Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen der Seite angezeigt.

Link zu der Vergleichsansicht

autoren:s:seifert_a:seifert_-_1._advent [] – angelegt ajautoren:s:seifert_a:seifert_-_1._advent [] (aktuell) aj
Zeile 20: Zeile 20:
  
 Trüb sah es in Israel zu der Zeit aus, da Zacharias sein Adventslied sang. Gefallen war des auserwählten Volkes politische Selbstständigkeit; die Adler, die Feldzeichen der römischen Legionen, waren zum Zeichen der Oberherrschaft des heidnischen Volkes auf Davids Königsburg aufgepflanzt. Das Land war verarmt, ausgesogen durch die fremden hartherzigen Steuerbeamten. Im Verborgenen glühte der Hass der Bedrückten wider ihre Bedränger, bisweilen flammte die Lohe der Empörung auf. Am traurigsten aber war es bestellt mit dem, was Israels Stolz und Stärke sein sollte, mit seiner Religion. Wohl, es wurde viel gebetet, aber meist nur geplappert. Es wurden viele Opfer im Tempel dargebracht, aber der Tempel wurde auch entweiht durch unheilige Hantierung und gewinnsüchtigen Handel; es ward von denen, welche für die Frömmsten angesehen werden wollten, von den Pharisäern, stark gepocht auf ihr Halten des Gesetzes; aber das Schwerste im Gesetz, die Liebe und Barmherzigkeit, ließen sie dahinten. Man hoffte auf einen Erlöser, aber auf einen Messias, welcher sein Volk vom Joch der Römerherrschaft befreien und ein weltliches Reich aufrichten sollte. Und dennoch hofft Zacharias auf eine Errettung und Erlösung dieses seines Volkes und auf ein neues Leben seines Volkes, auf ein Leben, frei von knechtischer Menschenfurcht, in gottgefälliger Heiligkeit und Gerechtigkeit. Solche Hoffnung hat er zu dem Gott, welcher seinem Volke die Erlösung und Heiligung verheißen hat, und dieses Vertrauen ist die andere Wurzel, aus welcher seine Adventsfreude erwächst. Aber hat sich denn Zacharias in diesem seinem Vertrauen nicht getäuscht? Hat nicht eben dieses Volk, welches der erschienene Messias von seinen Feinden erlösen wollte, ihn gebunden und seinen Feinden überantwortet? Haben nicht ihm, dem Gerechten und Heiligen, ungerechte Richter ein ungerechtes Urteil gesprochen? Wohl, so ist's geschehen, aber dennoch hat Zacharias mit seinem Vertrauen auf Gottes Treue recht behalten. Gott der Herr hat durch seinen eingeborenen Sohn und dessen Apostel alles getan, um das auserwählte Volk auf den Weg des Friedens zu bringen. Wenn es nun doch nicht errettet wurde, so war es selbst, nicht aber Gott, an seinem Unheil schuld. Aber ob auch an Israel um seines Ungehorsams willen die Verheißung sich nicht erfüllen konnte, unerfüllt ist Gottes Gnadenverheißung doch nicht geblieben, sie hat sich nur anders erfüllt, als Zacharias es meinte. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs hat sich unter allen Völkern der Erde sein Volk erwählt, welches, folgend seinem Ruf, ihm dient in heiligem Schmuck und willigem Gehorsam. Wo immer in der Welt das Evangelium von Jesu Christo gepredigt wird, da haben sich solche gefunden, welche in dem verheißenen und erschienenen Messias ihren Heiland und König erkannten und in ihm den rechten Nothelfer fanden. Und dass auch unser deutsches Volk zu diesem neutestamentlichen Gottesvolk gehört, das ist seine größte Ehre, und wer unter ihm dem Herrn Jesu als seinem Heiland anhängt, der hat in ihm und durch ihn auch das Heil und den Frieden und mit dem Frieden auch die Zufriedenheit, ob er auch unter manchem äußeren Druck leiden mag, und mit der Zufriedenheit auch die Freude, die aushält und einen Halt gibt auch im Leiden. Freilich haben auch mitten in unserem Volke viele das sanfte Joch des demütigen Herrn Jesu von sich geworfen und lassen sich statt von der Gottesfurcht lieber von elender Menschenfurcht beherrschen. Freilich findet sich auch in vielen Christenhäusern noch viel unheiliges Wesen und viel Ungerechtigkeit, und der Blick auf die Sünden und Untugenden, welche auch in unserer Gemeinde im Schwange gehen, könnte unsere Adventsfreude wohl stören und dämpfen. Ja, wenn wir bedenken, dass Jahr für Jahr das lautere Evangelium gepredigt wird, und dennoch so viel Unreinigkeit unter uns und an uns vorhanden ist, dann könnten wir wohl mutlos und verzagt in die Zukunft blicken. Und doch sollen wir getrost sein, denn unsere Hoffnung stehet nicht auf uns und unserer Macht, sondern auf unseres großen Gottes großer Treue und Barmherzigkeit. Die Ehre sollen wir ihm antun, dass wir ihm zutrauen: „Er kann es auch mit uns wohl machen“. Er kann und will von Grund aus helfen; er will uns von unserem größten Feinde helfen, von der Sünde, er kann es aber nur bei denen, welche sich helfen lassen wollen. Er will auch uns zu einem heiligen Volk machen durch sein heiliges Wort. Noch ist sein Wort unter uns und in seinem Worte verborgen die Kraft neuen, heiligen Lebens; und dies sein Wort lässt er uns im neuen Kirchenjahr von neuem nahe bringen. Lasst uns dies Wort nur auch innerlich uns nahe kommen! Lasst es uns annehmen mit Sanftmut und bewahren in Treue. Dann wird es seine lebendige Kraft auch in unseren Herzen und in unserem Leben offenbaren. Das sei unsere vornehmste Sorge im neuen Kirchenjahre, nicht dass wir wachsen an irdischem Besitz oder an Ehre und Macht bei den Menschen, sondern dass in uns wachse das Leben aus Gott, in Gott, mit Gott! Bei solchem Wachstum wird auch unsere Freude vollkommen werden um dessentwillen, der da als der Adventskönig sei hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Trüb sah es in Israel zu der Zeit aus, da Zacharias sein Adventslied sang. Gefallen war des auserwählten Volkes politische Selbstständigkeit; die Adler, die Feldzeichen der römischen Legionen, waren zum Zeichen der Oberherrschaft des heidnischen Volkes auf Davids Königsburg aufgepflanzt. Das Land war verarmt, ausgesogen durch die fremden hartherzigen Steuerbeamten. Im Verborgenen glühte der Hass der Bedrückten wider ihre Bedränger, bisweilen flammte die Lohe der Empörung auf. Am traurigsten aber war es bestellt mit dem, was Israels Stolz und Stärke sein sollte, mit seiner Religion. Wohl, es wurde viel gebetet, aber meist nur geplappert. Es wurden viele Opfer im Tempel dargebracht, aber der Tempel wurde auch entweiht durch unheilige Hantierung und gewinnsüchtigen Handel; es ward von denen, welche für die Frömmsten angesehen werden wollten, von den Pharisäern, stark gepocht auf ihr Halten des Gesetzes; aber das Schwerste im Gesetz, die Liebe und Barmherzigkeit, ließen sie dahinten. Man hoffte auf einen Erlöser, aber auf einen Messias, welcher sein Volk vom Joch der Römerherrschaft befreien und ein weltliches Reich aufrichten sollte. Und dennoch hofft Zacharias auf eine Errettung und Erlösung dieses seines Volkes und auf ein neues Leben seines Volkes, auf ein Leben, frei von knechtischer Menschenfurcht, in gottgefälliger Heiligkeit und Gerechtigkeit. Solche Hoffnung hat er zu dem Gott, welcher seinem Volke die Erlösung und Heiligung verheißen hat, und dieses Vertrauen ist die andere Wurzel, aus welcher seine Adventsfreude erwächst. Aber hat sich denn Zacharias in diesem seinem Vertrauen nicht getäuscht? Hat nicht eben dieses Volk, welches der erschienene Messias von seinen Feinden erlösen wollte, ihn gebunden und seinen Feinden überantwortet? Haben nicht ihm, dem Gerechten und Heiligen, ungerechte Richter ein ungerechtes Urteil gesprochen? Wohl, so ist's geschehen, aber dennoch hat Zacharias mit seinem Vertrauen auf Gottes Treue recht behalten. Gott der Herr hat durch seinen eingeborenen Sohn und dessen Apostel alles getan, um das auserwählte Volk auf den Weg des Friedens zu bringen. Wenn es nun doch nicht errettet wurde, so war es selbst, nicht aber Gott, an seinem Unheil schuld. Aber ob auch an Israel um seines Ungehorsams willen die Verheißung sich nicht erfüllen konnte, unerfüllt ist Gottes Gnadenverheißung doch nicht geblieben, sie hat sich nur anders erfüllt, als Zacharias es meinte. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs hat sich unter allen Völkern der Erde sein Volk erwählt, welches, folgend seinem Ruf, ihm dient in heiligem Schmuck und willigem Gehorsam. Wo immer in der Welt das Evangelium von Jesu Christo gepredigt wird, da haben sich solche gefunden, welche in dem verheißenen und erschienenen Messias ihren Heiland und König erkannten und in ihm den rechten Nothelfer fanden. Und dass auch unser deutsches Volk zu diesem neutestamentlichen Gottesvolk gehört, das ist seine größte Ehre, und wer unter ihm dem Herrn Jesu als seinem Heiland anhängt, der hat in ihm und durch ihn auch das Heil und den Frieden und mit dem Frieden auch die Zufriedenheit, ob er auch unter manchem äußeren Druck leiden mag, und mit der Zufriedenheit auch die Freude, die aushält und einen Halt gibt auch im Leiden. Freilich haben auch mitten in unserem Volke viele das sanfte Joch des demütigen Herrn Jesu von sich geworfen und lassen sich statt von der Gottesfurcht lieber von elender Menschenfurcht beherrschen. Freilich findet sich auch in vielen Christenhäusern noch viel unheiliges Wesen und viel Ungerechtigkeit, und der Blick auf die Sünden und Untugenden, welche auch in unserer Gemeinde im Schwange gehen, könnte unsere Adventsfreude wohl stören und dämpfen. Ja, wenn wir bedenken, dass Jahr für Jahr das lautere Evangelium gepredigt wird, und dennoch so viel Unreinigkeit unter uns und an uns vorhanden ist, dann könnten wir wohl mutlos und verzagt in die Zukunft blicken. Und doch sollen wir getrost sein, denn unsere Hoffnung stehet nicht auf uns und unserer Macht, sondern auf unseres großen Gottes großer Treue und Barmherzigkeit. Die Ehre sollen wir ihm antun, dass wir ihm zutrauen: „Er kann es auch mit uns wohl machen“. Er kann und will von Grund aus helfen; er will uns von unserem größten Feinde helfen, von der Sünde, er kann es aber nur bei denen, welche sich helfen lassen wollen. Er will auch uns zu einem heiligen Volk machen durch sein heiliges Wort. Noch ist sein Wort unter uns und in seinem Worte verborgen die Kraft neuen, heiligen Lebens; und dies sein Wort lässt er uns im neuen Kirchenjahr von neuem nahe bringen. Lasst uns dies Wort nur auch innerlich uns nahe kommen! Lasst es uns annehmen mit Sanftmut und bewahren in Treue. Dann wird es seine lebendige Kraft auch in unseren Herzen und in unserem Leben offenbaren. Das sei unsere vornehmste Sorge im neuen Kirchenjahre, nicht dass wir wachsen an irdischem Besitz oder an Ehre und Macht bei den Menschen, sondern dass in uns wachse das Leben aus Gott, in Gott, mit Gott! Bei solchem Wachstum wird auch unsere Freude vollkommen werden um dessentwillen, der da als der Adventskönig sei hochgelobt in Ewigkeit. Amen.
-{{tag>Luk_1}}+{{tag>Luk_1 1_Advent}}