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| - | Matth. 21,1-9.\\ | ||
| - | **Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei, und sprach zu ihnen: Geht hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löst sie auf, und führt sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf dass erfüllt würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig, | ||
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| - | In der Geschichte dieses Evangeliums scheint uns eine gar törichte und lächerliche Sache, ja schier eine solche vorgestellt zu werden, wie die Spiele der Kinder zu sein scheinen. Christus sitzt nämlich auf einem Esel, indem er gen Jerusalem zieht. Und die Einen, eine ungeordnete und gemischte Schar, werfen Zweige von den Bäumen vor ihn hin, die Anderen breiten ihre Kleider auf den Weg, Andere, die vorangehen und nachfolgen, schreien: Hosianna! Vornehmlich die Kinder rufen: Hosianna! Was zeigt sich uns hier Anderes, als ein lächerliches Kinderspiel? | ||
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| - | So möge uns denn die Geschichte dieses Evangeliums vorzüglich lieb sein, auf dass wir daraus lernen, was zu unserem Heile gehört. | ||
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| - | Und zwar wird in dieser Erzählung erstlich offenbar angezeigt, Jesus sei der wahre Christus oder Messias, der allwissende und allmächtige König, welchem Alles im Himmel und auf Erden gehorcht. Denn da er nahe bei Jerusalem kommt, sagt er den Jüngern vorher, sie würden im nächsten Flecken eine Eselin und ein Eselsfüllen finden, und zeigt damit deutlich an, das den Augen der Menschen Entrückte sei ihm offenbar, was doch wahrlich ohne den Geist Gottes nicht hätte geschehen können. So sah er (Joh. 1,48) den Nathanael unter dem Feigenbaum, ehe denn Philippus ihn rief. So tut er (Joh. 4,18) dem samaritischen Weibe kund, welche geheime Sünden sie getan habe. So verkündigt er, weit entfernt, (Joh. 11,14) den Tod des Lazarus. So weiß er den verborgenen Verrat des Judas. Mag das an sich auch gar kleinlich erscheinen, so zeigt es doch, wenn man es mit anderen Wundern vergleicht, dass Christus der allwissende Sohn Gottes ist. Doch was frommt es es mir, Solches zu wissen? Viel, in jeglicher Beziehung. Denn hab' ich Christi Allwissenheit recht erkannt, so werd' ich mich zum Teil von Sünden abschrecken lassen; denn Christus sieht sie und ist der Richter. Ich scheue mich aber Angesichts vieler Menschen und bei Tage ein Verbrechen zu begehen; um wie viel mehr werde ich das Antlitz Christi fürchten müssen! Zum Teil werde ich beim Leiden in der Geduld bestärkt. Denn werd' ich angefochten, | ||
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| - | Dass er aber seine Jünger absendet, um den Esel zu holen und, dass sie, obwohl dieser fremden Herren gehörte, es doch mit einem einfachen Worte erreichen, dass sie dessen Benutzung gestatten: das beweist Christi offenkundige Macht. Und es ist nicht zu verwundern, dass die Herren des Esels so willig ihr Tier auf seinen Befehl überlassen haben, da die Apostel nachher im Namen Christi Teufel und Fieber und andere Arten von Krankheiten gezwungen haben, die Menschen zu verlassen. Diese Gewalt müssen wir sorgsam bei Christo in Acht nehmen, auf dass wir im Besitze seines Wortes meinen, wir werden das erlangen, was sein Wort verheißt. Denn es gibt Leute, die sich weigern, wenn sie Befehle von Gott überkommen, | ||
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| - | Dass die Menge jedoch Zweige und Kleider hinwirft und, dass nicht nur die Erwachsenen, | ||
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| - | Darauf müssen wir bei dieser Erzählung beachten, welches die Weise des Reiches und der Majestät Christi in dieser Welt ist. Obschon Christus nämlich der große und erhabene Herr des Himmels und der Erde ist, so besteht doch seine Majestät nicht in irdischer Größe und sein Reich ist nicht von dieser Welt. Und das ist es, was Christus auch bei jenem Einzuge in Jerusalem kundtun wollte. Denn siehe, wie demütig, wie niedrig Alles geschieht! Er reitet auf einem Esel, fährt nicht in einem Wagen, mit Rossen bespannt. Er sitzt auf Kleidern, die wohl gar zerrissen sind, nicht aber auf einem vergüldeten Sattel. Er hat zum Geleite die Schaar des Volkes, nicht der Oberen. Die Kinder rufen ihm zu, nicht die Hohenpriester, | ||
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| - | Endlich hat Christus mit diesem Schauspiel uns auch vor Augen stellen wollen, wie wunderbar die Herrlichkeit dieser Welt ist. Denn die jetzt ihre Kleider hinbreiten und jauchzen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ dieselben rufen bald nachher: „Hinweg, hinweg! kreuzige ihn!“ Was sollen wir denn nun tun? Sollen wir die menschliche Ehre von uns werfen und in Schanden leben? Keineswegs; aber nach dem Beispiele Christi und Pauli wollen wir uns richten. Christus hat bei der Ehre nicht so geprangt, dass er Gottes Berufung im Stiche gelassen hätte, in Anfechtungen nicht so den Mut sinken lassen, dass er verzweifelte. Paulus spricht (Phil. 4,12.13): „Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; ich bin in allen Dingen und bei Allen geschickt, beide satt sein und hungrig sein, beide übrig haben und Mangel leiden. Ich vermag Alles durch Den, der mich mächtig macht, Christus.“ | ||
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| - | Lasst uns also aus diesem Evangelio lernen: erstens die Allwissenheit, | ||
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