Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel IV.

Arnd, Johann - Wie ein Mensch durch's Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Capitel IV.

Daß ein wahrer Christ viel lieber will den schmalen Weg in Christo wandeln, als den breiten in Adam.

Röm. 5,3. Wir rühmen uns der Trübsal.

Die Schrift sagt, Adam sei gesetzt in das Paradies, und Gott habe ihm gezeigt den Baum des Lebens und Todes, und vor dem Baum des Todes gewarnt, 1 Mos. 2, 8. 15. ff. Da ist er gesetzt worden zwischen Zeit und Ewigkeit, daß er möchte nach dem Ewigen über sich trachten in dem engen Wege. Also war ihm vorgelegt Leben und Tod, Licht und Finsterniß, 5 Mos. 30. 15. Wie es nun mit Adam zuging, also ist es auch noch. Denn nach dem Fall kommt Christus, weiset uns von Adam aus dem breiten Wege, zu sich selber in den engen Weg, ohne allen Nothzwang. Denn er will keinen zwingen zur Verdammniß, noch zur Seligkeit. Er zeigt dir den Weg durch die vorlaufende Gnade, die da keinen Menschen versäumt, er sei jung oder alt. Nun spricht Christus: „Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammniß abführt; und ihrer sind Viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und wenig ist ihrer, die ihn finden“, Matth. 7, 13. 14.

2. Hieraus sieht man klar zwei Wege: einen der Welt, darauf Viele wandeln; Ursache: sie bleiben in Adam, und wollen des Herrn Christi nicht; den andern, Gottes, in welchem Wenige wandeln, weil sie den breiten Weg in Adam lieber haben. Gehe aber, welchen Weg du willst, so mußt du etwas dulden; es wird dir sauer werden. Lebst du nach der Welt, so mußt du viel leiden, und kommst nicht zum Grunde der Wahrheit, hast endlich ewige Verdammniß. Gehst du im Wege Gottes durch Christum, übst dich im Gebet; so mußt du zwar auch mit Christo von der bösen Welt viel leiden, 2 Tim. 3, 12. aber du erkennst den Grund der Wahrheit, und kommst endlich in das ewige Leben, 2 Tim. 2, 11. 12.

3. Wer da betet, streitet wider sich selbst und den Teufel, überwindet sich selber, den alten Adam und alle seine Feinde, und kommt endlich in die ewige Ruhe mit Christo, seinem Feldhauptmann. Wer nicht betet, der streitet auch nicht wider seine Feinde, sondern ist in ihrer Gewalt; muß dennoch in der Welt viel leiden, und fährt endlich mit dem Fürsten der Finsterniß in die ewige Verdammniß.

4. Es ist viel besser, kämpfen, und hernach als ein Siegsmann eingehen in die ewige Freude; denn nicht streiten, und doch viel leiden, und hernach als ein Gefangener in das ewige, höllische Gefängniß geworfen werden.

Gebet um die Gnade, auf dem engen Wege zu gehn.

O möchten die Menschen solches mit Fleiß bedenken! Gewißlich, sie würden der Welt satt werden, sich selbst hassen und verleugnen, und dem einigen Christo auf dem engen Wege nachfolgen. Daß wir solches ernstlich betrachten, dem alten Adam in uns Urlaub geben, den neuen Menschen, Jesum Christum, anziehen, und durch die enge Pforte eindringen zum ewigen Leben, das wolle in uns wirken und verleihen der wahre Gottessohn, Jesus Christus. Amen.

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