Doedes, Jacobus Isaac - Das versöhnende Todesleiden unseres Herrn Jesu Christi.
1. Petri 3, 18:
„Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass Er uns zu Gott brächte.“
Golgatha, Golgatha! Wie sollten wir dein je vergessen können! Dein Name erinnert uns an die ewige Erlösung, die Jesus erfunden hat. Unter Gottes Bergen bist du uns besonders teuer.
Wo ist der Sünder, der sich der Verzweiflung übergeben müsste, ungeachtet man ihn auf den Kreuzeshügel Golgatha weist? Aber wo ist auch der Sünder, der keine Beute der Verzweiflung zu werden braucht, vernähme er niemals etwas von Golgatha und dem Lamm Gottes, dessen Blut dort vergossen ist!
Golgatha, das ist ein herrliches Wort. Verzweifelt nie daran, ein passendes, ein zutreffendes, ein fruchtbares Trostwort für Jemanden finden zu sollen, der in Furcht ist, weil seine Sünden ihn beunruhigen; für Jemanden, der beunruhigt wird, weil sein Gewissen erwacht ist, seine Augen geöffnet sind. So lange du von Golgatha sprechen kannst, hast du ein Trostwort für Jeden, der mit einem Herzen voll Angst und Beklemmung an seinen Tod denkt. Verzweifle nicht daran Jemanden aufrichten und ermutigen, erquicken und erfreuen zu sollen, wenn es finster vor ihm ist und Alles bleischwer auf ihm zu liegen scheint, weil er unter Schuldgefühl gebeugt einhergeht. So lange dir das Evangelium von Golgatha zu Diensten steht, so lange du auf den Kreuzeshügel hinweisen kannst, wo Jesus gestorben ist, brauchst du einen Sünder nicht ohne Trost von dir zu schicken.
Golgatha, Golgatha! Wie sollten wir je aufhören können von dir zu sprechen, so Jemand Reue über seine Sünden hat und wegen seiner Sünden keine Freudigkeit findet, vor Gott zu treten? Auf dir ist es vollbracht, auf dir, du Hügel des Ärgernisses, auf dir, du Hügel der Seligkeit.
Hügel des Ärgernisses? Oder sollte Golgatha kein Ärgernis sein, wenn Christus der Gekreuzigte ein Ärgernis ist?
Hügel der Seligkeit! Jesus ist ja da den Tod gestorben, um zu retten, was verloren war!
Verlorener, woran erinnert Golgatha dich nicht?
Wenn du beunruhigt wirst über deine Sünden, tröstet dich dann der Kreuzeshügel? Wenn du erschrickst vor der äußersten Finsternis, bringt er dir dann Frieden?
Trost und Frieden wird der Blick auf Golgatha dir geben, wenn du an dem Kreuze, das dort aufgerichtet wurde, ein für dich geschlachtetes Sühnopfer findest. Ist Jesus für dich nicht mehr als ein vortrefflicher Lehrer, der sich hat töten lassen, um seine Lehre zu besiegeln, nicht mehr als ein vollkommenes Vorbild von Tugend, uns zur Nachfolge gegeben, so wirst du keine Ruhe finden für dein Herz als das Schmachten nach Versöhnung mit Gott. Das Wort von der Versöhnung hat jedoch auch etwas mehr zu predigen. Hören wir es aus dem Munde Petri. Christus hat Einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er uns zu Gott brächte! Das versöhnende Todesleiden unseres Herrn Jesu Christi - darauf möge euer Auge heute mit Wohlgefallen gerichtet sein.
Zu Christen, die um der Wahrheit und ihres Bekenntnisses willen Leiden und Drangsalen ausgesetzt waren und die er zur Geduld ermahnt, spricht der Apostel von dem Leiden des Herrn. Er weist sie, die in Leiden waren, auf Ihn hin, der auch gelitten hatte. Denn Christus, sagt er, hat auch einmal für die Sünden gelitten. Sobald ein Christ, gleichviel in welchem Leiden, aber besonders wenn er um des Evangeliums gequält oder verfolgt wird, dieses Wort hört: Christus hat auch einmal gelitten, muss er sein Leiden geduldig tragen, beim Blick auf das Kreuz des Sohnes Gottes.
Christus hat auch gelitten, Er, ein Gerechter. Es heißt noch nicht viel, wenn man erklärt, dass Er unschuldig zu Tode gebracht ist. Er konnte dann doch noch ein Sünder sein. Aber Er war kein Sünder, Er, der aus dem Heiligen Geist geboren, rein gewesen und geblieben ist. Versucht in Allem, gleichwie wir, hat Er die Versuchung durchgemacht, ohne ihr einen Augenblick Gehör zu geben. Sich selbst bewusst, vollkommen gerecht zu sein, durfte Er erklären, immer zu tun was dem Vater wohlgefällig war. Er ist allezeit nach dem Geiste gewandelt. Er hat nie dem Bedenken des Fleisches einen Augenblick Naum gegeben. Keine Sünde hat in Ihm gewohnt. Keine Unreinheit ward an Ihm gefunden. Für Ihn also auch sicher kein Leiden, sollte man sagen. Kein Leiden für Ihn? Für Ihn das schrecklichste Leiden des Todes. Auch Christus hat gelitten. Seine Leidensgeschichte, steht sie euch immer vor der Seele? Auch Christus hat gelitten, gehorsam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. Er ist, obschon Er gerecht war, ins Leiden des Todes gekommen. Jesus, der Gerechte, in das Leiden des Todes? Wie hat das vor den Augen des gerechten Gottes geschehen können?
Es ist natürlich, dass man uns auf die Feindschaft der Juden hinweist. Mit Hass erfüllt gegen Ihn, in dem sie den Christus sahen, den sie aber nicht für den Christus erkennen wollten, ruhten sie nicht, bevor sie dieses Ärgernis aus ihren Augen beseitigt und von dem Erdboden hinweggeräumt hatten. Wir fragen jedoch: warum hat der Herr sich seinen Feinden nicht entzogen oder wie denn immer es ihnen unmöglich gemacht, dass sie Ihn seines Lebens beraubten? Warum hat Gott den Tod seines Sohnes zugelassen? Zugelassen? Es ist der Wille Gottes gewesen, dass Jesus sterben sollte, so wie er gestorben ist! Bevor er Ihn in die Welt sandte, wusste er, dass man seinen Sohn nicht verschonen würde. Als er seinen Sohn in die Welt sandte, wollte er, dass Jesus sich selbst nicht verschonen sollte. Durch die Hand seiner Feinde ist Jesus getötet, aber Gott hat also erfüllt, was er durch den Mund seiner Propheten zuvor verkündigt hatte. Gott hat ihn bestimmt für den Kreuzestod. Der Herr Jesus hat den Kelch getrunken, den der Vater Ihm gab.
Aber Ihr verlangt mehr zu wissen. Warum hat Gott Ihn in den Tod des Kreuzes dahingegeben? Paulus antwortet: um unserer Sünden willen. Petrus sagt von dem Herrn: welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, welcher selbst für unsere Sünden gebüßt, die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen, ans Kreuz geheftet hat. Petrus lehrt ebenso wie Paulus, dass Jesus getötet ist wegen der Sünden, die begangen waren, deren die Sünder sich schuldig gemacht hatten. Christus hat für die Sünder gelitten; was kann das anders bezeichnen, als dass Er gelitten hat aus Ursache der Übertretungen der Sünder; was anders, als dass Er auf Sich genommen, was sie mit ihren Sünden verdient hatten? Wer sündigt, verdient den Tod für seine Übertretung. Nun hat Gott seinen Sohn sterben lassen für das, was die Sünder verbrochen haben. Gott hat Ihn behandelt, als ob Er gesündigt hätte. Anstatt der Übertreter ist Er zu Tode gebracht, der sich nie einer Übertretung schuldig gemacht hatte, Er, ein Gerechter für Ungerechte!
Ein Gerechter für die Ungerechten. Welch eine Stellvertretung! Es ist klar, dass hier an Stellvertretung gedacht werden muss. Man sagt wohl, dass der Ausdruck „für Ungerechte“ bezeichnet „zum Besten von Ungerechten,“ und wer sollte je verkennen, dass Jesus Christus, der Gerechte, zum Besten Ungerechter gekommen und gegangen ist in das Leiden des Todes? Aber in welchem Sinne hat Er zu ihrem Besten den Tod erlitten? Bloß, um sie von Etwas zu versichern, bloß um ihnen ein Vorbild zu geben? Sowohl das vorhergehende „für die Sünder“ als der Gegensatz „ein Gerechter“ und „Ungerechter“ beweist, dass Petrus an die bekannte Stellvertretung eines Übertreters durch das Sühnopfer denkt. Es ist wohl klar, dass Jesus an Stelle der Übertreter eingetreten ist, so wie das Sühnopfer des Alten Bundes an die Stelle Jemandes, der gesündigt hatte, gesetzt wurde. Welch eine Stellvertretung! Der eingeborene Sohn Gottes, dem Vater gleich, nicht bloß ein Mensch geworden, sondern als ein Missetäter zu Tode gebracht an Statt derer, die verdient hatten, wegen ihrer Sünden zu sterben, an Statt derer, die unter dem Fluche sind, an Statt der Ungerechten! So geschah es also auch für uns, denn zu den Ungerechten gehören auch wir. Öffnet eure Ohren, Schuldige und Verlorene! Für Ungerechte ist Jesus, der Gerechte, in den Tod gegangen!
Auch für uns?
„Auf dass Er uns zu Gott brächte,“ sagt Petrus, ohne im mindesten die Haltung anzunehmen, dass allein auf diejenigen gedeutet wissen zu wollen, zu denen er spricht, und auf sich selbst. Wir rufen aus: für uns auch, auch für uns!
Auf dass Er uns zu Gott brächte! Verstehst du das? Ihr wart wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Wie irrende Schafe, gilt das nicht von allen Sündern, so wie sie vor ihrer Bekehrung leben? Vor seiner Bekehrung ist der Sünder ferne von Gott. Sein Herz ist dann ferne von Gott, sein Herz ist an die Welt gebunden, mit der Welt erfüllt. Aber darum hat man kein Recht zu behaupten, dass Gott auch fern von ihm ist. Paulus sagte wohl zu den Heiden, als er von Gott sprach: wiewohl Er nicht ferne ist von einem Jeglichen unter uns. Gott ist selbst so nahe bei uns, dass gesagt werden kann: in Ihm leben, weben und sind wir. Aber wie leben wir in Ihm und wie bewegen wir uns in Ihm und wie sind wir in Ihm, so lange wir noch nicht zu Ihm bekehrt unsern eigenen Willen tun, nach unsern eigenen Lüsten, nach unserm hochmütigen, weltlich gesinnten Herzen leben? Doch als Widersacher, als Feinde Gottes, ja so feindlich, dass wir die Wahrheit des Wortes bestätigen: der Mensch ist von Natur geneigt, Gott zu hassen, und nicht Gott allein, sondern auch den Nächsten. Gott hat das Herz des Menschen nicht, so lange der Mensch nicht durch den Heiligen Geist erneuert ist. So lange lebt der Mensch ferne von Gott. Wirklich unglücklich sind wir, so lange wir von Gott entfremdet, also ferne von Gott leben. Er hat alles in unserm Innern so eingerichtet, dass wir ohne Friede sind, so lange wir ohne Liebe zu Ihm sind, so lange wir Ihm entfremdet, Ihm feindlich gesinnt sind. Zu Gott! zu Gott! ruft euer Herz, auch ohne es zu wollen, auch wenn ihr diesen Ruf erstickt, auch wenn ihr euch selbst ausredet, dass in euch eine Stimme ist, die zu Gott ruft. Wir verkennen Gott, so wir meinen, der Mensch müsse erst durch Unterricht, erst durch Erziehung lernen, Bedürfnis nach seinem Gott zu haben. Muss denn der Mensch durch Unterricht, durch Erziehung kennen gelernt haben, was ja jeder Mensch hat, ein Herz? Ein Mensch ohne Herz, also ein Mensch, der nicht ein Mensch ist, den wirst du auch nicht durch Unterricht, auch nicht durch Erziehung lehren, nach Gott zu fragen; ebenso wenig wie du Jemanden, der keine Augen hat, durch künstliche Mittel zum Sehen bringen wirst. Gott hat dem Menschen ein Herz gegeben und in diesem Herzen Alles darauf eingerichtet, dass drinnen ewig nicht Friede und Freude sein kann, es sei denn, dass Gott dieses Herz erfüllt und dieses Herz in Gott seinen Frieden und seine Freude gefunden hat. Ich vermute wohl, du wirst mir zurufen: es gibt doch Tausende, die kein Bedürfnis nach Gott fühlen. Doch zuerst erinnere ich, dass ich noch nicht von dem Gefühl des Bedürfnisses, bloß von dem Bedürfnis selbst sprach, und dann möchte ich wohl Einige aus diesen Tausenden sehen, die kein Bedürfnis nach Gott fühlen sollten. Was dünkt euch, wenn es mal sich zeigte, dass sie sich Götter machten nach den Begierden ihres Herzens, dass sie nimmer erfüllt würden, nimmer Ruhe für ihre Seele haben; wenn es mal sich zeigte, dass sie ihren Durst nicht an dem rechten Brunnen löschen, aber doch wohl trinken, wohl trinken, nun das Eine, dann das Andere, jetzt hier, dann dort, während sie nirgends das rechte Wasser finden, das sie dem Tode ins Angesicht sehen lehrt mit dem Gott des Lebens in ihrem Herzen; - sollte man dann auch zugeben müssen, dass ihnen nichts gebräche, was auch von ihnen bestritten oder verkannt werden möge? Würden sie dann auch selbst die Wahrheit des Gotteswortes beweisen: die Gottlosen haben keinen Frieden? Ein Mensch, der sein Herz nicht für Gott öffnen will, der ihm also eine andere Bestimmung gibt als wozu er es empfangen hat, ist nirgends an seiner Stelle, nicht auf seinem Platze, er werde denn zu Gott gebracht. Ich brauche euch das nicht zu beweisen. In euch ist etwas, worauf ich mich berufe. Ihr braucht mir nicht zu versichern, dass ich nicht irre. Sagten auch viele Tausende, dass ein Mensch glücklich sein kann ohne Gott, Jedermann, der da glaubt, dass der Mensch durch Gott und nach Gott geschaffen ist, würde ein Kopfschütteln zur Antwort geben. Könnte die Sünde dem Menschen sein Herz nehmen, dann spräche ich anders. Aber sie verdirbt es, ohne es zu vernichten; sie verhärtet es, ohne es zu töten. Willst du des Menschen Elend beschreiben, so sage: er ist ohne Gott in der Welt. Willst du auf das Heil hinweisen, das nun durch Jesum sein Teil ist, so sprich von dem Zweck, wozu Gottes Sohn gestorben ist: auf dass er uns zu Gott brächte.
Um uns zu Gott zu bringen, hat der Sohn Gottes als das wahre Sühnopfer den Tod erlitten. Wäre Jesus ein Mensch gewesen, in Allem uns gleich, auch im Sündigen, so würde es selbst eines Mittlers zwischen Gott und Ihm bedurft haben. Wäre er ein Mensch gewesen ohne Sünde, übrigens aber ein gewöhnlicher Mensch, so hätte er durch seinen Tod unsre Sünden nicht wegnehmen können. Nun aber siehe: Jesus unterscheidet sich von allen Menschen, von allen Geschöpfen Gottes durch seine Gottheit. Da er der Sohn Gottes ist, so stand er als Mensch ganz anders dem Gesetz Gottes gegenüber, als wir. Er hat sich freiwillig unter das Gesetz gestellt, während wir uns von Natur darunter befinden. Noch mehr. Da er der Sohn Gottes ist, gleich dem Vater, ists als ob Gott selbst die Erfüllung des Gesetzes uns zu Gute auf sich genommen hat. Wenn wir Jesum am Fluchholze auf Golgatha hängen sehen, müssen wir denken: Gott hat sich selbst zum Opfer gebracht zu unserer Erlösung. Dass Gott selbst nicht für uns sterben konnte, brauche ich nicht zu bemerken. Dass Gottes Sohn darum Mensch geworden ist, um als Mensch an unserer Statt den Tod zu erleiden, den wir verdient haben, das darf wie ein Felsen bei dir feststehen. Gott hat seinen Sohn in den Tod dahin gegeben, um gerecht zu bleiben, als er uns die Sünden vergab. Jesus hat sich, indem er Mensch wurde, auf die innigste Weise uns angeschlossen und ist dadurch, dass er Gott gleich war, im Stande gewesen, um unserer Sünden willen den Tod zu sterben. Das Sühnopfer Jesu entleiht seinen Wert ebenso sehr der Gottheit als der menschlichen Natur unsers Herrn und darauf ruht der Lehrsatz, dass diejenigen, welche die Gottheit des Sohnes verkennen und bestreiten, dem Versöhnungstode unseres Herrn auch kein Recht widerfahren lassen. Indem er seinen Sohn als Mensch an unserer Statt zu unserer Rechtfertigung sterben ließ, blieb Gott, so zu sagen, in Harmonie. Die Vergebung der Sünden ist nun keine Verlegung seiner Gerechtigkeit, die Freisprechung des Sünders nun nicht im Streit mit der Drohung des Fluches für Jeden, der da sündigt.
Nun wird es zugleich deutlich, dass an keine Versöhnung Gottes gedacht werden kann, da Gott selbst seinen Sohn zu einem Opfer für unsere Sünden verordnet hat. Der Sohn hat den Vater nicht bewogen. Der Vater hat aus eigener Bewegung den Sohn gesandt. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn dahin gab, auf dass Jeder, der an ihn glaubt, errettet würde. Gott war in Christo die Welt versöhnend mit sich selber, indem er ihre Sünden ihnen nicht zurechnete. Aus Gott ist die Erlösung, die uns in Christo gepredigt wird. Um Sünder zu sich zu bringen, übergab Gott seinen Sohn an ihrer Statt dem Leiden des Todes. Aus Gnaden seid ihr selig worden, durch den Glauben, nicht aus euch, nicht aus den Werken, auf dass sich Niemand rühme. Es ist Gottes Gabe. Gottes Gabe ist dieser offene Zugang, von Gott kommt diese Wegnahme, diese Versöhnung der Sünden, welche wir haben in Jesu Christo. Ihm, der unsere Sünden an seinem Leibe geopfert hat auf dem Holz, und ihm, der seinen Sohn zum Mittel der Sühne gesetzt hat durch den Glauben an sein Blut, dem Vater sowohl als dem Sohne sei Lob und Dank für die vollkommene Erlösung, die auf Golgatha zu Stande gebracht ist.
Bekennst auch du das? Glaubst auch du das? Mit diesen beiden Fragen komme ich nun zu dir.
Es ist schon etwas, wenn du bekennst, was das Evangelium dir von dem Todesleiden des Herrn predigt. Es gibt Christen, die nicht bekennen, dass Jesus das Sühnopfer des Sünders ist, dass Jesus den Tod erlitten hat, weil wir gesündigt haben, dass sein Versöhnungstod notwendig war, nicht allein um unsertwillen, sondern auch um des gerechten Gottes willen. Wenn du dich der Heiligen Schrift, wenn du dich dem Evangelium, so wie es in der Bibel gefunden wird, ehrlich unterwirfst, musst du bekennen, dass Jesus an unserer Statt, unsere Stelle vertretend, gestorben ist, damit unsere Sünden uns nicht im Wege sein sollten bei Gott, damit uns Vergebung der Sünden gepredigt werden könnte. Zufolge der Heiligen Schrift, auf welche fast alle Christen sich berufen, aber welcher sehr viele Christen sich nicht unterwerfen, muss der Tod Jesu nicht bloß dazu dienen uns zu versichern, dass Gott vergebend gesinnt ist, oder dass Gott die Sünden vergibt oder vergeben hat. Zufolge der Heiligen Schrift kommt durch den Kreuzestod Jesu die Vergebung der Sünden selbst zu uns, hat Jesus in seinem Tode für unsere Sünden gebüßt, würden wir ohne sein Sterben die Vergebung der Sünden nicht haben. Auch dies müssen wir bekennen.
Aber warum dringen wir so darauf, dass dies bekannt werde? Was tuts zur Sache, wie man über das versöhnende Todesleiden denkt, wenn man nur glaubt, dass er der einige Heiland ist, dass er zur Vergebung der Sünden gestorben ist, dass wir nicht gerechtfertigt vor Gott erscheinen können als durch ihn? Wenn du das wirklich glaubst, gewiss, dann glaubst du, was du glauben musst, aber dann musst du nicht verkennen, dass Jesus wegen unserer Sünden gestorben ist, dass wir die Vergebung unserer Sünden seinem Kreuzestode zu danken haben. Kennst du ihn den einigen Heiland, so bezeichnet das nichts, wenn du nicht annimmst, dass er der Heiland, d. h. dass er der Retter ist, dass er selig macht. Es heißt ja mit Worten spielen, wenn man ihn Heiland oder Erlöser nennt, und doch in seinem Tode nichts mehr sieht als ein Unterpfand von Gottes Geneigtheit zu vergeben, als eine Versicherung, dass es Vergebung von Sünden gibt. Man nenne Jesum doch nicht des Sünders Heiland oder Erlöser, wenn man nicht erkennen will, dass sein Tod unsere Rettung ist, sein Tod an unserer Statt, wegen unserer Sünden, zu unserer Rechtfertigung. Aber es ist noch etwas Anderes, worauf wir hier achten müssen. Es ist gemächlich zu erklären, warum man sich an der Lehre von Jesu stellvertretendem Sterben ärgert. Der Hochmut des natürlichen Menschen sträubt sich wider jede Vorstellung von der Sünde als einem solchen Gräuel, dass keine Vergebung möglich sein sollte als durch ein Sühnopfer, als durch den Tod von Gottes Sohn als Sühnopfer. Solch eine große Missetat ist deine Übertretung der Gebote Gottes, o Mensch, dass Gott sie nicht vergeben kann ohne Blutvergießen, ohne das Blut dessen zu vergießen, den er um deiner Übertretungen willen für dich hat sterben lassen. Siehe, das ist das Ärgernis des Kreuzes, das ist Wermut für den Hochmut des natürlichen Menschen, der sich selbst viel zu hoch stellt, um seine Sünden sich so nahe gehen zu lassen, und der Gott viel zu gering achtet, um sich wegen Ungehorsam vor ihm so schuldig zu achten. Das muss ihm unter die Augen gestellt werden und darum ist es keineswegs gleichgültig, ob du aus der Vorstellung von dem Todesleiden des Herrn weglässt, was den natürlichen Menschen ärgert, ebenso wenig wie es eine gleichgültige Sache ist, ob du das Schwert seiner Schneide oder ein scharfes Wort grade dieser seiner Schärfe beraubst. Ohne das Ärgernis des Kreuzes ist das Wort vom Kreuz ein kraftloses Salz und behagt es dann doch grade dem natürlichen Menschen am meisten, so kommts daher, dass die Wahrheit ihn, der so leicht verletzt ist, schmerzlich berührt. Kannst du es vielleicht auch nicht ertragen, dass Jesus dir dargestellt wird als an deiner Statt gestorben, als wegen deiner Sünde gestorben? Untersuche, ob du dich wohl für einen Ungerechten, für ein Kind des Zornes hältst; ob du dir wohl deine Sünden so vorstellst, wie sie vor Gottes Angesicht da stehen. Je weniger du dein sündiges Wesen abscheulich findest, desto mehr wirst du dich an dem stellvertretenden Sterben Jesu ärgern. Je lebendiger dein Schuldgefühl ist, desto mehr Bedürfnis fühlst du zu hören, dass Jesus an deiner Statt den Tod erlitten hat, er, der niemals gesündigt hat, an deiner Statt, der du als ein Feind Gottes dich betragen hast. Wer sich selbst vor Gott verdammungswürdig erachtet, wird nur hierin Trost für sein Herz finden.
Aber wenn dies nun auch von dir bekannt wird, sag, wird es auch von dir geglaubt?
Ja, wenn du es mit deinem Herzen bekennst, dann glaubst du es natürlich. Aber wenn du es mit dem Munde bekennst, könnte es auch der Fall sein, dass dein Herz keinen Teil daran nahm. Man kann Mitglied der christlichen Kirche sein und doch noch ferne vom Himmelreich. Man kann, ohne wiedergeboren zu sein, ein Christ heißen. So kann man auch mit dem Munde eine Wahrheit bekennen, ohne dass das Herz zu diesem Bekenntnis Amen sagt. So wird es nicht bei dir sein, wenn du nur erkennst und einsiehst, dass es schrecklich ist für einen Menschen, den freien Zugang nicht zu Gott zu haben, und dass du den freien Zugang zu Gott nicht hast, wenn deine Sünden nicht hinweggenommen sind. Was den Herrn Jesus betrifft, er hat seinerseits getan, was er konnte und musste, um deine Sünden weg zu nehmen und dich zu Gott zu bringen. Aber du, was hast du getan? Ist die Absicht, wozu der Herr Jesus deiner Sünden wegen gelitten hat, bei dir erreicht? Hast du dich nun mit Gott versöhnen lassen? Bist du nun längs des offenen Weges zu Gott gekommen? Christus hat Einmal gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er uns zu Gott brächte und er wird nicht zum zweiten Male dafür leiden. Als er starb, hatte er gesagt: es ist vollbracht. Was müssen wir nun tun, wenn wir das glauben und beweisen wollen, dass wir es glauben? Wir müssen uns dann vor Jesu niederbeugen, alle unsere Sünden ihm bekennen, alle unsere Sünden, so als ob er vor unsern Augen stände, auf ihn legen. Wir müssen uns Jesu übergeben, indem wir ihn annehmen als das Opfer, was für unsere Sünden geschlachtet ist. Wir müssen erkennen, dass unsere Sünden ihm den Tod angetan haben und in dieser Erkenntnis nun auch fest glauben, dass sie durch ihn hinweggenommen sind; dass wir nun frei zu Gott kommen und dürfen; dass wir in dem Blute des Sohnes die Vergebung unserer Sünden haben und durch die Vergebung die Versöhnung mit Gott. Wir müssen nun auch durch Jesum zu Gott gehen, damit dem Bedürfnis unseres Herzens Genüge geschehe, damit es bei dem lebendigen Gott Frieden habe. Aber um zu dieser großen Glaubenstat zu kommen, müssen wir uns selbst als Ungerechte haben kennen lernen und dazu gelangen wir nicht ohne Zerbrechung des Herzens, dazu kommen wir nicht aus uns selber. Denn aus unserem Herzen kommt wohl Beschönigung der Sünden und Verkennung von mancherlei Missetat, deren wir schuldig sind; Entschuldigung für das Eine und der Vorsatz, das Andere durch Tugendbetrachtung gut zu machen; aber nicht das ehrliche, getreue, genaue, nichts zurückhaltende, alles offenbarende Schuldbekenntnis. Du bekennst alle deine Schuld vor Gott nicht, so lange der Heilige Geist dich nicht auf die Knie geworfen hat, so lange dein trotziges Herz nicht gebrochen ist. Dann erst zerbricht das Herz, das sich stolz wider Gott erhebt; dann zerbricht das Herz, ohne welches Zerbrechen das Evangelium für dich nicht ist und nicht sein kann die frohe Botschaft, und ohne welches der Geruch des Lebens zum Leben, der aus dem Wort vom Kreuze kommt, für dich nichts wohlriechendes, vielmehr etwas unerträgliches hat. Dass du ein Ungerechter, ein Gottloser bist, das musst du glauben, das musst du einsehen. Wenn du es nicht glaubst, wenn du es noch nicht einsiehst, so sei nicht so voreilig damit, meine Predigt übertrieben zu nennen. Es gilt dein ewiges Heil, es gilt deine Rechtfertigung vor Gott und deine Versöhnung mit Gott. Es gilt die Antwort auf die Frage, ob du auf Erden und im Himmel die Früchte von dem Kreuzestode des Herrn pflücken wirst. Wenn du einstimmen musst - und du stimmest ein, sagst du es auch nicht - dass es dir unbeschreiblich viel Mühe kostet, deine Sünden vor Gott zu bekennen, als ein Ungerechter zu Jesu zu gehen, zu erkennen, dass er wegen deiner Sünden den Tod gelitten hat und leiden musste; wenn du alles das mit genauer Not, ja eigentlich im Ganzen nicht bekennen kannst, weil deine Hoffart sich dawider setzt, so streite und kämpfe dagegen mittelst des Gebetes um den Heiligen Geist. Sobald der Heilige Geist dich zur Demütigung bringt, wird es anders werden. Selige Gemütsstimmung, wenn du durch den Heiligen Geist ergriffen dich selbst ergreifst, dich vor Jesu niederwirfst, dich ganz Jesu ausschließest, mit allen deinen Sünden, allen deinen Missetaten, allen deinen Ungerechtigkeiten, aller deiner Bosheit, Arglist, Untreue und Feindschaft; wenn du dann auf sein Kreuz, auf sein Blut, auf sein Opfer siehst und glaubst, dass er wegen deiner Sünden gelitten hat, er der Gerechte, an deiner, des Ungerechten Statt, er, einmal für immer, auf dass er dich zu Gott brächte.
Ihr zu Gott Gebrachten, im Blute des Lammes Gereinigten, über eure Sünden Gedemütigten und Betrübten, euch ist große Barmherzigkeit widerfahren, wenn ihr bekennet und glaubt, glaubt und bekennet, dass Jesus euer Erlöser ist durch sein versöhnendes Todesleiden. Nun ergeht an euch die Forderung des Dienstes der Gerechtigkeit. Nun müsst ihr mit Gott wandeln in einem heiligen Leben. Jesus hat seinen Aposteln nicht befohlen, Vergebung der Sünden und Zügellosigkeit zu predigen, sondern. Bekehrung und Vergebung der Sünden. Wie Petrus sagt, hat Christus unsere Sünden an seinem Leibe getragen auf dem Holz, damit wir von der Sünde erlöst der Gerechtigkeit leben sollen. Es darf nicht heißen: lasst uns sündigen, damit die Gnade desto mächtiger werde. Es heißt: sündige hinfort nicht mehr, nun du Gnade um Gnade empfangen hast. So wir meinten, wir könnten mit mehr Freiheit sündigen, seit Gott uns alles durch seinen Sohn vergeben hat, würden wir Christum zu einem Sündendiener und Gott zu einem Beschirmer der Sünden machen. Das ist auch nicht der Zweck des Kreuzestodes Christi, sondern dass er ihm selbst reinigte ein Volk, das fleißig wäre zu guten Werken. Schreibt das in euer Herz, die ihr euch selbst des Kreuzestodes Christi getröstet und sagt: für meine Sünden ist der Herr Jesus gestorben und durch sein Blut bin ich von meiner Schuld erlöst. Sagt dann auch zu euch selbst: kämpfe nun einen Kampf auf Leben und Tod wider jegliche Versuchung zur Übertretung von Gottes Geboten und lass deine Heiligung der Beweis sein, dass du wirklich den Sohn Gottes, den Gerechten, zu deinem Sühnopfer angenommen hast. Um errettet, um gerechtfertigt zu werden, brauchst du das Gesetz nicht zu halten. Aber wenn du errettet, wenn du gerechtfertigt bist durch den Tod des Sohnes Gottes, musst du ihn verherrlichen durch das Tun seines Willens. Was würde dir die Vergebung deiner Sünden nützen, wenn du nicht aus dem Dienst der Sünde in den Dienst der Gerechtigkeit übergegangen wärest und nicht, statt nach dem Fleische und der Welt, nach dem Geiste und Willen Gottes während deiner übrigen Lebenszeit wandeltest. „Sündige hinfort nicht mehr“ ist ebenso ein Bestandteil des Evangeliums von der Gnade Gottes in Christo, als dieses Andere: „mit Einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden.“ Hebr. 10, 14. Der Wandel der Gerechtfertigten ziemt dem Willen Gottes gemäß zu sein, zur Ehre und nicht zur Schande Christi, der wohl ein Überwinder, nicht aber ein Diener der Sünde ist. Betrübt euch also sehr über jede Ungerechtigkeit und wappnet euch zu einem neuen Streite. Aber dir, der du an Jesum glaubst, diene es auch zum Troste, wenn du deine täglichen Sünden mit tiefer Betrübnis bekennst, dass die Erlösung, welche Jesus gebracht hat, nicht für einige Monate oder Jahre ist. Eine ewige Erlösung wird sie genannt, eine, die nicht von Zeit zu Zeit erneuert zu werden braucht, nicht nach einiger Zeit zunichte gemacht wird. Christus hat sich durch den ewigen Geist einmal für allezeit geopfert, damit Jeder, der an ihn glaubt, wirklich den Genuss dieses Einen Opfers haben solle. Von diesem Einen Opfer gehe die heiligende und reinigende Kraft auf dich über, heute und morgen und alle Tage deines Lebens, damit du dem lebendigen Gott dienest und du der Hoffnung der Herrlichkeit dich fort und fort rühmst. Der Herr, der Erlösung brachte, hat Recht auf dein Herz. Du wirst zugeben müssen, dass du teuer erkauft bist. Aber erkauft durch ihn und ihm angehörend bist du denn auch von allen deinen begangenen Sünden für immer erlöst und ein Erbgenosse des Himmels geworden. Dieses letzte, dass du durch den gekreuzigten Jesus ein Erbgenosse des Himmels bist, - siehe, wenn du es nicht glauben darfst, weil du so viel und so oft gesündigt hast; wenn du die Stimme zu hören meinst: wer ist würdig, die Herrlichkeit des Himmels zu schauen und hineinzugehen? wenn du dich dessen selbst nicht würdig achtest um deiner Ungerechtigkeiten willen und deine Seele in dir weint, weil alles hoffnungslos für dich scheint: denke dann an Jesum, der gestorben ist, auf dass er dich zu Gott brächte. Durch das Wort vom Kreuz öffne er deine Augen, so dass es dir sei, als sähest du mitten im Himmel ein Lamm geschlachtet dastehen und in dem Lebensbuche des Lammes deinen Namen geschrieben mit dem Blute dieses Lammes, bis du im Himmel verstehen lernst, was es heißt: zu Gott gebracht sein; bis du im Himmel den vollen und ewig dauernden Genuss deiner Versöhnung mit Gott durch den gekreuzigten Heiland Jesus Christus schmeckst. Amen.