Flügge, Carl August - Die Macht der Finsternis

Flügge, Carl August - Die Macht der Finsternis

Eines der ergreifendsten Worte der Bibel ist das, das wir als das erste hören nach dem Sündenfall aus dem Munde der ersten Sünderin: „Die Schlange betrug mich.“

Dies ist der Ursprung des Todes, die Quelle von Leid und Geschrei und Schmerz. Der Menschheit ganzer Jammer findet seinen Anfang, seinen Ausdruck, seine Deutung in diesem Wort.

Und wer ist diese alte Schlange?

„Das ist der große Drache, der da heißt Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt.“ (Off. 12,9)

Jesus nennt ihn: Mörder von Anfang, Vater der Lüge, Teufel, Vater der Boshaftigen, Lügner, Satan, Feind, Fürst dieser Welt usw. Er erwähnt ihn fünfzehnmal. „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll.“ Könnte der, der das von sich bekennt, des Teufels so oft Erwähnung tun, wenn dieser gar nicht existierte?

Gibt es einen Teufel?

Daß es einen persönlichen Teufel und ein organisiertes Reich seiner Engel und daß es Dämonen gibt, bezeugt uns die Schrift und unsere eigene Erfahrung wie die vieler glaubwürdiger Zeugen.

Man denke nur an Jesu Versuchungsgeschichte, an Mat. 4,1-11 oder 13,19.25.28.39, an Luk. 8,12; 15,11.16; 22,31 oder Joh. 8,44. Unzweideutig lehrt die Bibel von ihm in sieben Büchern des Alten Testaments und in neunzehn Büchern alle Schreiber des Neuen Testaments.

Ebenso wie wir die Auffassung bekämpfen, daß der Teufel nur eine von den Persern oder von den Babyloniern entlehnte Phantasievorstellung jüdischen Aberglaubens sei, oder als sei es nur so, daß einer des anderen oder jeder sein eigener Teufel wäre. ebenso verwerfen wir den phantastischen Teufelsaberglauben des finsteren Mittelalters.

Seine Macht und Ohnmacht

Wir wollen den Argen nicht törichterweise abergläubisch überschätzen, denn wenn er auch durch seine Engel überall wirksam sein kann, so ist er doch weder allgegenwärtig noch allwissend und nichts weniger als allmächtig; er kann nur so weit gehen, wie seine Kette reicht, d.h. wie Gott es ihm zuläßt. Aber wir wollen ihn auch ja nicht unterschätzen. Die Schrift nennt ihn „Fürst dieser Welt“ und „Gott dieser Welt“.

„Groß' Macht und viel List

Sein grausam' Rüstung ist …“

Aber: „Ein Wörtlein kann ihn fällen!“

Ihn braucht keiner zu fürchten, der den Herrn fürchtet. Wer diesem worteverdrehenden, listigen, lügnerischen Erbfeind mit dem Schwert des Geistes zu widerstehen weiß, kann den brüllenden Löwen leicht in die Flucht schlagen.

„Der Gott des Friedens zertrete den Satan unter eure Füße in kurzem.“ (1. Kor. 16,20). Der Gott des Friedens will den Erbfeind zertreten; aber er will dazu unsere Füße gebrauchen.

Belialskinder = Typen Satans

Wie Christus seine Vorbilder hatte, z.B. Melchisedek, Abraham, Joseph, Moses, David etc. und im Antichrist sein diabolisches Gegenbild findet, so hat auch der Satan im „Menschen der Sünde“ sein menschliches Abbild, und viele Belialskinder sind Typen teuflischer Bosheit und satanischer Gottesfeindschaft. Man studiere in diesem Lichte einmal die Charaktere von Judas oder Ahab, Ahitophel, Absalom oder Bileam, den König von Tyrus oder Antiochus Epiphanes, diesem alttestamentlichen Antichristus, wie ihn uns Daniel zeigt, und man wird manche überraschende Belehrung empfangen über diese Männer wie auch über den Satan.

Handelt Jes. 14 nur vom König von Babel, und Hes. 28 nur vom König zu Tyrus? In welchen Übertreibungen würde die Schrift hier reden, wenn die Schilderung nicht über den zunächst gemeinten weit hinausginge!? Wie Ps. 22 zwar zuerst von David, dann aber, im tieferen Schriftsinn, weit darüber hinaus vom Leiden des Messias redet, so finden wir hier tiefsinnige Andeutungen über Satans Fall.

Was die Schrift in zirka hundertsiebzig Aussprüchen weiteres darüber lehrt, soll, wie folgt, übersichtlich geordnet und kurz zusammengefaßt in den einzelnen Aussagen dargestellt werden. Wir verweisen dabei zur noch genaueren Belehrung auf die beiden voraufgegangenen Hefte sowie auch auf das nachfolgende sechszehnte Heft der Schriftforscherfolge.

Die Entstehung Satans

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde oder, wie Paulus sagt, das Unsichtbare und das Sichtbare, die Welt des Geistes und die materielle Welt. Doch war jene für unsere Sinne nicht wahrnehmbare Welt (Heb. 11,3) mit ihren Bewohnern, den Thronen, Herrschaften, Fürstentümern und Obrigkeiten (Kol. 1,16) vor dieser da, denn als Gott die Erde gründete, lobten ihn die Morgensterne, und alle Gottessöhne (=Engel) jauchzten (Hiob 38,7).

Alles war sehr gut, bis Gott den Erstgeborenen einführte, daß alles ihm huldige, und sprach: „Betet ihn an alle Elohim.“ Manches in der Schrift deutet darauf hin, daß dieses die Ursache von Satans Fall war. Lieber wohl wollte er der Gott dieser Welt sein, als im Himmel einen über sich haben. „Wenn es einen Gott gäbe, wie hielte ich es aus, nicht Gott zu sein!“ Sollte diese Lästerlüge Nietzsche zuerst gedacht und ausgesprochen haben?

Der vornehmsten Engelfürsten einer, wenn nicht gar der Höchste unter den Thronen, bestand nicht in der Wahrheit und wurde so der Vater aller Lüge. Als Urbild seines irdischen Gegenbildes wollte er seinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen (Jes. 14,13) und wollte gleich sein dem Allerhöchsten. Da verdunkelte sich der Glanz dieses Engels des Lichtes, der Morgenstern (lateinisch Luzifer, d.h. Lichtträger) fiel, wurde zum Drachen und zog als der Verführer, der den ganzen Weltkreis verführt, den dritten Teil der Sterne (=Engel?) mit sich.

Weitere Ursachen seines Falles

Ziel aller Gotteskinder ist: Gott sehen, wie er ist, ihm gleich sein in der Ebenbildlichkeit seines Sohnes und absoluter Abhängigkeit von ihm. Satan wollte wohl letzteres nicht. Im Gegensatz zu Jesu, der es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, wollte er „sein wie Gott“ (wie hätte er sonst Eva damit versuchen können!), aber nicht wie die gutgebliebenen Engel (die dienstbare Geister blieben und doch Götter genannt werden) in Abhängigkeit von Gott, sondern er wollte das Gottgleichsein wie einen Raub davontragen, auf selbsterwählten Wegen sich nehmen, wohingegen Jesus, obwohl er Gottes Sohn war, es sich geben ließ. So ward er, der, statt dem Herrn zu huldigen, Anbetung von ihm verlangt, aufgeblasen, stolz, hoffärtig, wurde zum Diabolos=Teufel, Lästerer und verfiel dem Urteil, auch als warnendes Beispiel (1. Tim. 3,6) allen Dienern Gottes.

Gefallene Majestäten

Satan hatte erst noch Zutritt im Himmel als der Verkläger der Brüder. Aber des Menschen Sohn empfing alle Macht im Himmel und auf Erden, denn als der Fürst dieser Welt kam, hatte und fand er nichts an ihm. Da wurde Satan ausgestoßen; Jesus sah ihn als einen Blitz vom Himmel fallen. Hinfort kann er uns vor Gott nicht mehr verklagen und beschuldigen; denn Jesus hat ausgezogen die Fürsten und Gewaltigen, einen Triumph aus ihnen gemacht und sie zur Schau getragen öffentlich.

Noch immer aber sind es Majestäten, wenn sie auch zum Teil ihre Stärke und Macht verloren haben. Auch Engel fällen darum kein Urteil wider sie, und selbst der Engel des Herrn will den Satan nicht schelten; die Gotteskinder aber sollen einst über sie richten.

Zwar herrscht der Teufel jetzt noch als ein Fürst, aber unter dem Himmel mit den bösen Geistern in der Luft. Denn Michael mit seinen Engeln stritten mit dem Drachen; und der Drache stritt und seine Engel, aber sie siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und eine Stimme im Himmel sprach: „Freut euch, ihr Himmel und die darinnen wohnen! Aber wehe denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer; denn der Teufel kommt zu euch hinab und weiß, daß er wenig Zeit hat!“

Sein endliches Ergehen

Auch auf der Erde bleibt es nicht immer, denn vor dem tausendjährigen Reich kommt der Engel mit dem Schlüssel und der Kette und greift den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan, und bindet ihn tausend Jahre und wirft ihn in den Abgrund. Auch daraus wird er noch einmal los werden und ausgehen, zu verführen die Heiden, sie zu versammeln zum Streit und anzuführen. Dann aber nach Gottes endgültigem Sieg wird er geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, bereitet dem Teufel und seinen Engeln, und gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Die Dämonen

In allem ist hier nur die Rede von dem Teufel (gr. diabolos), nicht von den Teufeln, wie Luther das griechische Wort Daimon meist irreführend übersetzt hat. Zwar gehören auch diese mit unter die Obrigkeit der Finsternis; eine bestimmte Art unsauberer Geister z.B. bildet ein organisiertes Reiche und Beelzebub, dieser Dämon Oberster; eine andere Art fährt nicht aus denn durch Beten und Fasten; aber alle sind uns untertan in Jesu Namen, wenn wir in ihm leben und zu beten wissen.

Quelle: Flügge, Carl August - Der Schriftforscher

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