Wesley, John - Drei Andachten über die Bibel

Wesley, John - Drei Andachten über die Bibel

Über die göttliche Eingebung der Heiligen Schrift.

“Gottes Wort.”
Joh. 8, 47.

Es gibt vier erhabene und mächtige Beweisgründe, welche uns hauptsächlich veranlassen, zu glauben, daß die Bibel von Gott sein muß, nämlich: Wunder, Prophezeiungen, die Vortrefflichkeit der Lehre und der moralische Charakter der Schreiber.

Auf diese Art ist das Christentum auf vier herrliche Säulen gestützt; nämlich: auf die Kraft, Weisheit, Vollkommenheit und Heiligkeit Gottes. Göttliche Kraft ist die Quelle aller Wunder; göttliche Weisheit aller Prophezeiungen; göttliche Vollkommenheit der Vortrefflichkeit der Lehren, und göttliche Heiligkeit des moralischen Charakters der Schreiber.

Ich will einen kurzen, klaren und starken Beweis liefern von der göttlichen Eingebung der Heiligen Schrift.

Die Bibel muß entweder 1) eine Erfindung guter Menschen oder Engel - 2) schlechter Menschen oder Teufel - 3) oder von Gott sein.

1) Sie kann nicht die Erfindung guter Menschen oder Engel sein, denn solche könnten und würden gewiß kein Buch machen, in welches sie immerfort Lügen hineinschreiben würden, indem sie sagen: “So spricht der Herr” - wenn es doch ihre eigene Erfindung ist.

2) Es kann nicht die Erfindung schlechter Menschen oder Teufel sein, denn diese würden kein Buch machen, das alles Gute befiehlt, alle Sünden verbietet und die Bösen für alle Ewigkeit zur Hölle verdammt.

3) Deshalb ziehe ich den Schluß: Daß uns die Bibel durch göttliche Eingebung überliefert worden sein muß.

Die Richtschnur des Christen

“Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.”
2. Tim. 3, 16.

Die christliche Regel von Recht und Unrecht ist das Wort Gottes, die Schriften des Alten und Neuen Testaments; alles, was die Propheten und “die heiligen Vorväter” schrieben, wie sie vom Heiligen Geist gelehrt wurden; die ganze Bibel, welche durch die Eingebung Gottes geschrieben wurde und nütze ist zur Lehre, d.h. zur Belehrung über den ganzen Willen Gottes; zur Strafe, d.h. zur Bestrafung alles dessen, was Gottes Willen entgegen ist; zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.

Dies ist eine Leuchte für eines Christen Fuß und ein Licht für alle seine Schritte. Dies allein nimmt er an als seine Richtschnur für Recht und Unrecht, oder für das, was wirklich gut oder was böse ist. Er achtet nichts für gut, als was ihm hier anbefohlen ist, entweder geradezu oder durch deutliche Folgerung, und er hält nichts für unrecht, als was hier verboten ist, entweder ausdrücklich oder durch unleugbare Folgerung. Was die Schrift nicht verbietet, und nicht befiehlt, ist für ihn gleichgültig; er hält es an und für sich weder für gut, noch für böse, da sie allein die ganze und einzige äußere Richtschnur ist, nach welcher sich sein Gewissen in allen Dingen richten soll.

Und wenn er sich in der Tat danach richtet, so hat er “den Bund eines guten Gewissens mit Gott.” Ein gutes Gewissen ist, was sonst von dem Apostel “ein unverletztes Gewissen” genannt wird. Einmal drückt er sich so aus: “Ich habe mit allem guten Gewissen gewandelt vor Gott, bis auf diesen Tag;” Apg. 23, 1. Ein andermal gebraucht er folgenden Ausdruck: “In demselbigen aber übe ich mich, zu haben ein unverletztes Gewissen, allenthalben gegen Gott und Menschen.” (Apg. 24, 16.)

Es wird aber hinsichtlich dessen schlechterdings gefordert, erstens, ein rechtes Verständnis von Gottes Wort, seines heiligen, wohlgefälligen und vollkommenen Willens, wie er uns in seinem Wort geoffenbart wird. Denn es ist unmöglich, unsern Wandel nach einer Richtschnur zu führen, ohne sie zu verstehen. Zweitens wird erfordert (und wie wenige haben es erreicht!) eine rechte Selbsterkenntnis, eine Kenntnis unseres Herzens und unseres Lebenswandels, unserer Gesinnungen und unseres Tuns und Treibens, da es ja unmöglich ist, solches mit einer Regel zu vergleichen, wenn wir dasselbe nicht kennen. Drittens ist erforderlich eine Übereinstimmung unseres Herzens und Lebenswandels, unserer Gemütsverfassung und Sprache, unserer Gedanken, Worte und Werke mit jener Regel, mit dem geschriebenen Worte Gottes, denn ohne diese Übereinstimmung muß, wenn wir wirklich ein Gewissen haben, dasselbe schlecht sein. Viertens wird gefordert eine innere Wahrnehmung der Übereinstimmung mit unserer Regel, und dieses beständige Wahrnehmen, dieses innere Bewußtsein selbst ist eigentlich ein gutes Gewissen (oder in der Sprache des Apostels ein unverletztes Gewissen gegen Gott und Menschen).

Die geschriebene Offenbarung ist das beste Mittel für vernünftige Überzeugung und jedem der außerordentlichen Mittel weit vorzuziehen, welche, wie viele meinen, weit wirksamer sein würden. Weisheit ist es daher von uns, dieselbe zu benützen, so daß sie eine Leuchte für unseren Fuß und ein Licht für alle unsere Schritte sein möge. Laßt uns daher dafür sorgen, daß unser ganzes Herz und Leben im Einklang damit stehe, daß es der beständige Leitfaden aller unserer Gesinnungen, Worte und Handlungen sei. So werden wir in allen Dingen das Zeugnis eines guten Gewissens gegen Gott bewahren, und wenn unser Lauf vollendet ist, werden wir auch durch Engel in Abrahams Schoß getragen werden.

Über die Wichtigkeit der Heiligen Schrift.

“Der Mensch gleicht einem Hauch; seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten.”
Ps. 144, 4.

Ich bin das Geschöpf eines Tages, welches durchs Leben geht, wie ein Pfeil durch die Luft fliegt. Ich bin ein Geist, der von Gott kommt und zu Gott zurückkehrt. Ich suche gerade über den großen Meerbusen hinüber zu kommen, und in kurzer Zeit werde ich nicht mehr gesehen. Ich falle in eine unveränderliche Ewigkeit hinein! Ich verlange nur eines zu wissen: den Weg nach dem Himmel, daß ich sicher an seinen glücklichen Ufern landen kann. -

Gott selbst hat sich herabgelassen, den Weg dorthin zu lehren, deshalb kam er vom Himmel herunter. Er hat ihn in einem Buch niedergeschrieben. O gib mir das Buch! Gib mir Gottes Buch - was es auch kosten mag! – Hier habe ich es; es enthält, was ich zu wissen verlange. Laß mich sein ,homo unius libri', ein Mann eines Buches. Hier bin ich dann, weit entfernt von den geschäftigen Wegen der Menschen. Ich setze mich allein hier nieder, nur Gott ist bei mir. In seiner Gegenwart öffne ich, lese ich sein Buch, nur um den Weg nach dem Himmel zu finden. Ist irgendein Zweifel hinsichtlich der Meinung dessen, was ich lese? Erscheint mir irgendeine Stelle dunkel oder verworren? Ich erhebe mein Herz zu dir, Vater des Lichts - Herr, ist das nicht dein Wort: “So jemand Weisheit mangelt, der bitte von Gott?” Du “gibst allen gern und verschmähst keine Bitte.” Du hast gesagt: Ist jemand willig, meinen Willen zu tun, so soll er ihn wissen. Ich bin willig, laß mich deinen Willen wissen. So forsche ich denn und vergleiche Parallelstellen der Heiligen Schrift und auch Geistliches mit Geistlichem.

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