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-======Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan (21).====== +======Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan 21. Predigt  (Tabeera).======
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-**Ein und zwanzigste Predigt.**+
  
 //Zwölfte Lagerstätte: die Lustgräber.// //Zwölfte Lagerstätte: die Lustgräber.//
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 **4 Buch Mosis 11,4-6.** **4 Buch Mosis 11,4-6.**
  
-Die Kinder Israel sind gelagert in Tabeera, der zwölften Lagerstätte, auf teutsch: Lustgräber. Daselbst fällt allerhand merkwürdiges vor, und wir machen den Anfang mit der Betrachtung der Verstimmtheit des Volks, deren Veranlassung, Aeußerung, Wirkung. +Die Kinder Israel sind gelagert in Tabeera, der zwölften Lagerstätte, auf Deutsch: Lustgräber. Daselbst fällt allerhand merkwürdiges vor, und wir machen den Anfang mit der Betrachtung der Verstimmtheit des Volks, deren Veranlassung, Äußerung, Wirkung.
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-Das Volk ist verstimmt. Es murrt, es klagt, es weint. Es hat kein Belieben mehr an der ganzen Sache. Worüber ist es denn so unzufrieden? Was fehlt ihm? Es wurde ungeduldig, und seine ganze Führung schien ihm sehr beschwerlich und mühevoll. Und ach! was sollen wir sagen? Hatten sie denn so durchaus unrecht? Sie waren das Volk Gottes, es ist wahr. Sie waren der besonderste Gegenstand seiner genauesten Aufsicht und Pflege. Dies war ein ungemeines Vorrecht, und wenn Moses das betrachtete, rief er voll Entzücken aus: o Israel! wo ist ein Volk wie du? wer ist dir gleich? Aber sie mußten’s auch, wenn ich so reden darf, theuer genug entgelten, und ihr Alles dabei wagen. Wir werden geachtet wie die Schlachtschafe, sagt der Apostel Röm. 8, aus dem 44. Psalm, wo er die Vorrechte des Volkes Gottes gar sehr herausstreichet. Er setzt es als Regel fest, daß wir durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen müssen, so wie der Herr selbst erklärt hat, wer sein Jünger sein wolle, müsse sein Kreuz auf sich nehmen täglich; und demnach sein Apostel: daß alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, Verfolgung leiden **müssen**. Der Gerechte **muß** viel leiden. Sich dazu zu bequemen, sich fortwährend selbst zu verleugnen, sein eigenes Leben zu verlieren, des Herrn Wege überall seinen Augen wohlgefallen zu lassen, stets ja zu sagen – das will was, das will oft sehr viel bedeuten. Ich bin müde von Seufzen, heißt es wol einmal. Ich bin geplaget täglich, und meine Plage ist alle Morgen da. Da bittet wol ein Elias: so nimm nun, Herr, meine Seele; ein Paulus hat Lust auszuscheiden; ein Hiob und Jeremias äußern sich sogar auf eine Weise, die man nicht wol nacherzählen darf. Ersterer sagt eben nicht mit Dankbarkeit und Wohlgefallen, Cap. 7.: was ist der Mensch, daß du ihn groß achtest und bekümmerst dich mit ihm, du suchest ihn täglich heim und versuchest ihn alle Stunden – denn er setzt hinzu: höre auf von mir. Warum thust du dich nicht von mir und läßest nicht so lange von mir ab, bis ich meinen Speichel schlinge. – Die erste Hälfte des 73. Psalm äußert sich auch recht verdrießlich. Die Gottlosen, sagt er, sind glückselig in der Welt und werden reich; ich aber, der ich unsträflich leben und wasche meine Hände in Unschuld, bin geplagt täglich und meine Strafe ist alle Morgen da. – +
  
-Plagende, unzeitige Gedanken kamen dazuDie armen Leute waren in dürrer Wüstewo es heulet. Zu essen fiel da nichts vorals was vom Himmel sich täglich und nur für einen Tag auf sie herabsenkte, und Wasser hatten sie nur durch ein Wunder, aus dem Felsen welcher mitfolgte, der Fels aber war ChristusDas Auge sah sich matt und müde an der grauenhaften Einförmigkeit der unermeßlichen Einöde, die sich um sie her dehnte, und nur hie und da ein kümmerliches und meistens stachelichtes Gestrüpp hervortriebKeine Spur eines früheren Wanderers. Kein lieblicher Laut ergötzte das Ohr. Keine Turteltaube girrte ihre melancholische Tönekeine Lerche trug wirbelnd ihr Lied himmeln, als wollte sie vernünftigen Herzen ihre Bahn bezeichnenEs heulte drinnenZuweilen ließ ein einsamer Rohrdommel sein ächzendes Gekrächz hörenoder das Gebrüll hungriger Löwen und das Gekreisch blutgieriger Tiger und Hyänen tönte aus der Ferne grauenerregend an ihr Ohr. Sie waren es anders gewohnt. In dem köstlichen Lande Gosen war es ganz anders; lauter Fruchtbarkeit und AnmuthAeckerGärten und WiesenFlüsse und TeicheSie fingen unglücklicherweise Vergleichungen anDurch Vergleichung wird ein Uebel oder ein Gutgrößer oder kleinerVergleicht man ein großes Gut mit einem noch größerenso wird es geringer in unserm Urtheilund so geht es auch mit einem Uebel. Denkt man daran, wie viel schlimmer es sein könnte, so wird es leidlicher. Aber denkt man bei einem Uebel an das entgegengesetzte Gut, so wird es noch härter, wie schwarz gleichsam noch schwärzer erscheint, wenn man es auf weiß legt. In der Hölle dünkte dem reichen Schlemmer ein Tröpflein Wassers ein großes Gutder früher wol den kostbarsten Wein nicht geachtet hatte. Trug der Anblick des elenden Lazari viel zu seiner Glückseligkeit beidaß er sich in seiner Gesundheit und in seinem Ueberfluß desto besser gefielso vermehrte dessen Anblick später seine Quaalda er ihn in seiner Herrlichkeit sehen mußteAssaph wurde über dem Vergleichen seiner Umstände mit denen der Gottlosen so übel zu Muthedaß er beinahe gedacht, es sei nichts mit der GottseligkeitHiob stellte auch Vergleichungen an, und das Resultat warwenn man mein Leiden möge und fassete es zusammen auf einer Wagschaleso würde es schwerer sein als Sand am MeerWiederum stellt Paulus eine Vergleichung zwischen den Leiden dieser Zeit und der zukünftigen Herrlichkeit an, mit dem Erfolgdaß er jene leicht nennt, die gar nicht anzuschlagen sind, diese aber über alle Maßen wichtig. Assaph desgleichenich frage nichts nach Himmel und Erdewenn ich nur dich habeOb mir auch Leib und Seele verschmachtetbist du dochGott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil- und Hiob: und wenn er mich tödten wollte, sollte ich nicht auf ihn hoffen? – und David: du tröstest mein Herzobgleich jene viel Wein und Korn haben.+Das Volk ist verstimmtEs murrt, es klagtes weintEs hat kein Belieben mehr an der ganzen Sache. Worüber ist es denn so unzufrieden? Was fehlt ihm? Es wurde ungeduldig, und seine ganze Führung schien ihm sehr beschwerlich und mühevollUnd ach! was sollen wir sagen? Hatten sie denn so durchaus unrecht? Sie waren das Volk Gotteses ist wahrSie waren der besonderste Gegenstand seiner genauesten Aufsicht und PflegeDies war ein ungemeines Vorrecht, und wenn Moses das betrachtete, rief er voll Entzücken aus: o Israel! wo ist ein Volk wie du? wer ist dir gleich? Aber sie mussten’s auchwenn ich so reden darfteuer genug entgelten, und ihr Alles dabei wagenWir werden geachtet wie die Schlachtschafe, sagt der Apostel Röm8aus dem 44Psalmwo er die Vorrechte des Volkes Gottes gar sehr herausstreichet. Er setzt es als Regel festdass wir durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen müssen, so wie der Herr selbst erklärt hatwer sein Jünger sein wollemüsse sein Kreuz auf sich nehmen täglich; und demnach sein Aposteldass alledie gottselig leben wollen in Christo Jesu, Verfolgung leiden **müssen**Der Gerechte **muss** viel leiden. Sich dazu zu bequemensich fortwährend selbst zu verleugnensein eigenes Leben zu verlieren, des Herrn Wege überall seinen Augen wohlgefallen zu lassen, stets ja zu sagen – das will was, das will oft sehr viel bedeuten. Ich bin müde von Seufzen, heißt es wohl einmalIch bin geplagt täglich, und meine Plage ist alle Morgen da. Da bittet wohl ein Eliasso nimm nun, Herr, meine Seele; ein Paulus hat Lust auszuscheiden; ein Hiob und Jeremias äußeren sich sogar auf eine Weisedie man nicht wohl nacherzählen darfErsterer sagt eben nicht mit Dankbarkeit und Wohlgefallen, Cap. 7.: was ist der Menschdass du ihn groß achtest und bekümmerst dich mit ihmdu suchest ihn täglich heim und versuchest ihn alle Stunden – denn er setzt hinzuhöre auf von mir. Warum tust du dich nicht von mir und lässt nicht so lange von mir abbis ich meinen Speichel schlinge– Die erste Hälfte des 73. Psalm äußert sich auch recht verdrießlich. Die Gottlosensagt ersind glückselig in der Welt und werden reich; ich aberder ich unsträflich leben und wasche meine Hände in Unschuldbin geplagt täglich und meine Strafe ist alle Morgen da– 
  
-Auch die Kinder Israel stellten eine Vergleichung anAber was für eine! In dieser Sandwüste erinnern sie sich der kühlenden Cukummern oder Gurken, ja sogar der saftvollen und ungemein wohlschmeckenden und lieblichen Pheben oder **Wassermelonen**Nun, das muß man gestehen! in brennender Einöde kann der Gedanke an solche Gewächse den Mund wol wässern machendenn was für ein ausnehmendes Labsal würden die gewähren, so daß es nicht zu verwundern ist, wenn ein König von Frankreich, der sich zur Zeit der Kreuzzüge in Palästina befand, und vielleicht mit Recht den Beinamen eines Heiligen führtsich den Tod daran aßweil er, durch DurstHitze und Erschöpfung verleitetzu reichlich davon genoßWie mancher hat sich nicht schon todt geschwelgttodt getanzt u.s.w– Auch die egyptischen **Fische** kamen ihnen unglücklicherweise ins Gedächtnißso wie die wohlschmeckendenwürzenden Johanneszwiebeln und andere Gartengewürze. Hatten sie die dort unentgeldlich gehabthier war nichts davon zu haben, und hätten sie sie mit Gold aufwiegen wollen.+Plagende, unzeitige Gedanken kamen dazuDie armen Leute waren in dürrer Wüste, wo es heulet. Zu essen fiel da nichts vor, als was vom Himmel sich täglich und nur für einen Tag auf sie herabsenkte, und Wasser hatten sie nur durch ein Wunder, aus dem Felsen, welcher mitfolgte, der Fels aber war Christus. Das Auge sah sich matt und müde an der grauenhaften Einförmigkeit der unermesslichen Einöde, die sich um sie her dehnte, und nur hie und da ein kümmerliches und meistens stachelichtes Gestrüpp hervortriebKeine Spur eines früheren Wanderers. Kein lieblicher Laut ergötzte das Ohr. Keine Turteltaube girrte ihre melancholische Tönekeine Lerche trug wirbelnd ihr Lied himmeln, als wollte sie vernünftigen Herzen ihre Bahn bezeichnen. Es heulte drinnen. Zuweilen ließ ein einsamer Rohrdommel sein ächzendes Gekrächz hören, oder das Gebrüll hungriger Löwen und das Gekreisch blutgieriger Tiger und Hyänen tönte aus der Ferne grauenerregend an ihr Ohr. Sie waren es anders gewohnt. In dem köstlichen Lande Gosen war es ganz anders; lauter Fruchtbarkeit und AnmutÄcker, Gärten und Wiesen, Flüsse und Teiche. Sie fingen unglücklicherweise Vergleichungen an. Durch Vergleichung wird ein Übel oder ein Gut, größer oder kleiner. Vergleicht man ein großes Gut mit einem noch größeren, so wird es geringer in unserem Urteil, und so geht es auch mit einem Übel. Denkt man daran, wie viel schlimmer es sein könnte, so wird es leidlicher. Aber denkt man bei einem Übel an das entgegengesetzte Gut, so wird es noch härter, wie schwarz gleichsam noch schwärzer erscheint, wenn man es auf weiß legt. In der Hölle dünkte dem reichen Schlemmer ein Tröpflein Wassers ein großes Gut, der früher wohl den kostbarsten Wein nicht geachtet hatte. Trug der Anblick des elenden Lazari viel zu seiner Glückseligkeit beidass er sich in seiner Gesundheit und in seinem Überfluss desto besser gefiel: so vermehrte dessen Anblick später seine Qualda er ihn in seiner Herrlichkeit sehen musste. Assaph wurde über dem Vergleichen seiner Umstände mit denen der Gottlosen so übel zu Mutedass er beinahe gedachtes sei nichts mit der Gottseligkeit. Hiob stellte auch Vergleichungen an, und das Resultat war: wenn man mein Leiden möge und fasste es zusammen auf einer Waagschaleso würde es schwerer sein als Sand am MeerWiederum stellt Paulus eine Vergleichung zwischen den Leiden dieser Zeit und der zukünftigen Herrlichkeit an, mit dem Erfolg, dass er jene leicht nennt, die gar nicht anzuschlagen sinddiese aber über alle Maßen wichtigAssaph desgleichen: ich frage nichts nach Himmel und Erde, wenn ich nur dich habeOb mir auch Leib und Seele verschmachtetbist du dochGott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil, - und Hiobund wenn er mich töten wolltesollte ich nicht auf ihn hoffen? – und David: du tröstest mein Herz, obgleich jene viel Wein und Korn haben.
  
-Laßt uns nicht ungerecht gegen sie sein, sondern gestehen, daß es eine nicht gering Versuchung war, worin ihr Fleisch und Blut sie führte. An sich lag ja auch nichts Sündliches darin, daß sie jetzt gerne die Melonen aufgelesen hätten, die sie in Egypten vielleicht mit Füßen traten und die Fische als Leckerbissen betrachteten, die sie dort nicht achteten. Aber dies wurde ihnen zur Sünde, weil sie es auf eine ungemäßigte, heftige Weise und außer der göttlichen Ordnung, ja wider dieselbe begehrten, ungeneigt sich in die göttliche Ordnung zu fügen. Was setzten sie dabei nicht alles aus den Augen! War ihnen denn Canaan nicht verheißen, wo sie Melonen, Fische und Zwiebeln in Menge haben sollten? Wollten sie denn nicht noch ein wenig warten, da sie innerhalb weniger Tage oder Wochen da sein konntengerade darauf zu zogen und den größten Theil des Weges schon zurückgelegt hatten? nicht bedenken, daß sie das Volk waren, von welchem das Heil kommen und der Same entspringen sollte, durch den alle Völker auf Erden sollten gesegnet werden; nicht bedenkendaß das, was sie litten und entbehrten, ihnen selbst und der ganzen Welt zu gute kommen sollte? nicht erwägen, daß es ihnen doch am Nothwendigen durchaus nicht mangele? Galt ihnen denn Gott, seine Führung, seine Verheißung, sein Wille so wenig, und Melonen und Zwiebeln alles? War alles vergessen, was er an ihnen und für sie gethan? – Wie tritt ihr verdüsterterirdischer und fleischlicher Sinn so fatal heraus! Sie dünken sich wie im äußersten Elend. Ach ja! wie erschrecklich wird und muß einst der Zustand aller ihnen gleich gesinnten Menschen werden, welche mit ihrer ganzen Seele am Irdischen und Sinnlichen hangen, nichts Höheres kennen noch begehren, wenn sie so in die Ewigkeit übergehen, wo sie nichts, durchaus nichts von dem antreffenwas allein ihr Sehnen ist, wo sie also in die bitterste Armuth versinken! – Aber auch die Heiligen begehrten wol saftvolle Melonen. Aber was für welche? Solche, die in dem himmlischen Canaan wachsen. Wol durstete ihre Seele. Aber wornach? Nach dem lebendigen Gott. Wann, seufzten sie, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schaue, wann tröstest du mich? – Doch kann auch hier sich etwas ungeregeltes mit einmischen. Paulus wollte ja so ungemein gern des Pfahls im Fleisch überhoben sein. Er mußte sich aber drein fügen und sich bequemen, sich an der Gnade genügen zu lassen. – Wer wollte nicht gern stets Melonen essen? Wer wollte nicht gern stets eine fröhliche Versicherung von der Gnade Gottes mit sich herumtragen; wer wollte nicht gerne stets voll Liebe zu Gott und zu dem Herrn Jesu sein; wer nicht gern stets spüren, wie mächtig der Herr in seiner Schwachheit sei; wer nicht gern äußerlicher Leiden und innerer Anfechtungenwo nicht überhoben, doch unter denselben also gehalten sein, daß er nicht nur geduldig in Trübsal wäre, sondern sich auch derselben rühmtewer wünschte nicht, daß es ihm stets nach dem Spruch ginge: ehe sie rufen, will ich antworten; wer zöge nicht Thabor Gethsemane vor, und einen auferstandenen Christus einem am Kreuz hangenden? David sagt nichts besonderes, wenn er spricht: das wäre meines Herzens Freudewenn ich dich mit fröhlichem Munde loben könnte; es ist nichts besonderswenn Thomas über dem Anblick der Wunden Jesu ausruft: mein Herr und mein Gott! Größeres ist esdaß, wie ein Jeremias sagt, Klagl3,29, ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas überfällt und seinen Mund in den Staub stecke und der Hoffnung warte und lasse sich auf die Backen schlagen und ihm viel Schmach anlegen. – Auch in dieser Beziehung gilt essich selbst verleugnen, und dies mag wol eine der größten, ohne besonderen Beistand des Herrn ganz unausführbare Verleugnung seinThut im Ganzen in der Wüste Verzicht auf das Melonenessen, denn blos sein Brod wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß. Bisweilen kommt ihr denn doch in einen Palmenhain, und endlich nach Canaan– +Auch die Kinder Israel stellten eine Vergleichung an. Aber was für eine! In dieser Sandwüste erinnern sie sich der kühlenden Cukummern oder Gurken, ja sogar der saftvollen und ungemein wohlschmeckenden und lieblichen Pheben oder **Wassermelonen**. Nun, das muss man gestehen! in brennender Einöde kann der Gedanke an solche Gewächse den Mund wohl wässern machen, denn was für ein ausnehmendes Labsal würden die gewähren, so dass es nicht zu verwundern ist, wenn ein König von Frankreich, der sich zur Zeit der Kreuzzüge in Palästina befand, und vielleicht mit Recht den Beinamen eines Heiligen führt, sich den Tod daran aßweil er, durch DurstHitze und Erschöpfung verleitetzu reichlich davon genossWie mancher hat sich nicht schon tot geschwelgttot getanzt usw. – Auch die ägyptischen **Fische** kamen ihnen unglücklicherweise ins Gedächtnisso wie die wohlschmeckendenwürzenden Johanneszwiebeln und andere GartengewürzeHatten sie die dort unentgeltlich gehabt: hier war nichts davon zu haben, und hätten sie sie mit Gold aufwiegen wollen.
  
-Das war nun aber vollends erbärmlichdaß den unartigen Leuten sogar das theure Manna widerwärtig wurdedaß sie auch sagten: unsere Seele ist matt, denn wir sehen nichts als das Man. Abscheulicher Ausbruch der Verderbniß des menschlichen Herzens. Sie treten gleichsam Gottes Wohlthat mit Füßenund werden sie ihm unwillig zurück. Verhielten sich nicht später ihre Nachkommen so gegen denwelchen das Manna abbildete, der sich ihnen als das lebendige Brod darstelltedas der Welt das Leben gibtUnd treten nicht auch wir wacker in ihre Fußstapfenobschon wir uns Christen nennen? Hat man schon zeitig angefangenwo nicht an seiner stattdoch neben ihm allerhand Heilande einzuschwärzen und die Mutter mehr anzulaufen als den Sohnhat die Reformation den Unrath suchen wegzuschaffen und wieder gelehrtdaß außer diesem keinerlei Seligkeit weder zu suchen noch zu finden sei: so ist man daraufeben von protestantischer Seite aus, so weit gegangeneigene Weisheit und eigene Kraft wirklich an Christi statt aufzustellenChristum selbst aber mehr und mehr zu verdrängen. Was ist länger im Ganzen von ihm noch übrig geblieben? Und wird der Religionsunterricht auch noch mit heuchlerischem Geprängeals etwas Wichtiges gepreiset, so gleicht er doch im Ganzen in Kirchen und Schulen einem Leichnam ohne Hauptund man muß mit Maria davon sagen: sie haben meinen Herrn weggenommenund ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt habenEs ist eine wunderliche Widrigkeit gegen Christum bei der Welt, die doch auch weise, gerecht und selig werden, aber es nur **durch ihn nicht** werden will, und das nennt man denn Aufklärung, vor welcher aber Gott alle diejenigen in Gnaden bewahrt, welche er lieb hatNur denen die verloren gehen, bleibt das Evangelium verdeckt– Jedoch fand sich auch Paulus veranlaßtsich gewissermaßen wegen seines evangelischen Einerlei zu entschuldigenwenn er den Philippern3,1 sagt: daß ich euch immer einerlei schreibeverdreußt mich nicht und macht euch desto gewisser – und wenn Johannes gleichsam scherzweise sagt: ein neu Gebot schreibe ich euch, so sagt er doch zugleich: es ist das alte Gebot, das ihr von Anfang gehabt habtDie alten Sachen lassen sich wol mit neuen Worten, in neuen Verbindungen und Weisen vortragenaber das ist doch nur Nebensache und es läuft alles auf das eine Ziel hinaus: Christus alles und der Mensch nichtsDaß die Welt deß endlich satt und überdrüßig wird und auch sagt: unsere Seele ermattet, wenn sie nichts aufgetischt bekommt, als das vom Himmel stammende Manna und anders nichts – das kann uns nicht wundern, und es brauchte noch lange kein Apostel zu sein, um vorhersagen zu können, die Leute würden sich mit der Zeit Lehrer aufladen, nachdem ihnen die Ohren jucken; nicht wundern, wenn ein reformirter Prediger eine lange Zeit über die Geschichte seines Zeitalters und dergleichen predigteund großen Beifall erhielt; nicht wundernwenn ein gewisser Prediger im Jahr 1812am 2ten Christtagedarüber predigte: der Beruf des Weibes sei eben so reich an Verdienst um das menschliche Geschlecht als der Beruf des Mannes; so wie am 1ten vom Verdienst der niedern Stände, nicht zu wundernwenn das von der Weltdie das Ihrige lieb hat, beifällig aufgenommen wird; und eben so wenig zu wundern, wenn sie ein Zetergeschrei erhebtsobald das Evangelium irgendwo eigentlich und mit Kraft und Nachdruck gepredigt und geglaubt wird, und alles aufbietet, es wo möglich zu unterdrücken oder zu entkräften; denn diejenigendie dem Kindlein nach dem Leben stehensind noch immer nicht gestorben. Hierübersage ich, hat man sich nicht zu verwundern, weil das sehr natürlich zugehtAber Paulus findet sich veranlaßtauch wahre Christen zu warnendaß sie ihre Sinnen nicht verrücken lassen von der Einfältigkeit in Christo2. Cor. 11,3. sich nicht umtreiben lassen von mancherlei Wind der Lehre. Immer und immer auf sein Elend und auf Christum hingewiesen werden, das möchte man ja wol endlich müde und satt werden und auf die Einbildung gerathen, es sei nun damit ziemlich genug, und man habe beides so ziemlich inne, gerade als wäre das eine wie das andere so mit der Zeit ausgelernt und etwas gewöhnlicheswo man denn wol etwas Ungewöhnliches und Besonderes, eine aparte Weisheit und Einsicht suchet und eben dadurch vom rechten Wege ab und auf allerhand Schwärmereien geräthwie die Geschichte solches reichlich bezeugt; da müssen denn oft dunkeleunverständliche Redensarten statt großer Weisheit dienen, hinter welchen sie große Geheimnisse suchen, und andere verachten lernen. – +Lasst uns nicht ungerecht gegen sie seinsondern gestehendass es eine nicht gering Versuchung war, worin ihr Fleisch und Blut sie führte. An sich lag ja auch nichts Sündliches darin, dass sie jetzt gerne die Melonen aufgelesen hätten, die sie in Ägypten vielleicht mit Füßen traten und die Fische als Leckerbissen betrachteten, die sie dort nicht achteten. Aber dies wurde ihnen zur Sündeweil sie es auf eine ungemäßigteheftige Weise und außer der göttlichen Ordnung, ja wider dieselbe begehrten, ungeneigt sich in die göttliche Ordnung zu fügen. Was setzten sie dabei nicht alles aus den Augen! War ihnen denn Kanaan nicht verheißenwo sie Melonen, Fische und Zwiebeln in Menge haben solltenWollten sie denn nicht noch ein wenig wartenda sie innerhalb weniger Tage oder Wochen da sein konntengerade darauf zu zogen und den größten Teil des Weges schon zurückgelegt hatten? nicht bedenkendass sie das Volk waren, von welchem das Heil kommen und der Same entspringen sollte, durch den alle Völker auf Erden sollten gesegnet werdennicht bedenken, dass das, was sie litten und entbehrtenihnen selbst und der ganzen Welt zu gute kommen sollte? nicht erwägendass es ihnen doch am Notwendigen durchaus nicht mangele? Galt ihnen denn Gottseine Führung, seine Verheißung, sein Wille so wenig, und Melonen und Zwiebeln alles? War alles vergessen, was er an ihnen und für sie getan? – Wie tritt ihr verdüsterterirdischer und fleischlicher Sinn so fatal heraus! Sie dünken sich wie im äußersten Elend. Ach ja! wie erschrecklich wird und muss einst der Zustand aller ihnen gleich gesinnten Menschen werden, welche mit ihrer ganzen Seele am Irdischen und Sinnlichen hangennichts Höheres kennen noch begehrenwenn sie so in die Ewigkeit übergehenwo sie nichtsdurchaus nichts von dem antreffen, was allein ihr Sehnen ist, wo sie also in die bitterste Armut versinken! – Aber auch die Heiligen begehrten wohl saftvolle MelonenAber was für welche? Solche, die in dem himmlischen Kanaan wachsenWohl durstete ihre SeeleAber wonach? Nach dem lebendigen Gott. Wannseufzten siewann werde ich dahin kommendass ich dein Angesicht schauewann tröstest du mich– Doch kann auch hier sich etwas ungeregeltes mit einmischen. Paulus wollte ja so ungemein gern des Pfahls im Fleisch überhoben seinEr musste sich aber drein fügen und sich bequemensich an der Gnade genügen zu lassen. – Wer wollte nicht gern stets Melonen essen? Wer wollte nicht gern stets eine fröhliche Versicherung von der Gnade Gottes mit sich herumtragen; wer wollte nicht gerne stets voll Liebe zu Gott und zu dem Herrn Jesu sein; wer nicht gern stets spürenwie mächtig der Herr in seiner Schwachheit seiwer nicht gern äußerlicher Leiden und innerer Anfechtungenwo nicht überhobendoch unter denselben also gehalten seindass er nicht nur geduldig in Trübsal wäresondern sich auch derselben rühmtewer wünschte nicht, dass es ihm stets nach dem Spruch ginge: ehe sie rufenwill ich antwortenwer zöge nicht Thabor Gethsemane vor, und einen auferstandenen Christus einem am Kreuz hangenden? David sagt nichts besonderes, wenn er spricht: das wäre meines Herzens Freude, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben könnte; es ist nichts besonderswenn Thomas über dem Anblick der Wunden Jesu ausruft: mein Herr und mein Gott! Größeres ist es, dasswie ein Jeremias sagtKlagl3,29ein Verlassener geduldig seiwenn ihn etwas überfällt und seinen Mund in den Staub stecke und der Hoffnung warte und lasse sich auf die Backen schlagen und ihm viel Schmach anlegen. – Auch in dieser Beziehung gilt es, sich selbst verleugnen, und dies mag wohl eine der größtenohne besonderen Beistand des Herrn ganz unausführbare Verleugnung sein. Tut im Ganzen in der Wüste Verzicht auf das Melonenessen, denn bloß sein Brot wird ihm gegebensein Wasser hat er gewiss. Bisweilen kommt ihr denn doch in einen Palmenhain, und endlich nach Kanaan. – 
  
-Mit dem Manna hatte es auch eine eigene Bewandnißvorzüglich diedaß es sich ausschließlich nur vom Freitag auf den Sonnabend hieltan allen andern Tagen aber sich auf den folgenden Morgen durchaus nicht aufbewahren ließsondernwenn es geschahwurmicht und stinkend befunden wurde. Es mußte also sechsmal die Woche frisch gesammelt werdenam sechsten Tage aber eine doppelte Portionfür den Sabbath mit, an welchem Tage keins fielWar dies nun auch nicht sehr beschwerlich, so war’s doch sehr abhängig. Und ein abhängliches Leben gefällt unserer stolzen Natur nichtdie lieber unabhängigselbstständigselbstgenugsam sein möchteSo gestaltete es sich im Paradiese. Ihr werdet Gott gleichalso unabhängig von ihmeuere eigne Herren sein, nicht mehr nöthig habeneuch von ihm Befehle geben zu lassen, selbst von gut und böse hinlänglich unterrichtet seinDies war die Versuchungdies der ausgeworfene KöderDer Fisch biß an, und die Angel blieb kleben. So will’s nun unsere Natur. Ein untergeordnetes Verhältniß ist ihr zuwiderSie gehorcht nur aus Noth. Sie will gerne obenan sitzen und räumt andern nur mit Mühe einen Vorzug ein. Selbst der Obrigkeit gehorcht man im Ganzen nur aus Nothwollte aber doch viel lieber frei sein, ohne zu begreifen was für ein Unglückwie unmöglich das bei der sündlichen Beschaffenheit der Menschen wäreohne zu ermessenwelche große Wohlthat die Obrigkeit ist, die Gott gesetzt hat. Wie leicht will man’s besser wissen wie siewie leicht und unbescheiden werden ihre Maßnehmungen getadelt! Aeußert sich nicht das nehmliche in den häuslichen Verhältnissen, und was für Mühe haben die meisten Elternihre Kinder zum Gehorsam zu gewöhnen! Aeußert es sich nicht im sonstigen Zusammenleben? Wie leicht gerathen die Menschen einander in Zank und StreitUnd warum? Jeder will rechtkeiner will gefehlt, geirrt habenHört ein Dritter beide besonders, so stellt jeder seine Sache so vordaß die ganze Schuld auf den andern fällthört er sie beide zusammen; so findet er sie wol beide schuldig. Wie seltenwie selten gestehen das aber beide Partheien ein. – +Das war nun aber vollends erbärmlich, dass den unartigen Leuten sogar das teure Manna widerwärtig wurde, dass sie auch sagten: unsere Seele ist mattdenn wir sehen nichts als das Man. Abscheulicher Ausbruch der Verderbnis des menschlichen Herzens. Sie treten gleichsam Gottes Wohltat mit Füßenund werden sie ihm unwillig zurück. Verhielten sich nicht später ihre Nachkommen so gegen den, welchen das Manna abbildete, der sich ihnen als das lebendige Brot darstellte, das der Welt das Leben gibt? Und treten nicht auch wir wacker in ihre Fußstapfenobschon wir uns Christen nennen? Hat man schon zeitig angefangenwo nicht an seiner stattdoch neben ihm allerhand Heilande einzuschwärzen und die Mutter mehr anzulaufen als den Sohn; hat die Reformation den Unrat suchen wegzuschaffen und wieder gelehrtdass außer diesem keinerlei Seligkeit weder zu suchen noch zu finden sei: so ist man daraufeben von protestantischer Seite ausso weit gegangen, eigene Weisheit und eigene Kraft wirklich an Christi statt aufzustellen, Christum selbst aber mehr und mehr zu verdrängenWas ist länger im Ganzen von ihm noch übrig geblieben? Und wird der Religionsunterricht auch noch mit heuchlerischem Gepränge, als etwas Wichtiges gepreist, so gleicht er doch im Ganzen in Kirchen und Schulen einem Leichnam ohne Hauptund man muss mit Maria davon sagen: sie haben meinen Herrn weggenommenund ich weiß nichtwo sie ihn hingelegt habenEs ist eine wunderliche Widrigkeit gegen Christum bei der Weltdie doch auch weisegerecht und selig werdenaber es nur **durch ihn nicht** werden will, und das nennt man denn Aufklärung, vor welcher aber Gott alle diejenigen in Gnaden bewahrt, welche er lieb hatNur denen die verloren gehenbleibt das Evangelium verdeckt– Jedoch fand sich auch Paulus veranlasstsich gewissermaßen wegen seines evangelischen Einerlei zu entschuldigen, wenn er den Philippern, 3,1 sagt: dass ich euch immer einerlei schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser – und wenn Johannes gleichsam scherzweise sagt: ein neu Gebot schreibe ich euch, so sagt er doch zugleich: es ist das alte Gebot, das ihr von Anfang gehabt habtDie alten Sachen lassen sich wohl mit neuen Worten, in neuen Verbindungen und Weisen vortragen, aber das ist doch nur Nebensache und es läuft alles auf das eine Ziel hinaus: Christus alles und der Mensch nichts. Dass die Welt des endlich satt und überdrüssig wird und auch sagt: unsere Seele ermattet, wenn sie nichts aufgetischt bekommt, als das vom Himmel stammende Manna und anders nichts – das kann uns nicht wundern, und es brauchte noch lange kein Apostel zu sein, um vorhersagen zu können, die Leute würden sich mit der Zeit Lehrer aufladen, nachdem ihnen die Ohren jucken; nicht wundern, wenn ein reformirter Prediger eine lange Zeit über die Geschichte seines Zeitalters und dergleichen predigteund großen Beifall erhielt; nicht wundern, wenn ein gewisser Prediger im Jahr 1812, am 2ten Christtage, darüber predigte: der Beruf des Weibes sei eben so reich an Verdienst um das menschliche Geschlecht als der Beruf des Mannes; so wie am 1ten vom Verdienst der niedern Ständenicht zu wundernwenn das von der Welt, die das Ihrige lieb hat, beifällig aufgenommen wird; und eben so wenig zu wundern, wenn sie ein Zetergeschrei erhebt: sobald das Evangelium irgendwo eigentlich und mit Kraft und Nachdruck gepredigt und geglaubt wird, und alles aufbietet, es wo möglich zu unterdrücken oder zu entkräften; denn diejenigen, die dem Kindlein nach dem Leben stehensind noch immer nicht gestorben. Hierüber, sage ich, hat man sich nicht zu verwundern, weil das sehr natürlich zugeht. Aber Paulus findet sich veranlasst, auch wahre Christen zu warnen, dass sie ihre Sinnen nicht verrücken lassen von der Einfältigkeit in Christo, 2Kor. 11,3sich nicht umtreiben lassen von mancherlei Wind der Lehre. Immer und immer auf sein Elend und auf Christum hingewiesen werdendas möchte man ja wohl endlich müde und satt werden und auf die Einbildung geraten, es sei nun damit ziemlich genug, und man habe beides so ziemlich inne, gerade als wäre das eine wie das andere so mit der Zeit ausgelernt und etwas gewöhnlicheswo man denn wohl etwas Ungewöhnliches und Besonderes, eine aparte Weisheit und Einsicht suchet und eben dadurch vom rechten Wege ab und auf allerhand Schwärmereien gerät, wie die Geschichte solches reichlich bezeugtda müssen denn oft dunkele, unverständliche Redensarten statt großer Weisheit dienen, hinter welchen sie große Geheimnisse suchenund andere verachten lernen. – 
  
-Die göttlichen Gebote allein sind nun nicht im Stande, die menschliche Naturdie einen hartenwiderstrebenden Stein verglichen wirdweichbiegsam und handelbar zu machen. Ja im Gegentheil bringen dieselben eben ihre Widerspenstigkeit zum Vorschein. So erkannten es sogar nachdenkende Heiden, und ihre Dichter sagten: nach dem Verbotenen streben wirund was uns versagt wird, begehren wir am meisten; die Schrift aber sagt: die Gesinnung des Fleisches sei Feindschaft gegen Gottdem Gesetz nicht unterthanvermöge es auch nicht. Sie nennt das Gesetz die Kraft der Sündesagt: es sei neben der Verheißung eingekommendamit die Sünde desto mächtiger würdeja es errege allerlei Lust in uns und mache die Sünde lebendigdie zwar vorher schonjedoch gleichsam wie todt in uns warEtliche deuten auch die Worte hieherwo es heißt: das Gesetz richte nur Zorn an, bewirke nehmlich, daß die Natur ordentlich grimmig und aufgebracht werdewegen der vielen und strengen Gebote, die sie nicht erfüllen kann noch mag, und doch bei Strafe des ewigen Todes halten soll. Alsdann regt sich das Gesetz in den Gliedernum diejenigen gefangen zu halten, die da Lust haben am Gesetz Gottesnach dem inwendigen Menschen.+Mit dem Manna hatte es auch eine eigene Bewandtnisvorzüglich die, dass es sich ausschließlich nur vom Freitag auf den Sonnabend hieltan allen anderen Tagen aber sich auf den folgenden Morgen durchaus nicht aufbewahren ließsondernwenn es geschahwurmicht und stinkend befunden wurde. Es musste also sechsmal die Woche frisch gesammelt werden, am sechsten Tage aber eine doppelte Portionfür den Sabbat mitan welchem Tage keins fiel. War dies nun auch nicht sehr beschwerlich, so war’s doch sehr abhängigUnd ein abhängliches Leben gefällt unserer stolzen Natur nicht, die lieber unabhängigselbstständig, selbstgenugsam sein möchte. So gestaltete es sich im Paradiese. Ihr werdet Gott gleichalso unabhängig von ihmeuere eigene Herren seinnicht mehr nötig habeneuch von ihm Befehle geben zu lassen, selbst von gut und böse hinlänglich unterrichtet seinDies war die Versuchungdies der ausgeworfene Köder. Der Fisch biss an, und die Angel blieb kleben. So will’s nun unsere Natur. Ein untergeordnetes Verhältnis ist ihr zuwider. Sie gehorcht nur aus Not. Sie will gerne obenan sitzen und räumt anderen nur mit Mühe einen Vorzug ein. Selbst der Obrigkeit gehorcht man im Ganzen nur aus Notwollte aber doch viel lieber frei sein, ohne zu begreifen was für ein Unglück, wie unmöglich das bei der sündlichen Beschaffenheit der Menschen wäre, ohne zu ermessenwelche große Wohltat die Obrigkeit ist, die Gott gesetzt hat. Wie leicht will mans besser wissen wie sie, wie leicht und unbescheiden werden ihre Maßnehmungen getadelt! Äußert sich nicht das nämliche in den häuslichen Verhältnissenund was für Mühe haben die meisten Elternihre Kinder zum Gehorsam zu gewöhnen! Äußert es sich nicht im sonstigen Zusammenleben? Wie leicht geraten die Menschen einander in Zank und Streit. Und warum? Jeder will recht, keiner will gefehlt, geirrt haben. Hört ein Dritter beide besondersso stellt jeder seine Sache so vor, dass die ganze Schuld auf den anderen fällt; hört er sie beide zusammen; so findet er sie wohl beide schuldig. Wie selten, wie selten gestehen das aber beide Parteien ein– 
  
-Ueberhaupt kann das Christen-Leben, der Natur, schon wegen der beständigen und immer zunehmenden Abhänglichkeit von dem Herrn und seiner Gnade, nicht anstehn. Ohne Zweifel würde es den Kindern Israel besser gefallen habenwenn sie nicht Jahr aus, Jahr ein, jeden Morgen gleich arm hätten sein dürfen. Aber Gott hatte es absichtlich so eingerichtet. Es lag nicht in der Natur des Mannadaß es sich nur einen Tag hieltdenn sonst würde man es ja nicht vom Freitag auf den Sonnabend haben aufbewahren können. Es war dies eine göttliche Anordnung. Sie war gewiß nicht ohne Zweck. Was konnte aber wol anders ihr Zweck seinals der, die Kinder Israel in einer beständigen Abhängigkeit von dem Herrn zu erhalten, und darin zu üben, ihre Hoffnung ganz auf ihn zu setzenVerbot Christus nicht aus dem nehmlichen Grunde seinen Jüngernweder vorräthiges Geld, noch sonst was mit auf ihre apostolische Missionsreise zu nehmen, noch auch sich auf das, was sie reden solltenvorzubereitenes soll euch zur Stunde gegeben werden. Wer dies für eine leicht zu befolgende Verhaltungsregel hältder muß sich selbst noch wenig kennen. Nicht blos zur Stunde wo man es bedarfsondern im voraus hätte man es gern und zwar nicht im Glauben, sondern in eigenthümlichem BesitzEs wäre in der That etwas, der Natur sehr angenehmesso viel Vortrefflichkeit in sich selbst zu habendaß man davon bestehen und damit ausreichen könnte. Aßen unsere Eltern nicht eben deßhalb von dem Baume? Es ist uns nicht anständig in Christo – lieber wollten wir in uns selbst vollkommen sein. Aber das gibt nicht. Willst du ein Jünger Jesu sein: so sorge nur für ein leeres Gefäß und bequeme dich zur geistlichen Armuth. Erhebe dich zu einem mächtigen Vertrauendaß eher junge, starke Löwen werden Hunger leiden, als daß die, so den Herrn fürchten, nicht sollten genug habenLerne die großen evangelischen Worte verstehen, wo es heißt: als die Armendie doch viele reich machenals die nichts haben und doch Alles haben. Es wird am nothwendigen Manna nicht fehlensollte es auch nicht im Ueberfluß fallen. Bist und bleibst du denn auch stets in Einer Armuth, weißt du diesmal so wenig durchzukommen, wie das andere mal, so sei seine Gnade dir genug, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. – Wie weit ging es denn mit dem Mißvergnügen der Kinder Israel? Sie saßen da und weintenheißt es. Worüber weinten sie denn? Ueber ihre ganze Lageüber ihre Reise, ihre Beschwerden, über ihren Mangel an Melonen und FleischDas war ja eine große Betrübniß, und das über irdische Dinge! Aber ist es nicht so bei den irdisch gesinnten Menschen? Was macht ihnen Freude? Irdische Dinge. Was macht ihre Trauer? Irdische Dinge. Was setzt sie in Thätigkeit und Betriebsamkeit? Das Nehmliche. Sind es ihre Sünden – über welche, ist es die Vergebung derselben, ist es die Reinigung ihres Herzens, ist es die Gnade Gottes, ist es etwa die Verderbung derselben, um welche sie weinen? Ach! wäre es das! Aber davon kommt bei ihnen nichts vor, und diejenigen, bei denen dergleichen vorkommt, die sind schon nicht mehr irdisch, sondern geistlich gesinnet. Es ist wahr, auch wahre Christen können und dürfen über irdische, zeitliche Gegenstände weinen, denn sie sind keine Steine. Jesus bestraft die am Grabe ihres Bruders weinenden Schwestern so wenig, daß er vielmehr, an ihrer Trauer theilnehmend, selbst weint; und Paulus gesteht, wenn ihm sein lieber Epaphroditus gestorben wäre, so würde er eine Trauer über der andern gehabt haben. Allein sie mäßigen diese Trauer und beugen sich unter den Willen Gottes. Sie haben andere und höhere Gegenstände ihrer Freudewie ihrer Trauer; denn sie sind geistlich gesinnet.+Die göttlichen Gebote allein sind nun nicht im Standedie menschliche Natur, die einen hartenwiderstrebenden Stein verglichen wirdweichbiegsam und handelbar zu machen. Ja im Gegenteil bringen dieselben eben ihre Widerspenstigkeit zum VorscheinSo erkannten es sogar nachdenkende Heidenund ihre Dichter sagten: nach dem Verbotenen streben wirund was uns versagt wirdbegehren wir am meisten; die Schrift aber sagtdie Gesinnung des Fleisches sei Feindschaft gegen Gottdem Gesetz nicht untertanvermöge es auch nicht. Sie nennt das Gesetz die Kraft der Sündesagt: es sei neben der Verheißung eingekommendamit die Sünde desto mächtiger würdeja es errege allerlei Lust in uns und mache die Sünde lebendig, die zwar vorher schonjedoch gleichsam wie tot in uns warEtliche deuten auch die Worte hierher, wo es heißt: das Gesetz richte nur Zorn anbewirke nämlichdass die Natur ordentlich grimmig und aufgebracht werdewegen der vielen und strengen Gebotedie sie nicht erfüllen kann noch mag, und doch bei Strafe des ewigen Todes halten sollAlsdann regt sich das Gesetz in den Gliedern, um diejenigen gefangen zu halten, die da Lust haben am Gesetz Gottes, nach dem inwendigen Menschen.
  
-Die Betrübniß Israels artete sogar in einen Widerwillen gegen Gott aus und in Trotz. Nach dem 78Ps. fragten sie nicht nur: wer will uns Fleisch gebensondern forderten ihn in ungläubigem Trotz heraussagend: ja, sollte Gott wol einen Tisch bereiten können in der Wüste? Sieheer hat wol den Felsen geschlagen, daß Wasser flossenaber wie kann er seinem Volke Fleisch geben? Das waren ja gottlose Gedanken und abscheuliche Aeußerungen, wodurch sie Gott verkleinerten; es war eine ungeheure Unvernunftdaß sie **Ein** Wunder zugeben und ein anderes für unmöglich halten, da es Gott doch, wie der Erfolg erwies ein Leichtes warihnen, auch ohne ein eigentliches WunderFleisch die Fülle zu gebenWäre es nicht sehr natürlich gewesen zu denken: derjenige, der uns aus dürrem Felsen Wasser geben konnte, der kann uns auch in dieser Wüste Fleisch gebenwenn er nur willUnd was scheint leichter als ein solcher SchlußSollte der Mensch denn so gottlos und verfinstert sein, daß er sogar solcher Gedanken unfähig ist? Denn warum sollten wir diesen besonderen Fall nicht auf’s Allgemeine deuten, da uns der Apostel 1Kor10. ausdrücklich sagtes sei uns zum Exempel geschriebenMachen wir’s besser? Christus sagt: wahrlichwahrlich ich sage euches sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, sonst kann er das Reich Gottes nicht sehenLaßt ihr Menschenkinder das aber nicht so ganz auf sich beruhen, ohne irgend einen Beweggrund für euch selbst daraus herzuleiten? Thut Buße, heißt es. Aber wie oft und wie lange hat’s so geheißenohne daß ihr fragt: was mache ich doch? Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, heißt es. Wer kehrt sich dranIhr habt kein Ohrdas da hörtekein Augedas da sähe, noch ein Herz, das verständig wäre, und bis auf den heutigen Tag hat Gott es euch noch nicht gegeben, sonst benähmet ihr euch ganz anders. – Aber ihr Andern, sind eure Herzen nicht auch noch in euch verstarret, wie Christus seinen Zwölfen sagt? Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für euch dahin gegebenDer Schlußden ihr daraus herleiten solltist dieser: wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken! Macht ihr den? Es heißt: er sorgt für euchWerft ihr denn nun alle eure Sorge auf ihn? Was für Kraft hat sein Wort bei euch? O Herr! mache mich lebendig durch dein Wort! Amen.+Überhaupt kann das Christen-Leben, der Natur, schon wegen der beständigen und immer zunehmenden Abhänglichkeit von dem Herrn und seiner Gnade, nicht anstehnOhne Zweifel würde es den Kindern Israel besser gefallen haben, wenn sie nicht Jahr ausJahr einjeden Morgen gleich arm hätten sein dürfen. Aber Gott hatte es absichtlich so eingerichtet. Es lag nicht in der Natur des Mannadass es sich nur einen Tag hieltdenn sonst würde man es ja nicht vom Freitag auf den Sonnabend haben aufbewahren können. Es war dies eine göttliche Anordnung. Sie war gewiss nicht ohne Zweck. Was konnte aber wohl anders ihr Zweck seinals der, die Kinder Israel in einer beständigen Abhängigkeit von dem Herrn zu erhaltenund darin zu übenihre Hoffnung ganz auf ihn zu setzen. Verbot Christus nicht aus dem nämlichen Grunde seinen Jüngern, weder vorrätiges Geld noch sonst was mit auf ihre apostolische Missionsreise zu nehmen noch auch sich auf daswas sie reden sollten, vorzubereiten: es soll euch zur Stunde gegeben werden. Wer dies für eine leicht zu befolgende Verhaltungsregel hält, der muss sich selbst noch wenig kennenNicht bloß zur Stunde wo man es bedarf, sondern im Voraus hätte man es gern und zwar nicht im Glaubensondern in eigentümlichem Besitz. Es wäre in der Tat etwas, der Natur sehr angenehmes, so viel Vortrefflichkeit in sich selbst zu habendass man davon bestehen und damit ausreichen könnteAßen unsere Eltern nicht eben deshalb von dem BaumeEs ist uns nicht anständig in Christo – lieber wollten wir in uns selbst vollkommen seinAber das gibt nichtWillst du ein Jünger Jesu seinso sorge nur für ein leeres Gefäß und bequeme dich zur geistlichen ArmutErhebe dich zu einem mächtigen Vertrauendass eher jungestarke Löwen werden Hunger leiden, als dass die, so den Herrn fürchten, nicht sollten genug habenLerne die großen evangelischen Worte verstehenwo es heißt: als die Armen, die doch viele reich machen, als die nichts haben und doch Alles haben. Es wird am notwendigen Manna nicht fehlen, sollte es auch nicht im Überfluss fallenBist und bleibst du denn auch stets in Einer Armut, weißt du diesmal so wenig durchzukommen, wie das andere Mal, so sei seine Gnade dir genugdenn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. – Wie weit ging es denn mit dem Missvergnügen der Kinder Israel? Sie saßen da und weinten, heißt es. Worüber weinten sie dennÜber ihre ganze Lageüber ihre Reiseihre Beschwerdenüber ihren Mangel an Melonen und Fleisch. Das war ja eine große Betrübnis, und das über irdische Dinge! Aber ist es nicht so bei den irdisch gesinnten Menschen? Was macht ihnen Freude? Irdische DingeWas macht ihre Trauer? Irdische Dinge. Was setzt sie in Tätigkeit und Betriebsamkeit? Das Nämliche. Sind es ihre Sünden – über welche, ist es die Vergebung derselben, ist es die Reinigung ihres Herzens, ist es die Gnade Gottes, ist es etwa die Verderbung derselben, um welche sie weinen? Ach! wäre es das! Aber davon kommt bei ihnen nichts vorund diejenigen, bei denen dergleichen vorkommt, die sind schon nicht mehr irdisch, sondern geistlich gesinntEs ist wahrauch wahre Christen können und dürfen über irdischezeitliche Gegenstände weinen, denn sie sind keine Steine. Jesus bestraft die am Grabe ihres Bruders weinenden Schwestern so wenig, dass er vielmehr, an ihrer Trauer teilnehmend, selbst weint; und Paulus gesteht, wenn ihm sein lieber Epaphroditus gestorben wäre, so würde er eine Trauer über der anderen gehabt habenAllein sie mäßigen diese Trauer und beugen sich unter den Willen Gottes. Sie haben andere und höhere Gegenstände ihrer Freude, wie ihrer Trauer; denn sie sind geistlich gesinnt.
  
 +Die Betrübnis Israels artete sogar in einen Widerwillen gegen Gott aus und in Trotz. Nach dem 78. Ps. fragten sie nicht nur: wer will uns Fleisch geben, sondern forderten ihn in ungläubigem Trotz heraus, sagend: ja, sollte Gott wohl einen Tisch bereiten können in der Wüste? Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen, dass Wasser flossen, aber wie kann er seinem Volke Fleisch geben? Das waren ja gottlose Gedanken und abscheuliche Äußerungen, wodurch sie Gott verkleinerten; es war eine ungeheure Unvernunft, dass sie **Ein** Wunder zugeben und ein anderes für unmöglich halten, da es Gott doch, wie der Erfolg erwies,  ein Leichtes war, ihnen, auch ohne ein eigentliches Wunder, Fleisch die Fülle zu geben. Wäre es nicht sehr natürlich gewesen zu denken: derjenige, der uns aus dürrem Felsen Wasser geben konnte, der kann uns auch in dieser Wüste Fleisch geben, wenn er nur will. Und was scheint leichter als ein solcher Schluss? Sollte der Mensch denn so gottlos und verfinstert sein, dass er sogar solcher Gedanken unfähig ist? Denn warum sollten wir diesen besonderen Fall nicht aufs Allgemeine deuten, da uns der Apostel 1. Kor. 10. ausdrücklich sagt: es sei uns zum Exempel geschrieben. Machen wir’s besser? Christus sagt: wahrlich, wahrlich ich sage euch, es sei denn, dass jemand von neuem geboren werden, sonst kann er das Reich Gottes nicht sehen. Lasst ihr Menschenkinder das aber nicht so ganz auf sich beruhen, ohne irgendeinen Beweggrund für euch selbst daraus herzuleiten? Tut Buße, heißt es. Aber wie oft und wie lange hat’s so geheißen, ohne dass ihr fragt: was mache ich doch? Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, heißt es. Wer kehrt sich dran? Ihr habt kein Ohr, das da hörte, kein Auge, das da sähe, noch ein Herz, das verständig wäre, und bis auf den heutigen Tag hat Gott es euch noch nicht gegeben, sonst benähmet ihr euch ganz anders. – Aber ihr Andern, sind eure Herzen nicht auch noch in euch verstarret, wie Christus seinen Zwölfen sagt? Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für euch dahin gegeben. Der Schluss, den ihr daraus herleiten sollt, ist dieser: wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken! Macht ihr den? Es heißt: er sorgt für euch. Werft ihr denn nun alle eure Sorge auf ihn? Was für Kraft hat sein Wort bei euch? O Herr! mache mich lebendig durch dein Wort! Amen.
  
 +{{tag>4_Mos_11}}