Baxter, Richard - Selbstverleugnung - DAS XXVI. Capitel.

Baxter, Richard - Selbstverleugnung - DAS XXVI. Capitel.

Kleidung / Zierrath / und Schmuck / so weit dieselbe wird gebraucht zu einem fleischlichen Ende / muß verlaeugnet werden.

Weiter ist ein fleischlich Stueck das verlaeugnet werden muß / Kleidung / und Schmuck / so weit dieselbe gebraucht werden zu einem fleischlichen Ende und Zweck. Ob schon die Kleider eine Frucht oder vielmehr consequens der Suenden sind / dennoch sind sie dem Menschen / wie er jetzt ist beschaffen nach dem Suendenfall / eine Gnade Gottes / und ist eines jeglichen Menschen Pflicht / derselben sich zu gebrauchen / und zwar mit in Achtnehmung derjenigen Stuecke / derer wir in etlichen vorhergehenden Capiteln gedacht: 1. Daß unser Ende und Absehen in unserer Kleidung sey / daß wir unsere schwache Leiber geschickt machen zum Dienste GOttes / und bewahren sie vor der Schande / Kaelte / und andern Unfaellen dadurch sie moechten untuechtig gemacht werden zum Gottes-Dienst. 2. Daß unsere Kleidung / so viel als immer seyn kan / zu solchem Ende gerichtet werden / nemlich / daß sie den Leib erwaermen / und doch nicht gar ungeschickt noch unzierlich sind: und daß wir unter dem Namen der Zierlichkeit sie nicht zubereiten lassen zu fleischlichem Ende / daß wir deßwegen wolten angesehen seyn in den Augen der Menschen / und fuer geschickte und schoene Leute gehalten werden / sondern daß es uns genug sey / wenn wir meyden die Schande der Bloese / und die veraechtliche Unzierde. 3. Zu dem Ende muessen wir zusehen / daß wir uns nicht mehr darinnen hervor thun / als unsers gleichen / und halten uns in Kleidung und Schmuck nicht gleich denen die mehr sind und vornehmer als wir / sondern halten uns wie die geringesten von unsers gleichens. 4. Daß wir nicht nachfolgen alle Manieren leichtsinniger und eiteler Personen / sondern in unser Kleidung uns halten wie die weisesten / verstaendigsten / und erbarsten derjenigen die unsers gleichen sind. 5. Daß wir nicht unnoethige Kosten wenden an unsere Kleidungen / weil wir muessen von allen Rechenschafft geben / daß GOtt uns vertrauet hat. 6. Daß wir nicht ohne Noth und wichtige Ursachen leicht aendern. Also muß man der Kleidung und Schmuckes gebrauchen: was man am wolfeilsten haben kan / welches warm und zierlich ist / und gemachet wie es die geringesten / die verstaendigsten / und erbarsten unsers gleichen tragen.

Aber es hat leider der Satan diese Kinderpossen auch gemacht zu einem Strick / und zu einem Angel / fleischliche Menschen zu fangen. Die Sorgfaeltigkeit die viele Leute darum haben / die Unkosten / und ueberflueßige Unkosten die sie darauf wenden / ihre Begierde / denen Hoechsten und Vornehmsten gleich zu gehen / daß ich geschweige / die unbestaendige / leichtfertige und unziemliche Manieren und Muster / die zeigen an / zu was Ende die meisten ihre Kleider gebrauchen. Solche Leute bitte ich / sie wollen fleißig bey sich selbst erwegen dasjenige was folget.

1. Diese Eitelkeit in Kleidungen zeuget gewißlich von der Eitelkeit eures Hertzens und Gemuethes. Ihr rufft hiedurch von euch selber aus / daß ihr kindisch / naerrisch und unverstaendig seyd. Die meisten auch unter denen / die sonsten gottloß sind / die nur gesunden Verstand haben / die verachten solche Thorheit / als dazu sie sich zu gut achten nachzufolgen: Dannenhero ist diese Suende vornehmlich bey Weibern / Kindern / leichtfertigen / dummen und unverstaendigen Mannsbildern. Die keinen inwendigen Zierrath haben / der sie angenehm machet in der Welt / die sind wol einfaeltige und elende Tropffen / wo sie meynen / sie wollen sich bey verstaendigen Leuten mit einem Seiden oder Sammeten Rock recommendiren. Weißheit und Heiligkeit sind eines Menschen Zierrath / und das ist seine Schoenheit / dadurch seine Seele schoen gemachet wird. Und meynet ihr / daß bey weisen Leuten zierliche Kleider werden angenommen werden vor Tugend / Weißheit und Heiligkeit? Man kan einem Narren eben so ein koestlich Kleid anziehen als einem Weisen / und meynet ihr / man sehe wegen des Kleides den Narren vor weise an? Zu dem Apelles dem beruehmten Mahler kam einmal ein solcher praechtiger gekleideter Stutzer / auf daß er sich abconterfeyen liesse / so lange als er stille schwieg / warteten ihme die Mahler-Jungen fließig auf mit grosser Ehrerbietung / weil er in Gold und Silber glaentzete; aber da er anfieng zu reden / da sahen sie alsobald daß er ein Narr war / und an statt der vorigen Ehrerbietung / fiengen sie alle an ihn auszulachen: Wenn Leute euch sehen / daß ihr so praechtig gekleidet gehet / so werden sie dadurch veranlasset Achtung auf euch zu haben / da fraget der eine / der ander / wer ist der / der so praechtig ist? und wenn sie denn sehen / daß ihr entweder vom Stande geringer / oder auch unverstaendiger und also unwuerdiger seyd als andere / so werdet ihr nur ausgelachet und verachtet. Uberfluß und allerley neue Muster in Kleidung sind das rechte Zeichen der Narrheit / wie ein Schild / das vor einem Wirths-Hause aufgehencket ist / den Reisenden andeutet / es sey eine Herberge da. Ihr machet / daß Leute von euch argwohnen muessen / es sey nicht alles richtig mit euch / weils so viel Muehe erfodert euch zu putzen. Es ist gewiß ein baufaellig Haus / da man viel Stuetzen muß untersetzen / und ist ein ungesunder Leib / da der Artzt viel anflicken muß / es ist ein heßlich Angesicht / das man schmincken muß; Und was ist praechtige und Alamode-Kleidung anderst dem Leibe / als Schmincke dem Gesichte? Wenn ich sehe / daß ihr in eurem Munde euch habt durch Kunst Zaehne lassen einsetzen / so muß ich schliessen / daß ihr die natuerlichen die besser waren / verlohren habet; wenn ich rieche / daß ihr durch Specerey euch einen wolriechenden Athem machet / so gedencke ich / daß euer Athem sonsten stincken wuerde / wenn ihr diß nicht thaetet. Also wenn ich Leute sehe die allzusorgfaeltig sind wegen ihrer Kleidung / so muß ich nothwendig argwohnen / daß eine sonderliche Urssach muß seyn / warum sie das thun. Es ist gewiß nicht alles richtig / wo es so viel Muehe und Sorgfaeltigkeit bedarff. Saget mir aber / welches ist die Schande oder Heßlichkeit / die ihr hiemit suchet zu verbergen? Ist es die Heßlichkeit des Gemuethes? die verrathet und entdecket ihr nur mehr; denn eben wie ein Gauckler oder Pickelhering in der Comoedie an seinen Kleidungen erkant wird / also gebet ihr allen die euch sehen / durch eure Kleidung zu verstehen / daß ihr elende Tropffen und Leute ohne inwendigen Zierrath oder Verstand seyd. Ist es aber die Heßlichkeit und Unfoermlichkeit eures Leibes / die ihr auf solche Art verbergen wollet? Diß ist wol die beste Ausflucht / damit ihr diß Ding entschuldigen koennet / denn Kleidung bedecket vielmehr die Heßlichkeit des Leibes / als des Gemuethes oder der Seelen: Allein in dem Fall muesset ihr die Kleider machen lassen / darnach als eure Schwachheit ist / der ueberflueßige Pracht will dazu nicht helffen / sondern dadurch werden nur die Leute mehr bewogen eure Schwachheit in acht zu nehmen / und thut ihr alsdann nur euch selber unrecht / daß ihr die Leute anreitzet / solches von euch zu argwohnen.

2. So zeiget ihr auch oeffentlich durch Kleider-Pracht an entweder eure Hoffart / oder eure Geilheit und Lust / oder beydes. Sonsten seyd ihr sorgfaeltig / wie ihr eure Suende verbergen moeget / und nehmet es an / als ein groß Unrecht / wenn ihr oeffentlich deßwegen erinnert und gestraffet werdet; wie kommt es denn / daß ihr hie so fertig seyd die verborgene Suende eures Hertzens kund zu machen / daß ihr derselben Zeichen muesset aller Welt zeigen? Ist es nicht Schelmen / Dieben und Meineydigen eine Schande / daß sie gebrant sind in der Hand oder an der Stirne / oder muessen herum reiten in der Stadt mit einem Zettel auf dem Ruecken und Brust / da ihre Bubenstuecke auffgezeichnet sind / daß ein jeder mag sehen dorten ist ein Dieb / ein Meineydiger / etc. Eben so machet ihrs / die ihr durch die Kleider-Pracht euren Hochmuth / und unziemliche Lust zu erkennen gebet. Was ist die Ursach / daß ihr so fein / so zierlich / und herrlich muesset vor andern angethan seyn? Ist es nicht darum 7 daß ihr wollet gesehen seyn / und ein jeder soll ein Auge auf euch haben? und zu was Ende? geschicht es nicht darum / daß ihr moeget vor reich / oder schoen / oder zierlich gehalten werden? Was ist nun weiter euer Absehen / daß ihr begehret / man solte solche Gedancken von euch haben? Ist nicht eben diß Begehren / die Hoffart? Ihr muesset endlich etwas seyn / und gerne woltet ihr / daß ihr moechtet geehret und hoch geachtet werden / daß ihr moechtet der Vornehmste geachtet seyn unter denjenigen / die entweder mehr oder eures gleichen sind. Was ist das anders als Hoffart? Ich hoffe aber / ihr wisset daß Hoffart des Teuffels Suende ist / die erste Suende unter allen / und welche der GOTT Himmels und der Erden am meisten hasset. Daß ihr also weißlicher daran thaetet / und wuerdet mehr geachtet werden bey verstaendigen Leuten / wenn ihr euch selbst vor die schlechtesten / geringesten und unwissenden ausgebet / als daß ihr eure Hoffart so ausruffet. Offtermahlen zeuget auch die unnoethige Pracht und Geilheit und unzuechtiger Lust / sonderlich bey jungen Leuten / welche dann am meisten zur Pracht geneigt sind. Dieser unnoethige Schmuck ist eine Frucht eines leichtfertigen Gemuethes / er ist fast eine Werbung / eine Reitzung und Lockung: Es ist nicht umsonst / daß sie gerne wollen gesehen / vor schoen und zierlich gehalten werden / es mangelt ihnen was / ihr moeget leicht gedencken was es ist. Was aber ander Leute sind die im Ehestande leben / und die Erbarkeit und ihren ehrlichen Namen lieben / die solten sich billich vorsehen / daß sie nicht hiedurch Argwohn auf sich selbst laden. Wer bey sich befindet / daß er entweder thoericht und unverstaendig / oder aber zur Hoffart und Lust geneiget ist / der flehe zu GOtt und ersuche dessen Huelffe / daß Er ihn davon befreye / und gebrauche solche Mittel / dadurch diese Kranckheit seiner Seelen / die endlich den ewigen Tod wuerde mit sich fuehren / moege geheilet werden / und schaffe ab solche Dinge / dadurch sie geheget und vermehret wird / wie denn das durch Kleider-Schmuck geschiehet. Begehret er aber diese Laster nicht aus seinem Hertzen zu haben / ey so solte er sie doch nicht aus seinem Hertzen zu haben / ey so solte er sie doch Schande halber verbergen / und nicht einem jeden der ihn nur siehet / sagen / was in seinem Hertzen ist. Was wolte man gedencken von einem / der die Gassen auf und nieder moechte gehen / und zu allen die ihm begegnen / sagen / ich bin ein Dieb / ein Moerder / etc. wuerdet ihr nicht sagen / er waere zusammen gesetzet von Narrheit und Schelmstuecken: Was ist wol vor ein Unterscheid unter solcher That und eurer / die ihr durch uebermaeßiges Schmuecken auf euren Ruecken schreibet: Habt acht auf mich: Ich bin ein Narr / voll Hoffart und Lust.

3. Wo ihr aber so einfaeltig seyd / daß ihr gedencket / diß sey ein Mittel / dadurch einer ihme kan zu wege bringen / daß er unter den Leuten geehret wird / so soltet ihr vornemlich ja gedencken / daß es nur eine schaendliche Betteley ist / da ihr die Ehre muesset erbetteln von denen die euch sehen / und habet keien Wuerdigkeit in euch / die dieselbe verdienet: Ehre muß zu wege gebracht werden durch Verdienst und Wuerdigkeit / und nicht durch betteln / denn das ist keien Ehre / die deme angethan wird / der sie nicht verdienet: Sie ist nur ein Schatten des Verdienstes und der Wuerde / welche bey weisen Leuten derselben stetes folget / aber wo diese nicht sind / da ist auch die Ehre nicht. Euer Prangen zeiget so klar an / daß ihr begehret geehret zu seyn / daß dadurch alle kluge Leute versichert werden / daß ihr so viel weniger der Ehren werth seyd: Denn je mehr ein Mensch Ehre begehret / je weniger ist er derselben werth. Nun gebet ihr aber durch eure Kleidung zu verstehen / daß ihrs begehret / eben so offenbar und so thoerlich / als wenn ihr zu ihnen sagetet: Ich bitte habet gute Gedancken von mir / und sehet mich an als eine feine und schoene Person / und vor einen der mehr ist als gemein. Wuerdet ihr nicht lachen ueber einen / der so etwas von euch bitten wuerde? Was thut ihr aber weniger / wenn ihr durch eure Kleidung die Ehre von ihnen erbettelt? Allein aus was Ursachen solte man euch ehren? Um euer Kleider wegen? Ey man kan einen Affen mit gueldenen Schnueren besetzen / oder einen Post / einem Esel ein vortreflich Kleid anziehen: Solte man euch ehren euer Schoenheit halber? Der gottlose Absolom war schoen / und die leichtfertigsten Huren sind oft schoener als ihr seyd? Ein feiner Leib und schoenes Angesicht verraeth gar oft die Seele / aber es befreyet dieselben nimmer von der Hoellen. Uber deme so sind euer Leiber an sich deswegen nicht schoener wegen des aeusselichen Zierraths / ob sie schon moegen so zu seyn scheinen. Soll man euch aber ehren euer Tugend halber? Die Tugend hat keinen groessern Feind als Hoffart / welche ist eine solche Heßlichkeit der Seelen als die Frantzosen dem Leibe sind; und wer euch deswegen vor ehrlicher ode rmehr Ehren werth achtet / daß ihr mit gueldenen Schnueren besetzet seyd / der weiß eben so wenig was Ehren werth ist als ihr. Demnach so lasset doch Schande halber ab euch Ehre zu erbetteln / sonderlich durch ein solches Mittel / dadurch alle weise Leute veranlasset werden / euch eure Bitte abzuschlagen. Und lasset entweder die Ehr unerbettelt kommen / oder bleibet ungeehret.

4. Betrachtet / daß uebermaeßiger Schmuck schnurstrack zugegen ist dem Zweck und Ziel / welchen hoffaertige und stoltze Leute ihnen vorgesetzet haben. Ich bekenne / bisweilen verstricket es einen Thoren / und bringet also zuwege das Verlangen des Luestlinges; aber selten ist / daß die Hoffaertigen ihr Ziel erreichen: Denn die thun es darum / daß man desto mehr von ihnen halten soll / und machen es eben hiemit / daß fast alle Leute desto weniger von ihnen halten. Verstaendige Leute sind zu klug dazu / daß sie solten meynen / daß der Schneider koenne einen klugen / oder ehrlichen / oder einen schoenen Mann oder Frau machen. Gute und gottselige leute die haben Mitleiden mit ihnen / seuffzen ueber ihre Thorheit / und wuenschen ihnen Weißheit und Demuth. In den Augen eines erleuchteten / weisen und gottseligen Menschens ist ein armer / selbst-verlaeugnender / demuethiger / leidender / gedultiger Christ tausendmal hoeher / dann tausend solcher angestrichenen und ausgeputzten Pfeiler oder Pfauen: Ja sie erreichen auch nicht ihren Zweck bey den Gottlosen: Denn gleichwie die Geitzigen nicht leiden koennen / daß andere geitzig sind / denn sie woltens gerne alles alleine haben / also koennen auch die Allerhoffaertigsten nicht vertragen / daß ein ander hoffaertig ist / denn es soll ihnen keiner vorgehen / oder vorgezogen / oder mehr angesehen seyn denn sie. Es sind keine hoenischer und spoettischer auf eure Pracht / als dieselben die eben so suendlich sind wie ihr / denn sie koennen nicht leiden / daß ihr sie in der Eitelkeit uebertreffen soltet. Daß also Gut und Boese ins gemein entweder Mitleiden mit euch haben / oder euch auch verachten / eben um der Ursachen willen / weswegen ihr am meisten woltet geehret seyn.

5. Bedencket / daß Kleidung eine Frucht der Suenden ist / welche den Menschen entbloesset / und nackend machete: Wie reimets sich denn / daß ihr wollet prangen mit dem / welches euch verordnet ist / eure Schande und Bloesse zu bedecken? und dadurch ihr soltet zur Demuth beweget werden / in Betrachtung der Suenden / die euch selbiges anjetzo nothwendig anzunehmen gezwungen hat.

6. Bedencket ein wenig besser als die meisten Pranger anjetzo thun / was fuer Rechenschafft ihr gedencket GOtt zu geben fuer die ueberflueßige und unnoethige Unkosten / die ihr zu eurer Pracht angewandt: Solte diese Rechnung oder Antwort wol angenommen werden / wenn ihr etwa moechtet sagen: HErr / so viel habe ich angewandt meine Hoffart und Lust zu hegen / und zu offenbahren? Mancher vornehmer Mann oder Frau wenden mehr an auf ein Kleid / oder auf Vorhaenge vor ein Bett / oder auf den ueberflueßigen Schmuck einer Tochter / denn noethig waere viel arme Leute auf ein gantz jahr / oder arme Studenten die hoehere Wercke verrichten koenten / als sieh ihr lebtag thun werden oder koennen / zu erhalten. So findet man auch manchen unter schlechten Leuten / die eher ohne Bibel / oder andern gottseligen Buechern / daraus sie den Weg zur Seligkeit lernen solten / sich behelffen / damit sie nur alles was sie gewinnen und erwerben koennen / moegen auf den Leib haengen.

7. Endlich erweget fleißig / was es denn recht ist / das ihr thut mit solcher Sorgfaeltigkeit / und was die Leiber sind / die ihr so schmuecket / und damit ihr euch so erhebet / und die ihr wollet / daßa sie von der Welt sollen groß angesehen seyn? Kennet ihr euch selber nicht? Ist es nicht ein Stueck warmer und zusammen gefuegter Erden / daß ihr wollet / daß ein jeder soll in acht nehmen und ehren? Wenn die Seele / daran ihr jetzt wenig gedencket zu schmuecken / daraus gefahren ist / so wird es anders aussehen: Der geringe Raum darinnen es alsdenn geleget werden muß / der wird durch dessen Stanck und Faeule verunreiniget werden: Eure beste und liebeste Freunde begehren euer Gesellschafft alsdenn nicht mehr / sie begehren euch nicht zu riechen oder zu sehen / wo sie es aendern koennen: Kein Aas mag so stincken / als der prangende und geschmueckete Coerper kurtz nach dem Tode thun wird. Unterdessen aber eher der Tod kommt / was seyd ihr? Maden-Saecke / lebendige Graeber / darinnen die Leiber eurer Mit-Creaturen taeglich verschlungen und vergraben werden / und solcher gestalt gehet ihr wie die uebertuenchte Graeber: Wenn ihr den praechtigsten Stutzer inwendig sehen moechtet / so wuerdet ihr sagen / es sey ein grosser Unterscheid zwischen den innerlichen und den aeusserlichen: Es kan seyn / daß ein hundert Wuerme kriechen in dem Leibe der ausgeputzten Damen / oder jenes ausgeschmueckten Narren / die doch so ihres Schmuckes halber wollen angesehen seyn. Wenn nur ein wenig von der Unreinigkeit die darinnen ist / sich auesserlich hervor thut / durch Kraetze oder Blattern so kan man sehen was es ist / das mit solcher Muehe und Fleiß sich zu schmuecken gewohnet war.

Hinweg demnach mit solcher Eitelkeit / und bleibet nicht euer Lebenlang Kinder: Schaemet euch / daß ihr jemahlen seyd so thoericht gewesen / daß ihr dencket / man soll euch ehren wegen eines geborgeten Zierraths / den ihr des Abends ab / und des Morgens wieder anthut: Elende / verfuehrte Erd / Asche / und Wurmspeise / lasset doch eure Thorheit fahren / und erkennet euch selbst: Strebet darnach / wlches euch mit Recht mag Ehre und Ruhm zu wege bringen / und daß ihr moeget von GOtt geehret werden; Hinweg mit dem betrueglichen Zierrath / und Puppen-Werck / und trachten nach der rechtschaffenen inwendigen Wuerde. Die Gnaden die GOtt der HErr in den Menschen geleget / die werden nicht erkant noch geehret durch feine Kleider / sondern sie werden durch derselben Uberfluß nur mehr verdunckelt und verunehret. Die inwendige Herrlichkeit ist die rechte Herrlichkeit. Das Ebenbild Gottes muß nothwendig die hoechste Schoenheit des Menschen seyn / dasselbe lasset leuchten in der Herrlichkeit eures Lebens / so werdet ihr in der That und Warheit geehret seyn. Petrus saget uns von einem solchen Wandel der Weiber / dadurch ihre Maenner auch ohne Wort gewonnen werden / in solchem sollen sie einher gehen; den beschreibet er aber also: Wenn sie ansehen euren keuschen Wandel in der Furcht / welcher Geschmuck soll nicht auswendig seyn mit Haarflechten und Gold umhangen / oder Kleider anlegen / sondern der verborgene Mensch des Hertzens unverruckt mit sanfftmuethigem und stillen Geist / das ist koestlich vor GOtt: Denn also haben sich auch vor Zeiten die heiligen Weiber geschmuecket / die ihre Hoffnung auf GOTt satzten / und ihren Maennern unterthan waren / 1. Petr. 3/ 1.2.3.4.5.

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