Stockmayer, Otto - Nachgeschriebene Reden - 3.
Mittwoch, Vormittag den 20. Mai 1897.
Gebet.
HErr, auch wir bringen Dir Anbetung an diesem Morgen, Dir, dem Gott, den der Vater erhöht hat über alle Fürstentümer, Gewalt, Kraft und Herrschaft, und über jeden Namen, der genannt wird jetzt und immerdar, und hat Dich erhöht zu seiner Rechten, damit Du als der Hohepriester Deine Gemeinde, Deinen Leib segnest; und als Glieder Deines Leibes kommen wir vor Deinen Thron, vor Deinen Gnadenstuhl auch jetzt. HErr, neige Dich über uns alle und über ein jedes nach den besonderen Bedürfnissen, die es mit hierher gebracht hat, nach den Seufzern, die deute morgen schon zu Dir emporgestiegen sind, mit dem Erwachen zu einem neuen Tage, und lass es Tag werden, wo es noch dunkel ist, vertreibe mit dem Licht Deines Herzens die Schatten der Nacht, und lass aufgehen den hellen Morgenstern in den Herzen, und nimm uns heute eine Hülle mehr hinweg von Deinem heiligen Wort, dass wir mit aufgedecktem Antlitz in Deine Gnade hineinschauen und genesen und Dich loben und vor Dir wandeln, und gewiss und fest werden in Deiner Nachfolge, o JEsu. Amen!
Lukas, Kap. 17, Vers 1-10.
Wir kommen zusammen als Erlöste des HErrn, und wir wollen uns Rechenschaft geben, was darin liegt, erlöst zu sein. Wir haben gesprochen von der Herrlichkeit eines Lebens, wo man Gott dient, sich nicht mehr um sich selber bewegt; und das ist ja die Erlösung, dass sie für den gefallenen Menschen einen neuen Mittelpunkt schafft, oder ihn dem ursprünglichen Mittelpunkt zurückgibt. Er war nicht für Sich selber, sondern für Gott geschaffen, und der Fall bestand darin, dass Er Sich zum Mittelpunkte Seines Lebens machte, Gott den Gehorsam kündigte und in Nacht, Jammer, Elend und Verderben fiel. Und Christus ist gekommen, wiederzubringen, was er verloren hat, ihn zurückzubringen zu Gott, uns mit Gott wieder zu verbinden, in die Stellung des Vertrauens zu Gott wieder zurückzubringen. Niemand lebt sich selbst, heißt es im Neuen Bunde. Leben wir in der Erlösung, so leben wir dem HErrn und stehen Ihm zur Verfügung für jeden Dienst, den Er uns anvertraut. Leben wir dem HErrn, so kann es sein durch Seinen Geist und durch Seinen Sinn, den Er uns gibt, und den Er jedem gibt, den Er losmacht von der Sünde und der im Glauben eingeht in die Erlösung; und haben wir Christi Sinn, so haben wir nicht, nach dem wir uns bisher mit Not herumgeschlagen, in unserm persönlichen Elend aufgegangen sind und je länger, je mehr versunken sind in Not und Jammer in das persönliche und Familienleben; nun haben wir wieder Raum, an Andere zu denken, ein Herz für Andere, wie der HErr JEsus eins hatte für die Verlorenen. Er gibt uns Seinen Sinn und die Liebe, mit der Gott liebt; die ist ausgegossen in jedes Herz, das den Heiligen Geist bekommen hat. Durch den Heiligen Geist wird die Liebe Gottes, das ist zunächst nicht die Liebe zu Gott, sondern die Liebe, mit der Gott liebt; die wird mit dem Heiligen Geist ausgegossen. Es ist der Geist Gottes, und habe ich den Geist Gottes, so kann ich nicht anders als lieben, wie Gott liebt. Es ist ja nicht meine natürliche Liebe zu andern; es ist die Liebe Gottes, mit der Er andere liebt, die Er über uns ausgießt. Wenn wir Andere lieben mit unserer Liebe, so können wir sie zu Grunde richten und verderben, wie Eltern in hunderten und tausenden Fällen ihre Kinder verderben, die mit einer fleischlichen, seelischen Liebe sich geopfert für ihre Kinder und damit ihre Kinder zu Grunde gerichtet, da, wo sie ihren Kindern mit der heiligen Liebe Gottes entgegentreten sollten. Natürliche Liebe sucht sich selbst in den andern. Das Weib sucht sich selbst, wo sie ihren Mann liebt, und kann es nicht vertragen, dass der Mann von anderen das erhält, was sie ihm geben will, und was zu geben sie bestimmt ist. Sie will eine Stellung einnehmen im Leben des Mannes, und dazu hat Gott das Weib geschaffen; aber das ist nicht die Liebe Gottes. Wir dürfen etwas sein für Gott zum Ruhm Seines Namens; und wenn das Bewusstsein dieses Adels in uns aufgewacht ist, etwas sein zu dürfen für Gott, für Seinen Namen, für Sein Lob, zum Ruhme Seiner Gnade, dann können wir es entbehren, etwas zu sein zu unserm Ruhm. Wir leben zum Lob und Verherrlichung unsres Gottes und sind in Wahrheit ein Segen für andere. Wir müssen aus der Natur hinaus in die Gnade und Wahrheit, aus der Schattenwelt in die Lichtwelt des Wortes Gottes hinein, sonst wirft unsere Liebe nichts ab für Gott: „Wehe dem, durch welchen Ärgernisse kommen, es wäre ihm besser, dass man einen Mühlstein an seinem Halse hinge, und dass man ihn ins Meer würfe, als dass er einen dieser Kleinen ärgert“. Sobald wir für uns selber leben und unserer Natur den Lauf lassen, und auch unserer natürlichen Liebe für unsere Kinder den Lauf lassen, so ärgern wir sie, halten sie auf, wir verbreiten einen bösen Geruch im Hause, wir stehen Gott im Wege, seiner Erziehung, seinem Gedanken, seiner Liebe. Mit unserer Kreaturliebe halten wir seine heilige Liebe auf, Seine starke, mächtige Liebe, die auch weh tun kann, die nicht fleischlich zärtlich, sondern geistlich zärtlich ist, und dann ärgern mir Andere. Ärgernis ist alles, was ein anderes auf seinem Wege abhält, ob es ein schlechter oder guter Weg ist. Ist Jemand auf dem Weg in einen Abgrund, so kann man ihm nichts Besseres wünschen als ihn ärgern, ihm einen Stein, eine Fallbrücke des Ärgernisses in den Weg legen, an dem er nicht vorüber kann. Ärgernis ist der allergrößte Dienst der Leitung, den wir tun können, und Ärgernis ist auch das Furchtbarste, Schrecklichste, das wir tun können, je nachdem Jemand auf dem Weg zum Leben oder zum Tode ist. Die Menschen waren auf dem Weg zum Tode, und da wurde JEsus Christus ein Ärgernis; Er war ein Stein des Anstoßes und des Ärgernisses, der sich in den Weg der Leute legte, damit sie nicht ins Verderben gerieten. Ärgernis ist alles, was Andere aufhält, und wehe dem, der an dem Stein vorübergeht, und hundert und tausende sind doch, die in den Abgrund fallen, und dann zerschellen sie und werden zerschmettert früher oder später. Ist aber Jemand auf gutem Weg, Anfänger im Christentum, wie kleine Kinder, die unschuldig sind und von unsauberen Dingen nichts wissen, nichts von Selbstbewusstsein kennen, die nicht wissen, sich selbst zu dienen, die auch keine Sorge haben, was sie wohl zu Mittag haben werden (es ist ihnen so natürlich, als denen, die an der Mutterbrust genährt sind), solche können auch geärgert werden. Wer kleine Kinder ärgert durch Bilder, Worte, Sachen, die in den Horizont eines kleinen Kindes nicht hineingehören, wehe dem, es wäre ihm besser, er würde ersaufen im tiefsten Meer, als dass er einen Kleinen ärgert, und wie viele neugeborene Kinder im Reiche Gottes werden geärgert von alten Christen. Sie glauben: ich habe einen Vater und einen Heiland und vertraue Ihm. Dann kommen die alten Christen mit ihren Bitten und Gebeten und lassen es merken, dass sie keinen unbedingten Glauben an Gott und Heiland haben, und dadurch ärgern sie diese Kleinen und halten sie auf und machen sie irre, sobald wir nicht recht stehen, machen wir auch andere, die noch schwach sind, irre. Deswegen ist die Verantwortung so außerordentlich groß, dass wir Alten, die den HErrn schon lange kennen, uns stellen zu unserm Gott, dass Licht und Leben von uns ausgeht und nichts, was andere irre macht, die danach streben, zu überwinden. Wo die Alten durch Wort und Wandel den Glauben der Überwinder verleugnen, da wird ein Geschlecht herangebildet, das ebenso schwach ist, wie das alte, da wird dann der Unglaube und Halbglaube der Alten auch in den Jungen fortgepflanzt, so dass die, welche den HErrn kennen, nicht durchdringen in das Licht Seines Angesichts und in die Kraft der Erlösung, die uns der HErr gebracht hat. Was wir sind, das pflanzen wir fort, wir wirken nicht durch das, was wir sagen, wir wirken durch das, was wir sind und was wir leben. Und das, was wir wirklich sind, finden die andern bald heraus, durch das, was wir sagen oder nicht sagen. Es ist eine Lichtlust oder eine dunkle, trübe Luft, die wir ringsumher verbreiten, je nachdem wir im Licht wandeln oder in der Finsternis unseres natürlichen Herzens. Sie verbreitet sich; und sind kleine Kinder unter uns, Anfänger, die werden irre in ihrem Wachstum, in ihrem Vertrauen in ihrer Stellung zu Gott, in ihrer Fassung des Heils. Die Kinder wollen Anschauungsunterricht; wenn sie nicht mit eigenen Augen sehen, werden sie irre; wenn die Eltern das nicht vorleben, was sie von den Kindern verlangen, werden sie irre und finden keine Kraft. Der HErr Jesus hat es uns vorgelebt und Er hat uns Seinen Geist hinterlassen, dass wir wandeln, wie Er gewandelt hat, und nun sagt Er uns: „Habt acht auf euch selbst.“ Wir haben gestern davon gesprochen, dass wir durch die Opferung des Leibes Christi am Kreuz Gott geheiligt sind, Hebr. 10, 10, für Gott wiedergefunden sind, erkauft für Gott. Sünde, Welt und Hölle haben kein Recht mehr an uns; unsere Natur hat kein Recht mehr an uns; wir sind Gott geheiligt durch das Opfer, das Jesus am Kreuz Seinem Gott dargebracht; aber liebe Freunde.
Nun gilt es ein Gott geheiligtes Leben und Wandeln. Lasst auch uns im Geiste wandeln, und dann muss es sich zeigen, ob wir einen tiefen Blick in die Erlösung haben und, so oft der Geist Gottes etwas aufgedeckt hat, was nicht geheiligt ist, etwas aus unserer Natur; ob wir auch dabei bleiben: „HErr, ich lasse Dich nicht, bis Du auch dieses nicht nur vergeben, sondern auch gänzlich davon gelöst hast.“ Kein Kind Gottes zweifelt, dass der Vater ihm vergibt, wenn ihm etwas zustößt; aber Du darfst Deinem Gott keine Ruhe lassen, bis Du darüber gesiegt, Dich davon losgelöst und davon frei gemacht hast, dass Du nicht immer wieder die gleichen Gefühle des Hasses und der Bitterkeit erfährst, wenn man es auch mit Dir zu arg macht und die Ungerechtigkeit der Hölle über eine gewisse Grenze hinausgeht. Die Liebe Christi war unbegrenzt, und die Geduld Gottes ist unbegrenzt. Wenn wir der Herausforderung des Fleisches unsere Geduld entgegensetzen wollen, dann ist der Feind bald fertig mit uns. Aber die Geduld Christi hat keine Grenzen, und, wenn der HErr erlaubt, dass man so und so mit uns umgeht, so weiß Er, warum Er es erlaubt, und wenn Er uns nicht über die Kräfte versucht werden lässt, so sind damit nicht unsere Kräfte gemeint, die sind bald erschöpft, sondern die Kräfte Seiner Gnade, die Er bereitet hat für alle die, die andere nicht ärgern wollen, die nicht in Sünde fallen wollen, die nicht aus dem Geist und dem Licht herauskommen wollen. Habt acht auf euch selbst, dass ihr da, wo es gilt, andere nicht zu ärgern, also da, wo ihr von ihrer Unzartheit und Derbheit und Unlauterkeit auf die Probe gesetzt werdet, habt da acht auf euch selbst, dass ihr da, wo es gilt, euch ausweist als Kinder des Lichts und der Geduld, als Kinder, die in der Wahrheit und Liebe bleiben und nicht in eigener Kraft! Sind wir Gott geheiligt und gehören uns nicht mehr selbst, so sorgt Gott für uns, und dann führt Er uns aus Seinem Heiligtum vor seinem Reichtum Kräfte des Widerstandes, des Ausharrens der Geduld und der Liebe zu, die wir niemals in uns gefunden hätten, und hätten wir schon 80 Jahre im Dienste des HErrn gestanden; desto unfertiger erkennen wir uns selbst, je mehr wir uns mit Gott befassen. Das Wachstum besteht darin, dass man lernt schöpfen aus dem HErrn, und alles von Ihm und nicht von uns selbst erwarten. Wir ärgern andere durch unsere natürliche Weise, wie andere uns ärgern durch ihre Weise; da lernen wir heute, sie nicht ärgern durch unsere Weise; und wenn die Kinder durch ihre böse Art uns reizen, so suchen wir und halten an vor dem HErrn, dass Er unsere Weisheit erneuere, Geduld erneuere und dass wir ihnen nicht Unrecht tun, sie nicht verletzen und ärgern dadurch, dass wir auffahren und sie dadurch ärgern; oder wenn wir heute ein Kind schlagen, weil es etwas aus Versehen verbrochen hat, und morgen über eine Sünde weggehen, die es verbrochen hat, weil das keinen Schaden angerichtet hat. Wehe dem, der die Kleinen ärgert, und, wie der HErr hinzusetzt: „Habt acht auf euch selbst“, nicht nur, dass wir mit einem Wort ausfahren, welches wir zurücknehmen müssen und uns beugen müssen, sondern es geht viel tiefer, wir ärgern andere nicht nur durch Worte, Blicke und Töne, wir ärgern andere auch, wenn wir nicht in der rechten Stimmung sind. Verstimmte Leute verbreiten eine dicke, schwüle Luft im Hause, schwermütige Leute machen andern das Herz schwer, sie ärgern, sie wandeln nicht im Licht, sie lassen sich in ihrem Schmerz dahingehen, und verbreiten eine Wolke über das ganze Haus, dass ein Gesicht nach dem andern sich beugt und ein Antlitz nach dem andern sich verschleiert. Habt acht auf Euch selbst! Wenn ihr nicht im rechten Geiste seid, wenn ihr einem bösen Geiste Raum gebt, nicht dem Geiste des Ruhms und der Anbetung Gottes lebt, wehe, wenn die Kleinen noch nicht stark genug sind in der Gnade, um ihm zu widerstehen. Sie werden hineingezogen und es kommt eine trübe Lust über ein ganzes Haus. Wer sich verstimmen lässt, verstimmt andere. Wenn ein Misston in einem Orchester nicht zurecht gebracht wird und niemand da ist, der den Ton hört und warnt (das Instrument muss gestimmt werden und der andere muss den Ton wiederfinden), so kann der Ton der ganzen Versammlung heruntergedrückt werden, und das ganze Orchester kann heruntergegangen sein, weil niemand da war, der den falschen Ton gemerkt und korrigiert hat, und so kann etwas fremdes hineinkommen, ohne dass man es weiß. Es war niemand da, der es gewahrt hat. Alle haben sich hereinziehen lassen. Wir müssen vor dem Worte Gottes stehen und im Lichte wandeln, dass alles, was nicht aus dem Lichte ist, in unserer innersten Stimmung uns vom Geiste Gottes sofort gezeigt werden kann, und wir dann in Buße und Glauben zurückkehren ins volle Licht.
Habt acht auf euch selbst, dass ihr im rechten Tone bleibt, und auch kein fremder Ton in Euren Gottesdienst, in Eure Versammlungen, in Euern Verkehr mit andern, mit den Eigenen, mit dem Nachbar hineinkommt, und wer das Wort Gottes nur gedankenlos liest, in dessen Christentum kommt ein fremder Ton hinein, ehe er sich's versieht. Das Wort Gottes ist da, damit wir unsere Instrumente jeden Morgen neu stimmen, unsere Anschauungen, unsere Gebete, unsere Gesänge. Das Wort Gottes und der Geist Gottes ist da, um uns zu strafen wegen Misstöne, und jeder Misston ist Sünde, ärgert andere, drückt sie herunter, schwächt sie, lähmt sie, gibt ihnen zu schaffen, teilt sich mit, steckt an, gerade wie die größten Epidemien.
Habt acht auf Euch selbst, Glieder einer Gemeinschaft, Glieder eines Hauses, Glieder der christlichen Kirche, habt acht auf Euch selbst! Wandelt im Lichte, habt Salz bei Euch, lest das Wort Gottes und blickt darauf, dass es Euch doch wie ein Spiegel sofort offenbare, wo ein Flecken auf dem Gesicht ist, dass Ihr nicht aus Eurem Schlaf- und Wohnzimmer mit einem Schmutzflecken hinausgeht in die Gesellschaft! Und tragen Kinder Gottes Schmutzflecken auf dem Angesicht ihres inneren Wesens, so haben sie nicht tief in das Wort Gottes, in den Spiegel hineingeschaut, der Flecken hat sich nicht gezeigt, und sie schleppen sich mit dem Faulen und Krankhaften, und schließlich meint man, es wäre Eitelkeit, keine Flecken herumzutragen und sind stolz darauf.
Habt acht auf Euch selbst! Ihr seid das Licht der Welt und das Salz der Erde, und wenn das Salz schlecht wird, womit soll man salzen, wenn alles, was sich Faules ansehen will, in Rede und Wandel, in Denkungsart und Sinnen, was Euch Gott von faulem aufdeckt, wenn Ihr da nicht das Salz der Gnade findet und braucht, damit die Fäulnis aufgehalten und Gesundheit zurückkommt? ja, dann greift die Fäulnis um sich, und dann ärgert ihr andere.
Wir wissen gewöhnlich nicht, was für eine Luft wir um uns her verbreiten, ein böses Geschmäcklein, Andere fühlens, wir nicht. Wir merken's nicht, weil wir nicht mehr im Lichte des Angesichts Gottes wandeln, unsere Bibel gedankenlos lesen, anstatt sie als einen Spiegel zu gebrauchen und sorgsam hineinzusehen. Es wäre doch eine Schande, einen Schmutzflecken hineinzutragen in die Gesellschaft: Wehe, du hast einen Fleck! Der muss hinaus und kann hinaus. Da sagt der Teufel: Ja, der geht nicht hinaus. Schau nur tiefer hinein, bis du durchgeschaut hast in das vollkommene Gesetz der Freiheit, aus dem Gesetz der Gebundenheit heraus, in das Gesetz der Freiheit hineingeschaut hast, gebeugt, gewählt hast, nicht ein gedankenloser Hörer, sondern ein Täter des Wortes, der in das Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat, der gemerkt hat: Alles, was geschrieben steht, muss zur Ausgestaltung kommen in uns. Nichts steht geschrieben, was Gott nicht niedergelegt hätte, um es in uns auszugestalten. Das Wort Gottes ist das Maß dessen, was Gott tun will. Gott steht zu allen seinen Worten. Gott lässt uns nicht das Wasser an den Mund kommen, wie man zu sagen pflegt, und gibt es uns dann nicht zu trinken. Was der Geist Gottes auch von Ansprüchen an uns aufdeckt, das haben wir Macht auszuleben nicht in uns; aber dazu ist das Blut geflossen und dazu ist der Geist gegeben, damit nun alles, was von Sinai umsonst gefordert wird, alle Forderungen des Gesetzes in uns erfüllt werden, die wir nicht mehr nach dem Fleisch handeln, nicht mehr an das Fleisch gebunden sind, an den Gestank verbreitenden Leichnam unseres eigenen Wesens. Wir sind ein Geist mit Ihm, und wir sind losgebunden von allem, was unserer Natur angehört. Wir sollen glauben an das ganze Werk Christi und nicht unsern Gott meistern, wie es die Israeliten getan haben. Habt acht auf Euch selbst! Wenn Ihr Gott geheiligt seid, wenn Ihr behauptet, Ihr seid durch das Blut des Lammes losgekauft worden vom eitlen Wandel, von der Eitelkeit des Lebens und der Gesinnung, wenn Ihr behauptet, Ihr habt jetzt Christi Sinn und seid wahrhaft aus Gott Geborene, dann müsst Ihr's beweisen, da ausweisen, wo Ihr versucht seid, eigensinnig zu sein und in die Natur hineinzufallen. Wir sind in Gottes Augen nicht, was wir im gewöhnlichen Leben sind; wir sind in Gottes Augen wahrhaft und gelten vor Ihm für das, für was wir uns in Stunden der Probe ausweisen. Wenn das Gold ins Feuer geworfen wird, stellt sich's heraus, wieviel Schlacken sind und was der wahre Wert des Goldes ist. Wenn unser Glaube auf die Probe gestellt wird, dann scheiden sich die Lagen, die sie vorher eine Zeitlang inne hatten. Es kam eine Zeit, da ging der HErr tiefer, und sobald der HErr tiefer gehen wollte, waren Scharen von Menschen, die gingen zurück und wandelten nicht mehr mit Ihm. Da kommt die Scheidung, sobald der HErr tiefer geht. Dann scheidet's sich ab. Da fragt's sich mit wem wollen wir gehen? ob wir mit Ihm gehen? Wir wollen scheiden alles, was nicht Gott gefällt und dann mit unserm HErrn einen Schritt tiefer hinein in die Erlösung. Das ist aber bald gesagt, Gott gehörig zu sein. Weißt Du es aus der Stunde der Anfechtung? Dort lerne Deinen Gott kennen, dort öffnet Dir der Geist die Kraft des Blutes JEsu, die von aller Sünde reinigt und löst, dort erfährst Du das ganze Christentum. Es weisen sich in der Stunde der Probe aus alle die, die daran glauben. Immer und immer wieder habe ich das Bedürfnis zu beten: HErr, führe mich nicht in Versuchung! Wer meint, er sei jetzt gewachsen und ist trotzig, der ist bereits fertig. Wer aber aus Erfahrung weiß, wie schnell etwas über einen kommen kann, wie bald der Fuß gleitet, der weiß, wie er es machen muss, acht zu haben auf sich selbst. Ich habe acht auf mich, dass ich darüber wache in Gemeinschaft, misstrauisch bin gegen mich, unbedingtes Vertrauen habe zu meinem Heiland. Wer noch kein unbedingtes Vertrauen zu seinem Heiland hat, möge achthaben, solange wie er will. Er kommt nur in sich selber hinein, und er hat andere geärgert und kommt aus dem rechten Ton heraus. Vertrau auf Ihn und stelle Dich in Seinen Schutz.
Bist Du ein Kind Gottes, so wandelst Du im Geiste und im Licht, und es warnt Dich Dein Heiland, und dann drängst Du Dich näher zu Ihm in der Gefahr und wächst in Seiner Gnade, im Bewusstsein Seiner Hirtentreue, die Dir immer größer wird an jedem Tage. Du wirst immer kleiner und Er immer größer, und wer nicht jeden Tag abnimmt in den eigenen Augen, und wenn der HErr nicht größer wird und zunimmt, der ist nicht im rechten Ton. Da ist ein falscher Ton, da ist ein Misston, der durch alles geht. Stimme Dein Instrument im Worte Gottes! Sorge dafür, dass kein Misston da ist, damit Du niemand ärgerst, sondern jeden erbaust. Wenn wir durch und durch Gnadenkinder sind und der HErr in uns ist, so müssen wir andere erbauen, fördern; es wird andern durch uns geholfen. Wir sind ihnen kein Stein des Anstoßes im bösen Sinn, sondern einer im guten Sinn, d. h. es ist durch unsern Lichtwandel die Finsternis aufgedeckt. Ich kann daran nicht vorüber, gerade wie durch Seinen Lichtwandel Jesus die Finsternis der Pharisäer aufgedeckt hat; sie konnten es nicht ertragen, weil sie die Finsternis lieber hatten als das Licht; und solche, die keine Kinder Gottes sind, ertragen es nicht, im Lichte zu wandeln. Die andern sind dankbar, wenn ihnen durch unsern Lichtwandel Unsauberkeit und Finsternis aufgedeckt wird. Die sind uns dankbar, dass wir ihnen ein Ärgernis gewesen sind im guten Sinn. Wir haben sie aufgehalten in einem Weg, der nicht der rechte war. Jetzt gehen sie im rechten Weg. Vorher waren sie in einem Misston. Da kommt ein anderer Direktor des Orchesters hinein und sagt: Zeig mir Dein Instrument! Und dann stimmt er es auf den rechten Ton des Wortes Gottes. Durch das Wort Gottes werden wir orientiert, was der rechte Ton ist. Wohl denen, welchen das Wort Gottes immer lebendiger wird, wie ein zweischneidiges Schwert, bis Alles bis in die tiefsten Gedanken und Regungen hinein bloß liegt vor Gott, und wenn vor Gott alles bloß liegt, kann sich nichts Fremdes einschleichen. In das Auge kommt kein Sandkorn hinein, ohne dass es sich entzündet. Habt acht auf Euch selbst! Geht zur Quelle! Es ist ein Born, daraus heiliges Blut für arme Sünder und zurückgegangene Heilige quillt, in dem Du Dich waschen kannst von aller Befleckung des Geistes und des Fleisches. So, Du lässt Ihm keine Ruhe, bis das Blut Christi in die verborgensten Winkel eingedrungen ist, und dann gehts von Licht zu Licht, von Klarheit zu Klarheit, nicht mit einmal, aber stufenweise vorwärts, immer tiefer in die Gnade hinein.
Habt acht auf Euch selbst! Habt acht auf das Wort, indem Ihr mit allem, was Ihr sagt und redet und denkt und tut, Euch hineinstellt ins Licht des Wortes Gottes und wandelt vor Gott als Kinder des Lichts. Wer aber am Tage wandelt, stolpert und strauchelt nicht und kommt nicht auf Abwege. Das Licht erleuchtet ihn. Habt acht auf Euch selbst, auf dass Gott geehrt werde durch unsern Wandel und dass anderen geholfen und niemand geärgert werde! Amen!