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| - | ======Plieninger, | + | ======Plieninger, |
| + | |1808-1886| | ||
| + | |Dekan in Stuttgart| | ||
| - | Predigt am dritten Sonntag nach dem Fest der Erscheinung\\ | + | < |
| - | Von Dekan Dr. Plieninger | + | | ★ |[[Plieninger - 5 nach Epiphanias]]| |
| - | + | | ★ |[[Plieninger - Ehe]]| | |
| - | Ev. Joh. 2, 1-11. (I. Jahrgang.)\\ | + | < |
| - | **Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt | + | |
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| - | Von unübersehbarer Mannigfaltigkeit sind die Verhältnisse, | + | |
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| - | Lasst uns in dieser stillen Andachtsstunde hierüber näher nachdenken, indem wir nach Anleitung unseres Textes unter dem Beistand des göttlichen Geistes betrachten: | + | |
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| - | Wodurch der Ehestand ein Segensstand wird. | + | |
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| - | Herr und Gott, regiere \\ | + | |
| - | Du unser Herz und Haus, \\ | + | |
| - | Dass man es deutlich spüre, \\ | + | |
| - | Du geh'st drin ein und aus, \\ | + | |
| - | Und man zu allen Stunden \\ | + | |
| - | Uns seh ergeben dir, \\ | + | |
| - | Zu Lieb' und Treu' verbunden, | + | |
| - | Bis du uns rufst von hier! Amen. | + | |
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| - | In dem drei Stunden von Nazareth entfernten Kana fand eine Hochzeit statt. Da waren also zwei Menschen, die sich gegenseitig gelobt hatten, Hand in Hand durchs Leben zu gehen, Freud und Leid miteinander zu teilen und in unverbrüchlicher Liebe und Treue zusammenzuhalten, | + | |
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| - | Aber das alles, Wohlstand, Schönheit, Verstand das alles reicht bei weitem nicht hin, um den Ehestand zu einem Segensstand zu machen, sondern dazu gehört etwas ganz Anderes und viel Höheres, dass nämlich in Beider Herzen der heilige Glaube an Gott und die heilige Liebe zu Ihm lebt, die sie zu allem Guten treibt. Danach fragt man oft gar nicht, ehe man sich verlobt; hintendrein aber hört man nicht selten klagen: „Mein Mann hat gar keine Religion. Er will vom Beten und Kirchgehen nichts wissen, und wenn ich mit meinen Kindern den Morgen- und Abendsegen lese, verspottet er mich noch.“ Das ist sehr traurig, und darin sah es wohl bei dem Brautpaar von Kana ganz anders aus. Dieses war ohne Zweifel ein gottesfürchtiges Paar. Denn wie wäre es sonst gekommen, dass die fromme Maria nicht bloß zur Hochzeit geladen, sondern augenscheinlich in dem Hause so heimisch war, dass sie mütterlich für das Eine und Andere sorgte? Wie wäre es gekommen, dass Jesus selbst geladen war? O wie gut wäre es, wenn jedes christliche Brautpaar ihn zur Hochzeit lüde! „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken,“ schreibt der Apostel, „das tut alles im Namen des Herrn Jesu!“ Mit ihm sollte man zu Rate gehen, ehe man zu einer ehelichen Verbindung sich entschließt; | + | |
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| - | Wo dies geschieht, da wird der Ehestand ein Segensstand. Mit Eifer muss der neue Ehemann seinem irdischen Beruf nachgehen und die junge Ehefrau ihrem Hauswesen obliegen; wenn sie aber den Herrn im Herzen tragen, so gibt er nicht zu, dass alle ihre Gedanken vom Irdischen und Zeitlichen verschlungen werden, dass sie nur auf den äußeren Aufbau ihres Hauses achten, sondern er erhält ihr Auge offen für das Eine, was not ist, lehrt sie gemeinsam nach christlicher Vervollkommnung streben und zu allem Gottgefälligen einander ermuntern, lehrt sie die Liebe, die nicht erkaltet, auch wenn die Rosen der Wangen verblühen, die Treue, welche fest bleibt unter allen Versuchungen, | + | |
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| - | Freilich an Nöten, Verlegenheiten, | + | |
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| - | Wie ganz anders ist es da bei einem Ehepaar, das sich den Herrn zum Führer und Geleitsmann erwählt hat! Statt bei eintretendem Mangel und Notstand sich gegenseitig mit Vorwürfen zu quälen, ermuntern sie einander, halten nur um so fester zusammen, beten und arbeiten um so eifriger, halten auch die Brosamen zu Rate und hoffen auf den Herrn, welcher verheißen hat, dass es denen, welche am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten, auch im Irdischen am Nötigen nicht fehlen werde. Auch in andern Prüfungen und Heimsuchungen finden Eheleute, die Gott fürchten und den Heiland lieb haben, Trost in ihrem gegenseitigen Werte und ihrer gegenseitigen Liebe, erleichtern sich ihre Last dadurch, dass sie, was sie drückt, mit gemeinsamen Schultern tragen, sehen ihre Zuversicht auf den Herrn, von dem sie wissen, dass er sie nicht verlassen noch versäumen wird, und gehen bewährt im Glauben, in der Ergebung und Geduld aus der Zeit der Trübsal hervor. Ein solcher Ehestand aber sollte nicht ein Segensstand sein? | + | |
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| - | Sogleich erfüllte Jesus den Wunsch Marias im Texte nicht, „denn“, sprach er, „meine Stunde, die rechte Zeit dazu, ist noch nicht kommen.“ Ebenso werden auch wir zuweilen im Warten geübt, und das ist nötig, denn Wartenkönnen ist eine köstliche Tugend, die man nur durch Wartenmüssen lernt. Ist aber die rechte, für uns beste und heilsamste Zeit und Stunde erschienen, dann verwandelt der Herr gern das Wasser der Trübsal in den Wein der Freude und des Dankes. Die Welt macht es anders: Sie gibt ihren Kindern und Dienern zuerst das Beste, was sie hat, einen berauschenden Vorschmack, hintendrein aber einen schalen, oft widerlichen und bitteren Nachgeschmack. Weil dieselben aber von dem ersteren berauscht sind, zeigen sie sich auch mit dem geringeren, den Träbern der Weltlust zufrieden. Anders der Herr: er reicht den Seinigen oft zuerst einen bitteren Kelch, zuletzt aber guten Wein, und den allerbesten wird er ihnen reichen, wenn sie das himmlische Hochzeitmahl mit ihm feiern in seines Vaters Reich. | + | |
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| - | Ein Segensstand ist endlich der Ehestand Solcher, die dem Herrn anhangen, weil er ihre Freuden weiht und erhöht. Obgleich die sechs steinernen Wasserkrüge sich mit Wein füllten, ging es doch gewiss bei der Hochzeit zu Kana sehr ehrbar und anständig zu. Sicherlich hörte man keine unziemlichen Reden, keinen Schrei wilder Lust, sicherlich sah man keine umhertaumelnden Betrunkenen, | + | |
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| - | Wenn Brautleute im Ausblick zu Jesu ihren Ehebund schließen und ihn vor Augen und im Herzen ihren Lebensweg mit einander gehen, so weiht und erhöht er ihre Freude. Er lehrt sie alles Gute und Erfreuliche, | + | |
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| - | {{tag>Joh_2 3_nach_Epiphanias}} | + | |