Baxter, Richard – Selbstverleugnung - Das XXI. Capitel.

Baxter, Richard – Selbstverleugnung - Das XXI. Capitel.

Mueßige / unnuetze und weltliche Geschwaetze muessen verlaeugnet werden.

Ein ander Stueck der fleischlichen Lust / die verlaeugnet werden muß / ist: unnuetze und weltliche Unterredungen oder Geschwaetze / welches die meisten Leute ihre taegliche Ergetzung und Zeit-Vertreib achten: Dieses muß nicht geringe geachtet werden / inmassen CHristus selber uns berichtet hat / daß die Menschen muessen Rechenschafft geben am Juengsten Gericht von einem jeglichen unnuetzen Worte / das sie geredet haben / Matth. 12/ 36.37. verstehe solche Rechenschafft / daß sie uns sollen zur Suende gerechnet werden; und wo sie nicht bereuet sind / und vergeben durch das blutige Verdienst JEsu / so sollen sie verdammen / so wol als groessere Suenden. Durch unnuetze Worte aber werden verstanden / nicht allein alle gottlose und luegenhafftige Worte oder Reden / welche aerger sind als unnuetz; sondern unerbauliche / unnutzbare Rede / die da nicht gereichen zum guten / und davon einer nicht befugt ist zu reden / (Sihe Tit. 3/ 9.) und das / welches der Apostel heisset Narrentheidung / Ephes. 5/ v. 4. Wann die Christliche Weißheit ist beyseit gesetzt / die unsere Rede regieren / und zum guten End und Zweck richten solte. Vornehmlich wann einer durch eitelen und unnuetzen Schertz sich selber zum Narren machet / damit er andern gefallen moege / oder wenn man die Christliche Ernsthafftigkeit beyseit setzet / und durch Schertz sich bemuehet / ein naerrisch Gelaechter zu erwecken / Ephes. 5/ 4. Vielmehr aber / wann einer schertzet mit heiligen Sachen / und unehrerbietig / veraechtlich oder spoettlich redet von Goettlichen Sachen / welches ist eine Gottlosigkeit im hohen Grade. Eben das mag gesaget werden von hoffaertigen pralhafftigen Worten / oder von vielen Reden und Plaudern / auch wann die Sache gut ist / wann weitlaeufftige Reden zu unrechter Zeit oder ohne Nutz gefuehret werden; wie auch die geschwinden unbedachtsamen Worten / die dahin zielen / Zanck und Hader anzurichten; wie auch splitter-richten / verleumden / laestern / schmeicheln / heucheln / und dergleichen. Allein / dasjenige / davon ich anietzo rede / ist / wann einer seinem fleischlichen Sinn ungehindert den Willen laesset in unnuetzem und unnoethigem Geschwaetze und Unterredung. Und wie gemein ist leider / diese Suende! Nicht allein die Thoerichten und Unverstaendigen sind derselben schuldig / sondern auch wol verstaendige / ansehnliche und erbahre Leute. In wie viel Gesellschafften mag einer kommen / ehe er einige erbauliche Unterredung hoeren mag / die da gereichen solte / in den Zuhoerern eine Andacht oder andere Gnaden zu erwecken / vermehren / erhalten? Eitelkeit ist es / davon die meisten reden. Was kan einer aus ihren Reden gebessert werden / es moechte dann seyn / daß er ihme es liesse eine Warnung seyn / sich zu hueten vor dieselbe Eitelkeit / daran er hoeret / daß sie schuldig sind? Ja auch alte Leute / bey welchen Weißheit und Verstand ist / Job. 12/ 12. Und die da solten seyn ein Vorbild der Jugend / sind ergeben dem unnuetzen Geschwaetze / und finden mehr Schmack und Ergetzlichkeit an diesen oder jenen alten Zotten / dann an himmlischen Reden: Also auch Eltern und Haus-Herren / die ein Vorbilde ihrer Kinder und Gesinde seyn sollten / sind offt schuldig an dieser Suende / als wann sie wolten die Ihrigen lehren / daß sie auch sollen eitel seyn / wie sie sind; Da doch offt die Seelen derjenigen / die bey ihnen sind / anderer Art Reden beduerffen. Und es ist ein ander Werck / dazu sie GOtt gesetzet hat / Deuter. 6/ 6.7.8. und Cap. 11. v. 18.19. Dann wo lernen die Kinder mehr unnuetze Reden / als von ihren Eltern? Hoeren sie ein Wort von GOtt / oder von der Lehre von ihrer Seligkeit / etc. von ihnen / so hoeren sie hundert / ja tausend von welt- und irrdischen und unnuetzen Dingen: Haette GOtt nur den zehenden Theil ihrer Worte / wir wuerden sie sehr Gottsfuerchtig achten / aber auch den zehenden Theil koennen sie ihme nicht geben: Nicht etwan / als ob dererjenigen / die weltlichen Beruff haben / und viel mit irrdischen Geschaefften umgehen muessen / Redne oder Thaten nicht ohne Suende koenten mehr als den zehenden Theil seyn von den Creaturen; Sondern eben diese weltliche und irrdische Geschaeffte haben bey den Gottseligen den Zweck / daß sie zielen zu Gottes Ehre / und des Naechsten Nutz / und sind also geheiligt / und die Worte / die deßwegen geredet werden / nicht gar unnuetz: Unterdessen aber sind sie froh / wann sie koennen einige Zeit abbrechen / von hoehern und bessern Dingen zu reden.

Weil auch diese Suende der unnuetzen Reden oder Worten so gemein ist / auch bey denen / die wir fuer Gottselig achten / so werde ich daher veranlasset zu gedencken / daß sie muß geringer gehalten werden / als sie in der Warheit ist / und weil sie so geringe geachtet wird / daher wird sie so gemein: Derowegen wil ich hie etwas einfuehren / die Groesse dieser Suenden besser zu erkennen / damit man hinfuehro davon urtheilen moege / wie sie ist / und nicht durch Unwissenheit oder Mißverstand so frey dieselbe begehe.

1. Wann einer die Gewonheit hat / eitele und unnuetze Worte zufuehren / das ist ein Zeichen eines eitelen Gemuethes. Waere das Hertz voll hoeherer und besserer Sachen / die Zunge wuerde gewiß bessere Reden fuehren. Entweder die Gedancken oder das Herz ist eitel in solcher Maß / als die Zunge eitel ist / Eccles. 5/ 3. Wo viel Sorgen sind / da kommen Traeume / und wo viel Worte sind / da hoeret man den Narren / und Eccles. 10/ 14. Ein Narr machet viel Worte. Und derowegen setzet Salomon in seinen Spruechen am 10. v. 20. Die Zunge des Gerechten / und das Hertz des Gottlosen gegen einander: Des Gerechten Zunge ist koestlich Silber / aber der Gottlosen Hertz ist nichtes. Sihe Prov. 17/ 27.28. Ps. 37/ 30.31. Der und des Gerechten redet die Weißheit / und seine Zunge lehret das Recht: Woher kommt aber das: Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Hertzen / seine Tritte gleiten nicht. Es ist ein Zeichen / daß ein Mensch nicht sonderlich fuehlet die Groesse seiner Suenden / die Groesse der Liebe Gottes in Christo / die Groesse der Freude die ihme vorstehet / und wie grosse Pflicht von ihme erfordert werde / der so viel Zeit kan zubringen von eiteln Dingen zu reden. Ihr werdet schwerlich einen Mann / der in Todesnoethen lieget / oder grosse Geschaeffte zu verrichten hat / dahin bringen / daß er mit euch Kurtzweil treibe / und schwaetze von eiteln Dingen: Es sind allein verirrete und eitele Gemuether / die solche unnuetze und eitele Reden fuehren: Ja es ist ein Zeichen / daß das Gewissen nicht so zart ist / als es gebuehret zu seyn / wenn einer wissentlich kan in einer Suende fortfahren. Fraget euch nicht euer Gewissen bißweilen / was ihr machet / und ob diese Rede zur Erbauung dienet / und die Gnaden entweder in euch oder andern anzurichten? Was habt ihr vor Gewissen / die nicht besser wollen Achtung geben auf eure Zunge / sondern lassen dieselbe rennen nach der Eitelkeit / eher sie selbe zur Rechnung fordern; Gedencket ihr nicht an Gottes Gegenwart / und vornehmlich seine Heiligkeit und Eifer? Koennet ihr so unnuetzlich reden / da GOtt beystehet / alles anhoeret / alles auffzeichnet? wie solte doch einer so veraechtlich furchtloß seyn in der Gegenwart Gottes!

2. Die Zunge des Menschen ist ein herrlich Glied / genannt unsere Ehre / Psalm. 30/ 13. und Psal. 57/ 9. und ist uns gegeben zu Lob und Preiß unsers Schopffers / und zu anderm herrlichen Ende und Zweck. Solte denn dieselbe verunehret und mißgebrauchet werden zu Nichtigkeit und Eitelkeit? Keiner nimmet seine beste Kleider / und machet ein Schuwisch davon / oder gebrauchet es den Schorfstein oder Schuessel zu reinigen; wie solte denn ein Christ seine Zunge gebrauchen zu so geringen und eitelen Dingen / die ihme gegeben ist zu dem alleredelsten und herrlichsten Zweck / nemlich zur Ehre Gottes / zum Nutz des Naechsten / zur Abstraffung der Suenden / und des Menschen eigener Seligkeit.

3. Betrachte / wie viel / wie wichtige / wie nothwendige Geschaeffte man mit der Zungen zu verrichten hat / und denn sage mir / ob sie anzuwenden sey zu unnoethigen und eitelem Geschwaetz? O was hat dieses kleine Glied all zu thun? Von wie wichtigen Sachen haben wir zu gedencken und zu reden? Da hat man zuruecke zu sehen auf das vorige Suendenleben / und selbiges zu beklagen: Da sind so viele Suenden / die man gegen andere bekennen muß: Da hat man Huelffe noethig gegen viele und mancherley Versuchung / und die Gnaden so Gott in einen gelegt zu staercken / erwecken und ueben: wie noethgi ist es / daß man seiner Seligkeit versichert sey? Daß man sich zum Tode bereite / und fertig haelt die Gnaden derer wir uns gebrauchen muessen in unser letzten Noth? Und koennet ihr noch viel Worte haben in Eitelkeit anzuwenden? wie viel elende Seelen die um euch sind / seyn unwissend hartes Hertzens / den Wolluesten ergeben / geitzig ledig von Gnaden / die im Stande der Verdammnis stehen / und beduerffen eures besten Fleisses / und Huelffe / daß ihnen moechte geholffen werden: und koennet ihrs doch ueber euer Hertz bringen / unnoethige und unnuetze Sachen mit ihnen zu reden? Ach leider! die meisten da ihr mit umgehet / sind nur einen Schritt vom Tode. und eilen zum Gerichtstul GOttes / und fehlet nichtes / als daß der Tod einen Streich an sie vollbringet / so sind sie huelffloß / und sind in der Verdammnues; und ihr koennet mit solchen Leuten nichtige Dinge reden? O Grausame und Unbarmhertzige / die ihr nicht mehr achtet eures Naechsten Elend! Wenn ihr zu ihnen kaemet in der Todes-Noth / oder wenn ihr Hauß in vollem Feuer stehet / woltet ihr euch denn niedersetzen und erzehlen ihnen alte Maehrlein / oder reden was das Wetter thut / oder von diesem und jenem Lappenwerck? Und wollet ihr eben dasselbe thun in einem Casu der viel tausendmal wichtiger ist? Koennt ihrs ueber euer Herz bringen zu plaudern und kurtzweilen mit einem Unwiedergebornen / der kaum eine Stuffe von der Hoellen ist? Ist es nicht noethiger / daß ihr ihme zuruffet / er soll bey zeiten sich umsehen / und die Ewigkeit betrachten / sich bekehren / auf daß er leben moege? Wenn einer sihet einen armen Menschen / der im Winter nacket gehet / oder den Schaden eines gebrechlichen Menschen / das beweget einen zum Mitleiden; und koennet ihr nicht beweget werden durch die Unwissenheit und Gottlosigkeit / der Menschen? Ihr Elend ruffet laut / daß ihr Mitleiden mit ihnen haben solt / ob sie selbst schon stille sind: Helffet uns von Suenden / und zeiget uns / wie wir der Hoellen entgehen moegen / wo ihr anderst noch menschliche Hertzen habet; und wollet ihr eure Ohre verstopffen / und mit ihnen Kurtzweil und Possen treiben? Ihr beraubet sie des Mittels / das GOtt hat befohlen: Lasset das Wort Christi reichlich unter euch wohnen in aller Weißheit / lehret und vermahnet euch selbst / etc. Col. 3/ 16. Ja daß ihr taeglich euch untereinander ermahnet / weil es noch heute heisset / auf daß nicht jemand verstocket werde durch Betrug der Suenden / Hebr. 3/ 13.

Ja ihr habet die grossen Geheimnues des Evangelii / da ihr mit den Gottseligen von reden moeget: Die herrlichen Verheissung und Ehre des ewigen Lebens / die ihr einer dem andern erinnern koennet; Ja ihr habet die grossen Thaten Gottes in der Welt zu verkuendigen / und die Ehre seines Namens zu erwecken / ihr habet seine herrliche Eigenschafften / seine Weißheit / Barmhertzigkeit / Allmacht zu erheben / und auszubreiten / was ihr selbst in eurer Seelen davon empfunden habet / und deßwegen seine grosse und mannigfaltige Gnaden an euch erwiesen / zu bekennen und zu preisen. Habet ihr dennoch viel zeit ueber zu unnoethigem Geschwaetze? Betreffend die Menge und Vielheit der Sachen / davon ihr zu reden habet; so habet ihr GOtt und alle seine Wercke / die er gethan hat im Himmel und auf Erden / (so weit dieselbe uns offenbaret sind) ihr habet alle seine wunderbare Regierungen und Schickungen / alle seine Gnaden und sein gantzes offenbartes Wort. Ist dieses nicht Materie genug zu reden / daß ihr noch muesset herbey suchen die weltlichen Eitelkeiten? Betreffende die Wichtigkeit / so sind dieses die wichtigsten Dinge in der gantzen Welt: Belangend die Nothwendigkeit / so stehet darauf eure und anderer Menschen Seligkeit. Und was angehet die Herrlichkeit / so habet ihr GOtt und sein Ebenbilde / seine Wercke / seine Wege / seine Worte und den Himmel selbst / da ihr von reden koennet: Was auch betrifft die Lieblich- und Anmuthigkeit / so habet ihr die lieblichste Sachen in der Welt / eben die Lieblichkeit selber / und den Weg / wie ihr zu derselben gelangen moeget: Und damit ihr nicht an einem Dinge vermuedet / so habet ihr die Menge / daß ihr veraendern koennet eure Rede / so weitlaeufftig als sich GOtt / seine Wercke / und seine Wege erstrecken: Ist es denn nicht eine Schande / nicht allein von Eitelkeit zu reden / sondern auch noch seine Lust und Ergetzlichkeit zu suchen in der Eitelkeit / da diese wichtige Sachen beyseit gesetzet sind. Betrachte / ob diß weißich gehandelt sey?

4. Ferner unnuetze Reden berauben uns der koestlichen Zeit: Der nun weiß was GOtt ist / was Christliche Pflicht und Schuldigkeit / was seine Seele / was ewige Freude oder Pein ist / der wird auch wissen / daß die Zeit ein Ding ist von weit hoeherm Werth / als daß sie so solte weggeworffen werden: Wenn ihr wiederum verfallet zu solchem eiteln Geschwaetze / so erinnert euch / und betrachtet: Hat Gott dich hiezu erschaffen? Hat er dich hiezu erhalten im Lande der Lebendigen / und hat dich noch biß auf diese Stunde aus der Hoellen gehalten / und reisset noch nicht ab den Faden deines Lebens / damit du moechtest die Zeit in Eitelkeit und Nichtigkeit hinbringen? Hast du so viel Suenden zu toedten / und so viel Wercke zu verrichten / da Himmel oder Hoelle anhanget / und hast so kurtze und ungewisse Zeit dieselbe zu verrichten / und kanst noch so viel Zeit anwenden zu unnoethigem plaudern.

5. Weiter / diese Suende ist darum desto groesser / weil es nicht ist eine seltzame Suende / sondern wird zum oefftern begangen / und der Mensch beharret darinnen unbereuet. Sie ist nicht wie die Suende Davids und Noahs / welche ob sie wol in ihrer Natur groesser war / so wurde sie doch nur einmahl begangen; sondern diese ist groß gemachet durch die vielfaeltige Begehung und Verharrung in derselben. Mit wie viel tausend unnuetzen Worten habet ihr euch wol versuendiget / die Zeit eures Lebens?

6. So ist dieses auch eine Suende / die da fuehret zu groessern Suenden / denn eitel und unnuetz Geschwaetz ist der ordentliche Weg zu Verleumdung / Laesterung / Luegen / Zanck und Hader / Prov. 10/ 19. Wo viel Worte sind / da gehets ohne Suende nicht ab; wer aber seine Lippen haelt / der ist klug / Prov. 18/ 6.7. Die Lippen des Narren bringen Zanck / und sein Mund ringet nach Schlaegen / der Mund des Narren schadet ihme selbst / Pred. Salom. 5/ 6. Wo viel Traeume sind / da ist Eitelkeit und viel Wort / aber fuerchte du GOtt / Cap. 10. v. 12.13. Des Narren Lippen verschlingen denselben / der Anfang seiner Worte ist Narrheit / und das Ende ist schaedliche Thorheit.

7. Es ist eine Suende / die den Redner und Hoehrer eitel machet / der Gebrauch eines Dinges machet usn geschickt dazu / welches wir gebrauchen: Es wird euch frembd vorkommen von bessern Dingen zu reden / wenn ihr euch zur Eitelkeit gewoehnet habet: Und die Gewonheit euch zuzuhoeren / ist ein grosser Verderb den Seelen / derjenigen die euch hoeren: Es mag ein geringe Ding seyn / daß solche boese Hertzen / als die meisten haben / bevestiget und verhaertet in ihrer Eitelkeit / ihr daempffet ihre und eure eigene Gnade / wo noch einige in ihnen / oder euch geleget sind: So jemand unter ihnen bessere Gedancken haben moechte / so werden doch dieselbe verstoeret und gehindert durch euer unnuetz Geschwaetz.

8. So ist es auch eine Suende / die da verhindert manche Erbauung / so durch heilige Unterredung moechte geschafft werden: Es ist eine treffliche Huelffe im Christenthum / und dadurch einer weit fortkommen kan / wenn einer dem andern mittheilet die Erfahrung / die er in seiner Seelen gehabt von GOtt / und dessen wunderbaren Wegen / von den Versuchungen / wie GOtt ihme da beygestanden und heraus geholffen / etc. Wenn einer den andern auffmuntert GOtt zu preisen / gegen Satan / Welt und Fleisch zu strieten / etc. Nun dieses setzet ihr alles beyseit / und wendet euch zur Eitelkeit. Ja / es mag vielleicht ein oder ander in der Gesellschafft seyn / der gerne von solchen gedachten noth- und nuetzlichen Dingen reden wolte / und euer mueßiges Geschwaetz hindert ihn daran / und unterdruecket die Gnaden Gottes / daß sie nicht koennen ausgeuebet werden / und ihre Wirckungen thun euch zum besten: Zum wenigsten mag einer oder ander seyn / der nur darauf wartet / daß ihr eine geistliche Unterredung anfangen moechtet / damit er mit einstimmen moege: Viele weise und geschickte Leute sind etwas schamhafftig und langsam einigen erbaulichen Discurs anzufangen / die doch viele Frucht schaffen / wenns ie nur erstlich darauf gebracht sind: Dieses alles kan unnuetzes Geschwaetz verhindern.

9. Es ist ferner eine unnuetze und fruchtlose Suende. Ihr erzoernet / GOtt und habet nichtes davon. Was habt ihr von dem unnuetzen Geschwaetz? oder was ist es / das euch dazu versuchet und treibet?

10. Endlich ist es auch eine vorsetzliche Suende / da gemeiniglich Unbußfertigkeit bey ist / die sie so viel groesser machet: Insgemein wird diese Suende nicht bereuet noch beklaget / daß einer sich deßwegen schuldigen solte / und sagen / was habe ich gethan / sondern fahren darinnen fort / als obs keine Suende waere.

Nachdeme nun aus diesem erhellet / wie groß diese Suende sey / so bitte ich / ein jeglicher sehe sich vor / und mache ihme mehr ein Gewissen darueber / denn zuvor geschehen: Und sich besser davor zu hueten / nehme er in acht folgende Anleitungen.

1. Befleißige dich / daß du moegest kommen zum bessern Erkaentniß in geist- und goettlichen Sachen / denn hievon muß die Materie zu reden genommen / und der Eitelkeit vorgebauet werden. Wo das Hertz unverstaendig / eitel / und unwissend / da wird die Zunge auch solche Reden fuehren.

2. lege wol zu Hertzen / und bemuehe dich / daß du in der Seelen gleichsam fuehlen und empfinden moegest die goettlichen Sachen: Denn keiner kan ernstlich voneinem Dinge reden / wo es ihme nicht von Hertzen gehet: Derjenige / der erfuellet ist mit der Liebe GOttes / mit dem Geist Christi / und ist eingenommen mit dem Reichthum der Gnaden und kuenfftigen Herrlichkeit / deme wird nimmer Materie mangeln von goettlichen Dingen zu reden / und wird ihme auch nicht fehlen am heiligen Willen / der ihn zu goettlichem Gespraeche antreibe. Denn es wird das Wort GOttes ihme seyn wie ein Feuer in seinen Gebeinen verschlossen / daß ers nicht leiden kan / Jer. 20/ 9. Sihe Psalm 39/ 4. Psal. 40/ 9. Ps. 57/ 8. Ps. 119/ 11.12.13. Der ein rechter Christ ist von Hertzengrund / und geuebet und erfahren ist / der ist insgemein der allernutzbarste / und bringet die meiste Frucht so wol mit Worten als mit Wercken.

3. Sihe wol zu / daß du allezeit behaltest ein zart Gewissen / welches dich erinnern und bestraffen moege / wenn sich dein Hertz wil wenden zu Eitelkeit. Die Furcht GOttes bewahret die Seele. Psalm. 19/ 8.9. Proverb. 16/6. cap. 23. v. 17.18.

Wandele also vor dem Angesicht GOttes / gedencke und rede als in seiner Gegenwart: So die Gegenwart eines Engels dich wuerde dahin vermoegen / daß du deß unnuetzen Geschwaetzes vergessest / was solte denn die Gegenwart GOttes thun? Darfst du fortfahren in unnuetzem Geschwaetz und Narrentheidungen / wenn du dich erinnerst / daß Er dich hoere?

5. Enthalte dich von solchen Gesellschafften / die nichtes anders thun / als mit unnuetzen Geschwaetze die Zeit zubringen / es sey denn / daß du nothwendig deines Beruffs halber bisweilen unter ihnen seyn must / Prov. 13/ 20. Wir sind sehr geneigt allezeit / daß wir mit reden / davon andere reden / darum ist es besser sich davon / so viel immer mueglich / abzusondern.

6. Wenn du denn must mit den Gottlosen umgehen / so erhalte allezeit bey dir ein hertzlich Mitleiden gegen ihre Seele: Da wird dann durch Betrachtung / was es in kurtzen mit ihnen vor einen Zustand haben wird / dein Discurs gebessert werden / und auf noethigere Sachen gefuehret.

7. Halte allezeit fertig und bereit gewisse Materien von heiligen Unterredungen: Wie keiner reiset / er versihet sich zuvor (dafern ers hat) mit Geld / die Reise Unkosten davon zu thun; Also soll ein Christ auch nicht in einige Gesellschafft gehen / er habe denn zuvor sich geschicket / daß er moege reden von solchen Sachen / dadurch die anwesende Gesellschafft moege erbauet werden. Befleißiget euch / und dencket nach / wie ihr eure Reden so einrichten moeget / daß andere davon erbauet werden / oder wie ihr aus anderer Leute Reden moeget gebessert werden / nicht anderst / als wie ein Prediger auf seine Predigten studiret.

8. Rede nicht / eher du wol betrachtet und erwogen hast / was deine Rede ausrichten werde / und eher du hast in acht genommen / zu weme du redest / und was andere Umstaende mehr sind / die zu dem Ende zielen: Man muß nicht erst reden und denn sich bedencken / sondern erstlich bedencken / und hernach reden.

9. Erinnere dich stets / wie viel gelegen sey an der Zeit und Gelegenheit / so wirst du dieselbe eben so wenig mit unnuetzem Geschwaetze zubringen / als ein guter Haushalter sein Geld um nichts wegwerfffen wird.

10. Betrachte diene eigene Noth / welches dich mag antreiben deine Zunge und Zeit besser in acht zu nehmen / und laß diejenige / da du mit umgehest / dich allezeit erinnern / wenn du beginnest unnuetze Geschwaetz zu fuehren / damit du durch derselben Erinnerung moegest davon abgehalten werden.

11. Siehe zu / daß dein Hertz / deine Zunge / und alle die Kraeffte deiner Seelen und Leibes / mit rechtem Ernst und ohne Heucheley GOtt ergeben sind / so wirst du dich schon selber straffen / vor unnuetz Geschwaetz / und was du wirst thun / es sey mit Worten oder Wercken / das wird seyn im Namen JESU / und zum Lob und Preise GOttes / Col. 3/ 17. 1. Cor. 10/ 31.

12. Sey unverzagt vor GOTT etwas zu wagen / und schaeme dich nicht seine Ehre zu retten / vertheidigen und befoerdern: Eine suendliche Schamhafftigkeit hindert offt viel Gutes.

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