Kaiser, Leonhard - Bericht über das Verhör

Kaiser, Leonhard - Bericht über das Verhör

Nachdem nun der theure Leonhard bereits zehn Wochen im Kerker geschmachtet hatte, wurden endlich um Pfingsten mehrere Verhöre mit ihm vorgenommen, wobei er freudig und unerschrocken seinen Glauben bekannte. Er berichtete darüber selbst an seine Freunde:

Der erste Artikel, jetzt dißmal mir vorgehalten, ist gewesen: Ob der Glaube alleine, ohne Zuthun der Werke rechtfertig mache? Ant: Ja, Schrift aus Altem und Neuem Testament angezeigt; aber durch sie verneinet und mir auszureden nicht Statt geben worden ist.

Zum andern, von den Werken: Was denn dieselben sein sollen, so allein der Glaube rechtfertig macht? Hab ich geantwortet: daß allein der Glaube handelt vor Gott, die Werke aber Zeichen sind meines Glaubens; die muß man hierunten lassen bei dem Nächsten, ihm damit zu dienen, und nicht über sich zu führen vor Gott. Man müsse Glauben und Werke so weit von einander scheiden, als Himmel und Erden, als Engel und Teufel: nur nichts vor Gott mit Werken gehandelt, sondern Christo die Ehre allein gelassen, daß er uns durch sein Blut erkauft, und ja mehr denn zu viel für aller Menschen Sünde gethan habe, und solches glauben, darauf gänzlich sich verlassen und darauf sterben. Der Glaube sei genug vor Gott, und macht uns zu Kindern Gottes, zu Erben seines Reiches, zu Miterben Christi, und theilhaftig aller seiner Güter.

Von der Taufe? Hab ich gesagt: daß es sei ein Sakrament, von Christo eingesetzt, und nicht zu versäumen, und ob einer nicht getauft wäre, so sollt er begehren, noch getauft zu werden, und ein Zeichen des Glaubens rc. Dazu hat auch nicht Menschenwerk, sondern Gotts Werk, dadurch der alte Mensch ersäuft und ein neuer Mensch geboren wird, der alte gestorben und der neue leben soll: auch ein Zeichen, daß der Glaube nicht allein im Herzen, sondern jedermann durch das Zeichen und mir bekannt werden muß; danach folget dann Kreuz und Anfechtung der Christen, so ihn bekennen.

Was ich hielte oder glaubte unter beiden Gestalten Weins und Brods zu sein? Antwort: Daß unter den beiden Gestalten begriffen wird der wahre Leib des HErrn, und dasselb unter der Gestalt des Brods: aber unter der Gestalt des Weins das kostbarliche Blut unsers HErrn rc.

Ob alle Christen Priester? Antwort: Ja, aus dem Spruch 1 Petr. 2, 29: Ihr seid ein auserwählt Geschlecht, ein königlich Priesterthumrc. Derhalben daß einer kann oder mag für den andern bitten, und seine anliegende Sache vor Gott tragen, Rath und Hilfe durch Gottes Wort beweisen. Auch sind alle Christen Könige, das ist Herren über alle Güter Christi: denn alle Güter, so Christi sind, dieselben Güter sind auch zugleich allen Christenmenschen, und sind derhalben aller theilhaftig mit ihm durch den Glauben, daß sie sind durch ihn Herren über Sünde, Tod, Teufel und Hölle, diese ferner über einen Christen nicht zu herrschen, noch zu gebieten haben rc.

Quelle: Fick, C. J. Hermann - Die Märtyrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche (Heft 1)

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autoren/k/kaiser/bericht_verhoer.txt · Last modified: 2023/05/07 14:05 by 127.0.0.1
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