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| - | ======Rocholl, | + | ======Rocholl, |
| - | Missionsfestpredigt am Sonntag Kantate | + | Predigt zum Jahresschluss |
| - | von Dr. Rocholl, Militär-Oberpfarrer | + | Heinrich Wilhelm |
| - | „Komme zu uns, halte uns eine Predigt zu Ehren unsers Heilandes an unserm Missionsfest!“, | + | „Kommt Kinder, lasst uns gehen - \\ |
| + | der Abend kommt herbei \\ | ||
| + | es ist gefährlich stehen \\ | ||
| + | in dieser Wüstenei. \\ | ||
| + | Kommt, stärket euren Mut, \\ | ||
| + | zur Ewigkeit | ||
| + | von einer Kraft zur andern; \\ | ||
| + | es ist das Ende gut!“ (([[https:// | ||
| - | „Herz und Herz, vereint zusammen, \\ | + | Ja, es ist Abend geworden, der letzte Abend im Jahre. Der Strom des verrinnenden Jahres rauscht dahin, er flutet Welle auf Welle, Minute auf Minute, seinem Ziele entgegen; noch wenige Stunden, und er mündet in das unergründliche Meer der Zeiten, noch wenige Stunden, und es mahnen uns die Glocken, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Ach, da ergreift uns mal wieder das wehe Gefühl der Fremde hier auf Erden; |
| - | sucht in Gottes Herzen Ruh, \\ | + | |
| - | lasset eure Liebesflammen \\ | + | |
| - | lodern | + | |
| - | er das Haupt, wir seine Glieder, \\ | + | |
| - | er das Licht und wir der Schein, \\ | + | |
| - | er der Meister, wir die Brüder, \\ | + | |
| - | er ist unser, wir sind sein!“ (([[https:// | + | |
| - | Und gottlob, unsere christlichen Feste, mögen sie der inneren oder äußeren Mission gewidmet sein, tragen | + | Freilich, die meisten Menschen töten diese ernsten Gefühle; es wird an keinem Abend und in keiner Nacht so viel Lärm gemacht im deutschen Volke, als gerade |
| - | Was soll nun der Grundton aller unsrer Gefühle, all unsrer Gesänge, all unsrer Reden an dem heutigen Festtag sein? Nun, mit Tränen | + | Nicht also wir, liebe Brüder |
| - | Singt dem Herrn ein neues Missionslied: | + | „So schnell ich Land und Sand verlass, \\ |
| + | so schnell läuft meines Lebens Glas, \\ | ||
| + | und was vorbei ist, kommt nicht wieder; \\ | ||
| + | ich eile zu der Ewigkeit. \\ | ||
| + | Herr Jesu, mach' mich nur bereit, \\ | ||
| + | eröffne meine Augenlider, \\ | ||
| + | dass ich, was zeitlich ist, veracht' | ||
| + | und nur nach dem, was ewig, tracht' | ||
| - | 1. Ein neues Lied dem Gott der Wunder; \\ | + | Aber zittert nicht unser Herz auch beim Anhören dieses Verses; sind wir bereit, bereit fürs nächste Jahr, bereit für alle Schickungen Gottes, bereit für unsere letzte Stunde, bereit für die Ewigkeit? Wohlan, wir wollen' |
| - | 2. ein neues Lied dem Gott der Gnade. | + | |
| - | =====1.===== | + | Drei Urteilssprüche Gottes, drei gute Silvestergedanken. |
| - | „**Singt, rühmt, jauchzt, lobt den Herrn mit Harfen und Psalter; alles, was Odem hat, lobt den Herrn!**“ diese Aufforderung richtet der Psalmensänger wohl zunächst an die Krone der Schöpfung, an uns Menschen, die da bekennen müssen: „In Gott leben, weben und sind wir“; aber merken wir es wohl, dass dieselben Sänger, vornehmlich ein König David, einen gleichen Aufruf in immer neuen Ansäßen auch an die ihn umgebende Welt, an die Natur um uns ergehen lässt. Und auch in unserm Psalm heißt es: „Jauchzt dem Herrn, alle Welt; das Meer brause, was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen, die Wasserströme frohlocken und alle Berge seien fröhlich!“ Unvergesslich bleibt uns ja der 19. Psalm: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk; ein Tag sagt's dem andern und eine Nacht tut's kund der andern.“ Ja, die Frommen aller Zeiten haben Gesänge, Loblieder zur Ehre Gottes vernommen aus dem Rauschen der Bäume, aus dem Zwitschern der Vögel; sie haben überall, wohin ihr Auge reicht, den majestätischen Namenszug entdeckt: „Gott, der Allmächtige, | + | 1. Mene d. h. gezählt \\ |
| + | 2. Tekel d. h. gewogen \\ | ||
| + | 3. Urpharsin d. h. geteilt! | ||
| - | „Ihr grünen Blätter in den Wäldern, \\ | + | =====1.===== |
| - | bewegt und regt euch doch mit mir, \\ | + | |
| - | ihr schwanken Gräschen in den Feldern, \\ | + | |
| - | ihr Blumen, lasst doch eure Zier \\ | + | |
| - | zu Gottes Ruhm belebt sein \\ | + | |
| - | und stimmet lieblich mit mir ein!“ (([[https:// | + | |
| - | Ja, es muss für jeden Erdenpilger, sofern | + | Unser Text führt uns in den von Gold und Edelsteinen prunkenden Saal des Königs Belsazar zu Babylon, wie er an reicher Tafel schwelgt mit seiner Familie und seinem ganzen Hofe, wie er die heiligen Tempelgefäße der gefangenen Juden, welche sein Vorgänger Nebukadnezar aus Jerusalem geraubt hatte, in seiner Trunkenheit entweiht und verunreinigt. Eben zu derselben Stunde gingen hervor Finger, als einer Menschenhand, |
| - | „Dich predigt Sonnenschein | + | Und wenn nun Gott am Silvester die Summa von allem zieht, dann schreibt er unter das Blatt: |
| - | dich preist der Sand am Meere, \\ | + | |
| - | bringt, ruft auch der geringste Wurm, \\ | + | |
| - | bringt unserm Gott die Ehre! \\ | + | |
| - | Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, \\ | + | |
| - | mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, \\ | + | |
| - | gebt unserm | + | |
| - | Man sollte meinen, ähnliche Loblieder müssten von der Natur und mit ihr von der Menschenwelt zur Ehre des Allmächtigen gerade in den Ländern und Gebieten aufsteigen, wo Gott seine schönsten und erhabensten Wunder offenbart hat. Unsere Missionare und Entdecker wissen nicht genug zu rühmen von der Herrlichkeit der Heidenländer, von den großartigen Urwäldern mit den himmelanstrebenden Palmen und ihren duftenden Blüten und Blumen, mit ihren seltenen Tieren, von den prächtig dahinfließenden Riesenströmen mit dem Gewimmel von Fischen und Krokodilen, von den meilenweiten Seebecken mit ihren geheimnisvollen Inseln, von den großen Reichtümern an Gold und Silber und Edelgestein unter der Erde! Und doch wandeln unter den Palmen, über die Blumen, über das Erdreich voll köstlichen Schätzen Millionen von Menschen, die stumm geworden sind zum Lobe Gottes, die trotz aller Wunder, welche sie umgeben, den Schöpfer aller Dinge verloren haben. Es ist ein furchtbares Geschick der Heidenvölker, | + | „Aus tiefer Not schrei ich zu dir, \\ |
| - | + | o Gott, erhör mein Flehen; \\ | |
| - | O, dass dieses Gottesgericht über der Heidenwelt auch unter uns manche ausschrecke, | + | wend' gnädiglich |
| - | + | lass Gnad' für Recht ergehen; | |
| - | „Du durchdringest alles, | + | denn so du willst das sehen an, \\ |
| - | lass dein schönstes Lichte, \\ | + | was Sünd und Unrecht ist getan, \\ |
| - | Herr, berühren mein Gesichte. | + | wer kann, Herr, vor dir bleiben“? (([[https:// |
| - | Wie die zarten Blumen \\ | + | |
| - | willig sich entfalten | + | |
| - | und der Sonne stille halten, \\ | + | |
| - | lass mich so, \\ | + | |
| - | still und froh, \\ | + | |
| - | deine Strahlen fassen \\ | + | |
| - | und dich wirken lassen!“ (([[https:// | + | |
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| - | Nein, sie mögen des Psalmsängers Aufforderung nicht: „Singt dem Herrn ein neues Lied!“ | + | |
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| - | Aber, warum können sie nicht einstimmen, obwohl sie von Wundern über Wunder umgeben sind, obwohl sie ja nur Gottesluft einatmen; warum ist ihnen das eigentlich Allernächste das Allerfernste geworden, Gott und nochmals Gott? Ja, warum sind auch wir so oft alle so müde und schläfrig, Gottes Lob zu erhöhen und ihm die Zunge zu weihen? | + | |
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| - | Es ist ein Missklang hineingefallen in das Jauchzen der paradiesisch geschaffenen Natur, ein Klagelied der abgefallenen Gotteskinder über das zerstörte, verlorene Paradies. Es wird entweder nur in der Tiefe der Seele gefühlt, oder es wird mit bebendem Munde ausgesprochen, | + | |
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| - | Aber Gott dem Allbarmherzigen und Freundlichen sei es gedankt, das ist die Missionsfreude der Kinder Gottes, die ihren Gott in Jesu Christo wiedergefunden haben, die vor seinen Gnadenaugen wandeln und ihm zur Ehre leben wollen, | + | Nur wenn wir so in Buße, in Reue beim Rückblick auf das verflossene Jahr blicken, dann wird uns der zweite Urteilsspruch nicht verdammen: Tekel d. h. gewogen, gewogen |
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| - | Damit nun auch die allmählich mit einstimmen in dieses Lied von dem neuen Leben in Jesu Christo, unserm Herrn, welche noch in Finsternis und Schatten des Todes sitzen, | + | |
| - | Wo der Geist Gottes waltet, da bricht | + | Aber mit diesem „zu leicht“ dürfen wir den Silvesterabend nicht beschließen, dürfen nicht die Schwelle |
| - | Ach, Gott sei's geklagt, im deutschen Volke hören wir so viele gottlose Lieder, dass wir sagen möchten: „Ach, Gott vom Himmel, sieh darein und lass dich des erbarmen“ und von den Millionen Heiden klingen zu uns herüber die dumpfen Töne der Sünden und Beschwörungsformeln der Götzen. Wir wissen, dass die Feinde der Evangelisation unsers Volkes und der Mission unter der Heidenwelt an Zahl Legion sind. Mancher unter uns möchte bekümmert die Hände in den Schoß legen, wenn er sieht, wie der Teufel so viele Seelen an sich zieht und dem Herrn Jesu Christo sein Reich und seine Ehre streitig macht. | + | =====3.===== |
| - | Aber klagen, mutlos werden, verzweifeln ist nicht die Art der Streiter Gottes und der Jünger Jesu Christi. Nein, sie sollen eben noch ein neues Lied singen, nämlich ein Sieges-, ein Triumphlied. Unser Psalmsänger tut einen Blick in die selige Zukunft, in ein Sabbatreich, in eine Welt der Herrlichkeit. Es erfasst ihn ein Adventsfrohlocken, dass er aller Welt kundtut, dass der Herr kommen wird zu seinem Reich. Aller Welt Ende soll das Reich Gottes sehen; | + | Gehen wir aber also mit Christo, als gereinigt und geheiligt durch sein Blut, in die neue Zeit, dann soll uns das letzte Wort: urpharsin, d. h. geteilt, nicht mehr erschrecken. Gott ist ein Gott des Teilens, des Ordnens, des Entscheidens. Gott teilt die Zeiten, er ordnet der Gestirne Gang, er befiehlt |
| - | Auf diesen seligen Ausgang harrt die bekehrte Seele. „Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig.“ Auf dieses Licht blickt | + | Wir stehen auf unbekanntem Boden. Die Zukunft liegt verhüllt da, wie die Flur am Abend, über der der Nebel schwebt. Der Blick auf die uns umgebende Welt ist wenig erfreulich. Je mehr das Jahrhundert zu Ende geht, desto heißer wird das Ringen |
| - | Und auch in unsrer Missionsarbeit wollen | + | Und es ist auch gut, dass wir es nicht wissen. Eins aber wissen |
| - | „Da wird sein ein Freudenleben, | ||
| - | Da viel tausend Engel schon \\ | ||
| - | Sind mit Himmelsglanz umgeben, \\ | ||
| - | Stehen dort vor Gottes Thron. \\ | ||
| - | Da die Seraphinen prangen \\ | ||
| - | Und das hohe Lied anfangen: \\ | ||
| - | Heilig, heilig, heilig heißt \\ | ||
| - | Gott, der Vater, Sohn und Geist.“ (([[https:// | ||
| - | Amen. | + | Darum in Jesu Christi Namen als solche, die in dem Verdienste unsres Heilandes ruhen, lasst uns hoffen auf Gottes Güte und Treue, lasst uns unsere Wünsche und Gebete nach oben senden: „Herr, dein Wille geschehe!“, |
| - | {{tag> | + | Unsern Ausgang segne Gott! Unsern Eingang gleichermaßen! Amen. |
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