Bezzel, Hermann - Das geringste Werk

Bezzel, Hermann - Das geringste Werk

Hat unser Herr eine einzige Arbeit getan, in die er nicht sein ganzes Herz und seinen ganzen Willen gelegt hat?

Er hat in jede, kleinste, unansehnlichste Aufgabe sein Herz gelegt. Arbeit der Seele ist Seele der Arbeit. Arbeit der Seele, diese innerliche, hoch angestrengte, ganz hingewandte, jede Regung, jede Willenskraft einsetzende Arbeit ist der Arbeit eigentliche Seele.

Je mehr du ein Christ wirst und anfängst, in der Nachfolge Jesu zu leben, desto mehr wirst du auch die Kleinigkeiten bedeutsam, die Unansehnlichkeiten groß finden.

So gewiß du für jede Arbeit Interesse haben mußt, so gewiß mußt du für jedes Werk Arbeitsfreudigkeit besitzen; dadurch wird jede Aufgabe groß; denn indem du eine ganz kleine Arbeit von Herzen tust, legst du in die mechanische Beschäftigung, in das äußerliche Dienstwerk, in ein ganz entlegenes, von keinem Menschen beobachtetes Ding eine große, heiligende, einflußreiche Macht. Es ist doch etwas anderes, ob ein Weltmensch die Speisen bereitet oder ein Gottesmensch; es ist doch etwas anderes, ob ein Weltmensch Kranke pflegt oder ein Gotteskind. Es ist etwas weit anderes, ob ich eine kleine äußere Verrichtung mit einem an Gott gebundenen Gewissen vollende, oder ob ich sie rasch abfertige, weil sie mich verdrießt.

Die schlichteste Arbeit hat so viel Beziehungen zur größten, seligen Gottabhängigkeit, das Unscheinbarste führt in Abgründe der göttlichen Gesetze, zeigt eine solche Willensnotwendigkeit, daß es weit leichter ist, eine Heldentat — nach außen gleißend — zu vollbringen als die unleuchtende, unscheinbare Arbeit eines kleinen, geringen Werkes.

Indem wir von Herzen also tun, treten wir in die erlauchte Reihe all derer, die seines Reiches Zukunft auf Erden beschleunigen, all der heiligen Helden und heldenhaften Heiligen, all der Großen, deren Namen vielleicht auf Erden verklungen, aber im Himmel angeschrieben und hochgeehrt sind, all der Meister, die Christum ihren Herrn nannten. Es ist wenig erlauchtes Volk; es ist die arme Hausfrau, die ihr Haus um Gottes willen in Ordnung hält, der arme Tagelöhner, der sein Holz zerkleinert in der Furcht Gottes, der auch den kleinsten Span achtet, daß er nicht verlorengehe; es sind die Geringen, der Troß, auf den niemand sieht, die täglich ihre Hände falten: „Hilf, daß ich's tue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich's tu, so gib, daß es gerate wohl!“

Was ihr groß nennt, nennt Gott klein, und was ihr klein heißt, ist bei ihm groß. Denn die Treue im Kleinen ist Heroismus im Großen, und wer im Kleinen nicht treu ist, der kann es im Großen nimmer sein.

Wenn nur unter uns, die wir Gottes Wort lesen, betrachten, lieben, die einfachste gottesdienstliche Arbeit vollzogen würde: ich lege meine Seele in das geringste Werk!

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