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| - | ======Tholuck, | ||
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| - | Wir legen, meine Andächtigen, | ||
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| - | Hat der Verkündiger des göttlichen Wortes einen Abschnitt der heiligen Schrift, wie der vorliegende ist, zu seinem Text gewählt, so hat er ein leichtes Geschäft. Predigt er in einer Gemeinde, welche die Schrift kennt, liebt, mit Andacht liest, so ist Keiner, dem ein solcher Abschnitt nicht schon lieb geworden wäre von Kindheit an, dem nicht die eine und andere Stunde seines Lebens vor das Gedächtnis träte, wo er bei Lesung eines solchen Abschnittes die Herrlichkeit des eingebornen Sohnes Gottes im Geist geschaut hat. Heilige Gedanken und Gefühle früherer Zeit sammeln sich in seinem Gemüte. Mit geistigem Hunger und Durst hängt der Zuhörer an der Lippe des Verkündigers, | ||
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| - | Es führt uns unsere Geschichte in einen schon sonst wohlbekannten Kreis. Es ist die Familie jener Martha und Maria, welche ihr schon aus dem Ev. Lukas (Kap. 10.) habt kennen lernen. Es sind die beiden Schwestern, welche als Abbilder zweier Klassen von Seelen in der evangelischen Geschichte dastehen: jener Jüngerseelen, | ||
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| - | In Betanien ist das Haus mit Trauer erfüllt; um die beiden Schwestern sind die Verwandten versammelt, und Alles weint. Die Herzen aber der beiden Schwestern, die hatten auch wohl noch einen anderen Kampf, als den um den geliebten Toten, den Kampf, dass - o schrecklich zu sagen! - ihr Freund, ihr Jesus ihnen einen falschen Trost gesendet! - Kaum hat Martha vernommen - ihr kennt sie, jene tätige, zum äußern Werk immer rüstige Jüngerin - dass der Freund kommt, so eilt sie hinaus, ihm entgegen, während Maria allein sich ihrem Schmerz hingibt. „Herr, wärst du hier gewesen“, so ruft Martha dem Freunde zu, da sie ihn ansichtig wird, „mein Bruder wäre nicht gestorben, aber ich weiß auch noch, was du von Gott bittest, das wird dir Gott geben.“ Du kindliche Seele, du hast im Tode den geliebten Mund erblassen sehen trotz des Wortes deines Freundes und Herrn; vier Tage birgt ihn schon das kühle Grab, und nichtsdestoweniger hast du ein - Dennoch. O dieses Dennoch, meine Geliebten, dieses Dennoch, wenn auch schon die Gräber sich geöffnet haben und die Schauer der Verwesung angebrochen sind, dieses Dennoch, das ist die Himmelsleiter, | ||
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| - | Überall findet ihr es in den Zeugnissen gläubiger Seelen. „Und ob Tausend fallen zu deiner Seite und Zehntausend zu deiner Rechten; dennoch wird es dich nicht treffen“, ruft der Psalmist. „Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde“, hat der Herr zum kananitischen Weibe gesprochen. „Ja Herr, aber dennoch - ruft der schwergeprüfte Glaube - essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen“ - Der Martha Glaube ist groß, und doch hüllt sich das Heil noch in Wolken. Er wird auferstehen, | ||
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| - | Noch ein Blick tut sich uns hier in die Seele Jesu auf. Zu zweien Malen heißt es: „er ergrimmte im Geist“, oder, wie der Urtext sagt: „er wurde tief im Geiste bewegt“, dass auch sein Körper erschütterte. Und bald darauf heißt es: „es gingen ihm die Augen über“. Welches Gefühl hat die Brust des Göttlichen so erschüttert? | ||
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| - | Jetzt sind sie am Grabe. - Eine lange unterirdische Höhle zog sich hin, zu beiden Seiten derselben Öffnungen, in denen mit Binden umwunden die Leichname lagen. Ein Stein deckte den Zugang. Noch jetzt sind die Schwestern ungewiss, was geschehen wird. Den Modergeruch ihm zu ersparen, ruft Martha ihm zu: „Schon hat die Verwesung begonnen, vier Tage liegt er im Grabe“. Erst da tritt der Liebesratschluss des göttlichen Helfers, der aus dunkler Verhüllung sich näher und immer näher offenbart hatte, ganz aus seiner Hülle hervor: „Habe ich dir nicht gesagt, so du glaubtest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen“? Erlöste Gottes, und wenn ihr am heutigen Tage aus diesem Tempel kein anderes Wort mitnähmet, nehmt das Eine mit: „Habe ich dir nicht gesagt, so du glaubtest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen“! Wenn über den Gräbern, und wenn über der Verwesung dieses Wort seine Wahrheit behält, o welche Jammernacht in unserem Leben kann so düster sein, dass es nicht wie ein helles Morgenrot hineinbräche! Wenn auch hinfort jeder Ausgang deinem Blicke sich verschließen mag, ob auch Berge sich auf Berge türmen mögen, ob Sturm, Ungewitter und Wogen gegen dich streiten: verzagende Seele - „habe ich dir nicht gesagt, wo du nur glaubtest, solltest du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ - | ||
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| - | Der Herr über Leben und Tod tritt zur Grabeshöhle hinzu, sein Mund preist den Vater für die Erhörung, noch ehe sein Auge sie gesehen. Eine menschliche Stimme ruft in die stille Kammer, wo noch kein Schlafender auf menschlichen Ruf erwacht ist: „Lazare, komm heraus!“ ^ und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Angesicht verhüllt mit .einem Schweißtuch. Was da in dem Herzen der Schwestern vorgegangen sei, als der Glaube die Herrlichkeit Gottes offenbar gesehen, | ||
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| - | „Viele der Juden, heißt es, welche zu Maria gekommen waren, und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.“ Glauben wir an ihn? Glauben wir an ihn als den, dem auch die Gräber sich öffnen müssen? O glaubt an ihn! Dann habt ihr einen lebendigen Trost, wenn ihr euch gestehen müsst, dass euer Herz noch nicht aus dem Todesschlafe auferstanden ist: „Wenn du nur glaubtest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen!“ Dann habt ihr einen lebendigen Trost, wenn Tränen und Jammer um euch her, und in der sichtbaren Welt die letzte Hoffnungsstütze bricht: „Wenn du nur glaubtest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen!“ Dann habt ihr einen lebendigen Trost, wenn vor euch selbst euer eigenes Grab sich auftut: „Wenn du nur glaubtest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen!“ Du glaubst und du siehst, wie auf dem Staube der Verwesung dein Heiland die Siegesfahne schwingt! – | ||
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