Brenz, Johannes - Radtschleg, was und wie in zwispaltigen Eesachen gotlich und gemeinem nutz fridlich zu handlen sey.

Brenz, Johannes - Radtschleg, was und wie in zwispaltigen Eesachen gotlich und gemeinem nutz fridlich zu handlen sey.

1535.

Es seyen nicht geringe ursach, von welcher wegen die eesachen zu diser zeit verwirrt, und derohalben bedechtlich und fursichtiglich darinnen zu handeln ist. Den es helt sich zwischen etlichen ein strit, ob die eehendel nach dem gsatz Mosi oder nach den geistlichen, wie man sie nennt, Canonibus oder nach den kayserlichen weltlichen rechten zurichten and zu erortern seyen.

Zudem, So ist der eelich stand ein solcher stand, der nicht allein in das gwissen vor gott, sonder auch in die weltliche pollicey, erbfalt, succession und andere dergleichen weltliche sachen eingriff thutt.

Auch seyen die herschaften der Teutschen Nacion der gestalt in einander gemengt, das es gmeinem friden und offenlicher Erbarkait unleidlich ist, so in Eeesachen in einer herschaft ein ander recht dan in den anstossenden herschaften und des Römischen Reichs obergerichten gebraucht und geubt wurde.

Zugeschweigen, das der ginein bobell zu diser zeitt auss missverstand Evangelischer freyhait so frech, mutwillig und unzuchtig ist, daa wo er nicht mit strengem ernst in zucht der Behandlungen gehalten und gezwungen, alle ergerliche und schendliche bosshait zur schmoch des gotlichen eelichen stands durch jn furgenomen werden.

Darumb erfordert am aller furnemlichsten zu diser zeitt die hochst notturft, das in entschiedung und erorterung der irrigen Eesachen nicht geeylt, sonder mit wolbedachter fursichtigkeit gehandelt werde.

Und nach dem die Eesachen sich mancherley underschidlicher gstalt und weyss zutragen, so wollen wir etlich der furnembsten und gwonlichsten fragstuck und artieul nach einander erzelen und daruff unser gutt beduncken anzaigen.

Der erst artickel.

Ob die Ehe auff zweyer selbs bekante oder bezeugte verhaistung und versprechen und also uff den blossen Consens unnd beschehene bewilligung der Contrahierenden personen, Oder aber anderst nit, dan so feer das mit beyderseyts eltern, wo die vorhanden, oder ordenlichen pfleger und furmunder vorwissen und bewilligung geschehen sey, krefftig gehalten und gesprochen worden sey?

Antwort.

Unlaugbar ist es, das nicht allein das gotlich gebot: Ere vatter und mutter, sonder auch das kayserlich Recht, ja auch etlich Canones und die naturliche erbarkeit selbs erfordern, gebietten und haben wollen, das der kinder eelich hayradt nicht on vorwissen und verwilligung der eltern geschehen soll. Unnd wue sich die umbstend diser gstalt zutragen, das die Jungen, so noch im gwalt jrer eltern sein, sich on vorwissen und verwilligung derselben auss lauter narrichter unverstendigen Jugendt auss kuplerey und betriegerey hinder dem wein in drunckenhait in stellen und haimlichen orten auss leichtfertigkeit oder sunst durch andere bose arglistige mittel sich zusamen eelich verbinden, So soll billich der Jungen pflicht fur unbundig und unkrefftig geurteylt werden. Nemlich so ein vatter uber dreu Jar ausslendisch ist oder so lang gefangen ligt, in disen fellen mag ein sun, der in seins vatters gwalt ist, on seins vatters willen sich verheyratten.

Item so ein vatter auss unbillikait seinen kindern zu verheyratten verbeut und jnen kein zugelt geben will. Es achten aber die recht, das solchs auch fur verbietten werd angesehen, wan der vatter nicht gelegenhait zur heyradt sucht.

Item so ein kind sich mit einer person on verwilligung der eltern eelich verbunden und sich des eelichen willens gegen der selben keins wegs weder durch gutlich underhaltung noch durch treuwort entschlagen will, So ist es schwerr, das man sie nicht auff der eltern rechtlich anfechtung ledig zelen soll. Noch vill schwerer ist es, sie mit gwalt von einander zuschaiden. Dan es ist kundtbar und offenbar, das die Ehe ein beschaffen ding von gott ist, der mit inwendiger verborgner wirckung das gemut zweyer personen zusammen gattet, wie Gen. im andern Capittel steet. So nun die Jungen weder mit treuworten noch in andere weg sich des entpfangnen eelichen willens gegen einander nicht entschlagen konnen, so ist es ein gutte vermuttung, solcher will sey von gott beschaffen, dem billich die aigensinnigkait des vatters weychen soll. Unnd thut der vatter recht daran, das er sein kind in solchem fall, damit nicht ergers vom kind begangen, seins willens schalten und walten lasse, wie Sant Paulus leeret: Ir vetter solt die kinder nicht zu zorn raytzen, das ist: Ir solt mit euwerm aigensinigen gwalt den kindern nicht ursach geben, etwas ubels auss zorn zuthon.

Darzu wurdt freylich kain. vatter sich besser duncken, dan der haylig patriarch Isaac gewesen ist. So hatt on zweyfell auch kein vatter sein kind weniger unachtsam versaumpt dan derselb. Nichts dester weniger, als sein sun Esau zwey beweyber auss dem geschlecht der Hethitter name, so ime dem vater nicht gefellig, Hess er das selb geschehen.

Auch hatt Samson wider den willen seiner eltern eins philisters dochter zum eeweyb genomen, und sagt die geschrift, Seine eltern wisten nicht, das es von Gott were. Darumb geburt es den eltern, sich nicht halsstarrigklich wider den gesetzten eelichen willen jrer kinder zu legen.

Hieruff, nach dem gottes gebott, kayserlich recht und die naturlich billigkeit erfordern, das die kinder zu jrem eelichen hayratt die verwilligung der eltern haben sollen, unnd doch die umbstend der Eelichen pflichtung der Jungen, so zu zeitten hinder wissen und willen der eltern geschieht, sich mancherley underschidlicher und solcher weyss begeben, das die selb pflichtung on willen der eltern kreftig geacht wurdt: So wurdt nicht fur gut angesehen, das den eltern die heimlich Eepflichtung jrer kinder eigens gewalts zu zerreyssen gestadt und erlaubt, sonder das beyd partheyen fur die Eerichter, daselbst jrer sach ausstrag zu holen gewisen werden sollen.

Demnach und darmit weder dem ungehorsamen mutwillen der kinder noch dem unordenlichen scheiden der eltern stat und raum geben werde, Ist fur nutzlich bedacht, das ein Cristliche oberkeit mit einem offenlichen Mandat in der gantzen landschaft gebietten lass, nemlich also und ongevarlich dises Inhalts: Das hinfuro kein kindt under funff und zwantzig Jar seins alters on vorwissen und verwilligung der eltern oder dero, so an der eltern statt ordenlich als pfleger oder formunder gesetzt seyen, sich selbs muttwilligklich und leichtfertiglich verhayratten soll.

Mit angehengter ernstlicher straff, so die Oberkait den mutwilliglich und on redlich ursach uberfarenden unnachlesslich zufugen wolle.

Auch mit disem zusatz: So sich hieruber begebe, das sich ein kind on vorwissen und verwilligung der eltern oder ordenlichen pflegern mit einem andern uber diss mandat eelich verbunde, So sollen sich die Jungen nicht selbs schayden, noch die eltern oder pfleger macht haben zu schayden, sonder beyd parthey fur die verordneten eerichter gewisen werden und allda jrer sach ein ausstrag erholen.

Wan dan die partheyen fur die Eerichter komen, So erfordert das Recht und billigkeit, das als dan nicht allein das blos verhayssen und versprechen der Contrahirenden personen, sonder vill mer die umbstender und anhenger des verhaissen bedacht und nach der selben art und natur geurteylt werde.

Dan wo die sach also gestalt, wie droben erzelt, das eins Jungen eelich verbundnus zu dem andern on verwilligung der eltern mit bosen hinderlistigen umbstenden behengt were, nemlich das der sun oder dochter betruglich hinderm wein verfuret durch boss Cuplerey oder dergleichen falsch schmeichlerey zur eelichen verbundtnus gezogen, Und darneben die eltern das kind fleyssig aufferzogen, kein versaumnus an dem kind beschwerlich getriben, und das kind noch under funff und zwentzig Jar seins alters, so es ein dochter, nicht von der gegenpartey beschlaffen ist, sich auch widderumb freywilliglich in der eltern gehorsam begibt, So solle unangesehen des blossen glubts und eelichen verpflichtung das kind den Eltern heimgesprochen werden.

Herwiderumb mogen so wichtig und ansehenlich umbstendt mit der eelichen verbuntnus einlauffen, das das kind auch wider den willen der eltern dem verlobten zugeurteylt werden soll, wie derselben fell etlich vorhin angezaigt sein.

So ist auch in solchen sachen der pfleger, so nach abgang der eltern den kindern zugeordnet, einred nicht so hoch und furtrefflieh, als der rechten noch lebenden Eltern widersprechenung zu bedencken.

Dan ob woll billich, das ein pflegdochter die bewilligung jres pflegers zum eelichen hayradt erfordere und erlange, yedoch wan der pfleger sich in abtreybung eins redlichen hayrads verdechtlich gemacht hette, oder sich im werck erfinde, das die pflegdochter sich mit einem erbarn redlichen gsellen verhayradt hette, als dan solte dem pfleger die ee abzutreiben nicht gestattet werden. Noch weniger solte jm zugelassen werden, so er sein pflegkind (das noch under funf und zwentzig Jaren were) seinem Eelichen kinde, ehe dann er seiner vormundschaft rechnung gethon und daruber ein Jar verschinen, zur Ehe zu geben.

Der ander Artikell.

In welchen Gradibus oder glider der Sypschafft und magschaft der Eelich contract zugelassen werden soll.

Antwort.

Die gradus oder glider des eelichen verhayratten betreffend, wollen etlich nach dem gsatz Mosi, etlich nach dem kayserlichen, etlich nach dem babtslichen Rechten urteylen.

Aber nach dem Mose als ein weltlicher magistrat die teutschen, so under der policey des Romischen Reichs seyen, nichts angeth, so sollen die gradus consanguinitatis und affinitatis in dem eelichen contract nach kayserlichem rechten, so in solchen fallen gottlich ordnung genant, gehaltenn werden.

Hierin tregt sich nun ein streyt zu. Dieweyl die kayserlichen recht sich in disen fellen dem babstlichen underwurfflich machen, ob hiemit auch die bapstlichen Recht fur kayserlich geacht und dero halben als göttlich ordnung gehalten sollen werden.

Darauff ist zu bedencken:

  1. Zum ersten, das die satzungen, darin die person bis in quartum gradum nach bapstlichem Rechten zum hayradt. verbotten seyen, on geverlichkeit der gwissen wol gehalten mogen werden, dieweyl doch die menge der ungefreunten und unverwanten personen so überflussig furhanden ist, das niemands, so sich verhayratten will, diser satzungen halb on Ee bleyben darff.
  2. Zum andern, das das kayserlich recht sagt: Si quis ex his, quae moribus prohibemur uxores ducere, duxerit, incestum dicitur committere, Welcher ein weyb auss denen, so nach gewonlicher aitten zu nemen verbotten seind, zur Ehe nimpt, der begeet ein incestum.
  3. Zum dritten sagt das kayserlich Recht weytter: Semper in coniunctionibus non solum quid liceat considerandum est, sed et quod honestum est .
  4. Zum vierdten, das die umbligenden nachbaur, so des evangeliums nicht bericht, auch die obergericht im Romischen Reich den brauch sich wider die bis anher gewonlich Gradus nicht zu verhayratten noch behalten.
  5. Zum funften, das der gmein bebel zu diser zeit so verrucht und unverschaumpt ist, wo man jm frey in secundo gradu wider alte gebrauchte gwonhait zu contrahieren zulast und haimsetzt, so wurdt er auch wollen in primo gradu zu contrahiern frey sein. Und ist auss etlichen anzeigungen woll zu vermutten, das die alten von der ursach wegen quartum gradum verbotten haben, darmit der tertius und secundus gradus dester statlicher verbotten blibe.

Nun ist es eerlich, billich, auch gemeinem nutz und friden dienstlich, so kain gefarlicheit der gwissen furhanden, ein alten hergebrachten und lang geubten brauch zubehalten, kunftigen schaden und unru, so den personen, die wider die gebreuchlichen gradus eelich contrahiren, an den Obern gerichten, auch in anderweg widerfaren mochten, zu verhuetten und dem ungezognen volck zu kainem unverschaumpten mutwillen statt und raum zu geben.

Darbey aber ist auch zu bedencken, das dannocht der Eelich Contract im dritten oder vierdten glied, so nicht ausstrucklich in kayserlichen Rechten verbotten ist, sich zu zeitten mit solchen wichtigen ansehenlichen umbstenden zutregt, das die personen, do diser gstalt contrahirt haben, einander mit gutem gwissen nicht verlassen konden oder on andere farlicheit nicht gescheiden werden mogen.

Zu dem das der Bapst selbs in disen und den gleichen fellen zum oftern mall dispensirt und sein aigin recht auffgehaben batt.

Auch das kayserlich recht auss bedacht der nottigen umstend mit einem weyb, das jr mutter bruder zu eim eegemahel genomen hett, gnedigklich dispensirt. Hieruff wurdt fur guth angesehen, in das Mandat von heimlichen eeglubdnussen auch disen zusatz von den gradibus zu thon, nemlich:

Das es in den Eelichen Contracten bei den gwonlichen glider der sibschafft und magschaft, so von alters her verbotten gwesen sein, bleyben und niemands darwider frevenlich sich mit dem gefreundten oder geschwegerten elich veeheyratten soll.

So aber solchs unwissendt geschehe, sollen die parthey sich selbs nit schaiden, sonder fur die ordenlichen eerichter gewisen werden, alda ein bschaid zu erholen.

Wan dan den Eerichtern ein par volck, das im dritten oder vierdten glid eontrahiret hat, furgestellt wurdt, So seyen am furnemlichsten alle umbstend des selben contracts zu bedencken, und so sichs erfindt, das solcher contract yrgent auss mutwill geschehen, Ist auch den eltern oder den partheyen selbs nicht seer gefellig, so sollen sie von einander ledig gezelt werden.

So aber zu der verbundtnus auch das beyschlaffen gescheen, oder andere der gleichen umbstend vorhanden seyen, soll mit jnen dispensirt und eelich zusamen gesprochen werden.

Der drit Artickel.

In welchen fellen die Ehe zu schaiden und der ander hayradt zu erlauben sey.

Antwort.

In disem artikel wurdt erstlich disputirt von dem Eebruch, Ob von desselben wegen ein ehe der gestalt geschaiden werden mog, du dem unschuldigen sich widerumb zuverhayratten bey leben des andern frey sey.

Nun ist es offenbar und unlaugkbar, das durchs kayserlich recht die ehe von wegen des bekanten oder uberzeugten und bewerten Ehebruchs geschaiden und nach der schidung dem unschuldigen Man alsbald, der unschuldigen frauwen aber in Jars frischt hernach der ander hayradt erlaubt wurdt.

So wollen auch die Theologen solchs auss dem spruch Christi Math. 19. schliessen. Dan Christus sagt also: Wer sich von seinem weyb schaidet (es sey dan umb hurerey willen) und freyet eine andere, der bricht die Ehe. Hierauss soll folgen, das welcher umb hurerey oder Ehebruchs halben gschiden ist und freyet ein andere, der brech die Ehe nicht . Dan was Gott schaidet, das ist kein ee mehr.

Gott schaidet aber von wegen des Eebruchs vermug der ytz erzelten wort Christi.

Darumb welche also geschiden seyen, die seindt nicht mer Eeleut, sonder frey.

Wer aber frey ist, der mag auch freyen. Zudem so versteinigt das gsatz Mosi den Eebrecher und Eebrecherin.

Unnd das weltlich recht strafft den Eebrecher mit dem schwert, die Eebrecherin aber in ein Closter.

Ob nun schon der oberkeit solch straff an dem schuldigen Eegemahel nicht volnstreckt, So ist doch der selb schuldig teyl dem anschuldigen vor gott und der welt abgestorben und wurdt als ein tot mensch gezelet. Darumb soll das unschuldig, so von dem schuldigen ordenlich von des Eebruchs wegen abgeschiden, gut fug und Recht haben, sich widderumb zu verheyratten.

Nach dem aber etlich der alten feinen lerer als Augustinus ad Pollentium und Hieronimus den Sprach Mathei 19. vill anderst deuten und ausslegen, Und biss anher uber menschen gedechtnus nicht im brauch gwesen, das dem gschidnen umb eebruchs willen der ander heyrat bey leben des schuldigen erlaubt sey worden; uudem das zu diser zeit die straff weder des gsatz Mosi noch der kavserlichen rechten den Eebrechern angelegt wurdt:

So wurde auch durch erlaubung des andern heyradts die glegenheit der versonung, so sich zwischen den gschidnen begeben mocht und sich offt begeben hatt, hinweg genomen.

Zugeschweygen, das auch darauss vill unradts, neuwerung, irrung und zwitracht in succession und erbschaften endtsten wurdt.

Hierauff so ists dannocht zu bedencken, ob also schlecht dahin den gschidnen von des Eebruchs wegen der ander heyradt zu vergonnen sey.

Ja es were am allersichersten und am fridlichsteu, das die unschuldig geschiden person bey leben des schuldigen on Ee blibe und lies im nicht anderst sein, Dan als were sein egmehel in unhaylsame kranckheit gefallen oder in ewig gefengknus komen, oder von des gmeinen nutz wegen in ferre land hinwegk gezogen. On zweyfel wo unser her gott in solchem unfall getreulich und emsiglich angeruft, er wurde nicht allein die gnad der keuscheit, sonder auch vill andere gaben zum gotlichen fridlichen leben nodturfftig barmhertziglich mitteylen.

Wo aber ye ein neuwerung hierin von einer oberkeit furgenomen werden wolt, so erfordert die gross nodturft, das allem unradt und verwirrung zu begegnen ettlich stuck vorhin geordnet und erleuttert werden.

  1. Zum ersten, das niemands gestatet werde, sich selbs von des eebruchs wegen zu schaiden, Sonder das der Eebruch recht ordenlich, gnugsam und nach ordnung und vermug der rechten bezeugt und bewert werde.

Item, das bedacht und ersucht werde, ob der man mit unzuchtigem leben oder halten nicht dem weyb zum eebruch ursach geben habe. Dan so sich dises erfunden, solt dem man nicht gestatt werden, das weyb umb Eebruch zu verclagen, Juxta 2. Si uxor § Judex ff. ad leg. Julia de adul. coerce.

  1. Zum andern, das die schuldig person von des eebruchs wegen nach satzung der kayserlichen Rechten, Oder uff das allerwenigst mit ewiger verweysung des lands gestraft werde.
  2. Zum dritten, das dennocht nicht gleich dem unschuldigen teyl der ander heyradt erlaubt, Sonder ein bestimpte zeit on Ee aufgehalten werde, den bosen schein zu verhuetten, als hette der unschuldig selbs dem schuldigen zum eebruch ursach geben, das es von im geschiden werde und sich widerumb verhayratten mocht. Wie dan die kayserlichen recht sonderlich das weyb eins Jars frist nach der schidung auffzihen, darmit ob sie schwanger were, man wissen mocht, ob das kind des abgeschidnen mans oder nicht sey.
  3. Zum vierdten, das vorhin ein ordnung, so in rechten nicht allein in den gerichten des furstenthumbs, sonder auch der obergerichten bstendig were, furgenomen und beschriben werde, wie und welcher gestalt es solt gehalten werden mit der succession und erbschaft der kinder, so auss der ersten Ehe, und der kinder, so dass der andern Ehe gezogen wurden.

Wo dise erzelte stuck vorhin nicht bedacht, gehandelt und erertert werden, So ist zu besorgen, die frey offentlich erlaubnus des andern havradts nach der Eescheidung werde bey dem ungezognen pobel allen muttwillen, unradt, zwitracht erregen.

Hieruff ist zu vernemen, das in disem fall vier weg vorhanden aeyen, under welchen der fuglichst und der fridlichst erwelt werden mag.

  1. Der erst, das die geschidnen on Ehe bleyben oder sich widderumb versonetten. Diser weg were am aller sichersten, wie vorhin anzeigt, er will aber dem unschuldigen, so die gnad der keuscheit nit hatt, etwas beschwerlich sein.
  2. Der ander, das dem unschuldigen geschidnen der ander hayradt frey offentlich erlaubt werde. Diser weg will zu diser Zeitt an geschwindt sein und zu viler verwirrung der Succession, auch mm mntwillen ursach geben.
  3. Der drit, das dem unschuldigen geschidnen der ander hayradt weder verbotten noch erlaubt, sonder auff sein aigin gfar nicht geweret werde, diser weg were der Oberkeit am sichersten.
  4. Der vierdt, das dem unschuldigen nach etlichen Jaren, so kein ▼ersonnung zuverhoffen, ein ordenlicher beysitz nach anweisung weltlicher recht, wie vor zeitten inter liberum et servam erlaubt, and mochten die zwey, so also bey eiander ordenlicher weyss wonetten, im gwissen vor gott der Ehe halben versichert, aber nicht offentlich in der kirchen umgeleittet, noch die kinder fur heredes gehalten, sonder mit legatten abgericht werden. Diser weg, wo er nicht zu unsern zeitten so ungewonlich, wer beyden, Oberkeit und nnderthon, am aller leydenlichsten.

Es seyen auch ausserhalb des Eebruchs andere fell, darin nach Ehscheidung gefragt wurdt. Nemlich: So zwey, die nicht eltern haben, einander die Ehe globen, Welches offenbar worden oder sunst bekant oder bezeugt wurdt, und doch zuvor, ehe das beyschlaffen geschieht, sie beyd einander oder eins das ander schlechts nit haben will, ob mans daruber zusamen nottigen oder aber die ein oder beyd person sich anderswo zuverhayratten zulassen und gestatten soll.

In disem fall ist underschidlich zu bedencken, was ein volkomen Eheglubdnus, und was ein unvolkomen Eeglubdnus sey.

Dan dise Eheglubdnus acht man fur volkomen, so zwey, so Ires eignis gwalts seyen, ein ander offentlich zur Ehe nemen in beysein etlicher darzu beruffen oder erforderten personen, das in zweyer oder dreyer mund das zeugnus besthehe.

Welche nun diser gstalt einem andern vertraut ist, ob schon das beyschlaffen noch nicht geschehen, so wurdt sie dannocht fur ein recht Eheweyb, und so ein ander bey jr schleft, fur ein Ehebrecherin geurteilt, wie Deut. ca. 22. geschriben ist.

Darumb so nach solcher offentlicher bewerter Eheglubdnus eins dem andern die Ehepflicht nicht halten will, Sollen sie sunst nach dem Radt des haylgen Pauli on Ehe bleyben oder sich mit einander versonen und beywonung thon.

Aber ein unvolkomne Eheglubdnus ist, so zwey einander heimlich nemen, und ehe es vor andern leutten mit beharlichem willen beyder Contrahirenden personen bestetigt, selbs eins teyls allein oder baids mit einander widderruffen.

In solchem fall ist woll die leichtfertigkeit ein schwere sund und soll billich von der oberkait gestraft werden, darmit man mit dem hailgen Ehestand nicht so leichtfertiglich schertze.

Aber dieweyl solch heimlich verloben, die ein oder beid parthey bestendiglich widderruffen, nicht beharrt wurdt, soll es fur ein uncrefftig Ehe erkant werden.

Das was got nicht zusamenfuget, das gehort auch nicht znsamen. Dise aber fuget gott nicht zusamen, die leichtfertigklich, unordenlich, haimlich sich yetz zusamen verbinden, ytz die selb verbundnus widder sprechen, ytz Ja, ytz nein sagen.

Darumb wan die Jungen, so sich diser gstalt heimlich mit einander verwortet, ye nicht gutlich zusamen getendingt mogen werden, so ist das sicherst sie von einander zu erkennen und sich sunst verheyratten lassen.

Wie aber, wan sich der fall also zutregt, das beyd Ehemenschen ertlich zeit beyeinander gewont und villeicht kinder mit einander gezilt, und eins lieff von dem andern auss dem land, was soll dem bleybenden teyl erlaubt werden?

Hierauff zu antworten, ist zu bedencken, das die umbstend dises fals sich mancherley weyss zutragen.

Dan es begibt sich offt, das der Man auss beruff und gehorsam der oberkait oder auss notturft seiner gescheft mit wissen und verwilligung des weybs hinweg in ein ander land zeucht. Als dan ists offenbar, das das weyb on Ehe bleiben soll, biss sie des mans todt gewiss sey.

Item es begibt sich zu zeitten, das die ein person, Man oder weyb, auss unleidenlicher beywonung der andern person hinwegklauft. So ist woll das hinweglauffen ein sundtlich laster; Aber nach dem die bleibend person selbs schuldig daran und ein zorn sach ist, so soll sie nach der leer pauli on Ehe bleyben oder darauff arbeiten, das die entloffne person erforscht und widderumb versonet werde.

Item es begibt sich oft, das ein Ehegemahel von dem andern nicht auss notturft der gescheft, nicht auss zornsachen, sonder auss lauterer bossheit und mutwillen hinweg lauft.

Hierin will es sich etwa stossen. Dan so der man in krieg zeucht, wollen die kayserlichen recht nicht gedulden, das das weyb hiezwischen so lang der man lebt, anderswo sich verhayratte.

So sich aber die sach also zutrug, das ein Ehegmahel von dem andern auss lautter bossheit, nicht in krieg, sonder sunst hinwegk lieffe: Als dan wollen ettlich solch bosshafftig verlassen und fluchtig hinweglauffen dem Ehebruch gleich achten und solch leichtfertig huben oder bubin under die unglaubigen zelen, von welchen Paulus sagt: So der unglaubig sich schaidet, so las in sich schaiden, Es ist der bruder und schwester nicht gefangen in solchen fellen. Hieruff beschliessen sie, das der unschuldigen bleybenden person der ander hayradt erlaubt soll werden.

Ettlich aber wollen dise handlung nicht dem Eebruch sonder den zoren sachen gleich urteylen und zaigen an, So Paulus haben woll, das die Eheleut auss zorn von einander geschiden on Ehe bleyben oder sich widderumb versonen sollen, So woll er auch das selb von den Eheleutten, die sunst auss unwillen von einander gelauffen, erfordern.

Und so Christus in dem, so er sagt: Wer sich schaidet von semein weyb ausserhalb des Ehebruchs etc. under dem wort (Ehebruch) nicht verstanden will haben die Morderey, Zauberey, auffrur wider das Romisch Reych, kirchendiebstall, Rauberey, heimlich nachstellung dem leben des Ehegemahels und andere dergleichen laster, in welchen doch die kayserlichen Recht die Eheschiedung und den andern hayradt vergonnen, So wolle er auch under dem wort (Ehebruch) das hinweg lauffen nicht verstanden haben.

Auch so paulus sagt, der bruder oder schwester sey in solchen fellen nicht gefangen, Das sey nicht offentlich die ander hayradt erlaubt, sonder mag woll allein dahin verstanden werden, als ob Paulus den glaubigen freyet, das er dem unglaubigen, so sich selbs schaidet, nicht schuldig sey nach zu folgen und beywonung zuthon.

Dan wo das solt gelten, so wurde man zu diser zeit eleut, under welchen der Man bapstisch und derohalb unglaubig geacht, das weyb aber evangelisch und glaubig erfinden, und der Man das weyb des glaubens halb nicht bey sich leiden wolt: So wurde vermug des andern teyls verstand im angezognen spruch Pauli das weyb ein andern hayradt furnemen dorffen, und demnach ein solch abwechseln mit Man und weyb werden, als man sagt, das zu Munster bey den widder tauffern ergangen sey.

Darumb wollen sie nicht radten, das der bleybenden person der ander hayradt erlaubt, biss sie des andern Ehegemahels todt nach rechtlicher ordnung vergwist werde.

Wan aber der ersten verstand und mainung als der gwissesten und bestendigsten gevolgt und der bleibende person der ander hayradt erlaubt werden wolt, so erfordert die nodturfft alle verwirrung, die sich hierin begeben mogen, zuverhuetten, das des hendels umbstend vorhin auff das fleyssigst bedacht und erwegen wurden, nemlich:

  1. Ob die hinweg geloffne person mit wissen und willen der andern hinweg geloffen sey oder nicht.
  2. Item ob die hinweg geloffne person auss schuld oder ursach der bleibenden person hinwegh gloffen sey oder nit.
  3. Item ob die hinweg geloffne person an andern orten zu finden und zu betretten sey oder nit.
  4. Item ob die bleybend person etlich bestimpte Jar auff das endtloffen gwartet hab oder nit.
  5. Item ob die bleybendt person sich hiezwischen eerlich gehalten hab oder nit.
  6. Item ob die bleybendt person vorhin von der hinwegkgloffnen an den orten, da sie zu betretten, oder so sie nicht zu betretten, bey jr der bleibenden person herschafft ordenlich nach anweysung der rechten geschiden sey.
  7. Item das die entloffne person, so sie widerumb nach dem zugelassenen hayradt der bleibenden person ergriffen, gestraft und uff das wenigst des lands verwisen wurde.
  8. Item das furkomen werde, damit die entloffne person die bleibende nach dem zugelassenen hayradt nicht mache unruwig an den obergerichten.

So nun auss gnugsamer bestendiger kundtschaft bezeugt, das die hinweg gloffne person on wissen und willen, auch on schuld der bleibenden person entloffen und nicht an gwissen orten zu begreyffen, auch der bleybend person hie zwischen etlich bestimpt Jar gewartet und sich erbarlich gehalten hatt, so mag sie ordenlich nach uweysung der Rechten von der abwesenden person der gstalt gschiden, das die abwesendt furthin nicht mer gehort, sonder wo sie betretten, gestraft, mit der bleibenden aber des andern hayradts balben obgeschribner weyss wie im fall des Ehebruchs gehalten werde. Weytter wurdt auch im fall der naturlichen unduchtigkeit des maus gefragt, ob die Ehe von der selben ursach wegen geschiden and dem weyb ein andern man zu nemen erlaubt werden soll.

In disem fall ist zu erkundigen, ob die unduchtigkeit auss natur vor dem beyschlaffen oder auss zauberey nach dem beyschlaffen entstanden sey. Was nun in beyden stucken zu urteylen, das geben die kayserlichen recht clerlich und ausdrucklich, nach welchen auch «olch sach billich zu richten ist.

Es wurdt ferer in den genotigten Ehe gefragt, ob die selben bestendig seyen. Nach dem aber die bewilligung uff baiden seytten als ein nottig stuck zu der Ehe erfordert wurdt, so bedarff es darin keiner Eheschidung, sonder allein der erkantnus, das sie genotigt and derohalben nie kein Ehe gewesen sey.

So tragen sie auch zu zeitten zorn, unwillen, kranckheit und geverlich sachen zu, als da ein Ehegemahel dem andern nach dem leben stellet.

In disen und dergleichen sachen soll kein solche Eheschidung erkent werden, das die geschidne sich anderswo verhayratten mogen, sonder ea soll dem spruch Pauli gevolgt werden, der sagt also: Den Ehelichen gebiett ich nit, sonder der Herr, das das weyb von dem man sich nit schaide, so sie sich aber schaidet, das sie on ehe bleyb oder sich mit dem man versone, und das der Man das weyb nicht von sich lass etc.

Was aber sunst mehr fur fell, de errore personae, condicionis, qaalitatis et fortunae sich zutragen, das erortern die Recht klarlich and aussdrucklich, ist on nott die selben hie zuerzelen.

Quelle: Brenz, Johannes - Anecdota Brentiana

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