Böhme, Jakob - An Christian Bernhard.

Böhme, Jakob - An Christian Bernhard.

Den 12. Septbr. 1620.

In Christo geliebter Bruder! Ich ermahne Euch brüderlich in Christo, Euren angefangenen Lauf zu beherzigen und nachzukommen, und als ein standhafter Ritter wider die eigene äußerliche Vernunft in Fleisch und Blute, auch wider den Teufel und gleißnerische böse Art mit starkem Vertrauen in Gott im eifrigen Geiste und Gemüthe und in einem stillen Leben zu streiten, da mit ihr möget erlangen das edle Ritterkränzlein, welches einem gottesfürchtigen jungen Gesellen sonderlich wohl anstehet, und vor Gott und seinen Engeln gar lieb ist, welches, so euch das einmal aufgesetzet wird, ihr wohl inne werdet, was Gott ist und vermag; werdet auch hernach nicht viel von Andern lernen dürfen, so der rechte Lehrer in euch selber ist, der alle Menschen lehret, und sie bestätiget zu Gottes Kindern, der aus dem Menschen lehret, denn das Reich Gottes ist im Menschen, so der aber in Christo wieder erboren ist.

Im Kreuz und Trübsal müssen wir neugeboren werden: wollen wir mit Christo leben, so müssen wir auch mit ihm verfolget werden und mit ihm sterben und in ihm begraben werden, auch in ihm aufstehen, und ewig in ihm leben, seinem Bilde ganz ähnlich werden, und allein unter seinem Purpurmantel zu ihm kommen; er muß uns nur verdecken, sonst sind wir in des Teufels und Antichrists Netze und stehen mit der babylonischen Hure ganz nackend und beschämt vor Gottes Angesicht. Weil euch denn Gott allbereit euer Herz aufgethan, daß ihr mit andern Augen sehet, so ist es hoch von nöthen fortzufahren und beständig zu bleiben: denn der euch krönen will, ist schon auf dem Wege, aber ihr müßt die Anfechtung erdulden und bestehen, und der fleischlichen Vernunft nicht Raum geben, denn der Teufel setzet dem Senfkörnlein, welches vom heiligen Geiste gesäet wird, heftig zu, er will es immer wieder verderben. Es gehet mit einem neugebornen Kinde Christi wie mit einem jungen Baume, welcher leichtlich verdirbet; wenn er aber wüchset und stark wird, alsdann kann er bestehen, und ob ihm gleich manchmal ein Ast vom Sturmwinde abgeworfen wird, noch bestehet der Stamm und bringet andere Aeste.

Es muß Ernst sein mit dem Teufel zu streiten und den Zorn Gottes zu überwinden, die eigene Vernunft muß sich nur ertäuben und ertödten, und in Gott ergeben, auf daß Gott im Verstande des Menschen lebe, daß er sein Wille und Thun sei, anders ist kein Finden in göttlicher Weisheit, der Geist Gottes muß sich nur im Menschen finden, daß das rechte Bildniß sein Werk und Wunder sei. Denn alles, was von Gott lehret oder redet ohne Gottes Geist, das ist nur Babel, es gleiße wie es wolle; Gottes Geist muß aus uns reden, soll unsre Rede vor Gott tüchtig sein. Denn er vertritt uns selbst vor Gott, das ist, vor und in ihm selber, er führet unsern Willen-Geist mit und in sich selber in Gott und vereiniget uns mit Gott und in Gott und bestätiget uns zu seinen Kindern in Christo; er ist es, der uns findet, wir können ihn nicht finden. Aber sein Wille stehet gegen uns, er hat in Christo beide Arme am Kreuze ausgebreitet, uns zu empfangen, wir sollen uns ihm nur einwerfen, und aus der Vernunft und Bosheit ausgehen; so wir das thun, so fallen wir in Christi Arme, allda suchet und findet er uns in ihm; allda werden wir sein Eigenthum und sein Wohnhaus. Allda fähret er auf unsrem Willen-Geiste, und ist uns unterthan, und alles, was wir dann machen und thun, das ist ihm lieb, und alle dieselben Werke folgen uns nach und sind unser ewiger Ruhm, und werden uns angezogen als ein Kleid zu Gottes Ehren und Wunderthaten, um welches willen sich Gott zur Schöpfung des Menschen beweget hat, und um welches willen Gott Mensch ward, daß er uns erlösete vom Uebel.

Der Name des Herrn ist eine feste Burg, der Gerechte läuft dahin und wird erhöhet.

Quelle: Renner, C. E. - Auserlesene geistvolle Briefe der Reformatoren

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