Arndt, Johann - Erbauliche Psalter-Erklärung - Psalm 2.

Arndt, Johann - Erbauliche Psalter-Erklärung - Psalm 2.

Dieser Psalm ist eine schöne Weissagung von unsrem HErrn Jesu Christo und seinem ewigen Reiche und wird ausdrücklich von den heiligen Aposteln auf Christum gedeutet, die seine ewige Gottheit (Heb. 1,5) und sein Hohepriesteramt (Heb. 5,5) aus demselben erweisen. Wir wollen bei demselben drei Stücke beachten: 1) Die Verfolgung des Reiches Christi 2) die Krönung dieses ewigen Gnadenkönigs und seine Einsetzung auf dem h. Berge Zion und 3) die Ermahnung, dass alle Könige auf Erden diesem König huldigen sollen.

V. 1. Warum toben die Heiden, und die Leute reden so vergeblich? Aus diesen Worten können wir sehen, wie der Satan durch seine Werkzeuge wütet und tobt wider dem HErrn Christum und alle seine gläubigen Glieder. Er erweckt Grimm und Feindschaft in den Ungläubigen; denn weil er die Gewalt des Schlangentreters fühlen muss, so übt er seinen Zorn durch die Ungläubigen aus und sticht Christum in die Ferse, d. i. die Glieder Christi. Die Gläubigen haben nichts anderes zu erwarten als steten Kampf und Streit mit dem Satan. Ihre Rüstung ist Gottes Wort, Glaube, Gebet und Geduld. Darum bereite sich kein Christ auf gute Tage, sondern auf viel Leiden; in Geduld und Glauben stehet der Sieg. Doch brauchen wir vor der Feinde Drohen und Pochen nicht allzusehr zu erschrecken, denn sie reden ja vergeblich. Sie drohen den Himmel zu stürmen und wagen doch weniger als nichts. Ihr Wüten ist wie eine große Meereswoge, die wie ein Berg dahergewälzt kommt, aber zerfällt, ehe sie das Ufer erreicht. Darum ruft uns der HErr durch den Propheten (Jes. 51,12): ich bin euer Tröster. Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen fürchtest, die doch sterben? und vor Menschenkindern, die als Heu verzehret werden?

Aber die Gottlosen begnügen sich mit dem Vorigen nicht:

V. 2. Die Könige im Lande lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen mit einander wider den HErrn und seinen Gesalbten. Nach der Offenbarung St. Johannis (19,19) werden der Satan und die Könige auf Erden sich versammeln zum Streit wider den HErrn. Sie ratschlagen miteinander einhellig; so ist es von Anfang an gewesen. Was anders waren alle Kriege des Alten Testaments, welche gegen die Kinder Israel, den König David und die Könige von Juda geführt worden sind, als ein Streit gegen Christum, den wahren Messias? Sie waren nur Vorbilder des Neuen Testaments, da die Könige auf Erden gegen das Evangelium streiten. Das ist vor Allem an Christo selbst erfüllt und erfüllt sich fortwährend an seiner Kirche. Es ist aber zu unsrem Trost zu merken, dass der heilige Geist die Verfolger Könige der Erde nennt; wären sie Könige des Himmels, sie würden uns den Himmel verbieten. Aber einer ist König im Himmel, unser HErr JEsus Christus, der die Könige auf Erden in seiner Gewalt hat. Pharao sagte: wer ist der HErr, dessen Stimme ich hören müsse und Israel ziehen lassen? (2 Mos. 5,2) aber im roten Meere erfuhr er es. In ihrem Hass und ihrer blinden Wut gegen Christum sprechen die Feinde:

V. 3. Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile, d. i. lasst uns dem Evangelium nicht gehorsam sein noch den Glauben annehmen! Der HErr zeigt uns die Auflehnung in dem Gleichnis: da Gott seinen lieben Sohn zu den Juden sandte als den Erben des Weinbergs, gedachten sie bei sich selbst, das ist der Erbe, kommt, lasst uns ihn erwürgen und den Weinberg an uns bringen (Luk. 20,14) und sprechen, wir wollen nicht, dass Dieser über uns herrsche. Gleichwie es weltliche Gesetze und Ordnungen gibt, denen die Ungehorsamen und Mutwilligen sich nicht unterwerfen wollen, sondern sie mit Frevel zerreißen, so hat auch Christus, unser König, seine Gesetze und Ordnungen in seinem Reich; diese sind nichts anderes als: sich für einen armen Sünder, für ein Kind des Todes und der Verdammnis erkennen; ferner an Christum glauben und ihn für seinen einigen Heiland und Seligmacher halten; weiter stetige Buße und Tötung des Fleisches und endlich das liebe Kreuz Christo in Demut und Geduld nachtragen. Aber das will die Welt nicht tun, sondern zerreißt die Bande; sie will lieber des Teufels Joch leiden, das doch die höchste Dienstbarkeit ist, und dann ewig der Hölle Joch tragen. Denn ist es nicht ein schweres Joch, der Hoffart, der Pracht, dem Geiz dienen? Tag und Nacht keine Ruhe haben und sich selbst so viele Schmerzen machen? Ist Zorn und Feindschaft nicht ein schweres Joch des Teufels? Welch ein sanftes Joch dagegen ist Christi Joch! eine wie ruhige Seele macht dasselbe nach dem Wort des HErrn: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen (Matth. 11,29)! Und doch findet man nur Wenige, die dieses leichte Joch Christi auf sich nehmen. Der große Haufen zieht an des Teufels Joch, wie schon Jeremias (5,4 f.) klagt: ich dachte, wohlan, der arme Haufen ist unverständig, weiß nichts um des HErrn Weg und ihres Gottes Recht. Ich will zu den Gewaltigen gehen und mit ihnen reden, dieselben werden um des HErrn Weg und ihres Gottes Recht wissen. Aber dieselben allesamt hatten das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen.

V. 4. 5. Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HErr spottet ihrer. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorne, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken. In diesen Versen haben wir einen herrlichen Trost wider alle List und Gewalt der Feinde. Sie kommen zusammen mit großem Tumult und Ungestüm; Gott aber sitzt fein stille und sieht zu, was sie machen wollen, sie wüten und ratschlagen auf Erden, sind bitterböse und sagen: wir wollen das Evangelium nicht leiden; sollten wir uns unter ein solches Joch beugen, da man uns sagt: wer nicht glaubt, ist verdammt, wer nicht Buße tut, kann das Reich Gottes nicht ererben? Aber Gott lacht im Himmel. Denn ist es nicht lächerlich, dass die, so auf Erden sind, sich auflehnen wider den, der im Himmel ist und im Himmel seinen königlichen Stuhl hat über alle Könige auf Erden? Jene bringen alle ihre Macht zusammen auf Erden - eine irdische Gewalt! Der aber im Himmel sitzt, der große und allmächtige Herr, spottet ihrer, gleich als wie man der Zwerglein spottet oder der Riesen, die einen Berg auf den andern tragen wollen, um den Himmel zu stürmen. Jene wollen den heiligen Glauben und das sanfte Joch nicht leiden, der HErr aber kann und will in einem kleinen Augenblick erschrecken mit einem zornigen Wort. Wenn Gott Krieg führet, so schießt er zuerst Furcht und Schrecken ins Herz, dann sind alle Ratschläge zerstreut und alle Gewalt gebrochen. Ja unser lieber Gott macht es also, dass, je mehr die Feinde sich gegen ihn auflehnen, desto mehr sie auch ihre Torheit offenbaren und sich selbst zerstören. Gott wendet ihre Macht gegen sie selbst.

Nun gibt uns aber unser Psalm auch den Grund an, warum Gott im Himmel der Feinde lache und spotte:

V. 6. Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion. Da sehen wir den Ursprung des Reiches Christi. Sein himmlischer Vater hat ihn zum König gemacht und gesalbt, ihm diesen Namen, königlichen Titel und Herrlichkeit gegeben und hat ihn auf seinen königlichen Stuhl gesetzt, ihm Alles unter seine Füße getan. Weil ihn nun Gott selbst eingesetzt hat, so kann und wird ihm auch keine irdische Gewalt, keine irdische Kreatur sein Königreich nehmen; er wird König bleiben. Der HErr Zebaoth hat es beschlossen, wer will's wehren? und seine Hand ausgereckt, wer will sie wenden (Jes. 14,27)? Und wohin hat Gott diesen König gesetzt? auf meinen heiligen Berg Zion, spricht er, d. h. über die heilige christliche Kirche. Denn wie ein Berg bald betaut und von Oben herab befeuchtet wird, wie ein Berg fest gegründet ist, so wird auch die Kirche mit dem himmlischen Tau des heiligen Geistes befeuchtet und ist fest gegründet. Und wie David König war zu Zion über Jerusalem und das ganze Volk Israel, so hat Gott seinen lieben Sohn über das geistliche Jerusalem, über das gläubige Volk gesetzt.

Wer aber ist dieser König, der in Zion eingesetzt ist?

V. 7. Ich will von einer solchen Weise predigen, dass der HErr zu mir gesagt hat: du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Das ist Gottes feierliche Erklärung, die in der Christenheit erschallen soll, dass Christus der Sohn Gottes ist, und darauf ist unsre Seligkeit und unsre Kirche gegründet. Diesen Ausspruch hat Gott selbst vom Himmel herab wiederholt. Ist das nicht ein großer Trost, dass Gott uns seinen Sohn zum König gesetzt hat und keinen Engel oder sonst eine Kreatur? da muss ja wohl Gott die Menschen lieb haben, wenn er ihnen einen so herrlichen König gegeben hat und ein so tröstliches Reich, welches besteht in Gnade, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist.

V. 8. Heische von mir, so will ich dir die Heiden zum Erbe geben und der Welt Ende zum Eigentum. Einem König muss man bei seiner Krönung seine Erblande namhaft machen: so tut hier Gott der Vater auch und spricht zu seinem lieben Sohne, er solle bitten, was er wolle. Da hat der Sohn um das menschliche Geschlecht gebeten, weil es verloren war, dass er es möge erlösen und zu seinem Erbe erkaufen mit dem höchsten Lösegelde seines Blutes. Es war sonst Alles sein, aber die Menschen waren durch die Sünde vom Teufel ihm entrissen; da hat er nun gebeten, dass er sie wiederbringen und zu seinem Erbe machen dürfe. Ach lieber HErr, wie sauer ist dies dein Erbe dir geworden, es hat dir ja dein Leben gekostet! Und wie groß ist deine Liebe gegen die Menschen, dass du dich dieses deines Erbteiles auch noch rühmst und sprichst: das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil geworden (Ps. 16,6). Wer ist aber dies schöne Erbteil? An den Heiligen, so auf Erden sind, und an den Herrlichen, an denen habe ich all mein Gefallen (Ps. 16,3). Das macht der Glaube; denn ob wir gleich von Natur alle unrein sind, so ist doch eine gläubige Seele vor Gott die schönste und herrlichste Kreatur; so wohl gefällt dem HErrn Christo der Glaube. Das Erbteil Christi ist schön und lieblich wegen der vollkommenen Gerechtigkeit Christi, die wir durch den Glauben anziehen, und die aller Engel Gerechtigkeit übertrifft. So ist es auch mit der Herrlichkeit Christi, welches uns durch den Glauben zu Teil wird. Gleichwie nun ein Herr gerne wohnt in seinem erkauften Eigentum oder Erbe, dasselbe lieb hat und schmückt, so wohnt auch der HErr am liebsten in gläubigen Seelen als in seinem Eigentum und schmückt und krönt sie mit Gnade.

Es erstreckt sich aber das Reich Christi über alle Heiden und Volker bis an das Ende der Welt und zwar einmal zur Bestätigung der Wahrheit und der Verheißung, den Vätern geschehen, wie St. Paulus sagt (Röm. 15,8). Denn das hat Gott verheißen: in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Und dann um der Barmherzigkeit Gottes willen, wie abermals St. Paulus sagt; denn es ist bei Gott kein Ansehen der Person; es gilt bei ihm keine Würdigkeit, kein Verdienst, sondern allein Gnade. Darum preiset auch St. Paulus den überschwänglichen Reichtum der Gnade Gottes. Gott ist reich von Barmherzigkeit über Alle, die seinem Namen anrufen (Röm. 10,12); es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen (Tit. 2,11). Davon hat auch schon Jesajas geweissagt, es werden alle Heiden hingehen und alle Völker sagen: kommt und lasst uns auf den Berg des HErrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege, und wir wandeln seine Steige. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und des HErrn Wort von Jerusalem; kommt lasst uns im Lichte des HErrn wandeln (Jesaia 2,3.5).

V. 9. Du sollst sie mit einem eisernen Szepter zerschlagen, fährt unser Psalm fort, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen, nämlich wenn sich die Völker und Heiden wieder dich auflehnen. Ein Topf kann es nicht ertragen, dass man mit einem eisernen Stock darauf schlägt, sondern er muss darüber zerbrechen; so muss alle irdische Gewalt zerbrechen, welche sich wider Christum auflehnt. Unter dem eisernen Szepter ist zu verstehen die Kraft des Wortes, das die Epistel an die Hebräer (4,12) ein zweischneidig Schwert nennt. Dieses eiserne Szepter zerschmeißt, richtet und verdammt die Ungläubigen und Gottlosen mit all ihrer Macht, Ehre, Herrlichkeit und Weisheit. Denn wer nicht glaubt, wird verdammt. Der unüberwindlichen Kraft des Wortes Gottes sollen wir uns trösten wider alle Feinde des Wortes, wider alle Irrlehrer und Schwärmer, wider die ganze Welt und ihre Macht. Wenn die Feinde wider Christum streiten wollen, ist es nicht mehr, als wenn ein Haufen Töpfe sich aufmachte, mit einem eisernen Hammer zu streiten; würde sie nicht der Hammer zerschmettern, dass nicht ein Scherben übrig bliebe, darin man könnte Feuer holen?

Wir haben einen herrlichen König, einen mächtigen Schutzherren wider Sünde, Tod, Teufel und Welt, dessen Eigentum wir sind, und bei dem wir wohl bewahrt bleiben in Zeit und Ewigkeit. Denn er selbst spricht: ich kenne meine Schafe, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Denn der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn Alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen (Joh. 10,27 ff.).

Bei der Krönung eines Königs wird erstlich ihm die Gewalt, Herrschaft und königliches Amt aufgetragen; dann aber werden auch die Untertanen ermahnt, sich diesem König willig zu unterwerfen, ihm zu huldigen und Gehorsam zu leisten. So richtet nun auch der allmächtige Gott seine Rede an alle Könige und Obrigkeit der Erde und ermahnt sie, diesem König zu huldigen und ihm im Glauben und aller Furcht zu dienen:

V. 10. So lasst euch nun weisen, ihr Könige, und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden. Gott ermahnt die Könige und alle Obrigkeit, sie sollen verstehen lernen, woher sie ihr Amt haben, nämlich von Gott. Darum gebührt es ihnen, zu Gottes und Christi Ehren es zu gebrauchen und nicht wider Gott und Christum. Gottes Wort bestätigt das Amt der weltlichen Obrigkeit und hebt es mitnichten auf; auch ist das Amt Christi dem der weltlichen Obrigkeit nicht zuwider. Das aber muss die weltliche Obrigkeit erkennen, dass sie mit all ihrer Gewalt unter Christo und seiner Gewalt steht, und dass keine Macht, so groß sie sei, wider Christum und sein Reich bestehen kann.

Und ferner soll sie sich züchtigen, unterweisen lassen und zwar darin, dass die weltlichen Reiche weit unterschieden sind vom Reich Christi, und dass man die weltliche Weisheit, dadurch die Welt regiert wird, nicht mengen soll unter die himmlische Weisheit, dadurch wir selig werden. Auch soll sich die irdische Weisheit nicht über Gottes Wort erheben noch sich dawider setzen; vielmehr muss alle irdische Weisheit, Vernunft und Verstand untergehen und zunichte werden in allen Sachen, welche die Seligkeit betreffen, und muss gefangen genommen werden unter den Gehorsam des Glaubens. So soll denn auch die weltliche Obrigkeit ihr Amt führen nach Gottes Wort und wissen, dass Gott mit ihr im Gericht sei, dass sie das Gericht nicht halte den Menschen, sondern Gott (2. Chron. 19,6).

Welche Obrigkeit nun das Reich Christi recht versteht, und welche Gewalt ihm Gott, sein himmlischer Vater, gegeben hat, die wird auch tun, was unser Psalm sagt:

V. 11. Dienet dem HErrn mit Furcht und freuet euch mit Zittern. Der hochmütige Pharao sagte freilich ohne Scheu zu Mose: ich weiß nichts von dem HErrn! Aber es bekam ihm dieser Trotz und Frevel übel; denn Gottes Gewalt drückte ihn und stürzte ihn in's rote Meer mit aller seiner Macht. Und so musste Nebukadnezar und Belsazar und so manche andere Tyrannen Gottes Macht erfahren. Daraus soll alle Obrigkeit lernen, dass sie sich ihrer Gewalt nicht überheben soll, sie zu missbrauchen, sondern dass sie sich fürchte und ihre Gewalt in Gottesfurcht gebrauche. Denn wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern. In rechter Weise geführt, ist das Amt ein schöner Gottesdienst, ja die Obrigkeit verrichtet das Amt an Gottes Statt.

Aus diesem Dienen in Furcht folgt dann auch weiter Freude mit Zittern. Denn die Furcht Gottes erfreut das Herz, aber nicht mit einer fleischlichen, frechen Freude, sondern mit Zittern und mit Demut; und das heißt eine göttliche und kindliche Furcht. Da es nur heißt, die Obrigkeit soll sich fürchten, so ist daraus leicht abzunehmen, mit wie großer Sorgfalt dies Amt muss geführt werden, damit Gottes Gerechtigkeit nicht beleidigt werde, dass Reinen zu viel oder zu wenig geschehe, und damit nicht durch das Beispiel der Oberen die Untertanen zur Sünde verführt- werden. Die Furcht wehrt der Sicherheit, Freude oder Glaube aber wehrt der Verzweiflung, dass die Obrigkeit nicht verzage in ihrem Amte, sondern Freudigkeit habe.

V. 12. Küsset den Sohn, dass er nicht zürne, und ihr umkommet auf dem Wege, d. i. haltet ihn für den Messias von ganzem Herzen, in aller Demut und Untertänigkeit, haltet ihn für euren König, ehret ihn und betet ihn an, wenn ihr nicht auf eurem Weg, in eurem Amt, Stand und Beruf verderben und zu Grunde gehen wollt. Das Wörtlein „küsset“ verlangt Liebe und Untertänigkeit; denn der Kuss war bei dem jüdischen Volke ein Zeichen der Liebe, Ehrerbietung und Freude. Also küsset den Sohn mit einem Liebes- und Ehrenkuss; denn Gottes Huld und Gnade kann man nicht erlangen ohne durch den Glauben an Christum, seinen lieben Sohn; in ihm fängt Gottes Liebe an und höret sein Zorn auf.

Denn sein Zorn wird bald anbrennen. Das ist der Schluss des göttlichen Befehls an alle weltliche Obrigkeit, dass sie sich vor dem Zorn Gottes fürchte und ihn nicht über sich und ihre Untertanen bringe.

Christus hat das Amt der weltlichen Obrigkeit bestätigt; wenn sie aber das Reich Christi nicht leiden will, sondern dasselbe verfolgt, so kann daraus nichts anderes als ewiger Zorn hervorgehen, welcher bald, plötzlich, unversehens anbrennen wird.

Aber wohl Allen, die auf ihn trauen. Der Glaube an Christum macht Alles gut in allen Ständen. Daraus können wir sehen, worauf wir trauen sollen in unserem Amt und Stand, nicht auf Gewalt, Herrlichkeit oder Weisheit, sondern allein auf Christum, den lebendigen Sohn Gottes, durch welchen Gott versöhnt ist, und Gottes Zorn und Strafe abgewendet wird. Das verleihe uns Allen der gnädige Gott! Amen.

Gebet

Hilf, lieber HErr Gott, du Vater unsres HErrn JEsu Christi, dass wir uns an dem Kreuz deines Sohnes und deinen Gläubigen in dieser Welt nicht ärgern, obgleich die ganze Welt deinen Sohn und sein heiliges Evangelium verfolgt.

Stehe uns bei, HErr JEsu Christe, du ewiger König und Hohepriester, du ewiger Gottes Sohn und HErr aller Herren, aller Völker und Heiden, in dem gesegnet werden alle Menschen auf Erden, die an dich glauben; der du dich unser hast treulich angenommen, und bist unser Bruder worden, hast gelitten, bist gestorben und wieder auferstanden von den Toten, und sitzt als unser Fleisch und Blut in göttlicher Allmacht. Beschirme uns HErr vor allem Übel und lasse uns dir hier und in Ewigkeit befohlen sein.

Hilf uns, Gott heiliger Geist, regiere unsre Herzen, dass wir uns durch das Wort Gottes allezeit weisen und gerne züchtigen lassen, und dem HErrn dienen mit Zittern und uns freuen in rechter Demut, und den Sohn Gottes küssen und ihm huldigen als unsrem einigen Heiland, König und Hohenpriester, auf dass wir nicht verderben in unsren Sünden. Dir, Gott Vater, Sohn und heiligem Geist sei Lob, Ehre Preis und Dank in alle Ewigkeit. Amen.

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autoren/a/arnd/arnd-psalter/arnd_psalter_2.txt · Zuletzt geändert: von aj