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| - | ======Tholuck, | ||
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| - | „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht“ - so sagte einst der Heiland. Wie mancher Christ hat es erfahren, dass in der Tat ein Wort aus dem Mund Gottes eine Speise der Seelen ist, woran man Stunden, Tage, Wochen zehren kann. Welch' ein Schauspiel bietet sich uns dar, wenn wir bedenken, dass dieses und jenes Gotteswort nun schon in so unzähliger Menschen Geister als ein heiliger Same gefallen ist, der sich in ihr Fleisch und Blut verwandelt hat, in Jedem eine eigentümliche Gestalt gewonnen, und doch in Allen wieder dieselbe. Unter den Mitgliedern der Brüdergemeinde und auch noch bei manchen andern Christen findet die Gewohnheit statt, für jedweden Tag einen Spruch der heiligen Schrift zum Begleiter sich auszuwählen. Der tönt ihnen dann immer in's Ohr bei Allem, was sie tun und treiben, an dem zehren sie, in den leben sie sich hinein, und er lebt sich hinein in sie und wird Fleisch und Blut in ihnen. Vor allem gibt es einige Kernsprüche der heiligen Schrift, mit denen jeder Christenmensch in ein so lebendiges Verhältnis kommen muss. Zu diesen gehört der, den wir unserer heutigen Andacht zum Grunde legen wollen, und der sich im ersten Brief des Johannes im 3. Kap. am Anfange findet: „**Seht, welch' eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder sollen heißen. Darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennet ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, dass wir ihm gleich sein werden: denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleich wie er auch rein ist.**“ | ||
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| - | Schon ein Mal habe ich in vergangener Zeit über dieses Wort zu euch gesprochen. Dessen, was ich damals sagte, erinnere ich mich nicht mehr, aber das weiß ich, wenn ich jeden Tag darüber predigen könnte, ich würde dessen nicht müde werden, und auch ihr, wenn ihr jeden Tag ein lebendiges Zeugnis aus frohem Herzen darüber vernehmen könntet, auch ihr würdet dessen nicht müde werden. Zuvörderst, | ||
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| - | Wie selig das Los eines gläubigen Jüngers des Heilandes sei, das wollen wir aus den verlesenen Textesworten erkennen lernen, und demnach zuerst miteinander betrachten, wie selig ein solcher Jünger schon jetzt ist; zweitens, wie selig er einst sein wird; drittens, wozu ihn jener Glaube und diese Hoffnung antreibt. | ||
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| - | Wozu ist Jesus Christus in die Welt gekommen? Dass wir sollen Gottes Kinder werden. „So viele an ihn glaubten, sagt derselbige Johannes, denen hat er die Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden.“ Ist aber dem Menschen in keinem Anderen die Macht gegeben, Gottes Kind zu werden, als in Christo - ach, wie so wenige Gotteskinder gibt es dann auf der Erde! Wir meinten, so weit Menschenherzen schlügen über der Erde hin, da sei auch Eine Familie Gottes und Ein ewiger Vater, unter dessen weitem Mantel väterlicher Huld sie Alle Schatten fänden, und nun sollen die Gotteskinder nur jenes kleine Häuflein sein, die da neugeboren sind durch den Geist von oben aus dem Evangelium!? | ||
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| - | Seitdem das gepredigt worden ist auf Erden, seitdem hat sich eine kleine Gemeinde der Kinder Gottes auch auf dieser Erde gebildet, die Schrift nennt sie „Auserwählte von der Welt“ und der Herr selbst nennt sie „eine kleine Herde“ Das sind nun Leute, die mit Jakobus sagen können: „Er hat uns gezeugt nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf dass wir wären Erstlinge seiner Kreaturen, | ||
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| - | In dem seligen Bewusstsein nun, einer solchen Familie von Gottes Kindern anzugehören, | ||
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| - | Christen, so selig macht uns unser Glaube, und wie selig macht uns erst unsre Hoffnung! - Denn „wir sind selig geworden, sagt Paulus, auf Hoffnung!“ - „Wir sind jetzt Gottes Kinder - sagt Johannes, und sein Herz bebt vor Freude - aber es ist noch nicht einmal erschienen, was wir sein werden,“ setzt er hinzu, und sein Herz wallt über in überschwänglicher Ahnung. Die Gläubigen selbst, die wissen es freilich mit seliger Gewissheit, dass sie Kinder Gottes sind, sie tragen das Zeugnis der Kindschaft in sich, aber es ist noch nicht offenbar, und dass es einst offenbar werden wird, das ist der Gegenstand der christlichen Hoffnung. So lange es indes noch nicht offenbar worden ist - welch' ein seltsam kühnes Rätsel stehen sie vor der Welt! Versetzt euch einmal in die Zeit der ersten christlichen Gemeinde, denkt euch der ganzen großen heidnischen Welt mit ihren Kaisern, Helden, Weltweisen, Künstlern, mit ihrer Macht und ihrem Glanz gegenüber das kleine Christenhäuflein, | ||
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| - | Und zwar sollen sie ihn sehen, wie er ist. Als sie ihn hier auf Erden sahen, da hat ihr Herz schon gebrannt, und doch hatten sie ihn noch nicht gesehen, wie er ist. Schon hier hatten sie, wie Johannes sagt, in ihm geschaut eine Herrlichkeit „als die eines eingebornen Gottessohnes, | ||
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| - | Dies, dies ist es, wonach die Seele jener Christen verlangt, was vorzugsweise die Seele desjenigen Jüngers erhebt, der noch mehr als die andern alle durch die Bande persönlicher Freundschaft mit seinem Heiland verbunden gewesen war. Ihr seht, wie wenig das Bild, das sie euch vom Jünger, den der Herr lieb hatte, entwerfen, als einer bloß empfindsamen Seele, der Wahrheit entspricht! - Er ist jetzt aufs Neue geboren, und er wurde es ja schon in früher Zeit seiner Jugend, aber selbst der hundertjährige Jünger ist dahin noch nicht gekommen, dass er mit seinem Meister sagen könnte: „Wer mag mich einer Sünde zeihen.“ Denkt euch, der liebe, innige Johannes, der da rufen konnte: „und seine Gebote sind nicht schwer,“ selbst dieser muss sich einschließen mit der ganzen christlichen Gemeinde in das Bekenntnis;: | ||
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| - | O ihr, die ihr auf Christi Namen die Taufe empfangen habt, wer von euch kennt das Seligsein in solcher Hoffnung? Lasst auch euch fragen, erstens: „Seid ihr schon jetzt selig auf Erden, weil ihr wisst, dass ihr Gottes Kinder seid?“ Lasst auch euch fragen zweitens: „Blickt ihr auf die letzte Stunde hin mit Hoffnung nach größerer Seligkeit? | ||
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| - | Wer solche Hoffnung hat - so schließt der Jünger - nun, was erwartet ihr? - wer die Hoffnung hat, dass er einst doch ihm gleich werde, wenn er ihn sehen wird, wie er ist, der ruht vom Werke der Heiligung? O ihr habt noch nicht verstanden, was Christen-Hoffnung ist! „Wer solche Hoffnung hat, sagt Johannes, der - reinigt sich, gleich wie Er rein ist.“ Heiligung, Reinigung, das ist ein Wort, welches durch alle Schriften unseres Neuen Bundes hindurchgeht. Tritt es bei Paulus uns entgegen wie ein Schlachtruf, | ||
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| - | Noch eine neue und große Wahrheit stellen uns also diese Worte in's Licht. Jene Ähnlichkeit, | ||
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