„Ich will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.“ Jes. 5, 6.
Regen ist zum Wachstum der Saat und zur Frucht erforderlich, und die längere Vorenthaltung desselben ist eine schreckliche Strafe, besonders im heißen Klima. Der geistliche Regen, der Einfluss des Heiligen Geistes, ist wesentlich zum geistlichen Leben in seinem Anfang, in seinem Wachstum, in seiner Reife rc. Die Vorenthaltung dieses letzteren ist das schrecklichste Gericht. (Siehe den ganzen Vers.) Besonders ist es ein Zeichen des Zornes, wenn Wolken am Himmel sind und doch keinen Regen geben die Gnadenmittel haben und doch keine Gnade durch die Mittel. Lasst uns beachten:
Dies ist oft der Fall gewesen, und mag sich wiederholen bei Gemeinden und einzelnen, wenn nach geschehener Warnung die Sünde geduldet wird. Ist es so in dieser Versammlung oder bei irgend einem hier Gegenwärtigen?
Die Wolken, welche den Regen enthalten, geben ihn nicht her auf den Befehl des Herrn selbst, welcher den Regen in seiner Gewalt hat; ihnen wird geboten, die erfrischenden Schauer zurückzuhalten. Es besteht keine notwendige Verbindung zwischen äußerlichen Vorschriften und der Gnade; von den ersten können wir Wolken, aber von der anderen keinen Tropfen haben.
Wie alles schmachtet, wenn es nicht regnet, so leidet alles in der geistlichen Dürre.
Nichts ist imstande, den Regen zu ersetzen. Nichts kann ohne denselben gedeihen.
Eine geistlich dürre Zeit hat ihre eigenen Merkmale in den einzelnen.
Es ist ein schreckliches Ding, wenn das, was ein Geruch des Lebens zum Leben sein sollte, ein Geruch des Todes zum Tode wird - wenn nämlich die Wolken keinen Regen geben.
Ist das bei einem von uns der Fall?
Lasst uns demütig die Gnadenmittel gebrauchen, ohne unser Vertrauen darauf zu sehen, und dann lasst uns:
Möchte dies eine Anregung zur Dankbarkeit für die sein, welche von den Segensschauern übergossen werden.
Möchte dies eine Warnung sein für die, welche ihr Interesse an den Sonntagsversammlungen verloren haben.
Gottes Gnade kann ohne die Predigt Seelen retten; aber alle Predigten in der Welt können ohne Gottes Gnade keine Seelen retten. Benjamin Beddome.
Der Zuhörer beklagt sich zuweilen, dass es keine Nahrung für seine Seele gibt; während in Wahrheit es keine Seele für die Nahrung gibt. Joseph Parker.
Jeder Prediger muss gefühlt haben, dass seine Arbeit an gewissen Plätzen vergeblich ist. Aus irgend einer ihm unbekannten Ursache finden seine Worte keinen Widerhall, folgt seiner Tätigkeit keine Frucht. Ich kenne einen Ort, aus welchem Whitefield vertrieben wurde, und man sagt, dass seitdem der Fluch auf dem Orte ruhe, und es scheint in der Tat so. Ich habe wahrgenommen, dass Gemeinden verkehrt handelten und von der Zeit an verdorrten. Andrerseits fühlen wir es, wenn irgendwo Tau ist, und wir wissen, wenn es rauscht, als ob es sehr regnen will. Ich habe zuweilen mit der absoluten Gewissheit des Erfolges gepredigt, weil ein Gnadenregen auf Heiligen und Sündern, auf dem Prediger und dem Volk ruhte.
In einer Zeitung las ich folgendes:
Ein alter Chausseegelderheber, der seine Stellung an einer nicht sehr belebten Chaussee hatte, pflegte des Abends den Schlagbaum niederzulassen und sich dann schlafen zu legen. In einer kalten, nassen Nacht hatte ich die Straße zu passieren; ich klopfte an sein Fenster und rief: „Schlagbaum hoch! Schlagbaum hoch!“ „Komm schon!“ lautete die Stimme des alten Mannes. Dann klopfte ich wieder, und wieder erhielt ich die Antwort: „Komm schon!“ Es verging eine Weile, ohne dass sich etwas regte, bis ich endlich ganz zornig wurde und durchs Fenster rief, warum er schon seit zwanzig Minuten „Komm schon!“ rufe und doch nicht komme. „Wer ist denn da?“ sagte der alte Mann mit einer ruhigen und schläfrigen Stimme, indem er sich die Augen rieb; „was wünschen Sie, mein Herr?“ Dann endlich ganz wach geworden, sagte er: „Du meine Güte, lieber Herr, entschuldigen Sie; ich war eingeschlafen. Ich habe mich schon so an das Klopfen gewöhnt, dass ich im Schlaf „Komm schon“ sage, und dann alles vergesse und weiter schlafe.“ So erreichen auch viele Predigten nichts, weil der gewohnheitsmäßige Zuhörer im tiefen Schlafe bleibt, aus welchem ihn allein Gottes Geist erwecken kann. Wenn der geheime Einfluss vom Himmel aufhört, zu dem Herzen zu sprechen, nützt auch das lauteste Reden ins Ohr sehr wenig.