Gossner, Johannes Evangelista - Briefe an eine leidende Freundin - Berlin, den 17. Sept. 29.

Gossner, Johannes Evangelista - Briefe an eine leidende Freundin - Berlin, den 17. Sept. 29.

Ich will nun gleich auf der Stelle die Feder ergreifen, ehe ich Ihren Brief weglege, sonst komme ich nicht zur Antwort; aber was soll ich, was kann ich antworten? Ach, dass ich derselbe gegen Sie bin und bleibe ewig, in meinem Sinn, nur meine Feder ist nicht dieselbe, die kann nicht mehr, sie ist gestutzt. Die Zeit ist kürzer und darum auch die Schreibfeder stumpf. Indes freut es mich, dass Sie sich nicht so steif an die Regel halten, als dürften Sie mir nicht schreiben, wenn ich nicht regelmäßig Ihnen geschrieben habe. Bravo, Sie haben durchbrochen. Ja, lesen Sie nur die alten Briefe, ich weiß so nichts Neues zu schreiben. Es ist der alte Gott, derselbe Heiland, die nämliche Gnade, die wir immer hatten. Es betrübt Sie Alle auch das Ärgernis, das man an meiner Predigt nahm; ach diese Menschen haften am Buchstaben, und selbst den verstehen sie nicht. Denn was sagte ich anders, als Paulus mit dürren Worten sagt: Gott hat die Welt versöhnt rc. Aber sie haben Vorurteile und lesen mit verkehrter Brille: die Welt hat Gott versöhnt.

Paulus sagt: Wir bitten an Christi Statt, lasset Euch versöhnen mit Gott. Sie sagen: Nein; Ihr müsst Gott mit Euch versöhnen. Doch ich habe nicht Zeit, wie viel wollte ich sonst darüber schreiben. Wenn ich mich nicht tausendmal mündlich und schriftlich darüber ausgesprochen hätte in aller Welt, so wäre es verzeihlich - aber Er bleibt ihre Sünde. Sie sind wie die katholischen Ketzermacher. Ach wie gern möchte ich Ihnen mehr schreiben! nehmen Sie vorlieb, und grüßen Sie die Ihrigen recht herzlich. Auch recht besonders die liebe Schneider, und all das ihrige. Gott sei gelobt und gepriesen, Er hat Alles wohlgemacht! Ich bin in meinem Amt und Berufe recht glücklich und vergnügt, nur das Verhältnis mit R. ist traurig und betrübt. Der HErr wird aber auch da wohl helfen oder stärken. Beten Sie. Gnade und Friede sei mit Ihnen!

Ihr Gossner.

Ich bitte um Verzeihung, dass ich so frei bin, dieses Blättchen beizulegen; wollen Sie es gütigst der Mad. Schneider geben für ihren Sohn.1)

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Derselbe war Missionar
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