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-Nachdem wir einen flüchtigen Blick in den Weltspiegel geworfen, den unsere heutige Geschichte uns vor Augen rückt, wenden wir uns nun einem anderen Schauspiele zu. In unserer Szene lodert eine Opferflamme, und das Brandopfer, das von ihr verzehrt wird, ist Christus. Entsetzlich sind die Kränkungen, die Er hier zu erleiden hat. Schon dass man mit Ihm wie mit einem Spielballe umspringt; dass Pilatus Ihn in der Absicht dem Fürsten von Galiläa zuschickt, diesem dadurch eine Höflichkeit zu erweisen; dass dann Herodes, um das Kompliment zu erwidern, Ihn wieder dem Landpfleger überweisen lässt, und diesem damit die Ehre des legten Urteilsspruches zuschiebt: welche Entwürdigung, die in dem Allem dem Herrn der Herrlichkeit zu Teil wird! Aber das ist erst der Schmachen und Erniedrigungen Anfang. Was muss Er erst in Gegenwart des Herodes und seines Hofgesindes über sich ergehen sehen! Ms ein Gaukler und Taschenspieler wird Er hier traktiert. Man mutet ihm zu, dass Er durch Produzierung seiner Künste die Gesellschaft belustige. Mit den albernsten Fragen beleidigt man sein Ohr. Und wie Er zu dem Allem gesenkten Hauptes schweigt, läuft das Maß der Lästerungen und des Spottes wider Ihn vollends über. Als ein Schwachkopf wird Er behandelt, der des Aufsehens, das er erregt habe, gar nicht wert gewesen sei, und den man, nachdem er jetzt seine Rolle ausgespielt und nur als einen lächerlichen Schwärmer sich erwiesen habe, nur der allgemeinen Verachtung preisgeben könne. Herodes achtet's nicht der Mühe wert, von den Beschuldigungen, welche die Hohenpriester gegen Jesum ausschäumen, irgend ernstlich Notiz zu nehmen. „Man lege doch,“ denkt er, „kein so großes Gewicht auf das, was dieser Narr Unsinniges von sich auszusagen sich vermaß. Ist er doch für seine Torheiten hinlänglich dadurch schon gestraft, dass er jetzt vor aller Welt in seiner Ohnmacht offenbar wird, und dem Achselzucken des Mitleids, ja dem öffentlichen Gelächter verfallen ist.“ Er denkt's, und spricht, was er denkt, hauptsächlich dadurch aus, dass er in heiterer Laune dem Herrn ein weißes Gewand anlegen lässt, um ihn dadurch sowohl zu einem Spottkönige, als zu einem Zerrbilde von Philosophen auszustaffieren, ja vielleicht auch zu einem Wahnwitzigen Ihn zu stempeln, indem man nämlich in Israel diese Unglücklichen eben in weiße Überwürfe zu kleiden pflegte.+Nachdem wir einen flüchtigen Blick in den Weltspiegel geworfen, den unsere heutige Geschichte uns vor Augen rückt, wenden wir uns nun einem anderen Schauspiele zu. In unserer Szene lodert eine Opferflamme, und das Brandopfer, das von ihr verzehrt wird, ist Christus. Entsetzlich sind die Kränkungen, die Er hier zu erleiden hat. Schon dass man mit Ihm wie mit einem Spielballe umspringt; dass Pilatus Ihn in der Absicht dem Fürsten von Galiläa zuschickt, diesem dadurch eine Höflichkeit zu erweisen; dass dann Herodes, um das Kompliment zu erwidern, Ihn wieder dem Landpfleger überweisen lässt, und diesem damit die Ehre des letzten Urteilsspruches zuschiebt: welche Entwürdigung, die in dem Allem dem Herrn der Herrlichkeit zu Teil wird! Aber das ist erst der Schmachen und Erniedrigungen Anfang. Was muss Er erst in Gegenwart des Herodes und seines Hofgesindes über sich ergehen sehen! Ms ein Gaukler und Taschenspieler wird Er hier traktiert. Man mutet ihm zu, dass Er durch Produzierung seiner Künste die Gesellschaft belustige. Mit den albernsten Fragen beleidigt man sein Ohr. Und wie Er zu dem Allem gesenkten Hauptes schweigt, läuft das Maß der Lästerungen und des Spottes wider Ihn vollends über. Als ein Schwachkopf wird Er behandelt, der des Aufsehens, das er erregt habe, gar nicht wert gewesen sei, und den man, nachdem er jetzt seine Rolle ausgespielt und nur als einen lächerlichen Schwärmer sich erwiesen habe, nur der allgemeinen Verachtung preisgeben könne. Herodes achtet's nicht der Mühe wert, von den Beschuldigungen, welche die Hohenpriester gegen Jesum ausschäumen, irgend ernstlich Notiz zu nehmen. „Man lege doch,“ denkt er, „kein so großes Gewicht auf das, was dieser Narr Unsinniges von sich auszusagen sich vermaß. Ist er doch für seine Torheiten hinlänglich dadurch schon gestraft, dass er jetzt vor aller Welt in seiner Ohnmacht offenbar wird, und dem Achselzucken des Mitleids, ja dem öffentlichen Gelächter verfallen ist.“ Er denkt's, und spricht, was er denkt, hauptsächlich dadurch aus, dass er in heiterer Laune dem Herrn ein weißes Gewand anlegen lässt, um ihn dadurch sowohl zu einem Spottkönige, als zu einem Zerrbilde von Philosophen auszustaffieren, ja vielleicht auch zu einem Wahnwitzigen Ihn zu stempeln, indem man nämlich in Israel diese Unglücklichen eben in weiße Überwürfe zu kleiden pflegte.
  
 Seht, Freunde, dies ist das Opferfeuer, das in unserer heutigen Geschichte ausschlägt. Nun sagt aber, wie der Hochheilige, der im Himmel wohnt, eine solche Herabwürdigung des Sohnes seines Wohlgefallens in Ruhe, und ohne mit allen Donnern seines Zornes darein zu fahren, mit hätte ansehen können, wenn der Herr Jesus hier nur für seine Person, und nicht zugleich in einer ungewöhnlichen Stellung und geheimnisvollen Vertretung diese unerhörten Unbilden erfahren hätte? Ihr wisst aber, dass Er hier an unserer Statt, und zwar zurechnungsweise als anderer Adam mit unserer Schuld beladen dasteht. Ja, auch hier vernimmt Er des ewigen Vaters Ruf: „Schwert, mache dich auf über meinen Hirten, und über den Mann, der mir der Nächste ist!“ Auch hier erfüllt sich an Ihm der alte Prophetenspruch: „Der Herr warf alle unsere Schulden auf Ihn;“ und der andere: „Die Strafe liegt auf Ihm, auf dass wir Frieden hätten!“ Und Gottlob, dass so und nicht anders die Sache sich verhält; denn nimmer vermöchte ich, und ob auch ein Engel vom Himmel mir die Botschaft überbrächte, dem Bewusstsein in mir Raum zu geben, dass meine Sünden mir nicht zugerechnet werden sollten, wenn mir nicht zugleich auch kund geworden wäre, wo denn die mir abgenommenen Schulden geblieben seien. Ist mir doch lebendiger nichts bewusst als das, dass Sünden, so blutrot, wie die meinen, nicht willkürlich als geringfügige Kleinigkeiten mir verziehen oder gar unbeachtet gelassen und übersehen werden können. Wenn dies geschähe, wie wäre mir's dann noch ferner möglich, an einen Gott der Heiligkeit und Gerechtigkeit zu glauben? Nun aber tritt das Evangelium zu mir her und erzählt mir mit deutlichster Zunge die Geschichte meiner Missetaten, wie dieselben wandernd auf den Mann, der an meine Stelle trat, übergegangen seien; und in dieses Mannes Vertretung greife ich jetzt den Rechtsgrund meiner Absolution mit Händen. Gleich wie vor Hannas, vor Kaiphas und vor Pilatus, so steht auch vor Herodes der Herr nicht bloß im menschlichen Gerichte, sondern zugleich im Gerichte Gottes; und meine Sünde ist es, die er büßt; meine Schuld, die er vollauf bezahlt. Seht, Freunde, dies ist das Opferfeuer, das in unserer heutigen Geschichte ausschlägt. Nun sagt aber, wie der Hochheilige, der im Himmel wohnt, eine solche Herabwürdigung des Sohnes seines Wohlgefallens in Ruhe, und ohne mit allen Donnern seines Zornes darein zu fahren, mit hätte ansehen können, wenn der Herr Jesus hier nur für seine Person, und nicht zugleich in einer ungewöhnlichen Stellung und geheimnisvollen Vertretung diese unerhörten Unbilden erfahren hätte? Ihr wisst aber, dass Er hier an unserer Statt, und zwar zurechnungsweise als anderer Adam mit unserer Schuld beladen dasteht. Ja, auch hier vernimmt Er des ewigen Vaters Ruf: „Schwert, mache dich auf über meinen Hirten, und über den Mann, der mir der Nächste ist!“ Auch hier erfüllt sich an Ihm der alte Prophetenspruch: „Der Herr warf alle unsere Schulden auf Ihn;“ und der andere: „Die Strafe liegt auf Ihm, auf dass wir Frieden hätten!“ Und Gottlob, dass so und nicht anders die Sache sich verhält; denn nimmer vermöchte ich, und ob auch ein Engel vom Himmel mir die Botschaft überbrächte, dem Bewusstsein in mir Raum zu geben, dass meine Sünden mir nicht zugerechnet werden sollten, wenn mir nicht zugleich auch kund geworden wäre, wo denn die mir abgenommenen Schulden geblieben seien. Ist mir doch lebendiger nichts bewusst als das, dass Sünden, so blutrot, wie die meinen, nicht willkürlich als geringfügige Kleinigkeiten mir verziehen oder gar unbeachtet gelassen und übersehen werden können. Wenn dies geschähe, wie wäre mir's dann noch ferner möglich, an einen Gott der Heiligkeit und Gerechtigkeit zu glauben? Nun aber tritt das Evangelium zu mir her und erzählt mir mit deutlichster Zunge die Geschichte meiner Missetaten, wie dieselben wandernd auf den Mann, der an meine Stelle trat, übergegangen seien; und in dieses Mannes Vertretung greife ich jetzt den Rechtsgrund meiner Absolution mit Händen. Gleich wie vor Hannas, vor Kaiphas und vor Pilatus, so steht auch vor Herodes der Herr nicht bloß im menschlichen Gerichte, sondern zugleich im Gerichte Gottes; und meine Sünde ist es, die er büßt; meine Schuld, die er vollauf bezahlt.