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 Zions Schmerz und Klage. Schmerz und Klage spricht recht rührend gleich aus der Aufschrift: Zions Schmerz und Klage. Schmerz und Klage spricht recht rührend gleich aus der Aufschrift:
  
-**V. 1: „Ein Gebet des Elenden, so er betrübt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.“ +**V. 1: „Ein Gebet des Elenden, so er betrübt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.“ **
  
 Schon in dieser kurzen Aufschrift liegt eine schöne Lehre, eine wichtige Mahnung für uns alle, nämlich die: Wenn du betrübt bist, Seele, sei's um eigenes Leid, sei's um fremdes Unglück, sei's um häusliche oder allgemeine Landesnot - schütte deine Klage aus vor dem Herrn, wie man ein volles Gefäß ausschüttet, das am Überfließen ist; wirf deine Last nieder vor dem Herrn, wie man eine schwere Bürde von den Schultern wirft; friss deinen Grimm nicht in dich hinein, dass du immer bittrer wirst; klag auch nicht nur vor Menschen, die dir nicht helfen können, sondern klage deine Not dem Herrn im Gebet und gewiss, schon dadurch wird dir's leichter werden. Nun hören wir die Klage des frommen Beters. Zuerst bittet er Gott um ein gnädiges Gehör: Schon in dieser kurzen Aufschrift liegt eine schöne Lehre, eine wichtige Mahnung für uns alle, nämlich die: Wenn du betrübt bist, Seele, sei's um eigenes Leid, sei's um fremdes Unglück, sei's um häusliche oder allgemeine Landesnot - schütte deine Klage aus vor dem Herrn, wie man ein volles Gefäß ausschüttet, das am Überfließen ist; wirf deine Last nieder vor dem Herrn, wie man eine schwere Bürde von den Schultern wirft; friss deinen Grimm nicht in dich hinein, dass du immer bittrer wirst; klag auch nicht nur vor Menschen, die dir nicht helfen können, sondern klage deine Not dem Herrn im Gebet und gewiss, schon dadurch wird dir's leichter werden. Nun hören wir die Klage des frommen Beters. Zuerst bittet er Gott um ein gnädiges Gehör:
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 **V. 4-6: „Meine Tage sind vergangen wie ein Rauch und meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand.“** Wie ein Rauch in der Luft verfliegt und keine Spur zurücklässt, so sind ihm seine Tage verflogen im fremden Land, in der traurigen Knechtschaft. Wie ein ausgebrannter und verkohlter Aschenhaufe, aus dem kein Feuer mehr emporflammt, in dem kein Funke mehr glimmt, so kommt er selber sich vor in seinen alten Tagen. **“Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich auch vergesse, mein Brot zu essen.“** Das Brot der Knechtschaft schmeckt hart und sauer, und wem ein schweres Leid am Herzen nagt, der vergisst freilich sein Brot zu essen und setzte man ihm statt Brot die kostbarsten Bissen vor: sie würden ihm nicht schmecken, denn er ist krank am Herzen. **““Mein Gebein klebt an meinem Fleisch vor Heulen und Seufzen.“** Das Heimweh zehrt an ihm, der Schmerz hat ihn alt gemacht vor der Zeit. Aber nicht nur als einen Hinfälligen und Kranken, auch als einen Einsamen und Verlassenen stellt er sich dar: **V. 4-6: „Meine Tage sind vergangen wie ein Rauch und meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand.“** Wie ein Rauch in der Luft verfliegt und keine Spur zurücklässt, so sind ihm seine Tage verflogen im fremden Land, in der traurigen Knechtschaft. Wie ein ausgebrannter und verkohlter Aschenhaufe, aus dem kein Feuer mehr emporflammt, in dem kein Funke mehr glimmt, so kommt er selber sich vor in seinen alten Tagen. **“Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich auch vergesse, mein Brot zu essen.“** Das Brot der Knechtschaft schmeckt hart und sauer, und wem ein schweres Leid am Herzen nagt, der vergisst freilich sein Brot zu essen und setzte man ihm statt Brot die kostbarsten Bissen vor: sie würden ihm nicht schmecken, denn er ist krank am Herzen. **““Mein Gebein klebt an meinem Fleisch vor Heulen und Seufzen.“** Das Heimweh zehrt an ihm, der Schmerz hat ihn alt gemacht vor der Zeit. Aber nicht nur als einen Hinfälligen und Kranken, auch als einen Einsamen und Verlassenen stellt er sich dar:
  
-**V. 7. 8: „Ich bin gleich wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Städten. Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.“ +**V. 7. 8: „Ich bin gleich wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käuzlein in den verstörten Städten. Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.“ **
  
 Wie ein menschenscheuer Vogel, der in tiefer Waldeinsamkeit nistet und aufgescheucht noch tiefer ins Dickicht flieht, sowie er einen Menschentritt im Waldgras rauschen hört, oder wie ein nächtliches Käuzlein, das vor dem Licht des Tages sich versteckt in altem Mauerwerk und nur in stiller Nacht seine schauerliche Stimme hören lässt, oder wie eine klagende Turteltaube auf dem Dach, der man ihre Jungen geraubt hat, so kommt der Psalmist in seinem Jammer, in seiner Fremde sich vor. Das Unglück macht ja nicht nur, dass man von den Menschen geflohen wird, sondern auch dass man die Menschen flieht. Man wird menschenscheu, man wird empfindlich, man möchte sein wundes Herz hüten wie ein schalloses Ei vor jeder Berührung der rauen Welt. Und wenn man dann vollends unter fremden Leuten leben muss, von denen man nicht verstanden wird, unter rohen Menschen, von denen man Spott zum Schaden einnehmen muss o dann ist's einem auch wie den Kindern Israels in Babel; dann möchte man nur Flügel haben wie die Tauben, um weit weg zu fliegen in die tiefste Einsamkeit; dann möchte man nur einen Schlupfwinkel wissen, um sich zu verstecken vor aller Welt. - Selig die Seele, die dann die Flügel hat, um sich wegzuschwingen aus der Welt, die Flügel des Gebets; die dann den Schlupfwinkel weiß, wo sie sich bergen kann, wie die Taube in den Felsrigen, nämlich Gottes Schoß; die dann einen Freund hat, der ihr bleibt, wenn alle Welt sie verlässt, einen Gott, unter dessen Schirm sie sich stellt und spricht: Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; einen Heiland, unter dessen Flügel sie sich flüchtet und spricht: Mein Freund ist mein und ich bin sein. Damit ist man dann auch gewappnet gegen den Hass der Welt. Auch als einen Gehassten und Verfolgten stellt der Psalmist sich dar: Wie ein menschenscheuer Vogel, der in tiefer Waldeinsamkeit nistet und aufgescheucht noch tiefer ins Dickicht flieht, sowie er einen Menschentritt im Waldgras rauschen hört, oder wie ein nächtliches Käuzlein, das vor dem Licht des Tages sich versteckt in altem Mauerwerk und nur in stiller Nacht seine schauerliche Stimme hören lässt, oder wie eine klagende Turteltaube auf dem Dach, der man ihre Jungen geraubt hat, so kommt der Psalmist in seinem Jammer, in seiner Fremde sich vor. Das Unglück macht ja nicht nur, dass man von den Menschen geflohen wird, sondern auch dass man die Menschen flieht. Man wird menschenscheu, man wird empfindlich, man möchte sein wundes Herz hüten wie ein schalloses Ei vor jeder Berührung der rauen Welt. Und wenn man dann vollends unter fremden Leuten leben muss, von denen man nicht verstanden wird, unter rohen Menschen, von denen man Spott zum Schaden einnehmen muss o dann ist's einem auch wie den Kindern Israels in Babel; dann möchte man nur Flügel haben wie die Tauben, um weit weg zu fliegen in die tiefste Einsamkeit; dann möchte man nur einen Schlupfwinkel wissen, um sich zu verstecken vor aller Welt. - Selig die Seele, die dann die Flügel hat, um sich wegzuschwingen aus der Welt, die Flügel des Gebets; die dann den Schlupfwinkel weiß, wo sie sich bergen kann, wie die Taube in den Felsrigen, nämlich Gottes Schoß; die dann einen Freund hat, der ihr bleibt, wenn alle Welt sie verlässt, einen Gott, unter dessen Schirm sie sich stellt und spricht: Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; einen Heiland, unter dessen Flügel sie sich flüchtet und spricht: Mein Freund ist mein und ich bin sein. Damit ist man dann auch gewappnet gegen den Hass der Welt. Auch als einen Gehassten und Verfolgten stellt der Psalmist sich dar:
  
-**V. 9: „Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich spotten, schwören bei mir.“ +**V. 9: „Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich spotten, schwören bei mir.“ **
  
 An Schmach und Spott wird's freilich den Kindern Israel nicht gefehlt haben unter dem stolzen Heidenvolk, von dem sie besiegt worden waren, und auch was nicht bös gemeint war, jedes lustige Wort, das sie hören, jeder neugierige Blick, den sie aushalten mussten, wird ihnen wehe getan haben und wie eine Beleidigung erschienen sein. Aber was dem frommen Sänger noch weher tut als der Blick irgend eines menschlichen Auges, das ist der strafende Blick Gottes, den er auf sich und seinem Volke ruhen sieht. Als einen von Gott Gestraften und Geschlagenen stellt er sich dar: An Schmach und Spott wird's freilich den Kindern Israel nicht gefehlt haben unter dem stolzen Heidenvolk, von dem sie besiegt worden waren, und auch was nicht bös gemeint war, jedes lustige Wort, das sie hören, jeder neugierige Blick, den sie aushalten mussten, wird ihnen wehe getan haben und wie eine Beleidigung erschienen sein. Aber was dem frommen Sänger noch weher tut als der Blick irgend eines menschlichen Auges, das ist der strafende Blick Gottes, den er auf sich und seinem Volke ruhen sieht. Als einen von Gott Gestraften und Geschlagenen stellt er sich dar:
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 Nun hält der Psalmist dem Herrn weiter vor das sehnsuchtsvolle Harren seiner Knechte: Nun hält der Psalmist dem Herrn weiter vor das sehnsuchtsvolle Harren seiner Knechte:
  
-**V. 15: „Denn deine Knechte wollten gerne, dass sie gebaut würde, und sähen gerne, dass ihre Steine und Kalk zugerichtet würden.“ +**V. 15: „Denn deine Knechte wollten gerne, dass sie gebaut würde, und sähen gerne, dass ihre Steine und Kalk zugerichtet würden.“ **
  
 Ach, das möchten ja auch heute alle treuen Knechte Gottes, dass das unsichtbare Zion gebaut würde, dass die Risse geheilt, dass die Mauern befestigt würden, dass dem Reich Gottes und der Kirche Christi, die so vielfach darniederliegt, möchte aufgeholfen werden durch Gottes Allmacht und Treue! Darum bitten wir alle Tage im Vaterunser: Dein Reich komme! Und nicht nur um seiner Knechte in Zion willen soll er's tun, sondern auch um der Heiden willen draußen, dass auch sie erkennen: Jehovah ist der lebendige Gott; dass auch sie noch wandeln im Glanz, der über Zion aufgeht. Auch das hält der Psalmist dem Herrn noch vor: Ach, das möchten ja auch heute alle treuen Knechte Gottes, dass das unsichtbare Zion gebaut würde, dass die Risse geheilt, dass die Mauern befestigt würden, dass dem Reich Gottes und der Kirche Christi, die so vielfach darniederliegt, möchte aufgeholfen werden durch Gottes Allmacht und Treue! Darum bitten wir alle Tage im Vaterunser: Dein Reich komme! Und nicht nur um seiner Knechte in Zion willen soll er's tun, sondern auch um der Heiden willen draußen, dass auch sie erkennen: Jehovah ist der lebendige Gott; dass auch sie noch wandeln im Glanz, der über Zion aufgeht. Auch das hält der Psalmist dem Herrn noch vor: