Harms, Ludwig - Am ersten Sonntage des Advents.

Harms, Ludwig - Am ersten Sonntage des Advents.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unserm HErrn Jesu Christo. Amen.

Text: Ev. Matth. 21.1-9.
Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage an den Oelberg, sandte Jesus Seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr! löset sie aus und führet sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der HErr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber Alles, auf dass erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und setzten Ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die Andern hieben Zweige von den Bäumen, und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids; gelobet sei, der da kommt in dem Namen des HErrn! Hosianna in der Höhe!

Wir fangen heute wieder ein neues Kirchenjahr an, meine Lieben, wie ihr wisst. Heute ist ja der erste Adventssonntag, und dass mit Advent das neue Kirchenjahr beginnt, das weiß ja, Gottlob, unter uns ein jedes Kind. Darum wollen wir unserm lieben Gott von ganzem Herzen danken und uns von ganzer Seele freuen. Freuen wollen wir uns, wie wir ja vorhin gesungen haben: Dein König kommt, drum freue dich, du wahres Zion, heiliglich. Und danken wollen wir, denn: wir hören nun das Gnadenwort von Anfang wieder immerfort. Ist das nicht Grund zur Freude und zum Dank? Und wie schön und lieblich ist das, dass wir das Kirchenjahr einen ganzen Monat früher anfangen, als das bürgerliche Jahr. Ist es nicht, als ob uns der liebe Gott damit so recht eindringlich sagen will: erst das Geistliche und dann das Irdische! Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und Seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andre zufallen. Freilich wir armen Menschen machen es gewöhnlich umgekehrt, bei uns heißt es meistens: erst das Irdische und dann noch einmal das Irdische und wieder zum dritten Male das Irdische. Aber das ist fleischlich geredet, ja recht eigentlich die Sprache des Thiers. Weil wir nun nicht Tiere, sondern Menschen und Christen sind, so wollen wir fortan die Tiersprache fahren lassen, und Menschen- und Christensprache anheben, und die lautet: erst das Geistliche und dann das Irdische! Die Juden hatten auch schon ein Kirchenjahr, das fingen sie an mit dem Monat Nisan, d. i. März. Sie taten das, weil in diesen Monat die Zeit des Auszuges aus Ägypten fiel. Wir aber fangen mit der Weihnachtszeit das Kirchenjahr an, weil wir durch Jesu, unsers lieben Heilandes Geburt, aus der Knechtschaft Satans, dieses höllischen Pharao, ausgezogen sind. Auf dieses liebe, herrliche Weihnachtsfest, welches uns aus Satans Gewalt erlöset hat durch die Geburt dessen, der dem Satan den Kopf zertreten hat, sollen wir uns nun vorbereiten in dieser Adventszeit.

Advent heißt: Zukunft Christi. Nun soll es Sonntag für Sonntag von allen Kanzeln unserer teuren Kirche erschallen: Dein König kommt, bis es denn Weihnachten heißt: Dein König ist da, siehe dort liegt Er in der Krippe! Und wenn ich nun, mit diesem Worte im Herzen: Jesus kommt! euch alle ansehe, ihr meine lieben Pfarrkinder, wisst ihr wohl, wie ich mir dann vorkomme? Es ist mir zu Sinne, als sei ich Elieser, der Knecht Abrahams, der auszog für seines Herrn Sohn eine Braut zu suchen, und nahm zehn Kamele mit, beladen mit allerlei schönen Geschenken, welche die Braut haben sollte, die er für seines Herrn Sohn suchte. Und wie fröhlich mochte dem treuen Knechte zu Mute sein, als er die Braut gefunden hatte, hatte um sie geworben und war nicht abgewiesen, sondern hatte gehört das liebe Wort: warum willst du draußen stehen, du Gesegneter des HErrn? Komm herein, es ist hier Raum genug zur Herberge! Und die Braut hatte gesagt: ich will mit diesem Manne ziehen. Sehet, so ziehe ich nun auch wieder aus in diesem neuen Kirchenjahre. Der liebe Gott ists, der mich sendet, denn ich bin Sein Diener. Und Gott hat einen lieben Sohn, Seinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, für den soll ich um die Braut werben. Und du sollst Jesu Braut sein, meine liebe Gemeine. Schlägt dir denn nicht das Herz bei solcher Ehre und Gnade, die dir angeboten wird? Und wenn ich sage: Du sollst Jesu Braut sein, da meine ich eine jegliche Seele unter euch. O Christ, ich bitte dich, ich beschwöre dich, stoß dein Glück nicht mit Füßen von dir; ich bitte dich, was ich kann: willst du nicht meines HErren Sohnes Braut sein? willst du nicht dich mit dem verloben, der Gottes eingeborner Sohn ist und dein Heiland? Elieser hatte zehn Kamele beladen mit Geschenken, die sollte seines Herren Sohnes Braut haben. Mich hat Gott noch tausendmal reicher ausgestattet, als Abraham seinen Knecht. Ich biete die Gottes Gaben an, welche die ganze Welt mit ihren Schätzen nicht bezahlen kann; du sollst haben die Vergebung aller deiner Sünden, du sollst haben das Leben und die ewige Seligkeit. Ich soll sie dir austeilen, diese Gottesgaben, wenn du Jesu Braut sein willst. Ich habe sie hier in der Kirche, in der Predigt, in der heiligen Taufe, in der Absolution, in dem heiligen Abendmahl. Du brauchst nur zu kommen als Jesu Braut und ich gebe sie dir. O ihr, die ihr schon Jesum angenommen habt als den Bräutigam eurer Seele, die ihr selig seid in Jesu, an den ihr glaubt und dessen Liebe ihr erkennt, nicht wahr, ihr wollt Ihm den Bund der Treue halten auch in diesem neuen Kirchenjahre! Wie solltet ihr auch nicht? Ihr könnt ja mit Petro, dem Apostel, sagen: HErr, wohin sollten wir gehen? Du allein hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben es geglaubt und erkannt, dass Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, wir haben es erkannt, dass in keinem andern Heil ist, ist auch kein andrer Name zur Seligkeit gegeben, weder im Himmel noch auf Erden.

Aber ihr andern, um die ich auch schon geworben habe alle diese Jahre, und ihr habt mir den bitteren Kummer gemacht, dass ihr noch immer ferne geblieben seid, habt noch nicht euch bekehrt zu Jesu, habt noch nicht Ihn angenommen als euren Bräutigam, saget, soll ich dies Jahr auch wieder vergebens um euch werben? wollt ihr noch einmal wieder von euch stoßen die treue Hand eures Jesu? wollt ihr nicht haben Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit? Was wollt ihr dann? sterben in euern Sünden ohne Jesum? Soll Gott auch in diesem neuen Kirchenjahre über euch klagen: Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt Mich nicht, Mein Volk vernimmt's nicht! Wer weiß, ob ihr nicht in diesem Kirchenjahre zum letzten Male meine Stimme höret. Und wenn ich dann mit euch vor Gott stehe, soll ich euch dann verklagen vor Gott dem HErrn, da ich euch doch so gern, so unbeschreiblich gern selig haben wollte und wollte so gern mit euch in dem Himmel sein bei Jesu? Und ich bezeuge es euch vor Gott aus Seinem heiligen Worte, ihr könnt nicht selig werden, ihr seid ewig verloren ohne Jesum! So will ich denn wieder anfangen in diesem neuen Kirchenjahre, um eure Seelen zu werben für meinen lieben HErrn Jesum Christum, Ihn will ich euch vor die Augen malen Sonntag für Sonntag. Und kommt in diesem Jahre mein Ende, oder eures, dann will ich zu Jesu sagen können entweder: HErr, hier sind sie, die Du mir gegeben hast, sie sind Dein; oder wenigstens will ich sagen können, wenn einer unter euch verloren geht: HErr, ich bin rein von seinem Blut!

Lasst uns heute, wie alle diese Adventssonntage unter Gottes Segen und dem Beistande Seines heiligen Geistes die Frage betrachten:

Jesus kommt; wie sollen wir Ihn empfangen?

Zuvor aber lasst uns beten: Lieber HErr Jesu Christe, wir danken Dir von Herzen, dass wir noch einmal Advent mit einander feiern dürfen. Wir bitten Dich, lass dies neue Kirchenjahr ein rechtes Gnaden- und Segensjahr für uns sein. Gib mir Kraft durch Deinen heiligen Geist, dass ich als ein treuer Diener Gottes um alle Seelen dieser Gemeine für dich werbe, dass sie selig werden, dass ich Dein teures Wort predige einfältig, mit Beweisung des Geistes und der Kraft, dass ich Deine heiligen Sakramente rein und lauter verwalte zum Heil aller derer, die Du mir anvertraut hast. Gieße auch aus Deinen heiligen Geist über diese ganze Gemeine, über Alte und Junge, über Reiche und Arme, über Männer und Weiber und lass sie Dein Wort recht hören und Deine Sakramente recht gebrauchen. Segne auch diese Predigt, klopfe selbst durch sie an an aller Herzen und lass Dein Wort nicht leer wieder zurückkommen, sondern lass es ausrichten, wozu Du es sendest. Amen.

I. Jesus kommt als unser König.

Unser Text erzählt uns den Einzug Jesu in Jerusalem. Lasst uns diese liebliche Geschichte naher ansehen. Jesus war mit Seinen Jüngern auf dem Wege nach Jerusalem. An dem Oelberg war ein Flecken, der von den vielen Feigen, die da wuchsen, den Namen Bethphage, d. h. Feigenhaus, erhalten hatte. Ehe Jesus an diesen Flecken kam, gab Er zween Seiner Jünger einen sonderbaren Auftrag. Wer diese Jünger gewesen sind, das weiß ich nicht, in der Bibel werden ihre Namen nicht genannt. Wollt ihr sie wissen, so wartet, bis ihr in den Himmel kommt, da könnt ihr sie erfahren; denn da könnt ihr die Jünger selbst darnach fragen. Aber den Auftrag, den Jesus ihnen gab, weiß ich, das Evangelium nennt ihn ja, und deshalb habe ich gesagt, es sei ein sonderbarer Auftrag gewesen. Der HErr Jesus sagt nämlich: gehet in den Flecken, der vor euch liegt. Da werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr, löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen: so sprechet: der HErr bedarf ihrer, alsobald wird er sie euch lassen. Ich bin überzeugt, wenn die Jünger nach ihrer Vernunft hätten handeln wollen, sie würden nimmermehr in den Flecken hineingegangen sein. Denn der Vernunft musste das alles widersinnig vorkommen. Da wäre die erste Frage die gewesen: kann Jesus denn durch den Oelberg durchsehen, dass Er wisse, was drinnen in Bethphage vorgeht? Wir sollen da eine Eselin und ihr Füllen finden, aber woher weiß Er denn, dass da eine Eselin mit ihrem Füllen steht? Und wenn wir wirklich hingingen, so würden wir schön ankommen. Die Eselin und ihr Füllen gehören uns ja nicht. Wie können wir denn die ablösen und herbringen? Und wird der es leiden, dem sie gehören? Wird der uns nicht als Diebe ansehen, die ihm sein Eigentum stehlen wollen? Und wenn es noch ein Bekannter wäre! Wenn wir nun wirklich hingingen und träfen da einen unbekannten Mann an, sagten dem auch wirklich: der HErr bedarf ihrer! so würden wir doch nur die Antwort bekommen: ich kenne euch nicht und euern Herrn auch nicht, darum geht nur hin, wo ihr hergekommen seid. Und so würden wir als die Narren wieder fortgehen müssen! So würden die Jünger gesprochen haben, wenn sie nach der Vernunft gehandelt hätten. Und ihr müsst selbst sagen, nach der Vernunft konnten sie nicht anders. Da habt ihr aber gleich wieder einen deutlichen Beweis, dass in unserm Christentum die Vernunft nichts zu waschen hat, sondern dass es wörtlich wahr ist, was der Apostel Paulus sagt: wir müssen unsre Vernunft gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi. Lasst die Vernunft ackern und pflanzen, kaufen und verkaufen, Häuser und meinetwegen Eisenbahnen und Dampfkessel bauen; aber will sie weiter gehen und sich in die Religion versteigen, dann sage ihr kurzab: Schuster bleib bei deinem Leisten! In Sachen des Christentums gilt allein das Wort Gottes, und das muss geglaubt werden. So machen es die Jünger. Sie glauben dem Worte, welches Jesus zu ihnen gesagt hat, unbedingt, weil es Jesus gesagt hat. Ob der Befehl Christi ihnen klug vorkomme oder töricht, vernünftig oder unvernünftig, das gilt ihnen gleich. Jesus hats befohlen, und auf diesen Befehl des HErrn Jesu gehen sie durch Dick und Dünn, werden Eseltreiber oder wozu sonst der HErr sie machen will, ob sie darüber ausgelacht und verachtet werden, oder nicht. Jesus hats gesagt, das ist ihnen genug, um unbedingt zu gehorchen. O wie groß, wie unbeschreiblich groß und erhaben muss der HErr Jesus vor ihren Augen und in ihren Herzen gewesen sein, dass sie, ohne zu fragen, ohne zu zweifeln, ohne sich im geringsten zu bedenken, augenblicklich und unbedingt tun, was Jesus sagt, bloß weil Er es gesagt. So erhaben steht Jesus vor ihnen, mit so gänzlicher Hingabe des Herzens lieben, verehren sie Ihn, trauen sie Ihm. Er kann nichts anders wollen und befehlen, als was gut, heilig und klug ist.

Und es hat sie wahrlich nicht gereuet, dass sie also getan haben. Denn als sie hingehen, finden sie alles gerade so, wörtlich, buchstäblich so, wie Jesus gesagt hat. Und ihr Glaube wird dadurch mächtig gestärkt, ihre Liebe und Verehrung noch größer und inniger, denn sie haben es nun wieder erfahren, dass man Jesu unbedingt trauen kann, und dass Gehorsam gegen Jesu Wort die allerfeinste Klugheit ist. Das ist es, was der HErr Jesus einst sagt: so jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob Meine Lehre von Gott sei, oder ob Ich von Mir selber rede.

Und solchen Gehorsam sind wir Jesu schuldig, meine Lieben; denn Jesus ist unser König. Nicht ein irdischer König, dem wir auch Gehorsam, aber immer nur bedingten Gehorsam schuldig sind, weil der irdische König ein Mensch ist und ein Mensch bleibt, also auch böses, was gegen Gott ist, befehlen kann, und da können wir in den Fall kommen, dass wir sagen müssen: man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Jesus ist der himmlische König, der wahre König, der nie fehlen, nie irren kann, weil Er Gott ist über alles, gelobet in Ewigkeit. Daher kommt auch der unbedingte, pünktliche, freudige Gehorsam der Jünger. Jesus ist wahrer Gott, darum weiß Er ja auch, was in Bethphage vorgeht, darum lenkt Er auch aller Menschen Herzen, wie Wasserbäche, darum kann Er auch nur befehlen, was gut und heilsam ist. Deshalb gehen sie hin auf Jesu Wort. Und wir haben schon gesehen, wie sie alles finden gerade so wie Er es gesagt hat.

O meine Lieben, es liegt eine unbeschreibliche Freude, eine unaussprechliche Seligkeit darin, einen solchen König zu haben, wie Jesus es ist, den man so in gänzlicher Hingebung lieben, verehren, anbeten, dem man so unbedingt vertrauen kann, und mit dem man allezeit so wohl fährt, wenn man Ihm gehorcht. Ich sage euch wahrlich, diesen meinen lieben König Jesum Christum gäbe ich für die ganze Welt nicht hin, in Ihm allein ist alle Seligkeit. Man muss es nur erfahren haben, wie gut man es bei solchem König hat, und dann geht man nicht wieder von Ihm weg, sondern bleibt bei Ihm und folgt Ihm im Leben und im Sterben.

Aber noch eine große Freude wird den Jüngern zu Theil, als sie zurückkommen und des HErrn Jesu Auftrag ausgerichtet haben. Sie lernen die Schrift verstehen. Denn nun wird ihnen die Weissagung des Propheten Sacharja (Cap. 9) klar, der da spricht: sage der Tochter Zion, siehe dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Tochter Zion ist die Kirche des HErrn, merket euch das ein für allemal, damit ihr den Ausdruck versteht, der oft wieder in der Bibel vorkommt, die Kirche des HErrn, die im alten Testament als Schatten, im neuen Testament als Körper dasteht. Sie besteht aus den Gläubigen, sowohl den Gläubigen des alten Testaments, als den Gläubigen des neuen Testaments. Zu dieser Kirche Gottes, zu den Gläubigen spricht der Prophet: Dein König kommt zu dir. Das ist nicht David, nicht Salomo, die waren schon seit Jahrhunderten gestorben, es ist auch nicht ein andrer Jüdischer König, die waren alle schon lange dahin. Denn Sacharja weissagte nach der babylonischen Gefangenschaft und nach derselben ist nie ein jüdischer König wieder gewesen. Jesus ist dieser König, und Er ist der rechte, wahre König, des Thron ewiglich stehet, denn er ist im Himmel gegründet. Seine Krone ist die Himmelskrone, Sein Szepter ist ein allmächtiges Szepter, Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschast, darum Er auch heißt der König aller Könige und der HErr aller Herren. Und dieser König ist dein König und Er kommt zu dir, du Kirche des HErrn, Das ist das große Wunder der Liebe, das ich nie anschauen kann, ohne anbetend auf die Kniee zu fallen. Mein König, mein Gott und mein HErr kommt zu mir, besucht mich in meiner Armut und Niedrigkeit, ja Er wird mein Bruder, nimmt mein Fleisch und Blut an. Ich sehe in der Krippe zu Bethlehem ein kleines Kind liegen und meine Seele jauchzt: o mein König, mein Gott, wie klein und niedrig bist Du worden, Du HErr Himmels und der Erden! Und ich singe in seliger Lust mit unserer lieben Kirche: Nichts, nichts hat dich getrieben vom hohen Himmelszelt, als Dein getreues Lieben, womit Du alle Welt, in ihren schweren Plagen und zentnergroßen Last, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast! Und dieser mein König ist ein Gerechter und ein Helfer, wie der Prophet weiter sagt, lies die Stelle nach im Sacharja, ein Gerechter, ohne alle Sünde, ohne allen Flecken, das ist wieder nur Jesus, der nie keine Sünde getan hat, ist auch kein Unrecht und Betrug in Ihm erfunden worden, Er allein der Gerechte unter lauter Ungerechten. Darum aber kann Er auch mein Helfer sein. Denn zu meiner Erlösung ist Er gekommen, und ein Sünder kann den Sündern nicht helfen. Aber Jesus, der wahre Gott, der ein sündloser Mensch geworden ist, der kann die Sünder erlösen mit Seinem heiligen, teuren, unschuldigen Gottesblut. Und dazu ist Er gekommen arm und reitet auf einem Füllen der tastbaren Eselin. Gottlob, lieber HErr Jesu, dass Du nicht gekommen bist in einer stolzen Staatskutsche mit acht stolzen Rossen bespannt, glänzend von Gold, Silber und Edelgesteinen, umgeben von Soldaten und vornehmen Herren. Gottlob dass Du gekommen bist so arm, so demütig, so sanftmütig, zufrieden mit einem Eselssüllen, auf dem Du rittest. Nun brauche ich nicht zu stehen in ehrerbietiger Entfernung, stumm und steif, dass mir der Mund zufriert und das Herz erkaltet. Nun kann ich Ärmster unter den Menschen getrost hingehen zu Dir, mein demütiger, sanftmütiger König, kann mein Herz an Dein Herz legen, kann Dich anschauen nach Herzenslust, kann vor Dir Herz und Mund auftun und Dir alles sagen, was in meiner innersten Seele ist.

Und wisst ihr weiter, wie es im Propheten heißt? Ich glaube, wenn ich jetzt bei euch einzeln herumfrüge, ich bekäme von allen die Antwort: hier ist ja die Weissagung zu Ende! Ich aber sage euch: schämt euch, ihr lutherische Christen, ihr solltet billig besser in der Bibel bewandert sein. Die Weissagung ist noch nicht aus, sondern beschreibt Jesu seliges Friedensreich, dass dieser König auf Erden anrichten will. So lautet die Weissagung weiter: denn Ich will die Wagen abtun von Ephraim und die Rosse von Jerusalem und der Streitbogen soll zerbrochen werden. Denn Er wird Friede lehren unter den Heiden und Seine Herrschaft wird sein von einem Meere bis ans andre und vom Wasser bis an der Welt Ende. Du lässt auch durchs Blut Deines Bundes aus Deine Gefangenen aus der Grube, da kein Wasser innen ist. Ist das nicht ein seliges Reich? Da ist Friede, lauter Friede, kein Streit, sein Krieg, kein Geschrei mehr. Wie der Apostel Paulus sagt: die Waffen unserer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern geistlich. Denn in dem Reiche Jesu Christi ist die Vergebung der Sünden. Und wem die Sünden vergeben sind, der hat Frieden mit Gott durch unsern HErrn Jesum Christum.

Und kennt ihr die Grube, da kein Wasser innen ist? Das ist der feurige Pfuhl der Hölle. Und kennt ihr die Gefangenen in dieser Grube? Das sind wir armen Sünder, die wir alle der Hölle verfallen sind um unserer Sünden willen und niemand hätte die Stricke los machen können, mit welchen wir an die Hölle gebunden sind, wenn nicht unser lieber König gekommen wäre mit dem Blute Seines Bundes, mit Seinem eignen Blute, dass Er am Stamm des Kreuzes für uns vergossen hat zum Lösegelde für unsre Sünden. Da wir nun aber mit solchem teuren Lösegelde losgekauft sind, so sind die Stricke, die uns banden, zerrissen und die armen Gefangenen sind los. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch Jesum Christum, unsern lieben HErrn!

Sieh, das ist dein lieber König, der zu dir kommt, Zion, ja der zu diesem Weihnachtsfeste noch näher zu dir kommen will, als vor Alters. Damals war es Weihnachten in Bethlehem, in dem Stall, da Jesus geboren ward. Da hatte Er Sein Lager in der Krippe, und wohl war es ein schönes Weihnachten, als da die Engel auf dem Felde sangen und die Hirten vor der Krippe anbeteten. Aber unser Weihnachten ist doch jetzt ein viel schöneres. Denn nicht in Bethlehem, nein in unsere Herzen will Jesus geboren werden, unser Herz soll Seine Krippe sein. Und das ist nicht Redensart, das ist Wahrheit. Unser Weihnachten ist ein wirkliches Weihnachten, ein wirkliches Geburtsfest Christi. Denn was soll die bloße Erinnerung an das alte Weihnachten? Damit kannst du dennoch zum Teufel fahren. Nur dann bist du ein seliger Christ, wenn du nicht bloß weißt, dass Christus einmal in Bethlehem geboren war, sondern, wenn dein Herz wahrhaftig Seine Wohnung ist. Und nun frage ich dich, willst du Weihnachten feiern ohne Christum? dein König kommt zu dir; willst du Ihn haben, oder nicht? In dein Herz will Er hinein ziehen; willst du Ihn aufnehmen oder nicht? O wenn jetzt unser König käme aus Hannover und wollte uns besuchen, wie würde da jedes Haus sich schmücken und es für eine Ehre halten und noch den Kindeskindern davon erzählt werden, dass der König da eingekehrt wäre. Und nun kommt Jesus, der himmlische König, der dich selig machen und aus der Grube erlösen will, und den willst du verschmähen und dich nicht Ihm bereiten? Doch nein, HErr Jesu, ich will Dich haben und diese alle wollen Dich haben, darum lehre uns nun

II. wie wir Dich empfangen sollen?

Unser Text sagt uns, wir sollen Jesum empfangen mit Buße, Glauben und Lobgesang. Als die Jünger die Eselin mit ihrem Füllen zu Jesu gebracht hatten, da legten sie ihre Kleider darauf und setzten Ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Damit zeigten die Jünger und die Leute aus dem Volk ihre große Liebe und Sorge für den HErrn. Der HErr sollte weich sitzen und die Eselin weich treten, damit der HErr nicht belästigt würde. So ist die Liebe erfinderisch in allen Stücken. Das sollen wir uns im Geistlichen merken, und wenn wir den HErrn nur ein bisschen lieb haben, so sollen wir mit dem größten Fleiß uns bemühen, Ihm allen Kummer zu ersparen. Es kümmert den HErrn aber nichts so sehr, als unsere Sünden. Darum hüte dich aus inniger Liebe zu deinem Jesu mit dem heiligsten Ernst vor jeder, auch der kleinsten Sünde, damit du Ihm den Kummer ersparst. Denn alle Sünde ist Ihm ein Gräuel. Und nun will ich euch sagen, wie mir gerade dieser Vers zum besonderen Segen geworden ist. Als ich anfing, den HErrn Jesum ein wenig zu lieben, da fing ich auch an, die Sünde von Herzen zu hassen. Nun wollte ich auch so gerne den HErrn Jesum, den ich liebte, recht weich setzen, und deshalb nahm ich mir vor, allen Sünden den Abschied zu geben. Da habe ich nun gerungen und gekämpft Tag für Tag einen wahrhaft verzweifelten Kampf. Ich wollte nicht sündigen und ich sündigte doch. Bald war ich hochmütig, bald heftig, bald lieblos, bald böser Lüste voll, dann kam Zweifel, Unglauben, Murren, Ungeduld. So sollte es nicht sein und ich wollte es auch nicht und konnte es doch nicht lassen. Nichts hat mich so gedemütigt, als dieser verzweifelte und doch vergebliche Kampf. Hätte mir da der HErr nicht beigestanden, ich wäre zu Grunde gegangen. Aber Er half mir, dass ich erkannte, dass alle meine Gerechtigkeit ein unflätiges Kleid sei. Das erfüllte mich mit dem tiefsten Schmerze und das war Buße. Denn in der Buße fühlt man seins Sünden, als den verzweifelt bösen Schaden, gegen den aus eigener Kraft gar keine Hülfe ist, in der Buße erfüllen Schmerz, Scham, Reue, Abscheu das Herz. Man seufzt schmerzlich mit David: Ich gehe krumm und sehr gebückt, den ganzen Tag gehe ich traurig. Man schämt sich mit dem Zöllner, dass man seine Augen nicht aufheben mag gen Himmel. Man ruft mit bittrer Reue: o wehe, wehe, dass ich so gesündigt habe! Man verabscheuet sich selbst, dass man mit dem Psalm spricht: meine Wunden stinken und eitern ob meiner Torheit. Da heißt es: all eigne Werke halfen nicht, es war damit verdorben. Und da kannst du nun hier von den Leuten im Evangelio lernen, was zu tun ist. Nimm all deine Gerechtigkeit und wirf sie dem Esel unter die Füße, sie ist nichts besseres wert, als dass der Esel sie mit Füßen trete. Bist du so deine eigene Gerechtigkeit los, so danke Gott. Der wird dir dann auch weiter helfen. Selig sind, die geistlich arm sind, das Himmelreich ist ihr; selig sind, die Leid tragen, sie sollen getröstet werden; selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, sie sollen satt werden!

O meine Lieben, kennt ihr diese Buße? habt ihr sie erfahren? Glaubet mir, das ist die enge Pforte, da müsst ihr hindurch, wenn ihr wollt selig werden. Nur wer seine Krankheit fühlt, sucht den Arzt; nur wer seine Sünden fühlt, sucht den Heiland. Ich weiß, wenn ich euch alle der Reihe nach frage, ob ihr auch erkennet, dass ihr Sünder seid, so antwortet ihr mir der Reihe nach mit einem Munde: ja wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben sollen. Aber wenn ich euch eben so frage der Reihe nach: fühlet ihr eure Sünden? dann hat der eine wohl Schmerzen an den Zähnen, der andre am Kopfe, der dritte im Leibe, der vierte in der Brust gehabt und darüber bitterlich geweint, aber über seine Sünden weint fast keiner, den Schmerz über seine Sünden kennt fast niemand. Und das ist der furchtbar tiefe Schade unserer Zeit, sie kennt die Buße nicht. Und es ist noch niemand ohne Buße selig geworden, das sage und bezeuge ich euch. Der starke Held David hat geweint wie ein Kind über seine Sünde, der Felsenmann Petrus hat geweint bitterlich über seine Sünden. Und du? du hast keine Träne über die Sünde, ja du spottest wohl derer, die zerschlagenen Herzens sind und geängsteten Geistes. O ich bitte euch, ich ermahne euch, tut Buße über eure Sünden, ihr Sünder; ihr könnt Jesum nicht empfangen, wenn ihr keine Buße tut. Und was euch daran hindert, das ist hauptsächlich eure eigne Gerechtigkeit. Darum auf, nehmet sie, und werfet sie dem Esel unter die Füße, dass ihr sie los werdet.

Aber noch nie hat jemand mit allen seinen Bußtränen die Sünden abwaschen können, nur Jesu Blut macht euch rein von Sünden. Darum lasst uns zu Jesu gehen! Und auch das zeigt uns unser Evangelium. Denn da wird uns erzählt, wie die Jünger und die Leute, die Jesum einholten, Palmzweige von den Bäumen abhieben und damit den Weg bestreuten und andere solche Palmzweige in den Händen hielten. Das ist ein gewöhnlicher Gebrauch im Morgenlande gewesen, wenn man einen siegreichen König ehren wollte, der die Feinde überwunden hatte und nun als Sieger in seine Stadt zurückkehrte, so empfing man ihn mit Palmzweigen, als dem Zeichen des Sieges und wieder gewonnenen Friedens. Und solch ein König ist Jesus, ein Siegeskönig und ein Friedenskönig. Er hat Sein teures Blut vergossen am Stamme des Kreuzes zum Lösegeld für die Sünden der ganzen Welt; damit hat Er die Sünden besiegt. Er ist siegreich auferstanden aus dem Grabe; damit hat Er den Tod besiegt. Er ist niedergefahren zur Hölle und aufgefahren gen Himmel; damit hat Er die Hölle besiegt, und dem Teufel ist nun der Kopf zertreten. Und das alles ist geschehen uns armen Sündern zu gute. Nun haben wir an Ihm die Erlösung durch Sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, und weil uns die Sünden vergeben sind in Seinem Namen, so können wir jauchzen: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle wo ist dein Sieg? Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch Jesum Christum, unsern lieben HErrn. Das musst du glauben. Glaubst du das, so ist alles dein. Es ist aber mit dem Glauben ein ganz eignes, besonders Ding. Ich habe allezeit die Erfahrung gemacht, dass Glaube nur in einem Kindesherzen wohnt. Eben deshalb sagt der Heiland zu wiederholten Malen: so ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Das haben viele erklären wollen: anspruchslos, demütig, bescheiden, wie die Kinder; andre sagen gar: unschuldig wie die Kinder. Aber erstlich, unschuldig sind die Kinder nicht, sie sind in Sünden empfangen und geboren und das ganze Herz steckt voll böser Tücke; zum zweiten, demütig und bescheiden sind sie gerade auch nicht besonders; im Gegenteil recht naseweis und hochmütig und anmaßend, wenn sie nicht immer geduckt werden. Aber glauben können die Kinder, im einfältigen Glauben nehmen sie alles hin, was ihnen von den Eltern gesagt wird und es fällt ihnen nicht ein, daran zu zweifeln. Ich weiß noch aus meiner Kindheit, dass mein Vater mir einmal gesagt hatte, dass der liebe Gott allenthalben wäre, es wäre kein Ort in der ganzen Welt, wo der liebe Gott nicht wäre. Da ging ich fröhlich auf dem Kirchhofe vor unserm Hause hin und her, hielt die kleine Hand in die Höhe und sagte zu den andern Kindern, ich hätte den lieben Gott hier bei mir auf der Hand, woran ich auch gar keinen Zweifel hatte und sehr böse wurde, als große Leute mir das ausreden wollten; denn mein Vater hatte es ja gesagt, dass der liebe Gott allenthalben wäre, also auch auf meiner Hand. Gerade mit einem solchen zweifellosen Kindesglauben müsset ihr glauben alles, was der liebe Gott in der Bibel gesagt hat, bloß darum, weil Er es gesagt hat und nimmermehr lügen kann. Vorher bei der Buße hörten wir, wir müssten unsere Sünden fühlen, und da gehört auch das Fühlen hin. Hier bei dem Glauben hat das Fühlen nichts zu schaffen. Es heißt nicht: ich glaube weil ich es fühle; eben so wenig: ich glaube weil ich es sehe; sondern hier heißt es: ich glaube es, weil Gott es gesagt hat. Beim Glauben gilt allein das Wort Gottes. Gott hat es gesagt, damit sind wir fertig. Nun hat Gott gesagt in Seinem Worte: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, also der unschuldige Jesus hat wahrhaftig meine Sünde getragen. Das glaube ich, denn Gott hat es gesagt. Es steht abermal geschrieben: Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen; unsre Strafe liegt auf Ihm. Das glaube ich, denn Gott hat es gesagt. Der unschuldige Jesus also, der meine Sünden getragen hat, hat auch alle meine Strafen, d. h. die Strafen, die ich mit meinen Sünden verdient habe, gebüßt. Es steht ferner in der Schrift: Wer an den Sohn Gottes glaubet, der soll den Tod nicht schmecken ewiglich, und nochmals: so ist nun nichts verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind. Das Alles glaube ich weil es Gott gesagt hat und Gott nicht lügen kann. Darum weiß ich nun durch diesen Glauben auf das allergewisseste, dass ich meine Sünde, meine Strafe, meinen Tod, meine Verdammnis los bin, weil Christus das alles für mich getragen hat, wie Gott selbst in Seinem Worte sagt. Muss ich nun in solchem Glauben nicht Palmzweige nehmen und mit herzlicher, seliger Freude meinem Sieges- und Friedenskönige entgegen gehen? Ja das ist meine Wonne und Ehre und Freude, dass dieser König Jesus Christus zu mir kommt und bei mir einkehren und in mir wohnen will. Denn durch Ihn habe ich ja Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und die ewige Seligkeit. Das ist der seligmachende Glaube, und der wäscht alle Sünden ab, wie geschrieben steht: das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht euch rein von aller Sünde. Und nun frage ich euch, meine Lieben, glaubt ihr also an das Wort Gottes und an den HErrn Jesum Christum? Dann muss auch euer Herz jetzt in der Adventszeit in Sprüngen gehen, da Jesus aufs neue Seinen Einzug halten will, denn also spricht die Schrift: glaube an den HErrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. Und Er selber Jesus Christus spricht: wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Da ist Sünde, Tod, Hölle, Verdammnis hinweg, da ist nichts als Vergebung, Leben und Seligkeit.

Aber ich höre etwa einen von euch sagen: ja wer das nur glauben könnte! Was? Du kannst, oder vielmehr du willst nicht glauben, was Gott sagt? Ist Gott denn ein Lügner geworden? Du glaubst einem ehrlichen Manne zu, was der sagt, und du willst Gott nicht glauben, was der sagt? Schäme dich doch in deine tiefste Seele hinein, dass du so etwas nur einmal sagen magst. Ich will dir sagen, was dir fehlt, das Kindesherz fehlt dir, darum kannst du nicht glauben, du bist einer von den altklugen, selbstweisen Narren, von denen jetzt die ganze Welt voll läuft, die alles können, räsonieren, Zigarren rauchen, mit Dampf fahren, nur nicht glauben. Und brauchst doch nur einmal den lieben Gott so recht herzhaft und kindlich zu bitten, dass Er dir den Glauben gebe, so gibt Er ihn dir, denn Er hat es versprochen in Seinem Wort.

Und ist nun der Glaube da, und hast du durch den Glauben Vergebung der Sünden, und dein Jesus kommt zu dir, der du die Sünden vergibt, dann machst du es gerade wie die Leute in unserm Evangelio taten, von denen es heißt: das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids, gelobet sei der da kommt in dem Namen des HErrn, Hosianna in der Höhe! Ans Singen geht es dann, ans fröhliche, selige Singen, welches eine der allergrößten Advents- und Weihnachtsfreuden ist, die ein Christ haben kann, so dass ich mir gar keinen Advent und kein Weihnachten denken kann ohne Singen und Jubilieren. Die Weltkinder sagen oft von den Frommen, dass sie Kopfhänger seien. Die dummen Leute, sie sollten einmal das fröhliche Singen aller rechten Christen in ihrer Advents- und Weihnachtsfreude hören, sie würden sich wirklich schämen, dass sie so hätten lügen können. Ich will euch einmal ein paar Lieder anfangen: Nun singet und seid froh, jauchzt all und saget so. Ferner: davon ich allzeit fröhlich sei, zu singen, klingen immer frei die rechten Freudenlieder schön. Ferner: liebster Jesu sei willkommen. Das sind wahrlich Freudenlieder, die einem das Herz in den Himmel heben. Darum lasst nun auch diese Advents- und Weihnachtszeit eine rechte Singzeit sein in der Kirche und im Hause, im Felde und im Busch; nur auf der Straße nicht, da könnt ihr das Singen den den trunkenen Straßenbuben und den Huren überlassen. Und sollte noch ein Familienvater unter euch sein, der bisher noch nicht gesungen hätte mit seinen Leuten bei den Morgen- und Abendandachten im Hause, so schäme sich der ernstlich vor der Advents- und Weihnachtszeit, und fange nun doch wenigstens im neuen Kirchenjahre an, was er im alten schändlich genug unterlassen hat. O dass alle meine Glieder lauter Zungen möchten sein, dass ich mich durch Loblieder möchte recht in Gott erfreuen! Sage mir einmal, kannst du wirklich wünschen, in den Himmel zu kommen, wenn du nicht singen magst? Du kannst es nicht, denn da müsstest du ja beständig die Ohren zuhalten, weil da Engel und Menschen dem HErrn um die Wette Loblieder singen. In den alten Zeiten meinten unsere Väter: das sei ein Heidenhaus, wo nicht täglich geistliche liebliche Lieder gesungen würden. Und sie hatten Recht, denkt an Davids Harfe und Psalmen, denkt an Pauli Ermahnungen von den geistlichen lieblichen Liedern, denkt an Luthers Wort, dass nächst der Gottesgelehrtheit die Musik die köstlichste Kunst sei, die zu Gottes Ehren getrieben werde. Und dann habt ihr noch den Segen: die heiligen Engel, wenn sie in euern Häusern singen hören, wissen, da wohnen Christen darin, und kehren bei euch ein, wohnen bei euch und schützen euch, und treiben die bösen Geister heraus.

Lasset uns beten: Wir danken Dir, lieber HErr Jesu, dass Du in dieser seligen Advents- und Weihnachtszeit nun wieder bei Deinem Zion einkehren willst, ein König, ein Gerechter, ein Helfer, arm, um mich reich zu machen. So komm denn auch zu uns, komme auch in diese Gemeine, gehe an keinem Hause, an keinem Herzen vorüber. Wir aber wollen Dich empfangen in rechtschaffener Buße, in kindlichem Glauben, mit fröhlichem Lobgesang: HErr, mein Herze steht dir offen, zeuch, mein Heiland, bei mir ein, lass mich nicht vergeblich hoffen, lass mich ganz Dein Eigen sein. Tilge Du all mein Verbrechen, so will ich mit Jauchzen sprechen: Du bist mein und ich bin Dein, allerliebstes Jesulein. Aber Du musst auch die Bitte erfüllen, die wir an Dich tun: Gib uns Deinen heiligen Geist, erhalte unter uns in diesem neuen Kirchenjahr Dein heiliges Wort und Deine teuren Sakramente rein und unverfälscht und lass darin unser ganzes Leben eingefasst sein vom Anfang bis zum Ende, damit wir selig werden. Amen.

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