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| - | Evangelium Lukas 15,1-10. \\ | ||
| - | Text: **Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, dass sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten, und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an, und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis, und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er deren eins verliert, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis dass er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder, welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verliert, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis dass sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, | ||
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| - | Wir konnten es heut vor acht Tagen nicht lassen, meine Lieben, schon einen Blick hineinzuwerfen in das Evangelium, welches der HErr uns heute geschenkt. Heut vor acht Tagen fanden wir unsern lieben HErrn und Heiland in der Gemeinschaft von Pharisäern und Schriftgelehrten, | ||
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| - | Vor acht Tagen schon führte ich euch jenes schöne Woltersdorf' | ||
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| - | Seht, Geliebte, in diesem Verse ist der Fortschritt bezeichnet, welchen wir in der Berufung im Evangelium des vorigen Sonntags zum heutigen bemerken. Im vorigen: Ja, auch Seine Liebe zu den Eingeladenen ist groß, so groß, dass Er auch die ganz Blöden und ganz Schüchternen herein nötigen lässt, nachdem die armen Lahmen und Krüppel hereingeführt worden sind; aber er tat es durch Seine Knechte. Heute aber tritt Er selbst auf den Plan, Jesus Christus, der Sohn Gottes. Er selbst ist es, der da nötigt durch Seine Knechte, aber Er selbst ist es vor allem, der das Verlorene und Verirrte sucht, und Er hält nun hier in unserm Evangelium Seine Schutzrede für Seine große Sünderliebe. „Hier wird teuer mir vereidigt, dass ich selig werden kann, weil mein Heiland Sich verteidigt, dass Er nimmt die Sünder an.“ | ||
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| - | Und nun, meine Lieben, werden wir Ihm die Ohren unseres Gemütes gern öffnen und unsere Herzen spannen, um Ihn reden zu hören von Seiner großen Sünderliebe im Suchen des Verlorenen, und uns von Ihm finden zu lassen zum Heimtragen. | ||
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| - | Die große Sünderliebe unseres Heilandes ist's, welche aus dem Evangelium uns anleuchtet. Die Alten sagten von diesem Sonntage, der ja meistens in die Junitage fällt: „Jetzt baden sich die Tauben in dem warmen Regen, der vom Himmel fällt.“ Heut ist nun auch solch besonders schöner Sonntag uns geschenkt, o liebe Seele, willst du nicht die Taube sein, die sich in dem warmen Regen badet, welcher aus diesem Evangelium auf uns niedertrieft? | ||
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| - | Verloren! Das waren wir alle in Adam. In dem Menschen, der hundert Schafe hat und geht hin, das eine zu suchen, das er verloren hat, bis er es findet, vergleicht der HErr Jesus Sich selber. Ihm war alles in Seine Hände gegeben von Anbeginn der Schöpfung, Ihm fehlte nichts. Alle Engel und Seraphim füllten Seinen Himmel und lobten Ihn und die Erde jauchzte Ihm zu; nur eine Gattung von Kreaturen nicht, die Menschheit, der wir alle zugehören, sie ist Ihm verloren gegangen und zwar durch ihre Schuld; und diese eine bist auch du, liebe Seele. Und nun lasst uns recht darauf achten, denn es ist das Hauptstück im Evangelium, es ist nicht die Schuld der Verlorenen, die der HErr hervorhebt, sondern ihr Unglück; das Unglück, das Elend, das darin liegt, dass sie von Ihm verirrt und damit auch verloren sind, das jammert Ihn. Er ist der Hirte, der sich über den 99 Schafen, die er noch in seinem Stalle hat, nicht trösten kann über dem einen, das verloren ist. Er vergleicht Sich dem Weibe, das die 9 Groschen, die es noch in der Hand hat, nicht trösten könne über den einen, den es verlor. Das Weib kehrt das Haus und leuchtet in alle Winkel, und sucht, bis es ihn findet. | ||
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| - | Verloren! O, mein Erbarmer, o mein Gott und Heiland, ist Deine Liebe zu mir denn so groß, dass ich Dir fehle? O, was das für ein Jammer ist, wenn wir fühlen, dass wir ferne von Ihm sind, wir ohne Ihn leben und hingehen in der Verlorenheit unseres Sündenelendes, | ||
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| - | Und nun lasst uns den Finger legen auf das Suchen, denn hier ist ein Wunder. Wenn ein irdischer Hirte des Abends, wenn er heimkehrt und die Schafe in den Stall zählt, findet, dass eines ihm fehlt, und er geht hin und sucht es, so ist das ganz selbstverständlich, | ||
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| - | Und nun betrachten wir auch die Geduld. Die finden wir mehr im anderen Gleichnis, aber die Sache übertrifft es weit. Der irdische Hirte weiß nicht, wohin sein Schaf sich verloren hat, und weil der Hirte es nicht weiß, drum sucht er nun mit ängstlicher Spannung. Das ist bei unserm lieben Heiland nicht der Fall. Er weiß voraus, wen Er von uns finden wird, aber Er sucht auch die, von denen Er weiß, dass sie sich nicht finden lassen werden; denn sie wollen nicht, und Er zwingt niemand, Er zwingt kein Schaf mit Gewalt auf Seine Achsel. Einmal zwar wird Er mit richterlicher Gewalt sie zu Seinen Füßen zwingen und Seine Herrlichkeit offenbaren, aber jetzt sucht Er auch die, die sich nicht finden lassen wollen, und das ist ein unbegreifliches Wunder, aber es ist wahr! Bis zum allerletzten Augenblick, so lange noch ein Odem in uns ist, da sucht uns Seine große Sünderliebe. Er versäumt nichts an uns, auch im Alter nicht, und besonders nicht im Kreuz und unter der Trübsal. Und bei denen, die lange mit Ihm bekannt sind, o, da sucht Er mit solchem Ernste. | ||
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| - | Bei langwierigen Krankheiten, | ||
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| - | Und nun kommen wir zum letzten Stück: „Gefunden.“ O, wie ließe die selige Freude sich nur ausdrücken „gefunden“, | ||
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| - | „Ich will singen von einem Könige; scharf sind Deine Pfeile.“ Ps. 45. Nun, meine Geliebten, ich weiß keinen schärferen Pfeil, womit die große Liebe unsers HErrn uns verwunden könnte, als diesen, womit diese Liebe aus einem gesegneten Köcher auf uns schießt. Wollen wir uns nicht bekehren, wollen wir den Engeln im Himmel, unsern lieben Heimgegangenen allen, wollen wir ihnen diese Freude nicht machen? Wenn wir es nicht wollten, dann wäre freilich unsere Verdammnis ganz gerecht. O HErr, sei gnädig uns armen Sündern, o, wir wollen es, wollen uns in den sicheren Schatzkasten Deiner wiedergefundenen Groschen sammeln lassen. Die heiligen Engel haben schon die Rauchfässer des Gebets in den Händen und das Blutvolk der Seligen hat schon die Harfen genommen, um die Freudentöne anzustimmen über Sünder, die Buße tun, und diese Freude wollten wir ihnen nicht gönnen? O, das wäre zu schnöde. HErr Jesu, ich bin gesucht durch Deine große Liebe, ich will mich finden lassen zu Deiner Gottesfreude! Amen. | ||
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