist das nicht Ermunterung, dem Kleinod nachzujagen, das uns die himmlische Berufung in Jesu Christo vorhält? Doch was würden auch Himmel und Hölle über uns vermögen, uns zur Heiligung tüchtig zu machen, ohne die allerkostbarste, die nötigste, die aller, unentbehrlichste Gabe der göttlichen Gnade, ohne den heiligen Geist, der die Kraft gibt, von dem die Kraft kommt, die uns zur Heiligung Not ist? In uns ist diese Kraft nicht. Wir werden zu Schanden mit allen unseren Vorsätzen, ohne den wirksamen Gnadenbeistand des Heiligen Geistes. Ja, hier erst erhellt, wie und wo, durch uns Christus auch zur Heiligung gemacht ist! Er allein, der uns Vergebung ausgewirkt, hat hiermit auch die Gabe und Kraft des Heiligen Geistes für uns erworben und hat sie in Händen. Diesen Geist empfangen Alle, die durch den Glauben mit Christo in wirkliche Verbindung treten, Ihm als ihrem Heilande, im Glauben wirklich eigen werden. Die Gabe und Kraft des Heiligen Geistes wird empfangen durch den Glauben. Unsre Wiedergeburt ist in allen ihren Teilen ein Werk des Heiligen Geistes vom Vater und vom Sohne. Auch die ersten Anfänge der Erleuchtung über uns selbst und jede heilige Gewissensregung ist sein Werk, seine Arbeit an unsrem Herzen. Aber mit diesen Anfängen seiner Arbeit an uns ist Er selbst noch nicht in uns eingekehrt. Dies geschieht erst durch den Glauben, durch welchen Christus unsere Gerechtigkeit wird. Christus unsere Gerechtigkeit! Wo dieses Wort im Herzen lebendig erfahren wird, da kehrt der Heilige Geist ein, und macht im Herzen Wohnung mit Liebe, mit Friede und Freude , mit Zuversicht, mit kräftigen Erinnerungen und, wo es Not ist, mit Zurechtweisungen, Drohungen und Bestrafungen, mit Erleuchtung über Gottes Wort, und Liebe zu Gottes Wort, und Freude, an demselben, mit Erleuchtung über Gottes Willen und Wohlgefallen auf allen unseren Wegen, mit deutlicher und kräftiger Führung und Leitung im Glauben, mit Beistand und Bewahrung in der Versuchung, mit wirksamem Troste in der Anfechtung, indem Er Christum je mehr und mehr in unsrem Herzen verklärt, und je mehr und mehr in seiner Erkenntnis und Liebe uns gründet, und den Glauben und die Hoffnung auf das ewige Leben uns stärkt, und uns mit Lust und Liebe zu guten Werken erfüllt, zur Ehre Gottes und Jesu Christi. Indem Er uns täglich demütigt durch Blicke in unsere Unwürdigkeit und Schwachheit, in den Abgrund unsres natürlichen Verderbens, hält Er uns nieder, dass wir uns unserer Gaben und Werke nicht erheben, - aber indem unser natürliches Verderben und unsere Ohnmacht uns niederschlägt und niederbeugt, hilft Er uns auf, dass wir in unsren Sünden und Gebrechen nicht verzagen, und lehrt uns auch unsere Heiligung als Gabe der Gnade suchen von dem, der unsere Gerechtigkeit ist; denn Er hat verheißen, dass er mit seiner Kraft will mächtig werden und sich verherrlichen in unserer Schwachheit. Er hat die Stärke, die uns gebricht, und gibt sie denen, die sie bei Ihm suchen. Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Ist schon die Sünde mächtig in uns, Er ist noch immer mächtiger, uns von ihr zu reinigen und zu befreien, und zu heilen alle unsere Gebrechen. Er ist der Weinstock, wir die Reben. Bleiben wir an Ihm, so bringen wir zu seiner Zeit auch Frucht. 
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-Nun, geliebte Zuhörer, wer unter uns der Heiligung begehrt, der suche sie nun auch auf dem hier vorgeschriebenen Wege, in der hier vorgeschriebenen Ordnung. Unsre Heiligung ist in dem ganzen Werk der Gnade Gottes an unsrem Herzen der Zweck, sie ist das Ziel aller Veranstaltungen, die Gott in Christo für uns getroffen hat. „Er hat uns, sagt der Apostel, erwählt durch denselben, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor Ihm in der Liebe.“ Der Herr sucht die Frucht. Dadurch, sagt Jesus, wird mein Vater geehrt, dass ihr viel Frucht bringt. Wo Christus in einem Menschenherzen und Menschenleben Gestalt gewinnt in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Gott gefällig ist, in Liebe von reinem Herzen, und von gutem Gewissen, und von ungefärbtem Glauben, da wird der Name Gottes geheiligt, da geschieht, warum Jesus vor allem Anderen in dem Gebete, das Er uns gelehrt hat, uns bitten heißt. Was können wir uns auch Größeres erbitten, als die Reinigung von der Sünde, ein reines Herz, die Verklärung in das Bild der Heiligkeit Christi, so wie Christus ein Bild des Vaters ist! Was können wir Größeres von Gott erlangen, als dass wir nach Geist, Seele und Leib geheiligt, und Tempel seines, Heiligen Geistes werden! Nun, wer unter uns geheiligt zu werden begehrt, der achte auf den in unsrem Texte gewiesenen Weg, auf die hier gelehrte Ordnung. Von Natur ist die Kraft zur Heiligung nicht in uns. Sie wird uns von Gott aus Gnaden geschenkt, durch Christum. Er ist uns von, Gott zur Heiligung gemacht, - vorher aber zur Gerechtigkeit. Diese also ist das Erste, was wir zu suchen haben. Nicht erst die Heiligung, und dann die Vergebung, sondern umgekehrt , erst die Vergebung, danach, die Heiligung. Wer die Heiligung sucht, und die Vergebung, die Reinigung seines Gewissens durch das Blut der Versöhnung gering achtet, bleibt unter des Gesetzes Fluch, und hat keinen Christum. Erst der Glaube, durch den der Heilige Geist ins Herz kommt, danach die Frucht. Wie töricht, wenn wir die Frucht wollen zur Wurzel machen, wenn wie wollen heilig werden, und mit dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste wieder in Gemeinschaft stehen, ehe wir Gnade erfahren haben, ehe wir Gott durch Christum versöhnt sind! Die Kinder sollten uns hier lehren. Haben sie vor den Eltern ein böses Gewissen und keine Freudigkeit, so bleibt ihre Sünde und Schuld, und sie haben nicht Kraft zur Besserung und Reinigung von ihrer Sünde. Wenn sie aber ihre Sünde bekannt haben, und sie empfangen einen Eindruck von der Liebe, die ihnen vergibt, wie willig sind sie alsdann, zu tun, was die Eltern wollen, und haben Kraft zum Gehorsam, zum Fleiß, und sind fertig und freudig zu allem Guten, ihren Eltern zu Liebe und zu Gefallen. „Wenn Du mein Herz tröstest, sagt David, dann laufe ich den Weg deiner Gebote.“ Ja, das ist der große Hauptbetrug unserer natürlichen Blindheit, dass Wir wollen erst besser sein, erst warten, bis wir gottgefällige Menschen geworden, ehe wir den Trost der Vergebung aller unserer Sünden uns zueignen. Sieht aus, wie Demut, ist's aber nicht. Es ist eigene Weisheit, die es besser wissen will und zu verstehen meint, als es der Geist Gottes im Evangelium lehrt. O, geliebte Zuhörer, möchtet ihr Gehör schenken dem, was aus Gottes Wort, aus unsrem Texte Euch gepredigt wird, der Bitte, die an Euch gerichtet wird, dass ihr nicht umkehren wollet die im Evangelium offenbarte -Ordnung des Heils, und keines der vier Güter des Heils, die hier genannt werden, übersehen oder verachten, auch nicht in anderer Ordnung sie suchen wollet, als hier gelehrt ist. Christus unsere Weisheit zuerst, danach unsere Gerechtigkeit und hiermit unsere Heiligung. Schon beim Propheten Jesaja heißt es, dass, wer sich des Herrn rühmt, sagen werde: „In dem Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke!“ Die Gerechtigkeit also zuerst, und danach die Stärke. Sehet da zugleich, Geliebte, den eigentlichen Grund, warum wir so oft, so viel, und immer aufs Neue von der Seligkeit durch den Glauben reden. Wahrlich nicht, dass wir die Werke verachteten! Wir eifern nur gegen die Werke, die nicht aus dem Glauben kommen, und behaupten mit großer Gewissheit, dass diese Niemanden zur Seligkeit helfen. Wir wissen, dass nur diejenigen Werke, die aus einem gründlich gedemütigten und wirklich gläubigen Herzen hervorgehen, Gotte angenehm sind in Christo. Heben wir das Gesetz auf durch die Predigt vom Glauben? Im Gegenteil, wir richten das Gesetz auf! 
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-Aber, Geliebte, diejenigen unter uns, die es erkennen, dass es die ewige Weisheit und Liebe ist, die diese Gnadenordnung entworfen, und diesen Weg uns bereitet hat, diese muss ich zum Schlüsse unserer heutigen Betrachtung auch auffordern und ermahnen zum Eifer und zum Fleiße in der Heiligung. Die Gerechtigkeit, die Rechtfertigung im göttlichen Gericht, wird uns auf einmal und alsbald auch ganz geschenkt. Aber nicht so ist es mit der Heiligung. Diese ist ein Werk, das allmählig zu Stande gebracht wird, das viele Stufen hat, das mancherlei Übung, Prüfung, Erziehung, Züchtigung, Läuterung und Schmelzung erfordert, ein Werk, das Zeit erfordert, bis der Sauerteig die ganze Masse mehr und mehr durchdringt, und den ganzen Menschen nach Geist, Seele und Leib durchsäuert. Was ist nun hier unserseits Not? Vor Allem, dass wir Christum lassen täglich aufs Neue unsere Weisheit und Gerechtigkeit sein. O, wie Not jedem auch unter uns! Wie wahr und treffend sagt irgendwo Luther: „Der alte Adam wird im Bade der Wiedergeburt nicht gleich ersäuft, sondern ist ein Vogel, der schwimmen kann.“ Manches Stück Finsternis, manche noch unerkannte innere Unlauterkeit pflegt bei der Wiedergeburt in das Leben des Glaubens noch mit hinüberzugehen, und es kostet oft viel, viel Mühe, viel Zucht, viel Demütigung, bis es dem Herrn gelingt, uns die unerkannte Sünde in ihrer finsteren Wurzel ins Licht zu stellen vor unser eignes Angesicht. Mit tiefer Beschämung, mit schmerzlicher Beugung müssen wir bekennen, auch bei den besten unter den Gläubigen ist es nicht anders. Hier nun kann und will und darf und wird der Herr auch weiter nicht schonen, so wahr Er die Liebe ist. Die, die Er lieb hat, die züchtiget Er, und der Zweck der Züchtigung ist, dass wir seine Heiligung erlangen, dass wir gereinigt werden von aller der noch in uns haftenden, und von uns entweder noch nicht erkannten, oder doch noch nicht abgelegten Unreinigkeit, die das göttliche Ebenbild in uns entstellt, und uns noch hässlich erscheinen lässt vor seinem heiligen Angesicht. O, wie nötig ist uns die Züchtigung! Wer lernt sie aus, die Schlangenwindungen des alten Menschen in uns, der nicht sterben will? Wie viele sind unter den Gläubigen, die sich selbst weit mehr Demut zuschreiben, als sie doch haben, und es damit beweisen, dass sie ungern sich strafen lassen, und bei weitem ihr Ohr noch immer nicht genug öffnen den Erinnerungen und Winken, die sie empfangen. Wie viele unter den Gläubigen, die sich auch in der Weisheit, in. der Anwendung des Wortes Gottes auf sich selbst, auf ihr Leben, in der Lebensweisheit geförderter halten, als sie sind! Daher muss denn Gott wohl mit Zuchtmitteln, mit der Züchtigung fortfahren, so wahr Er uns lieb hat, und darum ist es denn ein Hauptstück unserer Heiligung, dass wir die Züchtigung annehmen, und merken auf die Hand des Herrn, die uns schlägt, warum sie es tut. Sollen wir nicht Gott danken für jegliche Züchtigung, wie schmerzlich sie auch für den Augenblick ist, da wir wissen, wenn wir's auch jetzt noch nicht sehen, da wir wissen, dass Gott mit jeder Züchtigung unsere Heiligung im Auge und zum Ziele hat. Sollen wir nicht beten mit den Worten eines alten Liedes: 
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-„Und wo mir's Not, so schneide, stich und brenne, \\ 
-„Verschone nicht, bis sich die Sünde trenne, \\ 
-„Und meine Seel ihr höchstes Gut Dich nenne \\ 
-„Aufrichtiglich.“  
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-Wohl jedem, der das beten kann! Amen. 
-{{tag>3_Advent }} 
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-======Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig - Der Gruß der Elisabeth an Maria.====== 
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-Marias Lobgesang. 
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-Predigt am dritten Advent-Sonntag, den 17. Dez. 1843, 
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-über Evang. Lukas 1,39-56. 
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-Wir haben an den beiden vorigen Sonntagen die zwei göttlichen Botschaften vernommen, beide durch den Engel Gabriel vom Himmel herabgebracht, die erste an den Priester Zacharias im Tempel, dass sein Weib in ihrem Alter noch Mutter werden und den Sohn gebären solle, der von den Propheten schon als der berufene Vorbote des Erlösers angekündigt worden war, - die zweite, im sechsten Monat nachher an die Jungfrau Maria in Nazareth aus Davids Geschlechte, dass sie die Begnadigte, die Erwählte sei, von welcher der Heiland selbst solle Mensch geboren werden, und dass sie schwanger werden solle durch übernatürliche Wirkung des Heiligen Geistes. Maria empfing mit dieser Botschaft zugleich vom Engel die Nachricht von dem, was mit Elisabeth, ihrer Freundin, geschehen. Damit war der Maria der Weg gewiesen, wohin, zu welchen Personen sie sich zu begeben hatte, mit dem heiligen Geheimnisse, welches der Engel ihr kund getan. Davon hören wir den Bericht in demselben ersten Kapitel des Evangeliums Luk. 1, Vers 39-56. 
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-Text. Evang. Luk. 1,39-56.\\ 
-**Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge eilends, zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zachariä, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll; und rief laut, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leib. Und, o selig bist du, die du geglaubt hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dein Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm, und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen von Stuhl, und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern, und lässt die Reichen leer. Er denkt der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf; wie er geredet hat unseren Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monden; danach kehrte sie wiederum heim.** 
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-So weit dieser Bericht vom seligen Zusammentreffen der beiden auserkorenen Mütter, und von den Worten des Segens und von den Worten des Lobes, wovon ihr Mund bei der ersten Begrüßung aus dem Glauben und der Freude ihrer Herzen überfloss. Der Geist des Herrn, durch den sie geredet, was wir hier hören, segne den Inhalt ihrer Worte an uns zu unserer. Erbauung! 
-=====I. ===== 
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-Wir hören zuerst, (V. 39.) dass Maria nach der Offenbarung, die sie durch den Engel empfangen, eilig sich aufgemacht, von Nazareth in Galiläa, wo sie wohnte, nach dem Gebirge zu der Stadt Juda, d. h. zu der Priesterstadt im gebirgigen Teile des Stammes Juda, in welcher Zacharias und Elisabeth wohnten. Diese vom Evangelisten hier nicht namentlich genannte Stadt war ohne Zweifel die Stadt Hebron, von der wir im 21. Kap. des Buches Josua (21,9-11.13. 14,14. 15,13.) dies alles zusammen bemerkt finden, dass sie eine Priesterstadt war und zum Stamme Juda gehörte, und im Gebirge Juda lag, - so dass sie als die vornehmste Priesterstadt in diesem Stamme und überhaupt als eine der vornehmsten Städte des Stammes Juda durch den vom Evangelisten Lukas hier gebrauchten Ausdruck: „die Stadt Juda im Gebirge Juda,“ hinlänglich deutlich bezeichnet war. Eine Stadt, an die sich teure Erinnerungen aus der heiligen Geschichte anknüpften. Hier in der Gegend dieser Stadt hatte Abraham gewohnt, und war der gnädigen Heimsuchungen des Herrn gewürdigt worden, im Haine Mamre, der bei Hebron lag (1 Mos. 13,18. Kap. 18.). In demselben Hebron hatte David nach göttlicher Weisung (2 Sam. 2,1.) die ersten 7 Jahre seiner Regierung gewohnt, so lange er bloß über den Stamm Juda König war (2 Sam. 2,11. 5,5.). Hierhin, wo Zacharias und Elisabeth wohnten, machte sich Maria auf in Eile. Wie hätte sie es auch tragen können, das hohe Geheimnis ganz in sich zu verschließen? Dass sie aber sonst Niemanden es entdecken durfte, das fühlte sie wohl. Eine sehr freundliche Führung also, die sich auch in andern Beziehungen noch als eine von der göttlichen Weisheit vorgesehene Führung auswies, war es, die sie für einige Monate in das befreundete priesterliche Haus nach Hebron leitete. 
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-Und da sie in das Haus Zachariä kam V. 40., grüßte sie Elisabeth. „Und siehe, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll; und rief laut, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (V. 41 - 43.) Deutlich geht aus dieser Erzählung hervor, dass der Elisabeth in dem Augenblick, wo sie die hereintretende Maria ansichtig wurde, und ihren Gruß hörte, sogleich alles klar war, dass ihr noch ehe Maria ihr irgendetwas davon gesagt, die hohe Bestimmung derselbigen, die Mutter des Erlösers zu werden, sogleich und in großer Gewissheit und Klarheit aufgeschlossen ward. Solche plötzliche Aufschlüsse setzen ein vorbereitetes Gemüt voraus, und ein solches war das Gemüt der Elisabeth. Sie war nun schon im 6ten Monate mit dem Sohn schwanger, von dem sie wusste, dass er zum Vorboten, zum unmittelbaren Vorläufer des verheißenen Erlösers bestimmt sei. Demnach wusste sie, dass die Erscheinung des Erlösers selbst nun ganz nahe war, und hatte sich wohl auch in ihren Gedanken damit beschäftigt, wer nun die Mutter des Herrn selbst sein werde. Das Letztere war ihr nun noch zur Stunde verborgen. Kaum aber hat sie Maria erblickt, die ihr befreundete und in ihres Herzens Frömmigkeit ihr wohlbekannte Jungfrau Maria aus Nazareth, und hat ihren Gruß gehört und gewiss hat Maria sie diesmal in eigentümlich freudiger und feierlicher Stimmung gegrüßt, und die Gnade, die ihr widerfahren, hat sich gewiss auch in eigentümlicher Verklärung ihres Angesichts und ganzen Wesens zu erkennen gegeben, so wurde der Elisabeth auf einmal licht; der Heilige Geist vertraute ihr in demselben Augenblick das hohe Geheimnis, und sie empfing einen Eindruck von heiliger Freude, die ihr Innerstes bewegte, und dem Kinde unter ihrem Herzen sich mitteilte, dass auch dieses sich mit einem freudigen Hüpfen in ihrem Leib bewegte. Der Heilige Geist kam über sie, und überschüttete sie mit Licht und Freudigkeit und großer Gewissheit, und öffnete ihr den Mund zur Erwiderung des Grußes der Maria in Worten der Weissagung sie zu segnen und selig zu preisen. Sie ward voll des Heiligen Geistes, und rief laut und sprach: „Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leib.“ Nur durch Eingebung des Heiligen Geistes konnte Elisabeth das wissen, dass Maria schwanger sei und die ausersehene Mutter des Erlösers sei. Auch das Hüpfen des Kindes in ihrem Leib in dem Augenblick des Grußes der Maria gehörte mit zu dem Außerordentlichen, wodurch der Heilige Geist sie in diesen Augenblicken gewiss machte. Lasst uns dabei nicht übersehen, was von der ordentlichen, der gewöhnlichen Wirksamkeit des Heiligen Geistes in dem Herzen der Elisabeth hier in ihren Worten sich kund gibt, die Glaubenskraft der Elisabeth und ihre herzliche Demut. „Die Mutter meines Herrn“ so nennt sie die Maria. Das war viel gesagt, und Ausdruck eines starken Glaubens. Sie hat die Worte der Botschaft des Engels an ihren Mann Zacharias genau gemerkt, und sie tief in ihrem Herzen erwägt und bewegt. „Er wird“ so hatte der Engel von dem ihr verkündigten Sohn Johannes gesagt, „er wird vor ihm, dem Herrn, hergehen.“ Darum nennt sie den Erlöser, der nun Mensch geboren werden soll, mit demselben göttlichen Namen, Herr, Jehova, den ihm der Engel schon in seiner Botschaft gegeben hat. Sie wusste auch, dass die Propheten allesamt Ihn unter demselbigen Namen verkündigt hatten. Hatte doch auch David dieserhalb den ihm verheißenen leiblichen Sohn im Glauben seinen Herrn genannt, in den Anfangsworten des 110. Psalmes: „Der Herr sprach zu meinem Herrn.“ (zu vgl. Ps. 110, 5.) In demselben bellen Gnadenlicht zeugte auch Elisabeth hier von der Gottheit dessen, den Maria unter ihrem Herzen trug. Daher nun auch ihre Ehrfurcht vor der Maria, der begnadigten Jungfrau. Sie stand den äußeren Verhältnissen nach, als betagte und angesehene Priestersfrau ja sonst nicht so zu dieser Jungfrau, einem armen Mädchen aus Nazareth, dass sie einen Besuch von ihr sich hätte zur Ehre rechnen müssen. Nun sie in ihr aber die ersehene Mutter des Herrn erkannte, gestaltet sich in ihren Augen das Verhältnis anders, und mit Rührung und Beugung ihres Herzens erkennt sie es als eine neue Gnade und Ehre, die ihr damit wird, dass die Mutter des Herrn zu ihr kommt. Sie setzte hinzu V. 45.: „Und o selig bist du, die du geglaubt hast.“ Sie siehts im Lichte des Geistes und durch Wahrnehmung an dem Wesen der Maria, dass dieselbe der ihr gewordenen göttlichen Eröffnung geglaubt hat, und preist sie selig dieserhalb ihrem Mann Zacharias hatte sein Kleinglaube ja eine sehr demütigende Züchtigung zugezogen, - „selig bist du, die du geglaubt hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn“ (V. 45.). Sie hatte es in ihrer Schwangerschaft an sich selbst nun schon vor Augen, dass es geschehen und wahr geworden, was der Engel ihrem Mann verkündigt hatte, 
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-Für Maria war das eine unerwartete Freude und eine ungemeine Glaubensstärkung, von der ehrwürdigen Elisabeth, noch ehe sie ihr etwas gesagt hat, so empfangen und begrüßt zu werden in Worten des Segens, im Geist der Weissagung. Der Heilige Geist, der Elisabeths Herz erfüllt, und ihren Mund geöffnet hatte zum Segnen und Weissagen mit lauter Stimme, kam nun auch über Maria und öffnete auch ihr den Mund zu dem Psalm, zu dem Lobgesang, der in unseren Textesworten zuletzt verzeichnet ist, und in dem sich das demütige und sehr reine Herz der Maria, und die Einfalt und Kraft ihres Glaubens wie auch ihr Verständnis am göttlichen Wort so ausspricht, dass jeder aufmerksame und empfängliche Leser und Hörer viel daraus lernen, und zu seiner Beschämung, wie zu seiner Ermunterung viel daraus nehmen kann. Nur auf die Hauptpunkte lasst uns unsere Aufmerksamkeit hinrichten. 
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-„Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ (V. 46. 47.) Maria hat außerordentliche Gnade und Ehre empfangen. Was sie empfangen hat, gibt sie dem, von dem sie es empfangen, wieder, durch das Lob, das sie Ihm dafür gibt, durch die Lobpreisung, womit sie Ihn und seine freie Macht und Gnade, die Er an ihr darin bewiesen, erhebt. Sie sagt: „Meine Seele erhebt den Herrn.“ - In außerordentlichen Gnadenerweisungen liegen für den, der sie erfährt, schwere Versuchungen, die Versuchung, das, was man empfangen hat, als sein eigen anzusehen, und Wohlgefallen darin an sich selber zu haben, die Versuchung zur sündlichen Selbsterhebung. So fällt der alte Mensch der Eigenliebe in uns über alles Empfangene der, und auch die Kinder Gottes alle haben dieser Versuchung halber Ursache, auf das sorgfältigste und schärfste fortwährend sich selbst zu bewachen. Bekannte doch der Apostel Paulus, dass jenes schmerzliche Leiden, worüber er klagt, jener Pfahl ins Fleisch ihm dazu gegeben war, dass er sich nicht der hohen Offenbarungen überhübe, die er empfangen. Der Maria war durch die ihr gewordene Bestimmung eine ganz außerordentliche Gnade widerfahren. Ihr Gemüt konnte nicht anders als aufs tiefste davon ergriffen und durchdrungen werden. Hätte sie dieses ihr gewordenen Vorzugs nun irgend als ihres Eigentumes sich angenommen, und sich darin in eigner Größe und Ehre gefallen, hätte sie unter dem Gewicht solcher Gnade und Ehre, um deren willen nun auch Elisabeth sie selig pries, ihr Herz nicht alsbald lauterlich aufwärts zu dem Herrn, ihrem Gott, aufgeschwungen, Ihm gläubig und dankbar die Ehre dafür wiederzugeben, die Ihm allein und seiner freien Gnade allein das für gebührte, so würde sie Schaden darüber genommen haben an ihrer Seele, und es wäre ohne Befleckung ihres Geistes nicht abgegangen. Nun sie sichs aber nicht annahm als ihres Eigentums, nicht sich darin bespiegelte, und sich selbst darin wohlgefiel, - und nicht sich, sondern den Herrn darüber erhob, und seine freie Gnade darin betrachtete und lobpries, da nahm es mit der Ehre und Freude, mit der ihr Herz überfüllt worden und mit der Bewegung ihres Herzens den rechten Weg in die Unendlichkeit zu Gott hinauf, zu Ihm zurück, von dem es gekommen, und dem Dank und Lob und Ehre und Ruhm für alles, was Er an uns tut, für alle Gnade, die Er an uns den sündigen Menschenkindern erweist, ohne Ende gebührt. So behielt sie ihre Seele rein und frei durch Danksagung und Lob  
-des Herrn, und so blieb sie auch selig. Sie bewahrte sich damit ihre Seligkeit in der ihr gewordenen Gnade, denn die Lauterkeit und die Seligkeit des Herzens gehen zusammen. Mein Geist, sagt sie, freut sich Gottes meines Heilands, meines Erlösers. „Denn“, sagt sie, und redet nun auch von sich selbst, - aber wie tut sie es? V. 48. „Denn Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ - Keine Spur hier, dass sie hohe Gedanken von sich selbst gehabt; sie weiß und fühlt und spricht es hier aus, dass sie nicht die geringste Würdigkeit vor Gott geltend zu machen gehabt hätte dieser ihr gewordenen überschwänglichen Ehre halber. Diese Niedrigkeit aber, welche Maria in ihren Augen hatte und behielt, hinderte sie nicht, sich des ganz außerordentlichen Maßes der ihr widerfahrenen Gnade und Ehre bewusst zu sein. „Siehe“ -, setzte sie hinzu. V. 48. „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.“ Sie sah es im Geist voraus, dass man sie selig preisen werde, als die begnadigtste aller Mütter, durch alle Zeiten der Zukunft, weil sie im Geist erkannte, wer der sei, den sie gebären sollte, der Sohn Gottes, der dem David verheißene göttliche Thronfolger und ewige König, der Heiland Israels in der Welt. Das wusste sie, darum wusste sie auch, dass sie werde selig gepriesen werden durch alle Zeiten der kommenden Geschlechter von Kind zu Kindeskinder. Indessen reicht nur einige Aufmerksamkeit und Einsicht hin, zu erkennen, wie wenig übereinstimmend mit Marias Sinn und Geist, und wie widersprechend demselbigen es ist, sie abgöttisch zu verehren und anzurufen, und das nicht allein, sondern auch als eine Mittlerin, deren Fürsprache bei Christo vom höchsten Gewichte sein soll, sie anzurufen, und sie so Christo dem Herrn, dem einigen Mittler zwischen Gott und uns, an die Seite zu setzen, und so die Leute vor der seligmachenden Kraft des Vertrauens auf Ihn allein vorbeizuführen, und sie zu lehren, ihr Vertrauen auf Kreaturen zu gründen. Maria wusste, dass der, den sie gebären sollte, ihr und der Welt einiger Heiland sei. Nicht zu ihrer, sondern zu seiner Ehre bezeugte und bekannte sie, wie hoch sie als seine leibliche Mutter begnadigt sei. 
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-V. 49. „Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist.“ V. 50.: „Und seine Barmherzigkeit währt immer für und für, bei denen, die Ihn fürchten.“ Sie preist die Wundermacht Gottes, die Er an ihr verherrlicht, und dass der das tut, des Name heilig ist, der, weil Er heilig ist und in der Höhe und im Heiligtum wohnet, auch nur hinuntersehen kann auf das Niedrige, d. i. auf die, die gedemütigten Geistes sind, und vor seinem Angesicht sich fürchten (Jes. 57,13.). Seine Barmherzigkeit aber ist von jeher der göttliche Grund der Zuversicht seines Volks gewesen, und wird es bleiben für und für, denn auf diese heißt Er selbst uns in den Verheißungen seines Wortes und gründen. „Seine Barmherzigkeit währt immer für und für, bei denen, die Ihn fürchten.“ 
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-Und nun preist Maria auch das Tun und Walten der freien Macht und Gnade des Herrn mit Hindeutungen auf die heilige Geschichte und mit Aussprüchen des göttlichen Wortes, aus denen erhellt, wie ihre Seele auf den fruchtbaren Auen des göttlichen Wortes genährt und wie sie mit den Wegen Gottes vertraut war. Sie sagt V. 51.: „Er übt Gewalt mit seinem Arm, und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.“ V. 52-53.: „Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt Er mit Gütern, und lässt die Reichen leer.“ Sie erkennt in dem, was an ihr geschehen und was sich neu nun anbahnt, die alten Wunderwege des Herrn, und seine Gerichte. Die Worte dieses ihres Psalmes weisen auf die Worte des Lobgesanges der Hanna, der Mutter des Samuel, und auf die Worte der Psalmen ihres Vaters David zurück, den Gott auch aus der Niedrigkeit erhoben, und von den Schafhürden weggenommen und ihn zum Fürsten seines Volks bestellt hatte. Sie endet ihr Lied mit dem Lob der Wahrhaftigkeit und Treue des Herrn in der Erfüllung seiner Verheißungen. V. 54.55.: „Er denkt der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf; wie Er geredet hat unseren Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Sie kennt die Verheißungen, welche die Väter der Vorzeit empfangen hatten, sie kennt den Bund, den Gott in Verheißungen freier Gnade mit Abraham aufgerichtet, und seinem Samen ewiglich. Auf die Erfüllung dieser Verheißungen hat auch sie mit allen Gläubigen in Israel gewartet; dass sie die Mutter des Verheißenen werden solle, das war ihr unerwartet und wunderbar vor ihren Augen, aber die Sache selbst, das Kommen des Erlösers in die Welt, das war ihr nicht fremd, und dass es zu seiner Zeit zur Wirklichkeit damit kommen werde, das war ihr gewiss. Wohl hatte es eine längere Zeit her äußerlich das Ansehen gehabt, als habe der Herr der dem Abraham und seinem Samen verheißenen Barmherzigkeit und seines Knechtes Israel vergessen; umso freudiger, da sie die Zeit der Erfüllung nun anbrechen sah, lobte sie ihn über der Wahrhaftigkeit seiner Verheißungen, über seiner Treue. 
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-V. 57. „Und Maria blieb bei ihr bei drei Monden.“ In aller Weise freundlich war mit diesem dreimonatlichen Aufenthalt der Maria bei der Elisabeth im Hause des Priesters Zacharias für das beiderseitige Bedürfnis ihrer Herzen und für die Ehre der Maria gesorgt. Nach Ablauf dieser drei Monate, also kurz vor der Niederkunft der Elisabeth, kehrte sie nach Nazareth wieder heim. 
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-=====II.=====  
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-Geliebte in dem Herrn! Soll ich es in wenig Worte zusammenfassen, was vor allem Anderen aus unseren heutigen Textesworten herausleuchtet, und wovon ich wünsche, dass ihr das Bild in euern Herzen mitnehmt und den Eindruck bewahrt, so ist es die seligmachende und die reinigende Kraft des Glaubens an die freie Gnade. Die Gnade Gottes ist das Gut der Güter, das wir bedürfen, um selig zu sein. Nur in ihr finden und haben und bewahren wir Frieden! Sie aber ist auch tägliches Wohlleben. Nach dem Reichtum der Gnade, die bei Gott ist in Christo Jesu unserem Herrn, nimmt Er uns, wo wir durch den Glauben vor Ihm gerecht werden, auch zu seinen Kindern und Miterben Christi an, eine Gnade und Ehre, die in ihrem Wert größer ist, als die Auszeichnung, die der Maria damit zu Teil wurde, dass sie zur leiblichen Mutter des Herrn ausersehen war, wie Jesus nachher auch selber gesagt hat; da ein Weib unter dem Volk, während Er lehrte, die Stimme erhob und sprach: Selig ist der Leib, der Dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast, erwiderte Er: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Und ein andermal, da, während Er lehrte, seine Mutter und Brüder nach Ihm schickten und Ihn rufen ließen, redete Er seine Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, derselbige ist mein Bruder, Schwester und Mutter. - Selig, sprach Elisabeth zu Maria, selig bist du, die du geglaubt hast. 
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-Derselbige Glaube aber, der das Herz selig macht, reinigt es auch. Er wurzelt in der Demut, und seine Frucht ist die dankbare und neidlose Liebe. War etwas an der Maria, was der Herr ansah, da Er sie wählte, die Mutter des Erlösers zu werden, so war es vor Allem dies, dass sie in ihren eigenen Augen niedrig und vor dem Angesicht Gottes demütig war. Darum musste der Engel Gabriel vor vielen hohen, vornehmen und stattlichen Jungfrauen in Jerusalem und in den Städten des jüdischen Landes vorübergehen, und wurde von Gott zur Niedrigkeit seiner Magd Maria in Nazareth gesendet, denn des Herrn Augen sehen auf das Niedere. Weil Er allein groß und hoch ist, und Niemanden über sich hat, noch seines Gleichen Jemanden neben sich, wie kann er da auch anders, als hinunter aufs Niedrige sehen, und in Gnaden Andere ansehen, als solche, die seiner Gnade begehren, und wo sie ihnen wird, in Demut und Dankbarkeit ihrer Herzen Ihn auch dafür erkennen, und die Ehre nicht für sich behalten, sondern Ihm wiedergeben? Wie kann Er Barmherzigkeit erweisen denen, die schon ohne Ihn groß und hoch sind in ihren Augen und weise bei sich selbst, und in ihren Augen gerecht sind, und der Barmherzigkeit nicht bedürfen? Wie kann Er es sich bieten lassen, Er der allein hoch ist, dass die Kreatur, zumal die sündige Kreatur, der keine andere Zuflucht als zu seiner Barmherzigkeit übrig ist, sich vor ihm hoch stelle, auf einen Standpunkt, wo er sie nicht sehen, nämlich in Gnaden sie nicht ansehen kann? Gleichwohl ist, wie lässt sichs leugnen? auch in unseren Tagen und auch, unter uns nichts gemeiner als das bei sich selbst weise sein, und in seinen eigenen Augen gerecht sein, und das Geringachten des Evangeliums von der in Christo erschienenen Gnade und Barmherzigkeit, weil man in den eigenen Augen zu hoch steht, um als Gnade bedürftiger Sünder zu Christo zu kommen? Was Wunder, dass diese nun auch von Gott nicht angesehen werden, und ihrem ganzen Wesen und Leben auch leicht abzumerken ist, dass sie, wenn auch teilweise vom Reich Gottes nicht fern, doch nicht darinnen, nicht begnadigt, nicht selig sind, und nicht loben können: „Mir ist Barmherzigkeit widerfahren?“  
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-Der seligmachende Glaube wurzelt in der Demut und seine Frucht ist die dankbare und neidlose Liebe. Der Begnadigte weiß, wofür er dem Herrn zu danken und Ihn zu loben hat. Der Begnadigte ist reich und auch in Trübsal nicht verlassen, nicht ohne mächtigen Halt göttlichen Trostes. Gewiss ist, dass, wenn uns Alles genommen würde, und nur die Gnade Gottes uns bleibet, dass wir an ihr genug haben, wie auch der Apostel in seinem Leiden damit aufgerichtet wurde, dass es zu ihm hieß: „Lass dir an meiner Gnade genügen.“ Gewiss aber auch, dass, wenn Gott diejenigen, die Er zu Gnaden angenommen hat, auszeichnen will mit Gaben und Ehren und Vorzügen nach seiner freien Gnade und Macht, dass auch die höchsten Auszeichnungen dem nicht schaden, der in der Demut bleibt, und in dem, was er empfangen hat, nicht Gefallen an sich selber hat, sondern es Gott dem Herrn, von dem er es empfangen, in dankbarem Lob zurückgibt. In demselben seligmachenden Glauben an die freie Gnade empfangen wir auch Licht und Kraft, da wo wir Andere gesegnet und hochbegnadigt und vorgezogen sehen, unser Herz zu bewahren, wie vor dem Neid darüber und Stolz, der sich in der Herabsetzung der Gaben Anderer wohlgefällt, so auch vor der abgöttischen Hochstellung derer, die Gott begabt und vorgezogen hat, wie wir es am Beispiele der Elisabeth gegenüber der Maria hier sehen. Der Herr segne Euch und mir, was Er uns hier vorhält in seinem Worte. Er erfreue unser Herz, und reinige unser Herz durch den Glauben, und heilige uns in seiner Wahrheit, sein Wort ist die Wahrheit. Amen. 
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-{{tag> 3_Advent }} 
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-======Körber, Emil - Der große Tag des Gerichts.====== 
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-(Dritter Advent 1871.) 
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-Text: Matth. 25,31-46.\\ 
-**Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Ges rechten antworten, und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeist? Oder durstig, und haben dich getränkt? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherbergt? Oder nackend, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
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-Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. So hat ein großer Dichter gesprochen. Aber dieses Wort ist, so schön es auch klingt, genau betrachtet, nicht wahr. Der Mund der ewigen Wahrheit redet anders. Freilich richtet Gott schon in dieser Zeit die Menschen; Gott lässt das Böse nicht ungerächt, sondern greift richtend und strafend ein in die Geschichte der Völker im Großen und in die Geschichte jedes einzelnen Menschen im Kleinen; und diese Gerichte Gottes sind oft so gewaltig und in die Augen fallend, dass die Menschen sich demütigen und beugen und ausrufen müssen: Das ist Gottes Finger! Fürchtet Gott und gebt Ihm die Ehre! Aber ganz und endgültig wird das Böse in dieser Zeit nicht gerichtet, so wenig als das Gute seinen ganzen Lohn findet. Der Gottlose grünt und blüht oft wie ein Palmbaum, und die Übeltäter wachsen und gedeihen; dagegen die Frommen sitzen oft in Dunkelheit und Finsternis, die den Herrn fürchten, müssen oft seufzen und weinen. Darum weist die ganze heilige Schrift Alten und Neuen Testaments mit heiligem Ernst unwidersprechlich klar und deutlich hin auf einen großen Tag der Rechenschaft, da Gott geben wird einem Jeglichen nach seinen Werken, nach dem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse; ja die Weltgeschichte mündet einst aus in ein großes Weltgericht. Siehe, es kommt ein Tag, der brennen wird, wie ein Ofen; da werden alle Verächter und Gottlose Stroh sein, und der künftige Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln, und ihr werdet aus und eingehen und ewige Weide finden. Ja es bleibt dabei, wie wir gesungen haben: 
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-Die Welt kommt einst zusammen \\ 
-Im Glanz der ew'gen Flammen \\ 
-Vor Christi Richterthron. \\ 
-Dann muss sich offenbaren, \\ 
-Wer die und jene waren,\\ 
-Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. 
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-Des Menschen Sohn, der Weltheiland, wird auch der Weltrichter sein. Er ist, wie dort Paulus in Athen den Griechen bezeugt hat, der Mann, durch welchen Gott richten wird den Kreis des Erdbodens in Gerechtigkeit. Davon legt auch unser Text ein gewaltiges Zeugnis ab: des Menschen Sohn, Jesus Christus, unser Herr und Heiland, hochgelobt und angebetet im Himmel und auf Erden, der sich zurückgezogen hat eine Zeit lang in die Unsichtbarkeit, das unsichtbare Haupt der Kirche wird sichtbar wiederkommen. zum Weltgerichte am Ende der Tage, zum ewigen Gericht der Gottlosen, zur ewigen Freude der Frommen. 
- 
-O Geliebte, dass doch diese Wahrheit uns nicht bloß ins Ohr, sondern ins Herz fallen möchte, so dass ernste Buß- und Belehrungsgedanken in uns aufsteigen und zur Reife gelangen, und wir unsere Seligkeit mit Furcht und Zittern schaffen. Wer weiß, wie nahe unser Ende ist? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie geschwind und wie behände wird kommen unsere Todesnot! Lasst uns besonders wachen und beten, dass wir nicht ergriffen werden von dem Geiste der fleischlichen Sicherheit und Trägheit, der im Genuss dieser Welt spricht: Mein Herr kommt noch lange nicht. O lasst uns allezeit wacker sein und beten, dass wir würdig werden mögen, zu entfliehen dem ewigen Verderben und zu stehen vor des Menschen Sohn. 
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-Zu dem Ende wollen wir noch weiter miteinander reden 
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-Von dem großen Tage des Gerichtes, 
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-dieser Tag ist 
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-  - ein Ehrentag des Menschensohns, 
-  - ein Tag der großen Scheidung und ewigen Entscheidung für alle Menschenkinder. 
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-Herr Jesus Christus, du ewiger Gott und Heiland der Welt, du Richter der Lebendigen und der Toten! Du wirst wieder kommen in Kraft und Herrlichkeit, und alle Völker werden versammelt werden vor deinem Throne. Auch wir alle, die hier versammelt sind in deinem Hause, müssen offenbar werden vor deinem Richterstuhl. O gib, dass wir einst nicht zu Schanden werden, sondern uns ewiglich freuen dürfen in deiner Gemeinschaft. O bekehre, bekehre uns! Amen. 
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-Wir reden, im Herrn Geliebte, von dem großen Tage des Gerichts, und zwar: 
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-=====I. dieser Tag ist ein Ehrentag des Menschensohnes.===== 
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-„Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden.“ Fürwahr, der Tag, an dem diese Worte in Erfüllung gehen, ist ein Ehrentag für den Menschensohn. Welche Hoheit, Erhabenheit und Majestät Jesu Christi ist darin angezeigt! Wenn ein Liebhaber des Heilandes diese Worte liest, so muss sein Herz frohlocken und jauchzen über der Herrlichkeit des Menschensohnes. O fasst es doch: Unser Heiland, der in Gethsemane unter der Last der Sünde im Staube lag, unser Heiland, den die Juden verschmäht, verlästert, verspottet, wie einen gemeinen Verbrecher herumgeschleppt, mit Fäusten ins Angesicht geschlagen, gegeißelt und zulegt ans Kreuz genagelt haben zwischen zwei Missetätern, dieser unser Heiland, den wir lieben, anbeten, vor dem wir unsere Knie beugen in Demut, wird wieder kommen in Herrlichkeit. 
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-Himmel, freue dich, und Erde, sei fröhlich! Das Meer brause und was darinnen ist, das Feld sei fröhlich und Alles, was darauf ist! Freue dich, Christengemeinde; freue dich, Kirche; freue dich, meine Seele, vor dem Herrn! Denn er kommt, ja er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit Wahrheit. Dagegen, ihr Feinde Christi, die ihr mit frecher Hand unserem Herrn die Krone der Gottheit vom Haupte reißen wollt und den Herrn der Herrlichkeit mit euerm Unglauben aufs Neue ins Grab legt und allerhand schöne Blumen eitler Phrasen auf sein Grab pflanzt; o ihr Feinde, die ihr sprecht in euerm Herzen und auch ohne Furcht eures Herzens Gedanken in die Welt hinausposaunt und sagt: Jesus Christus wird nicht wieder kommen! Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt Alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist; es geht Alles nach bestimmten Gesetzen der Natur, die Welt wird sich fort und fort entwickeln, verbessern, verschönern aus ihrer eigenen Kraft; es gibt keinen Gott, der wunderbar eingreift, keinen Christus, der herrlich wieder kommt, - ach wie werdet ihr dastehen in Schande und Schmach! Wie werdet ihr euch schämen müssen und zunichte werden, wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm! Wie werden alle eure Träume von Weltverbesserung und Weltverklärung ohne Christus verweht werden von der scharfen Morgenluft des göttlichen Gerichts! Dann wird alles Disputieren und Philosophieren, alles Gespötte und Gelächter des Unglaubens auf ewig verstummen; dann werden alle die hochtrabenden, schön klingenden, stolz absprechenden Worte der falsch berühmten Kunst und Wissenschaft, die im Dienste der Eitelkeit dieser Welt steht und unzählige Herzen verführt und ins Verderben stürzt, sich herausstellen als das, was sie sind - als leerer Schall und eitler Dunst. Ach, Geliebte, nehmt es doch nicht leicht mit dem Unglauben und Halbglauben unserer Zeit; tretet ihm entgegen mit heiligem Ernst, bei euch selbst und bei Anderen, wo ihr ihn findet, und sucht euch selbst und Andere zu retten und selig zu machen durch Glauben an Jesum Christum, den persönlichen Heiland der Welt, den Versöhner und Seligmacher, den Richter der Lebendigen und der Toten. Gott wird einst nicht fragen nach unseren religiösen Meinungen und Ansichten, sondern er wird suchen und fragen bei allen Menschenkindern nach dem Glauben an seinen Sohn. Nimmermehr wird sich Gottes Wort nach unserem Kopfe richten; vielmehr wir müssen uns richten nach Gottes Wort und uns beugen unter seine göttlichen Aussprüche. 
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-So hat es denn trotz aller Aufklärung und allen Fortschritts sein Verbleiben bei dem großen Grundsatz des göttlichen Reiches: Wer da glaubt an den Sohn Gottes, Jesum Christum, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. 
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-Er kommt zum Weltgerichte, \\ 
-Zum Fluch dem, der ihm flucht; \\ 
-Mit Gnad und süßem Lichte \\ 
-Dem, der ihn liebt und sucht. 
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-„Des Menschen Sohn, Christus, wird kommen in seiner Herrlichkeit“. Bei seiner ersten Ankunft im Fleisch ist er nicht in Herrlichkeit gekommen, sondern er trug den Orden der göttlichen Majestät auf der Brust verhüllt unter dem Mantel der menschlichen Schwachheit und Niedrigkeit. Sein ganzer Lauf durch diese Welt war ein Weg der Entsagung, ein Pfad der Verleugnung, ein Wandel durch das Tal der Demut, an dessen Ende das Kreuz auf Golgatha steht! Und auch wenn Christus in die Herzen der Seinigen kommt und darin Wohnung macht, kommt er nicht in Pracht und Herrlichkeit nach Außen, sondern es glänzt der Christen inwendiges Leben; nach Außen aber sind seine Kinder gar oft schwach und hinfällig, elend und gebrechlich, arm, verachtet und verschmäht. Ja, nach außen ist Christus und seine Kirche, seine Gläubigen, in dieser Zeit nicht herrlich. Aber nur getrost! Es kommt ein Ehrentag Jesu Christi, des Menschen Sohn wird kommen in seiner Herrlichkeit! Da wird seine Gottheit nicht mehr verborgen sein, wie in den Tagen seines Fleisches, sondern hervorbrechen wie ein Strom und herausstrahlen aus seinem verklärten Leibe wie die Sonne; es wird ein überschwänglicher Glanz sein, in welchem alle Strahlen seiner göttlichen Herrlichkeit sich zusammen fassen und sich offenbaren in anbetungswürdiger Vollkommenheit. Da wird sich auftun ein Abgrund des göttlichen Erbarmens, der ewigen Liebe, aber auch seine Heiligkeit und Gerechtigkeit wird ans Licht treten und sich zeigen, sich nicht mehr einschränken, sondern freien Lauf haben und hinunterbrennen bis in die Hölle. Da wird ein wunderbarer Schauplatz seiner göttlichen Allmacht sein, welche alle Menschenkinder vor den Richterstuhl ruft; es wird sich öffnen eine unergründliche Tiefe seiner Allwissenheit, die Nieren und Herzen prüft und die geheimsten Gedanken der Menschen bloßlegt und nach dem strengen Recht ans Licht zieht. Ja, „des Menschen Sohn kommt in seiner Herrlichkeit und seine heiligen Engel mit ihm“. An dem großen Tage, da die Zeit einmündet in die Ewigkeit, wird die unsichtbare, ewige Welt sichtbar, die persönlichen Wesen der himmlischen Welt, die seligen Geister, die heiligen Engel erscheinen in zahlloser Menge „alle heiligen Engel mit ihm“ als sein Gefolge. Er selbst aber, des Menschen Sohn, „wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit“. Jesus, der auf Erden nicht hatte, da er sein Haupt hinlegte, dessen heiliger Leib am Kreuze hing und in fremdem Grabe ruhte Jesus wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. „Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden.“ „Ich sah einen großen weißen Stuhl, und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht floh die Erde und der Himmel und ihnen ward keine Stätte erfunden.“ „Und ich sah die Toten, beide Groß und Klein, stehen vor Gott, und die Bücher wurden aufgetan. Und das Meer gab die Toten, die darinnen waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die darinnen waren, und sie wurden gerichtet, ein Jeglicher nach seinen Werken.“ Tag des Gerichts! O Ehrentag Jesu Christi! O Versammlung aller heiligen Engel Gottes! Versammlung aller seligen und unseligen Geister, aller Menschenkinder, der Lebendigen und der Toten. 
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-Die Posaun' im Wundertone \\ 
-Sprengt die Gräber jeder Zone, \\ 
-Sammelt Alle vor dem Throne.  
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-Erd' und Tod wird schau'n mit Beben\\ 
-Alle Kreatur sich heben,\\ 
-Antwort vor Gericht zu geben. 
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-„Es werden vor ihm alle Völker versammelt werden.“ Alle Menschen vor Gottes Thron! Alle Geschöpfe vor dem Schöpfer! Alle Sünder vor dem Heiligen! Da kann Niemand sich verbergen, Niemand sich verstecken; die Allmacht Gottes bringt Alle herbei, keine Seele wird fehlen. Und wenn Einer sein ganzes Leben hindurch keine Versammlung in der Kirche unseres Gottes besucht hat, um ja nicht in die Reihe der Kirchgänger und Stundenleute gezählt zu werden: diese Versammlung vor Gottes Thron muss er besuchen; da helfen keine Entschuldigungen, keine Einwendungen und Ausreden, keine Redensarten und Komplimente, er muss vor Gottes Thron in der Versammlung aller Völker erscheinen. Alle die Atheisten und Spötter, die über Gott und Ewigkeit sich lustig machten, müssen Gott und der Ewigkeit ins Angesicht sehen. Alle Christusfeinde, denen der Gekreuzigte ein Ärgernis und eine Torheit war, müssen den gekreuzigten und nun verklärten Menschensohn auf dem Throne sehen als ihren Richter. Alle Materialisten, denen nur die Erdscholle als Wahrheit galt, das was sie betasten und greifen konnten, sie müssen die himmlische Geisterwelt in ihrem Glanze erblicken. Alle falschen Hirten und Lehrer, welche ihren Gemeinden nicht das lautere Evangelium predigten, müssen erscheinen vor dem Richterstuhl des großen Erzhirten und hören, wie ihre Zuhörer als Ankläger und Zeugen gegen sie auftreten. Alle Gottlosen, die sich in diesem Leben von Gott losgesagt haben, müssen vor Gott kommen. Alle Hurer und Ehebrecher, die viele Seelen verführt und um ihre Unschuld gebracht haben, alle die feinen und groben Wüstlinge, alle Hoffärtigen und Prunksüchtigen, welche die Kleiderpracht und Eitelkeit zum Götzen ihres Herzens gemacht haben, müssen offenbar werden in ihrer ganzen Schändlichkeit, Jämmerlichkeit und Erbärmlichkeit. Alle Könige und Fürsten müssen ihre Kronen niederlegen vor dem König aller Könige; alle Mächtigen und Gewaltigen, denen die Welt zu Füßen lag, müssen vor dem Throne Jesu in den Staub sinken. Gelehrte und Weltweise, die mit ihren Schriften eine Herrschaft des Geistes über ganze Jahrhunderte übten, müssen vor Gottes Thron erscheinen wie der geringste Taglöhner. Wir alle diese ganze Versammlung wird einst am großen Gerichtstage wieder versammelt sein. O, meine Lieben, werden wir Freudigkeit haben am Tage des Gerichtes und dem Herrn fröhlich entgegen eilen als seine Freunde mit Loben und Jauchzen über seiner herrlichen Erscheinung? Oder müssen wir wehklagen und seufzen: Ihr Berge, fallt über uns, und ihr Hügel, deckt uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl sitzt und vor dem Zorn des Lammes. Denn es ist gekommen der große Tag seines Zornes, und wer kann bestehen? 
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-Der große Tag des Gerichts ist ein Ehrentag des Menschensohns; aber er ist auch 
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-=====II. für alle Menschenkinder ein Tag der großen Scheidung und ewigen Entscheidung.===== 
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-„Er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.“ Jetzt ist noch Alles durcheinander auf dieser Erde, Böse und Gute, Gottlose und Fromme, Gläubige und Ungläubige, Kinder der Welt und Kinder des Lichts, heuchlerische Seelen und redliche Herzen. Aber dieser Zustand wird nicht immer so bleiben; es kommt ein Tag der großen Scheidung, welche nicht irgendeine weltliche oder geistliche Behörde, kein irdischer König, kein irdisches Kirchenhaupt vornehmen wird, sondern Er selbst, das bis jetzt unsichtbare, dann aber offenbare Haupt der Kirche, der König aller Könige wird sie scheiden. O Tag der Scheidung! gewaltiger Tag, schrecklicher Tag, furchtbarer Tag! Da werden alle Bande des Blutes, der Freundschaft, der Gesellschaft, der Volks- und Kirchengemeinschaft zerrissen nach dem strengen Rechte der göttlichen Gerechtigkeit. „Er wird sie scheiden voneinander.“ Nun muss geschieden, auf ewig geschieden sein! Da werden ungläubige Kinder von ihren gläubigen Eltern geschieden, ungläubige Schüler von ihren gläubigen Lehrern, ungläubige Zuhörer von ihren gläubigen Predigern, ungläubige Prediger von ihren gläubigen Amtsbrüdern, ungläubige Gemeindeglieder von ihren gläubigen Gemeindegenossen. Da muss scheiden der Freund vom Freund, der Bruder vom Bruder, die Schwester von der Schwester, die Gattin von dem Gatten, wenn sie nicht verbunden sind im Glauben und in der Liebe Christi. Es wird nur zwei Menschenklassen geben: Schafe, die in diesem Leben auf die Stimme Jesu, des guten Hirten, gehört haben im Glauben, und ihm nachfolgten in Demut und Sanftmut, mit Reinheit des Herzens und des Wandels, oder Böcke, die im Unglauben dem Evangelium widersprochen und sich widersetzt haben, und nach den feinen oder groben Lüsten des Fleisches wandelten. Wer hier auf Erden zu hochmütig, zu vornehm, zu gebildet war, um zu den Schafen Jesu zu gehören, der wird einst die schändliche Ehre haben und zu den Böcken gestellt werden. 
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-O Tag der großen Scheidung! du furchtbarer, du entsetzlicher Tag! Lasst uns doch weise und klug werden, so lange es heute heißt. Scheidet euch doch in dieser Zeit von der Sünde, von der Ungerechtigkeit, von der Lüge und Heuchelei; scheidet euch von der Unreinheit und Unkeuschheit, die Seele und Leib befleckt und zu Grunde richtet; scheidet euch selbst von dem Unglauben und dem bösen Weltgeist mit seiner Verführungskunst, und stellt euch ganz auf die Seite Christi. Dann dürft ihr auch einst zu seiner Rechten stehen! Betet für Alle, die euch lieb und wert sind, für eure Eltern, Frauen, Kinder, für eure Brüder und Schwestern, für eure Freunde und Verwandten, dass auch sie sich scheiden von der Sünde in der Zeit, damit sie nicht ewig von euch getrennt werden. Lasst uns aber unsere Scheidung von der Sünde beweisen und bewähren, nicht mit dem Munde und schönen Redensarten, sondern mit einem Wandel im Licht, in der Tat und Wahrheit. Unser Glaube muss sich ganz besonders zeigen in der barmherzigen Liebe zu den Brüdern. Zeige mir deinen Glauben mit deinen Werken! Davon redet unser Text gar ernst und eindringlich: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“ Also wird der König sprechen an jenem Tage. Er wird nicht fragen nach unseren süßen Gefühlen und christlichen Rührungen, nicht nach unseren guten Vorsätzen und Entschlüssen. Auch wird er nicht fragen, wie oft wir zur Kirche und zum heiligen Abendmahl gegangen sind, wie oft wir die christlichen Stunden und Gemeinschaften besucht haben, wie viel Sprüche und Lieder wir auswendig gelernt haben ach, das ist ja Alles recht und gut und soll bei keinem Christen fehlen! Aber vornehmlich und in erster Linie wird der König fragen nach der erbarmenden, helfenden, rettenden Liebe zu den Brüdern; nach den Werken der christlichen Liebe, die nicht bloß in äußerer Ehrbarkeit, nicht aus Rücksicht auf Andere, nicht aus Eigenliebe, Ruhmsucht und Prunksucht getan werden, sondern aus inniger, herzlicher Liebe und Dankbarkeit gegen Jesus, der uns zuerst so hoch geliebt hat, den wir wieder lieben in den Brüdern. „Wahrlich, ich sage euch: was ihr einem unter diesen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ So lasst uns denn den Herrn Jesum recht lieb haben, und aus Liebe zu Ihm, still, ungesehen, ungekannt, ungenannt Gutes tun an den Brüdern, den Armen, Kranken, Notleidenden, Hungernden, die in diesem kalten Winter doppelt leiden müssen. Ja nehmt euch, Geliebte, der mannigfachen Not von Herzen an aus Liebe zum Herrn; wer kärglich säet, wird kärglich ernten, wer reichlich säet, wird reichlich ernten; das wird sich herausstellen an jenem Tage der großen Scheidung. 
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-Seelen, lasst uns Gutes tun, \\ 
-Gutes, und nicht müde werden! \\ 
-Wann es Zeit ist, wird man ruh'n, \\ 
-O wie sanft, von den Beschwerden! \\ 
-Aber ruhen nicht allein, \\ 
-Dort wird auch die Ernte sein. 
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- 
-Der Tag der großen Scheidung bringt aber auch mit sich eine ewige Entscheidung. „Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.“ O, meine Lieben, was wollen wir hierzu sagen? Diese Worte durchdringen Mark und Bein und zeugen deutlich genug durch sich selbst. Jedes Kind kann sie verstehen und auslegen, dass es sich hier handelt um eine ewige Entscheidung. Es schlägt einmal für die Gerechten eine Stunde der unbeschreiblichen Freude, die ewig währt! Es schlägt aber auch für die Gottlosen eine Stunde unbeschreiblichen Wehes, das ewig währt! Es gibt Gesegnete des Vaters in der Gemeinschaft Jesu Christi und seiner seligen Engel, es gibt Verfluchte in der Gesellschaft des Teufels und seiner unseligen Engel; es gibt ein ewiges Feuer, eine ewige Pein; es gibt ein ewiges Leben, ein Reich der Seligkeit. Also steht es geschrieben. O Geliebte, lasst uns unser Angesicht verhüllen und Gott die Ehre geben und ihn anbeten. Heilig, heilig, heilig ist unser Gott. Ja Herr, du wirst Recht behalten; gerecht und heilig sind alle deine Wege. Wohl denen, die auf dich trauen, aber zu Schanden müssen werden die losen Verächter. 
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-Im Fluch auf ewig brennen,\\ 
-Gott seinen Gott nicht nennen,\\ 
-O, das ist ja betrübt!\\ 
-Ach Gott, ich flieh gerade.\\ 
-Allein zu deiner Gnade,\\ 
-Mein Gott, der du die Welt geliebt! 
- 
-Du hast den Sohn gegeben, \\ 
-Im Sohn ein ewig Leben; \\ 
-Im Sohn will ich dich fleh'n, \\ 
-Dich fleh'n um deine Liebe, \\ 
-Dich fleh'n aus heißem Triebe:\\ 
-Lass mich das Heil in Jesu seh'n! 
- 
-Amen. 
- 
-{{tag>3_Advent}} 
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- 
-======Körber, Emil - Ölblatt - Des Täufers Adventspredigt am Ufer des Jordans.======  
-(Dritter Advent 1872.) 
- 
-Lest: Luk. 3, 1-17.\\ 
-**In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberii, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war, und Herodes ein Vierfürst in Galiläa, und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa, und in der Gegend Trachonitis, und Lysanias ein Vierfürst in Abilene; da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Sachariä Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan, und predigte die Taufe der Buße, zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesajas, des Propheten, der da sagt: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er zu dem Volk, das hinaus ging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn, und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete, und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute, und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut Niemand Gewalt noch Unrecht, und lasst euch begnügen an eurem Solde. Als aber das Volk im Wahn war und dachten Alle in ihren Herzen von Johanne, ob er vielleicht Christus wäre; antwortete Johannes, und sprach zu Allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, dass ich die Riemen seiner Schuhe auflöse. Der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen; in desselben Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen, und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen.** 
- 
-Wie ist es euch zu Mute, im Herrn Geliebte, bei diesem heutigen Adventstext? Mir ist es bange zu Mute, das will ich offen und ehrlich bekennen gleich zum Eingang. Denn das sind heilig-ernste Worte, ja das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Und ihr könntet mich vielleicht fragen: warum hast du auch einen so ernsten Text gewählt, da doch die liebliche, fröhliche, selige Weihnachtszeit im Anzug ist? Darauf kann ich getrost antworten, dass der eben verlesene Text sonst in der evangelischen Kirche auf den heutigen dritten Adventssonntag vorgeschrieben ist, und dieser Vorschrift der Kirche habe ich gerne Gehorsam geleistet. Denn die Adventszeit ist eine heilige, ernste Zeit, sie ruft alle Herzen zur Buße und Bekehrung, damit uns ein frieden- und freudenreiches Weihnachten zu Teil werde; damit, wenn die Weihnachtssonne lieblich und freundlich am Himmel erglänzt, wir nicht mit unreinen Lippen, sondern aus bekehrtem Herzen mit Grund der Wahrheit singen können: 
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-Fröhlich soll meine Herze springen \\ 
-Dieser Zeit, \\ 
-Da vor Freud\\ 
-Alle Engel singen.\\ 
-Erd und Himmel, nehmts zu Ohren!\\ 
-Jauchzend ruft\\ 
-Alle Luft:\\ 
-Christus ist geboren. 
- 
-Aber diese edle Weihnachtsfreude kann in den Herzen nicht entstehen und Raum gewinnen, wenn nicht zuvor die göttliche Traurigkeit in ernster Buße und Bekehrung eingezogen ist. Darum darf ein evangelischer Prediger nicht nur Liebes und Gutes, Süßes und Freundliches seiner Gemeinde verkünden; er darf nicht immer nur predigen: Friede, Friede! und ist doch kein Friede. O was wäre das ein Unglück für die Gemeinde und den Prediger! Wie könnten einst die eingeschläferten, verlorenen Seelen am Tage des Gerichtes auftreten und ihren Prediger verdammen: Du hast uns immer nur Gutes und Schönes und Freundliches gesagt, einen süßen Trost und Gnadenspruch um den andern gegeben; du hast immer geredet, als ob wir Alle Kinder Gottes wären und Keinem der Himmel fehlen könnte; darum sind wir im Schlafe liegen geblieben und nun ist der Ort der Qual und Verdammnis unser Los. Davor bewahre uns Gott in Gnaden! Ach, wie mancher Prediger, der Gottes heiligen Ernst, die Buße und Bekehrung zu Gott nicht verkündigt hat, wird einst mit Schanden bestehen und zu spät erkennen, dass er mit lauter Güte und Freundlichkeit, Gleichgültigkeit und Schläfrigkeit sich und andere ins Verderben gestürzt hat. O meine Lieben, ich möchte euch, so gut ich kann, den ganzen Heilsrat Gottes verkündigen, vor allem die Leutseligkeit unseres Gottes und Heilandes Jesu Christi. Aber ich muss aus der Rüstkammer des göttlichen Wortes auch das zweischneidige Schwert hervorholen, den Hammer, der Felsen zerschmeißt, das heilige Feuer, das die Sünde verzehrt. In dem Sinn redet und predigt der heutige Adventstext; ja Gott selbst, der Heilige in Israel, redet heute mit uns durch den Mund des gewaltigsten Bußpredigers, der je gelebt hat, Johannis des Täufers, und ruft alle Sünder zur Buße. So lasst uns denn hören 
- 
-die Adventspredigt des Täufers Johannes am Ufer des Jordans. 
- 
-Wir betrachten: 
- 
-I. den Predigttext aus dem Propheten Jesaja. \\ 
-II. die Erklärung des Textes aus Johannis Mund und seine Anwendung auf das Volk. \\ 
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-O großer Gott und Heiland aller Welt! Du willst nicht, dass Jemand verloren gehe; du willst nicht den Tod des  Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Lass diesen deinen heiligen Liebeswillen an uns Allen, an jeder einzelnen Seele in dieser Gemeinde in Erfüllung gehen. Lass dazu die ernste Adventszeit uns gesegnet sein, rede du selbst mit einem Jeden von uns und lass uns Alle wohl bedenken, dass ohne Buße und Bekehrung kein Leben und keine Seligkeit zu finden ist. O Herr, rette unsere Seelen! o Herr, mach uns selig! Amen. 
- 
-=====I.=====  
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-Wir betrachten die Adventspredigt des Täufers Johannes am Ufer des Jordans, und fassen zuerst den Predigttext. ins Auge. Ein jeder Prediger hat einen Text zu seiner Predigt, und zwar einen Bibeltext, um sich vor der Gemeinde zu legitimieren als Diener und Bote seines Gottes, und seinen Worten die rechte Weihe, den rechten Nachdruck, den rechten Geistesgehalt zu geben. Aus dem Texte schöpft und trinkt der Prediger selbst Wasser des Lebens, das er wiederum der Gemeinde gibt. So hat auch Johannes, der gewaltige Bußprediger in Israel, einen Text. Er predigt nicht nach den Einfällen seiner eigenen Vernunft und Fantasie, sondern wie es geschrieben. steht im Buch der Rede Jesajas, des Propheten. Die Stelle lautet also: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlichter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen“. Diese Worte bilden für Johannes den Text, nicht bloß seines Predigens, sondern seines ganzen Lebens; diese Worte sind der feste Grund und Boden, auf welchem Johannes steht, von welchem aus er ins Volk hinein ruft und zeugt und lockt zur Buße und Bekehrung. Nun ich will jetzt auch diese Worte als festen Grund und Boden unter meine Füße nehmen und in die Gemeinde hinein rufen: Bereitet den Weg des Herrn in euren Herzen, macht seine Steige richtig. Alle Täler sollen voll werden! 
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-Was heißt denn das? fragst du, mein lieber Zuhörer. Ein Tal liegt nicht auf der Höhe, sondern in der Tiefe. So gibt es viele Seelen, die liegen in der Tiefe, im Tal der Traurigkeit, des Kleinmuts, der Verzagtheit, der Verzweiflung. Der Himmel wölbt sich über ihrem Haupte nicht freundlich und klar, sondern trübe und traurig und hängt schwer voll Wolken der Sorgen und des nagenden Seelenkummers. Ja manche Seele liegt so tief drunten im Tal der Verzagtheit, dass man nicht mehr von einem Tale reden kann, sondern es ist ein wahrer Abgrund der Schwermut und tiefen Seelenbekümmernis; und die Wände an diesem Abgrund sind so hoch und so steil, dass an ein Herauf- und Herauskommen fast gar nicht mehr zu denken ist. Aber merke, liebe Seele, des Propheten Wort, und vergiss es nicht: Alle Täler sollen voll werden. Auch dein Tal, dein Abgrund der Verzagtheit und Schwermut soll und kann ausgefüllt und voll werden durch den Glauben an den Sohn Gottes, durch den Herrn, der in jedem Herzen Einzug halten will. Halte dich nur recht fest an den Herrn, auch wenn du ihn eine Zeitlang nicht fühlen und sehen kannst! Halte dich und klammere dich an Ihn mit Händen des Glaubens, so wirst du allmählich, oder wenn es dem Herrn gefällt, mit einem Ruck aus dem Tal der tiefen Traurigkeit und Verzagtheit herausgehoben und auf die lichten, freudenvollen Sonnenhöhen des Glaubens gestellt werden, dass du loben und danken, singen und jubilieren lernst. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. 
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-Auf, auf, gib deinem Schmerze \\ 
-Und Sorgen gute Nacht! \\ 
-Lass fahren, was dein Herze \\ 
-Betrübt und traurig macht. 
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-Bist du doch nicht Regente, \\ 
-Der Alles führen soll. \\ 
-Gott sitzt im Regimente \\ 
-Und führt Alles wohl. 
- 
-Alle Täler sollen voll werden, so hebt der Predigttext des Täufers lieblich an. Aber gar ernst heißt es weiter: alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden! Nichts steht dem Kommen des Heilandes in die Herzen so sehr entgegen als die Berge des Hochmuts, der Eigenliebe, der Selbstgerechtigkeit, des Selbstvertrauens. Wo diese Berge und Hügel im Herzen sich erheben, ach da ist kein Raum mehr für Jesum Christum, den Herrn der Herrlichkeit. Darum müssen sie erniedrigt werden. Und zwar alle Berge! Es darf kein Berg, kein Hügel der eigenen Herrlichkeit in dir stehen bleiben, er mag heißen, wie er will, sonst kann Christi Herrlichkeit und Gnade in dir nicht Wohnung machen. Erniedrigt muss werden vor Allem dein geistlicher Hochmut, da du dir so viel einbildest auf deine Frömmigkeit, deine Heiligkeit, auf dein Beten und Bibellesen, auf deine guten und christlichen Werke. Erniedrigt muss werden die falsche Höhe deiner Weltehrbarkeit, da du dich bespiegelst und beschaust in dem schönen Bilde deiner Tugend und Rechtschaffenheit und meinst keines Heilandes zu bedürfen. Erniedrigt muss werden dein weltlicher Hochmut, da du so hohe Gedanken hast von deinem Namen, deiner Würde, deinem Amt, deinem Geld, deiner Schönheit, deinen körperlichen und geistigen Reizen. Erniedrigt müssen werden die Berge und Hügel deiner Eitelkeit und Kleiderpracht, da du mit Kleideranlegen und Goldumhängen und Haarflechten dich schmückst und zierst und auftürmst, und die natürliche gottgefällige Schönheit in Unnatur verzerrst. Oder meinst du etwa, dass solcher elende Putz und Tand zum Kreuz des Heilandes passe? Ich kann es nimmer glauben! Erniedrig muss werden der Berg deines Adelsstolzes and Standeshochmuts, da du meinst, hoch- und wohlgeboren zu sein und gleichsam ein anderes Blut und Fleisch herumzutragen als gewöhnliche Menschenkinder. Erniedrigt muss werden dein eitler Wissens- und Gelehrsamkeitsdünkel, da dir vor lauter Bildung und Aufklärung das schlichte, einfache Evangelium von dem gekreuzigten Heiland als Torheit erscheint. Was soll ich weiter sagen? Ich will euch und mir zurufen: 
- 
-Hinab, mein Herz, hinab! \\ 
-So wird Gott in dir wohnen. \\ 
-Die Demut lohnet er \\ 
-Mit gold'nen Himmelskronen. \\ 
-Im Demutstale liegt \\ 
-Des Heil'gen Geistes Gab. \\ 
-O wohl dem, der sie sucht, \\ 
-Hinab, mein Herz, hinab! 
- 
-Alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist in den Herzen, verdreht, verkehrt und lügenhaft, soll richtig werden; und was uneben ist, holperig, rau und roh, soll ebener, schlichter Weg werden. So allein wird alles Fleisch den Heiland Gottes sehen; einen andern Weg als den Weg aufrichtiger, ehrlicher Sinnesänderung, gründlicher Buße und Bekehrung, gibt es nicht. So allein kannst du des Heilands Jesu Christi teilhaftig werden, schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. 
- 
-=====II.=====  
- 
-Wie hat nun der Täufer Johannes den gewaltigen Predigttext aus dem Propheten Jesaja selbst erklärt und auf das Volk angewendet? Da sprach er zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: „Ihr Ottern-gezüchte! wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?“ Was kommt ihr zu mir mit so selbstgerechten, frommen und heiligen Gesichtern, als ob ihr den Himmel gepachtet und die Seligkeit in der Tasche hättet? Wer hat denn euch innerlich so sicher gemacht, wer hat denn euch die Überzeugung beigebracht, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Ihr wähnt Abrahams Kinder zu sein, aber ihr seid in Wahrheit Otterngezüchte, Schlangenbrut, Kinder der alten Schlange, des Satans, dessen Grundwesen Lüge, Falschheit, Verstellung und Hochmut ist! 
- 
-O meine Lieben, was ist das für eine Anrede an das Volk! Unsere Seele entsetzt sich darob, es möchten einem die Haare darüber zu Berge stehen! Ja wir in unserer feinen und gebildeten Zeit möchten versucht sein, dem Manne Gottes zu sagen: du redest unverschämt und grob. So wird es auch in den Herzen mancher Zuhörer des Johannes gelautet haben, absonderlich in den Herzen der Pharisäer und Sadduzäer. Aber ist es wahr, was Johannes sagt? das ist eine andere wichtige Frage, auf die wir mit Beschämung antworten müssen: Ja freilich ist es wahr, nur zu wahr! Wir gehören von Natur auch zu dem Volk, das Johannes mit Otterngezüchte angeredet hat; wir sind von Natur, ohne die Gnade des Herrn, ein arges und böses Geschlecht; unser Herz ist von Natur schlangenartig, unlauter, verdreht und verkehrt, lügenhaft, und wir sind zu geneigt, diese Unlauterkeit und Unredlichkeit sogar ins Christentum, in den Stand der Gnade hinüberzunehmen. Was kann da helfen? Nichts anderes als Buße und Bekehrung zum Herrn! „Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße!“ fährt Johannes in seiner Predigt fort; so wollen auch wir fortfahren in unserer Predigt. Johannes, der ernste Prediger der Gerechtigkeit, verlangt Buße; der Herr selbst, unser Heiland, die ewige Liebe, verlangt Buße; die Apostel, die Botschafter an Christi Statt und Zeugen der Versöhnung, verlangen Buße; die ganze heilige Schrift Alten und Neuen Testaments verlangt Buße; denn durch die Sünde ist die Erde aus einem Paradies ein Bußplatz geworden. Nicht äußerliche Tränen sucht unser Gott; nicht schöne Rührungen und gute Empfindungen, die wie Rauch vergehen, wie Wolken am Himmel dahinfliegen, ohne einen befruchtenden Regen zurückzulassen; nicht gute Vorsätze, mit denen der Weg zur Hölle gepflastert ist. Nein Buße und abermals Buße verlangt Gott der Herr von allen Menschenkindern. Und wenn du fragst, mein lieber Freund: Was ist denn das, die Buße? was heißt Buße tun? so will ich dir kurz und bündig. antworten: Buße tun heißt: seinen Sinn ändern, ein neuer Mensch werden. Buße tun heißt: die Sünden herzlich erkennen, vor Gott und auch in gewissen Fällen vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen, an Jesum Christum glauben und der Besserung des Lebens sich befleißen. Du sprichst: Nun weiß ich, was Buße tun heißt; aber mit dem Wissen ist es eben nicht getan. Ach, das steht nicht in meiner Macht; schon lange wollte ich ein anderer Mensch werden, aber es geht nicht. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Ich kann meine Natur nicht anders machen, ich komme nicht aus meinen Sünden und Fehlern heraus. Was soll ich dir sagen, lieber Bruder? Du kannst freilich deine Natur nicht ändern, so wenig als ein Mohr seine Haut wandeln kann, oder ein Parder seine Flecken; aus dir selbst und durch dich selbst kannst du keine gründliche Buße finden, kein neuer Mensch werden, diese Erfahrung hat ein Paulus gemacht und nach ihm viele Hunderte und Tausende von Christen. Aber ich will dir einen Mann nennen, der aus dir eine neue Kreatur schafft, wenn du mit Sehnsucht nach Hilfe und Heil betend und bittend zu ihm kommst. Es ist der Mann, dem du schon als Kind ans treue Hirten- und Heilandsherz gelegt worden bist, auf dessen Namen du getauft bist. Jesus Christus heißt Er, unser Herr und Gott, der Heiland aller Welt, hochgelobt in Ewigkeit! In Ihm haben schon Millionen von Menschen Buße und Belehrung, Vergebung der Sünden, neues Leben und Kraft zur Gottseligkeit gefunden. 
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-Er gibt Buße, Er gibt Glauben, \\ 
-Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. \\ 
-Wer sich nur will retten lassen, \\ 
-Der soll das Vertrauen fassen: \\ 
-Gnade strömt aus Jesu Wunden, \\ 
-Gnad ist auch für mich gefunden.  
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-O, lasst uns Alle ein rechtes Vertrauen fassen zu diesem Jesus. Er kann uns in der heiligen Adventszeit zu einer wahren Buße und Bekehrung helfen, dass wir ein frohes Weihnachten erleben. Er ist der Stärkere, der nach Johannes. kommt; wer diesem Starken in die Arme läuft, und ans Herz sich legt, der kann in seiner Kraft auch die stärksten Bande der Sünde zerreißen, seine Lieblings- und Schoßsünden überwinden. Denn Er tauft mit dem heiligen Geist und mit Feuer. 
- 
-Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße! Es ist nicht genug, Buße tun; es handelt sich auch um rechtschaffene Früchte der Buße. Wenn der himmlische Gärtner, Jesus Christus, am Baum deines Lebens keine Früchte findet, so ist auch keine Buße des Herzens vorhanden. Nicht Blätter der Buße, nicht Blüten der Buße, die am Ende taube Blüten sind und abfallen, sondern Früchte der Buße sucht und verlangt der Herr. Und zwar rechtschaffene Früchte, edle und gesunde Früchte. Ihr wisst, meine Lieben, gar manche Frucht hängt an den Bäumen, von außen ist sie ganz hübsch und schön anzuschauen, dass einem das Herz im Leibe lacht, aber innen sitzt der Wurm, die Frucht ist angefressen und faul. Solche kranke und faule, durch den äußern Schein täuschende Früchte sucht und verlangt unser Herr nicht, sondern rechtschaffene Früchte der Buße, das ist des Herrn Lust und Freude. dass wir doch Alle mit dem Volke sprechen möchten von Herzensgrund: Was sollen wir denn tun? Welche Früchte der Buße sollen wir denn hervorbringen? Johannes antwortete dem Volk: „Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also.“ Und den Zöllnern antwortete Johannes: „Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist.“ Und zu den Kriegsleuten spricht er: „Tut Niemand Gewalt noch Unrecht, und lasst euch begnügen an eurem Solde.“ Damit will Johannes sagen: Es handelt sich bei den Früchten der Buße nicht um außerordentliche, außergewöhnliche, besondere Werke, sondern ein Jeder beweise und bewähre sich in dem Stand und Beruf, in der Lebensstellung, in die ihn Gott gesetzt hat, als einen Menschen, der vor Gott aufrichtige Buße getan hat. Ja, Geliebte, die Buße darf nicht bloß eine Sache des Gemüts und Herzens sein, sondern sie muss eine Sache des Lebens und Wandels werden. Das Christentum muss ins Herz und Haus, in Amt und Beruf, in Handel und Wandel, in das alltägliche, gewöhnliche Leben hinein, dass Alles ordentlich und ehrlich, aufrichtig und redlich, im Frieden und in der Liebe geschieht. Wenn du nur in der Kirche bußfertig und fromm bist, wenn du nicht in deinem Haus, in deinem Beruf, in deinem Geschäft, in deiner Küche, in deiner Werkstätte, auf deinem Felde oder wo du sonst bist und was du sonst tun magst, dich als einen bußfertigen Menschen, als Christen beweist, so ist deine Buße eine Heuchelbuße, dein Glaube eitel, dein Christentum ein Geschwätz. Und wenn du zehnmal sagst: Ich habe Abraham zum Vater, ich bin auf Christum getauft, ich bin christlich unterwiesen und konfirmiert, ich glaube die Lehre des Evangeliums und der Kirche, ich besuche alle Sonntage Gottes Haus und gehe auch zum Abendmahl des Herrn; ich sage dir im Namen des Herrn, auf den du dich berufst: Gott erkennt dich ohne rechtschaffene Früchte der Buße nicht als sein Kind an. Solche Leute will Gott nicht zu Kindern haben. Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen, aus den Steinen des Jordans, aus den Steinen dieses Münsters Kinder erwecken. Was sollen wir denn nun tun? Tut rechtschaffene Früchte der Buße! Ihr Armen sollt nicht mehr mit Gott hadern, murren und klagen über euer Los, nicht mehr mit neidischen Augen auf die wohlhabenden, reichen Brüder schauen, sondern ihr sollt reich werden im Glauben, reich in Gott, reich an geistlichen, himmlischen Gütern, ihr sollt arbeiten mit euren Händen treu und redlich im Aufblick zu Gott, dem Herrn; so wird Gott euch nie verlassen noch versäumen und das ewige Erbe wird euer Los sein. Und ihr Reichen, ihr sollt euch nicht fort und fort Schätze sammeln, nicht Zins auf Zins häufen; ihr sollt vor allem arm werden am Geist; ihr sollt reichlich mitteilen von euren Gütern, um das Elend, das allenthalben herrscht, zu mildern und mit eurem Gold und Silber dem Reiche Gottes zu dienen. Ihr Hausväter, ihr sollt Hauspriester sein, eure Hausgenossen nicht nur mit Nahrung und Kleidung, sondern auch mit Gottes Wort versorgen und sie auf betendem Herzen tragen. Ihr Männer, ihr sollt eure Weiber lieben, ihr sollt kein hartes, raues und rohes Regiment über sie führen, sondern ihr sollt sie lieben, gleichwie Christus die Gemeinde liebt, mit aufopfernder, selbstvergessender und zarter Liebe. Und ihr Frauen, ihr sollt untertan sein euren Männern als dem Herrn, ihr sollt nicht widersprechen. im Eigensinn und dadurch, Streit und Zank erregen; auch sollt ihr euren Wandel zieren nicht mit Putz und Eitelkeit der Welt, sondern mit Gottseligkeit und Reinheit, mit sanftem und stillem Geist, das ist köstlich vor Gott. Und ihr Kinder sollt euren Eltern gehorsam sein in dem Herrn. Ihr Knechte und Mägde sollt euren Dienst verrichten nicht vor den Augen der Menschen, sondern vor Gottes Augen als Knechte und Mägde Christi. O meine Lieben, was sollen wir denn tun? Wir sollen rechtschaffene Früchte der Buße tun, wir Alle, wer wir auch seien und was wir auch seien. 
- 
-Zum Schluss weist Johannes auf den großen Tag des Gerichts, und das sei auch unser Schluss. Es herrscht gegenwärtig ein Leichtsinnsgeist in der Welt. Die Menschen leben in den Tag hinein, als ob es keinen Gott, keine Ewigkeit, kein Gericht, keine Vergeltung gäbe. Sie essen und trinken, sie arbeiten und schlafen, sie treiben Sünde und Schande; sie lachen und scherzen, sie tanzen und spielen, sie laufen in die Gesellschaften, in die Wirtshäuser, in die Tanzsäle und Theater. Aber Gottes Haus ist für Viele eine unbekannte Stätte, Gottes Wort ein altes Fabelbuch, Gott und die Ewigkeit haben Viele vergessen. Meinet ihr, dass Gott ewig schweigen werde auf dieses leichtsinnige, gottlose Treiben der Welt? Mitnichten! Er wird zuletzt eine furchtbare, deutliche Antwort geben mit Gericht. Der Mann, der für das Zeugnis der Wahrheit das Haupt auf den Block legte, Johannes, wird Recht behalten mit seinem Zeugnis vom Gericht. Ja, was sage ich? - Gott selbst, dessen treuer Zeuge Johannes war, wird Recht behalten und die Welt richten. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt, nicht an die Blätter, nicht an die Zweige, sondern an die Wurzel. Welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. In des Herrn Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne, die Welt, die Kirche, fegen; und wird den Weizen in seine Scheunen sammeln, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. Wer Ohren hat, zu hören, der höre! 
- 
-Ach, mache du mich Armen \\ 
-In dieser Gnadenzeit \\ 
-Aus Güte und Erbarmen, \\ 
-Herr Jesu, selbst bereit! \\ 
-Zeuch in mein Herz hinein, \\ 
-Und wohn auf immer drinnen, \\ 
-So werden Herz und Sinnen \\ 
-Dir ewig dankbar sein. 
- 
-Amen. 
- 
-{{tag>3_Advent}} 
- 
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-====== Luther, Martin - Predigt am 3. Sonntag des Advents ==== 
- 
-Matthäus 11, 2-10 
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-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr seht und hört; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, dass der Wind hin und her webt? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.** 
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-In diesem Evangelium sind zwei Stücke: das erste, wie Johannes seine Jünger aus dem Gefängnis zu Christus sendet, dass sie ihn hören, und seine Wunderwerke sehen, und ihn als den rechten Messias oder Christum annehmen sollen. Und dient uns dazu, dass wir unseres lieben Herrn Christi Wort auch gern hören, und für den höchsten Schatz achten sollen, an dem alle unsere Seligkeit gelegen ist. Das andere Stück ist eine Predigt, damit unser lieber Herr Christus nicht allein den Heiligen Johannes trefflich hoch rühmt und lobt, dass er ein Ausbund sei vor allen anderen Predigern, besonders weil er seines Amtes so fleißig wartet, dass er damals, da er im Kerker und Gefängnis war und selbst nicht predigen konnte, dennoch seine Jünger zu Christus sendet; sondern er schimpft auch die Juden ihres Unglaubens wegen, dass sie solchen Prediger so gering achten und nach seiner Predigt gar nichts fragen. Solches dient uns dazu, dass wir vor solcher Unart uns hüten, Gottes Wort nicht verachten, sondern es gern hören und uns darum besseren sollen. 
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-Das erste nun, dass wir das Wort Christi fleißig hören sollen, ist dabei angezeigt, dass Johannes, da er schon im Gefängnis lag, alsbald er von den Wunderwerken Christi hört, seine Jünger zu ihm sendet, mit einem solchen Befehl, dass sie ihn fragen sollten: Ob er der sei, der da kommen sollte, von welchem Moses und alle anderen Propheten so viel geweissagt hätten und hernach im Neuen Testaments so viel gepredigt sollte werden? Das ist, ob er der verheißene Christus sei, von dem geschrieben stünde, dass er der Juden Reich und Moses Lehre sollte bestehen bis auf seine Zukunft; danach sollte Moses Lehre und Gottesdienst aufhören, und eine neue Lehre und neuer Gottesdienst angerichtet werden, nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Heiden in der ganzen Welt. 
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-Wie denn solches war lauter und klar zuvor geweissagt. Darum, weil es bald, nach dem Johannes im Gefängnis war, angegangen, und der Herr Christus vom ewigen Leben und dem Reich Gottes jetzt predigte und Wunderwerke tat, wollte Johannes seine Jünger zu ihm weisen; schickt sie deswegen hin zu Christus, dass sie mit ihren Augen die Wunderwerke sehen und mit ihren Ohren die Predigt hören sollten, da so lange Zeit zuvor die Propheten von geweissagt hatten, dass sie Christus auf Erden bringen und sich also offenbaren würde. 
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-Deswegen ist solches Schicken anderes nichts, denn als sagte Johannes also: Ich weiß es zwar wohl, dass er der rechte Christus ist, aber die Leute glauben's nicht. Deswegen gehet ihr jetzt zu ihm und hörts von ihm selbst, auf das ihr euch von mir und dem ganzen Judentum wegtut, und hängt euch an diesen Mann, an welchem alles gelegen ist, was euer und der ganzen Welt Seligkeit betrifft. Das ist die eigentliche Meinung dieser Botschaft zu Christus, dass seine Jünger ihn selbst sehen und hören, ihm in Kundschaft kommen, und also an ihn glauben und selig werden sollen. 
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-Nun, was sagte aber Christus zu solcher Botschaft? Er sagt weder Ja noch Nein, da sie ihn fragten, ob ers sei; sondern antwortet bloß mit den Werken und spricht: Ihr sehts, hörts und greifts, dass ich es bin. Denn eben, wie Jesaja und andere Propheten geweissagt haben, dass Christus die Lahmen gerade, die Blinden sehend machen werde, so seht ihr jetzt vor euren Augen, bedürft also weiter keines Unterricht noch Antwort, wenn ihr euch nur wolltet recht auf das Wort schicken. 
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-Das ist und eine schöne, herrliche und tröstliche Predigt, die alles sehr fein fasset, was man von Christus predigen kann, nämlich was er für ein König sei, und für ein Reich habe, nämlich ein solches Reich, da Blinde, Lahme, Aussätzige, Taube, tote Leute, und besonders die armen Sünder, und alles, was ihnen, dürftig und nichts ist, zugehören, und da Trost und Hilfe finden. Diese Predigt von Christus und seinem Reich sollten wir mit Fleiß merken, und immerdar unter uns klingen lassen, dass Christus ein solches Reich habe, und ein solcher König sei, der den elenden, armen Leuten an Leib und Seele helfen wolle, was sonst unmöglich ist, das alle Welt mit ihren Künsten helfen könnte. Denn es ist nie ein so großer Doktor gekommen, der einen Blinden hätte können sehen, einen Aussätzigen rein machen. Gleichwie auch nie kein Prediger gewesen ist, der den Armen hätte können das Evangelium predigen, das ist, die betrübten, elenden, geängstigsten Gewissen auf sich weisen und trösten, die erschrockenen Herzen, die in Schwermut und Kümmernis ersoffen sind, fröhlich und guter Dinge machen. 
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-Moses ist der höchste Prediger, aber diese Kunst kann er nicht, dass er arme Sünder sollte trösten, ja, das Widerspiel tut er; denn alle seine Predigten lauten also: Du sollst und musst das Gesetz halten, oder verdammt sein. Da kommt dann ein Jammer: die ihre Sünde fühlen, und von der Sünde gern los wären, leben nach dem Gesetz, können aber nicht zufrieden sein, noch ein fröhliches Herz und Gewissen dadurch erlangen. Wie denn die Heiligen im Alten Testament klagen, so Moses Regiment überdrüssig sind, und ein herzliches sehnen nach dem Reich der Gnade, in Christus verheißen, haben. Als, Psalm 14,7.: «Ach, dass aus Zion die Hilfe über Israel käme, und der Herr sein gefangen Volk erlöste.» Und Psalm 102, 14.: «du wolltest dich auf machen, denn es ist Zeit, dass du ihr gnädig seist.» Wiederum die Heuchler meinen, wenn sie äußerlich das Gesetz halten, so dürfen sie kein Evangelium noch Christum, denken, es haben nicht Not, Gott müsse sie wohl wegen ihres Fastens, Betens, Almosen gebens wegen in den Himmel nehmen. Das sind die sicheren, satten Geister, die unseres Herrn Gottes und seiner Gnade nicht bedürfen. 
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-Nun ist es wohl wahr, Moses Predigt muss man haben, und die Leute zu solcher äußerlichen Zucht und gutem Wandel vermahnen; eben wie man im Weltregiment Henker und Polizei darum haben muss, den wilden rohen Haufen zu strafen, wenn solche äußerliche Zucht nicht hält, sondern hurt, stiehlt, geizt, wuchert. Aber wenn das Stündlein kommt, dass du Sterben sollst, sage mir, was hilft dir Moses Lehre, wenn du dich gleich danach gehalten hast? Ist es nicht wahr, du musst bekennen, und sagen: Lieber Herr Gott, ob ich gleich kein Ehebrecher, Dieb noch Mörder gewesen bin, so begehre ich doch, du wollest mir gnädig und barmherzig sein, ich muss sonst auch bei allen meinen guten Werken verzweifeln. 
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-Davon kann man in der Geschichte: «Leben der Väter» lesen. Es stand jemand drei Tage an einer Stätte, hob immer auf die Augen zum Himmel, seufzte und klagte. Als ihn aber seine Jünger fragten, was er hätte? Antwortete er: Ich fürchte mich vor dem Tode. Da fingen seine Jünger an, und erzählten, was er doch für ein strenges Leben geführt und sich so fleißig nach Gottes Geboten gehalten hätte, meinten, sie könnten ihn dadurch trösten. Aber er sprach: Ich sage euch, dass ich mich sehr fürchte; ich habe wohl, wie ihr sagt, mich fleißig nach Gottes Wort gehalten, noch kann ich solcher Furcht nicht los sein; denn ich weiß, dass Gottes Gerichte anders sind, denn der Menschen Gerichte. Dieser ist soweit gekommen, dass er gesehen hat, wenn die Züge kommen, die vor Gott und sein Gericht treiben, dass Gottes Gericht so scharf, ernst und schwer ist, dass unsere Heiligkeit und guten Werke den Stich nicht halten, noch wir damit bestehen können. 
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-Deswegen, ob man das Gesetz gleich predigen, und sich in guten Werken ohne Unterlass üben, und nach dem Wort Gottes sich alle Zeit richten soll; doch wenn es soweit kommt, dass man sterben soll, so muss man sagen, wie dieser Vater: Ach Gott, wer hilft jetzt? Dieser ist der elenden auch einer, da hier von steht, aber er weiß nicht, woran er sich halten soll. Denn dies mangelt ihm, wovon der Herr hier sagt: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt.» Er sieht und hat nicht mehr, denn das Gesetz; und lässt ihm ein Böses Gewissen, in Angst und Not stecken, und kann alles nicht trösten. 
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-Das Evangelium aber ist eine solche Predigt von Christus, die zu dem Sünder sagt: Mein Sohn, sei getrost und fröhlich, erschrecke nicht; denn du sollst wissen, dass Christus befohlen hat, den Armen, das ist, den elenden, betrübten Herzen, Gnade anzusagen, dass er seine Reinigkeit, die göttlich und ewig ist, für dich setzen, dich mit Gott zufrieden machen, deine Sünder abwaschen und vergeben wolle. Diese Gnade heißt er dir durch sein Wort anbieten; darum zweifle nicht, wie du hörst und glaubst du es nun, so wird es dir widerfahren. 
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-So heißt nun Evangelium eine gnadenreiche, selige Lehre und tröstliche Botschaft; als wenn ein reicher Mann einen armen Bettler tausend Gulden zusagt, dass wäre ihm ein Evangelium, eine frohe Botschaft, die er gern hören und von Herzen fröhlich darüber würde. Aber was ist Geld und Gut gegen diese tröstliche und gnadenreiche Predigt, dass Christus der Elenden sich annimmt, und ein solcher König ist, der den armen Sündern, die unter dem Gesetz gefangen sind, zum ewigen Leben und Gerechtigkeit helfen will! 
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-Das, sagt Christus hier, ist mein Reich, ein ganz anderes Reich, denn als das Weltreich ist. Da geht es so zu, dass man dem Stärksten hilft und wie das Sprichwort lautet: Der Stärkere steckt den anderen in seinen Sack. Das Weltreich regiert nach der Schärfe mit dem Schwert, schlägt und haut überall um sich, es soll auch keine Laster und Untugenden leiden. Deshalb muss es Henker, Ruten, Schwert, Wasser, Feuer dazu haben, damit es überall strafen kann. 
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-Aber hier im Reich Christi ist es ganz anders, dass hat nichts zu schaffen mit starken, Heiligen Leuten, sondern mit schwachen, armen Sündern, wie Christus spricht: «Die Blinden sehen, die Toten stehen auf.» Nun, Tote auferwecken ist ein großes Wunderwerk; aber dies Wunderwerk ist viel größer und herrlicher, obwohl es das Ansehen nicht hat, nämlich: dass Gott also die Welt liebt, dass er seinen Sohn gibt, den er von Ewigkeit dazu geordnet hat, dass er ein König der Sünder sei, denselben das Evangelium predige. Von solchem König und Evangelium predigt Moses und das Gesetz nicht. Da heißt es also: Wer ein Sünder ist, gehört in des Teufels und des Todes Reich. Das lautet, als sei unser Herr Gott ein König der Heiligen und Frommen, die eine größere Frömmigkeit haben, als es das Weltregiment fordert. Und es ist wahr. Denn Moses Reich ist auch unseres Herrn Gottes Reich, und die Predigt, die er führt, ist Gottes Wort. Eben wie auch das weltliche Regiment Gottes Reich genannt werden mag. Denn er will haben, dass es bleiben und wir uns in denselben gehorsam halten sollen. Es ist aber nur das Reich der linken Hand, da er Vater, Mutter, Kaiser, König, Richter, Henker hin setzt und ihnen das Regiment befiehlt. 
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-Sein rechtes Reich aber, da er selbst ist und regiert, ist dies, dass den Armen das Evangelium gepredigt wird, in welchem du lernst, wenn es dahin kommt, dass deine Frömmigkeit dir nie helfen kann, damit du sprichst: Herr, ich habe getan, was ich gekonnt habe, meinem Vater, meinem Herrn treu gedient, niemand betrogen, nicht gemurrt, mein Haus, Kinder und Nächte treulich unterrichtet, und, so viel möglich, gut regiert, meinem Nächsten nicht zum Schaden gelebt, nicht gestohlen, nicht die Ehe gebrochen: aber wo nun hin? Denn solches hilft dir vor dem Gericht nicht, auch fördert es nichts zum Reich Gottes. Doch, lieber Herr, ich will darum nicht verzagen noch verzweifeln; denn ich habe einmal in deinem Evangelium gehört, dass Dein Sohn, mein lieber Herr Jesus Christus, sechs verschiedene Wunderzeichen getan hat. Unter denselben wird auch dieses bedacht, dass den Armen das Evangelium gepredigt wird, das ist, dass er von dir, himmlischer Vater, dazu geordnet sei, dass er die erschrockenen Herzen trösten soll. Dieser Predigt will ich mich auch annehmen; denn sie gehört mir, weil ich so Arm und Elend bin, und sonst keine Hilfe weder in mir noch in der ganzen Welt sonst finden kann. 
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-Also weissagt der Prophet Jesaja von Christus im 50. Kapitel, 4 da er, der Herr Christus, selbst spricht: «Der Herr hat mir eine gelehrte Zunge, gegeben,» das ist, Gott hat sein Wort auf meine Zunge gelegt, «dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden,» das ist, die blöden Gewissen recht trösten. Das legt hier der Evangelist aus, und sagt: Christus predigt den Armen das Evangelium. Denn darum und dazu ist er zum König gesetzt, dass er evangelisieren, das ist, die armen, blöden, betrübten Herzen trösten und stärken soll; darum sein Reich auch heißt und ist ein Trostreich und Hilfereich, in welchem man die Blöden nicht mehr erschrecken, oder in Angst stecken lassen, sondern sie trösten und fröhlich machen soll. Solches aber geschieht nicht durch des Gesetzes Predigt, sondern allein durch das Evangelium. Das ist die fröhliche gute Botschaft, dass durch Christum für unsere Sünden bezahlt und für sein Leiden wir vom ewigen Tode erlöst sind. Diese Predigt gehört für die armen, spricht der Herr, da will ich hin; denn zu den großen Heiligen kann ich nicht kommen, die keine Sünder sein wollen und das Evangelium nicht bedürfen, ja, verfolgen, und schimpfen es als Ketzerei, sagen, man verbiete gute Werke, man predige gegen Mose und das Gesetz. 
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-Darum so spricht der Herr weiter: «selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Denn an diesem König und seiner Predigt, an der sich jedermann freuen sollte, ärgert sich die ganze Welt. Wie wir in der Geschichte des Evangelium sehen, dass die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester, Priester, Leviten und alles, was nur hoch und groß ist, Christum für einen Verführer und seine Predigt für Ketzerei halten und verdammen. Er kann ihnen nie recht predigen, sie denken immerdar, er kehrt alles um und mache es nicht richtig. Er wolle die Frommen und Gerechten (wie er denn auch tut) in die Hölle stoßen und in seinem Reich nicht leiden; die Sünder aber in den Himmel heben. Eben wie die Katholiken uns heutigen Tages auch tun. Heißt dass, sagen sie, recht predigen, dass man die guten Werke gar nicht gelten lassen will, und den bösen Buben den Himmel aufsperren? Diese Nachrede hat unser lieber Herr Christus unter den Juden auch leiden müssen. 
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-Aber hier steht es: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Nun, hörst du Christum recht, nähmest sein Wort an, und du kommst in sein Reich, so würdest du erfahren, dass das Evangelium gute Werke nicht verbietet, wie die Katholiken an uns lügen; sondern die Christen lehrt und vermahnt, gute Werke zu tun, dass sie sich mit Ernst darum annehmen, dass sie gegen Gottes Wort und Gewissens sich nichts vornehmen; lässt die weltliche Obrigkeit bleiben, Kaiser, König, lässt den Henker das Schwert, Rute und anderes brauchen, was zur Zucht gehört. Warum ärgerst du dich denn an dem Heiligen Evangelium, und lästerst es, dass man nichts Gutes tun soll? Gute Werke verwirft noch verbietet das Evangelium nicht. Das aber verbietet es, wenn wir jetzt sterben, und in ein anderes Leben kommen sollen, und da keine Rat noch eine Hilfe ist, dass wir dann auf unser Leben und gute Werke nicht bauen noch trauen sollen; sondern uns nach dem Herrn Christus umsehen, mit festem Vertrauen auf sein Werk und Verdienst uns verlassen, dass wir durch ihn Gnade und ewige Seligkeit in jenen Leben finden sollen. 
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-Denn eben darum hat uns Gott einen solchen Leib, mit so manchen guten Gliedern, gegeben, dass wir hier auf Erden nicht müßig sein, sondern mit den Füßen gehen, mit den Händen zugreifen, mit dem Mund reden, mit den Augen sehen sollen. Über das alles hat er auch sein Wort, die Zehn Gebote gegeben, dass wir unsere Werke alle danach richten, wieder seiner Ehre und unseres Nächsten Nutz nicht handeln sollen. Solches lässt das Evangelium nicht allein geschehen, sondern heißt auch, wir sollen es fleißig tun. Wenn aber der Mensch jetzt bloß und allein ist, und aus dieser Welt vor Gottes Gericht kommen soll, da befiehlt das Evangelium nach einen anderem Trost umsehen, da du deine Hoffnung und Herz drauf stellen und gründen kannst. 
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-Darum hast du wohl gelebt: ist recht und gut, danke Gott darum; aber verlasse dich im Sterben nicht darauf, als sollte Gott dir dafür den Himmel geben; sondern halte dich hier zu diesem König, unserem Herrn Christus Jesus, der, wie der Evangelist hier meldet, das Amt haben soll, dass er die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend machen, die Toten auferwecken, und den Armen das Evangelium predigen, das ist, die elenden, betrübten Herzen trösten soll. Denn er ist von seinem Vater nicht dazu gesetzt, dass er uns um unserer Sünde willen hängen oder erwürgen soll, sondern dass er den armen Gewissen raten, sie aufrichten, trösten und ihnen ewig helfen soll. 
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-Die nun ihn dafür nicht ansehen, noch von ihm Gnade erhoffen, sondern sich an ihm und seiner Lehre ärgern und ihn verachten, wie die Juden taten und die Heuchler auch noch heute tun, denen wird er zu seiner Zeit es richten. Und ist eben das der Ärgernisse eins, dass die Welt sich an der Lehre Christi ärgert, dass sie nicht will auf Gottes Gnade, sondern auf ihr eigenes Werk und Verdienst sich verlassen. Schimpft deswegen das heilige Evangelium, es sei eine verführerische Lehre, die gute Werke verbiete, die Leute böse und wild mache. 
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-Zum anderen ärgert sich die Welt auch an dem an Christus, dass er so ganz arm und elend ist; also, dass er das Kreuz trägt und sich daran hängen lässt: also vermahnt er auch seine Christen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen, und ihm also durch allerlei Anfechtung Trübsal nachzufolgen. Solchem ist die Welt immer feind, scheuen sich davor, und eben wie man sieht, wenn wir das Evangelium bekennen, und um des Evangeliums willen etwas wagen oder leiden sollen, dass sie mit großen Haufen dahin fallen, wie das wurmstichige Obst im Sommer. 
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-Zum dritten heißt das auch ein Ärgernis, wenn wir uns mehr an unser Herz und Gewissen kehren, wie wir uns fühlen, denn an das Evangelium von Christum; das ist, wenn uns unser Tun und Lassen mehr anficht und bekümmert, denn die Gnade unseres lieben Herrn Jesu Christi, im Evangelium verkündigt, uns tröstet. Solches Ärgernis ist nicht so gemein, als die ersten zwei; denn die rechten Christen allein werden damit angefochten. Aber es tut über die Maßen weh; und wo es ohne des Heiligen Geistes Hilfe und Beistand wäre, würde keiner in solchen Ärgernissen bestehen können. 
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-Also ist der liebe Herr Christus überall in der Welt ein ärgerlicher Prediger; wie er nach diesem Evangelium noch klarer meldet, dass die Leute an diese Predigt sich stoßen, und sie verachten werden und verfolgen. Was aber die Welt für ein Urteil darum muss ausstehen, zeigt die schreckliche Predigt an wider die drei Städte, Kapernaum, Chorazin und Bethsaida; also, die ernste Klage Christi wider die Juden, da er spricht: Johannes ist ein strenger Prediger gewesen, aß nur wilden Honig und Heuschrecken, trank nichts denn Wasser, führte dazu ein sehr hartes Leben, aber was halfs? Ihr gabt ihm die Schuld, er hätte den Teufel. Ich, spricht er, esse und trinke mit jedermann, und halte mich auf das allerfreundlichste zu den Leuten; so muss ich für euch ein Fresser und Weinsäufer sein, der sich zu Zöllnern und Sündern halte. Kann also niemand mit den giftigen Schlangen, den Heuchlern und Werkheiligen auskommen. Lebt einer frei und tut sich freundlich zu den Leuten, so taugt es nicht. Führt ein anderer ein strenges und hartes Leben, so taugt es aber auch nicht. Wie soll mans denn der schändlichen Welt noch machen? Das möchte ihr gefallen, wenn man alles lobt, was sie tut, so sie selbst doch nichts rechtes tut. 
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-Solche Ärgernisse muss man leiden. Denn so es damals, als der Herr Christus selbst gepredigt, und mit Wunderzeichen geregnet und geschneit hat, dass die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gerade, die Aussätzigen rein, die Toten wieder lebendig geworden sind, nicht hat helfen wollen; sondern das Wort ist gleichwohl verachtet, und er, der liebe Herr Christus, darüber an das Kreuz geschlagen, und die Apostel aus dem jüdischen Land verjagt worden sind, und nirgend in der ganzen Welt um dieser Predigt willen sicher sein konnten: was wollen wir denn sehr darüber klagen? Und was für ein Wunder ist's, dass die Welt das heilige Evangelium und rechtschaffene Prediger zu unserer Zeit so verachtet und mit Füßen tritt. Ist es doch damals Christus, unserem Herrn, selbst und den Aposteln nicht anders gegangen, welche nicht allein das Wort führten, sondern auch noch treffliche große Wunderzeichen taten, die wir nicht tun, sondern allein das bloße, ärgerliche Wort führen. 
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-Deswegen müssen wir uns daran gewöhnen und geschehen lassen. Denn dem Evangelium wird es nie anders gehen. Es ist und bleibt eine Predigt, daran sich nicht allein nur geringe Leute stoßen, sondern die heiligsten, frömmsten, weißesten, gewaltigsten auf Erden, wie die Erfahrung zeigt. Wohl aber denen, die wissen und glauben, dass es Gottes Wort ist; die sind genesen, getröstet und gestärkt wider alle solche Ärgernisse. Die es aber nicht wissen, blasen sich auf ihrer guten Werke willen, fallen von diesem Wort auf ihre eigene Gerechtigkeit, und halten es für eine ärgerliche und aufrührerische Lehre. Das heißt denn angestoßen und sich geärgert. Und solches tun, wie gesagt, die, so vor der Welt die größten Heiligen und klügsten Leute gehalten werden. Deswegen mögen wir mit dem Herrn Christus wohl über die blinde Welt klagen, und sagen: «Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen.» Predigen wir das Evangelium, so hilft es nicht. Man kann die böse Welt weder recht fröhlich noch recht traurig machen, das ist, sie will sich weder zu Sündern machen, noch sich wider die Sünde trösten lassen; sie will weder blind noch sehend sein, wie das Beispiel mit unseren Widersachern, den Katholiken, vor Augen ist. 
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-Das ist nun das andere Stück, dass wir hier merken sollen: dass das Evangelium eine Lehre und Predigt für die Armen ist, das ist, für die betrübten, geänstigten Gewissen, die ihr Elend und Jammer fühlen, sich vor Gottes Zorn und Gericht entsetzen und erschrecken; nicht für die Reichen, die alle ihr Tun und Gedanken dahin richten, dass sie hier große Ehre und Gut haben mögen und in Freuden und Wollust leben. Darum ist es ihnen in ihren Ohren eine seltsame wunderliche Predigt, wenn Christus, der Herr, spricht: «Den Armen wird das Evangelium gepredigt,» welches sie nicht begehren zu wissen noch zu lernen, ja, halten es für Narrheit, ärgern sich nicht allein daran, sondern verfolgen es und lästern es als Ketzerei. Wie wir denn sehen am Papst, und seinen geistlosen Kardinälen, Bischöfen, auch am meisten Teil der größten und wichtigsten weltlichen Herrschaften, die dem Papst anhangen. Das also alles, was fromm, heilig, und gewaltig in der Welt ist, sich wider das Evangelium setzt. 
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-Vor solchem Ärgernis, wie gesagt, warnt Christus sein Häuflein und spricht: «Selig ist, der sich an mir nicht ärgert.» Als wollte er sagen: Wenn ihr nun seht und erfahret, dass die Welt sich an meinem Wort ärgert, euch, die ihr es bekennt, darüber verfolgen wird, so lasst euch nicht beirren noch anfechten, sondern denkt: ist es doch Christus, Gottes Sohn, unserem Herrn, selbst auch so gegangen. Und ob er wohl so gewaltig predigte, und so viel herrliche große Wunderzeichen tat, hat es ihn dennoch nichts geholfen. Und das wir ja andächtig sein sollten, nicht uns der Welt Weisheit, Herrlichkeit, Gewalt und große Menge uns beeindrucken, davor warnt er uns, wir sollen an seinem Wort festhalten, da er spricht: «Selig ist, der sich nicht an mir ärgert». 
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-Weil es denn unseren lieben Herrn Christus Jesus selbst begegnet ist, dass sich sein eigenes Volk, dem er verheißen und gesandt zum Heiland war, an ihm geärgert hat, und ob sie wohl seine herrlichen, großen Wunderzeichen sahen, die er vor ihren Augen tat, sich dadurch trotzdem nicht bewegen lassen, seiner Predigt zu glauben und ihn anzunehmen, ja, haben ihn gekreuzigt und ermordet: so mögen wir wohl schweigen und nicht klagen, wenn wir um des Evangeliums willen auch verachtet, verlacht und verfolgt werden. Solche Lehre vom Ärgernis ist uns nötig, besonders in diesen Zeiten, da jedermann das Evangelium lästert und sich daran ärgert. 
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-Also haben wir aus dem heutigen Evangelium eine treffliche und hohe Lehre, an welcher unsere Seligkeit und das ewige Leben gelegen ist, nämlich, dass wir lernen, wie Christus ein König der Gnaden und alles Trostes sei, der den Armen betrübten Gewissen durch sein Evangelium freundlich zusprechen, und sie in Sünden trösten, und ihnen zum ewigen Leben helfen will. Denn, obwohl das strenge weltliche Regiment auch Gottes Reich ist, so ist es doch nur ein linkes Reich, dass einmal aufhören soll. Dies aber ist sein rechtes und ewiges Reich, dass zu uns kommt durch das Wort, wenn wir, so der Sünde und des Todes Last drückt (denn solchen wird es gepredigt), dasselbe annehmen und glauben. Das tröstet und versichert uns denn, dass wir gewiss auf Christus dahin fahren sollen, und mit gewisser Zuversicht sagen: Ich glaube an meinen Herrn Jesus Christum, der die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig gemacht. Das Wort habe ich, und bin deswegen gewiss, dass er mich in meinen höchsten Nöten nicht stecken lassen, sondern mich aus dem Tod und des Teufels Reich ins ewige Leben und Himmelreich führen wird. Denn darum ist er Mensch geworden und zu mir auf Erden gekommen, dass er mich armen, elenden Sünder durch sein Evangelium trösten und mir von Sünde und Tod in Ewigkeit helfen will. Alle nun, die solches von Herzen glauben, die fahren dahin aus diesen Jammertal in die ewige Freude und Seligkeit. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen. 
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-======Melanchthon, Philipp - Am dritten Adventssonntage. Evangelium Matth. 11, 2-10====== 
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-Der Hauptgegenstand dieses Vortrags soll die Lehre vom Messias und Seinem Reiche und der daraus hervorgehende Trost, im Gegensatze gegen menschliche Einbildungen davon sein. Die Juden träumten, es werde der Messias ein weltlicher König sein. Auch wir mögen wohl dem Traum von einem blühenden Zustande der Länder und Staaten uns hingeben, wofern wir nur das Evangelium von Christus festhalten. Es war auch die Veranlassung zu der von den Jüngern des Täufers hier vorgelegten Frage keine andere, als weil sie, bei dem Anblick der niedrigen Erscheinung Christi, den sie gleich einem Arzte und Synagogenlehrer umherziehen sahen, schwankten, ob sie Ihn wirklich für den Messias zu halten hätten. Aber nicht bloß zur Widerlegung politischer Träume jener Zeiten ist dieser Text bestimmt, sondern er soll, seiner allgemeinen Bestimmung nach, uns Trost gewähren bei dem kampfvollen, traurigen Bilde, welches die Kirche zu allen Zeiten darbot und noch jetzt darbietet, und auch fernerhin, so lange die Welt bestehen wird, darbieten wird. 
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-Im Anfange des Textes geschieht des Gefängnisses Johannis Erwähnung. Johannes hatte das Lehramt, zu dem er besonders berufen worden war, ungefähr zwei Jahre lang öffentlich verwaltet. Ins Gefängnis aber wurde er geworfen, weil er dem Herodes Antipas Vorwürfe gemacht hatte, dass er die Gemahlin seines Bruders Philippus widerrechtlich an sich gezogen, und mit ihr in blutschänderischem Umgange lebte. In diesem Gefängnisse wurde er einige Zeit verwahrt, und seine Schüler konnten ihn besuchen und sich mit ihm unterreden. Denn die gebildeten Völker vergruben die Menschen nicht in unterirdische Turmverließe, wie es bei uns geschieht. Nur verwahrt wurden die Gefangenen in Örtern, welche für Andere zugänglich waren. So das Gefängnis des Joseph in Ägypten und des Apostels Paulus in Röm. Da saßen Mehrere beisammen und unterredeten sich. Andere näherten sich von außen und verkehrten mit den Gefangenen. Im Demosthenes wird erwähnt, dass Aeschines, als er im Gefängnisse gewesen, von den übrigen Gefangenen ausgeschlossen worden sei, so dass Keiner mit ihm gegessen, Keiner ihm Licht gereicht habe. Woraus erhellt, dass auch die Gefangenen ordnungsmäßige Verfassung im Gefängnisse hatten. Es waren mit Einem Worte die Gefängnisse sonst nur Verwahrungsörter, wie auch die Rechtsgelehrten sagen, ein Gefängnis dürfe nur ein Verwahrungsplatz, nicht ein peinlicher Aufenthalt sein. 
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-Weiter heißt es im Texte: „Den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Das Wort „Evangelium“ braucht aber die göttliche Offenbarung, um einen deutlichen Unterschied zwischen den Lehren und Verheißungen des Evangeliums und denen des Gesetzes festzustellen. Denn das Wort Evangelium bedeutet eigentlich eine gute, frohe Botschaft; bei Homer metonymisch den Lohn für eine solche, und Isokrates, Cicero und Livius bezeichnen mit diesem Worte elliptisch die Opferfestlichkeiten, welche man bei dem Empfange freudiger Nachrichten anstellte. 
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-Es folgen im Texte die Worte: „Selig ist, der sich nicht an Mir ärgert.“ Der Sinn ist: Selig ist, wer an Meiner armseligen, niedrigen Erscheinung nicht irre wird, an ihr keinen Anstoß, kein Ärgernis nimmt. Ohne Zweifel entlehnte Christus diesen Ausdruck aus dem Jesaja, der in einer Weissagung vom Messias spricht: „Er wird sein ein Stein des Anstoßes und ein Fels der Ärgernis den zweien Häusern Israels, zum Strick und Falle den Bürgern zu Jerusalem, dass ihrer Viel sich daran stoßen, fallen, zerschellen, verstrickt und gefangen werden.“ (Kap 8, 14.15.) Hier könnte man fragen, wie das auf Christum passe, da ja Ärgernis etwas Böses, d. h. Etwas sei, was Andere täuscht und ihnen Schaden zufügt, Christus aber weder die Menschen täusche, noch ihnen Schaden zufüge, mithin nicht ein Ärgernis sei, Keinem ein Ärgernis gebe? Da ist nur in Beziehung auf die erstere Annahme zu antworten, dass ein Ärgernis doppelter Art sein kann: genommenes Ärgernis ist das pharisäische, wenn schlecht gesinnte Menschen an etwas Gutem Anstoß nehmen. Gegebenes Ärgernis aber ist das eigentlich so genannte Ärgernis, wenn Andere entweder durch schlechte Grundsätze oder durch böses Beispiel verderbt werden. Von diesem redet Christus Matth. 18, 7.: „Es muss ja Ärgernis kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt,“ Wollte man nun obigen Schluss von dieser Art des Ärgernisses verstehen, so kann man zugeben, dass Christus nicht ein Ärgernis, nämlich nicht im eigentlichen Sinne des Wortes sei. Wenn aber nicht nur Jesaja, sondern auch Christus sich selbst ein Ärgernis nennet, so ist das eine zufällige Benennung. Denn Er kommt, um Heil und Glück zu bringen; aber die Bösen widerstreben durch Wahn und Lasterhaftigkeit. Wollte man daher also folgern: Ärgernis ist etwas Böses, Christus ist ein Ärgernis, folglich ist Er etwas Böses, d. h. etwas Schädliches und Verderbliches: so leugne ich die zweite Behauptung, weil es oft der Fall ist, dass Böse an etwas Gutem Ärgernis finden. Es ist daher nicht immer der Gegenstand, woran ein anderer sich ärgert, etwas Böses; sondern vielmehr ist der Wahn Solcher, die an etwas Gutem Ärgernis nehmen, etwas Böses. So ist das Evangelium etwas Gutes, denn es ist die göttliche Stimme, die das ewige Leben verkündet, es ist die sanfte Gewalt, mit welcher der Heilige Geist uns zieht, es ist die Gotteskraft, selig zu machen Alle, die daran glauben. Aber es wird zum Ärgernis den Bösen in einer zufälligen Beziehung, d. h. böse Menschen widerstreben durch ihren Wahn und ungöttlichen Sinn, durch ihre Verstockung und Verachtung des Evangeliums und in ihnen ist der böse Wille an sich Ursache des Ärgernisses. 
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-Aber auch bei dem genommenen oder uneigentlich so genannten Ärgernis gibt es Grade. So nimmt man z. B. Ärgernis aus Schwachheit, wie damals auch viele Schwache an der niedrigen Erscheinung Christi sich ärgerten; und auch jetzt noch nehmen Viele an der Armut und am Kreuze, an den Kämpfen und Zerrüttungen der Kirche Anstoß. Kommt aber hartnäckige Selbstverblendung hinzu, so entsteht das pharisäische Ärgernis, wie wenn jene Heuchler ihr Missvergnügen ausdrücken,  
-dass man ihre irrigen Meinungen antastet, ihrer Gewinnsucht entgegen tritt, und nun halsstarrig der Wahrheit sich widersetzen. 
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-Man könnte jenen Schluss auch so bilden: Wer Ursache zum Ärgernis gibt, handelt böse; Christus gibt Ursache zum Ärgernis, folglich handelt er böse. Wahr ist der Obersatz, bezogen auf gegebenes Ärgernis, weil es etwas an sich Schlechtes ist, nämlich böse Grundsätze, böses Beispiel. Wiewohl es kann auch manchmal etwas Gutes, wenn es zur Unzeit geschieht, ein gegebenes Ärgernis sein, z. B. manche zu freie Äußerungen oder Handlungen, die man sich nicht eben gegen Hartnäckige und Widerspenstige, sondern gegen Schwache und noch nicht hinlänglich Unterrichtete erlaubt. Davon redet Paulus Röm. 14, 20., wo er unter Anderm sagt: „Es ist zwar Alles rein, aber es ist nicht gut dem, der es isst mit einem Anstoß seines Gewissens.“ Es ist demnach das gegebene Ärgernis Etwas, was an sich oder seinem Wesen nach schädlich und verderblich ist. Hiervon gilt der Ausspruch Christi: „Wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt!“ Wehe einem Arius, wehe einem Muhamed, durch den schädliche Lehre kam! Wehe dem David, durch den ein böses Beispiel, nämlich des Ehebruchs, gegeben wird! 
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-Der zweite Satz aber in jenem Schlusse handelt vom genommenen Ärgernis, welches man ohne einen lauteren Grund nimmt, wie z. B. Vielen die Reden und Aussprüche Christi ärgerlich sind, weil sie über die Vernunft hinaus gehen, und sich nicht mit den vorgefassten Meinungen, die von den Meisten hartnäckig verteidigt werden, vertragen. Vielen ist der leidende Christus ein Anstoß und Ärgernis, gleichwie selbst Petrus es nicht begreifen konnte, dass der Messias sterben müsse. Deshalb sprach er auch, als er vernahm, dass Christus leiden werde: „Herr, schone Dein selbst!“ Aber er muss das harte Wort vernehmen: „Hebe dich, Satan, von Mir!“ (Matth. 16, 22 f.) Nie ist ein strengerer Ausdruck des Tadels im Evangelium an ein Glied der Kirche gerichtet worden, als dieser an Petrus gerichtete ist. Bei vielen anderen aber ist es nicht Schwachheit, sondern Hartnäckigkeit und Bosheit, welche Anstoß oder pharisäisches Ärgernis erzeugt. So, wenn bei Streithändeln die Wahrheit an den Tag gefördert wird, murren Viele, ereifern sich, und fassen einen wahren Kainsgroll. Um solcher Ärgernisse willen wird die gute Sache nicht schlecht. -  
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-Wenn uns auch die Papisten vorwerfen, dass wir Lutheraner durch unsere Trennung von der römischen Kirche Ärgernisse veranlasst, und mithin übel gehandelt: so ist ihnen zu entgegnen, dass man allerdings vermeiden muss, durch eine Handlung Ärgernis zu geben, aber nur, inwiefern man sich dieselbe überhaupt niemals erlauben darf. Desgleichen ist: Anderen Schaden zufügen, oder durch verwerfliche Mittel, als falsche Lehrsatze, böses Beispiel, Unordnung und Zerrüttung anrichten. Anderer Art hingegen sind die pharisäischen Ärgernisse, wenn nämlich Pharisäer und ihnen Gleichgesinnte an dem, was gut und notwendig ist, Ärgernis nehmen. Solches kann man weder vermeiden, noch darf man hindern wollen, dass geschehe, was gut und recht ist, wofern man nicht Gott selbst und alle Religion von sich werfen will. -  
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-So kann Spaltung in der Kirche allerdings Entschuldigung für sich haben, nie aber Aberglaube, - und obgleich Paulus spricht: „Tut Alles zur Ehre Gottes, und seid der Kirche nicht ärgerlich“ (1. Kor. 19, 31.): so trifft doch jener Vorwurf der Papisten wegen unserer Trennung von der römischen Kirche unsere Kirche nicht; es ist ein pharisäisches Ärgernis! Bei einem Solchen aber muss man unterscheiden, was notwendig, was Befehl Gottes ist. Und das ist jenes Gebot: „So Jemand ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht.“ (Galat. 1, 19,) Und die Papisten predigen allerdings dem Evangelium entgegen. Denn sie lehren nicht richtig in Ansehung des Gesetzes, der Sünde, des Evangelium, der Sündenvergebung, und verteidigen hartnäckig jene Irrtümer. Ihre Heiligenanrufung und Verehrung ist offenbare Abgötterei; sie hindern die Ehe, und das Mahl des Herrn verkehren sie in schmählichen Götzendienst. - Können wir auch, indem wir von jenen Irrtümern und Missbrauchen uns lossagen, pharisäisches Ärgernis nicht vermeiden, so gehorchen wir doch darin dem Gebote Gottes: „Fliehet die Abgötterei!“ Auch ist grundlos, wenn die Papisten behaupten, dass, wer Anlass zu Ärgernis gebe, seinen guten Namen Preis gebe, folglich nicht recht handle. Wohl muss man einen guten Namen erstreben; aber freilich nur in seiner Ordnung, und vor Allem dadurch, dass man die Gebote Gottes beobachte, und namentlich von diesem Ersten und Höchsten nicht weiche: „Fliehet die Abgötterei!“ Wer diesem Gebote folgsam, Abgötterei und Aberglauben meidet, der hat allerdings einen guten Namen, in der wahren Kirche nämlich, und bei Allen, die ein vernünftiges Urteil anwenden. Freilich gibt es auch viele Schmäher, welche auch die redliche Tat schänden. Wiewohl es nun wahr ist, was Salome sagt: „Die Worte des Verleumders sind wie Schläge und gehen durchs Herz,“ (Sprichw. 26, 22.) und es überall Menschen gibt, welche von Natur schmähsüchtig, den Splitter im Auge des Nächsten wahrnehmen, den Balken im eigenen Auge aber nicht achten: so darf man jedoch auch die Lästerungen solcher Leute nicht so sehr fürchten, dass man das Notwendige dabei vernachlässigte. Denn wir sollen unsere Absichten, Handlungen und Unternehmungen dem Gebote Gottes gemäß einrichten, wir sollen richtig lehren und eifrig beflissen sein, die wahre Lehre aufrecht zu erhalten und zu verteidigen. Also werden wir vor Gott eines guten Gewissens uns erfreuen, und bei allen Wohlgesinnten in der Kirche eines guten Namens versichert sein dürfen. - 
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-Weiter sagt Christus: „Johannes sei nicht ein Rohr, das vom Winde hin und her geweht werde.“ Dieses Bild bezeichnet einen Menschen, der aus bloßer Sucht nach dem Neuen Etwas unternimmt. Denn alle menschliche Einrichtungen und Unternehmungen außer dem göttlichen Worte sind dem Schilfrohre gleich, das vom Winde hin und her geweht wird, und es zeigt zuletzt der Erfolg, dass jener Ausspruch Christi wahr sei: „Alle Pflanzen, welche Mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerottet“ Matth, 15, 13., und: „Was nicht aus Gott ist, wird vergehen.“ Johannes hingegen ist nicht ein von dem Winde hin und her gewehtes Rohr, d. h., der aus bloßem Streben nach Neuerungen ein neues Institut gegründet. 
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-Zugleich aber stellt jenes Bild die Unbeständigkeit Derer vor Augen, welche ihre Absichten oder Lehre ihren Leidenschaften oder dem Beifall der Menge und der Mächtigen anbequemen. Wiewohl dieser Fehler richtiger auf das folgende Glied zu beziehen ist, wo Christus sagt: „Johannes sei nicht Einer, der in weichen Kleidern einher gehe.“ Er will nämlich ausdrücken, Johannes gleiche nicht jenen Schmeichlern an den Höfen der Fürsten, welche sich nach den Launen und Neigungen der Könige und Fürsten beugen. Es haben aber nicht nur die Mächtigen der Erde gern Schmeichler um sich, sondern auch dem törichten Haufen ist Nichts lieber, als sie. Doch reden wir nun von den Höfen, welche Christus ausdrücklich erwähnt. Ein Mensch in weichen Kleidern ist also ein Hofschranz und Schmarotzer, der gegen seinen Herrn nicht rau und stachlicht ist. 
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-Aesop soll dem Solon auf die Frage, wie er mit dem Krösus reden solle, geantwortet haben: Entweder möglichst wenig, oder möglichst schmeichlerisch! Und ein in italischer Sprache geschriebenes Büchlein: vom Hofleben, betitelt, in welchem Viel von den Hofkünsten gesprochen wird, enthält unter Anderm auch diese Worte:  
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-Gib, nimm an, frage, sehr Viel, Wenig, Nichts;  
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-welche also zu verbinden sind: Gib möglichst Viel, nimm Wenig an, frage und bekümmere dich um Nichts; oder: „Wer zu Hof Viel fragen und reformieren will, der lauft scheußlich an,“ und nicht ohne Grund hat man gesagt: „Wer fromm sein will, meide den Hof.“ 
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-Wohl beruft Gott auch Fürsten und andere fromme Menschen, welche mit ihnen an den Höfen leben, zur Gemeinschaft der Kirche. Solche halten an Gott, und gewähren der Kirche Schutz und Pflege. Jedoch sind diese zu einer Zeit die Mehreren, zur andern die Wenigeren. Jedoch schenkt Gott nach Seiner Güte immer Einige, wie geschrieben steht: „Die Könige der Heiden werden Ihn anbeten“ (Psalm 72,11.); und: „Wenn die Völker zusammen kommen, und die Königreiche, dem Herrn zu dienen“ (Psalm 102, 23.). Es enthielt dieser Ausspruch eine Schilderung des vollkommensten Zustandes im Menschengeschlecht!; denn da nur blüht wahrhaft ein Staat, wo König und Volk einträchtig sind, und in der Kirche zur wahren Verehrung Gottes sich vereinigen, wo die reine Lehre nicht durch Zwiespalt und Verfolgung gefährdet ist, wo jeder Einzelne seiner Pflicht lebt, sei es im Lehren oder im Regieren, in der Bestrafung, wie in der Abwendung öffentlichen Ärgernisses. 
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-Ein solcher Zustand ist in diesem geistesschwachen, unkräftigen Weltalter selten; und findet er sich auch hier und da: so hat er doch immer seine Unvollkommenheiten. Wir reden aber hier im Allgemeinen von den Höfen der Fürsten. Denn auch an guten Höfen findet ein großer Zusammenfluss schlechter Menschen statt, und sehr wahr sagt Juvenal: „Wenn Einer ein Stalljunge zu Hofe ist, so ist er stolzer denn ein anderer.“ Ein Ausspruch des Menander bringt die Hofleute in drei Klassen. Der ersten gehört der Schmeichler an, die zweite enthält die Sykophanten (Ränkeschmiede), in der dritten steht der Neidische, Eifersüchtige, der die schlauesten Künste, Anderen zu schaden, in seiner Gewalt hat. - Johannes nun, spricht Christus, ist nicht ein Solcher, nicht weichlich und schmiegsam war er, sondern rau und stachlicht vor seinem König Herodes, wie vor den Pharisäern. 
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-Was die Worte betrifft: „Das Himmelreich leidet Gewalt, - so sind sie eigentlich so zu erklären: Das Himmelreich bricht mit Macht hervor, schreitet kräftig vorwärts, erweitert mit Gewalt seinen Umfang, und zwar nicht mit Hilfe physischer oder politischer, sondern geistiger und göttlicher Gewalt; „es dringet mit Macht oder gewaltig durch, dass man's nicht hindern kann.“ Weder die Macht des Teufels, noch der Welt vermag es aufzuhalten. Als Trost stehen also diese Worte da in Ansehung der Sammlung und Erhaltung der Kirche, gegen welche die Macht der Welt und die Pforten der Hölle toben und vergebens ankämpfen. Der einfältige Sinn jener Worte ist: Die Kirche wird durch göttliche Macht verwehrt und beschirmt. Gott sammelt die Kirche aus dem ganzen menschlichen Geschlechte, regiert und schirmt sie gegen das Wüten des Satans und der Welt, und die Kirche wird bleiben, mag auch der Teufel und die Welt mit aller Macht und Bosheit sich dagegen auflehnen. 
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-Bisher hat Er vom Himmelreich, d. i. vom Sohne Gottes selbst und von der Stimme des Evangelium geredet, durch welche die Kirche gesammelt wird, wie denn der Sohn Gottes selbst das Haupt der Kirche ist, der in göttlicher Gewalt dieselbe sammelt und beschirmt. Nun fügt Er die Worte hinzu: „Und die Gewalt tun, reißen es zu sich.“ Das sind nämlich alle die, welche sich nicht durch die Schrecknisse der Welt, durch Ärgernisse, durch Widerstreit der Meinungen und durch andere Hindernisse entmutigen und entkräften lassen. Sie werden vom Sohne Gottes gekräftigt zum Siege, und darum eben als Solche bezeichnet, „die Gewalt tun“, nämlich teils in Beziehung auf die Feinde, welche zurückgeschlagen und überwunden werden müssen, teils in Ansehung der Hindernisse und Hemmungen, welche allenthalben her der Teufel in den Weg legt. Es sind daher nicht Solche darunter zu verstehen, die von schwärmerischen Gefühlen fortgerissen werden, oder willenlos gewissen gewaltigen Eindrücken weichen. Eben so wenig ist jene Gewalt auf das Bestreben zu deuten, das Evangelium durch äußere Gewalt auszubreiten, sondern gilt nur von den Übungen der wahren Buße, des Glaubens, des Gebetes, des Bekenntnisses. Denn das ist eben die Gewalt, mit der man unablässig gegen den Teufel und die Macht der Welt ankämpfen muss. 
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-Es liegt demnach zugleich die Aufforderung in diesen Worten, dass fromme Christen wacker und beharrlich fortfahren sollen, die Wahrheit des Evangelium zu behaupten, zu reinigen, zu schützen, keinen Drohungen oder Schrecknissen der Feinde zu weichen, keinen Kampf, keine Gefahr zu fliehen, welche das Bekenntnis notwendig herbeiführt. Denen, welche solches tun, ist die Verheißung gegeben, dass sie einst ewige Bürger des Reiches Gottes sein sollen, nach dem Ausspruche: „Gott, der das Wollen gibt, wird auch das Vollbringen geben“ (Philipp. 2, 13.). Es lässt sich nicht mit Worten sagen, wie Wohltuend der Inhalt beider Glieder dieses Ausspruches, aus diese Weise gefasst, dem Herzen ist. Der Sohn Gottes selbst und die Stimme des Evangelium dringen mit Macht hindurch und machen sich kräftig Bahn. Wie die Sonne am Horizont, durch kein Hindernis aufgehalten, die Wolken durchbricht, so dringt das Himmelreich mächtig herein, und keine Gewalt widerstrebender Feinde mag es aufhalten. Es kommt nun die Zeit, spricht Christus, dass Ich die Stimme des Evangelium ertönen lassen und durch den ganzen Erdkreis verbreiten will. Niemand vermag Solches zu hindern, wie sehr auch der Teufel nicht nur, sondern auch die Macht der Welt, sich dagegen setzen wird. Durch Beispiele wird das anschaulicher. Die Synagoge leistete Anfangs den erbittertsten Widerstand, aber umsonst. Die Juden räumten Jesum hinweg; und ungeachtet sie wussten, dass Er Tote wieder belebt hatte: so war doch ihre feindselige Wut und Verstockung so groß, dass sie Ihn hinwürgten. So wähnten sie ihre Macht wohl befestigt. Doch Christus erstand vom Tode, und das Grab mochte Ihn nicht zurückhalten. Nach Seiner Auferweckung predigten die Apostel. Auch diese begannen, die Juden zu verfolgen, und noch immer träumten sie von der Aufrechterhaltung ihres Reiches; doch die Predigt der Apostel drang mächtig durch, und die jüdische Verfassung ward zuletzt gestürzt. 
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-Darauf, als das Evangelium unter den Heiden ausgebreitet worden, gedachten Nero, Diokletian und Julian den Christennamen zu vertilgen, und alle ihre Absichten und Unternehmungen waren darauf gerichtet, das Evangelium auszurotten; aber sie vermochten's nicht. So drang auch in den übrigen Zeiten der Sohn Gottes und die Stimme des Evangelium gewaltig durch, und machte sich mit Gewalt Raum in der Welt, trotz des Tobens und Gegenkampfes des Teufels und aller weltlichen Mächte, und die Gewalt keiner Kreatur vermag sie aufzuhalten. 
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-Das ist eine weit stärkere Macht, als wenn weltliche Herrscher Heere zusammen ziehen, um ihre Feinde zu durchbrechen; und durch dieselbe mächtige Gewalt schirmt und behütet Gott auf wunderbare Weise auch die einzelnen Frommen, dass sie ihre Wallfahrt vollenden mitten unter dem Toben des Teufels und der Welt. Christus selbst verwaltet Sein Amt bis zur Vollendung Seines Laufes, und Paulus erfüllt mit dem Evangelium Asien, Italien, Illyrien, bis auch er am Ziele seiner Wallfahrt ist. Gott sammelt durch ihn die Kirche trotz dem, dass der Teufel, Fürsten und Irrlehrer ihm entgegen kämpfen. 
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-Es erinnert uns aber auch jenes Wort: „Und die Gewalt tun, reißen es zu sich,“ an unsere Pflicht, dass wir nicht träge noch müßig, nicht schläfrig noch verzagt seien, sondern der Widerwärtigkeiten und Hindernisse, welche unserem Glauben, unserem Bekenntnis und unserer Anrufung entgegen stehen, stets eingedenk sein sollen. - Ja dem Allen sollst du kühnlich entgegen treten und durch den Trost dich kräftigen, dass, wofern du nur bei deiner Schwachheit den redlichen Eifer, gut zu handeln, besitzest, und dich nicht von der Bahn der Frömmigkeit abziehen lässt, die Kraft Gottes in dir wirksam fein werde. 
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-Von einem Zwange, einer Notwendigkeit, als ob dich Gott mit Gewalt und ohne Rücksicht auf die Teilnahme deines Willens zum Glauben ziehe, wie Einige den Sinn dieses Ausspruchs entstellen, ist hier nicht die Rede, und es wird solcher Wahn durch die geistige Erfahrung selbst widerlegt. Wir müssen dem gehörten Worte Beifall geben. Es gibt aber das Herz Beifall und wird bekehrt durch Antrieb des Heiligen Geistes, und auch die guten Werke, welche darauf erfolgen, geschehen nicht mit unserem Widerstreben, sondern nur inwiefern wir wollen, und die Wiedergeburt des Willens in uns begonnen hat. Denn so lange der Mensch noch völlig widerstrebt, so lange ist noch keine Bekehrung erfolgt. 
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-Immer reißen es also die, so Gewalt tun, zu sich, d. h., in welchen nicht ohne Kampf und Ringen die ersten Funken des Glaubens entzündet worden sind, die fahren auch unter göttlicher Mitwirkung fort, und lassen sich nicht hindern. Wende solches Jeder auf sich besonders an! Gott hat dir Gnade verliehen, dass du nicht ein epikurisch gesinnter Verächter des göttlichen Wortes bist; du hast schon ein Fünklein des Glaubens, du vernimmst die Stimme des Evangelium, und möchtest doch gern, dass dein Glaube lichte Flamme werde; du fühlst deine Schwachheit; dieser darfst du nicht gewähren, sondern musst in Kraft des Geistes sie bekämpfen und im aufrichtigen Seufzen und Gebet flehen, dass der Heilige Geist je mehr und mehr dich kräftigen wolle. So wirst du gewiss gerettet werden, wie sehr auch der Teufel sich dagegen setze. 
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-So viel zum Verständnis der Worte: Es wird daraus einleuchtend, wie viel auf Sprachkenntnis und wissenschaftliche Genauigkeit ankomme, um die Eigentümlichkeiten der biblischen Sprachweise zu verstehen, und gegen fanatischen Wahn gerüstet zu sein, zumal da in unserer Zeit gar Viele durch Herabsetzung der Wissenschaft bei der Menge Ansehen zu erlangen suchen. Aber solche Leute gefallen sich meistens in ihren vorgefassten Meinungen, und weil sie selbst gelehrter Bildung ermangeln, wollen sie unter dem großen Haufen derer, die ihnen ähnlich sind, ihr verstecktes Spiel treiben. 
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-Lasst uns noch auf einige Hauptpunkte in unserer Erzählung aufmerksam machen. Der erste ist: das Beispiel der Befestigung schwacher Gemüter, welche Wunsch und Verlangen zu lernen, haben, gleichwie die Jünger des Johannes hier zu Christo gesandt werden, um sich von ihm befestigen und in der Erkenntnis der Wahrheit fördern zu lassen. Lasst uns beherzigen, dass in der Kirche, d. h. eben in der Gesellschaft der zu Gott bekehrten Christen zu allen Zeiten große Schwachheit herrschte. Ja in den Heiligen selbst wohnt noch große Dunkelheit. 
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-Wir sehen, mit welchen Schwierigkeiten wir bei der Beurteilung der Dinge zu kämpfen haben, welche die menschliche Vernunft einigermaßen begreifen kann. Um wie viel größer ist unsere Schwachheit, wenn es gilt, die evangelische Lehre uns fest anzueignen, welche über und außer der menschlichen Weisheit liegt und nur mit Hilfe göttlichen Lichts klar erkannt wird! 
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-Gar schwach ist Anfangs das Fünklein des Glaubens in uns. Es will jedoch Gott, dass wir allmählig fortschreiten sollen, denn es heißt: „Wer da hat, dem wird gegeben werden!“ (Matth. 25, 29.) und ein altes Wort sagt: „Der Mensch schreitet entweder fort, oder er geht zurück. Dieß gilt von jeder Kunst schon, wo man bei unterlassener Übung leicht einrostet. Weit mehr aber fordert es die Sache bei den Übungen unsres Glaubens, dass wir nach Fortschritt streben. Denn die menschliche Natur ist im Allgemeinen so beschaffen, dass sie nicht in demselben Zustande verharrt, und wo wir nicht vorwärts schreiten, da werden wir je mehr und mehr unseren Rückschritt inne. - 
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-Was die Frage betrifft, ob Johannes in Christus Zweifel gesetzt, so behaupte ich, dass er eben so wenig gezweifelt habe, als ihm die Person Christi unbekannt war. Er sandte daher nicht um seinetwillen, sondern seiner Schüler wegen dieselben an Ihn, da er in ihnen viele Schwachheit und Zweifel bemerkte. Sie sollten darum Christum selbst hören, und selbst sehen, worauf in allen Fällen gar Viel ankommt. Denn was man mit eigenen Ohren vernimmt, das dringt tiefer ins Herz, als was man von Anderen erzählen hörte. Vorzugsweise aber sind Augenzeugen die sichersten, und es gilt auch ein Solcher mehr, als zehn Ohrenzeugen. 
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-Mild und freundlich aber nimmt sie Christus auf, ganz übereinstimmend mit dem Ausspruche des Paulus: „Den Schwachen im Glauben nehmet auf, und verwirret die Gewissen nicht.“ (Röm. 14, 1.) Die Schwachen aber sind es eben, welche gelehrig sind, und nach Fortschritt streben. Die Anderen, die sich nicht mögen belehren lassen, und der erkannten Wahrheit widerstreben, sind nicht als Schwache zu betrachten, sondern als Hartnäckige, Verstockte, wie die unbiegsamen Pharisäer. Und Solche sind insgemein dünkelhafte, eingebildete Bewunderer ihrer selbst, voll Eigenliebe, und aufgeblasen durch eine hohe Meinung von ihrer Weisheit. Sie wollen den Himmel erklimmen, und , stürzen am Ende tief herab, und werden von Gott zur Strafe gezogen. - , 
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-Der zweite Hauptpunkt enthält die Zeugnisse, welche Christus in Seiner Antwort anführt, um die Jünger des Johannes zu befestigen: Einmal, dass Er der gesendete Messias sei, dass Er aber auch der nämliche Messias sei, von dem die den Vätern gegebenen Verheißungen reden, und dass kein anderer Messias zu erwarten sei. Er bedient sich aber auch solcher göttlicher Zeugnisse, welche in den prophetischen Weissagungen vorher verkündigt worden waren, denn Er legt ihnen diesen Vernunftschluss vor: Es ist vorher verkündigt worden, dass der Messias bei seinem öffentlichen Auftreten mit diesen Wundergaben ausgerüstet sein werde: „Die Lahmen werden gehen, die Blinden sehen, die Toten werden auferstehen.“ Ihr seht nun, dass Gott Meine Berufung durch solche Zeugnisse bestätigt; darum sollt ihr also wissen, dass Der der Messias ist, den ihr seht. Hierher gehört die Lehre von den Wundern. Gott, will in Seinen Werken erkannt werden, nicht nur in denen, welche Er an die Gesetze der Natur gebunden, sondern auch in denen, welche Er aus ihrem Zusammenhange heraus gestellt hat. Die ersteren bilden die gesamte Naturordnung. Die außerordentlichen Werke aber sind die Wunder, welche uns zeigen, dass Gott nicht an Mittelursachen gebunden, sondern ein durchaus frei waltendes Wesen ist, und diese Naturordnung abändern kann. Solche Werke verbindet Gott mit Seinem Worte, weil es der Vernunft unbekannt ist. 
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-Solche Werke führt nun Christus auch von Sich an, und auch wir sollen jene Zeugnisse unablässig beherzigen und uns alle die vorhalten, welche vom Anbeginn der Kirche an ergangen sind, und uns durch das Wort Gottes und die von Gott beigefügten Zeugnisse befestigen. - 
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-Christus schließt hier an die übrigen Wunder die Bemerkung an: „dass den Armen das Evangelium gepredigt wird.“ Er drückt damit aus, dass die Predigt des Evangelium an die Armen nicht nur an sich das größte Wunder sei, sondern auch, dass die übrigen Wunder zu dem Zwecke geschehen, damit die Kirche gesammelt und das menschliche Geschlecht zu Gott bekehrt werde. Solche Güte Gottes nun, der Seinen Sohn zur Sammlung der Kirche sendet, wollen wir zu Herzen nehmen, und die Überzeugung fest halten, dass der Sohn Gottes das „Wort“ und das „Leben“ sei, und dass das Menschengeschlecht gänzlich untergegangen sein würde, wofern nicht wäre beschlossen worden, dass der Sohn Gottes unsere menschliche Natur annehmen, sich zu uns gesellen und uns das Leben erwerben sollte. Dieser Ratschluss in Ansehung unserer Rettung aber wird durch die Predigt des Evangelium kund getan, durch welche auch die Kirche, wie auch die Macht der Welt und des Teufels sich dagegen setze, gesammelt, und nicht nur gesammelt, sondern auch erhalten wird, wenn ihr auch kein menschlicher Schutz zu Gebote stände. Nicht ohne Grund zählt also Christus dieses Wunder den übrigen bei. Unter den „Armen“ sind zu verstehen die Armen am Geiste, d. h. die, welche um ihrer Sünden willen in tiefem Schmerz gebeugt sind, von denen es auch bei dem Propheten heißt: „Wo wird der Herr wohnen, außer bei denen, so zerschlagenen, demütigen Geistes sind und sich fürchten vor Meinem Worte?“ (Jesai. 57, 15. vergl. 66, 2.) 
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-Sodann mag man diese Benennung der Armen auch auf den Zustand der Kirche anwenden, welche keinen Schutz und Verteidigung von äußerer Herrschaft und weltlicher Macht zu erwarten hat. Ein treffliches Bild davon ist im Zacharias, das uns unablässig vor Augen stehen sollte. Das Volk war aus Babylon heimgekehrt, eine große Menge von Greisen, Kindern und Frauen, unter denen viele schwangere und säugende Mütter waren. Sie hatten keine festen Oerter, kein Heer, das sie gegen die Nachbarvölker und andere Raubhorden geschützt hatte. Da erteilte ihnen Gott den Trost, der zu der Erwähnung dieses Wunders von der Sammlung und Erhaltung der Kirche in unserer so großen Schwachheit passt: „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch Meinen Geist will Ich euch erhalten; Ich will eine feurige Mauer um euch her sein“ (Sacharja 4, 6. vergl. 2, 5.). Aber auch das wollen wir bedenken, dass Christus durch die Erwähnung der Armen die Verschiedenheit der Kirche oder des Messiasreiches von weltlicher Herrschaft habe anzeigen wollen. Und weil die Welt nicht nur an der Niedrigkeit Christi, sondern auch an der kläglichen Verfassung und Erscheinung der Kirche sich ärgert, so fügt Er alsbald die Erinnerung hinzu: „Und selig ist, der sich nicht an Mir ärgert.“ 
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-Der dritte Hauptpunkt betrifft das Amt des Johannes, von dem hier Christus sagt: „Unter Allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, der größer sei, denn Johannes.“ Er redet aber von der Wichtigkeit und Erhabenheit seines Berufes, weshalb Er auch hinzu setzt: „Der auch mehr ist, denn ein Prophet.“ Denn die alttestamentlichen Propheten lehrten nicht bloß, sondern leiteten such, die Angeseheneren wenigstens, wie Elias, Jesaja u. s. w., die Staatsangelegenheiten. Johannes aber ist nicht ein Solcher; er ist weder ein Diener in der levitischen Ordnung, noch beschäftigen ihn die politischen Angelegenheiten, Christus nennt ihn aber größer, als die Propheten, weil das Amt des Johannes der Beginn der Verkündigung des neuen Bundes, d. i. das Zeugnis von der Gegenwart des Messias, der Anfang der Taufe und der Sammlung der neuen Kirche aus Juden und Heiden ist, und zwar nicht, wie zuvor unter dem Volke des Gesetzes geschah, durch den levitischen Dienst, sondern durch die Predigt der Buße und der Vergebung der Sünden um jenes Lammes willen, auf welches Johannes mit dem Finger zeigte. (Joh. 1, 29.) Es haben aber die Apostel und die ihrer Lehre folgen, ein und dasselbe Amt mit Johannes, nur dass der Täufer der Anfänger dieses Amtes war, und zwar den gegenwärtigen Messias, jedoch als Den verkündigte, der noch leiden und auferweckt werden sollte. Die Apostel hingegen und wir bis heute predigen Christum als Den, der schon gelitten hat und auferweckt ist. Außerdem ist es dasselbe Wort des Amtes, dieselbe Wirkung. Alle, welche die Stimme des Johannes gläubig hörten, empfingen Vergebung der Sünden, und wurden durch den heiligen Geist geheiligt, gleichwie in der Folge die, welche der Stimme der Apostel glaubten. Man darf also nicht wähnen, die Lehre des Johannes sei nur eine Predigt der Buße, ohne die Predigt der Vergebung der Sünden gewesen. Denn die Predigt der Buße ohne die Predigt der Vergebung der Sünden ist nichts mehr, als eine tragische Deklamation des Sophokles oder Euripides. Gerade darin aber unterscheidet sich die Lehre der Kirche von der Weisheit der Heiden. Die Heiden sehen wohl, dass schwere Strafen den Sünden folgen; sie predigen Buße, und fordern die Menschen zur Zügelung ihrer Leidenschaften auf; aber von Vergebung der Sünden sagen sie Nichts. Die göttliche Stimme in der Kirche prediget Beides, Buße und Vergebung. Sie mahnt an die Schuld, und weist zugleich auf den Sohn Gottes hin. Hätte Johannes nur Buße, nicht auch Vergebung gepredigt, was hätte er Anderes gelehrt, als dass die Menschen in Zweifel und Murren gegen Gott bleiben sollten? Aber bei der Taufe zur Buße wies er zugleich auf die Wohltaten des nun erschienenen Messias hin, „von Dessen Fülle wir Alle nehmen Gnade um Gnade.“ (Joh. 1, 16.) Gnade, d. h. Vergebung der Sünden und Versöhnung mit Gott. Ferner wenn er spricht: „Das Gesetz ist durch Moses gegeben,“ d. h., durch das Gesetz werden wir nicht, gerecht, und die mosaische Verfassung wird untergehen, wie sie auch keineswegs jenes hohe, den Vätern verheißene Gut ist; „die Gnade und Wahrheit aber ist durch Jesum Christum geworden;“ d.h., wir müssen in Christus etwas Höheres und Herrlicheres anerkennen, als das Gesetz ist. Das ist aber die Gnade, nämlich die Vergebung der Sünden, und Wahrheit, d.i. nicht Schattenbilder, nicht vergängliche Güter dieses Lebens, sondern wahre, dauernde Güter, Weisheit, Gerechtigkeit, ewiges Leben und unvergängliche Freude. Solches muss man erwägen, um die Größe und Bedeutung des Amtes einzusehen, welches der Täufer verwaltet hat. 
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-Aber warum setzt Christus hinzu: „Der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer denn Johannes?“ Wiewohl man noch andere Erklärungen aufstellen könnte, so glaube ich doch, dass Christus von Sich selbst und Seiner Person redet, welche Meinung, wie ich mich erinnere, auch von Luther gebilligt worden ist. Er nennt Sich aber den Kleinsten, weil Er Sich vor dem Vater und allen Engeln und Menschen erniedrigte. Denn Er kennt den Vater vollkommen; je besser man aber den Wert, die Vorzüge einer Sache kennt, desto mehr verehrt man dieselbe, und je weiser Einer ist, desto demütiger ist er. Vielleicht dass der Sohn Gottes gerade darum von den Teufeln verachtet worden ist, weil sie in Ihm eine größere Demut wahrnahmen, als in irgendeiner Kreatur sein kann. Auch widerstreitet es einander keineswegs, dass der Sohn dem Vater gleich ist, und doch den Vater verehrt. Denn die Gleichheit bezieht sich auf das Wesen und die Macht, die Verehrung und Erniedrigung deutet die Folge, das Verhältnis der Personen an; denn es sind verschiedene Personen, und der Sohn hat sein Sein vom Vater. 
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-Am meisten aber hat der Sohn Gottes Seine Demut gezeigt, als Er die menschliche Natur annahm, und Sich unter alle Kreaturen erniedrigte, und unsere Strafe auf Sich nahm, gleich als ob Er selbst Sich mit meinen und deinen und aller Menschen Sünde befleckt hatte. Von dieser Erniedrigung des Sohnes Gottes reden folgende Aussprüche: „Ich ehre Meinen Vater!“ (Joh. 8, 49.) Ferner: „Er ist für uns zur Sünde, zum Fluch geworden!“ (2. Kor. 5, 21, vergl. Gal. 3, 13.) und jener herrliche Spruch des Paulus (Phil. 2, 6 ff,): „Ob Er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt Er's nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein;“ d. h. ob Er gleich wahrhaftiger Gott war, und gleiche Weisheit, Gerechtigkeit und Macht besaß, wie der Vater selbst hat: so wollte Er doch jene Gleichheit mit Gott nicht als einen Raub festhalten, nämlich entgegen der Berufung, nach welcher Er zu einer bestimmten Zeit in die Erniedrigung gesandt ward. Welches aber diese Erniedrigung sei, lehrt Paulus in derselben Stelle: „Er äußerte Sich selbst und nahm Knechtsgestalt, d. h. die menschliche Natur an, und war in dieser einem wehrlosen Knechte gleich, und ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Gebärden als ein Mensch erfunden;“ d. i. Er empfand Schmerz und Betrübnis, litt und starb, gleich als ein Mensch. - 
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-Aus der Betrachtung dieser Stelle ergibt sich, dass Christus etwas Besonderes ausdrücken wollte, wenn Er Sich „den 
-Kleinsten im Himmelreiche“ nannte, und wenn auch dies weit über menschliche Fassungskraft hinaus liegt, so muss es uns doch antreiben, dem Sohn Gottes brünstig zu danken, dass Er Sich auch um unsertwillen so tief erniedrigt hat. Zugleich wollen auch wir aus diesem Bilde der vollkommensten Demut ein klein wenig Geduld, ich will nicht einmal sagen Demut, lernen, und unseren abscheulichen, schmählichen Stolz nach jenem Gebote Christi selbst ablegen, wo Er sagt: „Lernet von Mir; denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!“ (Matth. 11, 29.) 
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-Der letzte Hauptpunkt betrifft das Wort: „Das Gesetz und die Propheten haben geweissagt bis auf Johannes;“ worin Christus lehren will, das Reich des Messias beginne nun, und das Ende der mosaischen Verfassung, die Erfüllung Dessen, was im mosaischen Gesetze angedeutet worden und der prophetischen Verheißungen, so wie des ganzen levitischen Amtes sei nun da, und ein neues Amt, nämlich das des Neuen Bundes, werde nun beginnen. 
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-Hier muss man das Wesentliche der Lehre von den Teilen des Gesetzes wiederholen, um folgendem Einwurf begegnen zu können: Was ewig und unveränderlich ist, kann nicht aufhören; das göttliche Gesetz ist ewig und unveränderlich, weil es die Weisheit und die Norm der Gerechtigkeit in Gott selber ist, welche eben so gewiss nicht kann geändert werden, als Gott selbst unveränderlich ist: folglich hört mit Johannes das Gesetz nicht auf. 
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-Was nun die erste Behauptung betrifft, so ist es wahr, dass das Ewige nicht aufhört, nämlich das, was in Gott selbst ist; denn das ist unveränderlich. Was aber außer Ihm ist, betreffe es nun bürgerliche oder kirchliche Einrichtungen, das ist veränderlich. Es redet aber Christus in diesem Ausspruche nicht von jener Weisheit und Norm der Gerechtigkeit in Gott, welche das Sittengesetz ist, inwiefern es Gleichförmigkeit der vernünftigen Geschöpfe mit Gott fordert, sondern von dem Zeremonial- und gerichtlichen Gesetze, welches sich auf die äußerliche Verfassung dieses Volkes bezieht. Denn Er stellt diesen Ausspruch der törichten Einbildung der Juden entgegen, dass die mosaische Verfassung sich über die ganze Welt verbreiten müsse. Diesem Wahn entgegen versichert hier Christus, mit der Ankunft Christi werde jene Verfassung aufhören, und weil Johannes schon predige, will Er sagen, so seien nun die prophetischen Weissagungen erfüllt, und Christus gesendet. - 
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-Eben so reichen auch die Propheten bis auf Johannes, d. h. die Propheten haben von der Ankunft des Messias geweissagt. Diese Weissagungen sind jetzt erfüllt, und gleichermaßen wird auch was die Propheten von der Bedeutung des Gesetzes gelehrt haben, im Reiche des Messias erfüllt werden. Ja es wird endlich das Ende des ganzen levitischen Amtes eintreten, nicht nur in Ansehung der Zeremonien, sondern auch der Belehrung über die äußere bürgerliche Zucht, insofern sie sich auf die mosaische Verfassung bezieht, weil die Heiligen im neuen Bunde das haben werden, was das Gesetz vorschreibt, und was nach der Lehre der Propheten im Gesetze wesentlich angedeutet worden ist. Jetzt ist Christus unser Gesetz, d. h. das erfüllte Gesetz, und wir, die wir Christum haben, wir haben auch das, was durch das Gesetz angedeutet worden; denn die geschlachteten Opfer deuteten auf das Verdienst Christi und die Vergebung der Sünden, desgleichen das Sittengesetz auf die durch Christus zu erhaltende Gerechtigkeit hin, in welchem wir nun zugerechnete Gerechtigkeit, Heiligung und ein ewiges Leben haben. Mit der Hinwegnahme des Schattens des Gesetzes wird nun die Hindeutung erfüllt, und Das in den Heiligen erneuert, was in Gott ewig ist; denn es wird den Heiligen die göttliche Gerechtigkeit mitgeteilt, damit sie Gott ähnlich werden. Doch hier drängt sich die Frage auf, die auch im Irenäus aufgestellt wird: Haben denn nicht Alles, was im Evangelium gelehrt, im neuen Bunde dargeboten wird, auch schon früher die heiligen Väter im alten Bunde gehabt? Haben nicht Adam, Abraham rc. Christum gekannt, die Segnungen des neuen Bundes besessen und empfunden, dass sie durch den heiligen Geist dem Tode entrissen wurden? Was hat denn also Christus Neues gebracht? Wir antworten am besten mit Irenäus: „Sich selbst hat Er gebracht;“ Er hat jenes Opfer erfüllt, um dessentwillen jene Vater mit Gott versöhnt und geheiligt worden sind, und hat in Seiner Auferstehung das voraus verkündigte neue, ewige Reich begonnen; denn Er ist der Erstling geworden unter denen, die vom Tode erstehen. Überdies hat Er die Lehre des Evangelium unter den Heiden verbreitet, was vorher nicht geschah. Doch ich kehre zurück zur Unterscheidung der Teile des Gesetzes, welches in das Sittengesetz, Zeremonialgesetz und bürgerliche Gesetz zerfällt. Eine kindische Benennung ist's, wenn das Sittengesetz nur insofern so heißen soll, weil es lehre, wie unsere Sitten beschaffen sein sollen. Vielmehr muss unter der Sittlichkeit die ganze Gleichförmigkeit unserer Natur mit der Weisheit und Gerechtigkeit Gottes begriffen, und das Sittengesetz als dasjenige aufgefasst werden, in welchem dargestellt wird, wie Gott ist, und wie wir werden müssen. Denn die Lehren desselben haben das zum Gegenstand, was in Gott und in uns bleibend ist. 
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-Das Zeremonialgesetz handelt nicht von Dem, was in uns ist, sondern von äußern Gebräuchen, weil alle Zeremonien nur Handlungen der äußern Zucht, äußere Schatten waren, die auf etwas Anderes hindeuteten. Ferner beziehen sie sich nur auf eine bestimmte Zeit, und sind nichts Bleibendes, nur äußere Handlungen, die für den Menschen keinen beharrlichen Wert haben; darin liegt der klare Unterschied des Moral- und des Zeremonialgesetzes. Darum müssen wir uns gewöhnen, bei der Betrachtung des Sittengesetzes die Quelle desselben, d. h. die Weisheit und Gerechtigkeit in Gott, uns vor Augen zu stellen. Denn auf diese Weise wird die hohe Wichtigkeit dieser Dinge richtiger aufgefasst, und es ist das Sittengesetz unbezweifelt darum bei der Schöpfung dem menschlichen Herzen eingepflanzt worden, damit es ein Zeugnis von Gott wäre. 
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-Das bürgerliche Gesetz ist die zum Frieden unentbehrliche äußerliche Zucht eines äußerlichen Vereins. Auch dieses bezieht sich auf äußerliche Handlungen, im bürgerlichen Leben nämlich, gleichwie sich das Zeremonialgesetz auf den äußerlichen Cultus im kirchlichen Leben jenes Volks bezog. Auch die bürgerlichen Gesetze sind ein Ausdruck des göttlichen Willens, weil Alles, was die Förderung äußerer Zucht betrifft, Zeugnis ist, dass Gott die Sünden hasst und straft; denn Gott will, dass die bürgerliche Gerechtigkeit von Seiner eigenen Gerechtigkeit zeugen soll, und straft, nach den Lehren der Geschichte, da, wo die Obrigkeit Verbrechen nicht straft, die Obrigkeiten und ihre Untergebenen selbst. 
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-Wiewohl aber die bürgerliche Gerechtigkeit ein Zeugnis von Gott ist, so ist doch die bürgerliche Zucht selbst noch nicht jenes Ewige, was das Sittengesetz als wesentlich fordert. Der Wille Gottes hat den Zeremoniendienst, wie die bürgerlichen Gesetze verordnet, um die Verfassung jenes Volkes zu stützen, und mit derselben zu fallen, wenn Christus kommen, und Sein Reich auf der ganzen Erde ausgebreitet werden würde. Die Ankunft Christi war daher das Ende jener Schatten und jener Verfassung, welche hauptsächlich zu dem Zwecke gegründet worden war, damit ein bestimmter Ort vorhanden wäre, wo Christus geboren würde, von Sich Zeugnis gäbe und das Leiden erduldete. 
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-Aber redet Paulus nicht auch vom Sittengesetz, oder den zehn Geboten, wenn er spricht: „Ihr seid nicht unter dem Gesetze?“ (Röm. 6, 14.) und sind damit nicht auch die zehn Gebote aufgehoben? - Allerdings für den Gläubigen, der in Christus ist, was die Anklage, den Fluch, nicht aber, was den Gehorsam betrifft. Das Gesetz Gottes klagt die Gläubigen nicht an, es verdammt sie nicht, und es findet in Ansehung aller der Gläubigen, denen um Christi willen die Sünden vergeben werden, eine ganz besondere, der Vernunft unbekannte Freisprechung statt. Weder Adam noch die Weisheit eines Engels vermochte diesen Schluss zu entkräften: Gott ist unveränderlich gerecht; die Gerechtigkeit Gottes muss den, der gesündigt hat, verstoßen: folglich ist Adam von Gott verstoßen; - aber der Sohn Gottes hat es vermocht durch die geoffenbarte Verheißung des Evangelium. Nun lautet der zweite Teil jenes Schlusses also: Die Gerechtigkeit Gottes muss den, der gesündigt hat, verstoßen, nämlich: „wo fern nicht der göttlichen Gerechtigkeit dadurch Genugtuung geschieht, dass die Strafe auf den Mittler übergetragen wird, durch Den das Lösegeld dargebracht wird.“ 
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-Auch folgt daraus, dass Gott die Sünden vergibt, keineswegs, dass falsch sei, was in Maleachi (3, 6) gesagt wird: „Ich bin der Herr, der Unveränderliche!“ Gott wendet Sein Missfallen von denen, die an Seinen Sohn glauben; jedoch verändert Er Sich darum nicht, weil Er ja beschlossen hat, denen, welche Buße tun und an den Sohn glauben würden, die Sünde zu vergeben. So bleibt auch das Sittengesetz ewig und unveränderlich, obgleich in Ansehung der Gläubigen die deutliche Bestimmung des Evangelium dazu kommt. Und eben so bleibt in alle Ewigkeit der Wille Gottes, und die Verpflichtung, was den Gehorsam betrifft. Die Gläubigen, obwohl sie befreit sind vom Fluch des Gesetzes, sind sie doch nicht von der Verbindlichkeit des Gehorsams frei gemacht, und der Satz muss auch im Himmel wahr bleiben: Das Gesetz ist, was den Gehorsam betrifft, nicht aufgehoben, selbst nicht in Ansehung der Engel und seligen Menschen, und es besteht für alle Seiten diese ewige Ordnung, dass die vernünftige Kreatur zum Gehorsam gegen Gott verpflichtet ist. Die Antinomer (Gesetzesfeinde) wenden ein: „Dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben“ (1. Tim. 1,9). Hier verstehe man die Benennung „Gerecht“ so: inwiefern Einer gerecht ist; und die Worte: „ist - gegeben“ sind auf die Anklage und Verdammung des Gesetzes, gleichwie auf den Zwang zu beziehen. 
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-Dieß Alles ist auch in dem Ausspruche Christi enthalten: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ (Matth. 5, 17.) Er erfüllt aber das Gesetz nicht nur durch Seinen eigenen Gehorsam und durch die Übernahme unserer Strafe, auf dass um Seinetwillen uns Vergebung der Sünde und die Zurechnung Seiner Gerechtigkeit geschenkt werde, sondern auch dadurch, dass Er in uns eine neue, mit dem Gesetze übereinstimmende Gesinnung bewirkt, die jedoch in diesem Leben nur ein kleiner Anfang ist, bis sie sich in einem andern Leben gänzlich vervollkommnen wird. Dasselbe sagt auch der paulinische Ausspruch: „Christus ist des Gesetzes Ende“ (Röm. 10, 4), d. h. des Gesetzes Erfüllung. Aber auch diese verleihet Er uns teils durch Zurechnung, teils durch Seine Wirksamkeit in uns. 
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-Richtig wird auch gesagt: „Christus erfülle das Gesetz,“ außer der schon abgehandelten Weise auch dadurch, dass Er das Gesetz lehre, es einschärfe und erkläre, weil Er nicht nur selbst das Gesetz wiederholt und dargestellt hat, sondern dasselbe auch durch das Amt das Evangelium unablässig wiederholt und dargestellt wissen will. Da nun dieses die Predigt der Buße und der Vergebung der Sünde ist, so wiederholt Er eben dadurch das Gesetz und verdeutlicht dasselbe. 
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-Der Ausspruch des Jeremias aber: „Ich will kein Gesetz in ihr Herz geben, und wird Keiner mehr den Anderen, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den Herrn, sondern sie werden Alle von Gott gelehrt sein“ (Jer. 31, 33. 34), worauf die Wiedertäufer den Wahn bauen, als dürfe es im neuen Bunde kein Lehramt geben, und so weder Buße, noch Evangelium gepredigt werden, redet von der Vollendung des neuen Bundes im ewigen Leben. Diese wird jedoch hier durch die Stimme des Evangelium begonnen, durch welche der Heilige Geist wirkt. Wahr aber bleibt jene Behauptung, dass Keiner vom Anderen solle belehrt werden, einmal darum, weil, die Stimme des evangelischen Amtes nicht die eines Menschen, sondern des Heiligen Geistes ist; sodann, weil die Bekehrung des Menschen durch das Evangelium nicht, eine solche Erziehungsweise ist, wie wenn der Lehrer einen ungeratenen Schüler durch Schläge zwingt, oder die Obrigkeit die Verbrecher ins Gefängnis setzt, oder den Dieb aufhängen lässt. Sondern von Innen regt der Heilige Geist das Herz an, dass es durch Erkenntnis belebt, in Regungen der Furcht und Liebe Gottes flamme, die Vollendung wird aber erst im ewigen Leben erfolgen, wo kein Lehramt mehr nötig sein wird, weil dann Gott Alles in Allem sein, d. h. unmittelbar Sich und Seine Güter uns mittellen wird. 
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-Aber auch der Grund der Gesetzesfeinde gilt nicht, welche, indem sie den Ausspruch Christi: „das Gesetz reichet bis Johannes,“ auch auf die zehn Gebote anwenden, nun weiter schließen, das Gesetz dürfe nicht ferner gepredigt werden. Wollte man auch jenen Zänkern zugeben, dass die zehn Gebote zugleich mit der mosaischen Verfassung fielen, inwiefern man sie nämlich als ein äußeres Zuchtmittel für die Bürger jener Verfassung oder das Volk des Gesetzes betrachtet, so gilt doch das geistige Amt, welches innere und äußere Sünden straft, für alle Zeiten bis zum ewigen Leben. Denn die Stimme Gottes bleibt, welche die Sünden straft, und die zehn Gebote werden im Amte des Evangelium wiederholt und erklärt, welches Johannes beginnt, damit nicht nur die Sünde aufgedeckt, sondern auch die dem Evangelium eigentümliche Verheißung von der Vergebung der Sünden hinzu gefügt werde. 
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-{{tag> 3_Advent}} 
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-======Römheld, Carl Julius - Predigt am dritten Sonntage des Advents.====== 
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-Wie groß, wie angebetet ist dein Name, o Heiland Jesus Christ, wie teuer deinem Volke. Ja, dein Name ist uns heilig und teuer; aber wir bitten dich, wirke jetzt durch dein Wort und durch den Heiligen Geist, dass uns dein Name noch lieber und höher werde, ach, verkläre in dieser Stunde deinen Namen! Amen. 
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-Text: Ev. Matth. 11, 2-11.\ 
-**Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johanni wieder, was ihr seht und hört: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Wahrlich ich sage euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen, der größer sei denn Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer denn er.** 
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-Geliebte in dem Herrn! Man sagt zwar: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne“, und bis zu einem gewissen Grade ist das auch richtig. Ähnliche Ereignisse, wie die, welche in unserer Zeit geschehen, ähnliche Bestrebungen, ähnliche Sitten und Gebräuche, ähnliche Moden, wie sie in unserer Zeit vorkommen, sind auch früher schon dagewesen, und vielleicht schon mehr als einmal. Der Menschen Herz, der Menschen Dichten und Trachten ist beinahe von Anfang an dasselbe gewesen, wie es jetzt noch ist. Und Gott und Gottes Regierung der Welt und der Menschen sind auch zu allen Zeiten dieselben gewesen, die sie heute noch sind. Daher erklärt sich's, dass sich in der Weltgeschichte, im Menschenleben und in der Natur von Zeit zu Zeit die Dinge wiederholen. Darum wenn schlimme Dinge, schlimme Zeiten, böse Zustände, schlechte Sitten aufkommen, so tröstet sich mancher, indem er denkt: „ist alles schon dagewesen und ist auch wieder vorübergegangen, ist auch wieder besser geworden; es geschieht ja nichts Neues unter der Sonne“. 
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-Aber dieser Trost ist doch nicht ganz fest und zuverlässig. Denn es geschieht doch auch manches Neue unter der Sonne, und es ereignet sich doch auch manches, was noch nie dagewesen ist. So hat z. B. unsere Zeit manches Gute und Große, was, so lange die Erde steht (soviel wir wenigstens wissen), noch nie dagewesen ist, und was die Menschen der früheren Jahrhunderte und Jahrtausende nicht besessen haben. Bei einigem Nachdenken werdet ihr selbst leicht einiges der Art finden. Dagegen hat unsere Zeit auch vieles Bedenkliche, was noch nie dagewesen ist. Manche Leute meinen, die Weltgeschichte und der Weltlauf sei ein beständiger Kreislauf. Allerdings, wenn man einen kreisrunden Körper fort und fort dreht, dann kommen nach einiger Zeit dieselben Dinge wieder oben hin und zum Vorschein. So, meinen sie, drehe sich auch die ganze Natur und die ganze Menschengeschichte, und da kämen von Zeit zu Zeit dieselben Dinge wieder an die Reihe. Allein so ist doch Gottes Weltregierung nicht, und es sind von Zeit zu Zeit auch Dinge geschehen, die nie zuvor geschehen waren. Und Gottes Wort lehrt uns, dass auch in Zukunft noch Dinge geschehen werden, die bis jetzt noch niemals vorgekommen sind. 
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-Lasst uns heute einmal in eine Zeit und in Begebenheiten blicken, die nie zuvor dagewesen waren. Wir reden 
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-Von den zwei größten Menschen, die je gelebt haben, und betrachten sie, indem wir 1) eine Frage, 2) eine Antwort zur Sprache bringen. 
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-=====I. Die Frage. ===== 
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-Als Johannes der Täufer unschuldig im Gefängnis saß, gut verschlossen, tüchtig verwahrt, abgesperrt von der Welt, da durchdrang das ganze Land, ja die ganze damalige gebildete Welt die Kunde von einem merkwürdigen Manne, wie noch keiner gelebt, wie die Jahrhunderte und die Jahrtausende noch keinen gesehen hatten. Es war ein armer Mann aus einer armen Stadt, und er galt für eines Zimmermanns Sohn. Der durchzog das Land und verrichtete Taten, wie sie noch nie ein Mensch getan, Taten, die nur Gott tun kann. Und nicht bloß hier einmal und da einmal verrichtete er eine solche unerhörte Tat, sondern hundertweise vollbrachte er sie. Wo er ging und stand, schaltete und waltete er über die Natur wie ein Gott; es waren ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Kräfte. Wie nun dieser Mann, von dem man bis zu seinem 30. Lebensjahre nichts gehört hatte, mit Taten und Werken göttlicher Allmacht das Land durchzog, wie vornehmlich der Tod in allen seinen Gestalten vor ihm floh, da wurde das ganze Volk erregt, an allen Orten erzählte man von ihm, und man war gewiss: So ist noch kein Mensch auf Erden gewesen, so lange die Welt steht. 
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-Ich kann mir von dem großen und allgemeinen Aufsehen, welches die Taten des nazarenischen Mannes unter dem Volke und den Zeitgenossen hervorbrachten, einigermaßen eine Vorstellung machen. Ich habe einen Mann persönlich kennen gelernt, von dem wurde mir erzählt, dass er einen gewaltigen Geist des Gebetes habe, dass er etwas von apostolischem Wesen und eine innige Liebe zu dem Herrn Jesu Christo in sich trage. Es wurde mir weiter erzählt, dieser Mann habe einige Kranke durch das Gebet des Glaubens gesund gemacht, oder richtiger ausgedrückt: Gott habe diese Menschen auf sein Gebet hin plötzlich gesund gemacht. Ob sich das wirklich so verhält, oder nicht, das lasse ich dahin gestellt. Aber die Leute in der Umgegend glaubten es allgemein, und der Mann erregte ein so außerordentliches Aufsehen, dass, wenn er in einen Ort kam, die Glocken geläutet wurden, und die Gemeinde zusammenkam und ihn in die Kirche führte. Hier musste er, obgleich er kein Geistlicher ist, zu den Leuten reden, ihnen Gottes Wort sagen und auslegen. Auch brachten sie ihre Kranken, und er musste über ihnen beten. Das ist nicht in katholischen, sondern in evangelischen Orten, und zwar in sogenannten freisinnigen Gemeinden geschehen. 
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-Nun kann man sich denken, was das für ein Aufsehen und einen Aufruhr im ganzen Lande gab, als Jesus, mit göttlicher Machtvollkommenheit ausgerüstet, als Herr der Welt, als Herr der Natur, als Herr über die Kräfte seine Taten und Werke verrichtete. Das war etwas Neues, bis dahin noch nie Gehörtes, und darum war im ganzen Volke aller Mund voll von ihm. 
- 
-Nun drang auch durch die Kerkermauern des armen gefangenen Johannes die Nachricht von den außerordentlichen Taten des Mannes von Nazareth, ein Beweis, dass man allgemein von ihm sprach. Glaubt ihr auch, dass es einen Unterschied macht, wo und in welcher Lage jemand von Jesu und seinen Taten hört? Wer sie in lustiger Gesellschaft hört, auf den wird solche Nachricht anders wirken, als auf den, der sie auf dem Kranken- und Schmerzenslager einsam und verlassen hört. Wer im Glücke dieser Welt drin ist, auf den wirkt die Botschaft von Jesu und seinen Taten anders, als auf den, der tief im Unglück ist. Johannes war tief im Unglück, unschuldig war er darin. Ruchlose Herzen und ruchlose Hände hatten ihn eingekerkert, und er sah dem Henkertode entgegen. Als nun durch seine dicken Kerkermauern und sein Eisengitter die Kunde drang: Der Mann aus Nazareth verrichtet wahre Wunder Gottes, gleich als sei er selbst Gott von Art und Macht, da hielt es der arme Gefangene nicht länger aus, er schickte zu dem nazarenischen Manne und ließ ihn fragen: Bist du, der da kommen soll? Oder sollen wir eines andern warten? 
- 
-Wunderbare Frage! Bist du, der da kommen soll, nämlich vom Himmel? Der Adventskönig, Gott, offenbart im Fleisch, Jehova, in Menschengestalt zu seinem Volke gekommen, bist du der? Es ist eine gewaltige Glaubensfrage. Ach, wie viele große und kleine Fragen tauchen in der Welt und unter den Menschen auf, aber an dieser Frage gehen sie immer vorüber. Das ist die Frage aller Fragen: Jesu, wer bist du eigentlich? Bist du ein Mensch wie andere Menschen? Oder bist du ein Prophet, von Gott mit Wundermacht ausgestattet? Oder bist du, der da kommen soll vom Himmel, der da war und der da ist und der da kommt und der da wieder kommt, der Allmächtige? Bist du der? 
- 
-Johannes glaubte das Letztere. Aber vor seinem Lebensende, ehe er den Kopf dem Henkerbeile neigte, wollte er völlige und unbezweifelte Gewissheit darüber haben, er wollte wissen, ob er im Glauben an Jesum selig sterben könne. Und darum schickte er zu ihm selbst und fragte bei ihm selbst. Von Jesu selbst wollte er Antwort, Bescheid und Gewissheit darüber haben, von keinem anderen. 
- 
- 
-Gehen wir weiter und hören 
- 
-=====II. die Antwort. ===== 
- 
-Als die fragenden Boten zu dem großen Manne kamen, war er mitten in seiner Arbeit, und er konnte seine Antwort kurz machen. Tut die Augen auf, tut die Ohren auf, seht und hört selbst, und was ihr selbst seht und hört, das bringt dem gefangenen Johannes als Antwort zurück! Und was sahen und was hörten sie? Die Blinden sahen; die Lahmen gingen; die Aussätzigen wurden rein; die Tauben hörten; die Toten standen auf; und den Armen wurde das Evangelium gepredigt, den Armen wurde das Himmelreich angeboten und geschenkt. 
- 
-Das sahen, das hörten sie selbst, davon waren sie Augen- und Ohrenzeugen. Ich muss gestehen, das war etwas ganz Neues unter der Sonne, denn es war alles das Umgekehrte von dem, was stets in der Welt gewesen war. In aller Welt sehen die Blinden nichts, und hier? Die Blinden sahen. Und was dabei noch besonders merkwürdig ist, die Sehenden waren blind, wie Jesus an einer anderen Stelle sagt. In aller Welt können die Lahmen nicht fort, und hier? Die Lahmen gingen. Die Tauben hören sonst nichts, und hier? Die Tauben hörten. Die Aussätzigen waren sonst unheilbar, und hier? Die Aussätzigen wurden rein. Die Toten bleiben in aller Welt liegen, regungslos bleiben sie liegen, und hier? Die Toten standen auf und wandelten. Und den Armen und Elenden, den Mühseligen und Beladenen, den geängsteten und beschwerten Herzen wurde das Evangelium gepredigt, und durch das Evangelium wurde ihnen das Himmelreich angeboten und geschenkt; aber an den Reichen, Hohen, Angesehenen und Einflussreichen ging das Himmelreich vorüber! 
- 
-O, eine wunderbare Zeit, wo es so herging! Eine solche Zeit hatte die Welt noch nicht erlebt. Und wisst ihr, was das Wesentliche an allen diesen Taten und Begebenheiten war? Wisst ihr, wie wir alles, was die Boten des Johannes sahen und hörten, in vier Worte zusammen fassen können? Blindheit ist der anfangende Tod, wer blind ist, bei dem ist ein Glied des Leibes tot. Lahmheit ist ein Stück Tod. Taubheit ist ein Stück Tod. Aussatz ist schon weit vorgeschrittener Tod. Armut und Elend ist ein Stück Tod. Und der Tod derer, die wieder lebendig auferstanden, war der völlige Tod. Und das alles vertrieb Jesus. Jesus vertrieb den Tod; das sind die vier Worte, in welche wir alles zusammenfassen können, was die fragenden Boten des Johannes sahen und hörten. Den Blinden, den Lahmen, den Tauben, den Aussätzigen, den Toten gab Jesus das zeitliche Leben wieder; den Armen und Elenden gab er das ewige Leben noch dazu. 
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-Das war es, was die Abgesandten des Gefangenen sahen und hörten und worin sie Jesum von Nazareth mittendrin antrafen. Sie sahen mit eigenen Augen und hörten mit eigenen Ohren, wie der Mann von Nazareth den Tod in allen seinen Gestalten vertrieb und das Leben schuf und gab. Und davon sprach er: Geht hin und sagt es dem schwergeprüften Dulder in seinem Kerker! 
- 
-Aber sie sahen nicht bloß diese Taten und Werke, sie sahen auch ihn, der sie verrichtete. Und in ihm sahen sie das wahrhaftige Leben und den Lebengeber in sichtbarer Gestalt vor sich, in leibhaftiger Person. Denn in ihm war das Leben. Das sahen die glücklichen Boten des Johannes, und das sollten sie ihm melden. 
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-Das, meine Lieben, war eine Antwort durch die Tat, oder vielmehr durch eine Reihe von Taten; und es war eine Antwort durch den Anblick der einzigen und höchsten Person, die je auf Erden gelebt hat. Aber der große Mann gab auch noch eine Antwort in Worten; denn er fügte hinzu: Und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Selig ist, wer an meiner armen und niedrigen Erscheinung keinen Anstoß nimmt, sondern mich als das Leben und den Lebengeber erkennt; selig ist, wer an mich als den Quell des Lebens, als den Vertreiber des zeitlichen und ewigen Todes glaubt! Das sollten die Boten dem Johannes gleichfalls sagen. 
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-Es ist kein Zweifel, als sie zu dem Gefangenen zurückkehrten und erzählten ihm: Wir haben das wahrhaftige Leben gesehen, er hat den Tod in allen Gestalten vertrieben, er hat nach allen Seiten hin das Leben gegeben, er hat gesagt: wer sich an mir nicht ärgert, der ist selig, es ist kein Zweifel, als Johannes dies von Augen- und Ohrenzeugen hörte, da war er froh und glücklich in seinem Kerker, und er glaubte nun unzweifelhaft an Jesum als das erschienene Gottesleben. Und in dem Glauben an Jesum ist er fest, mutig und froh durch Henkershand den Tod der Gerechten gestorben, und hat das unvergängliche, das ewige Leben von und in diesem nämlichen Jesus empfangen. 
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-Meine Lieben, das ist mir eines der teuersten und kostbarsten Worte in der ganzen Heiligen Schrift: Selig ist, wer sich an Jesu von Nazareth nicht ärgert! Wir wollen uns nicht an ihm ärgern, wir wollen keinen Anstoß an ihm nehmen, wenn auch die ganze Welt Anstoß an ihm nähme, sondern wir wollen an ihn glauben, von ganzem Herzen an ihn glauben denn wir wollen selig werden! Nicht wahr? 
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-Dass dieser Jesus von Nazareth der größte Mann ist, der je auf Erden gewandelt hat, das werdet ihr wohl glauben, denn dieser Mann ist zugleich das erschienene uranfängliche Leben, Gott von Gott geboren. Aber dass Johannes der Täufer der zweitgrößte Mann war, der je auf Erden lebte, das wird euch schon zweifelhafter sein. Ich würde es auf eignes Urteil hin und nach eigner Ansicht auch nicht behaupten; aber ich spreche es dem nach, den wir eben als den Allerhöchsten kennen gelernt haben. Dieser hat gesagt: Wahrlich, ich sage euch, unter allen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer aufgekommen, als Johannes der Täufer. Groß vor Gott, ewig und unvergänglich groß ist der Mensch, der zu dem Herrn Jesu Christo in einem nahen Verhältnisse steht: groß vor Gott und ewig groß ist der, welcher die Menschen zu dem Herrn Jesu Christo weist und führt. Und das hat Johannes der Täufer getan, wie kein anderer Mensch vor ihm und nach ihm, wie auch kein Prophet und kein Apostel, wie es auch kein Prophet und kein Apostel gekonnt hat. Nicht aus der Ferne, sondern ganz aus der Nähe, ganz direkt und unmittelbar hat er die Menschen zu Jesu hingewiesen; er hat ihnen den Heiland der Welt mit dem Finger gezeigt und ihnen gesagt: „Seht, ihr Leute, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Das hat kein Prophet und Apostel getan und gekonnt, das hat unter allen Menschen Johannes allein getan. Und darum war er mehr als ein Prophet, darum nennt ihn Gottes Wort den Engel des Herrn, und darum war er der zweitgrößte Mann, der je auf Erden lebte. 
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-Dabei versteht sich's von selbst, dass noch ein unendlicher Abstand zwischen Jesu und Johannes ist. Denn jener ist der Herr, dieser ist sein Knecht, Jesus ist das Licht der Welt und strahlt im eigenen göttlichen Glanze, Johannes aber glänzt in dem Lichte, welches von Jesu auf ihn fiel. 
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-Meine Brüder und Schwestern! Ist Jesus der, der da kommen sollte vom Himmel? Ja, gewiss! Oder sollten wir vielleicht doch eines anderen zu warten haben? Nein, nimmermehr! Nun denn, selig ist, wer sich an Jesu von Nazareth nicht ärgert! Amen. 
-{{tag> 3_Advent}} 
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-======Savonarola, Girolamo - Wie wir die Herrlichkeit des Worts durch Betasten erfahren.====== 
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-Sermoni XIX nella prima epistola di San Giovanni et altri luoghi della scrittura. Sermone III. 
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-3. Predigt im Advent 1491 über 1. Joh. 1,1. 
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-„Und unsere Hände haben es betastet.“ 
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-Von der Herrlichkeit des göttlichen Worts, liebe Brüder, hat Sankt Johannes uns Zeugnis abgelegt nicht bloß nach dem, was er gehört, sondern auch, was er geschaut und geschmeckt hat von all' dem Wunderbaren, das dies Wort im Himmel und auf Erden vollbrachte. Es bleibt uns noch das Zeugnis des Betastens, das wir nur kurz berühren konnten, da wir das letzte Mal unsere Betrachtung unterbrechen mussten, weil die Kürze der Zeit uns ein Ziel setzte. Wenn wir zusammenfassen, was wir von dem göttlichen Wort gesagt haben, so haben wir bezeugt mit Sankt Johannes, dass es das Wort ist, durch das alle Dinge geschaffen sind und durch das wir das ewige Leben haben, da es Fleisch geworden sein Blut für uns vergoss; so wollen wir denn ablegen ein gar gewaltiges Zeugnis, dass unsere Hände dieses Wort berührt und betastet haben. Und gerade das ist beim Menschen besonders zuverlässig, weil der Mensch seiner edleren Natur entsprechend einen viel feineren Tastsinn hat als die andern Geschöpfe. Da wir nun einen feineren Tastsinn haben, haben wir auch einen schärferen Verstand, denn diejenigen, die weichlich und zart von Körper sind, besitzen höhere geistige Fähigkeiten, und wer stark ist, ist weniger befähigt, wie der Philosoph sagt. Somit will uns der Apostel ein besonders gewisses Zeugnis vom Wort geben, wenn er sagt, dass er es mit seinen eigenen Händen betastet habe. Aber wie? Wir erkennen doch durch Berühren nur die Körper, die Eigenschaften, wie warm, kalt, feucht, trocken, hart, weich u. ä., unterworfen sind. Was meint da Sankt Johannes mit dem Betasten des göttlichen Worts? Vielleicht wirst du sagen, er habe öfters das ähnlichen Eigenschaften unterworfene Fleisch berührt. Das wäre aber kein genügendes Zeugnis vom Wort, denn das Wort kann nicht so berührt werden, weil Gott Geist und das Wort Gott ist: Gott war das Wort, sagt ja die Schrift. Das Wort ist also Geist. 
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-Wenn du nicht sagen willst, dass er ihn betastet habe wie Sankt Thomas, als er rief: „Mein Herr und mein Gott!“, nämlich mit Hand und Erkenntnis zugleich. Sicherlich hat Johannes den Herrn Jesum berührt, als er an seiner Brust lag, aber doch hat er anders geschaut, anders betastet, anders geglaubt als Thomas. Daher will dir der selige Johannes sagen: Lasst uns nicht leichtfertig glauben, denn wer so gar schnell glaubt, ist leichtfertigen Herzens; aber indem wir anfühlen und betasten, viele Male sehen und beschauen seine Werke und sein Leben und das mit der Heiligen Schrift vergleichen, haben wir die Erkenntnis gewonnen, das Alles sei nicht zufällig geschehen, sondern aus Gottes herrlichem Ratschluss, der von Anbeginn bis in Ewigkeit alles trägt in seiner gewaltigen Hand und ordnet alle Dinge nach seinem Wohlgefallen. 
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-So hat Gott alles eingerichtet nach Zahl, Gewicht und Maß und auch dieses Zeugnis lasst uns betrachten. Wenn auch der Glaube niemals daran gezweifelt hat, hat er nichtsdestoweniger den Gründen des Glaubens ebenso eifrig nachgeforscht, wie dem, was ihm entgegensteht (sonst wäre auch der Glaube nichts Verdienstliches); ich kann dann sagen mit sicheren Vernunftgründen, dass ich den Glauben mit meinen Händen befühlt und betastet habe, weil ich nichts sehe, was ihm wirksam entgegen sein könne, vielmehr finde ich alle Dinge harmonisch geordnet. So rede ich denn auch kühnlich. Warum? Weil ich glaube! Denn so ist geschrieben: „Ich glaube, darum rede ich.“ So der Apostel, der den Geist des Glaubens hatte, auch wir sollen, wie geschrieben steht, glauben und darum auch reden. 
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-Auch noch anders können wir das Betasten verstehen. So gibt es Viele, zu deren Vollkommenheit wir noch nicht gelangt sind, weil sie ganz sicher sind, mit den Händen betastet zu haben. Die Hand ergreift und hält fest und zweierlei ist's in uns, damit das Wort ergriffen und festgehalten wird: die Erkenntnis und der Wille. Aber nicht immer hat man das Wort ergriffen, wenn man es betastet zu haben behauptet, denn Viele haben wohl allerlei Erkenntnis vom Wort und glauben doch nicht, Andere lieben das Wort, aber nicht recht, weil sie zugleich Reichtum besitzen wollen. Unser Heiland aber sagt: Niemand kann zwei Herren dienen. 
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-Doch auf welche Weise kann die Erkenntnis das Wort betasten? Wenn sie sich von ihm nach Oben erheben lässt, und das geschieht, wenn sie sieht ein neues Licht, das aller Kreatur aufgeht durch das Licht der Gnade Gottes; wie geschrieben steht: „In deinem Lichte erwachen wir zum Licht.“ Das geschieht, wenn sie mit Gott vertraulich redet, wie der Apostel Johannes mit ihm vertraut war, und wenn sie mit der Braut spricht: „Mein Freund ist mein und ich bin sein!“ Ein solcher Mensch ergreift das Wort mit lebendigem Glauben, er betastet es, wenn er vertraulich mit ihm redet, er hält es fest, wenn er unerschütterlich glaubt und spricht: „Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, dass er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen Tag.“ Dieser wird erhoben über den Erdenstaub, wovon Abraham bei seiner Fürbitte für die Bewohner Sodoms sagt: „Ich habe mich unterwunden zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin.“ Auch David spricht, als der Herr ihm so Großes verheißen: Wer bin ich, Herr Gott, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geleitet? und Ezechiel sagt im 2. Kapitel((Ez. 1, 28.)): Da ich es gesehen, fiel ich auf mein Angesicht! Ebenso erfüllt sich das vertrauliche Reden an David, wenn er sagt: Erhöht werde ich zu dir, wenn ich gedemütigt und beunruhigt werde.((Luther: „Wenn du mich demütigst, machst du mich groß.“)) Beunruhigt, das heißt bei mir selbst, weil ich so viel sündige, Herr. Und je heiliger einer ist, desto demütiger ist er und trägt auch Leid um die kleinsten Sünden. So aber ergreift man Gott mit der Hand. 
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-Auch mit der andern Hand wird Gott ergriffen und festgehalten, nämlich mit dem Willen, wenn Gott geliebt und begehrt wird und sich der Mensch in ihm gar sehr erfreut und ergötzt. Aber wohlverstanden: mit einer neuen Liebe, da er den liebt, den er nicht erkennt und nicht sieht, an den er trotzdem glaubt, den er sucht mit einer Liebe, die das Herz ganz gefangen nimmt und schmilzt; wie die Braut sagt: Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, findet ihr meinen Freund, so sagt ihm, dass ich mich verzehre in Liebe zu ihm. (Hoheslied 5,8.) Da wünscht man auch abzuscheiden und ganz bei Christo zu sein; in ihm allein findet man seine Freude. Auch das heißt, meine ich, das Wort des Lebens befühlen und betasten. 
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-Solche Erkenntnis und Liebe kann allein von Gott kommen, da sie über das Geschaffene hinausgeht und der Mensch mit Dahintenlassen des Sichtbaren mit ganzem Herzen das Unsichtbare sucht in dieser Erleuchtung, Liebe und Sehnsucht. Da befühlt er mit den Händen das Wort und kann Zeugnis von ihm ablegen, wie Sankt Johannes. Denn dieser hat ihn klar geschaut, wie er in seiner Offenbarung sagt im ersten Kapitel: Ich war im Geist an des Herrn Tage und folgte dem Herrn. Darum war er auch der Jünger, den Jesus lieb hatte. Das ist also das Zeugnis des Johannes. 
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-So seid denn fleißig, liebe Brüder, und müht euch, dieses Ziel zu erlangen; durch Gebet und Betrachtung werdet ihr es erreichen. Aber sage ich das nicht alle Tage und doch vergebens? Alle loben es, aber wenige tun danach! Wie kommt das? Weil viele noch am Glauben zweifeln. Und das kommt wieder daher, dass die Bücher der Heiden lieber gelesen werden als die Heilige Schrift. Darum schallt der Name Jupiters im Munde der Christen wieder und die Kinder schon werden hierzu erzogen. Darum reden viele gegen den Glauben, die Guten verspottend. Darum singen sie Lieder wider den Glauben. Darum findet sich kein Eifer! Gott redet zu euch und ihr hört ihn nicht. 
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-Er mahnt euch zu Gebet und Betrachtung seiner selbst, ihr aber denkt nur an irdische Dinge. Was kann ich euch Freundlicheres von Gott sagen, als dass er in mir zu euch redet und mit mir ist? Müsste er euch nicht hinaustreiben um eurer Sünden willen und zu euch sagen: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Und haben wir euch nicht ein so herrliches Zeugnis gegeben, warum trachtet ihr nur nach dem Irdischen? 
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-Sicher wisst ihr, dass in Kurzem alles verlassen werden muss. Sei der Mensch auch glücklich, soweit die Welt ihn dazu machen kann, aber was dann? Musst du nicht sterben? Jawohl, alle müssen wir sterben. Wir eilen dahin über die Erde, wie das Wasser, das nicht wieder zurückläuft, und wo ist der Mensch, der lebte und den Tod nicht sah? Wo ist Adam, wo Methusalem, die so lange Zeit lebten? Wo sind die gewaltigen Könige und Fürsten? Wo sind alle die schönen Frauen? Vergehen so nicht alle Dinge? Eitelkeit der Eitelkeiten, alle Dinge sind eitel. Ja, so sagt der Prediger Salomo, es ist alles eitel und führt alles an einen Ort. Von Erde sind sie geworden und zu Staub müssen sie wieder werden. Wenn das alles wahr ist, was ich gesagt habe, sind wir nicht alle Narren, dass wir der Welt folgend in das ewige Verderben rennen und das ewige Leben verlieren? 
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-Siehe, was für Toren wir sind: wir folgen der Welt, die uns von allen Seiten bedrängt und uns hindert zu Gott zu gehen. Ringsum ist Krieg, Teuerung, Hinterhalt und Verfolgung, und wir könnten befreit sein davon und wollen nicht, sondern folgen der Welt in Angst und Not, weil wir mit ihr verdammt sind. Wir mühen uns gegen den Wind, weil wir nicht glauben. Das ist die Zeit, von der der Apostel predigt: „Du sollst aber wissen, dass in den letzten Tagen werden gräuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menschen sein, die von sich selbst halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, ungeistlich, störrig, unversöhnlich, Schänder, unkeusch, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die mehr lieben Wollust, denn Gott; die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie.“ Ja, Christen wollen sie alle heißen, aber sie tun die Werke Christi nicht. 
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-Doch lasst uns zum vorliegenden Texte zurückkehren. Wir haben bezeugt mit Sankt Johannes von dem Worte des Lebens, ein ganz bestimmtes Zeugnis haben wir abgelegt. So hütet euch, dass nicht das Wort des Herrn sich an euch erfülle: „Wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören, so geht heraus von demselbigen Hause oder Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich ich sage euch: dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Jüngsten Gericht, denn solcher Stadt.“ Es hüte sich auch jeder, dass er nicht spreche wie die, die sich selbst nicht erkennen, die nicht glauben Sünder zu sein, sondern der Zahl der Gerechten anzugehören. Viele kommen zur Predigt und, wenn sie einen Tadel hören, denken sie flugs an den Nächsten, anstatt bei sich selbst einzukehren; deshalb bringen sie keine Frucht und sind schlimmer krank als die Anderen. Sie glauben ganz sicher, nicht krank zu sein und nehmen deshalb den Arzt nicht an. Gegen solche sagt die Schrift: „Du sprichst: ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das mit Feuer durchläutert ist, dass du reich werdest; und weiße Kleider, dass du dich antust und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße!“ Und umso mehr betrügst du dich, je mehr dich die Menschen loben und du für heilig gehalten wirst. Wiege dich also nicht in Selbstgefälligkeit ein, fürchten müsstest du, dass von dir gesagt wäre, was von dem Engel der Gemeinde von Sardes gilt: „Ich weiß deine Werke; denn du hast den Namen, dass du lebst und bist tot. Sei wacker und stärke das andere, das sterben will.“ 
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-Siehe, wiederum bin ich abgeschweift, doch nicht ohne Nutzen; denn der Wunsch nach eurer Seligkeit hat mich dies sagen lassen, da ich euch liebe in der Liebe Gottes. Ich lade euch auf ein andres Mal, liebe Brüder, nicht dass ihr mich ehrt (denn ich bin auch ein Mensch wie ihr), sondern dass ihr ehrt das Wort des Herrn Jesu, das aus meinem Munde geht. Jeder bedenke in seinem Herzen, woher es kommt und wer mich reden macht. Was müht und betrügt sich meine Seele um allerlei Gut? Siehe, der Glaube spricht: Ich bin das wahre Gut. Warum also folge ich nicht dem Herrn Jesu Christ? Sei klug wie jener Bauer. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn ihr nun darbt, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Da aber die Stunde schon spät ist, lasst uns hier aufhören. Gehe jeder und bewege in seinem Geiste, was ich euch gesagt habe; und macht dass euer Glaube sich in Werken zeige und nicht in Worten allein, auf dass (wie Petrus sagt) ihr, die ihr an ihn glaubt, euch freut mit unaussprechlicher und herrlicher Freude und das Ende eures Glaubens davonbringt, nämlich der Seelen Seligkeit durch Jesum Christum unseren Herrn, der mit dem Vater und dem heiligen Geist ist ein Gott, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Textor, Gustav Adolph - Am 3. Sonntage des Advents.====== 
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-Ich will Dich lieben, o mein Leben! \\  
-Als meinen allerbesten Freund; \\ 
-Ich will Dich lieben und erheben. \\ 
-So lange mich Dein Glanz bescheint. \\ 
-Ich will Dich lieben, Gottes Lamm! \\ 
-Als meinen liebsten Bräutigam. Amen! 
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-Geliebte Christen. Der König David sagt im 101. Psalm: „Ich hasse den Übertreter und lasse ihn nicht bei mir bleiben. Ein verkehrtes Herz muss von mir weichen, den Bösen leide ich nicht. Der seinen Nächsten heimlich verleumdet, den vertilge ich. Ich mag des nicht, der stolze Gebärden und hohen Mut hat. Meine Augen sehn nach den Treuen im Lande, dass sie bei mir wohnen, und habe gern fromme Diener.“ Was David so redete, das redete er durch den Geist Gottes, der in ihm war. Er stellt in diesen Worten einen Regentenspiegel auf, wie es bei den Königen der Erde sein sollte, und wie es bei dem König des Himmels wirklich ist. Der König dort oben leidet den Bösen nicht, und die verkehrten Herzen müssen von ihm weichen. Er mag des nicht, der stolze Gebärden und hohen Mut hat. Seine Augen sehen nach den Treuen im Lande, dass sie bei ihm wohnen. Aber wo sind die Treuen im Lande in unseren Tagen? Wo hat die Treue ihre Wohnung und Zuflucht? Reichtum wohnt in Palästen, aber die Treue ist meistens aus denselben verdrängt. Die in Lüsten leben und weiche Kleider tragen sind in der Könige Häusern, aber die Treue findet selten Zugang zu ihren Toren. Macht, Ehre und Ruhm sind bei den Großen der Erde, aber die Treue die doch herrlicher ist, als diese alle, ist meistens fern von ihnen. Wo wohnt die Treue? wo sollen wir sie 'suchen? Armut und Elend, Kummer und Sorge wohnt in den Hütten der Armen, aber die Treue findet auch bei ihnen selten, da sie ihr Haupt hinlegen möge. Den Namen Christi tragen viel Tausende, aber die Christentreue ist auch unter diesen unstet und flüchtig. Sie wohnt in den wenigen, verborgenen Seelen, deren die Welt nicht Wert ist, die sich selbst verleugnen, ihr Kreuz auf sich nehmen und Christo nachfolgen. Aber nicht zu Wenigen, sondern zu Vielen, zu uns Allen reckt der Herr seine Hände aus, für uns Alle hat er sein Leben dargegeben, dass wir ihm treu werden und bleiben sollen bis in den Tod. Möchte doch die Treue in unsere Herzen eine bleibende Wohnung finden! Unsre heutige Epistel wird uns aufs Neue ermahnen, hiernach zu ringen, und wir wollen uns zur gottseligen Betrachtung derselben den Segen Gottes erflehen in einem stillen und andächtigen Gebete. 
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-Epistel: 1. Korinther 4. 1-5. ,\\ 
-**Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn dass sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob wiederfahren.** 
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-Der Apostel Paulus hatte, indem er diese Worte schrieb, zunächst sich selbst und den Apollo in Gedanken, wie er durch die hinzugefügten Worte anzeigt: „Solches habe ich auf mich und Apollo gedeutet.“ Seine Worte aber leiden auf alle Diener des Evangeliums und demnach auf alle Christen Anwendung. Wir Alle sind im weiteren Sinne des Wortes Diener Christi und Haushalter Gottes. Die verlesene Epistel hält daher uns Allen die Ermahnung vor: Ringet nach der Treue im Dienste Jesu Christi! Diese Ermahnung wollen wir näher beherzigen, indem wir zuerst die Notwendigkeit und zweitens den Segen dieser Treue darzulegen suchen. 
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-Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Jesu Christi treu zu sein, denn Gott ist treu, wir aber sind von Natur sehr untreu. Gott ist treu. Wahrhaftig sind seine Worte und was er zusagt, das hält er gewiss. Wie er es von Anfang der Welt her verheißen hatte, so hat er es erfüllt, als die Zeit erfüllt war, und hat seinen eingeborenen Sohn gesandt in die Welt, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Treu ist er in seiner Liebe, Langmut und Barmherzigkeit. Er nennt sich barmherzig, gnädig, geduldig, und er ist und bleibt es auch. Er wartet lange, dass wir uns zur Buße kehren sollen, er vergibt den Bußfertigen ihre Übertretung, er geht mit den Gläubigen nicht ins Gericht. Treu beweist er sich auch in den leiblichen Dingen, er lässt nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Auf ihn warten Aller Augen und er gibt ihnen ihre Speise zu ihrer Zeit, er tut seine Hand auf und erfüllt Alles, was lebet mit Wohlgefallen. Ist ein Mensch längst von Gottes Wegen gewichen, die Hand des Herrn bleibt doch noch über ihm. „Er lasst seine Sonne scheinen über Gute und Böse und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Hat ein Mensch längst seinen Bund mit Gott gebrochen, die Vaterarme und das Vaterherz bleiben dem verlorenen Kinde noch offen, so lange die Gnadenzeit währt. Treu ist Jesus Christus. Das Wort Gottes nennt ihn einen „treuen Hohenpriester, zu versöhnen die Sünde seines Volks;“ es nennt ihn einen „treuen und wahrhaftigen Zeugen,“ sein Wort wird bleiben in Ewigkeit. Treu ist er als Fürsprecher der Gläubigen, als Hirte seiner Herde, als König seiner Auserwählten. An ihm fehlt es nie. Nie lässt er die, welche auf ihn trauen, zu Schanden werden.)  
- 
-Wir sind dagegen von Natur sehr untreu. Wenn der Apostel Paulus den natürlichen Zustand der sündigen Menschen beschreiben will, so sagt er im Briefe an die Römer (3, 10 ff): „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht Einer. Da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage; sie sind Alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden; da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht Einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handeln sie trüglich, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen; in ihren Wegen ist eitel Unfall und Herzeleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht; es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“ Wenn nun Gott, der Herr, sich über die Verlorenen erbarmt, und sie aus ihrem Sündenelend gerissen hat, wenn sie in Christi Tod getauft und zum Reich der Gnade berufen sind, dann sollte man meinen, würden sie auch ablassen von der Bosheit ihres verkehrten Herzens. Aber siehe, schon unter den ersten zwölf Jüngern war einer ein Teufel, in dessen Herzen keine Treue war. Und wie viel Tausende sind nun, die den Namen Christi tragen, aber ihrem Herrn und Erlöser völlig untreu sind! Wie viel Tausende werden gefunden, die Christum mit dem Munde bekennen, aber mit dem Wandel verleugnen, ja ihn abermals kreuzigen. Und wir Alle, die uns hier um Christi Kreuz und um das Wort der Wahrheit versammeln, können wir uns treu nennen? treu dem Herrn und Erlöser, der uns mit seinem Blute erkauft hat? Müssen wir nicht vielmehr uns selbst strafen wegen mannigfaltiger Untreue? Wie oft sind wir träge und lässig in seinem Dienste; wie oft sind wir seinem Worte ungehorsam! Wie oft murren wir unter dem Kreuze, welches er uns auflegt! Wie oft lassen wir uns gelüsten nach eitler Ehre, nach vergänglichen Schätzen! Wie oft suchen wir, was unser ist, nicht das, was Christi Jesu ist! Wie oft täuschen und verblenden wir unser eignes Herz, sind gleichgültig gegen unsere Sünden, achten nicht genug auf die Stimme des Gewissens, auf den Ruf des göttlichen Wortes, sind träge zum Gebete, schwankend im Glauben, arm an Liebe, weil wir nicht treu genug die Gnade ergreifen und bewahren, die uns in Christo gegeben ist! Es ist daher notwendig, dass wir nach dieser Treue ringen, die uns so sehr fehlt. 
- 
-Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Christi treu zu sein, denn wir sind Christi Diener und Gottes Haushalter, an denen mau die Treue sucht. Wir sind nicht Alle Diener am Worte, Diener des Evangeliums, aber doch Diener Christi. Wir sind nicht Alle Haushalter über Gottes Geheimnisse, aber doch Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. Einem Jeglichen unter uns hat der Herr zu feinem Dienste berufen; ein Jeglicher soll an seinem Orte und in seiner Lage dem Herrn Ehre bereiten. Einem Jeglichen hat er seine Pfunde anvertraut, mit welchem er zur Ehre Christi wuchern soll. Wir Alle haben geistliche und leibliche Gaben mancherlei Art empfangen. Wir waren ganz arm und elend, Kinder des Zornes, dem Tode und der Gewalt des Teufels unterworfen, große Schuldner unsres Gottes, aber stehe, er hat uns reich gemacht. Alle unsere Schuld hat er uns geschenkt. Himmelsgüter hat er uns verliehen; sein Wort und Sakrament, seinen Geist und Gnade. Den Tod hat er getötet, des Satans Macht zerbrochen, Seligkeit erworben und verheißen Allen, die an seinen Namen glauben. Wir sind sein Eigentum, seine Diener, mit seinem Blute erworben, wir sind Haushalter über seine Güter. Verschieden hat er die Gaben verteilt, dem Einen Viel, dem Anderen wenig. Aber darauf kommt es nicht an. Welchem viel vertraut ist, bei dem wird er auch viel suchen, und welchem wenig vertraut ist, bei dem wird er wenig suchen. Es ist Ein Geber, der nach seiner Weisheit dem Einen viel, dem Anderen wenig gegeben hat. Aber bei Allen sucht er die Treue. Ob also Jemandem gegeben ist, durch den Glauben Berge zu versetzen, oder die Tiefen der Erkenntnis zu durchgraben, oder ein brennend und scheinend Licht zu sein, das Taufenden leuchtet; oder ob Jemand nichts weiter hat, als das stille, mit Christo verborgene Leben in Gott, Wenigen bekannt, nur seinem Herrn nicht unbekannt, darauf kommt es nicht an; denn die Augen des Herrn sehn vor allen Dingen nach der Treue des Herzens. Treu sein im Glauben und in der Liebe, treu halten an seinem Worte, treu folgen in seinen Fußtapfen, treu bekennen und treu leiden, treu sein bis in den Tod, das sucht er bei seinen Dienern und Haushaltern, und spricht: „Es ist ein großes Ding um einen treuen und klugen Haushalter.“ Es ist uns daher notwendig, nach dieser Treue zu ringen. 
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-Es ist notwendig, dass wir danach ringen, im Dienste Jesu Christi treu zu sein, denn die Treue wird an jenem Tage die Entscheidung geben, wohin unser Los fallen wird. Der Treue ist die Krone des Lebens verheißen. Auch dort vor dem Richter der Lebendigen und Toten wird man an uns suchen, dass wir treu erfunden werden. Vor ihm gelten irdische Vorzüge nichts, denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. König oder Bettler, reich oder arm, gelehrt oder ungelehrt, geschickt oder ungeschickt, hochberühmt oder unbekannt, und was mehr von Unterschieden genannt werden mag, die auf Erden viel bedeuten, sie fallen zusammen, wie ein Nebel, und fahren dahin, wie ein Schatten. In dem Innersten des Herzens dagegen wird Gott nach einem 'verborgenen Sterne fragen, welcher Treue heißt. Er wird bei dem Könige nicht fragen: Wie weit waren die Grenzen deines Reiches? Wie viel Jahre hast du regieret? Wie viel Siege hast du erfochten? Wie weit bist du berühmt gewesen? sondern er wird fragen: Wie groß war deine Treue im Dienste des Herrn Er wird bei dem Ärmsten nicht fragen: Wie oft bist du hungrig gewesen? Wie viel hast du arbeiten, entbehren und leiden müssen? Wie oft bist du krank und in Noch gewesen? sondern er wird fragen: Wie groß war deine Treue im Dienste des Herrn? Und wohl Dem, welchen er als seinen treuen Knecht erfinden wird! Er wird zu ihm sagen: „Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über Vieles setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude!“ - Wehe aber dem, welchen er untreu erfinden wird! Er wird ihn als einen unnützen Knecht hinauswerfen lassen in die äußerste Finsternis, da wird sein Heulen und Zähneklappern. - Es ist also notwendig, dass wir ringen nach der Treue im Dienste des Herrn im Kleinsten so wie im Größten; denn er spricht: „Wer im Geringsten treu ist, der D auch im Großen treu, und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht.“ Wer in dem Fremden und Vergänglichen, das wir hier auf Erden haben, nicht treu ist, dem kann das Unvergängliche und Wahrhaftige, das in Ewigkeit bleibt, nicht anvertraut werden. 
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-Schon aus dem bisher Gesagten leuchtet der mannigfache Segen solcher Treue im Dienste Jesu Christi hervor; wir wollen aber nach Anleitung unserer Epistel denselben noch in besondere nähere Erwägung ziehen.  
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-Die Treue im Dienste Jesu Christi hat zuvörderst den Segen, dass sie uns einen getrosten Mut gegen alle Menschen in allerlei Anfechtung und Verfolgung gibt. „Mir ist es ein Geringes,“ sagt der Apostel, der sich seiner Treue gegen den Herrn Jesum bewusst war, „dass ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage.“ Er war von Vielen verachtet und verfolgt. Er selbst sagt von sich und den andern Aposteln: „Wir sind stets als ein Fluch der Welt und ein Fegopfer aller Leute.“ Er war sogar unter den Brüdern in Christo oft verkannt und verleumdet, ja seine eigenen, geistlichen Kinder, die er mit Schmerzen geboren, d. h. die er durch seine Predigt des Evangeliums, durch sein Gebet und Tränen gewonnen und zu Christo gesammelt hatte, vergaßen oft den Dank und die Liebe, die sie ihm schuldig waren, und redeten allerlei Übles wider ihn. Da hatte er denn getrosten Mut in den Verfolgungen der Welt sowohl, als unter den Lästerungen Derer, die dem Namen nach gläubig geworden waren, denn er war treu in dem Dienste des Herrn. Menschengunst hatte er nicht gesucht, sondern die Ehre seines Herrn. Menschengunst konnte ihn nicht trösten und erfreuen, Menschenhass und Verachtung konnte ihm den getrosten Mut nicht nehmen. Diesen Segen können auch wir von der Treue im Dienste Jesu Christi genießen. Christi Gunst und Gnade ist nicht so wetterwendisch, als der Menschen Freundschaft. Sie ist ein starker Trost, den kein Mensch uns antasten kann. Sind wir ihm getreu, so können wir wohl mit ihm in Schmach und Verachtung bei der Welt geraten, können wohl mit ihm verstoßen, gelästert, angespien, gegeißelt, getötet werden; aber den freudigen Mut kann uns Niemand rauben, denn die Gnade des Herrn ersetzt uns Alles reichlich und überschwänglich, was wir in der Welt verlieren können. 
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-Die Treue im Dienste Jesu Christi hat ferner den Segen, dass sie uns ein ruhiges Gewissen gibt. „Auch richte ich mich selbst nicht,“ sagt der Apostel in unserer Epistel; „ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt.“ Dieser Mann Gottes hatte sich dem Heilande, Jesu Christo, ganz zum Dienste ergeben. Er hatte um seines Herrn willen viel erlitten, aber in Allem weit überwunden durch Den, der ihn zuerst geliebt hatte. Er war schon öfters gegeißelt, ja gesteinigt und für tot fortgeschleppt worden. Hunger und Durst, Frost und Blöße waren ihm im Dienste seines Herrn reichlich bekannt geworden. Nun achtete er es nichts, dass Menschen ihn richteten, denn er wusste wohl, dass alle Menschen Lügner sind, und Gott allein wahrhaftig. Auch er selbst wollte sich nicht gerecht sprechen, vielmehr bekannte er, dass er es noch nicht ergriffen habe, oder schon vollkommen sei. Er hielt sich nicht gerechtfertigt vor Gott, wiewohl er sich nichts bewusst war; denn es war ihm bekannt genug, dass ein Mensch nicht merken kann, wie oft er fehle, und Gott auch um Verzeihung für die verborgenen Fehler bitten muss. Aber der Gewinn war ihm durch die Treue gegen seinen Herrn und Meister zu Teil geworden, dass sein Gewissen ihn nicht ängstigte, noch verklagte. Sein Gewissen war gereinigt von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Er hatte Buße getan und tat täglich Buße um alle seine Sünde; er lebte und webte in der Gnade Gottes, die ihm in Christo gegeben war. Er machte keinen Frieden mit irgendeiner Sünde, und diente von ganzem Herzen nur Einem Herrn. Darum hatte er ein ruhiges Gewissen, und konnte sagen: „Ich bin mir nichts bewusst;“ nämlich nichts, was ihn von der Gnade Christi und von der Liebe Gottes, des Vaters, hätte scheiden können. Denselben Segen können auch wir uns im Dienste Jesu Christi erringen, wenn wir ihm als unserem einigen Herrn und Meister immer treuer werden. Das Gewissen wird gereinigt durch die aufrichtige Buße von allen Sünden, und durch den Glauben an Christi Kreuz, welchen Gott uns zur Gerechtigkeit rechnet. Es wird rein bewahrt durch die Treue gegen diesen Herrn, der uns zu seinem Dienste erworben und gewonnen hat. Ziehe dich also nicht lange hin mit irgendeiner Sünde, sondern eile zu dem Versöhner, der da reinigen und erretten kann! Reiß aus , die Sündenwurzel! Teile dein Herz nicht unter zwei oder mehre Herrn! „Einer ist euer Meister!“ Einem sei treu in allen Dingen, so wirst du dein Herz vor ihm stillen können, und den Frieden in deiner Seele haben, welcher höher ist, als alle Vernunft. 
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-Die Treue im Dienste des Herrn hat endlich den Segen, dass sie uns eine Freudigkeit gibt zum Tage des Gerichts. Davon sagt der Apostel in unserer Epistel: „Der Herr ist es aber, der mich richtet; darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren.“ - Was der Gottlosen Schrecken ist, nämlich dass Alles ans Licht gebracht werden soll, was im Finstern verborgen ist, dass auch der Rat der Herzen offenbar werden soll, dessen tröstete und freute sich dieser Knecht Jesu Christi. Er rief späterhin, als er seinem Ziele schon näher war, mit freudiger Zuversicht aus: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit!“ Nur mit freudigem Mute, nur mit herzlichem Verlangen sah er auf den Tag des Gerichtes hin und in die Ewigkeit hinein. Das konnte er darum, weil er treu gewesen war im Dienste Jesu Christi. Auch wir können uns diesen Segen erringen, wenn wir eifrig ringen nach der Treue im Dienste Jesu Christi. Dem treuen Knechte ist die ewige Freude seines Herrn verheißen. 
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-So richtet denn allen euren Fleiß darauf, das Wörtlein „Treue“ zu lernen und zu behalten! Feget allen Sauerteig der Schalkheit und Bosheit aus I Einer sei unser Herr, auf den unsere Augen sehen, dem wir folgen wollen, wie er uns fuhrt. Diesem Herrn aber, dem Heilande Jesu Christo, sei Ehre, Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen! - 
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-Das sei Dir zugesagt, Herr Jesu Christo, Du treuer und wahrhaftiger Zeuge, im Vertrauen auf Deine Gnade und Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, dass wir im Glauben und Gehorsam Dir treu sein wollen bis an unser letztes Ende. Wir haben geglaubt und erkannt, dass wir in Dir allein Gerechtigkeit und Stärke haben, darum sehen unsere Augen auf Dich, und warten, bis Du uns gnädig werdest. O mache uns treu in Deinem Dienste; treu im Lieben und im Leiden, treu im Wachen und im Beten, treu im Großen und im Kleinen, dass wir also den Glaubenslauf vollführen, und Alles wohl ausrichten, bis wir einst vor Deinem Angesichte den seligen Trost hören dürfen: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, Ich will dich über Vieles setzen! Erhöre uns, Herr, um Deiner Treue willen. Amen! 
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-{{tag>3_Advent }} 
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-======Thomasius, Gottfried - 3. Advent - Die Erkenntnis des Heils und des Unheils.====== 
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-Die Gnade unsres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes, des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen. Amen. 
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-Wenn man die Menschen zumal, die auf Erden leben, fragen würde, was sie denn suchten mit all ihrer Arbeit und Mühe, die sie sich machen, sie würden Alle, wie aus Einem Mund, antworten: wir suchen Heil und Leben; sieht man aber ihren Wandel an, wie er hingeht, so wird man sagen müssen, dass die Wenigsten das finden, was sie suchen. Denn was ist das Leben der Meisten anders, als eine Reihe getäuschter Hoffnungen, verfehlter Wünsche und, im besten Fall, ein rastloses, ruheloses Treiben von heut auf morgen? Ja, was der Psalm von den Menschenkindern bezeugt: „den Weg des Friedens wissen sie nicht“, das bestätigt schon ein Blick auf die Außenseite ihres Daseins; und könnte man erst in die Tiefe blicken, in die Herzen hinein, wo die verborgene Quelle der Leiden und Freuden fließt, man würde erstaunen über die Größe des Elends und über die Last des Unheils, die auf unserem Geschlecht liegt. Selbst bei solchen, die da scheinen die Glücklichsten zu sein, würde sich diese Erfahrung bestätigen. Aber da mitten hinein in dieses arme, friedenlose Dasein, mitten hinein in diese Welt voll Unruhe und Verwirrung wirft das Wort des Herrn einen Blick der Gnade und Erbarmung, und zeigt den Verirrten den Weg zum Heil. An alle heilsbedürftigen Herzen, an alle müden und beladenen Seelen wendet es sich und sagt ihnen, wo sie das gewiss und sicher finden können, was sie suchen und begehren: es ist der Höchste selber, der zu seinem Volke spricht: 
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-Hosea 13.9.\\ 
-**“Israel, du bringst dich ins Unglück: denn dein Heil steht allein bei mir.“** 
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-Man könnte sagen, dass der Inhalt dieses Wortes der Grundton des ganzen Alten Testamentes ist; denn überall, wo der Herr zu seinen Kindern redet, bezeugt er ihnen, dass in ihm und sonst in keinem anderen das Heil zu finden sei. So spricht er zu Abraham, dem Vater der Gläubigen: „Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn“; zu seinem Volk: „Wahrlich, es hat Israel keine Hilfe denn am Herrn,“ und die Loblieder seiner Heiligen, die Psalmen und Dankopfer seiner Frommen, was sind sie anders, als die Antwort auf diese Rede, als der Wiederhall dieser gnadenreichen Verheißung! Denn so rühmt Mose, der Knecht des Herrn: „Der Herr ist meine Stärke, mein Lobgesang und mein Heil“! und David, der König: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“! und die Propheten Israels: „Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ So ist es denn recht eigentlich der Mittelpunkt der Heiligen Schrift, dieses Wort des lebendigen Gottes in unserem Text: „Israel, dein Heil steht allein bei mir.“ Ein Wort voll großen Trostes und dieser Trost soll seinem Volk gepredigt werden: denn also lautet der Befehl an seine Diener: „Tröstet, tröstet mein Volk.“ Aber was soll der Trost den Seelen, die seiner nicht bedürfen, und die Predigt vom Heil denen, die in sich selber satt und voller Genüge sind? Was hilft es überhaupt, vom Heil Gottes reden, so lang das Unheil nicht erkannt ist, von dem er uns erlösen will? Denn erst die Erkenntnis des Unheils führt zum Glauben an das Heil, Unser Text aber, meine Geliebten, lehrt uns Beides: 
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-**Die Erkenntnis des Unheils und des Heils.** 
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-=====I.===== 
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-Er lehrt uns nämlich, dass beides, Heil und Unheil, nicht darin besteht, worin wir es gewöhnlich suchen. 
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-1) Vergleichen wir, meine Geliebten, das Wort unseres Textes mit dem Sinn der Welt, wie er sich allenthalben ausspricht, so stehen beide im geraden Widerspruch miteinander. Denn der Herr sagt zu seinem Volk, dass es sich selbst ins Unglück bringe, darum, weil es ihn verlasse und mit seinem Herzen von ihm weiche; dass aber in der Rückkehr zu ihm allein die Rettung liege; „denn dein Heil, spricht er, steht allein bei mir.“ Die Welt hingegen schiebt all ihr Unglück und Elend auf Gott. Er muss die Schuld des ganzen Unheils tragen, das auf ihr lastet; er muss sich von ihr schelten lassen, wenn sie in Not und Jammer steht. Dagegen aber sucht sie alles Heil bei sich selbst. Auf ihren Wegen, in ihren Werken oder Gütern will sie es finden, und hat sie es da gefunden, so gibt sie sich selbst die Ehre und spricht zu sich selber: Siehe, mein Heil steht bei mir. Und dass es da in der Tat die allermeisten Menschen suchen, das liegt ja offen am Tage. Sie sehen das Heil in die Dinge dieses Lebens; teils in die irdischen, leiblichen Güter, Wohlstand, Reichtum, gute Tage, teils in die geistigen Güter, Weisheit, Bildung, Wissenschaft, Kunst. Darinnen suchen sie ihre Wohlfahrt und meinen, wenn sie diese Güter errungen und erarbeitet hätten, so besäßen sie das Heil; ihre Seele habe dann Ruhe und volles Genüge. Ich nun, meine Geliebten, will weder diese Dinge schelten, noch das Trachten nach ihnen, denn es sind das Alles gute Gaben von Oben, deren Erwerbung zum Teil mit unserem irdischen Beruf zusammenhängt, und darum erinnere ich nur an die Warnung der Schrift: „So hüte dich nun, wenn du gegessen hast und satt geworden bist und schöne Häuser baust und Alles, was du hast, sich mehrt, dass du alsdann des Herrn, deines Gottes, nicht vergisst und sagst in deinem Herzen: „Meine Kraft und mein Vermögen haben mir das ausgerichtet“; denn der Undank gegen den Geber nimmt seinen Gaben den Segen. Aber wenn der Herr selber spricht: Dein Heil steht allein bei mir, so können es doch diese Dinge nicht sein, die des Menschen wahres Heil begründen, und es muss nur eine schwere Täuschung, es muss eine tiefe Verblendung sein, wenn Jemand wähnt, es darin zu finden; denn der Sinn jener Rede ist ja der, dass weder in menschlicher Kunst und Weisheit, noch in irgendeinem sichtbaren Gut, das von ihm ausgeht, sondern dass bei ihm, in ihm selbst das Heil der Menschen steht. Denn Er ist selber das höchste, alleinige Gut; Er das Leben und die Liebe, Er die Fülle des Friedens und der Seligkeit; „Ich, spricht Er, Ich bin der Herr und ist außer mir kein Heiland.“ Ihn selber musst du also im Herzen haben, mein Christ, zu deinen Gott und Heiland ihn haben, dein Ein und Alles musst du ihn sein lassen; suchst du aber in seinen Gaben das Heil, suchst oder besitzt du sie so, dass du in ihnen dein Leben und dein Genüge findest, so, dass deine Liebe in ihnen aufgeht und wären es alle Schätze der Erde, und wären es die edelsten geistigen Güter: siehe, so sind sie dir eben dadurch zum Unheil geworden. Denn woran ein Mensch sein Herz hängt, das ist sein Götze, und was er ohne oder außer Gott mit seiner Liebe umfasst, das ist sein Abgott. In solcher Abgötterei werden dir dann alle guten Gaben zum Fallstrick, und jedes, noch so mühsam errungene Besitztum zum Unsegen, weil es dein Herz weg von dem einzigen, wahrhaftigen Gut, weg von dem ewigen Heil zu der Kreatur herabzieht, welche in sich selber eitel ist; weil es dein Auge verblendet, dass du das tiefste Bedürfnis deines mit Gott verwandten Geistes nicht mehr erkennen, die Leere und Armut deines von Gott ausgeleerten Gemütes nicht mehr fühlen kannst. Wir wissen es Alle, meine Geliebten, wie weit die Habsucht und der Geiz das Menschenherz von Gott entfremdet, wir haben Exempel genug, wie oft Geld und Gut um Heil und Seligkeit bringt; aber irren wir uns nicht auch die Güter, die wir für die höchsten achten, Freundschaft und Liebe der Menschen, oder Erkenntnis und Weisheit, sie werden, ja sie sind uns schon zum Unheil geworden, sobald wir das Heil in ihnen suchen oder finden; nicht sie selber, sondern die Richtung des Herzens auf sie macht sie uns zum Fluch; „denn dein Heil, spricht der Herr, dein Heil steht allein bei mir.“ 
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-2) Dasselbe aber, meine Geliebten, lernen wir aus unserem Text über das, was die Menschen das Unheil nennen. Unheil nennen sie das Weh und Leiden der Erde, die Armut, den Schmerz, die Not und da sind nicht nur Tausende, die unter solchen Übeln seufzen, sondern sie klagen auch und sagen: sie hätten dawider ihr Leben lang gekämpft und gestritten, hätten auch Gott um Abnahme der Last gebeten, aber keine Hilfe erfahren; und so hätten sie wohl Leid und Unheil genug, aber von Gottes Heil und Hilfe erführen sie nichts. Ich will euch, die ihr also sprecht, nicht erst danach fragen, ob nicht vielleicht die Ursache dieses eures Unheils an euch selber liegt; denn es gilt allerdings von der Mehrzahl der Leiden, welche heut zu Tag die Menschen quälen, was der Herr zu seinem Volk sagt: „Israel, du bringst dich selbst ins Unglück, es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupt wirst und deines Ungehorsams, dass du so gestraft wirst. Also musst du inne werden und erfahren, was für Jammer und Herzeleid es bringt, deinen Gott verlassen und ihn nicht fürchten, spricht der Herr.“ Merkten wir, meine Geliebten, mehr als wir tun, auf unsere eigenen Sünden, wir würden, statt den lebendigen Gott, uns selber anklagen darüber, dass unser Elend so groß ist. Doch von diesem teils offenbaren, teils heimlichen Zusammenhang unserer Leiden und Sünden will ich jetzt nicht reden, sondern ich frage nur: Wenn euer Unheil, wie ihr sagt, von Gott kommt, ob es denn dann nicht vielmehr ein Heil, als ein Unheil ist? Legt denn Er seinen Kindern eine Last auf, um ihnen wehe zu tun und nicht vielmehr, um sie väterlich zu züchtigen? Wissen wir denn nicht, dass seine Wege allesamt eitel Weisheit und Güte sind, denen, die ihn fürchten, und dass dahin auch vor Allem die Leidenswege und Kreuzeswege gehören? Denn die Absicht dieser Wege, ja unserer ganzen Lebensführung ist keine andere, als die Erkenntnis in uns zu bewirken, dass unser Heil allein bei ihm, dem Herrn, steht, und uns zu bewegen, es auch allein da zu suchen. Und weil wir, wie törichte Kinder, das so schwer begreifen, darum nimmt uns seine Hand oft gerade die irdischen Stützen weg, auf die wir uns am meisten verlassen und die irdischen Dinge, an die wir unser Herz am liebsten hängen. Weg von dem Sichtbaren zu dem Unsichtbaren, weg von allen Seelen verderblichen Götzen zu sich, dem wahren, alleinigen Gut, will er uns leiten; deshalb sendet er den Schmerz und die Not in unser Leben herein, und wer unter solchen Erfahrungen ihn hat suchen und finden lernen, oder in der Gemeinschaft mit ihm befestigt worden ist, der nennt dann auch das Leiden nicht mehr ein Unheil, sondern väterliche Zucht, und spricht mit dem Apostel: „Wir rühmen uns auch der Trübsal, dieweil wir wissen, dass Trübsal Geduld bringt, Geduld aber Erfahrung, Erfahrung Hoffnung und Hoffnung lässt nicht zu Schanden werden.“ Nicht also ein Unheil sind die Übel dieser Zeit, sondern es ist ein großer Segen in ihnen, weil sie zu Gottes Heil und Frieden uns führen. Aber gleichwie die Güter des Lebens, so werden auch sie uns zum Unheil, sobald wir sie ohne Gott und ohne göttliche Gesinnung ertragen; sobald wir das Heil nur in der Befreiung von ihnen suchen, und nicht vielmehr in ihm, der sie aus weiser Güte uns auflegt, und uns zum Trost in seinem Wort sagen lässt: „Dein Heil steht allein bei mir.“ Ja, sind wir innerlich von ihm los und entfremdet, haben wir ein arges, ungläubiges, ungeduldiges Herz, dann verwandeln sich für uns alle seine heilsamen Prüfungen zu Gerichten, und jede Last, die wir tragen, wird uns zum Unsegen und zum Fluch; denn sie treibt uns so nur immer weiter von ihm hinweg, in den Unglauben, in die Verhärtung, in viele große, schwere Sünden hinein. Nicht das Leiden, das von Gott kommt, ist Unheil, aber die verkehrte Herzensrichtung macht es dazu. Und so lernen wir denn aus unserem Texte, dass weder das Heil, noch das Unheil darin besteht, worein wir allermeist es setzen; nämlich weder in den Gütern, noch in den Leiden dieses Lebens. Und diese Erkenntnis ist von der höchsten Wichtigkeit, denn sie lehrt uns 
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-=====II.===== 
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-dass beides, Unheil und Heil gerade darin besteht, worin es die Wenigsten suchen. 
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-1) Hat nämlich, meine Geliebten, der Herr gesagt: Dein **Heil** steht allein bei **mir**,“ so muss Alles dasjenige Unheil sein, was uns von ihm entfernt und entfremdet. Das aber tut die Sünde. Denn die Sünde ist die Abkehr des Herzens von dem Quell des Lebens; sie scheidet den Menschen von Gott und Gott von den Menschen, und beschließt den Sünder unter Gottes Ungnade und Zorn; denn der Herr unser Gott ist ein heiliger Gott, ein Licht, in welchem keine Finsternis ist, wer böse ist, bleibt nicht vor ihm, er ist Feind allen Übeltätern, er hasst alles gottlose Wesen; darum ist die Sünde unter allen Übeln das Größte, und unter allem Argen das Ärgste, oder vielmehr sie ist das einzige Unheil für den Menschen. Aus ihr fließen, wie aus einer bitteren Quelle, alle die anderen Übel her, die das menschliche Leben zerrütten, aus ihr die Unruhe und die Friedenlosigkeit, welche uns mitten durch die Tage der Ruhe hindurch begleitet und uns der guten Gaben Gottes niemals recht froh werden lässt, aus ihr der Missmut, die Ungeduld, die uns jedes Leiden verdoppelt, aus ihr das böse Gewissen, das wie ein heimlicher Wurm am Herzen nagt. Um ihretwillen heißen wir Kinder des Zorns, um ihretwillen sind wir des Todes schuldig, welcher der Sold der Sünde ist. Und eben das, meine Brüder, erkennen wir meistens nicht. Zwar was ich von den äußeren Folgen der Sünde sagte, kann sich keiner ganz verbergen; denn der Zusammenhang des öffentlichen und häuslichen Elends, unter dem unsere Zeit fast erliegt, mit den öffentlichen Übeltaten, oder, dass ich deutlicher rede, mit den Lastern der Unzucht, der Völlerei, der Weltlust liegt so sehr am Tage, dass es nur die Frechheit leugnen kann. Aber das ist eben der Fluch der Sünde, dass sie selbst diese Erfahrung, die uns noch zum Heile werden könnte, alsobald ins Gegenteil verkehrt, indem sie die Leute betört, statt das grauenvolle Unheil der Sünde zu erkennen, sie nur für ein Übel zu halten, welches andere Übel erzeugt. Und da kommt dann die Weisheit des Fleischs herzu und rät, mit Maß und Vorsicht zu sündigen, damit man die üblen Folgen vermeide. Das aber, meine Geliebten! ist dann der Gipfel des Unheils. Dass die Sünde nicht mehr anerkannt wird, als das, was sie ist, nicht mehr als Versündigung an der hohen Majestät des Herrn, nicht mehr als Verletzung seines heiligen Willens, nicht mehr als des Menschen Schmach und Verderben das achte ich, sei noch ärger, als die Sünde selbst, wenn man anders so sagen darf; denn aus der Sünde ist doch noch Errettung möglich, aber diese Verblendung, vom Vater der Lüge erzeugt, diese seelenmörderische Lüge schneidet auch den letzten Ausweg ab; denn sie ertötet die Sehnsucht nach Erlösung von der Sünde. Und doch, was kann es geben, wovon wir so sehr der Erlösung bedürften als von ihr? denn Dein Heil, spricht der Herr, steht allein bei mir. Die Sünde aber treibt uns fort von dem Angesicht seiner Gnade, fort von seiner treuen Liebe und von dem Segen seiner Gemeinschaft, in welcher ein Mensch alleine Ruhe finden kann; sie bricht das heilige Band der schuldigen Kindestreue entzwei, sie reizt das Kind zur Empörung gegen den himmlischen Vater, und stößt sodann den verlorenen Sohn aus dem Vaterhaus hinaus, um ihm die Rückkehr für immer zu verschließen. Was aber das heiße, meine Geliebten, was aus dem Sünder werde, der von Gott geschieden bleibt? - ich meine schon das heimliche Grauen, das der Gedanke erregt, ließe uns das ahnen. Sünder aber sind wir Alle und bekennen es auch Alle. Nun werden wir freilich sagen, die Sünde habe in uns noch keine solche Macht gewonnen, dass wir nicht immer wieder uns zu Gott kehren könnten; allein das ist eine eitle Rede. Denn mit der Entfremdung von Gott verschwindet uns auch die Kraft zum Guten, und wenn ihr keine andere Bürgschaft für eure Errettung habt, als das Vermögen des eigenen, verkehrten Willens, so wirds wohl dabei bleiben, dass die Sünde für den Menschen das tiefste Unheil ist, weil er in ihr verloren gehen muss. Wollte Gott, dass wir das Alles erkennten, dann würde jene Sehnsucht nach Heil in uns erwachen und jenes Rufen nach Hilfe aus der Tiefe, für welches unser Text die Antwort hat. 
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-2) Denn, dein Heil, spricht der Herr, steht allein bei mir. Wie wunderbar, meine Geliebten, derselbe, den wir mit unseren Sünden betrüben, dessen Heil wir von uns stoßen, der spricht: Dein Heil steht allein bei mir. Er kann dein Unheil wenden, Er kann aus der Sünde heraus in Freiheit, aus dem Tod zum Leben dich führen - Er allein; denn sein ist Macht und Stärke; und er kanns nicht nur, er will es auch. Seine Macht ist eine Macht der Gnade und Erbarmung; sein Name heißt: Ich bin die Liebe. Die ewige Liebe aber will auch des Verirrten Heil; ja was sage ich, sie will? Als sie in Knechtsgestalt auf Erden gewandelt hat, als sie die Sünden der Welt getragen, als sie am Kreuz für uns das Leben gelassen hat, um es wieder zu nehmen, da hat sie uns das Heil erworben da hat sie Erlösung gestiftet und ewiges, seliges Leben ans Licht gebracht. Nun steht für Alle, die danach begehren, die Gnadentüre offen, nun ist für jede Seele, die sich heraus aus dem Unheil sehnt, die Hilfe vorhanden in der barmherzigen Liebe des Herrn. Und damit unser enges kleines Herz dieses Wunder der Liebe umso leichter fassen und ergreifen könne, so geht sie umher und ruft einem Jeden in ihrem Worte zu: Siehe, dein Heil steht allein bei mir! da suche es, lieber Mensch, denn du bedarfst es fürwahr, wenn du nicht verloren gehen willst, und da suche es allein. Siehe nicht auf die Schwere deiner Schuld, sondern auf die Macht seiner Gnade, nicht auf die Ohnmacht deines Vermögens, sondern auf den Reichtum seiner Erbarmung. Lass es dich auch nicht hindern, dass du ihrer so gar unwürdig bist. Es liegt nicht an deiner Würdigkeit und Unwürdigkeit, nicht an deinem Reichtum oder an deiner Armut, es steht allein bei ihm. Fasse aber ein Herz zum Glauben und sammle deine Seele zu einem demütigen Gebet, so wirst du es an dir selber erfahren; dann ist deine Seele vom Unheil genesen und hat das Heil gefunden, welches da ist in Vergebung der Sünden. Und das gilt nicht bloß für den Anfang des Heils, sondern dieselbe Liebe, die dich einmal angenommen hat, ist reich genug, um dir Alles zu schenken was du zur Bewahrung des Heils, zum Beharren in der Gnade, zum Frieden für deine Seele bedarfst. Wie der Anfang, so beruht auch der Fortgang allein auf ihr; der dich berufen hat zu seiner Herrlichkeit in Christo, will dich auch vollbereiten, kräftigen, gründen und dir allezeit aus seiner Fülle geben Gnade um Gnade. Seine Gnade aber ist Leben und Friede. Was er von dir begehrt, ist zunächst nur dies, dass du das Unheil der Sünde samt deinem Unvermögen erkennst und das Heil bei ihm alleine suchst im demütigen Glauben. Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm, gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt und des Zuversicht der Herr ist. Diesen Segen wirst du dann auch an deinem ganzen Leben erfahren. Er wird dir jedes irdische Gut zu einem Denkmal jener göttlichen Liebe und jedes zeitliche Leiden zu einem Zug nach Oben machen; er wird dir nachgehen durch gute und böse Tage, und auch in der tiefsten Trübsal dich rühmen lehren: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird Nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue, er führt mich zum frischen Wasser, er erquickt meine Seele, er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ Zu solcher Erfahrung verhelfe uns Allen Gott durch die Gnade unseres Herrn Jesu Christi. Amen. 
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-======Ahlfeld, Friedrich - Zeugnisse - Der Advent in der Wüste.====== 
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-(Am 2. Advent 1854.) 
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-Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen. 
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-In Christo Jesu geliebte Gemeinde. Der Herr spricht durch den Propheten Jesaias zu dem Volke Israel: „Gedenkt nicht an das Alte, und achtet nicht auf das Vorige. Denn siehe, ich will ein Neues machen, jetzt soll es aufwachsen; dass ihr es erfahren werdet, dass ich Weg in der Wüste mache, und Wasserströme in der Einöde; dass mich das Tier auf dem Felde preise, und die Drachen und Straußen. Denn ich will Wasser in der Wüste und Ströme in der Einöde geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten.“ Das hat er getan, er hat den Himmel zerrissen und hat seine Liebe und Gnade niederströmen lassen in seinem Sohne. Das hat er getan, als das Wort Fleisch ward, als das Wort zur Tat ward: „Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ Was ist denn neu in der Welt, wenn nicht das, dass der heilige, allmächtige Gott seinen eingeborenen, ewigen Sohn in unser Fleisch gibt und unsern Bruder werden lässt? Und wodurch sollte ein Neues in der Welt gemacht werden, wenn nicht durch dies größte und unerhörte Neue? Verdorrt war Israel, wie armes Wüstengestrüpp stand es da in seiner lügenhaften, dürftigen Gerechtigkeit. Zur Wüste war die Heidenwelt geworden: tote Steine die Götter, tote Steine die Menschen. Da war Keiner, der nach Gott fragte, der Gutes tat nach dem Herzen Gottes. In der weiten Wüste blühte keine Blume zur Ehre Gottes, keine Frucht der Gerechtigkeit wuchs auf den dürren Stämmen. Über diese arme Heide hat Gott einen Frühling aufgehen lassen, wie die Welt noch keinen gesehen hatte. Die alten verdorrten Völker, so weit sie das Heil ergriffen, grünten auf vom Geruch des Wassers, Leben und Seligkeit erfüllten die Herzen, ein neuer Wandel und der Preis Gottes die Erde. Ein Neues hatte Gott gemacht. In wenig Wochen feiern wir das teure Fest, wo er das Neue anfing. Nun weißt du aber, wo Gott ein Neues macht, da räumt er zuvor auf unter dem Alten. Wenn der Frühling kommen soll, räumt er auf unter dem alten Eise und Schnee. Er räumt auf auf dem Felde, denn die dürren Stoppeln müssen zuvor verwesen. Auf den Wiesen muss das alte Gras verwelken, und auf den Bäumen bricht er die dürren Zacken durch die Frühlingsstürme weg. Anders macht er es in dem Menschengeschlechte auch nicht. Er pflügt ein Neues. Er will sein heiliges Samenkorn nicht unter die Hecken und Dornen werfen. Der Herr konnte nicht kommen, ohne dass ein Johannes voranging und in dem Herzen des Volkes aufräumte. Er musste erst mit der scharfen Axt des Gesetzes die alten Dornen abhauen. Auch heute noch muss Johannes vorangehen, wenn Christus bei dir einziehen soll. Der Herr kann dir nicht zum Segen kommen im heiligen Abendmahl, wenn nicht derselbe Johannes vorhergegangen ist, wenn dir nicht das Gesetz deine Sünde aufgedeckt und in dem armen Herzen Klarheit gemacht hat. Siehe, so kann er auch bei dir nicht einziehen zum heiligen Christfeste, wenn Johannes nicht vorangegangen ist. Da ist keine Weihnachtsfeier, da ist das Herz keine Krippe, wo wir alle unsere Selbstsucht, alle unsere alte Sündenbequemlichkeit behalten haben. Von der Krippe, in der der Herr ruhte, sagt Luther: 
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-„Herr und Schöpfer aller Ding, \\ 
-Wie bist du worden so gering, \\ 
-Dass du da liegst auf dürrem Gras, \\ 
-Davon ein Rind und Esel aß.“ 
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-So will der Herr auch in deinem Herzen auf Stroh und Stoppeln, auf den mit Reue und Leid bekannten Sünden, ruhen. So kommt denn mit hinaus in die Wüste. Den Johannes wollen wir hören. Die Stadt Jerusalem, das ganze jüdische Land und alle Länder am Jordan sind hinausgegangen. Wir wollen auch mitgehen. Du aber, treuer Heiland, gib Gnade, dass wir recht angetan hinkommen vor deinen Herold. Behüte uns, dass wir nicht vornehm vor den treuen Gesetzesprediger hintreten, als ob seine Predigt für uns überflüssig sei. Behüte uns, dass wir nicht denken: „Wir haben Christum, was brauchen wir den Johannes? Wir haben den freundlichen Heiland, was brauchen wir den Mann mit dem rauen Kleide, mit dem ledernen Gürtel und mit dem harten Wort?“ Ach Herr, jeder Tag ist eine ganze Heilsgeschichte. Wo wir an einem Tage das Gesetz nicht fühlen mit seinen Drohungen und mit seinem Gericht, da haben wir auch dich nicht recht. So erbarme dich unser, dass wir uns erst in der Wüste holen das zerbrochene und zerschlagene Herz, damit wir dann auch an deiner Wiege fingen können: „Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilandes. Du hast angesehen das Elend deines Knechts, und hast seine Seele errettet von den Ketten des Todes. Ich habe erfahren den Tod des Todes und die Angst des Gerichtes; nun lässt du mich erfahren den Reichtum und die Herrlichkeit der Gnade. Dir sei Preis und Dank und Anbetung in Ewigkeit.“ Amen. 
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-Unser heutiger Text steht geschrieben: 
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-Ev. St. Matth. Kap. 3, V. 1-10.\\ 
-**Zu der Zeit kam Johannes, der Täufer, und predigte in der Wüste des jüdischen Landes, und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbei gekommen. Und Er ist der, von dem der Prophet Jesaias gesagt hat, und gesprochen: Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste, bereitet dem Herrn den Weg, und macht richtig seine Steige. Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren, und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig. Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem, und das ganze jüdische Land, und alle Länder an dem Jordan, und ließen sich taufen von ihm im Jordan, und bekannten ihre Sünden. Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße. Denkt nur nicht, dass ihr bei euch wollt sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.** 
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-Wir behalten uns aus diesem teuren Gottesworte für unsere weitere Andacht den Grundgedanken: 
- 
-Der Advent in der Wüste. 
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-Wir sehen 
- 
-  - den Adventsprediger, 
-  - seine Gemeinde, 
-  - seine Predigt, 
-  - ihre Frucht. 
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-=====I. Der Adventsprediger.===== 
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-Am Schlusse des alten Bundes spricht der Herr: „Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr begehrt.“ Und damit man über jenen Engel, welcher dem Herrn den Weg bereiten soll, desto klarer werde, fügt er hinzu: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn.“ Dieser Elias ist gekommen. Keine zwei Männer des alten Bundes sehen sich so ähnlich wie Elias und Johannes. Ihre Namen sind allerdings verschieden. Elias bedeutet: „der Herr ist Gott.“ Ja Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott, Die falschen Götzen macht zu Spott, Gebt unserem Gott die Ehre: das war Elias Aufgabe. Johannes heißt: „Gott ist gnädig, Gott erbarmt sich.“ Weil sein Leben in eine lieblichere Zeit fiel, weil er der Nachbar und der Morgenstern für die aufgehende Gnade war, hatte ihm Gott einen lieblicheren Namen gegeben. Aber im Leben und in der einen Hälfte des Berufs ist er dem Elias ganz gleich. Beide waren eiserne und scharfe Prediger des Gesetzes. Beide kannten keinen Handel und keinen Vertrag mit der Sünde. Beide schnitten mit ihrer Predigt ein bis auf das Mark. Beide schonten weder Hohe noch Niedere. Beide stießen in ihrer Predigt mit den Königen des Landes zusammen. Dort widerstanden dem Manne Gottes Ahab und Jesebel, hier Herodes und Herodias. Beide führten ein Leben in äußerster Selbstverleugnung, und konnten daher auch das Schwert desto schärfer gegen die Fleischesdiener schwingen. Von Elias Tracht heißt es 2. Könige 1, V. 8: „Er hatte eine raue Haut an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden.“ Johannes trug ein Kleid von Kamelshaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden. Seine Speise waren Heuschrecken und Wildhonig, und einen Herrentisch hat Elias auch nicht geführt. Beide waren Hämmer des Herrn auf das hart und faul gewordene Geschlecht. Ein Hammer steckt in keinem seidenen Futteral. Er ist hart und kalt. Es ist an ihm nichts Anderes, denn ein guter Griff. Und der war an beiden Männern die göttliche Berufung. Nicht aus Willkür oder eigener Laune hatten sie ihr Amt erwählt, der Herr hatte sie dazu berufen. Diese göttliche Berufung war bei dem Johannes so überwiegend, dass er seine Person, seine Gedanken durchaus daran gab. Er war nur noch eine Stimme eines Predigers in der Wüste. Nicht seine Stimme, sondern Gottes Stimme. Als Predigtstätte hatte sich Johannes die Wüste erwählt. Warum denn diese? Warum predigte er denn nicht in der Nähe von Jerusalem oder etwa in einem Palmenhain bei Jericho? Konnte er denn dem Volke nicht ein Wenig entgegenkommen, dass sie es bequemer, dass sie eine gemütliche Beköstigung und gute Herberge in der Nähe gehabt hätten? dass es zugleich eine kleine Lustpartie gewesen wäre? Nein, das wollte er nicht, das sollte er nicht. Er wäre nicht Johannes, er wäre nicht der neue Elias gewesen, wenn er es anders gemacht hätte. Heraus sollte das Volk aus seinen Städten, heraus aus dem Tageslauf seiner Geschäfte, heraus aus der Bequemlichkeit des Sündenlebens, in welches es durch lange Gewohnheit hineingewachsen war. Zu Fuß musste es durch die lange Wüste gehen. Da hatte es Zeit sich zu besinnen. Die Wüste sollte ihm ein Spiegel werden zur Erkenntnis des eigenen Herzens. Der Weg durch die Wüste war ihm schon eine Vorrüstung auf die Bußtage, welche dort am Jordanufer gefeiert werden sollten. Und nicht ohne Grund hatte Johannes die Wüste am Jordanufer zu seiner Buß- und Predigtstätte gewählt. Es war viel Wasser da. Er konnte die Gedemütigten taufen mit der Taufe der Buße. Er hatte aber auch noch einen andern Grund dieser Wahl. Sah doch diese Gegend aus wie ein Abbild der damaligen Geschichte des Volkes Israel. Auf der einen Seite die Wüste, da es braust und heult, da Alles voll liegt von totem Gestein, da die Sonnenglut jedes Kräutlein ausdörrt, welches seinen dürftigen Stängel emporrecken will. Da ist kein Quell, kein Baum, kein Schatten, keine Frucht. Und neben dieser Wüste strömt der Jordan von den Bergen hernieder. 
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-Schon sein Name bedeutet einen Strom, der von oben herniederwallt. Seine Ufer waren bekleidet mit dem schönsten Grün und mit fruchtbaren Bäumen. Die Propheten reden gar gern vom Jordanschmuck. Lag denn nun dem Volke die Ahnung so fern, dass ihm Gott der Herr mit diesem Nebeneinander in dieser Zeit Etwas sagen wollte? Mit großen, sichtbaren Lettern hatte es Gott der Herr dahingeschrieben: „Du Volk bist in deinen Sünden eine Wüste, dürr und unfruchtbar und versengt von der Sonnenglut meiner Gerichte. Aber es wallt jetzt hernieder von den Bergen des Heils, hernieder in diese Wüste und in das tote Meer der Gnadenstrom, der Leben gibt, und der seine Ufer bekränzt mit Bäumen und Früchten der Gerechtigkeit. Wenn du durch die Wüste hindurchgegangen bist, wenn du deine Sünde, deine Dürre, dein armes Herz, das keine Lebensquellen in sich selber hat, und dein ganzes Elend erkannt hast: dann wallt da der Strom, in welchen dich dein Gott eintauchen will, in welchem er dich aus seinem Leben zum Leben erneuen will.“ Ist es zu Viel verlangt, wenn Israel, das durch die Wüste gegangen war, und nun an das frische Jordanufer kam, dies herauslesen sollte? O nein. Und was die Wanderer selber noch nicht gedacht hatten, oder was sich nur von ferne in den Herzen geregt hatte, das brachte Johannes ihnen zum Bewusstsein und zur Klarheit. Es ward ihnen vollends klar, als der Herr selbst am Jordan erschien, der Himmel sich über ihm in seiner Taufe auftat und eine Stimme herniederrief: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Da strömte der rechte Jordan, der Strom der himmlischen Barmherzigkeit, deutlich in die dürre Wüste hernieder. Du nun, teure Gemeinde, willst Weihnachten feiern. Du willst dich deines Heilandes und deines Heils freuen. Jetzt sind die Rüsttage. Wie sollen wir uns rüsten? Kommt, lasst uns hinausgehen in die Wüste. Sucht stille Stunden, wo ihr euch herauszieht aus euren Welt- und Geschäftsgedanken. Geht hin und stellt euch vor den ernsten Gesetzesprediger, der die Person nicht ansieht, der durch keine weichliche Freundschaft verwachsen ist mit unserem Sündenleben, der Nichts kennt, als Gottes Willen, der Menschen Sünden und seinen heiligen Beruf. Er hat keine vermittelnde Anschauung, kein milderndes Werk. Sein Angesicht sieht aus wie Gottes Gericht. O wie wird vor solchem Auge schon das Herz zur Wüste! Die schönen Säume, welche die entschuldigende Klugheit um die Sünde genäht und gestickt hat, reißt er ab. Sünde ist Sünde, und das Herz voll Sünde ist eine Wüste. Geh hin in die Wüste. Denke dich hinaus in jene Tage, wo der Herr noch nicht da war oder wo er in sein hohes Amt noch nicht eingetreten war. Was hättest du da? Deine Sünde, aber keinen Heiland; deine Schuld, aber keinen Versöhner; das Feuer im Herzen, aber Keinen, der es löschte mit seinem teuren Blute; den Wurm in deiner Seele, aber Keinen, der ihm den Kopf zerträte. Das ist eine Wüste ohne Quell, ohne Baum, ohne Schatten, ohne Hoffnung endlich eine Herberge zu finden. Von dieser Wüste komm zum Jordanufer, zum lieben Weihnachtsfeste. Da wird es erst ein Fest. Der Herr gießt Ströme auf die Wüste. Sein Tau ist wie der Tau des grünen Feldes. Der Balsam aus Gilead und die Salbe aus Israel fließt in die Wunde, und der Durstige ist zur Quelle gekommen. - Geh, eile zuvor in die Wüste, mache dir dein Elend ohne deinen Heiland recht deutlich! Aber wer geht? Wer steigt gern hinunter in diese alte Nacht? Wer ging denn damals? Wir kommen 
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-=====II. zur Gemeinde des Johannes.===== 
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-Es ging hinaus die Stadt Jerusalem, und das ganze jüdische Land und die Länder an dem Jordan. Es war ein Wallfahrten, wie man es lange nicht gesehen hatte. Alle Stände machten sich auf den Weg. Wir begegnen den reichen und bequemen Sadduzäern, den stolzen und satten Pharisäern. Und wieder treffen wir auf dem Wege Scharen von Kriegsknechten und wieder Häuflein von Zöllnern. Juden und Heiden eilen zu dem rauen Mann in der Wüste. Was zog sie denn zu ihm hinaus? War es seine gewaltige Bußpredigt? War es seine ungeschminkte Wahrheit? Wenn auch hier Zehn sagen: „Nein, um mir die Wahrheit sagen zu lassen, laufe ich nicht durch den heißen Sand der Wüste:“ so werden sie doch einmal danach laufen. Gott der Herr hat in die Wahrheit einen wunderbaren Zug gelegt. Sie ist ja aus Gott. Sie ist doch das eigentliche Nahrungsmittel des Menschen. Sie hat verborgene Haken und Klammern, mit denen sie den Menschen zieht. Ja selber wenn er sie hasst, wenn er sie nicht hören will, bleibt immer noch eine Stimme in ihm, die da ruft: „Du sollst, du musst sie hören!“ Oft trägt diese Stimme auch den Sieg davon. Denke dir, du hättest in einer Stadt zwei Prediger, von denen der eine schön mit dir täte, deine Sünden nur mit zarter Hand anrührte, und überhaupt so redete, wie es dein natürlicher Mensch gern hört. Und der andere wüsste Nichts von Schonung der Sünde, sondern nennte sie mit wahrem Namen, risse dir den Schleier vom eigenen Herzen, täte dir das hohle Grab auf, dass du seine Totengebeine sähest, und führte dich mit diesem deinem Herzen hinein in Gottes Gericht. Was meinst du, welchen von beiden würdest du hören? Du sagst im Augenblick vielleicht: „Den, der sanft und zart mit mir umginge.“ Ja, eine Zeit lang würdest du ihn hören; aber bald würdest du müde werden. Er sagte dir nur, was dein natürlicher Mensch dir schon oft und besser gesagt hat. Es würde dich bald ziehen zu dem, der dir die Wahrheit sagt, und wenn du nur hingehen solltest, um ihm innerlich zu widersprechen. Solche Mitgift hat Gott der Wahrheit gegeben. Und wir können sagen: „Wo sich die Gemeinden nicht um uns sammeln, haben wir ihnen auch nicht klar und bestimmt genug die heilige Wahrheit gesagt.“  
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-Nun weißt du Eins, was das Volk zu Johannes hinauszog. Außerdem zog die ernste Persönlichkeit und die strenge Entsagung. Es war auch lange kein Prophet dagewesen. Die wunderbaren Zeugnisse Gottes bei Johannes Geburt wirkten mit. Viele glaubten auch, er sei vielleicht der verheißene Messias selbst. Wieder andere wollten sich durch den Besuch bei ihm und durch seine Taufe in die Krone ihrer eigenen stolzen Gerechtigkeit noch einen neuen Edelstein setzen. Aber den letzten Grund haben wir tiefer zu suchen. Es gibt Frühlingszeiten, wo sich jeder noch nicht ganz erstorbene Keim in der Erde regt. Mancher regt sich freilich nur, um dann für immer zu sterben. Aber die Sonne tut in dieser Zeit, was kein Treibhaus tun kann. Solche Zeiten gibt es im Reiche Gottes auch. Haggai hatte geweissagt: „Es ist noch ein Kleines dahin, dass ich Himmel und Erde, und das Meer und das Trockene bewegen werde. Ja alle Heiden will ich bewegen. Da soll denn kommen aller Heiden Trost.“ Diese große Bewegung hatte schon begonnen. Der Himmel war bewegt, da der eingeborene Sohn Gottes Mensch ward. Die Bewegung der Erde begann besonders in den Tagen, wo er hervortrat mit dem Wort und den Taten der ewigen Wahrheit und Herrlichkeit. Auf diesen Tag arbeitete Gott hin. Er kann der Menschen Herzen lenken wie Wasserbäche. Er lenkte sie hinaus in die Wüste. Er war es, der diese bunten Scharen aus allen Ständen vor den Johannes stellte. Das Volk sollte seine Augen aufheben, darum dass sich seine Erlösung nahte. Und du Christenvolk sollst auch wissen, dass sich deine Erlösung naht. Das Christfest ist der Anfang und die Wurzel deines Heils. Wohl feiern wir nicht das erste Christfest. Es ist nicht der Tag, wo der Engel zu den Hirten auf dem Felde sprach: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wiederfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Aber dennoch ist jedes Christfest in gewissem Sinne immer wieder ein erstes, ein neues Christfest. Denn wenn dein Herz zu dem Feste im Jahre 1854 nicht richtig ist, wenn es da nicht von wahrer, heiliger Christfreude schlägt, hilft dir auch das erste Christfest Nichts. Darum wolle der Herr in seiner Gnade und seiner herrlichen Macht auch in diesem Advent die Völker bewegen. Er wolle auch durch alle Stände seinen Heiligen Geist gehen lassen. Er wolle sie alle hineintreiben in die Wüste, auf dass Johannes ihnen ihr Herz aufschließe. Teure Gemeinde, entschuldiget euch nicht. Sagt nicht: „Wir haben keine Zeit.“ Eure Wüste liegt nicht draußen jenseits Jericho, nicht am Jordan bei Enon. Eure Wüste tragt ihr mit euch herum. Mitten in der Arbeit, mitten in der Sorge könnt ihr hinausgehen, ja gerade da könnt ihr es recht. Es hindert euch kein Schnee und kein Wetter. Im Gegenteil, sie treiben euch dazu, weil sie euch von allerlei andern Wegen abhalten. Es hindert euch keine Armut. Der Weg kostet kein Geld. In der Armut, bei der Arbeit, auf dem Krankenlager, in einem Bodenkämmerlein, überall könnt ihr hinausgehen und den Sand und die Steine auf der einen, `den Jordan auf der andern Seite sehen. Wartet nicht, bis ihr im Tode in die Wüste des eigenen Herzens kommt. Es ist dann zu spät. Ihr seht zwar den Sand und die Steine, aber nicht die lieblichen Wasser des Jordans. O geht! Der Herr sammle uns eine Adventsgemeinde, wie er dem Johannes eine gesammelt hat. Er tue ihr auch die Ohren auf, damit sie die große Adventspredigt höre, die gepredigt werden muss, so lange es eine streitende Kirche gibt. 
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-=====III. Seine Predigt.===== 
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-Alle, die in den Wüsten des Morgenlandes gewesen sind, wissen nicht genug zu sagen von ihrer Einförmigkeit und Eintönigkeit. Ein Odem des Windes zieht durch dieselben hindurch; einen Ton hört das Ohr, ein Bild sieht das Auge. Also hat auch die Predigt des Johannes nur einen Grundton: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Die Nähe des Himmelreichs ist der Grund, weshalb die Leute jetzt Buße tun sollen. Der Herr steht vor der Tür und klopft an. So Jemand seine Stimme hören und ihm die Tür auftun wird, zu dem will er eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten. Dem Herrn sollten sie den Weg bereiten, seine Steige sollten sie richtig machen. Alles, was hoch war, sollte erniedrigt, Alles, was niedrig war, sollte erhöht, was höckricht und krumm war, sollte gerade und schlecht werden, denn die Herrlichkeit des Herrn sollte offenbart werden, der Herr wollte seinen Einzug in das Seine halten. -  
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-Wie nun, teure Gemeinde, gilt der Grund bei uns auch: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen?“ Er gilt, aber nicht allein. Nicht nahe herbeigekommen ist das Himmelreich. Es ist da, es ist angekommen, und wir sind aus Gnaden hinein gekommen. Wir haben unsere Sünde nicht mit bis vor die Tür desselben gebracht, wir haben sie mit hineingenommen, wir haben sie in den Hochzeitsaal, in den Tempel des Ehrenkönigs mitgenommen. Wir reinigen unsere Füße gar sorgfältig, wenn wir in das Zimmer eines Großen dieser Welt eintreten; und in die heilige Wohnung Christi, in die Hütte Gottes bei den Menschen, haben wir allen Schmutz unseres natürlichen Menschen mitgebracht. Hier ist mehr denn Johannes, hier ist viel mehr Aufforderung zur Buße, als dort in der Wüste. Dabei gilt auch jener Grund zur Buße: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen,“ immer noch. Das liebe Christfest wird gefeiert, damit der Herr in den Herzen der Seinen einkehre. Er ist der König des Reiches Gottes, und das liebe Fest ist nahe. Außerdem aber kommt die triumphierende Kirche täglich näher herbei. Du weißt nicht, wie lange der Herr mit deinem letzten Stündlein noch ansteht. Die Axt ist dem Baume immer an die Wurzel gelegt. Erst braucht Gott das Messer und schneidet dem Weinstocke die wilden Reben ab. Will er dann doch nicht tragen, dann nimmt er die Art und haut den Stamm ab. Du weißt auch nicht, wie lange er mit seiner glorreichen Wiederkunft noch zögert. und wehe dem, der dann kein hochzeitlich Kleid anhat. Wie bekommen wir dieses? Durch Jesum Christum. 
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-Christi Blut und Gerechtigkeit\\ 
-Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, \\ 
-Damit will ich vor Gott bestehn \\ 
-Und zu der Himmelsfreud' eingehn. 
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-Wie komme ich zu Christo? - Durch die Buße. Diese Buße ist aber nicht etwa eine Ausbesserung, ein Flickwerk in einem einzelnen Stücke, sondern eine Umwandlung des ganzen Herzens und Sinnes; nicht ein neuer Lappen auf ein altes Kleid, sondern ein neues Kleid. Und doch sieht es aus, wie wenn Johannes solch Flickwerk triebe! Wie wir schon gehört haben, kamen auch Zöllner zu ihm in die Wüste. Auch sie ließen sich taufen und sprachen zu ihm: „Meister, was sollen wir denn tun?“ Er antwortete ihnen: „Fordert nicht mehr, denn gesetzt ist.“ Ingleichen kamen auch die Kriegsknechte und sprachen: „Meister, was sollen denn Wir tun?“ Er sprach zu ihnen: „Tut Niemand Gewalt noch Unrecht, und lasst euch begnügen an eurem Solde.“ Andern sagte er: „Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Schuhe hat, der tue auch also.“ War nun der Zöllner etwa ein gerechter Mann, wenn er seine Taxe nicht überschritt? Oder war der Kriegsknecht vor Gott gerecht, wenn er die Leute nicht drückte noch plünderte? Nein, da fehlte noch gar Viel. Aber Johannes baute ihnen mit diesem Befehl eine Stiege in ihr eigenes Herz, er gab ihnen damit ein Licht zur Erkenntnis ihrer selbst in die Hand. Fange du es nun einmal mit einer Sünde, mit deiner Lieblingssünde, mit deiner Berufssünde an! Du Lügner, der du immer versprichst und nimmer hältst, der du die heiligen Grenzsteine der Wahrheit alle Tage verrückst, beginne einmal den Krieg gegen die Lüge. Und du Habgieriger, für den das siebente Gebot kaum in den gröbsten Stücken einige Bedeutung hat, beginne einmal den Krieg gegen deine Schoßsünde. Und du Träger, dem alle Arbeit zu schwer oder zu langweilig oder zu uninteressant ist, greife einmal deinen Feind an. Tut ihr es auch, ihr Hoffärtigen, ihr Zorneskinder, ihr Trunkenbolde und Genussmenschen, ihr Unreinen und Wollüstlinge. Beginnt einmal mit eurer natürlichen Kraft den Streit. Ihr pflegt so oft zu sagen: „Wenn ich es mir nur fest vornehme, dann kann ich das wohl lassen.“ Nehmt es euch einmal fest vor! Und wo kommt ihr hin? In wenigen Wochen macht ihr die Erfahrung: „Ich kann es nicht, ich bin meiner nicht selbst Herr. ich mich dessen versehe, reißt meine Begierde wie ein wilder Strom den Willen und den Verstand mit fort.“ Wenn dann noch ein Fünklein von Wahrheit in dir ist, und wenn es dir mit der Besserung in jenem Stücke wirklich noch ein Ernst ist, musst du bekennen: „Ohne ein neues Herz werde ich auch nicht einmal in diesem einen Stücke ein neuer Mensch!“  
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-Dieweil du dir aber das nicht selbst geben kannst, musst du vor den Thron dessen, der schaffen und neuschaffen kann, und bitten: „Schaff in mir Gott ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist.“ Wenn du aber so bittest, dann bist du herum, dann bist du mit deinem Angesichte zu Gott gekehrt. Das ist Buße. Dahin wollte Johannes seine Zöllner und Soldaten auch bringen. Und wenn sie dahin gekommen waren, dann war auch für sie das Himmelreich nahe herbeigekommen. Dann konnte er sagen: „Seht da! da ist der, welcher mit Feuer und mit dem Heiligen Geiste taufen kann. Da ist er, welcher sprechen kann: Siehe, ich mache Alles neu. Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden.“ Seine Predigt war wohl angelegt und festgegürtet wie er selbst. Sie war recht dazu gemacht, aus der Wüste zum Jordan, von Johanne zu Christo hinzutreiben.  
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-„Aber wie geht er doch um mit den Pharisäern und Sadduzäern? Der Gruß, mit dem er diese empfängt, kann doch wohl nicht zur Buße führen,“ hat schon Mancher gedacht. Es ist wahr, er fährt hart mit ihnen. Er redet sie an: „Ihr Otterngezüchte, wer hat euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße! Denkt nur nicht, dass ihr bei euch wollt sagen: „Wir haben Abraham zum Vater. Ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.“ Teure Gemeinde; Johannes kannte die Leute, welche vor ihm standen. Er hatte hineingesehen in diese übertünchten Totengräber, die überall äußerlich mit der Farbe der strengsten Gesetzlichkeit gefärbt, innerlich aber voll Tod, Moder und Übertretung waren. Er wusste, dass sie durch die Abstammung von Abraham, durch die Geburt, aber nicht durch die Wiedergeburt selig werden wollten. Nun steht es fest: wenn man einen verstockten Sünder vor sich hat, namentlich einen solchen, welcher im Heilswege und im Worte Gottes gut Bescheid weiß, sich aber das Wort auslegt zur Beschönigung seiner Sünde, so kann ein solcher nur getroffen werden mit den schwersten Waffen aus der heiligen Rüstkammer Gottes. Darum schreibt Johannes diesen Pharisäern in so gewaltigen Zügen gleich ihren Lebenslauf. Er sagt ihnen, von wem sie nach ihrer innern Art herstammen. „Ihr seid mit eurer Heuchelei Otterngezüchte, Kinder des Teufels, der alten Schlange. Es wird euch schwer werden, dem zukünftigen Zorne zu entrinnen. Nicht neue gesetzliche Heuchelei kann euch retten; ihr sollt vielmehr euren Ernst ausweisen durch rechtschaffene Früchte der Buße. Es hilft euch Nichts, dass ihr Abrahams Kinder seid. Die Steine, die hier vor euch liegen, sind der Kindschaft Gottes und der wahren Kindschaft Abrahams näher, denn ihr. Diese Steine sind nur tot, ihr aber seit tot in Sünden. „Eilt, denn die Axt ist dem Baume schon an die Wurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ Das gilt jenen Pharisäern und Sadduzäern. Das gilt auch uns, wenn wir mit unserm Heile ein loses Spiel treiben. Es ist dies ein Wort, vor dem sich die Seele entscheiden muss. Wenn man mit der Axt auf den Stein schlägt, fliegen entweder die Funken heraus und er bleibt ganz, oder er zerbirst. Mag denn dies letzte Wort des Täufers unter uns mehr ausrichten, als unter jenen Pharisäern. Mag es, wenn Felsen hier sind, ein Hammer sein, der Felsen zerschmeißt, damit Gott der Herr diese Stücke, diese zerbrochenen Herzen in seinen heiligen Tempel einbauen könne. Wir sind damit wieder an der Tür des Reiches Gottes. Endlich fragen wir 
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-=====IV. nach der Frucht dieser Predigt.===== 
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-Sie war eine verschiedene. Von den Pharisäern lesen wir gar Nichts. Die scharfe Predigt hatte ihnen nicht gefallen. Sie gingen noch verstockter wieder nach Hause, als sie gekommen waren. Den Toten ist das Wort Gottes ein Geruch zum Tode. Die Andern ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. Damit war dem Herrn in sie hinein der Weg bereitet. Wo ein ehrliches Sündenbekenntnis ist, da ist auch das Bedürfnis eines Heilandes und eines Glaubensbekenntnisses. Wer die Taufe des Johannes empfing, versiegelte es damit, dass er ein armer Sünder sei und wartete auf den Herrn, der die Sünden vergeben, und mit Feuer und dem Heiligen Geist taufen konnte. Als der Herr kam, waren diese Johannesjünger zum Teil seine ersten Jünger. Die Sonne schien in die Wüste und die Gnadenströme flossen in die Einöde. Und du, mein Christ, für den Johannes auch gepredigt hat, den er auch zu der neuen Ankunft des Herrn wieder rüsten will: was willst du tun? Denke an die Worte: „Sie ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“ Denke du zurück an deine Taufe. So viele unserer getauft sind, die haben Christum angezogen. Wir sind ja mit Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen wir auch in einem neuen Leben wandeln. Wir haben aber das neue Kleid befleckt, wir sind in das alte Leben zurückgefallen, wir haben den Bund des guten Gewissens mit Gott gebrochen. Das fühle du nur recht. Das zerlege dir vor dem heiligen Gesetze Gottes. Erforsche dein verkehrtes Herz in seiner Tiefe und in seinen einzelnen Irrgängen. Klage es deinem Herrn: „Herr Herr, ich bin vielfach gewandelt, als ob ich nicht getauft wäre, als ob du mich nicht reingewaschen hättest mit deinem teuren Blute. Erbarme dich meiner, reinige du mir das weiße Kleid wieder, dass ich wieder als ein liebes Kind Gottes vor dir stehe.“ Wenn du so bitten kannst, dann hat die Predigt des Täufers an dir eine gute Frucht geschafft, dann weißt du, warum wir immer wieder ein Christfest feiern; dann freust du dich auch dies Jahr auf den heiligen Christ. Wenn dir dann sonst auch Niemand Etwas schenkt, so schenkt dir doch der Herr sich selbst. Es regnet in der Wüste, es taut in der Einöde und der Strom der Gnade rinnt in das dürre tote Land. Herr, so rüste uns, und so erquicke uns mit deiner gnädigen Heimsuchung. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Ahlfeld, Johann Friedrich - Siehe, dein König kommt zu dir in Macht und Herrlichkeit. ====== 
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-(II. Sonntag des Advents.)  
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-Die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen. Amen.  
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-Text: Luk. 21. 25 -36.\\ 
-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr es an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies Alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es Alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohne.** 
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-Geliebte Christen! Ein großer Unterschied ist oft zwischen zwei Sonntagen, die dicht nebeneinander liegen, besonders in dieser Jahreszeit. An dem einen geht man trocknen Fußes zur Kirche, und die Sonne scheint so freundlich herab, wie wenn sie Ihres mittun wollte, dass es ja ein rechter Sonntag werde. Und am andern bahnt man sich den Weg durch den Schnee, und das Wetter wirbelt immer noch fort, als ob es die Kinder Gottes hindern wollte, sich vor dem Angesicht ihres Herrn zu versammeln. 
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-Da spricht denn ein Kirchgänger zu dem andern: „Wie ist es doch heute so ganz anders als vor acht Tagen!“ - Liebe Christen, sehen wir das heutige Evangelium an, und vergleichen wir es mit dem vorigen, so wandelt uns dasselbe Gefühl an, nur in dem Grade gewaltiger, als der große Gerichtstag Gottes gewaltiger ist, denn jeder Winter- und Wettertag. Wie ist doch das heutige Evangelium so ganz anders als das vor acht Tagen! Dort kam Christus vom Ölberge hernieder - hier kommt er hernieder von dem Thron seiner ewigen Herrlichkeit, von der Rechten seines himmlischen Vaters. Dort kam er inmitten eines armen Volks- und Kinderhaufens, reitend auf einer Eselin - und hier inmitten der himmlischen Heerscharen in des Himmels Wolken. Dort kam er unter dem „Hosianna“ seiner Begleiter - hier heißt es: „Und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden.“ Dort zieht er in Jerusalem ein - hier zieht er ein in den ganzen Kreis der Erden. Denn dann soll die ganze Erde ein Jerusalem, ja ein Zion, ja ein Tempel Gottes geworden sein. Dort treibt er aus, die nicht in den Tempel gehören - hier stößt er aus, die nicht in sein Reich gehören. Er sitzt und schmelzet und reinigt das Silber. Er scheidet das Silber von den Schlacken. - Also in den beiden Evangelien steht die erste und letzte Ankunft des Herrn nebeneinander: sein Kommen in der Niedrigkeit, sein Kommen in der Herrlichkeit; sein Kommen in der Geschichte, sein Kommen zum Gerichte; sein Kommen die streitende Kirche zu gründen, sein Kommen ihren Triumph zu verkünden. 
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-Warum hat denn aber die Kirche diese beiden großen Tage so eng zusammengefasst, warum hat sie sie in den Evangelien wie Nachbarn nebeneinander gestellt? Darum, dass du erkennen sollst, wie Alles beschlossen ist in Jesum Christum, wie er das A und O, der Anfang und das Ende ist. Diese zwei Tage sind wie zwei Hände. Die eine legt er an den Anfang der Geschichte, und mit der andern fasset er ihr Ende, damit er Alles zusammenbündle in ein Bündlein. Die Kirche hat diese beiden Tage nebeneinander gestellt, damit, was der eine nicht ausrichtet, der andere ausrichte. Kann dich der Demutszug des Herrn, der erste Advent, nicht aufwecken, so soll dich sein Siegesgang, der letzte Advent, aufschrecken. Ist es dir zu klein in das „Hosianna“ der Kinder einzustimmen, so besiegt wohl das „Hosianna in der Höhe“ aus Engelsmund dein Herz, dass du rufen lernst: „Hilf doch, erbarme dich doch meiner, du Sohn Davids.“ - Haben wir uns denn vor 8 Tagen zugerufen: „Siehe dein König kommt zu dir, sanftmütig,“ so rufen wir heute. 
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-Siehe, dein König kommt zu dir in Macht und Herrlichkeit.  
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-Den Inhalt dieses großen Wortes zerteilen wir uns nach unserm Texte in dieser Folge:  
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-Dein Herr kommt zum Gericht mit großer Macht, \\ 
-Er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht, \\ 
-Christ, mach dich fertig und steh auf der Wacht, \\ 
-Sonst kommt er wie ein Dieb in finstrer Nacht. 
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-=====l. Dein Herr kommt zum Gericht mit großer Macht.===== 
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-Jesus Christus, geliebte Christen, ist heimgegangen in seines Vaters Reich. Zwischen diesem Reiche und seinem Reiche hienieden ist keine Kluft befestigt, dass wir nicht hinüber könnten, dass er nicht herüber könnte. Im brünstigen Gebet steht die Seele an der Himmelspforte, und ein Stephanus sah unter den Händen seiner Steiniger und Peiniger den Himmel offen. Und wenn du hinüber kannst, wenn dem Diener der Weg offen steht, dann wird er dem Herrn auch offen stehen, dann wird der Herr auch herüber können. Er kommt auch alle Tage herüber im stillen Gange. Er kommt Seelen zu wecken aus dem Todesschlaf. Er kommt die Erweckten zu stärken. Er kommt Seelen abzufordern aus der Pilgerschaft. Es ist ein stetes Gehen und Kommen zwischen der streitenden und triumphierenden Kirche. Wenn dies nicht wäre, wären wir dem Fürsten dieser Welt längst unterlegen. Es ist das Himmelreich die große Hauptstadt der Kirche, aus der dem armen kleingläubigen Streiterhaufen die Kräfte und Heere Gottes ungesehen und ungezählt, aber nicht ungefühlt, zuziehen. Es ist das Himmelreich die hohe Burg, von der aus Christus sein großes Regiment führt über die Kirche. Er ist von dort aus bei ihr alle Tage bis an der Welt Ende. Er kommt alle Tage.  
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-Das aber ist in unserm Evangelio nicht gemeint. Es gibt in der Geschichte seiner Kirche besondere Ankunftszeiten. Er kommt in großen Taten in der Geschichte. Wenn gewissen Völkern die Gnadensonne lange geschienen hat, und sie sind kalt und tot geblieben, ja sie sind immer kälter und toter geworden, dann kommt er zum Gericht solcher einzelnen Völker, dann stößt er den Leuchter unter ihnen um, dann schlägt er sie mit mächtigem Arm. Und unter solchen Schlägen muss sein Reich wachsen. Er ist gekommen in der Zerstörung Jerusalems. „Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass Alles geschehe.“ Gegen 40 Jahre nach seiner Himmelfahrt, im Jahre 71 nach seiner Geburt hienieden, zerbrach er die stolze, verhärtete Stadt. Es war dies wieder ein Anstoß zur Läuterung und zum Wachstum seines Reiches. Denn die letzten Gedanken von einem irdischen Reiche stürzten mit den Mauern der Stadt und brannten nieder mit dem brennenden Tempel. Und weil nun Israel keinen Tempel, keinen Altar, keinen Leibrock mehr hatte, weil es kein Volk mehr war, musste es immer klarer werden, dass der Herr sich ein neues Israel aus allen Geschlechtern der Erde bauen wollte. An Zeichen aber, an Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollten auf Erden, hat es nicht gefehlt. Josephus. der uns den Untergang des jüdischen Reichs durch die Römer beschreibt, erzählt, wie ein Mensch mit Namen Jesus, ein Sohn des Ananus, schon vier Jahre vor dem Kriege, da die Stadt noch in Frieden und Fülle lebte, durch die Straßen Jerusalems zog und Tag für Tag ausrief: „Wehe, wehe über Jerusalem!“ Und ob ihn auch der römische Landpfleger geißeln ließ, dass die Gebeine offen lagen, er hatte keine andere Antwort auf die Schläge, als: „Wehe über Jerusalem!“ Das trieb er fort, bis in die Tage, da die Römer die Stadt mit Wällen und Wagenburgen einschlossen. Am letzten Tage rief er aus: „Wehe auch mir!“ An diesem Tage ward er durch einen Stein von einer römischen Wurfmaschine getroffen. Sein letztes Wort war: „Wehe über Jerusalem!“ Derselbe Geschichtsschreiber Israels erzählt uns, dass der Tempel Jerusalems von Titus gerade an demselben Jahrestage verbrannt ward, wo er fast 700 Jahre früher von Nebukadnezar verbrannt war. Wer es liest, der merke darauf!  
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-Wer will uns hindern, auch in der Reformation und in den Schrecken, die ihr folgten, ein Kommen des Herrn zu sehen? Er hat seine Kirche sichten wollen, wie man den Weizen von der Spreu sichtet. Bewegung und Erwartung der Völker ist ihr genug vorangegangen. Und so wir nach Zeichen fragen, so mögen wir nur den Melanchthon hören. Dieser erzählt, wie 30 Jahre vor Luther zu Eisenach ein armer Mönch, Namens Johannes Hilten eingekerkert sei, weil er die Irrlehre und die Missbräuche der katholischen Kirche mit scharfem Wort gerügt habe. Als ihm die Mönche im Gefängnis hart zusetzten, sagte er ihnen ins Angesicht - „Im Jahre 1516 wird ein Anderer kommen. der wird eure Herrlichkeit zu Grunde richten, dem werdet ihr nicht widerstehen können.“ Und als er endlich im Kerker gestorben war, fand man diese Weissagung auch in seinen Büchern.  
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-Doch alle diese Wege des Herrn sind nur kleine Vorboten auf seine große Zukunft, es sind nur Zeugnisse, dass seine Weissagungen Ja und Amen sind. Sie sind Weckstimmen für die Ungläubigen, sind Stärkungen für die Gläubigen. - Einst wird er kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit, Sichtbar wird er wieder auf die Erde treten. Wie der Blitz ausgeht vom Anfang und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Dann ist die Kirche sein Jerusalem. Dann scheint sein Glanz nicht allein in die Herzen der Lebendigen, sondern sein Licht und Ruf dringet in die Gräber. Dann wird nicht allein die neue Gottesstadt, die Kirche, erreget, sondern der weite Kirchhof, Erde, Meer und Hölle geben ihre Toten wieder. Es werden alle Völker um ihn versammelt, die da waren und die da sind. Die Toten werden angekleidet mit neuen Leibern, und die Heiligen, die da leben, werden überkleidet mit verklärten Leibern. Dann wird er sein Gericht halten, dann wird er den Weizen von der Spreu, das Silber von den Schlacken, die Schafe von den Böcken scheiden. Das ist dann seine letzte Ankunft. Er braucht nicht wieder zu kommen. Er gibt dann Allem seine ewige Gestalt. Dann ererben seine Heiligen ewiges Leben und ewiges Erbe, und die sich verstockt haben ewige Verdammnis. Es ist der Schluss aller Geschichte. Sünde und Gnade haben ausgerungen miteinander. Die Gnade hat gesiegt. In wem sie aber nicht gesiegt hat, für den ist alle Gnadenzeit aus, er fällt in den Arm der Gerechtigkeit. Schrecklich aber ist es in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.  
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-Die Zeichen aber, die diesem großen Tage vorangehen, geschehen am Firmament, an Sonne, Mond und Sternen, geschehen an der Natur - das Meer und die Wasserwogen werden brausen! - geschehen an dem Menschenherzen: auf Erden wird den Leuten bange werden vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden. Sie müssen aber dann an allen Dingen geschehen, weil alle Dinge an diesem großen Tage Teil haben sollen, weil Gott dann einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, und weil er die Auserwählten völlig erneuern will in seinem Sohne. 
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-=====II. Er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht=====  
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-Ist das wahr, liebe Christen? Kommt Jesus zum Gericht mit großer Macht? Ja, er kommt, ob auch der Spötter seiner lacht. Worauf ruht diese Wahrheit? Sie ruht auf Jesu eigenem Worte, und das ist fester als irgendein Felsen, und wäre es ein Granit, der bis in die Mitte der Erde mit seinen Wurzeln hineinreichte. Er aber kannte unseren schwachen Glauben in diesem Stück. Was nur einmal geschieht in der ganzen Geschichte der Welt, was nur einmal geschehen kann, was der Herr hingesetzt hat an das Ende der Tage, wovon Niemand aus Erfahrung reden kann, das ist vor Allem dem Zweifel ausgesetzt. An Nichts hat dieser mehr genagt, als an Christi Wiederkunft zum Gericht. Die Geburt des Herrn kannst du in dir feiern, in der Wiedergeburt. Die Auferstehung des Herrn kannst du in dir feiern, wenn der alte Mensch mit allen Lüsten und Begierden in dir stirbt, und du in einem neuen Leben wandelst. Die Ausgießung des Heiligen Geistes kannst du in dir feiern in deinen Pfingsttagen. Diese Pfingsttage können auch mitten im Winter sein. Auch in Frost und Wetter kann dich der Odem des Heiligen Geistes anwehen. Aber dieses letzte große Totenfest hat keinen Vorgang im inneren Leben, der ihm ähnlich wäre. Es reichet Alles nicht hinein. Darum hat hier der Zweifel, der Unglaube und der Spott sein sonderliches Feld. Darum lässt es dir aber auch der Herr von drei Evangelisten fast mit denselben Worten erzählen. Darum drückt er bei allen dreien selbst sein Siegel drauf. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ -  
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-Der Glaube an die Ankunft des Herrn ruht aber auch schon auf der Geschichte. Wenn du eine Reise machst in ein unbekanntes Land, so fragst du einen des Landes und Weges kundigen Mann, was dir begegnen wird. Und er antwortet dir etwa: „Wenn du eine kleine Strecke gezogen bist, so kommt ein wilder Strom, der das sichre Land an den Ufern fortreißt, und dahinströmt unter Brausen und Zerstören. Doch wirst du eine Brücke finden, die dich sicher über ihn leitet.“ Und nun beschreibt er weiter. Und zuletzt heißt es: „Des Landes Grenze ist ein wildes Meer. Seine Fluten gehen so hoch, wie die Fluten keines andern Meeres, und die Stürme rasen auf ihm wie auf keinem andern. Doch ist ein Steuermann oder ein Lotse da, der dich treu und sicher hinüber führt.“ - Du ziehst nun vorwärts, du findest Strom und Brücke. Du glaubst nun auch dem weitern Wort des Raters, auch von dem Meer, das du noch nicht gesehen, auch von dem Lotsen, der dich führen soll. Sieh, der Pilgersmann, das ist die Kirche. Der Wegweiser, der ihr Fingerzeige gegeben hat in das finstere Land der Zukunft, das ist der Herr. Der Strom, der Land und Leute fortgerissen, war das Gericht über das jüdische Volk. Die Brücke über diesen Strom war Gottes Gnade, die damals seine Kirche wunderbar beschirmte. Die Kirche hat nun so weit erfahren, dass Jesu Wort die lautere Wahrheit war. Sie hat es schon weiter erfahren. Soll sie es nun nicht glauben von dem Sturm und der Flut seiner Wiederkunft und des Gericht? Hast in 1800 Jahren keinen Betrug in seinem Munde erfunden, und du wirst auch keinen erfinden in der Zeit, die dir und der Kirche noch übrig ist bis hin an ihre Grenze. Seine ersten Weissagungen sind Ja und Amen geworden, und die letzten werden es auch. -  
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-Der Glaube an die Zukunft des Herrn ruht auch auf unserm eigenen Denken. Wer mit dem Saattuche still durch sein Feld gehet, die weichen Furchen entlang, und ausstreut guten Samen auf seinen Acker, ist der nun fertig? Kommt der nicht wieder? Lässt er es nun wachsen und reifen, wie es will? O nein, er kommt zur Zeit in festem Schritt mit der Sense, und lässt sie hinrauschen durch die vollen und leeren Halme. Dein Herr hat auch gesät, er ist über das Land geschritten, das Johannes mit dem Pflug der Bußpredigt ausgerissen hatte. Er hat gesät bis in seinen Tod. Vom Kreuze herab hat er die Saat noch mit seinem teuren Blut begossen. Soll er nun nicht kommen zur Ernte? Ja er wird kommen. -  
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-So Jemand ein Netz aufgestellt hat in den Fluss oder in das Meer, so geht er von dannen. Kommt er denn aber nicht wieder? Ja er kommt wieder, er wird es zuziehen, er wird es ans Land ziehen, er wird zusehen, was er gefangen hat. Er wird die guten Fische auslesen in seine Gefäße, und die schlechten wird er wegwerfen. - Der Herr hat auch ein Netz aufgestellt. Das Netz ist seine Kirche. Er dehnt es immer weiter aus, damit es den ganzen Strom des Menschengeschlechts bespanne. Soll er nun nicht kommen und sein Netz zusammen und ans Land ziehen? Ja er wird kommen am letzten Tage. Er wird es an das einzige feste Ufer des großen Meeres ziehen; dies Ufer und Land ist sein ewiges Reich. -  
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-Der du aber dieser evangelischen Lehre lachst, was dünket dich um die Welt und ihre Zukunft? Soll es ewig so fortgehen: geboren werden und sterben, freien und sich freien lassen, einmal ein Krieg und eine Pest, dann wieder Friede und Gesundheit, heute das Angesicht voll Lachen und morgen voll Tränen? Soll die Welt ein ewiger Kirchhof sein, wo fort und fort die Geschlechter in den Staub sinken, und aus dem Staub immerfort neue Geschlechter sich erheben? Soll die Sünde wuchern fort und fort ohne Maß und Ziel, und in neuen Formen und Farben sich erheben? Und soll das Reich Gottes einen ewigen Kampf kämpfen, ohne einst ein Siegeslied zu singen, ohne ein letztes, volles Halleluja? Nein, so wahr Gott die Welt geschaffen hat mit seinem Wort, so wahr er den Erneurer, seinen lieben Sohn gesandt hat, so wahr wird er einst ihre Erneuerung vollenden. Himmel und Erde werden vergehen, aber seine Worte werden nicht vergehen. Die Stunde aber, wann des Menschen Sohn kommen wird, weiß Niemand, denn allein der Vater. Darum 
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-=====III. Christ, mach dich fertig und steh auf der Wacht, Er kommt sonst wie ein Dieb in finstrer Nacht.===== 
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-Der ganze Schluss unseres Evangeliums ist eine große Warnung. „Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig sein möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohne.“ Zwei Dinge sind es besonders, die uns in diese Sicherheit einwiegen vor dem Tode und vor dem Kommen des Herrn. Es ist die Lust des Lebens, es ist der Genuss, der den Tag und den Abend seine Befriedigung gefunden hat und den Morgen wieder nachdenkt, wo er sie heute finden soll. Du siehst darin wohl um dich, du siehst wohl unter dich. Du hebest auch in Freude und Mut deines natürlichen Menschen dein Haupt empor, du reckest es hoch auf. Aber willst du dabei sehen, ob sich deine Erlösung naht? Nein, du willst ja nicht los sein, du zitterst vor der Erlösung, die dir keine Erlösung ist. Du reckst und streckst dich, um zu zeigen, wie wohl du in deiner Lust zu Hause bist, und wie du nicht heraus willst. Erst musst du das Haupt mit Demut niedersenken lernen, erst musst du arm werden in dem Herrn, erst musst du fühlen, dass deine Freude Nichts ist, als wilde Blumen um ein hohles Grab - dann lernst du dein Haupt emporheben und aufschauen nach deiner Erlösung. -  
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-Das ist die eine Hälfte unter uns. Die andere geht einher verstrickt in Sorgen des Lebens. Sie sieht zur Erde nieder. Sie singt das Klagelied: „Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden?“ O du Sorgenkind, soll dich denn dein Sorgen um den köstlichsten Ausblick betrügen? Tue nach Gottes Ordnung was in deinen Kräften steht. Dann lass ihn sorgen. „Schaue die Vögel unter dem Himmel an, die nicht säen und nicht ernten und nicht in die Scheuern sammeln. Und dein himmlischer Vater nähret sie doch. Bist du denn nicht viel mehr denn sie? Schaue die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen. Sie nähen nicht, sie spinnen auch nicht. Und doch sage ich dir, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen eins. Bist du denn nicht viel mehr denn sie?“ Wie tief ist aber die Sicherheit, in die uns die Freude und die Sorge dieser Welt wieget! Wenn dir Jemand gewiss verkündigen könnte: „In vier Wochen wirst du sterben,“ ei, würdest du da auf deiner Sicherheit herausgeschreckt! Du schlössest deine Rechnungen, du machtest dein Testament, du suchtest das Angesicht deines Gottes, du lägest vor ihm auf den Knien, dass er dir ein seliges Ende bescherte. In deinem Haus wärst du ein Engel des Friedens, es ginge so still darinnen her, als ob es ein Vorhof zum Himmel wäre. Deine Kinder sprächen leise untereinander: „Lasst uns in Liebe und in der Furcht Gottes wandeln mit dem Vater, denn er geht bald von uns.“ Ja, ich glaube, du gingest zu deinem Feinde, reichtest ihm die Hand und sprächest: „Mein Bruder, mir ist mein Sterbetag angesagt, wir haben einen alten Hader miteinander; wir wollen unsere Feindschaft nicht erst in den Sarg legen und sie da vermodern lassen; wir wollen sie noch tilgen, dieweil wir im Leben sind. Ich vergebe dir, so wahr ich hoffe, dass mir mein Gott meine Sünde vergebe; vergib du mir auch.“ Und dann ließest du den Tag still herbeikommen und beföhlet dich in Gottes Barmherzigkeit in Christo seinem Sohne. Das tätest du, wenn du wüsstest, dass du in vier Wochen stürbest. Nun bist du aber nicht eine einzige Stunde sicher. Wer sagt dir denn, dass du noch einen Termin von vier Wochen hast? Über Nacht kann der Herr deine Seele von dir fordern. Und da kannst du Tage und Monden hinleben, ohne deine Rechnung mit Himmel und Erde zu machen, ohne deinen Frieden mit Gott und Menschen zu schließen? Sonst fährst du so klüglich; wo ist denn hier deine Klugheit? In deiner Sicherheit kommt der Tag des Herrn wie ein Fallstrick über dich. Hiobs Söhne und Töchter saßen und aßen und tranken im Haus des erstgeborenen Bruders. Da fasste ein Sturm das Haus an seinen vier Ecken, und das Haus erschlug sie allzumal, Belsazar, der Chaldäerkönig, saß zu Babel mit seinen Höflingen und Weibern beim lustigen Mahl. Da schrieb eine ungesehene Hand an die Wand: „Ich habe dich gewogen und zu leicht gefunden.“ Da erschrak der König, dass ihm die Lenden schütterten und die Beine zitterten. In der Nacht brachen die Perser herein, und der Chaldäerkönig ward getötet. -  
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-Dein Leben hängt an keinem festeren Faden, als das der Kinder Hiobs und des Chaldäerkönigs. Es kann gar leicht im Leben ein solcher Unterschied zwischen zwei Sonntagen sein, wie zwischen zwei Sonntagen im Wort. Die Ankunft deines Herrn zum Gericht kann so nahe sein wie die des Perserkönigs. Du hast so wenig einen Sicherheitsbrief wie Jene, nicht einmal einen Heimatsschein auf etliche Jahre. Wohlauf denn! Reiß dich los aus den Banden der Lust und Sorge. Sei wacker allezeit. Wache und bete. Stehe fest im Glauben. Heilige dem Herrn dein Leben. Stelle dir seine Zukunft fleißig vor. Und wenn du an das liebe Weihnachtsfest denkest, und es geht wie ein Freudenstrahl der Gedanke durch die Seele: „Der Herr ist gekommen sanftmütig,“ dann mag dich auch der andere durchzittern und durchschauern: „Er wird kommen in Herrlichkeit und Macht, er kommt vielleicht bald.“ Tue es, es dient dies zu deinem Frieden. Ja, tu es, Christ, sei auf dein Heil bedacht. Sei allzeit fertig und steh auf der Wacht, Sonst kommt wie ein Dieb in finstrer Nacht. Amen. 
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-======Bomhard, Georg Christian August - Am zweiten Sonntag des Advents.====== 
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-Nur wer dich kennt und liebt, du ewiger Brunnquell der Wahrheit und des Lebens, du starker Hort und Helfer der Deinen - wer sich im Glauben treu mit dir vereinigt und auf deine Verheißungen, auf deine Gewalt und Gnade seine beste Zuversicht setzet: der nur wird das köstliche Ding eines festen Herzens erlangen; der wird nicht mehr irre gemacht durch die wechselnden Meinungen der Menschen; der sieht sein Glück, seinen Frieden unerschüttert bleiben, wenn auch die Erde wankt und bebet und der Himmel Kräfte sich bewegen; der sieht mit Verlangen deiner Zukunft entgegen und tritt mit getrostem Christenmute vor deinen Richterstuhl; der hebt, wenn diese Welt vergeht, sein Haupt hoffend zu dir auf, darum dass seine Erlösung sich naht. O Herr, welch ein unschätzbares Gut ist für uns arme Sterbliche die rechte Erkenntnis deiner Majestät, die Liebe zu dir, die unbewegliche Hoffnung auf dein Heil! Hilf uns, dass wir darin wachsen und zunehmen mögen, so lange wir hier sind! Mache unsere Herzen immer mehr gewiss, ruhig, stark, hoffnungsvoll in dir, der du allein unsere Stärke und unsere Zuflucht bleibst ewiglich! So werden wir allezeit dein teuer wertes Wort an uns bestätigt finden: „Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt; euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“ Amen. 
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-„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenn gleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. - Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schutz! Sela.“ Es ist ein großer, kühner Sinn, der in diesen Worten des sechs und vierzigsten Psalmes sich ausspricht - ein erhabenes herrliches Gottvertrauen, die Ruhe eines frommen Gemütes in den Vaterarmen des Allmächtigen, was sich hiermit zu erkennen gibt. Was lässt sich Fürchterlicheres denken, als die Dinge, von denen der Verfasser des Psalmes hier redet - die Schrecken eines Erdbebens, die mit diesem wütenden und wallenden Meere, mit diesen wankenden und fallenden Bergen so deutlich uns vorgestellt werden? Wo umringen den Menschen größere Gefahren und Nöte, als unter solchen gewaltsamen Erschütterungen der Natur? Was lässt sich durch Menschenklugheit und Stärke weniger aufhalten, ändern und abwenden? Wann müsste sich der Sterbliche seiner Ohnmacht und Hilflosigkeit mehr bewusst sein? Was droht allen unsern äußerlichen Besitzungen und Gütern und unserm Leben selbst einen gewisseren und schnelleren Untergang? Wir haben Schilderungen von denen, die als Augenzeugen solche schauervolle Ereignisse erlebten; sie stimmen einmütig darin überein, dass unter allen übrigen Naturbegebenheiten an Entsetzen nichts damit verglichen werden kann, dass große Erdbeben ganz von denselbigen Erscheinungen begleitet sind, von welchen nach dem Zeugnis der Schrift das nahe Ende der Welt angekündigt werden wird; dass der blutige Schein der Sonne, die den Tag in Nacht verwandelnde Finsternis, das Leuchten der Flammen, die aus den Wolken herab und aus der Tiefe herauf fahren, das donnernde Getöse, das Brausen der Meereswogen, das Zittern, Wanken und Fallen der Berge - sie stimmen überein, dass dieses alles zusammen die vollkommenste Vorstellung von dem Einbruche des Jüngsten Tages in der Seele erweckt. 
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-„Wir aber, sagt der Prophet, fürchten uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenn gleich das Meer wütete und wallte, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen!“ Ist es nicht ein allzu kühnes stolzes Wort, das er hiermit redet? Grenzt es nicht an eitle Ruhmredigkeit, an Vermessenheit, wessen hier der Bewohner des Staubes sich rühmt? Wo sollte dem schwachen Sterblichen solch eine Stärke und Unerschrockenheit herkommen? Was hat die arme Erde und Asche für einen Schutz, für eine Zuversicht, um solchen Schrecknissen unverzagt trotzen zu können? - 
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-Der fromme Verfasser des Psalmes beantwortet uns diese Fragen zur vollen Genüge; er zeigt uns, dass es nicht törichter Leichtsinn, nicht strafbare Anmaßung, nicht ein kindisches Prahlen mit einem in der Gefahr dahin schwindenden Mute ist, was ihm diese getrosten Worte in den Mund gegeben hat. „Gott, sagt er, ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben: der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schutz.“ Gewiss, wenn er uns diese Zuversicht als die Quelle seines Mutes, seiner die Welt verachtenden Tapferkeit nennt, so können wir nichts dagegen einwenden, so müssen wir ihm Recht geben, so begreifen wir die Möglichkeit und die Hoheit einer solchen Gesinnung. Wer sagen kann: „der Herr ist mein Licht und mein Heil,“ der kann auch hinzu setzen: „vor wem sollte ich mich fürchten?“ Wer sich's bewusst ist: „der Herr ist meines Lebens Kraft,“ der darf auch mit der höchsten Unerschrockenheit und Siegesfreudigkeit fragen: „wovor sollte mir grauen?“ 
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-Gibt es nun eine Gesinnung, die wir uns unter den mancherlei Beängstigungen und Gefahren dieses Lebens herzlicher wünschen möchten, als diese? Halten wir nicht alle einen allezeit getrosten Mut, eine auf Gottes Macht und Gnade gebaute Nutzen der Seele für ein großes Gut? Fühlen wir nicht alle tief die Wahrheit und Bedeutung jenes schönen Spruches: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde?“ Wohlan, lasst uns darüber nachdenken, worin diese köstliche Festigkeit des Herzens besteht und wie gewiss sie niemals dem fehlen kann, dessen Zuversicht und Stärke der Herr ist. Die Worte des sechs und vierzigsten Psalmes, an die wir euch jetzt erinnert haben, stehen in einem genauen Zusammenhange mit unserm heutigen Evangelio, und wenn dort der Fromme spricht: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben; darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,“ so hören wir in unserm Evangelio den Herrn uns ermahnen, selbst unter den Schrecknissen des Jüngsten Tages getrost unsere Häupter aufzuheben, darum dass unsere Erlösung sich naht. Mögen alle das können! Wir bitten Gott darum in dem Gebete seines lieben Sohnes. Vater unser rc. 
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-Evangelium: Luc. 21, 25 - 36. 
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-Fürchterliche Dinge sind es, von denen der wahrhaftige Mund Christi in diesem Evangelio redet. Über der Zukunft schweben seine Gedanken; schreckliche Veränderungen, die auf Erden bevorstehen, schaudervolle Ereignisse im ganzen Gebiete der Natur zeigt seine Allwissenheit den Seinigen in den Fernen der Zukunft. Es fehlt zwar nicht an Auslegern, die in dieser Rede des Herrn nur eine Weissagung von dem Untergange Jerusalems und von den traurigen Umständen zu finden meinen, von welchen dieses Ereignis begleitet war. Es ist indessen ohne Zweifel weit vorzuziehen, nach dem Vorgang des ganzen christlichen Altertums diese Rede Christi vielmehr von dem Ende der Welt und von seiner zweiten Zukunft zum Gerichte zu verstehen. Der ganze Zusammenhang spricht dafür. Doch mag man sich für die eine oder für die andere Ansicht dieser Worte Christi entscheiden, soviel ist gewiss, Zeiten der allgemeinen Not, der Furcht, des Jammers und des Schreckens sind es, die er hier vorausverkündigt, und Unerschrockenheit, Gelassenheit, feste Ruhe der Seele, frohe Hoffnung auf ihn und auf ihre nahe Erlösung ist es, was der Herr auch in solchen Zeiten von den Seinigen fordert. Kann nun der Christ allezeit, selbst unter dem Druck des härtesten Schicksals und unter den furchtbaren Vorboten der letzten Veränderung, die dieser Erde oder doch ihm selber bevorsteht, diese Ermahnung seines Erlösers befolgen, diese Sündhaftigkeit der Seele beweisen? Gewiss, der Glaube, der wahre christliche Glaube vermag das, und hat es unzählige Mal schon bewiesen. Wir werden uns hievon leicht überzeugen, wenn ich euch unter dem Beistande Gottes jetzt kürzlich darstelle: 
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-=====Das feste Herz des gläubigen Christen.===== 
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-„Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“, sagt die Heilige Schrift. Was versteht sie unter einem festen Herzen, und warum nennt sie es ein köstlich Ding? Sie versteht darunter ein Gemüt, welches das unveränderliche Ziel seiner höchsten Wünsche, die Aufgabe und Absicht seines Daseins in Gott gefunden hat, welches all sein Hoffen, sein ganzes Glück allein auf den unbeweglichen Felsen, auf Gott gründet und baut; das nun durch keinen Sturm des Schicksals, durch kein Drängen und Treiben der Welt, durch kein Locken der Lust, durch kein Schlagen und Verwunden des Unglücks, durch kein Widersprechen der Menschen, durch kein Zweifeln des Verstandes sich mehr irre und wankend machen lässt; ein Gemüt, das im höchsten zeitlichen Glück mit einem Paulus denkt: „Ich achte es alles für Kot und achte es für Schaden, auf dass ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde“; und das im tiefsten zeitlichen Leide mit einem Asaph spricht: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ Diesen Mut, welcher die Welt überwindet, diese Ruhe der Seele, welche durch keine Unruhe der Zeit mehr zerstört werden kann, erlangt der Mensch nur durch den christlichen Glauben, und auch durch diesen nicht auf einmal, sondern durch lange treue Gewöhnung und Übung. Wohl oft hat vorher das Gemüt gewankt, bis es endlich diese Festigkeit gewann, wohl manche Unruhe hat das Herz bewegt, bis es endlich diesen Frieden fand; wohl mancher andere Grund ist vorher treulos eingestürzt, bis die Seele endlich auf diesen Felsen ihr ganzes Hoffen gebaut hat. Ist aber der Christ durch die Erkenntnis seines Erlösers und durch die Liebe zu ihm, ist er durch die Gnaden-Wirkungen des Heiligen Geistes so weit gekommen, steht er auf diesem festen Berge des Glaubens, so erquickt ihn dort, wie Moses auf dem Berge Nebo, ein heller Blick in die Herrlichkeit des verheißenen Landes, so fühlt er sich erhaben über den unruhvollen Wechsel irdischer Dinge, und weit entfernt von Gram und Unmut über die Flucht der Zeit und Vergänglichkeit dieser Welt, sehnt er sich vielmehr abzuscheiden und daheim zu sein bei dem Herrn, welches viel besser wäre. Doch lasst uns das feste Herz des gläubigen Christen näher betrachten. Wir sagen von ihm zunächst: 
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-=====Sein Glaube hängt nicht von den Meinungen der Menschen ab. ===== 
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-Was ist beweglicher, veränderlicher, unaufhörlicheren Berichtigungen und Läuterungen unterworfen, als Menschenwort, Meinung und Weisheit? Wer fühlt sich nicht von Erstaunen und Bewunderung, aber auch von einer gewissen Wehmut bewegt, wenn er die Anstrengungen bedenkt, mit welchen der menschliche Geist von jeher nach Wahrheit gerungen hat, die Bemühungen, welche die ausgezeichnetsten Denker unter allen Völkern von Alters her daran gewendet haben, die höchsten Gegenstände unserer Wissbegierde aus eigener Kraft zu erkennen, und etwas Gewisses, Klares, Unwandelbares darüber aufzustellen? Wie seltsam und betrübend ist es, die Widersprüche zu sehen, welche die Weisen nach dem Fleische in den wichtigsten Dingen einander entgegen setzen, die Kämpfe, die sie unter sich führen, die Lehrgebäude, die von diesen aufgeführt, von jenen gestürzt werden, die Grundsätze, die eine Zeit bewundert und eine andere anficht und verwirft, die Irrtümer, welche die nachfolgenden Geschlechter in den Einsichten und Erkenntnissen der früheren entdecken - das Ungewisse, Schwankende, einer immer fortschreitenden Berichtigung und Ergänzung Bedürftige, welches auf dem Gebiete der Wissenschaft sich zeiget? Wehe uns, wenn, diese Wechsel, Schwankungen und Ungewissheiten auch in unsern heiligsten Erkenntnissen und Überzeugungen Statt finden sollten, wenn wir fürchten müssten, die künftigen Tage möchten als Irrtum nachweisen, was uns die erhabenste, teuerste, beglückendste Wahrheit ist! Wehe uns, wenn es das Wort der Menschen, wenn es Menschenrat und Meinung wäre, worauf unser Glaube beruhte! „Der sterblichen Menschen Gedanken sind misslich und ihre Anschläge sind gefährlich!“ 
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-Preis dem Herrn! Was auch ungewiss, schwankend, der Veränderung und Verbesserung fähig sein mag auf Erden - unser Christenglaube ist das nicht! Denn dieser beruht einzig und allein auf dem Worte Gottes. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ So spricht der König der Wahrheit im heutigen Evangelio. So haben sich seine Worte seit achtzehnhundert Jahren bewiesen; so stehen sie noch heute in ihrer ganzen unerschütterlichen Wahrheit, Hoheit, Gültigkeit und Majestät da und werden so von allen erleuchteten und gottliebenden Seelen erkannt; so werden sie sich noch ferner beweisen in alle Ewigkeit. Wie freut sich der Christ des untrüglichen, unwandelbaren Wortes, welches ihm derjenige gesagt hat, der aus des Vaters Schoß kam! Wie ruhig, fest und glücklich fühlt sich sein Herz im Besitze dieses teuer werten Evangeliums! Wie unbesorgt und gelassen blickt er auf den Streit der Meinungen, auf den Kampf der Parteien, wovon die Welt immer bewegt wird, und weiß, dass das Heiligtum seines Glaubens davon nicht erschüttert, nicht berührt werden kann. Streitet euch, ihr Gelehrten, um das Eine, was Not ist; forscht, ihr Weisen dieser Welt, nach der heiligen Wahrheit, als ob sie noch nicht offenbart wäre, zweifelt, ihr Sadduzäer, an den erhabensten Offenbarungen Gottes, und verwerfet sie mit großer Unverschämtheit; stellet, ihr scharfsinnigen und hochmütigen Geister, Untersuchungen aus eigener Vernunft an über das Wesen der Gottheit, über die Natur und Bestimmung des Menschen, über Hohes und Tiefes, Gegenwärtiges und Zukünftiges, Himmel und Hölle - stellet darüber Untersuchungen an wie ihr wollet, und bringet heraus, was ihr könnt; baut auf und reißet nieder, suchet euch hier einen Meister und dort einen, bewundert heute diesen und morgen jenen als den Inbegriff aller Weisheit! Ich aber, spricht der Christ, habe nichts zu fürchten von eurem Suchen und Zweifeln, Annehmen und Verwerfen, Bauen und Einreißen; ich gedenke an jenes liebevolle tröstliche Wort meines Erlösers: „Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, dass du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbart; ja Vater, es ist also vor dir wohlgefällig gewesen!“ Ich fühle und erfahre die Richtigkeit seiner Erinnerung: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen;“ „So Jemand will des Willen tun, der mich gesandt hat, der wird inne werden, ob meine Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede.“ Ich spreche mit Paulus: „Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, dass er mir meine Beilage wohl bewahren wird bis an jenen Tag.“ Ich befolge den Rat des Apostels: „Lasst euch nicht mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade!“ - Ja, fest ist das Herz des gläubigen Christen; denn, bemerken wir ferner: 
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-=====Sein Glück beruht nicht auf der Welt. ===== 
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-Voll ist zwar diese Erde von Gütern und Annehmlichkeiten mancher Art, die etwas Schmeichelhaftes, etwas Glänzendes und Lockendes für den Menschen haben, in denen der Fromme schmeckt und sieht, wie freundlich der Herr ist; einen unermesslichen Reichtum der mannigfaltigsten Gaben bieten uns die Kreaturen dar, einen unerschöpflichen Schatz der angenehmsten Genüsse, der willkommensten Verheißungen scheinen sie für uns zu enthalten. Allein nur das Herz des unerfahrenen Toren lässt sich dadurch täuschen. Was ist ungewisser, mehr dem Wechsel, der Vergänglichkeit unterworfen, als jedes äußerliche Gut? Was ist trüglicher und flüchtiger, als irdische Freuden? Ist auch unter allem, was sichtbar ist, ein Gut zu finden, welches zuverlässig, bleibend, wahrhaft beglückend genannt werden könnte? Waltet nicht über diesem allen, und zwar desto mehr und fühlbarer, je näher es mit dem Menschen in Beziehung kommt, mit unerbittlicher Strenge das Gesetz der Veränderlichkeit, der Vergänglichkeit? Ist nicht Jugend, Gesundheit und Schönheit, Ruhm und Ehre bei der Welt, Reichtum und Ansehen, und selbst das süße Glück, welches wir im Besitz und in der Liebe der Unsrigen empfinden, immer vom Verlust bedroht, gewiss über ein Kleines dem Aufhören unterworfen? Hat nicht diese Welt auch ein furchtbares Heer von unzähligen schmerzlichen Übeln aller Art, die einer großen Zahl von Menschen fast alles äußere Wohlbefinden verwehren, die jedes Erdenglück drohend umringen und es oft plötzlich in Jammer verwandeln, die uns mit erschütternder Stimme die Wahrheit predigen: „Es ist alles ganz eitel?“ O merkwürdige Warnung der Weisheit: „Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was heute noch sich begeben wird!“ O täglich neu werdende Erfahrung Hiobs: „War ich nicht sicher, war ich nicht fein stille, hatte ich nicht gute Ruhe? Und kommt mir nun solche Unruhe!“ Wehe dem, dessen Glück auf den Kreaturen beruht! Sein Herz kann keine wahre Ruhe finden, sein Haben ist schon ein Verlieren, sein Besitz ist ein täuschender Traum, sein Glück ist ein fallend Laub; „denn das Wesen dieser Welt vergeht!“ 
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-Aber das Glück des gläubigen Christen beruht auf dem Unsichtbaren, nicht auf dem Sichtbaren, auf dem Ewigen, nicht auf dem Zeitlichen, auf Gott, nicht auf der Welt. Darum ist sein Herz ein festes, und sein Friede erhöht über die Angriffe der Zeit und des vergänglichen Wesens. Er kann sagen: Fliehet von mir, wenn es so sein muss, ihr angenehmen Güter und Freuden der Erde - ich habe nicht in euch meinen Frieden gesucht, so werdet ihr ihn auch nicht mit euch dahin nehmen! Bringet her, ihr Menschen, wenn es nicht anders sein soll, Verachtung, Hass, Verfolgung, Bitterkeit - es wird schmerzen, aber ich habe nie von eurer Gunst mein Heil erwartet, darum könnt ihr mir's auch nicht rauben! „Sei du mir nur nicht fürchterlich, Gott meine Zuflucht in der Not!“ Wendet euch alle gegen mich, wenn es Gottes Ratschluss so fordert, ihr scharfen Pfeile des Unglücks, des Schmerzes, der Not und Bedrängnis, rauscht heran, ihr furchtbaren Wellen und Wogen der Trübsal - ich werde mich wohl tief gebeugt fühlen, aber ich habe mein Glück nicht auf den Sand, sondern auf einen Felsen gebaut, darum wird es wohl bleiben! Selbst wenn erscheint, wovon der Herr im heutigen Evangelio redet, und was allem irdischen Glück, aller Herrlichkeit des Fleisches ein schnelles Ende macht, wenn Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen und der Himmel Kräfte sich bewegen werden, wenn das Meer und die Wasserwogen brausen, wenn die Menschen verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden, und heulen alle Geschlechter auf Erden - selbst dann ist es nicht mein wahres Glück, dem eine Gefahr droht, selbst dann kann ich getrost sagen: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns troffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenn gleich das Meer wütete und waltete und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind; Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben, Gott hilft ihr frühe. Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schutz!“ - Fest ist das Herz des gläubigen Christen; denn: 
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-=====Seine Gerechtigkeit steht nicht in seinen eigenen Werken. ===== 
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-Soll unsere Hoffnung auf Gott nicht eitel, soll unser auf seine Gnade gebautes Glück nicht ein Traum sein, so müssen wir gerecht vor ihm erfunden werden, so müssen wir durch ihn selbst versichert sein, dass nicht sein Zorn, sondern seine Gnade über uns waltet, dass nicht die Strafen, sondern die Freuden seiner Ewigkeit auf uns warten. Ernste Betrachtung - bedenkliche Untersuchung, die uns hier entgegen tritt! Ein Gesetz des Herrn ist uns vorgeschrieben, welches alle Kräfte unseres Wesens, alle Augenblicke unserer Zeit, alle unsere Werke, Worte, Gedanken und Empfindungen ohne Unterlass in Anspruch nimmt, unter seine strengen Forderungen stellt, welches wir vollkommen zu erfüllen schuldig sind, da dem vollkommenen Gott kein Stückwerk genügen kann, welches den Fluch seinen Übertretern droht. Das wissen wir, sobald wir nur einigermaßen das Wort Gottes verstehen und auf die Stimme unsers Gewissens merken gelernt haben. Ein Herr in der Höhe wacht über die Vollziehung dieses Gesetzes, ein Herr, dessen Augen offen stehen über alle Wege der Menschenkinder, der nicht getäuscht, nicht bestochen, nicht geschreckt noch zurückgewiesen werden kann, der die Heiligkeit und Gerechtigkeit selbst ist, der uns erforscht und kennt, unendlich besser, als wir selber uns kennen. Eine Rechenschaft wartet auf uns, in welcher ans Licht kommen, was im Finstern verborgen ist, und der Rat der Herzen offenbar werden soll, eine Rechenschaft von jedem unnützen Worte, das wir geredet haben. Ein Gericht steht uns bevor, in welchem ein Jeglicher empfangen soll, je nachdem er bei Leibes Leben gehandelt hat, es sei gut oder böse gewesen, ein Gericht, welches über ewiges Leben oder ewigen Tod, über unsere Seligkeit oder Verdammnis entscheidet. Fürwahr, das sind Gewissheiten, die den erleuchteten, nachdenkenden, sich selbst recht prüfenden und erforschenden Menschen, dem es mit der Erfüllung des Gesetzes, mit dem Trachten nach dem Himmel ein Ernst ist, in die peinlichste Furcht und Unruhe versenken, ihm den Frieden seiner Tage rauben, ihm jeden nähern Schritt zur Ewigkeit zum Schrecken und Entsetzen machen würden, wenn es seine eigene Tugend und Gerechtigkeit wäre, auf die er sich vor Gott verlassen müsste! Denn was ist gewisser, als dass der Christ immer deutlicher seine Unvollkommenheit erkennt, je mehr das Licht des Heiligen Geistes seine Augen erleuchtet; immer unzufriedener mit sich selbst wird, je ernstlicher er nach dem Beifall Gottes trachtet; immer lebhafter seine Schwachheit fühlt, je mächtiger die Kraft des Herrn in ihm wirkt; immer demütiger sich vor dem Herzenskundiger beugt, je gewisser das Werk seiner Heiligung im Zunehmen begriffen ist? Damm weiß er nichts von jener Selbstgenügsamkeit, von jenem pharisäischen Vertrauen ans seine eigene Gerechtigkeit, wovon die unwissende und ungeheiligte Seele des Unchristen gewöhnlich so voll ist, und welches so kläglich zu Schanden weiden wird vor dem Herrn am Tag seiner Zukunft. 
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-Aber darum lernt der Christ von Tag zu Tag immer inniger und dankbarer sich desjenigen freuen, der, nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst gemacht hat, sich gesetzt hat zu der Rechten der Majestät in der Hohe, der an unserer Statt das Gesetz vollkommen erfüllt hat und dessen Gehorsam nun den Gläubigen von Gott zugerechnet wird, der den Fluch des Gesetzes von uns abgewendet hat, da er ward ein Fluch für uns. Für ihn nun, den gläubigen Christen - bei aller seiner Kenntnis des Gesetzes und der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, bei aller seiner Ehrfurcht davor, bei all seinem tiefen Gefühl seiner Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit - für ihn hat das Furchtbarste, was es für den Sünder gibt, das Gericht Gottes, der Tag der Rache und Vergeltung über die Übertreter, keine Schrecken mehr. Er fühlt: „Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum.“ Er kann sagen: Rede immerhin, mein Gewissen, deine ernste erschütternde Sprache; tretet auf, ihr traurigen Erinnerungen an die Sünden meiner vergangenen Jahre; zeugt wider mich, ihr Menschen, gegen die ich mich verfehlt habe, ihr täglichen Schwachheiten und Untugenden meines Herzens, gegen die ich mit Seufzen noch kämpfe; beleuchte, o Gesetz des Herrn, mit deinen hellen erschreckenden Strahlen meine durchwandelten Pfade und mein Innerstes; enthülle vor meinen Augen deine furchtbare Herrlichkeit, Richterstuhl Gottes; ficht die Seele an, Verkläger der Menschen! Ich werfe mich in den Staub nieder vor dem Angesicht meines Gottes; ich kann an keine Entschuldigung und Rechtfertigung durch mich selbst denken - aber ich zittre nicht, ich verzage nicht! „Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blute;“ „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht! Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns!“ „Wir sind abgewaschen, wir sind geheiligt, wir sind gerechtfertigt durch den Namen unsers Herrn Jesu Christi und durch den Geist unsers Gottes.“ - Fest ist deshalb das Herz des gläubigen Christen; denn, wie hieraus erhellt: 
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-=====Sein Freund ist kein Sterblicher. ===== 
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-Auf Freunde traut und baut der Mensch, mehr als er selbst sich's bewusst ist; von der Einsicht, von der Macht, von dem Wohlwollen seiner Freunde hofft er gar Vieles. Und das ist an sich nicht zu tadeln; es ist uns das tief in unsere Natur gepflanzt, ist eine Einrichtung Gottes selbst, der unser Herz zur Freundschaft gebildet hat und durch die treuen Gefährten unsers Lebens uns des Guten unzähliges erzeigt. Auf die Beratung und Fürsorge zärtlicher Eltern stützt sich die hilflose Kindheit; an Freundesherzen schließt sich die Jugend an mit allem Feuer und Vertrauen der früheren Jahre; Freunde sollen uns die mühevollen Tage des männlichen Alters erleichtern und verschönern; von Freundeshänden hofft der schwache Greis Unterstützung und Pflege, sanfte Leitung auf dem rauen letzten Pfade. Brauche ich es jedoch erst zu sagen, wie wenig man oft auf menschliche Freunde sich verlassen kann, wie bitter sich das vertrauende Herz öfters von ihnen getäuscht sieht, wie unweise öfters ihr Rat, wie schädlich ihr Beispiel, wie kalt ihre Teilnahme, wie wandelbar ihre Neigung, wie falsch ihre Liebe ist? Und seien sie noch so erprobt, noch so weise, noch so redlich und liebevoll gegen uns - was ist es um alle unsere menschlichen Freunde? Seid uns mit herzlicher Liebe gegrüßt, mit Empfindungen des wärmsten Dankes vor Gottes Angesicht gerühmt und gesegnet, ihr befreundeten Seelen, deren Liebe uns oft so glücklich macht, deren Verhalten gegen uns ein unaufhörlicher Beweis der schönen Wahrheit ist: „Ein treuer Freund ist ein großer Trost des Lebens, ein treuer Freund ist mit keinem Geld noch Gut zu bezahlen, wer Gott fürchtet, der kriegt solch einen Freund!“ Aber ihr seid allzumal irrsam, ohnmächtig, wandelbar, sündlicher Natur, hinfällig, sterblich, wie wir; ihr seid gar oft alle nur leidige Tröster! Wehe uns und euch, wenn wir keinen weiseren, mächtigern, heiligeren, hilfreicheren, unwandelbareren Freund hätten, als einen armen vergänglichen Menschen! 
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-Heil uns, wir haben, wir haben diesen bessern Freund, der das Herz fest macht, der uns immer einen gewissen Rat, eine sichere Zuflucht, einen mächtigen Trost, eine unfehlbare Hilfe gewährt! Du bist dieser Freund, o mein Jesus! spricht die gläubige Seele; du erlaubst mir zu dir zu sagen: „Mein Freund ist mein und ich bin sein!“ Dieser gibt mir nie einen falschen Rat, denn er ist das Licht der Welt, in ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Dieser ist nie ferne von mir, denn er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Dieser ist nie zu schwach mir zu helfen, denn ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Dieser wird nie ungeduldig über mich, denn „barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte;“ „das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen.“ Dieser ändert sich nicht, denn „Jesus Christus gestern und heute, und derselbige auch in Ewigkeit!“ Dieser wird mich nie verleugnen, denn: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den werde ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Dieser stirbt mir nicht; er spricht vielmehr: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ - Weil der Christ einen solchen Freund hat, wie sollte er nicht das köstliche Ding eines festen Herzens haben? Weiß er doch durch diesen Freund gewiss: 
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-=====Seine Erlösung wird nicht ausbleiben. ===== 
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-Auf Befreiung von gegenwärtigen Übeln hofft der Mensch unter dem Drucke des Elends; nach kommenden besseren Tagen blickt er sehnend hinaus, um sich über seine Leiden zu trösten. Wird der Christ in dieser Hoffnung sich täuschen? Er weiß: „das Warten der Gerechten wird Freude werden.“ Was zeigt der Herr den Seinigen im heutigen Evangelio mitten unter den schauderhaften Erscheinungen, von welchen das Ende der Welt wird begleitet sein, mitten in dem wilden Tumulte der Elemente, der sich bewegenden Kräfte des Himmels, der von Gottes Allmacht zerstört und erneut werdenden Natur, mitten unter den Seufzern, Ängsten und Tränen der vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen, verschmachtenden Menschen auf Erden? Was zeigt er ihnen? Ach etwas unaussprechlich Tröstliches! Ein großes Licht der Freude lässt er ihnen aufgehen mitten in dieser Finsternis; eine glanzvolle Aussicht in die Zukunft eröffnet er vor ihren Augen; ein seliges Wort, welches unendlich mehr ausdrückt, als wir jetzt zu fassen vermögen, in welchem alle Reichtümer der göttlichen Gnade, alle erfüllten Weissagungen des Treuen und Wahrhaftigen, alle gekrönten Hoffnungen unserer Sehnsucht, alle Wunder der Allmacht und Liebe, die noch an uns sollen offenbar werden, alle Süßigkeiten des ewigen Lebens, alle Wonnen des Himmels enthalten sind, ein solches Wort spricht er hier zu den Herzen der Seinen. „Wenn solches alles ansähet zu geschehen“ - wenn alles zittert, wankt, bricht und fällt, wenn die Schrecken Gottes auf Sturmesflügeln durch die Welt rauschen und Engel der Rache ihre vollen Zornesschalen ausgießen über die Länder, wenn die Verzweiflung ihren Zepter über alles Lebendige auszustrecken und rings umher nur Verderben, Tod und Untergang zu herrschen scheint: dann, o meine Geliebten: „Seht auf, hebt eure Häupter auf, darum, dass eure Erlösung sich naht!“ Ich bin es, der da kommt, euch eure Fesseln abzunehmen, euern Kerker aufzuschließen, eure Tränen abzuwischen, euer Warten in Freude, eure Sehnsucht in Entzücken zu verwandeln - ich bin es, der da kommt, euch in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes im Himmel zu führen! 
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-O selige Verheißung, bald wirst du uns erfüllt sein! Ja Christen, sei auch der große Tag des Herrn noch ferne, der Tag unsers Todes, der Tag unserer Erlösung von allem Übel ist nahe. Mögen es furchtbare Zeichen sein, die diesen Tag uns anmelden, mögen noch bange Schauer das schwache Herz durchbeben, indem es brechen soll - wir wollen an das Wort denken: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns troffen haben!“- Wir wollen das sterbende Haupt zu unserm geliebten Heilande erheben, gewiss, dass unsere Erlösung sich naht. Wir wollen uns trösten: „der Herr ist nahe, sorgt nicht!“ 
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-Ja, Herr, du führest sie heran\\ 
-Die Stunde der Erlösung,\\ 
-Die Stunde, da ich hoffen kann\\ 
-Trost, Freiheit und Genesung;\\ 
-Da Engeln gleich\\ 
-Im Himmelreich\\ 
-Ich ewig werde leben\\ 
-Mit Herrlichkeit umgeben. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Brenz, Johannes - Zweiter Advents-Sonntag.====== 
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-1539. 
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-Luk. 21,25-36.\\ 
-„**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht, und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen; so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen; so seht ihr es an ihnen, und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen; so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden mögt, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll und zu stehen vor des Menschen Sohn.**“ 
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-Wir haben am vorigen Sonntag gehört, dass diese Zeit nach öffentlichem Sprachgebrauch die Zukunft des Herrn genannt worden ist. Obwohl aber Heuchler diese Anordnung zum Aberglauben missbraucht haben, darum haben unsere Altvorderen dennoch solchen Zeitabschnitt festgesetzt, damit es eine bestimmte Zeit gäbe, worin die Kirche belehrt würde über die Verheißungen der Zukunft Christi, sei es in das Fleisch, sei es zum Gerichte; damit wir nicht glaubten, die Religion des Christentums wäre eben erst entstanden, und damit wir bei dieser Gelegenheit zu der Sinnesänderung ermahnt würden, mit der wir Christum aufnehmen sollen, wenn er kommt. Es gibt aber eine zweifache und zwar öffentliche Zukunft Christi; denn insbesondere kommt er, wie man sagt, so oft Jemand auf Christum getauft wird und an ihn glaubt. Öffentlich nämlich ist er einmal gekommen in Niedrigkeit, geboren aus der Jungfrau Maria, als er gelitten hat, von den Toten auferstanden ist und sein Evangelium über den ganzen Erdkreis verbreitet hat. Und weil wir letzthin über diese erste, niedrige Zukunft Christi Etliches geredet haben, als wir vom Alter unserer Religion gemäß den Verheißungen des Alten Testamentes über die Zukunft Christi handelten: so wollen wir nun, meine Teuersten, 
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-**von der letzten Zukunft Christi** 
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-reden. Öffentlich wird Christus nämlich noch einmal in großer Herrlichkeit und Majestät kommen am Jüngsten Tag, um zu richten die Lebendigen und die Toten. 
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-Es ist aber notwendig, von solcher Zukunft mit Sorgfalt zu handeln. Denn die Frommen haben in den so großen Nöten dieser Welt, in solcher Unordnung und Verwirrung aller Dinge keinen anderen Trost, als den aus dieser Zukunft Christi, wodurch Alles in seine rechte Ordnung gefügt werden soll. Indem Paulus an die Thessalonicher schreibt, redet er von dieser Zukunft mit dem Zusatz: „So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander.“ (1. Thess. 4,18.) Und ferner spricht er (2. Thess. 1,6.7.): „Es ist recht bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbart werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft.“ Damit also die Frommen im Glauben und im Gehorsam des Glaubens erhalten bleiben, muss uns die Zukunft Christi in der Majestät immerdar vor Augen gestellt werden. Und obwohl die Gottlosen lachen, so oft von solcher Zukunft Christi die Rede ist, und vollständig das tun, was er im Gleichnis bei Matthäus (24,48-51.) von dem Knecht erzählt, der seine Mitknechte schlug, als der Herr zu kommen verzog: so ist dennoch erstens: Nichts gewisser als diese Zukunft. Denn die Schrift bezeugt schon vom Anbeginn des Erdkreises, der Heilige Geist habe offenbart, es werde ein allgemeines Gericht über die ganze Schöpfung stattfinden, wobei die Frömmigkeit ewig belohnt, die Gottlosigkeit aber ewig bestraft werden solle. Dem Kain predigt der Herr von jenem letzten und allgemeinen Gericht, wenn er (1. Mose, 4,7.) spricht: „Wenn du fromm bist, so bist du angenehm; bist du aber nicht fromm, so ruht die Sünde vor der Tür,“ d. h. sie wird nicht ungestraft bleiben. Das ist eine Predigt vom allgemeinen und letzten Gerichte Gottes. Und Judas (V. 14. 15.) bezeugt, der Erzvater Enoch habe von diesem Gerichte verkündigt: „Siehe! der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über Alle, und zu strafen alle Gottlosen“ usw. Danach haben auch die Propheten von dieser Zukunft Christi zum Gericht geredet, indem sie seiner ersten Zukunft Erwähnung tun. Denn wenn sie aussagen, Christus, ein König, werde Gericht und Gerechtigkeit handhaben und Alles in den rechten Zustand versetzen, so zeigen sie damit an, er werde zum Gericht kommen, aus dem Grunde, weil von Christo bei seiner ersten Zukunft durch die Predigt allein das offenbart worden ist, was nachher durch die Tatsachen selbst offenbart werden soll. Allein Christus selber, desgleichen seine Apostel, haben Nichts deutlicher erklärt, als das Christus zum Gerichte wiederkehren werde. Das ist aus den Evangelisten und den apostolischen Schriften zu bekannt, als dass es noch weiter ausgeführt werden müsse. Sind doch alle sonstigen Weissagungen der Schrift auch erfüllt worden! Als Noah lebte, ward von der zukünftigen Sündflut geweissagt, und dieselbe kam. Zu Abraham ist gesagt worden, Gott werde seinen Samen aus Ägypten befreien und ihm das Land Kanaan nach der Vertilgung der darin wohnenden Heiden geben, - und so ist es geschehen. Es ist gesagt worden, Christus würde in die Welt kommen und sein Reich durch die Predigt offenbaren, und es ist geschehen. Es ist gesagt worden, die Reiche Juda und Israel sollten verheert werden, und sie sind verheert worden. Es ist gesagt worden, die Juden würden aus Babylon nach ihrem Lande heimkehren, und sie sind heimgekehrt. Kurz all' und jede Vorherverkündigung in der Schrift ist wirklich erfüllt. Daher bleibt kein Zweifel übrig, dass auch diese letzte Zukunft Christi nicht, wie man zu sagen pflegt, von den Wölfen verschlungen ist, sondern aufs Gewisseste zu seiner Zeit offenbart werden soll. Das mag in Hinsicht der Zukunft Christi am Jüngsten Tage genügen. 
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-Nun wollen wir von der Art und Weise seiner Zukunft handeln. Was also wird die Weise der Dinge sein bei der Zukunft Christi? Was soll vorhergehen und was bei jener Zukunft geschehen? Das Evangelium, welches am heutigen Sonntag pflegt gelesen zu werden, redet von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen und wird gewöhnlich ausgelegt in Betreff der Zeichen, welche der zweiten Zukunft Christi vorangehen sollen. Obwohl wir nun an einem anderen Ort gezeigt haben, Christus rede in solcher Predigt vornehmlich von der Zerstörung der Stadt Jerusalem und dem Untergang des jüdischen Volkes zu der Zeit, als diese Zeichen in Erfüllung gingen: so wollen auch wir es dennoch von den Zeichen des Jüngsten Tages auslegen. Denn es ist wahrscheinlich, dass viele schreckliche Zeichen der allgemeinen Zerstörung des Erdkreises vorangehen werden; weil sie jedoch durch kein bestimmtes Zeugnis des Heiligen Geistes feststehen, lassen wir sie bei Seite und wollen uns mit dem beschäftigen, was aus der Schrift gewiss ist. Was nämlich jene äußerliche Schöpfung, den Himmel und die Erde, betrifft, werden, wie einst die Erde in der allgemeinen Sündflut untergegangen ist, so bei der Zukunft Christi die Elemente im Feuer zerschmelzen. So spricht Petrus (2. Petri 3,10 ff).: „Die Himmel werden zergehen mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen.“ Und nachher: „In welchem (Tage) die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung.“ 
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-Was aber Christum selbst anlangt, sagt der Apostel (1. Thess. 4,16): „Der Herr wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel.“ Und (Matth. 25,31): „Des Menschen Sohn wird kommen in seiner Herrlichkeit, und alle heiligen Engel mit ihm, und wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit.“ Was aber die Menschen betrifft, welche dann noch am Leben sind, so werden sie im Augenblick verwandelt, die Toten aber erweckt werden, und hervorgehen; die da Gutes getan haben, zum ewigen Leben, die aber Böses, in das ewige Feuer. Und eben diese Zeit es ist derjenige Tag, an dem alle Verwirrung und Unordnung in die rechte Ordnung gebracht werden soll. 
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-Es gibt aber auch keinen anderen Tag, an welchem Alles soll umgestaltet werden, außer diesem Tage. Vieles, ja Unzähliges ist in dieser Welt ungeordnet. Groß ist die Verwirrung, dass die Frommen unterdrückt werden, die Gottlosen dagegen glücklich leben; aber diese Verwirrung wird nicht eher umgestaltet werden, als bis jener Tag gekommen ist. Groß ist die Verwirrung der Dinge, dass man predigt, Christus habe den Satan überwunden, den wir noch so mächtig sehen, und die Sünde hange noch immer unserem Fleisch an; aber diese Verwirrung wird nicht eher geordnet werden, als bis jener Tag gekommen ist. Groß ist die Verwirrung, dass man predigt, Christus habe den Tod besiegt und vernichtet, und trotzdem wütet der Tod, beides gegen die Frommen, wie gegen die Gottlosen; aber diese Verwirrung wird nicht eher in die rechte Ordnung verwandelt werden, als bis jener Tag kommt, an welchem auch der Tod selbst ausgerottet werden soll. In bürgerlichen Geschäften ist Vieles verwirrt und ungeordnet, bevor das staatliche und bürgerliche Gericht stattfindet. Ein Bürger unterdrückt den andern und nimmt, was sein ist: was geschieht? Man wartet auf das Gericht, man wartet auf die öffentlichen Versammlungen der Landschaften oder Reiche, und da pflegt man die bürgerlichen Verhältnisse zu gestalten, wie es sich tun lässt. So ist auch fast Alles in dieser Welt verwirrt, soll jedoch in jener allgemeinen Versammlung geordnet werden, die Christus am Jüngsten Tage halten wird. Wie daher den Gottlosen dieser Tag furchtbar ist, so wird er den Frommen der willkommenste sein. Und wir müssen jetzt vor allen Dingen ins Auge fassen, dass Christus bei so großer Angst aller Menschen, welche dem Jüngsten Tag vorangehen wird, uns gebeut die Häupter aufzuheben, d. i. uns zu freuen, weil nun die Erlösung bevorstehe. Also, könnte man sagen, haben die Christen das gleiche Los wie Söldner, die das Unglück der anderen Leute für ihr gutes Glück halten? Darin scheint allerdings eine gewisse Ähnlichkeit zu liegen; allein die Frommen freuen sich nicht über das Unglück Anderer, freuen sich jedoch über ihre Erlösung, mit der es sich indessen also verhält, dass sie nicht erlöst werden, so die Gottlosen, d. i. die Welt, nicht zu Grunde gehen. Ein Beispiel ist die Zeit Noahs, die Zeit Lots, die Zeit der Israeliten unter Pharao. Diese Alle nämlich sind erlöst worden, indem die Gottlosen zu Grunde gingen, und haben sich gefreut, nicht über den Untergang der Gottlosen, sondern über ihre eigene Erlösung. So hast du nun Bericht über die Weise dieser Zukunft und über das, was sie bringen soll. 
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-Nun lasst uns von der Zeit derselben hören. Wann also, oder in welchem Jahre, oder an welchem Tage wird Christus kommen? Über die Zeit dieser Zukunft ist dasselbe zu sagen, was Christus über die Zerstörung Jerusalems sagt. Von diesem Tage, spricht er, weiß nicht einmal des Menschen Sohn. Er weiß es zwar nach seiner Herrlichkeit; nach seinem Amt aber, das er in dieser Welt versehen hat, weiß er es nicht. Und Paulus schreibt (1. Thess. 5,2.3): „Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht; wenn sie werden sagen: es ist Friede, es hat keine Gefahr,“ rc. Denn wollte Christus seinen Jüngern den Tag der Zukunft des Heiligen Geistes nicht anzeigen, welche doch nicht über vierzehn Tage entfernt war, wie man im ersten Kapitel der Apostelgeschichte liest: so hat er noch viel weniger den Tag dieser seiner letzten Zukunft bezeichnen wollen. Und obwohl Nichts gewisser ist als seine Zukunft, ist dennoch Nichts ungewisser als der Tag und die Stunde derselben. 
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-Die Tage unseres Lebens währen siebzig oder achtzig Jahre, und ist es mehr, so ist's Arbeit und Schmerz; und dennoch bereiten wir uns nicht zu rechter Zeit auf den Tod vor. Was würden wir also tun, wäre uns die Zeit des Jüngsten Tages bekannt? Ebendeshalb verbirgt uns Gott den Augenblick dieser Zeit, um uns zur Wachsamkeit zu ermuntern. Denn wie jeder große Festtag, z. B. Weihnachten, Ostern und Pfingsten, seinen heiligen Abend und die dazwischenliegende Nacht hat: so hat dieser größte Festtag, den es auf Erden geben wird, ebenfalls seinen heiligen Abend, nämlich unser ganzes Leben oder die ganze Zeit dieser Welt; so hat er auch seine Nacht, d. h. die Zeit, in welcher die Toten schlummern. Wie wir uns daher am heiligen Abend eines Festtages auf denselben vorbereiten, so sollen wir uns die ganze Zeit unseres Lebens hindurch auf jenen großen Festtag vorbereiten, um lauter und heilig den Herrn zu empfangen. „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen; und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit; auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun“ (Luk. 12,35.36). Unser Licht aber halten wir, wenn wir Christum durch den Glauben festhalten und seinem Rufe gehorchen. Um uns daher auf die Zukunft des Herrn vorzubereiten, müssen wir Christum lernen, damit wir in ihm die ewige und unvergängliche Glückseligkeit erlangen. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Frommel, Max - Am zweiten Sonntage des Advent.====== 
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-Es ist etwas eigentümlich Inniges und Sinniges um die liebe Adventszeit, so friedvoll und freudvoll und doch voll Harrens und Hoffens, so hell und klar wie der Ruf eines Herolds: „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe,“ und doch so geheimnisvoll und wehmütig wie die Klage des Türmers: „Hüter, ist die Nacht schier hin?“. Advent ist wie der Rüsttag vor dem Feste, wie der Vorhof vor dem Heiligen, wie die stille erwartungsvolle Morgendämmerung vor der aufgehenden Sonne. 
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-Das hat seinen Grund darin, dass wir als Christen von einem doppelten Advent wissen: von dem Kommen Christi ins Fleisch und von dem Wiederkommen Christi zum Gericht. Ja, unser ganzes Christenleben ist hineingestellt zwischen dieses doppelte Kommen unsers Zionskönigs und Friedefürsten: hinter uns die Welterlösung, vor uns die Weltvollendung; hinter uns die großen Taten Gottes, auf welchen unser Glaube ruht - vor uns die große Verheißung Gottes, auf welche unsere Hoffnung sich gründet. In dieser Doppelbewegung: von Christo her zu Christo hin! liegt der eigentümliche Zauber des Advents, weil er so ganz unserm Pilgrimstande hienieden entspricht. Denn wer an Christum glaubt, der sagt zwar: „Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott,“ er fügt aber hinzu: „Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.“ Er hebt an mit dem Triumph der Gewissheit: „Wir sind wohl selig“ fährt aber fort: „doch in der Hoffnung.“ Darum gehen bei Kindern Gottes die beiden Stücke gar wohl nebeneinander: „Stillesein“ und wiederum: „Gott loben in der Stille zu Zion.“ Ja, je tiefer die Stille des Gemüts, desto tiefer und voller erklingen die Saiten drinnen zu Dem, der da wohnen will unter dem Lobe Israels. In solche Adventsstille hinein lasst mich einen Psalm euch predigen, der mit dem doppelten Adventston vernommen sein will und welcher geschrieben steht: 
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-Psalm 126.\\ 
-**Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan; der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Herr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.** 
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-So sang Israel, wenn es hinaufzog gen Jerusalem zu den hohen Festen, und über Berg und Thal schollen seine Pilgerlieder, die Lieder im höheren Chor. Israel sang in schwerer Zeit, in einer Lage, die ihm däuchte wie ein Gefängnis, wie ein vom Sonnenbrand versengtes Feld, dürr und wasserlos, daher der Seufzer den Mittelpunkt des Psalms bildet: „Herr, wende unser Gefängnis, wie Du die Wasser gegen Mittag trocknest.“ Aber froh wurde Israels Herz, wenn es aus trüber Gegenwart rückwärts und vorwärts blickte, rückwärts in den Worten, mit welchen unser Psalm nach dem Grundtext beginnt: „Als der Herr die Gefangenen Zions erlöste, da waren wir wie die Träumenden.“ Denn als wir saßen an den Wassern zu Babel und unsere Harfen hingen an den Trauerweiden, als wir uns schon in die Gefangenschaft ergaben und Häuser gebaut und Felder gepflanzt hatten im fremden Lande, als da der Befehl des Aufbruchs erging, da waren wir wie die Träumenden, die es kaum glauben konnten, da war unsere Zunge voll Rühmens und unser Mund voll Lachens, da ging ein Staunen. selbst durch die Heidenvölker, und von Mund zu Mund ging die Rede unter den Heiden: „Der Herr hat Großes an ihnen getan.“ Und als wir die flüsternde Rede vernahmen, da scholl es laut von uns zurück: „Ja, der Herr hat Großes an uns getan.“ Aus diesem Blick rückwärts schöpfen wir nun auch die Zuversicht nach vorwärts, dass wenn wir auch jetzt mit Tränen säen, so wird doch ein Tag kommen, an welchem wir mit Freuden ernten werden. So sang Israel unsern Psalm als Pilgerlied. Meine Lieben, wir singen den Psalm neutestamentlich auch als Pilgerlied und wahrlich als Lied im höheren Chor, darum dass wir von einer höheren Erlösung wissen denn aus Babylons Gefangenschaft. 
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-Ein Adventslied der pilgernden Kinder Gottes. 
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-Wir singen es im Glauben als Lied der Erlösung, Wir singen unsern Psalm in der Hoffnung als Lied der Vollendung. 
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-Herr Jesu, Du Adventskönig, der Du überwunden hast und sitzt zur Rechten des Vaters, hilf uns, Deinen Pilgrimen, dass auch wir überwinden in Deiner Kraft und das Ende unsers Glaubens davon bringen, der Seelen Seligkeit. Amen. 
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-=====I.===== 
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-Das Leben eines Christen hienieden ist ein Pilgerleben, dem es an schweren Lagen, an Kämpfen und Tränen nicht fehlt, so wenig wie dem Volke Israel im Vorbild. Der Christ lebt mit seiner erlösten Seele in einem sterblichen Leibe wie in einem Gefängnis, wie auch Paulus sagt: „Dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert,“ und sein Leben gleicht oft einem Wandel in einem Felde, das von der Sonne verbrannt ist, dürr und wasserlos, wie Paulus sagt: „Wir müssen durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen.“ Daher bleibt der Mittelpunkt aller Leidensgebete eines Christen: „Herr, wende unser Gefängnis. Mach End', o Herr, mach Ende mit aller unserer Not.“ Was aber einen Christen auch unter den Leiden zum Lobgesang treibt und ihm den Mund fröhlich macht, das ist der Blick in die große Vergangenheit und der Blick in die große Zukunft. Aus dem, was der Herr ihm getan, schließt er mit Zuversicht auf das, was er noch an ihm tun wird, und dieser doppelte Blick lässt ihn singen auch im tiefsten Leiden. 
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-Wie lautet denn nun unser Psalm, gesungen im Glauben als Lied der Erlösung? Meine Lieben, wer Christum gefunden im bußfertigen Glauben, wer sich von Herzen zu Ihm bekehrt hat, der frohlockt: „Der Herr hat die Gefangenen Zions von der Knechtschaft der Sünde und des Todes erlöst, als er auf Golgatha rief: „Es ist vollbracht!“ Die Tür meines Kerkers hat Er aufgetan, wo ich saß im Schatten des Todes, und ich erblickte seine hehre Gestalt mit den Nägelmalen in seinen Händen und mit der Wunde in seiner Seite, mit der Heilandsliebe auf seinem Angesicht, mit der suchenden Hirtenliebe in seinen Augen. Und als er zu mir trat und ich hörte in seinem Wort seine holdselige Stimme mit der frohen Botschaft: „Fürchte Dich nicht, Ich habe Dich erlöst, du bist frei, Deine Schuld ist vergeben, Dein Lösegeld ist bezahlt“ da war mir doch wie einem Träumenden, dass ich mir an die Stirne griff und frug: Träume oder wache ich? Ist es wahr, dass ich soll sagen dürfen: Ich glaube eine Vergebung aller, aller meiner Sünden, ist's nicht zu viel, dass ich, der Verlorene, soll selig, ich, der Sünder, soll gerecht erklärt, ich, der Bettelarme und Verschuldete, soll ein Erbe des ewigen Lebens heißen? Ist's Traum oder Wahrheit, dass wir sollen singen dürfen: 
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-Unser Kerker, da wir saßen \\ 
-Und mit Sorgen ohne Maßen \\ 
-Uns das Herze selbst abfraßen, \\ 
-Ist entzwei und wir sind frei. 
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-Wer aber Amen gesagt hat zu der Absolution Gottes: Gehe hin, deine Sünden sind dir vergeben; wer da spricht: Das ist gewisslich wahr, das ist gewisslich mein dem ist sein Mund voll Lachens geworden und seine Zunge voll Rühmens. Wer in Christo den Isaak gefunden, in welchem alle Verheißungen auf ewig erfüllt und alle Geschlechter ewig gesegnet werden, der sagt mit Sara: „Gott hat mir ein Lachen zugerichtet,“ und bekennt mit dem Sänger:  
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-O, dass ich tausend Zungen hätte \\ 
-Und einen tausendfachen Mund, \\ 
-So stimmt' ich damit um die Wette \\ 
-Vom allertiefsten Herzensgrund \\ 
-Ein Loblied nach dem andern an\\ 
-Von dem, was Gott an mir getan. 
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-Und selbst die Heiden, die Kinder dieser Welt, müssen etwas davon inne werden, dass der Herr Großes an einem Menschen getan, der sich zu Christo in Wahrheit bekehrt hat, wenn sie sehen, dass das Reich Gottes nicht besteht in Worten, sondern in der Kraft, wenn sie erkennen, dass der Geist Gottes aus einem Weltkinde ein Gotteskind gemacht, dass er die Trägen fleißig, die Zornigen sanftmütig, die Unreinen keusch und die Stolzen demütig, wie er aus Kartenspielern Bibelleser und aus einem Saulus einen Paulus macht. Und wenn die Gläubigen davon etwas inne werden, was der Herr zu Philadelphia gesagt hat: „Siehe, ich will machen, dass deine Feinde kommen und erkennen sollen, dass Ich dich geliebt habe,“ dann antworten sie im Chor: „Ja, der Herr hat Großes an uns getan; nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre.“ Er ist der gute Hirte, bei dem uns nichts mangeln wird in Ewigkeit. Des sind wir fröhlich. 
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-So lautet das Pilgerlied Israels im höheren Chor als Lied von der Erlösung, wenn es der Glaube des Christen singt. Aber lass mich die Frage an dich richten: Kannst du das Lied singen? Kennst du die heilige Freude und die Zunge voll Rühmens darüber, dass der Herr die gefangene Seele erlöst hat? Kennst du die verborgene, täglich neue Kraft, welche darin liegt, dass ein Christ unter allen Umständen, auch unter Tränen singen kann: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!“? Ich wende mich hier an die unter uns, welche es gern singen möchten, die es aber nicht zu singen wagen, weil ihnen das Lied zu hoch und ihre Lippen zu unrein erscheinen, weil sie ihrer Erlösung nicht gewiss und der Vergebung ihrer Sünden nicht froh sind. Meine Lieben, so lange wir noch, sei's ganz oder halb, in dem Gedanken gefangen sind, als müssten wir uns selbst erlösen durch eigene Besserung und Selbstveredlung, so lange unser Auge noch nach etwas sucht, das wir geleistet, um damit vor Gott zu bestehen, so lange wir an unserm Wirken, an unserm Wandel, an unserm. Werden ein Unterpfand begehren, dass wir bei Gott in Gnaden sind so lange kann von einem Frieden unserer Seele mit Gott keine Rede sein. Wir werden es doch wahrlich nie dahin bringen, zu sagen: Wir haben Großes an uns getan, des sind wir fröhlich! Wir werden nicht einmal von unserer Buße sagen können, dass sie groß und aufrichtig genug, noch von unserm Jagen nach der Heiligung, dass es ernstlich genug sei. Auf diesem ganzen Wege des eigenen Werdens liegt unser Friede nicht, sondern unser Kampf, der Kampf mit der Sünde, gewiss so unerlässlich, dass es gilt: Wo der Kampf aufhört, da hört das Christentum auf, ein Kampf unter Fallen und Aufstehen, unter Tränen und Wunden, und doch der größte und edelste Kampf, der Kampf mit sich selbst. Aber unser Friede liegt nicht in den einzelnen Siegen dieses Kampfes, liegt überhaupt nicht auf der Linie unsers Werdens und Kämpfens, sondern unser Friede liegt einzig und allein in der Tat Gottes für uns und an uns. Merkst du den Grundton unsers Liedes: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Denn Er hat die Gefangenen Zions erlöst durch die Tat der Sendung seines Sohnes, durch die Tat des Opfertodes auf Golgatha, durch die Tat der Sendung seines Geistes, durch die Tat der Taufe, durch die Tat der Erweckung unsers Glaubens durch seinen Geist, durch die Tat der Rechtfertigung, darin er den Sünder, der an Christum glaubt, frei, los und ledig spricht von aller seiner Sünde. Von unserm kleinen Ich und seinen engen Kreisen um sich her gilt es aufblicken auf alle diese großen Taten Gottes, die Er in Wahrheit bereits an uns getan, wenn wir sollen wahrhaft froh werden. Denn so sagt die Schrift: „Das dem Gesetz unmöglich war, sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward, das tat Gott und sandte seinen Sohn.“ Und als der Sohn am Kreuz das Opfer gebracht für die Sünde der ganzen Welt, konnte er rufen: Es ist vollbracht! denn mit Einem Opfer. hat er in Ewigkeit vollendet, die da geheiligt werden.“ Und wer den Zug des Vaters zum Sohne an seinem Herzen spürt, der weiß auch: Fleisch und Blut hat mir das nicht geoffenbart, sondern der Vater im Himmel durch seinen Heiligen Geist. Auf diesem Grunde muss unser Haus ruhen, nicht auf dem Sande unserer Gefühle oder unserer Vorsätze, sondern auf dem Fels der Großtaten Gottes an unserer Seele. Über mich, mein Leben und Wirken, mein Werden und Wachsen kann ich mich doch nie freuen ohne die bittere Empfindung der Reue über so vieles Versäumen und Zurückbleiben, über so Vieles, was anders und besser hätte getan werden müssen, über so viel Mangel und Stückwerk. Aber über das, was Gott an mir getan, kann ich allezeit frohlocken in reiner selbstloser, Bewunderung, in völliger Gewissheit, in demütiger Anbetung. Je ärmer mein eignes Tun in meinen eignen Augen, desto reicher und größer das Tun meines Gottes; je trüber die Lebenstage und Leidensnächte, desto heller und strahlender die Taten Gottes, die er ohne all mein Verdienst und Würdigkeit aus seiner lauteren göttlichen Güte und Barmherzigkeit an mir getan, Hier liegt die Wonne eines Christen, weil er nie sagen wird: Ich glaube an mich, sondern sagen wird: Ich verzweifle an mir, aber ich glaube an Gott, der mich erschaffen, erlöst und geheiligt hat. Mit Einem Worte: Nicht unser Werden, sondern die Geschichte Gottes mit uns, seine an uns geschehene Tat der Erlösung, nicht unsere arme Gegenwart, sondern sein großes Perfektum oder Großtat das ist der Springquell aller heiligen Freude und der ewige Text unserer Loblieder: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Halleluja. 
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-=====II.===== 
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-Freilich bleibt daneben der Seufzer unsers Psalms bestehen in unserer Pilgrimschaft: „Herr, wende unser Gefängnis.“ Der Christ fühlt das Missverhältnis zwischen der erlösten Seele und ihrem unverklärten Leibe, ja mehr, er fühlt mit Schmerz den täglichen Kampf des Geistes mit dem Fleisch, d. h. den Kampf seines neuen wiedergeborenen Ich mit seiner alten sündigen Natur, ein Kampf, bei welchem auch ein Paulus in den Seufzer ausbricht: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“ Der Christ fühlt den Missklang zwischen dem Erlöstsein von Sünde und dem Umringtsein vom Übel in dieser Welt, zwischen dem Frieden mit Gott und dem Kampf mit der Welt und ihrem Fürsten, zwischen dem Bürgersein im Himmel und dem. Fremdlingsein auf Erden, ein Missklang und Widerstreit, der ihm die sechste und siebente Bitte des Vaterunsers auspresst: „Vater, führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.“ Da hebt er denn sein weinendes Auge empor zur ewigen Herrlichkeit und wartet auf die Stunde seines Heimgangs oder der Wiederkunft Christi, da singt er im Blick auf diese große Zukunft abermals unsern Psalm, singt ihn in der Hoffnung als ein Lied der Vollendung, als eine Weissagung auf den endlichen Sieg im höheren Chor: Wenn der Herr im seligen Sterben die Gefangenen Zions erlösen wird aus dem Leibe dieses Todes, wenn die Lazarus-Engel die müde Seele heimtragen in Christi Schoß, dann werden wir sein wie die Träumenden. Aber es geht von Licht zu Licht, von Klarheit zu Klarheit, es geht zum Erwachen nach seinem Bilde. Wenn er uns heimholt auf Eliä Wagen, und es geht hinein durch die perlenen Tore und die güldenen Gassen, hinein in den Chor der tausend mal tausend Engel, in die Schar der Palmenträger und Harfenschläger am kristallnen Meere, hinein zu der Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, hinein zu Jesu, zu seinen Füßen, Ihm in sein Angesicht zu schauen und Ihm die durchgrabenen Füße zu küssen dann wird unser Mund voll heiligen Lachens und unsere Zunge voll ewigen Rühmens sein, und herauf wird es tönen aus der Hölle, wenn der reiche Mann den armen Lazarus selig sieht, wenn Kaiphas und die Schriftgelehrten sehen auf den Ehrenthronen Petrus und Johannes, die sie hier verlacht, wenn der Chor der Verlorenen aufschaut und erblickt die Jünger und Jüngerinnen Jesu, „Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Christen insgemein,“ wie sie Könige und Priester sind auf ewig dann wird es herauftönen aus der Tiefe unter Heulen und Zähneknirschen: Der Herr hat Großes an ihnen getan und herüber wird's brausen von dem Tisch des ewigen Gastmahls im schimmernden Hochzeitssaale, ein hunderttausendstimmiger Chor der Seligen: Ja wahrlich, der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich und selig in Ewigkeit. 
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-O meine Lieben, dieser Blick in die große Zukunft lässt einen Christen singen auch mitten im Elende. Durch das Wort lässt Gott uns erblicken im Glauben die Herrlichkeit der zukünftigen Welt, und sein Geist gibt uns hienieden schon Stunden, wo unsere Seele schwebt über den Höhen auf Erden und gespeist wird in Vorahnung mit dem himmlischen Erbe. Es gibt Sterbebetten gläubiger Seelen, über welchen eine Verklärung lagert und von welchen Kräfte der zukünftigen Welt ausgehen, dass auch Fernerstehende ergriffen werden von der Morgenluft der Ewigkeit, die um solche Siech- und Siegesbetten seiner Heiligen weht. Wenn mein großer Vorgänger hier (in Celle) Johann Arnd, auf seinem Sterbebette freudestrahlend rief: „Ich habe die Herrlichkeit des Herrn gesehen,“ so ist das wie ein Schauen Mosis auf dem Berge Nebo hinüber ins gelobte Land und in die Erbteile der Kinder Israel, oder wie der Blick Johannis, dem der Engel im Gesicht die Stadt Gottes zeigt im Morgenlicht der Ewigkeit. Da regt der Geist seine Schwingen, da greift die Hand nach der Harfe, da schwellen die Lippen von dem Gesang des Heimwehs, wie es der Sänger in dem herrlichen Liede ausspricht: 
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-Ich hab' von ferne, Herr, deinen Thron erblickt, \\ 
-Und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt, \\ 
-Und hätte gerne mein müdes Leben, \\ 
-Schöpfer der Geister, dir hingegeben. \\ 
-Das war so prächtig, was ich im Geist gesehn; \\ 
-Du bist allmächtig, drum ist dein Licht so schön. \\ 
-Könnt ich an diesen hellen Thronen\\ 
-Doch schon von heute an ewig wohnen.\\ 
-Ich bin zufrieden, dass ich die Stadt gesehn, \\ 
-und ohn Ermüden will ich ihr näher gehn \\ 
-Und ihre hellen goldnen Gassen \\ 
-Lebenslang nicht aus den Augen lassen. 
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-So lautet unser Psalm als Lied von der Vollendung, wenn es die Hoffnung des Christen singt. Aber lass mich auch hier die Frage an dich richten: Kannst du das Lied singen? Kennst du das heilige Verlangen und Sehnen der Seele, abzuscheiden und bei Christo zu sein, weil Christus dein Leben und Sterben dein Gewinn ist? Kennst du die verborgene, täglich neue Kraft, welche darin liegt, dass ein Kreuzträger Christi unter allen Umständen zuversichtlich sagen darf: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mir aufhelfen zu seinem himmlischen Reich?“ Die Hand aufs Herz: Wär' es dir die höchste Freude, wenn der Herr heute zu dir träte und zu dir spräche: Heute sollst du mit mir im Paradiese sein?“ Siehe, darauf wird mit ehrlichem Ja nur antworten können, wer inwendig Valet gesagt hat der Welt und ihrer Lust((Abschied genommen hat)), wer aufgebrochen und ein Pilgrim geworden ist, der Christo nachfolgt in seiner Niedrigkeit und Christo entgegengeht zu seiner Herrlichkeit. Das Lied der Vollendung kann nur der fingen, der zuvor das Lied der Erlösung gesungen, nur wer im Glauben gewiss geworden der Vergebung, ist in der Hoffnung gewiss der ewigen Freude. Wer aber Christum den Gekreuzigten ergriffen hat als seine einzige Rettung,` der hält auch fest Christum den Auferstandenen und Thronenden und Wiederkommenden als seine einzige Hoffnung. Wem er zum A geworden in der Erlösung, dem ist er auch zum O geworden für die Vollendung. 
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-So kehrt das Ende unserer Betrachtung in ihren Anfang zurück: das Christenleben steht zwischen dem doppelten Advent Christi: hinter uns die Welterlösung, darauf unser Glaube ruht; vor uns die Weltvollendung, nach der unsere Hoffnung sich streckt. Daher aber auch die Doppelgestalt des Christenlebens: neben dem Mund voll Lachens über der Erlösung in Christo fehlt es nicht an den Augen voll Tränen über Sünde und Tod; neben der Zunge voll Rühmens steht der Seufzer voll Sehnsucht: „Herr, wende unser Gefängnis;“ neben dem Hosianna, dass der Herr gekommen ist, steht das Flehen des Geistes und der Braut: Ach komm, Herr Jesu, komme bald.“ Aber das ist unsere Adventsfreude, dass wie wir von Ihm herkommen, wir auch zu Ihm hingehen, und dass es darum wahr bleibt, was der Schluss unsers Textes von dem Pilger-Leben der Christen sagt: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen wieder mit Freuden und bringen ihre Garben.“ 
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-Summa, es ist ein selig Ding, ein Jünger und eine Jüngerin Jesu zu sein und in Freud und Leid, mit einem Munde voll Lachens und mit Augen voll Tränen, im Leben und im Sterben singen und sagen zu können: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.“ Amen. Halleluja. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Gerok, Carl von - Predigt am 2. Advent.====== 
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-Der große Tag des Herrn 
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-(1848.) 
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-Matth. 25,31-46.\\ 
-**Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeist? Oder durstig, und haben dich getränkt? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherbergt? Oder nackend und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten, und ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan! Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
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-Es war ein liebliches Adventsbild, das vor acht Tagen uns dargestellt ward: Christus als ein milder Friedenskönig, sanftmütig und demütig, auf einem Eselsfüllen einreitend zu den Toren von Jerusalem. Ein anderes, ein majestätisches, ein furchtbar prächtiges Adventsbild rollt der Seher Johannes vor uns auf in seiner Offenbarung im 19. Kapitel. Und ich sah den Himmel aufgetan und siehe ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß treu und wahrhaftig und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind wie eine Feuerflamme, auf seinem Haupte viele Kronen; sein Kleid mit Blut besprengt; sein Gefolge das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer und reiner Seide; aus seinem Munde hervorgehend ein Schwert, dass er damit die Heiden schlüge; sein Name ein König aller Könige und ein Herr aller Herren. Das ist ein Bild aus der letzten Adventszeit des Herrn, wo derselbe König, der dort zu Zion kam sanftmütig und demütig, wiederkommt majestätisch und herrlich als Richter der Welt! 
- 
-Haben wir des einen Bildes uns erfreut, so dürfen wir auch vom andern uns nicht abwenden. So gewiss der Herr gekommen ist, so gewiss wird Er wieder kommen am Ende der Tage. Zwischen diese beiden Adventszeiten sind wir hineingestellt mit unserem Leben; beide predigen uns, beide rufen uns zu, die eine aus der Vergangenheit herauf, die andere aus der Zukunft herüber: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. 
- 
-So lasst uns denn heut nicht überhören den Posaunenton des Weltgerichts, der, wenn auch aus weiter, weiter Ferne her, an unser Ohr klingt mitten durchs Geräusch der Gegenwart. Lasst uns heut aus dem bunten Gewühl und Gedränge unserer flüchtigen Erdentage einmal festen Auges hinblicken auf den großen Tag des Herrn. Unser Thema sei: 
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-Der große Tag des Herrn 
- 
-  - mit seiner großen Offenbarung,  
-  - mit seiner großen Rechnung,  
-  - mit seiner großen Scheidung und  
-  - mit seiner großen Entscheidung.  
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-Tief im Staub ring ich die Hände, \\ 
-Gnädig dich zum Sünder wende, \\ 
-Herr, gedenke mein am Ende! 
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-Zu den Schafen mich geselle,\\ 
-Fern den Böden und der Hölle,\\ 
-Mich zu Deiner Rechten stelle. Amen. 
- 
-Der große Tag des Herrn sei heute das Thema unserer Betrachtung. Der große Tag des Herrn 
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-=====1) mit seiner großen Offenbarung.===== 
- 
-So viel liebliche und majestätische Offenbarungen der heilige Gott Seiner Welt schon zugedacht hat von der grauen Urzeit an, wo Er mit Noah im Regenbogen und mit Moses im Wetter redete, bis da Er über dem Haupte Seines Eingeborenen sprach: Siehe, das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören! und bis auf den heutigen Tag, wo Er sich uns immer noch offenbart in Seinem Wort und in Seiner Welt, in mächtigen Völkerschicksalen und in verborgenen Menschenführungen noch eine, die größte, gewaltigste Offenbarung Gottes steht der Welt bevor. Das ist die, von welcher der Herr weissagt in unserem Text: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm, dann wird Er sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden.“ Höre es, o Erde, nimm's zu Ohren, o Welt: des Menschen Sohn wird kommen, wird wieder kommen! Er ist nicht verschollen in der Welt; Er hat nicht Abschied genommen auf ewig von der Erde dort als er vom Ölberg gen Himmel fuhr; Er hat Sein letztes Wort noch nicht gesprochen mit der Welt, Sein letztes Amt noch nicht ausgerichtet an der Menschheit. Die Gläubigen sollen nicht ewig Sein warten, die Ungläubigen sollen nicht ewig Sein spotten; Er wird halten, was Er in Seiner tiefsten Schmach Seinen Feinden ins Antlitz geweissagt: „Ich sage euch von nun an wird es geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels“ (Matth. 26,64.). „Er wird wiederkommen! Und wird kommen in Seiner Herrlichkeit!“ In der Herrlichkeit, die Ihm gebührt als Dem, welchem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden; in der Herrlichkeit, die Er beim Vater hatte, ehe denn der Welt Grund gelegt war; in der Herrlichkeit, in der Ihn jetzt nur die Engel droben anbeten und die vollendeten Gerechten anschauen: in der wird Er herniederkommen. Bis jetzt hat die Welt von Seiner Herrlichkeit wenig gesehen. Da Er im Fleisch wandelte, trug Er den königlichen Stern Seiner Majestät verhüllt unterm Knechtsgewand, und nur hin und wieder in den Wundern, die Er tat, und die an Ihm geschahen, im Glanze der Christnacht, im Sturm auf dem Meere, am Grabe des Lazarus und auf dem Berge der Verklärung, am Morgen der Auferstehung und am Tage der Himmelfahrt blitzte ein Strahl dieser Herrlichkeit hervor, also dass Seine Jünger sagen konnten: wir sahen Seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. 
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-Auch jetzt ist Seine Herrlichkeit verhüllt vor der Welt. Wohl wird sie Seinen Gläubigen im Herzen kund; wenn Er ein stolzes Sünderherz niederschlägt mit Seiner Siegesmacht, dass es aufschreit: ich elender Mensch, wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes! oder wenn Er eine gläubige Seele erquickt mit dem Vollgefühl Seiner Gnade, dass sie aufjauchzt: Wer ist wohl wie Du, Jesu, süße Ruh? wenn Sein Wort über eine andächtige Gemeinde hinklingt tröstend, erleuchtend, heiligend, stärkend, beseligend, dass hundert Herzen es zugleich fühlen: Ja, Du hast Worte des ewigen Lebens! oder wenn Sein Wort draußen Sieg um Sieg erficht über die Macht der Finsternis an den Grenzen der Heiden, dass immer neue Seelen hinzugetan werden zu Seiner Gemeinde - da offenbart sich auch die Herrlichkeit des Menschensohnes. Aber doch eine innere, verborgene Herrlichkeit, von der die Welt nichts sieht und nichts will. Der Herr der Herrlichkeit ist noch ein für Millionen unbekannter und von Millionen verachteter Mann, Sein Wort ist noch Tausenden ein Ärgernis und eine Torheit, Sein Reich ist noch ein Kreuzreich, und der schlechteste Flittertand der Welt gilt mehr in den Augen der Menge als Er, der Herr der Herrlichkeit mit Seinem ganzen Himmelreich. Das wird anders werden; Er wird kommen in Seiner. Herrlichkeit, wie der Blitz wird sie Allen in die Augen leuchten, dass alle Knie sich Ihm beugen, alle Zungen bekennen müssen, dass Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. 
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-„Er wird kommen und Seine heiligen Engel mit Ihm.“ Die himmlischen Geister, die so hoch über uns Menschen stehen und doch vor dem Menschensohne nur Knechte und Vasallen sind; die Ihn verkündigten, ehe Er kam; die Ihm Loblieder gesungen, da Er geboren ward; die Ihm gedient, da Er den Versucher besiegt; jene Legionen, die ihm zu Dienst gestanden hätten in Seiner Leidensnacht, und die damals trauernd ferne bleiben mussten, weil Er leiden und sterben sollte nach dem Willen des himmlischen Vaters; sie, die am Ostermorgen der Welt die Kunde zugerufen: Christus ist auferstanden! sie, die nach der Himmelfahrt den Jüngern verkündet: Er wird wiederkommen, wie ihr Ihn habt gen Himmel fahren sehen! - diese himmlischen Heerscharen, diese leuchtenden Legionen seliger Geister und göttlicher Helden die werden Sein königlich Gefolge und Seine glorreiche Thronwache sein an Seinem großen Tag. „Und dann wird Er sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit und werden vor Ihm alle Völker der Erde versammelt werden.“ Alle Völker werden gezogen werden vor Seinen Richterstuhl, werden Zeugen Seiner großen Herrlichkeit sein. Jetzt noch ist Seine große Herrlichkeit dem größten Teile der Menschheit unbekannt. Ganze Völker und Menschenalter sind hingestorben, ohne Seinen Namen auch nur zu hören. Noch heute leben und sterben Millionen, denen der Name Jesu nicht gepredigt ist, und wieder andern Millionen wird er gepredigt, aber sie glauben nicht an ihn. Das wird anders werden. Alle sollen Ihn schauen, Alle sollen vor seinen Stuhl gestellt werden. Die Augen, die einst sich nach Ihm sehnten: „ach, dass der Herr aus Zion käme und Sein gefangenes Volk erlöste,“ und haben sich schließen müssen, ohne Ihn zu sehen, und die Augen, welche Ihn hienieden in Knechtsgestalt wandeln sahen und sahen keine Gestalt noch Schöne an Ihm; die Herzen, die hier nichts von Ihm sehen und nichts von Ihm hören wollten in ihrem Trotz und Leichtsinn, und die, welche Ihn nicht sahen und doch lieb hatten. Seine Freunde und Feinde, Seine Verächter und Seine Verehrer, die, welche in Ihn gestochen haben und uns Sein Wort für eine Fabel erklärten, wie die, welche Seine Erscheinung lieb hatten und auf Seinen Tag sich freuten - sie Alle werden vor Seinen Thron gestellt werden, sie Alle werden Seine Herrlichkeit schauen, werden Ihn schauen nicht bloß als den Lehrer von Nazareth, nicht bloß als den Dulder von Golgatha, sondern als den Richter der Welt, als ihren Richter; auch wir, meine Lieben, wir Alle, die wir hier sind, werden ihn schauen, von dem wir so viel gehört, so viel gesprochen, und aus dem wir uns doch vielleicht so wenig gemacht; werden Ihn schauen, der so lang unser Freund, unser Lehrer, unser Führer, unser Tröster sein wollte, werden Ihn schauen als unsern Richter! Wird's uns ein Anblick zur Freude sein oder zum Schrecken? Wird uns Seine Herrlichkeit in die Augen blitzen wie ein verzehrendes Feuer, oder wird sie uns mild ins Antlitz leuchten, wie eine erwünschte, freundliche Sonne? werden wir Ihn empfangen mit einem: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, oder mit einem: Ihr Berge, fallt über uns? Das kommt auf uns an. Wohl Allen, die auf Ihn trauen! wohl Allen, die Sein Wort annehmen und Seine Erscheinung lieb haben und Seine Gebote halten und auf Seine Offenbarung warten! 
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-Dann, wann der Richter wie ein Blitz Vom Himmel niederfährt, \\ 
-Wann aller Sünder Lust und Witz In Heulen sich verkehrt, \\ 
-Dann kommt Er dir als Morgenstern Mit süßem Gnadenschein; \\ 
-Dann gehst du mit deinem Herrn zu Seinen Freuden ein. 
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-Aber zuvor kommt die große Rechnung. 
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-Das ist das Zweite, was der große Tag des Herrn mit sich bringt  
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-=====2) eine große Rechnung.===== 
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-„Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist usw.“ So wird der Herr einen Jeden auf Seiner heiligen Waage wägen, einen Jeden messen mit Seinem untrüglichen Maßstab, und ihm die Rechnung seines Lebens stellen. Jetzt, meine Lieben, weiß Keiner unter uns, was er vor Gott wert ist. Was die Welt für ein Urteil über uns fällt, was unser eigenes Herz über uns urteilt, das gilt noch nicht in der Waage des ewigen Richters. Die Welt ist oft verblendet, unser Herz ist meist bestochen in Seinem Urteil. Aus dem Munde des Herzenskündigers erst werden wir's erfahren, in dem Lichte jenes großen Tages wird's offenbar werden, was an uns ist. 
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-Und wonach wird der Richter fragen? mit welchem Maßstab wird Er messen? Wird unser Geld und Gut in Seiner Waage wiegen? oder wird unser Stand und Amt ins Gewicht fallen? wird Er uns messen nach unseren Kenntnissen und Geschicklichkeiten? oder wird Er nach glänzenden Heldentaten fragen? oder wird's darauf ankommen, wie oft wir zur Kirche gekommen und zum Tisch des Herrn gegangen? oder wie fromm wir haben reden, und wie gottselig wir uns haben gebärden können? Oder werden andächtige Rührungen und gute Vorsätze die Waagschale niederziehen? Von dem Allem ist nicht die Rede im Munde des königlichen Richters, sondern von ganz anderen Dingen. Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackende kleiden, Kranke und Gefangene besuchen, das ist's, wonach der Herr den Wert eines Menschenlebens misst. An tätiger Bruderliebe, daran erkennt Er die Seinen. Wo diese Liebe fehlt, da gelten die glänzendsten Gaben nichts; die blendendsten Werke nichts; der ehrbarste Wandel nichts; das frommste Geschwätz nichts; das tiefste Wissen nichts. Wo diese Liebe ist, da wird auch eine kleine Kraft zum Segen, da ist auch eine geringe Gabe kostbar in den Augen des Herrn; da soll auch ein Trunk Wasser, um Seinetwillen gereicht, nicht unvergolten bleiben. 
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-Liebe Christen! nach diesem Maßstab gemessen, nach dem Maßstab der uneigennützigen Bruderliebe - was ist wohl unser Leben wert? Wenn nur das gilt vor dem Herrn, was wir in Liebe gewirkt - o, wie verwerflich muss da so manches kalte, selbstsüchtige Herz, wie unnütz muss da so manches eitle, im Dienst des Eigennutzes verschwendete Leben, wie verächtlich muss da so viel selbstsüchtiges Tun und Treiben, wie eitel muss da so viel Schein- und Maulchristentum erscheinen in Seinen heiligen Augen! Bei wie Manchem unter uns würde da, wenn der Herr heute sein Herz und Leben auf die untrügliche Waage des oberen Heiligtums legte, das Urteil ausfallen, wie dort bei Belsazar: Man hat dich gewogen und zu leicht erfunden! - lasst uns diese Entdeckung nicht aufsparen auf jenen großen Tag; heute, jetzt wollen wir in uns gehen und uns fragen, für wen hab ich denn bisher gelebt, für mich oder für die Brüder? Was hat mich getrieben bei meinem Tun und Lassen: Eigennutz und Selbstsucht, oder brüderliche Liebe und herzliches Erbarmen? Habe ich meinen Mammon wie meine Geistesgaben angewendet im Dienste der Menschheit, oder nur im Dienste der Eitelkeit, der Genusssucht, meines Ich? Ist wohl auch nur Ein Tag in meinem Leben, der einst für mich zeugen wird am großen Tag des Gerichts durch ein Werk der Liebe, in Gott getan? ist auch nur Eine Seele, an der ich mir einmal ein recht herzliches Vergelt's Gott! verdient, die einmal für mich auftreten wird vor dem Thron des Weltenrichters? Vergesst's nicht, daran wird man erkennen auch am großen Tag des Herrn, dass ihr Christi Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt! Übt eure Bruderliebe, so lang ihr noch könnt; wirkt Gutes, so lange es noch Zeit ist. Ach, es ist ja jetzt Zeit zum Gutestun mehr als je, bei so viel Not, die uns rings umgibt. Vergesst nicht das Wort des Apostels: lasst uns Gutes tun und nicht müde werden, denn seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. (Gal. 6,9.) 
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-Aber freilich, liebe Christen, diese Liebe, diese herzliche, ungefärbte Bruderliebe muss noch eine tiefere Quelle haben. Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan, spricht der Richter. „Seine Brüder“ nennt Er unsere Brüder! Nur als Seine Brüder, nur in Ihm, nur um Seinetwillen können wir unsere Brüder recht lieben. Keine rechte Bruder-Liebe ohne Liebe Gottes und Christi; keine wahrhaft gute Tat ohne frommen Sinn; kein christlich Leben ohne christlichen Glauben. Das wird doch keines unter uns wähnen, dass der Herzenskündiger an jenem Tag nur das äußere Werk ansehen werde: den Trunk Wasser, das Schnittlein Brot, den Fetzen Kleid, das Stück Geld, das wir dem Nächsten gereicht, und werde nicht auch nach dem Herzensgrund fragen, aus dem die Gabe geflossen? das wird Keines unter uns glauben, dass der Gesetzgeber des Neuen Testaments, der, welcher die Bergpredigt einst gehalten, hier eine eitle Werkheiligkeit predigen wolle, dabei man durch ein paar leichte Liebeswerke, durch ein paar hingeworfene Almosen sich den Himmel erwerben könnte? Nein, wohl wird Er fragen nach solchen Proben unseres Christensinnes, aber die Quelle und Wurzel, daraus solche Proben hervorgehen müssen, das ist und bleibt die herzliche, demütige, kindliche, dankbare Liebe zu Ihm und dem Vater, und nur mit einem solchen Herzen können wir bestehen vor Seinem allsehenden Auge. Darum, liebe Christen, Ihn, unsern Gott und Heiland lasst uns lieben in den Brüdern; lasst uns denken, es ist Sein Gebot: Liebt einander; es sind Seine Kinder, die meiner Liebe empfohlen sind; es ist Seine Liebe, die mich treiben soll, die Liebe, mit der Er mich zuerst geliebt, so unaussprechlich geliebt, die soll ich Ihm vergelten an den Brüdern; dann mögen auch unsere Kräfte schwach und unsere Werke mangelhaft sein, so wird auch über uns der gnädige Richter sprechen: du hast getan, was du konntest, gehe hin im Frieden, und wir werden nicht zu Schanden werden bei der großen Rechenschaft. 
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-Stell uns Herr, die Ernte für, Dass wir gern auf Hoffnung säen; \\ 
-Was wir tun und tun es Dir, Lässt Du nicht umsonst geschehen: \\ 
-Hat man kein Verdienst davon, Gibt die Gnade dennoch Lohn. 
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-Denn nach dem Erfund dieser Rechenschaft wird sich dann auch ergeben 
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-=====3) die große Scheidung.===== 
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-„Und Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken.“ 
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-Fürwahr, eine große, eine wichtige Scheidung. Hienieden, Geliebte, ist auch Allerlei, was die Menschen von einander scheidet. Da sind Unterschiede der Zeit und des Orts; liebende Herzen werden getrennt und stellen sich Berg und Tal dazwischen; verwandte Seelen sind durch Jahrhunderte von einander geschieden. Da sind Unterschiede der Sitten und Sprachen; unter wie vielen Völkern, in wie vielen Sprachen wird nur heute das Evangelium verkündet; welcher Abstand zwischen einer Sonntagsgemeinde hier in der alten Christenheit und drüben bei neubekehrten Heiden! Da sind Unterschiede der Bildung und des Geistes; der Gebildete sieht herab auf den Ungebildeten, der Geistreiche dünkt sich hoch zu stehen über den Armen am Geist. Da sind Unterschiede des Standes und Vermögens; Hoch oder Nieder, Reich oder Arm, ein hoher Titel oder ein grober Kittel was macht das für Scheidewände zwischen Mensch und Mensch! 
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-An jenem Tag wird's anders sein! Da fragt man nicht: Reich oder arm? Herr oder gemeiner Mann? schwarze oder weiße Haut? Da gilt nur Eines: gehörst du dem Herrn oder nicht? und nach diesem Maßstab bekommst du deine Stelle. O, meine Lieben, wie gar anders wird da geschieden werden zwischen den Menschen, als jetzt geschieden ist! Wie Mancher wird da herabsteigen müssen, der hienieden hoch steht! wie Mancher wird da zu den Böcken stehen müssen, der hier im Schafskleid geht! wie Manche werden da nebeneinander kommen, die sich's in diesem Leben nicht geträumt, und wie Manche werden auseinander kommen, die hier nebeneinander gewandelt! Wie wird sich da oft buchstäblich erfüllen jenes Wort des Herrn: Zwei werden auf dem Felde sein; Einer wird angenommen und der Andere wird verlassen werden. Zwo werden mahlen auf der Mühle, Eine wird angenommen, die Andere wird verlassen werden (Matth. 24,40.41.). Ja, wenn der Herr, der Herzenskündiger, jetzt, in diesem Augenblick hier bei uns, die wir auf diesen Bänken sitzen, die große Scheidung wollte vornehmen, wie würde es da wohl gehen? Wer würde auf die Rechte, wer würde auf die Linke kommen? Nicht wahr, Manches unter euch denkt: nun, ich käme doch hoffentlich auf die Rechte; aber der da drüben oder die da neben mir käme freilich auf die Linke, oder es ist keine Gerechtigkeit mehr im Himmel! Nicht also, meine Lieben, der Herr könnte vielleicht anders scheiden! Nicht Andere, sondern uns selbst zu richten, mahnt uns jene große Scheidung am Tage des Herrn. Fragen wollen wir uns: bin ich wert, einst zu Seiner Rechten zu stehen, oder hab ich nichts voraus vor Andern, als mein größeres Vermögen, meinen höheren Stand, meine schöneren Kleider, mein glatteres Gesicht, meine feineren Manieren? Werd ich einst vielleicht zurückstehen müssen hinter manchem meiner Brüder, den ich jetzt über die Achsel ansehe, wie der reiche Mann den armen Lazarus? Arbeiten wollen wir und ringen, wachen und beten, dass wir einst mögen würdig sein, wenn auch als die Letzten eingereiht zu werden in die selige Schar mit weißen Kleidern, mit Kronen auf dem Haupt, mit Palmen in den Händen, ein bescheidenes Plätzchen zu erhalten dort, 
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-Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; \\ 
-Wo auf ihren Ehrenthronen Sitzet der zwölf Boten Zahl; \\ 
-Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; \\ 
-Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Ewig Halleluja tönt!  
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-Ja, ewig Halleluja; denn der große Tag des Herrn bringt endlich auch 
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-=====4) eine große Entscheidung mit.===== 
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-„Da wird dann der König sagen zu denen zu Seiner Rechten: kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Dann wird Er auch sagen zu denen zur Linken: geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Und sie werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.“  
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-Ewige Pein oder ewiges Leben! Kommt her zu mir, ihr Gesegneten des Herrn, oder: geht hin von mir, ihr Verfluchten! das himmlische Freudenreich oder das höllische Feuer! O, meine Lieben, was ist das für eine Entscheidung! was ist alle Sündenlust, alle verbotene Freude dieser Welt, was sind alle Schätze der ganzen Erde, alle Genüsse des kurzen Erdenlebens gegen die ewige Pein! 
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-Und was sind alle Leiden dieses Lebens, alle Verleugnungen des Christen, alle Entbehrungen des Unglücklichsten auf Erden gegen das himmlische Friedens- und Freudenreich, wo man ewig geborgen ist vor aller Not und allem Leid! O Menschen, diese kurze Zeit führt in die lange Ewigkeit, zu Himmel oder Hölle! 
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-Zu Himmel oder Hölle! Jetzt noch ist die große Entscheidung nicht geschehen. Jetzt noch ist der Weg uns Allen offen zu Himmel oder Hölle. Jetzt noch ist der Tag des Heils, frei die Wahl des besten Teils. Und wenn Eines unter uns bis heute auf verkehrtem Wege gegangen ist, heute noch kann es umkehren, kann seine Seele erretten durch Buße, Glauben und neuen Gehorsam, kann sich noch ein Plätzchen zur Rechten erbeten und erkämpfen. Heute noch dann nicht mehr. Wenn einmal der Tag der Entscheidung kommt, dann ist die Gnadenzeit vorbei, dann ist die Umkehr unmöglich; dann ist's zu spät! Darum, heute entscheidet euch: Himmel oder Hölle? Wer Ohren hat zu hören, der höre! 
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-Du aber, o Herr, bereite uns selbst auf Deinen großen Tag und lehre uns bedenken, was zu unserem Frieden dient. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe und erfahre, wie ich es meine; siehe Du, auf welchem Wege ich bin, und leite mich auf ewigem Wege, 
- 
-Dass ich, wenn Du, Lebensfürst, Herrlich wieder kommen wirst, \\ 
-Froh Dir mög entgegenseh'n und gerecht vor Dir besteh'n. Amen. 
- 
-{{tag>2_Advent}} 
- 
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-======Gerok, Karl - Der Heimat zu! - 2. Advent.====== 
- 
-1879. 
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-(Mat. 25,31-46.) \\ 
-**(31) Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. (32) Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; (33) Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34) Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegnete meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. (35) Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. (36) Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. (37) Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeist? Oder durstig, und haben dich getränkt? (38) Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherbergt? Oder nackend, und haben dich bekleidet? (39) Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? (40) Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (41) Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. (42) Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. (43) Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. (44) Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedient? (45) Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. (46) Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
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-Nicht ohne ein Wort demütigen Dankes gegen Gott dürfen wir heute in diesem Gotteshaus erscheinen für ein abermaliges Wunder gnädiger Behütung und allmächtiger Bewahrung, das er an einem gesalbten Haupt, an einem unserem Königshaus nahe verwandten, großen und edlen Monarchen getan hat. 
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-Beschließt einen Rat und es werde nichts daraus! So hat der Alleingewaltige, der im Himmel thront, wiederum gesprochen zu den Frevlern, die mit satanischer Bosheit und wahnsinnigem Starrsinn ihre Vernichtungspläne verfolgen. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott, diese Verheißung hat der König aller Könige, der Herr aller Herren abermals an einem seiner Gesalbten erfüllt. 
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-Ja, es waltet noch über uns ein lebendiger Gott, der den Erdboden richtet mit Gerechtigkeit. Das haben uns die Ereignisse der verflossenen Woche wieder gepredigt. 
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-Und es steht ein Endgericht bevor, wo alle Welt versammelt werden soll zur letzten Rechenschaft, wo auch das, was hienieden ungerichtet und ungeschlichtet bleibt, seine Vergeltung finden wird vor dem Thron des Weltenrichters. Das predigt uns unser heutiges Evangelium. 
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-„Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig.“ So lautete vor acht Tagen die gnadenreiche Adventsbotschaft, und sanftmütig und demütig, niedrig und in Knechtsgestalt sahen wir den Friedefürsten einziehen zu den Toren Jerusalems, um den Opfertod der Liebe zu sterben. Das war sein erster Advent. 
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-In anderer Gestalt sehen wir ihn heute, sitzend auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, umgeben von der Thronwache seiner heiligen Engel, umwogt von Millionen banger Menschenseelen, die seines Richterspruchs harren, um Seligkeit oder Verdammnis aus seinem Mund zu empfangen. Das ist sein letzter Advent. 
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-So tröstlich der erste, so schrecklich der letzte. Und doch auch durch die Posaunen des Weltgerichts, die wir in unserem heutigen Evangelium vernehmen, tönen noch tröstliche Klänge hindurch. Auch in der richtenden Gerechtigkeit des Herrn verleugnet sich nicht seine heilige Liebe. Darüber wollen wir jetzt weiter nachdenken: Jesus Christus, der König der Liebe, auch auf dem Stuhl des Weltenrichters,  
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-  - voll erbarmender Liebe für die leidende Menschheit,  
-  - voll segnender Liebe für seine redlichen Jünger,  
-  - voll mahnender Liebe für die pflichtvergessene Welt.  
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-Hehrer König, Herr der Schrecken, \\ 
-Gnade nur tilgt unsre Flecken, \\ 
-Gnade, Gnade lass mich decken!  
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-Amen.  
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-Auch auf dem Stuhl des Weltenrichters bleibt Jesus Christus der König der Liebe. Als eine tröstliche Verheißung, als eine freundliche Bürgschaft, dass auch beim letzten Spruch des Weltenrichters neben der Gerechtigkeit die Liebe nicht fehlen werde, darf es die Christenheit vernehmen: Der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben (Joh. 5,22). Und so sehen wir denn auch im Antlitz des majestätischen Weltenrichters, wie es aus unserem Evangelium uns entgegenblickt, noch die Züge des barmherzigen Menschensohnes, wie er einst auf Erden gewandelt ist, und hören aus seinem entscheidenden Richterspruch heraus vor allem: 
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-=====1) Die erbarmende Liebe für die leidende Menschheit.===== 
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-„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist, durstig und ihr habt mich getränkt, ein Gast und ihr habt mich beherbergt, nackt und ihr habt mich bekleidet, krank und ihr habt mich besucht, gefangen und ihr seid zu mir gekommen. Denn was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Und was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan!“ So lauten die Entscheidungsgründe seines letzten Richterspruchs. 
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-Hören wir da nicht auf dem Stuhl des Weltenrichters den alten liebevollen Menschensohn und Menschenfreund, der in seinen Erdentagen umhergegangen ist und hat wohlgetan vielen, der die Hungrigen gespeist, die Kranken geheilt, die Trauernden getröstet, die Mühseligen und Beladenen zu sich gerufen und den Armen das Evangelium gepredigt hat? 
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-Das schreib dir in die Herzen, \\ 
-du hochbetrübtes Heer, \\ 
-Bei denen Gram und Schmerzen \\ 
-sich häufen mehr und mehr!  
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-Also wie einst, da er hienieden im Staube wandelte, angelaufen und umdrängt von Leidenden aller Art, so auch droben auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, umringt von Engeln und seligen Geistern, hat er euer nicht vergessen, hat ein Auge für eure Nöten, hat ein Ohr für eure Seufzer, hat ein Herz für die leidende Menschheit. 
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-Und wenn hier auf Erden niemand eurer in Liebe gedächte, wenn ihr von den Leichtsinnigen übersehen, von den Hartherzigen an ihrer Tür weggewiesen, von den Hochmütigen verachtet, von den Gewalttätigen unterdrückt würdet, wenn ihr misshandelte Sklaven, die verachteten Parias wärt in dieser Welt, was ihr doch nicht seid, wo der Geist Christi waltet: vom Himmel blickt die ewige Liebe erbarmend auf euch nieder; der Vater da droben weiß, was ihr bedürft; der Sohn des Allerhöchsten nennt euch seine Brüder und macht eure Sache zu der seinen und will, was euch zu lieb oder zu leide geschieht, so ansehen, als hätte mans ihm getan. Also murrt nicht, verzagt nicht, verzweifelt nicht, flucht nicht über Gott und Welt. Zum erhöhten Menschensohn und Menschenfreund hebt eure Augen auf; zu ihm sendet vertrauensvoll eure Seufzer empor; ihm klagt euer Leid, bei ihm holt euch euern Trost, auf ihn setzt eure Hoffnung in Zeit und Ewigkeit. 
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-Und wenn hier in dieser Zeit euer Recht euch nicht würde und eure Hilfe nicht käme, so tröstet euch, es gibt ein gerechtes Gericht Gottes, das die Ungerechtigkeiten dieser Welt ausgleichen wird; es kommt ein Tag der Vergeltung, wo der arme, fromme Lazarus von Engeln getragen wird in Abrahams Schoß, wo der unbarmherzige reiche Mann Pein leidet in der Flamme. Also nicht in Ungerechtigkeit und Gewalttat, nicht in Raub und Mord und Brand und dem Umsturz göttlicher und menschlicher Ordnung sucht euer Heil, sondern der göttlichen Gerechtigkeit, der ewigen Liebe befehlt eure Sache; sie ist in guter Hand, in der Hand dessen, der da spricht: Was ihr getan habt einem dieser Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan, und der auch auf dem Stuhl des Weltenrichters voll erbarmender Liebe sich zeigt für die leidende Menschheit. 
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-=====2) Und voll segnender Liebe für seine redlichen Jünger.===== 
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-„Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ So lautet der gnadenreiche Richterspruch des Menschensohnes über die zu seiner Rechten. Und worin zeigt sich denn ihre Gerechtigkeit, worauf gründet sich dies gnädige Urteil? Der Herr war hungrig und sie haben ihn gespeist, durstig und sie haben ihn getränkt, ein Gast und sie haben ihn beherbergt, nackt und sie haben ihn bekleidet, krank und sie haben ihn besucht, gefangen und sie sind zu ihm gekommen. Und da sie verwundert über solch ein Ehrenzeugnis, beschämt über solch einen Gnadenlohn fragen: „Wann, Herr, haben wir dich so gesehen und haben so an dir getan?“ Da erhalten sie die Antwort: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ 
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-Hören wir nicht auch da wieder die Liebe, die billig fordernde, die milde urteilende, die reichlich lohnende, die unverdient segnende Liebe des Weltenrichters? Sehen wir nicht auch da wieder auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit den milden Menschensohn und Menschenfreund, der in den Tagen seines Fleisches die zwei Scherflein der armen Witwe an der Tempeltür in seiner Waage wog und über das Liebesopfer der Maria zu Bethanien das freundliche Urteil sprach: Lasst sie mit Frieden, sie hat ein gutes Werk an mir getan, sie hat getan, was sie konnte? 
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-Und muss es uns nicht ein Trost sein in unserer Schwachheit, aus diesem Mund einst das Zeugnis zu erhalten auch über unser irdisches Tagewerk und den Richterspruch zu empfangen auch über unser Los in Ewigkeit? 
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-Es ist ja gewiss: nicht ohne einen geheimen Schauer kann auch der Mutige, nicht ohne tiefes Bangen kann auch der Gerechte sich hineindenken in jene furchtbare Stunde, da wir allesamt müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl des gerechten Gottes, um zu empfangen, was unsere Taten wert sind, und auch ein redlicher Knecht Gottes, auch ein treuer Jünger Jesu muss einstimmen in die Klage: 
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-Weh, wie werd ich Armer stehen, \\ 
-Wen zum Anwalt mir erflehen, \\ 
-Wenn Gerechte schier vergehen? ((Aus einer Übersetzung des Dies irae.)) 
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-Muss denn nicht im Feuer der göttlichen Heiligkeit all unsere Gerechtigkeit zu Asche verbrennen? Müssen nicht im Licht der Ewigkeit tausend böse Flecken offenbar werden auch an den Besten? 
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-Wenn ich gerichtet werde nach meinen Werken und mir vergolten wird nach dem, was ich gehandelt habe bei Leibesleben, es sei gut oder böse: wie vieles hab ich getan, das nicht recht ist vor dem heiligen Gott; wieviel mehr noch hab ich unterlassen, das ich tun konnte und sollte; und auch was ich von guten Werken aufweisen kann, wie ist es so mangelhaft und unvollkommen; wie weit bleibt das Vollbringen zurück hinter dem Wollen und das Tun der Hände hinter dem Vorsatz des Herzens. 
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-Aber wenn nun der Herr mein Herz ansieht und nicht nur mein Tun, mein Wollen und nicht bloß meinen Wandel; wenn er mit dem Flammenblick des Weltenrichters hineinschaut in die geheimsten Winkel meiner Seele, wenn er die Triebfedern meines Tuns erforscht, auch dessen, was gut getan scheint vor den Menschen; wenn er die argen Gedanken und bösen Gelüste ans Licht zieht, die auch in meinem Herzen hausen, ob sie auch vor der Welt bedeckt sind von der Hülle eines ehrbaren Wandels; wenn der Herzenskündiger mich nach den Gesinnungen meines Herzens richtet, werde ich da nicht noch übler bestehen, als wenn er mein äußeres Tun auf seine Waage legt? 
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-Wir wollen solche Fragen nicht leicht nehmen; der wäre kein aufrichtiger, gottesfürchtiger, von Herzen demütiger Christ, der sich darüber so schnell hinwegsetzen könnte; wir wollen auch das Urteil des Herrn im heutigen Evangelium nicht falsch verstehen, als käme die Gesinnung des Herzens nicht in Betracht vor dem Richterstuhl der Ewigkeit, als wären es einzelne äußere Werke, mit denen wir den Himmel verdienen, etliche wohlfeile Almosen und Liebesgaben, mit denen wir unserer Sünden Menge zudecken könnten. Nein, die Gerechtigkeit der Gerechten, welche der Herr zu seiner Rechten stellt, besteht ja gewiss nicht bloß in den sechs Werken der Barmherzigkeit, die er da namhaft macht, - sie muss ihren tieferen Grund haben in der Stellung des innersten Herzens und ihr weiteres Übungsfeld in der Führung des ganzen Lebens. Und wenn ein Mensch alljährlich hundert Arme speiste und noch durch sein Testament tausend Dürftige kleidete, er hätte aber dabei einen schlechten Wandel geführt und Gottes Gebote im Herzen leichtfertig verachtet und im Leben frevelhaft übertreten, so hätte er mit all seinen Armengaben nicht den Herrn gespeist und gekleidet, nicht einen Platz zu seiner Rechten und ein Erbteil in seines Vaters Reich sich verdient. 
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-Aber den Trost darf doch ein redlicher Christ aus jenem milden Spruch des Weltenrichters sich entnehmen: 
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-Ob du auch keine glänzenden Verdienste und keine großen Taten aufweisen kannst am Tag des Gerichts: wenn du nur Gutes tust, wo du kannst, und Liebe übst, so weit du vermagst, so darfst du auf einen gnädigen Richter hoffen. Jedes gute Werk in Gott getan, wenn auch die Menschen nichts davon wissen, wenn auch du selber nicht viel davon hältst und nicht mehr daran denkst, es bleibt im Himmel angeschrieben; dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich. Dein Heiland, der daran seine Jünger erkennen will, ob sie Liebe untereinander haben, kann dich überschwänglich dafür segnen in Ewigkeit. 
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-Und ob du auch tausend Flecken in deinem Leben, tausend Mängel in deinem Herzen siehst und dein heiliger Herr und Gott noch zehnmal mehr als du selbst - eines ist's, was viele Mängel ersetzt und viele Schäden bedeckt: eine herzliche Liebe zum Herrn und um seinetwillen zu den Brüdern. Wo die im Herzen wohnt und im Leben sich zeigt, da soll auch ein Trunk Wasser, in Liebe gereicht, nicht unvergolten bleiben, da fällt auch das Scherflein der Witwe, aus treuem Herzen geopfert, in die Waagschale des Weltenrichters, da gilt auch bei einem bescheidenen Tagewerk die Verheißung des Heilands: Selig sind die Barmherzigen, denn sie sollen Barmherzigkeit erlangen. Sie sollen die segnende Liebe ihres Herrn überschwänglich erfahren am Tage des Gerichtes. 
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-=====3) Zeigt er doch seine Liebe, seine heilig mahnende Liebe selbst an der pflichtvergessenen Welt.===== 
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-Furchtbar klingt ja freilich das Urteil des Richters über die zu seiner Linken: „Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“ Doppelt furchtbar klingt es aus dem Mund dessen, der in die Welt gekommen ist, nicht um die Welt zu richten, sondern um die Welt selig zu machen. Aber eben darum hören wir auch aus diesem niederschmetternden Richterspruch noch seine heilige Liebe heraus, die schmerzlich trauernde, ernstlich mahnende, treulich warnende Liebe des Menschenfreundes, der einst über sein verstocktes Volk geklagt hat: Ihr habt nicht gewollt! und über das verblendete Jerusalem weinend ausgerufen: Ach dass du bedächtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient; nun aber ist es vor deinen Augen verborgen! und der auch auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit nicht will, dass eine Seele verloren gehe. 
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-Ist es nicht ihr eigenes Tun und Lassen, wonach auch die zur Linken gerichtet werden, wodurch sie sich selbst ihr Los in Ewigkeit bereiten? 
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-Sind es nicht mäßige Forderungen, die an sie gestellt waren mit dem Gebote tätiger Nächstenliebe, Forderungen, die sie erfüllen konnten so gut wie ihre Mitgenossen zur Rechten des Herrn? Lässt sich nicht der Herr auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit herab, seinen Spruch vor ihnen zu rechtfertigen und sie ihres Unrechtes zu überführen? 
- 
-Und waren sie nicht vorher belehrt, vorher gemahnt, vorher gewarnt durch das Wort des Herrn, das sie hören durften in ihrer Gnadenzeit, ehe es sie nun richtet in der Ewigkeit? 
- 
-Ist nicht das ganze Evangelium, ist nicht unser heutiges Evangelium insbesondere ein heilsamer Mahnruf, ein wohlgemeintes Warnungswort, eine treue Freundesstimme an alle, die auf verkehrten Wegen wandeln: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, hernach aber das Gericht. Heute, so ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht. Jetzt noch ist der Tag des Heils, bedenkt zu dieser eurer Zeit, was zu eurem Frieden dient! Was der Mensch sät, das wird er ernten! O möchte sie auch an uns nicht verloren sein, möchte sie auch uns aufs Neue wecken zu einem rechtschaffenen Wandel in der Furcht Gottes und in der Liebe des Nächsten: die mahnende und warnende Stimme der ewigen Liebe, die vom Stuhl des Weltenrichters an uns ergeht! 
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-Er kommt zum Weltgerichte, \\ 
-Zum Fluch den, der ihm flucht; \\ 
-Mit Gnad und süßem Lichte \\ 
-Dem, der ihn liebt und sucht. \\ 
-Ach komm, ach komm, O Sonne, \\ 
-Und hol uns allzumal \\ 
-Zum ewgen Licht und Wonne \\ 
-In deinen Freudensaal! \\ 
- 
-Amen. 
-{{tag>2_Advent}} 
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-======Gerok, Karl - Hirtenstimmen - 2. Predigt am 2. Advent.====== 
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-(1861.) 
- 
-Röm. 14,7-12.\\ 
-**Denn unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben, und auferstanden und wieder lebendig worden, dass er über Tote und Lebendige Herr sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellt werden, nach dem geschrieben steht: So wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Kniee gebeugt werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.** 
- 
-„Kind, wem gehörst du?“ so fragen wir manchmal ein kleines Kind das uns auf der Straße begegnet, seis dass es uns besonders wohlgefällt oder dass es Unarten treibt; seis dass es zutraulich zu uns herkommt und uns die Hand gibt, oder dass es weinend und verlassen dasteht, vielleicht gar von Hause sich verirrt hat. „Kind, wem gehörst du?“ Und wenn das Kind nur soweit im Verstand und im Sprechen ist, dass es sagen kann, wems gehört, wie der Vater heißt, was er ist, wo er wohnt - so ist schon geholfen. Ist ihm etwas zugestoßen, so können wirs nun nach Hause bringen; hats uns gegrüßt, so geben wir ihm einen Gruß auf an die Eltern; ists unartig, so drohen wir: ich sags deinem Vater; ists lieb und schön, so preisen wir seine Eltern glücklich und finden vielleicht ihr Ebenbild in seinem Gesichtchen. Der Name des Vaters, dem's gehört, dient so einem kleinen Kind unterwegs statt Wegweiser und Schutzwache. 
- 
-„Kind, wem gehörst du?“ Diese Frage, meine Lieben, hat aber einen Sinn für alle Menschenkinder, auch für Erwachsene und Alte, die längst keinen Vater und keine Mutter mehr auf Erden haben. Kind, wem gehörst du?“ das ist eine Frage an uns alle, eine Frage für gute und für böse Tage, fürs Leben und fürs Sterben. Und wohl dem Menschenkinde, das soweit ist im Verstande, dass es wissen und sagen kann, wems gehört, wie sein Vater heißt und wer er ist und wo er wohnt. Ein solches Kind kann nicht verloren gehen. Ists verirrt: man kann ihm den Weg nach Hause zeigen; steht in Tränen da: man kanns zum Vater führen; hats Böses getan: man kann ihm mit dem Vater drohen; leidets Mangel: man kann ihm um des Vaters willen etwas schenken. Der Name des Vaters, wenn es ihn weiß, dient einem Kind Gottes statt Wegweiser und Schutzwache in dieser Welt. 
- 
-Nun denn „Kind, wem gehörst du?“ Kannst dus sagen, wem du gehörst mit Leib und Seele, im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit? Ja, meine Lieben, wir wissens wohl, aber tun wir auch darnach? Wir habens schon oft vernommen und schon oft gesagt wem wir gehören, seit wir als Kinder das Gebetlein lernten: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein,“ und seit wir als Konfirmanden bezeugten: „Herr Jesu, dir leb ich, dir leid ich, dir sterb ich, dein bin ich tot und lebendig“; wir habens schon oft vernommen, schon oft gesagt wem wir gehören, aber ach! wie oft auch wieder vergessen! „Kind, wem gehörst du?“ Eine schönere Antwort gibts nicht auf diese Frage, als die wir in unserer Abendlektion vernehmen aus dem Mund eines herrlichen Gotteskinds mit Namen Paulus: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ 
- 
-„Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn,“ dieses schöne Bekenntnis eines Gotteskinds lasst uns betrachten; wie darin liegt 
- 
-  - ein hoher Glaubenstrost, 
-  - eine große Lebensaufgabe, 
-  - eine schöne Liebesregel. 
- 
-Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, \\ 
-Ich bin dein, du bist mein, \\ 
-Niemand soll uns scheiden; - \\ 
-Lass mich, lass mich hingelangen, \\ 
-Wo du mich \\ 
-Und ich dich \\ 
-Ewig werd umfangen. 
- 
-Amen. 
- 
-„Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn“; so lautet das schöne Bekenntnis eines Gotteskinds, und es liegt darin 
- 
-=====1) ein hoher Glaubenstrost;=====  
- 
-der Trost: Lebend steh ich in der Hut des Herrn, sterbend fall ich in die Hand des Herrn. Von einem reichbegabten, frühvollendeten evangelischen Prediger am Rhein((Willibald Beischlag.)) las ich kürzlich in seiner Lebensbeschreibung, er habe als ein vierjähriges Kind in seiner großen Vaterstadt Frankfurt am Main sich einst verirrt und sei von mitleidigen Leuten in ein fremdes Haus gebracht worden, wo er zwar den Namen seines Vaters sagen, aber da es mehrere dieses Namens gab, sich nicht weiter deutlich machen konnte. Der Kleine war aber darüber gar nicht in Bekümmernis, sondern sagte ganz mutig und getrost: „Der Vater wird mich schon holen.“ So ein fröhlicher, unerschütterlicher Glaube an den Vater war in des Kindes Herzen, dass es keinen Augenblick zweifelte: Der Vater denkt an mich, er sucht mich, er findet mich, er holt mich. Ähnlich, meine Lieben, ists einem Kind Gottes ums Herz im Gewirr und Gewühl dieser Welt. Wenn es auch den Vater nicht sieht, wenn es sich oft auch fremd und verlassen fühlt unter Leuten, die seine Herzenssprache nicht verstehen, ja wenn es statt freundlicher Teilnahme Hass und Missgunst erfährt und den Stürmen der Trübsal ohne Obdach preisgegeben steht wie ein Kind auf der Gasse, es weiß: der Vater kennt mich, der Vater sieht mich, der Vater holt mich und hilft mir heraus mit seiner starken Vaterhand: „Leben wir, so leben wir dem Herrn.“ Was heißt das anders, als vor allem: Lebend steh ich in der Hut des Herrn? Er der mich in dies Leben geführt, er führt mich auch durch dies Leben. Kein Haar auf meinem Haupte, das er nicht zählt; kein Seufzer in meinem Herzen, den er nicht hört; keine Stunde in meinem Leben, da er mein nicht gedenkt; kein Ort auf der Erde, da er mir nicht nah ist; kein Schritt auf meinem Wege, da er mich nicht hält; kein Glück in meinem Hause, das er mir nicht schenkt; kein Kreuz auf meinem Rücken, das er mir nicht schickt. 
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-Leben wir, so leben wir dem Herrn; o dieser Gedanke was wirft er für ein mildes, freundliches Licht auf alle unsre Pilgerwege. Ich gehöre dem Herrn; ich bin nicht ein Spielball des Schicksals, ich bin nicht eine Beute feindseliger Menschen, ich bin nicht ein Raub finstrer Mächte nein, ich gehöre dem Herrn, dem allmächtigen Schöpfer, der Leben und Odem gibt allen Kreaturen; dem gütigen Regierer, von dem es heißt: Was unser Gott erschaffen hat, das will er auch erhalten; dem barmherzigen Erlöser, der nicht will dass eine Seele verloren gehe, der auch mich zu seinem Eigentum erkauft hat nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit seinem heiligen teuren Blut, dem gehör ich an - mit solchem Bekenntnis geht ein Kind Gottes mutig und getrost durch die Welt; das ist seine Antwort auf die Frage: „wem gehörst du?“ sein Licht auf dunklen Wegen, sein Schild wider alle Anfechtung, sein Reisepass an allen Orten, sein Zehrpfennig bei allem Mangel, sein Adelsbrief bei aller äußeren Niedrigkeit: ich gehöre dem Herrn, der über den Sternen thront. „Leben wir, so leben wir dem Herrn.“ 
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-„Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn;“ lebend steh ich in seiner Hut und sterbend fall ich in seine Hand, das ist noch ein höherer Trost, noch ein größerer Sieg des Glaubens. Auch der letzte und ärgste Feind der Menschenkinder, der Schreckenskönig der von weitem schon uns oft so bange macht, und vor dem wenn er kommt auch die Trotzigsten so oft zittern auch der Tod verliert seinen Stachel, auch über unsre Gräber und über die Gräber der Unsrigen fällt ein mildes Friedenslicht durch das Wort: „Sterben wir, so sterben wir dem Herrn“. 
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-„Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Wenn wir das glauben und fassen - o wie ruhig können wir da Zeit und Stunde unsres Abschieds erwarten! „Mein Vater wird mich schon holen,“ sagte jenes verlaufene Kind im fremden Haus. Mein Vater wird mich schon holen, zu rechter Zeit und Stunde, so sprich auch du, Kind Gottes, wenn dir die Zeit zu lange und das Leben zu schwer werden will; dein Vater vergisst dich nicht, er kommt keine Stunde zu spät, aber auch keine Stunde zu früh; harr aus, harr aus! „Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Wenn wir das glauben und fassen, o wie getrost können wir da auch über die Art und Weise unsres Todes sein. Nur kein langes Krankenlager! nur keinen schweren Todeskampf! nur keinen bösen, schnellen Tod! solche Wünsche und Seufzer steigen oft auch aus frommen Herzen. Es ist wahr, der Tod hat seine Schauer für die sündige Menschennatur, Sterben ist kein Kinderspiel, auch für Kinder Gottes nicht. Aber in welcher Gestalt auch der Tod komme, ein Kind Gottes weiß: er kommt mir als ein Bote des Herrn, ein Kind Gottes sagt sichs auch da zum Trost: „Der Vater holt mich,“ der Vater, von dessen Liebe mich nichts scheiden kann, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, weder Leben noch Tod; der gute Hirte begleitet mich, der welcher selbst mit dem Kreuz auf seinen treuen Schultern voranging auf der Todesstraße, der ist mir nahe auch in der bängsten Stunde, und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab tröstet mich. 
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-„Sterben wir, so sterben wir dem Herrn“ o wenn ich nur das fasse und halte: wie getrost kann ich auch dem unbekannten Land hinter dem Grab entgegensehen. Es ist mir freilich ein unbekanntes Land trotz so manchem verheißungsvollen Lichte, das die Schrift über seiner Pforte mir aufsteckt. Wie es dort aussieht, wie sichs dort lebt, wohin meine Seele kommt, wenn sie von diesem ihrem treuen Lebensgefährten, dem Leibe getrennt ist, und wie sie ohne ihn fortlebt - ich weiß es nicht. Aber genug wenn ich weiß: sterben wir, so sterben wir dem Herrn; der Vater holt mich; derselbe treue Gott und Herr, der mich in dieses Leben führte, ohne dass ichs vorher wusste, wie? - der mich durch dieses Leben führt, ohne dass ichs einen Tag vorher weiß, wie? der wird mich auch aus dem Leben führen, ohne dass ich weiß, wie? wird mich heimholen zu sich ins Vaterhaus, in dem viele Wohnungen sind, die ich jetzt noch nicht kenne. Also der Tod scheidet mich nicht von meinem Herrn, sondern führt mich nur näher zu ihm; ich sterbe dem Herrn, ich sterbe an seiner Brust, ich sterbe gleichsam in seinen Arm und Schoß hinein, ich falle sterbend in seine Hand, in die Hand der ewigen Allmacht und Liebe. So, meine Freunde, denkt ein Kind Gottes über sein Leben und Sterben; sagt, sind das nicht selige Gedanken, liegt darin nicht ein hoher Glaubenstrost im Leben und im Sterben? O lassts uns nur fassen und glauben, und der Herr helfe uns immer besser fassen und immer fester halten den hohen Glaubenstrost der Kinder Gottes: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 
- 
-Wir sind des Herrn, so kann im dunkeln Tale\\ 
-Uns nimmer graun, uns scheint ein heller Stern, \\ 
-Der leuchtet uns mit ungetrübtem Strahle, \\ 
-Es ist das teure Wort: wir sind des Herrn! 
- 
-Aber dieses teure Wort ist auch ein ernstes Wort: „Lebend und sterbend gehör ich dem Herrn.“ In diesem schönen Bekenntnis eines Gotteskinds liegt auch 
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-=====2) eine große Lebensaufgabe; ===== 
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-nämlich die: mach dich fertig im Leben zum Dienste des Herrn, im Sterben zur Rechenschaft vor dem Herrn. 
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-„Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber, leben wir, so leben wir dem Herrn,“ so konnte freilich ein Apostel sagen wie unser Paulus, dessen ganzes Leben ein Dienst des Herrn war, der all sein Erdenglück, sein Leibesleben, seine Geistesgaben, jeden Blutstropfen in seinen Adern und jeden Wunsch in seinem Herzen ganz dem Herrn zum Opfer und Eigentum ergeben hatte, so dass er mit Wahrheit seinen Römerbrief beginnen konnte mit den Worten: Paulus, ein Knecht Jesu Christi. 
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-Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn“, so konnte der sagen, der jeden Tag bereit war um Christi willen als ein Schlachtschaf sich zur Marterbank führen zu lassen, und der in demselben Rom, wohin er schrieb: wir sterben dem Herrn, wirklich nachher sein Haupt auf den Block gelegt hat und gestorben ist im Dienste seines Herrn. Aber, meine Lieben, ists denn auch in unsrem Munde wahr: Unser keiner lebt ihm selber, leben wir, so leben wir dem Herrn, ihm zum Dienst und zur Ehre? Wohl sind wir alle durch unsre Taufe zu seinem Dienst und Eigentum geweiht. Wohl haben wir alle bei unsrer Konfirmation uns verpflichtet, dem heiligen Gott Vater Sohn und Geist ewig treu zu sein und nach seinem Willen und Wort zu leben, zu leiden und zu sterben.“ Aber steht denn dies Gelübde auch in Kraft? Ists wahr: unser keiner lebt ihm selber? keiner lebt seines Fleisches Gelüsten oder seines Kopfes Launen, seinen edleren oder gemeineren Leidenschaften, seinen gröberen oder feineren Genüssen? Ists denn nicht bei den Allermeisten von uns eben doch das Ich, um das offener oder versteckter unser Leben und Streben sich dreht? Und hier steht: „Unser keiner lebt ihm selber!“  
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-Und hier steht weiter: „Leben wir, so leben wir dem Herrn.“ Bei wie vielen unter uns ist denn das wahr? Wenn ich dirs auch glaube, du lebst nicht gerade nur dir selber: lebst du darum dem Herrn? Du Gewerbsmann sagst: ich lebe meinem Gewerbe; du Beamter: ich lebe meinem Amt; du Staats- oder Volksmann: ich lebe meinem Vaterland; du Künstler und Gelehrter: ich lebe meiner Kunst und Wissenschaft; du Hausfrau: ich lebe meinem Hauswesen, meinem Mann, meinen Kindern. Das alles ist gut und schön, aber bei dem und in dem und über dem allem bleibt immer noch die Frage: lebst du auch dem Herrn? Glaube ja nicht, um dem Herrn zu leben, müssest du aufhören, für die Menschheit zu wirken. Glaube ja nicht, nur der lebe dem Herrn, der ins Kloster gehe als Mönch oder Nonne, oder der aufs Schiff steige als Missionar für die Heiden. Nein, dem Herrn leben heißt: in dem Beruf in den uns der Herr gesetzt, mit den Kräften die uns der Schöpfer verliehen, in der Zeit die uns der Herr hienieden gönnt, unsre Schuldigkeit tun im Aufsehen auf ihn, so dass die Liebe zu ihm unsre innerste Triebfeder, sein Gesetz unsre einzige Richtschnur, sein Wohlgefallen unser höchstes Ziel ist und wir um seinetwillen alles, auch das Liebste wenn es sein muss, aufopfern können. Wer das tut, der lebt dem Herrn, sei er ein Geistlicher oder ein Soldat, ein Gelehrter oder ein Bauer, ein Minister oder ein Taglöhner, ein Künstler oder ein Gewerbsmann, eine Hausfrau oder ein Dienstmädchen. Und nun noch einmal: Gilts von uns: leben wir, so leben wir dem Herrn? nicht der Welt, nicht dem eigenen Fleisch, sondern dem Herrn unsrem Schöpfer und Erlöser, unsrem Seligmacher und Richter? Können wirs unsrem Apostel nachsagen: Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir, und was ich noch lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben? O meine Lieben, lassts uns doch einmal versuchen mit solch einem Leben im Dienste des Herrn; lasst uns einmal herübertreten aus dem Dienste der Sünde, deren Sold der Tod ist, aus dem Dienste der Welt, die ihre Sklaven mit eitlen Scheingütern und Hoffnungen abspeist, aus dem Dienste unsrer Leidenschaften, die uns so oft schon irregeführt bis wir weinend im Staube lagen, - lasst uns einmal mit ganzem Ernst herübertreten in den Dienst unsres Gottes und Heilandes, obs uns da nicht wohler wird, ob wirs da nicht erfahren werden: der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehen? ob nicht unser Herz zufriedener, unser Beruf lieblicher, unsre Last erträglicher wird und ein ganz neuer Segen, ein bisher unbekannter Friede sich über unser Leben ausbreitet, wenn wir Ernst machen mit dem Wort: Leben wir, so leben wir dem Herrn? 
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-„Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn;“ denn wohlgemerkt, meine Lieben, unser keiner stirbt ihm selber! Sind wir im Leben nicht unsre eignen Herrn, so sind wirs noch viel weniger im Tode. Diesseits vom Grabe da kann der Mensch zur Not seine eignen Wege gehen, aber jenseits, da muss er sich gürten und führen lassen, wohin er nicht will. Im Leben da kann er Leib und Seele dem entziehen, dem sie von Rechtswegen zum Eigentum gehören, kann seinen Leib hingeben in die Lüfte der Sünde, kann seine Seele verkaufen in den Dienst der Eitelkeit, aber im Tode da fällt Leib und Seele dem Herrn heim, da musst du deinen Leib hingeben in die Hand des Herrn, dass er zur Erde werde von der er genommen ist, und kannst kein Glied dagegen rühren, wenn man ihn zu Grabe trägt, da musst du deine Seele hingeben in die Hand deines Schöpfers und Richters, nackt und bloß, wie sie ist, ohne Hülle und Schminke. 
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-„Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Im Tode wie im Leben gehören wir dem Herrn, ach das bedenken wir viel zu wenig, das vergessen wir viel zu oft. 
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-Nicht nur der Selbstmörder vergisst es, der den großen Schritt in die Ewigkeit eigenmächtig tut, ohne zu warten auf das Geheiß dessen der die Menschenkinder lässt sterben und spricht: kommt wieder, Menschenkinder, und so eingreift in die Majestätsrechte Gottes. 
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-Auch der Sündendiener vergisst das, der im Dienste des Lasters auf seine Leibes- und Geisteskräfte hineinhaust und so früher als Gott ihms bestimmt, reif wird zum Grabe, und eine zerrüttete Seele hinüberbringt vor seinen Herrn und Gott. 
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-Auch der Leichtsinnige und Sichere vergisst das, der sich das Jenseits zurecht macht nach seinen eitlen Träumen und Gelüsten, statt nach den heiligen Winken des göttlichen Worts; der nach einem Erdenleben ohne Gott sich Rechnung macht auf ein ewiges Leben bei Gott, oder auf eine eingebildete Selbstgerechtigkeit ohne weiteres die Hoffnung des Himmels baut. Diesen allen und uns allen, meine Lieben, ruft der Apostel mahnend und warnend zu: Unser keiner stirbt ihm selber; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. In seine Hand fallen wir, wenn unser Haupt aufs letzte Kissen sinkt; vor seinen Stuhl treten wir, wenn unsre Seele hinübergeht ins Land der Vergeltung; aus seinem Mund hören wir unser ewiges Los, aus dem Munde dessen, von dem es heißt: „Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte Dem der ihn liebt und sucht.“ O lasst uns ihn lieben und suchen, dass er auch uns kommen könne mit Gnad und süßem Lichte. Lasst uns leben in seiner Furcht, damit wir einst sterben können in seinem Frieden. Lasst es uns zur ernsten Mahnung werden an unsre christliche Lebensaufgabe: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. 
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-Wir sind des Herrn, so lasst uns ihm auch leben, \\ 
-Sein eigen sein mit Leib und Seele gern, \\ 
-Dass Herz und Mund und Wandel Zeugnis geben, \\ 
-Es sei gewisslich wahr: wir sind des Herrn! 
- 
-Und eben aus diesem Blick auf unsern Herrn und Richter, dem wir lebend und sterbend angehören, ergibt sich auch noch 
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-=====3) eine schöne Liebesregel,=====  
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-nämlich die: wirf du dich nicht zum Herrn und Richter auf über deines Nächsten Leben oder Sterben! Davor warnt uns der Apostel noch ganz besonders, wenn er uns im Text zuruft: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du andrer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Christi dargestellt werden. - So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben.“ Meine Lieben, sind das nicht goldene Worte auch für uns? Wenn es so ist, wie wirs bis daher betrachtet: unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber, sondern lebend und sterbend gehören wir dem Herrn, folgt dann nicht von selbst daraus: der Herr ists der uns richtet, mich, dich und jeden von uns, der Knecht aber darf sich nicht zum Richter aufwerfen über seinen Mitknecht. Und doch - wie unbrüderlich, wie unchristlich richten wir oft über unsern Nächsten! 
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-Richten über sein Leben, als wär unsereins der Herr um deswillen er eigentlich da sein und dem er zu Diensten stehen soll; als wär unsereins der Richter, vor dem er Rechenschaft abzulegen hat. Ist dann einer anders geartet und begabt als du flugs sprichst du über ihn ab, als wäre deine Weise die alleingültige, als wäre nicht über dir und ihm ein Herr und Schöpfer, der jeglichem Knecht ein Pfund zuteilt nach seinem Wohlgefallen! Oder durchkreuzt einer mit seinen Gedanken die deinen, mit seinen Planen die deinen, flugs betrachtest du ihn als deinen Feind, ja als den Feind Gottes, als hätte er nicht auch ein Recht dazusein und eine Meinung zu haben und sich zu regen in der Welt; als wärest du der Mittelpunkt, um den alles sich drehen muss; als wäre nicht über dir und ihm ein himmlischer Regente, der jedem die Bahn vorzeichnet da sein Fuß gehen kann. Oder ist einer noch hinter dir zurück im Christentum wie du es verstehst, flugs sprichst du ihm das Urteil, als stände es entsetzlich übel um seine Seele, als könnte nicht der Herr, der an dir seine Gnade erwiesen, auch an ihm sie noch verherrlichen. Gönn ihm doch noch Zeit, lass ihn doch leben; leben wir, so leben wir dem Herrn. 
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-Und sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Auch das vergessen wir so oft bei unsern Brüdern. Wie lieblos, wie herzlos, wie unchristlich, ja wie unmenschlich wird oft über Gestorbene gerichtet und zwar von sehr christlichen Leuten, zumal bei schnellen und ungewöhnlichen Todesfällen! Wie leichtfertig wird da oft eine unsterbliche Menschenseele abgeschätzt, die doch auch nach Gottes Bild geschaffen war, für die doch auch des Heilands Blut geflossen ist, an der doch auch der Geist Gottes sich nicht unbezeugt gelassen hat, dass man oft nur staunen muss und fragen möchte: Ist denn in diesem frommen Herzen, das so richtet, jeder Funke von Nächstenliebe ausgetilgt und keine Spur mehr von heiliger Furcht vor dem Herrn der da spricht: mein ist die Rache, aber auch mein die Barmherzigkeit, dessen Gnade wir auch den besten Christen befehlen müssen und den schlimmsten befehlen dürfen und kein Gedanke mehr von Selbstprüfung, Selbsterkenntnis und Selbstanklage, da doch jeder für sich selbst Gott wird Rechenschaft geben! Meine Lieben, es wäre darüber noch viel zu sagen auf Grund unsres Textes, denn ich gestehe es, das Herz blutet mir oft über diesem lieblosen, gedankenlosen, ja gottlosen Geist unbrüderlichen Richtens, den ich für einen Krebsschaden unsres gesellschaftlichen und auch unsres christlichen Lebens halte. Aber ich weiß, mein Predigen hilft da nichts. Ich will euch nur bitten, nehmt das Wort mit heim: ein jeglicher auch von euch muss für sich selbst Gott Rechenschaft geben, dann wird euch das Richten vergehen, - und will den Herrn bitten, dass er in seiner heiligen Richtermajestät und doch auch in seiner sanften Hirtenliebe seinen Advent halten wolle in unsern Seelen, damit wir ihm als sein Eigentum allein zur Ehre leben, leiden und sterben und in unsrer letzten Todesstunde freudig und getrost sprechen mögen: Herr Jesu, dir leb ich, dir leid ich, dir sterb ich, dein bin ich tot und lebendig, mach mich, o Jesu, ewig selig. 
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-Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-====== Gerok, Karl von - Aus ernster Zeit - 2. Predigt am 2. Advent.====== 
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-(1869.) 
- 
-Luk. 15,35-48.\\ 
-**Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wann er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wirds also finden, selig sind diese Knechte! Das sollt ihr aber wissen: wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so wachte er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihrs nicht meint. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns, oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wann er kommt! Wahrlich ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: mein Herr verzeucht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen; so wird desselbigen Knechtes Herr kommen an dem Tag, da er sichs nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche Leiden müssen; der es aber nicht weiß, hat doch getan, das der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.** 
- 
-Es ist ein ernster Gruß, mit welchem jene Mönche von La Trappe nach ihrer Ordensregel sich begrüßen, wo sie einander begegnen und außer welchem kein Wort über ihre schweigenden Lippen gehen darf: Memento mori! Gedenk an dein Sterben! Und ein Christ braucht nicht im Kloster zu leben, um gar oft diesen ernst mahnenden Gruß zu hören. Auch wir können ihn eben jetzt von mancherlei Seiten vernehmen. Die winterlich erstorbene Natur, das zu Ende eilende Jahr, der häufige Klang der Totenglocke, die Adventszeit mit ihren Mahnungen an die letzte Zukunft des Herrn, auch unser heutiger Text mit seinem ernsten Inhalt, das alles ruft uns zu: Memento mori! Gedenk an dein Sterben! 
- 
-Aber meine Lieben, wozu soll nun dieser Gedanke ans Sterben uns dienen? Wie sollen wir auf den letzten Advent des Herrn in die Welt, wie sollen wir auf sein gerichtliches Kommen zu jeglichem unter uns, wie sollen wir auf unsere Todesstunde uns bereiten? Etwa dadurch, dass wir aus der Welt uns zurückziehen und von nichts mehr reden als vom Tod und an nichts mehr denken als an den Tod und unsre Hände zu nichts mehr brauchen außer dem Gebet als etwa wie jene Mönche unser Grab uns damit zu graben? Nein, sondern dazu soll der Gedanke an unsern Tod uns dienen, dass wir unser Leben recht nützen, unsere Hände recht rühren, unsere Zeit recht auskaufen, damit der Herr, wann er kommt, uns wachend finde. Darum hat der edle Herder Recht gehabt, wenn er als Gegenstück zu jenem Memento mori einst eine berühmte Predigt hielt über das Thema: „Gedenke zu leben!“ Kommt ja doch beides auf Eins hinaus: Gedenkst du selig zu sterben, so musst du drauf denken, im wahren Sinn zu leben. Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben. Darüber wollen wir mit Benützung unseres Textes jetzt weiter nachdenken und der Herr selber lehre es uns erkennen: 
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-Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben, 
- 
-ein Leben 
- 
-  - in der Furcht des Herrn, 
-  - in der Liebe des Nächsten,  
-  - in der Sorge für unsere Seele. 
- 
-Ja Vater hilf mir sorgen, \\ 
-Wie ich so leben mag, \\ 
-Dass ich an jedem Morgen \\ 
-Denk an den letzten Tag. \\ 
-Und wird er einst anbrechen, \\ 
-So gib, dass ich erfreut \\ 
-Von Herzen könne sprechen: \\ 
-Komm, Herr, ich bin bereit! Amen. 
- 
-=====1) In der Furcht des Herrn musst du leben, willst du bereit sein zum Sterben.===== 
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-„Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten,“ ruft Jesus im Evangelium uns zu. Einem Knechte gleicht der Christ, der jeden Augenblick gefasst ist, dass sein Herr kommt und ihn auf seinem Posten überrascht, und damit hat der Tod schon die Hälfte seiner Schrecken für ihn verloren. Warum, meine Lieben, kommt über die meisten Menschen der Tod wie der Dieb in der Nacht, unerwartet, unwillkommen, furchtbar und entsetzlich? Weil sie nicht gewohnt sind auf ihren Herrn zu warten, ja an den Herrn auch nur zu denken, dem sie angehören mit Leib und Seele. Der Weltmensch dünkt sich sein eigener Herr; Herr seines Leibes, den er braucht, wie er will; Herr seines Lebens, das er genießt, wie er kann; Herr seiner Habe, mit der er schaltet nach seinem Belieben; Herr seines Tuns und Lassens, das er einrichtet nach seines Herzens Gelüsten. Das geht so behaglich von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Und auf einmal kommt der Tod und zeigt ihm: Du bist nicht der Herr, sondern nur der Knecht, du bist nicht der Erdengott, sondern nur der Staub. Es ist Einer über dir, der hat Gewalt über dich; Gewalt über deinen Leib, den er jede Stunde kann aufs Schmerzenslager werfen und in den Staub des Todes legen; Gewalt über dein Leben, zu dem er jeden Augenblick kann sprechen: Bis hierher und nicht weiter; Gewalt über deine Habe, die du ihm wieder geben musst, und nackt von hinnen fahren, wie du in die Welt gekommen bist; Gewalt über deine Seele, die er geschaffen hat und die er auch richten wird. Dein Herr kommt! Ja, das ist eine Schreckensbotschaft in der Todesstunde für den, der seinen Herrn vergessen hat lebenslang. 
- 
-Aber dieses: „Dein Herr kommt,“ wie anders klingt es dem Christen, der alle Tage seines Herrn wartet, der im Aufsehen auf seinen Herrn als ein treuer Knecht sein Tagewerk hienieden bestellt. Wenn ich schon in gesunden Tagen lebe und webe im Gefühl meiner unbedingten Abhängigkeit von Gott, wenn ich mich mit Leib und Seele jeden Augenblick weiß in seiner allmächtigen Hand, jedes Erdengut, dessen ich gebrauche, jede Lebensfreude, die ich genieße, jeder Tag, den ich erlebe, jeder Atemzug, den ich tue, ein Geschenk seiner Gnade, und wenn ich in solchem Gefühl meiner Abhängigkeit vom Herrn nun bemüht bin, als ein treuer Knecht in seinen Wegen zu wandeln, seinen Willen, den er mir kund getan, redlich zu erfüllen, die Kräfte, die er mir verliehen, zu seiner Ehre zu brauchen, die Güter, die er mir anvertraut, nach seinem Wohlgefallen zu verwenden, den Beruf, den er mir angewiesen, unter seinen Augen auszurichten, die Freuden, die er mir gönnt, in seiner Furcht zu genießen, die Lasten, die er mir auferlegt, in seinem Dienste zu tragen nun, meine Lieben, wird mir's denn dann so eine unerwartete, so eine unwillkommene, so eine entsetzliche Botschaft sein, wenn früher oder später die Stunde schlägt, die mir sagt: dein Herr kommt, dich abzurufen zur Rechenschaft, dich heimzuholen ins Vaterhaus? Wohl wird dieser Ruf mich vielleicht stören in allerlei lieben Hoffnungen und Entwürfen; wohl wird meine Natur einen Augenblick schaudern vor der Grabesluft, die mich anweht; wohl wird meine Seele sich demütig beugen in dem Bewusstsein: ich bin ein unnützer Knecht, ein tausendfacher Schuldner vor meinem Herrn. Aber meine Seele wird sich fassen in dem Gedanken: es ist dein Herr, der zu dir kommt. Der allmächtige Herr, dem du angehörst mit Leib und Seele von deiner ersten Lebensstunde an, der kommt nun und macht sein Eigentumsrecht an dich geltend. Der weise Herr, dem du's nachsagen musstest in so mancher Führung deines Lebens: der Herr hat Alles wohlgemacht! der kommt nun und schickt dir auch das letzte Stündlein zu der Zeit, da es am besten ist. Der barmherzige Herr, der wohl kennt die Schwachheit seiner Knechte, der kommt nun und wird in Gnaden ansehen das Werk deiner Hände. Der gütige Herr, dessen Liebe du hienieden erfahren durftest in tausend unverdienten Segnungen, der kommt nun, zwar um das Erdenleben dir zu nehmen mit seinen vergänglichen Gütern und Freuden, aber um dafür das ewige Leben dir zu schenken mit seinen unvergänglichen Schätzen, ja, um den getreuen. Knecht, der sich's hienieden sauer werden ließ in seinem Dienst, dort an seine himmlischen Tische zu setzen und mit göttlichen Wonnen zu erquicken. Und in diesem Gedanken: mein Herr kommt, mein Herr, auf den ich im Leben gewartet, der kommt nun im Tode zu mir, wird sich meine Seele in Geduld fassen und sprechen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir im Leben und im Sterben; ja, in solchen Gedanken kann ich mit Freuden, wenn mein Stündlein naht, ihm meine Hände entgegen strecken, und rufen: Komm, Herr Jesu, komme bald! 
- 
-Also wenn du fragst: wie soll ich mich anschicken zum seligen Sterben? so sag' ich, indem du dich anschickst zum christlichen Leben! Lebe von heute an in der Furcht des Herrn, dann kannst du heut oder morgen sterben im Frieden des Herrn. Warte seiner täglich, dann wirst du nicht erschrecken, wann er kommt, um welche Stunde es sei. Diene ihm als ein getreuer Knecht, dann kommt er zu dir als ein gnädiger Herr, kommt dir nicht als der Dieb in der Nacht, der dir alles nimmt, woran dein Herz hängt, kommt dir nicht als der strafende Richter, der den pflichtvergessenen Knecht zerscheitert, sondern kommt dir als der gütige Herr, der da spricht: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel sehen, gehe ein zu deines Herrn Freude! 
- 
-Die beste Vorbereitung auf ein seliges Sterben ist ein christliches Leben. Ein Leben in der Furcht des Herrn und 
- 
-=====2) in der Liebe des Nächsten. ===== 
- 
-Das erste Recht an dein Leben hat der Herr im Himmel. Aber den zweiten Anspruch daran haben deine Brüder auf Erden. So hat's der Herr selber geordnet. „Der Herr aber sprach: „Wie ein groß Ding ist's um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe. Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wann er kommt.“ Ein Glied in Gottes großer Welthaushaltung, hineingestellt unter Andere, um in Lieb und Frieden mit ihnen zu arbeiten, oder Andern vorgesetzt, um sie zu leiten und zu versorgen, oder Andern untergeordnet, um ihnen willig zu gehorchen, das, meine Lieben, ist unser aller Stellung in der Welt. Wohl dem, der seinen Platz ausgefüllt hat, wenn der Ruf ergeht: Tue Rechnung von deinem Haushalt! So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: mein Herr verzeucht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen, so wird desselbigen Knechtes Herr kommen an dem Tage da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.“ 
- 
-Damit gibt der Herr zunächst den Haushaltern im geistlichen Amt eine ernste Warnung, ihres Berufes treulich zu warten, der ihnen anvertrauten Seelen sich gewissenhaft anzunehmen, und nicht durch fleischliches Wohlleben, durch trägen Müßiggang, durch Hochmut und Lieblosigkeit, durch Unrecht und Gewalttat ihr heiliges Amt zu schänden. Aber, meine Lieben, wir Alle, in welchem Beruf wir stehen, können uns eine Lehre daraus ziehen, die Lehre: willst du gefasst sein zum Sterben, bereit zu einem ruhigen Ausgang aus der Welt, gerüstet zu einem getrosten Eingang in die Ewigkeit, so tue deine Schuldigkeit an denen, unter die dich Gott der Herr hineingestellt hat, so brauche deine Kraft und nütze dein Leben in der Liebe des Nächsten. Der Gewalthaber, der seine Macht missbraucht zum Schaden seiner Mitmenschen, zur Beugung des Rechts und zur Unterdrückung der Schwachen; der Begüterte, der seinen Reichtum geizig vergräbt oder üppig verprasst und Ohr und Herz und Hand verschließt gegen die Bitten der Bedrängten; der Müßiggänger, der seine Tage verträumt und sein Amt als Mietling vernachlässigt; der Haustyrann, der gegen Weib und Kind und Gesinde ein Wüterich ist mit Wort und Tat, und denen das Leben verbittert, die ihm Gott der Herr aufs Herz gebunden hat einer wie der andere bereitet sich einen schlimmen Abschied aus der Welt; er bettet sich übel für sein Sterbebett, wo seine Versäumnisse und Verschuldungen ihm zentnerschwer können auf die Seele fallen in den letzten bangen Stunden; er bettet sich übel in seinem Grabe, auf das kein Ehrenkranz dankbaren Andenkens, kein Tränenopfer trauernder Liebe fällt, und er bettet sich übel in Ewigkeit, wo es ein böses Wiedersehen geben wird zwischen ihm und denen, die er versäumt oder misshandelt, vor dem Stuhle des gerechten Richters, der da spricht: Was ihr nicht getan habt den Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir nicht getan! 
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-Aber wie ein groß Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, der seinem Nächsten gibt, was ihm gebührt und seinen Brüdern wohltut, wo er kann. Selig ist der Knecht, welchen sein Herr also findet tun, wann er kommt. Von seinem Tagewerk kann er Abschied nehmen zwar mit dem demütigen Bekenntnis: Ich bin ein unnützer Knecht und Stückwerk ist all mein Tun, aber doch mit dem tröstenden Bewusstsein, ich habe nicht ganz umsonst gelebt, meine Arbeit ist nicht vergeblich in dem Herrn. Seine Angehörigen kann er in Gottes Schutz und in die Liebe der Menschen befehlen, zwar nicht ohne den Schmerz des Abschieds und ohne die Sorgen der Liebe, aber mit dem Trost: Ich habe das Meinige an euch getan, der Herr wird weiter sorgen; fahrt wohl auf Wiedersehen bei dem Herrn! Auf Erden darf er zurücklassen einen guten Namen, denn das Gedächtnis der Gerechten bleibt im Segen. Und drüben darf er hoffen auf ein gnädiges Urteil, denn was ihr getan habt den Geringsten unter meinen Brüdern, spricht der Herr, das habt ihr mir getan! 
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-Fragst du also, wie soll ich mich anschicken zu einem Sterben im Frieden? so ist meine Antwort: indem du dich anschickst zu einem Leben in der Liebe. Ob dir der Herr viel anvertraut hat oder wenig, ob er dich zum Haushalter gesetzt hat über dein Haus und deine Familie oder über ein ganzes Volk und Land - gib deinem Nächsten seine Gebühr an teilnehmender Liebe und fürsorgender Treue, dann wirst du nicht erschrecken, wenn es heißt: Tue Rechnung von deinem Haushalt, sondern darfst dich getrösten der Verheißung: Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. 
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-Aber noch Jemand, o Christ, hat Anspruch auf deinen Dienst, das ist nach deinem Herrn im Himmel und mit deinen Brüdern auf Erden die Seele in deiner Brust. Darum 
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-=====3) die Sorge für unsre eigene Seele ===== 
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-gehört auch zu dem christlichen Leben das die beste Vorbereitung ist auf ein seliges Sterben. Jene Sorge für unsere Seele, die der Herr uns anbefiehlt mit den bedeutsamen Worten: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ 
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-„Lasst eure Lenden umgürtet sein“, d. h. macht eure Seele los von allem, was sie hindert am Fortschritt zum Ziel ihrer Bestimmung, auf der Wallfahrt zu der ewigen Heimat; macht sie los von dem was den Menschen herabzieht in den Staub der Erde und zu Fall bringt in den Schmutz der Sünde, von der Trägheit des Fleisches, von der Lust an der Welt, vom irdischen Sinn. 
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-„Lasst eure Lichter brennen“, d. h. pflegt in euren Seelen das Licht des Glaubens, das Feuer der Liebe, die Glut der Hoffnung, kurz die Flamme des inneren unsterblichen Lebens das aus Gott ist, in allen seinen Gestalten, damit wenn auch euer äußeres Lebenslicht erlöscht, in euch ein Funke glühe, der die Nacht des Todes überdauert, der euch hindurchleuchtet durchs finstere Tal, mit dem ihr hintreten dürft vor euren Herrn und König, weil es Licht ist von seinem Licht, entzündet am Lichte seines Wortes, entflammt vom Feuer seines Geistes. Aber heute gilts: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Ach, meine Lieben, auf dem Sterbebette geht das nicht so geschwind. In der Todesschwäche der letzten Krankheit da kann eine Seele, die lebenslang nur im Irdischen gelebt oder gar der Sünde gedient hat, nicht noch geschwind den Staub der Erde von den Füßen schütteln und sich gürten zum Gang in die Ewigkeit. Und wenn der beste Seelsorger ans Sterbebett gerufen würde, er kann dich nicht in den Himmel hineinbeten, so lang du mit allen Fasern an der Erde hängst. Im Dunkel der letzten Stunde da kann nicht noch geschwind das Licht des Glaubens angezündet und die Flamme des göttlichen Lebens angefacht werden in der scheidenden Seele, die lebenslang nichts gewollt hat von dem Wort Gottes, das ein Licht ist auf allen unsern Wegen, auch auf dem letzten. Da bleibt es dabei: wie du lebst, so stirbst du. 
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-Darum, willst du dich bereit machen zu einem seligen Sterben, so mach dich bereit zu einem christlichen Leben. Von heut an sorge für deine Seele, dass sie von Tag zu Tag freier werde von den Banden der Erde, von der Trägheit des Fleisches, von der Luft der Sinne, von der Verführung der Welt; von heut an sorge für deine Seele, dass das Licht des Glaubens immer heller in ihr brenne, dass die Flamme des göttlichen Lebens immer kräftiger in ihr leuchte, und dann mag die Nacht des Todes kommen heut oder morgen, du hast ein Himmelslicht auch in der Todesnacht; dann mag dein irdisches Lebenslicht auf langsamem Siechbett oder rasch vom tödlichen Schlage getroffen, bei heller Besinnung oder bewusstlos wie im Traum erlöschen: Du bist zum seligen Sterben bereit, bereit nicht nur durch eine zweifelhafte Bekehrung auf dem Totenbette, sondern durch ein christliches Leben, und kannst mit dem Apostel sprechen: Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn; 
- 
- 
-Vollende Gott, vollende\\ 
-Was mir dein Wort verheißt, \\ 
-In deine Vaterhände \\ 
-Befehl ich meinen Geist.  
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- 
- 
-Amen. 
- 
-{{tag>2_Advent}} 
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-======Gerok, Karl von – Brosamen - 2. Predigt am 2. Advent.====== 
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-(1886.) 
- 
-Matth. 25,31-46.\\ 
-**Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeist? oder durstig, und haben dich getränkt? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherbergt? oder nackt, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen, und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
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-„Wie soll ich dich empfangen und wie begegnen dir?“ Das war die Frage, die vor acht Tagen am ersten Adventsonntag das Festevangelium uns auf die Lippen legte. Heute am zweiten Advent unter dem Eindruck des soeben vernommenen Schriftworts könnte sich uns fast die Frage aus dem Herzen drängen: „Wie wirst du mich empfangen und wie begegnen mir,“ mein großer Herr und Heiland, dort bei deinem zweiten Advent, wenn du kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Toten? 
- 
-Das ist ja der andre Advent Christi, an den diese Adventszeit uns mahnt, sein Kommen zum Gericht am Ende der Tage. Und wenn es eine wichtige Frage ist für uns alle: Wie soll ich heute ihn empfangen, da er unsichtbar noch einmal kommt als der Welterlöser? so ist die Frage gewiss nicht minder ernst für jeden unter uns: Wie wird er mich drüben empfangen? Wie kann ich dort vor ihm bestehen, wenn er kommen wird als der Weltrichter? 
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-Eine Antwort auf diese Frage bekommen wir aus des Herrn eigenem Mund in unsrem heutigen Evangelium in jenem großartigen Gemälde vom jüngsten Gericht mit seiner gewichtigen Schlusssentenz: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan, und was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir nicht getan.“ 
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-Also unsre Liebeswerke sind‘s, die uns nachfolgen in die Ewigkeit, und die uns dort Zinsen tragen sollen über Bitten und Verstehen, die aber auch ein böses Defizit aufweisen können zu unsrer furchtbaren Überraschung und unsrem ewigen Schaden. 
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-Und doch, bleiben uns nicht da noch allerlei Fragen übrig? Sollte denn wirklich an solch einzelnen Werken, an solch äußerlichem Tun und Lassen der ganze Wert oder Unwert unsres Lebens, sollte daran unsre ewige Seligkeit und Verdammnis hängen? Stimmt das mit unsrem evangelischen Glauben? Stimmt es mit dem Pauluswort: Nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme? Stimmt es mit anderen Aussprüchen aus Jesu eigenem Mund? 
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-Solche Fragen können einem denkenden Christen wohl aufsteigen beim Lesen oder Hören unsres heutigen Evangeliums. Aber ein denkender Christ wird auch die Antwort darauf nicht vergebens suchen. Auch wir wollen uns jetzt die Frage vorlegen: 
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-Wie müssen unsere Liebeswerke beschaffen sein, dass wir damit bestehen können im Lichte der Ewigkeit? 
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-Die evangelische Antwort lautet: 
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-  - Ihr Grund muss sein der rechte Liebessinn; 
-  - Ihr Zweck muss sein das wahre Menschenwohl;  
-  - Ihr Lohn muss sein ein reiner Gnadenlohn. 
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-Weh, wie wird‘ ich Armer stehen, \\ 
-Wen zum Anwalt mir erflehen, \\ 
-Wenn Gerechte schier vergehen? \\ 
-Hehrer König, Herr der Schrecken, \\ 
-Gnade nur deckt unsre Flecken, \\ 
-Gnade, Gnade lass mich decken! Amen. 
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-Wie müssen unsre Liebeswerke beschaffen sein, dass wir damit bestehen können im Lichte der Ewigkeit? Die evangelische Antwort lautet: 
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-=====1) Ihr Grund muss sein der rechte Liebessinn;=====  
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-die echte Liebe zu den Brüdern - wie sie wurzelt in der Liebe zum Herrn. 
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-Hungrige speisen und Durstige tränken; Nackte kleiden und Kranke besuchen; Gäste beherbergen und bei Gefangenen einkehren, wenn daran die ewige Seligkeit hängt, dann könnte man denken, wird die heutige Christenheit glänzend bestehen am Tage des Gerichts, denn diese Liebeswerke alle - wann sind sie eifriger, wann sind sie vollständiger betrieben worden als in unsrer Zeit mit ihren Anstalten für wohlfeile Speise und gesunden Trank der Bedürftigen, mit ihren Vereinen für Bekleidung der Armen und zu Besuchen bei Kranken, mit ihren Herbergen für Heimatlose und ihrer Fürsorge für Strafgefangene? Ja, wenn es nur darauf ankommt am Tage des Gerichts, dann wären wohl wenige unter uns, die nicht einen Platz zur Rechten des Herrn hoffen und ein Lob aus seinem Munde erwarten dürften; denn wer unter uns hätte von solchen Liebeswerken nicht auch dies und jenes aufzuweisen in seinem Leben oder könnte nicht im schlimmsten Fall von heut an, ja in seinem letzten Willen auf dem Sterbebett durch eine milde Stiftung da noch Vieles nachholen. 
- 
-Gewiss, solche Werke der Barmherzigkeit sollen nicht unterschätzt und unsrer Zeit im Ganzen, und so manchem Mann und so mancher Frau unsrer Zeit insbesondere soll das Lob ihrer Liebesarbeit nicht entleidet und die Lust zu ihrem löblichen Tun nicht verkümmert werden - da sei Gott vor! Nur vergiss nicht, lieber Christ: Der, welcher über deine Liebeswerke zu Gericht sitzt, ist eben derselbe, der über die Almosen der Pharisäer das Urteil sprach: Sie haben ihren Lohn dahin, und frage dich: ist auch der Grund meines Tuns der rechte Liebessinn? 
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-Ists wirklich aufrichtige Menschenliebe, herzliches Erbarmen mit der Not meiner Brüder, was mich treibt, zu helfen wo ich kann? Oder ists oft nur die pharisäische Rücksicht auf das Urteil der Leute, was mir die Hand führt, wenn ich vielleicht widerwillig meinen Namen einzeichne in das Sammelbuch? Ists oft nur der selbstsüchtige Wunsch, den Armen los zu sein, was mich treibt, ihn so schnell als möglich abzufertigen mit einem Stück Geld oder Brot, oder Kleid? - Dass solche hingeworfene Liebesgaben, solche lieblose Liebeswerke nicht zu denen gehören, von denen es heißt: Selig sind die Toten die in dem Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach, das sagt jedem sein christliches Gewissen. 
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-Aber jene aufrichtige Menschenliebe, jenes herzliche Erbarmen - wie kann ich‘s denn immer in Bereitschaft haben für jeden Armen, der mir vielleicht ganz fremd ist, der mir vielleicht recht unbequem in den Weg tritt, ja dem vielleicht neben der Not auch die Schuld recht abstoßend auf der Stirn geschrieben steht? Da gibts nur Einen Weg, er ist angedeutet in den Worten des Herrn: „Was ihr getan habt an dem geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Du musst in dem Leidenden einen Bruder des Herrn sehen; anders ausgedrückt: deine Menschenliebe muss wurzeln in der Liebe zu deinem Gott und Heiland. Wir wollen‘s nicht übersehen, liebe Freunde: unsrem heutigen Evangelium gehen in demselben Textkapitel noch zwei große Gleichnisse voran die ebenfalls handeln von der Zukunft des Herrn zum Gericht, das Gleichnis von den zehn Jungfrauen und das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden. Diese beiden Gleichnisse sagen uns, wie wir zum Herrn stehen müssen, wenn wir vor ihm bestehen. wollen am Tag des Gerichts. In unsrem Herzen muss die stille Flamme des Glaubens und der Liebe zu ihm brennen und in unsrem Leben müssen wir mit unserm Pfund ihm dienen so gut wir können. Was dort der Herr von den Seinen verlangt, das brennende Öl in den Lampen, die stetige Flamme des lebendigen Glaubens und inniger Liebe für ihren Heiland im Herzen, und das treuverwaltete Pfund in den Händen, der redliche Fleiß im Dienste des Herrn unsres Gottes, - dieses beides tut ebenso not am Tage des Gerichts wie die Liebeswerke gegenüber dem Nächsten, ja es geht ihnen voran, es legt für sie erst den rechten Grund. 
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-Wenn in deinem Herzen die stille Flamme eines lebendigen Glaubens und einer innigen Liebe für deinen Gott und Heiland glüht, dann nur, aber dann gewiss wirst du um seinetwillen auch seine und deine Brüder lieben. Wenn du alles, was du hast und bist, betrachtest als ein vom Herrn anvertrautes Pfund, dann wirst du mit diesem Pfund auch treu haushalten in seinem Dienst zum Besten derer, unter die er dich hineingestellt hat. Wenn du deinen Heiland im liebenden Herzen trägst, deinen Gott gewissenhaft vor Augen hast in all deinem Tun, dann wirst du nicht nur hier und da einmal in guter Laune dem Armen etwas hinwerfen von deinem Überfluss, sondern dann wird dein ganzes Leben eine Liebesarbeit werden im Dienste Gottes und der Menschen. Dann wirst du dir nicht nur das Leichtere heraussuchen von jenen Liebeswerten: Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte kleiden; dann wirst du Trieb und Geschick auch zum Schwereren finden: Kranke besuchen, Verlassene aufnehmen, Gefangenen die Bruderhand reichen; dann wirst du auch hinter dem abstoßenden Gesicht eines an Leib und Seele verkommenen Menschen das milde Antlitz deines Heilands sehen, der gekommen ist zu suchen und selig zu machen das verloren ist und der dich bittet: tu's mir zu lieb; was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan! 
- 
-Sagt selbst, welche Kreise sind es denn und was für Leute sind es zumeist, die am reichlichsten ihre Opfer geben, am treulichsten ihre Hand bieten, am tüchtigsten ihren Mann stellen, am häufigsten auch ihre Frauen und Töchter schicken zu diesen Werken christlicher Barmherzigkeit an Armen und Kranken, an Kindern und Alten, an Verwahrlosten und Gefallenen? Sind es nicht die christlichen Kreise? Sind es nicht die Leute, die an Gott glauben und Christum lieb haben zum Beweis: die rechte Liebe zu den Brüdern wurzelt in der Liebe zum Herrn? 
- 
-Und stehen unsre Liebeswerke auf diesem Grund, dann wirds auch am andern nicht fehlen: 
- 
-=====2) Ihr Zweck muss sein das wahre Menschenwohl, nicht nur das leibliche, sondern auch und vielmehr noch das geistliche.===== 
- 
-Den Hungrigen speisen, den Durstigen stärken, den Entblößten warm kleiden, den Kranken pflegen und den Fremdling beherbergen das sind ja wohl schöne Liebeswerke zu allen Zeiten und unter allen Völkern von Abrahams Tagen bis auf diese Stunde, in der Hütte des roten Indianers im Urwald, wie unter dem Zelte des Arabers in der Wüste. Den tausendfachen leiblichen Nöten steuern unter dem Volk, das ist ja gewiss eine heilige Pflicht, eine wichtige Sorge, ein hohes Verdienst für den einzelnen Christen wie für die christliche Obrigkeit und die christliche Gesellschaft im Großen und Ganzen. 
- 
-Aber dass mit solcher äußeren Hilfe noch nicht alles getan ist auch nur für diese Welt, geschweige denn für die Ewigkeit; dass unsre Liebespflicht und unsrer Brüder Wohl noch mehr erfordert als solche leibliche Handreichung - das hat unser Herr und Heiland, der göttliche Menschenfreund und Seelenfreund, nicht nur durch sein Beispiel gezeigt, wenn er dem Gichtbrüchigen zurief: dir sind deine Sünden vergeben und den Armen das Evangelium predigte und die Hungrigen in der Wüste mit seinem Wort als dem Brot des Lebens speiste; sondern das können wir auch heute herauslesen aus seiner Rede von der letzten Rechenschaft. 
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-Wenn er‘s den Seinen zum Lobe anrechnet, Kranke besuchen und zu den Gefangenen kommen: was sollen sie denn dem Gefangenen in seine Zelle bringen, wo nicht Trost und Vermahnung aus Gottes Wort? Werden sie wenn sie die Seinigen sind dem Kranken nur eine leibliche Erquickung ans Bett stellen und nicht auch seine Seele zu erquicken suchen mit freundlichem Zuspruch und herzlichem Gebet? Wenn unsre christlichen Vereine ihre Häuser auftun, damit der Arme eine kräftige Speise für sich und die Seinen, der Arbeiter einen gesunden erwärmenden Trank, der Entblößte ein schützendes Gewand für sich oder sein Kind, der heimatlose Lehrling eine Unterkunft für seinen Feierabend, das arme Waisenkind ein Obdach und eine Pflege finde - ists uns bei dem allem nur um die leibliche Hilfe zu tun und nicht ebenso und noch mehr um sittliche Hebung und Bewahrung, um Behütung vor allerlei Bösem, um Erziehung zu allerlei Gutem? Und du selber, wenn dir Gott einen Hilfesuchenden in den Weg führt, wenn du einem Armen eine Gabe reichst, weißt du nicht, dass du noch weit mehr als durch die leibliche Gabe ihm oft wohltun kannst durch eine Ansprache an sein Herz, durch ein Wort liebreicher Nachfrage oder herzlicher Teilnahme, freundlichen Zuspruchs oder ernster Vermahnung, guten Rats oder milden Trosts? Nicht als müsste dabei immer ausdrücklich gepredigt und etwa die milde Gabe durch eine herbe Strafrede versalzen werden. Nein, auch ein einfältiges Wort herzlichen Wohlwollens ohne gesuchte Salbung kann sein Herz rühren, sein Gewissen wecken, seiner Seele wohltun, wenn er nur herausfühlt: du meinst es herzlich gut mit ihm. 
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-Sollte nicht gerade diese Adventszeit das hohe Ziel aller rechten Liebesarbeit uns wieder recht rührend und erhebend vor Augen stellen? Was ist es denn, was den himmlischen Gast, den Heiland der Welt herabrief ins Jammertal dieser Erde? Ist es nicht das geistliche Elend, der sittliche Jammer, die Sündennot der Welt? Und was ist es denn, was der himmlische Gast, der Heiland der Welt herabgebracht hat ins Jammertal dieser Erde? Ist es nicht eine geistliche Hilfe, ein Heil für die Seelen, ein Reich Gottes das da ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist? Und wenn wir mit neuem Eifer beten in dieser Adventszeit: zu uns komme dein Reich; und wenn wir als redliche Diener des Herrn selber mit helfen wollen, dass sein Friedensreich komme in diese arme verstörte Welt; und wenn wir als seine treuen Knechte und Mägde einst mit Freuden vor sein Antlitz treten und zu seiner Rechten stehen wollen an seinem großen Tag: wird nicht dann neben der ersten Pflicht, dass wir ihm Bahn machen in unsrem eigenen Herzen, unsre zweite die sein, dass wir, so viel an uns ist ihm auch den Weg bereiten in der Welt durch jene Liebeswerke, die allein gelten im Lichte der Ewigkeit, deren Zweck ist, das wahre Menschenwohl, nicht nur das leibliche, sondern auch das geistliche? 
- 
-Und Eines vergesst nicht zum Schluss: sollen unsre Liebeswerke bestehen im Lichte der Ewigkeit, so muss 
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-=====3) ihr Lohn sein ein reiner Gnadenlohn, nicht in Selbstgerechtigkeit erwartet, sondern in aller Demut empfangen.===== 
- 
-„Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ So lautet der Spruch des Weltrichters über die Seinen, womit er ihnen die Tür auftut zu einer seligen Ewigkeit und sie als treue Knechte eingehen heißt zu ihres Herrn Freude. 
- 
-Aber wie vernehmen sie diesen Spruch, wie empfangen sie diesen Lohn? Vernehmen sie ihn als ein längst erwartetes Urteil? Empfangen sie ihn als einen wohlverdienten Sold? Nein - und das ist ein besonders schöner und zarter Zug in diesem großartigen Gemälde - überrascht, beschämt, erschrocken fast fragen diese guten Seelen: Herr, wann haben wir dich gespeist und getränkt, gekleidet und beherbergt, gepflegt und besucht? Womit haben wir solch ein hohes Lob, solch einen herrlichen Lohn verdient? Unbekannt mit ihrem eigenen Wert, gebeugt von ihrer unverdienten Ehre, geblendet von ihrem unverhofften Glück, mit demütig gesenktem Haupt, wie selig Träumende gehen sie ein durch die strahlenden Tore des geöffneten Himmels. 
- 
-Was lernen wir daraus? Das wollen wir daraus lernen, meine Lieben: Sollen unsre Liebeswerke wohlgefällig sein vor dem Herrn und bestehen im Lichte der Ewigkeit, so darf keine Lohnsucht daran kleben, als könnten wir uns damit eine Staffel in den Himmel erbauen; so darf kein Hochmut sich dran hängen, als hätten wir uns damit ein Verdienst erworben - vor den Menschen oder gar vor dem alleinguten und vollkommenen Gott. 
- 
-Wenn wir mit solchen Gedanken an unsre Liebesarbeit gingen und auf unsre guten Werke blickten, dann wären wir dem Spruch des Herrn über die Pharisäer verfallen: Sie haben ihren Lohn dahin; dann würden wir in jene unevangelische Werkheiligkeit zurücksinken, gegen die unsre Kirche das Evangelium wieder auf den Leuchter gesteckt hat von der freien, alleinseligmachenden Gnade nach dem Pauluswort: Aus Gnade seid ihr selig worden durch den Glauben und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme. (Eph. 2.) 
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-Nun denn, lieber evangelischer Christ, - o lieb' so lang du lieben kannst; tue Gutes so lang du lebst; tue Gutes insbesondere auch in der bevorstehenden Festzeit zum Dank für die Liebe deines Gottes und Heilands; tue Gutes, wenn du kannst noch auf deinem Sterbebett, in deinem letzten Testament, dass über deinem Grabe noch ein herzliches Vergelts Gott für dich gen Himmel töne aus dankbaren Herzen! Aber vergiss nicht das Wort des Herrn: Wenn ihr alles getan habt was euch befohlen ist, so sprechet: wir sind unnütze Knechte, wir haben getan was wir schuldig waren, und bekenne es in Demut: nein, wir haben nicht einmal unsre ganze Schuldigkeit getan, mit all unsern guten Werken können wir unsrer Sünden Menge nicht zudecken, bei allem Lob der Menschen mangeln wir des Ruhmes den wir vor Gott haben sollten, und haben keine Hoffnung denn seine Barmherzigkeit, und wollen keinen Lohn außer den er aus Gnaden uns gibt. Solchen Sinn rechter Liebe und herzlicher Demut wollest du selbst in uns pflanzen, Herr unser Heiland, damit wir als deine treuen Knechte und Mägde eingehen zu unsres Herrn Freude. 
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-Was ich den Deinen hier getan, 
-Den Kleinsten auch von diesen, \\ 
-Das siehst du, mein Erlöser, an, \\ 
-Als hätt' ich‘s dir erwiesen, 
-Drum gib mir, Herr, durch deinen Geist \\ 
-Ein Herz das dich durch Liebe preist! 
- 
-Amen. 
- 
-{{tag>2_Advent}} 
- 
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- 
-======Goßner, Johannes - Evangelische Hauskanzel - Am 2. Sonntage des Advents.====== 
- 
-Evang. Lucas 21,25 - 36. 
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-Es werden Zeichen geschehen rc. 
- 
-1) Der Herr ist gekommen ins Fleisch. 2) Er kommt immer in die Herzen. 3) Er wird kommen zum Gericht. Er kam sanftmütig zu Seinem Volke, um die Sünder selig zu machen, und kommt immer noch, klopft vor jeder Herzenstür und will bei Allen einkehren, um ihnen den Himmel ins Herz zu bringen. Das haben wir vor acht Tagen nach dem Evangelio betrachtet. Heute aber hält Er uns im Evangelio Seine letzte öffentliche Zukunft zum Gericht vor, wo Er kommen wird nicht mehr in Sanftmut, sondern mit großer Kraft und Herrlichkeit, nicht mehr in Kindesgebärden, nicht mehr in Knechtsgestalt, sondern als König Himmels und der Erde, als Herr und Richter, zum Schrecken aller Gottlosen und zur Freude der Frommen. Er kündigt die Zeichen an, die Seiner Erscheinung vorangehen werden. Er warnt und ermahnt, vor was wir uns hüten und was wir tun sollen, um zu entfliehen dem zukünftigen Zorn, und zu stehen vor Seinem Angesicht. 
- 
-Himmel und Erde und das Meer werden die nahe Zukunft ihres Herrn und Richters verkünden. An den Himmelskörpern, der Sonne, dem Monde und den Sternen werden Zeichen geschehen, und das Meer und seine Wogen werden brausen, so dass allen Menschen wird bange werden, ja, dass sie verschmachten werden vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen über den ganzen Erdkreis, dass keine Kreatur entfliehen kann. Er wird sich so ankündigen, dass es auch die Ungläubigsten und Verstocktesten glauben müssen, und der Zweifler nicht mehr zweifeln kann. Denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Das werden Tage des Zorns und Tage der Rache sein, des Zorns und der Rache der göttlichen Liebe und Langmut, die so lange gewartet und die Sünder durch Güte und Geduld zur Buße zu leiten gesucht hat, weil sie nicht will, dass eine Seele verloren gehe. Aber nun hat die Zeit der göttlichen Geduld und Langmut, wie zu den Zeiten Noahs, ein Ende. 
- 
-Aus Barmherzigkeit und lauter Liebe hat der Heiland dies Alles vorausgesagt, dass es doch alle Menschen, die Gottlosen und die Frommen beherzigen, sich prüfen und fragen mögen: Wer wird da bestehen können? wem wird nicht bange werden, wenn nach den Worten Jesu, allen Leuten bange sein wird? Wer wird nicht verschmachten, wenn alle Menschen verschmachten werden vor Furcht und Warten der noch ärgern Schrecknisse und Gerichte auf dem ganzen Erdkreis und an des Himmels Kräften? - Doch nein! nicht allen wird bange werden, nicht alle werden verschmachten vor Furcht; vielmehr ein Teil der Menschheit wird sich freuen und frohlocken, wird, wie der Heiland auch selbst sagt, die Häupter emporheben, während die ganze Welt die Köpfe hängt. Und gerade die sogenannten Kopfhänger werden dann, wenn die lustigen Sünder, die immer ihren Kopf hoch trugen, die Köpfe hängen, ihre Häupter emporheben, und sich mit unaussprechlicher Freude freuen, weil die, für die Bösen schreckbaren Zeichen am Himmel, an der Erde und am Meer für sie Vorboten und Signale sind, dass ihre Erlösung naht. Wer sind die, welche, wenn die ganze Welt zittert, bebt und verschmachtet, sich wie Bräute auf den Hochzeittag freuen, welche in den Tagen des Zorns und der Rache jauchzen und triumphieren? Das sind die Jünger des Herrn, die wahren Jünger, die Ihn hörten, Ihm glaubten, Ihm folgten, Ihm anhingen von ganzem Herzen. Das sind die Gläubigen, deren Glaube die Welt überwunden hat, die in Christo sind und Christus in ihnen, die durch den Glauben an Ihn gerecht und selig geworden sind und das ewige Leben schon ergriffen haben, die nicht ins Gericht kommen, sondern vom Tode zum Leben durchgedrungen sind, Joh. 5, 24. und also kein Gericht, und die Schrecken des Gerichts und kommenden Richters nicht im Geringsten zu fürchten haben Das sind die Schafe Seiner Weide, von welchen Er sagt: Ich gebe meinen Schafen das ewige Leben, sie werden nimmermehr umkommen und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Joh.  10. Das sind die, welche sich selber richten, darum werden sie nicht gerichtet werden, nicht mit dieser Welt zu Grunde gehen, und haben also nicht Ursache bange zu sein und zu verschmachten, weder bei den Vorboten des kommenden Richters, noch bei dem Gerichte selbst. 
- 
-Welch ein Vorrecht der Gläubigen, dass sie das Fürchterlichste nicht fürchten, vor dem Entsetzlichsten sich nicht entsetzen, sondern vielmehr darauf sich freuen dürfen! Aber welch ein Jammer für die blinde Welt, dass sie, die Alles zu fürchten hat, sich jetzt nicht fürchtet, und Alles, was der Heiland von Seiner Zukunft zu ihrem Gerichte vorhergesagt hat, nicht glaubt oder nicht daran denkt und nicht daran erinnert werden will, um sich nicht fürchten und nicht bekehren zu müssen und dem Verderben zu entgehen! O möchten wir es doch allen Sündern vor Augen malen können mit den stärksten Farben, was ihrer wartet schon vor dem Gerichte! was wird es erst hernach werden? - Allein wenn das, was auf Golgatha für sie geschehen ist, sie nicht rührt und bekehrt, so werden die Dinge, die erst geschehen sollen, die Schrecken der Zornschalen, die ihnen drohen, sie noch viel weniger aus dem Schlafe wecken und zur Besinnung bringen. Ihr aber, ihr gläubigen Jünger und Jüngerinnen des Herrn! stellet ihr euch noch einmal und oft hin vor das Gemälde, welches der Heiland von Seiner Zukunft zum Gerichte entworfen hat, und prüfet euch dabei, ob ihr alle so im Herrn stehet, so fest auf Ihn gegründet seid und in Ihm erfunden werdet, dass ihr euch wirklich nicht zu fürchten habet, dass ihr, wenn das Alles ansangt zu geschehen, mit Recht, ohne Bangigkeit und Furcht eure Häupter werdet empor heben und ohne Zweifel glauben können, dass eure Erlösung damit nahe. Ja, ich beschwöre einen Jeden, dass er sich vorstelle diese Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, wenn sie herunterfallen, wenn das Meer und seine fürchterlichen Wogen brausen, wenn die Fundamente des Himmels und der Erde erschüttert werden, wenn aller Kreatur bange wird, wenn alle Menschen verschmachten werden vor Furcht und Warten der noch fürchterlicheren Dinge, die da kommen sollen über den Erdkreis; ja bedenket es, und ein Jeder prüfe sich, ob da sein Glaube nicht wanken, seine Zuversicht fest bleiben und er sagen können wird: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten! Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wenn gleich das Meer wütete und wallte und die Berge mitten ins Meer sanken, so fürchtet sich doch mein Herz nicht.“ Ps. 27. u. 46. Ist eure Frömmigkeit so echt, so wahr, so rein, seid ihr auch von Gott durch und durch Geheiligte, dass euer Geist ganz, samt Seele und Leib unsträflich behalten werden auf jenen Tag der Zukunft Jesu Christi? 1 Thess. 5,23. Dort wird Keiner sein Haupt emporheben, Keiner der Bangigkeit und dem Verschmachten entgehen, der nur den Schein der Gottseligkeit hatte, und die Kraft derselben verleugnete; dort wird Keiner den Menschensohn auf den Wolken kommen sehen und Seinen Blick ertragen können, ohne niedergeschmettert zu werden, der jetzt nur Herr! Herr! sagt und nicht den Willen des Vaters im Himmel tut. Dort werden mit den Gottlosen und Ungläubigen verschmachten, vor Furcht und Angst, alle Heuchler und Verlogene, die nur die Sprache Kanaans reden gelernt, nur den Buchstaben ohne Geist aufgefasst, nur mit dem Munde Christum bekannt, aber mit den Werken verleugnet haben, indem sie dabei die Welt lieb hatten und sich der Welt gleichstellten. Dort wird auch keine Zeit mehr sein, sich noch einmal und erst recht zu bekehren. Jetzt, jetzt, heute, heute, da ihr Seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. 
- 
-Darum fand der Heiland für nötig, auch Seine Jünger und alle Gläubige zu warnen, dass sie nicht sicher werden, sondern sich hüten sollen, dass ihre Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, dass sie wachen und beten sollen allezeit, um würdig zu werden zu entfliehen diesem Allen, und zu stehen vor des Menschen Sohn. O welche wichtige Warnungen und Ermahnungen auch für alle Fromme und Gläubige im Hinblick auf die Schrecknisse, die Seinem Tage vorherlaufen! Das Allerwichtigste und Nötigste ist: „Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden“ - denn wenn das Herz beschwert ist durch sinnliche Genüsse in Speise und Trank, durch Zerstreuungen, Vergnügungen oder durch Geizen und heidnische Sorgen der Nahrung und Kleidung, dann ist auch das zweite: „Wacht und betet“ unmöglich. Ein zerstreutes, beschwertes, von der Welt erfülltes Herz kann nicht beten, mag nicht wachen. Darum heißt es: „Seid mäßig und nüchtern zum Gebet.“ 1. Petr. 4, 8. „Lasst uns wachen und nüchtern sein.“ 2. Thess. 2, 6. 8. Der Heiland verbietet nicht das Essen und Trinken, sondern das Fressen und Saufen, die tierische Lust, die unersättliche Begierde, dem Fleische zu geben, so viel es will, das nie genug hat, und je mehr man ihm gibt, umso mehr verlangt. Der Heiland hat vorhergesehen den Zustand der Menschen in den letzten Tagen, dass gerade vor Seiner Zukunft das Fressen und Saufen den höchsten Grad erreichen wird, wie wir jetzt vor Augen sehen, den entsetzlichen Missbrauch berauschender Getränke, das in unmäßiger Menge Bereiten und Verbreiten des giftigen Branntweins. Wann, in welchem Jahrhundert ist mehr von diesem zerstörenden Getränke gemacht und verbraucht worden, als eben jetzt? Und was macht das Herz des Menschen untüchtiger zum Wachen und Beten als diese schreckliche Pest? Doch hat die Barmherzigkeit es auch gefügt, dass gerade in dieser traurigen und gefährlichen Zeit mitleidige und tätige Menschenfreunde erweckt wurden und sich zu Vereinen bildeten, die dem höllischen Verderben steuern und dem Würgengel entgegen treten, ihn ausrotten wollen. Die Mäßigkeitsvereine sind also wahre Engel Gottes, die nicht nur für sich, sondern für ihre Mitmenschen des Heilandes Warnung zu befolgen suchen: „Beschwert eure Herzen nicht mit Fressen und Saufen.“ Doch ist es der Branntwein und anderes berauschende Getränk nicht allein; jedes Übermaß in Speise und Trank, in Sorgen und Jagen nach den Gütern der Erde, nach der Ehre der Welt, nach der Lust des Fleisches, ist ein Beschwernis des Herzens, eine Feindschaft gegen das Kreuz Christi, ein Bauchdienst und Abgötterei, die das Herz für Gott und Christus zuschnürt, den Geist niederdrückt, und alle Lust und Kraft zum Gebet und Wachen lähmt; so wie die Dornen der Sorgen allen Samen des göttlichen Wortes ersticken, das Wachstum hindern und die Frucht unmöglich machen. Ein von Unmäßigkeit und Sorgen beschwertes Herz ist ein Stein- und Dornacker, in dem alle Keime des Guten, des Glaubens und der Liebe, der Gnade und des Geistes ersticken, alle guten Eindrücke bald wieder verschwinden, weil sie nicht wurzeln noch wachsen können. 
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-Hütet euch also vor Allem, was das Herz beschwert, das Andenken an das Eine, was not tut, besonders in dieser letzten Zeit, schwächt, den Umgang mit Dem, der da ist und kommen wird, stört, was den Geist niederdrückt, dass er sich nicht erheben kann zu Dem, der uns berufen hat zu Seiner Herrlichkeit. Wer darin nicht geübt ist und sich nicht immer bereit hält, der wird von jenem Tage, wie der Heiland sagt, schnell, plötzlich überfallen, denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. Da ist dann nichts mehr zu ändern, keine Zeit mehr zur Bekehrung. Bedenkt doch Alle, wie wünscht ihr an jenem Tage des Schreckens und des Zornes erfunden zu werden, in welchem Zustande? in der Trunkenheit und Völlerei? bei einem üppigen Gastmahl? bei einer Belustigung der Sinnlichkeit? bei einem Tanze? in einem Schauspiele? bei Langweil und eitlem Zeitvertreib? bei einem Spiele? beim Wuchern und Jagen nach Gewinn? beim Betrug und Übervorteilen des Nächsten in Handel und Wandel? bei Zank und Streit über Mein und Dein, oder um Ehre und Eigennutzes willen? in wollüstigen Gedanken, Begierden und Genüssen? in leichtsinnigen Scherzen und Zerstreuungen? mit einem Herzen voll eitler Gedanken und Begierden, ohne Gott, ohne Christus, ohne Friede und heilige Gesinnung? Wollt ihr so von jenem furchtbaren Tage, von jenen Zeichen am Himmel und auf Erden, von jenem Brausen des Meeres und der Wasserwogen, von jenem Krachen der Himmelskräfte überfallen werden? Würdet ihr so eure Häupter emporheben und des Menschen Sohn mit Freuden kommen sehen können auf den Wolken des Himmels? Soll dieser Fallstrick ohne gleichen so über euch kommen, wie über alle Bewohner der Erde, die ohne Gott in der Welt sind? Oder wie wünscht ihr in jenen Tagen zu sein? nicht wie Knechte und Mägde, die auf ihren Herrn warten mit umgürteten Lenden, mit Lichtern in den Händen? nicht wie Bräute, die auf ihren längst ersehnten Bräutigam mit heißer Liebe, mit heiliger Ungeduld warten? die alle herzbeschwerende Genüsse, alle unnötige Sorgen abweisen, und sie von der Herzenslust und Sehnsucht, beim Herrn zu sein, von der Hauptsorge, dem Herrn zu gefallen, wir mögen daheim sein oder wallen, verdrängen lassen? Ja, solche, solche Herzen müssen wir haben, die, wie Paulus sagt, 1 Thess. 3, 13. gestärkt und unsträflich sein in der Heiligkeit vor Gott und unserm Vater auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi samt allen seinen Heiligen. 
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-Nun hört noch das zweite Ermahnungswort des Herrn: So seid nun wacker (oder wacht) allezeit und betet, dass ihr würdig werden mögt (denn aus sich selbst ist es Keiner), zu entfliehen dem allen, was geschehen soll, und zu stehen (bestehen) vor des Menschen Sohn. Das sagte der Herr seinen auserwählten Jüngern; wer will sich davon ausnehmen und sagen: Das gilt mir nicht, ich bin sicher, ich werde bestehen, ohne zu wachen und zu beten? Wer ist rein unter denen, da Keiner rein ist? Also auf! meine Lieben! lasst uns das Wort des Herrn nie vergessen, lasst uns wachen und beten, dass wir durch die Gnade des Herrn bewahret und würdig werden, in der großen Versuchungsstunde, die über den ganzen Erdkreis vor der Ankunft des Herrn kommen wird, zu bestehen. Die wir in kleinen und täglichen Versuchungen so oft fallen und überwunden werden; was wird es werden mit uns, wenn alle Elemente, alle Kräfte des Himmels und der Erde und der Hölle auf uns einstürmen? Wessen Kraft wird da ausreichen? Wer aber dort fällt und nicht besteht, kann nimmermehr aufstehen, ist ewig verloren. Darum lasst uns stark werden in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke - durch Wachen und Beten werden wir's - dadurch ziehen wir an den Herrn und Seinen Harnisch, Eph. 6. - und in Ihm überwinden wir weit, so dass uns nichts von Ihm und Seiner Liebe scheiden, nichts schrecken und bange machen kann, weder Trübsal, noch Angst, noch Verfolgung, oder Hunger, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur - Röm. 8. 
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-Das Wachen allezeit und das Beten ist kein so schweres und saures Ding, als es sich Manche vorstellen, die es nicht von Grund aus kennen und üben. Es ist eine süße, ja die süßeste, leichteste Sache; es ist das Bleiben in Ihm - das sich so Festhalten im Glauben an den Unsichtbaren, als sähe man Ihn; Hebr. 11, 37. es ist das Kniebeugen zum Vater, dass Er uns Kraft gebe nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch Seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben wohne in unsern Herzen. Eph. 3. Es ist das kindliche Anhangen an dem Herrn, wie das Kind an der Mutter hangt, wodurch man Ein Geist mit Ihm wird. Es ist das Kriechen der Küchlein unter die Flügel der Henne. Es ist das folgsame Hören der Schäflein auf die Stimme des Hirten. Kinder können es, Küchlein können es, Schäflein können es; sollen es Jünger des Herrn, Kinder aus Gott geboren, Erlöste und Begnadigte nicht vermögen? O wie wohl ist den Seinigen bei Ihm und in Ihm! Darum, Kindlein, bleibet in Ihm, auf dass, wenn Er offenbart wird, wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor Ihm in Seiner Zukunft. 1 Joh. 2,28. Denn ihr wisst ja gewiss, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Denn wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz die Schwangeren, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des Lichts, Kinder des Tages - so lasst uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein - angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit; denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn (zur Verdammnis), sondern die Seligkeit zu ererben durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf dass, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit Ihm leben sollen. 1 Thess. 5, 2 - 11. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Hagenbach, Karl Rudolf  - Dass der Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen der beste sei.====== 
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-(Advents-Predigt.) 
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-Text: Joh. 7, 16.17\\ 
-**Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede.** 
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-Wir haben vor acht Tagen ein neues Kirchenjahr angetreten und stehen somit wieder in der heiligen Adventzeit. Unsre Voreltern waren so sehr an diesen Wechsel der kirchlichen Zeiten gewöhnt, so ganz in denselben eingelebt, dass ihr geistiger, ihr innerer Mensch nicht weniger davon berührt und bestimmt wurde, als nur immer unser äußerer Mensch noch jetzt es wird, bei dem Wechsel der natürlichen Jahreszeiten. Wie die veränderte Luft im Frühling oder im Spätjahre, wie der Wechsel von Wärme und Kälte, von Licht und Dunkel auf unser körperliches Wesen und Befinden seinen unverkennbaren Einfluss behauptet, so teilte sich auch in jenen früheren Zeiten die Stimmung, die einer festlichen Zeit des Jahres zum Grunde liegt, der eigentümliche Festcharakter derselben, unwillkürlich allen Gliedern der Kirche mit; sie atmeten gleichsam die herannahende Weihnachts- und Osterluft von selbst ein, ohne erst von außen daran erinnert zu werden; denn sie hingen eben viel enger mit der Kirche zusammen und waren viel tiefer in ihre Angelegenheiten verflochten, als wir es sind. Gelingt es doch jetzt höchstens noch dem betreffenden Feiertage selbst, uns einen Augenblick stille stehen zu machen in dem wogenden Gedränge, das uns umgibt und mit sich forttreibt, einen Augenblick unsre Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was er uns bringen, was er uns verkünden will. Aber die wochenlange Zeit, die dem Feste vorangeht, die es vorbereitet, die ihm gleichsam den Weg bahnen will durch das weltliche Treiben hindurch, die wird von den Wenigsten mehr beachtet und verstanden, und wohl möchten die zu den Ausnahmen gehören, welche außer dem Weihnachtssegen auch von einem Adventsegen zu rühmen wüssten; für welche die ganze Reihe von Tagen und Wochen noch immer eine höhere als alltägliche Bedeutung hätte, die es sich zur heiligen Angelegenheit des Herzens machten, ihre Kinder und ihre Angehörigen, ihr ganzes Haus auf das hinzuweisen, was eben diese Zeit in ihrem Schoß birgt, was still in ihr keimen und wachsen und reifen soll, damit es am Weihnachtsfeste selbst als eine liebliche Frucht, als eine bescheidene Gabe zum Vorschein komme. 
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-Umso mehr aber ist es die Pflicht der Kirche und ihrer Diener an den Eintritt solcher heiliger Zeiten zu erinnern und die Stimmung der Gemeinden frühzeitig auf das vorzubereiten, was da kommen soll, und darum möchte denn auch die heutige Betrachtung eine Adventsbetrachtung werden, die uns hinweist auf den, der gekommen ist und der da kommen soll, die alles Störende und Fremdartige beseitigt, was seiner Aufnahme im Wege stehen könnte und dagegen das in uns aufs Neue hervorruft, was dazu dienen kann, uns beides froh und ernst zu stimmen, wie eben das heilige Christfest uns haben will. 
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-Diese Vorbereitung aber, meine Freunde, ist keine so leichte Aufgabe. Oder wie? stände jene Gleichgültigkeit gegen die festlichen Zeiten nicht vielleicht in Verbindung mit einer größeren oder geringeren Gleichgültigkeit gegen den Herrn und seine Sache, mit einer Gleichgültigkeit, die man sich nur nicht immer eingesteht, die aber am Ende tiefer wurzelt als man glaubt; stände sie nicht vielleicht in Verbindung mit dem mehr und mehr überhandnehmenden Weltsinn und dem Unglauben an das Höhere und Göttliche, und fände sie nicht ihre Nahrung in dem schwankenden und unsteten Wesen, das auch die beschleicht, die wohl gerne glauben möchten, gerne die Festfreude mit uns teilen möchten, wenn nur der immer sich aufdringende Zweifel an den Lehren und Geschichten, an den Wundern und Geheimnissen des Christentums es ihnen zuließe? - Ja, gestehen wir es uns doch nur offen ein: unsre Voreltern waren darin glücklicher und unbefangener als wir. Für sie hatte die Wiederkehr der festlichen Zeiten dieselbe Wirklichkeit wie die Wiederkehr der natürlichen Jahreszeiten, eben darum, weil ihnen auch mit wenigen Ausnahmen, die Gegenstände, auf welche diese Feste sich beziehen, unbestrittene, unbezweifelte Tatsachen und Wirklichkeiten waren, die man ihnen nicht erst zu beweisen brauchte, weil sie unbedingt daran glaubten, in ihnen lebten, ihren Segen unmittelbar an sich erfuhren. So ist es jetzt nicht mehr, und es wäre gefährlicher Selbstbetrug, wenn wir uns überreden wollten, es stehe mit der Glaubensfestigkeit und Glaubenseinigkeit noch wie damals. Es wäre aber auch ungerecht, darum unsre Zeit zum Voraus verdammen zu wollen und die Einzelnen, die ihrem Einflusse vielleicht zu sehr sich hingeben, lieblos zu beurteilen. Auch die Entwicklung, welche das Reich Gottes in unsern Tagen durchzumachen hat, steht in Gottes Hand und auch aus dem Kampfe der Zweifel und dem Widerstreite der Meinungen soll die Wahrheit nur umso siegreicher hervorgehen. Darauf aber hinzuwirken, dass diese eine ewige, nie zu unterdrückende Wahrheit auch mitten unter dem Ringen der Geister an den Herzen sich bewähre, das, sollte ich meinen, sei die schönste, die würdigste Aufgabe, die sich ein Advents-Prediger in diesen Tagen zu stellen hat. Und hier kommt alles darauf an, gleich den rechten Standpunkt einzunehmen, von dem allein aus gewirkt werden kann. wollten wir auf alle Zweifel antworten, die seit dem Bestehen des Christentums gegen dasselbe sind ausgeheckt worden und die besonders in unsern Zeiten sich mit verstärkter Gewalt geltend machen, es würde weder die Zeit noch die Kraft dazu ausreichen. Und darum kann es auch mein Vorsatz nicht sein, den hierin ins Unendliche gehenden Anforderungen genügen zu wollen. Aber wie? wenn es einen Weg gäbe, der uns kürzer und sicherer, als eine noch so gründliche Beweisführung zum Ziele führte oder wenigstens dieses Ziel selbst uns näher rückte? wenn es mir gelänge auf diesen Weg durch einige Winke euch hinzuleiten? O lohnte sich nicht das schon der Mühe? - Und es gibt einen solchen Weg. Christus selbst bezeichnet ihn uns in unserm Texte, wenn er sagt: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede.“ - Der Weg der eignen Tat, der Weg der Ausübung und der Erfahrung ist es, auf den der Herr uns hinweist, und dass eben dieser Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen der beste sei, weil er der kürzeste, weil er der sicherste und weil er bei allen Schwierigkeiten, die er darbietet, dennoch der leichteste und befriedigendste Weg ist, das möchte ich euch statt allem Beweise in dieser Stunde ans Herz legen, und dazu möge mir der Gott der Liebe und der Wahrheit auch jetzt seinen Segen verleihen. Amen. 
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-=====l. Der Weg der Erfahrung ist in geistlichen Dingen der kürzeste Weg. ===== 
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-Ist er es doch auch schon auf andern Gebieten des Lebens! Wie manche irdische Vorteile, wie manche nützliche Erfindungen eignen wir uns an aus dem reichen Schatze der Erfahrungen Anderer und aus der eignen Erfahrung, die wir machen, ohne dass wir abwarten, bis wir eine nach allen Seiten hin genügende Einsicht in deren Beschaffenheit und Zweckmäßigkeit erlangt haben, indem wir vielmehr hoffen, dass die Einsicht mit der Erfahrung komme, und durch sie geleitet werde. Solange die Erde steht, vertraut ihr der Landmann den Samen und freut sich des Sonnenscheines und des Regens auf eine gesegnete Ernte hin, ohne dass er die Gesetze, wonach das Samenkorn unter den Einflüssen von Himmel und Erde sich entwickelt, sich hinlänglich zu erklären wüsste. Wollte er warten mit Säen und Ernten bis die Geheimnisse der Natur seinem grübelnden Verstande klar geworden, er müsste wohl lange des täglichen Brotes entbehren und wir mit ihm. Der Kranke vertraut sich seinem Arzte und erfährt an sich die heilsame Kraft der verordneten Mittel, ohne zu warten, bis ihm diese Wirkungen durch eine vorangegangene Beweisführung einleuchtend geworden sind. Der beste Beweis ist ihm die Wiederkehr der Gesundheit. Eltern erziehen ihre Kinder, und die Kinder gehorchen ihnen, ohne dass beide Teile sich über die vernünftigsten Grundsätze der Erziehung miteinander verständigt hätten; vielmehr ist es ausgemacht, dass wo die Kinder mit den Eltern auf diesem Fuße der gegenseitigen Erörterungen, der Gründe und der Gegengründe stehen, die Erziehung leicht ihren Zweck verfehlen kann. Tun aber die Kinder, was die Eltern sie heißen, so werden sie bald einsehen, wie wohl es die Eltern mit ihnen gemeint haben, auch da wo sie die Gründe ihres Verfahrens noch nicht begreifen. Staaten befinden sich wohl unter dem Zepter weiser Regenten und bei einem guten frommen Sinne des Volkes, auch ohne dass man zuvor über die bestmögliche Staatsverfassung aufs Reine gekommen wäre; denn wollte man warten bis die gefunden, längst hätte sich alles in Gesetzlosigkeit und Unordnung aufgelöst, und die neueste Zeit hat es uns gelehrt, wohin die Luftgebilde einer von der Geschichte und dem Leben getrennten Staatsweisheit führen.  
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-Das alles sage ich nicht als ob nicht auf allen diesen Gebieten auch die verständige wissenschaftliche Forschung ihr Verdienst hätte. Im Gegenteil ist diese nötig, wo die Erfahrung nicht in einen blinden Dienst der Gewohnheit ausarten soll, und sie ist überhaupt des denkenden Menschen würdig. Aber einmal ist diese nähere Erforschung und Ergründung der Wahrheit nicht Jedermanns Sache, sondern es sind immer nur Einzelne, die von Berufs wegen sich damit abzugeben haben, und auch diese müssen von der Erfahrung unterstützt sein, denn in jedem Falle geht die Erfahrung der Erkenntnis und das tätige Leben der Beobachtung und dem weitern Nachdenken voraus. So, und nicht anders ist es auch auf dem geistlichen Gebiete. Auch hier ist es nicht Allen gegeben, den ganzen Umfang der christlichen Glaubenswahrheiten auf dem Wege des Nachdenkens und des gründlichen Forschens sich anzueignen, und selbst die, welche nun einmal diesen Beruf haben, würden nur auf großen Umwegen, ja wohl gar nie zu ihrem Ziel gelangen, dürften sie nicht auch zugleich mit den kürzeren Weg der Erfahrung betreten, der ihnen wie allen andern Christen, zum Heil ihrer Seele, offen steht. Haben es doch die größten, die weisesten Gottesgelehrten zu allen Zeiten bekannt, dass sie den Schatz des innern Lebens, den auch sie, wie wir alle, in irdenen Gefäßen tragen, dass sie den eigentlichen Grund der Seligkeit nicht ihren Büchern verdanken, nicht den Beweisen der Schule, nicht den Anstrengungen ihres Kopfes, sondern eben der Erfahrung des Herzens und des Lebens, in die sie Gott, als in die rechte Schule der Weisheit hineingeführt hat, ja dass manches, was bei allem Lichte der Wissenschaft ihnen dunkel geblieben wäre, erst dann ihnen klar geworden ist, nachdem sie angefangen hatten, die Lehre selbst zu üben, die sie erforschten und verkündeten. Und wenn je die Weisesten dies bekannt haben, sollten Dir der eignen Weisheit mehr vertrauen als der Erfahrung aller Zeiten, ja als der eignen Erfahrung, die auch wir machen können, sobald wir nur wollen? Zwar sollen auch wir nicht unsre Vernunft in dem Sinne gefangen nehmen, dass wir blindlings glauben, auch wir sollen als evangelische Christen fortfahren alles zu prüfen und in der Schrift zu forschen, ob es sich also verhalte; aber nur muss dieses Forschen und Prüfen beständig unterstützt und getragen sein von dem guten redlichen Willen, das zu tun, was Gott will und was zu unserm Heile dient, und erst wo diese Empfänglichkeit für das Gute, diese heilsame Übung in der Gottseligkeit vorausgeht, erst da können wir erwarten, dass auch das Licht der Erkenntnis allmählig uns aufgehen und statt mit falschem Schimmer uns zu blenden, mit wohltätigem Strahle uns erleuchten werde. 
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-Unser Heiland selbst hat uns in seinem Worte beide Wege bezeichnet, den der redlichen Forschung, wie den der eigenen Übung; wenn er das eine Mal sagt: suchet in der Schrift, denn sie ist's, die von mir zeugt, und das andere Mal: so jemand will den Willen dessen tun, der mich gesandt hat, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede. Auf das willige Tun der Lehre also, auf das Ausüben dessen, was sie uns empfiehlt, (worunter sowohl die äußere Ausübung der christlichen Tugenden im Leben, als vorzüglich auch die innere Übung, die Zucht des Geistes und die sorgfältige Bewachung des Herzens verstanden ist) legt er den meisten Nachdruck, so dass es auch hier heißen kann: „trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird auch das Andere (Weisheit und Erkenntnis) euch zufallen.“ Und in eben diesem Sinne sprach auch ein berühmter Kirchenlehrer((Anselm von Canterbury)): „Nicht darum will ich erkennen, damit ich glaube sondern ich glaube, damit ich erkenne, denn wer nichts glaubt der erfährt nichts, und ohne Erfahrung gibt es keine Erkenntnis.“ - Willst du also zur Wahrheit gelangen, lieber Freund! und durch die Wahrheit zur Ruhe und zum Frieden der Seele, so betritt diesen Weg der Erfahrung und der Übung. Lass einstweilen dahin gestellt so manches, was dich noch irren kann und was dir Gedanken macht in Beziehung auf die Wunder und Geheimnisse des Christentums. Wolle nur erst tun, was diese Lehre befiehlt und dich in das finden, was dich zunächst und dein Herz angeht, und du wirst Wunder genug erfahren an diesem deinem eigenen Herzen, und von allen Geheimnissen, die es gibt im Himmel und auf Erden, wird das mächtigste Geheimnis dir aufgehen in der eigenen Brust, das Geheimnis der Gottseligkeit und des Gottesfriedens. So wirst du glaubend erfahren und die Erfahrung, die Tat des Herzens und die Geneigtheit des Willens, sie werden dich einführen in die Erkenntnis des Heils und du wirst inne werden, dass diese Lehre bei all' dem Dunkel, das sie im Einzelnen umgibt, in ihrem innersten Kern und Wesen, eine göttliche Lehre ist und dass der, der uns diese Lehre gebracht hat, sie uns nicht bringen konnte und wollte als irgendeine menschliche willkürliche Erfindung, als eine Satzung von gestern her, sondern dass er sie uns bringen wollte und bringen musste als die Lehre dessen, der ihn gesandt hat, als die Offenbarung der Wahrheit, die bei allem Wechsel der Formen, die Eine Notwendige bleibt für Alle in Zeit und Ewigkeit. 
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-=====2. Wie aber der Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen der kürzeste ist, so auch der sicherste. ===== 
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-Ist er es doch gleichfalls schon auf den Gebieten des äußeren Lebens. Nicht nur geht die gelehrte, die wissenschaftliche Forschung in allen Dingen einen langsamen Weg, sondern oft widersprechen sich auch die Ansichten der Weisesten und Gelehrtesten, so dass wir in den meisten Fällen übel beraten wären, wenn wir nicht auf dem Wege der eigenen Erfahrung uns Gewissheit verschaffen könnten über das was wir zunächst brauchen im Leben und was uns weiter fördern soll in unserm äußeren Wohlbefinden und Wohlstande. Und so ist es auch im Geistlichen. So lange das Christentum besteht, so lange gab es verschiedene Meinungen über die Person des Erlösers, über das Wesen Gottes, über die Natur des Menschen, über den Ursprung der Sünde und das Geheimnis der Erlösung, über die Gnadenmittel und deren Gebrauch und über das Ende aller Dinge. So viele Beweise die Einen aufbrachten, so viele Gegenbeweise die Andern, und eben auf diesen Widerstreit der Meinungen beruft man sich, um den christlichen Glauben selbst als etwas unsicheres, von dem Wechsel der menschlichen Bestimmungen abhängiges darzustellen. Und allerdings würde sich der einem unsicheren Wege anvertrauen, der vermittelst äußerer Verstandesbeweise allein zur Ruhe des Herzens- und zur festen unerschütterlichen Überzeugung seines Innern gelangen wollte. Aber Gottlob! wir kennen einen sicheren Weg, als diesen, den Weg der Erfahrung, der eigenen Übung. **Wer Gottes Willen tun will, der wird inne werden ob meine Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede**. Wer einmal angefangen hat, das Christentum nicht nur mit dem Verstand, sondern vor allem mit dem Herzen zu erfassen und ihm Einfluss auf das eigene Leben, auf das Tun und Lassen zu gestatten, wer es einmal lebendig und tatsächlich in sich aufgenommen und verarbeitet hat, an dem wird es sich bald als eine Kraft Gottes und als eine Macht beweisen, die über jedes menschliche Bedenken, über jeden Zweifel und jeden möglichen Irrtum des Verstandes siegt. Wer einmal in das innerste Mark des Christentums eingedrungen, sich hier gleichsam eingelebt und eingewurzelt hat, den vermag keine noch so fein gesponnene Weisheit der Menschen aus seiner festen Burg herauszutreiben. Dieses unmittelbare Haben und Besitzen der Wahrheit, im innersten Grunde des Gemüts, dieser tägliche vertraute Umgang mit dem Göttlichen, das ist, wie selbst die Gegner es gestehen, „das unersteigliche Bollwerk des Christentums,“((Lessing, zu den Fragmenten eines Ungenannten)) das der Fels, an dem alle Wogen der Zweifel sich brechen, das die sicherste Waffe gegen jeden Angriff von innen und von außen. Ja, wer einmal es zur Tat gebracht hat mit seinem Christentum, wem Christus nicht mehr der fremde Lehrer und Prophet ist, von dem nur Andere ihm Wunderbares berichten, wem er vielmehr durch eigene Erfahrung näher getreten, wem er Freund und Meister, Vorbild und Führer, wem er so sehr Lebensstifter, Lebensbringer und Lebensvermittler geworden, dass er ohne ihn nichts tun kann, der wird aus dieser Lebens- und Liebesgemeinschaft mit dem Erlöser auch nie mehr sich herausreißen lassen, so wenig das Kind vom Vater, der Freund vom Freunde sich trennen lässt, um einer verschiedenen Meinung oder eines vorübergehenden Zweifels willen; denn stärker als die Meinung ist die Tat, mächtiger als jeder Zweifel der Glaube, und sicherer als jeder Beweis die gemachte Erfahrung. -  
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-Schon viele Beweise sind für die Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums geführt worden und manche edle Geister haben Kraft und Zeit darauf verwandt, diese Wahrheit und Göttlichkeit gegen die Trugschlüsse des menschlichen Verstandes sicher zu stellen. Manches davon hat gewiss auch seine Frucht getragen. Aber wie viele von den Beweisen, die vielleicht zu ihrer Zeit gute Dienste geleistet haben, sind dennoch wieder verschwunden, wie gewisse Waffen verschwinden vom Kampfplatze, wenn die Art den Kampf zu führen, von beiden Seiten sich geändert hat. Nur ein Beweis ist immer geblieben, es ist der, den schon der Apostel führte, ohne alle Kunst der menschlichen Rede, der Beweis des Geistes und der Kraft (l. Kor. 2, 4.). Auf diese Erweisungen des Geistes und der Kraft, auf die Früchte des Glaubens, auf die Taten wiesen schon die ersten und ältesten Verteidiger des Christentums mit einer Zuversicht hin, wie keine Schule der Welt sie geben konnte. „Wir, so spricht einer von den neubekehrten Weisen des Altertums,((Justin der Märtyrer)) wir, die wir einst der Wollust dienten, haben jetzt allein unsre Freude an einem ordentlichen Lebenswandel, wir, die wir einst den Geldgewinn mehr als alles liebten, geben jetzt was wir haben für das gemeine Beste her und teilen jedem Dürftigen mit, wir, die wir einst einander hassten und mordeten, beten für unsre Feinde und suchen auch die, die uns hassen, desselben Glückes teilhaft zumachen, das wir genießen“ Und wie jene ersten Christen, so können auch wir noch heute hinweisen auf die größten Wunderwirkungen im Gebiete der geistigen und sittlichen Welt, auf die Umwandlungen der rohesten und wildesten Gemüter in bessere und edlere Naturen, auf die großartigen Anstalten der Menschenliebe, wie nur der christliche Sinn sie zu gründen und zu erhalten vermag, auf die stille Entfaltung so mancher bescheidenen Tugend mitten im Dunkel und Drucke des Lebens, auf so manchen wiedergebrachten Verirrten, der nur im Glauben an die erlösende Macht des Christentums Herr geworden über seine Leidenschaften und bösen Gewohnheiten, und wohl uns, wenn wir diesen Beweis nicht nur an Andern führen, wenn wir auch aus dem Schatze unsrer eigenen Erfahrung, unser Scherflein dazu beitragen können, um uns und Andere zu überzeugen, dass eben dieser Weg der eignen Erfahrung und der eignen Übung nicht allein der kürzeste, sondern auch von allen der sicherste sei. 
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-Aber wenn er denn der kürzeste und der sicherste ist, warum wandeln gleichwohl so Wenige diesen Weg? Sollte er vielleicht auch der schwierigste sein? Allerdings ist er das, nach einer Seite hin. Gesetzt aber auch, er wäre der schwierigste unter allen, sollte dies uns abhalten, ihn zu gehen, wenn wir einmal gewiss sind, auf ihm am kürzesten und sichersten zu unserm Ziele zu gelangen? Aber nun getrauen wir uns über. dies zu behaupten, dass eben dieser Weg der Erfahrung bei all den großen Schwierigkeiten, die er darbietet, auch wieder der leichteste und befriedigendste ist, den wir betreten können, und das lasst uns noch in Kürze betrachten. 
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-=====3. Leicht ohne Weiteres ist freilich der Weg der Erfahrung in geistlichen Dingen so wenig zu nennen, ===== 
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-als in irdischen und leiblichen; denn Anstrengung, Übung, Ausdauer, Kampf und Mühe wird hier wie dort gefordert. Der Weg ist schmal und die Pforte ist eng sagt unser Heiland, die zum Leben führen, und Wenige sind, die darauf wandeln. (Matth. 7, 13.) Wenn es schon in den Dingen dieses irdischen Lebens leichter ist, mit zu reden, zu meinen, zu streiten, zu tadeln, als selber Hand ans Werk zu legen, so zeigt sich dies noch viel mehr im geistlichen Gebiete. Leichter und wohlfeiler lässt sich heut zu Tage der Ruhm eines aufgeklärten witzigen Kopfes, eines gewandten Denkers erreichen, als das Zeugnis eines durch und durch guten Gewissens, einer rechtschaffen bewährten Gesinnung, eines christlichen Wandels vor Gott und Menschen. Süßer mag es scheinen von jedem Wind der Lehre auf den Wellen des Zweifels sich schaukeln und wiegen zu lassen und dabei wohl auch von einem gewissen Schmerze zu träumen und in diesem Zweifelsschmerz sich zu gefallen, als ernstlich anzukämpfen wider die eigene Lust, und wider die geheimen Feinde unseres Herzens Tag und Nacht auf der Hut zu sein. Aber wie auch in irdischen Dingen immer der Anfang das schwerste, so auch hier. Vor diesem Anfang, vor dem ersten ernstlichen Versuche beben die Meisten zurück. Würden sie einmal diesen Versuch wagen, einmal sich zu dem Wege der eigenen Erfahrung entschließen, gewiss sie würden trotz der Schwierigkeiten auch das Lohnende und Befriedigende desselben an sich erfahren. **Wer den Willen dessen, der mich gesandt hat, tun will, der wird inne werden ob meine Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selber rede**. - Und eben dieses Innewerden der Wahrheit, diese von Tage zu Tage sich mehrende Zuversicht zu ihr, dieses stille und doch so gedeihliche Wachstum an Erkenntnis, an Weisheit, an Liebe - alles unter dem Einflüsse der göttlichen Gnade, der wir nun gänzlich vertrauen - o sagt, bringt uns dies nicht den höchsten, den süßesten Genuss, den wir uns zu denken vermögen, ja den wir kaum einen Genuss nennen möchten, aus Furcht ihn zu entwürdigen - bringt es uns nicht eben dies, was der Apostel den Frieden Gottes nennt, der höher ist als alle Vernunft (Phil. 4, 7.) und der unsere Herzen immer fester macht in Gott, immer geduldiger, immer stiller, immer folgsamer und ergebener. - Wahrlich, wenn schon in irdischen Dingen die Ausübung einer Kunst oder eines Berufes bei allen Schwierigkeiten, die sie darbietet, auch wieder eine eigene Befriedigung mit sich führt, die eben in der Überwindung der Schwierigkeiten liegt, so ist dies bei der treuen Ausübung des Christenberufes doppelt der Fall. Darum konnte auch der Erlöser von seiner Lehre an einem andern Orte sagen: mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht (Matth. 11, 30.) und der Apostel konnte es bezeugen, seine Gebote sind nicht schwer (Joh. 5, 2.). Und in der Tat, wer es einmal durch redliche Anstrengung seiner Kräfte durch Wachsamkeit und Gebet, durch Übung und Kampf zu der seligen Erfahrung eines Christen gebracht hat, der wird nicht nur auf die kürzeste und sicherste, sondern auch auf die leichteste und befriedigendste Weise zu einer immer deutlicheren und immer festeren Erkenntnis von der Wahrheit und Göttlichkeit einer Religion gelangen, die dieses höchste Gut der Seele allein zu geben vermag. Da, wo andere zweifeln und zagen, wird er das glaubensvolle Auge zu dem Himmel erheben, von dem ihm nur gute, nur vollkommene Gabe kommt. Geduldig in Leiden, fröhlich in Trübsal, dankbar im Glücke wird er zu den schon gemachten Erfahrungen immer neue und immer reichere und schönere sammeln, und auch in den ernsten und entscheidenden Augenblicken, in welchen sonst die Weisheit der Welt mit ihren morschen Stützen zusammenbricht, wird er sich mächtig erhoben fühlen über die Schrecken des Todes und Grabes und über alles Erdenleiden zu dem Gott, der in Christo unser Vater ist, und der die Seinen nicht verlässt. Aber wenn wir denn so auf diesem Wege der Erfahrung und der eignen Übung in der Gottseligkeit am kürzesten und sichersten, ja zugleich trotz allen Schwierigkeiten am leichtesten und befriedigendsten zur Erkenntnis der höchsten Heilswahrheiten und zu dem Frieden der Seele gelangen können, der gewiss nie zu teuer erkauft wird, warum wollen wir länger damit zögern? O saget nicht, wir haben ja diesen Weg auch schon versucht, aber er hat uns nicht weiter geführt als die übrigen. Wir sind ja ehrbar einhergewandelt auf dem Pfade der Tugend, ohne dadurch zu höherer Erkenntnis geführt worden zu sein. Ja, wenn dieser ehrbare Wandel schon das wäre, was der Herr meint mit dem Tun des göttlichen Willens, dann hättet ihr recht; aber euer eigenes Gewissen wird euch antworten, was es heiße den Willen Gottes tun. Darum gebt Euch doch nicht zufrieden mit dem äußeren Schein, sondern tut rechtschaffene Früchte der Buße. Oder wollt ihr wirklich noch länger zuwarten und zaudern und zweifeln, bis ihr mit euerm Verstande einen Beweis euch ausgeklügelt, der allen Anforderungen eines nie ersättlichen Fürwitzes genüge, der alle Zweifel beseitige, alles Dunkel aufhelle und keine Rätsel mehr übrig lasse in dieser rätselhaften Welt? Nun so grübelt und staunt und fragt und lernt ohne je auszulernen (2. Tim. 3, 7.), indes die christliche Gemeinde im Frohgefühl dessen was sie hat, ihre Feste feiert und ihr Hosianna singt dem der da kommt im Namen des Herrn. Hungert und dürstet im stolzen Bewusstsein eures Reichtums, während dort die im Geiste Armen herbei kommen, sich zu sättigen am Brote des Lebens, das vom Himmel kommt. Grabt euch löchrige Brunnen, die kein Wasser geben, während diese sich lagern an den Quellen des Lebens! 
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-Doch nein! auch ihr fühlt in euch dasselbe Bedürfnis, das die ganze Christenschar in diesen Tagen wieder dem kommenden Herrn und König entgegenführt, und wir Alle fühlen es mit Euch, und wir Alle haben nötig aufs Neue uns zu demütigen und uns zu beugen unter das Zepter dieses Königs. Sind wir doch alle abgewichen von dem guten, dem sichern, dem freudenreichen Wege, den er uns führen will; müssen wir uns doch alle gestehen, dass wir eben den Willen Gottes noch nicht in dem Maße erfüllt haben, in dem wir ihn erfüllen sollten, und dass eben darum auch unser Glaube noch oft ein schwankender, unsere Erfahrung noch eine so sparsame und daher auch unsere Erkenntnis noch eine so mangelhafte ist. - Darum achten wir doch Alle auf den ernsten Ruf zur Buße und zur Sinnesänderung, der der Erscheinung des Herrn noch immer wie damals vorangeht, damit wenn er kommt, er den Weg bereitet finde und damit wenn er auch uns auf seinem Leidenswege fragt: wollt ihr auch von mir weggehen wie diese? wir ihm antworten können: Herr wo sollen wir hin gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes (Joh. 6, 6. 8.) Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Harms, Claus - Winter- und Sommer-Postille - Am zweiten Advent.====== 
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-Was erwartet eine Christengemeinde von dem, der an den Vorsonntagen des hohen, heiligen Festes in ihr auftritt zu reden? Dass er rede, was heilig ist, und die Seelen nicht aufhalte mit alltäglichen, viel betrachteten Dingen. Was allen heilig ist, was in ihren Augen kostbarer ist als Gold und Silber, was ihrem Herzen teurer ist als irdische Freundschaft und Liebe, woran sie denken mit Ehrfurcht, wonach sie trachten mit Zittern, wes sie sich freuen mit unaussprechlicher Freude - was allen heilig ist, das soll er reden - in geziemenden Worten, des Christenglaubens Wahrheit und Kraft soll er dartun, des Christenwandels Reinheit und Lauterkeit soll er schildern, die hohen Verheißungen aufs Neue bewähren, des Christen Hoffnungen frisch und lebendig machen - weg, weg von der Erde, zum Himmel hinauf soll er Herzen und Augen der Hörer lenken - denn der Herr kommt, und die Kirche feiert seine segnende Zukunft. Ihm entgegen strömet die Christenmeng' in die Tempel: der Fromme will dem die Ehre erweisen als Gottessohne, der das göttliche Wesen ans Licht gebracht hat durch sein Evangelium, will Dank opfern, dem er alles verdankt, das Leben, zu welchem er durch Christum geboren ist: - der Gläubige tritt herein, mit einigem Kummer über die Gegenwart, aber er schaut in die Vergangenheit zurück, da das Christentum viel mächtigere Feinde zu Schanden machte, und findet sich getröstet für die Zukunft; freudig ergreift er Jesu Verheißung: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Hier im Tempel, an den Tagen wo es heißt: der Herr ist nahe, - naht sich Jesu die fromme, gläubige Seele, (warum sollte sie nicht? denn er hat ihre Schuld getilgt und gerufen: Kommt her zu mir alle!) naht sich Jesu mit Dank und Gebet und Verlangen, - und Jesus tut sich kund der frommen, gläubigen Seele und erfüllt sie mit Freude und Frieden, mit dem Frieden Gottes, der höher ist, als unser Verstand reicht. - Also löst sich im Verborgenen das Geheimnis der jährlichen Adventsfeier. Was dem gutmeinenden Verstande nur ein Andenken, dem klügelnden ein Spott, den leiblichen Sinnen geradezu eine Torheit ist, das ist dem offenen geistlichen Sinn gegenwärtig und ehrwürdig, die wiederkehrende Erscheinung Christi. 
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-Ich will keinen fragenden Blick auf die Versammlung werfen: wie viel oder wie wenig derer wohl sein, die einen solchen Vortrag wünschen und fassen und billigen. Keine Vermutung soll mich ablenken, kein Zweifel den ungewöhnlichen Gang, keine Bedenklichkeit das kühnere Wort hemmen. Als ob ich nichts fürchte, will ich fortfahren, das mitzuteilen, was meine Seel' erfüllt und dieser festlichen Zeit gemäß ist; und ich fürchte nichts, denn ich hege Vertrauen zur Wahrheit, dass sie sich Eingang verschaffe, und bin überzeugt, dass die Sprache des Herzens wohl Herzen finde. 
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-Ich habe euch einen Blick eröffnet in die Seele des Christen, zur Zeit, wenn sie in des Glaubens Kraft und Fülle ihre Gemeinschaft mit Jesu erkennt und des göttlichen Friedens teilhaftig wird, lasst mich fortfahren, sie euch ganz zu enthüllen, dass ihr erkennt ihr Tichten und Trachten, was sie verschmäht und was sie hochschätzt, was ihr Trauer, was ihr Freude bringt, ihr Gut, ihr Glück, ihr Vertrauen, die Kraft, die sich in ihr regt, die Sehnsucht, die immer wach ist, mit einem Wort, ihr Leben, das Christenleben möcht ich schildern - dass sich erhebe über das Menschenleben, wer in dem bunten befangen ist, dass sich aus dem Sündenleben reiße, wer mit schimpflichen Banden daran gefesselt ist, dass, wer das höhere, herrliche Leben ergriffen hat, es festhalte und bewahre wie ein Kleinod - bis er eingeht ins ewige Leben. Dort freilich erscheint erst, was wir sein werden, aber wollen wir darum gering achten, was wir schon sein können? Kommt, ruf' ich euch zu, und seht, wie hochbeglückt wir sind durch die Liebe Gottes in Christo! 
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-Text. 1 Joh. 4, 9. \\ 
-**Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, dass er seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, dass wir durch ihn leben sollen.** 
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-Johannes, möchte man ausrufen, du Apostel der Liebe und Seligkeit, deine Worte sind lieblich und lebendig, o schreibe den Christen noch einmal von der unendlichen Liebe Gottes und dem großen Werk seines Sohnes! Es ist eine Kälte jetzt in der Christenheit, welche das zarte, rege treibende Christenleben unterdrückt, und Viele schlafen schon in Gleichgültigkeit. Sie möchten erwachen zum neuen Leben, wenn du ihnen noch einmal ins Herz riefest! Doch du hast deinen Ruf niedergelegt in deinen herrlichen Brief. Mit deinen Worten wollen wir den Bruder ermahnen, mit deinen Worten, den Sonnenstrahlen zur Winterzeit, uns warm und wacker erhalten. - Das Leben ist süß, doch süßer noch das geistliche Leben, denn für dieses gaben einst Tausende jenes mit Freuden hin. Lasst uns diese Stunde dazu anwenden, das Christenleben näher kennen und richtiger schätzen zu lernen, was wir davon - und wie wirs erkennen, wann wir 
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-  - die Eitelkeit aller Dinge betrachten,  
-  - unser Gewissen urteilen lassen, und 
-  - gewisser Stunden uns erinnern, in welchen vermutlich die meisten Christen sich des Lebens wirklich bewusst werden. 
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-=====I.===== 
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-Das Christenleben ist mein Satz. Allein, wo nehm ich die Erklärung her? - Vom Äußern aufs Innere schließen, wer weiß nicht, wie mangelhaft und unzuverlässig das ist! Wozu noch kommt, dass in unsern Tagen so viele Christen ihr Äußeres einstellen und verstellen, denn auch nicht einmal den Schein wollen sie haben. Ehemals war das anders. Das wahre Wesen dagegen, - es liegt verborgen in der Tiefe des Gemüts, oft dem Besitzer selbst verborgen in christlicher Einfalt. Indessen lasst uns zusehen und versuchen, und einen vergleichenden Blick auf das Wesen der Welt werfen. 
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-Betrachtet das Wesen der Welt. Wohl ist sie schön, die Welt! Aber was würdet ihr dem Jüngling sagen, der, Alles vergessend, sich hineinstürzen und den Freudenbecher ergreifen wollte, den ihm die Weltkinder darbringen? - Was würdet ihr der Jungfrau mit ernster Freundesstimme sagen, deren Aug' auf Flitter ruhte, deren Sinn auf Lustbarkeiten gerichtet wäre, die sich dem Strudel des Vergnügens mit eiligen Schritten nahte? - Möchtet ihr dieser nicht in den Weg treten, jenen nicht einholen, und beiden sagen: Kinder, täuscht euch nicht! die Welt ist arm an wahren Gütern, ist leer an reinen Freuden, und ihr sucht von dem, was sie noch hat, nicht einmal das Beste? Und wenn sie euch dann fragten: „Was ist besser? Zeige es uns!“ so würde euer bewegtes Herz euch den Mund öffnen: Das ist es, was euch warm entgegen schlägt und euch retten möchte vor dem Verderben, die christliche Liebe, die mich treibt, euch beizustehen, die zur Wehmut würde, wenn ihr dahinginget, wohin so viele - und zum Entzücken, wenn ihr glaubtet, dass auf Erden nichts zu erjagen ist. Dir gab dein Schöpfer ein weiches Herz, geh hin, geh hin! junge Christin, dort weint ein Unglücklicher im Stillen, deine Teilnahme, deine freundliche Rede wird ihm wohltun. Dir gab dein Schöpfer mehr Kraft, junger Christ, lerne sie nützlich anwenden. Deine Eltern werden alt und schwach, schaff' ihnen durch deine Arbeit ein heiteres Alter. Sie sorgten für dich an deinem Morgen, bereite du ihnen einen schönen Abend! 
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-Das ist die Vorschule des Lebens zum Leben. Wer nicht frühe lernt, dass es edlere Triebe gibt als die sinnlichen, und süßere Taten als die Befriedigung seiner Begierden, aus eigener Erfahrung lernt, wie will der bestehen die Prüfungen in der Kreuzschule, welche Ergebung und Gelassenheit - und die noch schwereren Prüfungen in der Schule des Glücks, welche Bescheidenheit und Mäßigung fordern. Denn so verhält es sich mit dem Wesen der Welt. Erst lockt es uns an, dann beweist es sich treulos. Es wäre traurig, wenn Missgeschick und Armut den Christen niederbeugen könnte! Aber, Christen, fühlt ihr nicht eine Kraft in euch, die es aufnehmen kann mit jedwedem Missgeschick? habt ihr nicht einen Glauben (der Glaube ist immer siegreich!) einen Glauben, der euch aufrecht erhält in Sturm und Wetter? „Die Haare auf meinem Haupte sind gezählt.“ (Wer hat euch diesen Spruch gelehrt?) Tragt ihr in eurem Bewusstsein nicht etwas, welches euch reich macht im Mangel? „Arm oder reich, dem Höchsten gilt es alles gleich.“ Dieses Bewusstsein, dieser Glaube, diese Kraft geben eine Unempfindlichkeit in Leiden, eine Geringschätzung der irdischen Güter, eine Zufriedenheit auch mit dem Wenigsten, - geben die Gottseligkeit, welche die Seele im Leben des Christen ist.  
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-Ja, in sich muss der Christ etwas tragen, viel tragen, oder er gibt sich gemach dem Irdischen hin. Sagt ihm, das Wesen dieser Welt vergehe, so wird er suchen und sorgen, es fest zu halten. Und es kann seinen Anstrengungen und seiner Klugheit gelingen. Aber ist dieses sein einziges Streben, wie strebt er dann so tief hinab, zu toten Götzen, aus der finstern Erde aufgeholt! wie strebt er dann nach einem traurigen Ende, sich um das Leben zu bringen, das nicht mit Speise und Trank erhalten wird! Wie kann der christlich lebendig bleiben, der beständig das kalte, schwere Metall an sein Herz drückt! Was hilft es dem Menschen, so er die ganze Welt gewinnt, und Schaden nimmt an seiner Seele! Wo der Schatz ist, da ist das Herz, unser Schatz soll in uns sein und von obenher vermehrt werden. So bewahren wir das Christenleben. 
- 
-=====II.===== 
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-Wir haben unsere Augen auf das Wesen dieser Welt gerichtet; nur noch einmal hingeschaut: in ihr herrscht der Tod, außer ihr findet man das Leben, - wollen jetzt prüfend in unsern Busen greifen und das Gewissen urteilen lassen. Traurig, wem sie im Leichtsinn der Jugend, in den starken Sünden des Mannes - in den eitlen Torheiten des Greisenalters fremd ist, die Stimme Gottes im Innern! Doch wem kann sie fremd sein? Wenn sie auch nicht von innen herausspricht, so hallet sie entgegen, hallet schrecklich entgegen in den Seufzern der Verführten, in dem Jammern der Betrogenen, hallt schrecklich entgegen, wenn Witwen und Waisen über Ungerechtigkeit schreien. Aber richtet nicht, Brüder! Wer sündiget, ist schon gerichtet, nämlich droben, wo der Frevel der Nacht und die Bosheit am Mittag gerichtet wird. Reget sich nicht ein schöner Gefühl in euch? Die ihr Christen seid und wisst, dass Gott ein Vater ist, und glaubet, dass Gott um Jesu willen gnädig ist, wollt ihr nicht schonend sein gegen den Gesunkenen und zu Gott flehen für den Gesunkenen, dass er ihn wieder aufrichte mit erbarmender Liebe? O bei allem, was euch teuer ist, bei des Richters Gnade, welche wir alle bedürfen hier und dereinst, hegt milden Sinn, hegt Schonung gegen den Sünder! Wo sie fehlt, da ist der Tod und nicht das Leben. 
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-Oder glaubt ihr des Richters Gnade nicht zu bedürfen? Wir kennen die unglückliche Gewohnheit, im pharisäischen Staatskleide aufzutreten; wir kennen die unselige Neigung, die Flecken des Herzens zu überweißen mit sogenannten guten Taten und dann zu sagen, ich bin rein. Das mögen Menschen glauben, die am Schein hängen, gilt aber vor Gott nicht, kann vor uns selbst nicht gelten. Ihr kennt wohl jene stillen Stunden, wo die Gedanken in die Vergangenheit gehen und sich um unsere früheren Schicksale bewegen. Da mischt sich gern ein fremder, ernster Gedanke unter sie. Er bringt Sünden ins Gedächtnis, die vergessen aber nicht bereut waren. Er würdigt unsre gepriesenen Handlungen herab und nennt Furcht oder Vorteil, Eitelkeit oder Ruhmbegierde ihre Quelle. Er hält uns vor, was nicht geschehen ist und doch hätte geschehen sollen, und zeigt uns die verträumte Zeit, die versäumte Gelegenheit, die im nichtigen Vieltun verlorene Kraft. Er hält uns vor, was nicht geschehen ist und freilich auch nicht hätte geschehen sollen, wovon uns aber die Furcht oder der Nachteil, der Wohlstand oder unsere Unvermögenheit abgehalten hat, nicht der Hass der Sünde. - Wir erstaunen dann über unsere Blöße; es ergreift uns das Gefühl der Scham und der Unwürdigkeit, also vor Gott zu stehen. Wenn er auf unser Verdienst sähe, wie klein dann unser Lohn! Nein, Demut, das ist die allzeit rege Stimmung im Leben des Christen. Dem Demütigen gibt er Gnade. Und es gelingt dem Christen, dass er sein Herz wieder stillet, er findet sich mit himmlischer Kraft gestärkt, das zu tun, was er will, er ist fleißig zu guten Werken und fördert das Werk Gottes an seiner Seele. Aber weil er nur Mitarbeiter Gottes ist, so bleibt er bescheiden, und rechnet sichs nicht an, als wenn ers selbst getan hätte. Demut und Bescheidenheit geben die Gestalt, worin das Christenleben erscheint. 
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-Wir haben unsere Augen auf das Wesen der Welt gerichtet und gesehen, dass nicht in ihr, sondern außer ihr, in der Gottseligkeit, das Leben zu finden sei. Wir haben unser Gewissen zum Urteil gebracht und gehört, dass der Christ, der in dem neuen Leben wandelt, schonend gegen Andere, demütig vor Gott und bescheiden sein müsse. Lasst euch jetzt an gewisse Stunden erinnern, in welchen ihr vermutlich alle des Christenlebens euch wirklich bewusst geworden seid. 
- 
-=====III.===== 
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-Dem einen näher, dem andern entfernter liegt in der Vergangenheit die Stunde, in der wir uns feierlich bekannten zum Christentum, die Geburtsstunde zum höheren Leben. O möchte sie allen unvergesslich geworden sehn! Es ruhte auf uns der Blick der ganzen Versammlung, es trat der Lehrer unter uns und seine eindringliche Rede erfüllte, das kindliche Gemüt. Wo sollten wir mit dem Ernste hin, den wir bis dahin nicht kannten? wem galt die neue Rührung, das fremde Verlangen, welches er weckte? Es wurde gerichtet auf das Unsichtbare, das droben ist, und auf das Unsichtbare, das hienieden ist, wir erkannten die Liebenswürdigkeit der Tugend, verstanden das Wesen der Gottseligkeit, ahndeten etwas von einem höheren Leben. Wir hatten gelernt, dass die Religion Jesu die beste Führerin sei, und zu ihr bekannten wir uns mit einem feierlichen, freudevollen Ja, zu Ihm, zu Jesu, hoben wir die kindlich-reinen Hände empor, und in seines Dieners Segen, der über uns ausgesprochen wurde, schien er, der Gottessohn, sich herabzuneigen zu uns, als ob er riefe: „Ihr seid nun Gottes Kinder,“ so schwang sich die Seele aufwärts, vom Bewusstsein der Kindschaft gehoben. Vergessen war die Welt, die Begierden stille, auf Erden kein Gut für uns, denn alle Güter lagen in dem neuen Leben und wurden gegeben mit dem neuen Leben, das sich vor unserm Blick öffnete, in welches wir nun den ersten Schritt taten. Und wir bezeichneten diesen Schritt mit Tränen, mit Freudentränen über das Gefühl, mehr, viel mehr zu sein als wir bis dahin gewesen. 
- 
-Oder waren es Tränen der Wehmut und Bangigkeit? Sahn wir vielleicht vorher, dass wir die Jesu geweihte Seele nicht rein erhalten würden von irdischen Flecken, nicht frei von des Irdischen Gewalt? - O dann sind’s Tränen von wahrer Bedeutung gewesen, denn wer kann sagen: Ich habe gelebt wie ich gelobt an jenem Tage? Wir kamen auf verderbliche Wege; aber Er, der uns einmal angenommen, rief uns zurück und nahm uns abermals an. Freunde, es ist kein leerer Gebrauch, dass wir unsre Sünden bekennen, eh' wir uns dem Reinen und Heiligen wieder nah'n - kein blinder Glaube, dass Gott Sünden vergebe! Wüssten wir nicht, dass er vergeben, so könnten wir nicht an des Herrn Tisch treten mit Freudigkeit, könnten das Brot nicht essen zur Stärkung des Glaubens, den Wein nicht trinken als eine Erquickung im leidenreichen Menschenleben zum freudenreichen Christenleben, nein dann erst, wenn sich die Seele gedemütigt hat vor dem Reinen und Heiligen, und in ihrem Innern die frohe Zusicherung erhalten: „Dir sind deine Sünden vergeben,“ erst dann nimmt sie Teil an der himmlischen Speise, erst dann erkennt sie ihre Verwandtschaft mit dem Himmlischen, ihre Befreundung mit dem Göttlichen, und im Gefühl des Lebens, welches den Tod nicht kennt, ruft der Andächtige zu dem, ders gegeben: „Herr Jesu, dir leb' ich und dir will ich sterben, dein will ich tot und lebendig sein!“ 
- 
-Ich habe zu Christen geredet. So kann ich meine Beschreibung des Christenlebens jetzt endigen. An die merklichsten Augenblicke im Christenleben hab' ich erinnert; wer sollte nicht diese und viele andere noch aus eigener Erfahrung kennen! Die herrschende Gesinnung im Christenleben hab' ich geschildert; wer wollte stolz sein auf seine Werke! wer strenge richten über den Bruder! Die Stimmung im Christenleben hab' ich gepriesen; wer wollte sein Glück in eitlen Dingen suchen! - Bringe nun jeder hinzu, was ihn besonders treibt, woran er besonders sein Christenleben erkennt. Ists Dankbarkeit gegen Gott, ists Ergebung in seinen Rat, ists Vertrauen zu seiner Hülfe, ists der heitere Blick, mit dem er auf die Erde sieht, den Schauplatz göttlicher Größe und Güte, oder stilles Sehnen in das Land, in dem es noch besser ist, wo keine Klag' ertönt und keine Träne fließt; was es auch sei, jeder bring es herzu als einen bedeutenden Zug im Christenleben. 
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-Nur ein Gebet noch, ihr Lieben, ein Gebet noch zu dem, der da gibt, zu dir, o Gott. Ich habe geredet von dem Geschenk deiner Liebe: Vater, segne meine Worte! der du die Herzen lenkst, lenke auch diese Herzen auf dein Geschenk, dass sie es ergreifen und sich zu eigen machen und treu bewahren. Zu dir, o Jesu, flehe ich. Du hast es dargebracht, du hast dein Leben für unser Leben dahin gegeben. Vollendeter, sieh gnädig herab auf uns und lass uns nicht sterben! Doch wir sind versammelt in deinem Namen, so bist du mitten unter uns, wo du bist, kann der Tod nicht sein. Meine Brüder, seid alle dieses herrlichen und unvergänglichen Lebens froh! 
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-======Harms, Ludwig - Am zweiten Sonntage des Advents.====== 
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-Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unserm HErrn Jesu Christo. Amen. 
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-Text: Ev. Luc. 21, 25 - 36. 
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-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht, und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und Er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum, und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr es an ihnen, und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Wahrlich, Ich sage euch: dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.** 
- 
-Unser heutiges Evangelium, meine Lieben, handelt vom Jüngsten Gericht, wie ihr eben gehört habt. Da fragt ihr vielleicht voll Verwunderung: wie? soll denn in der fröhlichen, seligen Adventszeit vom Gericht gepredigt werden? Wir meinten, im Advent hieße es: freut euch in dem HErrn allewege, und abermals sage ich euch: freut euch! Und nun sollen wir nicht einmal die Adventsfreude ungestört haben, sondern dazwischen soll treten der Schrecken des Jüngsten Gerichts? Fragt einer unter euch also, dem antworte ich: ob du gleich den Namen eines Christen hast, ein rechter Christ bist du nicht. Denn für wen ist das Jüngste Gericht eine Schreckenspredigt? Nur für die Gottlosen, Unbußfertigen und Ungläubigen, die werden dann freilich ihren Lohn empfangen für ihre Gottlosigkeit, Unbußfertigkeit und ihren Unglauben, einen Lohn, vor dem sie sich entsetzen werden; denn der Zorn Gottes, der sie ergreifen wird, brennt hinunter bis in die unterste Hölle. Aber ist denn auch dies Jüngste Gericht eine Schreckenspredigt für die frommen, bußfertigen und gläubigen Christen? Nein, für die ist es die fröhlichste, seligste Predigt, die man sich nur denken kann, denn mit dem jüngsten Gerichte kommt ihre völlige Erlösung. Der HErr selbst ermahnt deshalb in unserm heutigen Evangelio Seine treuen Christen: hebt eure Häupter auf, darum weil sich dann eure völlige Erlösung naht. Das ist ja die klarste Aufforderung, dass Seine Christen dann sich der Freude hingeben sollen. Wahrlich, ist das schon eine Freude, dass unser lieber HErr Jesus jetzt geistlich wieder bei uns einkehrt, in unsern Herzen Wohnung nehmen will, dass wir singen können: der HErr ist mein und ich bin Sein, die Liebe soll ohn‘ Ende sein! wie groß wird nicht erst die Freude sein, wenn dieser unser Jesus, unser Heiland, an den wir geglaubt haben, den wir geliebt und gelobt haben als unsern besten, liebsten, einzigen Freund, sichtbar, leiblich wiederkommen wird, wenn wir ihn sehen kommen in den Wolken, und dann unser Mund jubeln und ein Gläubiger dem andern zurufen wird: siehe das ist Jesus! Dann hat ja all unser Jammer, all unsre Not ein Ende. Er erlöst uns von unsern Feinden, die uns hassten, verfolgten, töteten um Seines Namens willen. Er erlöst uns von dem Teufel, der in den Kindern des Unglaubens sein Werk hat und wider uns tobt und wütet. Er erlöst uns von allen Sünden, die auch uns noch immerdar anklebten und uns träge machten, die wir so bitter beweint und beseufzt und gegen die wir so unablässig gekämpft haben. Er erlöst uns von allem Übel Leibes und der Seele, Guts und der Ehre. Er erlöst uns von dem Tode, denn bei Seiner Wiederkunft will Er ja alle Toten auferwecken, dass sie ähnlich werden Seinem verklärten Leibe und will dann auf dieser Erde, nachdem Er auch die verklärt hat, aufrichten das ewige Reich Seiner Herrlichkeit, dass die Lahmen löcken wie ein Hirsch und der Stummen Zunge wird Lob sagen, dass Er herrsche mit Seinen Heiligen und herrlich erscheine mit Seinen Gläubigen, dass Sein Friede sei wie ein Strom und Seine Gerechtigkeit wie Meereswellen. Und davor sollten wir uns fürchten und entsetzen? Nein, das haben wir ja Tag und Nacht erfleht in unsern Gebeten, darnach haben wir ja getrachtet mit allem Fleiß, darum haben wir ja gekämpft, gerungen und widerstanden bis aufs Blut im Kämpfen wider die Sünde, dafür haben wir ja Leib und Leben hingeopfert, unsre Wangen dargereicht denen, die uns rauften, und unsern Rücken denen, die uns schlugen. O wenn Jesus Christus wiederkommt, dann heißt es recht in seliger Freude und mit ausgebreiteten Armen: wie soll ich Dich empfangen, und wie begegn' ich Dir! Du aller Welt Verlangen, Du, meiner Seelen Zier! Nein gerade die Predigt von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht ist eine rechte Adventspredigt. Denn Er kommt ja in Seiner Kraft und Herrlichkeit, um alle diejenigen, die Ihm hier ihre Herzen aufgetan haben, dann mit Sich zu nehmen in das teure Reich, wo Fried und Freude lacht. 
- 
-Gerade daraus müsst ihr recht wieder erkennen, wie offenbar der HErr allezeit in Seiner Kirche gewaltet hat, gerade daraus, dass unter den Adventstexten derjenige vom Jüngsten Gericht nicht fehlt, der erst die Adventsfreude vollkommen macht für alle, die an Jesum Christum glauben. Wir haben am vorigen Sonntage das Thema gehabt: Jesus kommt, ein König, und daran die Frage geknüpft: wie sollen wir Ihn empfangen. So lasst uns denn heute unter Gottes Segen und nach Anleitung unsers Evangeliums andächtig betrachten: 
- 
-Jesus kommt ein Richter; wie sollen wir Ihn empfangen? 
- 
-Zuvor aber lasst uns beten: Du lieber HErr Jesu, wir danken Dir von Herzen, dass Du gekommen bist in das Fleisch als ein so sanftmütiger, demütiger König, der alle Mühseligen und Beladenen zu Sich ruft, und zu dem alle kommen können und brauchen sich nicht vor Dir zu scheuen, gerade weil Du in so niedriger Gestalt gekommen bist. Darum haben wir uns auch von Dir das Herz abgewinnen lassen und uns Dir ergeben in Buße und Glauben, Du unser lieber Sieges- und Friedenskönig. Wir wollen Dir auch durch Deine Gnade treu bleiben und nichts soll uns wieder von Dir scheiden, denn es ist in keinem andern Heil, als in Dir allein. Aber nun danken wir Dir nochmals von Herzen, dass wir gehört haben aus Deinem Wort, dass Du wiederkommen willst sichtbar in aller Deiner Herrlichkeit und dass dann alle Deine Frommen erst recht ihre Häupter in seliger Freude aufheben sollen, weil dann die völlige Erlösung naht. So gib uns denn auch jetzt wieder Deinen Heiligen Geist, dass wir vernehmen den Unterricht aus Deinem heiligen Worte über Deine herrliche Wiederkunft zum Gericht, hilf Du predigen, und hilf Du hören und vermehre unsre Freude und stärke unsern Glauben und gründe fest unsre Hoffnung, dass wir stark werden, Alles zu überwinden und den Sieg zu gewinnen. Amen. 
- 
-=====I. Jesus kommt ein Richter. ===== 
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-Wunderbare Dinge werden der letzten Wiederkunft des HErrn Jesu vorangehen. Der HErr spricht: es werden Zeichen geschehen an der Sonne und an dem Mond und an den Sternen und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Es ist gerade so, wie wenn ein Mensch alt geworden ist, nun im Sterben liegt und der Todeskampf sich einstellt, da werden seine Augen dunkel, Frost und Hitze schütteln ihn, Zuckungen gehen durch seine mürben Glieder, alle seine Kräfte werden aufgezehrt von der innerlichen Hitze, sein Herz verschmachtet und er wird gelegt in des Todes Staub.  
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-So ist es auch bei dem Ende der Welt. Die Welt ist alt geworden und die Zuckungen des Todes stellen sich ein. Himmel und Erde kommen in Aufruhr. Die Erde bebt und speit Feuer aus und glühende Flammen, die allenthalben hervorbrechen aus ihrem Schoß. Da zischt und brauset und rollt dann das Meer und die Wasserwogen und kämpfen mit den Feuergluten, als wollten sie ihnen den Sieg entreißen. Aber auch aus dem Himmel schießen Feuerströme hernieder, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden und gewaltige Sturmwinde schüren das Feuer, das vom Himmel kommt und aus der Erde bricht, noch schrecklicher an. Gerade wie einst zur Zeit der Sündflut die Tiefen des Abgrunds sich auftaten, aus denen Wasserströme hervorbrachen, und die Fenster des Himmels sich auftaten und Wasser hernieder regneten, so ist es am jüngsten Gerichte mit dem Feuer, das aus der Erde bricht und vom Himmel regnet. Da werden dann nicht bloß die Elemente vor Hitze zerschmelzen und alle Werke der Erde verbrennen in dem Feuermeere, sondern auch die Himmelskörper, Sonne, Mond und Sterne werden ihren Schein verlieren, wie der HErr schon durch den Propheten spricht: Ich will Zeichen tun am Himmel und Wunder auf Erden, Blut, Feuer und Rauchdampf. Die Sonne wird ihren Schein verlieren und sich verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, und an einer andern Stelle: die Sterne werden auf die Erde fallen, wie ausgebrannte Schlacken. Das alles sehen die Gottlosen dann kommen, die dann auf der Erde leben und da wird ihnen bange werden und werden zagen und ihre Herzen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen. Gerade wie einst die Leute zur Zeit der Sündflut zu ihrem Schrecken und Entsetzen das Wasser immer höher und höher steigen sehen, also dass Häuser und Bäume und Hügel und Berge von den Wasserwogen bedeckt wurden und nirgends mehr eine Zuflucht war vor der steigenden Flut, so werden die Menschen dann zu jener Zeit der Wiederkunft Christi die fressenden Feuerströme sich immer weiter ausbreiten und immer höher steigen sehen, die da ausbrechen von oben, von unten und zur Seiten, bis die ganze Erde und der ganze Himmel ein Feuermeer ist. Da schauen sie dann nach oben, und siehe da Feuer; nach unten, und siehe da Feuer; zur Rechten und Linken, und siehe da Feuer! O verschmachtete den Leuten zur Zeit der Sündflut das Herz bei den immer höher steigenden Wasserwogen und der spottende Mund verstummte, der vorher gelästert hatte, wo das Wasser denn herkommen wollte, das die ganze Erde bedecken sollte; wie wird dann zur Zeit der Wiederkunft Christi den Leuten das Herz verschmachten vor den Feuerströmen, und der spottende Mund verstummen, der eben noch gelästert hatte: wo soll das Feuer herkommen, das Himmel und Erde verzehren soll, es bleibt eben alles, wie es von Anbeginn gewesen ist! 
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-Und seht, meine Lieben, das alles geschieht den Frommen zu gut. Denn darum muss Himmel und Erde vergehen in Feuer, damit aus denselben ein neuer Himmel und eine neue Erde könne dargestellt werden, darauf Gerechtigkeit wohnen. Was bei dem Leibe des Menschen der Tod und die Verwesung ist, die notwendig erst erfolgen muss, ehe der neue verklärte Leib kann hervorgehen, das ist del Himmel und Erde der Untergang durchs Feuer, der notwendig erst erfolgen muss, ehe eine neue Erde und ein neuer Himmel in verklärter Herrlichkeit hervorgehen kann. Und diese neue Erde soll ja die Wohnung der auferstandenen Frommen sein. 
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-Aber wie? ich habe vorhin gesagt, die Herzen der Gottlosen würden verschmachten vor Furcht und Entsetzen, wenn dies alles geschähe; wird denn nicht dasselbe bei den Frommen der Fall sein? Nein, eben so wie bei der Sündflut Noah eine sichere Zuflucht fand in der Arche, dass ihm alle Wasserwogen nichts schaden konnten, obgleich sie über die höchsten Berge gingen, sondern er blieb in der Arche völlig unberührt von dem Gericht; eben so hat zur Zeit des Weltenbrandes der HErr Seinen wenigen Frommen, die dann auf der Erde sind, eine sichre Zuflucht bereitet, wohin die Flammen nicht kommen können, wie hoch sie auch schlagen. Und von dieser sichern Zuflucht heben sie dann voll Sehnsucht Auge und Herz nach oben und rufen, stehen und bitten: Nun komm, HErr Jesu, komm bald! Und ihr sehnsüchtiges Rufen wird erhört. Denn alsdann werden sie sehen kommen des Menschen Sohn in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Von Osten her, wo sonst die Sonne aufging, als sie noch am Himmel stand, erscheint plötzlich ein blendender Himmelsglanz. Ist dieser blendende Himmelsglanz denn vielleicht die Sonne wieder? Ja es ist eine Sonne, aber nicht die irdische. Der HErr Jesus kommt daher in aller Seiner Kraft und Herrlichkeit, tausendmal heller als die irdische Sonne, tausendmal heller als alle Flammen des Weltenbrandes. Von Osten her, sagte ich, das spricht aber die Bibel nicht klar aus, es ist nur die uralte, allgemeine Überlieferung der christlichen Kirche, weshalb man sich im Gottesdienste auch immer beim Gebete nach Osten zu wenden pflegt und der Altar immer gegen Osten steht. Man schließt es aber aus den Worten: wie der Blitz ausgehet vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang, also wird sein das Zeichen des Menschensohnes. O was für ein seliger, entzückender Anblick wird das sein für die betenden Frommen! Da gilt die Ermahnung: hebt eure Häupter auf, darum dass sich eure völlige Erlösung naht. Ihr Jesus kommt, ihr himmlischer König, sichtbar kommt Er vor ihren Augen, Licht ist das Kleid, das Er anhat. Vor Seinem dräuenden Arm flieht die Erde, vor dem allmächtigen Wort Seines Mundes rollt sich der Himmel zusammen wie ein Gewand. Und Jesus befreit die Frommen zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Auf Sein Wort stehen die Toten auf, die in den Gräbern lagen und im Meer ruhten, auf Sein Wort werden die Leiber der dann noch Lebenden verwandelt, da erhalten dann alle Gläubigen ihren Leib wieder, der ein verklärter, himmlischer, herrlicher, geistlicher Leib geworden ist. Und siehe da, von allen vier Winden kommen die heiligen Engel und führen die Seligen und Auserwählten durch die Lüfte hindurch zu dem erhabenen Richterstuhle des HErrn Jesu Christi, der in den Wolken steht. O welche Wonne! Da sehen sie ihren lieben, lieben HErrn Jesum Christum, an den sie hier geglaubt haben, obgleich sie Ihn nicht sahen, und haben Ihn doch schon lieber gehabt, als alles was in der Welt ist, da sehen sie Ihn, den sie angebetet haben im Geist und in der Wahrheit, für den sie gekämpft, geduldet und gelitten haben auf Erden, sie sehen Ihn von Angesicht zu Angesicht, fallen nieder in seliger Entzückung zu Seiner Rechten und freuen sich mit ewiger und unaussprechlicher Freude, dass nun ihre ewige Erlösung da ist! 
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-Und ein neues Wunder sehen sie vor ihren erstaunten Augen. Aus des HErrn Jesu Munde erschallt wie zur Zeit der ersten Schöpfung, das allmächtige Schöpferwort und auf dasselbe entsteht aus der Erde und aus dem Himmel, die im Feuer vergangen sind, die neue Erde und der neue Himmel. Vor ihren Augen führt aus dem Gotteshimmel auf diese neue Erde herab das himmlische Jerusalem, die Stadt des lebendigen Gottes, zubereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Manne, die soll fortan die sichtbare Wohnung des Königs Jesu Christi sein, und die neue Erde soll fortan der ewige, selige, ungetrübte Wohnplatz der auferstandenen und verklärten Frommen sein. Da ist ewig keine Sünde, kein Tod mehr, da gibt es keine Tränen, keinen Schmerz, kein Geschrei mehr; Schmerz und Seufzen wird da weg müssen, Freude und Wonne wird sie ergreifen, ewige Freude wird über ihren Häuptern sein. Und wenn dann Jesu Gnadenstimme zu ihnen erschallet: kommet her, ihr Gesegneten Meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! wenn es dann heißt: ihr seid über wenigem getreu gewesen, Ich will euch über viel setzen! und wenn dann der himmlisch glänzende Zug der verklärten Frommen mit dem heller leuchtenden Jesus und allen heiligen Engeln hingeht nach der neuen Erde, da geht dann in Erfüllung das Wort: was kein Auge, gesehen, was kein Ohr gehört, was in keines Menschen Herz gekommen ist, das bereitet der HErr denen, die ihn lieben. Da auf der neuen Erde ist kein Frost mehr und keine Hitze, kein Schnee, kein Regen, kein Hagel, kein Sturmwind, kein Letzen und Verderben mehr. Da sind lauter grünende Wiesen, blühende und fruchtbringende Bäume, herrlich schimmernde und duftende Blumen, lauter gehorsame, schöne Tiere, lauter zutrauliche Vögel von dem herrlichsten Gefieder, und die alle den Menschen dienen und von den Menschen geliebt und regiert werden und allenthalben die lieblichen Wohnungen der Frommen, und keine einzige Wohnung der Gottlosen mehr. Und das himmlische Jerusalem, die Stadt unsers Gottes mit ihren goldenen Gassen und Mauern von glänzenden Edelsteinen tut Tag und Nacht seine weißen Perlentore den seligen Frommen auf, die da ein- und auswallen in festlichen Sängerchören, mit weißen Kleidern angetan, goldene Kronen auf ihren Häuptern, Freudenpsalmen und goldene Harfen in ihren Händen, um anzuschauen und anzubeten den HErrn Jesum und Seine Hände und Seine Füße zu küssen, die uns ausgesöhnt haben mit Gott. Und dazu der ewige Umgang, auch von Angesicht zu Angesicht, mit allen Frommen, die von Anfang auf der Erde gelebt haben bis zum Jüngsten Tage, diese Freude, wenn uns Adam und Eva vom Paradiese, Noah von der Sündflut, Abraham von seinen Wanderungen, die Apostel und Propheten von ihren Kämpfen und Siegen, die Reformatoren von ihren Erfahrungen, alle Frommen von ihren Führungen erzählen und ein Herz dem andern und ein Mund dem andern mitteilt die Wunder der Gnade Gottes, die ein jeder erfahren hat, und wir da alle das Brot essen im Reiche Gottes und das Gewächs des Weinstockes neu trinken in des Vaters Reich, und das ewig, ewig, ohne Aufhören! und das alles haben wir allein zu danken dem Jesus, der da ewig unter den Seinen wohnt, ein Vater unter den Kindern, die Er selig gemacht hat. 
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-Seht, meine Lieben, darum ist Jesu Kommen zum Gericht die rechte Freude der Frommen, darum gehört Jesu Kommen zum Gericht auch jetzt mit zu unsrer seligen Adventsfreude. Ja die Adventsfreude, dass Jesus jetzt wieder zu uns kommt in Haus und Kirche und Herz, wäre nichts, wenn sie nicht mit dieser Freude über die endliche, völlige Erlösung beim Gericht verbunden wäre. Darum freue ich mich auch in aller Zeit, ja ich kann sagen, alle Tage, ganz besonders aber immer im Advent, wie ein Kind darauf, dass Jesus wiederkommen wird. Denn jetzt habe ich zwar meinen Jesum auch, aber ich habe Ihn nur im Geiste, dann aber habe ich Ihn vollkommen, von Angesicht zu Angesicht, dann erst werde ich Ihn erkennen, gleich wie ich erkannt bin, und darnach sehne ich mich so sehr. Und da wüsste ich nicht, was ich nicht alles tragen könnte, da ich solche Hoffnung habe. Kein Leiden drückt mich nieder, kein Kummer und Herzeleid kann mich unterkriegen, und wahrlich ein treuer Prediger und Seelsorger weiß, was Kummer und Herzeleid ist. Keine Verfolgung kann mich schrecken, keine Schmach, kein Spott kann mich rühren, auch keine Kette, keine Marter und kein Tod mich zwingen, es kommt ja der liebe, letzte Tag, wie unsre Kirche so schön betet, und wird nicht gar zu lange mehr verziehen. Darum spreche ich mit Paulus: was soll mich scheiden von der Liebe Christi? Trübsal, oder Angst, oder Fährlichkeit, oder Blöße, oder Schwert? Nein, in dem allen überwinde ich weit um dessentwillen, der mich geliebt hat und am Jüngsten Tage wieder kommen wird und Alles zurecht bringen. Darum bin ich auch gewiss, dass weder Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch keine andre Kreatur mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm HErrn. Und darum lasst uns beten und ringen und arbeiten jeden Tag in dieser Adventszeit, dass Jesus Christus aufs Neue in unsern Herzen einkehren und wir durch Ihn wahrhaft bekehrte, gläubige Christen werden mögen, dann wissen wir gewiss, welche Seligkeit uns der liebe letzte Tag bringen wird. 
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-Aber, ehe wir weiter gehen, zu betrachten, wie wir Jesum empfangen sollen und auf Seine Zukunft uns bereiten, ist noch eine Frage vorher zu beantworten, auf die unser Text uns Antwort gibt, nämlich die: ist denn das alles auch ganz gewiss? Der HErr Jesus antwortet darauf erstlich durch ein Gleichnis. Er sagt: seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr es an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so merkt, dass das Reich Gottes nahe ist. Noch nie hat das getrogen, so lange die Welt steht, dass das Knospen und Ausschlagen der Zweige den nahen Sommer verkündigt, ein Kind weiß das und zweifelt nicht daran. So gewiss und untrüglich weiß auch ein jeder Christ, dass alle jene Zeichen das Wiederkommen Jesu Christi verkündigen. Das Christentum hätte keinen Sommer, sondern nur Frühling; das Christentum hätte kein Ende, sondern nur Anfang, wenn Christus nicht wiederkäme. Darum muss Christus wieder kommen, damit das Christentum vollendet werde. 
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-Sodann gibt Jesus ein gewisses Zeichen und Merkmal an, daraus wir erkennen können, dass solches alles, was Er vom Jüngsten Gericht gesagt hat und von Seiner Wiederkunft, gewiss und untrüglich geschehen muss. Er spricht mit einem Eide: wahrlich, Ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Dies Wort hat sich nun schon seit 1800 Jahren als wahr bewiesen. Als Jesus dies Wort sprach, lebte Er unter dem Volke der Juden. Er sagt damit also, dass die Juden bis zum Jüngsten Tage, bis zu Seiner Wiederkunft bleiben werden. Vierzig Jahre darauf, nachdem Er dies Wort gesprochen hatte, wurde Jerusalem von den Römern erobert, Millionen von Juden wurden getötet, das Land und die Stadt mit Feuer und Schwert zerstört und verwüstet und die übrig gebliebenen Juden wurden in alle Welt zerstreut. Nun hat nie, so lange die Erde steht, ein Volk, das aus seinem Lande verzagt ist, das seine Heiligtümer und alles was ihm sonst teuer war, verloren hat, Bestand gehabt. Assyrer, Ägypter, Babylonier, Meder, Römer, Griechen, die alle hundertmal größer, mächtiger und zahlreicher waren, als die Juden, sind verschwunden von der Erde, man keimt ihren Namen nur noch aus der Geschichte. Und dies Volk der Juden, seit 1800 Jahren seines Landes, seines Tempels, seiner Heiligtümer beraubt, zerstreut unter lauter fremden Völkern, von denen es oft genugsam zertreten und verfolgt worden ist, besteht noch heutiges Tages. Man erkennt den Juden auf den ersten Blick als Juden, und sie wollen noch immer keine Christen werden, noch immer halten sie sich abgesondert von den Völkern, unter welchen sie leben. So gewiss als dies Wort Jesu: dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe, wahr geworden ist auf die wunderbarste, auf eine wahrhaft unglaubliche Weise, so gewiss haben wir daran ein Merkmal, dass auch dies andre Wort eben so buchstäblich erfüllt werden muss, welches Jesus von Seiner Wiederkunft und vom jüngsten Gerichte geredet hat; denn derselbe Mund, der das eine Wort geredet hat, das geschehen soll, hat auch das andere Wort gesagt, das nun seit 1800 Jahren geschehen ist. 
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-Und endlich, um den Christen allen, auch den leisesten Zweifel zu benehmen, sagt der HErr: Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte vergehen nicht. Darum lass die Zweifler zweifeln und die Spötter spotten. Es wird ihnen eben so gehen, als den Leuten bei der Sündflut: als sie ersoffen, da zweifelten und spotteten sie nicht mehr; es war ihnen aber nicht mehr zu helfen. So wird es den Spöttern und Lästerern am Jüngsten Tage auch gehen. Dann, wenn sie brennen, werden sie auch aufhören zu spotten und zu lästern, aber dann ist ihnen auch nicht mehr zu helfen. Für dich, du gläubiger Christ, ist es genug, dass du gehört hast aus dem Evangelio: Jesus bat es gesagt. Darum Himmel und Erde werden vergehen, aber Jesu Worte nicht. 
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-=====II. Lasst uns nun sehen, wie wir Jesum empfangen sollen! ===== 
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-Dazu müssen wir uns jetzt bereiten, hier in dieser Gnadenzeit. Denn was wir hier gesät haben, so lange wir im Fleische wandeln, das werden wir ernten bei der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. Die Menschen haben ein gemeines Sprichwort, das lautet: wie der Baum fällt, so bleibt er liegen. Damit wollen sie sagen: ist der Mensch tot, so ist es aus mit ihm, er steht eben so wenig wieder auf, als der abgehauene Baum. Ich beneide diesen Leuten solche Weisheit nicht, die nicht von Gott kommt, sondern vom Teufel, um sie sicher zu machen, und an die sie selbst nicht einmal glauben. 
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-Denn ich habe schon manche Menschen in Krankheits- und Sterbensnot ach Gott schreien hören, die im Leben und gesunden Tagen von Gott nichts wissen wollten. Aber in einer Hinsicht ist jenes Sprichwort wahr: so wie der Mensch hier aus der Welt geht, gerade so geht er in die Ewigkeit hinüber. Wird er hier als ein böser Baum abgehauen, so bleibt er böse in Ewigkeit; und wird er hier als ein guter Baum abgehauen, so bleibt er gut in Ewigkeit. Nach dem Tode gibt es für den Christen, der Gottes Wort und Sakrament, als die Mittel zur Seligkeit, hier gehabt hat. keine Umkehr mehr. Darum, so gewiss du weißt aus der Heiligen Schrift, dass Jesus wieder kommen wird zum Gericht, so bereite dich hier, Ihn zu empfangen und wisse, was du hier gesät hast, wirst du dort ernten. Und da beherzige zuerst die ernste Mahnung des HErrn: hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und Sorgen der Nahrung. Höret ein Beispiel: Die Engländer haben jetzt Krieg in Ostindien mit ihren abgefallenen Untertanen, den Indern. Da rückt neulich ein englisches Regiment aus gegen die zahlreichen Feinde, die wohl zehnmal stärker gewesen sind an Zahl, als die Engländer. Aber die Engländer gehen tapfer auf die Feinde los und fragen nicht, wie viel ihrer sind. Solcher Tapferkeit und Todesverachtung können die Inder nicht widerstehen und fliehen bald in vollen Haufen. Die Engländer jagen ihnen nach mit lautem Siegesgeschrei in eine nahe Stadt, erobern auch die und erstürmen einige von den Feinden besetzte Häuser. Haben sie nun den Sieg? Höret, in diesen Häusern finden sie eine Menge von Lebensmitteln und viele Tonnen mit Rum und Branntwein. Da machen sie sich über diese Speisen und Getränke her, fressen und saufen. Als sie sich voll gefressen und gesoffen haben, kommen die Indie zurück, fallen über ihre Sieger her und schlagen sie bis aus den letzten Mann tot, denn sie können sich nun nicht mehr wehren. Das lasst euch zur Warnung gesagt sein. Ein Fresser und Säufer ist noch nie in das Himmelreich eingegangen, er wird ohne Rettung die Beute seiner Feinde, er kann sich gegen sie nicht wehren, weil er selbst gebunden ist. Und wenn du als ein guter Streiter Jesu Christi den Kampf des Glaubens angefangen hast und hast bereits Satan, Welt und Fleisch überwunden und setzest mutig deinen Siegeslauf fort, ja es dünkt dich ein leichtes, Satans Altäre umzustürzen und seine Burgen zu erobern, fang nur das Fressen und Saufen an, und du bist geliefert und verloren und Satan schlägt dich tot, ohne dass du dich wehren kannst. Was die Schrift sagt: sie fahren dahin wie ein Vieh, das gilt zwar von allen Gottlosen, im recht eigentlichen Sinn aber von den Fressern und Säufern. Iss und trink, was dir Gott gegeben hat, zur Erhaltung deines Leibes, alle Kreatur Gottes ist gut, aber merke, die mit Danksagung genommen wird. Und hast du gebetet, so iss und trink, und dann danke dem HErrn, der dich gesättigt hat. Das Fressen aber überlass den Sauen und das Saufen den Menschen, die ärger als die Säue sind. Die Alten pflegten zu sagen, der Weinstock sei begossen mit dreierlei Blut, mit dem Blut eines Lammes, eines Tigers und eines Schweines. Daher komme es, wenn man ein Glas voll davon trinke, so werde man fröhlich wie ein Lamm, wenn man zwei trinke, wütend wie ein Tiger, wenn man drei trinke, unflätig wie ein Schwein, das im Kote liegt. O geh nicht hin zu den Saufhüllen, die hier und da in den Städten und auf dem Lande errichtet sind in Wirtshäusern und in Privathäusern, geh nicht hin zu den Fressessen, die die Leute Festessen nennen, sie seien wo sie wollen und es sei bei welcher Gelegenheit es wolle, ob bei Hochzeiten oder bei Kindtaufen oder Geburtstagen oder bei andern Gelegenheiten. Der heil. Apostel Paulus sagt ausdrücklich Gal. 5 Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch zuvor gesagt habe und sage noch zuvor, dass die solches tun, das Reich Gottes nicht ererben können. Der HErr Jesus sagt an einem andern Orte: wenn aber des HErrn Knecht denkt, mein HErr kommt noch lange nicht und fängt an sich voll zu saufen und seine Mitknechte zu schlagen, was meinst du, wird der HErr solchem Knechte tun, wenn Er kommt und ihn also findet? Ists nicht also, Er wird ihn zerscheitern und ihm seinen Lohn geben mit den Ungerechten. Aber weiter, hüte dich vor den Sorgen der Nahrung. Du hast als ein Christ weiter nichts nötig, um dein täglich ehrlich Brot zu essen, als Beten und Arbeiten. Das Sorgen überlass du dem, der es besser versteht, als du, dem lieben Gott, der ausdrücklich verheißen hat, dass Er sorgen will. Leute, die da sorgen, sind erstlich Narren, denn sie können mit allem ihrem Sorgen nichts, gar nichts ändern. Wenn sie sich z. B. die Augen aus dem Kopf weinen, weil sie kein Brot haben, damit kriegen sie kein Brot. Diese Narrheit derer, die da sorgen, züchtigt der HErr mit den Worten: du vermagst nicht eine Elle deiner Länge zuzusetzen, ob du gleich darum sorgest. Sie sind aber nicht allein Narren, sondern sie sind Ungläubige, welches die allerschwerste Sünde ist, denn sie meinen, der Vater im Himmel werde Seine Kinder verhungern lassen, was nicht einmal ein irdischer Vater tut. Dazu sind Leute, die da sorgen, Wahnsinnige, die selbst ihre Seligkeit hindern. Denn wer da sorgt, der hat zuletzt keine andere Gedanken mehr, als: was werde ich essen? was werde ich trinken? womit werde ich mich kleiden? und an die Seligkeit denken sie nicht, sie haben vor allen Sorgen keine Zeit dazu. Und kommt nun der HErr Jesus, sei es zum jüngsten Gerichte, oder wenn sie sterben sollen und es heißt: du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern! dann ist es zu spät und es lässt sich nun und in Ewigkeit nicht nachholen, was auf Erden versäumt ist und es geht solchen Leuten, wie den törichten Jungfrauen; die Tür wird ihnen vor der Nase zugeschlagen, es ist zu spät! Und das gilt eben so wohl von den Sorgen der Armut, als von den Sorgen des Reichtums, beides sind Sorgen der Nahrung. Es kommt dieser Tag schnell über euch, spricht der HErr, denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. Kein Mensch weiß, wann er kommen wird, kein Engel weiß es, selbst Jesus weiß es nicht nach Seiner Menschheit. Sondern ehe man es vermutet, ist er da. Die Frommen haben wohl eine Art Ahnung davon, denn sie achten auf die Zeichen der Zeit. Aber auch das ist nur eine solche Ahnung, die hundertmal getäuscht wird. Wie oft ist schon von wirklich frommen Menschen geglaubt worden: jetzt kommt der jüngste Tag. Noch ist er immer nicht gekommen. Darum hütet euch vor allen falschen Propheten, die den Jüngsten Tag ankündigen. Hier läuft z. B. in der Gegend viel ein Buch umher, das ist betitelt: der flüchtige Pater und andere solche Schriften. Wo ich die gefunden habe auch bei andern Leuten, da habe ich sie immer ohne weiteres in den Ofen gesteckt. Und das ist das Einzige was man mit ihnen tun muss, umso mehr, wenn fromme Worte darin sind, dadurch auch die Gläubigen leichtlich betrogen werden. Welches Unglück hat der sonst fromme und brave Gottesgelehrte Bengel damit angerichtet, dass er weissagte, im Jahre 1836 würde der jüngste Tag kommen. Er kam nicht und viele litten Schiffbruch an ihrem Glauben, die fest darauf gewartet hatten. Jesus sagt ausdrücklich: wie ein Fallstrick, unvermutet und unversehens wird er kommen, darum lasst das Rechnen und das dumme Prophezeien. Dagegen tut, was der Heiland sagt: so seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll und zu stehen vor des Menschen Sohn! 
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-Wenn der HErr da sagt: zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, so hat da schon manche einfältige Seele gefragt: wie ist das denn möglich? der jüngste Tag kommt doch für alle, wie kann denn einer demselben entfliehen? Da steht ja aber gar nicht dem Jüngsten Tage, das wäre freilich nicht möglich; sondern dasteht: diesem allem, das geschehen soll, also dem Bösen, dem Unglück, dem Gerichte, das die Gottlosen treffen soll. Denn an dem sollen die Frommen keinen Teil haben. Eben so musste Noah den Tag der Sündflut auch erleben, aber dem Gerichte der Sündflut durste er entfliehen, weil die Frommen nicht mit den Gottlosen umkommen sollen. So wirst du, wenn du fromm bist, zwar den Jüngsten Tag mit erleben, aber dem Feuer und Gericht, dem Unglück und Entsetzen, das jener Tag für die Gottlosen mit sich bringt, sollst du entfliehen, und eben so sicher geborgen sein, als Noah in seiner Arche. Und eben so, wenn alle Menschen vor Jesu Angesicht erscheinen müssen, und die Gottlosen gelegt werden zum Schemel Seiner Füße, so wirst du das Stehen behalten, du wirst stehen können vor des Menschen Sohn. Aber höre des HErrn Wort: du musst wacker sein und beten. Einige leiten das Wort wacker her von wachen, und meinen, dass der HErr hier das Wachen empfehle. Nun kommt wachen und beten freilich oft sonst bei einander vor. Aber hier steht nicht wachen, sondern wacker. Und das ist noch mein Lebe nicht von wachen hergekommen. Sondern wackere Leute das sind brave, tüchtige, tapfere Leute, rechte Kämpfer. Also kämpfen, tapfer kämpfen sollen wir. Wissen wir ja doch, dass wir den listigen und grimmigen Satan zum Feinde haben und das ganze Heer seiner bösen Engel, dazu die ganze Menge der gottlosen Weltkinder, die ja immer zugleich Teufelskinder sind und die vornehmsten Werkzeuge seiner Schalkheit. Und dazu noch die Sündenlüste unsers eignen bösen Herzens. Das sind die Feinde, gegen die wir wacker streiten sollen. Und zwar in zweierlei Weise. Zuerst wir müssen uns verteidigen, wenn Satan. Welt und Sünde uns angreifen, das geschieht, indem wir dem Satan keinen Finger breit Raum geben. Mag er kommen mit List und mit Locken, mit Geld und Ehre, mit Lüsten und mancherlei Wohllüsten, mit Hochmut und Vermessenheit, ja mit Verzweiflung und Verzagtheit, da muss es kurz heißen: hebe dich weg, Satan, du bist mir ärgerlich! Kommt er mit Drohen, Verfolgung, Ketten. Märtyrertod, so muss es kurz heißen: Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn, und so mit Freuden den Rücken, die Wangen und den Hals dargeboten für den HErrn Jesum. Eben so musst du es mit der Welt machen und kurz und gut keine Gemeinschaft mit ihr huben, es heißt: rein ab und Christo an, so ist die Sache getan. Und dann mache nicht lange Federlesens mit deinen eignen sündlichen Lüsten; sondern reiße sie aus, als schnödes Unkraut, und sollte dein Herz darüber verbluten, es ist besser, dass es verblute und selig werde, als dass es nicht verblute und verdammt werde, wie geschrieben steht: die Sünde ruht vor der Tür; aber lass du ihr nicht den Willen, sondern herrsche über sie. Tust du das, dann wirst du nie deine Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit begeben, denn das werden sie nur, wenn du die Lüste sitzen lässt im Herzen. Willst du aber in solchem Kampfe gegen so mächtige Feinde siegreich sein, so vergiss das Beten nicht. Denn Jesus muss dir zum Kämpfen die Kraft verleihen, ja Er muss dein treuer Mitkämpfer sein und darum musst du Ihn bitten und besonders flehen, täglich und immer wieder aufs Neue flehen: HErr Jesu, gib nur Deinen Heiligen Geist. Dann hast Du den Sieg in Händen, denn wer mit Jesu kämpft, hat noch immer gesiegt. 
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-Darum kommen wir auch jetzt zu Dir, Herr Jesu Christe, und bitten Dich, salbe uns mit Deinem Heiligen Geist, dass wir einen guten Widerstand tun und den Sieg behalten. Satan ist mächtig, Du bist allmächtig. Die Welt lockt; der Himmel aber lockt noch weit mehr. Die Sünde ist kräftig, aber Dein Heiliger Geist ist kräftiger, denn Er ist allmächtig, wie Du. Wir geloben es Dir, alles was Du uns gesagt hast, wollen wir tun: wir wollen nicht saufen und fressen, sondern mäßig sein und nüchtern, wir wollen uns weder mit Sorgen der Armut plagen, noch mit Sorgen des Reichtums, wir wollen beten und arbeiten und Dich sorgen lassen. Wir wollen uns täglich vor Dein Gericht stellen, als ob es heute käme, damit wir bereit sein für und für. Wir wollen wacker kämpfen und beten und alles für Schaden und Dreck achten, um Dich zu gewinnen, auf dass wir, wenn Dein lieber letzter Tag kommt, mit Freuden unsre Häupter aufheben können, darum weil sich dann unsere völlige Erlösung naht. Erhöre uns um Deines teuren Blutes willen, das Du für uns vergossen hast. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-====== Hofacker, Ludwig - Predigt am 2. Sonntage des Advents, oder am 26. Sonntage nach Trinitatis====== 
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-**Das Gericht und der Richter**  
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-Text: Matth. 25,31-46 
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-**Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in Seiner Herrlichkeit, und alle heiligen Engel mit Ihm, dann wird Er sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit; und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden. Und Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu Denen zu Seiner Rechten: kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden Ihm die Gerechten antworten, und sagen: HErr, wann haben wir Dich hungrig gesehen, und haben Dich gespeist? Oder durstig, und haben Dich getränkt? Wann haben wir Dich einen Gast gesehen und beherberget? Oder nackend, und haben Dich bekleidet? Wann haben wir Dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu Dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr Mir getan. Dann wird Er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie Ihm auch antworten: HErr, wann haben wir Dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben Dir nicht gedient? Dann wird Er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr Mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
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-Dass ein Gericht, eine göttliche Entscheidung unseres ewigen Schicksals, die durch unser inneres und äußeres Verhalten in dieser Welt bestimmt wird, auf uns warte, wovon unser Evangelium ausführlichen Bescheid gibt: das braucht man den Menschen nicht zu beweisen. Eine tiefe Ahnung dieses zukünftigen Gerichtes ist dem Menschen in das Herz geschrieben. Auch die Heiden, die noch nichts vom Gesetze wissen, haben diese Ahnung. Denn ihre Gedanken, die sich in ihrem Herzen unter einander entschuldigen und verklagen, zielen auf einen Tag hinaus, an welchem Gott das Verborgene der Menschen richten wird durch JEsum Christum (Röm. 2,16.16.). Jede inwendige Bestrafung unseres Gewissens ist eine Anzeige davon, dass ein Gerichtstag bevorstehe. Die Lehre vom jüngsten Gericht gehört darum auch unter die Lehren, welche die Menschen leicht glauben. Ein natürlicher Mensch kann sie glauben; es gehört eben keine Erleuchtung des Heiligen Geistes dazu. Das Gewissen des natürlichen Menschen ist Zeugnis genug für die Wahrheit dieser Lehre. 
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-Aber die Menschen sind Lügner; auch die natürlichen, schon durch Vernunft und Gewissen begründeten Wahrheiten würden nach und nach unter ihren unreinen Händen entstellt, durch Betrug der Sünde verdunkelt, durch die Bosheit und Täuscherei der finstern Kräfte verkehrt, oder ganz in Vergessenheit gebracht werden, wenn nicht Gott diesem Unheil von jeher vorgebeugt hätte. Wie weit es die menschliche Verkehrtheit in dieser Hinsicht treiben könne: davon haben wir ein wichtiges Beispiel an dem Wege aller Heiden. Leset das erste Kapitel des Briefes an die Römer, und erkennt daraus, wie durch den Unverstand die Finsternis und die Bosheit der Menschen die Offenbarung, die Gott von Seiner ewigen Kraft und Gottheit in der Schöpfung gegeben hat, in Lüge und Torheit verwandelt worden ist. Und wahrlich! auch unsere Zeit ist auf dem Punkte, durch die überhandnehmende Ungerechtigkeit und Lüge unter dem Schein der Weisheit sogar das, was man natürlicher Weise durch das Gewissen, die Vernunft und den gesunden Menschen-Verstand wissen kann, zu verkehren und zu verdrehen. 
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-Weil nun der himmlische Vater gesehen hat, dass wir Menschen verkehrten Herzens, und von dem Geist der Lügen durchdrungen sind; weil Er gesehen hat, dass auch die Lehre von einem künftigen Gerichte, welche doch tief in des Menschen Herz eingeschrieben ist, nach und nach durch Ungehorsam gegen die Wahrheit würde verdunkelt oder gar verdrängt werden, so hat Er es den Menschen von jeher sagen lassen, dass ein Gericht auf sie warte. So hat schon Henoch, der Siebente von Adam, vom zukünftigen Gerichte geweissagt (Jud. 14.15); so finden wir diese Lehre von einem zukünftigen Tag des HErrn häufig im Alten Testamente ausgesprochen, z.B. Pred. 12,14. Dan. 7,10.26. - und im Neuen Testamente haben der Heiland und Seine Apostel nicht bloß in der Stelle unseres Evangeliums, sondern auch sonst an vielen Orten ausführliche Zeugnisse davon niedergelegt. Doch eines der ausführlichsten Zeugnisse gibt unser heutiges Evangelium an die Hand. Wir wollen deshalb dasselbe genau betrachten, und ich will euch mit Gottes Hülfe vorstellen: das zukünftige letzte Gericht. 
- 
-Wir wollen hierbei ins Auge fassen, 
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-  * den Richter und Die, welche gerichtet werden; 
-  * den Maßstab, nach welchem gerichtet werden wird; 
-  * den Ausspruch oder das Urteil des Richters. 
- 
-O JEsus, Du Richter alles Fleisches, hilf uns, dass wir uns von Deinem Worte und Geiste hier schon richten lassen, damit wir nicht dem unerträglichen Zorne Gottes anheimfallen! Amen. 
- 
-===== I. ===== 
- 
-Liebe Zuhörer! Gegenwärtig ist es noch nicht so in der Welt, wie es sein wird, wenn unser heutiges Evangelium einmal in Erfüllung geht. Gegenwärtig ist noch Alles untereinander, Gute und Böse, Gläubige und Ungläubige, Kinder Gottes und Kinder der Welt, Schafe und Böcke. Alles läuft in bunter Mischung durch einander. Des Menschen Sohn, der nach unserem Evangelium in der Herrlichkeit kommen wird, ist gegenwärtig noch von Einigen geachtet, von Andern verachtet; Einige glauben an Ihn, Andere glauben nicht an Ihn; Vielen ist Er der gleichgültigste Mann. Die Gesegneten des Vaters, welche das Reich ererben sollen, das ihnen bereitet ist von Anbeginn der Welt, sind noch verborgen; man kennt sie nicht; man verkennt sie häufig; man schätzt sie gering; sie sind verachtete Lichtlein; sie sind Brüder und Schwestern Dessen, der auch einst durch die Welt ging, und die Welt kannte Ihn nicht, ob Er wohl der Eingeborene des Vaters war. Die Verfluchten, die dann in das ewige Feuer gehen müssen als Teilnehmer der Strafe des Teufels, sehen jetzt noch gar nicht solchen Verfluchten gleich; sie sind oft im äußeren Ansehen; sie sind oft im äußeren Wohlstande; sie lassen es sich oft wohl sein in dieser Welt; sie sind oft als die rechtschaffensten, ehrlichsten, klügsten, sogar menschenfreundlichsten Leute geachtet; ja, sie stehen oft im Geruche der Frömmigkeit; sie können oft über die Maßen gut vom Christentum und vom Heiland reden; sie können oft recht schön beten; man hält sie oft für Schafe, ob sie gleich nichts sind denn Böcke. So geht Alles dahin in dieser Weltzeit; der Böse ist immerhin böse, und der Unreine ist immerhin unrein; der Fromme aber ist immerhin fromm, und der Heilige ist immerhin heilig; es geht Alles in Einem Zuge fort; man sieht es dem Betragen der Menschen nicht an, dass es auf eine so ernstliche Entscheidung hinausziele; man sieht es dieser Weltzeit nicht an, dass sie eine Saatzeit ist, auf welche eine so ernsthafte, eine so feierliche Ernte folgen werde. Der Tag der Offenbarung, des Gerichts, der Scheidung und der Entscheidung ist noch nicht gekommen. 
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-Aber dieser Tag wird kommen. So gewiss wir ein Gewissen in uns haben, und Gedanken, die sich unter einander verklagen und entschuldigen; so gewiss JEsus das erste Mal in Seiner Niedrigkeit erschienen; so gewiss Er von den Todten auferstanden und zum Vater gegangen ist; so gewiss von Seinen Worten bis jetzt keines gefehlt hat: so gewiss wird auch dieses Wort nicht fehlen; der Tag wird kommen, der Tag, der brennen soll wie ein Ofen, an welchem die Gottlosen und Verächter werden Stroh sein, der Tag, an welchem der Schlangensame und der Weibessame wird auseinander gelesen, und diesem die ewige Freude, jenem aber die ewige Pein wird zugewiesen werden. Des Menschen Sohn wird kommen in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm; und Er wird sitzen auf dem Stuhle Seiner Herrlichkeit, und werden vor Ihm alle Völker versammelt werden; und Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. 
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-Wie ganz anders wird es dann sein, als es vor 1800 Jahren war, und als es jetzt noch ist. Vor 1800 Jahren kam JEsus als ein armer Mensch; als Er zu den Toren von Jerusalem einritt, konnte ein Welt-Auge von Seiner Herrlichkeit wenig oder nichts sehen. Bald darauf übergab Er Sich in die Hände Seiner Feinde, die den Mutwillen und die Bosheit ihres finstern Herzens an Ihm verüben durften; Er starb am Kreuze, wie ein Missetäter stirbt - nackend, in der alleräußersten Verachtung hing Er da am Kreuz zum Spott und Hohn Seiner Feinde, und starb. Aber auch jetzt noch sieht ein Welt-Auge nichts oder wenig von Seiner Herrlichkeit; Er hat Sich verborgen in Gott; Sein Reich ist ein Kreuzreich; Sein Leben ist allenthalben unter der Schwachheit des Fleisches versteckt, durch die Niedrigkeiten des Kreuzes verächtlich gemacht vor den Augen der stolzen Welt. - Die Welt mit ihrer Lust, mit ihrer vergänglichen Pracht und Hoheit, ja, das glänzt in den Augen, das brüstet sich: - aber die Herrlichkeit des Reiches Jesu zu sehen, dazu gehören schon andere Augen, als die Vernunft hat; es muss offenbart sein vom Vater; denn diese Herrlichkeit ist verborgen, ist inwendig, ist eine Herrlichkeit des Glaubens; und was man glaubet, das sieht man nicht. 
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-Aber es wird anders werden an jenem Tage. Des Menschen Sohn wird kommen in Seiner Herrlichkeit. In der Herrlichkeit, die Er hatte, ehe die Welt war; die Er nun wieder angenommen hat, seit Er sich gesetzt hat zur Rechten der Kraft; mit dieser Herrlichkeit wird Er aus Seiner Verborgenheit herausbrechen, und es wird Ihn sehen alles Auge. Der Mann, welcher in Bethlehem geboren wurde; der schon in Seiner Kindheit vor Herodes fliehen musste; der Mann, welcher in Nazareth mit Seinem Pflegvater auf dem Handwerke arbeitete; der Mann, welchen Sein Volk von sich stieß; der Mann, den sie ins Angesicht schlagen durften und sprechen: „weissage uns, Christe, wer ist es, der Dich schlug?“ - der sich unter allen diesen Misshandlungen und Bosheiten als das sanftmütigste Lamm bewies; der unbekannte Mann, den ich euch immerwährend predige, der aber allen weltlich-gesinnten Menschen unbekannt ist und bleibt, und mit dem Hereindringen des Geistes dieser Zeit immer mehr wird: - dieser JEsus von Nazareth wird wieder kommen in Seiner Herrlichkeit. Er wird wieder kommen in dem Leibe, den Er auf Erden an Sich getragen hat; in dem Leibe, der die Gestalt des sündlichen Fleisches hatte; als Menschen-Sohn wird Er wieder kommen; an Seinen fünf Wunden, die Er noch an Sich trägt, die Er in die Unvergänglichkeit Seines Wesens aufgenommen hat, als ewige Zeugnisse dafür, dass Er der Hohepriester der Menschheit ist - an Seinen fünf Wunden wird man ihn erkennen. Aber sie werden nicht mehr von Blut triefen wie auf Golgatha, sondern sie werden mit unendlicher Gottes-Majestät und Herrlichkeit allen Menschen in die Augen leuchten; den Gläubigen zwar zu unbeschreiblicher Freude, den Ungläubigen aber zu schreckensvoller Pein. - „Diese“ - heißt es - „werden sehen, in wen sie gestochen haben, und werden heulen; ja heulen werden alle Geschlechter der Erde“ (Offenb. 1,7.). 
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-So wird Er kommen vom Himmel mit einem Feldgeschrei, mit der Posaune Gottes und mit der Stimme des Erzengels; alle heiligen Engel werden mit Ihm sein. Diese, Seine Diener, deren Dienst Er verleugnet hatte, da Er in der Niedrigkeit des Fleisches wandelte; die Engel, die gleich bei Seiner Geburt ihre Loblieder sangen, die Ihn, da Er auffuhr zum Vater, mit Jauchzen empfingen (Psalm 47,6.); diese Tausendmaltausend, die um Seinen Thron stehen, und Ihm die Ehre geben - diese werden Ihn begleiten. Und dann wird Er sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit als der Richter. 
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-Da werden dann vor Ihm versammelt werden alle Völker, beide, Kleine und Große; Knechte und Freie, Reiche und Arme; Gläubige und Ungläubige; Alles, was Mensch heißt von Adam an bis auf den Letzten, der vor Seiner Zukunft geboren wird, wird vor Ihm stehen und Ihn sehen müssen. O meine lieben Zuhörer, da werden wir auch dabei sein: auch uns wird Seine Herrlichkeit in die Augen strahlen. Wird man da auch noch zweifeln können? Wird man da auch noch leugnen können? Wird man da auch noch die Nase rümpfen können über den Glauben an Sein Wort, wie man es hier getan, und die Kraft Seines Wortes mit einem hochmütigen, selbstweisen Lächeln von sich abgewiesen hat? Oder wird man fliehen können, wie man etwa jetzt flieht vor der scharfen Zucht Seines Geistes, und mag nicht in die wüsten Abgründe seines Herzens und Lebens, und dem treuen Heiland nicht in die Augen sehen? Wird man da auch noch heucheln oder sich schminken können? Wird man da auch noch seine Blöße decken können mit ein Paar eitlen Trostgründen, womit man sich selbst getröstet hat, mit seiner selbstgemachten und selbstzusammengetragenen und zusammengeflickten Religion? Nein! - Sehen werden wir Ihn müssen; in Sein feuerflammendes, in Sein königliches, in Sein richterliches, sonnenhelles Auge werden wir hineinsehen müssen. Siehe, wenn du dich dann krümmst wie ein Wurm an der Sonnenhitze, wenn sie am Mittag brennt; hier musst du stehen; hier musst du aushalten; hier kannst du nicht von der Stelle weichen; hier musst du ins Licht, und musst dich vom Lichte richten und durchscheinen lassen; wie JEsus sich dann offenbaren wird, so musst auch du offenbar werden. 
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-O liebe Zuhörer, jetzt kann noch ein Mancher die Schande seiner Blöße verbergen, und sich und Andere mit Heuchelschein betrügen. Es befindet sich gegenwärtig noch Mancher unter den Schafen, der eigentlich seinem Herzensgrunde nach ein Bock ist; ja Mancher steht selbst in dem Wahne, als ob er zur Heerde Christi gehöre, ob er gleich nicht dazu gehört; durch langgetriebenen Ungehorsam gegen die Zucht des Geistes kann man es endlich bis zu diesem Selbstbetruge bringen. Es ereignet sich auch zuweilen in dieser Welt, dass ein Bock vor einer Heerde Schafe einhergehet in Schafskleidern, und leitet sie und führt sie an, und ist doch ein Bock. Aber wann JEsus kommen wird in Seiner Herrlichkeit, dann wird es nicht mehr so sein. Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Der Anblick des Königs wird Jedem sein Urteil zum Voraus sprechen; Seine Sonnenaugen, die unsichtbare Gottesgewalt, die Ihn umgibt, wird Jedem seine Stelle anweisen; mit unwiderstehlicher Macht wird Jeder hingetrieben werden zur Rechten oder zur Linken. Da werden die Larven herunterfallen; die Larve der bürgerlichen Ehrbarkeit und Rechtschaffenheit, die Larve der sogenannten Bildung, die Larve des vergänglichen Reichtums oder des höheren Standes, die eigenliebige selbstgesponnene Tugendlarve, Alles wird weichen; - nur die Kleider der Gerechtigkeit Christi werden den Flammenblick des Richters ertragen; wer aber diese nicht wird aufweisen können, der wird dastehen in der Schande seiner Blöße, da sind wir Alle, wie wir sind, und werden um kein Haar besser aussehen, als wir sind. Deine Gedanken, deine Anschläge, deine verborgenen Herzensgedanken und Begierden, Alles, was die Finsternis bedeckt, oder dein Mund als dein tiefstes Geheimnis verschwiegen hatte, dein ganzer inwendiger Mensch samt allen seinen Werken und Früchten wird äußerlich - wird offenbar, bist du in der Wahrheit ein Schaf gewesen in dieser Welt, so wirst du unter den Schafen stehen: bist du ein Bock gewesen, so wirst du auf die linke Seite gehen müssen, du magst wollen oder nicht; denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. 
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-„Wir müssen offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi“, sagt Paulus. O das ist ein schreckliches, Mark und Bein durchschneidendes Wort. Es kommt eine Zeit, wo das Scheinen aufhört. Wer bedenkt das recht? Was meinest du - wenn nur das, was in deinem Herzen seit gestern Abend bis diesen Morgen vorgegangen ist, was du gedacht, gefühlt, in deiner Einbildungskraft aufgenommen hast in dieser kurzen Zeit, ich sage, wenn nur dieses Stück deines innern Lebens vor dieser ganzen Versammlung herausgesagt, allen diesen Menschen Preis gegeben würde - wie Viele sind unter uns, die, wenn ihnen solches geschähe, sich nicht entsetzen, nicht zittern, nicht in den Boden sinken müssten vor Scham! An jenem Tage aber wirst du mit deinem ganzen Leben, mit der wahren Gestalt deines Herzens offenbar werden, du selbst mit deinem ganzen Wesen wirst offenbar werden. Was ist eine zeitliche Schande, welcher doch die Menschen, auch die groben Sünder und Übeltäter, so eifrig zu entgehen suchen, in Vergleichung mit der großen Schande jenes Tages? - Was ist eine zeitliche Ehre, welche doch die Menschen so eifrig suchen, in Vergleichung mit der Ehre jenes Tages?  
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-===== II. ===== 
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-Wenn nun die Böcke von den Schafen geschieden sein werden, dann wird der Richter anheben zu richten. Aber nach welchem Maßstabe wird Er es tun? 
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-Wird Er nach unserem guten Namen fragen, den wir unter den Menschen gehabt haben? Oder wird Er darnach fragen, ob du ein guter Haushalter oder Haushälterin gewesen seiest? Oder wie oft du zur Kirche und zum heiligen Abendmahl gegangen seiest? Oder ob du dich zu den sogenannten Frommen gehalten habest? Liebe Zuhörer, diese Dinge sind alle gut, aber darnach wird der Richter doch nicht hauptsächlich fragen. Was meinet ihr? Meinet ihr, es werde sich darum handeln, ob wir das Christentum und den Glauben an den Heiland gut im Kopfe gehabt haben? Oder meinet ihr, der Richter alles Fleisches werde Schule halten an Seinem großen Tage, und uns über die Sprüche abhören, die wir auswendig können? Oder meinet ihr, das werde den Ausschlag geben, wenn wir von dem Christentum gut reden oder schwatzen konnten? Ja, es wird einen Ausschlag geben in der Wage des Richters, einen mächtigen Ausschlag, wenn wir aus seiner Heilslehre, aus Seinem Evangelium ein Geschwätz gemacht haben, ein saft- und kraftloses Geschwätz, wenn wir die Gottseligkeit für ein Gewerbe gehalten, und handwerksmäßig getrieben haben; - aber der Ausschlag wird nicht zu unserem Vorteile ausfallen, sondern zum ewigen Schaden. 
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-Wonach wird denn der König vornehmlich fragen? Antwort: Zu Denen zu Seiner Rechten wird Er sagen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet: Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet; Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Denn, was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Zu Denen zu Seiner Linken wird Er aber sagen: Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt; Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget, Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Denn, was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.“ Wie sollen wir dies verstehen? 
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-Es hat in unsern Tagen Leute gegeben und gibt noch solche, die das ganze Christentum in diese guten Werke, welche der Heiland hier anführt, in ein menschenfreundliches, artiges, gefälliges, mit Werken der Liebe gegen den Nächsten verbundenes Betragen gesetzt haben und noch setzen. Sie sagen: „auf das Glauben kommt es eben nicht an, sondern auf das Tun; glaube, was du willst, tue, was du kannst.“ Sie berufen sich, um ihrem Irrtum einen rechten Anstrich zu geben, eben auf solche Stellen der Heiligen Schrift, wie die ist, die wir heute betrachten, und wollen behaupten, man sehe es ja hier gar zu deutlich, dass der Heiland auch Alles auf Liebeswerke setze. Liebe Zuhörer, es ist hier der Ort nicht, diesen groben Irrtum zu widerlegen; es ist auch nicht der Mühe wert. Das wissen wir doch Alle, dass einem hungrigen Menschen ein Stück Brot reichen, oder einem Durstigen einen Trunk Wassers, oder hin und wieder einen Kranken besuchen, oder überhaupt seinem Nächsten Gefälligkeiten erweisen - das wissen wir, sage ich, dass dies Alles noch keinen Christen macht. Dieß Alles wird und muss ein wahrer Christ tun, ja noch mehr als dieses, geizig und hart gegen den Nächsten sein und ein Christ sein, das taugt nimmermehr zusammen. Aber wenn auch ein Mensch nicht geizig ist, so ist er doch darum noch kein wahrer Christ. Wie viele Leute gibt es in der Welt, die gutherzig und wohltätig sind gegen Arme und Elende, und Barmherzigkeit üben, ja, die für Menschenfreunde gelten, und sind doch Kinder der Hölle, zweifältig mehr denn andere. Merket also wohl; so dürfet ihr die Worte unseres Evangeliums nicht verstehen, als ob der Heiland am Jüngsten Tage nach etlichen äußerlichen Werken richten werde. Das sei ferne von Ihm, der doch der gerechte Richter alles Fleisches ist. Würde Er darnach richten, so wüsste ich nicht, warum überhaupt Menschen zu Seiner Linken stehen sollten. Denn es ist wohl kein Mensch in der Welt, der nicht hin und wieder einen Hungrigen gespeist, oder einen Durstigen getränkt, oder einen Kranken besucht hätte. Nein! der Heiland wird an Seinem Tage ein viel tieferes, ein viel einschneidenderes Gericht richten. 
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-Er wird sagen: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt usw.. Was ihr getan habt oder nicht getan habt Einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan oder nicht getan.“ Auf die Worte: „ich, mich, mir, mein“ müssen wir merken. Der Heiland wird also richten nach dem Sinne, den wir für Ihn und die Seinigen in dieser Welt gehabt haben. Und das ist ein Gericht, wodurch nicht die Oberfläche, sondern der Grund des Herzens gerichtet wird. 
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-„Wer euch aufnimmt“ - sagt der Heiland zu Seinen Jüngern - „der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt Den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen (darum, dass er ein Prophet ist), der wird eines Propheten Lohn empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen (darum, dass er ein Gerechter ist), der wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer dieser Geringsten Einen nur mit einem Becher kalten Wassers tränket in eines Jüngers Namen (darum, weil er ein Jünger ist), wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unbelohnt bleiben“ (Matth. 10,40-42). 
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-O meine lieben Zuhörer! bedenket dieses schwere, dieses nicht fleischliche, sondern geistliche, Herz und Nieren prüfende Gericht. Nicht die Größe oder äußere Gestalt unserer Handlungen gibt ihnen ihren Werth oder Unwert, sondern der Sinn, der darunter liegt; der Trieb, aus dem sie hervorgegangen sind, bestimmt ihr Gewicht. „Wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe“ - sagt der Apostel - „und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.“ Man kann Vieles tun aus Rücksicht auf das Urteil Anderer, oder auch um den Forderungen, die man an sich selber stellt, Genüge zu leisten; man kann sich im Dienste Gottes und des Nächsten verzehren aus Eigenliebe und Eigengerechtigkeit, während man aus lauterer Liebe zum Heiland, aus einfältigem Gehorsam gegen Ihn keinen Strohhalm vom Boden aufzuheben im Stande ist. Wie ganz anders wird darum dieses Gericht ausfallen, als es sich der Weltsinn einbildet“ Da wird mancher pharisäische Mensch, der Unzähligen geholfen, und als Menschenfreund in ganzen Ländern bekannt war, zur Linken stehen müssen, und dem Feuer zugewiesen werden, während der Heiland auf der andern Seite einen Becher kalten Wassers, den man um Seinetwillen gereicht hat, ein Bekenntnis zu Ihm und Seinen geringsten Brüdern, das vielleicht nur in einem Blicke oder Worte bestand, nicht unbelohnt lassen wird. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, den hat Er längst aus Seinem Buch getan; was aber nicht in die Augen fiel, was übersehen wurde, was wohl gar verächtlich angesehen wurde vom hochmütigen Weltgeiste, was aus der Demut und dem lautern Liebestriebe gegen den Heiland floss; das ist aufgezeichnet in die Bücher Gottes; das wird jener Tag offenbaren, und der König aus Gnaden belohnen. 
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-Wer ist denn nun tüchtig, solche Liebeswerke zu tun, die am Tage der Offenbarung bestehen mögen? Antwort: Nur Die, welche durch lebendigem Glauben Christo einverleibt sind. Wenn ein Mensch Jesum Christum wahrhaftig im Glauben ergriffen hat, so hänget er auch mit ganzem Herzen an Jesu; alle seine Gedanken fließen auf JEsum zusammen, auf den treuen Heiland, der ihn vom ewigen Tode freigemacht und unverdient zur Seligkeit gebracht. In dieser herzlichen Liebe tut der Mensch Alles um Jesu willen; er liebt JEsum in seinen, wenn auch geringen und vor der Welt unansehnlichen Brüdern; er schämt sich dieser Glieder seines Heilandes mitten unter einem unschlachtigen und verkehrten Geschlechte nicht; er überwindet und zerbricht seine liebste Lust, um dem Heilande zu gefallen; er überwindet um Jesu willen Geiz, Bequemlichkeitsliebe, Menschenfurcht, Menschengefälligkeit und alle die tiefen und verborgenen, oft vom Weltgeiste als Weisheit gerühmten Stricke, die der Liebe gegen die Brüder und dem Bekenntnisse zu der oft so unscheinbaren Sache des Heilandes im Wege stehen. So wird um JEsu willen der Hungrige gespeist, der Nackende gekleidet, der Durstige getränkt, der Kranke und Gefangene besucht; so werden noch viele andere Werke getan; man tut es um des Heilandes willen; meint nicht, dass man etwas Sonderliches getan habe; vergisst es auch bald wieder. 
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-Seht, das ist der Sinn, den wir haben müssen, wenn wir wollen vom Richter unter die Gesegneten Seines Vaters gezählt werden. Seine Reichssache muss unsere Herzenssache sein. Das Geschwätz vom Christentum macht's nicht aus; auch das macht's nicht aus, dass man aus Gewohnheit oder aus stinkender Eigenliebe dies und das Gute tue; - ein Gewächs der Gerechtigkeit, ein Gewächs des Glaubens, der in Liebe tätig ist, ein Gewächs der Wiedergeburt muss in unsern Herzens sein, das die Prüfung Dessen, der Augen hat wie Feuerflammen, aushalten kann. Wenn dieses nicht in uns erfunden wird an jenem Tage, so werden wir dem Feuer anheimfallen. 
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-Und nun prüfe sich doch ein Jegliches, ob es in diesem Sinne stehe. Täusche sich doch ja Keines mit leeren Einbildungen! Siehe, wenn du nicht durch wahre Buße zum Glauben gekommen bist, wenn du nicht in der Gemeinschaft Jesu stehest, wenn du dich nicht täglich von Ihm im Geiste erneuern lässt, wenn du nicht unter der Zucht Seines Geistes stehest, und durch tägliche ernstliche Buße und Vergebung deiner Sünden gehest - siehe! so hast du diesen Sinn nicht; und wenn du diesen Sinn nicht hast, so bist du ein Kind des Verderbens, du seiest im Übrigen, wer du seiest. Nun prüfe dich doch; nun gehe auch einmal in einen Ernst ein in deinem Christentum; nun lass es dir auch einmal ein rechtes Anliegen sein, dass du die Kraft JEsu Christi erfahren möchtest; komme als ein armer Bettler zu Ihm, bis Er sich dir zu erkennen gibt: siehe, es handelt sich um deine ewige Seligkeit; es ist wohl des Bittens und Anhaltens wert. 
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-===== III. ===== 
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-Denn was wird der König sagen zu Denen zu Seiner Rechten? „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ O liebe Zuhörer, was wird das sein, wenn man aus dem Munde des Königes diese Worte wird hören dürfen! Wenn Er uns „Gesegnete Seines Vaters“ heißet“ - Leute, auf welchen der Fluch des Gesetzes gelastet hatte, dessen sie aber losgeworden sind durch den Glauben an Christum, auf welchem nun das wohlgefällige Auge des Vaters ruht. Was wird es sein, wenn man den Segen, wenn man das Reich ererben darf, das der Vater in Christo dem Menschen bereitet hat; wenn das Wort des Königes in Erfüllung geht, das Er noch in den Tagen Seines Fleisches dem Vater in das Herz gesagt hatte: „Vater, Ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir sein, die Du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die Du mir gegeben hast.“ Was wird das sein! Eingehen dürfen zur ewigen Ruhe, in die Stadt, wo kein Verbanntes, wo keine Sünde mehr ist, wo das Lamm ist, und Seine Knechte, die Ihm dienen und Sein Angesicht sehen, und nicht mehr hinausgehen müssen; ewig geborgen, ewig aufgehoben, aus aller Fährlichkeit von Innen und Außen gerettet sein im ewigen Königreiche unsers Gottes - was wird das sein! 
- 
-Da wird man Freudengarben bringen,\\ 
-Denn uns're Tränensaat ist aus.\\ 
-Welch' heller Jubel wird erklingen\\ 
-Und süßer Ton im Vaterhaus!\\ 
-Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen\\ 
-Wird müssen flieh'n und von uns weichen;\\ 
-Wir werden unsern König seh'n,\\ 
-Er wird bei'm Brunnen uns erfrischen,\\ 
-Die Tränen von dem Auge wischen,\\ 
-Wer weiß, was sonst noch wird gescheh'n! 
- 
-Aber wie schrecklich ist auch der andre Ausspruch aus dem Munde des Königes: „Gehet hin, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“ Verfluchte nennt Er sie; in das ewige Feuer weist Er sie, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, nicht ihnen, denn Gott hatte sie nicht zum Zorn gesetzt, sondern die Seligkeit zu besitzen durch JEsum Christum; aber das hatten sie nicht gewollt. O es ist ein schrecklicher Ausspruch des Königes; es ist eine ganze Ewigkeit voll Zorns darin, und kein Tröpflein Gnade darunter. 
- 
-Liebe Zuhörer, dies ist das Endurteil; bei diesem Urteile hat es sein ewiges Verbleiben; über wen dieses Urteil gefällt ist, über den fällt der Richter fernerhin kein Urteil mehr; wir lesen von keiner künftigen Abänderung oder Milderung in der Bibel. O, lasst uns das wohl bedenken! Jetzt leben wir noch in der Gnadenzeit, in der Bußzeit, in der Zeit der Aussaat. Wenn ein Mensch bis heute auf verkehrtem Sinn gewesen wäre, und er würde heute umkehren und Gott ernstlich suchen: so kann er noch Gnade finden, und noch sein Plätzchen zur Rechten erhalten. Dann aber, wann der Tag des HErrn erscheint, ist solches vorbei, auf ewig vorbei, dann ist die Gnadenzeit verscherzt; dann hat der Mensch sich selbst verloren, auf ewig verloren. Bedenkt, was das heiße: sich selbst, nicht sein Geld oder Gut, nicht seinen Leib, sondern sich selbst auf ewig, unwiederherstellbar verloren haben. 
- 
-Ich weiß nicht, was uns nüchtern machen soll, zu bedenken, was zu unserem Frieden dienet, wenn's diese zentnerschwere Wahrheit nicht tut. Darum besinne sich, wer sich besinnen kann! Amen. 
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-{{tag>2_Advent 26_nach_Trinitatis}} 
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-======Hofacker, Wilhelm - Am zweiten Sonntage des Advents.====== 
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-Text: Röm. 14, 7-12. 
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-**Denn uns keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben, und auferstanden, und wieder lebendig geworden, dass Er über Todte und Lebendige HErr sei. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du Anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden Alle vor dem Richterstuhl Christi dargestellt werden; nachdem geschrieben stehet: So wahr als Ich lebe, spricht der HErr, mir sollen alle Kniee gebeugt werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun ein Jeglicher für sich selbst GOtt Rechenschaft geben.** 
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-Die Totenbetten, an welche wir teils an der Hand der Geschichte der Menschheit, teils aber auch als selbsttätige Augen- und Ohrenzeugen zu treten Gelegenheit haben, sind meistens reich an Belehrung, Warnung und Ermunterung, und die Eindrücke, welche unsere Gemüter bei denselben empfangen, gehören zu den unauslöschlichsten und unvertilgbarsten. Wie an ihnen die gänzliche Ohnmacht des Menschen und der furchtbare Fluch, den die Sünde in die Welt gebracht, im grellsten Lichte zu Tage tritt, so verherrlicht sich auf der andern Seite oftmals gerade hier die überschwängliche Gnade und Kraft Jesu Christi auf die erhebendste Weise, und wie nirgends sonst tritt bei denen, die da glauben an den Namen des Herrn Jesu, etwas von dem Adelsstern ins Licht, den sie von Christo, dem Welt- und Todesüberwinder, an ihrer Brust zum Lehen tragen. Zu einem Beleg hierfür lasst mich heute zum Eingang der Predigt an ein fürstliches Totenbett euch führen, an dem sich etwas von dem Spruch Johannis bewährt und kund tut, dass nämlich der Glaube der Sieg ist, der die Welt überwindet (1 Joh. 5,4.). Herzog Ulrich von Württemberg, derjenige, dem unser geliebtes Vaterland die Einführung der Reformation verdankt, lag todkrank auf seinem fürstlichen Schloss zu Tübingen; er spürte, dass der HErr mit ihm zu Ende eile. Da berief er noch seine Diener und Räte, und sprach zu ihnen: „Seht zu, ihr Diener, der ich viel Schmerzen und Herzeleid zu meiner Zeit erlitten habe, und durch manchen Unfall und Not gejagt und in dem Orden derer, die Christo das Kreuz sollen nachtragen, wohl geübt worden bin, - da lieg' ich jetzt in Gottes Gewalt, und will solcher Gestalten das Leben mit dem Tode vertauschen, dass mir Gott dadurch das ewige Leben soll geben und mich durch Christum erlösen; denn Gottes Wort wird ewig besteh'n, und wird eher Himmel und Erde vergeh'n. Dieß ist mein Zeichen hier gewesen.“ Mit diesem kräftigen Zeugnis auf der Lippe, mit diesem starken Trost im Herzen ging der gewaltige Mann hinüber aus der Zeit in die Ewigkeit, den Rettungsanker ergreifend, den er im Sturm der Zeiten als probehaltig erfunden, und der auch jetzt in den Todesnöten nicht riss. Es tut wohl, aus fürstlichem Munde ein so ungeschminktes und körniges Glaubenswort zu vernehmen, und noch erhebender ist es, zu sehen, wie damit die Schrecken des Todes besiegt, die Dunkelheit der Ewigkeitsstraße gelichtet und der schwere und demütigende Sterbensgang umgewandelt wurde in einen Siegesgang zu überirdischer Klarheit und unsterblicher Wonne. Christus allein ist mein Hort und Schild und Hoffnung im Leben und Tod - das war der Fels, auf dem sein früher so ungestümer und ungebrochener Geist Ruhe und Frieden gefunden hatte. In diesem Glauben wurde es ihm leicht, die Rechnung mit der Vergangenheit zu schließen, die Schauer der Gegenwart zu überwinden und seine von Todeswehen gepresste Seele in die Hände des lebendigen Gottes zu befehlen, und zum Zeichen, dass sein Glaube nicht auf Sand erbaut sei, setzte er hinzu: denn Gottes Wort wird ewig bestehen und eher der Himmel und die Erde vergehen. 
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-Blicken wir nun in unsere heutige Epistel hinein, so sehen wir auch einen Apostel Paulus fürs Leben und Sterben auf keinem andern Glaubensgrunde stehen; Christus ist ihm für Beides auch A und O, Anfang und Ende, Mittel und Zweck, und es ist wohl aus der Seele aller Gläubigen vom Anfang bis zum Ende herausgeredet, wenn er ausruft: „unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn.“ Es ist nun der heiligen Schrift, als dem Buche aller Bücher, als dem Wort aus Gottes Munde eigen, in kleine und unscheinbare Worte die tiefsten und seligsten Geheimnisse einzuschließen, gerade wie am Meeresstrand in den unscheinbarsten Muscheln die herrlichsten und kostbarsten Perlen gefunden werden. So ist es hier; in den kurzen Sätzen, in welche hier Paulus sein Bekenntnis niedergelegt hat, liegt für ein begnadigtes Kind Gottes die edelste und kostbarste Perle seines Glaubens, seiner Freude, seiner Sehnsucht, seiner Hoffnung. Wir machen deswegen zum Gegenstand unserer Betrachtung 
- 
-Das schönste und einfachste Herzensbekenntnis eines begnadigten Kindes Gottes; es besteht aus drei Teilen: 
-  - ich lebe dem HErrn, 
-  - ich sterbe dem HErrn; 
-  - lebend, und sterbend bin ich des HErrn. 
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-=====I. ===== 
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-1) Ich lebe dem HErrn - so lautet der erste Teil des Glaubensbekenntnisses, das im Herzen eines begnadigten Kindes Gottes sich finden muss. Wie diejenigen, welche die Meere durchsteuern und den Ocean durchschiffen, um das Ziel ihrer Wünsche zu erreichen, eines Kompasses bedürfen, der ihnen die rechte Richtung angibt und auch im Sturm und Wogengebrause die gerade Wasserstraße zeigt, die sie zu befahren haben, so ist dem Gläubigen mit dem einfachen Worte: ich lebe dem HErrn, ein Kompass auf die Lebensreise mitgegeben, der seinem Wesen die höchste und schönste Richtung mitteilt und ihm das erste und letzte Ziel vorsteckt. Jesus ist der Polarstern, dem seine Seele entgegensteuert; Jesus der Magnet, der ihn unwiderstehlich anzieht; Jesus der Zielpunkt, dem er immer näher und immer näher zu kommen trachtet. Sobald der Seele etwas klar geworden ist von der Liebe, womit Er uns bis in den Tod geliebt hat, sobald ein Lichtstrahl seiner Versöhnerstreue in das umnachtete und verfinsterte Herz gefallen ist, so kann man nicht anders, man muss Ihn wieder lieben, und Ihm zu leben, Ihm anzugehören mit Herz und Seele, Ihm zu huldigen im Wachen und Schlafen, Ihn zu preisen am Leibe und am Geiste, Ihn zu verherrlichen durch Reden und Schweigen, darauf geht nun das Dichten und Trachten, darauf das Verlangen und Sehnen, darauf das Ringen und Streben. Man möchte gern ein Lobopfer auf dem Altar seiner Liebe, ein reines Gefäß seiner Barmherzigkeit, ein heiliger Tempel seiner Herrlichkeit werden. Und darum ist auch der Entschluss: ich will dem HErrn leben, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat, der erste Hahnenschrei des besseren Lebens, das aus der Nacht des Todes zum Licht der Gnade ringt, und aus den Ketten und Banden der Finsternis nach der Freiheit der Kinder Gottes sich sehnt. Aber wie schwer hält es meistens, bis dieser Entschluss geboren wird und zum Stand und Wesen kommt! Wie vielen andern Herren muss erst der Abschied gegeben und der Gehorsam aufgekündigt werden, bis der rechtmäßige und ebenbürtige HErr in seine Hoheits- und Herrscherrechte bei uns eingesetzt wird. Da ist der Herrendienst der Welt, bei dem bisher das Fleisch seine Weide und das verderbte Herz sein Genieß gefunden hat; und o wie schwer kommt man dazu, ihr aufzukündigen und ihren missliebigen und spöttischen Urteilen sich bloßzustellen, und die Schmach Christi zu tragen: „ich bin der Welt gekreuzigt und die Welt ist mir gekreuzigt“ (Gal. 6,14.). Da ist der Herrendienst des eigenen Ich, das uns mit Liebkosungen der Eigenliebe umgarnt und mit Vorspieglungen des Wohlgefallens an uns selbst geködert und berauscht hat - o wie schwer hält's, bis man diese feinen und geheimen Bande nur merkt, und wie viel schwerer, bis man sie zerreißt und von sich wirft. Da ist endlich der Herrendienst des Teufels selbst, an den man bisher gar nicht geglaubt hat, den man deswegen auch in seinem Herzen sein Werk ungehindert treiben und von dem man sich bisher mit verbundenen Augen gängeln und leiten ließ nach seinem Wohlgefallen; - o wie schwer hält es, jetzt auf einmal ihm den Krieg zu erklären und das verjährte Tyrannenjoch abzuwerfen und aus seinen Banden und Stricken sich loszuwinden, und mit Luther zu sagen: Strick ist entzwei und wir sind frei! Und doch muss es dahin kommen, wenn wirklich der neue Mensch zur Welt geboren und das Gottessiegel der Seele in Wahrheit aufgedrückt werden soll: ich lebe dem HErrn, und was ich lebe im Fleisch, das leb' ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat (Gal. 2, 20.); und doch muss es dahin kommen, dass man aller Welt mit dem Bekenntnis gegenübertritt: es wisse, wer es wissen kann, ich bin des Heilands Untertan! 
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-2) Und was ist denn nun die Frucht davon, wenn man also zu dem Heiland sich hält und mit Ihm sich also verlobt und vertraut? Keine andere, als dass man erfahren darf, dass man an Ihm einen HErrn hat, der seinesgleichen sucht im Himmel und auf Erden; und darum spricht der Gläubige mit einem Hochgefühl der Freude und Wonne: ich lebe dem HErrn! Hat er ja doch an Ihm einen allmächtigen HErrn, wer dürfte ohne dessen Willen ihm auch nur ein Haupthaar krümmen? Hat er ja doch an Ihm einen allweisen HErrn, wie könnte ihm deshalb auch irgendetwas begegnen, das ihm nicht zum Besten dienen müsste? Hat er ja doch an Ihm einen starken HErrn, - wie dürfte er sich vor seiner eigenen Schwachheit fürchten, da Er zu ihm spricht: meine Kraft ist in den Schwachen mächtig? (2 Kor. 12,9.) Hat er ja doch an Ihm einen mitleidigen HErrn, wie sollte Er Gefallen daran haben, das glimmende Docht auszulöschen und das zerstoßene Rohr zu zerbrechen? Hat er ja doch an Ihm endlich einen getreuen HErrn, wie sollte er Ihm nicht kindlich vertrauen, dass sein Gottesspruch ewige Wahrheit bleibt: es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer (Jes. 54, 40.)? Ja, mit diesem HErrn ist der Gläubige geborgen in freudereichen und in traurigen Tagen, in sonnenhellen und in stürmischen Zeiten, bei Anfechtungen von innen und von außen. Denn der HErr, dessen Worte ewige Geltung und Währung haben, spricht zu ihm: fürchte dich nicht; denn Ich habe dich erlöst, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein; denn so du durchs Wasser gehst, will Ich mit dir sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du durchs Feuer gehst, soll dich die Flamme nicht anzünden - denn Ich bin der HErr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland (Jes. 43,1-3.). 
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-Sollte bei solchen glorreichen Verheißungen nicht jedes Herz höher pochen und schlagen, und nicht jeder Mund gerne in jenes Losungswort einstimmen, das alle wackeren Streiter und lebendigen Zeugen Christi zu dem ihrigen gemacht haben: lebe ich, so lebe ich dem HErrn? Ihr, die ihr bisher euch selber lebtet, und eurem eigenen Willen und eurem eigenen Fleisch und der Welt und dem Frondienst der Eitelkeit und des vergänglichen Wesens, das von gestern her ist und morgen zerstäubt, was hattet ihr bisher für Frucht davon? Nicht wahr, eine Frucht, deren ihr euch entweder jetzt schon, gewiss aber am Tage der Offenbarung schämen müsset. O tretet herüber aus dem sauren und herben Dienste der Sünde, die endlich nur den Sold des Todes euch darbietet, tretet herüber in den Dienst der Gerechtigkeit Jesu Christi und preiset den HErrn, beides an eurem Leibe und an eurem Geiste, welche beide sind Gottes; die Welt vergeht ja mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibet in Ewigkeit (1 Joh. 2,17.). 
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-=====II. ===== 
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-Das erste und wichtigste Bekenntnis eines gläubigen Kindes Gottes ist: ich lebe dem HErrn. Aber unwillkürlich schließt sich daran das andere an, das nur eine Folge des ersten ist: ich sterbe dem HErrn. 
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-1) Die Schiffer und Weltumsegler bedürfen nicht nur eines Kompasses, der ihnen die rechte Richtung zeige und die gerade Wasserstraße weise, nein, sie haben auch eine Rettungsschaluppe notwendig, die sie dann aussetzen, wenn das Schiff zu Trümmern geht, und sie Gefahr laufen, dass das Wellengrab sie in seinen feuchten Schoß aufzunehmen droht. Mit der Rettungsbarke aber segeln sie dann getrost in den Hafen ein, wenn sie auch an seinem Eingang das Schiff in die Fluten untersinken sehen; denn sie sind gerettet, und Schiffe kann man neue bauen. 
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-So, meine Lieben, gehen wir Alle einem Schiffbruche entgegen; früher oder später zerschellt unser Lebensschiff an einem Felsenriffe, - oft unversehens bekommt es einen Leck; oft bedarf es nicht einmal eines gewaltigen Stoßes: vor Alter und Schwäche fällt es nun selbst zusammen. Wie elend, wie verlassen, wie trostlos sind wir dann, wenn wir die Rettungsschaluppe nicht bei uns haben, die über das Grab des Todes und der Verwesung hinweg unsern Geist hineinflüchtet in den ewigen Friedenshafen! Aber siehe da! der Rettungsnachen ist denen, die in dem HErrn sterben, wohl ausgerüstet mit Allem, was zur Friedensfahrt dient, die Fahrt dauert nicht lange, und in dem Augenblicke, da sie vom Wrack ihres hinfälligen Leibes sich trennen, in demselben Augenblicke tut sich der himmlische Ruheport vor ihnen ans, wo sie bei dem HErrn sein sollen allezeit. 
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-Ich sterbe dem HErrn, spricht ein Kind Gottes, dieweil es weiß, dass Er im Rate seiner Weisheit die Stunde bestimmt hat, in welcher unser Abschied erfolgen soll. Nicht Zufall und blindes Geschick waltet ja über dem Leben der Erlösten Christi, sondern ein Ratschluss der ewigen Liebe; ihre Tage sind ja in das Buch Gottes geschrieben. Warum wollen wir also unser Herz uns zergrämen über der Ungewissheit, wann uns die Reihe trifft, da wir doch wissen, keine Stunde früher, keine Stunde später, als der HErr es beschlossen und der Rat seiner Liebe verhängt hat? 
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-Ich sterbe dem HErrn, spricht der Glaube, und darum wirft er auch die Sorgen wegen der letzten Kämpfe auf den HErrn. Wir wissen nicht, welche Todesleiden unserer noch warten, welche Kämpfe der sinkenden Hütte wir noch zu bestehen haben, wie viele bange Nächte zu durchwachen, wie viel heiße Tage zu durchkämpfen sind; wir kennen das Leidensmaß noch nicht, das uns zugemessen ist, und wir wissen, es ist bei manchen teuren Kindern Gottes groß, und der Tiegel ist heiß, darin ihr Glaube gereinigt und geschmelzt wird, wie das Gold, das durchs Feuer durchläutert wird. Aber nur getrost! ich sterbe dem HErrn; meine Sterbenskämpfe sind von Ihm geheiligt, mein Leidensbecher wird von Ihm mir dargereicht, meine Trübsalsstunden werden von Ihm mir versüßt, ich sterbe dem HErrn! 
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-Ich sterbe dem HErrn, spricht der Glaube, dieweil er nicht mehr der Welt und der Sünde zu sterben braucht, der er abgestorben ist, dieweil der Tod nicht mehr Sold der Sünde ist, nachdem, was Christus gestorben, er der Sünde gestorben ist (Röm. 6,10), und dadurch den Fluch hinweggenommen hat. Ich sterbe dem HErrn, der mich erlöst von allem Übel, der mich errettet von der Hand meiner Widersacherin, meiner grimmigsten Feindin, aus der Gewalt der Sünde, und der Tod ist mir ein Friedensbote, der vor mir aufschließt den ewigen Hochzeitsaal, der mich kleidet in die Prachtgewänder seliger Unsterblichkeit, der mich bekränzt mit dem Diadem himmlischer Hoffnung, der mich krönet mit Glorie und Herrlichkeit. - Ich sterbe dem HErrn! Meine Seele gehört sein, Er wird sie bewahren; mein Geist gehört sein, Er wird ihn königlich schmücken; mein Leib gehört sein, Er wird ihn verklären; mein Weib und Kind gehört sein, Er wird sie ernähren; mein Geld und Gut gehört sein, Er wird's versorgen; ich selbst gehöre sein, Er wird mich führen zu ewiger Wonne und Seligkeit. 
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-So spricht der Glaube und hebt sein Haupt empor, dieweil er weiß, dass seine Erlösung naht; und wenn der Todesengel mit sanftem Flügelschlag zu seinen Häupten rauscht, so erzittert er nicht, sondern spricht: ich weiß, dass mein Erlöser lebt (Hiob 19, 25.); Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn (Phil. 1,21.); Er lebt und ich soll auch leben (Joh. 14,19.). 
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-2) Meine Lieben, solche Sterbenskraft und Sterbensfreudigkeit kann der Glaube verleihen, der Glaube, der nicht sieht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. In solchem Glauben ist ein Stephanus die Todesstraße gewandelt, von dem geschrieben steht: sein Angesicht war wie eines Engels Angesicht (Apostelg. 6, 15.); in solchem Glauben haben viele hundert Märtyrer ihr Haupt auf den Todesblock gelegt, oder sind sie mit festem Schritt auf den Scheiterhaufen gestiegen, um in Flammensegeln und mit Feuerrossen aufwärts zu fahren; in solchem Glauben haben viele edle Zeugen auch in unsern Mauern schon ihre Zuversicht im Tode bekräftigt und besiegelt, also dass Paulus von ihnen sprechen kann: seht ihr Ende an und folget ihrem Glauben nach (Hebr. 13,7.)! Und wenn sie auch nicht Alle mit der gleichen Freudigkeit, mit demselben Freimut, mit derselben Heiterkeit den letzten Gang angetreten haben, wo der Hoffnungsgrund gut gelegt worden, hat sich's ausgewiesen auch in dem Todessturme, dass ihr Haus auf einem Felsen ruhte. Das Glaubenshaus ist nicht gefallen, sondern hat ausgedauert auch im Todesweh, und auf ihre Gräber konnte die Inschrift gesetzt werden: der Leib zerstäubt, das Leben bleibt dem Lebensfürsten einverleibt. 
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-Verlangt euch nicht auch nach einem solchen Glaubensende? Suchet es nicht in der Welt, - im Tode wendet sie sich von euch ab und lässt euch allein; suchet es nicht im eigenen Werk und eigener Gerechtigkeit; leget ihr euer Leben in diese Waagschale, so heißt es: ihr seid gewogen und zu leicht erfunden (Daniel 5, 27.)! suchet es nicht bei der falsch berühmten Kunst und Modereligion unserer Tage: ich habe noch keinen, der ihr gehuldigt hat, freudig sterben sehen. Suchet es bei dem, der gesprochen hat: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14, 6.); Er ist der Weg, wenn die Fußstapfen der Lebenden uns verlassen, Er ist die Wahrheit, wenn die Lügengewebe der Welt in ihr Nichts zerstäuben; Er ist das Leben, wenn der Rachen des Todes uns angähnt, und sein Wort bleibt ewige Wahrheit: Ich bin die Auferstehung und das Leben (Joh. 11,25.) 
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-=====III. ===== 
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-Ich lebe dem HErrn, ich sterbe dem HErrn, so lautet das Glaubensbekenntnis eines Kindes Gottes. Aber es fehlt noch der Schluss: lebend und sterbend bin ich des HErrn. 
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-Wie vor einem Adler, der sich in die Sonnenhöhen emporschwingt, auch ein stundenlanger Weg, den er vor seinem Blicke ausgebreitet sieht, zu einer Spanne zusammenschrumpft, so schrumpft vor dem freien, großartigen Geistesblicke eines Paulus die Spanne Zeit, die unser Leben und Sterben hienieden umfasst, zusammen. Unser Leben hienieden umfasst nur Jahre und Jahrzehnte; und wenn's lange währt, - was ist doch sein ganzer Inhalt gewesen? Deswegen kann unser Herz sich dabei nicht beruhigen; es kann nur ruhen, wenn es weiß: du bist im Leben und Sterben des HErrn. 
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-Und wie freundlich kommt diesem Wunsche, des HErrn zu sein, - diesem Wunsche, den unser unsterblicher Geist hegt und in sich trägt, die Heilige Schrift entgegen: das Wort Gottes sagt uns von einer Erwählung vor Grundlegung der Welt, von Planen der Liebe über uns, die in alle Ewigkeit sich erstrecken; sie sagt uns, dass wir erwählt seien von Anfang an (Eph. 1, 4.), aber auch, dass wir bei dem HErrn sein sollen allezeit (1 Thess. 4,17.); der Maßstab der Zeit verschwindet, es gilt nur den Maßstab der Ewigkeit. Und so dürfen wir uns denn flüchten in die Friedensburg einer unaussprechlich seligen und unendlichen Ewigkeit nach dem Worte Christi, der gesprochen hat: Meine Schafe hören meine Stimme, und Ich kenne sie und sie folgen mir, und Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen; denn Ich und der Vater sind eins (Joh. 10, 27-30.) 
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-Lasst sie deswegen nur herankommen - die Welt mit ihren Anerbietungen, mit ihren Lockspeisen, mit ihren Einladungen; ihr Schmeicheln und ihr Versuchen darf uns nicht bestricken. Wir wissen, dass das Wesen der Welt vergeht, wir aber sind des HErrn Eigentum in Ewigkeit. Lasst auch Leiden auf uns zustürmen, und Anfechtungen über uns hereinbrechen! auch die Leiden dieser Zeit verlieren ihren Stachel; denn wir wissen: 
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-Alles Ding währt seine Zeit,  \\ 
-Aber seine Lieb' in Ewigkeit.   
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-Lasst endlich auch das Licht unseres Glaubens sich verdunkeln, und die Leuchte unserer Hoffnung erlöschen - dennoch sprechen wir: der HErr hat nur auf Augenblicke sein Angesicht vor mir verborgen, aber mit ewiger Gnade will Er sich meiner erbarmen (Jes. 54, 7. 8.); und wenn wir auch jetzt Traurigkeit haben, wir werden uns dennoch freuen, und jene Freude soll Niemand von uns nehmen; denn es bleibt dabei: wir leben oder sterben, so sind wir des HErrn! und damit kann man harren, bis man ihn von Nahem sieht, bis das Perlenthor der Ewigkeit sich öffnet; denn ich bin's gewiss, dass weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, weder Leben noch Tod mich scheiden kann von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu (Röm. 8, 38. 39.). O dass dieser Glaube auch unser Glaube wäre, dass auch wir sprechen könnten: Herr Jesu, Dir leb' ich, Dir leid' ich, Dir sterb' ich; Dein bin ich tot und lebendig, mache mich, o Jesu, ewig selig. Amen. 
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-{{tag>2_Advent }} 
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-======Hörschelmann, Ferdinand - Halte, was du hast - Am zweiten Adventssonntage.====== 
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-**Gnade sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt.**\\ 
-Römer 15, 4-13. 
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-Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir, durch Geduld und Trost der Schrift, Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander, nach Jesu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi. Darum nehmt euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermals spricht er: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermals: Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes. 
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-„Siehe dein König kommt zu dir sanftmütig“, das war die Verkündigung des ersten Advents. „Siehe, er wird kommen in großer Kraft und Herrlichkeit“, so ruft das heutige Evangelium uns zu. Unbeschreiblich majestätisch und erhaben tritt uns der Herr in seinem zweiten Advent entgegen. Aus dem Munde dieses erhabenen majestätischen Herrn, der da kommt zu richten die Lebendigen und die Toten, tönt uns aber ein freundlich, trostreiches Wort entgegen: „Hebt eure Häupter auf, darum dass eure Erlösung naht“. Unsere Epistel bringt uns den Wiederhall dieses trost- und liebreichen Wortes. Der Hinweis auf die Christenhoffnung ist der helle Adventston, der die ganze Epistel durchklingt. Mit dem Kommen des Herrn geht ja die Vollendung seines Reiches, seiner Gemeinde Hand in Hand. Und das Licht, das uns vom Ziele entgegenstrahlt, erhellt auch den Weg, den wir wandeln, erfüllt uns für unsern Wandel mit Kräften der zukünftigen Welt. Eine Wartezeit ist es, in der wir stehen, eine Zeit der Arbeit, des Kampfes und der Trübsal, durch die wir gehen. Dass wir in der Arbeit nicht ermüden, in dem Kampf nicht mutlos werden, in der Trübsal nicht verzagen, dazu richtet der Apostel unsern Blick auf das Ziel unseres Weges, an dem offenbar werden soll die Herrlichkeit unseres Herrn, und auf die Gaben und Kräfte, die er uns auf dem Wege zu diesem Ziele darreicht. 
- 
-Die Lebenskräfte aber, die unser Adventskönig uns spendet, sie bestehen in 
- 
-1) der Geduld und Beharrlichkeit für das Werk, das uns befohlen ist,\\ 
-2) dem Frieden und der Einmütigkeit in dieser Welt des Streites,\\ 
-3) dem Trost und der Hoffnung in dem Leiden dieser Zeit. 
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-=====I.===== 
- 
-„Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben“. Geduld und Trost, das sind die Gottesgaben, die uns vor Allem Not tun in dieser unserer ernsten und schweren Zeit. Geduld ist die erste Gabe, die der Herr uns darreicht. Und diese Gabe schließt beides ein, was wir bedürfen, die Kraft zum Tragen der Lasten, die uns auferlegt, und zum Vollbringen der Werke, die uns befohlen sind, das Vermögen zum Ausharren in Leiden wie zur Beharrlichkeit im Tun. 
- 
-Solche Geduld ist aber eine Gabe des Herrn, den der Apostel selbst einen Gott der Geduld nennt, dessen Geduld wir für unsere Seligkeit zu halten haben. Und auch seine Geduld erweist sich nicht nur im langmütigen Tragen unserer Schwachheit, sondern ebenso im treuen, ausharrenden Tun. 
- 
-Die Wahrheit und Barmherzigkeit Gottes rühmt der Apostel in unserem Text. „Gnade und Wahrheit“ sind ja die beiden Strahlen der Herrlichkeit, in der sich der eingeborene Sohn vom Vater den Seinen offenbart. Gnade, freie, zuvorkommende Gnade, ist der tiefste Grund und eigentliche Quell alles seines Tuns an uns. Schauen wir aber die beiden großen Menschheitsgruppen an, auf die der Apostel uns hinweist, so hat Gott seine Wahrheit und Treue insonderheit Israel gegenüber offenbart, „zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen“, den Heiden aber, die außer der Bürgerschaft Israels gestanden, ist seine Gnade so recht als freie Barmherzigkeit kund geworden. Freilich auch die ihnen widerfahrene Barmherzigkeit ist in den den Vätern geschehenen Verheißungen mit beschlossen. An vier solcher Verheißungen erinnert der Apostel uns in unserem Text, wie sie sich in den Büchern Mose, den Propheten und den Psalmen finden. Und diese Verheißungen, dem alttestamentlichen Bundesvolk und den Heiden gegeben, sie sind nun erfüllt, da über Zion aufging der schöne Glanz Gottes und aus Zion sich ergoss in die Finsternis der Heidenwelt. Von Stufe zu Stufe haben sich die Verheißungen Gottes erfüllt, ein Volk nach dem andern ist aus der Finsternis heidnischen Wesens hineingeführt in das Licht, das uns vom Gnadenantlitz Gottes strahlt. Auch wir, die wir in unsern Vätern Heiden gewesen, wandeln nun in diesem Licht und stimmen ein in den tausendfachen Chor: Lobt den Herren, alle Heiden, jauchzt ihm, alle Völker. Und seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, seine Treue ist groß. Derselbe treue, wahrhaftige Herr, der die Verheißung der Väter bestätigt durch sein Kommen in der Fülle der Zeit, der wird auch treu hinausführen, was er geredet von der Vollendung seines Reiches am Ende der Tage. 
- 
-Dieser Gott der Gnade und Wahrheit, der Geduld und Treue, er ruft nun auch uns auf zur Beharrlichkeit und Ausdauer in dem Werk, das er uns befohlen. Wie seiner Verheißung die Hoffnung der Völker begegnet, so soll seiner Wahrhaftigkeit unsere Treue, dem Dienst seines Erbarmens der Dienst unserer dankbaren Liebe entgegenkommen. Unser Auge schaut auf seine Gnade. Seine Augen schauen auf unseren Glauben. So gilt es denn Treue beweisen vor Allem im Glauben. Der Glaube ist ja die Hand, die sich unserem Gott entgegenstreckt, das Herz, das sich ihm öffnet, der Boden, in den die Gottessaat sich senkt, welche in unserem Leben ihre Früchte tragen soll. Treue also haben wir zu beweisen im Glauben, Treue weiter im Dienst des Gehorsams, Treue und Beharrlichkeit auch da, wo unser Auge nur kümmerliche Frucht unserer Arbeit sieht, wo unsere Arbeit eine Aussaat auf Hoffnung ist. Auch in der bangen Sorge für die Zukunft, die in dunkle Wolken sich uns hüllt, sollen wir nicht müde und lässig werden, sollen schlicht und treu das Unsrige tun in dem Beruf, den der Herr uns geordnet, treu ausharren auf dem Posten, den er uns gewiesen. Es wird kein verlorener Posten sein, wo wir nur wirklich Treue halten, Treue im Großen und im Kleinen. Eine Gabe Gottes, ein Vermächtnis unserer Väter ist solche Treue, von Freund und Gegner anerkannt. O hört es, denen die Ehre, der gute Name, die Wohlfahrt unserer Kirche, unseres Landes am Herzen liegt: Nicht ein außerordentliches Tun wird von uns verlangt, nur Treue gegen Gott, Treue gegen die Obrigkeit, Treue in jeglichem Beruf. Hört es, ihr Lehrer und Leiter, ihr Richter und Beamten, ihr Väter und Mütter, ihr Schüler und Kinder! Wo nur Treue, unbestechliche Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit unsern Christennamen ziert, und wir also verkündigen die Tugenden des, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, da wird der Herr sich zu uns bekennen, da werden wir, da wird unsere Sache nicht verloren sein. 
- 
-Treue gegen Gott im Glauben und Gehorsam, das ist das Erste, was Gott von uns fordert, Treue gegen einander in der Liebe und in gegenseitigem Dienst, das ist das Andere. „Nehmt euch unter einander auf, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe“ mahnt uns der Apostel. Welches auch die Aufgaben seien, die wir an einander haben, in Lehre und Leitung, in Zucht und Regiment, in Hilfe und Dienst, einander aufnehmen sollen wir in fördernder und tragender Liebe, einander aufnehmen in die Teilnahme des Segens und der Gaben, die uns Gott beschert, in die Teilnahme der Arbeit und des Dienstes, die wir einander tun, vor Allem einander aufnehmen in die Teilnahme der Liebe, in der wir einander umfangen. Sind wir darin treu, so will er; der Herr, sich treulich zu uns halten und uns helfen, in seiner Nachfolge, in gegenseitigem Dienst dem großen Tage entgegenzureifen, da seine Treue in der Vollendung seiner Gemeinde sich bewähren und unsre Treue die Krone des Lebens empfangen soll. 
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-=====II.===== 
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-Damit sind wir schon auf die zweite Gabe gewiesen, die der Adventskönig uns darreicht: Friede und Einmütigkeit in dieser Welt des Unfriedens und Streites. 
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-„Gott aber der Geduld und des Trostes gebe Euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach Jesu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi.“ Einerlei gesinnt sein! welch köstliches Gut von dem Gott des Friedens uns dargereicht, der uns zu Einem Leibe vereinigt. Einerlei gesinnt sein! wie ein lichtes Traumbild aus einer besseren Welt strahlt es hinein in diese Welt des Unfriedens und des Streites. Wie soll der Friede hier eine Stätte finden, wo Kampf und Unfriede allenthalben wohnt, wo Hader und Streit auseinanderreißt, was Gott zusammengefügt in großen und kleinen Gemeinschaftskreisen? Bis an die Zähne geharnischt stehen in unsern Tagen die Völker einander gegenüber. Keines kann sich darin genugtun. Jedes will dem andern zuvorkommen in unaufhörlicher Rüstung zum Streit. Nur den Gewaltigen und Edlen in den Staaten gelingt es, mit starkem Arm und kluger Vermittlung noch auf eine Zeit lang Krieg und Blutvergießen unter den Völkern zu verhüten, das wilde Auflodern des verborgenen Feuers in den gärenden Massen niederzuhalten. Wo aber diejenigen, welche Gewalt über uns haben, sich nicht als „aufhaltende Macht“ erweisen, ihre Gewalt nicht zum Schutz und Schirm der Völker brauchen, da fällt der Große über den Kleinen, der Starke über den Schwachen, der Mächtige über den Ohnmächtigen, und es bleibt dem Bedrückten und Vergewaltigten kein anderer Rat, als das Gewissen rein und das Herz treu zu erhalten, auf dass er vor Schuld sich bewahre und, wo sich Schuld an ihm findet, sich selbst richte, da bleibt ihm kein anderer Trost, als das Vertrauen auf den, welcher recht richtet, der das Schreien der Armen hört und das Seufzen der Unterdrückten vernimmt, der in der Trübsalshitze die Seinen läutert und aus dem Leiden uns seine Segensfrucht erwachsen lässt. 
- 
-Doch was brauchen wir auf die großen Gemeinschaften und Gemeinwesen der Völker zu sehen, wo derselbe Feind, die Zwietracht und der Unfriede, in die innersten Heiligtümer der Häuser und der Herzen sich den Weg bahnt, den Frieden stört und das Glück untergräbt. Was hat nicht die untergehende Sonne unter den Nächsten und Allernächsten, unter Freunden und Hausgenossen, Geschwistern und Gatten an Unfriede und Zwist, an unversöhntem, unausgeglichenem Zwist täglich auch unter uns sehen müssen! O weh der Spaltungen und Zerwürfnisse, des gegenseitigen sich Bekämpfens und sich Befehdens, nicht um der Sache willen, denn wo es eine heilige Sache, ein teures uns anvertrautes Gut gilt, da hat ein Jeder mit seinem Zeugnis und seiner Person einzutreten, - sondern wehe des persönlichen, neidischen bitteren Verdächtigens und Befehdens, mit dem wir uns untereinander beißen und fressen, zerreißen und zerfleischen! Hier gilt es mit ganzem Ernst uns selbst richten, mit rücksichtsloser Energie diesen Feind bekämpfen und Alles hinaustun, was dem Einzug des Friedens und der Eintracht in unseren Herzen, Häuser und Gemeinschaften entgegensteht. Einerlei gesinnt sein! wahrlich, aus Fleisch und Blut kommt es nicht, ob auch die innigsten Bande des Blutes uns umschlingen. Aus der Welt kommt es nicht, ob sie auch noch so gebildet, fortgeschritten und äußerlich verfeinert ist. Eine Gottesgabe ist solcher Friede, vom Himmel kommt solche Einmütigkeit und Eintracht. Ihr Ehegatten, ihr Eltern und Kinder, ihr Brüder und Schwestern, ihre Freunde und Genossen, wo euch das Große und Köstliche beschieden ist, dass zwei oder drei wirklich miteinander eins, unter einander gleich gesinnt sind, - ihr wisst es: nicht eure Tugend und Kraft, nicht euer Verdienst ist es, wo ihr solches erfahrt. Aus euch selbst, aus eurem Eigenwesen kommt nichts anders, als das, was den Frieden verletzt und zerstört. Das treibt in täglichen Kampf gegen solche Eigensucht, insonderheit gegen das Eine, was der Apostel in der römischen Gemeinde als den Grund ihres Haders bekämpft, das ist das „an sich selbst Gefallen haben“, das Seine suchen. Dagegen gilt es, sich in einander finden, in einander hineindenken, leben und lieben, einander tragen, Geduld miteinander haben, die Hand zur Versöhnung bieten, dessen eingedenk, wie sehr ein Jeder von uns dessen für sich bedarf. 
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-Ein Wunder der Gottesgnade ist es, wo etwas von solcher Einheit, solchem Frieden unter uns wohnt, eine Frucht seines Geistes ist es, die er in denen wirkt, die auf dem einen Grunde stehen, den einen Weg wandeln, das eine Ziel im Auge haben, die eine Gnade im Glauben ergreifen, an der einen Liebe in dankbarer Gegenliebe hangen, dem einen Herrn in Treue dienen. Das gibt einerlei Sinn, erhält und erneuert den Frieden. Aus der Liebe Christi, aus der Kraft seines Geistes kommt uns solcher Sinn. Köstlich ist es, wo solcher Geist im Hause wohnt, wo solcher Sinn unter Hausgenossen waltet, köstlich, wo Einmütigkeit im Geist und Dienst des Herrn in der Gemeinde voll und ungetrübt offenbar wird. In den Feierstunden unserer Gottesdienste, in denen wir einmütig mit Einem Munde loben Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi, in den Werken der Liebe und Barmherzigkeit, die wir in der Liebe zu Gott und den Brüdern gemeinsam treiben, in den Zeugnissen und im Dienst der Wahrheit, im Kampf für solche Wahrheit, den wir als Bekenner und Streiter des Herrn zu führen berufen sind, da erfahren wir mitten im Leid und Streit der Welt etwas von der Süßigkeit und Kraft des Friedens, der von oben kommt. Da schaut die streitende Gemeinde hinauf zur triumphierenden. Da tritt der zersplitterten, zerschlagenen Gemeinde vor die Seele das wunderbare Bild der Einheit, da Christus, der Eine große Hirte, die Völker der Erde um sich schart. Was seit Babels Zertrennung geschieden, was durch Sünde und Feindschaft zertrennet ist, das schauen wir im Geist da auf ewig vereint, die Eine Herde geschart um den Einen Hirten, den Einen Leib zusammengefasst unter das Eine Haupt als die Fülle des, der Alles in Allem erfüllt. 
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-=====III.===== 
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-Als streitende Gemeinde gehen wir diesem Ziele entgegen. Die streitende Gemeinde ist aber zugleich die leidende, die Kreuzgemeinde. Damit wir nun unter Kreuz und Leiden nicht verzagen, gibt uns der Herr als dritte, köstliche Gabe: Trost und Hoffnung im Leiden dieser Zeit. 
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-„Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben“, so heißt es am Anfang unseres Textes. Und am Schlusse: „Gott aber der Hoffnung, erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ Wir gehen dahin durch den Wechsel und Wandel der Zeit. In ein neues Kirchenjahr sind wir eingetreten. Was wird es uns bringen? Das alte hat neben reichem Segen und treuem Beistande von dem gnädigen und barmherzigen Herrn viel Not und Sorge, Schmerz und Leid uns gebracht. So haben wir es im Einzelleben erfahren, in noch reicherem Maße aber in unserm Gesamtleben. Da gab es viel Leid und Druck und Schmerz und Schläge, die bis ins Mark uns getroffen und bis ins innerste Herz uns verwundet. 
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-Was wird das kommende Kirchenjahr uns bringen? Das weiß Gott allein. Sehen wir aber an die Zeichen der Zeit, die Zeichen, die unsere Geschicke uns deuten, so scheint's uns wohl, als ob das, was geschehen, nur die Vorbereitung und der Anfang von noch viel ernsteren, schwereren Zeiten sei. Und nun siehe an die Zeichen in deinem Herzen. Greif in die eigene Brust. Die alten Quellen des Leides sind noch immer da. Von einem Jahre gehen wir in das andere, die Zeiten wechseln, aber das sündige Herz, das alte Wesen, der natürlich fleischliche Sinn bleiben. Sie sind da, und wo die bittere Wurzel ist, da wird's auch nicht fehlen an der bitteren Frucht. O wie trostlos und haltlos wären wir, wenn wir unsere Hoffnung nur aufs Irdische und Zeitliche setzten! Wie kann uns aufrichten, was selbst dahinsinkt, wie kann uns halten, was selbst weicht? Ja haltlos und trostlos wären wir, preisgegeben den Fluten der Trübsal, wenn wir nicht einen andern Grund und Halt, wenn wir nicht einen Gott der Verheißung und Hoffnung, ein Wort des Trostes und der Geduld hätten. 
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-Dieses Wort reicht der Herr unser Gott, als einen Stecken und Stab auf unserem Wege, als Trost und Halt in unserer Trübsal uns dar. Wir haben ein festes prophetisches Wort, als ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort. Wie hell leuchtet es und wie fest und über Alles gewiss ist dieses Wort! Es ist dasselbe von dem der Herr im Evangelium sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ Unser Glaube, unsere Hoffnung gründet sich auf das Gewisseste, was es im Himmel und auf Erden gibt, auf Gottes ewiges, wahrhaftiges Wort. Wie das Wort der Verheißung, das den Vätern gegeben, in dem erschienenen Herrn erfüllt ist, so wird die herrliche Verheißung, die wir empfangen, erfüllt in dem, der noch erscheinen wird. Im Geiste sehen wir schon den Herren. Paulus, derselbe Apostel, der uns das Wort der Verheißung verkündigt, er hat ihn gesehen im Lichte der Verklärung zu Damaskus, er hat ihn geschaut in seiner Herrlichkeit, da er in den dritten Himmel entrückt ward und hörte unaussprechliche Worte. Johannes, der Prophet des neuen Bundes, er hat im Geiste geschaut das vollendete Reich unseres Herren, den neuen Himmel, die neue Erde, das neue Jerusalem, bereitet als eine geschmückte Braut. 
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-Von diesem uns bereiteten Ziel strahlt das Licht uns auch schon auf den Weg, aus der Zeit der Vollendung strömen Kräfte des Trostes und der Hoffnung auch schon in die Gegenwart, in das Dunkel und die Trübsal dieser Zeit. Schauen wir unsere Trübsal an mit den Augen unseres fleischlichen Sinnes, da schwillt unser Leid und unsere Trübsal riesengroß an, und die Herrlichkeit des Herrn erscheint verschwindend klein. Wir sehen über uns nichts als dunkle, drohende Wolken, und das Licht der Herrlichkeit wird zu einem matten, verlöschenden Schein. Da sollen wir uns aber um solch' ungläubigen, fleischlichen Sinn strafen und um erleuchtete Augen des Geistes und Glaubens bitten. Und sind uns die Augen geöffnet, da schauen wir das Licht über den Wolken in ewig herrlicher, strahlender Pracht. Die Wolken des Leides und der Sorge, sie schwinden wie Nebel dahin, das Licht von oben aber, von dem Angesicht unseres Herren, es gibt auch in unsere Herzen einen hellen Schein, es erfüllt uns mit Freude und Frieden im Glauben durch die Kraft des Heiligen Geistes. Friede in Gott, Freude an ihm, Freude an seiner Hilfe, an seinem Segen, an jeder seiner Gaben, das ist das helle Licht in unserem Herzen, auf den dunklen Wegen der Trübsal. Friede in allem Streit, Freude in allem Leid! Denn wir gründen uns auf ihn, dessen Gnade unser Trost, dessen Geduld unsere Seligkeit ist. Er wirkt in uns, dass wir in aller Trübsal an seiner Gnade uns genügen lassen. Diese Gnade ist die Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, und die Freude an dem Herrn soll unsere Stärke sein. 
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-Das sind die herrlichen Gaben, die wir von dem Gott der Geduld und des Trostes, des Friedens und der Hoffnung empfangen. 
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-Wollen wir nun müde werden, - wir stärken die schwankenden Knie in der Kraft des Herrn. Droht uns der Mut zu sinken, wir richten einander auf in einmütigem Preis der Gottesgnade und Treue. Will Bangen und Zagen uns beschleichen, - wir erquicken uns an dem Trost und der Hoffnung, die der barmherzige Adventskönig uns gibt. Wahrlich, es ist ein ewiger, reicher, unermesslicher Trost, den wir in ihm haben. 
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-So ziehen wir denn getrost und fröhlich unsere Straße, pilgern voller Sehnsucht, Friede und Freude unserem herrlichen Ziele zu. Unter aller Last der Leiden heben wir unsere Augen auf zu den Bergen, von denen uns Hilfe kommt, in aller Drangsal der Arbeit, in aller Hitze der Trübsal heben wir getrost unsere Häupter auf, dieweil wir wissen, dass mit der herrlichen Zukunft des Herrn auch unsere Erlösung naht. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Hörschelmann, Paul Eduard - Zweiter Advent. Der Herr, unsere Hoffnung in verhängnisvoller Zeit.====== 
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-=====Altar-Gebet.===== 
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-So erheben wir denn die Herzen und die Augen auch heute wieder zu Dir, Du Geber aller Güter, der Seelen treuer Hüter, und flehen abermals um dieses Brot des ewigen Lebens, das wir, als Eine seiner teuren Gaben, aus der Hand Deines eingeborenen Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, empfangen haben, und das Du täglich in Deiner Kirche darreichst durch Kraft des Heiligen Geistes, den Du, o Vater, zu uns sendest auf Deines Sohnes heilige Fürbitte. Mache uns den heutigen Tag hierin zu einem Tage der Gnade, damit wir Dir im Geistigen, wie im Leiblichen, als einstige Bürger Deines Himmels, und als Kinder eines irdischen Reiches und Vaterlandes aufs Neue mit Dank verfallen sind. Denn auch hier ist es Dein Segen, dass wir uns an unserem teuren irdischen Oberhaupt heute des Namens freuen, in welchem Er ehemals den Bund des Glaubens und der Liebe mit Dir, in Jesu Christo, durch die heilige Taufe eingegangen ist; auch hier haben wir Dir zu danken für alle segensreiche Gaben, die Du uns durch Seine Hand hast darreichen lassen, seitdem Du Seinen Namen unter uns erhöhtest, dass die Völker dieses Reiches ihre irdischen Hoffnungen mit Lust und Zuversicht daran knüpfen! Erwecke uns denn heute aufs Neue zu herzinnigem Danke vor Dir, wie es Dir gefallen kann! Ach! Herr, wie ist er so lange ausgeblieben! So. oft wir Dein Angesicht schauen, haben wir vor Dir unsere Sünden zu bekennen, und zu flehen, Du wollest sie uns in Jesu Christo vergeben! Reiche uns heute auch diesen Trost dar, dass wir Kraft gewinnen, Dir in der Besserung zu dienen, und uns Dir für alle unsere Lebenszeit zu ergeben, in guten, wie in bösen Tagen, vertrauend auf unsern Herrn, in welchem wir Dein Volk sind nun und in Ewigkeit! Amen! 
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-=====Predigt über Röm. 15,4-13.===== 
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-Den ersten Schritt in den, uns aufs Neue sich eröffnenden Kreis kirchlicher Erbauung haben wir unter Erwägung des Festwortes der Adventzeit getan, da einem Jeden beim Eintritt in dieselbe zugerufen wird: Siehe! Dein König kommt zu Dir sanftmütig! Wo dieses Wort in einem Herzen Wurzel gefasst hat, da ist das ganze christliche Leben geborgen, ihm die Kraft beigelegt, sich mit Früchten der Gerechtigkeit zu schmücken, ihm der Geist eingeflößt, zu trachten nach dem, das droben ist, ihm die Weihe gegeben, um jenes Kleinod zu erringen, dessen unser Lied erwähnt hat, nämlich den Frieden Gottes mitten in dem Unfrieden dieser irdischen Zeit, und einen Blick auf jenes Lebens Freuden, zum Trost wider die Schmerzen und Trübsal des gegenwärtigen. Da es nun mit jeder Andachtsstunde einer christlichen Gemeinde auf Einen dieser drei Punkte abgesehen ist, so können wir sagen, in der Kirche Christi auf Erden hört es nimmer auf, Advent zu sein, und so oft sie in irgendeinem versammelten und Erbauung suchenden Kreise sich sichtbarlich darstellt, sei der Gedanke: mein König kommt zu mir sanftmütig! der zündende Funke, welcher ins Herz fallen muss, um jenen Brand anzurichten, der drinnen Alles belebt bis zu einer treibsamen Kraft, und Alles drinnen von den Schlacken läutert, bis zum leichten und fröhlichen Aufschwunge in die Höhe, und Alles drinnen durchdringt mit seinem warmen Hauche, bis zum Gefühle der Seligkeit im Gottesfrieden. Auch wirst Du, wenn Du nur schärfer hinhorchst, in jedem, von den Vätern der Kirche für die Erbauung der Gemeinden auserwählten Text einen Anklang dieses Advent-Wortes vernehmen, worin eben jenes reiche und mannigfaltige Einerlei besteht, dessen der Apostel Paulus erwähnt, und wovon er sagt: Es verdrießt mich nicht und macht Euch desto gewisser! Gibt es doch auch im Reiche der Natur für uns nur diese Eine Sonne, die doch allerlei Leben, in unzählbaren Gestalten hervorruft! Und hat dieselbe doch auch in allen ihren Ausströmungen nur den Einen weißen Lichtstrahl zu geben, der gleichwohl die ganze Fülle und Pracht der Farben hervorzaubert! - So ist in dem Reiche der Gnade auch in der Einheit des Advent-Wortes alle jene wunderbare Mannigfaltigkeit begründet, in welcher auch hier allerlei Leben in Gott, in Gestalt und Kraft und Schönheit verschieden, sich Deinem Auge darstellt. So wollen wir uns denn auch heute freuen und fröhlich sein, dass Du, o unser Herr und König, zu uns gekommen bist, sanftmütig und von Herzen demütig, nach Deinem eigenen Worte. Wollen uns, verlangend nach Dir, abermals um Dich sammeln mit Gebet und Flehen, und zugleich mit Loben und Danken, dass Du in Dir erfüllt und bestätigt hast alle göttliche Verheißung, die den Vätern geschehen ist, und alle Gnade und Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche auch wir Friede und Freude im Glauben und eine völlige Hoffnung haben. Mache uns heute reich an diesen teuren Gaben, damit, ob auch im Leben die Herzen verschmachten wollen vor Furcht und Warten der Dinge, die kommen sollen, dennoch die gläubige Seele den Aufblick zu Dir finde in der gewissen Zuversicht, dass sich die Erlösung nahe! Sei mit uns nun und immerdar. Amen! 
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-Sehen wir von den beiden Texten, welche die Väter der Kirche für jede sonntägliche Erbauung auserwählt haben, den Einen stets als die Ergänzung des Andern an, wie die Sache das mit sich bringt, so wird uns nicht entgehen, dass überall der Segen des göttlichen Wortes, welches uns vorgelegt wird, daran geknüpft ist, dass in der Gemeinschaft der Kirche Christi einen Jeden von uns das Bewusstsein begleitet: siehe! mein König kommt zu mir sanftmütig! So steht neben dem Evangelio des Tages, welches die, dem Volke Gottes nahenden, schweren und verhängnisvollen Tage verkündigt, als Ergänzung desselben zu dem eben genannten Zwecke, unsere heutige Epistel da, in einem Worte des Apostels Paulus verfasst, wie wir lesen 
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-Röm. 15,4-13\\ 
-„**Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes, gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander nach Jesu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmt euch unter einander auf, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich Dich loben unter den Heiden und Deinen Namen singen. Und abermals spricht er: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermals: Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist Ihn alle Völker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt, durch die Kraft des Heiligen Geistes.**“ 
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-Es ist nicht schwer zu sehen, dass auch hier der Mittelpunkt dieses apostolischen Wortes und der ganzen Rede, die Paulus an uns tut, Jesus Christus sei, der gekommen ist, wiewohl in Herrlichkeit des Gottessohnes und unsers Königs, doch überkleidet mit der Dürftigkeit unseres Wesens, und angetan, gleich den Vätern und Brüdern Seines Volkes, als Diener des nämlichen Gesetzes, damit wir Alle durch Ihn Leben und volle Genüge hätten. Derselbe ist es, zu welchem in schwerer und verhängnisvoller Zeit, nach Inhalt unseres heutigen Evangeliums, sich die Häupter erheben sollen, um zu sehen, dass eine Erlösung naht. Und so werden wir das zweifache Gotteswort für diesen Tag des Advents zusammen gefasst haben, wenn wir den  
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-**Herrn darstellen, als unsere Hoffnung in verhängnisvoller Zeit.** 
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-So müsste der Ausdruck gewählt werden für jede Zeit im Leben, da der Herr unsere Hoffnung sein soll, auf dass wir entweder entfliehen mögen dem, das da geschehen soll, oder doch wackeren und frommen Mutes stehen dem, das über uns kommt. So musste er gewählt werden, zunächst unserem heutigen Evangelio zu Liebe, welches im eigentlichen Sinne des Wortes von einer verhängnisvollen Zeit spricht, da es Jerusalems und des Jüdischen Volkes letzte Tage schildert nach dem ganzen Ernste und Gewichte, nach welchem die Hand Gottes auf dem nämlichen Geschlechte ruhen würde, zu welchem der Herr spricht. Sei es denn auch, dass wir solche Schickungen Gottes für uns nicht zu befürchten haben, weil im Reiche der Gnade, wie im Reiche der Natur, des Tages Anbruch, der immer auch ein Durchbruch durch ein Heer feindlicher Gewalten ist, unter Wehen und Brausen, unter Bewegen der Kräfte des Himmels, also immer unter einem furchterfüllten Warten der Dinge, die da kommen sollen, erfolgen muss, sei es, dass wir in diesem Sinne nunmehr, nachdem das Reich Gottes sich auf Erden gegründet hat in großer Herrlichkeit, und zu einer Dauer, die alle irdische Zeiten überleben wird, nicht mehr von solchen verhängnisvollen Zeiten sprechen können, so kehren doch auch im Leben derer, denen im Reiche Christi solche Welterschütterungen erspart worden sind, Augenblicke wieder, die wir verhängnisvolle nennen dürfen, weil sie auch, wiewohl in kleineren Kreisen, und mit weniger niederschmetternder Stimme, als damals, von dem Ernste Dessen Zeugnis ablegen, dessen Wort, wo es dessen bedarf, wie ein Feuer ist, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert. In diesem Sinne wissen ja auch wir selbst in diesen unseren Tagen von solchen Zeiten zu reden, und nach dem Eindrucke, den sie auf uns machten, als sie vorhanden waren, wird sich schwerlich Jemand von uns weigern, sie so zu nennen, noch die einzelnen Schilderungen für zu stark halten, deren sich unser Herr im Evangelio bedient, um seinen Zeitgenossen ein Bild davon zu geben, was ihrer damals wartete. Wenn aber nun Paulus unseren heutigen Text damit beginnt, zu sagen: Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben! und wenn wir heute diese Worte als eine Ergänzung dessen ansehen und behandeln wollen, was das Evangelium des Tages enthielt, so folgt daraus, dass wir auch für die verhängnisvollen Zeiten unseres Lebens an Denjenigen gewiesen sein müssen, von Dem hier Alles abgeleitet ist, und in Dessen Lobe Beide, die da nahe und die ferne von Ihm waren durch ihre Geburt, gleicher Maßen einstimmen. Offenbar ist des Apostels Meinung die, wir sollen in solcher Zeit auf diesen unseren Herrn hoffen. Als Grund dieser Hoffnung gibt er aber hier ein Dreifaches an. Zuerst das Allgemeine einer jeden wiederkehrenden Advent-Feier. Denn das ist ja wohl ihr festlicher Ruf, dass Jesus Christus gekommen und ein Diener geworden ist der Beschneidung um der Wahrheit Willen Gottes, dass Er bestätigte die Verheißung, den Vätern geschehen, dass die Heiden aber Gott lobten um der Barmherzigkeit Willen! Und schon hierin haben. wir zunächst Grund genug, in verhängnisvoller Zeit unsere Hoffnung auf Ihn zu sehen. Wenigstens ist dieser Zusammenhang dem Apostel Paulus so wenig entgangen, dass er ihn vielmehr an anderen Orten gar deutlich in dieser doppelten Rücksicht nachweist, da nämlich sowohl überhaupt das Kommen des Gottessohnes zu uns, als auch insbesondere die in Ihm erfolgte Vereinigung der fremden und in sich selbst zerfallenen Welt ihm der Felsgrund seiner Hoffnung auf Ihn geworden ist. „Ist Gott für uns, sagt er, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat Ihn für uns Alle dahin gegeben, wie sollte Er uns mit Ihm nicht Alles schenken!“ Alles! hieß es. Ausdrücklich: Alles! also doch wohl auch, was wir in verhängnisvoller Zeit bedürfen, nämlich Hoffnung durch Geduld und Trost der Schrift! Und sein heutiges Wort von der andern Seite betrachtet, da es den Herrn darstellt, wie Er in sich zu einerlei Lobe Gottes die vereinigt, die durch die größte Kluft von einander geschieden waren, nämlich Juden und Heiden, die einander in ihrem Glauben nicht zu fassen oder zu verstehen wussten auch von dieser Seite sein Wort betrachtet, wohin wird es uns anders führen, als zu demselben Grunde unserer Hoffnung hin auch für die verhängnisvollen Zeiten unseres Lebens? Denn wem jenes Größte und Schwerste gelungen ist, dass er aus Zweien Eins gemacht, die Scheidewand, die dazwischen war, abgebrochen und durch seine Erscheinung im menschlichen Leben die Feindschaft weggenommen hat, so dass Er Beide versöhnte mit Gott in Einem Leibe durch das Kreuz und hat im Evangelio Frieden verkündigt Jenen, die ferne waren, und Diesen, die nahe waren, so dass sie nun durch Ihn alle Beide in Einem Geiste den Zugang zum Vater haben, Wer dies vermocht hat, was kann Dem unmöglich sein? Hier muss ja wohl das Losungswort der schwer geprüften und bewährt erfundenen Frommen wieder eintreffen, nach welchem es heißt: je größer Not, je näher Gott! Lass denn in Deinem Leben kommen, was Gott sendet. Er hat Dir längst zuvor wider dieses Alles eine Hilfe und einen Trost gesandt, den Du nur zu fassen brauchst, auf dass Dir geholfen werde. Sagt nicht Er selbst, auf Den wir Dich für jede verhängnisvolle Zeit verweisen, sagt Er nicht selbst von jenen Tagen, da die Menschen verschmachten würden vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, und da auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden, sagt Er nicht selbst von jenen Tagen: Alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen mit großer Kraft und Herrlichkeit! und wiederum: Wenn ihr dieses Alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist! So weist er also damit ausdrücklich auf sich selbst hin, und will, Du sollst in verhängnisvoller Zeit die Augen zu Ihm erheben, und sehen, dass Deine Erlösung herannahe. Denn das gehört eben zu seiner wunderbaren, und doch so natürlichen Ordnung, dass je schwerer eine verhängnisvolle Zeit auf diejenigen herabsinkt, die Ihm angehören, umso enger und inniger Er dieselben auch zusammen führt. Da werden sie wach, geweckt durch eine Stimme, die sie aus der Höhe ruft. Da fühlen sie sich ergriffen von flammender Begeisterung für die Kleinode ihres Lebens und ihrer heiligen Liebe, für Gott und seine ewige Wahrheit, für die von ihm stammende Tugend und das von ihm geheiligte Recht, für sein sichtbares Ebenbild, was in der Menschheit überhaupt und zunächst in Deinem Stamm und Glaubensverwandten Volke Dir vor Augen steht; da eilen sie auf den Ruf des Herrn aus allen Gegenden herbei und bilden eine Gemeinde des Herrn, eine unsichtbare Kirche, in welcher es gilt, um des Einen Herrn Willen zusammen zu halten, und umso eifriger Ihm zu dienen, je treuloser die Welt sie verlässt, oder je feindseliger sie sich wider sie erhebt. So erfüllt Er sein Wort, dass wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssen. So gebührt es denn uns, in solcher Zeit unsere Hoffnung fest zu gründen auf den, der gekommen ist, ein Sohn Gottes, um uns allerdinge gleich zu werden; mit uns zu leiden, um uns mit sich zu erheben zu seiner Herrlichkeit! In verhängnisvoller Zeit soll es also zuerst in Deinem Herzen heißen: Christ ist gekommen! Drum darf ich nicht zagen. Denn wie derselbe die Welt überwunden hat, und dazu noch die Sünde und den Tod, so wird es diesem Mächtigen ein Leichtes sein, auch dieses Leid, den Feind meiner Ruhe und meines Glückes, zu überwinden, um sich in seiner Herrlichkeit zu zeigen! 
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-Aber dazu noch gibt Dir Gott der Geduld und des Trostes noch einen festeren Grund Deiner Hoffnung auf diesen Deinen Herrn in jeder verhängnisvollen Zeit, indem er Dir in seinem heutigen Worte zurufen lässt: Derselbe hat Dich aufgenommen zu Gottes Lobe! O! frage Dich nur selbst, was es sei, dass in verhängnisvoller Zeit die Menschen verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden? Siehe zu, ob es nicht das sei, dass sie sich in solcher Zeit vereinzelt fühlen, sich verlassen sehen von jeder Freundeshand, sich ausgeschieden dünken von jeder höheren und besseren Gemeinschaft? Es regt sich in ihren Herzen das nämliche schmerzliche, wehmutsvolle und niederbeugende Gefühl, dem Salomo eine Sprache gab in den bekannten Worten: Wehe dem, der allein ist; denn wenn er fällt, so ist kein Anderer da, der Ihm aufhelfe! Und das eben ist die trübeste Seite, welche eine verhängnisvolle Zeit im Leben uns darbietet. Indem sie Viele derer von uns zurückscheucht, die wir sonst um uns sahen, indem sie macht, dass unter der Menge der größere Teil sich fern hält, aus Furcht, selbst mit verwickelt zu werden in die Schlingen, die uns das Unglück gelegt hat, oder aus Scheu, sich selbst zu allen großen Opfern aufgefordert zu sehen, macht eine solche Zeit uns des Einen Freundes vergessen, von dem gesagt ist: Den Elenden wird er aus seinem Elende erretten und dem Armen sein Ohr öffnen in der Trübsal! und der gelobt hat: Aus sechs Trübsalen will ich Dich erretten, und in der siebenten wird Dich kein Übel rühren! Wessen Wort aber das sei, bringt Dir der heutige Text wieder in Erinnerung. Es ist Dessen, der Dich aufgenommen hat zu Gottes Lobe! Es ist Dessen, von dem Ihr gehört habet, da Er sprach: Ich will Euch nicht als Waisen zurück lassen; ich komm zu Euch! und Er sprach es, da den Seinigen eben eine verhängnisvolle Zeit bevorstand, die Zeit, da er von ihnen gehen musste. Weißt Du nun aber Solches, was hindert denn Dich, dass Du Dich nicht daran aufrichtest? Hat Er doch selbst Dich erwählt und gesetzt, dass Du viel Frucht bringst zu Lobe Gottes und zu Nutz und Frommen Seines Reiches! Hat Er doch dazu die verhängnisvolle Zeit in Dein Leben gesandt, damit sich in derselben die Kraft seiner Gemeinschaft an Dir unter Kampf und Sieg bewähre! Hat Er Dich nicht ausdrücklich zu Gottes Lobe aufgenommen in seinen heiligen Bund? Nein! nimmermehr wird Er ihn fallen lassen, oder Dich in demselben, sondern will, Du sollst umso viel mehr Deine Hoffnung auf Ihn sehen wider allen Augenschein vor den Menschen, damit Er sich an Dir so viel mächtiger erweisen könne, so viel Dir eine schwerere Prüfung auferlegt ward! - Und ob Du wolltest sprechen, wie die ihm fremd gewordene Welt es stets getan hat: Wo ist Er? dass ich Ihn sehe und eine Hoffnung auf Ihn sehe! - so steht Dir Paulus heute Rede und ruft Dir in verhängnisvoller Zeit zu: Gott aber gebe, dass Du mit aller Freude und Frieden im Glauben erfüllt werdest, und dass Du völlige Hoffnung hast durch die Kraft des Heiligen Geistes. So lenkt Er denn in verhängnisvoller Zeit Deine Blicke alle ab von Deiner Umgebung und richtet sie in die Tiefen Deines Herzens und in die Verborgenheit Deines inneren Lebens. Er will nicht, dass es unter denen, die des Heiligen Geistes Zöglinge sind, in solcher Zeit heiße: Siehe! hier ist Christus, oder dort ist Er! sondern sie sollen sich los und ledig machen von dem Verlangen des sinnlichen Menschen, der von dem Glauben in seiner Hoheit und Herrlichkeit nichts weiß! Sie sollen sich dessen getrösten, woran die frommen Seelen aller Zeiten sich aufrichteten in der Zuversicht eines höheren Schauens, als das mit leiblichen Augen; von denen die Eine in ihrer verhängnisvollen Zeit des Lebens rief: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! und die Andere: Ich weiß, an welchen ich glaube und bin gewiss, dass er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen Tag! - Das ist die rechte Höhe auch für Dich in Deiner verhängnisvollen Zeit. Das ist des Herrn Wort, das er einst sprach: Ich will den Vater bitten, und er soll Euch einen andern Tröster geben, dass er bei Euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen! Er kommt von dem Herrn, ein Bote zu Dir gesandt, so oft Du fühlst, Du kannst Dir selbst nicht helfen. Da gilt es, Deine Hoffnung auf Deinen Herrn setzen, und Dich der Kraft des Heiligen Geistes ergeben, zur freien Wirksamkeit an Deiner Seele. Da gilt es, allen Zweifel und alles Zagen weit von Dir werfen und denken: der Herr wird es wohl machen! Da gilt es, dem eigenen Rate misstrauen und der eigenen Kraft entsagen, und von nichts wissen wollen, als Raum zu lassen der Kraft des Heiligen Geistes, worin der Herr Dir fühlbar nahe tritt und sich an Dir mächtig beweist mit Heben, Tragen und Erretten! - Dorthin wende Dich in verhängnisvoller Zeit, so wird sie Dir zu einem neuen Segen werden und Du zu Lobe Gottes sie bestehen und alle ihre Anläufe überwinden. Lass den Herrn Deine Hoffnung sein, so wird sich Alles wenden, Dir selbst zum Heile und Alles zur Verherrlichung Deines großen Namens, allmächtiger und ewiger Gott rc. rc. 
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-===== Schlussgebet ===== 
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-Mit dieser Zuversicht der Frommen nahen wir auch heute Deinem Thron, Gott der Geduld und des Trostes, in welchem wir unsere Hoffnung haben durch Jesum Christum unseren Herrn! Kommen gerufen durch die Botschaft Deiner Gnade, da Du den König unserer Seelen zu uns gesandt hast sanftmütig und von Herzen demütig, dass wir Ihm ganz vertrauen! Hilf Du durch Kraft des Heiligen Geistes, dass wir auch alle unsere Hoffnung auf Ihn sehen, der gekommen ist, um uns Dir zu versöhnen, und uns aufgenommen hat zu Deinem Lobe! Hilf uns in Ihm auf zu unwandelbarem Vertrauen nun und immerdar! Amen! 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Kapff, Sixtus Carl von - Am zweiten Sonntag des Advents ====== 
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-Text: Röm. 15, 4-13. 
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-**Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander, nach JEsu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unseres HErrn JEsu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass JEsus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich Dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermals spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermals: Lobet den HErrn, alle Heiden, und preiset Ihn, alle Volker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des Heiligen Geistes.** 
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-„Siehe, dein König kommt zu dir;“ dieser frohen Adventsbotschaft freuten wir uns vor acht Tagen, und fühlten uns gedrungen, unsere Herzen dem HErrn aufzutun, der aufs Neue bei uns eingehen will mit dem vollen Segen seines gottmenschlichen Lebens und mit allen Fruchten seines großen Erlösungswerkes. So ihn in uns aufzunehmen, dazu treibt uns heute besonders der zweite Advent, d. h. die zweite Zukunft des HErrn, wovon das heutige Evangelium spricht, die Erscheinung Christi in der Herrlichkeit, die von den Engeln gleich nach seiner Himmelfahrt mit den Worten angekündigt wurde: „Dieser JEsus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird ebenso wieder kommen, wie ihr ihn habt gesehen gen Himmel fahren.“ 
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-Auf diese glorreiche Wiederkunft des HErrn warten die Gläubigen seit 1800 Jahren mit Sehnsucht. Die meisten Christen aber wollen nichts davon wissen, weil dieses andere Kommen des HErrn für alle Unbekehrte ein gerichtliches Kommen sein wird, bei dem nur die wahrhaft Gläubigen würdig sein werden, zu entfliehen allen den Gerichten, die nach unserem Evangelium kommen werden, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Deswegen ermahnt der HErr im heutigen Evangelio: seid wacker allezeit und betet. Und noch genauer gibt unsere Epistel die Eigenschaften an, ohne welche wir dem zweiten Advent Christi nicht ruhig entgegengehen können. Feste Gemeinschaft der Heiligen, einerlei Gesinnung, schonende und tragende Bruderliebe, gegründet in lebendigem Glauben und völliger Hoffnung - das verlangt und wünscht der Apostel in unserem Texte. Und mit solchen Gesinnungen auf die Zukunft des HErrn oder auf unser vielleicht baldiges Ende uns bereit zu halten, dazu ermahnen uns die beiden Gräber, die auf unserem Gottesacker offen stehen, und die zwei noch nicht lange geschlossenen. O wie schnell können wir von einander Hinwegsterben! Wie traurig dann, wenn es gefehlt hat an Liebe, gefehlt an völliger Hoffnung und an lebendigem, weltüberwindendem Glauben! Und wie schrecklich muss es sein, zu Schanden zu werden vor Ihm in seiner Zukunft! Daher wollen wir die Warnung unseres Evangelisten und die Ermahnungen unserer Epistel tief zu Herzen fassen, indem wir unter dem Segen des HErrn betrachten: 
- 
-Wie wir uns auf den zweiten Advent Christi bereiten sollen? Nach unserer Epistel: \\ 
-  - durch Glauben und Hoffnung, \\ 
-  - durch Liebe. \\ 
- 
-HErr JEsu! lass mich sowohl auf Zorn als Huld\\ 
-In deiner Zukunft merken. \\ 
-Lass stets dein Wort mich in Geduld \\ 
-Und in dem Glauben starken, \\ 
-Und lehre mich in Einem Geist \\ 
-Mit Allen, die Du gläubig heißt, \\ 
-Auch sprechen: Komm, HErr JEsu! Amen. 
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-=====I. ===== 
- 
-Unsere Epistel beginnt mit den Worten: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und durch Trost der Schrift Hoffnung haben. Dies gilt nicht nur in der besonderen Beziehung, in welcher es Paulus zunächst meint, nämlich als Aufmunterung, das Beispiel JEsu in seiner verzeihenden Menschenliebe nachzuahmen, sondern wir können es allgemein auf die ganze Schrift und auf Alles, was sie zur Stärkung unseres Glaubens enthält, anwenden. Am meisten ist uns Geduld und Trost der Schrift nötig im Warten auf den zweiten Advent des HErrn und Alles das, was ihm vorangehen wird. Nach unserem Evangelium werden „Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen, und das Meer und die Wasserwegen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden.“ 
- 
-Die Erschütterungen der Natur werden der Ausdruck der geistigen Erschütterungen sein, durch welche das religiöse und bürgerliche Leben so starken Verwerfungen ausgesetzt sein wird, wie die Gestalt der Erde bei einem Erdbeben. Denn es wird in der letzten Zeit der Abfall von Christo den höchsten Grad erreichen, und alle Feinde Christi werden sich immer mehr gegen Gott und seinen Gesalbten und gegen die Gläubigen empören, und als das Haupt des ganzen Antichristentums wird zuletzt der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens auftreten, der nach 2. Thess. 2 „sich erhebt über Alles, das Gott oder Gottesdienst heißt, also, dass er sich setzet in den Tempel Gottes als ein Gott, und gibt sich vor, er sei Gott. Und seine Zukunft wird geschehen nach der Wirkung des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit, besonders auch durch kräftige Irrtümer, durch welche nach dem Wort des HErrn (Matth. 24) auch die Auserwählten verführt werden könnten.“ 
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-In dieser schrecklichen Versuchungszeit des Antichristen werden die Gläubigen viele Drangsale durchzumachen haben. Denn es wird ihm nach Offenb. 13 gegeben zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden, und wer sein Malzeichen nicht annimmt, wird nicht kaufen und verkaufen können, und wer sein Bild nicht anbetet, wird ertötet werden. Dann erst, wenn die Not aufs Höchste gestiegen, wird der HErr kommen, wie Er selbst sagt, in den Wolken des Himmels, mit großer Kraft und Herrlichkeit, aber es werden heulen alle Geschlechter auf Erden. 
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-Von dieser Zukunft und folglich auch von der ihr vorangehenden Notzeit sagt der HErr oft, dass sie bald erfolge und dass wir allezeit darauf warten sollen, weil wir nie wissen können, ob er am Abend oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens erscheine. Und sehen wir die Zeichen unserer Zeit an, so finden wir so manche Vorzeichen der letzten Zeit, dass, wenn der HErr will, bald vollends Alles sich schnell entwickeln kann, was seine Zukunft herbeiführt. Der Abfall ist auf einen hohen Grad gestiegen, Menschenvergötterung ist der Geist der Zeit unter Gelehrten und Ungelehrten, und es gibt der Antichristen, die an nichts glauben als an ihr Ich, deren gibt es allenthalben viele, und die Volksmassen im Großen stehen so, dass sie eine leichte Beute der Machthaber werden, wenn nur das fleischliche Leben recht gepflegt wird. Bei den Gläubigen aber ist die Liebe in gar Vielen erkaltet, während draußen in der Heidenwelt Christus täglich neue Siege gewinnt, so dass das Ziel, nach dessen Erreichung der HErr kommt, nämlich die Verkündigung des Evangeliums in aller Welt, bald erreicht sein kann, so der HErr will. Auf seinen Willen kommt freilich Alles an, es kann sich vielleicht auch noch lange verziehen. Aber wir sind angewiesen, täglich zu warten und täglich bereit zu sein mit Wachen und Beten, dass, wenn Er kommt, wir nicht zu Schanden werden vor Ihm in seiner Zukunft, sondern als kluge Jungfrauen von Ihm aufgenommen werden können in seinen Hochzeitsaal. 
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-So bereitet zu sein, dazu ist nun vor Allem Glaube nötig. Ohne Glauben ist Geduld und Trost der Schrift uns nicht möglich. Daher wünscht der Apostel auch am Schlüsse unseres Textes den Römern, dass sie doch erfüllt werden möchten mit aller Freude und Friede im Glauben und völlige Hoffnung haben durch die Kraft des Heiligen Geistes. Ohne Glauben gibt es keine Freude und keinen Frieden und keine Hoffnung. Der wahre Glaube blickt rückwärts und vorwärts, rückwärts auf alles das, was JEsus von der Krippe bis zum Kreuz und vom Kreuz bis zum Throne der Herrlichkeit für uns und uns zu gut getan und gelitten und uns als ewiges Erbe erworben hat. Darin findet der Glaube sein Heil und seinen Frieden. Aber er blickt auch vorwärts auf das, dessen wir nach dem Worte Gottes noch zu warten haben, und ist nicht, wie so viele Christen, gleichgültig gegen das, was zur Lehre vom zweiten und vom dritten Advent Christi gehört. 
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-Wer über diesen wichtigen Gegenstand die Belehrungen der heil. Schrift noch nicht kennt, dem fehlt eines der Hauptstücke des christlichen Glaubens, und er kann nicht im vollen Sinn „Geduld und Trost der Schrift“ haben. So gewiss der erste Advent JEsu in Niedrigkeit und Leiden aller Art geschah, und uns ewiges Heil erwarb, so gewiss wird der zweite Advent in Herrlichkeit geschehen zur Vernichtung der antichristlichen Macht und zur Errichtung des herrlichen Königreiches JEsu noch auf dieser Erde, worauf dann erst der dritte Advent, d. h. sein letztes Kommen zum allgemeinen Weltgericht erfolgen wird. Über das Alles hält der Glaube das fest, was JEsus und seine Apostel in klaren und bestimmten Worten voraussagen. Und da hat der Glaube die trostvolle Hoffnung, dass JEsus bei seinem zweiten Advent nach 2. Thess.  2 den Boshaftigen, d. h. den Antichristen, umbringen wird mit dem Geist seines Mundes, und wird nach Offenb. 19 als der König aller Könige und Herr aller Herren das ganze antichristliche Heer vertilgen, und dann alle Gewalt und Herrschaft und Königreich einnehmen auf Erden und sein glorreiches Friedensreich errichten, in welchem die Erde voll werden wird vom Erkenntnis der Ehre des HErrn, wie mit Wellen des Meeres bedeckt, und wo dann, wie wir später sehen werden, die Verheißungen unseres Textes über Juden und Heiden erst ganz in Erfüllung gehen werden. 
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-Ohne diesen Glauben und ohne diese Hoffnung können wir auf den zweiten Advent Christi uns nicht bereiten. Daher bitte ich euch Alle, in dieser Adventszeit auch das prophetische Wort fleißig zu betrachten und aus demselben den Ruf der heiligen Wächter zu vernehmen, die aus aller Gegenwart beständig auf die Zukunft hinausweisen und uns gebieten, in beständiger Erwartung des andern Advents Christi zu leben, wie eine Braut sich allezeit sehnet nach ihrem Bräutigam. In solcher hoffnungsvollen Erwartung Christi und der großen Erlösung, die Er den Seinigen bringen wird, können wir täglich, wie unser Text wünscht, mit aller Freude und Friede Alles geduldig aus der Hand des HErrn annehmen, was Er uns zuschickt, uns willig ins Leiden geben, über das, was feindlich gegen JEsum und uns in den Weg tritt, siegen, den Versuchungen entfliehen, und, in Hoffnung der künftigen Freude, Hülfe und Herrlichkeit, die gegenwärtige Lust und die gegenwärtige Last überwinden und im Glauben aushalten bis ans Ende, mit völliger Hoffnung, durch die Kraft des Heiligen Geistes, wie unser Text sagt. Zu solcher Bereitung im Glauben und in der Hoffnung gehört aber 
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-=====II. ===== 
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-auch die Liebe, welche in Allem erst das rechte Band der Vollkommenheit ist. Von ihr hauptsächlich spricht unser Text, und zwar ganz besonders von der brüderlichen Liebe, von welcher der ganze Abschnitt, zu dem unsere Epistel gehört, handelt. Dabei aber weist der Apostel immer auf die Liebe Gottes und JEsu als das Fundament der brüderlichen Liebe hin. Wir sollen einerlei gesinnt sein nach JEsu Christ, sollen mit Einem Munde Gott loben und also auch Ihn lieben, sollen uns unter einander ausnehmen, d. h. lieben, gleichwie Christus uns hat aufgenommen zu Gottes Lobe, sollen Alle lieben, weil Gottes Verheißungen noch an Allen sollen erfüllt werden. 
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-Weil der HErr uns so hoch geliebt hat, so ist unsere erste Aufgabe, Ihn zu lieben und zu loben, und darin steht auch die beste Bereitung auf den zweiten Advent Christi. Wie könnten wir nach unserem Evangelium allezeit wacker, d. h. wachsam sein, in Erwartung seiner Zukunft wachen, wenn nicht Liebe uns dazu treibt! Nur diese Liebe kann uns über das erheben, was uns einzuschläfern droht. Solcher Dinge gibt es so viele, dass ein starkes Gegengewicht von göttlicher Liebe nötig ist, um die Weltliebe aufzuwägen. Vor wie Vielem muss JEsus warnen, als vor Hindernissen einer rechten Bereitschaft, Ihn zu empfangen! Fressen, Saufen, Sorgen der Nahrung, Alles, was den Geist beschwert mit eitlen, irdischen Gedanken, selbst Erlaubtes, aber von Gottes Licht nicht Durchdrungenes, z. B. Freien, Sichfreienlassen, Kaufen, Verkaufen, Pflanzen, Bauen, das Alles kann die Seele einschlafen: und gegen JEsum und sein Reich gleichgültig machen. Und wie große Macht übt die Menschenfurcht und Menschengefälligkeit über die Herzen aus! Wie Mancher hat schon eines elenden Spottes wegen seinen Glauben verleugnet, wie Mancher fürchtet sich, es mit den Brüdern zu halten, und bleibt so schwach im Geistlichen, da ja nur Gemeinschaft stark macht! Wie Mancher dient dem Mammon mehr als dem Heiland, oder hat in fleischlicher Lust sich an Kreaturen verkauft! Solche Seelen können der Zukunft des HErrn nur mit Schrecken entgegengehen. Wer aber JEsum herzlich liebt, weil er in Ihm sein einziges Heil gefunden hat, der sehnt sich, Ihn zu sehen, und lässt sich in der Freude der Erwartung gerne auch das gefallen, was seiner Erscheinung Bitteres und Schweres vorangeht.  
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-Aber solche Liebe zu JEsu kann nicht sein ohne wahre Bruderliebe. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er den HErrn lieben, den er nicht sieht, und wie kann er dem HErrn entgegengehen, dessen erstes Gebot das ist, dass wir uns unter einander lieben sollen, wie Er uns geliebt hat. Deswegen wünscht der Apostel in unserem Texte, dass wir doch einerlei gesinnt seien unter einander nach JEsu Christo, d.h. in der Liebe, womit Er uns geliebt hat, und dass wir einmütig mit Einem Munde Gott loben. 
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-Nie ist festes Zusammenhalten der Gläubigen nötiger, als in der letzten Zeit. Nur gemeinschaftliche Kraft ist stark. Wer außer der Gemeinschaft der Gläubigen steht, der kann viel christliche Erkenntnis und christliche Gesinnung haben, aber wenn er um Christi willen etwas leiden, etwas verleugnen und überwinden soll, so fehlt es meistens an Mut und Kraft, ja selbst die Erkenntnis in geistlichen Dingen ist desto richtiger, je inniger wir mit den Brüdern verbunden sind. Besonders die Erkenntnis der Irrtümer und Irrlehren und Irrwege wird in der Gemeinschaft mit Andern viel leichter, als wenn wir allein stehen. 
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-Deswegen sollte unser Hauptbestreben darauf gerichtet sein, die Gemeinschaft der Heiligen immer mehr zu befestigen und zu erweitern, dass alle Kinder Gottes einerlei gesinnt wären in den Grundwahrheiten unseres allerheiligsten Glaubens, in Nebensachen aber das Gebot unserer Epistel befolgten, in deren ganzem Zusammenhang Paulus ermahnt, entgegenstehende Ansichten mit Geduld zu behandeln, der Schwachen Gebrechlichkeit zu tragen und nicht Gefallen an uns selber zu haben. Jeder soll sich so stellen, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung nach dem hohen Vorbild Christi. Nur in solcher Liebesgemeinschaft sind die Kinder Gottes stark gegen den gemeinschaftlichen Feind, vor dessen Unchristentum ja doch alle Unterschiede des ernstlichen Christentums als unbedeutend erscheinen. 
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-Wie schrecklich es aber geht, wenn Einer dem Zank und Streit sich überlässt, sagt der Heiland Matth.  24: „Wenn der böse Knecht wird sagen in seinem Herzen: mein HErr kommt noch lange nicht, und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, so wird der HErr kommen zu der Stunde, die er nicht meinet, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern, da wird sein Heulen und Zähneklappern.“ O, wie sollte dieses Wort des HErrn uns zu ausharrender Liebe treiben und zu einer Geduld, die auch die Schwachheiten und Fehler trägt, verzeiht und nur im Stillen an deren Besserung arbeitet. Führt ja doch unser Text unsern Blick noch weiter hinaus auf das allgemeine Erbarmen Gottes, wonach Er will, dass Allen geholfen werde. Paulus sagt: „Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen.“ Damit will er den Heidenchristen zeigen, welcher Liebe die Juden wert seiend weil Christus sich zu ihrem Diener gemacht habe, um die alten Verheißungen des Bundesvolkes zur Erfüllung zu bringen. Dies ist jetzt noch nicht geschehen. Denn der größte Teil Israels ist der Verheißung des Messias nicht teilhaftig geworden. Aber in dem Brief unseres Textes (Kap. 11, 25.) sagt Paulus: „Blindheit ist Israel einestheils wiederfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, und also das ganze Israel selig werde, wie geschrieben steht: es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen in Jakob.“ Wie Paulus hier eine Stelle des A. T. (Jes. 59, 20.) als noch nicht erfüllt betrachtet, ungeachtet der ganze Lauf Christi vollendet war, so sind gar viele andere Stellen des A. T. noch nicht erfüllt und wir warten noch dessen, der kommen soll, sie zu erfüllen. Er wird kommen in seiner zweiten Zukunft. Da wird nach Sach. 12 „das Volk der Juden Ihn sehen, welchen ihre Väter zerstochen haben, und wenn sie aus seiner Zukunft Ihn als Messias erkannt haben, dann werden sie Ihn klagen, wie man klaget ein einiges Kind, und werden sich um ihre Sünde an Ihm betrüben, wie man sich betrübet um ein erstes Kind.“ Da wird die große Bekehrung der Juden im Königreich ihres Messias angehen, in Folge welcher nach Röm. 11, 26 ganz Israel, auf der Erde noch, zur Erkenntnis und zum Licht gelangen wird. 
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-Und in Folge der Bekehrung Israels werden dann, durch Israels Beispiel und Predigt angelockt, die Heiden in Masse sich bekehren, und so werden erst die Verheißungen erfüllt, deren unser Text vier aufführt, wonach noch alle Heiden Gott loben, also als Christen des Heils Gottes teilhaftig werden sollen. In gar vielen Stellen des A. B. ist die Verheißung gegeben, dass noch alle Heiden bekehrt werden sollen. Das wird im tausendjährigen Reich geschehen, die bekehrten Israeliten werden dabei besonders mitwirken, und es wird erfüllt werden, was der HErr Jes. 45 sagt: „Wendet euch zu mir, so weidet ihr selig, aller Welt Ende, denn Ich bin Gott und Keiner mehr. Ich schwöre bei mir selbst und ein Wort der Gerechtigkeit gehet aus meinem Munde, da soll es bei bleiben, nämlich: Mir sollen sich alle Kniee beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Solche werden auch zu Ihm kommen, aber Alle, die Ihm widerstehen, müssen zu Schanden werden. Denn im HErrn werden gerecht aller Same Israels und sich seiner rühmen.“ 
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-Auf diese große Wiederbringung der Nationen, da alle auf Erden Christo als ihrem König dienen und Ein Hirte und Eine Herde ist, darauf blickt Paulus in unserem Text hinaus und aus dieser allgemeinen Annahme aller Völker durch das Erbarmen Gottes leitet er die Pflicht der Liebe ab, der brüderlichen und der allgemeinen Menschenliebe. Wie kannst du den hassen oder verachten, der vielleicht morgen dein Bruder ist! So sollten wir über die Welt denken, nicht sie wegwerfen, über sie nur schimpfen und klagen, sondern durch Liebe unser Licht leuchten lassen und als Priester Gottes die Welt auf dem Herzen tragen, und nach 1. Tim. 2 vor allen Dingen zuerst tun Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung **für alle Menschen**. Durch solche Gebete und durch einen ihnen gemäßen Wandel können wir in der letzten Zeit nach als Mitarbeiter Gottes (1. Kor. 3, 9.) zur Ausführung seiner großen Absichten helfen, wozu ein Knecht Gottes uns mit den Worten ermahnt: Wenn die, die beten können, mehr beteten, so würden mehr Menschen selig. 
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-Stehen wir so in rechter Liebe und lebendigem Glauben, so werden wir als kluge Jungfrauen das Öl des Geistes allezeit in unsern Lampen haben, dass, wenn der HErr kommt, Er uns wachend finde und aufnehmen könne in sein Freudenreich. 
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-Wann Er kommen wird, wissen wir nicht. Und wenn wir auch seine große Zukunft nicht erleben sollten, so ist der Tod, der uns jeden Tag und jede Stunde überraschen kann, er ist für den Einzelnen, was Christi Zukunft für das Ganze. Ein Schüler fragte einmal seinen Lehrer: „Meister, wie lange darf ich noch sündigen?“ Der Lehrer antwortete: „so lange du willst, nur bekehre dich Einen Tag vor deinem Tode.“ Freudig ging der Schüler hinweg, aber aus einmal kehrte er wieder um und fragte: „und wann werde ich sterben?“ Da sagte der Lehrer: „das weiß ich dir nicht zu sagen, und darum ist kein anderer Rat, als dass du heute noch anfangest, dich zu bekehren.“ 
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-O liebe Seelen! prüfe sich doch ein Jedes von uns, wie es dem Tag Christi entgegengehe. Es ist gewiss nicht umsonst, dass JEsus und seine Apostel so oft von seiner Zukunft reden und so ernstlich ermahnen, dass wir doch recht wachen und beten, dass unsere Herzen doch ja nicht beschwert werden mit irdischen Dingen, Lüsten des Fleisches, Fressen, Saufen, Sorgen der Nahrung, da dann der große Tag Christi wie ein verderblicher Fallstrick über uns käme. Deswegen ist es nötig, dass wir recht oft, ja ich möchte sagen täglich, die Frage an uns machen: Wie wäre dir's, wenn der HErr heute käme, wenn Er jetzt majestätisch hier hereinträte in unsere Mitte und seine feuerflammenden Augen hereinleuchteten in alle unsere Werke, Pläne, Wünsche und Gedanken? Würde dir's da vielleicht auch gehen, wie dem Dieb, der gestohlene Sachen bei sich trägt und der beim Anblick der Polizei Alles in den verborgensten Winkel wegzuwerfen wünscht! Hättest du keine solche Dinge in deinem Leben, in deinem Herzen, die du vor den Augen JEsu nicht sehen lassen könntest, ohne zu zittern und zu beben! O wie erscheint so Vieles uns in so ganz anderem Lichte, wenn wir uns damit in die Gegenwart JEsu hineinversetzen. Wie erschrecken wir da über Gedanken, Worte und Werte, die uns vielleicht kein Mensch vorwerfen kann, über die aber aus seinem Mund ein gewaltiges „Ich habe wider dich“ uns trifft. O, wir haben keinen Begriff davon, was es sein muss, Ihn zu sehen. Als Johannes, der doch an seiner Brust gelegen war, Ihn später in seiner himmlischen Herrlichkeit sah, da fiel er ohnmächtig und wie tot auf den Boden. So gewaltig und so heilig ist seine Majestät. Wenn es einem heiligen Apostel so ging, wie werden wir den Anblick seiner Herrlichkeit vertragen können! Wenn alle Geschlechter der Erde darüber heulen und zittern, wie wird's uns dabei sein! Wohin wollen wir dann uns verkriechen mit so vielem Fleischlichen, das wir immer noch an uns haben, wohin mit dem trägen Glauben, mit dem schläfrigen Gewohnheits-Christentum, wohin mit so Vielem, was gegen die Liebe ist und gegen den Willen Gottes und Geist JEsu! 
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-Ach, Geliebte! so wenig alles dieses Ungöttliche an uns den großen Advent JEsu vertragen kann, so wenig sollte es heute schon die, wenn gleich unsichtbare, aber doch eben so gewisse Gegenwart JEsu vertragen können. Er sieht und hört alle unsere Gänge, unsere Worte und Gedanken. Wie muss das uns bei aller Liebe doch auch mit heiliger Scheu und Ehrfurcht vor Ihm erfüllen, dass wir es doch ja nicht zu leicht nehmen, als ob durch die Gnade immer wieder Alles gut gemacht würde. Wer auf das hin es mit der Sünde nicht genau nimmt, der gleicht dem Knecht, von dem wir vorhin gehört haben, dass er, da er's am wenigsten glaubt, überrascht werde von der Zukunft des HErrn und seinen Schreckenslohn bekomme mit den Heuchlern. O, wer wollte so dein zweiten Advent Christi entgegengehen! Nein, wir wollen wachen und beten, dass der HErr bei seiner Zukunft uns als die Seinen erkennen kann. Wir wissen nicht, wann Er kommt; aber wir sollen, wie eine Braut auf ihren Bräutigam, allezeit auf Ihn warten, nie sagen: Er kommt noch lange nicht, aber auch nicht, um indes schlafen zu können, fürwitzig sagen: Er kommt in diesem oder in jenem Jahr. Er hat das seiner Macht vorbehalten, damit wir allezeit warten und wachen, und wahr ist, was Hiller sagt: 
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-Wenn Jemand tausend Jahre wachte \\ 
-Und Er kam' erst im letzten an. \\ 
-So wär's, obgleich der Spötter lachte. \\ 
-Doch klug und nicht umsonst getan. \\ 
-Und wer nicht an dem Tage wacht, \\ 
-Der schläft gewiss auch bei der Nacht.  
- 
-Darum bitten wir: 
- 
-HErr, mache Du mich alle Tage \\ 
-Auf alle Stunden recht bereit, \\ 
-Dass ich mein Öl stets bei mir trage \\ 
-Und sei zum Brauttag angekleid't.\\ 
-Wenn Du schon kommst, so ist der Rat, \\ 
-Sich erst zu rüsten, allzuspat. 
- 
-Ach, mache das Gefäß der Seele \\ 
-Mit einem Glaubensvorrat voll. \\ 
-Damit mir's in der Zeit nicht fehle, \\ 
-Wenn ich entgegengehen soll. \\ 
-So schließ'st Du mich vom Hochzeithaus \\ 
-Nicht in der letzten Stunde aus.  
- 
-Amen. 
- 
-{{tag> 2_Advent}} 
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-======Knapp, Albert - Predigt am zweiten Advents-Sonntage====== 
- 
-Text: Römer 15, 1 - 13.\\ 
-**Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein Jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an Ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben steht: die Schmach derer, die Dich schmähen, sind über mich gefallen, Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander nach Jesu Christi, auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi, Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben, um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: darum will ich Dich loben unter den Heiden und Deinem Namen singen. Und abermals spricht er: freut euch, ihr Heiden, mit Seinem Volk. Und abermals: lobet den Herrn alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaia: es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf Den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des Heiligen Geistes.** 
- 
-„Ein Herz und eine Seele.“ - Das war die Grundbeschaffenheit der ersten Christengemeinde, da noch die Gnade Jesu Christi durch die Kraft des Heiligen Geistes allseitig in ihr waltete, und Gott der Vater als ein Gott des Trostes, der Geduld und Hoffnung sie mit dem Leben Seiner Liebe durchdrang. - Ein Herz und eine Seele. So geziemt es der Gemeinde Dessen, der die feierlichste und heißeste Bitte Seines Herzens vor Seinem Opfertode dahin richtete: dass sie Alle Eines sein, wie Er mit dem Vater Eines ist, ja, der auch insonderheit darum zum Tode ging, dass Er die zerstreuten Kinder Gottes zusammenbrächte. Ein Herz und eine Seele. Durch diese heilige Verschwisterung allein erfüllt die Menge der Gläubigen ihre erhabene Bestimmung: ein Tempel Gottes zu sein, der auf dem köstlichen Grundstein Christus steht, und sich aus lebendigem Gestein erbaut, - und ein geistlicher Leib, der von Christo, als dem gesalbten Haupte regiert, beseelt und, umfasst von dem Frieden Gottes, im Wachstum und in kräftiger Gesundheit zum vollkommenen Maße gefördert wird. Ja, ein Herz und eine Seele. So sollten wir als Christen sein und könnten es werden, wenn wir allesamt an Christum, den Heiland, Seines Leibes, uns im Glauben übergaben; und wir sind nicht vollkommen, haben den Werth unserer gemeinsamen Berufung und die Herrlichkeit des Reiches Gottes nicht erfasst, sind keine vollkräftigen Bürger desselben, sondern kränkeln an allerlei selbstsüchtigem Siechtum, wenn wir nicht ohne Falsch nach jener seligen Einigkeit im Geiste trachten, von welcher schon das Alte Testament bezeugt: siehe, wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen! - Denn daselbst verheißet der Herr Segen und Leben immer und ewiglich. 
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-Weil aber auch bei gläubig gewordenen Seelen die Selbstsucht und Eigenliebe stets wieder das vorhergeführte Regiment zu gewinnen sucht, und sie leider auch nur allzu häufig gewinnt, so würde schon zur apostolischen Zeit jenes heilige Friedensband oft in den Gemeinden zerrissen, eben damit aber das freudige Wachstum der einzelnen Seelen gehemmt und nicht selten ertötet. Die Apostel hatten beständige Mühe, vor die mannigfaltigen Risse der Eintracht zu stehen, welche durch selbstsüchtige Missverständnisse hin und wieder entstanden, und nur selten gelang es ihnen im Verlauf ihres Amtes, dass eine Gemeinde einträchtig und mit einem Munde Gott lobte, den Vater unsers Herrn Jesu Christi.  Bald waren es ungeistliche Streitfragen, bald Sünden des Fleisches, bald ein übergeistliches Leben, was störend zwischen die gläubigen Seelen trat, und solcherlei Wunden wurden viel schwerer gründlich ausgeheilt, als leichtsinnig geschlagen. Seit jenen Zeiten hat der Feind, während die Leute schliefen kein giftigeres, weitergreifendes Unkraut ausgesät, als das des Unfriedens und der Entzweiung, weil er aus alter Erfahrung weiß, dass er über zertrennte Geister den Sieg am leichtesten gewinnt. Daher bietet auch die heutige Christenheit nicht das holdselige Bild liebreicher Einigkeit, sondern das der Zerrissenheit, wobei die meisten Seelen durchaus kalt und fremd an einander vorübergehen, und selbst unter den Gläubigen zeigt sich nur selten jene in Geist und Herz wurzelnde harmlose Vertraulichkeit, die sich mit vereinigten Kräften und Trieben zum Himmel erbaut. 
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-Wie diesem Elend abzuhelfen sei, darüber spricht Paulus hier ausführlich zu der ihm befreundeten römischen Gemeinde, und nach seinem Worte betrachten wir nun: 
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-Was ist bei unsern heutigen Christen vornämlich abzutun, wenn sie in Christo ein Herz und eine Seele werden wollen? 
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-Wir reden diesmal nicht besonders von dem Werte und von der Notwendigkeit der Geistesgemeinschaft in Christo Jesu, nicht davon, dass ein Christ ohne dieselbe nimmermehr wird und werden kann, was er in Christo werden soll; nicht davon, welche Schuldenlast sich Diejenigen aufladen, die, gegen das Hauptgebot des Erlösers, vereinzelt und getrennt von andern Kindern Gottes dahingehen, und sich dennoch ihres Christentums getrösten, während Johannes schreibt: Wir wissen, dass wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Auch davon reden wir nicht, dass uns in der Gottheit Jesu Christi, im Blute der Versöhnung, in den Gaben des Heiligen Geistes und in unserer gemeinsamen Berufung zum Reiche Gottes ein heller Mittelpunkt zur Vereinigung unserer Seelen gegeben ist, und dass alle übrige Rücksichten vor diesem Einen, was Not tut, gleich Nebeln vor der Sonne verschwinden. Wir setzen das heute voraus, so Viele von Euch ein Ohr für das haben, was der Geist den Gemeinden sagt. Nein, lasst uns einmal einige Haupthindernisse der Geisteseintracht nach unserem Texte betrachten. 
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-=====I.===== 
-Als das erste Hindernis erscheint hier das Vertrauen auf eigene Kraft, möge man dieselbe nun in geistiger Anlage und Bildung, oder in äußerem Wohlstand und Ansehen suchen. Der Apostel redet zwar nur von geistlicher Christenkraft. Man muss aber unsern jetzigen Christen sagen, dass sie sich ihrer natürlichen Kräfte nicht überheben sollen. Sehr leicht geschieht es nämlich, um nur ein Beispiel zu bezeichnen, dem talentvolleren, gebildeteren Christen, dass er über Minderbegabte, mindergebildete Kinder Gottes mit eigengefälligem Aug' und selbstgenügsamem Sinne hinwegblickt, und bei diesem Gefallen an sich selber einen gar engen Kreis näherer Liebe und Gemeinschaft um sich her zieht. Oft bemisst er nur allzu schnell seine christliche Befreundung nach dem Talent, nach der Einstimmung in die jeweiligen feineren Ansichten dieser Welt, nach einer geistreichen, anmutigen Unterhaltung über Dinge, die nur ihm, aber Andern nicht wichtig sind, und geht darüber zuletzt an minder nach seinem Zeitgeschmacke geformten Kindern Gottes, welche doch oft im Kerne weit tüchtiger und reifer für den Himmel sind, halb wegwerfend, halb freundlich, vor Gott aber, wenn man das Kind mit dem rechten Namen nennen will, als ein hochmütiger Tor vorüber. Denn er misst die Geister, die Gott erzieht, nach seiner Staubesbildung, und nicht nach dem Wort und Geistesgesetz des Herrn. Wie schnell verwirft oft ein solcher überbildeter Christ die Irrtümer Derer, die ihm unter dem Maße seiner Bildung zu stehen scheinen! Wie leicht lässt er sich von einer Einseitigkeit derselben zurückstoßen! Wie kurz und lieblos fertigt er sie manchmal ab, wenn sie Rat und geistliehe Handreichung von ihm begehren! Denn er verlässt sich auf seine Kraft, und denket, ein Starker zu sein. - Ist Solches recht vor Gott? - O Jesu! an Deine Brust legen sich die Armen und Hilflosen, die den Weg der ewigen Weisheit ohne Dich nicht erkennen! Du hast unsern Werth nicht nach Bildung und Gelehrsamkeit, sondern nach Deinem Opfer und unserer Sehnsucht nach Dir gemessen. An Dein Herz lege sich unser Herz mit tausend andern verwundeten Herzen, der Du nicht mit den Gebildeten Jerusalems, nicht mit den Pharisäern und Schriftgelehrten Deiner Zeit, sondern mit Zöllnern und Sündern, welche Dir zuhörten, gegessen und gewandelt hast! Mit Denen, die also, wie die längst verstorbenen Sünder und Zöllner, auf Dich geschaut und sich untereinander geliebt haben, als Dein Geist ohne Ansehen der Person auf sie ausgegossen ward, mit ihnen, und nicht mit den stolzen Weltchristen sei dermaleinst unser Name vor Dir erfunden! Denn Du bist ein Herr der Herzen, und nicht der Titel, nicht der Weltansichten und Erdenbildungen; - vor Dir und Deinem Vater gilt nichts als eine neue Kreatur, die nach Dir und Deinem lauteren Worte gebildet ist! 
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-Teure Zuhörer! Es liegt noch viel Sauerteig in unserem heutigen Christenleben, viel heillose Vornehmigkeit, viel hoffärtige Überbildung, viel selbstgenügsame Abgeschlossenheit, die Christo ein Eckel ist. Man kann vielen, in andern Beziehungen oft annehmlichen Christen das Christentum nicht fein und zierlich genug vorstellen. Vor dem Kreuze des blutenden Jesus, der ein Fluch für uns wurde, wollen sie lauter goldene Äpfel in silbernen Schalen aufgestellt haben, sonst geben sie sich nicht zufrieden, und schelten auf Die, welche, vorübergehend an ihren Goldäpfeln, nur einfach fragen: wo ist das Blut Jesu Christi, das uns rein macht von unsern Sünden? Sie wollen vornehme Christen in der Welt sein, und den Ehebruch der Welt mit der Hochzeitfreude Jesu vereinigen. Wenn ihnen aber das Reich Gottes in unscheinbarer Gestalt des Kreuzes, der Geistesarmut, des Entsagens, in der Hülle der Geringsten Christi entgegentritt: dann fahren sie schnell darüber hin, werden oft unversehens eiskalt und herbe, und finden keine Anknüpfungspunkte zur Liebe und Geisteseinigkeit, wo es deren so viele gäbe. Daher haben wir, im irdischen Sinne dieses Wortes, so viele vornehme, überstarke Christen, die sich in ihrem Reichtum, in ihrem Amt und übrigen Ansehen, in ihren Talenten und Kenntnissen, in ihrer Bildung und Weltehrbarkeit so weit und hochmütig von der armen Heerde Christi entfernt halten, ihr wenig helfen und nütze sind, und einen Unterschied, - ich möchte sagen: einen heidnischen Kastengeist unterhalten, der vor Christo ein Gräuel ist, sintemal bei Ihm geschrieben steht: Alles und in Allen Christus. (Col. 3, 11.) 
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-Dieß Alles kommt bloß von der Weltliebe und Selbstgefälligkeit her, und wird am Tage der Offenbarung wie Schnee vor der Sonne zerfließen. O wie schlecht wird das vornehme Christentum vor den Flammen des Richterthrones sich ausnehmen, vor welchem die Nationen „wie Heuschrecken sind, und wo Jeglicher gerichtet wird nach seinen verborgenen Herzensgedanken!“ 
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-Paulus ermahnt uns in der Gnadenzeit: „**Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen haben an uns selbst. Es stelle sich aber ein Jeglicher also, dass er seinem Nächsten gefalle zur Besserung. Denn Christus hatte auch nicht Gefallen an sich selbst, sondern es steht geschrieben von Ihm: die Schmähungen derer, die mich schmähen, sind auf mich gefallen.**“ - In welchen rohen Umgebungen, in welchen herzangreifenden Volkskreisen hat sich der Heiland um unsertwillen bewegt! Wie vielfach und wie lange ist Er mit armen, sündigen, oft wenig gelehrigen Seelen demütig umgegangen, um sie für Sein ewiges Reich zu gewinnen, und hat darüber bloß Hohn und Lästerungen der Welt zum Lohn gehabt! Er, der die Geheimnisse Gottes und alle Schätze der Weisheit im Busen trug, und den Armen das Evangelium predigte, hat sich nicht darum zu Barrabas Seite, zum schmähenden Geschrei des blinden Weltvolks und zur Kreuzesschmach Golgathas erniedriget, dass wir nun vor Seinem Kreuze uns mit irdischen Kraftäußerungen und Bildungsirrwischen brüsten, und darüber gegen Sein echtes Volk vornehm tun, - sondern dass wir im Geschwistergeiste mit Allen zusammenfließen, die irgend in Ihm sind, und ihnen mit demütiger, mitleidiger, geduldiger Liebe Handreichung tun zum ewigen Leben, - dorthin, wo mancher Taglöhner einen Gelehrten richten wird. Denn wie mancher hienieden unscheinbare Christ hat einen heiligeren Lebenskern in sich, als hundert Gebildete! An diesem Kern aber, auf welchen Gottes Ange sieht, geht derjenige vorüber, der zunächst auf schöne Formen und Ausdrücke sieht. Verachten wir diejenigen, welche sagen: „das Kleid macht den Mann,“ so lasst uns noch vielmehr auch denjenigen Sinn durch Gottes Gnade verwerfen, der das ächte Christentum mit dem Maßstabe der zeitlichen Bildung misst. Denn Talent und Bildung sind lediglich das Kleid eines Geistes, nicht er selbst; sie gehören nicht zu dem Innern des Herzens, welches der Herr ansieht. Lasst uns an Höheren und Geringeren stets Das genauer ansehen, was Er, der Heilige, würdiget, das Herz und die Herzensliebe zu Ihm: dann werden wir mit unserem Fünklein Christentums nicht nach dem Ansehen der Person richten, unser Wissen und Wirken nicht elendig erheben, - nein, dann werden die Unterscheidungen der Welt wegfallen, und es wird ein seliger Schritt zur Einigkeit auch mit den geringsten Christen getan werden, wobei es heißt: 
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-Herz und Herz vereint zusammen,\\ 
-Sucht in Gottes Herzen Ruh;\\ 
-Lasst eure Liebesflammen\\ 
-Lodern auf den Heiland zu! 
- 
-=====II.=====  
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-Es gibt jedoch eine weitere Hemmung der Geistesgemeinschaft, ein Hindernis, das nicht sowohl auf überschätzter Naturkraft, als auf Überschätzung des Gnadenstandes und des geistlichen Alters besteht. In den Reichen dieser Welt gehen gewöhnlich die Älteren den Jüngeren im Amte vor; nicht so im Reiche Gottes. Es kann aber einem Christen, der Jahrzehnte in den Wegen des Herrn gelaufen ist, leicht beigehen, dass er auf jüngere Christen heimlich herabsieht und eine Vormundschaft über dieselben sich anmaßt. So blickte einst der ältere Bruder den verlorenen, wiedergewonnenen Bruder an; so rechneten jene Arbeiter, welche den ganzen Tag im Weinberge gearbeitet hatten, gegen die später Berufenen, und murrten darüber, dass diese den gleichen Lohn empfangen sollten. Es mag, weil ein Mensch selten von Einseitigkeit frei ist, leichtlich geschehen, dass solche ältere Christen ihre Denkweise und Glaubensform für die allein ächte halten, und mit einer argwöhnischen Verschlossenheit, wenigstens mit Gleichgültigkeit jüngere Kinder Gottes behandeln, die vielleicht in freieren Formen erwachsen sind, und ebendarum sich in äußeren Beziehungen selbstständiger bewegen. Dadurch geschieht der heiligsten Aufgabe: „ein Herz und eine Seele,“ unendlich viel Abbruch, und das Wörtlein: „ich kann nicht!“ wird gar vielfach angewandt, wo die beleidigte Eigenliebe sich beugen und sagen sollte: „ich will nicht!“ - So war es einst bei vielen Judenchristen gegenüber von den Heidenchristen, wie Paulus dieses in unserem Text andeutet. Die ersteren meinten, als ursprüngliche Glieder des Volkes Gottes, meist einen Vorzug vor den letzteren zu haben, und wollten ihnen sehr oft die engeren Formen des mosaischen Zeremonialgesetzes aufnötigen. Paulus aber verbietet dieses nach der weitherzigen Freiheit, die in Christo ist, und bezeugt es, dass dem älter berufenen Juden kein Recht zustehe, sich über den später erleuchteten Heidenchristen zu erheben. „Jesus Christus - sagt er - war ein Diener der Beschneidung, nämlich des Volks Israel, um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, - damit die seinen Erzvätern gegebene Verheißung des Messias allernächst an ihm bestätigt würde;“ daher gründet sich der Glaube der älteren Judenchristen auf die freie, seinen Urvätern verliehene Verheißung. Der Glaube der Heidenchristen aber entsprosst aus der freien Barmherzigkeit Gottes, welcher sie zwar später, aber auch nach Verheißungen des alten Bundes, zur Gemeinde des neuen Bundes berief, und ihnen, gleich den Christen aus Israel, die gleichen Rechte des ewigen Testamentes verlieh. Daher - will Paulus sagen - haben die Christen Israels und der Heidenwelt einander lediglich nichts vorzuwerfen und, keinerlei Grund zur Entzweiung, denn sie leben ja Beide von der freien Barmherzigkeit; - beides, die dem Abraham gegebene ältere Verheißung, und die neuere Berufung der Heiden, ist lautere Barmherzigkeit von dem Gott, welchem Niemand etwas zuvor gegeben hat, dass es ihm müsste vergolten werden. - So lebet denn, - sagt der Apostel, - in einem Geiste und mit einerlei Bekenntnis von dieser Erbarmensfülle, und lobet einmütig und mit einem Munde Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi! - 
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-Das ist uns Allen gesagt, so Viele von uns Christum erkennen, sei dieses nun seit Jahren oder seit gestern der Fall. Barmherzigkeit ist der Grund unseres neuen Lebens, sein wir nun in der Taufgnade erwachsen oder erst später aus schweren Verirrungen dem Erzhirten zugeführt. Auf diesem Grunde blühet die wahre Einigkeit im Geiste, sonst nirgends. - Alter, erfahrener Christ! vergegenwärtige dir fleißig die Zeit, da Christus unter Bußtränen eine Gestalt in dir gewann; vergiss nicht die Jahre, darin das göttliche Erbarmen dich Tag für Tag mit zahllosen Schwächen deiner Seele getragen hat! Lebst du täglich von der lauteren Gnadenquelle des Herrn: nun ja, so siehe nicht als Judenchrist die nachgeborenen Kinder Gottes gleich Heidenchristen missliebig an, sondern freu dich, dass auch sie dem Herrn geboren sind, wie der Thau aus der Morgenröte! Verachte keins unter ihnen ob seinen Schwachheiten, sondern bedenke stets, wie Jesus Christus, der König der Ewigkeit, dich trägt. In Vergleichung mit Ihm, dem Erstgeborenen, bist du doch jedenfalls eine unzeitige Geburt, und wie wohl kommt dir's, wenn Er, der Heilige, Sein großes Herz dir erschließt, wenn von Seinem Gnadenthrone dir freie Huld und Barmherzigkeit herabfließt! Glaubest du nicht, du werdest Ihm umso ähnlicher und werter sein, je zärter und demütiger du auch den jüngeren Erlösten dein Herz eröffnest, je geduldiger du ihre Schwachheiten erträgst, je leutseliger sie von dir sich angefasst sehen? Denkest du nicht, ein harmloses, kindliches Zusammenfließen mit ihnen werde dem Heilande, - der einst den fragenden Jüngling sogleich ansah und liebte,  teurer sein, als wenn du auf selbsterwählte Höhen ferne von ihnen trittst, und dein geistliches Gewand mit einem Flittersaume des Papsttums verbrämst? Siehe auf Jesum, der auch den glimmenden Docht nicht ausgelöscht, das zerstoßene Rohr nicht zerbrochen hat. O wie viel barmherzige Liebe gegen die Ärmsten liegt in diesem Worte! - 
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-Du aber, jüngerer Christ, dessen Geistesgeburt vielleicht in freieren Formen geschah, verachte darum nicht die älteren Jünger des Herrn, und blase dich nicht auf als ein Neuling, der oft einen phantastischen Einfall, wenn er glänzt, über die schmucklose, aber tiefere Erfahrung der bewährten Christen erhebt, und manchmal von einem Anbau ans Allerheiligste des Tempels träumet, während er im Vorhofe noch nicht gründlich daheim ist! Lebe mit den älteren Christen in bescheidener Liebe, weislich und ehrerbietig, und schlage deinen Most nicht voreilig höher an, als den alten Wein, von welchem Christus sagt: „er ist milder.“ Bedenke das Wort, „dass bei den Alten Weisheit ist;“ auch befolge den göttlichen Befehl: „vor einem grauen, - namentlich im Dienste des Herrn ergrauten - Haupte sollst du aufstehen!“ - Ja, wenn der ältere Christ sich als ein Kind erniedriget, und der jüngere Christ bescheiden von den Älteren als von Männern zu lernen begehrt, dann werden sich Beide desto leichter vereinigen zur einmütigen, brünstigen Liebe in Christo Jesu, der als dreißigjähriger Mann den Alten und Jungen auf Erden gepredigt hat, ohne zu fragen, wie alt ein Mensch hienieden war; - wer will aber nun Seines Lebens Länge ausreden? 
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-=====III.=====  
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-Nicht weniger jedoch, als das bisherige Hindernis, steht bei manchen Christen die allzu große Freiheit in den Mitteldingen, in zweifelhaften Lebensgenüssen, der Geisteseintracht entgegen. Paulus redet hierüber weitläufiger zu der Römergemeinde, und zwar nach den damaligen Umständen über den Gebrauch, Opferfleisch von heidnischen Altären zu essen, worüber sich strengere Christen, die eine gänzliche Absonderung vom heidnischen Wesen verlangten, ärgerten. Wie viel solches Opferfleisches - um im Bilde zu reden - wird von unsern heutigen Christen zum Ärgernis ihrer Brüder gegessen! Der Apostel aber schreibt selbst von gleichgiltigen Dingen: ich habe es Alles Macht, aber es frommet nicht Alles; ich habe es Alles Macht, aber es bessert nicht Alles. (1. Kor. 10, 23.) Ist es die Aufgabe der Christen, sich also zu benehmen, dass Jeglicher dem Andern gefalle zur Besserung, so haben wir auch in Absicht auf irdische Vergnügungen, Gebräuche und Gesellschaften alles Dasjenige mit keuschem Ernste zu vermeiden, was ernsteren, wenn auch im einzelnen Fall engeren Seelen zur Entfremdung oder gar zum Anstoß gereichen kann. Sehr oft wird in diesen Beziehungen das Vertrauen und die Liebe gekränkt; vielfach kommen dadurch mancherlei Seelen weit auseinander, die sich zum ewigen Segen umfassen könnten, wenn der eine Teil sich demütiger Dessen enthielte, was seinen Genossen als ungöttlich, als zu starke Hingebung an das Wesen dieser Welt erscheint. Wir können hierbei, ohne auf das Einzelne näher einzugehen, dasjenige, was der Gemeinde an ihren Seelsorgern missfallen würde, wofern sie es trieben, auch bei Laien für ungeistlich und ungöttlich erklären, weil kein Grund gedacht werden kann, warum es für Geistliche und Zuhörer ein besonderes Christentum geben soll. Noch schärfer wird jedoch die Grenze zu ziehen sein, wenn wir bei der reiferen Jugend und bei den Erwachsenen solcherlei Dinge erwägen, die uns am Bilde Jesu Christi und Seiner Apostel als eine Befleckung erscheinen würden. Sind wir nicht allesamt berufen, gesinnt zu sein, wie Jesus Christus auch war? Ist Gottes erlöstem Volke nicht die Freiheit erworben, in dieser Welt zu sein, wie Christus war? Sollte es eine unnatürliche Aufgabe für Diejenigen sein, die Er vom eitlen Wandel nach väterlicher Weise befreien wollte, wenn ihnen zugerufen wird: verkündiget als ein priesterliches Geschlecht, als ein Volk des Eigentums die Tugenden Dessen, Der euch aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Lichte berufen hat? O nein, es gibt, streng genommen, keine Mitteldinge, die der weltliche Sinn immer so scharf in Schutz zu nehmen pflegt! Menschenfurcht, Menschengefälligkeit und heimliche Eitelkeit begründen jene verdächtige Vermengung christlicher Reinheit mit jenem zweideutigen Zwittergeschöpf, das man mit dem Namen von Mitteldingen zu bezeichnen für gut gefunden hat. Schafft, wie uns geboten ist, jeglicher Christ seine Seligkeit „mit Furcht und Zittern,“, sucht jedes erlöste Herz dasjenige, was es immer tut, im Namen Jesu zu tun: dann wird jener gefährliche Freibrief für Weltvergnügungen, wo Freude und Sünde, Licht und Finsternis so nahe aneinander grenzen, zerrissen werden; - denn wie stimmet Christus mit Belial und das Licht mit der Finsternis? Es wäre traurig, wenn der Tempel Christi so nah an die Götzenhäuser Baals angebaut wäre, - da wir doch aus den jenseitigen Schicksalen wissen können (Luc. 16), dass zwischen beiden eine unübersteigliche Kluft befestigt ist. 
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-Nein, Geliebte, wahre Einigkeit im Geiste kann nur bestehen, wenn Jeglicher in seinem Teile streng vermeidet, was andere Herzen befremden und ihr Vertrauen lähmen kann. O wie viel gehört dazu, „vorsichtig zu wandeln,“ wozu Paulus ermahnt, und überall „ein guter Geruch Christi“ zu sein! Es ist unendlich besser, du entziehest dich einem Lebensgenusse, der dir in einer unbewachten Stunde erlaubt scheint, als dass darüber ein Bruder oder eine Schwester sich betrüben, dass du, gleich Ruben, leichtsinnig wie Wasser dahinfährst. „Ärgere Keinen, für welchen Christus gestorben ist, namentlich Keinen, der lebendig, ob auch in Schwachheit, an Ihn glaubt!“ Dieß ist die apostolische Richtschnur, deren Befolgung ungemein viel zum Frieden beiträgt. Solche Mäßigung bringt weit süßere Früchte, als das immerwährende Ausdehnen der christlichen Freiheit, wobei man bald auf Dieses, bald auf Jenes verfällt, was bei himmelangewandten Gemüter nur einen widrigen, erkältenden Eindruck zurücklässt. Von Solchen aber, die ihre sogenannte evangelische Freiheit auf so vielerlei eitle Nebendinge erstrecken, sagt ein alter Gottesmann: sie sein einem Wanderer gleich, der von dem wohlgebahnten Wege sich ans Ufer eines Stroms hinausbegebe, und immerfort frage: reicht's nicht noch weiter hinaus? - bis er endlich hineinfalle und ertrinke. Wollen wir nach dem Sinne Gottes wandeln und dadurch die Eintracht des Geistes mit den edelsten Nachfolgern des Herrn erhalten, so gilt uns das alte Liedeswort: 
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-Liebe und übe, was Jesus dich lehret, \\ 
-Und was Er dir saget, dasselbige tu! \\ 
-Lasse und hasse, was Er dir verwehret, \\ 
-So findest du Frieden und selige Ruh'. \\ 
-Ja, selig, die also sich Jesu ergeben, \\ 
-Und treu nach dem Worte des Heiligen leben! \\ 
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-=====IV. ===== 
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-Zum Schluss füge ich noch einen Punkt hinzu, - die falsche, auf bloßer Einbildung ruhende Glaubensreinigkeit, wozu namentlich unsere Zeit einige Veranlassung gibt. 
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-Wo das Wort von der ewigen Liebe Gottes in Christo Jesu, das Wort von der durch Christi Blut gestifteten Versöhnung der Sünder wahrhaft getrieben und beachtet wird, da werden alle Geister, die aus der Wahrheit sind, auch einträchtig zusammenhalten; denn das Blut Jesu Christi, nämlich die Lehre von der freien Gnade Gottes in dem gekreuzigten Christus, ist der Mittelpunkt der Schrift. Leute, die kindlich ihre Seligkeit in Christo dem Gekreuzigten suchen, können sich so wenig wesentlich zertrennen, als Christus zertrennt werden kann. Wir behaupten damit nicht, dass die irdische Kirche des Herrn von allen Mängeln befreit sei; darum gehet die Forschung der Lehrer und die Erbauung der Kirche stets ihren wachstümlichen Gang. Es hat jedoch zu mancherlei Zeiten Leute gegeben, die ohne dankbare Beachtung der in unserer Kirche unleugbar enthaltenen Grundwahrheit, bald diesen, bald jenen Nebenpunkt herausgreifen, um es darzutun, dass die evangelische Kirche falsch lehre und von der wesentlichen Richtschnur des göttlichen Wortes abgewichen sei. So wiederholen sich bei uns die alten Auftritte, dass der Eine sagt: ich bin Paulisch, der Andere: ich bin Kephisch, der Dritte: ich bin Apollisch, - der Vierte: ich bin Christisch. Es ist manchen Seelen nicht wohl, in der Demut selig zu werden; sie wollen vorher rumoren und hochmütig sein, dann meinen sie seliger zu werden. Solcherlei Geister werden von jenem alten Worte Gottes gerichtet: Die Weisheit von oben lässt sich sagen (Jac. 3, 17.). Sie aber bestehen bloß dadurch, dass sie sich nichts sagen lassen, sich der gründlicheren Belehrung verschließen, und so vereinzelt hinwandeln, um ihren Sinn um jeglichen Preis durchzusetzen. Dieß ist der Sekten- und Separatistengeist. Solcher Geist macht Nebendinge zur Hauptsache, und lässt die Hauptsache beiseite liegen, zum Zeichen, dass er dermaleinst durch sich selber gerichtet werden muss. - Was sagen wir dazu? - Das sagen wir: Würde das Eine, was Not ist, in unserer Kirche verschwiegen, - würde der Glaube an den Sohn des lebendigen Gottes, dieser Felsengrund der Gemeinde, untergraben; würde der Glaube an die versöhnende Kraft des Blutes Christi, der Glaube an die göttliche Gnadenwirkung des Heiligen Geistes, - der Glaube an die Notwendigkeit einer Wiedergeburt und Bekehrung in unserer Kirche geleugnet: dann wäre wohl ein Grund zur Scheidung da. Dieß aber ist, Gott Lob! in unserer Kirche noch nicht geschehen; unsere Grundpfeiler des Tempels stehen noch, und von oben blickt der helle Morgenstern herein. Das Wort Gottes wird frei gepredigt, und die Sakramente werden einfach verwaltet. Wenn nun bei solchen reichlichen Heilsmitteln, wobei Tausende unserer Vorfahren selig und heilig geworden sind, sich dennoch einzelne Geister von der Kirche widrigen Blickes hinwegwenden, so ist dieses, offen gesagt, entweder Unwissenheit oder Übermut. O man hat uns noch lange nicht zum Scheiterhaufen geführt, noch in die böhmischen Wälder vertrieben! Es gibt in neuerer Zeit Märtyrer, die bloß aus Übermut und Engherzigkeit keine Ruhe haben, bis sie irgendetwas, das wie Martyrum aussieht, wider sich herausgepresst haben. So lange du in der Kirche dich ruhig bekehren darfst, so lange neige dich demütig zum christlichen Gleichgewicht, damit du ein Salz der Erde und ein friedsamer Bürger seiest! Das übrige ist unverdungene Arbeit. Wir bedürfen wohl Manches in kirchlichen Dingen, was besser sein sollte; aber die Hauptsache, die Erbauung im Herrn in Kirche und Haus, ist uns gelassen. Wir bedürfen zehenfach einer Verbesserung unserer kirchlichen Bücher und Einrichtungen, welche der Herr gebe; tausendfach aber tut uns Not die demütige, barmherzige Liebe, die ohne eitle Nebenfragen sich in dem Einen zusammenfindet, das Not ist: in der Liebe zu Christo, dem Vielgepredigten, und im Halten Seines höchsten Gebots: dass wir uns unter einander lieben. - 
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-O wer beherzigt genug den Segen der vollherzigen Christeneintracht, jenen Segen einmütiger Lehren und Gebete in Ihm, der Sein Erlösungswerk am Abend vor Seinem Tode mit keinem größeren Gebete zu krönen wusste, als mit diesem: dass sie Alle Eines sein, gleichwie Du, Vater, und ich Eines sind! - Je näher wir diesem Gebete uns im Werke annähern, desto heller wird Christi Bild leuchtend in unserem Antlitz und Wandel hervorbrechen. Anders nicht. Lasst uns im Lichte des Hohenpriestertums Christi einander für die Ewigkeit umfassen! Dahin stehet das Herz unseres Erlösers, nirgend anderswohin. 
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-Dass Deren Viele werden, die also gesinnt sind und ihre Gesinnungen durch die Tat beweisen, - und dass Dein erlöstes Volk, welchem Du alle Scheidewände durch Dein Kreuz zerbrochen hast, in der Kraft Deines Heiligen Geistes ein Herz und eine Seele, - ein Abbild Deiner himmlischen, triumphierenden Kirche werde: Das hilf, o Jesus Christus, kraft Deiner hohenpriesterlichen Rechte und Fürbitte zur Rechten Deines ewigen Vaters, der uns das Wort gegeben hat: **Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm! **Amen. 
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-======Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig - Christus, unsere Weisheit - Zweite Predigt.====== 
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-über 1. Kor. 1,30. Christus, unsere Gerechtigkeit. 
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-Mit tiefer Wehmut redet der Apostel Paulus im Brief an die Römer von der traurigen Erfahrung, dass das Volk Israel, nachdem der verheißene Heiland gekommen war, doch größtenteils ungläubig blieb. Lieben Brüder, sagt er am Anfang des 10. Kapitels, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch Gott für Israel, dass sie selig werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten ihre eigne Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist, wie der Apostel sich selbst erklärt, diejenige, die aus dem Glauben kommt. Wer nicht mit Werken umgeht, sagt er, nicht auf Werke sich verlässt, seine Hoffnung und seine Ansprüche, selig zu werden, nicht auf Werke gründet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, der die Sünder aus Gnaden, nämlich um Christi willen, gerecht spricht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit, der hat eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ein Kleid der Gerechtigkeit, in welchem er vor Gott stehen und bestehen kann; denn es ist ein ihm von Gott selbst zubereitetes und geschenktes Kleid. 
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-Diese damalige Klage des Apostels über Israel, muss sie nicht auch in unsern Tagen über die christlichen Länder und Völker und Gemeinden und die große Mehrzahl ihrer Mitglieder geführt werden? nicht nur in der katholischen, sondern auch in der protestantischen Kirche? Bekannt ist, und es ist jüngsthin bei der Feier des Reformationsfestes näher zur Sprache gebracht worden, dass kein Lehrpunkt der evangelischen Wahrheit in der römischen Kirche mehr verdunkelt und verfälscht worden ist, als dieser, indem man die Leute ganz eigentlich dazu angeleitet hat, wiederum mit Werken umzugehen, ihre Hoffnung und Ansprüche auf die Seligkeit wieder auf Werke zu gründen; daher auch auf unzählige Glieder dieser Kirche noch immer anwendbar ist, was Paulus von den damaligen Juden sagt. Vielen unter ihnen kann man das Zeugnis geben, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, die Gerechtigkeit aus dem Glauben, und trachten ihre eigne Gerechtigkeit, eine Werkgerechtigkeit, aufzurichten, sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan, sind der echt evangelischen Lehre entfremdet und ihren Bekennern feind. Aber auch in der protestantischen Kirche ist es dem Argen nur zu sehr gelungen, das Kleinod des Evangeliums, wofür die Väter also gekämpft, und Gut und Blut dafür geopfert, den Nachkommen allgemach wieder aus den Augen zu rücken, und sie zurückfallen zu lassen in denselben alten Unverstand, in denselben alten Wahn und Dünkel eigner Gerechtigkeit vor Gott aus dem Gesetz. Teure Glieder dieser Gemeinde! ich darf, wenn auch in großer Schwachheit, sagen: Meines Herzens Wunsch ist, und ich bitte auch Gott für euch, dass ihr selig werdet. Kann und darf ich gleichgültig dabei sein, wenn ich fürchten muss, dass viele unter Euch den Weg der Seligkeit verfehlen? Muss ich dieses aber nicht fürchten, wenn ich besorgen muss, dass viele unter Euch noch immer nicht die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erkennen, und ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott aufrichten, und der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan sind? Ihr Alle, die ihr hier heute anwesend seid, und gekommen seid, Gottes Wort zu hören, kommt her, lasst uns miteinander reden, wie es vor Gottes Angesicht uns ziemt, und nehmt in Liebe auf, was ich in Liebe zu Euch aus den Worten meines heutigen Textes Euch vorzutragen habe. Ich lade Euch dazu ein im Vertrauen auf den, der verheißen hat, sich finden zu lassen von denen, die Ihn suchen, und sie zu segnen, mit Licht und mit Gnade und Friede. 
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-Nun Du, Herr, kennest uns und erforschest uns! Was wir bedürfen, weißt Du, und wie wir gesinnt sind. Der Du in Barmherzigkeit uns anflehst, noch ehe wir Barmherzigkeit begehren und wissen, dass wir ihrer bedürftig sind, und auch unter uns tun kannst über Bitten und Verstehen nach der Kraft, womit Du in uns wirkest, Dich rufen wir um Segen zur Betrachtung Deines Wortes auch heute an. Du kennest uns und weißt, dass wir von Natur allesamt nichts, als Sünder und Kinder der Finsternis sind, so blind, dass wir unsre Knechtschaft für Freiheit, unsre Finsternis für Weisheit ansehen. Du aber willst den Reichtum Deiner Gnade darin verherrlichen, dass Du Blinde sehend machst und aus Gefangenen Freie, Sünder begnadigst und zu Kindern des Lichts und Erben Deines Reiches machst! Das lässt Du uns verkündigen in Deinem heiligen Evangelium. O behüte uns vor dem Gerichte der Blindheit, dass wir nicht sterben in unsern Sünden, und hilf, dass wir uns nicht selbst im Wege stehen! Erwecke uns durch die Kraft Deines Heiligen Geistes zur Buße und zum Leben! Solches bitten wir von Dir im Namen Jesu, dessen Erscheinung wir feiern in diesen Wochen, den Du selbst gegeben hast, dass Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben! Amen. 
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-Text: 1. Korinth. 1, 30.\\ 
-**Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung.** 
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-Der Apostel fasst hier in vier Wohltaten den Inbegriff des Heils zusammen, das Gott in Christo uns bereitet hat. Christus ist uns zur Weisheit gemacht. Ihm verdanken, durch Ihn empfangen wir die Erkenntnis der seligmachenden Wahrheit, derjenigen Wahrheit, die uns Gott und uns selbst und den Weg zur ewigen Seligkeit kennen lehrt. Diese Wohltat Gottes in Christo nennt der Apostel zuerst, und wir haben heute vor acht Tagen näher gehört, wie wahr dieses Zeugnis ist, dass wir in der Tat und Wahrheit nirgend Weisheit finden, als bei Ihm, dass in Ihm dagegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind, dass wir aus seiner Fülle empfangen können und sollen Licht um Licht, in der Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis, und der Erkenntnis des ewigen Lebens und des Weges, der dahin führt. Wo man Ihn nicht kennt, wo seine Lehre noch nicht hingedrungen und Eingang gefunden, da bedeckt eine trostlose Unwissenheit noch bis heute das Erdreich und Dunkel die Völker, - wo Er erkannt wird, da scheint es helle. Muss uns nun Christus schon als unsre Weisheit teuer sein, so muss er doch noch köstlicher in unsern Augen werden, wenn wir erwägen, dass wir die herrlichen Güter alle, die Guter des Heils, die Er als unser Lehrer uns bekannt macht und anbeut, Ihm auch als dem Erwerber derselben zu danken haben. Er ist nicht nur unser Lehrer, Er ist auch der Mittler zwischen Gott und uns Sündern. Er ist uns nicht nur zur Weisheit, sondern Er ist uns auch zur Gerechtigkeit gemacht. Lasst uns zuerst bemerken den Sinn dieses Zeugnisses, dann zweitens auch die Wichtigkeit desselben für uns. Der Geist des Herrn erleuchte uns und heilige uns in seiner Wahrheit! 
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-=====I.===== 
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-Um den Sinn dieses Zeugnisses zu verstehen, müssen wir wohl bemerken, was der Apostel hier unter Gerechtigkeit versteht. Die Gerechtigkeit nämlich, von der er redet, unterscheidet er selbst ganz deutlich von der Heiligung. Christus ist uns zur Weisheit zuerst, dann zur Gerechtigkeit, darnach zur Heiligung gemacht. So ausdrücklich unterscheidet der Apostel selbst hier Gerechtigkeit und Heiligung, woraus klar erhellt, dass er hier nicht von der Gerechtigkeit des Lebens und des Wandels redet, nicht von der Heiligkeit und Frömmigkeit, zu der wir durch das Evangelium gelanget sind; denn sonst würde er mit zweierlei Worten Einerlei sagen, sondern die Gerechtigkeit, von der hier die Rede ist, ist unsre Gerechtigkeit im göttlichen Gericht. So wird auch das Wort Gerechtigkeit von dem Apostel Paulus durchgängig gebraucht, besonders im Brief an die Römer. Wenn der Apostel dort bezeugt, dass wir lediglich aus Gnaden gerecht werden, ohne Werke, so ist offenbar, dass er von der Gerechtigkeit des Lebens, von der Frömmigkeit und Heiligkeit des Wandels nicht redet, die ja eben darin besteht, dass man gute Werke tut, sondern dass er von der Gerechtigkeit im göttlichen Gericht, oder vom Recht zum Leben redet, und sagt, diese Gerechtigkeit werde ohne Werke erlangt. Das Recht zum Leben hat man, wenn man gegründeten Anspruch auf die Seligkeit hat, wozu aber offenbar erfordert wird, dass man das göttliche Gesetz nicht übertreten, dass man keine Schuld auf sich und keine Strafe zu fürchten habe, dass man nach dem Gesetze Gottes unsträflich sei. Hier fragt sich nun, ob irgendein Mensch ist, der durch seinen Gehorsam nach dem Gesetz einen Rechtsanspruch auf das Leben, auf die Seligkeit hat, ob irgend Jemand ist, der wegen des Gehorsams, den er dem göttlichen Gesetze geleistet, die Seligkeit mit Recht erwarten und fordern, also seiner Seligkeit halber vor Gott frei ins Gericht treten, mit Gott rechten kann? Einer ist, der dies kann, der wahrhaftig eine Gerechtigkeit aus dem Gesetz, also eine eigene Gerechtigkeit hat, der durch vollkommenen Gehorsam Recht auf das Leben und die Seligkeit, und sie verdient hat. Wer dieser ist, das wisst ihr, und darum heißt Er auch in der Schrift: der Gerechte. Sonst aber wissen wir bis dahin noch von keinem. Die Schrift sagt das auch ausdrücklich, dass keiner sei, der gerecht sei, auch nicht Einer, keiner, der nicht, wenn er vor Gottes Angesicht ins Gericht treten soll, als Sünder, als Ungerechter und Schuldbeladener vor Ihm da sieht, als der sich schämen und schuldig geben muss, und alles Ruhms an Gott er, mangelt. Wenn nun die Schrift die Wahrheit sagt, so sind wir von aller eigenen Gerechtigkeit im göttlichen Gerichte entblößt. Soll Gott nach Recht und Verdienst an uns handeln, so haben wir nur Strafe und Ausschließung von der Seligkeit vor uns. Der Beste muss hier sagen: Herr, gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knecht; denn vor Dir ist kein Lebendiger gerecht. Herr, wenn Du willst Sünde zurechnen, wer will vor Dir bestehen? Gott aber, der da reich ist an Barmherzigkeit, beschloss, mit den Sündern nicht nach ihrem Verdienste zu handeln, Er beschloss schon vor Grundlegung der Welt, ihnen das verlorene Recht zum Leben aus Gnaden wiederzuschenken. Das aber konnte und wollte Er nicht tun ohne Vermittlung. Seine Heiligkeit, seine Gerechtigkeit, die Er ewig nicht verleugnen kann, gestattete nicht, dass die Sünde durchaus ungestraft bliebe. Denn dadurch würden diese Eigenschaften Gottes ganz verdunkelt worden sein, Gott selbst würde dadurch die Menschen veranlasst haben, zu denken, dass Er die Sünde gering achte. Ohnehin ist der Mensch so geneigt, zu denken, dass Gott sei, gleichwie er, dass Gotte die Sünde so wenig ein Gräuel sei, wie sie es ihm ist, und wähnt, Gott zürne nicht wider die Sünde. Nimmt nicht schon von der Langmut Gottes, vom Aufschub der Strafe der Sünder in seiner Sicherheit, ohne Schuld Gottes, Anlass, also von Ihm zu denken, als habe es mit dem Zorn Gottes wider die Sünde nichts auf sich, und sich im seiner Sicherheit zu bestärken, es habe mit ihm keine Gefahr. Wenn nun das Herz des Sünders schon dadurch in der Bosheit gestärkt wird, dass nicht alsbald ein Urteil über seine bösen Werke ergeht, wie Salome sagt, was würde nicht erst geschehen sein und geschehen, wenn Gott erklärt hätte, dass Er die Sünde gar nicht zu strafen gesonnen, dass er alle Strafe zu schenken bereit sei, wie würden dann nicht erst die Sünder seine Gnade auf Mutwillen ziehen! Sollte also dem Sünder die Strafe geschenkt werden, so geziemte es Gott, die Begnadigung so zu veranstalten, dass die Ehre seiner Gerechtigkeit und, das Ansehen seiner Gesetze dabei, aufrecht erhalten würde. Dieß ist geschehen durch Jesum. Er hat es über sich genommen, die Sünde der Menschen zu versöhnen, den Menschen Vergebung ihrer Schuld, und Erlassung aller Strafen zu erwirken, also, dass die göttliche Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht dabei verdunkelt, sondern dabei verherrlicht würde. Er, der unschuldig, heilig und ohne Sünde war, an den das Gesetz nichts zu fordern hatte, der nach dem Gesetz das Recht zum Leben hatte, Er war geeignet, der Gerechte, für Ungerechte, statt ihrer, zu leiden und zu sterben, und ihnen dadurch die Vergebung auszuwirken, und Er hat es getan. Er hat es in Gethsemane und auf Golgatha auch vollbracht. Da Er die Sünde der Welt auf sich genommen, sich damit beladen, sich als den Schuldigen dargestellt hat, und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit über sich hat ergehen lassen, und Gott seiner auch nicht verschont hat, da Er als unser Vertreter ins Gericht ging, sondern furcht, bar, offenkundig vor Himmel und Erde die Sünde der Welt an Jesu gestraft hat, so kann Er nun auch ohne Verleugnung seiner Heiligkeit und seiner Gerechtigkeit bußfertigen Sündern, die dieses Opfer im Glauben ansehen und die hier vollbrachte Versöhnung im Glauben sich zueignen, alle ihre Sünden vergeben, alle Strafen ihnen erlassen, und das Recht zum ewigen Leben ihnen wiederschenken. Seht, geliebte Zuhörer, darum heißt es in unsrem Texte, und das ist der Sinn der Worte unsres Textes, wenn der Apostel sagt: Christus ist uns von Gott auch zur Gerechtigkeit gemacht.  
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-Haben wir aber den Sinn dieses Zeugnisses aufgefasst, so lasst uns auch nicht versäumen, seine Wichtigkeit für uns zu erwägen. Zuvörderst heißt es, dass uns Christus zur Weisheit gemacht worden, dass sein erstes Amt und Werk an uns ist, uns Weisheit, also wahre Gotteserkenntnis Und Selbsterkenntnis; zu lehren. Was aber sehen wir, was werden wir alsbald gewahr, im Lichte dieser Erkenntnis? Die erste große Hauptentdeckung, die wir machen, wenn Christus unser Licht, unsre Weisheit wird, ist diese, dass wir der Gerechtigkeit vor Gott ermangeln, dass wir in seinem Gericht nicht vor Ihm stehen und bestehen können, und die erste Frage, die sich da aufdrängt, also: Wie kann ich selig werden? Wie kann ich Gnade erlangen, da ich Schuld auf mir habe, da ich ein Sünder und Übertreter und strafwürdig bin? Das Band der Gemeinschaft und Liebe zwischen Gott und mir ist zerrissen, Sünde und Untugend und meine Schuld scheiden mich und Gott von einander. Was Hab ich, meine Sünde zu versöhnen, wer tritt hier ins Mittel für mich im göttlichen Gericht, und hilft mir zur Gerechtigkeit, denn ich habe keine? Seht da, die erste große Hauptentdeckung, die wir machen, und das große Hauptbedürfnis, das sich hier auftut, wenn Christus unsre Weisheit zu werden begonnen hat! Wahrlich, sie würde als ein trauriges Geschenk erscheinen, diese Weisheit, wenn keine Antwort wäre auf diese Fragen, und keine Befriedigung für dieses innerste Bedürfnis des Herzens, das gerade durch das Licht der Weisheit aufgeregt und geweckt wird. Wir würden, wenn wir so weit gekommen, unser Elend inne zu werden, und dann nicht weiter könnten, nur umso elender sein. So wenig die Strahlen der Dezembersonne die Erde erwärmen und befruchten, obwohl sie dieselbe erleuchten, so wenig könnte uns Jesus zum Leben helfen, wenn Er nicht mehr, als unser Lehrer wäre, wenn Er uns nur zur Weisheit gemacht wäre. Aber dem Namen des Herrn sei Lob und Ehre und Dank und Preis in Ewigkeit, dass Er uns von Gott auch zur Gerechtigkeit gemacht worden ist! Darum heißt Er auch im prophetischen Worte schon die Sonne der Gerechtigkeit, unter deren Flügeln, unter deren Strahlen wir sollen Heil finden. Ohne Ihn stehen wir mit unsrer Sünde, mit unsrer Schuld allein, ohne Bürgen, ohne Schutz, ohne Zuflucht; wir können eben so wenig vor Gott ins Gericht hintreten mit unsern Sünden und Schulden, als seinem allmächtigen Arm und gerechten Gericht entrinnen! Wie elend sind wir in diesem Zustande, der doch unser Aller natürlicher Zustand wirklich ist! In diesem Elende aber geht eine Freudensonne uns auf, wenn uns Christus verklärt wird als der, der uns von Gott gemacht ist zur Gerechtigkeit, der um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen ward, auf dem die Strafe lag, auf dass wir Friede hätten, durch dessen Wunden wir heil werden. Da stehen wir nicht mehr allein, nicht ohne Bürgen, nicht ohne Schutz, ohne Zuflucht, sondern wir sind gedeckt, geschützt, gerüstet, und haben den Schild des Glaubens und den Helm des Heils. Da klage uns immerhin unser Gewissen an, dass wir Sünder und Übertreter sind, dass die Last unsrer Verschuldung groß und schwer ist, dass wir zeitliche und ewige Strafe verwirkt haben, - wir pflichten dem Gewissen bei, und erkennen, es hat recht, aber wir haben Frieden in dem, der die Sünde der ganzen Welt, und also auch die unsrige auf sich genommen, und die Strafe derselben getragen hat, und wissen, dass im göttlichen Gericht sein für uns vergossenes Blut stärker für uns um Barmherzigkeit, als unsre Sünde wider uns um Rache ruft; Gott selbst hat Ihn zu unsrer Gerechtigkeit in seinem Gerichte gemacht. Mögen wir da immerhin an uns nichts sehen, nichts finden, was uns irgendein Recht, einen Anspruch an die Seligkeit geben kann, wir bedürfen es auch nicht; denn was Gott um unsertwillen nicht tut, tut Er um seines Sohnes willen, mit dem wir durch den Glauben verbunden sind. Es sieht geschrieben, nicht dass Er um unsrer Würdigkeit oder um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan, sondern dass Er uns nach seiner Barmherzigkeit selig macht. Mag Satan uns verklagen, und mit schweren Gedanken von zu großer Schuld, von zu unheilbaren Gebrechen uns anfechten, wir geben ihm Recht in Allem, was unsre völlige Unwürdigkeit und Ohnmacht betrifft, aber nicht, was die allgenugsame Kraft Christi zur Versöhnung unsrer Sünden und zur Heilung aller unsrer Gebrechen betrifft. Was kann er der Kraft des Opfers Jesu Christi für die Sünden der Welt entgegen setzen denen, die daran glauben, die sich hierauf gründen, hierauf verlassen, und setzen ihre Hoffnung ganz auf die Gnade, die uns erworben ist durch Christum, unsern Herrn? Darum, so ergeht kein verdammendes Urteil über die, so in Christo Jesu sind. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja viel, mehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wir werden ohne Verdienst gerecht, aus Gnaden, diese Gnade aber ist uns nicht anders erworben, als durch die Erlösung, so durch Jesum Christum geschehen ist. Das ist unser Sieg, womit wir Sünde, Welt, Teufel und Tod überwinden, dass Christus uns von Gott gemacht ist zur Gerechtigkeit. 
-=====III.===== 
-Ja, selig, wer in Christo seine Gerechtigkeit vor Gott gefunden! Darum waren die Apostel und die ersten Christen so selig. Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, hieß es, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Sie wussten, was sie an Christo hatten, und so nach ihnen durch alle Jahrhunderte alle Gläubigen, die den Frieden der Seele wirklich gefunden. Es ist, wie wir unlängst gesehen, das Hauptverdienst der großen Kirchen-Reformation des 16. Jahrhunderts, dass dieses Kleinod der evangelischen Lehre aus langer Verdunklung und schmählicher Verfälschung wieder ans Licht gezogen und vom Schmutze der Menschensatzungen gereinigt und gesäubert ward, und im Licht und Glanz der unverfälschten apostolischen Wahrheit und Lauterkeit wieder hergestellt ward. Die Reformatoren erkannten und fühlten es tief, dass die Lehre: Christus unsre Gerechtigkeit, der Kern des Evangeliums, diejenige Wahrheit ist, ohne welche gar kein Evangelium wäre. Einer unter ihnen fragt: „Was ist, wenn man diese Lehre hinwegnimmt, noch für ein Unterschied weiter zwischen dem Christentum und der Philosophie?“ Luther bekannte und sprach: „Ein Christ „kann sich rühmen, dass er in Christo Alles hat, dass alle „Gerechtigkeit und alle Verdienste Christi sein sind, vermöge der Vereinigung mit Christo, die ihm durch den Glauben zu Teil wird,“ - und auf der andern Seite, „dass alle seine Sünden nicht mehr sein sind, sondern dass „Christus, vermöge derselben Vereinigung, die Last der, „selben trägt. Und dieses ist die Zuversicht der Christen, „dieses die Beruhigung ihrer Gewissen, dass durch den Glauben ihre Sünden aufhören, dem Rechte nach, die ihrigen „zu sein, weil sie dem Lamme Gottes auferlegt worden „sind, welches die Sünden der Welt trägt.“ Melanchthon legt in einer öffentlichen Bekenntnisschrift folgendes Zeugnis ab: „Es wäre auch nicht möglich, dass ein Heiliger, wie groß und hoch er ist, wider das Ansehen göttlichen Gesetzes, wider die große Macht des Teufels, wider die Schrecken des Todes, und endlich wider die Verzweiflung und Angst der Hölle sollte bleiben oder bestehen „können, wenn er nicht die göttliche Zusage, das Evangelium, wie einen Baum oder Zweig ergriffe in der großen Flut, in dem starken, gewaltigen Strom, unter den „Wellen der Todesangst, in den Wogen der Anfechtung, „wenn er nicht durch den Glauben sich an das Wort, welches Gnade verkündigt, hielte, und also, ohne alle Werke, „ohne Gesetz, lauter aus Gnaden das ewige Leben erlangte. Denn diese Lehre allein erhält die christlichen „Gewissen in Anfechtungen und Todesängsten; von welchen die Widersacher nichts wissen und reden davon, wie die „Blinden von der Farbe.“ Soll ich auch aus den Bekenntnisschriften unsrer Kirche etwas erwähnen, so sei es Per Anfang unsres Katechismus, die Antwort auf die erste Frage: Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben? die also anfängt: „Dass ich mit Leib und Seele, „beides, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern „meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin, der „mich mit seinem teuren Blute erlöst und für alle meine „Sünden vollkömmlich bezahlet hat.“ Gottlob, auf diesen Glauben der Propheten und Apostel und aller Heiligen ist unsre Kirche gegründet! Selig auch unter uns, wer auf diesen Glauben gegründet ist, und sagen kann: Ich weiß, an wen ich glaube; denn der Gerechte lebt seines Glaubens! 
-=====IV.===== 
-Jeder unter uns nun prüfe sich, ob er dieses Glaubens lebt, ob Christus seine Gerechtigkeit geworden, oder ob er sich noch mit dem alten Wahn und Dünkel einer eigenen Gerechtigkeit vor Gott herumträgt? Nichts Geringeres, als unsre Seligkeit hängt hiervon ab; nichts Geringeres aber wird auch dazu erfordert, als die Erleuchtung des Heiligen Geistes über uns selbst. Nur, wenn Christus unsre Weisheit geworden, dass wir uns selbst in unsrer Blöße erkennen, kann Er durch den Glauben auch unsre Gerechtigkeit werden. Nicht anders. Darum steht auch die Weisheit voran. Unser natürliches sündliches und erbliches Verderben ist besonders dadurch so mächtig, dass wir es von Natur nicht sehen, dass wir es aus eigner Vernunft und Kraft nicht erkennen. Der Geist Gottes muss uns darüber erleuchten, sonst sehen wir es nicht. Sonst halten wir uns an unsre äußerliche Gerechtigkeit und Ehrbarkeit, an unsern Fleiß in unsrem Berufe, an unsre Werke, und denken, wie alle Welt denkt: „Ich weiß gar nicht, was man doch mehr von mir verlangen kann, mir muss es einmal gut gehen, ich tue keinem Menschen Unrecht, stehle nicht, halte mich auch nicht zu schlechter Gesellschaft, und lebe, wie sich's gebührt.“ Gerade das heißt eigene Gerechtigkeit vor Gott aufrichten! Gerade das heißt mit Werken umgehen, auf Werke sich verlassen) das Recht zum ewigen Leben auf den geleisteten Gehorsam gründen! Ach seht diese vermeinte Gerechtigkeit, auf die ihr euch verlasst, auf der im Grunde euer Heil, eure Hoffnung und Seligkeit ruht, doch näher an! Prüft sie doch einmal genauer, besonders nach ihren innern Beweggründen, ob sie die Probe hält, ob sie vor Gott besteht, ob sie lauter in der Quelle ist? Wie kann denn aus trüben Brunnen reines Wasser fließen? Wer hat das Gebot gehalten, das Jesus das oberste und die Summe aller Gebote nennt: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüte; und deinen Nächsten als dich selbst. Dienen wir mit unsern natürlichen Tugenden Gott, oder uns? Suchen wir damit, was Gottes ist, oder was das Unsre ist? Wie können wir denn verlangen, dass Gott uns anrechne, was wir nicht für Ihn getan? Gott sieht bei unsrem Gehorsam nicht auf das Werk zuerst, sondern zuerst auf das Herz. Wohnt in diesem noch die Liebe dieser Welt, wie kann die Liebe Gottes darin wohnen? Hangen wir mit diesem am irdischen Gut noch, wie können wir Gott anhangen? Niemand kann zween Herren dienen. Suchen wir mit diesem die eigene Ehre noch, wie können wir im Glauben nachtrachten der Ehre, die vor Gott allein gilt, die da Eins ist mit seinem heiligen Wohlgefallen? 
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-So, geliebte Zuhörer, so prüfet euch, wenn ihr erkennen und erfahren wollt, wie ihr an Euch selbst beschaffen, wie ihr vor Gott gestaltet seid! Habt ihr euch so noch nicht kennen gelernt, so kennt ihr Euch überhaupt noch nicht, und ich muss, ich kann nicht anders, ich muss diejenigen unter euch, die sich so in ihrer natürlichen Schlechtigkeit und Schändlichkeit vor Gott noch nie kennen gelernt, ich muss euch sagen, dass ihr allen Grund habt, an der Echtheit eures Christentums zu zweifeln, und eine gründliche Prüfung mit euch anzustellen, wie ihr selig zu werden gedenkt. Oder wollt ihr hier sagen, wie alle Welt spricht: „Ich tue was ich kann. Gott ist barmherzig, das Übrige wird Er mir erlassen.“ Wo hast Du dieses gelernt? Wer heißt Dich, den Bund eines unvollkommenen Gehorsams mit Gott aufrichten? Wo steht geschrieben, dass Gott dir einen unvollkommenen Gehorsam zur Seligkeit rechnen will? Nein, nein, nicht darin steht die göttliche Barmherzigkeit, dass Er es mit der Sünde nicht genau nimmt, sondern darin, dass Er Christum, seinen geliebte? Sohn, für uns zur Sünde gemacht hat, auf dass wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, durch den Glauben an seinen Namen! Allerdings ist all unser Gehorsam unvollkommen. Die Gläubigen sind davon tief überzeugt. Ehen darum gründen sie, auch wenn sie auf dem Pfade der Heiligung weit fortgeschritten sind, und viel gute Werke getan, doch darauf durchaus die Hoffnung ihrer Seligkeit nicht. Sie wissen, dass für alles, was sie wirklich Gutes getan, der Gnade Gottes die Ehre gebührt, dass aber, so fern es ihre eigenen Werke sind, auch die besten unter denselbigen noch immer mit allerlei Unlauterkeit versetzt, und mithin durchaus nicht geeignet sind, um ein Recht zur Seligkeit darauf zu gründen. Das Volk Gottes bekennt die Worte des Jesaias, worin er sich selbst nicht ausnahm: Alle unsre Gerechtigkeit ist ein oberflächiges Kleid! So gewiss wir das Licht nicht in uns haben, sondern Christus unsre Weisheit ist, so gewiss haben wir auch keine Gerechtigkeit ohne die Seine. Wer an der eigenen genug hat, und mit derselben auszulangen gedenkt, wird mit Schrecken erfahren am Tage der Zukunft, dass keine von beiden hat, keine eigene und die Gerechtigkeit Christi auch nicht. Das sind die törichten Jungfrauen, die nicht Öl haben in ihren Gefäßen, und die zu Schanden werden, und ausgeschlossen werden, wenn der Bräutigam kommt! 
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-Darum, Geliebte, lasst mich Euch bitten, um eurer Seelen Seligkeit willen Euch bitten, zunehmen, zu ergreifen, was ihr haben könnt, was euch geboten wird; denn noch ist es, auch für Euch noch, Zeit! Wir dürfen, wenn wir Euch das Evangelium predigen, sagen: Gott vermahnet euch durch uns. So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Sind nicht noch viel Unversöhnte unter uns? Wohlan, macht Euch seine Gerechtigkeit zu Nutze! Er ist uns ja von Gott dazu gemacht. Warum wollt ihr nicht zugreifen? Er ist ja dazu gekommen, wir werden ja dazu eingeladen! Kommt, kommt, hören wir ja einmal Über das andere die Stimme des Herrn in seinem Wort und durch seinen Heiligen Geist, so lange der Tag der Gnade uns noch leuchtet, so lange es noch heute heißt. Wir werden geladen, nicht mitzubringen, eigene Gerechtigkeit vor Gott zu bringen; das wäre eine Einladung, der wir nicht folgen könnten; sondern wir werden eingeladen, zu kommen und zu empfangen; es ist Alles bereitet. Wir sollen uns nur erleuchten lassen durch Christum über das, was wir noch nicht sind, um auch zu empfangen durch Ihn, was wir noch nicht haben. So wird Er unsre Weisheit und unsre Gerechtigkeit zugleich! Damit kommen wir auf den Pfad der Heiligung und den Weg der Erlösung, und werden nicht zu Schanden werden ewiglich! Das helfe Gott, und tue Ohren und Herzen auf, dass wir bedenken, was zu unsrem Frieden dient hier und dort, jetzt und in Ewigkeit! Amen. 
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-{{tag> 2_Advent}} 
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-======Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig - Die Salbung Jesu durch Maria, die Schwester des Lazarus.====== 
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-Text: Ev. Joh. 12, 1 - 8. 
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-**Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferweckt hatte von den Todten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl, und Martha diente, Lazarus aber war deren einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter köstlicher Narde, und salbte die Füße Jesu, und trocknete mit ihren Haaren seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Ischariothes, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen, und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, dass er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel, und trug, was gegeben ward. Da sprach Jesus: Lasst sie mit Frieden, solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.** 
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-Wir hören in den vorgelesenen Worten einen der merkwürdigsten Auftritte aus den letzten Tagen des Wandels Jesu auf Erden, eine Geschichte, die unser Erlöser selbst der besondern Aufmerksamkeit seiner Bekenner für alle Zeiten der Zukunft empfohlen hat. - Wahrlich, ich sage Euch, sprach Er, wie die beiden Evangelisten Matthäus und Markus bei der Erzählung derselben Geschichte hinzufügen: „Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“ Johannes übergeht auch hier, was die übrigen Evangelisten berichtet haben, und nimmt diese Erzählung nur darum in sein Evangelium auf, weil er noch mehrere wichtige Umstände hinzuzufügen fand. So erfahren wir nur von ihm, dass das Weib, welches hier Jesum salbte, die Maria, die Schwester der Martha und des Lazarus gewesen, sowie den Tag dieser Begebenheit und den Umstand, dass es Judas Ischarioth gewesen, der zuerst diese Handlung tadelte, und aus welchem Beweggrunde bei ihm dieser Tadel hervorging. Lasst uns denn das Gedächtnis dieser Geschichte heute auch in unserer Mitte erneuern. Der Herr verleihe uns die Gnade, dass es im Segen für uns und Ihm zum Wohlgefallen geschehe! 
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-=====I.===== 
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-V. 1. Es war sechs Tage vor Ostern, also wenige Tage vor dem Tode des Herrn, in Bethanien einem Flecken unweit Jerusalem, demselben Ort, wo Jesus eben vorher den gestorbenen Lazarus wieder auferweckt hatte, wo diese Geschichte sich zutrug, und zwar wie die andern Evangelisten berichten, in dem Hause eines Mannes Namens Simon, mit dem Beinamen des Aussätzigen, ohne Zweifel, weil er einmal mit dieser Krankheit behaftet gewesen.  
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-V. 2. In diesem Hause bereiteten sie Ihm am Abend jenes Tages ein Mahl, und Martha diente, sie besorgte das Mahl und wartete auf, Lazarus aber war der einer, die mit Ihm zu Tische saßen. Da saß dieser vom Tode Auferweckte, derselbe Lazarus, den seine Schwestern auf seinem Krankenlager hatten leiden und sterben sehen, dessen Tod sie beweinten, der schon vier Tage im Grabe gelegen, und dessen Leib schon den Geruch der Verwesung verbreitet hatte; da saß er, nicht nur lebendig, sondern auch lebenskräftig und gesund, mit Jesu zu Tische, ein lebendiger Zeuge der Wundermacht und Herrlichkeit Jesu. So hatte der Herr der Herrlichkeit es angemessen gefunden, ehe er sich in Leiden des Todes und in den Tod selbst hingab, sich kurz vorab noch auf eine glänzende Weise als den Fürsten des Lebens zu offenbaren. Diese Tat Jesu machte einen tiefen und allgemeinen Eindruck. Lazarus war ein Wunder Gottes in den Augen Aller, die ihn sahen, besonders aber für die Schwestern, denen der geliebte Bruder wiedergeschenkt war, ein herzerhebender und glaubenstärkender Anblick. Es war vor ihren Augen in Erfüllung gegangen, was Jesus der Martha auf ihre kleingläubige Äußerung über den Verwesungsgeruch des Verstorbenen erwiderte: ,Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehn.“ Er hatte es mit der Tat bewahrheitet, sein Wort: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Beide Schwestern waren überschwänglich erfreut und im Glauben gestärkt worden. Martha fühlte sich glücklich, auch außerhalb ihres Hauses, in dem Hause Simons dem Herrn zu dienen. - Auf andre Weise, innerlicher, war Maria bewegt. Ihrem sinnigen Gemüte mag in dieser Tat Jesu, in dieser Auferweckung ihres Bruders, viel aufgegangen und aufgeschlossen worden sein. Sie hatte schon länger dem Unterricht Jesu mit besonderer Aufmerksamkeit zugehört, und ihn tief in ihrem Innern bewegt. Ihre tiefe Ehrfurcht vor Jesu und ihre Liebe zu Ihm erleichterte ihr das Verständnis, und was der Herr nun so oft schon von seinem bevorstehenden Leiden und Sterben angedeutet, und seinen Jüngern in der letzteren Zeit so deutlich und wiederholt vorhergesagt hatte, das hatte in ihrem Gemüte gehaftet. Denn daraus, dass die Jünger damals diese Vorhersagung Jesu so gar nicht fassten, und dabei so wenig auf das prophetische Wort achteten, weniger fast damals als im Anfang ihrer Jüngerschaft, - daraus folgt nicht, dass es bei allen Angehörigen Jesu ebenso gewesen. - Maria wenigstens, nach dem Zeugnis, das ihr Jesus in unserem Texte gibt, hatte eine Ahndung von dem, was bevorstand, eine Ahndung, dass die Zeit nahe sei, wo sie ihn nicht mehr persönlich würden unter sich haben, wo Er sie verlassen werde. - Umso stärker aber fühlte sie sich nun auch in ihrem Herzen gezogen und gedrungen, Ihm ihre Ehrfurcht und ihre Dankbarkeit zu erkennen zu geben, und sie fand auch bald ein Mittel, ein Zeichen hierzu, wie ihr Herz es bedurfte. 
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-Sie besaß eine Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde, von ganz echtem Nardenöl, welches aus der Blüthe der Nardenpflanze gewonnen wurde, und überaus hoch im Preise stand, eine Salbe ähnlicher Art, wie das Köllnische Wasser bereitet und gebraucht wird, nur viel kostbarer, und ungleich teurer. Sie hatte diese köstliche Salbe schon eine Zeitlang gehabt und aufgehoben; jetzt an dem Abend dieses Tages wurde ihr klar, wie sie dieselbe verwenden müsse, und dass sie nicht säumen dürfe zu tun, was ihr Herz ihr eingab. Sie trat, wie die übrigen Evangelisten erzählen, hinein, während man zu Tische saß, und eilte zu Jesu hin. Das alabasterne Gefäß, worin das Nardenöl aufbehalten war, zerbrach sie, und goss den Balsam aus zuerst über das Haupt Jesu, dann salbte sie auch seine Füße, und mit ihrem Haupthaar rieb sie die Salbe ein; sie trocknete, heißt es, mit ihrem Haar seine Füße, und das ganze Haus ward vom Wohlgeruch der Salbe erfüllt. 
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-Diese Handlung der Maria war ein natürlicher Ausdruck und unwillkürlicher Erguss der innersten Gesinnungen ihres Herzens, beredter als alle Worte. Sie tat in Einfalt und Liebe, was die innerste Stimme des Herzens sie hieß, ohne vorab Rücksichten zu nehmen und Überlegungen anzustellen, wie es von andern würde angesehen und beurteilt werden. Es kam ihr nicht in den Sinn zu denken, dass sie hier was außerordentliches tue; sie folgte ihrem innern Drange, dem sie nicht widerstehen konnte; sie konnte gar nicht anders, als sie tat, und erwartete eben darum auch für das, was sie tat, gewiss kein Lob. Eben so wenig aber auch war es ihr in den Sinn gekommen, dass diese Huldigung, die sie dem Herrn darbrachte, sollte missfallen oder getadelt werden. Das Letztere indessen, wie wir in unserm Texte weiter hören, geschah:  
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-V. 4-6. Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simonis Sohn, Ischariothes, der Ihn nachher verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um 300 Groschen, nach unserem Gelde etwa 100 Gulden (so viel also ungefähr kostete das Pfund von achtem ungefälschtem Nardenöl) warum ist diese Salbe nicht zu Geld gemacht, und den Armen gegeben worden? Das sagte er aber nicht, bemerkt unser Evangelist, dass er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel, und trug, was gegeben, was eingelegt wurde; er verwaltete die gemeinschaftliche Kasse, woraus vorkommende Auslagen bestritten und Gaben für die Armen abgereicht wurden, und alles, was in diese Kasse gelegt wurde, hatte Judas in Verwahrung. Eine Bereicherung dieser Kasse also mit einer so ansehnlichen Summe, als aus dem Verkauf der Salbe hätte gelöst werden können, wäre dem Judas für seine diebischen Unterschleife willkommen gewesen. Aus diesem Grunde, bemerkt der Evangelist in unserm Texte rührt der Tadel her, den er über die Handlung der Maria laut werden ließ. So war denn freilich das, was hier das Herz der Maria bewegte, von dem, was im Innern dieses Jüngers vorging, himmelweit von einander verschieden, verschieden, wie Licht und Finsternis verschieden sind. - Sie, hingenommen von Ehrfurcht und Liebe zu dem, in dem sie im Glauben den verheißenen Heiland erkannt hat, und dessen bevorstehende Hingebung und Leiden des Todes sie ahndet. Er, vom Geize eingenommen, beherrscht von einer Leidenschaft, die nicht nur alle besseren Regungen in ihm selbst erstickt, und ihn untüchtig zum Glauben gemacht hat, sondern ihn nun auch hindert, das Gute an andern anzuerkennen, und ihn daran Ärgernis nehmen lässt. Und wie zeigt sich auch hier an dem Beispiel dieses unglückseligen Jüngers, wie die Herrschaft der Sünde immer mit der Lüge zusammenhängt. - Der Geiz des Jüngers nimmt die heuchlerische Gestalt der menschenfreundlichen Fürsorge für die Armen an. Denn das durfte er ja nicht sagen: Warum ist diese Salbe nicht lieber verkauft worden, auf dass ich das Geld bekommen hätte, obwohl das seines Herzens eigentliche Meinung war; darum hängt er seinem Geiz einen Mantel um, und schützt die Teilnahme an dem Bedürfnis der Armen vor, und straft Maria der Verschwendung, denn so hatte die Sache einen Schein. Durch diesen Schein wurden nun auch mehrere der übrigen Jünger, die nichts Arges hinter den Worten des Judas vermuteten, veranlasst mit einzustimmen, wie Matthäus und Markus erzählen, dass mehrere Jünger unwillig wurden und sprachen: Was soll doch dieser Unrat, diese Verschwendung? Man könnte das Wasser um mehr denn 300 Groschen verkauft haben, und dasselbe den Armen geben, und murrten über sie. Sie hielten sich wohl umso mehr zu solchem Tadel berechtigt, da sie wohl wussten, dass Jesus viel Aufwand und äußeres Gepränge nicht liebte. Nun lässt sich denken, dass Maria, durch diese Missbilligung der Jünger eingeschüchtert, wohl einen Augenblick irre wurde, ob sie auch recht getan, und in Verlegenheit geriet. Aber es war hier der anwesend, der ins Innere sieht, und der Sinn und Gedanken der Herzen kennt, und ein rechtes Gericht richtet, und der urteilte anders. Was Jesus zuerst entgegnete, hören wir im Evangelium Marei, im 6. Vers des 14. Kapitels: „Jesus aber sprach: Lasst sie mit Frieden, was bekümmert ihr sie? sie hat ein gut Werk an mir getan.“ Der innere Grund ihrer Tat war ihr Glaube, und der Drang ihres Herzens, dem, den sie im Glauben als ihren Erlöser und Herrn erkannt hatte, ihre Ehrfurcht und Liebe zu beweisen. Und was aus dieser Quelle fließt ist ein gutes Werk, es sei, welches es sei, und kann nur in voreiliger, einseitiger Betrachtungweise verkannt und missbilligt werden; bei der tieferen und genaueren Prüfung im Licht der Wahrheit wird, was aus Glaube und Liebe hervorgegangen, sich rechtfertigen und erweisen als das, was es ist, als ein gutes und schönes Werk, wofür der Herr hier die Tat der Maria erklärt. Schon hierin lag eine Zurechtweisung für die Jünger, die auf ihr Murren über die vermeinte Verschwendung, und ihre Äußerung, dass dafür gute Werke hätten geschehen können und sollen, hier vom Herrn die Antwort erhielten, Maria habe ein gutes Werk damit getan, solches sei wirklich von ihr hier geschehen. Einen weiteren bedeutsamen Wink gibt Jesus, indem er sagt: sie hat ein gutes Werk an mir getan. Darüber erklärt er sich näher, indem er hinzufügt: „solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnis.“ Und wie es bei den andern Evangelisten weiter heißt: (Matth. V. 12.) dass sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, hat sie getan, dass man mich begraben wird; (Marc. V. 8.) sie ist zuvorkommen meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbnis. - Jesus ist hier selbst der Dolmetscher der wahren Gesinnung der Maria, und spricht sie klarer aus, als Maria selbst sich derselben bewusst gewesen war. Er erklärt das, was sie getan, nicht nur für ein gutes Werk, sondern auch für eine prophetische Handlung; sie habe nicht den Tag seines Todes und seines Begräbnis abgewartet, um seinen Leichnam zu salben, sie sei damit zuvorgekommen, und habe solches hier an ihm dem Lebenden getan, und ihn zu seinem Tode und Begräbnisse damit eingeweiht. Das war, wenn sie sichs auch in der Vorstellung nicht in solcher Klarheit bewusst gewesen, der wahre Sinn ihres Herzens bei dieser Handlung. Aus Jesu Unterricht, verbunden mit dem prophetischen Wort, aus den Erklärungen Jesu an seine Jünger, welchem Leiden und welchem Ende er entgegen gehe, als er damals sein Angesicht gewendet hatte nach Jerusalem zu gehen, zusammengehalten mit dem, was sie von der Gesinnung der Obersten des Volkes wusste: aus dem allen ahndete und erschloss sie, was bevorstand, und sah in ihm, im Glauben zwar, aber auch mit Wehmut, das Lamm Gottes, das nun bald geopfert werden sollte. Er hatte bei der Vorhersagung seiner letzten Leiden genugsam erklärt, bei allen Widerreden seiner Jünger, dass er nicht davon abzubringen; das versuchte auch Maria nicht, aber mit ihrer Salbe eilte sie, ihn zu ehren vor seinem Ende, da es noch Zeit war, - es war eine Glaubenstat nicht minder, womit sie ihre Hingebung ausdrückte in das, was unabwendbar war nach seiner Erklärung, als es eine Handlung der Ehrfurcht und Liebe war. 
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-Aber der Herr ist mit dem Lobe des angefochtenen Werkes noch nicht zu Ende. Als Werk der Liebe bezeichnet er das, was sie getan, noch näher, indem er hinzusetzt, wie wir im 8. Verse des angeführten Kapitels im Evangelium Marei hören, sie hat getan, was sie konnte, wörtlich, was sie hatte, das Kostbarste, was sie besaß, hat sie ohne Rückhalt, ohne Vorbehalt dargebracht. Ein hohes Lob, geliebte Zuhörer: sie hat getan, was sie konnte! ein ähnliches Lob, wie das, welches er der Witwe gab, die zwei Scherflein einlegte in den Gotteskasten, indem er sprach: (Luc. 21, 2. 4.) Wahrlich, ich sage euch, diese Witwe hat mehr, denn sie alle eingelegt, denn diese alle haben aus ihrem Überflusse eingelegt zu dem Opfer Gottes, sie aber hat von ihrer Armut alle ihre Nahrung, die sie hatte eingelegt. - Der Herr fährt fort  
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-V. 8., „denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und (wie es bei Marcus noch weiter heißt) und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun, mich aber habt ihr nicht allezeit.“ Mit diesen Worten empfing nun insbesondere noch Judas eine Zurechtweisung, und die übrigen Jünger, sofern sie ihm beigepflichtet des Wohltuns halber. Der Herr sagt ihnen: ihr braucht darum, dass dieses gute Werk an mir geschehen, nicht weniger zu tun an den Armen; die guten Werke an den Armen können deshalb ihren ungehinderten Fortgang haben, den Armen könnt ihr Gutes tun, wenn ihr wollt. Judas konnte, auch ohne dass die dreihundert Groschen in seinen Beutel flossen, den Armen Gutes tun, wenn er wollte. Damit öffnet Jesus ihm und allen ihm gleichgesinnten Heuchlern einen Blick in ihr Herz, in die Ungültigkeit und Unredlichkeit der Ausreden, womit sie ihres Herzens Unlust und Unwillen zum Wohltun beschönigen. Er tadelt auch alle die, welche alle falschen Urteile der Heuchler nachsprechen; er lobt dagegen die Maria, dass sie die Gelegenheit, an ihm ein gutes Werk zu tun, ergriffen, indem er sagt: Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. Zuletzt fügt der Herr die merkwürdige Erklärung bei, die wir bei den Evangelisten Matthäus und Marcus finden: Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen, zu ihrem Gedächtnis, das sie jetzt getan hat. Auch aus dieser Erklärung geht hervor, dass es eine hohe Gesinnung des Glaubens und der Liebe gewesen, in der Maria solches dem Herrn getan, indem er also hoch sie ehrt, und sie nicht nur gegen den Tadel der Jünger in Schutz nimmt, und sie und ihre Tat lobt, sondern ihr auch ein solches Ehrengedächtnis neben ihm stiftet. Auch dieses Wort des Herrn ist erfüllt. Drei Evangelisten haben in ihren für die Kirche aller Zeiten bestimmten heiligen Schriften aufgezeichnet, was sie getan hat. So weit das Evangelium auf Erden verkündet worden, und weiter verkündet wird, wurde und wird ihrer Tat gedacht, wie es auch heute in unsrer Mitte geschieht. - Ihre Tat ist bis heute, wie eine ausgeschüttete Salbe, wie ein süßer Geruch, der die Kirche Christi erfüllt, und allen denen, die den Herrn lieb haben, erwecklich und erquicklich. Der Herr gebe, dass sie auch uns erbaulich sei. 
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-=====II.===== 
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-Zu diesem Endzwecke lasst uns noch einige kurze Erinnerungen hinzufügen: 
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-1. Wir erneuern in dieser Woche das Gedächtnis der Leiden unseres Erlösers, und feiern die Liebe, in der er sein Leben für uns gelassen. Wir werden mehr als sonst daran erinnert, wieviel ihn das Werk unserer Erlösung gekostet. Der Herr richtet durch die Feier dieser Wochen an einen jeden unter uns die Frage: Das tat ich für dich, was tatst du für mich? Was wollen diejenigen unter uns auf diese Frage ihm antworten, die ihm ihr Herz noch nie gegeben, oder es ihm wieder entwendet haben? - Wessen Herz noch nicht durch den Glauben und die Liebe mit ihm verbunden und in ihm gewurzelt, der dient ihm auch mit dem Leben nicht, und vergilt ihm, statt etwas für ihn getan zu haben, mit Undank und mit Verachtung: wie will der hoffen, als sein Jünger von ihm erkannt und dereinst von ihm vor seinem Vater bekannt zu werden? Ach wer mit uns sich anklagen muss, dass seines Herzens Gedanken und Wünsche von Morgen bis Abend auf andere Dinge gerichtet sind, als darauf, dass er dem Herrn gefalle und diene, der lasse sich warnen und zur Buße erwecken, so lange die angenehme Zeit, die Zeit der Gnade noch nicht abgelaufen ist. Oder sollte jenes halbe und laue Wesen, bei welchem man zwar der Wahrheit nicht widerspricht, aber demunerachtet ihr mit dem Herzen und im Wandel nicht wahrhaft gehorsam wird, sollte das der Weg sein können, auf welchem man hoffen dürfte, von dem Herrn das Zeugnis der Treue, das Zeugnis des Lebens zu empfangen, und hinzugelangen dorthin, wo er ist? Er hat Alles, was er hatte, für uns dahingegeben, und sich nichts vorbehalten, da er hinging, für uns zu sterben. Auch jetzt in der Herrlichkeit ist er nicht anders gesinnt, und wendet fortwährend bis zu seiner Wiederkunft zum Gericht alle seine Macht uns Sündern zu Gute, zu unserer Erlösung und Seligmachung, uns zum Dienste an. Seine Herrschaft besteht dermalen ganz eigentlich fortwährend darin, dass er uns dient, uns zu sich zieht und gewinnt, und die Gewonnenen behütet und leitet und stärkt und über sie wacht und sie schützt, und im oberen Heiligtum in Kraft seines einmal dargebrachten Opfers mit seiner Fürbitte uns vertritt. So war und ist er gegen uns gesinnt, das tat und tut er für uns. Sagt, geliebte Zuhörer, ob es sich nun damit verträgt, wenn man will so sein Jünger sein, dass man zwischen ihm und der Welt doch immer noch teilt, ihm nur teilweise mit Kräften, Gaben, Beruf, Zeit und Vermögen angehören und dienen, übrigens aber auch fortfahren will, dies und jenes noch vorzubehalten, und in diesem und jenem, wo man wohl weiß, dass es nicht nach seinem Gefallen ist, doch zu bleiben, wie man ist. 
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-Was hilft das Mögen ein Christ sein, wo doch der Wille nicht da ist? Sind nicht viele, die darin hangen bleiben, dass sie ihr Mögen für Wollen ansehen? Sie möchten sich wohl zu Christo bekehren, und mit ganzem und rechtschaffenen Herzen Christen sein, und doch ist der Wille nicht vorhanden. Aber wer da meint mit dem bloßen Mögen das Reich Gottes zu erwerben, der wird nicht hineinkommen. Das Mögen ist ein laues und ohnmächtiges Wesen, mit welchem man nicht abkommt von jener breiten Straße, die zum Verderben führt. 
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-Aber auch unter denen, die das Zeugnis haben in ihrem Herzen und Gewissen, dass sie durch den Glauben ein seliges Eigentum Christi geworden und ihm leben und dienen, - wird Niemand sein, für den die Frage des Herrn: Was tatst du für mich? nicht viel Demütigendes enthielte. Es will viel sagen, das Zeugnis des Herrn, das Maria hier von ihm empfing: sie hat getan, was sie konnte. - Vor dem Herrn gilt die Treue, nicht wie viel Kräfte oder Gaben oder Vermögen man hat, sondern wie mans in seinem Dienste anlegt, dass man nicht mehr, aber auch nicht weniger tut, als man kann. So dem Herrn eigen werden und anhangen, dass man mit allem, was man hat, mit Kräften Leibes und der Seele und mit ganzem Herzen, mit dem täglichen Beruf und dem täglichen Gebrauch der Zeit ihm dient, diese Ganzheit, diese Treue hat der Herr von jeher an seinen Knechten und Mägden hoch geehrt, und sie gesegnet. Wer mich ehrt, hat er gesagt, den will ich wieder ehren, und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Lasst uns allesamt wohl erwägen, was wir tun konnten und sollten, und doch nicht getan haben, noch tun. 
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-2. Und was insbesondere das Wohltun angeht, und das Reichwerden an guten Werken, so lasst uns da ja nicht überhören, was der Herr uns hier sagt, dass wir können nach dem Maße, als wir wollen. Indem der Herr die Maria rechtfertigt mit den Worten: Mich habt ihr nicht allezeit, heißt er uns die Gelegenheiten zum Gutestun, wenn sie vorhanden sind, wenn die innere und äußere Aufforderung dazu da ist, ergreifen, und sie nicht vorbeilassen mit der Einwendung, man könne nicht. - Ein jeder, nachdem er hat; .- auch das Wenige, mit liebendem Herzen geopfert, ist dem Herrn wert, wie jene Scherflein der Witwe eine große Gabe waren in seinen Augen. Und auf der andern Seite, was wäre zu groß oder zu viel, um dem damit zu dienen, der uns damit gedient, dass er sein Leben zum Lösegeld für uns dargegeben? Was sind dreihundert Groschen, was Schätze, die wir besitzen möchten, als Vergeltung betrachtet gegen den, der uns mit seinem Blute erkauft, und an dem Holze des Kreuzes unseren Fluch getragen hat, auf dass er uns von demselben erlöste? Konnte jenem alabasternen Gefäße eine größere Ehre widerfahren, als dass es bei jener Gelegenheit zerbrochen wurde, und dem Nardenöl, dass es bei dieser Gelegenheit verduftete? - So freilich können wir jetzt persönlich ihm nicht dienen. Aber wie ausdrücklich hat er erklärt, dass er, was wir um seinetwillen an dem Geringsten seiner Brüder tun, ansehen will, als ihm geschehen. So haben wir nun ihn nicht sichtbar vor uns, aber in den Armen, die wir allzeit um uns haben, an denen es auch uns nicht fehlt, haben wir seine Stellvertreter, von denen will er bei uns repräsentiert sein. Und wir haben demnach keine Ursache, die Maria zu beneiden um die Gelegenheit, die sie hatte, an dem Herrn unmittelbar ein gutes Werk zu tun, da uns Jesus ein großes, weites, offenes Feld angewiesen hat mit den Worten: Arme habt ihr allezeit bei Euch; und alles, was wir um seinetwillen Gutes tun, und sei es an dem Geringsten, schon jetzt so ansehen, und am großen Tage der Zukunft auch öffentlich vergelten will, als ihm geschehen. - Und auch da können wir, wenn wir wollen. Die gewöhnliche Klage ist, man könne nicht. Aber der Herr setzt dieses Nichtkönnen wo anders hin, als in den Mangel der vorhandenen Mittel, und sagt, im Willen und in der Liebe, da liege die Kraft zu können. Eine Wahrheit, geliebte Zuhörer, die wir in unseren Tagen recht zu Herzen nehmen und einüben mögen, da der Armen immer mehr werden, und wie es scheinen will, der Wohlhabenden weniger, da der Ansprüche an diejenigen, die noch haben, immer mehr werden. Der Geist des Herrn lehre uns hier rechnen nach der Rechenkunst des Glaubens, und mache uns je mehr und mehr reich und fruchtbar an allem guten Werk, und tüchtig, Gutes zu tun, und nicht müde zu werden, auf dass wir zu seiner Zeit auch ernten ohne Aufhören. Amen. 
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-{{tag>2 _Advent}} 
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-======Krafft, Johann Christian Gottlob Ludwig - Die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an Maria in Nazareth.====== 
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-Predigt am zweiten Advent-Sonntag, den 10. Dez. 1843. 
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-Text. Evang. Luk. 1, V. 26 - 38. \\ 
-**Und im sechsten Mond ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth; zu einer Jungfrauen, die vertraut war einem Mann, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern! Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seiner Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leib, und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? Sintemal ich von keinem Mann weiß. Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte((Freundin)), ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und geht jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.** 
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-Aus den vorhergehenden Worten haben wir heute vor acht Tagen die göttliche Botschaft vernommen, die der Engel Gabriel dem Priester Zacharias im Tempel brachte, dass ihm jetzt in seinem Alter von seinem Weib Elisabeth ein Sohn werde geboren werden, den er Johannes nennen sollte, der sei der von den Propheten geweissagte Vorbote, der vor dem Herrn, dem verheißenen Erlöser, hergehen und ihm den Weg bereiten, der das Volk zu seiner Aufnahme vorbereiten werde. In unseren heutigen Textesworten hören wir eine zweite göttliche Botschaft desselben Engels, viel größeren und herrlicheren Inhaltes noch, als die erste, die Botschaft von dem wundersamsten und gnadenreichsten aller Wunder, das nun geschehen sollte, in der Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes durch übernatürliche Wirkung des Heiligen Geistes im Leibe der Jungfrau Maria. Diesen Bericht lasst uns an dem heutigen, dem 2ten Advent-Sonntag hören und erwägen, der Herr gebe, zu unserer Erhebung und Stärkung im Glauben, und in der Freude in Ihm. 
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-Elisabeth, wie wir zuletzt gehört, verbarg sich in den ersten 5 Monaten ihrer Schwangerschaft. „Im 6ten Monat“ (V. 26.), demselbigen also, wo sie sich wieder sehen ließ, „ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth; zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria.“ (V. 26. 27.) Die Verkündigung der Geburt des Johannes war in Jerusalem, im Tempel, im Heiligen des Tempels geschehen; die Verkündigung der Geburt Christi geschah in Nazareth, einem unansehnlichen und sehr gering geachteten Städtlein in Galiläa, in einem armen Privathaus daselbst. Schon von der Ankündigung seiner Geburt an zeigen sich die Spuren der tiefen Niedrigkeit und der Knechtsgestalt, in welche der Sohn Gottes, der Herr der Herrlichkeit, sich herniederließ, da Er in unser sterbliches Fleisch kam. In diesem Nazareth wohnte die Jungfrau, welche die Mutter des Erlösers zu werden auserkoren((auserwählt)) war, die Verlobte eines Zimmermanns, in Verborgenheit und Niedrigkeit, denn das Haus Davids, aus welchem beide abstammten, hatte längst seinen alten königlichen Glanz verloren, und die Abkömmlinge dieses Hauses lebten in Armut, im jüdischen Land zerstreut. Die Geschlechtsregister aber waren noch vorhanden; und so wie diese Geschlechtsregister auswiesen, dass der Priester Zacharias zur Klasse Abia des Hauses Aaron, des Stammes Levi, gehörte, so wiesen sie auch aus, dass Joseph, der Bräutigam der Maria, wie sie, seine ihm verlobte Braut, zum Haus David des Stammes Juda gehörte. Wir sehen in diesen Angaben gleich die Beweise und Früchte der vom Evangelisten Lukas angewandten Sorgfalt im Erfunden und Erforschen aller Umstände von Anbeginn. 
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-Lasst uns nun hören, wie der Engel Gabriel die hohe Botschaft an die Jungfrau Maria in Nazareth ausrichtete. V. 28.: „Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du Holdselige,“ wörtlich: du Begnadigte, „der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern.“. Gleich in diesem Gruß des Engels liegt eine Hinweisung auf die Gnade, auf die in ihren Erweisungen durchaus freie Gnade des Herrn. Der Gruß des Engels ist Ausdruck seiner Hochachtung und Ehrerbietung vor der Maria, weil der Herr mit ihr ist. Er nennt sie die Begnadigte, die Hochbegnadigte, und die gesegnete unter den Weibern, weil der Herr sie angesehen und vorgezogen hat. Eine gewaltige Anrede: „Du Holdselige, du Gebenedeite unter den Weibern!“ Dafür, für etwas Besonderes hat sie sich nicht gehalten und angesehen. Darum hören wir weiter V. 29.: „Da sie aber ihn sah, erschrak sie über seiner Rede, und gedachte,“ dachte nach, überlegte, „welch ein Gruß ist das?“ Der Inhalt seiner Anrede erschreckte sie mehr als die Erscheinung seiner Person, so wundersam diese auch war, denn an dem Glanz seines Angesichtes und seines Gewandes hat sie ihn ohne Zweifel alsbald als einen Engel erkannt. 
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-Gewöhnlich ist es anders. Gewöhnlicher ist es, dass man bei überraschenden Erscheinungen mehr mit der Person sich beschäftigt als mit dem, was dieselbige sagt. Maria war von dem wundersamen Gruß mehr betroffen als von der wundersamen Erscheinung, und es spricht stark für ein seltenes Maß der Reinheit und Kindlichkeit ihres Sinnes, dass sie vor dem Engel nicht erschrak, wenigstens so nicht, dass sie nicht ihre Aufmerksamkeit und ihr Nachdenken richten konnte auf das, was er sagte. Je reiner das Herz, desto weniger Furcht auch vor einem Engel Gottes, vor einem reinen und heiligen Wesen. „Maria erschrak über seiner Rede,“ heißt es, und auch das zeugt von der Reinheit und Einfalt ihres Sinnes, da sie wirklich noch nicht wusste, wie solche Begrüßung zu nehmen war. Ihre Ungewissheit hierüber wurde ihr nun bald durch die weitere Eröffnung des Engels benommen. Er hatte nicht nötig gehabt, bei seinem ersten Hereintreten zu ihr zu sagen: Fürchte dich nicht! Jetzt tat er es, um ihre Bedenklichkeit über den empfangenen Gruß zu zerstreuen, und nannte sie nun auch mit Namen. V. 30.: „Fürchte dich nicht, Maria,“ meinen Gruß anzunehmen, sorge nicht, es sei was unrechtes, unheimliches darin, und er sagte ihr nun auch den Grund, warum er sie also gegrüßt und selig gepriesen, nämlich allerdings nicht um ihretwillen, ihr damit Lob zu bringen, sondern um der Gnade willen, die sie bei Gott gefunden. „Denn du hast Gnade bei Gott gefunden.“ Und nach dieser Vorbereitung durfte er ihr die hohe Botschaft selber eröffnen. V. 31-33.: „Siehe, du wirst schwanger werden im Leib, und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein.“ Gabriel knüpfte, wie dort bei Zacharias, so hier bei der Maria seine Verkündigung an die alttestamentliche Weissagung, an das prophetische Wort an. Wäre der Maria das prophetische Wort unbekannt und fremd gewesen, so würde sie den Sinn der Worte des Engels auch nicht haben verstehen können. Da sie aber wohlbekannt und vertraut damit war, so fasste sie auch gleich und leicht und ganz, was der Engel ihr in diesen Worten verkündigte, dass der Sohn, den sie gebären werde, werde der im Alten Testament verheißene Messias sein. Die Hauptweissagung, auf welche der Engel hier deutlich zurückweist, ist die große, inhaltreiche Eröffnung, welche der König David von Gott durch den Propheten Nathan empfing, bei dem Anlass, dass er hatte wollen dem Herrn einen Tempel, ein Haus bauen, wie wir im 7. Kap. des 2. Buchs Samuel näher beschrieben finden. Da wurde dem Könige David der künftige leibliche Nachkömmling zugesagt, unter dem Namen des Sohnes Gottes und in der Eigenschaft eines ewigen Königs, auf dem Thron Davids, über das Volk Gottes. „Ich will sein Vater sein,“ heißt es dort, (2 Sam, 7,14.) „und Er soll mein Sohn sein. Dem will ich sein Reich bestätigen, und will den Stuhl seines Königreichs bestätigen ewiglich (V. 13.), und dein Stuhl, dein Thron soll ewiglich bestehen:“ (V. 16.) Wie tief David in den Sinn dieser göttlichen Eröffnung eindrang, wie wohl er sie verstand, und wie sein Herz darüber frohlockte, davon zeugt sein Lob- und Dankgebet, das er Gott dem Herrn dafür darbrachte, und welches in demselben 7. Kap. des 2. Buchs Samuel verzeichnet steht. Auf alle Hauptpunkte jener Verheißung weist der Engel Gabriel hier in seiner Verkündigung an die Maria zurück, und konnte so in wenig Worten ihr sagen, was ihr zu wissen nötig war. V. 31.: „Siehe,“ sagt er, „du wirst schwanger werden im Leib und einen Sohn gebären.“ Hiermit, mit dem, was der Engel von der Empfängnis und Geburt ihres Sohnes hier sagt, war derselbige sehr deutlich, seiner menschlichen Natur nach, bezeichnet, und zugleich auch auf seine leibliche Abkunft von David hingewiesen, die in der Weissagung vorhergesagt war. „Des Name sollst du Jesus heißen,“ setzte der Engel, nach dem göttlichen Befehl, den er empfangen, hinzu. 
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-Jesus heißt Erretter, Seligmacher, der sein Volk selig macht von ihren Sünden, wie dem Joseph nachher im göttlichen Traumgesicht der Sinn und die Kraft dieses Namens ausdrücklich gedeutet worden. Der ganze Zweck der Menschwerdung und Erscheinung des Sohnes Gottes im Fleisch ist ausgesprochen in diesem heiligen Namen. Denn was uns um die Seligkeit gebracht hat, und nun die Scheidewand aufgerichtet hat zwischen uns und der Seligkeit, das ist die Sünde, und nur die Sünde, weil diese allein es ist, die von Gott uns scheidet. Von der uns zu erlösen, und uns die ursprüngliche Gerechtigkeit und verlorene Seligkeit, die göttliche Kindschaft und Erbschaft wiederzubringen und wiederzugeben, dazu ist der Sohn Gottes Mensch geworden und in die Welt gekommen, darum heißt Er: Jesus. - V. 32. „Der wird,“ so fuhr der Engel fort, und sagte ihr nun mit den Worten jener Verheißung, wer der Sohn sei, den sie gebären werde, „der wird groß und Sohn des Höchsten genannt werden,“ - wie es in der Weissagung, dort heißt, dass der künftige Sohn Davids werde Gottes Sohn und Gott sein Vater sein. In jener Weissagung war der Erlöser zum ersten Mal als Sohn Davids und als Sohn Gottes, beides, verkündigt, und das darin ausgedrückte Geheimnis der Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in seiner Person hatte David schon im Glauben erfasst, wie sein Dankgebet dort und seine Psalmen beweisen. V. 32.: „Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben.“ Er wird Davids Thronfolger, nämlich der in der Weissagung dort dem David verheißene göttliche, ewige Thronfolger sein, von welchem Davids Thron und Herrschaft über das alttestamentliche Bundesvolk nur ein Vorbild war. V. 33.: „Und Er wird König sein über das Haus Jakob“ - so heißt hier die Kirche Christi, weil sie durch das von Jakob abstammende alttestamentliche Bundesvolk vorgebildet war „Er wird König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein.“ So bezeichnete ihr der Engel die Person dessen, dessen Mutter sie werden sollte. Die Weissagung, auf welche der Engel zurückwies, war ihr in keiner Weise fremd, darum fasste sie auch gleich und ganz den Hauptsinn der göttlichen Botschaft, dass der vom Anfang der Welt an verheißene Erlöser nun kommen, und dass sie ihn gebären solle, und je besser sie wusste, was in allen Propheten Großes und unaussprechlich Herrliches und Erfreuliches von Ihm geschrieben steht, und je mehr auch sie sich im Glauben auf seine verheißene Zukunft gefreut, wie von den Gläubigen der damaligen Zeit gesagt ist, dass sie auf den Trost Israels warteten und darauf harrten, umso mehr, da die in den Weissagungen bestimmte Zeit zu Ende lief, desto tiefer fühlte sie auch die Größe und das Gewicht der Gnade, die ihr zugedacht war, und verstand nun wohl, warum der Engel sie als die Hochbegnadigte und die Gesegnete unter den Weibern begrüßt hat. Sie richtete auch keine Frage an den Engel über den Sinn seiner Botschaft, denn sie verstand sie. Sie enthielt sich auch aller Einwendungen und Einreden, dass sie es nicht wert sei, dass sie das gar nicht verdiene, denn das verstand sich in ihres Herzens Demut von selbst, dass der Herr solches an ihr nicht um ihretwillen, sondern um Sein selbst willen, um seines Namens willen tun wollte. Sie erkannte, dass Eine Israelitin zur Erfüllung der großen Verheißung die Mutter werden musste, und dass es freie Gnade von Gott war, dass Er sie dazu ausersehen und auserkoren. Auch hatte ja der Engel selbst ihr das schon gesagt mit den Worten: „Du hast Gnade bei Gott gefunden.“ Von dem allem also redete sie auch nicht. Eins aber fasste sie nicht, über Eins hatten ihr die Worte des Engels noch keinen Aufschluss gegeben, nämlich wie sie sollte Mutter werden, da sie eine reine Jungfrau und eine reine Braut ihres Verlobten war. Darüber bedurfte sie nun einen Aufschluss, und dass sie sich nicht durch eine falsche Schamhaftigkeit abhalten ließ, danach zu fragen, ist nur ein neuer Beweis ihrer großen Sinneseinfalt und Reinheit. V. 34.: „Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? Sintemal ich von keinem Mann weiß?“ Der Engel Gabriel eröffnete ihr nun auch das Geheimnis der wunderbaren Empfängnis des Sohnes Gottes, der von ihr Mensch geboren werden sollte. V. 35.: „Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.“ - Der Engel legte es ihr hier aus, und es ist der Kirche Gottes hiermit ausgelegt für alle Zeiten, das große Geheimnis, das wir im 2ten Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses aussprechen mit den Worten: Empfangen vom Heiligen Geist, geboren von Maria der Jungfrau, das Geheimnis seiner Menschwerdung ohne Zeugung aus sündlichem Samen durch Wirkung des Heiligen Geistes im Leibe der jungfräulichen Mutter, das hohe Geheimnis, dass der ewige Sohn Gottes aus dem Leib der Maria wahre menschliche Natur durch Wirkung des Heiligen Geistes angenommen hat und so die göttliche und die menschliche Natur in der Einheit seiner Person vereinigt. In dieser wunderbaren Empfängnis findet auch die Unsündlichkeit und Heiligkeit der menschlichen Natur des Erlösers den göttlichen Aufschluss, den uns auch allein Gott der Herr selbst durch Offenbarung erteilen konnte. Hier trat der zweite Adam in die Welt ein durch eine neue Schöpfung, und doch so, dass er in das erstgeschaffene Menschengeschlecht sich hineinbegab, und ein wahrhaftiges Mitglied desselbigen wurde, durch die Geburt von einer Mutter aus des ersten Adams Geschlecht, als der wahrhaftige verheißene Weibessame, um unser Blutsfreund werden und an unsere Stelle treten zu können, sterblich auch, weil er seine menschliche Natur angezogen aus dem Leib einer sterblichen Mutter, um für uns sterben zu können, aber empfangen vom Heiligen Geist und darum ohne Erbsünde, ein ganz unsündlicher, reiner Mensch. Darum nennt ihn auch der Engel: „Das Heilige,“ das von dir geboren werden wird. 
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-Maria empfing, ohne darum zu bitten, nun auch noch ein Zeichen zu ihrer Stärkung und Befestigung im Glauben bei solcher wundersamer Eröffnung. Der Engel fügte noch hinzu: V. 36. „Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und geht jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, dass sie unfruchtbar sei.“ „Denn,“ sagt er, V. 37. an die Worte des Herrn bei der Verkündigung der Geburt des Isaaks - im hohen Alter Abrahams und Saras erinnernd, „Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Hiermit erhielt Maria zugleich einen Wink, wohin sie sich jetzt einstweilen zu begeben hatte, wo sie die Personen fand, denen sie sich öffnen, denen sie sagen durfte, was ihr durch den Engel hier offenbart war. Was nun Maria hiernach, nachdem sie über alles, was sie für jetzt bedurfte, belehrt war, was sie hiernach dem Engel erwiderte, das hören wir im letzten Vers unseres Textes, V. 38.: „Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ 
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-In dieser Antwort ist der ganze Adel der Demut wie des Glaubens der Maria ausgedrückt. Es war echte Demut, diese überschwängliche Ehre und Gnade, die ihr wurde, so anzunehmen mit Beiseitesetzung aller überflüssigen Bemerkungen, dass sie nicht einsehe, warum solches ihr widerfahre, siehe, sagt sie, ich bin des Herrn Magd; als des Herrn Magd wusste sie, dass es ihre Pflicht war, wo Er der Herr über sie verfügte, einfach zu gehorchen, dass die Wahl der Person, welche Er begnadigen und ehren wollte, dass das Seine Sache sei, wo Niemand, und auch sie nicht, darein zu reden hatte. Es gehört nicht wenig Demut dazu, große Gnaden von Gott hinzunehmen, ohne Selbsterhebung des Herzens, als schwere Leidensheimsuchungen von Gott sich gefallen zu lassen, ohne Verzagtheit des Herzens. Wir sehen an Maria hier den engen Zusammenhang der Demut mit dem Glauben, der sich in Gottes Willen fügt, derselbe mag mit Segen und Ehre überschütten, oder den Kelch der Leiden und Schmach reichen. Marias Benehmen ist hier ganz das Gegenteil des Benehmens des Petrus, da der Herr ihm die Füße wusch, und er das durchaus nicht zugeben wollte, Sie übertraf mit dieser Antwort Moses und die Propheten, wenn diese, da der Herr sie berief, zu Ihm sprachen: Herr, sende einen Andern. In Marias Verhalten hier haben wir ein Beispiel von dem, was der Herr sagt, wenn er uns heißt, umkehren, und wie die Kinder werden, um in das Reich Gottes kommen zu können. Gott ganz überlassen, was Gottes ist, und sich mit kindlicher Furcht und kindlichem Glauben an sein Wort, seine Befehle, halten, und sich weiter nicht umschauen, das ist der Kindersinn der Erben des Reiches Gottes. Sie hat die Botschaft des Engels, obwohl dieselbe kürzer ist, als bei Zacharias, völlig. verstanden, sie legt nichts in den Weg, fragt auch nicht nach einem Zeichen - die Frage, die sie tat, betraf nur, was sie ihrer jungfräulichen Reinheit schuldig war. Als sie auch darüber belehrt war, hatte sie genug, und weder das Wunderbare der Sache noch die Größe der Gnade. und Ehre störte sie in der Einfalt. des Glaubens und des Gehorsams. „Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.“ 
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-Unsere heutigen Textesworte, geliebte Zuhörer, führen uns mitten in die Geheimnisse des ewigen Gnadenrates Gottes über uns ein. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes in der Zeit, das Wunder seiner Empfängnis, die Vereinigung der wahren Gottheit und Menschheit in seiner Person, wie sein Mittleramt zwischen Gott und den sündigen Menschenkindern es erforderte, das sind diese Geheimnisse, und der Zweck ist unsere Erlösung von der Sünde, unsere Seligkeit, unsere Versöhnung, unsere Wiedervereinigung mit Gott durch ihn, den Mittler, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, und Niemand kommt zum Vater, denn durch Ihn. Durch Ihn, der den Frieden gemacht, wie der Apostel sagt, durch sein Blut, am Kreuze vergossen, also dass alle, die durch Ihn zu Gott kommen, gerecht und selig werden im Glauben an seinen Namen, durch Ihn ist und wird auch das durch den Fall des Menschengeschlechtes zerrissene Band der Liebe zwischen den Engeln und Menschen wiederhergestellt. Es ist das Amt und die Freude der Engel, ausgesendet zu werden zum Dienst derer, die die Seligkeit ererben sollen. Dieses ihr Amt hat auch keineswegs aufgehört, obwohl wir sie jetzt nicht sehen, wenn sie uns zu Gute gesandt werden und für uns wirksam sind. Die Engel und die Erlösten aus dem Menschengeschlecht sind und werden Eine große ewige Gottesgemeinde, sie haben ihr gemeinsames Haupt in Ihm, dem Mensch geworbenen Sohn. Aber, Geliebte, ihr seht, wie wir hier auch erinnert werden an das, was uns Not ist, Kinder Gottes und Erben seines Reiches wirklich zu sein, und wie uns möglich es ist, selig werden, so lange wir nicht selig in Ihm sind, und nicht seine begnadigten Knechte und Mägde sind, die da wissen, wem sie dienen und wem sie angehören im Leben und Sterben. Ach, dass wir alle von dieser argen Welt uns erretten, und in Einfalt der Gottesfurcht zum Reiche Gottes uns geschickt machen, und uns alle schmücken lassen wollten mit dem Kindersinn der Demut und des Glaubens, der vor dein Herrn Gnade hat. Berufen worden sind wir dazu alle, und werden es bis heute zu, so lange es für uns noch heute heißt. Wir kennen alle den, der die Fülle hat, zu geben, die Ihn bitten, und gesagt hat: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen. Aber geschehen kann es doch auch unter uns nur an denen, die zu Ihm kommen, und seines Segens begehren. Der Herr schaut auch unter uns umher, wo solche sind, die nicht ihr Teil suchen in dem, was hienieden ist, und nicht Wohlgefallen an sich selber haben, sondern dürsten nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit, und suchen sein Angesicht und fragen nach seinem Wort. Von denen lässt Er sich finden, und lässt sie wissen sein Geheimnis, dass sie bekannt werden mit seinen Wegen und vertraut werden mit seinem Wort, und lernen zu seinen Befehlen bereit stehen, wie Maria stand. Das war und ist auch jetzt der Weg, um von dem Herrn heimgesucht zu werden mit den Erfahrungen seiner Gnade. Denn wer sucht, der findet. Wie kann finden, wer nicht sucht, und die Wege Gottes in seiner eigenen Führung verstehen lernen, wer sie überhaupt nicht versteht, wie kann sie verstehen lernen, wer sie nicht aus seinem Worte und dessen eigener Übung verstehen lernt? Wer mit zerstreutem, vom Tande und der Eitelkeit dieser Welt eingenommenem Gemüte von dem Verderben der Welt errettet und ein Erbe des ewigen Lebens zu werden hofft, der irrt. Niemand kann sein Teil in dem, was droben, und in dem, was hienieden ist, zugleich suchen. - Wo des Menschen Schatz ist, da ist auch sein Herz. Auf wunderbare Heimsuchungen der Gnade Gottes, wie sie in den Tagen der göttlichen Offenbarung und ihrer Einführung in die Welt nötig waren, sind wir nicht angewiesen. Aber die ordentlichen Gaben des Heiligen Geistes, in unserer Erleuchtung durch sein Wort, in unserer persönlichen Begnadigung mit der Vergebung unserer Sünden, im Frieden Gottes in unserem Herzen, in der Heiligung unseres Herzens und Wandels, auf Hoffnung des ewigen Lebens, diese ordentlichen Gaben des Heiligen Geistes, die bedürfen wir alle zum Seligwerden, und an deren Erlangung müssen wir auch Alles setzen, und ringen danach, bis wir Gewissheit haben, dass wir begnadigte Knechte und Mägde des Herrn sind, und ihn darin nicht lassen, Er segne uns denn! Dann lässt Er uns auch hienieden schon wissen, dass Er mit uns ist auf unserem Weg, in den Erfahrungen seiner Nähe, seiner Vorsorge, seiner Hilfe, seiner Freundlichkeit und seiner Weisheit. Und wie wir vor Ihm wandeln, wandelt Er mit uns, und ist unsere Sonne und Schild, und unseres Lebens Kraft und im Tod unsere feste Burg, unser Hort, auf den wir hoffen, bis Er uns einführt in sein himmlisches Königreich, wo wir Ihn schauen werden von Angesicht, und die Genossen seiner Herrlichkeit sein sollen ewiglich. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Krause, Cäsar Wilhelm Alexander - Was lehrt Jesus vom Jüngsten Tage?====== 
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-Predigt am zweiten Sonntag des Advents. 
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-**Mein Gott, nimm mich nicht fort in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für. Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand; sie werden verwandelt wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Amen.** ((Ps. 102,25-28)). 
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-So, geliebte Gemeinde, rühmt der Psalm die Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes gegenüber der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit der Welt. Aus dem Nichts hat sein allmächtiges Schöpferwort sie hervorgebracht, hat sie, wie solches der allgemeine Ratschluss der schaffenden Weisheit zu sein scheint, in geregeltem Entwicklungsgang den Grad der Ausbildung gewinnen lassen, den wir jetzt sehen, wird sie sicher auch weiter führen auf der Bahn, die er ihr angewiesen hat, und in seiner Macht steht es, sie zu verwandeln, sie in das Nichts wieder aufzulösen, aus dem er sie hervorgerufen. Aber wird das wirklich einmal geschehen? Das ist eine Frage, die die Menschen gar vielfach schon beschäftigt, nicht selten sie in Angst und Schrecken versetzt hat, deren Beantwortung aber jedenfalls eine würdige Aufgabe für ihre Wissenschaft ist. Allein welche Grundlagen, welche Anknüpfungspunkte für dieselbe bieten sich dar? Wohl kann man aus der Beschaffenheit, aus dem bisherigen Bildungsgange eines Wesens auf die in demselben wirkenden Naturgesetze und auch auf die nach diesen wahrscheinliche Fortbildung desselben schließen; aber solcher Schluss ist immer ein gewagter, teils weil uns dazu die Gesetze der schaffenden Natur zu wenig bekannt sind, teils weil aus ihnen immer nicht die Grenze der Fortbildungsfähigkeit eines Wesens festzustellen sein würde. Und dann sind es ja auch nicht tote Gesetze, es ist ein lebendiger Geist, es ist Gott, der über ihnen steht, dessen Wille und Ratschluss sich in ihnen ausspricht; wer aber hat des Herrn Sinn erkannt? Darum werden die Fragen: Was wird der Mensch, was wird das Menschengeschlecht, was wird die Erde einst sein? immer auch ein Gegenstand des religiösen Nachdenkens sein, und die Antwort, welche solche Manner, in denen wir die Träger einer göttlichen Offenbarung verehren, darauf geben, wird für uns immer entscheidend sein müssen, und umso mehr sein können, wenn wir uns überzeugen, dass sie mit den von uns erkannten Gesetzen der natürlichen und der sittlichen Welt in vollem Einklange stehen. 
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-Solche Antwort auf diese Frage geben uns denn auch die heiligen Urkunden unsers Glaubens. Aus dem Munde Jesu haben wir die Zusicherung, dass der Mensch zum ewigen Leben berufen sei, wie er es ja sein muss, wenn die ihm gestellte Aufgabe: nach der Vollkommenheit zu streben, nicht ein leerer Klang sein soll; dass ein Gericht ihn erwarte; dass aber auch dem ganzen jetzigen Zustande dieser Erde ein Ziel gesetzt sei, und dem Menschengeschlecht mit ihm. Er lehrt uns dies, teils um seiner Zeit verständlich zu werden, teils weil wir ja für das, was nicht in den Kreis unserer Sinne oder Erfahrungen fällt, eigentliche Bezeichnungen nicht haben, im Gewande des Gleichnisses, des Bildes, und es ist nun unsere Ausgabe, aus dem Bilde den Kern seiner Lehre heraus zu finden, ihn anzunehmen und geistig zu durchdringen. Solche Unterweisung enthält auch unser heutiges Sonntagsevangelium. Jesus spricht in demselben von dem Jüngsten Tage. Mit ihm haben sich die Menschen schon sehr viel zu schaffen gemacht, besonders zu jener Zeit, da die wörtliche Auffassung des Schriftwortes noch für die einzig berechtigte galt, ja zu den Glaubensartikeln gehörte, und in deren Folge der Aberglaube noch weiter als jetzt verbreitet war. Da wurde oftmals der jüngste Tag als nahe bevorstehend verkündigt, aus jeder auffallenden Naturerscheinung glaubte man auf seine Nahe schließen zu können, und solche Verkündigung verfehlte dann nicht, Angst und Schrecken hervorzubringen, und die Menschen zu mannigfachen Torheilen zu veranlassen. Da aber diese Voraussagungen sich immer als grundlos erwiesen, so gab es Viele und gibt deren noch, welche den Jüngsten Tag in das Gebiet der Träume verweisen zu dürfen glaubten, wie denn der Aberglaube ja immer die Wirkung hat, dass er als Gegensatz den Unglauben hervorruft. Beides, wie ich glaube, ist unrecht, und die Wahrheit liegt auch hier wohl, wie gewöhnlich in der Mitte. Jedenfalls weiß ich keinen sichereren Bürgen für sie zu finden, als Jesum, und dass er von dem Jüngsten Tage spricht, scheint mir unleugbar. Darum ist es unsere Christenpflicht sein Wort zu hören; das wollen wir auch heute tun und daraus die Frage beantworten: 
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-**Was lehrt Jesus vom Jüngsten Tage?** 
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-(Gesang. Gebet.) Evangelium Lukas 21,25-36.  
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-In dem vorgelesenen Evangelio, nicht minder in dem 24. Kapitel des Evangeliums des Matthäus, in dem 13. des Evangeliums des Markus spricht der Heiland ausführlich von dem einstigen Ende des jetzigen Zustandes der Dinge auf Erden in unmittelbarer Verbindung mit seiner Hinweisung auf die nahe bevorstehende Zerstörung Jerusalems. Wenn in Folge dessen auch die ersten Christen sich das Eintreten beider Ereignisse als unmittelbar verbunden dachten, und darum eine Wiederkehr des Herrn noch bei ihrem Leben erwarteten, wie solche Hoffnung selbst von den Aposteln in einigen Stellen ausgesprochen wird((1. Kor. 15,51.52. 1. Thess. 4,17)), so hat die Erfahrung diese Hoffnung genügend widerlegt. Daraus folgt aber nicht, dass, weil das letzte Ereignis nicht in derjenigen unmittelbaren Verbindung mit dem ersten eintraf, in welcher die Apostel es setzen zu dürfen glaubten, es darum überhaupt nimmer eintreffen werde. Vergleichen wir vielmehr die Rede Jesu in dem heutigen Evangelio mit seinen übrigen Aussprüchen über den gleichen Gegenstand, und betrachten wir sie genauer, so gewinnen wir dadurch die unumstößliche Überzeugung: 
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-Jesus lehrt jedenfalls, dass einmal ein solcher Zeitpunkt, der gewöhnlich der jüngste Tag genannt wird, eintreten werde, und wir erkennen zugleich den Grund, warum seine Bekenner auf Erden würden erdulden müssen, und mit der Ankündigung der furchtbaren Zerstörung, welche dem jüdischen Tempel und dem jüdischen Reiche bevorstehe: er wollte dadurch ihre noch immer gehegten irdischen Erwartungen gründlich zerstören. Wie fest die Jünger an diesen hielten erkennen wir ja daraus, dass sie selbst nach seiner Auferstehung ihn noch fragten: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel?((Apg. 1,6)) Umso mehr schmeichelten sie sich noch vor seinem Tode mit der Hoffnung auf ein weltliches Messiasreich, in welchem sie zeitliches Glück und irdische Herrlichkeit als den Lohn ihrer Treue gegen den von ihnen erkannten Messias erwarteten((Mat. 20,21.24. Mat. 19,27. Mk. 9,34)), und Jesu musste alles daran gelegen sein, diesen tiefeingewurzelten Wahn bei ihnen zu beseitigen. Darum verkündet er ihnen die Feindschaft der Welt, die Verfolgung, den Märtyrertod, verkündet ihnen die Vernichtung des jüdischen Tempels und Reiches, damit sie nicht mehr an ein weltliches zu Jerusalem von ihm aufzurichtendes Reich denken möchten, wie die National-Hoffnungen der Juden solches von dem Messias erwarteten. Damit aber diese irdischen Hoffnungen sich nicht an irgendeinen andern Zeitpunkt dieses Lebens knüpfen möchten, setzt er hinzu: Nicht eher werde sein Reich äußerlich kommen, bis die jetzige Ordnung der Dinge auf dieser Erde, bis das jetzt sie bevölkernde Geschlecht von Menschen seine Bestimmung erreicht haben werde, wo dann eine neue Weltordnung bevorstehe. - Wir erkennen daraus einen dreifachen Zweck, um dessentwillen der Heiland diese Lehre so nachdrücklich vortrug: zuerst um die irdischen Messiashoffnungen der Jünger gründlich zu zerstören; dann, um ihnen zu zeigen, dass das Menschengeschlecht keineswegs für die Ewigkeit an diese kleine Erde und ihren jetzigen Zustand gebunden sei, sondern eine weitere Entwicklung ihr bevorstehe, und endlich, um sie zu einer solchen Gewissenhaftigkeit des Denkens und Lebens zu bewegen, dass sie zu jeder Zeit bereit sein möchten, vor den Stuhl des Richters zu treten, und Rechenschaft von ihrem Wandel abzulegen. - Aus der Wichtigkeit dieser Lehren lasst sich denn auch natürlich der Nachdruck erklären, mit welchem Jesus diese Lehre vorträgt. Er will sie recht innig seinen Jüngern an das Herz legen. Darum bedient er sich, der Sitte seines Volkes und seiner Zeit gemäß, sinnlicher und ergreifender Bilder, schildert diese Ereignisse als eine Versammlung aller Menschen vor dem Richterstuhle des Ewigen und seines Gesandten, berufen von dem Weltdurchdringenden Tone der letzten Posaune, begleitet von gewaltigen Naturerscheinungen - bedeutungsvolle Bilder und Gleichnisse, wie sie der Sprache des Morgenländers so eigen sind, wie wir sie ja auch in andern Reden Jesu vorfinden und wegen ihrer Kraft und Schönheit bewundern. 
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-Entkleiden wir nun diese Rede ihres bildlichen Ausdrucks, so finden wir nichts, dessen Wahrheit irgendwie zu bezweifeln stände, wohl aber Alles geeignet, den tiefsten sittlichen Eindruck auf den Geist und das Herz der Menschen zu machen. 
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-Diese Ordnung der Dinge auf Erden soll also einmal aufhören! Bewundern und als einen Beweis seiner göttlichen Erleuchtung ansehen muss man es, dass Jesus dies zu seiner Zeit, da die Wissenschaft noch schlief, so klar erkannte und verkündete - an der Wahrheit dieser Verkündigung kann aber heute kein Mensch mehr zweifeln. Schon Moses lehrt uns in seiner Schöpfungsgeschichte mit bewundernswürdiger Wahrheit, dass diese Erde, welche wir bewohnen, nicht durch eine einzige Tat des Schöpfers in der Gestalt und Einrichtung hergestellt ist, in welcher wir sie jetzt sehen, sondern dass sie verschiedene Entwicklungsperioden, die er Tage nennt, durchgemacht hat, und die Wissenschaft bestätigt dies durchaus. - Ja es hat einmal einen Zeitraum gegeben, da die Erde noch wüste und leer war, denn die in ihm entstandenen Schichten unserer Erdrinde enthalten weder Spuren von Pflanzen noch von Tieren. Ihm ist ein anderer Zeitraum gefolgt, in welchem schon ein Pflanzenreich die Erde bedeckte, von welchem mächtige Überreste auf uns gekommen sind. Diesem Zeitraum folgte ein anderer Tag des Erdenlebens, in welchem gewaltige Tiere diese Erde bevölkerten, wie wir sie jetzt nicht mehr lebend finden, deren Spuren aber ebenfalls uns erhalten sind, ohne dass aus ihrer Zeit ein Zeugnis für das Dasein des Menschen dargeboten würde. Alle diese Zeiträume sind durch gewaltige Umgestaltungen der Oberfläche unserer Erde begonnen und beendet worden - und wenn wir in dem jetzigen Zeitraum das Menschengeschlecht die Erde inne haben und bewohnen sehen, wollen wir denn so eitel sein zu glauben, dass sie damit ihren höchst möglichen Zweck erreicht habe, uns zu beherbergen? Wollen wir, wenn wir bis auf uns diese Erde in steter Fortbildung erblicken nun willkürlich behaupten: das bisher geltende Gesetz habe uns zu Ehren zu wirken aufgehört? Nein, es wird ein Tag kommen, da der Himmel Kräfte sich wieder bewegen, die Wasserwogen wieder brausen werden, um, nach dem Willen des Vollkommenen, der Alles zur Vollkommenheit sich entwickeln lassen will, weil seine Liebe Alles zu sich heranzieht, eine neue vollkommenere Ordnung der Dinge auf dieser Erde zu gestalten. Was Jesus vorher verkündigt, wird eintreten, und der Tag, an welchem Solches geschehen wird, wird für die jetzige Weltgestaltung der letzte, der jüngste Tag sein. 
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-So wie für diese, so auch für das Menschengeschlecht in seiner jetzigen Ausstattung. Oder wollen wir zweifeln, dass dasselbe auch als ein Ganzes seine große gottgegebene Bestimmung habe, zu deren Erreichung jeder Einzelne nur seinen Teil beizutragen hat? Wollen wir daran zweifeln, dass diese Aufgabe einmal erfüllt, werden werde, die wir ja sehen, welche mächtigen Fortschritte in geistiger und sittlicher Bildung große Teile dieses Menschengeschlechtes in wenigen Jahrtausenden getan haben; und was sind diese Jahrtausende im Vergleiche zu der Ewigkeit Anders, als eine kurze Spanne Zeit? Wollen wir zweifeln, dass was einzelnen Völkern gelang endlich auch allen Menschenstämmen gelingen, dass sich an ihnen der Wille Gottes erfüllen werde, nach welchem allen Menschen geholfen werde, alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen sollen?((1. Tim. 2,4)) Müssen wir es nicht ganz natürlich und vernünftig finden, dass dem Menschengeschlecht dann, wenn es das in der jetzigen Weltgestaltung Erreichbare erreicht hat, ein anderer, seinen dann erlangten Kräften von Neuem entsprechender, eine noch weitere Entfaltung derselben anregender und zulassender Wohnplatz hier oder anderswo werde angewiesen werden? Ja gewiss, Jesus lehrt es, dass ein jüngster Tag für diese Erde einstmals eintreten werde, und Vernunft und Wissenschaft stimmen ihm darin vollkommen bei. 
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-Aber mit diesem Tage soll auch ein allgemeines Gericht verbunden sein, und es fällt uns allerdings schwerer, dies für den Plan der göttlichen Gerechtigkeit notwendig zu erkennen, wie denn auch die Aussprüche Jesu über diesen, doch jedenfalls geistig zu fassenden Hergang auch dunkler und bildlicher sind. - Jeder Mensch hat zuvörderst seinen eignen Jüngsten Tag - der, an welchem er stirbt, und an diesem muss auch notwendig ein Gericht eintreten. Denn nach dem ganzen geistigen und sittlichen Zustande, den ein Mensch bei seinem Scheiden von dieser Erde erlangt hat, muss sich der Zustand richten, in welchem er in die andere Welt eintritt, und darin spricht sich schon das Ergebnis eines Gerichtes aus. - Danach ließe sich wohl die Vermutung ausstellen, dass diese einzelnen Jüngsten Tage, diese Einzelgerichte in dem Bilde eines Gesamtgerichtes zusammengefasst sind, denn der Unterschied der Zeit verschwindet ja vor dem Unendlichen, und am Ende der Tage werden sie alle vollzogen sein. - Der Umstand jedoch, dass Jesus sich als den Richter nennt, dass er alle Völker als versammelt darstellt, lässt auch eine andere Annahme als begründet erscheinen. Er hat sein Evangelium der Menschheit gebracht, damit sie durch dasselbe erlöst und für das Himmelreich erzogen würde. Das Evangelium ist die Sache nicht des einzelnen Menschen, sondern der Menschheit. Will Jesus etwa damit andeuten, dass die Menschheit, wenn sie ihren Lauf auf dieser Erde vollendet haben wird, von ihm zur Rechenschaft gezogen werden würde: Wie hast du, Menschheit, das Gnadengeschenk Gottes, das ich dir gebracht, angewandt und in dir wirken lassen? - Doch - wir müssen uns bescheiden, dies Dunkel nicht aufhellen zu können, wir müssen uns begnügen, aus dem Worte Jesu die allgemeine Wahrheit anzunehmen: dass mit dem Ende das Gericht komme. -  
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-Und wann wird dieser Zeitpunkt eintreten? Das weiß Niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater((Mk. 13,32)). So spricht Jesus! Sollte man glauben, dass nach diesem so entschiedenen Ausspruche des Herrn noch so Viele sich die unfruchtbare Mühe gemacht haben, diesen Zeitpunkt auszugrübeln und auszurechnen, und dadurch furchtsame und abergläubische Gemüter in Angst und Schrecken zu versetzen? Und doch ist es oft geschehen, ja schon die neutestamentlichen Schriftsteller haben diesen Zeitpunkt in einen so nahen Zusammenhang mit der Zerstörung Jerusalems gebracht, wie dies nach dem obigen Ausspruche des Herrn in der ursprünglichen Rede Jesu unmöglich der Fall gewesen sein kann, und wie es sich ja als unbegründet erwiesen hat. - Aber auch hier müssen wir uns wieder bescheiden, dass diesen Schleier zu lüften dem menschlichen Geiste nicht verstattet sei; vielmehr sind alle darauf hingerichteten Bestrebungen vermessen, und alle darauf sich etwa gründenden Vorherverkündigungen gehören in das Gebiet des Aberglaubens und können uns nicht mehr schrecken. Was Gott seiner Weisheit und seiner Macht vorbehalten hat, wollen wir in Demut erwarten, und den Herrn preisen, dass er es uns verborgen. Wir wissen nicht, wie nah oder fern der Zeitpunkt des Gerichtes uns ist, und das hat den doppelten Vorteil für uns, dass wir der mit dem Nahen des bekannten Zeitpunktes wachsenden Angst und Pein enthoben sind; aber auch, dass wir uns nimmer sicher fühlen dürfen, und es vielmehr als die wahre Lebensweisheit erkennen müssen, so zu leben und zu handeln, als wenn jeder Tag für uns der letzte wäre; in jedem Augenblicke uns bereit zu halten vor den Thron des Richters zu treten. - Und so stehen wir ja wirklich da, dass es keinen Augenblick der Sicherheit für uns geben kann; dass weder der Jugend Blüte, noch des Leibes Kraft und der Gesundheit Fülle unser Hiersein für den nächsten Tag sicher verbürgt, und der Mahnungen ergehen genug an uns, welche uns erinnern, dass jeder Tag unser jüngster, der Tag unsers Todes sein kann. Müssen wir auf diesen uns jederzeit vorbereiten, da wir ja wissen, dass Keiner ihm entgeht, hoffen wir jedoch durch Gottes Gnade und im Ringen nach dem Frieden eines guten Gewissens den Übergang aus dieser Welt in eine andere siegreich zu überstehen, - warum sollte uns denn vor jenem allgemeinen Tage der Wiedergeburt bangen und grauen? Wird sich nicht auch in ihm das Walten des Gottes kund geben, der die Liebe ist? Freilich schildert der Heiland uns diesen Zeitpunkt, als einen der Bangigkeit, des Schreckens und der Erwartung - aber doch als nichts Anderes, wie als eine außerordentliche Regung der Kräfte des Himmels und der Erde - mit einem Worte: der Naturkräfte; es ist die Stunde der Geburt einer neuen Ordnung der Dinge, und nach den allgemeinen Gesetzen der Natur ist jede Geburtsstunde, obwohl nur eine natürliche Entwicklung, doch immer ein Augenblick der Angst, der Bangigkeit, der Schmerzen, der Gefahr. 
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-Wie groß diese aber auch sein mögen, Jesus lehrt uns auch von dem Jüngsten Tag, dass wir seinen Schrecken entgehen können. So seid nur wacker alle Zeit und betet, spricht er, dass ihr würdig werden mögt zu entfliehen diesem Allen, und zu stehen vor des Menschen Sohn; und an einem andern Orte: So wacht nun, denn ihr wisst nicht, wenn der Herr kommt, auf dass er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich Allen; Wacht! Also auch uns ist diese Mahnung zugerufen; wir wollen sie daher beherzigen. Nur dann werden wir uns wacker halten in aller Zeit, wenn wir wachsam sind auf uns selbst, dass nicht irgendeine böse Neigung oder Leidenschaft bei uns einwurzele, denn umso schwerer wird es uns werden, sie auszurotten, je länger sie von unserem Herzen Besitz genommen hat; wachsam, dass nicht eitle Selbstzufriedenheit uns betrüge, indem sie uns zuflüstert, wir seien schon gut, während wir es doch erst, und immer besser werden sollen; wachsam auf die Zeit, in welcher wir leben, und ihre Zeichen, damit wir die aus ihnen sich für uns ergebenden Pflichten erkennen und ihnen genügen. Ist es so nun nicht schlechte Selbstsucht, sondern heilige Pflichttreue, welche uns erfüllt und in unserem Denken und Handeln uns leitet, so sehen wir getrost jedem Wechsel der Zeit und der Geschicke entgegen, und Tod und Gericht können den nicht schrecken, der treu ist in der Liebe. Denn auf diese Treue in der Liebe wird der Herr sehen wenn er kommen wird, die Seinigen zu richten, nicht auf ihr Glaubensbekenntnis, Das ist endlich das Wesentlichste, was er als Anweisung für unser Leben uns von dem Jüngsten Tage verkündet, und dies Wesentliche haben die Menschen gerade am häufigsten übersehen, während sie über das Unwesentliche sich auf das Heftigste gestritten haben. Jesus stellt sich aber uns selbst im Bilde als Richter dar und alle Völker der Erde um ihn versammelt, und da fragt er nicht: Bist du katholisch oder reformirt oder lutherisch gewesen, hast du au Dies oder an Jenes geglaubt? sondern er spricht zu denen auf seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich so gesehen und haben dir das getan? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan! - O, nur dies Eine lasst uns lernen von dem Herrn und es bewahren in einem treuen Herzen. Alles Andere können wir getrost Gott anheimstellen, dies aber ist unsere Sache; hier ist es uns ausdrücklich gesagt, worin wir sollen wacker sein, um den Schrecken des Gerichtes zu entgehen, nämlich darin, dass wir Liebe üben an unseren Brüdern; denn die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Amen. 
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-======Krummacher, Friedrich Wilhelm - Christi Reich.====== 
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-Predigt über Lukas 3,7-18. 
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-gehalten am 2ten Adventssonntage, den 8. Dezember 1851. 
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-Lukas 3,7-18.\\ 
-**Da sprach er (Johannes) zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte, wer hat euch gewiesen dem kommenden Zorne zu entrinnen? So bringet nun rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmet euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch, Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Ja, es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt: welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zween Röcke hat, der gebe dem ab, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also. Es kamen auch Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt noch Unrecht und lasest euch genügen an euerm Golde. Da aber das Volk in Erwartung stand und gedachten alle in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht Christus wäre; antwortete Johannes und sprach zu Allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, die Riemen seiner Schuhe aufzulösen; der wird euch mit dem heil. Geist und mit Feuer taufen. In desselben Hand ist die Wurfschaufel und er wird seine Tenne fegen, und wird den Weizen in seine Scheune sammeln und die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. Und viel Anderes mehr vermahnte und verkündigte er dem Volk.** 
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-Geliebte in dem Herrn! Durch die Adventszeit, die trübste im Reiche der Natur, im Reiche Gottes die Zeit der **Ahnung** und der **Hoffnung**, hallt, dem Sinne und der Bestimmung der christlichen Kirche nach, vorherrschend der Klang der Buß- und Bettagsglocke. Die Zeit der Bereitung zum Empfange dessen ist sie, der in der heil. Weihnacht kommt. Diese Bereitung aber vollzieht sich nur in erneuter Vergegenwärtigung unsres elenden, hilfsbedürftigen Zustandes, und in reumütiger Beugung vor dem großen Gott. Hat die verflachte und verweltlichte Christenheit unserer Tage aus der Adventszeit etwas Andres gemacht, so ist sie auch hierin von der ursprünglichen Meinung und Anordnung der Kirche abgefallen, welche von Alters her den Advent mit dem Epistelworte Römer 13,11-14 einzuleiten pflegt, und die uns hinausweist in die Wüste zu Johannes, und unter den Schall seines Mark und Bein durchdringenden Wortes. 
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-Wir folgen ihrer Stimme, und scharen uns aufs Neue um den ernsten Adventsherold. War es am verwichenen Sonntage seine **Berufung** und sein **Amt**, worauf wir unsre Blicke richteten; so ist es heute seine **Predigt**, die unsre Andacht beschäftigen wird. Eine doppelte Mission hatte Johannes überkommen. Auf die Grenzmarke zwischen der alt- und neutestamentlichen Heilsordnung gestellt, sollte er zuerst als anderer Elias in die Sündennacht einer tiefverirrten und verschuldeten Menge den Blitz des göttlichen Gesetzes schleudern, und sodann vorbereitend die Welt in die Natur und das Wesen des nahenden Christusreiches einweih’n. Dem letzteren Auftrage entspricht er, und zwar in praktischer Weise, auch in der ebenso gewaltigen, als kurzen und gedrungenen Ansprache, die wir ihn heute an die um ihn Versammelten richten hören. Das anbrechende Reich wird uns hier in zwar nur flüchtig hingeworfenen, aber nichts desto weniger sehr scharfen Umrissen vor Augen gezeichnet; und wir ersehn aus dieser Darstellung: 1) es ist **kein Reich von dieser Welt**, wenn gleich ein Weltreich; 2) kein Reich des Scheins, sondern **ein Reich der Wahrheit**; 3) kein Reich eines falschen Friedens, sondern **ein Reich gründlichster Hülfe**; 4) kein Reich des Gesetzes, aber doch **ein Reich der Heiligung**; und endlich 5) kein Reich der Forderungen, sondern **ein Reich der Gnade**. 
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-Der Herr begleite unsre Betrachtung mit seinem Segen, und hebe selbst uns von den Wundern seines Königreichs den Schleier! 
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-Die Kunde von dem Auftreten des geheimnisvollen Mannes in der Wüste hat sich bald wie ein Lauffeuer durch das ganze Land verbreitet. Das Volk, empfänglich für dergleichen Erscheinungen, und seit Jahrzehnten durch das immer wieder auftauchende Gerücht von der nahbevorstehenden Ankunft des Messias in fortdauernder und wachsender Spannung erhalten, strömt,  heilsbegierig teils, teils nur dem Zuge der Neugier folgend, in Schaaren zu ihm hinaus. Johannes steht ernst und gehalten auf seinem Posten; und ob Juden sich ihm nähern oder Heiden: er richtet an alle dasselbe Wort der Aufforderung wie der Verheißung. Die nationalen Schranken sind ihm gefallen. Sein durch den Geist Gottes geöffnetes Ohr hört weithin über der ganzen Menschheit die Glocke der Erbarmung läuten. Die **Welt**, und nicht mehr Israel nur, sieht er in einem großartig seligen, von keinem unbiblischen Auserwählungsglauben mehr getrübten Blicke, vom Arme der rettenden Gottesliebe umschlungen. Er gibt diese seine weitherzige und freie Anschauung mit einem Worte kund, wie es  in so auffallender und greller Gestalt auf Erden noch nicht verlautet war. **“Gott“**, spricht er, hinwinkend auf die ihn umstehenden Heiden, **“kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.“** Es sind ihm also die Kinder Abrahams nach dem Fleisch,, welche freilich nicht anders, als durch Geburt und Abstammung ins Leben treten können, nicht mehr die alleinigen Erben der göttlichen Gnadenschätze. Er sieht in neutestamentlich erleuchtetem Geiste den Kreis der Abrahamskinder ins Unermessliche erweitert. So Viele Abrahams **Sinn** und **glauben** teilen unter allen Völkern, Geschlechtern und Zungen der Erde, treten vor seiner Betrachtung in Abrahams Erbschaft ein. Und ist nicht in der Tat geschehen, was Johannes im Geist voraussah? Über wie weiten Gebieten entfaltete sich bereits seit achtzehn Jahrhunderten das Banner des Gnadenreichs; und der **Mission**, selbst unter den verkommensten Völkerschaften, ward durch das Wort: **“Gott kann dem Abraham auch aus diesen Steinen Kinder erwecken“**, der Stempel der göttlichen Sanktion und zugleich die Verheißung ihres unausbleiblichen Gelingens an die Stirn gedrückt. Zum **Weltreiche** ist Christi Reich bestimmt; und es wird, wie auch der Satan sich dawider stemme,  diese seine Bestimmung  unfehlbar erfüllen. Über seine Feinde wird es hinschreiten wie der Wagen eines Dreschers über die Garbenbündel, und vernichtend oder rettend, je nachdem man sich zu ihm stellt, der Zeit entgegeneilen, da, „der Herr nur Einer sein wird und sein Name nur **einer**.“ 
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-**Weltreich** soll, will und wird das Reich Immanuels sein; aber es ist **kein Reich von dieser Welt**. So wenig sich’s auf weltliche Kräfte stützt, neigt’s auch dazu, in weltlicher Herrlichkeit zu erscheinen. Wäre das Reich von dieser Welt, Johannes würde in der Wüste ganz anders verfahren sein, als wir ihn verfahren sehn. Er würde, da, in die allgemeine Bewegung mit hineingerissen, auch Pharisäer, Schriftgelehrte und Sadduzäer ihm sich näherten, gewiss Alles aufgeboten haben, um diese mächtigen, angesehenen und einflussreichen Männer vor allen Dingen bei der Fahne festzuhalten, die er aufzurichten erschienen war. Er hätte allerlei Konvienzen sich erlaubt, in seiner Predigt mildere Seiten aufgezogen, dies und das an den Männern glimpflich beurteilt, oder nachsichtig übersehen, und wer weiß was für Zugeständnisse ihnen gemacht, um nur ihre Namen in die Bürgerlisten des neuen Reiches hineinzubringen. Aber so wenig liegt ihm daran, diesem Reiche nur äußerliche Parteigänger zuzuführen, dass er die Volkshäupter mit einem Willkommsgruße auf die Probe stellt, der freilich weit mehr geeignet war, sie für immer abzuschrecken, und seiner Sache zu entfremden, als sie anzulocken. „Ihr Otterngezüchte“ (buchstäblich: Ihr Brut der Schlange) donnert er sie an; „wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorne zu entfliehen? Bringet rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmet euch nur nicht vor zu sagen: „Wir haben Abraham zum Vater;“ und wie er weiter spricht. „Könnt ihr euch,“ will er sagen, „diesem Worte des Gerichts bußfertig beugen, dann kommt; schlagt ihr aber halsstarrig wider diesen Stachel aus, so bleibt zurück: euch kann das Reich nicht brauchen!“ – Hiermit bezeichnet er aber deutlich den Charakter dieses Reiches, welches allerdings Gott dem Herrn als für eine besondere Gnade dankt, wenn Er ihm Könige zu Pflegern, Fürstinnen zu Säugammen, Chorführer der Wissenschaft zu Vorkämpfern , oder Männer des Ansehens und des öffentlichen Vertrauens in andern Gebieten zu Bannerträgern schenkt; das aber auch da schon vorhanden ist, und weder zu verzagen noch zu erröten Ursache zu haben glaubt, wo es in der äußersten Knechtsgestalt einhergeht, und sich nur auf Tagelöhner und Bettler beschränkt sieht. Seine Macht wie seinen Ruhm setzet es darein, nicht, dass es vielvermögende, mächtige, angesehene und einflussreiche Leute im Sinne der Welt zu seinen Gliedern zählt, sondern, dass seine Bürger wahrhaftig **aus der Welt erwählt** und mit Christi Geist getauft und versiegelt sind. In **dieser** Gestalt weiß es Gott den Herrn mit dessen ganzer Liebe auf seiner Seite, den Himmel über sich aufgetan, den Zugang zum Throne der Gnaden offen und frei; und sein die Verheißungen Gottes, sein den Sieg über die Welt, die Zukunft, und was Alles sonst noch! Und ist es schwach, das Reich, so ist es stark; und ist es untertreten, so blüht’s erst recht. Es rollen in diesem Augenblicke wieder verhängnisvolle Donner am politischen Horizonte hin; Christi Reich sitzt stille und wartet zu, was werden will. Für sich kann es nichts befürchten, da es in der Regel im Ungewitter fröhlicher gedeihet als bei Sonnenschein; und wenn etwa Tage der Sichtung alle halben Freunde ihm entführten, so würde das ihm, welches nicht in der **Menge** seiner Glieder seine Kraft sucht, nur Gewinn sein, wie einem Baume, wenn er vom Schlinggewächs, das ihn umrankte, befreit und gereinigt wird. Seht also, wie das Reich nicht von dieser Welt ist, und lasst es euch darum nicht wundern, wenn in demselbigen einige Fischer von Bethsaida, eine Handvoll Zöllner, ein Teppichweber, ein Krämer wie Petrus Waldus, ein Augustinermönch von Erfurt, ein Bandwirker wie Tersteegen, und mitunter Leute noch geringeren Rangs und Standes die ersten und die höchsten Orden tragen. Alles gilt, tut und entscheidet hier der Geist aus Gott. 
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-Wer nur so obenhin darein sah, konnte gewiss nicht anders, als sich freuen, auch Männer, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, mit der Bitte um die Taufe dem Prediger in der Wüste sich nähern zu sehn. Ja, will es doch schier auch uns so werden, als müssten wir dem Täufer zurufen: „Nimm die Sache nicht zu scharf; lass fünfe gerade sein, und taufe, taufe die hohen Herrn in Gottes Namen!“ – Aber Johannes denkt: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten;“ und ehe er tauft, ruft er den Meistern auf Mosis Stuhl sein donnerndes **“Wer da?“** – „Ihr Otterngezüchte,“ ruft er, **“wer hat euch gewiesen, dem zukünftigen Zorne zu entrinnen?“** – „Ich erblicke euch“, will er sagen, „die ihr zur Bußtaufe euch meldet, allerdings in einem Wege zu Rettung und Heil begriffen; aber wer wies euch diesen Weg.“ – „Wie,“ sprecht ihr stutzend, „auch darnach fragt Johannes?“ – Ja, **darnach** wird im Reiche Gottes gefragt bis diese Stunde. Das tut’s noch nicht, ihr lieben Freunde, dass ihr zu Gottes Wort und Sakrament nur kommt, das Haupt hängt wie ein Schilf, in Sack und Asche geht, eure Sünden bekennt, ja Tränen der Reue weint, und gar Gnade und Absolution in Anspruch nehmt. Freilich ist dies der Weg, in welchem dem zukünftigen Zorn entronnen wird; aber Alles kommt darauf an, **wer** und **was** diesen Weg euch gehen hieß. Es kann euch Mancherlei in diesen Weg gewiesen haben, das euch das ersehnte Ziel desselben nie erreichen lässt. **Vieles** lässt auf diesem Weg sich blicken, das in Gottes Augen verworfen ist und niemals Gnade findet. Auf diesem Wege wird die **Heuchelei** betroffen: Gott aber hat gedroht, die Heuchler umzubringen; - auf diesem Wege die **Ahabsbuße**, die nichts als ein fleischlich Zittern vor der verdienten Strafe ist, und nimmer selig macht; - auf diesem Wege die **Melancholie**, die lediglich, weil die Welt ihre Freuden ihr versagt, wie wir zu sagen pflegen, „ins Kloster geht“, und den Seufzenden sich beigesellt; - auf diesem Wege der **gekränkte Pharisäerstolz**, der sich vertrauert, weil er die Heiligkeit nicht erreichen kann, die er zu seiner Selbstverherrlichung anstrebt; - auf diesem Wege die **kränkelnde Empfindsamkeit**, die in tragischen Gefühlen und Gemütsbewegungen einen Genuss, ja ihre Weide findet; - und auf diesem Wege die **raffinierteste Selbstgerechtigkeit**, welche über die Sünde sich selber rührt, um nur in ihren Tränen sich zu bespiegeln und auf dem Pfühle ihrer scheinbaren Demut sich behaglich und stolz zu wiegen und zu spreizen. Seht, überall hier der schönste Schein von Buße und Bekehrung; aber Christi Reich ist nicht ein **Scheinreich**, sondern ein **Reich der Wahrheit**. Es nimmt’s genau. Es geht überall auf den Grund. Es fordert Ungeschminktes, Echtes und Reelles. **“Wer hat euch gewiesen?“** fragt Johannes. „Fleisch und Blut“? will er sagen. „Der eigne Geist? Egoistisches Gelüste und Gesuch? – alsdann zurück!“ – Der **Geist Gottes** muss es sein, der uns in den Weg hineinwies; alsdann wird jene „göttliche Trauer“ in uns geboren, welche aus der Erkenntnis nicht bloß vereinzelter sündiger Taten, deren wir uns schuldig machten, sondern der ganzen Gottfeindlichen Grundrichtung entspringt, die wir in unserm Innern entdeckten; und nun erwachsen auch jene **“rechtschaffenen Früchte der Buße“**, auf welche Johannes  in unserm Texte dringt. Sie treten hervor im reumütigen **Bekenntnis** zuerst und vor allen unsrer Schoß- und Lieblingssünden; in einem entschiedenen **Hass** wider die Sünde, also dass man lieber zehnmal sterben würde, ehe man sich einmal mit Bewusstsein an Gott versündigen sollte; in geduldiger und gebeugter **Ergebung** unter die Folgen unsrer Missetaten; in herzlicher und durchgreifender **Sehnsucht** nach der Gnade und Vergebung in Christo Jesu, und in fortgesetzt ernstestem **Kampfe** wider alles ungöttliche Wesen. Ihr seht, den Stempel der **Echtheit** muss Alles tragen, was im Reiche Christi etwas gelten will. Aus dem **Geist** geboren muss es sein; nicht Glas, nein Diamant. Surrogate werden hier nicht zugelassen. Es ist ein **Reich der Wahrheit** und nicht des Scheins. 
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-=====3. ===== 
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-Doch hören wir Johannem weiter. Von einem Herolde des anbrechenden **Messiasreiches**, wie er war, hätte man freilich **ansprechendere** Botschaften erwarten sollen, als sie heute von seinen Lippen gehen. Aber lasst euch die raue Sprache, in der er seine Erstlingsgrüße entbietet, nicht befremden. Es war darauf abgesehen, allen falschen und fleischlichen Vorstellungen von dem Reiche von vorne herein die Wurzel abzuschneiden. Dem Sinne der **Welt** hätte es allerdings mehr entsprochen, wenn das Reich mit einer Losung, dem bekannten Dichterspruche ähnlich: „Allen Sündern soll vergeben, und die Hölle nicht mehr sein“ hereingetreten wäre, und das bekannte: **“Friede, Friede!** Es hat nicht Gefahr!“ – in sein Fähnlein verzeichnet hätte. Aber statt mit beschwichtigenden „Allvater“-Ideen, und mit Erklärungen, die geeignet wären, den Begriff der Sünde abzuschwächen, und die mit ihm verbundenen Schrecken zu mildern, erscheint der Vorläufer des Reichs mit Eröffnungen, wie diese: **“Ja, es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt: welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“** Hört, hört! Das klingt wie Posaunenhall vom Gipfel Sinais herunter. Wir wissen, dass Johannes unter den „Bäumen“ zunächst zwar seine **Zeitgenossen**, und unter der **“Axt“** die **Gerichte** versteht, die denselben, falls sie auch die letzte und höchste Gnadenheimsuchung, die ihnen bevorstehe, mutwillig verkennen könnten, ehe sie sich’s versähen, in der Zerstörung Jerusalems und in einer schmachvollen Zerstreuung in alle Welt über sie hereinbrechen würden. Doch liegt seinem Drohspruche auch ein **allgemeinerer** Sinn zum Grunde, nach welchem die „Bäume“ diejenigen sind, welche den Wald der **Menschheit** bilden: die Kinder **Adams** allzumal, die in den Garten der Erde gepflanzt wurden, **nicht**, um, gleich den Blumen des Feldes, am Morgen zu erblühen, und am Abende in Nichts zurückzusinken; sondern, für die **Ewigkeit** geschaffen, **Ihm**, der mit dem Gepräge Seines Ebenbildes sie schmückte, **Früchte** der Liebe und des Gehorsams darzubringen. Und freilich ist diesen **Allen**, wie sie in ihrem natürlichen Zustande, „Fleisch von Fleisch geboren“, dasteh’n, „die Axt an die Wurzel gelegt;“ – und das auch **dir**, lieber Mensch, in welchem Ehrsamkeitsschmucke du nach Außen hin auch gleißen magst. Die **“Axt“** ist der „Fluch des Gesetzes“, der göttliche Richterspruch: „Ich will den aus meinem Buche tilgen, der an mir sündigt“, das Todesurteil, auf Alle gelegt, die „des Ruhms ermangeln, welchen sie vor Gott haben sollten.“ Die **Axt**, scharf geschliffen, liegt oft lange, ohne bewegt zu werden, an des Baumes Wurzel. Fünfzig Jahre oft, und oft noch länger liegt sie da. – Endlich schlägt die Stunde, die auf Gottes Buch geschrieben steht; und lässt der Baum auch **dann** noch trotz des Sonnenscheins und Regens, der darauf gefallen, und der Düngung und Umgrabung, die ihm, in Zuspruch, oder in Kreuz und Leid, zu Teil geworden, die gesuchte Frucht vermissen, dann erfolgt der verhängnisvolle Schlag. Der Tod, der Schreckenskönig, hebt die Axt; der **Baum** kracht hin, und – das **“Feuer“** kennt ihr, das nach des Täufers Wort ihn aufnimmt. – „Wie“ – höre ich sagen, „auch im Reiche Jesu noch die Vorstellung, dass in und für sich selbst der Mensch dem Fluch verfallen, und verloren sei?“ – Wie, frage ich dagegen, meint ihr denn, in jenem Reiche werde die **Lüge** an die Stelle der Wahrheit gesetzt, damit zum Jammer der Verdammnis auch noch derjenige der grässlichsten Enttäuschung komme? – Ja, ich weiß es, wie Tausende mit der wunderlichen Einbildung sich tragen, es bestehe der Unterschied des **Neuen Testaments** vom **Alten** darin, dass es die Schreckensbilder eines Gottes, der zürnen könne, einer Sünde, die ewig verdamme, eines Gerichts, in welchem nur eine vollkommene Gerechtigkeit die Probe halte, und einer **Hölle**, als Behausung der von Gottes Angesicht **Verstoßenen**, beseitigt habe. Aber welch eine Unwissenheit in Dingen der heiligen Schrift gehört dazu, um auf einen solchen Einfall zu geraten, und welche lästerlichen Anschauungen von Christo und der Absicht seiner Erscheinung in der Welt liegen jenen Gedanken zum Grunde! Als ob Christus auch nur **ein** Jota der alttestamentlichen Offenbarung **aufgelöst**, oder auch nur **entkräftet**, und nicht vielmehr Alles, was durch Moses und die Propheten geredet ward, **neu besiegelt** hätte; und als ob es in Seinem Reiche auf nichts Bess’res, als auf eine Beruhigung der sündigen Menschheit um **jeden** Preis, ja selbst **auf Kosten der Wahrheit** abgesehen wäre! - - Nein, nein, Sein Reich ist **nicht** ein Reich **falschen, betrüglichen Friedens**, wie dasjenige des **Lügenvaters**, und der von ihm verblendeten **Welt**; sondern ein Reich **gründlicher Hülfe**. Es ist nicht darüber aus, unsre Wunden und Schäden irgendwie zu verhüllen; sondern deckt sie vielmehr recht geflissentlich auf, und nennt sie bei ihrem rechten Namen, weil es sich denselben vollkommen gewachsen weiß. – Es verhehlt uns nicht, dass wir grundverdorben, unter dem Fluche des Gesetzes und Kinder des Todes seien vor Gott; aber zugleich macht sich’s anheischig, nicht allein aus all’ unserm Elende uns zu erlösen, sondern gar zu den Rechten einer Kindschaft, und zum Genuss einer Herrlichkeit uns zu erheben, welche uns den Verlust alles dessen, was vor dem Fall im Paradiese unser war, überschwänglich ersetzen werde. 
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-=====4. ===== 
-Johannis Wort von den unfruchtbaren Bäumen und der Axt an ihrer Wurzel hat getroffen. Ängstlich fragt das Volk: **“Was sollen wir denn tun?“** Und was antwortet er? – „Haltet das göttliche **Gesetz**?“ Wäre dies seine ganze Antwort gewesen, er hätte daheim bleiben können, und Christus brauchte auf Erden nicht zu erscheinen. An **einem** Moses hatten wir überschwänglich genug. – Doch das Reich Christi ist mitnichten ein **solches**, das die Seligkeit aufs Neue an die schlechthin unerfüllbare Bedingung eines vollkommenen Gehorsams knüpfte. Wäre es **dies**, so wäre es das Grab unsrer Hoffnung, ja eine Klause der Verzweiflung für uns Alle. Nein, die **Gnade** führt in dem Reiche das Regiment. Ist es aber gleich **kein Reich des Gesetzes**,  so doch nichts desto weniger **ein Reich der Heiligung**; und auch in **dieser** Eigenschaft malt Johannes es uns vor Augen. Denn auf die Frage des Volks: „Was sollen wir denn tun?“ erwidert er nicht: „Legt die Hände in den Schoß“, oder: „Tut, was euch gelüstet“; sondern erteilt ihnen den Bescheid: **“Wer zween Röcke hat, der gebe dem ab, der keinen hat; und wer Speise hat, der tue auch also;“** – und den **Zöllnern** antwortet er auf ihr „Was sollen wir tun“: **“Fordert nicht mehr, als euch gesetzt ist“**; - und den **Kriegsleuten: „Tut Niemandem Gewalt noch Unrecht, und lasst euch genügen an euerm Solde!“** – „Wie, **Moral** predigt er?“ – Wie ihr vernehmt, Geliebte. Verkennt aber die tiefe Absicht nicht, die dabei ihn leitet. Zunächst will er ganz allgemein daran erinnern, dass es in dem Reiche, für das er werbe, nicht wieder mit **Zeremonien** und **mechanischen Kirchenwerken** getan, sondern vor Allem auf **Sittlichkeit** der Gesinnung und des Wandels abgesehen sei; dann aber beabsichtigt er, den Fragenden zugleich recht praktisch, einem Jeden auf seinem Standpunkt und nach seiner Fassungskraft, eine Ahnung von der Natur **der** Heiligkeit beizubringen, die **hier allein** auf Geltung und Anerkennung rechnen dürfe. Denn sobald das überwiegend zu **Geiz** und **Habsucht** neigende jüdische Volk die Worte hörte: „Wer zween Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat, und wer Speise hat, tue auch also“; und die Zöllner, welche von ihrem geheimen Unterschleif und Betruge wie von einem erlaubten Nahrungszweige ungestraft lebten, die Weisung vernahmen: „Fordert nicht mehr, denn euch gesetzt ist“; und die Kriegsleute, denen das „Gewalt-tun“ zur andern Natur geworden war, und welche damals – (über **unsere** Krieger ist mit dem Bewusstsein, des **Vaterlandes** Schirm und Wehr zu sein, ein höherer sittlicher Geist gekommen,) – ihren Stand sich anders nicht zu **denken** vermochten, als seine materielle Übermacht zu **eigenem** Vorteil missbrauchend, und über die Kargheit des ihm zugemessenen **Soldes** murrend, die Zumutung: „Tuet Niemandem Gewalt noch Unrecht, und lasst euch genügen an eurem Solde“: - da musste sich ihnen Allen auf der Stelle das Gefühl aufdrängen, dass hier ein **Adel der Gesinnung** von ihnen gefordert werde, der ihnen freilich so **fern** liege, dass, wenn sie dazu gelangen sollten, eine, einer **Neuschöpfung** gleichkommende, **Radikalreform** mit dem innersten Grunde ihrer Natur und ihres sittlichen Wesens vorgehen müsse. Sobald sie **dies** aber lebhaft empfanden, war, was Johannes mit seiner **Tugendpredigt** zunächst bezweckte, erreicht. In überaus **verflachender** Weise hat man, namentlich in Predigten für die **“Enthaltsamkeitssache“**,  den Worten des Täufers die Absicht unterlegen wollen, die Leute, an die sie zunächst gerichtet waren, erst nur einmal von ihren **groben sittlichen Auswüchsen** zu heilen, um sie dann weiter zu führen. Aber grade **umgekehrt** sollte ihnen dadurch schon von vorneherein zu dem klaren Bewusstsein von der Verderbtheit und Umgestaltungsbedürftigkeit des innersten **Prinzips** all’ ihres Tun’s und Lassens verholfen werden; - und dies nicht bloß **ihnen**, sondern ebenso wohl auch **uns**. Auch unter **uns** scheint hin und wieder die Meinung zu herrschen, als beschränke sich die Betätigung und Lebenserweisung der Reichsbürger Christi lediglich darauf, dass man zur Kirche gehe, Abendmahl feire, Lieder singe, Missionsgaben spende, die Brüder besuche, die Tummelplätze weltlicher Lust und Zerstreuung meide, gottselige Worte mache, und was des mehr ist. Aber es will uns Johannes wissen lassen, dass es mit so leichten Dingen lange nicht getan sei; sondern dass es im Himmelreiche vor Allem auf Reinheit und Unbeflecktheit der innersten **Motive** ankomme, und hier **nur** gelte, was als lautere Frucht selbstverleugnungsvoller **Liebe**, und durchhaltender Treue gegen Gottes Gebot im Kleinen wie im Großen, zu Tage trete. – Kreuzigung des eigenen Fleisches samt den Lüsten und Begierden, Liebe üben wider die Neigung des alten Menschen an, demütig sein, gerne um des Herrn willen den untersten Weg gehen, sich versöhnlich erweisen und geduldig: **das** seien die Lebensäußerungen, wie sie allein dem Reich entsprächen. – Seht, **dies** Johannes Meinung. Das Reich Christi ist, wenn auch kein Reich des Gesetzes, so doch ein Reich der **Heiligung**. 
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-=====5. ===== 
-Ihr stutzt. – „So herrscht ja dennoch noch **Moses** wieder in dem Reiche!“ sprecht ihr. – O nicht doch, Freunde! – Kein Reich erneuter **Forderungen** und **Bebürdungen** ist das Reich; sondern ein **Reich der Gnade**. Hört unsern Herold! Jetzt bricht durchs Gewölk seiner Worte die **Sonne** durch, und von der Herrlichkeit des Christusreichs weicht der letzte Schleier. **“Ich“**, spricht er **“taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, die Riemen seiner Schuhe aufzulösen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“** Es wäre in der Tat schlimm gewesen, hätte das  Volk in seiner „Erwartung“, dass **Johannes** selbst der verheißene Messias sei, recht gesehen. Johannes konnte uns, selbst auch durch das Sinnbild seiner **Taufe**, nur **predigen**, was uns not sei; aber dasselbe uns nicht **darreichen**. **Der** aber, den er als den nach ihm kommenden **“Stärkeren“** bezeichnet, und welcher der **König** des Reiches ist, **gewährt** Alles. Er tauft die Ihm sich Hingebenden „mit **Geist** und **Feuer**.“ Sie **erleuchtend** und zur heiligen Liebe sie **entflammend**, macht er sie eines neuen, göttlichen **Lebens** teilhaftig, mit welchem ihnen der Hass wider die Sünde angeboren, und vermöge dessen das Vollbringen des göttlichen Willens ihnen zur **andern Natur** wird. Weil er aber jeden Augenblick bereit ist, Denen, die danach verlangt, „allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient“, **geschenksweise** mitzuteilen, und dadurch seinem Reiche tatsächlich den Stempel eines **Gnadenreiches** aufzudrücken, so darf es uns ja nicht befremden, dass Johannes uns den leutseligen Sünderfreund zugleich unter dem erschütternd ernsten Bilde eines mit der **“Wurfschaufel“** bewaffneten richterlichen Mannes vorführt, der seine **Kirchentenne** fegt, und **“den Weizen in seine Scheune sammelt, die Spreu** hingegen mit **unauslöschlichem Feuer verbrennt.“** Denn da er so **weit** den Schoß seiner Gnade auftut, und mit keiner andern Zumutung, als der, dass sie nur **annehmen** möchten, was er ihnen unentgeltlich bietet, den Sündern die ganze Fülle seiner Heils- und Heiligungskräfte zur Verfügung stellt, so ist er ja zu **der** Erwartung vollkommen berechtigt, dass ihm nun der Acker der Menschheit auch volle und reiche Garben tragen werde, und **kann** denjenigen, die dennoch als leere, jedes höheren Gehalts ermangelnde Hülfen sich erfinden lassen, am Ende nicht anders, als mit dem Urteile einer ewigen **Verwerfung** entgegentreten. -  Weil sein Reich ein **Reich der Gnade** ist, so **muss** es zu denen, die halsstarrig auf dem breiten Wege verharren, **ausschließend**, ja **verdammend** sich verhalten. – „Wer nicht glaubet“, bezeugt er selbst Joh. 3,18 „der **ist** schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.“ –  
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-So habt ihr denn abermals einen wenngleich nur flüchtigen Blick in die Natur **des** Königreiches werfen dürfen, dem die Liederklänge gelten, welche zu dieser Zeit durch die Kirche gehen. Sorget, dass ihr in seinen Bürgerlisten auch **eure** Namen geschrieben wisst: denn der Thron **des** Gottes, „bei welchem viel Vergebung ist“, stehet nur in **diesem** Reiche aufgerichtet. – Den Weg in dasselbe hinein, den einzig sichern, führt euch Johannes. Ist’s auch ein Todesweg für den alten Menschen: schlagt ihn entschlossen ein, und werdet durch Gottes Gnade bald dahingebracht, in tieferem Sinne noch und aus reicherer Erfahrung heraus, als jener Mann im Evangelio ausrufen zu können: **“Selig ist, wer das Brot isst im Reiche Gottes!“** – Amen. -  
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-======Körber, Emil - Siehe, das ist Gottes Lamm! - Die glorreiche Wiederkunft Christi.====== 
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-(II. Advent 1873.) 
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-Text: Luk. 21, 25-36. 
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-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; den auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr es an ihnen, und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.**\\ 
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-Ein schönes, uns Allen wohlbekanntes Lied hebt also an: 
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-Die Gnade sei mit Allen, 
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-Die Gnade unsers Herrn,\\ 
-Des Herrn, dem wir hier wallen \\ 
-Und sehn sein Kommen gern. \\ 
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-In diesem kleinen Verse sind zwei große Hauptstücke des Christentums enthalten, einmal: wir wallen dem Herrn und dann: wir sehen sein Kommen gern. Ja, meine Lieben, so ist es. Das Leben eines Christen besteht eigentlich darin, dass er dem Herrn wallt; das heißt: er lebt nicht mehr sich selbst, sondern dem, der für ihn gestorben und auferstanden ist, so dass bei ihm zutrifft, was Paulus sagt: Ich lebe, doch nicht ich, Christus lebt in mir; und was ich noch lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat. So wallt ein Christ dem Herrn und bringt ihm Leib und Seele dar als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer. Aber zu diesem dem Herrn geweihten Leben kommt noch ein zweites bei den rechten Jüngern Jesu: sie sehen sein Kommen gern. Es heißt bei ihnen nicht nur: „unser Wandel ist im Himmel,“ sondern auch: „von dannen wir warten unseres Heilandes Jesu Christi,“ 
- 
-Wir warten dein, o Gottessohn, \\ 
-Und lieben dein Erscheinen; \\ 
-Wir wissen dich auf deinem Thron \\ 
-Und nennen uns die Deinen.\\ 
-Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt \\ 
-Und sieht dir entgegen, \\ 
-Du kommst uns ja zum Segen. 
- 
-Wenn wir nun freilich in die Christenheit hineinsehen, so finden wir vom Warten auf die Zukunft unsres Herrn Jesu Christi im Großen und Allgemeinen nicht viel. Es ist vielmehr Mode geworden unter den Christen nach der Art jenes bösen Knechtes im Gleichnisse zu leben, der im Herzen spricht: Mein Herr kommt noch lange nicht! und fängt an seine Mitknechte zu schlagen, isst und trinkt mit den Trunkenen. Ach, was fragen die meisten Christen nach dem Kommen des Herrn Jesu! Sie wallen dem Herrn nicht, sie weihen ihr Leben ihm nicht; und so sehen sie auch sein Kommen nicht gern. Im Gegenteil führt die Menge der Christen wohl dieselbe Sprache, wie jener leicht fertige Lebemann, der, als ein Prediger am 2. Advent herzlich in der Kirche gebetet hatte, Gott möge den Tag der glorreichen Zukunft seines Sohnes Jesu Christi bald kommen lassen, beim Herausgehen aus der Kirche spottend sagte: Meinetwegen hätte der Pfarrer sich die Mühe sparen können; mir wird die Zeit nicht zu lang!“ Nun er bekam von einem schlichten Bauersmann die treffende Antwort: Glaub's euch wohl, lieber Herr; dem Mastvieh in meinem Stall wird die Zeit auch nicht lang!“ Ja wenn nur recht viel Geld kommt, Reichtum, Ehre, Wohlleben, Gesundheit und gute Tage, dann kann der Herr Jesus den meisten Christen bleiben zur Rechten des Vaters, so lange er will. Er soll weder im Tode zu ihnen kommen, noch in seiner glorreichen Zukunft. Mein Herr kommt noch lange nicht, das ist das Losungswort ihres Lebens. Und Andere gehen noch weiter und sprechen: Er kommt gar nicht! Ja er ist einmal in die Welt gekommen auf demselben Wege wie alle Menschen; aber er hat auch den Weg alles Fleisches gehen müssen und wurde ins Grab gelegt, aus dem er weder auferstanden noch gen Himmel gefahren ist. Jesus wird nicht wieder kommen: also spricht der Unglaube in fleischlicher Sicherheit. 
- 
-Aber, meine Lieben, der Glaube spricht anders, die Kirche spricht anders, unser Text spricht anders, die ganze Bibel spricht anders. Alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ Jesus wird wiederkommen, das steht unerschütterlich fest. So wahr er Gottes Sohn ist, so wahr er gestorben, auferstanden, gen Himmel gefahren ist und zur Rechten des Vaters sitzt: so wahr wird Jesus wiederkommen, und zwar sichtbar, dass ihn alle Augen sehen, in großer Kraft und Herrlichkeit, zum Gericht über die gottentfremdete Welt und zum Heil für die Seinen. So reden wir denn heute von der glorreichen Wiederkunft Christi.  
- 
-I. Er kommt zum Weltgerichte, \\ 
-Zum Fluch dem, der ihm flucht; 
- 
-II. Mit Gnad und süßem Lichte \\ 
-Dem, der ihn liebt und sucht. 
- 
-III. Ach komm, ja komm, o Sonne, \\ 
-Und hol uns allzumal\\ 
-Zum ewgen Licht und Wonne \\ 
-In deinen Freudensaal. \\ 
- 
-O großer Heiland, lass uns am Tage deiner herrlichen Zukunft nicht zu Schanden werden. Komm in unsre Herzen mit deinem Geist des Glaubens und der Liebe; dann wirst du uns einst nicht zum Gericht und Fluch kommen, sondern mit Gnad und süßem Lichte, und uns zum ewigen Licht und Wonne in deinen Freudensaal heimholen. Amen. 
- 
-=====I. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht. ===== 
- 
-Es gehört zu den schwersten Aufgaben des Predigers, vom Gericht zu reden; und ist der Prediger weichen und zarten Gemütes, so wird diese Aufgabe doppelt und dreifach schwer. O wie köstlich ist es, von der Lieblichkeit und Leutseligkeit Gottes unseres Heilandes zu erzählen, von dem Aufgang aus der Höhe, der die kranke Welt besucht hat, dass er erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Wie köstlich ist es, von dem Sünderheiland zu predigen, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen was verloren ist, zu trösten alle Traurigen und zu heilen die zerstoßenen Herzen. Ja davon zu reden und zu zeugen ist für einen evangelischen Prediger Lust und Wonne; das sind für ihn Freuden- und Weihestunden. Aber schwer, sehr schwer wird ihm sein Amt, wenn er reden muss vom Gericht. Und doch ist auch dies seine heilige Pflicht. Denn die ganze Bibel weist unwidersprechlich klar hin auf einen Tag des Gerichts, auf den Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, welcher geben wird einem Jeglichen nach seinen Werken: nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; denen aber, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade und Zorn; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses tun! 
- 
-Von dieser Trübsal und Angst, welche hereinbricht über die gottentfremdete Welt am Tag der herrlichen Wiederkunft Christi, redet unser Text in den Worten: Es werden Zeichen geschehen an der Sonne, Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.“ was muss das für ein Tag sein, da Himmel und Erde in Bewegung gesetzt werden durch die Allmacht Gottes! Die Sonne verkehrt sich in Finsternis, und der Mond verwandelt sich in Blut, und die Sterne verlieren ihren Schein; das Meer braust, wallt und tobt, die Wasserwogen erheben sich; alle Elemente erregen und bewegen sich, um zu verkündigen, dass des Menschen Sohn kommt in Macht und Herrlichkeit. Und wie sieht es in den Herzen der glaubenslosen Welt aus? Der Unglaube und Leichtsinn wird ihnen gründlich vergehen. Das Lachen wird zum Weinen, die Freude zur Traurigkeit; den Leuten wird es bange werden, sie werden zagen, ja sie werden verschmachten vor Furcht, dass ihnen das Herz zerspringen will vor Angst. Ach was muss das für ein schrecklicher, furchtbarer Tag sein, wenn auf der ganzen Welt haushoch und berghoch die Angst liegt, bange Todesbeklemmung, ratlose Verzweiflung; wenn Berge der Gewissensangst die Menschen umringen und sich auftürmen himmelhoch, also dass kein Auge mehr glänzt vor Freude, kein Mund mehr lacht, keine Zunge mehr scherzt, kein Fuß mehr tanzt, sondern Angst, nichts als Angst, Todesangst, Todesschweiß bedeckt die Welt, die den Herrn verworfen hat; und der Angstruf ertönt von den Lippen des Königs wie des Bettelmanns: „Ihr Berge, fallt über uns, und ihr Hügel, deckt uns vor dem Angesichte des, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?“ Ja er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht! Ach dass es auch dahin kommen muss mit der Erde, die einst ein Paradies Gottes war, ein Lustgarten voll himmlischer Freude; und nun am Tag des Gerichtes wird sie mit Angst bedeckt wie mit Wogen des Meeres! Ach dass es dahin kommen muss mit den Menschen, die Gott zur Freude, Seligkeit und Herrlichkeit berufen hat; und nun mündet die Menschengeschichte und Weltentwicklung bei einem großen Teil der Menschen aus in ein unermessliches Angstmeer, ja in den Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt. Daran ist die Sünde Schuld, der Unglaube, der Gottes Wort nicht als Wahrheit anerkennt und Christum, den eingeborenen Sohn Gottes, nicht als Heiland, Retter und Seligmacher annimmt. 
- 
-Aber nun könnte Jemand sagen: Bange machen gilt nicht; es sind schon viele Menschen gestorben und haben den Tag der Wiederkunft Christi zum Gericht nicht erlebt, und werden noch viele sterben, ohne ihn zu erleben. Man braucht also keine Angst zu haben, sich nicht zu fürchten vor diesem Tag. Höre als Antwort: Jeder Mensch erlebt in gewissem Sinn den Tag der Wiederkunft Christi, nämlich an seinem Sterbetage, dem, wie es leider nur zu wahr ist, niemand entgeht. Das ist auch ein Kommen des Herrn, wenn die Seele vom Leibe scheidet; da kommt der Herr entweder zum Gericht und zur Verdammnis oder zum Heil und zur Seligkeit. Willst du nun, dass er dir nicht zum Gericht komme, dass an deinem Sterbetage nicht Verzweiflung und Höllenangst über dich falle, sondern dass du im Frieden von hinnen fahrest: o sieh, so muss es dir jetzt in der Zeit, so lange es heute heißt, einmal angst und bange werden um deine Seligkeit; du darfst nicht gleichgiltig in den Tag hineinleben, als ob man im Schlaf in den Himmel käme und das Seligwerden sich von selbst verstünde. Nein, die ernste Frage muss in dir aufsteigen: Was muss ich tun, dass ich selig werde? Und die Antwort soll dir auch nicht fehlen, ich will sie dir gleich jetzt geben: Tue Buße, und glaube an das Evangelium! Glaube an den Herrn Jesum Christ, so wirst du und dein Haus selig; verlasse die breite Straße der Welt und Sünde, geh ein durch die enge Pforte und wandle auf dem schmalen Pfad, der zum Leben führt. Dann kommt dir der Herr nicht zum Gericht, weder an deinem Sterbetage noch an dem Tag seiner herrlichen Zukunft, sondern er kommt vielmehr 
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-=====II. mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. ===== 
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-„Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht.“ 
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-O meine Freunde, was sind das für herrliche, köstliche Worte, welche der Heiland zu seinen lieben Jüngern und getreuen Nachfolgern spricht, zu der Gemeinde, die ihn kennt und liebt und an ihn von Herzen glaubt. Für sie kommt er nicht zum Gericht, sondern mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ihnen gilt es: wenn dies anfängt zu geschehen, so seht auf!“ Wenn Himmel und Erde erschüttert werden, wenn das Meer tobt und wallt und die Wasserwogen brausen, wenn die Welt mit ihren Kindern in Todesangst und Verzweiflung zu Boden blicken und in dunkler Schwermut in sich hineinstarren muss: so darf und soll Gottes Volk, die Kirche Jesu, aufsehen und gen Himmel schauen. Wohl stehen dunkle Wetterwolken am Himmel, der Donner des göttlichen Gerichtes rollt und die Blitze zucken; aber den Gläubigen und auserwählten Jüngern Jesu kommt der Herr nicht als Richter, sondern als Freund und Bräutigam, als Erretter, Erlöser und Seligmacher, \\ 
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-Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig \\ 
-Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; \\ 
-Ihr Licht bricht an, ihr Stern geht auf. \\ 
-Darum seht auf, und hebt eure Häupter auf.“  
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-Die Welt muss freilich das Haupt sinken lassen, das hochmütige, eitle, hoffärtige Haupt, das schuldbeladene Haupt, das trotzige Haupt, bis in den Staub und Kot der Erde, ja bis in die Hölle hinunter. Ihr Hochmut wird nun gebrochen, ihre Selbstvergötterung wird nun zu Schanden, ihr stolzer Nacken wird gebeugt. Aber Gottes Volk, die Jünger des Herrn dürfen und sollen das Haupt aufheben. Denn sie sind erlöst und versöhnt durch das Blut Jesu Christi, ihr Gewissen ist frei von Schuld, sie haben Vergebung der Sünden und schmecken den Frieden Gottes, der höher ist denn alle Vernunft; wer will sie verdammen? Auch keine Trübsal, kein Leid wird sie mehr niederdrücken und beschweren, kein Kummer wird mehr am Herzen nagen, keine Träne mehr fließen; alle Last, alle Sorge, aller Jammer ist vorüber; die mit Tränen säten, werden mit Freuden ernten. 
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-„O seht auf und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Seht an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies Alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.“ Freilich ist das Reich Gottes schon jetzt vorhanden, inwendig in den Herzen; aber dann, beim Kommen des Herrn, wird es nach außen hervorbrechen in Macht und Herrlichkeit. Jetzt ist es ein Kreuzreich; dann wird es ein Reich des Sieges und Triumphes sein. Jetzt haben die Christen Passionszeit; dann feiert die Kirche Ostern; dann kommt die unaussprechliche Frühlings- und Sommerfreude der himmlischen Seligkeit und Herrlichkeit, die Zeit der Erquickung vom Angesicht des Herrn, da das Herz sich freut und die Gebeine grünen, da die Sonne der ewigen Lust und Wonne am wolkenlosen Himmel über den Häuptern der Seligen strahlt und nimmer untergeht. Denn die Erlösung naht sich, ist da. Wohl sind die Christen schon vor der Wiederkunft des Herrn Erlöste und Versöhnte, aber mit der glorreichen Zukunft Jesu Christi kommt die ganze und völlige Erlösung nach Leib und Seele. Die, welche schon im Herrn entschlafen sind und der Seele nach selig daheim bei dem Herrn, werden nun auch dem Leibe nach erweckt und gehen hervor aus ihren Kammern mit dem herrlichen Auferstehungsleib; und die Lebenden werden verwandelt werden. Ja auch durch die Erde geht ein Auferstehungsodem. Auch die Kreatur wird frei werden vom Dienst des vergänglichen Wesens zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Das Sabbatjahrtausend der Erde bricht an mit der Fülle seiner geistlichen und leiblichen Segnungen, bis endlich ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden, und es heißen wird: Siehe da eine Hütte Gottes bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. O meine Lieben, Jesus kommt, Jesus kommt! und zwar mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. So kommt er für seine Kirche am Ende der Tage. 
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-Aber auch schon jetzt, wenn er beim Sterben die Seinigen heimholt ins Vaterhaus. Während die Welt im Tode händeringend und verzweifelnd das Haupt sinken lassen muss, weil es abwärts geht: so darf der Christ auch im Tode aufsehen, über Tod und Grab hinübersehen und das Haupt erheben, darum, dass sich seine Erlösung naht. So hat ein Stephanus mitten unter den Steinwürfen seiner Peiniger und Mörder den Himmel offen gesehen, und die Herrlichkeit Gottes, und Jesum zur Rechten Gottes stehen, bereit seine Seele in Empfang zu nehmen; und er rief an und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Und jene Märtyrerin Cäcilia sagte: Ich sterbe nicht, nur mein Elend stirbt. So gibt es, seit die Kirche auf Erden steht und Jesus mit Gnad und süßem Lichte zu den Seinigen im Tode kommt, unzählige Beispiele eines seligen Sterbens. Eines noch anzuführen kann ich mich nicht enthalten. Philipp Ludwig, Graf zu Hanau und Rheineck, lag im August 1612 auf dem Sterbebette. Am Abend des 7. August ließ er, nachdem er von den Seinigen Abschied genommen, alle Türen öffnen und sprach zweimal laut: Macht alle Türen auf und lasst alle meine Leute kommen, dass sie sehen, wie ich so fröhlich sterbe, und sich meines Exempels trösten. Am Sonntag den 9. August hob er am frühen Morgen die Augen und das Haupt auf und rief mit heller Stimme: Nun bin ich einmal erlöst! Jetzt läutete man in der Altstadt zur Predigt, und als ihm da der Prediger Appelius zusprach: „Diese Glocke ruft jetzt Euch zu dem himmlischen Engelgesang; jetzt werden Sie mit den Engeln Gottes zu Chore gehen“, sprach der Sterbende sogleich: „Wohlan, so lasst uns singen!“ und fing mit fröhlicher Stimme den Engelgesang an: „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr.“ Alle Anwesenden stimmten ein. Nach diesem stimmte er an: Der Tag, der ist so freudenreich.“ Endlich begehrte er auch den 116. Psalm: „Das ist mir lieb, dass Gott mein Hort“, den er noch schwach mitsang. Gleich danach ging seine Seele still und selig von dannen, und schwang sich auf zu den seligen, lichten Höhen, da man in Ewigkeit aufsieht und das Haupt erhebt, um Gott zu schauen von Angesicht zu Angesicht. 
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-Heißt es da nicht, im Herrn Geliebte: Jesus kommt mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht? O möchte der Herr, wenn unser legtes Stündlein schlägt, so auch zu uns kommen! Aber da muss es auch in unsrer Seele heißen: 
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-=====III. Ach komm, ja komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne in deinen Freudensaal!===== 
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-Rechte Christen tragen eine Sehnsucht und ein Verlangen nach dem Herrn in sich. So oft sie hören: Siehe, ich komme bald! spricht ihr Herz: Amen, ja komm Herr Jesu! Wenn ihnen vom kommen des Herrn gepredigt wird, so ergreift sie keine Furcht und Bangigkeit, sondern vielmehr große Freude; sie wissen, dass sie hienieden Fremdlinge und Pilgrime sind und keine bleibende Stätte haben; darum suchen sie die zukünftige Stadt, deren Baumeister Gott ist, und trachten nach dem, das droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sie schauen auf ihrer Reise zur stillen Ewigkeit oft und viel auf nach den Wohnungen des ewigen Lichts und der seligen Wonne, nach dem Freudensaal des Himmels, da ewige Freude über ihrem Haupte sein wird. 
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-Da wir aber, so lange wir auf Erden wallen, stets in Gefahr sind, vom Irdischen bestrickt zu werden, beschwerte Herzen zu bekommen, einzuschlafen, müde und matt zu werden im Wachen und Beten, so gibt uns der Herr zum Schluss eine ernste Mahnung: Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem Allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.“ Lasst doch diese Ermahnung euch recht zu Herzen gehen, meine Lieben! Hütet euch vor den zwei großen Feinden des Christen, welche schon viele, die einen guten Anfang im Christentum gemacht hatten, zu Fall gebracht haben. Diese Feinde sind fleischliches Wohlleben und Sorgen der Nahrung. „Darum hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen.“ Ach wie viele, die den Namen Christi tragen, liegen an dieser Sünde krank darnieder. Fleischeslust, gutes Essen und Trinken, das ist ihr höchstes Gut, ihr Bauch ist ihr Gott. Wenn sie nur recht zu essen und zu trinken haben, und die Lüste ihres Fleisches befriedigen können, dann sind sie wohl zufrieden. Höheres, Himmlisches, Ewiges wünschen sie nicht. Aber vor der Gefahr des fleischlichen Wohllebens sind auch die Christen nicht sicher, die im Glauben und in der Liebe Christi stehen. Ja ihnen gerade sagt der Heiland: hütet euch! Hütet euch, dass ihr nicht in eine gemütliche Fleischesruhe und Fleischespflege verfallt, was auch auf eine feine Art geschehen kann, ohne dass man gerade in eine grobe und gemeine Unmäßigkeit des Essens und Trinkens versinkt. Ich bin überzeugt, dass Manches unter uns in dieser Gefahr steht, indem es viel zu viel auf seine leiblichen Bedürfnisse verwendet und dieselben auf alle nur erdenkliche Art pflegt und großzieht. O mein Christ, dadurch wird dein Herz beschwert wie mit einem Bleigewicht, dass es am Boden liegt, an der Erde klebt, und dein Geist sich nicht frisch und fröhlich zu Gott aufschwingen kann. Hüte dich! 
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-Aber auch vor den Sorgen der Nahrung! Es ist merkwürdig, dass der Herr dieselben in eine Linie mit der Unmäßigkeit im Essen und Trinken stellt. Von den Sorgen der Nahrung wird das Herz gleichfalls beschwert. Darum hüte dich! Trachte am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird dir das Übrige alles zufallen. Lass die Sorge ums Himmelreich, um die Seligkeit deine erste und höchste Sorge sein, so nimmt dir der Herr die leiblichen Sorgen ab und sorgt für dich. Sprich nicht ängstlich: Es ist eine teure, schwere Zeit; was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Solche ängstliche Fragen und Sorgen geziemen den Heiden. Du aber, o Christ, bete und arbeite und tue deine Pflicht; das Übrige wird der Herr machen, wie er es feierlich versprochen hat. Er nährt die Vögel unter dem Himmel und kleidet die Lilien auf dem Felde; sollte er das nicht vielmehr dir tun? o du Kleingläubiger! 
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-Was sorgst du dich in deinem Sinn \\ 
-Und grämst dich Tag und Nacht? \\ 
-Nimm deine Sorg und wirf sie hin \\ 
-Auf den, der dich gemacht! \\ 
-Sorgen kommt dem Schöpfer zu, \\ 
-meine Seele sucht nur Ruh!  
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-Ruhe in Gott, Ruhe in Christo, dem Heiland der Welt. O da ist Ruhe, süße, sanfte, stille, selige Ruhe! Er wird Alles wohl machen. So lasst uns denn allezeit wacker sein und beten, dass wir würdig werden mögen, zu entfliehen dem Allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Ja komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewigen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. 
- 
-Amen. 
-{{tag>2_Advent}} 
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-======Körber, Emil - Ölblatt - Der Herr kommt.====== 
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-(Zweiter Advent 1874.) 
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-Text: Luk. 12, 35-48.\\ 
-**Lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen. Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch, er wird sich aufschürzen, und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache, und in der dritten Wache, und wird es also finden; selig sind diese Knechte. Das sollt ihr aber wissen, wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme; so wachte er, und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum seid Ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr es nicht meint. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns, oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Beit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also tun, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber derselbe Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen; und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken, und sich voll zu saufen: so wird desselben Knechts Herr kommen an dem Tage, da er sich‘s nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß; und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viele Streiche leiden müssen. Der es aber nicht weiß, hat doch getan, das der Streiche wert ist, wird wenige Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.** 
- 
-Der Herr kommt! Der Herr kommt! Dieser Ruf erklingt nicht nur in unsrem heutigen Adventsevangelium, sondern wir vernehmen denselben durch die ganze Heilige Schrift aus dem Munde der Propheten und Apostel, aus dem Munde des Herrn selbst. Noch am Schluffe des ganzen Bibelbuches, in der Offenbarung Johannis im letzten Kapitel im vorletzten Verse spricht der Herr, der wahrhaftige Zeuge: Ja, ich komme bald! und drückt mit diesen Worten sein letztes, göttliches Siegel auf alle Zeugnisse, die in der Heiligen Schrift von seinem Kommen niedergelegt sind. Darum antwortet in eben diesem vorletzten Verse der Offenbarung Johannis die Kirche mit Recht: Amen, ja, komm Herr Jesu! und bekennt seitdem in ihrem Glaubensbekenntnisse fort und fort allem Spott und Leichtsinn des Unglaubens, aller Trägheit und Sicherheit der Welt gegenüber: von dannen er wieder kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. 
- 
-Also Jesus wird wieder kommen. Wie er vor bald zweitausend Jahren gekommen ist in der Schwachheit des Fleisches, in Knechtsgestalt, um zu leiden und zu sterben für die Sünden der Welt als Hoherpriester und Lamm: so wird er wieder kommen in der Glorie des Himmels, in der Majestät Gottes, als König aller Könige und Herr aller Herren, um sein Werk zu vollenden, zum Gericht über die Gottlosen und zum Heil für die Frommen. Das ist so gewiss, wie nur irgendeine Wahrheit gewiss sein kann, gewisser als alle Wahrheiten menschlicher Weisheit und Wissenschaft; das steht unerschütterlich fest, fester als unsre Berge, die seit Jahrtausenden mit ihren schneebedeckten Häuptern gen Himmel ragen und die Menschenkinder zu ihren Füßen nach dem Vaterhaus droben weisen. Jesus Christus, das Haupt der Kirche, wird wieder kommen; und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn gestochen haben, und werden heulen alle Geschlechter der Erde. 
- 
-Aber wann wird er kommen? Wann wird die Sehnsucht der Kirche gestillt, wann das Verlangen der Jahrhunderte erfüllt werden? Auf diese Frage antwortet der Herr in unserm Evangelium: Des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr es nicht meint; an dem Tage, da sich's der leichtsinnige Knecht nicht versteht; in der Stunde, die er nicht weiß. Das ist nicht nur hier in unserm Texte gesagt, sondern auch sonst bezeugt es der Herr, wie seine Apostel (Luk. 17, 24-30. 1 Thess. 5, 1-3). Aber diese Ungewissheit über das „Wann“ soll uns den Tag des Herrn nicht in eine weite, dunkle Ferne rücken, sondern vielmehr in die nächste Nähe. Den einen Tag hat uns Gott verborgen, damit wir Acht haben auf alle Tage, damit wir wachen mit umgürteten Lenden und brennenden Lichtern und gleich seien den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Aber steht man denn da nicht in Gefahr, sich vergeblich zu rüsten? Haben die, welche in den vergangenen Jahrhunderten auf den Herrn gewartet haben, nicht umsonst gewartet? Nein! denn der Herr kam zu ihnen im Tode. Und so kommt er auch zu dir, wenn du den großen Tag seiner Zukunft nicht erlebst, ganz gewiss im Tode. Gilt es da nicht zu wachen und das Herz in beiden Händen zu tragen? Wie oft kommt der Tod zu einer Stunde, da wir es nicht meinen. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende? Hin geht die Zeit, her kommt der Tod! Wie unvermutet, wie behände kann kommen meine Todesnot! Mögen wir da wachend erfunden werden und dem Herrn, wenn er kommt und anklopft, bald auftun mit Freuden. So wollen wir uns denn rüsten und bereiten auf den Tag des Herrn und in dieser stillen Andachtsstunde miteinander die ernste Wahrheit betrachten: 
- 
-Der Herr kommt! 
- 
-I. Die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh;\\ 
-II. Die Trägen aber stürzt er in ein ew‘ges Weh. \\ 
- 
-Ja du kommst, von allem Bösen \\ 
-Uns, deine Christen, zu erlösen, \\ 
-Des sind wir froh und danken dir. \\ 
-Auch in noch so trüben Tagen \\ 
-Soll unser Herz doch nie verzagen, \\ 
-Auf deine Zukunft hoffen wir. \\ 
-Wir wissen, wer du bist;\\ 
-Wir traun dir, Jesus Christ,\\ 
-Und sind stille.\\ 
-Wenn gleich die Welt\\ 
-Zu Trümmern fällt:\\ 
-Dein Arm ist's, der uns ewig hält. \\ 
-Amen.  
- 
-=====I. ===== 
- 
-Der Herr kommt, sei es nun am Tage seiner glorreichen Wiederkunft oder an unsrem Todestage. Da führt er die Treuen mit sich in des Himmels Höh. Ja die Treuen. Darum nur treu! Nur treu! Diesen Denkspruch habe ich schon in manchem Zimmer an der Wand hängen sehen; am besten aber steht er in unserm Herzen und Leben geschrieben. Denn es ist ein großes Ding um einen treuen und klugen Haushalter.“ Was gehört aber zur Treue? Einmal der Gurt um die Lenden, in der Hand das brennende Licht, und im Herzen das Warten auf den Herrn. 
- 
-„Lasst eure Lenden umgürtet sein?“ Kennst du diesen Gurt um die Lenden des Gemütes, den Gürtel der Wahrheit, wie Paulus sagt? Ja der Wandel eines Christen soll und muss in der Wahrheit geführt werden, ein Christ muss aufrichtig sein in Wort und Tat, ohne Trug und Heuchelei. „Siehe, ein rechter Israeliter, in dem kein Falsch ist“ dies Wort muss von einem treuen und klugen Haushalter Christi gesagt werden können. Er muss frei sein von den Schlacken der Unlauterkeit, nichts Verdrehtes und Falsches darf bei ihm gefunden werden. Ja ist bei ihm ja, und Nein ist nein. Sein Auge soll lauter sein wie die Sonne, Hein Mund wahr uns sein Herz klar. Und dieser Gurt der Wahrheit darf nie abgelegt werden, die Lenden sollen stets umgürtet sein; keine äußeren Umstände und Verhältnisse dürfen dich abbringen von dem lauteren Wesen in Christo. O das ist sehr wichtig, und ich möchte sagen, in unsrer Zeit doppelt und dreifach wichtig; denn es ist eine Zeit, in der ein Lügengeist durch die Völker geht, eine Zeit der Unwahrheit und Verfälschung auch im Höchsten, das der Mensch besitzt, in der Religion, im Christentum. Darum lasst eure Lenden umgürtet sein mit dem Gürtel der Wahrheit. Haltet fest an dem reinen und lauteren Evangelium von Christo, und dieses Evangelium der Wahrheit soll in euch eine Kraft Gottes werden, die das Herz und den Wandel aufrichtig wahr und klar macht. Also um die Lenden den Gurt der Wahrheit! 
- 
-Und in der Hand das brennende Licht! Lasst eure Lichter brennen.“ Nicht nur glimmend, sondern brennend, flammend und leuchtend soll das Licht der Christen sein, dass man es sieht, dass ringsum Wärme, Licht und Leben davon ausgeht. Das Feuer des Glaubens, die Glut der Liebe, die Flamme der Hoffnung soll helle brennen und sich sichtbar darstellen durch einen Wandel im Licht. Du sollst in deinem Hause, in deinem Amte ein helles, freundliches Licht sein, von dem Liebe und Friede ausstrahlt auf deine Umgebung, eine milde Sonne, die ihren Glanz und Schein täglich und stündlich empfängt von dem großen Lichte der Welt, von Christus. Du sollst ein Kind des Tages, ein Kind des Lichtes sein, dessen Wesen Licht ist, dass du mit Paulus sagen kannst: ich bin nicht von der Nacht, noch von der Finsternis, ich schlafe nicht mehr in der Sünde, sondern bin aufgewacht aus der Sünde; ich laffe nun die Sünde nicht mehr herrschen in meinem sterblichen Leibe und begebe meine Glieder nicht mehr zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. O meine Lieben, wie steht es bei uns mit den brennenden Lichtern? Trägt ein Jedes von uns ein hellscheinendes Licht in der Hand, dass die Leute unsre guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen? Von den ersten Christen konnten die Heiden sagen: Seht, wie sie einander liebhaben! Und diese Tatpredigt der Liebe hat auf viele einen solchen Eindruck gemacht, dass sie sich zum Herrn bekehrten. Aber wo ist bei uns dieses brennende und scheinende Licht? Ach es ist so viel Schatten in unserm Licht, so viel Ärgernis und Anstoß im Wandel. derer, die Christen sein wollen. Viele haben nur einen Leuchter, das bloße Bekenntnis des Mundes, ohne die brennende Kerze der Tat. Viele haben nur ein Nachtlichtlein statt einer hellen. Lampe. Bei vielen hat das Licht einmal helle gebrannt, aber es ist nun am Erlöschen oder bereits erloschen, so dass der Herr mit ernstem Antlitz und aufgehobenem Finger vor sie hintreten und ihnen zurufen muss: Aber ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt; gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße; wo aber nicht, werde ich dir kommen bald und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wo du nicht Buße tust. O ihr Christen, lasst eure Lichter brennen! Tretet in dieser heiligen Adventszeit heraus aus der dunklen Nacht der Sünde in das frohe Tageslicht der Gnade. Der Herr ist gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden, das Feuer seiner heiligen Liebe: wir wollen ihn bitten, dass er es auch in unserm Herzen und Leben anzünde als eine helle Flamme. Ach das bisschen Licht, das wir haben, taugt jetzt nicht mehr, genügt nicht mehr in dieser ernsten Zeit; nein, du selbst musst Licht. werden, ein Licht in dem Herrn. 
- 
-Brich herfür, brich herfür,\\ 
-Gottes Volk, herfür in Kraft! \\ 
-Lass die Bruderliebe brennen, \\ 
-Zeige, was der in dir schafft, \\ 
-Der dich als sein Volk will kennen!\\ 
-Auf, er selbst hat aufgetan die Tür; \\ 
-Brich herfür, brich herfür! \\ 
- 
-„Lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun.“ Um die Lenden den Gurt der Wahrheit, in der Hand das brennende Licht des neuen Lebens, und im Herzen 
- 
-„Wir das Warten auf den Herrn: also geziemt es sich für treue Knechte. Ja ihr Herz ist bei ihrem Herrn. Wenn gleich die Füße auf Erden wandeln, so ist das Haupt doch in der Höh. Unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir warten unsres Heilandes Jesu Christi. Dieses Warten auf den Herrn ist ein Kennzeichen des wahren Christentums.  
- 
-„Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen; wir warten dein, du hast uns ja das Herz schon hingenommen, du bist zwar unserm Geiste nah, doch wirst du sichtbar kommen“ - so heißt es in den Herzen wahrer Jünger Jesu. Sie heben ihre Häupter auf und schauen, ob der Feigenbaum noch nicht ausschlage und Blätter gewinne zum Zeichen, dass der Sommer nahe ist. - Wartest du, mein lieber Christ, auf deinen Heiland? Schaust du mit Sehnsucht aus nach seinem Kommen? Betest du fleißig: Herr, dein Reich komme, zu uns und zu den Völkern, die noch in Finsternis und Schatten des Todes sitzen? Ja komm du selbst, Herr Jesus! Der Geist und die Braut sprechen: komm! und wer es hört, der spreche: komm! O lasst uns doch gleich sein den Menschen, die auf ihren Herrn täglich und stündlich warten mit umgürteten Lenden und brennenden Lichtern; lasst uns so leben, dass der Tag Jesu Christi uns nicht überrascht, sondern bereit und wachend findet, mag nun der Herr kommen am großen Tage seiner Zukunft oder an unsrem Sterbetage.  
- 
-Noch ein Zug im Bilde des treuen und klugen Haushalters darf nicht vergessen werden. Jesus spricht zu Petrus: „Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr seht über sein Gesinde, dass er ihnen zur rechten Zeit ihre Gebühr gebe.“ Mit diesen Worten weist der Herr hin auf das Amt und den Beruf, in den uns Gott gesetzt hat; da sollen wir treu sein und uns als Christen zeigen und beweisen. Das Gleichnis stellt uns einen Haushalter vor, der dem Gesinde, den Knechten und Mägden, zur rechten Zeit das rechte Maß von Speise und Trank und Lohn gibt. Nun schaue dieses Bild recht an und lerne von demselben, dass das Christentum dein ganzes Leben durchdringen soll, auch dein Familien- und Amtsleben; da sollst du Treue beweisen und tun, was recht ist. Du sollst nicht nur im Gebetskämmerlein, nicht nur im Hause Gottes, oder sonst in christlicher Versammlung, nicht nur bei christlichen Freunden und Brüdern, ein guter Christ sein, sondern auch in deiner Familie, in deinem Amte, nicht nur im Sonntagsgewand, sondern auch im Werktagsrock und Hauskleide. In jedem Stand und Beruf, sei er nun geistlich oder weltlich, hoch oder gering, groß oder klein, überall und immer müssen. wir vor Gott dem Herrn wandeln und Treue beweisen: der Prediger auf der Kanzel und in der Seelsorge, der Lehrer in der Schule, der Beamte auf dem Bureau, der Kaufmann im Laden, der Handwerker in der Werkstätte, der Knecht im Stalle, die Magd in der Küche, die Hausfrau in der Haushaltung, der Landmann hinter dem Pfluge, die Näherin am Nähtische, die Diakonissin in der Krankenstube. O wie ein großes ist es um einen treuen und klugen Haushalter! Selig ist der Knecht, welchen der Herr findet also tun, wenn er kommt! Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet! 
- 
-Ja die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh. „Wahrlich, ich sage euch: er wird sich aufschürzen, und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen.“ Und noch einmal heißt es von dem. treuen Knechte: „Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.“ O meine Lieben, was sind das für Worte! Welche Fülle der Seligkeit und Herrlichkeit, welches Meer von Wonne liegt darin! Der Herr kommt, sei es nun am Tage seiner glorreichen Wiederkunft, oder an. unserm Sterbetage; er kommt von der Hochzeit des Himmels, vom Freudenmahle droben im Vaterhause, um die Seinen eben zu dieser seligen Hochzeitfreude heimzuholen. Da wird er sich aufschürzen, und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen. Wer das fassen kann, der fasse es. Bei solchen Verheißungen wollen mir die Worte ausgehen. O mein Heiland, wer sind wir, dass du, der Herr der Herrlichkeit, also mit uns Knechten, mit uns Sündern handeln willst? Wer kann deine herablassende Liebe verstehen, würdig preisen und besingen? Rühre meine Lippen an und reinige sie mit der feurigen Kohle vom himmlischen Altar, dass ich die Seligkeiten, die du deinen Kindern bereitet hast, der Gemeinde verkündigen kann. Ja, meine Lieben, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die ihn lieben. Die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh. Und in welche Höhe der Seligkeit! Wenn der Herr kommt, um die Seinen ins Vaterhaus heimzuholen: dann wird er sich aufschürzen wie ein Diener, obwohl er der Herr der Herrlichkeit ist und alle Cherubim und Seraphim, alle Throngeister und Engel Gottes ihn anbeten; er wird sich ihnen die Stühle anweisen an der Hochzeittafel des Himmels, wo die Patriarchen, Propheten und Apostel, die Märtyrer und alle Geister der vollendeten Gerechten sitzen, wo der Becher der Wonne in die Runde kreist und ewige Freude über den Häuptern der Seligen schwebt, wo die Lust des Himmels aus den Augen glänzt und der Mund voll Lachens und die Zunge voll Rühmens, voll von Lobgesängen und Hallelujas ist - da wird er die Seinen zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen. Da wird sich erfüllen, was der Apostel schreibt: Ihr werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Das wird ein seliger Festtag, ein himmlischer Wonnetag sein, darüber uns die Gedanken und Sinne vergehen werden. Ja es wird wohl den Seligen zu Mute sein, wie dort dem Petrus, der, als ihm der Herr die Füße waschen wollte, sprach: Herr, solltest du mir die Füße waschen? So wird der Knecht, der zu seines Herrn Freude eingehen und an des Himmels Tafel sich setzen darf, zu seinem Herrn sagen: O mein Heiland, du solltest dich also herablassen und mir dienen? Nein, ich will dir dienen, ich will deine Füße küssen, die auf Erden um meiner Sünde willen sich müde gelaufen haben, und deine Hände, die du am Kreuz für mich hast durchbohren lassen; wenn ich nur der Türhüter sein darf in meines Gottes Haus, so will ich zufrieden sein. Er aber, der Herr, wird sich aufschürzen, die Seinen zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen. Wahrlich, ich sage euch er wird sie über alle seine Güter setzen. meine Freunde, was ist alle Erdenherrlichkeit, Pracht, Lust und Freude dieser Welt gegen die Seligkeit und Herrlichkeit des Himmels? Darum weg mit den Freuden und Genüssen der Sünde, weg mit den eitlen Gesellschaften, Gastereien und Trinkgelagen der Erde: an des Himmels Tisch will ich mich setzen, an des Himmels Gastmahl will ich mich ergötzen, in des Himmels Gesellschaft will ich mich freuen, im Kreise der Überwinder und vollendeten Gerechten. 
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-Ja die Treuen führt er mit sich in des Himmels Höh. 
- 
-=====II. ===== 
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-Die Trägen aber stürzt er in ein ew‘ges Weh. Über diesen zweiten Punkt reden wir noch in Kürze, obwohl ich meinem Herzen nach am liebsten gar nicht davon sprechen möchte. Aber der Haushalter, den der Herr über sein Gesinde gesetzt hat, soll treu und klug sein, das Wort Gottes recht austeilen, und darf deshalb den heiligen Ernst des Evangeliums nicht verschweigen. Also die Trägen stürzt Er in ein ewiges Weh. So aber derselbe Knecht in seinem Herzen sagen wird: Mein Herr, verzieht zu kommen, und fängt an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen: so wird desselben Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.“ Da haben wir das Bild eines untreuen und trägen Knechtes, ein trauriges Bild, traurig in diesem Leben, traurig auch in der Ewigkeit. Merkt wohl, von wem der Herr redet! Er hat nicht Leute im Auge, die den Glauben über Bord geworfen, mit dem Christentum gebrochen, der Kirche den Rücken gekehrt haben; nicht von Spöttern und Ungläubigen ist hier die Rede, sondern, dass ich es kurz sage, von Namenchristen, von Kopf- und Maulchristen. Der Knecht im Texte sagt „mein Herr.“ Er hat das rechte Bekenntnis im Munde, denn man muss Jesum einen Herrn heißen; aber im Herzen und Leben steht es schlimm bei ihm. Warum denn? Ach der Knecht spricht in seinem Herzen: mein Herr verzieht zu kommen. Er hat also den Ernst des Lebens vergessen, wacht nicht, sondern ist eingeschlafen, und hält sich die Gedanken an das Kommen des Herrn, an Tod und Ewigkeit möglichst ferne. Es gefällt ihm eben hier unten gar zu gut und er wünscht, es möchte nur immer so bleiben. Dabei ist die Liebe in seinem Herzen erkaltet, denn er schlägt Knechte und Mägde; auch verfällt er in fleischliches Wohlleben, Genusssucht und Völlerei, isst und trinkt und sauft sich voll. - Dieses Bild des untreuen und trägen Knechtes, ach wie ist es in der Christenheit hundert und tausendfach zu finden, bald in grober bald in feiner Gestalt? Es wird auch unter uns nicht fehlen. Ja wie viel Bekenntnis der Lippen ist da, wie viel Reden, Beten und Singen ohne Geist und Kraft, ohne Tat und Leben! Wie viel irdischer Sinn und Hängen an der Erde, da man sich die Gedanken an Tod und Ewigkeit aus dem Sinne schlägt; während es im Herzen heißen sollte: Himmelan, nur himmelan soll der Wandel gehen. Wie viel Lieblosigkeit auch unter Christen, da man einander schlägt, was ohne Hände und Fäuste geschehen. kann, durch die Zunge, durch harte und raue Worte, finstere Mienen, lieblose Gebärden, durch Streiten und Zanken, Richten und Räsonieren: ja wie viel Lieblosigkeit, statt Liebe, Friede und Eintracht! Und endlich wie viel Genusssucht und fleischliches Wohlleben, von der feinen Fleischespflege an bis zur groben Völlerei! O Christen, prüft euch! Wie steht's um euch? Das sind lauter Züge des untreuen und trägen Knechtes. 
- 
-Die Trägen aber stürzt er in ein ewiges Weh. „Desselben Knechtes Herr wird kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht und zu der Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerscheitern, und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.“ Ach was sind das für entsetzliche Worte, dass einem die Haare zu Berge stehen möchten. Denn es sind nicht bloß Worte, die auf dem Papier stehen, sondern Worte, die in furchtbare Tat umgesetzt und erfüllt werden. an allen faulen und trägen Christen. Der Herr wird sie zerscheitern. Ach das ist ein schweres Wort, das eigentlich entzweihauen bedeutet und auf eine grauenvolle Strafe hinweist. Zerscheitern wird sie der Herr, und ihnen den Lohn geben mit den Ungläubigen. Namenchristen, faule und träge Christen werden wie Ungläubige behandelt. Was ist aber der Lohn des Unglaubens? Die Verdammnis! Wer nicht glaubt, wird verdammt werden. Ja so wird es geschehen. An diesem Sage wird nichts abgeändert werden. So wahr die Seligkeit des Himmels dem Glauben zufällt, so wahr fällt die Verdammnis und Hölle dem Unglauben und Maulchristentum zu. Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan: der wird viele Streiche leiden müssen. Die Hölle, die Verdammnis, ewiges Weh ist sein Los. Das bringt die leichtsinnige Welt nimmermehr weg mit ihren falschen Begriffen von Liebe, mit ihrem Spotten und Lachen, mit ihrem Unglauben, den sie mit allerhand Vernunftsgründen ausschmückt und wissenschaftlich begründen will. Der heilige Gott wird sich um solch eitles Gerede und Geschwätz nichts kümmern. Mag die Welt in hundert und tausend Bücher und Zeitungen hineinschreiben: es gibt keine Hölle; und hinter dem Bier- und Weinglas und auf dem Tanzboden mit lachendem Munde ausmachen: es gibt keine Verdammnis; der furchtbare Gegenbeweis wird ihr einfach mit der Tat geliefert werden. 
- 
-O teure Gemeinde, lasst uns den heiligen Ernst des Evangeliums wohl bedenken und zu Herzen nehmen. Lasst uns nicht schlafend und träumend in den Tag hinein leben, sondern aufwachen, so lange es heute heißt. Ja lasst eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. 
- 
-So mache denn, mein Herz und Sinn, \\ 
-Und schlummre ja nicht mehr! \\ 
-Blick täglich auf Sein Kommen hin, \\ 
-Als ob es heute wär! \\ 
- 
-Amen. 
- 
-{{tag>2_Advent}} 
- 
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- 
-====== Luther, Martin - Predigt am 2. Sonntag des Advents ====== 
- 
-Lukas 21, 25-36 
- 
-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf, und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's an ihnen, und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen; so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, dass geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.** 
- 
-Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her, wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, dass sie trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, dass Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, verstockten Juden strafen und das neue Gnadenreich durchs Evangelium in aller Welt anrichten wollte. Denn da der Herr Jesus am Kreuz hing, taten sich die Gräber auf, die Toten stiegen heraus und gingen in die Stadt Jerusalem. Es kam eine große ungewöhnliche Finsternis, der Vorhang im Tempel zerriss. Solches alles war ein Anfang eines neuen Wesens und ein Untergang des alten, wie sich's denn im Werk hat auch gefunden dass das Judentum gefallen Christus ein neues Reich angerichtet hat. 
- 
-Solches wussten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn, was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe? 
- 
-Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier: Wenn sie sehen werden, dass sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen sie wissen, dass Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat: Sie sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden. 
- 
-Also lehret er sie vom Jüngsten Tag auch und spricht: Wenn ihr Zeichen sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und lasst mit solchen Zeichen keinen Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, dass der jüngste Tag jetzt vor der Tür ist. 
- 
-Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem Jüngsten Tag werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt: Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube ich, dass etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden, dass der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich, an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken, und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit einholen. 
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-An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, dass sie ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht), so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und fallen herein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, dass die Finsternis an der Sonne geschehen muss im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond, so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich doch sehr bald zutragen. 
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-Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen, welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, dass ein Regenbogen um die Sonne gehen soll, dass die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, dass dergleichen auch etwas kommen wird, welches wir zuvor nicht gesehen haben. Darum haben wir eine Warnung an der Sonne genug, dass wir nicht sicher sein, sondern der seligen Zukunft unseres Herrn Christi warten sollen. 
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-Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen der Wasser, dass es tobt, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber, Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, dass er davon soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, dass Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein wird, ehe es ganz zu Boden geht. 
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-Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, dass wir es erlebt haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen, das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum dass man gepredigt hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten, beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wussten niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum, war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen, jetzt mit anderen Werken; dass ich glaube, solches sei der größte Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor großer Furcht und Schrecken, dass sie sich nicht trauten, zu bestehen vor Gottes Gericht. 
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-Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, dass wir uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen, rief deswegen die Jungfrau Maria an, dass sie mir beistehen und gegen solchen Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir nicht. Christum hatten wir verloren und mussten bekennen, dass wir bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits geschehen. Gleichwie ich's dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen, so kann es doch alle Tage sich begeben, dass sie auch kommen. Wir sollen aber darum nicht unterlassen, uns gegen diesen Tag also zu schicken, wie der Herr unten lehren wird. 
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-Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: «die Leute werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen.» Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große Furcht ist, und sie kommt daher, dass die Menschen vor den Zeichen des Jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind, heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts, wie es mit dem Jüngsten Tage gehen werde. 
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-Solche gottlose, sichere Leute lässt der Herr fahren. Denn weil sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen, und sich darüber entsetzen, die lässt der Herr sich befohlen sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, und sagt: Weil sie Christum bekennen, sein Wort lieben, nicht gern von selben abfallen noch leugnen wollten; so sollen sie vor solchen Zeichen, ob sie gleich etwas schrecklich sind, sich nicht entsetzen, noch erschrecken. 
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-Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel stehen, zittern und beben werden. 
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-Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn es muss also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muss sie zuvor krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es muss sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund, wird im Gesicht blass und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun. 
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-Aber ich sage euch: Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure, spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt. Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis. 
- 
-Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken, wenn Sonne und Mond die Augen verdrehen und die Welt voll mit Feuer sein wird. Denn die Heiligen sind nicht so stark; es müsste auch St. Peter oder ein anderer Heiliger davor erschrecken, wenn sie lebten. Aber, spricht der Herr, seid getrost; es wird euch wohl jämmerlich und erschrecklich ankommen, aber solches gilt euch nicht, es gilt dem Teufel und den Ungläubigen. Euch aber kommt die Seligkeit und die fröhliche Erlösung, da ihr solange nach geseufzt habt und gebeten, dass mein Reich zu euch komme, euch eure Sünde vergeben und ihr von allem Übel sollt erlöst werden. Was ihr nun so lang mit ganzem Herzen gebeten habt, dass soll dann kommen. Denn es heißt ein Tag eurer Erlösung. 
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-Darum mag man den Jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt: «Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde.» Da wollen wir, ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, den bösen Adel, böse Bauern und Bürger dieses lassen, die jetzt allen Mutwillen treiben, das Evangelium verfolgen, und allen Jammer und Unglück anrichten; dieselben werden dann bezahlen müssen. Wir aber, die wir uns jetzt vor ihnen beugen müssen, weinen und bekümmert sind, werden dann lachen und sehen, dass sie mit dem Teufel in den Abgrund der Hölle müssen hinunter fahren. 
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-Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasst euch nicht anfechten; gedenkt, dass ihr mich haben wolltet. Denn so ich euch erretten soll, so muss ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten. Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm, und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber noch froh sein, wenn du wüsstest, dass es um deinetwillen wäre, dich also frei zu machen. 
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-Also ist es hier auch; lasst euch nicht Schrecken, dass die Welt sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen, über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, dass ich euch in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, kranken, bösen, heillosen Welt helfen, euch scheiden von dem Teufel und seinen Knechten, und unter die Engel setzen, wo ihr nicht leiden, sondern in ewiger Herrlichkeit leben sollt. 
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-So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen. Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen, und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir, wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und geht nun der schöne Sommer an. 
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-Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer Kunstbuch sein, dass ihr lernt, wie ihr des Jüngsten Tages warten sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so lasst euch ebenso wenig schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen, schrecken, wenn es Sommer werden will. Denn solche Zeichen sollen euch sein wie der Saft und Blätter an den Bäumen, dass ihr des ewigen Sommers mit Freuden warten sollt. Denn dies elende Leben auf Erden hier ist wie der schändliche, unfruchtbare Winter, und da alles verdorrt und verdirbt. Mit demselben soll es dann ein Ende haben, und der schöne ewige Sommer kommen, nämlich das Reich Gottes, durch welches des Teufels Reich soll zerstört werden, durch welches ihr hier auf Erden so viel leiden musstet. Denn ihr lebt unter gottlosen, bösen, falschen, geizigen Leuten, die das Evangelium lästern und schänden, und alles Unglück begehren anzurichten. Das müsst ihr sehen und hören, und täglich Schlimmeres erwarten. Von solchem will ich euch durch meine Zukunft erlösen, dass ihr solchen Mutwillen nicht mehr sehen dürft. 
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-Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden, den Gottlosen: die lasst trauern und erschrecken. Hier aber freut euch, dass eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann, die er sehen und hören musste, bis sie überreif wurden und Gott nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen Anblick gehabt haben, dass der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war dass der Trost, dass er wusste, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten, die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten. Die mussten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung wieder die Gottlosen. 
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-Also wird uns, so wir es erleben, am Jüngsten Tag auch geschehen. Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern, und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich, dass es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig; auf das, obgleich über dem schrecklichen, hässlichen Anblick sich die Vernunft entsetzt, dennoch das Herz am Wort hängt und sich wieder des äußerlichen Ansehens stärke, und spreche: Ei, erschreckt nicht, es ist doch nicht Böses noch Schädliches; ja, es bedeutet, wie Christus selbst sagt, nicht Böses, sondern das mein Erlöser und Erlösung nahe sei. So sei mir nun Gott willkommen, wer nun den Herrn Christum so empfangen kann, der ist in einem Augenblick dahin in die Herrlichkeit, dass er wie die schöne Sonne leuchten wird. 
- 
-Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den Jüngsten Tag recht erkennen, dass wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen. Das ist ja ein gewisses Zeichen, dass man kein Vertrauen zu Christus hat, sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium lehret er uns anders, nämlich, dass er wolle kommen, nicht dass er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen, was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben, für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet fest und zweifelt nicht daran, und freut euch auf meine Zukunft; denn sie soll euch zum besten geraten, dass ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt erlöst, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich und reichlich getröstet. 
- 
-Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens herein fallen, dass den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel, der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie bald es geschehen ist, dass man zu Fall kommt, werden sie blöde und verzagt darüber. Denn sie denken: Wer weiß, wie dieser Tag dich finden wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist, und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein ewiger Trauertag. 
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-Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen, wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht: «Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, dass geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.» 
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-Dass ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht; so heißt er auch nicht, wie der Papst, dass man alles liegen und stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und trinket, dass gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung, denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, dass eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, dass ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen. Das lasst das erste sein. 
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-Danach so betet auch, dass ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen, und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz. 
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-Aber hier muss man auch dieses merken, dass man Gott nicht recht anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet eine rechtschaffene Buße, und dass man sich vor mutwilligen Sünde hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte im Namen Jesu Christi bitte, dass er in seiner Furcht uns erhalten, durch seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben bis ans Ende erhalten wolle, auf dass wir dieses selbigen Tages mit Freuden erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr und Erlöser Jesus Christus, Amen. 
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-{{tag> 2_Advent}} 
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-======Majer, Friedrich - Predigt am zweiten Advent====== 
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-Dekan Majer in Biberach 
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-Ev. Matth. 25,31-46. (I. Jahrgang.)\\ 
-**Wann aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig und haben dich getränkt? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget, oder nackt und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan! Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.** 
- 
-„Zweiter Advent“ heißt unser heutiger Sonntag, Geliebte in Christo Jesu, und ist mit diesem die ganze Adventszeit noch nicht abgeschlossen, noch zwei Adventssonntage stehen vor uns. Vier Adventssonntage mit ihren vier Adventswochen sagen uns deutlich und ernst genug, was es doch sei um die Ankunft des Gottessohnes auf Erden im Fleische; sind diese Tage doch nichts anderes, als eine Zeit der Vorbereitung zur würdigen und gesegneten Feier des Tages, da erschienen ist die heilsame Gnade Gottes in Christo Jesu allen Menschen. Wenn aber ein Adventssonntag, so ist es der zweite Advent, welcher in besonderem Ernste uns die Ankunft Jesu wichtig machen will. Der zweite? fragt ihr, warum? ist nicht einer wie der andere? 
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-Der zweite Advent dieses Wort schon mahnt uns eben an das zweite Kommen Jesu auf Erden, an seine Zukunft zum Gericht. Wohl möchte unser Auge lieber ruhen bleiben auf dem Anblick des sanftmütigen Königs, als hinausschauen auf das Erscheinen des gerechten Richters, doch gerade damit das Antlitz unseres Richters einmal uns nicht finster, sondern freundlich sei wie das des holdseligen Jesuskindes und ewig freundlich bleibe auf, o Christenmensch! dein Auge an diesem zweiten Advent von der Krippe zum Kreuze, vom Kreuze zum Throne! Sonst wenn wir von einem Menschenkinde ahnen, dass aus ihm ein großer Mann wird, von dem unser irdisch Wohlsein abhängt, wie schaut alles hinauf an ihm! Hier bei diesem Jesuskinde wissen wir es gewiss, was es schon geworden ist und bleibt in Ewigkeit, unser Erlöser und Richter, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden; umsonst aber will er nicht für uns geboren, gestorben, auferstanden, gen Himmel gefahren sein und sitzen zur Rechten Gottes, seines Vaters; darum heißt's aus seinem Munde: „Heraus ihr Toten! aus euren Gräbern! herzu! ihr Lebenden! Seid ihr zu mir gekommen im Glauben und gottseligen Leben? Legt Rechenschaft ab!“ Nun denn, herbei, meine Lieben! zum Throne des Menschensohnes, sammeln wir uns im Geiste um ihn, hören wir, was er nach rechts und links spricht, erwägen wir es tief im Herzen mit nachdenklichem Einblick in unser inneres und äußeres Leben. Er aber lenke unser aller Herzen mit unwiderstehlicher Geistesgewalt zu seiner Rechten, indem wir in seinem Namen betrachten: 
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-Kommt her! Geht hin! Die zweite Advents-Botschaft. 
- 
-Welches von diesen zwei Worten wird einmal vom Richterthrone über uns gesprochen? 
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-Kommt her! Geht hin! Sollten unter andren ernsten Gedanken, welche unser heutiges Evangelium in uns erweckt, nicht auch diese Worte, als unsere zweite Adventsbotschaft, uns tief bewegen? Ist es gleichgültig, ob's einmal „her“ oder „hin“ heißt? Oder versteht es sich von selbst, dass wir hergerufen werden vom Herrn, nicht aber fortgewiesen? Ach! wie schnell lebt man doch in unseren Tagen dahin von einem Erwerb und Verlust zum andern, von einer Zerstreuung und Aufregung zur andern! Keine Zeit, keine Lust, mit solchen Fragen über ewige Zustände sich zu beschäftigen. 
- 
-Und doch, wie schnell kann der, von dem die Adventsbotschaft lautet: „Er kommt!“ der ewige Richter, unser Herr und König, in seiner Herrlichkeit vor uns erscheinen, und von seinem Throne ergeht nach rechts und links über alle Völker der Richterspruch über unser ewiges Wohl oder Wehe; ja, kann er nicht heute, nicht jetzt kommen? Freilich sind nahezu Jahrtausende dahin gegangen, seitdem diese zweite Ankunft vorausgesagt ist und immer ist sie noch nicht eingetroffen, ein Advent um den anderen und doch dieser Advent noch nicht, die Welt steht noch und geht alles seinen alten Gang fort von einem Tag, von einem Jahr zum anderen. Wollen wir gar mit den Spöttern zu den Zeiten der Apostel sagen (2. Petri 3, 4): „Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist!“ Ferne bleibe uns doch solche Sicherheit, als ob es mit diesem zweiten Advent Christi nichts wäre, auch ohne dass sie sich mit Spottreden ausdrückt, genug wenn wir uns allmählig eben einschläfern lassen durch den Alltagstaumel unserer Sorgen und Genüsse. Wie viel länger war die erste Ankunft Jesu auf Erden voraus verkündigt, vier Jahrtausende! und doch er ist gekommen, er, auf den die Väter harrten. Wird's nicht ebenso gehen, mit der Vorausverkündigung des zweiten Kommens Jesu, dazu da wir sie heute hören aus seinem eigenen wahrhaftigen Munde, und ist dieses nicht das einzige Mal. Also wenn irgendeine Zeit, so sei es die Adventszeit, besonders unser zweiter Advent, welcher uns rüttle und wecke aus unserer Schläfrigkeit mit Donnerstimme rufe sie uns ins Herz: „Er kommt! Er kommt!“ dass wir stille stehen auf unserem Lebenswege und unsere Häupter gen Himmel richten, zu schauen, ob er nicht kommt, mit der Frage auf den Lippen: „Was wird sein Kommen dir bringen?“ „Er kommt,“ wenn ein Kind das hört von seinem Vater, wie freut es sich, wenn es brav war, wie erschrickt's, wenn es unartig war! „Er kommt, Er kommt,“ wenn wir solcher Adventsbotschaft doch nur auch einigen Glauben schenken, ja den Glauben, dass er jeden Tag, jeden Augenblick kommen kann, uns zu richten - sollte das nicht auch in uns einen Eindruck hinterlassen, dass alles andere in Hintergrund tritt vor diesem wichtigen Entscheidungstag über ewiges Leben oder ewige Pein? Sehen wir in unser Leben zurück, meine Lieben; wir alle haben schon manche Tage hinter uns, an welchen über unser leiblich, zeitlich Wohl entschieden worden ist. Du warst schwerkrank und der ärztliche Ausspruch lautete: „es muss geschnitten werden auf Leben und Tod, bleibt nichts anderes übrig“; oder du hattest einen Rechtsstreit, bei welchem deine Ehre, dein Vermögen auf dem Spiele stand, und es war daran, dass das Urteil gefällt werden sollte oder dein Herz wünschte sehnlich eine eheliche Verbindung, bei welcher allein du glücklich zu sein hofftest und das „Ja“ oder „Nein“ stand nahe bevor: sage, mit welchem Bangen sahst du auf diese Tage hinaus, ja tatest du nicht alles noch vorher, damit doch gewiss nach deines Herzens Wunsch es gehen möge, Tag und Nacht trieb es dich lange vorher um, hattest keine Ruh noch Rast! Wie? Hat dir der Tag, der die Entscheidung über dein ewiges, sage ewiges Los bringt, auch schon einmal so viel zu schaffen gemacht? Müssen wir uns in der Tat nicht alle schämen dieser unserer Advents-Lässigkeit, den Herrn um Vergebung bitten, ihm danken, dass wir noch Zeit haben, uns zu rüsten auf diesen Tag. O! es ist schon genug Zeit verloren; umso ernster beschäftige uns dieses Mal der zweite Advent Jesu mit heilsbegierigem Nachdenken, wie viel davon abhänge, ob „Geht hin“ oder „kommt her“ über uns ertöne! 
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-„Kommt her!“ Wer von uns sollte sich nicht wünschen, dass dieses Wort einmal über uns, als die Gesegneten des Vaters Jesu Christi von Ihm, dem Richter-Könige, an jenem großen Tage gesprochen werde? Wenn ein Vater seinem Kinde freundlich ruft: Komm her! nimmt's an der Hand und gibt ihm, sei es ein noch so kleines Geschenk. Nun wie strahlt da ein Kindesauge! wenn der Richter aller Völker uns vor allen Engeln und Menschen ruft: „Kommt her! her zu meinem Vater, zu mir, nahe her zu meinem Throne, da nehmt hin den Segen meines Vaters, nehmt ein ganzes Königreich als euer Erbe; vom Anbeginn der Welt ist's euch schon zugedacht gewesen und zubereitet - ja, mein Leben habe ich darob gelassen!“ was ist das für ein Augenblick! Eine ganze freudenvolle Ewigkeit, also ewig unsres seligen Loses gewiss! Freut es uns sonst bei einem Geschenke besonders, wenn wir wissen, dass der Geber schon lange uns solches bestimmt hat, weil wir darin sehen ein Zeichen großer Liebe, wie muss uns diese Liebe Jesu Christi und seines Vaters ins Herz leuchten, welche von Anbeginn der Welt darauf bedacht war, uns so zu segnen ewiglich! Gewinnt Einer das große Los hienieden, wie glücklich fühlt er sich „nun bin ich ein geborgener Mann mein Lebtag“, denkt er und in einigen Jahren ist das ganze Glück vielleicht schon dahin! Jenes Glück, jenes Erbe aber bleibt Niemand kann es uns nehmen; auch gehen wir nicht mehr herab, wie die Jünger vom Verklärungsberge, nein! die Hütten sind gebaut, wo es ewig gut ist, wir bleiben droben - da sind die Worte ganz erfüllt: „Das kein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehört hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben, das hat uns nun Gott offenbart durch seinen Geist.“ Wir schauen nun, was wir geglaubt haben. (1. Kor. 2, 9, 10.) Doch, Geliebte in Christo Jesu, über diesen köstlichen Ausblick vergessen wir nicht näher zu sehen, wer denn diese Gesegneten des Vaters Jesu Christi sind, was denn von uns verlangt wird, damit wir dieses reiche Erbe eintun und desselben gewiss sind. Es möchte uns bange werden in dem nahe liegenden Gedanken, dass für eine solche überschwänglich erfreuliche Entscheidung große Forderung gestellt werde.  
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-Diese Gesegneten des himmlischen Vaters - sind das nicht ganz besondere Heilige, Apostel, Märtyrer, Kirchenväter, Reformatoren Christenmenschen, welche im Reiche Gottes große Taten getan haben? Nun was sagt der Richter von ihnen? Kleine Liebesdienste führt er von ihnen an, einen Bissen Brots, einen Trunk Wassers, ein Nachtquartier, einen Rock, einen Besuch in Krankheit oder im Gefängnisse, alltägliche gute Werke an ihm getan. Was braucht's da nun Angst? Da reicht's schon zum Gerichtsspruch: „Kommt her!“ Denn wo ist Einer, der nicht auch da und dort eine solche Wohltat seinem Nebenmenschen in der Not erwiesen hätte? 
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-An dem Herrn selbst unmittelbar persönlich können wir ja nichts auf Erden tun, und sieht er, was wir an seinen Brüdern tun, an, als ob wir's ihm getan hätten, wie er selbst sagt. So leicht' sieht die Gerichtsforderung aus für die Gesegneten des Vaters, ja so leicht, dass manche Ausleger sagen, Jesus rede hier nur von dem Gerichte, das mit den Heiden gehalten werde; von den Christen werde natürlich mehr verlangt. Nun lassen wir das dahingestellt - Christen wird dieses Evangelium verkündigt vom Gerichte des Menschensohnes und so wollen wir Christen doch uns etwas entnehmen für jenen großen Gerichtstag. Sind denn diese kleinen Liebesdienste so leicht? Sind nicht manche darunter, an die du gar nie kommst, Krankenbesuche? Ob aber dies auch nicht, stehen sie nicht ganz vereinzelt da, und glaubst du etwa, mit einer Weihnachtsgabe fürs ganze Jahr alle Nächstenliebe abmachen zu können? Muss nicht dein ganzes Leben eine Kette von lauter Liebeswerken sein, kein Tag ohne ein solches? Oder ist das ein guter Acker, der so ein paar Ähren bringt, und ist es nicht der, welcher Ähre dicht an Ähre hat? Wenn du aber auch viel Gutes tust, tust du es im Stillen, dass dein Richter erst einmal dich erinnert daran, du aber nichts davon gewusst hast? Oder wenn du auch nicht damit prangst, redest du nicht mit deinem Herzen oft davon in Eitelkeit und Hochmut, dass es dir deshalb am Gerichtstage einmal nicht fehlen könne? Wo ist Christi Geist, in welchem alle, auch die kleinsten Liebesdienste geschehen sollen, wenn wir vor ihm, dem Richter bestehen wollen? Nun diese Liebesdienste, nicht als Verdienste, sondern als Dienste im Geiste Christi, sind sie so leicht? Gibt's da für uns Christen nicht noch genug zu tun, ja dürfen, wollen wir nicht heute wie von vorne anfangen, ehe es zur Liebe auch mit kleineren Werken kommt, im lebendigen Glauben an Jesum Christum, wenn nur alles im Familienleben täglich in wahrer Liebe zugehen soll? Also meine Lieben, soll's dort heißen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters! dann hören, folgen wir dem Rufe Jesu hier immer treulicher: „Kommt her und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ 
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-„Geht hin!“ wer mag nur einen Augenblick sich denken: „Dieses schreckliche Wort ergeht am Gericht über dich, du wirst unter denen zur Linken stehen, unter den Verfluchten vor allen Engeln und Auserwählten, wirst geworfen in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“ Nicht unserem ärgsten Feinde möchten wir dieses Urteil gönnen. „Geht hin!“ sagt Kinder, wenn euer Vater so zu euch sprechen würde oder hat er schon so mit dem einen oder andern geredet? „geht hin von mir, fort aus meinem Angesicht!“ und sei es nur ein paar Tage, sagt, wäre euch das nicht die ärgste Strafe? Sei es welch andere noch so empfindliche Strafe, nur nicht vom Vater fortgewiesen werden, dass wir nicht mehr vor seine Augen kommen dürfen! Nun aber hören wir diese Strafe ausgesprochen auf ewig von dem Richter der Welt über einen Teil der Menschen. Kaum möchten wir denken, dass Derselbe, welcher ein so beseligendes „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters!“ soeben gesprochen hat sagen kann: „Geht hin von mir, ihr Verfluchten!“ Wenn ein Mensch den andern verflucht, so geht's einem durch Mark und Bein, und was ist der Fluch eines sündhaften Menschen? Aber der Fluch aus dem wahrhaftigen Munde des heiligen Gottes, o! was wirkt er? wohin bringt er? In das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Fort von Gott und Himmel - was ist noch da? Der Teufel mit seinen Engeln, Hölle, ewiges Feuer, ja ewig! Jahrhunderte zubringen in solcher Umgebung, unter Plagen von außen und innen, an Seel' und Leib, schon Jammer genug, allein die Aussicht, dass einmal diese Qual aufhören wird, wäre doch ein tröstlicher, wonniger Lichtblick im wilden Höllenfeuer. Nun aber ewig fort vom Herrn, ewig beim Teufel - so steht's geschrieben „sie werden in die ewige Pein gehen“. Wie viele Hände wollten schon dieses Wort „ewig“ bei der Pein, nicht bei dem Leben, der Seligkeit ausstreichen, noch steht's da so klar und fest geschrieben, wie von Anfang, unauslöschlich! Tut was ihr wollt, „ewiges Feuer, ewige Pein“ ihr bringt diese Worte aus der Bibel nicht weg. Freilich ist Jesus unser huld- und gnadenvoller Heiland, aber auch ein Richter voll Wahrheit und Gerechtigkeit o! vergessen wir das nicht. Möchte er gern zu allen Menschen sagen: „kommt her“, er muss eben auch „Geht hin“ sagen nach seiner Gerechtigkeit, die Menschen wollen's zum Teil nicht anders, es ist ihre Schuld. Nun wer sind denn diese Verfluchten? Flucher, Meineidige, Gotteslästerer, Mörder, Ehebrecher, Diebe, Räuber kurz nur recht grobe Sünder? Gewiss ist solchen allerdings das ewige Feuer, so sie sich nicht bekehren, aber nicht nur diesen, nein! Hören wir nur, auch solchen, welche vor groben Sünden sich gehütet, aber das Gute nicht getan haben, ja verflucht sind auch diejenigen, welche hienieden kleine Liebesdienste unterlassen haben. Sollte uns allen da nicht bange werden? Der Frömmste kann er nur an einem Tage seines Lebens in Wahrheit vor Gott sagen: Heute habe ich alles Gute, nur Gutes getan, nichts Gutes unterlassen? Ach! wie drückt diese Erfahrung jeden rechten Christenmenschen; doch wenn wir Gott täglich deshalb um Vergebung bitten und um mehr Kraft, Gutes zu tun, nun so dürfen wir keine Angst mehr haben, das „Geht hin“ treffe auch uns, dem Herrn sei Dank! Aber die Unterlassung des Guten sich zum Grundsatz machen mit mehr oder weniger Wissen, das ist vom Übel, das stellt uns am Gericht zur Linken und wie vielen Tausenden ist ihr ganzes Christentum das augenfällige Böse lassen, dagegen das wahrhaft Gute nicht tun! Prüfe dich einmal nach der zweiten Gesetzestafel, welche am großen Gerichtstage dir besonders nach unsrem Evangelium vorgehalten wird. Du hast noch keinen Mord begangen, aber mit deinem Feinde versöhnst du dich nicht, betest nicht für ihn, erweisest ihm nichts Gutes. Du hast die Ehe nicht gröblich gebrochen, aber herzlich und treulich liebst du dein Weib nicht. Du hast noch nicht gestohlen, aber an Hungrigen, Durstigen, Zerlumpten, Obdachlosen, Kranken, Gefangenen gehst vorbei wie der Priester und Levit an dem unter die Mörder Gefallenen. Du verleumdest deinen Nächsten nicht, aber Gutes redest du auch nicht von ihm. Oder willst du deine Unterlassungssünden der zweiten Gesetzestafel zudecken mit deinen Tugenden der ersten Tafel; ja, kannst's zudecken vor Gott, welcher die Liebe zum Nächsten gebietet wie die Liebe zu ihm, und der da will, dass wir, je mehr wir ihn lieben, zu ihm beten, sein Wort hören, ihm dienen in der Kirche und zu Hause, desto mehr von seinem Geiste erfüllt, unsern Brüdern und Schwestern dienen? Ja, so manche meinen dies wie die zur Linken sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder einen Gast oder nackend oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? aber wem gefällt ein unfruchtbarer Baum, ob er voll ist von glänzenden Blättern? Wie mag dem Herrn ein Christenmensch gefallen, der keine Früchte der Nächstenliebe aufweisen kann? Sind denn seine Werke der Gottesliebe und Frömmigkeit etwas anderes als Blätter, Blätter keine Früchte? Dürfen wir uns daher wundern, dass der Herr, der den unfruchtbaren Feigenbaum verflucht hat, auch die Christen verflucht, die unfruchtbar sind an Werken der Nächstenliebe? Unterlassung des Guten ist einmal nichts Gutes, und kann somit nichts anders sein, als etwas Böses aus unlauterem Grunde, Sünde. Darum mit den Unterlassungssünden es nur nicht so leicht genommen, und wenn etwas uns einen Schrecken vor ihnen einjagen kann, so ist es das „Geht hin von mir“ über die Unterlassungssünder und wollen wir dieses zernichtende Richterwort ernstlich einmal nicht hören, nun so hören wir hier umso fleißiger das Heilandswort (Matth. 9, 13): „Geht aber hin und lernt, was das sei: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.“ 
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-„Kommt her“, „Geht hin“. Diese zweite Adventsbotschaft, vergessen wir sie nicht. Der treue Heiland gebe, dass er als der gerechte Richter uns alle, alle Geliebte in ihm! zu seiner Rechten stellen kann und richte unsere Herzen und Schritte dieser seiner fröhlichen Zukunft von heute an fest und entschieden zu! Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Münkel, Karneades Konrad - Am zweiten Adventssonntage.====== 
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-Röm. 15, 1- 13. 
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-**Wir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Christus nicht an ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben steht: Die Schmach derer, die dich schmähen, sind über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben; auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander nach Jesu Christ. Auf dass ihr einmütig mit einem Munde lobt Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander aus, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben, um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermals spricht er: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermals: Lobet den Herrn alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaja: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des Heiligen Geistes.** 
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-Es ist diese Epistel auf den Advent verordnet, weil darin gehandelt wird von der Hoffnung, die wir haben zu Christo, dass wir auf ihn hoffen zur Seligkeit. Da sind denn auch allerlei schöne Sprüche aus den Psalmen und Propheten angeführt, darin Christus als der Heiland nicht bloß der Juden, sondern auch der Heiden gepriesen wird, und heißet daselbst die Wurzel Jesse, darum dass er herkommt nach dem Fleische aus dem Hause Jesses, welcher war der Vater Davids. Also dieses Reich Christi auf dem ganzen Erdboden und diese Hoffnung zu ihm, unserem gnädigen Könige, das ist es, was unsere Epistel handelt. Doch hat der hl. Apostel davon eine Anwendung gemacht, und gezeigt, wie eine Gemeinde von Christen sich halten muss, wenn sie der Herr Jesus in sein ewiges Reich aufnehmen und in seiner Gnade behalten soll. Soll er uns aufnehmen, so müssen wir uns untereinander aufnehmen; und das Stück ist gewiss von den Hauptstücken eins, und wird zu wiederholten Malen in der Heilige Schrift gelehrt und getrieben. Darum betrachten wir das Wort: 
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-Nehmt euch unter einander auf! 
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-1) Das ist Gottes Gebot;\\ 
-2) das dient zu eurem Heile und Gottes Ehre; \\ 
-3) das fördert den Lauf des Wortes Gottes. 
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-=====I.===== 
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-Das ist Gottes Gebot. Denn so schreibt Paulus: „Wir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben.“ In der Gemeinde Gottes werden immer zweierlei Klassen von Menschen sein, Starke und Schwache. Nun sind freilich alle Christen in diesem Leben mit Schwachheit umgeben, und Paulus selbst sagt deshalb von sich: „Ich will mich am liebsten meiner Schwachheit rühmen;“ setzt aber doch hinzu: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Also sind doch immer einige, welche man, vergleichsweise gegen andere gehalten, stark nennen kann, wiewohl auch sie vor Gott schwach sind. Um deswillen unterscheidet die Heilige Schrift auch sonst zwischen Geistlichen und Fleischlichen, zwischen Kindern und Vollkommenen; was auf denselben Unterschied zwischen Starken und Schwachen hinausläuft. Wer sind denn die Starken? Es bildet sich mancher ein, stark zu sein, und ist schwach wie ein Kind. Wir können aber gar nicht irre gehen, wenn wir uns nur an das halten, was hier der Apostel lehrt. Starke sind solche, die Schultern haben, und eine ziemliche, bisweilen auch recht große Last tragen können, ohne unter der Last zu verzagen oder sie wegzuwerfen. Es ist aber diese Last von ganz eigener Art. Denn zwar legt uns Gott mancherlei Lasten auf, z. B. unsere tägliche Arbeit, unsere tägliche Not und Plage. Jedoch wenn wir diese Lasten nicht tragen wollen, so müssen wir sie doch tragen, und Gott legt sie uns so auf, dass wir sie nicht wegwerfen können, wir seien stark oder schwach. Dagegen diese Last, von der Paulus schreibt, kannst du aufnehmen oder wegwerfen, du kannst viel oder wenig davon tragen; denn obschon sie dir Gott geboten hat, so zwingt er sie dir doch nicht auf, weil er deinen freien Gehorsam daran prüfen will. Diese Last ist die Gebrechlichkeit der Schwachen, wie der Apostel sagt: Wir sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen. 
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-Damit wir nun davon einen richtigen Begriff haben, so merken wir uns erst, wer die Schwachen sind. Das sind nicht die Verkehrten, welche alle ihre Gleichgültigkeit und Leichtfertigkeit mit der gemeinen Rede zudecken: Wir sind schwache Menschen; und dabei wissentlich in Sünden wider Gottes Wort leben, ohne sie zu bekämpfen. Sondern es sind solche, die an Christum glauben, und mit Ernst danach trachten, rechte Christen nach Gottes Wort zu werden. Bei denen finden sich oftmals große Gebrechen, und wenn du genau zusehen willst, so wirst du nicht einen, auch dich selber nicht, ganz davon frei finden. Zum Teil liegen diese Gebrechen in der Lehre und Erkenntnis, zum Teil liegen sie im Leben und Wandel. 
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-Es gibt manche Christen, die nicht einmal in den Hauptstücken der Lehre richtige, gesunde Begriffe haben, und deshalb leicht in starke Irrtümer geraten, und wunderliche Dinge vorbringen. Stehen die nun nicht auf ihrem Sinne, und wollen sie aus Gottes Wort Lehre annehmen; so muss man sie nicht zu den Irrgläubigen, sondern zu den Schwachen zählen. Verteidigen sie aber ihre Irrtümer hartnäckig, nachdem sie genugsam belehrt sind, und streuen dieselben aus, so lass sie fahren! Wiederum gibt es Christen, die bisweilen harte Anstöße geben; sie sind heftig, schwatzhast, unzuverlässig, eigennützig, hart und dergleichen, je nachdem ihr alter Adam seine angeborene Tücke hat. Wenn die sich strafen lassen, ihr Unrecht bereuen und gern bessern wollen; so soll man ihnen auch grobe und häufige Verstöße nicht so auslegen, als wenn sie keine Christen wären. Verteidigen sie aber ihr Unrecht und sperren sich wider die Wahrheit, so lass sie fahren! 
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-Willst du nun solche schwache Menschen weit wegwerfen, nur heilige Leute ohne Anstöße passieren lassen und mit ihnen zu tun haben; so bist du selbst noch recht schwach und tust am besten, dich in den Himmel versetzen zu lassen, wo du nur mit starken, heiligen Menschen zu tun hast; oder, da das nicht geht, dir einen einsamen Ort in der Wüste auszusuchen, wo du mit niemand zu tun hast. Besiehe dich doch selbst nur, wer du bist, da kannst du an dir ganz unerträgliche Dinge finden; Lieber, warum wirfst du dich denn nicht weg, oder warum läufst du nicht vor dir weg? Warum willst du gelinde gegen dich selbst und scharf gegen andere sein? Aber gerade die, welche den Mund voll Klagen nehmen über das, was sie von andern leiden müssen, gerade die sind recht gründlich schwach und mit Gebrechen reichlich beladen. 
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-Wollen wir weiter sehen, woher die Klagen über die unerträglichen Gebrechen anderer kommen, so liegt ihr rechter Quell in der Eigenliebe, welche blind ist gegen die eigenen Gebrechen, und empfindlich gegen fremde Gebrechen. Wir halten hoch von uns, und sehen auf andere herab, können wohl endlich das wahre Christentum nirgends anders entdecken als bei uns. Das ist der größte Feind, den wir bei uns haben, der macht es mit uns wie die Raubvögel, die ihrer Beute erst die beiden Augen aushacken, damit sie ihnen nicht wieder entlaufen kann. Darum sollen wir nicht Gefallen an uns selber haben. Denn es wird niemand seines Bruders Gebrechen tragen, dem Gott nicht ein herzliches Missfallen an ihm selber ins Herz gegeben hat, dass er klein und zunichte geworden ist, sein eignes Elend fühlt, und bei den Gebrechen des Bruders immer an seine eigenen nicht geringen Gebrechen schmerzhaft erinnert wird. Da erst lernt man, was es mit Gottes Gebot auf sich hat, dass man erstlich keinen Schwachen, auch nicht den Schwächsten, von seiner Liebe und Gemeinschaft ausschließt, oder ihm mit harten, spöttischen, wegwerfenden Worten den Stuhl vor die Türe setzt; ferner, dass man sich so stellt, dass man dem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. 
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-Jemand wegwerfen, ist eine geringe Kunst, aber jemand tragen, den alle wegwerfen, weil er ihnen zu lästig ist, ihn zurechtweisen, mit Liebe gewinnen, mit Geduld seine Besserung abwarten, hundertmale dieselben Anstöße hinnehmen, und Jahre lang damit fortfahren, sage mir, wo findest du die Kunst, hast du sie schon gelernt, oder hast du schon damit angefangen? Siehe, die Kunst wäre leicht, wenn nicht die Kunst so schwer wäre, seine Eigenliebe zu überwinden. Täusche dich doch nicht darüber, als wäre die Last der Gebrechlichkeiten deines Bruders zu groß, als wäre er ein Mensch, mit dem sich gar nicht auskommen ließe. Meine nicht, nun könnt es dir niemand verdenken, dass du ihn fahren ließest, weil er's doch gar zu arg machte. Kann jemand eine gute Erbschaft tun, oder ein gut Stück Geld verdienen; so lässt er sich noch viel mehr gefallen, als du tragen musst, und nimmt, die größten Demütigungen in den Kauf. Ei, seht doch, wie stark der Eigennutz die Menschen zum Tragen macht! Hast du denn nicht etwas Liebe zu Christo, dass sie dich stark mache? Denn auch Christus nicht Gefallen an ihm selber hatte, schreibt der Apostel; sondern, wie geschrieben steht: „die Schmach derer, die dich schmähen, sind über mich gefallen.“ Gleichwie nun Christus, um die Welt zu retten, sich von den Schmähern Gottes mit der Schmach des Kreuzes hat beladen lassen; so lass dir's auch nur gefallen, dass deine selbstgefällige Eigenliebe mit etlichen Kreuzesnägeln durchbohrt wird! Denn vielleicht wird der Schwache, den du in Liebe trägst, deine Liebe wenig erkennen, vielleicht wird er deinen Belehrungen nicht alsobald williges Gehör leihen oder gar gegen dich herausfahren, und lose Reden hinter deinem Rücken fallen lassen. Der Baum fällt nicht auf Einen Streich. Vielleicht wirst du von deinen Bemühungen bei andern Spott ernten, oder man wird dich schmähen, dass du mit solchen Menschen zu tun hast, die bei der Welt übel angeschrieben sind. Denn die Welt versteht nur das Handwerk über die Gebrechen zu Gerichte zu sitzen, aber nicht sie zu tragen und zu heilen. O, Geliebte, wie gerne machen wir es so, dass wir uns nur die bequemen, die angenehmen, die glatten Leute aussuchen, von denen wir Ehre, gute Unterhaltung und Genuss haben können; hingegen den Gebrechlichen aus dem Wege gehen, wenn sie zumal öffentliche Anstöße geben, aus Furcht, man möchte uns mit ihnen in Einen Topf werfen. Ist das die suchende duldende Liebe Christi, welcher die Pharisäer vorwarfen, oder besser gesagt, wider Wissen und Willen nachrühmten: „Dieser nimmt die Sünder an, und isst mit ihnen?“ 
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-Können wir so dem Nächsten gefallen zum Guten, zur Besserung, wenn wir grade denen aus dem Wege gehen, welche dessen am meisten bedürfen? Erkennt doch, dass der Herr spricht: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Wie können wir salzen, wenn wir das Ungesalzene wegwerfen, und denen ein Salz sein wollen, die Salz genug haben? Erkennt, dass dies des Herrn heiliges Gebot ist, und dass wir nimmermehr in der Nachfolge Christi bleiben können, wenn wir ihm nicht auf seinem Hauptwege folgen wollen, da er nicht Gefallen an sich selber hatte, sondern die bußfertigen Zöllner und Sünder aussuchte und mit ihnen aß, um sie zu retten. Wir selbst wären nimmermehr in Gottes Reich, wenn er es mit uns gemacht hätte, wie wir es so gern mit andern machen. Aber weil dies sein heiliges Gebot ist, zu tragen, so setzt er uns auch immer dahin, wo wir zu tragen finden, damit einer dem andern Handreichung tue zur Besserung der Gemeinde Gottes. Wer sich dem entzieht, der entzieht sich seinem Berufe und wird dem Gebote ungehorsam; der ist nicht schwach, sondern verkehrt, der ist, wie der Herr spricht, ein Salz, das da dumm geworden ist, zu nichts hinfort nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. 
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-=====II.===== 
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-Das dient zu eurem Heile und zu Gottes Ehre. Wenn nun auch die Last groß ist, gleichwie uns kleine Lasten oft schon groß dünken, so sollen wir doch wissen, dass wir nicht vergeblich und auch nicht alleine tragen. Von Christo steht im Alten Testamente geschrieben, dass er die Schmach der Schmäher Gottes uns zur Seligkeit getragen hat. „Was aber zuvor geschrieben ist, sagt Paulus, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“ Wir sollen daraus die Lehre ziehen, dass wir nicht besser sind als Christus, und keinen bequemeren Weg suchen sollen, als den er gegangen ist. Übrigens aber sollen wir bei unserem Lasttragen in dieser Welt nicht bloß die Last, sondern auch die Hoffnung ansehen, dass alle Last in Lust verwandelt wird. Das ist entweder die Lust, dass wir die Last nicht vergeblich, sondern zum Segen des Nächsten getragen haben, „sintemal ihr wisst, schreibt Paulus, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.“ Oder wenn denn auch alle Arbeit an dem Nächsten vergeblich zu sein schiene, so bleibt uns doch wenigstens die Eine Lust, dass wir mit unserem Lasttragen ein teures Unterpfand der Gnade Gottes in den Händen haben. Zu beiden hilft und fördert die Geduld und der Trost aus der Heiligen Schrift. 
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-Denn wenn wir unserem Nächsten in seiner Schwachheit dienen, und ein Gehilfe des Heiles werden wollen, so ist uns vor allen Dingen Geduld nötig. Wir wissen es ja an uns selber, wie schwer das Werk unsrer Besserung ist, und wie oft die oftmals bereuten Gebrechen wiederkehren. Lasst uns dasselbe bei den Gebrechen des Nächsten bedenken, und nicht vergessen, dass uns vielleicht leicht sein kann abzulegen, was dem Nächsten schwer wird. Denn obwohl wir alle der gleichen Sünde unterworfen sind, so hat doch diese Sünde in dem einen nicht dieselbe Gestalt, wie in dem andern. Der eine ist mehr zum Zorne geneigt, der andere zur Schwatzhaftigkeit; der eine kann das Geld nicht halten, der andere nicht aus den Fingern los werden. Steckt nun eine solche üble Neigung tiefer in Fleisch und Blut, so hält der Kampf wider sie gewaltig hart; entweder wird sie erst spät überwunden, oder sie wird nur mit den Jahren geschwächt und an ihren groben Ausbrüchen gehindert. Da heißt es wohl: Geduld tut euch not; aber Ungeduld verdirbt alles. Süß aber ist es, aus Gottes Wort zu wissen, dass niemand trägt, ohne dass er getragen wird. Trägst du deines Nächsten Last, so trägt der Herr deine Last; und arbeitest du an deinem Nächsten, so arbeitet der Herr an dir. Siehe, du hast den Nächsten nicht weggeworfen, sondern schließt ihn in deine tragende Liebe ein; nun mög' es dir an deinem Nächsten gelingen oder nicht, dein Herr flicht dir die schöne Krone der Hoffnung um dein Haupt, dass er dich auch nicht weggeworfen, sondern in seine tragende Liebe eingeschlossen hat. Gleichwie er dich jetzt aufgenommen hat in seine Gnade, so wird er dich einst aufnehmen in seine Herrlichkeit, wenn er kommt. Also erfüllt uns die tragende Liebe mit Trost auf den Tag der Erscheinung Christi. 
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-Dass doch diese Liebe mehr unter uns zur Herrschaft käme! Seht, was ferner daran hängt: „Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, schreibt Paulus, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander nach Jesu Christ, auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobt Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi.“ Nach dem Vorbilde Jesu Christi soll die Gemeinde rechter Christen in diesem Sinne einig sein, dass niemand Gefallen an sich selber hat, sondern jeder darauf denkt, dass er dem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung, indem er seine Gebrechen trägt. Nur wenn so die Gemeinde in geduldiger Liebe eins ist, kann sie auch wie Ein Mann vor Gott stehen, und ihn einmütig mit Einem Munde loben, dass er sie durch Christum aufgenommen hat. 
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-Die tragende Liebe soll also nicht bloß unsre Hoffnung auf Christum nähren und mehren, sie soll insbesondere und hauptsächlich zu Gottes Lobe dienen. Denn das Ende der Wege Gottes ist Gottes Lob und Ehre, dass alle Welt der Herrlichkeit des Herrn voll werde. Wo sein Lob nicht regiert, da weicht er. Wo regiert aber sein Lob? Allein da regiert es, wo die höchste seiner herrlichen Tugenden, seine Freundlichkeit gegen die Sünder und seine schonende, geduldige Liebe erkannt und gepriesen wird. Wer Gott loben kann, von Herzen loben, der kann auch von Gottes reichen Gnadenerweisungen sagen. Aber kannst du Gott den Vater loben für seine Geduld und erbarmende Liebe, wenn du die Kinder Gottes wegwirfst; kannst du ihn preisen, dass er deine Schwachheit trägt, wenn du den schwachen Bruder nicht tragen willst? Kannst du zugleich Gott loben, und Gottes Gefäße und Eigentum verachten? Siehst du nicht ein, dass dein Lob Gottes Heuchelei und verdeckte Lästerung ist? Ja freilich, du lobst dennoch. Gott, aber das Lob ist auch danach; und Gott lässt sein Urteil davon im Propheten Jesaia hören, da er spricht: „Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber mit seinem Herzen ist es ferne von mir.“ Frage dich, ob du wohl sprechen kannst: „das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und deinem Namen lobsingen, du Höchster.“ Je weniger von dieser tragenden Liebe in einer Gemeinde ist, je mehr man in blinder Selbstgefälligkeit über des Nächsten Gebrechen zu Gerichte sitzt; desto frostiger wird auch das geistliche Leben, desto unerquicklicher die Gemeinschaft und die Gottesdienste. Wie sollte das auch anders sein! Gottes Ehre wird daselbst verdunkelt, das Seufzen der Schwachen und Elenden über unsere Härtigkeit tritt als ein Verkläger täglich vor Gottes Thron hin; wie sollten von Gottes Throne die fröhlichen, frischen Wasser auf unser Herz noch ferner herniederfließen, uns zu erquicken und voll Trostes zu machen? 
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-Von solchen Menschen spricht der Herr: „Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässt. Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße. Wo aber nicht, werde ich dir bald kommen, und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wo du nicht Buße tust.“ „Darum nehmet euch unter einander auf, spricht der Apostel, gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe,“ dass er Gottes Ehre an euch wiederbrächte, die durch die Sünde verdunkelt war. Was uns wiederfahren ist, indem uns Christus nicht als Schwache, sondern als Verkehrte aufgenommen hat, das sollen wir umso mehr andern erweisen, die nicht Verkehrte sondern Schwache sind, damit Gott an uns gepriesen werde; sonst wird uns Christus nicht als Schwache sondern als Verkehrte behandeln, wenn er kommen wird. 
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-=====III.===== 
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-Das fördert den Lauf des Wortes Gottes. Abermals hält uns der Apostel Christum vor, ob er uns in die Nachfolge seiner tragenden, barmherzigen Liebe ziehen möchte: „Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen, der Beschneidung um der Wahrheit Willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung den Vätern geschehen; dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen.“ Es hat sich der Herr Jesus nicht bloß Ein Volk herausgesucht, oder einige Leute in diesem Volke, die ihm bequem waren, und wegen ihrer Heiligkeit und Gerechtigkeit gefielen. Zwar wurde er aus Israel geboren, und gehörte zuerst dem Volke Israel. Aber zu Israel ging er nicht ein, um Israels Tugenden willen, sondern um der Wahrheit Willen Gottes, dass er Gottes Verheißungen wahr machte, welche den Vätern Abraham, Isaak, Jakob und David geschehen waren, dass der Trost der Völker und das Licht der Welt sollte aus Israel kommen. Er hat aber die Verheißungen also wahr gemacht, dass er, der Herr des Gesetzes Mosis, ist ein Diener des Gesetzes und dadurch ein Diener der Beschneidung oder der Juden geworden; denn er hat den Fluch auf sich genommen, welchen das Gesetz auf alle Übertreter legt, und den Segen auf uns gelegt, die wir durch ihn des Fluches los geworden sind. Also ist er zwar ein Diener der Juden geworden, aber nicht der Juden allein; denn er hat nicht bloß ihren Fluch, sondern auch der Heiden Fluch getragen, damit die Heiden Gott lobten wegen der Barmherzigkeit, die ihnen wiederfährt, obwohl sie ihnen nicht zugesagt, noch ihren Vätern verheißen ist. Das beweiset denn Paulus mit etlichen Sprüchen aus dem Alten Testamente, in denen geweissagt ist, dass Christus würde unter den Heiden Gottes Lob anrichten, damit auch die Heiden allesamt mit dem Volke Israel Gott ein Lobopfer bringen könnten, nachdem Christus, die Wurzel Jesse, unter ihnen sein Reich gegründet, und sie mit Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit erfüllt hätte. So ernstlich treibt und beweist der Apostel, was der Evangelist Johannes sagt, dass Christus sterben sollte für das Volk, aber nicht für das Volk allein, sondern dass er die zerstreuten Kinder Gottes aus aller Welt zusammenbrächte. Denn das ist Gottes ewiger Ratschluss und die Grundfeste unsrer Hoffnung, dass alle, die zum ewigen Leben verordnet sind, unter Juden, Türken und Heiden, sollen zu Einer Herde unter Einem Hirten zusammengebracht werden. Den hat Christus also ausgeführt, dass er die Schwachheit der Schwachen und den Fluch der Verlorenen getragen, und sich für der Welt Sünde geopfert hat. So, liebe Freunde, ist die christliche Kirche gegründet durch ein Herz, das die Welt umfasste; soll aber die Kirche die Welt umfassen, soll das Wort laufen über den Erdboden, so muss auch Christi Sinn in der Kirche und gläubigen Christenheit regieren. Wenn der Apostel diese Sache so nachdrücklich treibt, so weiß er wohl, wie viel daran liegt; er weiß aber auch, wie viel dem im Wege liegt, dass Gottes Wort keinen freien Lauf haben kann. 
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-Wir leiden an zwei starken Gebrechen. Das erste ist die unglaubliche Engherzigkeit mitten in der Christenheit. Jeder sieht nur auf sich selber und bekümmert sich so wenig um den Lauf des Wortes Gottes und die Schicksale und Kämpfe der Kirche Christi, als wenn das Reich Gottes nicht größer wäre, denn seine geringe Person, oder sein kleines Haus, oder etwa das kleine Häuslein, dazu er sich hält. Kann er sich nur einen guten Taler oder einen guten Tag machen, oder hat er sich etwas aus dem Schlamme herausgearbeitet; so ist ihm die Kirche und Gemeinde Christi auf Erden grade so gleichgültig, als die Händel der Russen und Türken. Und dass man nun gar unter den Heiden die Kirche Christi bauen sollte, ist vielen ganz etwas Übertriebenes und Überflüssiges. Das ist eine recht jüdische Engherzigkeit. Denn eben, was Paulus hier sagt, das gibt er den Juden zu hören, ob sie begreifen wollten, dass auch außer den Juden noch Christen in der Welt seien, die Christus so gut wie sie aufgenommen habe. Lieber, wofür hältst du eigentlich die christliche Kirche? Ist das nur ein Haufen von Leuten, der dich nicht angeht? Ist nicht vielmehr die Kirche deine geistliche Mutter, die dich von neuem geboren hat, die dich genährt hat mit der lauteren Milch des Evangeliums, die für dich gestritten und gelitten hat, dass nach so viel Jahrhunderten die Gnade Gottes in seinem Worte dir bewahrt geblieben ist? 
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-Hast du nicht in ihr deine geistlichen Brüder und Schwestern, die dir näher sind als dein eigen Fleisch und Blut nach der natürlichen Geburt? So tue doch wenigstens so viel an ihnen, als du an deinem Fleische und Blute tust, ehre doch deine geistliche Mutter nach dem vierten Gebot. Hilf, wo du helfen kannst, bitte, damit das Wort Gottes laufe und gepriesen werde. Oder bist du ein verirrtes Kind, das seine Mutter auf Erden verloren hat und darum auch seinen Vater im Himmel nicht finden kann? 
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-Das zweite Gebrechen ist dem ersten gleich. Es ist die Zertrennung derjenigen, die Ein Leib und Ein Geist sein sollten, dass sie nicht fleißig sind zu halten die Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens. Von einem großen Teile gilt, was Jesaja klagt: „Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg.“ Selbst die, welche an Einem Orte und in Einer Nachbarschaft wohnen, gehen kühl nebeneinander her, als wenn sie sagen wollten: Gehe du deinen Weg, ich gehe meinen Weg; wenn sie nicht gar über einander zu Gerichte sitzen und einer dem andern etwas nachträgt. Das ist dieselbe Engherzigkeit, die wie der Rost an dem eisernen Baue der Kirche frisst, und ein Stück nach dem andern ablöst. 
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-So ist es geschehen, Geliebte, dass die Kirche Christi zertrennt und zerstreut ist. Als ein hoher Baum sollte sie die Welt beschatten, dass die Vögel des Himmels unter ihren Zweigen wohnten; aber hier liegt ein Zweig und da liegt ein Zweig, und ihre Feinde gehen schon damit um, die Axt an die Wurzel zu legen und sie zu verbrennen. Hiermit wird es freilich gute Weile haben, denn Gott ist bei ihr darinnen. Auch hat man wieder angefangen, die Kirche daheim zu bauen und draußen unter den Heiden dem Teufel das Feld streitig zu machen, dass er seinen Raub herausgeben muss. Wollt ihr aber sehen, wie gebrechlich wir noch sind, so seht, wie träge wir daheim das Werk treiben, und wie wenig deshalb draußen geschehen kann! Gottes Ehre ist es, dass sein Wort laufe und gepriesen werde, und das ist das Opfer, das wir ihm bringen sollen. Was tut uns denn not? Das tut uns not, dass wir ernstlich den Feind in unsrer Mitte bekämpfen, damit wir nicht als ein uneiniges, zerstreutes Heer wider den Feind stehen, sondern einmütig mit Einem Munde, Gott loben. Dazu beten wir nach der Weise des Apostels am Schluss unsrer Epistel: 
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-Du Gott der Hoffnung! hast uns Christum verordnet zu unsrer Seligkeit, also dass wir warten auf seine herrliche Erscheinung, da er alle deine Verheißungen erfüllen wird. Weil wir aber mit schweren Feinden allenthalben umgeben sind, die uns zertrennen und müde machen, so wollest du uns im geduldigen Glauben stärken, damit unsre Freude an deiner barmherzigen Liebe wachse, und wir in rechtem Frieden miteinander wandeln, gerne vergeben, gerne tragen, gerne helfen zum Guten, zur Besserung! Mache uns dem Bilde deines Sohnes gleich, dass wir nicht Gefallen an uns selber haben, und stärke uns durch deinen Heiligen Geist, der in uns eine lebendige Hoffnung wirke, dass wir, die wir ihm hier sind nachgefolgt, auch dereinst nachfolgen werden in die Herrlichkeit! Breite aus deines großen Namens Ehre, und lass uns dir Lob opfern einmütig mit Einem Munde; denn du hast große Dinge an uns getan, deren wir keins gedenken können, dass wir dich nicht preisen sollten, so lange wir Odem haben. Gelobt seist du jetzt und in Ewigkeit durch Jesum Christum, unsern und aller Heiden Heiland! Amen! 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Neveling, Wilhelm - Predigt am 2. Adventssonntage - Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in Herrlichkeit. ====== 
- 
-Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden.\\ 
-Offb. Joh. 22, 12. 
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-Evang. Luk. 21. v. 25 bis 36.\\ 
-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen; und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt, zu geschehen, so seht auf und erhebt eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's an ihnen, und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden mögt, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.** 
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-Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in Herrlichkeit.  
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-Liebe Gemeinde! Ist der Jesus, der hier zu uns redet, derselbe, den wir am vorigen Sonntag seinen Einzug in Jerusalem halten sahen? Dort kam er zu seinem Volke sanftmütig, ein Gerechter und ein Helfer, entschlossen und bereit zu leiden und zu sterben; hier redet er von seinem Kommen in des Himmels Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit. Beides ist nicht ein Gegensatz, sondern nach göttlicher Ordnung das eine der Weg zum andern, Sanftmut und Demut der Weg zur Höhe und zur Herrschaft, und der in seiner alle umfassenden Heilandsliebe sich selbst geopfert hat, in dessen Namen sollen aller Knie sich beugen, den hat der gerechte Gott zum Richter über alle bestimmt. 
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-Aber dunkel sind die Worte, in denen Jesus von seinem Kommen in Herrlichkeit redet. Wie hat er selbst sich dasselbe vorgestellt? Hat er gedacht an ein wirkliches Erlöschen von Sonne und Mond, an ein Herabfallen der Sterne, an einen bestimmten Tag, an dem er äußerlich sichtbar, buchstäblich „auf den Wolken des Himmels“ erscheinen werde? Wenn wir nur die Worte unseres Textes ansehen, so könnte es fast so scheinen; und in der Tat hat es seit der Apostel Tagen viele fromme Christen gegeben, die in diesem Sinne die Wiederkunft des Herrn erwarteten, ersehnten, ja den Tag derselben vorauszuberechnen suchten; und ob nicht nur das Geschlecht, zu dem Jesus redet, sondern Geschlecht auf Geschlecht seitdem ins Grab gesunken ist, lebt doch noch in unsern Tagen die Hoffnung auf ein derartiges sichtbares Kommen des Herrn in vielen Christenherzen fort. Dennoch unterliegt's für uns keinem Zweifel, dass Jesus so nicht verstanden sein will. Wenn er mit unmissverständlichen klaren Worten ausdrücklich erklärt, das Reich Gottes komme nicht mit äußerlichen Gebärden, wenn er ein anderes Mal die alttestamentliche Verheißung von dem Kommen des Elias geistig deutet, so legt er selbst es uns damit nahe, auch seine Verheißung von seinem Kommen geistig zu verstehen. Er redet ja hier in prophetischer Sprache, schließt sich in seinen Schilderungen an an die Propheten des alten Bundes, die in ähnlichen Worten von der Aufrichtung des messianischen Reiches auf Erden und von einem Gerichtstage, der damit zugleich über die Völkerwelt kommen sollte, geweissagt haben; und prophetische Rede ist poetische Rede, ist reich an Bildern; wer wollte bei ihr am Buchstaben haften und wer, ehe alles erfüllt ist, genau bestimmen, was buchstäblich zu verstehen, was bildlich geredet ist? Wer könnte darüber sich wundern, dass solche Rede von Anfang an vielfach missverstanden ist, dass man zumal buchstäblich von einem Tage erwartet, was durch eine Jahrhunderte, ja Jahrtausende umfassende Entwicklung sich erfüllen soll? 
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-Doch lasst uns in dieser Stunde über das Dunkle dieser prophetischen Rede nicht streiten, sondern 
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-Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in Herrlichkeit 
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-also miteinander betrachten, dass wir uns nur halten an das, was klar und gewiss ist. Wir reden 
-  - von der Siegeszuversicht, aus der diese Weissagung geboren ist, und 
-  - von der Kampfesfreudigkeit, die sie in uns erwecken will. 
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-Mein siegend Haupt dort in der Herrlichkeit,\\ 
-Du lebst, beglückst, regierst!\\ 
-Ich bin dein Glied, doch lieg ich noch im Streit, \\ 
-Bis du zum Frieden führst. \\ 
-Noch kämpf' ich viel hienieden\\ 
-Mit Sünd' und Leidenschaft, \\ 
-Doch du gibst deinen Frieden \\ 
-Und Mut und Siegeskraft. Amen. 
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-=====1. Von der Siegeszuversicht===== 
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-Die Weissagung des Herrn von seinem Kommen in des Himmels Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit ist mir immer besonders bedeutungsvoll erschienen um des Zeitpunktes willen, in dem er sie gesprochen. Es war nicht auf der Höhe seiner Wirksamkeit, nicht in jener Zeit, da das Volk sich um ihn drängte, hingerissen von seinem Wort, seine Wundermacht bewundernd, seine Liebe preisend, sondern in einem Augenblicke, da das nahe Geschick feindseliger Verwerfung und schmachvollen Todes seine dunklen Schatten in seine Seele warf. Was hatte er erreicht mit seinem Wort, das Wahrheit und Leben, mit seinem Tun, das nur Liebe war? So klein war die Zahl der Jünger, die um ihn, und so groß die Macht der Feinde, die wider ihn standen! Und wenn er sein Leben nun in den Tod geben musste, bedeutet das nicht für sein Wort und Werk den Untergang? Doch nein! mag kommen, was will: nichts kann seinen Sieg hindern, und mag vergehen, was will: sein Wort bleibt bestehen. Wenn der Erdkreis wankt und bricht, wird man des Menschen Sohn herrlich kommen sehen in des Himmels Wolken. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ Das ist die Siegeszuversicht, die ihn erfüllt, dieselbe Siegeszuversicht, die ihn wenige Tage darnach vor dem Hohenpriester feierlich bezeugen lässt: „Von nun an wird's geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.“ „Von nun an“ also mit seiner Verurteilung und seinem Tode beginnt sein Siegeslauf, beginnt sich zu erfüllen, was er in unserem Evangelium seinen Jüngern verkündet. Mit solcher Siegeszuversicht ist Jesus in den Tod gegangen, aus ihr ist diese Weissagung geboren. 
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-Hat die Geschichte Jesu Worte Lügen gestraft oder seine Siegeszuversicht als Schwärmerei erwiesen? Gewaltige Stürme, furchtbare Verfolgungen sind über die Jünger Jesu, über die Verkündiger seines Wortes und die Bekenner seiner Wahrheit dahingegangen, aber Tatsache ist, dass heute an allen Enden der Erde sein Name gepriesen und in fast allen Sprachen der Welt sein Wort verkündigt wird; jede Sturm- und Drangsalszeit in der Geschichte der christlichen Kirche bedeutet auch ein neues Kommen ihres Herrn in Kraft und Herrlichkeit, einen neuen Sieg seiner Wahrheit. Große Gärungen sind durch die Völkerwelt gegangen, gewaltige Umwälzungen haben sich vollzogen seit Jesu Zeit. Neue Verhältnisse, neue Aufgaben, neue Wirren sind immer wieder hervorgetreten, aber so oft die Menschen verzagen und verzweifeln wollten, ist er mit seinem alten Evangelium der alle umschließenden Gottesliebe und der sich selbst aufopfernden Bruderliebe erschienen als der Meister, sie zu ordnen und zu lösen. Es sind nicht nur im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, die der Menschen Herzen mit Angst und Bangen erfüllt haben, sondern die Stellung dieser Himmelskörper und ihre Bedeutung im Weltenraume ist für unser Denken eine ganz andere geworden. Der Himmel des Altertums, das ganze Weltbild vergangener Zeiten ist untergegangen, und mit ihnen so manche kindliche Vorstellung von Gott und himmlischen Dingen, aber die Furcht banger Christenherzen, als bedeute diese neue Weltanschauung den Untergang des Christentums, hat sich als töricht erwiesen. Jesu Wort von dem Gott, der Geist ist, sein Evangelium von der ewigen Vaterliebe, die fürsorgend, vergebend, erlösend über uns waltet, sein Ruf an das Menschengeschlecht zu heiliger, seliger Gotteskindschaft gehören der Gegenwart nicht minder an als der Vergangenheit, ja sie werden heute noch tiefer verstanden, sie erscheinen heute noch herrlicher und anbetungswürdiger als je zuvor, sie sind, ob auch noch immer manchen ein Ärgernis und andern eine Torheit, doch die Weisheit, die die Weisesten verehren und vor der die Mächtigsten der Erde sich beugen. Und ob das Wort des Herrn selbst auch gar verschiedenartige Deutung erfahren und über seine richtige Auslegung bisweilen heftige Stürme und Kämpfe in der Kirche entbrannt sind, niemals hat es seine Kraft verloren, es erweist sich heute noch ebenso als vor 1800 Jahren als eine Gotteskraft, selig zu machen alle, die daran glauben. Die Siegeszuversicht, aus der die Weissagung des Herrn in unserem Texte geboren ist, erfüllt auch unsere Herzen. Wir sind in das neue Kirchenjahr hinübergegangen in der Gewissheit, dass auch in ihm das Wort der Wahrheit zu neuen Siegen fortschreiten wird. Wir feiern Advent in der Zuversicht, dass auch in den Nöten und Ängsten der Gegenwart der Herr aufs Neue zu uns kommen werde in Kraft und Herrlichkeit. 
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-Oder zweifelst du an der Siegeskraft des Evangeliums Jesu in unserer Zeit? Etwa um deswillen, weil so viele um uns her, die es von Jugend auf kennen, gleichgültig gegen dasselbe sind und nach ihm nichts fragen? Hört denn die Sonne auf zu scheinen, weil manche die Fenster ihres Hauses gegen ihre Strahlen verschließen und verhängen? O lass im neuen Kirchenjahre des Herrn Wort hineinleuchten in dein Herz, dann wird es seine Siegeskraft in deinem Leben aufs Neue bewähren, und er selbst wird zu dir kommen und Wohnung in dir machen und dich erfüllen mit Freudigkeit, zu kämpfen den Kampf, der dir verordnet ist. 
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-=====2. Von der Kampfesfreudigkeit====== 
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-Dass Christus siegt, unterliegt keinem Zweifel. Aber darauf kommt es an, dass du mit ihm siegst. Wirst du im Kampf nicht müde werden und verzagen, wenn die Anfechtung aufs höchste steigt und von allen Seiten dir Untergang und Verderben droht? Nicht nur im Großen der Weltgeschichte gibt es solche Krisen, da die Himmelslichter sich verfinstern, die Meereswogen brausen, die Kräfte, die den Himmel halten, erschüttert werden; solche Drangsalszeiten gibt's auch in deinem Leben. Lässt du da den Mut nicht sinken? Wirfst du da die Waffen nicht weg? O höre, wie Jesus in unserem Evangelium die Seinen zu heiliger Kampfesfreudigkeit ermuntert! Er ruft ihnen zu: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und erhebt eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht.“ Drangsalszeiten sind Erlösungszeiten. Und nicht nur ein äußerlicher Zusammenhang besteht zwischen Trübsal und Erlösung, also, dass der Herr in der Trübsal zu den Seinen kommt, um sie aus derselben zu erlösen, sondern die Trübsal selbst öffnet dem Herrn und seinen geistigen Erlösungskräften die Bahn in unsern Herzen. In der Hitze der Trübsal kommt die Frucht zur Reife, welche aus dem Samen göttlichen Worts in unseren Herzen emporkeimt, die Frucht des Glaubens und der Liebe, die Demut und die Sanftmut, die Geduld und die Treue. Trübsalszeit ist Sommerzeit, ist Segenszeit. „Seht an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.“ So ermutigt Jesus seine Jünger. Wohlan, so verzweifelt nicht und murrt nicht, wenn die Sonne des Glückes aufhört euch zu scheinen und gewaltige Stürme euer Haus erschüttern, sondern wisst: Heilszeit, Segenszeit, Erlösungszeit bricht für uns an! In dieser Zuversicht geht freudig in den Kampf, den der treue Gott nach seiner Weisheit über euch verhängt hat und als dessen Lohn euch winkt die Krone des ewigen Lebens. 
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-Aber nicht nur in den Zeiten schwerer Trübsal und Bedrängnis sollen wir Christen kampfesbereit und kampfesfreudig sein, sondern auch in den ruhigen Zeiten unseres Lebens. Gewiss danken wir dem Vater im Himmel von Herzen, dass er auch solche uns immer wieder schenkt. Aber verführen die Zeiten der Ruhe uns nicht gar leicht zur Untätigkeit? Ist in ihnen die Gefahr nicht groß, dass wir ganz und gar aufgehen in den kleinen materiellen Sorgen des Tages und im Jagen nach flüchtigem, irdischen Genuss? „Hütet euch aber, spricht der Herr, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen.“ Wenn du in guten Tagen das Fleisch herrschen lässt über den Geist, wie soll dann dieser in schweren Zeiten mit einem Male mutig und stark dastehen? Wenn du in irdischem Gewinn und Genuss dein Glück gesucht und deine Zeit vergeudet hast, wie kannst du dann getrost dein Haupt erheben, wenn alles Irdische zusammenbricht und von dir genommen wird? Und dieser Zeitpunkt kommt auch einmal für dich; darüber kannst du dich nicht täuschen. Solltest du wirklich, so lange du lebst, dein Leben genießen können und im Besitze der Güter bleiben, an die du dein Herz gehängt, gewisser als alles ist dir der Tod, und darnach - das Gericht. O mein Christ, auch wenn du alle äußerlichen Vorstellungen, die mit diesem Worte sich zu verbinden pflegen, abstreifst, das ist doch klar: nicht anders gehst du in jene Welt hinüber, als du diese verlässt. Darum erhebe dich im Gebet immer wieder über die Last und Sorge dieser Erde; stärke dich im Gebet immer aufs Neue zu heiligem, freudigem Kampfe um die ewig bleibenden himmlischen Güter. Der Herr schließt seine Weissagung mit den Worten: „So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden mögt, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, d. h. durch alle Gefahren hindurch eure Seele zu retten, und zu stehen vor des Menschen Sohn.“ Lasst diese Adventsmahnung euch durch das ganze Kirchenjahr, durch das ganze Leben begleiten. 
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-Reinigt euch von euren Lüften, \\ 
-Besieget sie, die ihr seid Christen, \\ 
-Und steht in des Herren Kraft. \\ 
-Stärket euch in Jesu Namen,\\ 
-Dass ihr nicht strauchelt wie die Lahmen;\\ 
-Wo ist des Glaubens Ritterschaft?\\ 
-Wer hier ermüden will,\\ 
-Der schaue auf das Ziel!\\ 
-Da ist Freude\\ 
-Wohlan, so seid\\ 
-Zum Kampf bereit:\\ 
-So krönet euch die Ewigkeit. Amen. 
-{{tag>2_Advent}} 
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-====== Pauli, Simon - Predigt über das Evangelium am andern Sonntage des Advents. ====== 
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-Text: Luk. 21 (v. 25-36). 
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-Es schreibt der heilige Hieronymus in einer Epistel an etliche Klosterjungfrauen, dass er täglich, wenn er des Morgens aufstehe aus seinem Bette, und des Abends sich niederlege, item, wenn er esse, trinke, lese, schreibe oder etwas Anderes fürhabe, ihm stets für die Augen stelle das Bild des jüngsten Gerichts, darauf der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, erscheinen wird ein gerechter Richter der Lebendigen und der Todten, und lasse ihm immerdar in seine Ohren klingen diese Stimme des Sohnes Gottes, die er alsdann wird erschallen lassen: Stehet auf, ihr Todten, stehet auf und kommt für Gericht und gebet Rechenschaft. Wenn auch wir allesamt dasselbige Bild des jüngsten Gerichts uns gleicher Gestalt stets vor die Augen stellten und dieselbige Stimme des Sohnes Gottes in unsere Ohren klingen ließen, wäre hoch und von Herzen zu wünschen. Denn wenn uns das Bild des jüngsten Gerichts täglich vor den Augen stände, und wir immer gedächten an die Stimme des Sohnes Gottes, damit er Die, so da liegen und schlafen im Staube der Erden, aufwecken und zugleich mit Denen, so in seiner Zukunft leben und überbleiben werden, zu sich wird fordern und laden, dass sie das letzte Urteil anhören und empfangen, so würde nimmer sein eine solche Freiheit zu sündigen in den Sichern und Gottlosen, und wiederum eine solche große Traurigkeit und Wehklagen in den frommen Gottseligen, die durch das Kreuz bewähret worden. Wenn die gottlosen Sicheren alle zeit ihre Augen hinrichteten und sähen auf die Zukunft des Herrn zum jüngsten Gericht, darauf Himmel und Erde wird brennen wie ein Feuerofen und, als ST. Petrus schreibt 2. Petri 3, die Himmel zergehen mit großem Krachen, die Elemente aber für Hitze zerschmelzen, und die Erde und die Wasser, die drinnen sind, verbrennen, und ihnen würden zu Gemüte führen und zu Herzen nehmen die Stimme des Sohnes Gottes, dadurch er Alle, wenn er wird sitzen auf dem herrlichen Throne seiner Majestät, wird ansprechen, dass sie ihm, dem rechten Richter, auch von jedem unnützen Wort sollen Rechenschaft geben: so würden sie hierdurch, als von einem gräulichen Blitzen und schrecklichen Donnerschlag für den Kopf geschlagen, erschrecken und gedenken: Es will der Weg nicht hinaus mit den Sünden, wir müssen anders leben und die Unzucht, Fressen, Saufen, Schinderei, Wucher, Maulschänderei fahren lassen, weil es mit dem jüngsten Gericht, da wir sollen Rechenschaft geben, also wird zugehen. Wenn der Trunkenbold die Augen immer schlüge auf das jüngste Gericht und ihm in den Ohren klingen ließe diese Stimme: Stehet auf, ihr Todten, stehet auf und kommt für das jüngste Gericht! so würde er die Kandel, darin das Bier ist, das er säuft, wohl etliche Mal niedersetzen, ehe er sie zum Maul hübe und aussöffe. Wenn die leichtfertigen Maulschänder würden bedenken das jüngste Gericht, dass sie da sollen Rechenschaft geben von einem jeden unnützen Worte, so würden sie ein jegliches Wort wohl erwägen und wohl tausend Mal im Maul umkehren, ehe sie es ausredeten. Hingegen würden noch könnten viel fromme, gottselige Leute, die im Kreuz stecken, nicht so traurig sein von wegen ihrer Trübsal, die zeitlich und leicht ist, wenn sie des jüngsten Gerichtes eingedächtig, würden ihre Häupter aufheben nach dem Himmel und von dannen ihres Erlösers Jesu Christi und mit ihm der Erlösung von allem Unglück warten. Sie würden ihnen ohne allen Zweifel ihr Herzeleid linder machen durch diese Gedanken: Ach, was bist du so traurig? Was verzehrst du dich mit vergeblichen Sorgen, die doch nirgends zu nütze sind, denn dass sie Einen vor der Zeit aufreiben und töten? Weißt du doch, dass dein Erlöser Jesus Christus bald zum jüngsten Gerichte erscheinen wird, welcher alle Deine Traurigkeit in ewige Freude wird verkehren. Hieran aber mangelt es, und ist dies die Ursache, dass in den Gottlosen eine solche schreckliche Sicherheit und eine solche teuflische Bosheit und Frechheit ist, allerlei Schande und Laster zu üben, hiergegen aber in vielen Gottseligen, die im Kreuz leben, eine solche große Traurigkeit, dass sie ihnen nicht vor die Augen stellen das jüngste Gericht und eingedächtlich sind dieser Stimme, so der Sohn Gottes wird wie eine Posaune schallen lassen: Stehet auf, ihr Todten, stehet auf und kommt für das jüngste Gericht und gebet mir Rechenschaft Derhalben verkündiget der Sohn Gottes, unser Herr Christus, im heutigen Evangelio aus dem 21. Kapitel Lucä und anderswo, nicht allein, dass das jüngste Gericht kommen werde, sondern zeigt auch daneben an gewisse Zeichen, so da werden vorher gehen, dadurch alle Menschen sollen überzeugt werden, dass sie glauben, der jüngste Tag werde gewiss erfolgen und nicht außen bleiben. Und weil solche betrübte Zeit wird sein für der Zeit des Gerichtes, als nicht gewesen ist seitdem, dass Leute auf Erden gelebt haben, tut er hinzu vom Trost, den die Christen gegen solch Elend halten und haben sollen, hängt auch letztlich hinan eine Vermahnung an sie, dass sie alle Zeit wacker sein und beten, auf dass sie würdig werden mögen, zu entfliehen dem Unglück und zu stehen vor des Menschen Sohn. Demnach sind drei fürnehme Stücke des heutigen Evangelii. Das erste von den Zeichen, die da sollen vor dem jüngsten Gericht vorhergehen. Das andere von dem Trost gegen das Unglück und Elend, so für dem Jüngsten Tage sein wird. Das dritte eine Vermahnung, dass man sich hüten solle für Fressen und Saufen und Sorge der Nahrung und dagegen wachen solle und beten, auf dass man entfliehen möge dem Allen, das geschehen soll, und stehen für des Menschen Sohn. 
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-=== Das erste Stück. === 
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-== Es werden Zeichen geschehen. == 
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-Nachdem viele Leute zweifeln am Jüngsten Tage, ob er werde kommen oder nicht (wie hievon nach der Länge gesagt ist im Evangelio, welches Dominica 26. nach Trinitatis gepredigt wird), so verkündigt der Herr Christus allhie gewisse Zeichen, die zuvor sollen vorhergehen und geschehen, auf dass ein Jeder daraus wissen und schließen könne, es werde der jüngste Tag mit Nichten ausbleiben, sondern gewisslich kommen. Es mischt aber unter einander und tut zusammen der Herr die Zeichen, so für der Zerstörung Jerusalems und für dem jüngsten Gericht sollen vorhergehen, weil sei einerlei sind und gleichen Ausgang (was das Unglück und Elend belangt) haben und gewinnen werden. 
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-== An der Sonne. == 
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-Das ist zu verstehen zum Ersten von den vielen Finsternissen, so an der Sonne geschehen sollen. Obwohl aber die Finsternisse der Sonne ihre Ursachen haben in der Natur, sintemal die Sonne von Gott also erschaffen, dass sie verfinstert wird, wenn in neuem Licht der Mond sich gerade unter sie setzt und also ihr Licht aufnimmt und demselbigen wehret, dass es nicht zu den Menschen, so an gewissen Örtern auf der Erde sind, kommen, noch scheinen kann, und derwegen von den Mathematicis viele Jahre zuvor, ehe sie geschehen, können zukünftig auf gewisse Jahre, Monate, Tage, Stunden und Minuten verkündigt werden: so bedeuten sie dennoch alle Zeit große Strafen und Unglück, wie die Historien von Anfang her Solches bezeugen. Als Xerxes, der Perser König, wider die Griechen zu streiten führte elf mal hundert tausend Mann zu Wasser und Lande, geschah eine große, gräuliche Finsternis, davon der Admiral oder oberste Schiffmann übel erschrak. Da Solches der König sieht, hielt er ihm ein Gewand oder Tuch vor die Augen und fragt ihn darauf, ob seinen Augen auch etwas Übles hierdurch widerführe. Als hierauf der Schiffmann oder Admiral Nein spricht, antwortet ihm der König: Also widerfährt auch der Sonne nichts Böses, ob sich schon der Mond wie ein Gewand oder Tuch dafür gesetzt hat. Nun widerfährt wohl der Sonne kein Böses, wenn sie verfinstert wird; aber den Menschen auf Erden verkündigt sie hierdurch etwas Böses und viel Unglücks, wie die Historie von diesem Könige Xerxe bezeugt, dass er hernach zu Wasser und Land gräulich geschlagen und von den Griechen überwunden sei. Weil auch Sonne, Mond und Sterne von Gott erschaffen sind, dass sie nicht allein Tage und Jahre, sondern auch Zeichen geben sollen, wie Genes. 3. ausdrücklich geschrieben stehet, so ist’s gewiss auch aus Gottes Wort, dass die Finsternisse an der Sonne und Mond Zeichen sind, die alle Zeit etwas Sonderliches von großem Unglück bedeuten. Demnach, weil zu dieser unserer Zeit mehr Finsternisse geschehen, als etwa vormals gewöhnlich gewesen, ist kein Zweifel, dass sie Zeichen und Vermahnungen sind von dem Jüngsten Tage und von dem mannichfaltigen, erschrecklichen Jammer, Elend und Unglück, so vorhergehen werden. Zum Andern, obwohl nur eine Sonne von Gott erschaffen und wahrhaftig nur eine ist, so lässt es sich doch oft also ansehen um die Sonne, als wären ihrer mehr, zwei oder drei, wie Anno 1566 eben auf diesen Tag, als der ehrwürdige und selige Doktor Johannes Bugenhagen Pommer dies Evangelium predigte, und auf dem Predigtstuhle stand, wurden zu Wittenberg nach dem Elbtore hinaus erschrecklicher Weise drei Sonnen gesehen, wie auch den folgenden Sommer darnach drei erschienen am Mittage. Zum Dritten hat die Sonne zu dieser Zeit nicht so große Kraft, was ihr helles Licht und auch ihre Wirkung in die untersten Kreaturen angeht, als sie noch vor wenig Jahren, so die Alten gedenken, gehabt hat. Denn gleich wie an alten Leuten zu ersehen, dass sie an Kräften täglich schwächer und die Augen ihnen immer dunkler werden, als verleuret die Sonne (so der Welt Auge ist) in diesem großen und äußersten der Welt und aller Dinge Alter für dem Jüngsten Tage täglich je mehr und mehr ihren Glanz zu scheinen und ihre Kraft zu wärmen. Denn die liebe Sonne jetzt so helle nicht scheinet, auch so kräftig nicht wärmet, als sie zuvor getan hat. Zum Vierten, nachdem die Sonne (der Welt Auge, wie angezeigt) die erschrecklichen Sünden und Laster, so nun unverschämt von dem mehreren Teil der Menschen geschehen, nicht wohl mehr kann länger ansehen, macht sie aus den Feuchtigkeiten, so sie von der Erde in die Luft zeugt, Wolken, in welche sie ihren Kopf gleich einwickelt. Bisweilen tut sie den Vorhang der Wolken hinweg, darinnen sie ihren Kopf hatte, und sieht die Leute auf Erden über die Seite an, auf dass sie erfahre, was geschehe, ob auch Besserung erfolgt. Von Stund an aber, wenn sie sieht, dass so unzählig viel schändliche Laster geschehen, erschrickt sie, als wenn Einer für den Kopf geschlagen wird, und wickelt ihr Haupt wiederum in die Wolken. Denn die Sonne sich nun so oft nicht Tage unter den Wolken verborgen, und wenn die Sonne ihren Willen hätte, würde sie hinfort den gottlosen Leuten nicht mehr scheinen von wegen der Unzucht, Fressen, Saufen, Mord und Blutvergießens in Kriegen und anderer Bosheit, wenn sie Gott nicht zwänge, dass sie gleich wider ihren Willen der Eitelkeit muss unterworfen sein, wie wir hernach aus dem 8. Kapitel zu den Römern hören werde. 
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-== Und Mond. == 
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-Das andere Zeichen wird genommen von dem Mond. Was aber von der Sonne gesagt ist, Das kann auch auf den Mond gedeutet werden. Denn nun mehr Finsternisse des Mondes geschehen, als vormals. Es werden auch mehr denn ein Mond gesehen. Desgleichen der Mond nimmt ab am Schein und an Kräften und scheint nicht so oft als zuvor, weil er den Kopf in die Wolken hineinwickelt und windet, damit er die Sünden, Bosheit und Laster, so auf Erden fast bei Jedermänniglich sich begeben und zutragen, nicht sehen möge noch könne. 
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-== Und Sternen. == 
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-Das dritte Zeichen wird genommen von den anderen Sternen, welche, wenn sie schießen, oder als fielen sie angesehen werden, durch Feuchtigkeit, die sie aus der Erde ziehen, von wegen der Sünde und Laster, die Leute, mit Urlaub, bespeien. Denn die Sterne, so ungleich viel größer sind, als die Erde, fallen nicht, sondern sie speien nur die Leute an durch stinkende, böse Feuchte, aus der Erde gezogen. Wenn du auch nun siehst, dass die Sterne schießen, so sollst du gedenken, dass sie die Leute anspeien. Zum Andern machen sie auch einen Vorhang von Wolken für ihre Augen, dass sie nicht ansehen wollen noch können die Bosheit, Schande und Laster, so des Nachts geschehen mit Fressen und Saufen, mit Ehebruch und anderer Unzucht, durch schändliches Tanzen, Hofieren, Springen und Singen, durch Maulschänderei, durch unzüchtige Gebärde und dergleichen. Bisweilen tun sie auch wie die Sonne und Mond den Vorhang der Wolken von ihren Augen hinweg und sehen zu, was geschieht; aber bald verbergen und verstecken sie sich wiederum in den Wolken von wegen der Schande und Laster, so auf der Erde geschehen. Zum Dritten sind auch scheußliche und unglückselige Zusammenkünfte und Wiederschein der Planeten, so uns auch den Zorn Gottes und das zukünftige Unglück verkündigen. Matth. 24. steht geschrieben, dass die Sterne vom Himmel fallen auf die Erden, und in der Offenbarung Johannis am 6. Kapitel: Die Sonne ward schwarz wie ein härener Sack, und der Mond ward wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleich wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er vom großen Winde beweget wird. Die Sonne bedeutet den Herrn Christum, der Mond bedeutet die Kirche, die Sterne bedeuten die Lehre in der Kirche. Die Sonne wird schwarz, das ist, die Lehre von Christo, welcher ist die Sonne der Gerechtigkeit, so erleuchtet alle Menschen, die in die Welt kommen, wird bei dem größten Teile des menschlichen Geschlechts verfinstert und durch Dunkelheit der Irrtümer bedeckt. Der Mond wird wie Blut, das ist, die Kirche, so von der Sonne der Gerechtigkeit, Jesu Christo, das Licht der wahren Lehre empfähet (wie der Mond, so kein eigen Licht hat, sein Licht von der Sonne nimmt), wird durch die vielseitigen Ketzereien und Korruptelen scheußlich deformiert und wie blutig zugerichtet, weil sie mangeln und entraten muss des Lichts der wahren Lehre, von Christo gepredigt, wie der Mond, wenn er zur Zeit der Finsternis, da es ihm mangelt am Licht der Sonne, welches die Erde, so sich gerade setzet zwischen die Sonne und zwischen den Mond, aufnimmt, schwarz, blutig wird. Zu Dem so wird auch die Kirche blutig gemacht durch das Würgen und Morden der Christen, so in Frankreich, Niederland und an anderen Örtern die nächsten Jahre daher geschehen ist und noch täglich begangen wird. Die Sterne fallen vom Himmel, das ist, die fürnehmen Lehrer in der Kirche, so herrlicher leuchten und scheinen, als andere, von wegen ihrer Geschicklichkeit, Wohlberedenheit und guten Namens, verlassen die wahre, reine, gesunde Lehre, so Christus aus dem Himmel gebracht hat, weichen ab von der Gemeinschaft der Kirche und fallen in erschreckliche, scheußliche, gräuliche Irrtümer, wie die vornehmsten Lehrer zu dieser Zeit, so da von wegen ihrer Kunst und Wohlberedenheit, auch scheinlichen Lebens das größte Ansehen haben und als herrliche Sterne in der Kirche leuchten, in den der Vernunft annehmlichen, begreiflichen und scheinlichen Irrtum der Lehre vom Nachtmahle des Herrn (von Christo gelehrt und durch das teure Werkzeug Gottes Lutherum aus Gnaden recht erkläret) als blind und ohne Witz schrecklich dahinfallen und unzählig viele andere Zuhörer in denselben Irrtum mit sich ziehen. Ebendasselbe geschieht auch in anderen fürnehmen Stücken unserer christlichen Religion, davon viele Irrtümer und Korruptelen nicht von Ungelehrten, sondern von den Berühmtesten ihrer Geschicklichkeit halben, erregt sind worden, und noch als recht verteidigt werden. 
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-== Auf Erden wird den Leuten bange sein. == 
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-Das vierte Zeichen, von der Bangigkeit, versteht Lutherus von geistlicher Traurigkeit, welche herkommt aus den mancherlei Sekten und Rotten, dass die Leute nicht wissen, wie sie es machen sollen, damit sie mögen selig werden, und geht hiermit aufs Papsttum, darin die Gewissen für Gottes Zorn gegen die Sünde erschrocken, durch Menschenlehre wie in einem Henkershause auf der Streckbank sind gemartert und geängstigt worden, also, dass ihrer Viele (wie Gerson schreibt), in Verzweiflung gestorben und umgekommen, sintemal aus den Klosterwerken, Vigilien, Messen und anderen von den Papisten errichteten falschen Gottesdiensten kein heilsamer, wahrhaftiger Trost, der im Gerichte Gottes den Stich halten könnte, zu überkommen war. Es sind auch die nächsten Jahre daher Viele in unseren Kirchen gewesen und sind noch Etliche, welche, ob sie wohl täglich gehört und hören den lieblichen, angenehmen Trost des Evangelii von Vergebung der Sünden, so aus Gnaden geschieht und von der Barmherzigkeit Gottes, die mächtiger sei als alle Sünde und sie weit übertreffe, dennoch in große, erschreckliche, gräuliche Anfechtungen und mit der Verzweiflung in einen harten Kampf geraten, dass sie bei sich disputiert haben und noch disputieren, ob sie einen gnädigen Gott haben, der ihnen ihre Sünde vergeben wolle, und ob sie können selig werden etc. Solcher Leute (unter welchen von Mannes- und Weibspersonen sich etliche erstochen, etliche erhängt, etliche ertränkt, etliche auf andere Art aus Verzweiflung selbst ermordet und vom Leben gebracht, etliche aber durch Gottes Gnade wiederum zum Trost gekommen und von der Verzweiflung errettet und entfreiet sind) habe ich in den nächsten zehn Jahren gar viele gekannt und kenne ihrer noch viele. Gott erhalte Die und helfe ihnen durch seinen Heiligen Geist überwinden. Es ist aber solche Angst und Verzweiflung ein Zeichen vor dem Jüngsten Tage. 
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-== Das Meer und die Wasserwogen werden brausen. == 
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-Das fünfte Zeichen sind ungewöhnliche, schreckliche Sturmwinde, die uns allhie zu Rostock und in den benachbarten Seestädten wohl bekannt sind, nicht ohne merklichen Schaden der Schiffe, die auf dem Meere jährlich bleiben und mit Mann und Gut jährlich untergehen. Es sind die nächsten Jahre her solche erschreckliche Sturmwinde gewesen, dass unsere alten Schiffleute sagen, dass sie vormals der keine gedacht, und sich nicht anders oft hat lassen ansehen, als haben die Sturmwinde die Welt wollen in einen Haufen werfen, haben oft große Bäume, eine Tonne dick, nicht allein mit den Wurzeln aus der Erde gerissen, sondern auf den Stämmen wie eine Rübe mit großer Gewalt abgebrochen. Und läutet also auch der Wind eine große Sturmglocke zum Jüngsten Tage. 
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-== Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht etc. == 
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-Das sechste Zeichen ist die gemeine Traurigkeit aller Menschen. Denn die Leute nun nicht mehr so fröhlich sind, als sie vormals gewesen sind, weil ihnen ihr Herz groß Unglück und Strafen, so bald für dem jüngsten tage über Alle auf Erden und in der Hölle über die Gottlosen in Ewigkeit ergehen werden, vorher zugesagt. Wenn Einem ein Unglück vorhanden oder bald anstoßen will, ob er wohl nicht weiß warum, so ist ihm doch bange; denn sein Herz sagt ihm an, es werde Etwas kommen. Also sind die Leute nun trauriger, denn vormals, sintemal ihr Herz ihnen zusagt, dass viel Unglücks nun für dem Jüngsten Tage vor der Tür sei und bald die ewige Strafe über die Gottlosen ergehen wird. Es hält der Welt ein groß Unglück, so bereits angefangen, in allen Landen für, desgleichen nicht gewesen. Daher ein Jeder getrübt und beängstigt ist, und scheinet die Traurigkeit den Leuten zu den Augen aus. Es ist ein Zeichen von dem Jüngsten Tage. 
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-== Denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. == 
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-Das siebente Zeichen wird genommen von allen Kreaturen unter dem Himmel. Zum Ersten wird fast der ganze Himmel in Tränen verwandelt. Denn der Himmel stehet und weinet seine Tränen durch das viele Regnen, so er tut über die Schande und Laster, die geschehen und über das Unglück, welches bald darauf erfolgen wird und vornehmlich über die ewige der Gottlosen Verdammnis, die vor der Tür und vorhanden. Zum Andern geschehen auch viele andere Zeichen in der Luft: Es werden viele Kometen und brennende Lichter, so Irrwische oder Lügenlichter genannt, geschehen. Es ist der Himmel die nächsten acht Jahr her voller feuriger Strahlen gesehen worden, die ein Ansehen von Spießen und von Schwertern gehabt. Oft hat man den Himmel hier bei uns nicht anders gesehen, denn einen Feuerofen brennen, wie Maleachi 4. geschrieben ist: Siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen, und die Gottlosen werden Stroh sein. Zum Dritten geschehen viele Wunderzeichen in den untersten Kreaturen, sintemal seltsame Monstra geboren worden, die auch Etwas bedeuten. Zum Vierten so seufzen und ängsten sich die Kreaturen unter dem Himmel wie eine Frau in Kindesnöten und warten auf ihre und auf der Kinder Gottes Erlösung, Röm. 8: Das ängstliche Harren der Kreaturen wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes, sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um Des willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung; denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Aller Kreaturen Kräfte, Stärke, Gedeihen nimmt täglich ab, wie wir sehen an den Tieren, Ochsen, Schafen, die nicht mehr so groß sind wie vor, item an Vögeln, Fischen, Holz, Stein, so nicht mehr so gut sind, wie sie vormals gewesen noch für wenig Jahren. Es ist den Kreaturen zuwider und es verdrießt sie überaus sehr, dass die Gottlosen ihrer so schändlich missbrauchen zum Stolz, Frevel, Mutwillen und anderer Bosheit und Wollust. Derhalben ist ihnen angst und bange, wie einer Frau in Kindesnöten, schreien ein stetiges Zetermordio über die gottlose Welt, dass sie ihr dienen müssen. Die Schafe wollten lieber Dörner, denn Wolle, die Kühe lieber Gift, denn Milch den Gottlosen geben. Demnach, wenn du hörest ein Schaf oder eine Kuh blöken oder schreien, so sollst du gedenken, wie Doktor Luther schreibt in der Auslegung der Epistel am 4. Sonntage nach Trinitatis, dass ein solch Tier Zetermordio schreie und rufe über die Gottlosen und sie für Gottes Angesicht verklage. Also die liebe Speise, Brot, Fleisch, Fisch, Butter, der liebe Trank, Wein, Bier, dienen wider ihren Willen den Gottlosen und haben große Angst, wie eine Frau in Kindesnöten, seufzen und schreien wider sie. Wenn der Trunkenbold den Wein und Bier zum Überfluss und zur Trunkenheit in den Hals hineingießt, so schreien über ihn diese Kreaturen zurück wieder heraus ein erklagen über Missbrauch und über Gewalt. Es dient die liebe Sonne gern den frommen Leuten, weil aber mehr Böse als Fromme in der Welt sind, scheint sie wider ihren Willen in der Welt und erwärmt das Erdreich. Nachdem aber Gott gnädig und gütig ist, zwingt er die Sonne, dass sie über Gute und Böse aufgehen und die Wolken, dass sie über Gerechte und Ungerechte regnen müssen, Matth. 5. Desgleichen tut das Gewand, Sammet, Seide, Gold und alle anderen Kreaturen, die wollten wohl frommen Leuten dienen, aber Das tut ihnen wehe, dass sie von Huren und Buben und anderen Gottlosen so schändlich missbraucht werden, derwegen sie ein stetes Zetergeschrei gegen sie üben und dienen wider ihren Willen, von Gott gezwungen, bis auf den Jüngsten Tag, da sie und alle Gottseligen werden vom Dienste des Vergänglichen und von allem Unglück frei und los werden. Mehr Zeichen aber des Jüngsten Tages werden angezeigt in der Auslegung des Evangelii des 25. Sonntags nach Trinitatis. 
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-== Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen. == 
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-Weil das Bild des jüngsten Gerichts erklärt wird im Evangelio, welches am 26. Sonntage nach Trinitatis gepredigt wird, kann es allda gesucht und gelesen werden. 
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-=== Das andere Stück. === 
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-== Wenn aber Dieses anfähet zu geschehen, so seht auf. == 
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-Nachdem die Verkündigung von den Zeichen und vom Elend, so für dem Jüngsten Tage werden vorhergehen, betrübt und schrecklich ist, tut der Sohn Gottes hinzu von dem Troste, dass wir nicht durch Traurigkeit verzagen, und gibt einen Befehl, dass wir sollen aufsehen und unsere Häupter nach dem Himmel erheben und unsere Erlösung von dannen erwarten. Da alle Tiere also sind geschaffen, dass sie den Kopf niederwärts nach der Erde haben und tragen, sind wir Menschen von der Erde erhoben und aufrichtig gemacht von unserm Herrn Gott, also, dass wir den Kopf nach dem Himmel haben, auf dass wir gedenken und glauben sollen, dass wir daselbst wohnen, Bürger und Hausgenossen Gottes sein werden. Denn wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir, Ebr. 13., und ist unser Wandel im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilands Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, Philipp. 3. Es hat der Herr Christus die Tür des Himmelreichs, so uns von wegen der Sünden verschlossen war, durch sein Leiden, Sterben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt aufgetan, den Zugang eröffnet, die Stätte bereitet und wird bald wiederkommen und uns nachholen, Joh. 14: Euer Herz erschrecke nicht, glaubet an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass ihr seid, wo ich bin. Johann. 17: Vater ich will, dass, wo ich bin, auch Die bei mir sind, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, ehe denn die Welt gegründet ward. Lasst uns demnach in diesem gemeinen und unserm eigenen Unglück, Jammer und Elend, so täglich größer wird, unsere Häupter erheben nach dem Himmel und mit diesem Trost unsere Herzen erquicken, dass von dannen kommen wird in kurzer Zeit unser Erlöser Jesus Christus, der uns elende Menschen (untergedrückt und gefangen durch die beschwerliche, traurige Dienstbarkeit der Sünde, des Teufels, des Todes und viel unzähliges Unglück) zu der vorigen Freiheit wiederum bringen wird und mich sich führen in das Reich unseres Vaters, da tausend Jahre sind wie ein Tag, 2. Petri 3, da wir nicht werden können gedenken an die Traurigkeit, die wir hier auf Erden gehabt und ausgestanden von wegen der großen, vollkommenen Freude, so daselbst sein wird (Esa. 65), da Gott der Herr wird abwischen alle Tränen von unseren Augen, da wir nicht mehr werden hungern noch dürsten, da der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen, kein Frost, keine Hitze, da wir nicht werden bedürfen der Sonne, noch des Mondes, dass sie uns scheinen, denn die Herrlichkeit des Herrn wird uns erleuchten, und unsere Leuchte wird sein das Lamm Gottes, Jesus Christus, Off. Kap. 7 und 21. Weil aber Gleichnisse und Bilder angenehm sind, auch leichter verstanden und behalten werden, malet er die Zeit seiner Zukunft ab durch ein Gleichnis, welches er nimmt von einem Feigenbaum und von allen Bäumen. 
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-== Seht an, spricht er, den Feigenbaum und alle Bäume. == 
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-Der Feigenbaum und andere Bäume sind ein Bild des Jüngsten Tages. Sie sind die Knoppen der Zeichen, welche vormals erzählt sind, und davon mehr erzählt worden am 26. Sonntage nach Trinitatis. Je größer die Knoppen sind, so viel näher der Sommer ist. Also auch, je mehr der Zeichen geschehen, und je deutlicher sie werden, so viel näher ist der jüngste Tag und das Reich Gottes, wie der Herr spricht: Wenn ihr dies Alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Weil denn nun die Zeichen täglich größer und klarer werden, nicht allein die, so an der Sonne, Mond, Sternen, Meer, Menschen und allen anderen Kreaturen geschehen, davon hier im heutigen Evangelio gedacht wird, sondern auch die, welche der Herr anderswo und vornehmlich Matth. 24. verkündigt hat, nämlich, dass nun sind mancherlei Sekten, Rotten und Korruptelen in der Lehre, dadurch, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten möchten in den Irrtum verführet werden; dass Kriege und Geschrei von Kriegen gehört werden in allen Landen, im deutschen Lande, in Frankreich, in Hispanien, in England, Dänemark, in Schweden, in Polen; dass sich empört ein Volk über das andere, ein Königreich über das andere; dass ungewöhnliche Pestilenzen sind, so viele tausend Menschen würgen und wegfressen; dass unerhörte Teuerungen sind, also dass viele Dinge drei oder vier Mal so teuer verkauft werden, als vor zwanzig Jahren; dass Erdbeben sind hin und wieder; dass Verfolgungen sind, dadurch die Christen in Trübsal und in den Tod überantwortet werden; dass ich Viele ärgern und abfallen von der erkannten, wahren Lehre; dass sich die Leute unter einander verraten, die Eltern die Kinder, die Kinder die Eltern, wie im Niederland und in Frankreich geschieht; dass die Ungerechtigkeit überhand nimmt und die Liebe erkaltet; dass der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens, der römische Antichristus, welcher im Tempel Gottes sitzt als ein Gott und gibt für, er sei Gott, kund worden ist; letztlich, dass das Evangelium vom Reich gepredigt wird in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker: ist zweifelsohne und ganz gewiss, es werde der Herr Jesus Christus, unser Erlöser, bald zum jüngsten Gericht erscheinen und rufen: Stehet auf, ihr Todten, stehet auf, kommt vor Gericht und gebet Rechenschaft! 
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-== Wahrlich, ich sage euch, dieses Geschlecht wird nicht vergehen. == 
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-Das ist, es wird der jüngste Tag nicht kommen, es sei denn, dass diese jetzt verkündigten Zeichen erfüllt sind. Etliche verstehen es von den Juden, dass die nicht sollen vor dem Jüngsten Tage gar ausgerottet werden, sondern bis an dieselbige Zeit bleiben. 
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-== Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. == 
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-Das ist, die Himmel, wie 2. Petri 3 steht, werden zwar vergehen mit großem Krachen, die Elemente werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die drinnen sind, werden verbrennen. Aber es müssen zuvor geschehen die Zeichen, die ich vor der Welt Ende verkündigt habe. Über das ist in diesen Worten ein sehr angenehmer, lieblicher Trost, dass die Lehre des heiligen Evangelii rein und unverfälscht neben der Kirche bleiben wird an etlichen Örtern bis an der Welt Ende, auch unter vielen Sekten, Rotten und Korruptelen der Lehre und der weltlichen Regimenter Untergang.  
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-=== Das dritte Stück. === 
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-== Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden. == 
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-Mit diesen Worten hält uns der Herr für die Sicherheit und Sünden, so für dem Jüngsten Tage vornehmlich im Schwange gehen werden. Von Troja schreibt Virgilius, dass sie eingenommen und gewonnen, und der Feind hineingefallen sei, als die Leute im Wein und im Schlaf gleich sind begraben gewesen. Also wenn der Herr Christus wird zum Gericht kommen, wird er hereinfallen in die Welt, welche im Schlaf und im Wein wird begraben sein. Matth. 24., gleich wie sie waren in den Tagen Noä für der Sündflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien bis an den Tag, da Noah zur Arche einging, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Es sind aber zwei Sünden, so der Herr hier anzeiget und vollendet, welche kurz vor dem Jüngsten Tage vornehmlich werden im Schwange gehen. Zum Ersten Übermaß, so nicht allein in Speise und Trank und Kleidern, in böser Begierde, Wollüsten und vornehmlich in Unzucht ungehalten ist, sondern auch Alles auf die Pracht wendet, dadurch dann nicht allein Herren und Fürsten, sondern auch gemeine Leute in Not und Armut geraten und gesetzt werden. Zum Andern Geiz, so auf was Art und Weise es geschehen kann, Gold zusammenschlägt und kratzt und eine Ursache ist der vielen unbilligen und unmäßigen Schatzungen, den armen Untertanen in allen Königreichen, Fürstentümern und Landen unmöglich weiter zu tragen und auszustehen, des Kirchenraubes, dass die Güter, so zu Gottes Ehre gegeben, in weltlichen Gebrauch gewendet werden, der Betrügerei und Ungerechtigkeit im Handel und Wandel, in Käufen und Verkäufen, des Wuchers und allerlei Schindens und Schabens. Hingegen ermahnet der Herr, dass man wacker sei und bete. 
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-== So seid nun alle Zeit wacker und betet. == 
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-Wacker sein ist Aufsehen haben auf seinen Beruf und auf die Gottseligkeit, sich fleißig darin vernehmen lassen, also, dass man im Glauben, Gottesfurcht und guten Gewissen bereit ist, alle Zeit, alle Stunde und alle Augenblicke den Herrn Christum würdig zu empfangen. Das Gebet aber, so eine Mauer und eine Brustwehr ist wider alles Unglück, bittet feurig und emsig, dass man allem Übel, welches für dem Jüngsten Tage wird vorhergehen, entfliehen und mit rechtem Glauben und gutem Gewissen den Herrn Christum, den Richter der Lebendigen und der Todten, empfangen möge. 
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-Es sollen uns aber stets vor Augen sein diese Ursachen, die uns reizen und bewegen, dass wir wacker sind und beten, auf dass wir würdig werden mögen zu entfliehen dem Allen, was geschehen soll und zu stehen vor des Menschen Sohn. Die erste Ursache ist des Herrn Christi Befehl, davon allhie steht: So seid nun alle Zeit wacker und betet. Und Lucä 12: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten; 1. Thess. 5: Lasst uns nicht schlafen wie die Anderen, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Die andere Ursache ist das Exempel der Sündflut, nämlich, dass der jüngste Tag gewiss kommen wird, obwohl die Zeit lange währet, wie die Sündflut kam, ob sich’s schon eine Zeitlang verweilte. 2. Petri 3: Wisset Das aufs Erste, dass in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibet es Alles, wie es von Anfang der Kreaturen gewesen ist. Aber mutwillens wollen sie nicht wissen, dass der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselben mit der Sündflut verderbet. Also auch der Himmel jetzund und die Erde werden durch sein Wort gespart, dass sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts. Die dritte Ursache ist der Richter Christus, der ohne Ansehen der Person mit Gerechtigkeit richten wird alle Kaiser, Könige, Fürsten, Grafen, Freiherren, Edelleute, Bürgermeister, Ratsverwandten, Bürger, Bauern, Gelehrte, Ungelehrte, Herren, Knechte, Frauen, Mägde, Reich, Arm, Alt und Jung. Act. 17: Gott hat einen Tag gesetzt, auf welchem er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit, durch einen Mann, in welchem er’s beschlossen hat. Röm. 14: Wir werden Alle vor den Richtstuhl Christi gestellt werden; so wird nun ein Jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 2. Korinth. 8: Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richtstuhle Christi, auf dass ein Jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Der Prediger Salomo Cap. 12: Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, das verborgen ist, es sei gut oder böse. Judas in seiner Epistel: Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle Werke ihres gottlosen Wandels, damit sie gottlos gewesen sind, und um alle das Harte, das die gottlosen Sünder wider ihn geredet haben. Wie eine große Scham und wie ein gräulicher Schmerz und Angst ist in den Menschen, welche hier auf Erden vor Gericht in Gegenwart der weltlichen Obrigkeit und des gemeinen Mannes ihr Urteil hören auflesen und darauf, wenn die Sentenz des Todes über sie gesprochen, dem blutdürstigen Henker überantwortet und hingegeben werden, dass er sie mit dem Schwert, Galgen, Rad, Feuer oder dergleichen Strafen zum Tode richte! Lasst uns nun bedenken, wie sich am jüngsten Gericht schämen werden, und welch eine gräuliche und schreckliche Angst sein wird in allen Gottlosen, die, als Matth. 12. geschrieben steht, auch von einem jeden unnützen Wort Rechenschaft geben müssen vor dem Angesicht des Sohnes Gottes, in Gegenwärtigkeit aller heiligen Engel und Menschen, und darauf nach gesprochener Sentenz von ihrer Verdammnis, werden überantwortet werden nicht einem blutdürstigen Henker, der ein Mensch ist, sondern dem blutdürstigen, gräulichen Tyrannen, dem Teufel, dass er sie ewig in der Hölle plage und martere. Die vierte Ursache ist die gegenwärtige Zeit und die Zeichen droben gemeldet, daraus man gewiss kann überzeugt werden, dass der jüngste Tag jetzt vor der Tür und vorhanden sei. Es hat Irenäus Martyr also geredet von der Zeit des Jüngsten Tages: In wie viel Tagen die Welt geschaffen ist, in so viel tausend Jahren wird sie erfüllt werden, dass sie zergehe. Denn ein Tag ist bei dem Herrn als tausend Jahr, Ps. 90. 2. Petri 3. Demnach wird die Erfüllung der Zeit der Welt sein das siebente tausend Jahr. Auch ist bekannt, was Elias gelehrt hat, wie lange die Welt stehen solle: Die Jahre der Welt sind sechs tausend, darnach wird sie verbrennen. Zwei tausend Jahre ist sie öde gewesen, das ist, ohne das gegebene Gesetz; zwei tausend Jahre das Gesetz Mosis, zwei tausend Jahre die Zeit des Messiä. Und um unserer Sünde willen, die viel und groß sind, werden an dieser Zeit, dass sie nicht voll sein wird, fehlen die Jahre, so da fehlen werden. Es hat aber in diesem 1570. Jahre nach Christi Geburt die Welt gestanden 5533 Jahre, daraus denn erfolget, dass der jüngste Tag bald kommen werde. Die fünfte Ursache ist die ungewisse Stunde, darin der Herr wird erscheinen, davon allhie Meldung geschieht: dass nicht komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. Matth. 24: Wacht, denn ihr wisst nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird. Wenn ein Hausvater wüsste, welche Stunde der Dieb kommen wollte, so würde er ja wachen und ihn nicht in sein Haus brechen lassen. Darum seid ihr auch bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr’s nicht meinet. 1. Thess. 5: Denn ihr selbst wisst gewiss, dass der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Denn wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr: so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleich wie der Schmerz ein schwanger Weib, und werden nicht entfliehen 2. Petri 3: Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Wasser, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das Alles soll zergehen, wie sollt ihr dann geschickt sein? mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, dass ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, an welchem die Himmel von Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Die sechste Ursache ist die Ewigkeit, so nimmer kein Ende hat, darin die Gottseligen ewige Freude und Herrlichkeit haben werden, die Gottlosen aber durch ewiges Feuer werden gebrannt, gequält und gemartert werden. O Ewig, o Ewig, o Ewig, ach, ach, wie lange ist das! 
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-Diese Lehre von den Zeichen des Jüngsten Tages, von dem Trost wider das Übel und Unglück, so kurz vor dem Jüngsten Tage sein wird, von der Vermahnung, dass wir uns hüten, damit unsere Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und dass wir alle Zeit wacker sein und beten, sollen wir alle Zeit vor Augen haben und in unsere Herzen einschließen, auf dass wir die schreckliche Sicherheit, welche sich nicht fürchtet vor dem jüngsten Gericht, von uns tun und wegtreiben, den Schmerz aber und die Angst, so wir haben aus dem gegenwärtigen Unglück, lindern und bereit sein, den Herrn Christum in einer guten Ritterschaft eines rechten Glaubens und guten Gewissens zu empfangen, wenn er am Jüngsten Tage rufen wird: Stehet auf, ihr Todten, stehet auf, kommt vor Gericht und gebet Rechenschaft. Amen. 
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-======Römheld, Carl Julius - Predigt am zweiten Sonntage des Advents.====== 
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-O Herr, gib uns den Heiligen Geist, damit wir deine Erscheinung lieb haben und deinem großen und offenbarlichen Tage mit Freuden entgegensehen können! Amen. 
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-Text: Ev. Luk. 21, 25-36.\\ 
-**Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr es an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden mögt, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.** 
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-Geliebte in dem Herrn! Ein Wort, ein Wort, ein Mann ein Mann; das bleibt unsre Sitte. Wer nicht danach sich richten kann, der tret‘ aus unsrer Mitte! - Das ist ein altes deutsches, ein menschliches Sprichwort. Seid ihr mit dessen Inhalt einverstanden? Wort halten, auch wenn das Wort ohne Feierlichkeit, bloß im gewöhnlichen Verkehr gegeben wurde, immer Wort halten, auch wenn's uns Unannehmlichkeit und Schaden bringen sollte, dennoch Wort halten, zuverlässig und treu sein, das ist des Mannes Ehre. Aber es ist auch den Frauen eine Ehre. Wortbrüchigkeit aber, oder ein solches Verhalten, dass man etwas sagt und zusagt, und nachher gar nicht daran denkt, sein Wort zu halten, solche Wortbrüchigkeit und Unzuverlässigkeit ist eine hässliche und schimpfliche Sache. Wo Wortbrüchigkeit und Unzuverlässigkeit der Menschen überhand nimmt, da führt sie nach und nach zum sittlichen Bankrott, zur Auflösung der menschlichen Gesellschaft; denn da wird das Zusammenleben immer schwerer und selbst unerträglich. 
- 
-Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, das möchte ich auch ein göttliches Sprichwort nennen; jedenfalls ist's ein göttlicher Grundsatz. Denn Gott legt großen Nachdruck darauf, dass er sein Wort auch halte und erfülle. Und wenn das auch nicht immer so bald geschieht, wie die kurzsichtigen und ungeduldigen Menschen meinen, geschehen wird es gewiss. „Ich habe mein Wort, ich habe meine Verheißungen und Drohungen nicht vergessen“, spricht Gott; „wartet nur, nur Geduld! Ich ewiger Gott messe die Zeit anders, als ihr kurzlebigen Menschen; ich halte mein Wort, das sollt ihr sehen“ spricht Gott. Also: ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, - das bleibt auch bei ihm Sitte. 
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-Aber das Sprichwort geht noch weiter: Wer nicht danach sich richten kann, der tret' aus unsrer Mitte. Wer richtet sich denn nicht danach? Vor allen Dingen der, der sein Wort bricht. Wer sein Wort nicht hält, der soll aus der Gesellschaft und Gemeinschaft der Zuverlässigen und Treuen, die ihr Wort halten, austreten oder ausgestoßen werden. Aber wer stets sein Wort hält und nie wortbrüchig ist, was kann der auch verlangen? Der kann verlangen, dass ihm jedermann Glauben schenke, dass jedermann sein Wort für Wahrheit nehme. Wer ihm nicht glaubt, wer sein Wort und Versprechen in Zweifel zieht, der richtet sich nicht nach jener Regel von der Mannestreue, der macht einen wahrhaften und unbescholtenen Menschen zum Lügner. Wenn ich nie mein Wort gebrochen habe, so tut mir der, der mein Wort bemängelt und in Zweifel zieht, der mir Wortbrüchigkeit zutraut oder nachsagt, einen großen Schimpf, ein schweres Unrecht an, er richtet sich nicht nach jener Sitte. Und da heißt's wieder: Wer nicht danach sich richten kann, der tret' aus unsrer Mitte, der werde aus der Gesellschaft ausgestoßen! 
- 
-Und auch dies ist ein göttlicher Grundsatz. Wer Gotte nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner. Und wer sich nicht danach richten kann, dass Gott in allen Fällen sein Wort hält, von dem spricht auch Gott: Der tret' aus unsrer Mitte, der kann in der Gemeinschaft Gottes und seiner Kinder nicht bleiben, der wird gleicherweise von Gott und seiner Gemeinschaft ausgestoßen. Also das Sprichwort: Ein Wort ist ein Wort, ein Mann ist ein Mann; das bleibt unsre Sitte; wer sich danach nicht richten kann, wer selbst sein Wort bricht, oder wer dem, der nie sein Wort brach, Wortbrüchigkeit und Treulosigkeit zutraut und nachsagt, der tret' aus unsrer Mitte, dies menschliche Sprichwort ist auch ein göttlicher Grundsatz. 
- 
-Nun lasst uns 
- 
-Ein Wort und Versprechen des Herrn Jesu Christi 
- 
-hören, das er halten wird, das wir glauben, und nach welchem wir uns richten müssen. 
- 
- 
-=====I. Das Wort und Versprechen selbst. ===== 
- 
-Es war ein König, der verließ eines Tages sein Königsschloss, er verließ seine Residenz und Hauptstadt, und ging ganz allein auf ein entferntes Dorf, das auch in seinem Reiche lag. Die Bewohner dieses Dorfes waren arm und waren in Gefahr, von einem fremden Tyrannen, der ihnen zwar Glück und herrliche Dinge versprach, der aber sein Wort nie hielt, ganz beherrscht und unterdrückt zu werden. In dieses von einem lügnerischen Tyrannen beherrschte und noch mehr bedrohte Dorf ging aber der König verkleidet, er ging unbekannt, nicht als König, sondern als ein gewöhnlicher und geringer Mann in jenes Dorf. Kein Mensch sah ihm den König an. Dort wollte er die Bewohner mit ihrer gefährlichen Lage bekannt machen und sie befreien. 
- 
-In dem Dorfe erkannten ihn einige. Sie sahen seinem ganzen Wesen die königliche Hoheit und Art an, und sie liebten und ehrten ihn als König, gehorchten seinem Rat und Willen, und hingen ihm an. Vielen aber war grade seine königliche Art und Hoheit zuwider, sie wollten nichts von ihm wissen, sondern lieber in den Banden und Neben des Tyrannen bleiben. Sie wurden sogar nach und nach boshaft gegen den fremden Gast, misshandelten ihn, und stießen ihn zum Orte hinaus. Da ist denn der König wieder in seine Residenz und in sein Schloss zurückgekehrt. Ehe er aber ging, sagte er zu denen, die ihn liebten und ihm anhingen: Bleibt fest an mir hängen, lasst euch nicht von mir abwendig machen, leidet euch und seid standhaft und treu bis in den Tod. Und wenn ihr von der anderen Partei auch ganz unterdrückt werden solltet, - nur standhaft geblieben! Ich werde nach einer längeren Zeit wiederkommen, aber nicht verkleidet und in Niedrigkeit; sondern wenn ich wiederkomme, dann komme ich als König und Herr. Dann werde ich den Lügner und Tyrannen samt allen euren Feinden strafen und unschädlich machen. Die meine Güte nicht wollten, die sollen dann meine Macht und Gewalt erfahren. Euch aber werde ich Freiheit und Frieden bringen; mein Dorf werde ich dem Tyrannen für immer entreißen, und ihr werdet es unter meinem Zepter allein besitzen und bewohnen. 
- 
-So sprach der König, ehe er ging. Und die ihm anhingen, dachten: Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann, das bleibt unsre Sitte; wer nicht danach sich richten kann, der tret' aus unsrer Mitte. Sie wussten: Unser König hat sein Wort gegeben, das wird er nicht brechen. Und geduldig ertrugen sie alles, was ihnen von der Gegenpartei widerfuhr. Ihr Trost war und blieb: Unser König wird wiederkommen und wird schon alles schlichten und in Ordnung bringen. Die aber sein Wort nicht glaubten und sich nicht danach richten konnten, die traten aus ihrer Mitte und schlugen sich zur Gegenpartei. 
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-Ihr wisst, wer der König, was seine Residenz, was das Dorf ist. Der König ist der Sohn Gottes, der seinen Himmel verließ und als ein armer Mann auf die Erde kam. Er hat sein Wort gegeben: Ich will euch wieder sehen und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Noch vom Himmel herunter hat er uns sagen lassen: Dieser Jesus wird wieder kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Und: Ein Wort ein Wort, ein Mann ein Mann! Jesus wird und muss sein Wort halten, und wir haben keinen Grund, ihm Wortbrüchigkeit zuzutrauen, sondern müssen ihm glauben. 
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-Also das ist sein Wort und Versprechen, welches er in unserm Texte und sonst oft gegeben hat: Ich werde wieder kommen. Lasst uns sehen, 
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-=====II. wie er sein Wort erfüllen wird. ===== 
- 
-Wenn der Herr wieder kommt, dann ist ein großer, großer Abschnitt des ganzen Weltlaufs zu Ende. Die ganze gegenwärtige Welt, namentlich die Reiche der Welt, sind dann zu Ende, denn der eigentliche Herr und König kommt nun. Also wird alles im Zusammenleben der Menschen umgestaltet. Und deshalb gibt es auch große Veränderungen in der Natur und an den Weltkörpern, welche zu der Erde gehören. An Sonne, Mond und Sternen werden außerordentliche Erscheinungen sichtbar werden, der Himmel Kräfte werden sich bewegen. Weltkörper, die bisher feststanden, Fixsterne, werden in Bewegung, und auch das ungeheure Meer und die Wasserwogen werden in großen Aufruhr kommen. Das sind dann Zeichen, dass der König bald kommen wird, es sind Zeichen, die seiner Wiederkunft vorangehen. Denn er ist nicht bloß der König über die Erde und die Menschen, sondern über die Welten und Weltkörper. 
- 
-Wenn's dann diese majestätischen Veränderungen an Sonne, Mond und Sternen und am Meere gibt, dann werden die Menschen auf Erden zagen, sie wissen nicht, was das geben soll, dass Himmel und Erde beben und in Bewegung sind; nichts ist fest, alles droht unterzugehen. Da werden die Menschen vor Furcht nichts essen und trinken können, und viele werden verschmachten, vor Angst, was nun kommen werde. Dann wird ihnen einfallen, was sie einmal aus Gottes Wort vom jüngsten oder letzten Tage dieser gegenwärtigen Welt gehört hatten. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Denn er kommt dann als König Himmels und der Erde. Jedermann wird dann gleich sehen: Sein ist das Reich, sein ist die Kraft, er besitzt und beherrscht auch des Himmels Kräfte, und sein ist die Herrlichkeit. 
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-Also auf diese Weise wird er sein Wort halten und erfüllen. Und damit wir ja nicht daran zweifeln, dass er sein Wort hält, setzt er hinzu: Dieses Geschlecht, das Volk der Juden, wird nicht vergehen, bis das alles geschehen wird. Und wirklich, während alle anderen Völker der damaligen und der früheren Zeit untergegangen sind, hat sich das Volk der Juden bis heute erhalten, obschon es kein Land, keine eigne Obrigkeit, keine Priester und keinen Versöhnungsdienst mehr besitzt. Und unter sein Wort drückt er noch das Siegel: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. 
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-Also, meine Lieben, stehen Jesu Worte fester, als die Erde, und fester, als der Himmel. Die Erde bebt und wird untergehen, der Himmel wird wanken, in Bewegung kommen und vergehen, aber Jesu Worte beben nicht und wanken nicht, sie werden geschehen und erfüllt werden. Und das glauben wir ihm; wir halten den Herrn Jesum nicht für einen Lügner, sondern für die Wahrheit selbst. Wenn er nun sein Wort hält, 
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-=====III. wie sollen wir uns denn danach richten? ===== 
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-Vor allen Dingen müssen wir zu seinen Freunden, Jüngern und Kindern gehören, nicht aber zu seinen Widersachern und Feinden, dann gibt sich alles von selbst. Nicht zagen, wenn die Erde zu beben, der Himmel zu wanken anfängt, nicht den Kopf hängen lassen! Nicht voll Furcht und Angst sein! Nicht verschmachten vor Bangigkeit! Das wollen wir seinen Feinden überlassen. Sondern aufsehen und den Kopf in die Höhe heben voll kindlicher Zuversicht zu unserm König. Denn er ist ja nicht unser Feind, und wir sind nicht seine Feinde, sondern er ist unser König und Vater, und er kommt, uns zu erlösen von allem Kampfe, von allem Übel. Und ob auch Himmel und Erde beben, und ob auch seine Feinde verzweifeln, für uns, die wir sein sind und treu bis in den Tod an ihm hängen, bringt Jesus nicht Untergang, sondern ewige Errettung, „darum, dass sich eure Erlösung naht“. Auf seine Wiederkunft freuen wir uns darum, wie wir uns alle Jahre freuen, wenn die Bäume anfangen auszuschlagen und den nahen Frühling verkünden. Denn wenn unser Herr wieder kommt, dann geht der Unglücks- und Trübsalswinter auf dieser Erde für immer zu Grunde, und ein neuer, ewiger Frühling bricht an. 
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-Nun fügt der Heiland aber noch eine Warnung hinzu: Der Tag wird plötzlich kommen, wenn's fast niemand glaubt, er wird kommen wie ein Fallstrick über alle, die auf Erden wohnen. Darum seid auf eurer Hut und wacht, lasst euch ja nicht in die Lustbarkeiten der Welt, in Essereien und Trinkgelage ein, und hütet euch vor Nahrungssorgen! Dagegen seid allezeit bereit, vor dem Menschensohn zu erscheinen und vor seinem Angesicht zu stehen! 
- 
-Auf diese Weise richten wir uns nach seinem Worte. 
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-Das ist nun, meine Lieben, ein herrliches Evangelium. Die Wiederkunft des Heilandes ist die Sehnsucht aller lebendigen Gotteskinder. Ja, Himmel und Erde harren diesem größten Weltereignis entgegen. Gott gebe uns seinen Geist, er gebe uns Öl auf unsre Lampen, dass wir diesem Tage auch mit Freuden entgegensehen können! Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Sigel, Eduard - Predigt am zweiten Sonntag des Advents====== 
-Text Luc. 21, 25-36.\\ 
-**25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wassermengen werden brausen, 26 und Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen. 27 Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht.  29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht an den Feigenbaum und alle Bäume: 30 wenn sie jetzt ausschlagen, so seht ihr's an ihnen und merkt, dass jetzt der Sommer nahe ist. 31 Also auch ihr: wenn ihr dies alles seht angehen, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. 32 Wahrlich ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es alles geschehe. 33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. 34 Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und komme dieser Tag schnell über euch; 35 denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. 36 So seid nun wach allezeit und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. ** 
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-Das, andächtige Zuhörer, ist das Evangelium vom zweiten Advent Christi zum Ende und Gericht der Welt. Aber wie redet der Herr in unserm Text von dieser Seiner Wiederkunft? So, dass, während alle Welt vor ihr sich werde fürchten und erschrecken müssen, Seine Jünger darob sich freuen und freudig darauf hoffen sollen. Und von dieser Seite wollen auch wir, meine geliebten Freunde, diese gewaltige Prophezeiung heute betrachten. 
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-Damit wir  
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-**Christi zweiten Advent zum Ende und Gericht der Welt** 
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-nicht fürchten, sondern immer freudiger hoffen lernen, wollen wir aus des Herrn Worten zu Herzen nehmen zuerst den Grund dieser Hoffnung, sodann ihre Bedingung. 
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-=====I.=====  
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-An die Weissagung vom Gericht über Juda und Jerusalem, von der Zerstörung der heiligen Stadt durch die Römer und vom Gräuel der Verwüstung auf dem heiligen Berg knüpft der Herr hier und in den entsprechenden Stellen bei Matthäus (24, 15 ff.) und Markus (13, 14 ff.) die Prophezeiung vom Ende der Welt und der herrlichen Wiederkunft des Menschensohns so nahe an, dass oft schwer zu sagen scheint, wo die eine Weissagung in die andre übergeht, und doch ist klar und gewiss, dass er dies Zwiefache weissagt. Wahrlich, ich sage euch, spricht er von dem Einen (Luc. 21, 32), dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass es Alles geschehe; und siehe, das Geschlecht Seiner Junger und Zeitgenossen war auch noch nicht vergangen, da hielt der Herr im Himmel Sein Wort, er goss die Schale Seines Zorns über Jerusalem und Juda aus, ließ die Stadt des Heiligtums (Luc. 21, 24.) zertreten von den Heiden und das Volk des Eigentums zerstreuen und verjagen nach allen vier Winden. Was Er aber sagt von dem Andern, von den Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, vom Brausen des Meers und der Wasserwogen und von Erschütterung der Kräfte des Himmels (Luc. 21, 25. 26.), wie oft auch schon gewaltige Erscheinungen der Natur und stürmische Erschütterungen der menschlichen Verhältnisse dafür gehalten worden sind, sie waren doch nicht die geweissagten; sie wurden mit Recht für Mahnungen an Christi zweiten Advent und für das Vorspiel des Endes dieser Welt gehalten, aber das Ende waren sie nicht selbst. Des Menschen Sohn kam in ihnen noch nicht, wie Er verheißen hat, mit Seiner größten Kraft, mit der letzten Offenbarung Seiner Herrlichkeit. Sondern dessen sind wir noch gewärtig; das ist noch das Unerfüllte, aber gewiss Verheißene, davor wir uns nicht fürchten, sondern darauf wir freudig hoffen sollen. 
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-Und ist dies Verheißene nicht der Art, dass Christen darauf sich freuen können und freuen müssen, dass, was von wahrhafter Freude und christlicher Hoffnung unser Herz bewegt, im Harren darauf seine Stütze, in seinem Kommen und Zustandekommen sein letztes Ziel, seine Vollendung findet? - Vornehme Geister zwar, dem einfältigen Glauben stolz entwachsen und mit einem Wissen, das nicht aus Gottes Wort kam, sondern aus menschlicher Einbildung, sich blähend, sie mögen spöttisch lächeln über die Beschränktheit dessen, der noch auf eitle andere Herrlichkeit hofft als die Herrlichkeit dieser Welt, der von einem Jenseits hofft, was er im Diesseits gar nicht oder nur unvollkommen fand, sie mögen mitleidig die Achseln zucken über die Beschränktheit des gläubigen Christen, der auf einen zweiten Advent seines Herrn und Erlösers darum hofft, weil er seines ersten in das Fleisch und in die Welt christtäglich sich freut, doch aber das Kommen seines himmlischen Herrn noch nicht für geschlossen, den Bau seines Reiches noch nicht für vollendet hält. Wer aber, der noch im Glauben steht und mit des Glaubens Seligkeit auch des Glaubens Bedürfnisse fühlt, wer möchte mit Jenen teilen die trostlose Kühle ihrer Weisheit? Wer hält nicht ihrem Besserwissenwollen einfach Christi Wort entgegen: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht, und wer unsererseits findet nicht mehr Vernunft in dem Glauben an ein Ende einer endlichen Welt als in dem an ihre Ewigkeit, und mehr Weisheit und Verstand darin, dass die Geschichte Christi auch eine Zukunft hat und einen Ausgang, als in dem Unglauben, der selbst ihren Anfang leugnet und ihre Gegenwart für Schein erklärt? Wenn's aber doch dabei bleiben soll, dass eben Diejenigen schwache Köpfe oder schwärmende Toren sein sollen, die noch mit der Bibel und dem kirchlichen Bekenntnis festhalten am Glauben an Christi letzten Tag und das Ende der Welt: nun, wer von uns wird sich's nicht gern gefallen lassen, also schwach und beschränkt gescholten zu werden, wenn er für seinen Glauben Christi Wort zum Schilde hat und Christum selbst zum Vorgänger, und ein schwärmender Tor zu heißen, wenn die Genossen, ja die Zuganführer seiner schwärmenden Torheit zu allererst die Apostel sind! 
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-Können wir uns aber, andächtige Zuhörer, unmöglich denen gleich stellen, für die das Wort unseres Textes wie die ihm gleichlautenden sonstigen aus dem Munde Jesu und in den Briefen der Apostel gleichsam nicht vorhanden ist, weil es ihnen nichts gilt, weil sie daran nicht glauben, so wollen wir doch auch nach dem Willen unseres Herrn auch in Erwartung des Schrecklichen, das noch kommen soll, nicht sein wie die, die keine Hoffnung haben, sondern aufsehen sollen wir, wie Er sagt (Luc. 21,28.), und unsere Häupter aufheben voll freudiger Erwartung darum, dass sich unsere Erlösung naht und das Reich Gottes nahe ist. Unsere Erlösung naht und das Reich Gottes ist nahe, wenn das Ende dieser Welt im zweiten Advent des Menschensohns kommt: das ist der Grund unserer freudigen Hoffnung, aber was heißt doch dies? Sind wir denn nicht schon erlöst und ist das Reich Gottes nicht schon gekommen? oder stehet nicht eben darin unsre Adventsfreude und unsre Weihnachtsfreude und die getroste Zuversicht unsers ganzen Christenlebens, dass wir einen Herrn Herrn haben, der uns von Sunde, Tod und Hölle erlöst hat und in Ihm den allbereits gekommenen und allezeit uns nahen König eines Reichs, dessen Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist auf uns ruht! Ja so, ist's freilich, so wahr wir Christen sind: aber, lieber Mitchrist, bleibt nicht dennoch des Herrn Wort steh'n, dass Seine Erlösung auch noch eine zukünftige und Sein Reich auch noch ein nahe und näher kommendes ist? Ja, wir sind wohl erlöst und Gefreite des Herrn, erworben und gewonnen von aller feindlichen Gewalt, und Kinder Gottes im geliebten Sohn; dennoch, aber beten wir in jedem Vaterunser: erlöse uns vom Übel! und getrösten uns des Reiches und der Gewalt und der Herrlichkeit, die Gottes sind in Ewigkeit. Ja, das Reich Gottes ist wohl gekommen ohne dieses Gebet und auch zu uns gekommen vor unserm Gebet und wir sind darein, gekommen über all' unser Bitten und Verstehen, dennoch aber hören wir nicht auf zu bitten: Dein Reich komme, und unsere Adventsfreude ist nur dann völlig, wenn in ihr und aus ihr heraus der Geist und die Braut sprechen: Komm! (Off. 22. 17.) 
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-Was heißt dies anders, geliebte Freunde, als, dass wir wohl selig sind, aber selig in Hoffnung, dass wohl aller Gläubigen Leben friedlich und selig geborgen ist mit Christo in Gott, aber doch nur geborgen und verborgen, noch nicht offenbar in der Herrlichkeit, dass noch nicht erschienen ist, was wir sein werden, und dem Reiche Gottes noch sein letzter Tag, sein voller Sieg, sein Triumph in Ewigkeit vorbehalten ist? So freuen wir uns denn wohl des treuen Herrn und himmlischen Heilands, der die Schuld für uns gebüßt, die Sünde für uns gesühnt, den Gewappneten für uns überwältigt hat; aber wir trauern, dass noch in uns das Fleisch gelüstet wider den Geist, dass wir noch täglich nötig haben die Vergebung täglicher Sünden, dass der Festeste nicht so fest steht, dass er nicht wieder fallen könnte, dass der Friede des göttlichen Reichs in unserm Herzen und in unserm Leben so oft wieder gestört wird durch den Einbruch des bösen Feinds. Wir freuen uns des Lebensfürsten, der den Tod für uns überwunden und Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat, aber wir spüren doch noch, wie Elihu (Hiob 33, 6.), dass wir aus Lehmen gemacht sind, und was an uns sterblich und vergänglich ist, so oft es den Zahn der Zeit, den Mottenfraß der Sterblichkeit, die Baufälligkeit irdischen Glücks und den Raub eines liebsten Guts erfährt, so trauern wir, so sprechen wir betrübt: wir haben hier keine bleibende Stätte. Wir freuen uns des göttlichen Säemanns, der seine Saat aus dem Himmel so freigebig ausgestreut hat auf der armen Erde, wir freuen uns, dass die Saat seines guten Samens in allerlei Weizen und guten Früchten aufgegangen ist da und dort, und dass wir selbst in Haus und Schule, in Kirche und Staat, in Sitte und Wissenschaft, in Handel und Wandel das schmackhafte Brot treffen, welches der Weizen des göttlichen Worts hervorgebracht, aber wir trauern und müssen trauern, dass unter dem Weizen soviel Unkraut mit aufgegangen ist, und will uns oft bedünken, es sei dessen mehr und das Unkraut wuchere lustiger denn der gute Weizen. Wir freuen uns der Wege und Gerichte unsers Gottes, denn Er ist unser Vater in Jesu Christo, wir getrösten uns der Macht Seines Schutzes, der Gerechtigkeit Seiner Regierung, der Weisheit Seines Tuns, denn wir leben der Zuversicht, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen, dennoch aber müssen wir oft trauern, dass der große Gott uns ein verborgener Gott ist und Seine Gerichte unbegreiflich, Seine Wege unerforschlich, wir müssen's betrübt gestehen, dass unsere Augen so oft gehalten sind, des Herrn Nähe zu schauen und in die Tiefe der Weisheit und Erkenntnis Gottes hinabzublicken, und wie fest es uns auch steht, dass der Herr gerecht ist in allen Seinen Wegen und heilig in allen Seinen Werken, das will und kann uns doch nicht genügen, dass Seine Gerechtigkeit zu Ende sein soll mit dem schon, was Er hier tut vor unsern Augen, sondern wenn wir sehen müssen, dass der Gerechte zertreten wird und der Gottlose auf seinem Staube steht, dass der Unsinn und das Unrecht siegt, die Unschuld stirbt, die Wahrheit gelästert wird und der heilige Leib Christi aufs Neue aus vielen Wunden blutet, so schärft die eigene Erfahrung, was die Verheißungen des göttlichen Worts schon lange uns bestätigen, das Verlangen nämlich nach einem Tag offenbarer Vergeltung, der ans helle Licht bringen wird, was der Mensch wert, und dass alles, was der Herr tut, recht ist. 
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-Wohlan, Geliebte in dem Herrn, wonach wir uns sehnen um unserer Unvollkommenheit und der Welt Sünde willen, wonach mit uns sich gesehnt haben die ältesten Christen und die frömmsten Christen zu jeder Zeit, es ist uns verbürgt und zugesagt in Christi Wiederkunft zum Ende und Gericht der Welt. Dieses Wort annehmen im Glauben, das heißt warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt nach Seiner Verheißung, (2 Petr. 3, 13.), es heißt hoffen auf einen Siegestag des Rechts und der Wahrheit, auf einen letzten Triumph der Unschuld und der Güte, auf einen Abschluss der Vergänglichkeit und den Anbruch ewigen Lebens, es heißt mit aufgehobenen Häuptern ausschauen nach einer Erscheinung Christi, in der Seine Herrngestalt so klar und unverkennbar erscheint, dass die Spötter verstummen und die Zweifler erblassen müssen; es heißt harren und warten auf eine Vollendung des göttlichen Weltplans, in der diese sichtbare Welt vergeht und die jetzt unsichtbare Welt des Glaubens sichtbar wird, in der unsere Erlösung von allem Übel vollendet wird, weil auch der letzte Feind, der Tod nicht mehr ist, Gott aber abwischen wird alle Tränen von unsern Augen, in der Gottes Reich in Seiner vollen Herrlichkeit ewiglich nah und ewiglich da und eine Hütte Gottes bei den Menschen sein wird, darin Er bei ihnen wohnt und sie Sein Volk sind und Er selbst Gott mit ihnen ihr Gott (Off. 21, 3,4.). 
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-Und diese Aussicht ist's sie nicht wert, dass wir darauf hoffen? sind wir Toren und Schwarmgeister, dass wir sie preisen als den Trost der Sterblichkeit und an sie glauben als an das Morgenroth ewig göttlichen Lebens? oder ist uns nicht das Höchste genommen, und unserm Denken und Glauben die Spitze abgebrochen, wenn uns diese Hoffnung zu Schanden geht! 
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-=====II.=====  
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-Aber, Geliebte in dem Herrn, versteht es sich denn so von selbst, dass wir Freudigkeit haben dürfen auf den zukünftigen Tag der Offenbarung Jesu Christi? ist die freudige Hoffnung darauf uns so natürlich als es uns und der Welt natürlich ist, dass wir sterben, und Himmel und Erde vergehen müssen. Der Tag Jesu Christi ist ja ein Tag des Sieges, nun so wird es auch Besiegte geben; er ist ein Tag der Rache, nun so gibt es auch Niedergeworfene und Zertretene; er ist ein Tag der Vergeltung, nun, so gibt es auch Verurteilte und Verdammte. Wer wird nun den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? wer wird bestehen, wann wird Er erscheinen? Nicht Alle sind ja würdig zu entfliehen dem Schrecklichen und mit Freuden zu stehen vor des Menschen Sohn, (Luc. 21, 36.); sondern Vielen wird bange sein und werden zagen und werden verschmachten, wie Er selber sagt (v. 25, 26.) vor Furcht und vor Warten schon der Dinge, die kommen sollen auf Erden. Wer sind denn die, die, wenn die Vorboten anfangen zu kommen, mit Freuden aufsehen und mit Hoffnung die Häupter aufheben? (v. 28.) 
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-Das sind die, die den Herrn lieb haben und Seine Zukunft schon jetzt, das sind die, die den Anfang Seiner Erlösung schon jetzt im Herzen verspüren und an das Gekommensein Seines Reichs der Gnade in fröhlicher Adventszuversicht glauben: die Jünger sind es, zu denen Er dies sagt. Seine Jünger sind's, die von der Ungerechtigkeit der Welt abgetreten und von Ihm angenommen sind, Seine Jünger sind's, die nicht mehr laufen mit dem großen Haufen, noch auf eigenen Wegen gehen, sondern vom Wort der Gnade gelockt und vom Kreuze Christi angezogen, angefangen haben, die, Welt zu verlassen, sich selbst zu verleugnen und Christo zu folgen. Und das eben macht ihre Jüngerseligkeit aus, dass sie eine Freudigkeit haben auf den Tag des Gerichts, dass sie wohl schaffen selig zu werden mit Furcht und Zittern (Phil. 2, 12.), aber die Furcht nicht mehr kennen, die Pein hat (1 Joh. 4, 18.), dieweil sie sprechen, wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns (Röm. 8, 33. 34.) Und das ist auch eine Probe unsers Jüngertums, geliebte Freunde, ob es ein wahrhaftes ist oder ein bloß eingebildetes, das, dass wir uns nicht fürchten, wenn gleich die Welt unterginge (Ps. 46, 3.), dass wir uns nicht fürchten weder vor dem stachellosgewordenen Tod, noch vor der besiegten Hölle, noch vor dem angesagten Tag des Gerichts, sondern mit Freudigkeit die Häupter aufheben, was auch kommt und kommen mag, dieweil wir in uns haben einen Tröster, und über uns einen Fürsprecher, ja in dem Richter aller Welt den Freund unserer Seelen, den Erlöser unseres Lebens. Ob diese Probe wahrhaftigen Jüngertums eintrifft, sehe Jeder zu bei sich selbst. Wo sie eintrifft, da darfst du auch nicht zweifeln weder an der Wahrhaftigkeit deiner Berufung und Erwählung, noch an der Richtigkeit deines bisherigen Wegs. Wo sie aber nicht eintrifft, da heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten (Eph. 5, 14.). Denn damit du wachen kannst, wie Er will (Luc. 21, 36.), musst du doch zuerst aufgewacht sein, und damit du wandeln kannst aus dem Weg des Lebens, musst du doch zuerst aufgestanden sein vom Tod und dich umgekehrt haben vom Pfade des Verderbens. Also nach dem Anfang des Heils und den ersten Schritten des neuen Lebens, darnach heißt uns das Evangelium von Christi zweitem Advent zuerst schauen, ob es damit bei uns sich verhalte, wie es sich verhalten soll. 
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-Sodann aber, was sagt der Herr weiter? die Er als Seine furchtlosen, freudig hoffenden Jünger anredet, weil sie Ihn zum Herrn haben und Seiner Gnade leben, denen gibt Er doch zu bedenken, dass auch sie der alten Furcht wieder verfallen und eine Beute der großen Gefahr werden können, wenn sie nämlich nicht als Seine Junger sich bewähren, sondern wieder zurückfallen ins alte Wesen der Sünde und der sündigen Welt. Darum ist Sein Gebot: hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und Sorgen der Nahrung, und komme jener Tag schnell über euch, wie ein Fallstrick über den leichtsinnig flatternden Vogel, seid wacker allezeit und betet! (v. 34 - 36.) Ihr hört es, geliebte Freunde, die geistliche Vorsicht und die geistliche Zucht, die das junge Leben des Glaubens bewahren und bewähren, und das gute Werk des Heils in uns schützen und fördern, die sind Jesu Gebot, aber ihr erkennt auch die Weisheit und Notwendigkeit dieses Gebots. So Mancher hat schon in dem Eifer des ersten Glaubens und mit dem Feuer der ersten Liebe Christum und Sein Heil ergriffen, und wie war er dazumal so selig, so frei von aller Furcht, so voll Freudigkeit auch auf den Tag des Gerichts! Da er aber sein eigen Herz nicht bewachte, noch die Zeichen der Zeit und die Versuchungen der Welt beachtete und nicht wider sie kämpfte mit Gebet und nüchterner Enthaltung, siehe, so war er sobald wieder gefangen ins alte unordentliche Wesen, und sein Herz beschwert mit Gedanken des Leichtsinns, mit Sorgen der Nahrung und Werken des Fleisches. Aber wie kann doch derselbe des Tages, der wie ein Fallstrick aller Welt droht, anders gedenken als mit Furcht und Zittern? 
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-Diese Furcht sollen wir nicht mehr kennen. Wir sollen sie austreiben und vor ihrer Rückkehr uns bewahren durch jene bessere Furcht, die da spricht: wie sollte ich so groß Übel tun und wider den Herrn meinen Gott sündigen! Und wahrlich, meine Geliebten, wir treiben sie auch aus mit dieser freien und seligmachenden Furcht Gottes, die das ungebärdige Fleisch meistert und die versucherische Welt scharf bewacht, die wacker macht allezeit und zum Gebet treibt ohne Unterlass. Darum sei diese Furcht Gottes auch unserer Weisheit Anfang, und auch unseres Jüngertums Schutzwehr und Bewährung: so mögen auch wir wohl würdig werden, zu entfliehen den Wehen des letzten Tags, mit Freudigkeit aber als selig Gerettete zu stehen vor des Menschen Sohn. Amen. 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-======Steinhäuser, Hermann - Wodurch wird es uns möglich, die Gebote Gottes zu erfüllen?====== 
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-Am zweiten Advent 1852. 
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-Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Amen. 
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-Ein schöneres Bekenntnis, als dies, den Willen Gottes gern zu tun, und sein Gebot in unserm Herzen zu haben, könnten wir von uns nicht ablegen. Aber vermögen wir es auch? Ist es wahr, dass wir den Willen Gottes gern tun? überall und zu jeder Zeit? da auch, wo er von uns verlangt, dass wir uns selbst verleugnen sollen? da auch, wo unsere Pflicht in Widerstreit kommt mit unserm Vorteil? Ist es wahr, dass du das Gebot Gottes in deinem Herzen hast? Was hast du in deinem Herzen? den Himmel, oder die Erde? das Unsichtbare und Ewige, oder das, was flüchtig und vergänglich ist? sehnt es sich nach der Herrlichkeit, die Gott uns verheißen hat, oder ist sein Verlangen auf das gerichtet, was die Welt bietet, auf Glück, Reichtum und Wohlleben? Nicht wahr, du leugnest es nicht, wie schwach dein Wille, wie wandelbar dein Herz, wie sündhaft dein Tun noch ist. Das ist unsere Klage, dass die Sünde noch so mächtig ist, nicht bloß in denen, die der Welt sich hingegeben haben und nach ihrem eigenen Gutdünken leben, sondern auch in uns selbst. Das ist unsere Klage, dass die Sünde so viel Großes und Edles verhindert; so vieles, was einen schönen Anfang nahm und einen herrlichen Fortgang versprach, zu einem traurigen Ende führt; dass sie den Brand der Zwietracht und des Hasses unter den Menschen entzündet, und auch uns so oft nicht zu dem Frieden der Seele gelangen lässt. 
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-Woran aber liegt die Schuld, dass es so ist? Fehlt es uns an der rechten Erkenntnis? wissen wir nicht, was heilig und gut ist, und was der Herr, unser Gott, von uns fordert? Ach, das wissen wir wohl, und auch der weiß es, der in seinen Sünden sich verstockt, und dessen hartes Herz durch den Ruf zur Buße nicht erschüttert wird. Aber die Einsicht in das, was gut ist, befähigt uns noch nicht, es zu tun. Die Einsicht ist uns kein Antrieb zum Handeln; sie steht unter dem Einflusse der Gesinnung. Die klugen Menschen tun des Bösen mehr, als die beschränkten, und die mit scharfem Verstand Begabten haben größere Schandtaten verübt, als die Einfältigen. So fehlt es dem Menschen also an Kraft, den Willen Gottes zu tun, da ihm die Erkenntnis nicht mangelt? So vermag er es also nicht, zu tun, was Gott von ihm verlangt? Du schauest um dich unter den Menschen, und da findest du freilich keinen, der ohne Sünde wäre, als nur den einen, der unser aller Meister ist. Aber viele findest du doch, die du als Vorbilder betrachtest, die Edles, Göttliches auf Erden gewirkt haben und noch wirken. Du vermagst auch deine eigenen Handlungen nicht alle als sündhaft zu verwerfen. Du hast das Gute geliebt, du hast Versuchungen überwunden. So musste doch in dir und in ihnen eine Kraft vorhanden sein, die das gewirkt hat, eine Kraft, durch die wir die Macht der Sünde brechen und tun können, was göttlich ist. Und wenn dir das ein Mal möglich war, warum hätte es dir das andere Mal nicht auch möglich sein sollen? Die Kraft ist ohne Werth, wenn sie nicht angewendet wird. Sie muss erst selbst in Bewegung gesetzt werden. Die Kraft zum Guten hilft dir nichts, wenn du den Willen nicht hast, sie dazu anzuwenden, wozu sie dir gegeben ist. So fehlt es uns also an dem rechten Willen, das Gute zu tun? Wenn Wollen gleichbedeutend ist mit Wünschen, dann wird niemandem der Wille dazu fehlen. Gut und fromm zu sein, vollkommene Herrschaft über sich selbst und seine Begierden zu haben, nichts anderes zu tun, als das, was vortrefflich ist und Segen bringt, wer sollte das nicht wünschen? So ist es des Lehrlings Wunsch, die Meisterschaft in seiner Kunst zu besitzen, die doch nur die Frucht unermüdeter Anstrengung ist. Aber solch ein Wünschen ist noch nicht Wollen. Solch ein Wunsch ist auch in denen vorhanden, die nichts tun, ihn zu verwirklichen. Das ist noch nicht der Wille, der entschlossen ist zur Tat, der die Kraft belebt und stärkt, der den Eifer entzündet zu tun, was wir als Gottes Gebot erkennen. Wenn wir diesen allezeit hätten, so würde es auch mit unserm Tun anders beschaffen sein. Dazu aber, dass wir ihn erhalten, dazu, dass er frei werde von allen hemmenden Einwirkungen, und durch ihn unsere Kraft stark genug, das Werk auszurichten, das uns übertragen ist, dazu bedürfen wir eines höheren Beistandes. Dass dieser Beistand uns nicht fehlen möge, das ist das Gebet, zu dem wir uns vereinigen. 
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-Text: Matthäus 5, 17-19.\\ 
-**“Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch: Wahrlich, bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöst, und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.“** 
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-Unser Herr spricht in unserm Texte von dem Verhältnisse, in welchem sein Werk zu dem mosaischen Gesetze stehe. Er sei nicht gekommen, es aufzulösen, sondern zu erfüllen. Was er unter Erfüllen verstehe, das zeigt er in dem weitern Verlaufe der Rede, welche sich unmittelbar an unsern Text anschließt. Er führt dort einzelne Gebote des Gesetzes an, und sagt, wie er wolle, dass die Seinen dieselben erfüllen sollten. Er fordert da noch mehr, als von den Juden im Gesetz gefordert war. Er fordert nicht bloß die äußere Tat, er fordert auch eine heilige Gesinnung. So ist in einem gewissen Sinne durch Christum das Gebot Gottes schwerer für uns geworden. Aber wenn wir es recht fassen und seiner Leitung folgen, so ist es uns durch ihn leichter geworden. Wodurch aber ist das geschehen? wie wird es uns möglich, die Gebote Gottes, wie sie Christus vor uns hinstellt, zu erfüllen, da das jüdische Gesetz als eine Last betrachtet wird, welche nicht getragen werden könne? Das lasst uns jetzt noch weiter in Andacht erwägen. 
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-Wodurch wird es uns möglich, die Gebote Gottes zu erfüllen? 
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-Als Antwort auf diese Frage bieten sich uns drei Sprüche der heiligen Schrift dar. Der erste ist ein Ausspruch des Apostel Johannes: „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.“ Der zweite ist ein Ausspruch des Apostel Paulus: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus.“ Der dritte ist ein Ausspruch unsers Herrn selbst: „So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede.“ 
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-=====1. ===== 
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-Wenn wir klagen, es sei schwer, überall das zu tun, was Gott will, so ist das ein Bekenntnis, dass die Liebe zu Gott in unserm Herzen nicht lebendig ist. Ohne die Liebe zu Gott sind wir nichts, vermögen wir nichts. Die Kraft, die das Größte vollbringt, die vor dem Beschwerlichsten nicht zurückweicht, die Hingebung, die nach dem Lohne nicht fragt, die sich aufopfert, und der das Opfer kein Opfer, sondern eine Freude ist, das ist die Liebe. Was treibt den Vater, unermüdet bei seiner Arbeit zu bleiben, die Last neuer Beschwerden auf sich zu nehmen, das Seine sparsam zusammenzuhalten, und Entbehrungen zu tragen, ohne dass es ihm Überwindung kostet? Was treibt die Mutter, zu sorgen und zu schaffen, zu pflegen und zu warten, am Krankenlager des Kindes zu wachen und seinen Schlummer zu behüten, von der Welt sich zurückzuziehen und auf des Hauses stillen Kreis sich zu beschränken? Ist es nicht die Liebe, die sie dazu treibt, die Liebe, die nicht an sich denkt, sondern nur an den andern, die nicht seufzt, dass eine so schwere Last ihr zugefallen fei, sondern die alles, was sie tut, gern und mit Freuden vollbringt? Wen die Liebe treibt, der überwindet alles, und kann nicht überwunden werden. Wen die Liebe treibt, der kommt auch zu dem beschwerlichen Werke mit immer freudigem Geiste, und bei dem ermüdenden bleibt er in frischer Kraft, denn die Liebe ermüdet nicht, sie hört nimmer auf. Wen die Liebe treibt, der sucht nicht das Seine, denn er gehört nicht mehr sich selbst. Liebe Gott, so hast du ihm alles gegeben, dich selbst und dein Herz, und wirst nimmer von ihm weichen wollen. Alles andere kann dich nicht wieder von ihm trennen, und ohne sie wird alles andere dich nicht in seiner Gemeinschaft erhalten. Denke an seinen heiligen Willen, höre sein Gebot: „ich bin heilig und ihr sollt heilig sein,“ und du wirst verzagen, es ist dir zu groß und zu viel. Denke an seine Gewalt und an sein allsehendes Auge; du wirst erzittern, aber dein Gehorsam wird nicht freudiger und vollkommener werden. Demütige dich unter seine Hand, wenn seine Führung anders ist, als deine Hoffnung; du wirst dich beugen, und doch ferne von ihm bleiben. 
- 
-„Gib mir, mein Sohn, dein Herz,“ so ruft er dir zu; es ist schon mein, denn ich habe es dir gegeben. Wolltest du ihm nicht geben, was sein ist? Ist nicht alles sein? liebt er uns nicht in allem, was er uns gibt? Wolltest du ihn nicht wieder lieben? Wenn du dich freuest, dass du zum Leben erwacht bist, dass das Licht vom Himmel dir leuchtet, ist es nicht sein Werk? Wenn du hinausblickst in die Wunder seiner Schöpfung, wie er alles so herrlich geschmückt und so weise geordnet hat; und hinauf zu des Himmels Höhe, da zahllose Welten noch größere Wunder seines Wirkens dich ahnen lassen; und um dich her auf die Menschen, die schon in ihrer Gestalt die Spuren des Göttlichen an sich tragen, da ein denkender, liebender, hoffender Geist aus freundlichen Augen dich anschaut: musst du nicht ausrufen, wie groß und wie gütig ist Gott! wie herrlich erweiset er uns seine Liebe! Und wenn dein Werk einen glücklichen Fortgang hat; wenn du den Segen verspürst, der von oben kommt, und der sich nicht erzwingen lässt, das Gedeihen, mit dem er deine Arbeit und dein Haus reichlich segnet: ist es nicht sein Geschenk, das Geschenk seiner freien Gnade? Und wenn deine Kinder fröhlich gedeihen, in Zucht und Ehren heranwachsen, und du nicht zu fürchten hast, du werdest einmal unbeweint aus der Welt scheiden, sondern du werdest zurücklassen, die dein Werk ausnehmen und fortsetzen, wenn für dich die Ruhe des Abends gekommen ist, auf denen dein Segen bleibet, wenn du selbst nicht mehr bei ihnen bist: wirft du das ihm nicht danken, der dir das alles gegeben, der so liebend dich geführt hat, und nun auch aus der Fremde in die Heimat dich rufet, nun auch von aller Erdensorge und Roth dich befreit, damit du ihm dort in Freuden dienest, wo nichts Irdisches dich mehr beschweren und bekümmern wird? 
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-„Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen.“ Zu seinem Kinde hat er dich erhoben, an sein Herz hat er dich gezogen. Du kannst zu ihm aufblicken und beten: Abba, lieber Vater. Du bist bei ihm, er ist bei dir. Was soll dich scheiden von seiner Liebe? Wirst du dann noch seufzen, es sei so schwer, zu tun, was er gebietet? Wird er noch nötig haben, dir etwas zu gebieten? Was soll zur Sünde dich reizen? dein irdischer Sinn? du denkst nicht was irdisch, sondern was himmlisch ist. Die Macht deiner Begierden? Das Höchste, wonach du dich sehnst, ist deines Vaters Liebe. Dein Geld und Gut? Du achtest es gering gegen die Schätze, die dir im Himmel bereitet sind. Deine Sorge und Not? Du bist reich in Gott und leidest keinen Mangel. Es wird dir nicht schwer, so zu denken und zu handeln, sondern leicht wird es dir sein, du findest dein höchstes Glück darin. „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.“ Die Liebe ist es, die aus dir spricht und betet: 
- 
-O Vater, du mein Licht und Leben.\\ 
-Du aller guten Gaben Quell, \\ 
-Dir bin ich einmal übergeben, \\ 
-Dir, dir gehört meine Seel'. \\ 
-Ich will mich nicht mehr selber fuhren, \\ 
-Der Vater soll das Kind regieren. \\ 
-So führe du mich aus und ein;\\ 
-Ich geh' nicht einen Schritt allein. 
- 
-=====2. ===== 
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-Aber das ist vielleicht deine Klage, dass du sprichst, es gelingt mir nicht immer, Gott so zu lieben. Wenn ich immer mit meinem Geiste so bei ihm wäre, wie in den gehobensten Stunden meines Lebens, dann würde es mir auch nicht schwer, sondern eine Freude sein, das zu tun, was er gebietet. Gott ist mir wohl nahe, aber er ist mir doch auch so fern; nirgends sehe ich ihn selbst; überall sind es seine Werke, die zwischen ihn und mich treten, hinter denen er vor mir verborgen ist. Ich will mit meinem Geiste eindringen in sein Wesen; aber es ist mir zu tief und unbegreiflich. Ich will ihn lieben um seiner Wohltaten willen; aber es ist eine unsichtbare Hand, die sie mir reicht. Ich kann so oft die Schwäche meiner irdischen Natur nicht überwinden, die mich zum Sichtbaren niederziehet, dass ich da gern schauen möchte, wo ich glauben soll. Da erkenne von Neuem die Liebe deines himmlischen Vaters, der auch auf diese Schwachheit unserer Natur Rücksicht genommen, der uns den Zugang zu ihm leichter gemacht hat durch die Sendung seines Sohnes. Halte dich zu Christo, so wirst du den Vater finden und des Vaters Willen tun, der auch sein Wille ist, wie er spricht: „ich bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Halte dich zu ihm, so hast du den Vater. Auch zu dir spricht er, wie zu dem Philippus, wenn du mit diesem verlangst: „Herr, zeige uns den Vater,“ da er antwortete und sprach: „wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie sprichst du denn, zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, dass ich im Vater und der Vater in mir ist?“ Und ist es nicht so, wie er saget? O, werde nur recht vertraut mit ihm; kehre nur immer wieder zu ihm zurück, wenn dein irdischer Beruf dich in die Sorgen dieser Welt hineinführt; suche ihn immer wieder auf, wenn du ihn im Gedränge der Welt verloren hast; wandle mit ihm, schaue seine Herrlichkeit an, höre auf sein Wort, höre auf seine Verheißung, und werde derselben immer gewisser, so wird es dir nicht länger ein unverstandenes Wort sein, das er spricht, „wer mich sieht, der sieht den Vater.“ Du wirst wachsen an Kraft und an Mut, und dem Apostel nicht bloß nachsprechen, sondern wie aus seinem eigenen Herzen heraus mitsprechen: „ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus.“ Sein Wort dringt immer tiefer in uns ein, je aufmerksamer wir es hören und findet eine Wohnung in uns. Seine Lehre macht uns frei von dem blendenden Scheine, der uns umgibt und lässt uns immer tiefer hineinschauen in die göttliche Offenbarung. Seine Verheißungen erheben uns immer höher über die Unbeständigkeit dieser Zeit und lassen uns das Ewige mit immer größerer Sehnsucht ergreifen. Die Kraft Gottes, die von ihm ausgeht auf die Menschen, wohnt immer reicher und wirkt immer kräftiger in unseren Herzen, dass wir durch ihn neugeboren werden zu einem neuen Leben, dass wir das Alte und Ungöttliche von uns abtun, und in das Neue, das Göttliche uns immer mehr hineinleben, dass es zu uns mitgesagt ist: „siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ 
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-Was er wirkt in dem Menschen, das schaue zunächst an dem Apostel, der in jenen Worten ein so schönes Bekenntnis von der Kraft und Wirksamkeit Christi in sich abgelegt hat. Bon seinem Geist ergriffen wurde ihm leicht, was ihm vorher unmöglich gewesen war, den alten falschen jüdischen Zorn und Eifer abzuwerfen und demütig die Liebe Gottes zu suchen; von all seinen früheren Hoffnungen und Verbindungen, von aller Aussicht auf schnelles Emporsteigen zu Ehre und Wohlleben sich loszumachen und Christo zu dienen; ihm zu dienen in Gefahr, in Verfolgung, in Not, in Mühen und Beschwerden, und doch nicht zu ermüden. Sein Leben ist die Erläuterung zu dem, was er selbst von sich sagt: „ich habe gelernt, bei welchen ich bin, mir genügen zu lassen, ich kann niedrig sein und kann hoch sein, ich bin in allen Dingen und bei allen Dingen geschickt, beides satt sein und hungern, beides übrig haben und Mangel leiden;“ und zu dem, was er als des Christen Beruf und Kraft schildert, dass sie wären als die Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, aber die doch viele reich machen, als die nichts inne haben, und doch alles haben. Und das vermögen auch wir in dem Herrn und durch ihn. Die Welt lockt dich nicht mehr; Christus ist deine Welt und Gott deine Sehnsucht. Dein bescheidener Beruf, der dir nur wenig Ehre vor den Menschen bringt, deine beschrankte Lage, die dir eben nicht mehr gewährt, als du notdürftig brauchst, macht dir keine Sorge und keinen Kummer; du hast höhere Schätze, die dich glücklich machen. Der Spott der andern kümmert dich nicht; was sie verspotten, ist dein Ehrenkleid, mit dem du vor Gott bestehen willst. Die Lieblosigkeit der andern erzürnt dich nicht; du hast gelernt, denen zu vergeben, die nicht wissen, was sie tun. Und auch der Tod schreckt dich nicht; denn er ist dir ein Eingang zum Vater. Du sprichst, „ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus.“ 
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-Wenn du nun dem Willen Gottes treu gewesen bist, hat dir diese Treue nicht auch eine köstliche Frucht gebracht? Wenn derjenige, der eines von diesen kleinsten Geboten auflöst, der Kleinste im Himmelreich heißen wird, wirst du, wenn du es lehrest und tust, nicht groß heißen im Himmelreich? Und wenn du so heißest, nicht auch glücklich sein? Es ist auch die Erfahrung, dass der Gehorsam gegen Gottes Gebot uns glücklich macht, was uns in der Treue gegen dasselbe befestigt, und unsere Kraft, dasselbe zu vollbringen, noch erhöhet. Das ist es, worauf unser Herr selbst uns verweist, wenn er sagt: „so jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selber rede.“ Unser Heiland, der uns auf die Bahn leitet, die zu Gott führt und für sein heiliges Gebot unser Herz zu gewinnen sucht, will uns nicht blenden durch irdische Verheißungen, dass wir um irdischen Lohnes willen ihm dienen sollten, da doch unser Herz noch irdisch gesinnt bleiben und nach dem Himmlischen kein Verlangen tragen würde. Er will unseren Eifer nicht einschläfern dadurch, dass er einen Glauben forderte ohne Werke, der doch tot ist an ihm selber, und da er das Gesetz aufheben würde, das doch nicht aufgelöst, sondern erfüllt werden soll. Er will auch nicht in jene Aufregung uns versetzen und jene falsche, verderbliche Begeisterung in uns entzünden, da wir um der Lehre willen uns veruneinigten und hassten und verdächtigten, und dahinten ließen die Werke der Liebe und der Gerechtigkeit und des Glaubens. Sondern er verweiset uns auf die einfache Tatsache, dass wir die göttliche Kraft seines Werkes, wenn wir es tun, an uns selbst wahrnehmen durch den Frieden, den es in unser Herz gibt. Er will uns überzeugen, nicht durch künstliche Mittel, sondern durch die einfache Gewalt und Macht der Wahrheit. Und was du an dir selbst erfahren hast, das braucht dir niemand erst künstlich zu beweisen, das vermag dir auch niemand durch listige Rede wieder wankend zu machen und durch Hervorrufen von Zweifeln zu entreißen. Mögen die Versuchungen sich nahen, mögen die Weltkinder ihren eigenen Weg wandeln, möge der Unglaube dich verspotten wegen deiner Beschränktheit, dass du nicht einmal von solchen Vorurteilen dich losmachen könnest: du bleibst fest und getrost bei der einfachen Tatsache stehen, dass die Nachfolge Christi dich selig macht. So oft du bei ihm bliebest und nicht bei der Welt, so warst du glücklich. So oft du dich selbst überwunden und getan hast, was Gott gebietet, so oft bist du auch voll freudiger Zuversicht gewesen; denn „so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott.“ Das ist dir so gewiss, das ist dir eine so unumstößliche Wahrheit, dass dich nichts darin irre machen kann. 
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-Warum solltest du denn nicht bleiben bei dem, was dich glücklich macht, und nicht bloß bleiben, sondern vielmehr wachsen und zunehmen darin? Oder wäre es anders? Du bist einem Betrübten begegnet auf deinem Wege, und du gingst nicht vorüber, sondern du redetest freundlich mit ihm und hast ihn aufgerichtet durch Worte des Trostes und durch Stärkung seines Glaubens. Hat dich das nicht selbst gestärkt und getröstet? Du hast einem, der ohne seine Schuld Mangel leiden musste, helfend die Hand gereicht, in sein verdunkeltes Gemüt ein helles Freudenlicht scheinen lassen. Hat das nicht auch in dir selbst der Freude Licht heller aufleuchten lassen? Du hast einem, der dir Wehe getan hat, nicht Böses mit Bösem vergolten. Als er später deines Fürwortes, deiner Teilnahme bedurfte, dachtest du nicht mehr des Unrechts, das er dir zugefügt, noch der Bosheit, mit welcher er dich gekränkt hat. Mancher freut sich, wenn er seinem Feinde wieder eine Kränkung bereiten kann, du freuest dich, wenn du es vermagst, ihm Gutes zu erzeigen. Welche Freude wird seliger sein? Du hast deine Hände von unrechtem Gute rein erhalten, du hast dich nicht überreden lassen, der Betrug an denen verübt, die mehr haben, als du, sei nicht Betrug, sondern Notwehr gegen die Ungerechtigkeit des Schicksals, das jenen viel, dir aber wenig gegeben habe. Dass du dich nicht zur Untreue verleiten ließest, hat dich das später gereut, oder dankst du nicht vielmehr Gott, dass er dich dem Versucher hat Widerstand leisten lassen? Wirst du später anders handeln? Wirst du nicht vielmehr immer fester in deiner Rechtschaffenheit und lehrest deine Kinder auch also? Du beginnest dein Tagewerk mit dem Gedanken an Gott und beschließest es mit ihm; du dankest ihm für die Speise, die er dir gibt, und für alle Gaben, die dich erfreuen; du trauest auf ihn in bedrängter Zeit und weichest nicht von ihm, wenn du überflüssig hast, was du brauchst. Sprich, bist du nicht selig in deiner Liebe zu Gott und deinem Vertrauen auf ihn? Wolltest du ihn verlassen und der Sünde dienen? 
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-Nein, du überhebest dich nicht, als wärest du schon vollkommen; aber du strebest darnach, dass du es immer mehr werdest. Du meinest nicht, der göttlichen Gnade und Vergebung nicht zu bedürfen; aber deine Sehnsucht und dein Streben ist es, einem Zustande näher zu kommen, wo wir weder des Gesetzes noch der Vergebung mehr bedürfen. Die Liebe Gottes führt dich zur Liebe seiner Gebote; der Glaube an Christum stärkt dich, sie zu vollbringen; die eigene Erfahrung, dass ein göttliches Leben auch ein seliges ist, lässt dich nicht wieder wankend und unschlüssig werden. Und so erfüllt sich an dir, was der Apostel sagt: „Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darinnen beharrt; und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, derselbige wird selig sein in seiner Tat.“ Amen. 
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-{{tag> 2_Advent}} 
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-======Textor, Gustav Adolph - Am 2. Sonntage des Advents.====== 
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-Jesu, komm doch selbst zu mir, \\ 
-Und verbleibe für und für; \\ 
-Komm' doch, werter Seelenfreund, \\ 
-Liebster, den mein Herze meint. \\ 
-Tausendmal begehr' ich Dich, \\ 
-Weil sonst nichts vergnüget mich; \\ 
-Tausendmal schrei' ich zu Dir: \\ 
-Jesu, Jesu, komm zu mir. 
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-Amen! 
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-„Dein König kommt zu Dir!“ das, geliebte Christen, predigt die Adventszeit der ganzen Christenzeit. Sein Kommen ist ein vergangenes, ein gegenwärtiges und ein zukünftiges. Er ist, als die Zeit erfüllt war, ins Fleisch gekommen, arm, ein Gerechter und ein Helfer, wie der Prophet Sacharja geweissagt hat. Da freute sich Zion, da jauchzte Jerusalem! Er ist im Laufe der Zeiten zu vielen Völkern gekommen. Lieblich waren auf den Bergen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigten, Gutes predigten, Heil verkündigten, wie der Prophet Jesaias geweissagt hat. Er kommt noch heute zu den Völkern in der Ferne durch das lebendige Wort des Evangeliums. Denen nichts davon verkündiget ist, die sehen es mit Lust, und die nichts davon gehört haben, die merken es“, wie der Prophet Jesaias geweissagt „hat 52, 15. Er kommt noch heute zu uns, wenn wir seine Stimme hören und ihm die Herzen auftun. So sagt sein Wort: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an, so Jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen, und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.“ Er wird kommen am Ende der Tage, ein König des Himmels, in seiner Herrlichkeit, zu richten den Erdkreis mit seiner Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit. Möchte nun der Herr in dieser Gnadenzeit unsers Herzens Tür geöffnet finden! möchte er jetzt als König zu uns Allen einkehren! Dann würde uns sein letztes Kommen zum Gerichte kein schreckliches, sondern ein seliges sein. 
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-Doch, liebe Christen, der König der Ehren ist schon zu uns gekommen von unsrer Taufe an bis auf den heutigen Tag. Es kommt jetzt nur darauf an, dass wir uns immer aufs Neue, immer fester und treuer zu seinem Dienste verbinden. Daran mahnt uns die immer wiederkehrende Adventszeit. Sie ruft uns zu: „Bereitet auch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht alle Steige richtig, lasst Alles, was er hasst!“ , 
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-In dem Lichte dieser Adventszeit wollen wir nun unsre heutige Epistel betrachten, und erflehen uns zur gottseligen Beherzigung derselben den Segen Gottes in einem stillen und andächtigen Gebete. 
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-Epistel: Römer 15, 4-13.\\ 
-**Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir, durch Geduld und Trost der Schrift, Hoffnung haben. Gott über der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid unter einander, nach Jesu Christo; auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermals spricht er: Freuet euch, ihr Heiden mit seinem Volk. Und abermals: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auserstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet durch die Kraft des Heiligen Geistes.** 
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-Wir suchen uns aus dieser Epistel Antwort auf die Adventsfrage: Was sollen wir tun, damit wir Christum recht empfangen? 
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-Es liegt in der Natur der Sache, dass wir dabei immer ein Zweifaches zu tun haben, nämlich dass wir aus dem Wege räumen, was den Empfang verhindert, und dass wir willig und freudig annehmen, was Christus mit sich - bringt, ja dass wir ihm gläubig entgegengehen. Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen zuerst die Heilige Schrift zu unserm Lehrmeister machen. „Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf dass wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.“ Da findet sich sogleich ein Stein vor des Herzens Tür, der aus dem Wege geräumt werden muss, das ist die eigne Weisheit. „Wehe denen, die bei sich selbst weise sind, und halten sich selbst für klug!“ ruft der Prophet Jesaias (5, 21) aus. Die Weisheit der Welt achtet Christi Kreuz für eine Torheit, aber sie selbst ist eine Torheit bei Gott. Wie die kleinen Kinder das Wort ihrer Eltern gläubig annehmen, so sollen wir uns umkehren und werden, wie die Kinder, so sollen wir das Wort des himmlischen Vaters gläubig annehmen. Es ist uns zur Lehre geschrieben, denn „alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen zu allem guten Werk geschickt.“ Die' Heilige Schrift ist die Grundlage unsers Glaubens, es gilt in Glaubenssachen nichts neben ihr, öder über ihr. Sie lehrt uns Geduld, gibt den rechten Trost und führt zur lebendigen Hoffnung. Die Heilige Schrift führt uns fest und sicher zu Christo hin, ja sie bringt Christum zu uns. In dem Worte der Apostel und Propheten ist Jesus Christus der Eckstein. In und mit seinem Worte durchwandert er den Erdkreis, und wo sein Wort einen fruchtbaren Boden in einem Herzen findet, da baut er eine Hütte, da kehrt er ein, da macht er Wohnung. Wir können also Christum nicht besser empfangen, als wenn wir das Wort, das von ihm kommt und von ihm zeugt, mit gläubigen Herzen annehmen. 
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-Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen einerlei gesinnt werden und einmütig Gott loben. Davon sagt unsre Epistel: Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid untereinander nach Jesu Christo, auf dass ihr einmütig mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unsres Herrn Jesu Christi.“ Da findet sich abermals ein Stein vor des Herzens Tür, welcher Christo den Eingang verhindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muss. Es ist der Eigensinn, der Eigenwille und das Eigenlob. Wer seinen Eigensinn und seinen Eigenwillen im Herzen nicht brechen will, wie kann der mit Christi Gliedern einerlei gesinnt werden nach Jesu Christo? Wer sich selbst lobt, es sei im Herzen oder mit Worten, wie kann der Gott allein die Ehre geben, und Gott loben um alle die unverdiente Barmherzigkeit, die ihm wiederfahren ist? Wie man einen Baum, den man ausrotten will, damit er das Land nicht hindere, bei den Wurzeln angreift und eine nach der andern ausgräbt und abhaut, so kommt die aufrichtige Buße, wenn sie den Baum des Verderbens aus unserm Herzen ausrotten will, auch an diese Sündenwurzel, und rastet nicht, bis sie dieselbe vertilgt hat. Wir sollen einerlei gesinnt werden. Eine schwere Aufgabe. Nach der Welt Art und nach dem verkehrten Sinn unsers Herzens heißt es: „Ein Jeglicher sieht auf seinen Weg; sie suchen Alle das Ihre; so viel Köpfe, so viel Sinne.“ Wie sollen wir da einerlei gesinnt werden? Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott doch möglich. Der Geist des Herrn wusste es wohl, dass es uns unmöglich ist, mit unserer Kraft den Eigensinn des Herzens zu brechen und mit unsrer Weisheit den Grund zu finden auf welchem die Herzen in Eins zusammenfließen, dass Aller Ein Herz und Eine Seele sei, darum sagt er in unsrer Epistel zuerst: „Gott gebe euch, dass ihr einerlei gesinnt seid;“ und er fügt hinzu: „ nach Jesu Christo.“ Also Gott will es geben, so dürfen wir es nur nehmen. Gott offenbart uns den Grund, auf welchem wir zu Einem Tempel Gottes im Geiste aus vielen lebendigen Steinen erbaut werden können; er gibt uns das Haupt, unter welchem wir Viele Ein Leib werden können. Es ist Jesus Christus, das Lamm Gottes, welches unser Aller Sünden getragen hat. Je mehr wir zu ihm dringen, ihm nachringen, desto mehr werden wir einerlei gesinnt werden, desto mehr werden wir einmütig mit Einem Munde Gott loben. Und siehe, Christus dringt auch zu uns, er dringt durch die harte Rinde des verschlossenen Herzens, er bricht den Eigensinn mit seiner Gotteskraft, er macht das eigne Lob verstummen, er nimmt uns gefangen unter den Gehorsam des Glaubens und der Liebe, er löst das Band der Zunge, dass wir ihn und den Vater recht loben können. 
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-Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen uns untereinander aufnehmen, gleichwie Christus uns aufgenommen hat. Das sagt unsre Epistel in den Worten: „Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe.“ Lasst uns das wohl merken. In den Mitmenschen und besonders in den Brüdern will Christus aufgenommen sein. Er sagt: „Was ihr getan habt dieser Geringsten Einem unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Wir sollen nun an den Brüdern tun, wie er an uns getan hat, wir sollen uns untereinander aufnehmen, gleichwie er uns aufgenommen hat zu Gottes Lobe. Das gilt nicht allein von der äußeren Tat, als ob es schon erfüllt wäre, wenn wir nur fleißig den Armen Almosen geben, sondern es gilt von der Stellung des Herzens und von der Tat zugleich. Denn wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze. Da findet sich abermals ein Stein vor des Herzens Tür, welcher Christo den Eingang hindert und welcher aus dem Wege geräumt werden muss, das ist die Eigenliebe. „Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Das Wörtlein: „Der verleugne sich selbst,“ lehrt es uns, dass wir Christo nicht anders nachfolgen, also ihn auch nicht recht empfangen können, als wenn wir die Eigenliebe aus dem Herzen vertilgen. Dieses Wohlgefallen an uns selbst, welches unser Herz von Natur ganz besessen hält, dieses Trachten nach Allem, was uns behagt, dieses Überschätzen unsers eignen Wertes macht uns so hart und so kalt, so ungerecht und ungeduldig gegen den Nächsten. Wir müssen uns verleugnen, uns vergessen, dann erst können wir uns untereinander aufnehmen, wie Christus uns aufgenommen hat. Fraget euch nur: Wie hat uns Christus aufgenommen? - Wie hat er uns gefunden? Waren wir nicht voll Sündenelend, von der Fußsohle bis aufs Haupt nichts Gesundes an uns? Waren wir nicht voll verkehrten Sinnes und Bosheit, tot in den Sünden und seine Feinde? Da ist nun Jesus gekommen, und so arm, so verachtet geworden um unsertwillen. Da hat er uns mit großer Liebe gesucht, alle unsre Schmerzen, alle unsre Krankheit, ja unsern Fluch auf sich geladen, und ist in den bitteren Tod am Kreuze gegangen. Da ist er uns nachgegangen, als ein treuer, guter Hirte und hat uns gesucht, bis dass er uns fand. Da hat er uns auf seine Achseln genommen und getragen mit Freuden, d. h. durch seine Kraft und Gnade sind wir aus dem Sündenelend gezogen, aus der Irre zurecht gebracht. Durch seine Liebe hat er den Hass und die Feindschaft unsers Herzens überwunden; durch seine Geduld und Langmut hat er unser Verderben aufgehalten, dass wir nicht in unsern Sünden abgehauen und ins Feuer geworfen sind. Und wenn wir bedenken, wie er uns noch heute findet und aufnimmt, so müssen wir gestehen, noch Heute ist unser Herz mit so viel Verkehrtheit und eitlem Sinn beladen; noch heute hangen wir an der Welt und vergessen das Ewige, noch heute sind wir so oft voll Kleinglaubens und Unglaubens, noch heute sind wir lüstern nach irdischem Reichtum, nach eitler Ehre, noch heute verleugnen und verlassen wir die Liebe so oft, dass wir ausrufen müssen: „Wenn Du, Herr, willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?“ Aber Christus ist noch langmütig und freundlich gegen uns, vergibt uns unsre Sünde und heilet alle unsre Gebrechen, erlöst unser Leben vom Verderben, krönt uns mit Gnade und Barmherzigkeit, dass wir singen und sagen müssen: „Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzu sehr, ja endlich nimmst Du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer.“ - Und wir sollen uns untereinander aufnehmen, gleichwie Christus uns hat aufgenommen zu Gottes Lobe, mit Geduld, mit Langmut, mit Liebe. „Seid untereinander mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich, und vergebet euch untereinander, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. So ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid, und siehe auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“ Nicht aber die Brüder in Christo allein, sondern auch die Feinde sollen wir mit Geduld in der Liebe tragen. „Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen!“ - Seht da, indem wir die Mitmenschen und besonders die Brüder so aufnehmen, so nehmen wir Christum in den Brüdern auf, und empfangen ihn, wie er es begehrt. 
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-Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen unser Vertrauen ganz auf Gottes Verheißung und Barmherzigkeit setzen. Hierauf weist unsre Epistel uns hin, indem sie sagt: „Ich sage aber, dass Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen.“ Also der Beschneidung d. h. dem jüdischen Volke ist Christus ein Diener geworden, nicht um ihrer Werke und Gerechtigkeit willen, als ob sie es verdient hätten, sondern darum, weil Gott es ihren Vätern verheißen hatte, und seine Verheißung erfüllen wollte, und die Heiden sind der Gnade teilhaftig geworden, nicht als ob sie es verdient hätten, oder würdig gewesen wären, sondern um der Barmherzigkeit Gottes willen, wie geschrieben steht: „Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit macht Gott uns selig.“ So sollen auch wir unser Vertrauen ganz auf die Gnade setzen, und hoffen allein darauf, dass Gott uns erretten werde, weil er es verheißen hat, dass die auf ihn hoffen nicht sollen zu Schanden werden, und weil seine Barmherzigkeit so unermesslich ist. So werden wir Christum recht empfangen. Da findet sich aber ein Stein vor des Herzens Tür, welcher Christo den Eingang hindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muss, das ist das Vertrauen auf das eigene Verdienst und die eigne Gerechtigkeit. Du dünkst dich gerecht, du siehst auf deine guten Werke, und ach, vor lauter Wohlgefallen an dir selbst wirst du dein Elend nicht gewahr. Du rechnest darauf, dass es dir wohl gelingen werde, weil du so gut, so ehrlich und treu zu sein glaubst, und ach, vor lauter Vertrauen auf dich selbst, siehst du den treuen und einzigen Erretter, den Fels des Heiles nicht. Siehe, wenn du Alles getan hättest, was du zu tun schuldig bist, - und du hast es lange nicht getan, sondern wohl das Gegenteil, - so sprich: Ich bin ein unnützer Knecht; und setze dein Vertrauen allein auf Gottes Verheißung und Barmherzigkeit in Christo Jesu, dann wirst du Christum recht empfangen. 
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-Was sollen wir tun, dass wir Christum recht empfangen? Wir müssen seinen Namen auch unter den Heiden loben, auf dass die Heiden sich mit uns freuen, mit uns ihn preisen, mit uns auf ihn hoffen. Davon sagt unsre Epistel: „Es steht geschrieben: Darum will ich Dich loben unter den Heiden, und Deinen Namen singen. Und abermals: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk! Und abermals: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird fein die Wurzel Jesse, (d. h. der Sprössling aus dem Stamme Isai) und der auferstehen wird zu herrschen, auf den werden die Heiden hoffen.“ - Seht, da soll nun unser Herz sich ausbreiten zu den Völkern der Erde, die noch ferne sind vom Reiche Gottes, und soll im Drang der Liebe beten und arbeiten, dass sie mit uns den Herzog der Seligkeit erkennen und als ihren König empfangen: Christus will nach seiner Verheißung zu allen Heiden, zu allen Völkern der Erde kommen. Sie sollen ihn loben, sie sollen sich seiner freuen mit seinem Volke. Wenn wir aber mitwirken, dass sein Reich den Erdkreis erfülle, so empfangen wir selbst ihn auch aufs Neue und immer völliger. Es ist gut und recht, wenn wir ihn zu unserm Teile als den rechten König der Ehren erkennen und anbeten, aber es ist noch besser und herrlicher, wenn wir mitwirken, dass auch die, so noch draußen sind, insbesondere die armen Heiden, genötigt werden, hereinzukommen, auf dass unsers Königs Haus voll werde, und seine Ehre die Welt erfülle. Auch hierbei findet sich ein Stein vor unsers Herzens Tür, welcher Christo diesen Ehreneinzug hindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muss, das ist die Freude an der Welt und ihren zeitlichen Gütern, die wir noch haben. Diese macht uns das Herz so eng und klein, dass wir es nicht ausbreiten können zu den Heiden in der Ferne, dass wir ihre Not nicht empfinden, und die Seligkeit nicht schmecken können, die daraus hervorgeht, dass den amen Seelen vom Tode geholfen werde, dass sie bekehrt werden von der Gewalt des Satans zu Gott. Wohlan, lasst uns die Axt auch an diese Sündenwurzel legen, und lernen, das Christus allein unsre Freude sei, und nicht die vergänglichen Dinge der Erde. Dann werden wir auch Freude und Wonne haben mit den Engeln Gottes über jeglichen Sünder der Buße tut; werden mitarbeiten an dem großen Werk des Herrn, durch welches alle Völker zu Christo gesammelt werden sollen, und werden auch in diesem Stücke Christum recht empfangen. 
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-Gott aber der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir völlige Hoffnung haben durch die Kraft des Heiligen Geistes! Amen! 
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-Du hast besucht und erlöst Dein Volk, Du Aufgang aus der Höhe, Du hast Deine Barmherzigkeit predigen lassen, die da ist in Vergebung der Sünden; Du lassest Dir auch unsre Armut gefallen, o Jesu, und bereitest Dir eine Wohnung unter uns. Dafür danken wir Dir von Grund der Seele, dass Du nicht ansiehst unsre Sünde, und unsre Übertretung hinter Dich zurückwirfst. Du weißt alle Dinge, Du weißt, ob wir Dich liebhaben, ob unsre herzen dir entgegengestreckt sind: o Herr, richte dir selbst eine Bahn an unter uns; lass Deinen Geist unsere Herzen öffnen, bereiten, schmücken, Dich als König der Ehren zu empfangen! Gieße Deine Liebe aus in uns, dass wir fest vereinigt mit Dir und unter einander in Einem Geiste und Glauben als eine Mauer und Wehr dastehen gegen alle Anläufe des Bösewichts. Amen! - 
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-{{tag>2_Advent}} 
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-=====Thomasius, Gottfried - 2. Advent - Das Kommen des Herrn.===== 
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-Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, dass euer Geist ganz, samt Seel und Leib, unsträflich erfunden werde auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Amen. 
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-Wenn man die Texte ansieht, die zur kirchlichen Betrachtung auf die vier Adventssonntage verordnet sind, so handeln sie alle von dem Kommen des Herrn, und zwar die meisten nicht von seinem Kommen ins Fleisch, sondern von seinem Kommen in der Herrlichkeit am Ende der Tage. Dass die Kirche Beides, was doch so weit auseinander fällt, so eng miteinander verbunden wissen will, darin handelt sie ganz im Sinn der Schrift, welche auch Beides stets zusammen stellt, und kaum dass sie die heilsame Erscheinung der Gnade Gottes in Christo gepriesen hat, alsogleich auf die selige Hoffnung und Erscheinung seiner Herrlichkeit verweist, wie in der Weihnachtsepistel und an vielen anderen Orten. Aber nicht nur das; die Heilige Schrift - und das ist eine viel zu wenig erkannte und beachtete Eigentümlichkeit derselben - die Heilige Schrift lässt den Gedanken an die Zukunft des Herrn wie ein Licht in alle Verhältnisse des Lebens hineinfallen; sie traut ihm einen mächtigen Einfluss auf den ganzen Wandel der Christen zu, und ist da fast keine Ermahnung zum Guten, die sie nicht mit diesem Gedanken entweder begründete oder schärfte. Lasst es euch daher nicht verdrießen, wenn ich heute wieder mit demselben Text zu euch komme, über den ich erst letzthin geredet habe: 
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-Off. Joh. 22,12.\\ 
-**“Und siehe ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben. einem Jeglichen, wie seine Werke sein werden.“** 
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-Mit diesem Text, meine Geliebten, will ich euch noch einmal an den Inhalt meiner vorigen Predigt erinnert haben, insbesondere an die große Hoffnung, die darin für seine Gemeinde liegt. Auslegen will ich ihn heute nicht abermals, aber das Licht möchte ich euch zeigen, das von dieser Hoffnung aus auf unser irdisches Leben fällt, und auch das nur in Beziehung auf etliche Dinge, die man gewöhnlich nicht zu achten, oder zu würdigen weiß, nämlich: in Beziehung auf die Zeit, auf den Leib, und auf das irdische Gut. Und so sage ich denn: 
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-Die Hoffnung auf die Zukunft des Herrn lehrt uns die Bedeutung der Zeit, in der wir stehen, des Leibes, in dem wir leben, und der Güter, die wir besitzen. 
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-=====I. Der Zeit, in der wir stehen. ===== 
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-„Siehe ich komme bald“, spricht der Herr, und ihr wisst, meine Geliebten, dass dieses Bald durch das ganze neue Testament hindurch geht. So heißt es in dem Brief Jakobi: „So seid nun geduldig, lieben Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn. Siehe ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis er empfange den Morgenregen und Abendregen. Also seid auch ihr geduldig, und stärkt eure Herzen; denn die Zukunft des Herrn ist nahe“; und in dem Brief an die Hebräer: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches große Belohnung hat; denn noch über eine kleine Weile wird kommen, der da kommen soll und nicht verziehen.“ Im Hinblick darauf schreibt nun Johannes: „Kindlein, es ist die letzte Stunde“, und Paulus an die Korinther: „dass das Ende der Welt auf sie gekommen sei“; der Herr aber, der im Himmel thront, und den Lauf der irdischen Dinge und Zeiten lenkt, wiederholt es mit feierlichem Ernst: „Siehe ich komme bald.“ Auf dieses Bald hat nun die Christenheit achtzehnhundert Jahre gewartet und es ist noch nicht erschienen. Kann man sich da verwundern, dass schon frühe Etliche mit der Frage auftraten: „Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? denn, nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es Alles, wie es vom Anfang der Kreatur gewesen ist“, und dass noch heut zu Tage Viele wähnen, es habe sich der Herr samt seinen Aposteln in der Zeit geirrt. Geirrt? Wie, meine Freunde, hat denn nicht derselbe Paulus, der die Thessalonicher ermahnt, allezeit bereit zu stehen, weil der Tag des Herrn kommen werde, wie ein Dieb in der Nacht, hat nicht derselbe sie ausdrücklich vor der Meinung gewarnt, als ob dieser Tag bereits vorhanden sei? hat er sie nicht gelehrt, dass erst noch ganz andere Ereignisse vorangehen müssten, von welchen er wohl wusste, dass sie erst nach seinem Tod eintreten werden? „Aber der Zukunft halber unseres Herrn Jesu Christi, bitten wir euch, lasst euch von Niemand verführen in keinerlei Weise, denn er kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme, und geoffenbart werde der Mensch der Sünde.“ (2 Thessal. 2,1-3.) Und unser Herr Christus selber, hat er nicht in seinen Gleichnisreden die ganze Geschichte seines Reiches in ihren Grundzügen zuvor beschrieben, ja hat er nicht in der Offenbarung eine lange, lange Reihe von Bewegungen und Gerichten aufgezählt, die seiner schließlichen Zukunft vorangehen müssen, und erst nach dem Allen hinzugesetzt: Siehe ich komme bald? Nicht geirrt haben sich also seine Jünger in der Zeit; aber sie haben die Zeit nach einem anderen Maßstab gemessen; von einem anderen, von einem höheren Standpunkt aus, als wir, haben sie den Gang und Zusammenhang der irdischen Dinge betrachtet. Ihnen stand es klar vor Augen, dass die Zeit von der Erscheinung ihres Herrn im Fleisch bis zu seiner Zukunft in der Herrlichkeit nur Eine sei, Ein Zeitraum, in welchem Alles jenem großen, letzten Ziel entgegen eilt, Alles, was noch mittlerweile eintritt, nur den Zweck hat, es vorzubereiten, herbeizuführen, immer näher zu bringen. Wie vom Abend bis zum Morgen nur Ein Tag ist, ja wie nur etliche Stunden sind von dem frühesten Grauen des Tages, von der Morgendämmerung an, bis zum vollen Aufgang der Sonne, so fiel ihren Blicken die ganze Zwischenzeit des Reiches Gottes in den engen Raum Eines Tages zusammen; denn nicht nach dem Lauf der irdischen Sonne, nach der Sonne des Heils und der Gerechtigkeit haben sie Tag und Stunde gerechnet. Ist die Sonne einmal im Anzug - und sie ist es bereits seit Jahrhunderten - so wird sie sich sicher nicht mehr aufhalten lassen durch die Schatten der Nacht und durch die Nebel, die auf den Bergen liegen, sie wird den Tag bald herein führen auf Erden. Aus dieser Anschauungsweise heraus ist das Bald unseres Textes geredet, zudem von einem, der längst über alle irdischen Schranken erhoben war - und mich dünkt, es wirft dieses Bald einen hellen Schein auf die Bedeutung der Zeit, in welcher wir stehen. Denn wenn das Kommen des Herrn und mit ihm das Ende im unaufhaltsamen Anzuge ist, was kann dann diese Zwischenzeit anders sein, als die Frist, in der wir unser Heil mit allem Ernst schaffen sollen, wozu anders kann sie uns von Gott gegeben sein, als dazu, dass wir den, der einst als Richter kommen wird, allbereits als unseren Heiland suchen, finden, lieben lernen, und nicht nur finden, sondern auch in ihm erfunden werden, oder, dass wir, um es deutlicher zu sagen, in ihm ein wahres Leben, ein unvergängliches, geheiligtes Leben gewinnen. Denn das alleine wird bestehen am Tage seiner Zukunft. Was ihr außerdem in diesem eilenden Leben sucht und erwerbt, hat keinen Wert, alle Arbeit und Sorge, auf vergängliche Dinge verwendet, ist verlorene Mühe, wenn sie nicht in irgendeinem lebendigen Zusammenhang mit Christo steht, wenns nicht seinem Reich gilt, nicht zur Gemeinschaft mit ihm führt; wie edel oder lieblich das Alles auch scheine, es ist Spreu, die der Wind verweht, Stoppeln für das Feuer des Gerichts. Nur was auf Ihn gebaut ist, das bleibt, nur wer in Ihm mit seinem Glauben und mit seinem Leben gewurzelt ist, kann die Zukunft seiner Herrlichkeit erleiden. So tief daher im Hinblick auf sie der Wert aller irdischen und zeitlichen Dinge sinkt, so hoch steigt dagegen an Wert die Zeit, welche die Hand des Vaters dem Schluss entgegen führt, und in welcher er uns mittlerweile zum Sohn ziehen will. Benützt sie also wohl, meine Freunde; es fehlt an Mitteln und an Wegen nicht. Denn da ist die ewige Liebe, die noch heute Jeden annimmt, der sich im Glauben zu ihr kehrt; da ist das Wort des Lebens, das von dieser Liebe zeugt, und mit dem Wort die Kraft des Heiligen Geistes, welcher Christum in den Herzen verklärt; da gehen seine Boten umher, und predigen: „dass Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen hat, nun aber gebietet er allen Menschen an allen Enden Buße zu tun, darum, dass er einen Tag gesetzt hat, an welchem er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er es beschlossen hat, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt“; ja die Zeit selbst, in der wir gegenwärtig stehen, mit ihren großen Gerichten und ernsthaften Zeichen, ist sie nicht eine laute Mahnung, das Ende zu bedenken? Aber säumt damit nicht; denn sie ist uns nur kurz zugemessen. Wir wissen nicht, wie bald der Herr erscheint, und wehe denen, die dann nicht bereitet stehen. Das Menschenleben eilt schnell zu Ende; es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann. Vertröste sich Keiner auf jenen Zeitraum, der nach dem Tod in das andere Leben fällt; die Schrift weiß nichts von einer Bekehrung nach dem Tod. Hier ist die Laufbahn, in der man nach dem Ziel ringt, hier das Feld, auf das der edle Same ausgesät werden muss für den Tag der Ernte. Ist der Schnitter mit der Sichel da, dann ist es zu spät. Was würde dann so mancher geben, für Eine von den vielen Stunden, die er jetzt so gewissenlos vergeudet. Eine Stunde noch zur Buße und zum Glauben; mit seinem halben Leben würde er sie erkaufen, wenn es möglich wäre. Allein umsonst; ist das Bald zum Jetzt geworden, dann gibt es keinen Raum zur Bekehrung mehr. Das bedenkt meine lieben Freunde! Nehmt zur Warnung das Exempel der törichten Jungfrauen, die die Zeit verschliefen, der Knechte, die ihres Herrn Gut verprassten oder vergeudeten, und lernt, seiner nahen Zukunft gegenüber, erkennen, die Bedeutung der Zeit, in der wir stehen, und, sehe ich hinzu: 
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-======II. des Leibes, in dem wir leben. ===== 
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-„Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, spricht der Herr.“ Dieser Lohn ist der Vollgenuss der Seligkeit, die Verklärung in das Bild seiner Herrlichkeit; und den wird er den Seinigen geben, nicht bloß an der Seele, sondern auch an dem Leib, wie unsere vorige Predigt gezeigt hat. Ich weiß nun wohl, dass man das nicht groß zu achten pflegt; wir sind, dass ich so sage, zu geistig geworden in unseren Hoffnungen für die Zukunft, wir bringen den Leib dabei zu wenig in Rechnung, weil er die Seele beschwert, weil er uns Mühe und Schmerzen macht, weil er die Quelle so vieler Leiden ist. Und das ist auch wahr, meine Freunde; es ist für den Menschen, nach seinem dermaligen Zustand, unendlich besser, außer dem Leib zu wallen und daheim zu sein bei dem Herrn. Aber doch nur deshalb, weil unser Leib um der Sünde willen dem Tod unterworfen ist, weil er den Fluch mit tragen muss, der auf dem ganzen Menschen liegt. An und für sich gehören Leib und Seele zusammen, wie sie auch beide von Gott füreinander geschaffen sind und wie lieblich auch das Los der Seele gefallen sei, die im Frieden Gottes ruht, es fehlt ihr doch noch etwas zum vollen Leben, sie ist noch nicht völlig vollendet, so lange sie den Gefährten ihrer irdischen Wallfahrt, gleichsam die andere Hälfte ihres Daseins, entbehrt. Hat doch auch der Apostel sich gesehnt, nicht entkleidet, sondern überkleidet zu werden. Eben diesen Mangel will nun der Herr bei seiner zweiten Zukunft erstatten; er will den Leib, den er ja auch mit seinem teuren Blut erkauft hat, aus dem Tod wieder herstellen zum unvergänglichen Leben, und ihn mit dem geheiligten Geist wieder verbinden, damit Beide, Leib und Seele, sich freuen in dem lebendigen Gott. Welch ein helles Licht fällt von dieser Gewissheit aus auf die Bedeutung unserer sterblichen Hütte! Dieses gebrechliche Haus unserer Wallfahrt, das nach wenig Jahren in Staub und Asche zerfällt, soll einst zum Tempel des Geistes werden, dieser Todesleib, so voll Mühsal und Schmerzen, soll zum Brautschmuck für die erlöste Seele werden am Tag der Hochzeit, zum Ehrenkleid, in dem sie das Abendmahl des Lammes feiert, befreit von der Eitelkeit, der er jetzt unterworfen ist, unsterblich, unverweslich, verwandelt in das Bild des verklärten Leibes unseres Herrn. Wie viel Andächtige, kommt also darauf an, dass man hier schon diesen Leib in Zucht und Ehren halte, dass man in Keuschheit, in Nüchternheit, in Mäßigkeit wandle, dass man vor aller Befleckung des Fleischs, offenbarer und heimlicher, sich sorgfältigst hüte. Denn so wenig die Seele, welche in der Knechtschaft fleischlicher Lüste gefangen liegt, sich der Herrlichkeit des Heilands freuen kann, eben so wenig der Leib, der in Schmach und Schande entweiht worden ist. Er wird seinen verdienten Lohn empfangen samt der Seele, die ihn so schmählich missbraucht hat, es wird das Gericht über beide zumal ergehen; denn der Herr ist Rächer über das Alles. Versteht ihr nun, warum die Schrift mit so hohem Ernst vor den Sünden am Leib warnt, warum sie mit solchem Nachdruck bezeugt: „Gott wird behalten die Ungerechten auf den Tag des Gerichtes, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in unreiner Lust“, und wiederum: „die Hurer und Ehebrecher wird Gott richten“, und abermals: „Wer den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben“? Wohlan! so lasst Ihr die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten; begebt auch nicht eure Glieder der Sünde zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebt euch selbst Gott zum Dienst, und eure Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit. Wisst, dass Euer Leib verordnet ist, ein Tempel des Heiligen Geistes zu sein, welchen ihr habt von Gott und seid nicht euer selbst; ihr seid teuer erkauft, darum so preist Gott an eurem Leib und an eurem Geist.  
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-Gegenüber der nahen Zukunft des Herrn, welcher die Lebendigen und die Toten richten und die Verstorbenen auferwecken wird, etliche zum Leben, etliche zur Schmach und zur Schande, lernt die Bedeutung des Leibes erkennen, in dem wir leben, und sage ich: 
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-=====III. der irdischen Güter, die wir besitzen. ===== 
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-„Siehe ich komme bald, spricht der Herr, und mein Lohn mit mir, zu geben einem Jeden, wie seine Werke sein werden.“ Nach den Werken also wird er richten, das ist die einstimmige Lehre der heiligen Schrift. „Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein Jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse.“ „Was der Mensch sät, das wird er ernten; wer da kärglich sät, wird kärglich ernten, wer aber reichlich sät, wird reichlich ernten.“ Freilich nicht so, als ob die Zahl oder das Maß unserer einzelnen Werke im Gericht entscheiden werde. Die Werke erhalten ja ihren Wert erst durch die Gesinnung, aus der sie kommen, und nach diesem ihren inneren Wert wird der Herr sie ansehen und lohnen, welcher ja Jedem geben will, was seine Werke wert sind. Und das kann Er auch allein; denn vor seinen Augen liegen alle die verborgenen Wurzeln offen da, aus denen die Früchte unseres Lebens wachsen. Wenn diese Augen einst mit ihrem Feuerblick uns treffen, wie viel von dem wird dann als leerer Schein verschwinden, was jetzt an uns glänzt und gleißt; vielleicht gerade das, was die Leute am höchsten an uns rühmen und worauf wir selbst am meisten bauen, unser Berufsfleiß, unser Eifer, unser öffentliches Wirken, unsere Studien, unsere Tugenden es wird sich ausweisen, dass wir mit dem Allen immer zugleich uns selbst gesucht, unserer Eitelkeit und Hoffart oder der Ehre vor den Leuten gedient. Als echt erfunden werden wird allein, was aus dem Glauben kommt, der in der Liebe tätig ist. Ja das Werk der Liebe, die im Stillen geht, und nicht bloß andere Leute, sondern selbst die eigene Rechte nicht wissen lässt, was die Linke tut, das Werk der demütigen, tragenden, helfenden Liebe, das wird alsdann groß und herrlich sein in den Augen des Herrn. Je weniger man selber Wert auf solche Taten gelegt hat, je natürlicher und reicher sie wie von selbst aus dem Herzen quellen, desto schöner wird sie dagegen derjenige finden, welcher aller Dinge Grund und Wesen kennt. Dahin gehören nun auch ohne Zweifel die Werke der Barmherzigkeit, an seinen armen Brüdern auf Erden getan; die Gaben der Liebe, die den Hunger der Dürftigen stillen und die Blöße der Notleidenden bedecken und das Elend der Verlassenen mildern er wird ihnen, wenn sie anders aus gutem Herzen kommen, die Ehre antun, sie am Tage seiner Zukunft aus Gnaden zu belohnen. O meine Lieben! und wie steigt im Licht dieser Verheißung der Wert der irdischen Güter, wie gewinnen diese an sich so nichtigen und eitlen Besitztümer eine so hohe Bedeutung, wenn man sie zum Dienst der Nächsten, zur Wohlfahrt der Brüder braucht. Heißt es doch in der Schrift: „Wohlzutun und mitzuteilen vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl“; und abermals: „Wer den Armen leiht, der leiht dem Herrn“; und wiederum: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ 
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-Angesichts dieser Verheißungen bitte ich Euch mit dem Apostel: „Lasst eure Lindigkeit kund werden allen Menschen, der Herr ist nahe.“ Und darum bitte ich Euch insbesondere in dieser Zeit. Ihr wisst selbst, wie groß die Not unter uns geworden ist, und sie wird noch höher steigen, ja da der Winter vor der Tür ist. Habt also Mitleid mit euern armen Brüdern; beweist ihnen Liebe, nicht mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Das sage ich Euch, ihr Reichen: „denn so Jemand dieser Welt Güter hat, und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm“? - unter den Reichen aber verstehe ich nicht nur diejenigen, welche die Fülle haben, sondern Alle, denen Gott so viel beschert hat, als zur Leibes-Nahrung und Notdurft gehört. Wer sein tägliches Brot, wenn auch mit Sorge und Arbeit, essen kann, der gedenke derer, die weder Brot noch Arbeit haben, und wer ein Herz hat für die Gnade unsers Gottes in Christo, der gehe hin und helfe der leiblichen, und, wenn er kann, auch der geistigen Not. Es ist ein weites Feld, das sich hier vor uns auftut, und es gilt auch von ihm, was die Schrift sagt: „Wer da schneidet, der empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben.“ 
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-Erkennt also, der nahenden Zukunft des Herrn gegenüber, die Bedeutung der Zeit, in der wir stehen, des Leibes, in dem wir leben und der irdischen Güter, die wir besitzen. Das ist es, was ich heute eurer ernstlichen Erwägung vorlegen wollte. Ich hätte noch Vieles zur Ermahnung hinzuzufügen, fasse aber Alles zusammen in den apostolischen Segenswunsch: Euch vermehre der Herr im Glauben und lasse die Liebe reich werden gegeneinander und gegen Jedermann, auf dass eure Herzen gestärkt unsträflich seien in der Heiligkeit vor Gott, unserem Vater, auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Amen. 
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