Brousson, Claude - Aus einer Predigt zu Hohelied 2,14

„Die Taube ist ein reines Tier, das sich nicht durch den Schmutz befleckt. So ist auch die Kirche des Herrn Jesu Christi rein und frei von Befleckungen dieser Welt, aber die römische Kirche, welche seit Jahrhunderten sich mit aller Art Unreinigkeit befleckt hat, ist nicht die Taube Jesu Christi.

Die Taube ist ein sanftes und friedfertiges Tier. So ist auch die wahre Kirche sanft, friedlich, barmherzig, gütig; aber die römische Kirche, welche den Gläubigen so viel Übels zufügt, sie ihrer Güter beraubt, aus den Häusern vertreibt, in die Gefängnisse schleppt, sie mit höllischen Qualen plagt und auf grausame Weise tötet, sie ist nicht die Taube Jesu Christi.

Die Taube ist ein treues Tier; denn, sobald sie eine Gefährtin erwählt hat, leidet sie keine andere. So ist auch die Kirche Jesu Christi eine keusche, treue Braut; aber die römische Kirche, welche sich den Götzen preisgibt, ist eine elende Hure, die durch ihre Untreue die geistige Ehe zerreißt, die zwischen ihr und ihrem himmlischen Bräutigam bestand. Sie ist nicht die Taube Jesu Christi.

Die Taube ist ein sehr schwaches Tier, das zu seiner Verteidigung nicht mit Klauen und einem scharfen Schnabel bewaffnet ist. So ist die Kirche Gottes gewöhnlich schwach und von ihren Feinden unterdrückt; aber die römische Kirche ist mächtig und den fleischlichen Augen furchtbar; sie ist das geheimnisvolle Tier, welchem der Drache seine Gewalt und seinen Thron gegeben, und von welchem die Erde sagt: Wer ist dem Tiere gleich? Und wer kann mit ihm kriegen? Sie ist also nicht die Taube Jesu Christi. … Das ist die arme Taube Jesu Christi, welche in den Felslöchern und Steinritzen sich aufhält. In den vergangenen Jahrhunderten war das Schicksal unserer Väter lange dem jener Gläubigen ähnlich, und heute gleicht das unsrige dem unserer Väter.

Die Güter dieser Welt sind vergänglich; aber die himmlischen Güter sind ewig. Diejenigen, welche nicht mit Jesu Christo leiden wollen, werden einst nicht mit ihm herrschen. Für dieses Leben haben sie ihren Lohn dahin; aber am jüngsten Tage wartet ihrer der feurige Pfuhl. O ihr armen Getreuen, die ihr um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, freuet euch! Denn euer ist das Himmelreich. Jetzt seid ihr elend, einst werdet ihr mit Ruhm gekrönt werden; jetzt seid ihr aus euren Häusern vertrieben; aber selig seid ihr, denn ihr werdet in die ewigen Hütten aufgenommen werden. jetzt wohnet ihr in Wäldern, Wüsten und Steinklüften; aber selig seid ihr, denn einst werdet ihr wohnen in dem Palaste des Königs aller Könige, und ewiglich getränkt werden aus dem Strome seiner Seligkeit.“

Quelle: Fliedner, Theodor - Buch der Märtyrer

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