Kögel, Rudolf - Das Vaterunser in elf Predigten ausgelegt - III. Zweite Bitte.

Kögel, Rudolf - Das Vaterunser in elf Predigten ausgelegt - III. Zweite Bitte.

2. Adventsonntag.

Dein Reich komme.

Matth. 6, 10.

So seid nun wacker allezeit und betet! Diese Adventsmahnung habt ihr im heutigen Sonntagsevangelium vernommen. Auch zu Herzen genommen? Seid ihr zum Herrn aufs Neue mit dem Verlangen gekommen: Herr, lehre uns beten! Wohlan die wohlbekannte Antwort begegnet euch zu neuem Segen: wenn ihr betet, so sprecht, unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dieses Reich, das seinem Ursprung nach vom Himmel, dessen Kraft im Himmel, dessen herrliche Vollendung zum Himmel ist!

Ihr wisst nicht, was ihr betet. Dieses Wort an die Zebedäiden gilt wohl allen Vaterunserbetern. Nicht bloß denen, die im Vaterunser den letzten unzerissenen Faden mit der Kirche ihrer Kindheit, mit der Kirche der Ewigkeit in Händen halten, es gilt auch denen, welche die unaussprechlichen Seufzer ahnen, die der Mund des Heiligen Geistes über jede der sieben Bitten hinhaucht. Ergründen und ergrübeln lässt sich der ganze Inhalt dieser Bitten nicht, aber sich glaubend darauf gründen und ihn täglich neu durchleben das ist Christenkunst, Christenvorrecht und Kraft und eben dazu will die gegenwärtige Betrachtung anleiten und anregen. Sind doch im Keime dieser drei Worte „Dein Reich komme“ all unsere Christenerwartungen, Aussichten, Pflichten beschlossen!

Lasst uns denn, meine Freunde, bei der Adventsbitte:

Dein Reich komme!

auf ein Dreifaches achten:

1) in dieser Bitte steht eine untrügliche Zusage,
2) aus dieser Bitte fleht eine unauslöschliche Sehnsucht,
3) durch diese Bitte geht ein unabweisbares Gelübde.

Was kann deine Gemeinde in dem Hause ihrer Wallfahrt, was kann sie in der Adventszeit, was heut Abend Besseres erflehen, Herr Jesu, als das Eine: dein Reich komme! Amen.

1.

Der uns diese Bitte um das Kommen des Reiches gegeben, Er selbst hat das Reich damit es komme gegründet, hat dessen Kommen ausdrücklich verheißen, hat um sein Kommen beim Vater gebetet eine dreifache untrügliche Gewissheit der endlichen Vollendung dieses Reiches!

Zunächst: der Herr selbst hat dies Reich angefangen dass es bleiben soll.

Von einem Königreich ist die Rede. Wer trägt darin das Zepter? Jesus von Nazareth, der König der Juden, der König der Wahrheit. Welches sind seine Waffen, seine Verteidigungs- und Eroberungsmittel?

Er ist ein Herrscher ohne Heere,
Ein mächt'ger Kämpfer ohne Speere,
Ein Friedensfürst von großer Macht.
Es wollen ihm der Erde Herren
Den Weg zu seinem Thron versperren,
Doch er gewinnt ihn ohne Schlacht.

Sein Reich ist nicht von dieser Erden,
Doch aller Erde Reiche werden
Dem, das er gründet, untertan:
Bewaffnet mit des Glauben Worten
Zieht seine Schar nach den vier Orten
Der Welt hinaus und macht ihm Bahn!

Und das Wesen dieses Reiches? Nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist! Und die Kraft dieses Reiches? Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Worte durch seine Gnade glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewig; wenn ein Sünder preisen lernt: als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du mein Heil kommen und hast mich froh gemacht! Und die Grenzen dieses Reiches? Es ist in dieser Welt aber nicht von dieser Welt, kommt auch nicht mit äußerlichen Gebärden, kommt nicht mehr im Schatten des Alten Testaments, nicht mehr eingeschränkt auf Stammesgenossen, es kommt soweit der Tau der Gnade fällt, soweit die Ostersonne ihre Strahlen wirft, soweit der Schall des Evangeliums geht und Annahme findet. Die Genossen also dieses Reiches? Fleisch und Blut ererben es nicht. Die mit der Gewalt des Glaubens und der Buße es an sich reißen, die dringen durch die enge Pforte: Wiedergeburt heißt der Bürger- und Niederlassungsschein. Und die Rangunterschiede, die dort gelten? Wer sich selbst erniedrigt und klein wird wie ein Kind, der ist der größte im Himmelreich. Mit seiner Menschwerdung und seinem Sterben, mit seinem Wort und Sakrament, mit den Gaben und Gnaden seines Heiligen Geistes hat Jesus Christus das Reich gegründet: der Arbeiter ist seines Lohnes wert, der Meister seines Werkes gewiss. Sollte er im Widerspruch mit seiner eigenen Klugheitsregel ohne Kostenüberschlag den Reichsbau vergeblich begonnen, sollte er den Feldzug des Lichts wider das Reich der Finsternis auf Abenteuer und ungewissen Ausgang unternommen haben? Das sei ferne! Der Herr hat sein Reich angefangen, dass es wachsen und bleiben soll.

Er hat ferner das Kommen des Reichs ausdrücklich und feierlich verheißen. Unsere und jede Vaterunserbitte ist nicht ein Befehl nur, in dem Geheiß ist auch eine Verheißung, wie überhaupt jedes göttliche Gebot zu einer reichen Gabe werden will. In dieser Bitte steht die untrügliche Verheißung: endlich sollen und müssen die Reiche dieser Welt, widerstrebend oder freiwillig, unseres Herrn und seines Gesalbten werden. Der zweite Advent ist nicht der letzte, wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, so gewiss der König der Wahrheit seinen Freunden gesagt: ich komme zu euch, ich will euch nicht Waisen lassen, ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat; so gewiss Er in der Stunde seiner Erniedrigung die irdischen Richter gewarnt, bedroht hat: von nun an wird's geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels! so gewiss Er fortgefahren durch seine Apostel uns seine Wiederkunft zuzusagen, durch einen Paulus: der Herr ist nahe, durch Petrus: der Erzhirte wird erscheinen, durch Jakobus: der Richter ist vor der Tür, durch Johannes: siehe er kommt mit den Wolken und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn gestochen haben und werden heulen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen, sollte er etwas sagen und nicht halten? sollte er etwas reden und nicht tun? Ist doch - übersetzt dies nicht, ihr Jünger des Herrn - ist doch jeder einzelne Wendepunkt in der Geschichte der Kirche und der Völker wie eine Erfüllung der gegebenen Zusage vom Kommen des Herrn, so in sich eine neue Verheißung: den einzelnen Krisen solle eine letzte zusammenfassend folgen.

Jerusalems Pfingstflamme auf der Jünger Haupt - ein Kommen des Herrn; freilich auch der Römer Racheflamme auf der Juden Haupt und auf Jerusalems Schutt ein Kommen des Herrn! Die Wiederaufrichtung und Reinigung des Leuchters durch die Reformation ein Kommen des Herrn! Der Umsturz des evangelischen Leuchters in so vielen entarteten Christengemeinden ein Kommen des Herrn! Ob bei dem Märzsturme und dem Brausen der Wasser, ob bei dem Schwellen der Knospen - beide Bilder braucht das heutige Evangelium - hebt auf, ihr Gläubigen, hebt eure Häupter auf, der Herr und der Frühling seines Reiches ist nah! Alle Scheidungen zur Rechten und zur Linken im Laufe der Zeit durch die dareingreifende Hand des Richters sind, ich wiederhole es, feierliche Vorspiele, Weissagungen einer letzten Scheidung bei der sichtbaren Wiederkunft des Herrn und der vollendeten Darstellung seines Reichs. Unser Gott kommt und schweigt nicht!

Kann der Sohn Gottes sein Wort von der Zukunft nicht schuldig bleiben, so wird andrerseits der Vater seinem Sohn die Bitte um das Kommen seines Reichs nicht abschlagen. Darum nämlich ist uns drittens die Verheißung, die in unserer Adventsbitte steht, so unumstößlich gewiss, weil Jesus Christus selbst diese Bitte je und je zu der seinigen gemacht hat. Aus seinem Herzen soll sie ja erst in unseres fließen, von seinen Lippen hat er sie weihend und segnend auf unsere unwürdigen gelegt, zum Beweis des gewissen Kommens weckt sein Geist fort und fort unsere Herzen zu diesem Gebet. Wir unterwinden uns nicht den Vorhang zurückzuschlagen, der droben im Allerheiligsten das ewige Gebet des verklärten Hohenpriesters bedeckt, wir haben ein Gebet, das derselbe Hohepriester auf Erden getan. Der Ort, da wir Joh. 17 stehen, ist heiliges Land, ein Land der Offenbarung mit dem Doppelblick in die Liebe des hohenpriesterlichen Herzens, in die Herrlichkeit seines himmlischen Königreiches. Was wir dort hören, anbetend hören von der Verklärung des Sohnes in den Seinen, von der Bewahrung der Jünger im Namen des Vaters, von ihrer Einigung in der Wahrheit und in der Liebe zur Überführung der ungläubigen Kirche, von dem Anteil der Jünger an der Herrlichkeit des Herrn - siehe da! lauter Gedanken, Zusagen, Seufzer der zweiten Bitte: dein Reich komme! Und wir sollten nicht mitbeten?

2.

Aus und mit der Bitte: dein Reich komme, fleht des Christen unauslöschliche Sehnsucht. Zwei Hände sind es, mit denen des Christen Sehnsucht die Opferflamme des Gebets: dein Reich komme, schürt und unterhält. Die eine ist der Dank des Glaubens für das erschienene Reich, die andere Hand der Schmerz der Liebe über das vielerorten noch aufgehaltene, ausstehende Königreich Gottes.

Der Dank des Glaubens ruft: lobt den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft. Sein Machtreich herrscht über Alles. Lobt ihn, ihr Christen besonders, das Gnadenreich ist gekommen. Umschattet es nicht, aus kleinen Senfkornanfängen über Land und Meer sich breitend, das gerettete Dasein der Völker, unseren Dom und eure Häuser? Durchdringt es nicht mit leiser Sauerteigsgewalt das Kulturleben vielfach in Kunst und Wissenschaft, im Staat, in der Schule und Familie Neues gebärend, Gegebenes adelnd, Böses niederkämpfend? Liegt das Reich der Himmel nicht verhüllt im Acker der Schrift wie ein Schatz, lässt es sich nicht noch heut von dem treuen Sucher unter den guten Perlen als die Eine köstliche finden? Sät es nicht immer wieder sich aus auf Hoffnung und Geduld trotz des dreifachen Undankes am Wege, auf dem Fels, unter den Dornen? Und erhält in diesem Reich die Treue des guten Hirten nicht einen Sieg nach dem anderen über alles, was verloren ist? So hat sich in Gleichnissen angekündigt, so in Wirklichkeit ausgebreitet das Reich Gottes von der Wassertaufe im Jordan, von der Bluttaufe des dornengekrönten Königs an. Aber eben weil wir für das erschienene Reich zu danken haben, dürfen wir um das fernere siegreiche Kommen desselben zu bitten nicht aufhören. Wir müssten die Dornenkrone für die einzige halten, die unserem Könige zukommt, wollten wir das Offenbarwerden seiner Ehrenkrone nicht dringend verlangen, wie sie der vollendete Herzog der Seligkeit trägt, um sie mit uns zu teilen! Wir müssten Jesum Christum überhaupt nicht für den leibhaftig gen Himmel gefahrenen Herren halten, wollten wir nach dem vom Himmel leibhaftig zurückkommenden nicht fleißig ausschauen? Müssten ihn nicht als das A der Weltschöpfung erkannt haben, wollten wir ihn nicht als das O, als Seele und Ziel der Weltregierung ansehen? Müssten den Herrn überhaupt nicht lieb haben, wollten wir nicht mit dem Geist und mit der Braut inbrünstig beten lernen: Komm Herr Jesu! Die Gleichgültigkeit und der Leichtsinn und der Unglaube sprechender Herr kommt noch: lange nicht; die Sehnsucht spricht: Dein Reich komme!

Der Schmerz der Liebe ist die andere Hand, mit der die nicht müde werdende Sehnsucht Holz zum Altar trägt um das Gebet zu nähren: dein Reich komme. Um mit dem Äußersten, das doch kein Äußerliches ist, anzufangen, im Reich der Vollendung ist kein Tod, kein Leid noch Geschrei mehr. Ach was ist der Mensch, du Menschenkind! Du gehst bei Nacht durch eine stille Straße, aus der Kammer tönt das Weinen eines Kindes, die Mutter beschwichtigt es, weinend schläft das Kind wieder ein und die vorige Stille bedeckt das Haus. Hast du dies Bild verstanden? Ach, so ist der Mensch ein in der Erdennacht weinend aufwachendes, ein in derselben Erdennacht weinend wieder einschlafendes Kind! Um des Todes willen wie viel brechende, weinende, bangende Blicke. Einst, einst und das Königreich der Himmel ist völlig da und der letzte Feind, der König der Schrecken, der Tod ist für immer überwunden. Freunde, sollten wir nicht über die Sterbebetten der Unsrigen, über die Gibel der Krankenhäuser, über das Röcheln der Schlachtfelder den großen Tag herbeisehnen, wo das Reich Gottes kommt und Gott allen Todesschweiß und alle Tränen abwischt? Im Namen der Liebe zum Leben, das vom Tode verklagt wird: Dein Reich komme!

Der Herr des Himmelreichs hat uns zu Königen und Priestern gemacht, aber es ist noch nicht erschienen was wir sein werden. Nein, wie viel Schlangenklugheit ohne Taubeneinfalt, wie viel unreine Lust, wie viel Untreue im Gebet, wie viel Schlaf wo wir mit dem Bruder wachen, wie viel Beschönigung des bösen Gewissens, wo wir des Bruders Hüter sein sollten! Rings um uns wie viel Reiz und Druck des Bösen! Und in der Ferne wie mancher makedonische Mann, der hilfeflehend seine Arme ausstreckt: komm herüber und hilf uns! wie mancher Schächer, dem es nicht am Kreuz, ach! aber an der Paradieseszusage fehlt! Wenn für uns und unsere Brüder die Vollendung erscheinen wird, werden wir dem Herrn gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jesu, warum willst du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Um deiner Barmherzigkeit willen, sammle, erleuchte, heilige dir dein Volk! Komm mit deinem Reiche, in welchem allein und immerdar Gottes Name, Wille, Geist, Ruhm und Lob wohnt!

Im Namen der Gerechtigkeit endlich fleht die Sehnsucht voll Schmerz und Liebe: dein Reich komme! Wie manches vergrabene Pfund wartet seiner Verwendung, wartet der Bestrafung seines lässigen Trägers, wie mancher faule Fisch schwimmt heuchlerisch im Neh der Kirche, wie manches wilde Unkraut wuchert trotzig zwischen dem Weizen, wie manche Lampe, die Andern eine Leuchte zum Leben sein sollte, ist durch Frevel ausgelöscht, - soll unsere Sehnsucht diesem Mischreich, dem Kampf der Lüge mit der Wahrheit nicht ein Ende wünschen, soll sie den Ruf der Märtyrer unter dem Altar: Herr, wie lange richtest du und rächest unser Blut nicht, soll sie die Stimme der bedrängten Kirche im Witwenschleier: rette mich vor meinem Widersacher, hören können und nicht im Namen der Gerechtigkeit einstimmen: dein Reich komme!

3.

Im Namen der Gerechtigkeit wird die zweite Bitte gebetet! So will sie dem Unbekehrten ein Sporn zur Buße, dem Bekehrten aber ein Stachel zur Lauterkeit sein! O lasst es uns, die wir so oft das heilige Vaterunser beten, nimmer vergessen: jede Vaterunserbitte, nicht bloß die fünfte mit ihrem Zusatz: wie wir vergeben, ist zugleich ein Gelöbnis. Auch durch unsere zweite Bitte geht ein unabweisliches Gelübde und es lautet: wir wollen gehorsam eintreten in dein Reich, wollen treu darin bleiben, wollen unermüdet dafür werben.

Bezahle, mahnt der Herr, dein Gelübde. Das Reich Gottes steht nicht in Worten sondern in Kraft. Wer nun bittet, dein Reich komme, das Reich der Wahrheit und des Glaubens, und liebt die Wahrheit des Evangeliums nicht, sondern sitzt wo die Spötter sitzen, der hält nicht was er verspricht, er lügt. Wer da ruft: dein Reich komme, das Reich himmlischer Freude, und lebt in Fressen und Saufen, in Kammern und Unzucht, in Hurerei und Ehebruch, der betet nicht, der lügt. Wer da spricht: dein Reich komme, das Reich der Liebe, und hasst doch seinen Bruder und hadert mit ihm und vergibt nicht, der betet nicht, der lügt. Wer einstimmt: dein Reich komme, das Reich der Demut, und erhöht sich selbst und lässt sich von den Menschen gern erhöhen, der betet nicht, der lügt und bricht sein Gelübde. Und nun urteile selbst, wie viel Gelübde beim Vaterunser gebrochen statt gehalten werden, wie wenige Vaterunserbeter in Gottes Reich eintreten!

Tut Buße, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Heiligkeit ist die Zierde dieses Reiches. Durch Buße tretet ein, durch Treue in der Heiligung bleibt in diesem Reiche, damit euch dereinst der Eingang in das himmlische Heiligtum reichlich dargereicht werde. Ich will mir täglich vergegenwärtigen, was ich in dieser Bitte gelobe, damit ich das Kommen des Reiches nicht aufhalte oder es gar für mich verscherze: ich will den Sonntag heiligen, denn am Sonntag schlägt das Wort neue Brücken zu diesem Reich, ich will die Verfassung dieses Reiches in der Bibel, das königliche Grundgesetz der Liebe zumal mir einprägen, will den Widersachern dieses Reiches in ehrlichem Kampfe Stirn und Brust entgegenstellen, will der Trübsal und der Schmach dieser Erkennungszeichen des Reichs, mich nicht schämen, will nicht zaghaft sondern froh sein, wenn meine eigenen Wünsche zu Grunde gehen, denn dann sind sie gewiss Hindernisse des Reiches gewesen, will mit meinem Wandel niemandem ein Ärgernis geben, will mich willenlos als jedermanns Knecht und Schuldner ansehen! Herr, deine zweite Bitte fordert viel aber sie gibt auch viel, während ich sie ernstlich bete, wird sie schon erhört und reicht dar, worauf sie lautet und stärkt zu dem Werke, was sie begehrt.

Diese Bitte ruft dich und mich zu Gottes Mitarbeitern auf. Spricht Jesu Gemeinde in Andacht die Bitte: dein Reich komme, so ist's ihr nicht genug, dass die Spitzen der Berge von den Strahlen des anbrechenden Reiches erglühen, sie gedenkt zugleich der Täler, die weit und breit noch in tiefen Todesschatten liegen. Dort in der Heidenwelt Götzenaltäre und Tausende knieen davor, hier bei uns nicht minder Tausende zurückgesunken in dumpfen Sinnentaumel ohne Gott und ohne Hoffnung in der Welt! Dein Reich, mein König und mein Gott, dein Reich komme auf der Straße innerer und äußerer Mission und mache jeden Vaterunserbeter zum Missionar; dein Reich komme und baue die zerstörten Familien, baue die verarmten Herzen, beschäme die Feinde, bringe das Verborgene ans Licht, das Zertretene zum Sieg, das was blind ist zur Erkenntnis, es vertrete unsere Schwachheit, durchleuchte mit seiner Herrlichkeit unseren Todesstaub, befruchte auch diese Adventsstunde mit dem Samen der Ewigkeit, führe im letzten Gekommensein jene Vollkommenheit herbei, wo kein Raum und Grund mehr zu der Bitte ist: dein Reich komme!

Ich auch auf den tiefsten Stufen
Ich will glauben, reden, rufen,
Ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König,
Alles sei ihm untertänig,
Ehret, lobt, liebet Ihn!

Amen.

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