Collenbusch, Samuel - Etwas von der Erlösung durch Jesum Christum.

Collenbusch, Samuel - Etwas von der Erlösung durch Jesum Christum.

Paulus spricht Röm. 4, 8. aus dem Munde des Davids: „Selig ist der Mann, welchem Gott keine Sünde, keine Ungerechtigkeit, keine Schuld zur Sünde, zur Ungerechtigkeit, das ist: zur Bezahlung zurechnet, sondern ihn von aller Bezahlung losspricht.“ Dieses kann die Rechtfertigung eines Schuldners genannt werden.

Diese Rechtfertigung, diese Freisprechung eines Schuldners von aller Bezahlung der Schuld wäre eine große Ungerechtigkeit von Seiten des Richters, wenn nicht ein Bürge vorhanden wäre, welcher die Schulden des Schuldners bis auf den letzten Heller bezahlen könnte, bezahlen wollte und wirklich bezahlte.

Ein gerechter Richter ist es sich selbst schuldig, den Unrechtleidenden Gerechtigkeit und Gericht zu verschaffen bis auf den letzten Heller. Matth. 5, 26.

Der König David hatte dem Urias einen großen Schaden zugefügt. Nach dem Recht der Gerechtigkeit Gottes war David schuldig, dem Urias diesen Schaden, bis auf den letzten Heller zu bezahlen.

Wer Schaden thut, es mag seyn ein leiblicher oder ein Seelenschade, es mag seyn ein kleiner oder ein großer Schade, so ist er schuldig, nach dem Recht der Gerechtigkeit Gottes, den Schaden wieder gut zu machen bis auf den letzten Heller.

David konnte selbst den Schaden unmöglich wieder gut machen; David konnte selbst den Urias unmöglich klaglos stellen, er glaubte aber, daß bei Gott kein Ding unmöglich sey, darum nahm er seine Zuflucht zu Gott. Er hatte ein so unermeßlich großes Zutrauen zu Gott, er hatte ein so unermeßlich großes Zutrauen zu der Liebe Gottes, er glaubte, daß Gott nicht allein könnte dem Urias allen Schaden bis auf den letzten Heller bezahlen, sondern daß Gott auch so liebreich sey, daß er dieses thun wolle.

David hatte es gehört oder gelesen, was alle Christen noch lesen können, 2 Mos. 34, 6. 7. was Gott dem Moses hatte geprediget von seinem Namen, das ist: von seiner Güte, von seiner Herrlichkeit. Er glaubte, daß der liebreiche Gott „ barmherzig und gnädig, und geduldig und von großer Güte sey, daß er Gnade bewahre bis ins tausende Glied, und daß er den Bußfertigen und Gläubigen erlasse die Bezahlung der Missethat, Uebertretung und Sünde, wenn sie ihn demüthig darum bitten.“ Er glaubte, daß vor Gott niemand unschuldig ist, sondern daß alle Menschen vor Gott Schuldner sind, so wie David ein großer Schuldner des Urias war, daß er schuldig sey, dem Urias allen ihm zugefügten Schaden zu bezahlen, oder wieder gut zu machen.

Wenn man den 51. Psalm beherziget, so kann man daraus erkennen, daß David durch fleißiges, oft wiederholtes Bewegen in seinem Herzen, des geoffenbarten Ceremonialgesetzes, den geistlichen Verstand des Ceremonialgesetzes erlanget hatte. Er spricht Ps. 51,10. „Du lässest mich wissen die heimliche Weisheit.“ Es ist demnach nicht daran zu zweifeln, daß auf diese Wissenschaft der heimlichen Weisheit, sich die bewunderungswürdige Bitte gründet, Ps. 51,16. „Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist: daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.“

Diese, von allen Schulden, durch einen Bürgen, durch einen Mittler, durch den andern Adam uns erlösende Gerechtigkeit, ist im neuen Testament viel heller geoffenbaret.

Im Evangelio wird Gottes den Ungerechten, rechtfertigende Gerechtigkeit offenbaret. Auch wird im Evangelio Gottes den Ungerechten, gerechtmachende Gerechtigkeit offenbaret. Röm. 3. und Röm. 5.

Was ist unter diesen zweien Sätzen für ein Unterschied?

Der Unterschied ist groß! die Menschen sind nicht allein geistlich arme Schuldner, die sie selber nicht bezahlen können; sondern die Menschen sind auch geistlich Todte, die sich selber nicht lebendig machen können.

Wenn ein Bürge für einen Schuldner aus seinem unermeßlichen Reichthum die Schulden bezahlet, so wird der Schuldner von seiner Schuld losgesprochen, dieses kann die Rechtfertigung eines Schuldners genennet werden. Dieses ist eine Gnade von Seiten des Bürgen, und eine Gerechtigkeit von Seiten des gerechten Richters.

Diese Rechtfertigung ist noch keine Gerechtmachung, denn der Schuldner ist auch ein geistlich todter Schuldner, und kann sich selber nicht lebendig machen, es mangelt ihm das geistliche Leben, das wir in Adam verloren haben. Wenn aber der Mensch versiegelt worden ist mit dem heiligen Geist, Eph. 1,13.14. versiegelt worden ist mit dem geistlichen Segen, Gal. 3,14. oder mit andern Worten: vom geistlichen Tode zum geistlichen Leben hindurch gedrungen ist, Joh. 5,24. Dann ist der Mensch nicht allein gerechtfertiget in Ansehung der Schulden, sondern auch innerlich gerecht gemacht. Dieses ist die Gabe. Röm. 5,15.

Zur Gerechtmachung eines geistlich todten Schuldners, ist also zweierlei nöthig.

  1. Bezahlung der Schulden.
  2. Lebendigmachung oder Gnade und Gabe.

Gnade ist Erlassung der Schulden.

Gabe ist die Schenkung des allen Völkern der Erde verheissenen heiligen Geistes. 1 B. Mos. 22,18.

Wer Gnade und Gabe empfangen hat, der ist ein Werk Gottes, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen ihn Gott zuvor bereitet hat durch die Schenkung des heiligen Geistes und Besprengung am Herzen, 1 Petr. 1,2. daß er darin wandeln soll und kann. Eph. 2, 10.

Das erste Werk, welches ein Christ thun kann, und sich selber zu thun schuldig ist, bestehet darin: daß er durch den Geist die Geschäfte des Fleisches tödtet, Röm. 8,13. Daß er die Lust sich selbst zu rächen, und die Lust sich selbst zu erhöhen, tödtet.

Je fleißiger ein Christ die Lust sich selbst zu rächen tödtet, desto sanftmüthiger wird er, und je fleißiger ein Christ die Lust sich selbst zu erhöhen tödtet, desto demüthiger wird er, Matth, 11,29. Ohne Fleiß in diesen guten Werken ist es nicht möglich zu der von Gott verheissenen Seelenruhe zu kommen. Ebr. 4, 11.

Salomon spricht: Der Faule stirbt über seinem Wünschen; durch wünschen kommt man nicht zur Seelenruhe.

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