Burger, Carl Heinrich August von - Zehnte Predigt. - Am Sonntage Judica 1850.

Burger, Carl Heinrich August von - Zehnte Predigt. - Am Sonntage Judica 1850.

Text: Hebr. 12, 1-3.
Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns haben, lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist, und aussehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hatte mögen Freude haben, erduldete er das Kreuz, und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten aus dem Stuhl Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Muth matt werdet und ablasset.

In dem Kranz mannigfacher Tugenden, mit welchen die lebendige Verbindung des Glaubens mit dem Herrn und Heiland Jesus Christus Seine Glieder schmücket und ausrüstet, ist eine der wichtigsten und schwersten die vielgepriesene Geduld. Schon der weise Salomo sagt (Sprüchw. 16, 32): Ein Geduldiger ist besser denn ein Starker! - und Jakobus (I, 3. 4) verlangt es als ein Zeichen der Rechtschaffenheit des Glaubens, daß er Geduld wirke. Sie ist wahrlich in unsern Tagen nicht werthloser und entbehrlicher geworden; sie wird in dem Maaße nöthiger, als die Last dessen, was zu tragen ist, sich mehret; sie ist eine Bewährung unsers Christenglaubens, ohne die wir weder den eignen Frieden wahren, noch nach außen das uns gebotene Zeugniß und Bekenntniß aufrecht erhalten können. Darum laßt uns in dieser Stunde zu unserer gemeinsamen Erbauung aus unsrem Texte hören und zu Herzen nehmen:

daß der Christ seinen Glauben durch Geduld erweisen soll zu allen Zeiten, und zwar laßt uns erwägen:

  1. was der Apostel in dieser Hinsicht von uns fordert,
  2. mit welchen Beweggründen er uns dazu stärkt.

I.

Was der Apostel von uns fordert, ist ausgesprochen in den Worten: „Lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist.“ Das Laufen im Kampf ist ein beliebtes Bild, das der Apostel Paulus oft gebraucht in seinen Briefen. 1. Cor. 9 schreibt er: Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, laufen Alle, aber Einer erlanget das Kleinod. Laufet nun also, daß ihr es ergreifet; und 2. Tim. 2, 5: So Jemand auch kämpfet, wird er doch nicht gekrönet, er kämpfe denn recht. Das Bild ist hergenommen von den festlichen Wettkämpfen bei den Griechen. Die Edelsten, die Rüstigsten des Volkes wetteiferten, um ihre körperliche Kraft und Gewandtheit, ihre Ausdauer oder Schnelligkeit in dazu angesetzten Spielen zu beweisen. Zu Zuschauern hatten sie die Menge des versammelten Volks aus allen Gegenden, wo Griechen wohnten. Den Sieger lohnte ein einfacher Kranz; aber sein Name ward getragen von Mund zu Mund, er wurde der Stolz seines Stammes, seines Hauses, und alle Künste beeiferten sich sein Gedächtniß herrlich zu machen vor den Zeitgenossen und der Nachwelt. Damit vergleichet der Apostel den Beruf des Christel:. Jene Kämpfer liefen nach jahrelanger Einübung und Bereitung an Einem Tag, an welchen sie den Ruhm, die Ehre ihres ganzen Lebens knüpften, und ihr Preis war ein Siegeskranz von Laub und Blättern und das Lob der Menge. Der Christ soll laufen all sein Leben lang und nicht ermüden; aber das Kleinod, das ihm winkt, ist das unvergängliche und unbefleckte und unverwelkliche Erbtheil, das behalten ist im Himmel. - Jene hatten zu Zuschauern ein begeistertes Volk, das sich an ihrer Fertigkeit und Kraft ergötzte. Aus des Christen Gang schauen hoffend und fürchtend mit liebreicher Theilnahme die Schaaren der heiligen Engel und die gleich ihm kämpfende Gemeinde hier auf Erden. Jene Anstrengung war ein glänzendes Spiel, nutzlos dem Kämpfer, ohne Frucht, zur bloßen Augenweide der zuschauenden Versammlung. Des Christen Kampf ist ein heiliger Ernst, begleitet aus jedem Schritt von Segensfrüchten, die alle menschliche Berechnung übersteigen. Jene haben von ihrem Eifer nichts als den eiteln Ruhm, der sie in Noth und Tod nicht decken noch schützen kann. Der Christ erringt sich hier schon einen Frieden, der über alle Mühe tröstet, und gewinnt die Kraft eines Lebens, über das der Tod nicht Macht hat.

Aber worin besteht nun dieser Kampf? Darin besteht er, daß der Christ bei allem, was er thut auf Erden, unausgesetzt sein Ziel verfolge, welches ihm vorhält die himmlische Berufung in Christo Jesu; daß er immer und überall sei, was er heißt, ein Christ; nicht bloß hier in der Kirche, sondern eben so in seinem Hause, seiner Familie, seinem Amte, in seinem bürgerlichen Geschäfte und Berufe, mit Worten und mit Werken, mit dem Bekenntnisse des Mundes und in der Bezeugung durch die Führung seines Lebens, unter Beifall wie unter Widerspruch der Menschen, mit Freiheit, als der Gott allein zum Herrn hat, mit aller Demuth und Hingebung, als der Jedermann verbunden ist zum Dienst der Liebe. Solch ein Bezeugen heißt ein Kampf, denn es gibt viel dabei zu überwinden; aber er ist uns verordnet, denn Gott will es, daß wir also unsers Glaubens Kraft bewähren sollen. Es liegt viel Noth und Mühe aus diesem Wege; es drohen Furcht und Lust uns vielfach davon abzuwenden. .Immer gibt's neuen Anstand; jeder Tag bringt neue Plage. Ein Berg von Last und Sorge ist kaum abgewälzt, und hemmend lagert schon ein neuer sich vor unsern Füßen. Aber wie ein Wettkämpfer nur nach seinem Ziele hin schaut; was hinter ihm, was neben ihm geschieht, damit hat er nicht Zeit sich auszuhalten, unermüdlich dringt er vorwärts; er achtet nicht die Hindernisse, die er überschreitet; er schlägt nicht an, was es ihm für Anstrengung kostet; er wischt kaum den Schweiß von seiner Stirne, denn er merkt nur aus das Eine, daß er seinem Ziele näher komme: so soll ein Christ auch laufen seinen Weg, und laufen in Geduld. Es sangen manche rasch an, dringen im Sturmschritt vorwärts, hoffen das Ziel im ersten Anlauf zu erhaschen. Die treffen es nicht. Sie überschätzten ihre Kraft; es war Ausregung und nicht Stärke, die sie beflügelte; sie überstürzten sich im jähen Rennen, sie strauchelten, sie fielen, und manche standen nicht mehr aus. Aber wer mit Geduld läuft in dem Kampf, der ihm verordnet ist, legt hinter sich ein Stück des Weges nach den, andern. Kann er nicht laufen, geht er doch; kann er nicht gehen, kriecht er doch; nur stehen bleibt er niemals. Ausdauernd überwindet er, was kommt, und dankt Gott jeden Tag für heute, und nimmt mit jedem Morgen die Last wieder aus aus seine Schultern, und thut einen neuen Ruck zum Ziele. Er schaut nicht hinter sich; er ängstet sich nicht um das, was vorne seiner warten könnte. Aber mit steter Emsigkeit beseitigt er, was jetzt ihm vor der Hand ist, immer Auge und Herz gewandt nach oben, immer Blick und Stimme dahin gerichtet, Gottes Treue zu schauen und Sein Heil zu preisen. O wer doch diesen demüthigen, ausharrenden, in guten und in bösen Tagen, in Schwachheit und in Stunden erhöhter Kraft gleich unermüdlichen, vorwärts gestreckten Sinn besäße! O wer doch mit solchem Sinn dem Himmelreich nachjagte, daß er Alles, was zeitlich ihn umdränget oder ihn erfreuet, nur ansähe als vorübergehende Erquickung oder als verschwindende Beschwerde! Wer doch dem Wanderer gleich, der Regen oder Sonnenschein nicht achtet, wenn er nur heim kommt zum vertrauten Heerd und zu den Seinen, durch dieses Leben wandeln lernte, und nähme jeden Tag für gut, weil auch der schlimmste das eine Gute dennoch hat: er kommt nicht wieder! Das gäbe einen geduldigen Kämpfer, eine n standhasten Läufer, einen sichern Ueberwinder; der hätte für alle Dinge dieses Lebens das rechte Maaß, und zöge jetzt schon die Kräfte der zukünftigen Welt herein in diese Gegenwart, und lernte aus ihnen seinen Wandel führen. Der würde niemals klagen, niemals murren; denn was er sucht, erreicht er immer: er kommt näher an das Ziel der Laufbahn. Der würde immer mehr erheitert, seliger gehoben, innerlich verkläret werden; denn das Licht, das von dem Kleinod ausstrahlt, an dem er immer hängt mit seinen Blicken, müßte von ihm selber wiederleuchten. O meine Theuern! welch ein Schauspiel vor Engeln und vor Menschen ist solch ein Kämpfer, solch ein treuer Knecht und williger, folgsamer Jünger Christi!

Aber was hindert uns denn, ihm zu gleichen? Die Sünde thut es, die uns immer anklebt und uns träge macht. Wie ein lästiges Gewand, das ein rechter Kämpfer abwirft, schlingt sie sich um unsre Füße und hemmt unsre Schritte. Sie stört die Stetigkeit des Laufs; sie hindert seine Raschheit. Sie muß fort, sie ist abzulegen, damit wir nicht durch sie den Siegespreis verlieren. Jedwede Sünde ist ein solches Hemmniß; feine verträgt sich mit dem Lauf und dem Berufe eines Christen. Und wenn sie alle Tage wieder anklopft, wenn sie mit all der Zähigkeit, die sie besitzt, sich immer wieder andrängt: ein Feiger, wer ihr weichet! ein Ehrloser, wer ihr nachgibt! Mit derselben Geduld, die über alle Last des Weges weghebt, muß auch sie immer wieder abgewiesen, verdrängt und in den Tod gegeben werden; dann laufen wir erst recht, und das Ziel lohnet alle Mühe. Ich rede nicht von Lastern, die dem Christen überhaupt nicht ziemen; ich rede nicht von Bosheitsünden, die mit seinem Berufe schlechterdings sich nicht vertragen, mit denen er den ersten Schritt nicht einmal thun kann auf dem vorgeschriebenen Wege. Denn wer mit Willen und mit Wohlgefallen noch hängt an irgend einer Sünde, der ist schon untüchtig zum Reich Gottes. Aber es gibt Sünde, welche wider unsern Willen uns verfolgt, uns immer anklebt, wie sich der Apostel bezeichnend ausdrückt. Wider sie gilt es niemals den Kampf des Glaubens aufzugeben. Die fleischliche Bequemlichkeit, die uns vorspiegeln möchte, was wir Alles thun und leisten, damit wir uns doch Ruhe gönnen sollten; die falsche Empfindlichkeit, die keinen Widerspruch verträgt, die sich vom Undank verwunden läßt, die unsern Eifer ebben und fluthen macht, je nach dem, was die Leute dazu sagen: das sind Sünden, die immer neu sich regend immer wieder abgestreift und überwunden werden müssen. Der Kleinmuth, der die Hoffnung aufgibt, weil er vom Sehen, nicht vom Glauben sie nähren will; die Mattherzigkeit, die verzagt an Gottes Kraft und Gnade, weil die eigne Kraft nicht zureicht: das sind Hemmungen, die uns träge machen; mit solchen wird kein Sieg gewonnen; von ihnen muß der Lauf befreit und jeder Einspruch ihnen abgeschnitten werden; dann geht der Kampf voran zum Siege; dann wird des Glaubens Kraft bewähret in Geduld des Ringens; und wird der Lauf auch äußerlich noch oft erschwert, so macht ihn doch die innre Freiheit immer leichter, bis uns der Herr die Palme reicht am Ziele, und der Engel des Friedens uns den Schweiß des letzten Kampfes von der Stirne küsset.

II.

Das ist der uns verordnete Berns und Kampf. Nun laßt uns sehen, mit welchen Gründen der Apostel uns dazu ermuntert.

Der erste liegt in der Berufung auf den Haufen Zeugen, den wir um uns haben, wie der Apostel sagt. Er meint damit die Glaubenszeugen, die er im vorangegangnen Capitel seines Briefes aufgezählt hat. Sie sind sämmtlich aus dem alten Bundesvolk genommen; sie haben alle gekämpft auf Hoffnung, da nichts zu hoffen schien; sie haben Gut und Blut und die Kraft ihres ganzen Lebens in ausharrender Geduld daran gesetzt, um den Preis zu gewinnen, den ihnen die Verheißung Gottes vorhielt, an dem sie nicht zweifelten, obwohl sie ihn nicht sahen; und wie sehr ist ihre Zahl gemehret durch die auserwählte Menge bewährter Jünger aus der Zeit des neuen Bundes, deren Namen nicht bloß stehen in dem Buch des Lebens, deren Gedächtniß auch aufgezeichnet ist in der Geschichte.

So stehen wir ja nicht allein mit unseren Kämpfen, so wird uns ja nichts zugemuthet, was nicht andere vor uns getragen und geleistet und in der Kraft des Herrn Herrn aufgerichtet haben. Wie nun bei einem schlachtgeübten und siegsgewohnten Heere sich die Begeisterung und Zuversicht des Ganzen jedem Glied desselben mittheilt, auch den für sich allein Muthlosen mit sich fortreißt und dem Schwachen Kraft giebt, weil er sich umgeben sieht von Starken: so dient der Hause der Streiter Christi, groß, stark und heilig, wie er ist, für jeden in seine Zahl Berufenen zur Ermuthigung und Stärkung; ja ihm angehören ist allein schon ein Pfand des Sieges. Was sie zu Siegern machte, stehet auch uns zu Gebote; was sie ausrichtete und nicht verzagen ließ, das ist auch uns im Ueberfluß gegeben. Sie alle stehen im Geiste wartend um uns her, freuen sich unsers guten Muthes, stellen ihr Beispiel unsrer wankenden Geduld entgegen harren des Tages, wo die Zahl der vollendeten Getreuen durch unsre Namen soll gemehret werden. O wer nur diese selige Gemeinschaft, in welche wir schon ausgenommen sind durch Christi Gnade, fleißig sich immer vor die Augen hielte, wie müßte es ihn spornen, ihrer sich nicht selbst unwerth zu machen, ihren Satzungen und ihren Regeln getreu zu bleiben, um mit ihnen verbunden ihren Siegespreis zu theilen.

Aber nicht bloß das Heer der Streiter, dem wir angehören, flößt uns Muth ein; der Feldherr ist's vor Allem, welcher uns mit hoher Zuversicht erfüllen sollte. Er ist unser Herr und Heiland, von welchem der Apostel sagt in unserm Texte: „Lasset uns aussehen auf Jesu, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, da Er wohl hätte mögen Freude haben erduldete Er das Kreuz, und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten aus dem Stuhl Gottes.“ - Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens; denn wie Sein eignes Leben im Fleische hier auf Erden ein stetiger, ununterbrochener Glaubenslauf war von der Krippe, in die das neugeborne Kind gelegt ward, bis zum Kreuze, an dem Er Seinen Geist befahl in Seines Vaters Hände: so hat Er auch in uns den Glauben angefangen und will ihn vollenden. Er hat uns erwecket und zu sich gerufen aus dem Schlaf der Sünde; Er hat uns die Augen unsers Geistes ausgethan, zu erkennen, daß das Sichtbare vergänglich, das Unsichtbare, das Sein Wort bezeuget, allein wahrhaft und bleibend ist; Er führt uns wie ein väterlicher Lehrer von der leichteren zur schwereren Uebung, und macht uns die schwerste leicht durch Seines Geistes Tröstung; Er läßt das angefangene Werk in uns nicht liegen, sondern so lange Er uns nur willig sieht, soll keine Schwachheit unsrerseits Sein Gnadenwerk verhindern; Er führt es durch, und stärkt uns bis zum Ziele, das Er selbst uns setzet. Denn Er ist kein Herrscher, der nicht wüßte, wie dem Dienenden zu Muth ist. Was Er von uns verlangt, das hat Er hundertfältig selbst geleistet. Oder wer von uns hätte je verläugnet und sich versagt, ja konnte jemals zu verläugnen haben, was Er in freier Liebe hingegeben hat, um uns zu retten? Er hatte Herrlichkeit bei dem Vater, ehe denn die Welt war; aber der Preis und die Lobgesänge, mit welchen alle heiligen Engel Seinen Thron umstanden, war Seiner Liebe nicht genug, weil unsre Stimme noch in ihren Chören fehlte. So legte Er denn allen Glanz und Majestät von sich, und ward ein Menschenkind wie wir; Er duldete sich durch, trug mit uns Mühe und Arbeit, Kummer und Beschwerde, Noth und Armuth, und nahm zuletzt das Kreuz auf sich, nicht achtend, weder seine Schmach noch seine Schmerzen, damit Er unsre Seligkeit erwürbe zum Kampfeslohn und Siegespreis. -

Aber „darum hat Ihn auch Gott erhöhet, und hat Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters.“ So hat Sein Kreuz geendet; so ist Er nach vollbrachtem Kampfeslauf gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes, und hat ein Vorbild uns gelassen, daß wir sollen nachfolgen Seinen Fußstapfen, und hat die Verheißung ausgesprochen: „Wer überwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, wie Ich überwunden habe und bin gesessen mit meinem Vater auf Seinem Stuhl.“ Wer will hier noch Ausflüchte suchen? Wer mag sich hier entschuldigen? Wer darf sagen, es sei sein Kampf zu schwer, es dauere die Uebung ihm zu lange, wenn solch ein Held vorangeht, solch ein Ziel winkt?

Aber die Welt wird immer schlimmer, sagt man, die Lästerung der Wahrheit immer dreister, die Schmähung, die Verfolgung gegen die, die Jesu rechte Jünger sein wollen, immer offener und ungescheuter. Sei's drum, was ist es dann? Haben sie dem Herrn unserm Heilande geschmeichelt, da er in der Niedrigkeit und Knechtsgestalt einher ging? Haben sie Ihm Ehre gegeben für Seine Heiligkeit und Dank für Seine Liebe? Die evangelische Geschichte weiset es aus. Darum sagt unser Text zum Schluß noch: „Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, daß ihr nicht in eurem Muth matt werdet und ablasset.“ „Ist der Jünger doch nicht über seinen Meister und der Knecht nicht über den Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie vielmehr werden sie seine Hausgenossen also heißen?“ Mit diesen Worten bereitet der Herr selbst Seine Jünger vor auf die Dinge, die ihrer warteten. Sind wir besser denn sie, daß wir etwas Besseres für uns begehren? Dürfen wir uns beschweren, wenn uns begegnet, was über unsern Herrn und Heiland selbst ergangen ist, und ist die Schmach, die uns und Seiner Nachfolge willen etwa treffen sollte, im Licht der Wahrheit nicht die größte Ehre? Nein, wer hienieden Gunst und Beifall verdienen will, der bleibe von vorn herein davon und trete gar nicht in die Laufbahn, die dem Christen vorgesteckt ist. Hier gilt es das Leben zu gewinnen, nicht den Tand des Ruhmes vor den Menschen oder die Gemächlichkeit des Fleisches, und wer ein Jünger Christi sein will, nehme sein Kreuz auf sich und folge Ihm nach. Darauf sind wir angewiesen, darin haben wir den Herrn zum Vorgänger, darin laßt uns wohlgemuth Ihm folgen. Wenn nur der Herr uns lobt, dann mag die Welt uns schelten. Die Wahrheit besteht, ob auch alle Welt ihr widerspräche, und nach der Wahrheit wird das Gericht einmal gehalten werden. Nur daß die Welt an Uns nicht Ursache finde zu gerechtem Tadel, darüber laßt uns wachen, und wo sie unsre Fehler straft, da wollen wir das Ohr nicht wider sie verschließen. An dem Stein aber, der gesetzt ist zum Falle und zum Ausstehen Vieler, an dem Eckstein Christo, stoße sich, wer sein Heil verschmähet. Der Stein wird vor ihm bleiben, aber er wird sich zerschellen.

In solcher Zuversicht laßt uns den Muth sein frisch behalten, das Auge hell, die Schritte ohne Wanken. Es währet alles Ding nur eine Weile hier auf Erden; auch unser Kampf und unser Ringen nimmt ein Ende. Aber die Gnade Gottes währet ewiglich; Sein Heil ist gewiß, die Krone der Ueberwinder welket nie mehr. Drum aus! dem Herren nach mit allen Seinen treuen Jüngern! bis wir in der Gemeinde der vollendeten Gerechten aus unsern mühevollen Laus zurücksehen als aus einen Traum aus fernen Kinderjahren, und ohne Ende die Frucht des Sieges zu genießen haben! Amen.

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