Brenz, Johannes - Von zweierlei Gott, dem irdischen und dem himmlischen

Brenz, Johannes - Von zweierlei Gott, dem irdischen und dem himmlischen

Es seind zweyerlei gott, Ein yrdischer und ein hymmelischer. Es hatt auch ein yetweder sein eigen Gerüst, nemlich Gebott, Sünde, gute Werk, ablas der Sünd, hell, himmell und himmlische Freude, Privilegia, pacta etc.

Von dem Irdischen gott steett geschrieben 2 Thessa. 2, Er werde sitzen In dem tempell gottis, sich selbs für gott dargeben. Apoc. 13: welcher das thier nit anbeett, der wurd erschlagen.

Von seinen gebotten schreibt Daniel. 7. Er wurd vermeinen gewollt zu haben gsatz aufzurichten. Und beschönt sollichs aus unverstandenem spruch Matt. 16. Was du bindest das soll gebunden sein etc. Es seind aber diese gebott. Man soll bey einer todsünd fasten, feyren, beichten, die vier opffer bringen, Wallen, stifften, Singen, Meß halten, Vigilien etc. Die Sünde aber seind, am Freytag fleisch essen, Nie opfferen, Nit beichten, Nit fasten, Wallen, Ein kelch anrüren, die meß verachten, In dem Eelichen stand sein (Und das darauß zu merken ist, dieweil der gott kein Eelichen man zu seiner salb oder weyhe zu lassen, und sprücht selbs D. 82. proposuisti Ceelich sein sei ein unlust und unheiligkeit,) It. es ist auch bey dem gott ein sünd leer in kirchen gen und nichts opffern, de consecr. d. l. thuanus In glosa, Der pfarher mag Die sacrament nit reichen wan man Im nit opffert. Gute werk, Wallen fasten beeten Zu kirchen gen (alles uff Romisch weiß) meß stifften, Römisch ablas lössen, beichten, uff die osterlich zeit, oder uff allen unsrer frawen tag Zum sacament gen etc.

Ablas der Sünde, das Irdische gotts, ist, durch wallen, fasten, In ein kloster lauffen, gelobte armut, keuschheit und gehorsam.

Hell ist das erdische fegfewer, In welcher hell es also zugeet das einer, nach ansehens des gotts, muß tausend Jar sitzen, der ander vierzig, ettlich xxxii stund und ein minuten. Es ist in der hell alles mit dem quintli gemessen. Und wie woll nach seiner meinung dise hell plagt die todten, bringt sie doch großen nutz den lebendigen dises gotts dienern, dann sie zeucht manchen feysten pfaffen münch und nonnen. Es seind ye alle klöster, kirchen meß und der gleichen uff das fegfewer gestifft, uff das dem Stiffter etwas guts nach geschee nach seinem tod zur erlosung seiner seel.

Straff ist exvcommunicatio, Aggravatio, Reaggravatio.

Himmell ist der Kalender und Canonisierung zu einem heiligen.

In diesen himmell wurd nit zu gelassen ein Eeman oder fraw, Sonder yttel Munch, Nunen, pfaffen, bischof, wenig witfrauen, vill Jungfrawen, uff das sie Iren unkeuschen uneelischen stand beschönen.

Warumb steen aber auch des himmlischen gotts heiligen In diesem himmell, als petrus paulus und andere aposteln? Antwort. Man muß lügen mit der warheit beyssen und ein specklin uf die fallen legen, Man wurdt es gemerkt haben, solten sie die wissenliche wahrhafftigen heiligen auß Irem himell geschlossen haben.

Dises himels freud ist Feyren, hoch in der kirchen singen, Orlen, nach mittag zu dem wein geen, und darnach einander uff die meuler schlahen, da ist gott, da lebt gott, Ich mein aber den Irdischen.

Item der Irdisch gott laßt zu, Nachreden, fluchen unkeischheit, eebruch, betriegen, falsch eid, oder wen du es schon zu grob machst wurd es dir leichtlich durch ein schlechten priester vergeben. Allein lug, als lieb dir diser Gott sey, sündige nichts wider sein gebott oder du must gen Rom und dich lassen absolviren.

Item disser gott gibt den seinen ein sonderlich privilegium, nemlich das ein yetweder seiner Diener mag im Jar ein mall unsinnig werden, uff die faßnacht, aber doch mit dem geding, das er uff den karfrytag zu einem stummen werd, und nach ostern wider In die allte haut schliefen mag. Er hatt auch vill andere Freyheit etc.

Was aber des himelischen gotts Gebott, Sünde, Gutte Werk, hell, himmell, Freud und Freiheit oder privilegia seyen, ist gnugsam offenbart. -

Unterschied der gebott disser Zweyen götter. Die gepott des Irdischen gotts seind müglich menschlicher natur, und seind gericht uff sein glori und eere auch uff eigenen nutz.

Des himmelischen aber seind menschlischer natur unmüglich, werden aber müglich durch Jesum Christum, Sie seind gericht uff die ewig glori und dem nutz des nechsten.

Nach dem hab Ich predigt von den Zweien wortlin Martyr und Confessor wie sie kein Underschied haben. Dann Martyr grece, Confessor vel testis latine zu teutsch laut ein bekenner, bezeuger Christi, welches dann einem yetlichen christen zusteeet In thun und leiden. Wurt einer nit an dem leib vor der wellt von Christi: wegen geplagt, so muß er doch ein martell erleiden von dem teufell, und alda In Christi beckantnus besteen.

Quelle: Klaiber, Karl Friedrich - Evangelische Volksbibliothek, Band 2

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