Schlatter, Adolf - Der Brief an die Epheser - Die Anleitung zur Bitte um die volle Erkenntnis.

1, 15-23.

Durch die Betrachtung der empfangenen Gnade wird Paulus niemals in der Weise satt und beruhigt, dass er nur noch für das Empfangene zu danken hätte, und nur noch dieses bewahren und genießen wollte. Daraus erwacht ihm stets die mächtige Spannung eines starken Verlangens, durch das sich zum Danken das Bitten gesellt. Dieses zielt aber, weil Gottes Gnade so reich ist, nicht darauf, dass Gott Neues gebe, wovon die Gemeinde noch nichts wüsste, sondern darauf, dass sie diejenige Gnade ganz erkenne, die sie empfangen hat. Wenn diese Bitte auch in den Ephesern kräftig erwacht, dann kann sie nichts in ihrem Glaubensstand erschüttern, auch nicht die Gefangenschaft des Paulus; denn ein solches Bitten hat die volle Gewissheit in sich, die die Wahrheit und Kraft der erlebten Gnade erfasst, ist daher von ungläubiger Unruhe und Sehnsucht geschieden und erweckt zugleich immer neu die tiefe Dankbarkeit.

1,15. 16: Deshalb höre auch ich nicht auf, da ich von eurem im Herrn Jesus begründeten Glauben und von eurer Liebe zu allen Heiligen hörte, für euch zu danken und Erinnerung zu wirken bei meinen Gebeten. Weil die Gemeinde getan hat, was er im letzten Satz V. 13 und 14 von ihr sagt, und das Wort der Wahrheit so hörte, dass sie daran Glauben gewann, deshalb macht auch er es so, wie er es ihr jetzt sagt, und wird für sie zum treuen, beharrlichen Beter. Denn Paulus hat nicht einzig die Verkündigung des Worts, sondern auch die Übung der Fürbitte zu seinem Botenamt gezählt. Wie die Gemeinde zerfiele, wenn ihr Gebet verstummte, so kann auch Paulus nur dadurch Apostel sein, dass er den priesterlichen Dienst der Fürbitte für die vollzieht, denen er das Wort gegeben hat. Darum hat er sich auch während seiner Gefangenschaft darüber Bericht verschafft, wie es mit ihrem Glauben und mit ihrer Liebe stehe. Er hat nach beiden gefragt, weil ihr Glaube widerlegt und als unfruchtbar erwiesen wäre, wenn sich nicht bei ihm die Liebe fände, und ihre Liebe abstürbe, wenn sie nicht neben sich die Zuversicht hätte, die uns Jesus zu Gott verschafft. Dabei rühmt er es an ihnen, dass sie ihre Liebe nicht auf Einzelne oder auf besondere Gruppen in der Gemeinde beschränken, die ihnen nah stehen und es ihnen leicht und zum Vergnügen machen, ihnen die Liebe zu beweisen, sondern dass sie sie allen Heiligen geben, allen, die mit ihnen ihren Glauben auf Jesus gründen und durch ihn mit Gott verbunden sind. Damit beweisen sie, dass sie in ihrer Liebe keinen eigensüchtigen Zusatz dulden, sondern sie unter den Willen Jesu gestellt haben, der alle seine Heiligen mit derselben Gnade umfasst. Durch die Richtung auf alle bekommt die Liebe ihre reine, geheiligte Art. Daran hat Paulus einen Antrieb zum Dank, weil er beim Glauben und bei der Liebe nicht nur an den guten Willen des Menschen denkt, sondern daran, dass er damit den göttlichen Segen empfängt, den er uns im vorangehenden, großen Preis Gottes beschrieben hat. Mit seinem Dank verbindet er die Fürbitte, durch die er ihr Gedächtnis vor Gott bringt, so oft das Gebet seine Beschäftigung ist, und sie sollen wissen, was er durch seine Fürbitte für sie bei Gott sucht; denn dadurch stellt er die Gemeinschaft des Gebets zwischen sich und ihnen her.

1,17: dass der Gott unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch Geist der Weisheit und Offenbarung durch seine Erkenntnis gebe und die Augen eures Herzens erleuchtet mache. Beim Gebet sagen die Namen, mit denen Gott angerufen wird, jedes Mal, worauf sich die Zuversicht der Bitte stützt, und woher sie ihre Gewissheit nimmt, von Gott das Erbetene zu empfangen. Der, an dem Jesus, der Herr der Gemeinde, seinen Gott hat, nicht nur einst in seiner irdischen Arbeit, sondern ewiglich, auch jetzt in der Throngemeinschaft mit ihm durch den vollkommenen Dienst und durch die nach Gottes Weise verklärte Liebe, der ist es, an den sich die einträchtige Bitte des Apostels und der Gemeinde mit der Gewissheit der Erhörung wenden darf. Was Gott für Jesus ist, dass er Jesu Gott ist, das macht ihn auch zu unserm Gott. Wir wissen, was wir von ihm zu erwarten haben, weil er als der an uns handeln wird, der der Gott unsers Herrn ist und sich als solcher an uns offenbart. Sodann entsteht die Größe und Zuversicht der Bitte daraus, dass er der Vater der Herrlichkeit ist, so dass alle Herrlichkeit aus ihm stammt und sein göttliches Eigentum ist, weshalb er sie denen verleiht, denen er seine Liebe und Gemeinschaft gibt.

Paulus bittet, dass die Gemeinde Gott kennen und verstehen lerne. Dabei denkt er nicht an Theorien und leere Gedanken, die wir mit spielender Willkür in unsrer Phantasie bilden, sondern an eine Kenntnis und Gewissheit, die Gott selbst durch sein Erleuchten in uns schafft. Daher wird sie nicht durch unsern Scharfsinn oder unsre Anstrengung erworben, sondern uns, wie alles, was wir als unser inwendiges Eigentum von Gott empfangen, durch den Geist zuteil, der sich dadurch an uns als Geist der Weisheit oder auch der Offenbarung erweist. Durch die Weisheit wird uns erkennbar, welche Gedanken die göttliche Regierung leiten, weshalb wir durch die Weisheit zu seinem Dienst die innere Ausrüstung empfangen. Der Weise nimmt wahr, wohin der Lauf der Dinge unter Gottes Leitung zielt, und hat ein klares Urteil, das ihm ein richtiges Handeln ermöglicht. Davon unterscheidet sich die Offenbarung als die Gewährung besonderer Einsicht in die Reichsverwaltung Gottes, sei es in die Führung der gesamten Menschheit, sei es in die der Einzelnen. Das Entscheidende bei aller Klärung unsrer Gedanken und Erweiterung unsrer Einsicht bleibt aber dies, dass uns Gott selbst nicht verborgen bleibe, sondern wir auf ihn achten lernen, sein Werk wahrnehmen und seinen Willen verstehen. Ist es uns nicht um die Kenntnis Gottes zu tun, so wird uns nie Geist der Weisheit oder Offenbarung zuteil. Gott gibt seine guten Gaben nicht dazu, damit wir uns selbst mit ihnen erhöhen oder sie in leerem Spiel vergeuden.

Gottes Erkenntnis stammt nicht aus dem leiblichen Auge, sondern geht uns durch die Augen des Herzens auf, durch dasjenige Sehvermögen, das dem inwendigen Menschen gegeben ist. Aber wie unser leibliches Auge das Licht nötig hat, damit es sehen kann, so trägt auch das Auge des Herzens sein Licht nicht in sich selbst, sondern sieht nur dann, wenn es durch Gottes Licht bestrahlt und erfüllt ist. Darum bittet Paulus, dass ihnen Gott sein Licht in ihre inwendigen Augen sende und sie mit seinem klaren Glanz bestrahle; dann werden sie weise im Verständnis dessen, was Gott tut.

1,18: damit ihr wisst, was die durch seine Berufung verliehene Hoffnung sei, was der Reichtum von Herrlichkeit in seinem Erbe bei den Heiligen sei. Weil Gottes Ruf an sie ergangen ist, so ist ihnen damit die Hoffnung gegeben, von der freilich das irdische Auge nicht sieht, was sie bedeutet und zu was uns Gottes Ruf führt. Um das zu sehen, braucht es das bestrahlte Auge, das von Gott in sein helles Licht hineingestellt ist. Dann kommt zum Glauben und zur Liebe die Hoffnung als die dritte Bewegung unsers Willens hinzu, mit der unser inwendiges Leben seinen vollen Bestand erlangt. Denn einem Auge, das mit Gottes Licht sehen lernt, bleibt die Verheißung nicht leer und gleichgültig, sondern es fühlt und fasst, wie Großes sie uns gewährt. Gott hat ein Erbe, einen Besitz und Schatz für seine Heiligen bereit, der aus einem Reichtum von Herrlichkeit besteht. Wenn ihnen dieser so deutlich wird, wie wir ihn jetzt mit der Hoffnung.

zu fassen vermögen, dann begreifen sie, dass keine Ehre und kein anderer Reichtum das überragt, was Gottes Kindern als ihr Erbe gegeben wird, und das ist für sie eine unschätzbare Quelle der Freude, der Kraft, der Geduld und der Heiligung.

Weil uns aber der Weg zum Herrlichkeitserbe noch weit erscheint, sollen wir noch etwas anderes wissen.

1, 19: und was die überreiche Größe seiner Kraft an uns sei, die wir glauben, gestützt auf die Wirksamkeit seiner Stärke, die er am Christus wirksam machte. Leicht verbirgt sich uns Gottes Macht, so dass er uns als schwach und abwesend erscheint, und wir klagen: wir spürten nichts von seiner Macht. Diese ist freilich nicht dazu wirksam, um uns das Glauben zu ersparen, und uns so an Gott zu ketten, dass wir ihm kein Vertrauen mehr erweisen müssten. Die Kraft Gottes will uns nicht über den Glauben hinauf, sondern in ihn hinein helfen, und steht nicht dem Glaubenslosen, sondern dem Glaubenden zur Seite. Für ihn tritt Gott aber mit seiner ganzen Macht ein, und wenn wir dies mit erleuchteten Augen sehen, so ist uns damit zur richtigen Führung des Lebens eine mächtige Hilfe verschafft.

Dass und wie wir unsern Glauben auf ihn stellen dürfen, und wie er mit seiner Macht unserm Glauben antwortet und ihn erhört, das sehen wir an dem, was er an Jesus tat. An ihm hat uns Gott die Größe seiner Macht offenbart. Absichtlich häuft hier Paulus die Worte: die Stärke Gottes trat dort hervor, weil an ihm die inwendige Kraftfülle sichtbar wird, die Gott in sich trägt; genauer: die sieghafte Obmacht und Unüberwindlichkeit seiner Stärke kam zum Vorschein, die durch alle Widerstände bricht und seinen Willen zum Ziele führt. Daran hat unser Glaube seinen Grund und sein Maß, durch das ihm jeder Argwohn gegen Gott verboten ist. Denn er hat in Gott nicht ein geringeres Maß von Kraft, sondern dieselbe Stärke für sich, die an Jesus wirksam ward.

Wieso hat Gott an Christus seine starke Herrschermacht kund getan?

1,20.21: indem er ihn aus den Toten erweckt und zu seiner Rechten in das Himmlische gesetzt hat, höher als jede Regierung und Macht und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht bloß in dieser Zeit, sondern auch in der künftigen. Dass Gott Jesus aus dem Tode in das Leben führte, das ist eine Offenbarung seiner sieghaften Macht; dass er ihn zu sich erhöhte in jenen Lebensstand, der den Himmlischen eigen ist, ist es ebenso. Wie kommt der, der im Fleisch auf Erden wandelte und das Kreuz getragen hat, hinauf in das himmlische Wesen und zu Gottes Thron? Nur das eine lässt sich hierzu sagen: Gottes Macht trug ihn empor und ward in seiner Erhöhung offenbar. Er waltet dort als der mit Gott Regierende nicht neben oder unter anderen himmlischen Gewalten, sondern im vollen Anteil an Gottes Herrschaft, wie er dem einzigen Sohn gegeben ist, so dass er über allen himmlischen und heiligen Mächten steht, durch die Gottes Regierung innerhalb der Schöpfung sich vollzieht.

Auf Jesu Hoheit richtet der Apostel den Blick der Epheser, weil an ihm alles hängt, was der Christenstand in sich hat. Seine Macht und Hoheit gibt dem auf ihn gewendeten Glauben den Grund und Inhalt. Steht er in der Herrschaft über allem, dann ist der an ihn geheftete Glaube unsere Gerechtigkeit, unsre Vollendung, unser ewiges Leben und bringt uns den Sieg über alles, was uns bedroht. Nicht als Engel sind hier die himmlischen Geister beschrieben, die als „Boten“ dem göttlichen Willen dienen, auch nicht nach ihrem eigenen Anteil an Gottes Liebe und Herrlichkeit, wie sie bei seinem Throne stehen und sein Antlitz sehen, sondern als Regenten über die irdischen Verhältnisse und Ereignisse, die auf den Verlauf der menschlichen Geschichte einwirken. Für die, die aus der heidnischen und jüdischen Frömmigkeit in die Gemeinde hinübertraten, konnte die Frage leicht Bedeutung gewinnen: ob nicht viele unsichtbare Mächte über der Menschheit walten und ob es nicht richtig wäre, ihnen eine gewisse Verehrung zu erzeigen und ihre Freundschaft und Hilfe zu gewinnen. Allen diesen Neigungen tritt Paulus dadurch entgegen, dass er auf den zeigt, den Gott uns als seinen Sohn offenbart und an dem er seine ganze Kraft kundgetan hat, indem er ihn über alle Gewalten erhöhte.

Da sein Anteil an Gottes Herrschermacht sein vom Vater ihm verliehenes Eigentum ist, so wird uns auch die neue Welt mit ihrer neuen Offenbarung Gottes keinen Namen bringen, der höher als der seine wäre. Allerdings werden uns dann noch andere Namen und Mächte bekannt werden als die, die jetzt die Geschichte beherrschen, doch nicht so, dass dadurch Christi Name bedeckt würde. Vielmehr wird es die Vollendung der Menschheit erst recht offenbaren, was es heißt, dass ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden übergeben ist.

1,22: Und er hat ihm alles unterworfen, dass es unter seinen Füßen sei, und ihn als Haupt über allem der Gemeinde gegeben. Wie sich die Macht Gottes mit Christus geeint hat und an ihm offenbar wird, sehen wir weiter an der Ausdehnung seiner Herrschaft. Mit der weitausschauenden Verheißung, Ps. 8, 7, nimmt Paulus vom Machtgebiet des Christus alle Grenzen weg und dehnt es so weit aus, als die Schöpfung reicht. Innerhalb dieser weiten Herrschaft ist ihm ein engerer Kreis in besonderer Weise untergeben, nicht nur so, dass er ihm nicht widerstehen kann und seinem Willen dienen muss, wie es auch die Natur und das ganze Reich der Geister tun, sondern so, dass zwischen ihnen eine lebendige Verbundenheit besteht, eine Herrschaft, die zur Fürsorge wird und die Gemeinschaft erzeugt. Paulus gibt ihr das Gleichnis am Verhältnis des Haupts zu seinem Leib. So hat ihn Gott der Gemeinde geschenkt, dass er das Haupt über allem sei, größer und reicher als alles, was an ihr durch seine Gnade ins Leben tritt, alles bestimme, was ihr widerfährt, und alles richte, was in ihr geschieht, so dass sie in allen ihren Gliedern und in ihrem ganzen Werk von seinem Willen abhängt und von seinem Reichtum lebt. Daran aber, dass Gott den Christus der Gemeinde zum Haupt gegeben hat, erkennen wir wieder, was für eine Hoffnung sich mit der Berufung zu ihm verbindet und mit welcher Macht sich Gott an den Glaubenden offenbart.

Weil Jesu Verhältnis zur Gemeinde sichtbar macht, wie reich sie gesegnet ist, und wie großes der Christenstand umfasst, deshalb stellt uns Paulus seine Innigkeit und Tiefe dadurch dar, dass er das mit dem Wort „Haupt“ verwendete Gleichnis entwickelt.

1, 23: da sie ja sein Leib ist, die Fülle für den, der mit allem in allen erfüllt wird. Wie der Leib das Haupt bedarf, da er von ihm das Leben, die Einheit und die Leitung empfängt, so braucht wieder das Haupt den Leib, weil es an ihm sein Werkzeug hat, durch das sein Wille geschieht. Das ist die hohe Ehre und Wichtigkeit der Gemeinde, dass sie so dem Christus angehört, dass sie nicht bloß für sich den Segen und Gewinn daran hat und selber aus Gott stark, selig und lebendig wird, sondern so, dass sie ihm den Dienst leisten darf, der nicht auf andere Weise geschehen kann, weil er an ihr die Brüder hat, an denen er seine Liebe offenbar macht, die Werkzeuge, durch die er Gottes Willen tut, das Eigentum, an dem er die Herrlichkeit der göttlichen Gnade sichtbar macht. Wie es undenkbar ist, dass das Haupt ohne den Leib bestände, so kann auch Christus nicht ohne die Gemeinde sein, weil er nicht der Christus wäre, wenn er sie nicht schüfe, und zwar so, dass sie durch ihn lebt, für ihn handelt und ihn offenbart. Darum heißt Paulus die Gemeinde die „Fülle“ des Christus, das, was ihn ausfüllt und voll macht, so dass keine Leere und kein Mangel an ihm bleibt, das, wodurch er den fertigen, vollendeten Bestand seines Lebens hat. Das meint er nicht so, als wäre Jesu Gemeinschaft mit dem Vater unvollkommen und unzureichend, so dass ihm die Christenheit mit ihrem Dasein und ihrer Arbeit erst geben sollte, was er vom Vater nicht hätte; so finstere Gedanken haben den Sinn des Paulus nie berührt. Für ihn steht die Gewissheit fest, dass Jesus in der ganzen und ewigen Einheit mit dem Vater steht. Er hat aber ein Amt vom Vater erhalten und ein Werk für ihn übernommen, und aus diesem entsteht die unzerreißbare Verbindung, in die er sich mit der Gemeinde setzt, so dass er sie so mit sich vereint, wie der Leib mit dem Haupt zu einem gemeinsamen Leben verbunden ist. Da er sein Amt nur dadurch ausrichten kann, dass er die Gemeinde schafft und vollendet, deshalb ist sie das, woran er die Erfüllung seines Ziels und die Vollendung seiner Arbeit hat.

Die hohe Stellung, die seiner Gemeinde dadurch erteilt ist, wird daran sichtbar, dass er nicht nur an ihr, sondern an allem in allen sein Eigentum hat, da er ja über alles zum Herrn gesetzt ist. Darum gibt es keine wirksame Kraft, die nicht ihm dient, kein gutes Werk, das nicht seinen Willen vollführt, keine Erkenntnis, die nicht seine Weisheit offenbart, keine Liebe, die nicht aus ihm stammt und für ihn geschieht, kein Dank, der nicht ihn verherrlicht. Alles, was in der Menschheit, ja in der gesamten Welt aus Gott stammt, und darum ein wertvoller und wesenhafter Besitz ist, wächst für ihn und bringt ihm Frucht. Er zieht es an sich als sein eigen; er nimmt es in sich auf und wird damit gefüllt, weil es für ihn getan ist. Oben, 1, 10, hat Paulus gesagt, das Geheimnis des göttlichen Willens sei, dass alles in Christus zu seinem endgültigen Bestand gelangen soll. Dazu ist das, was er hier sagt, das dazu gehörende Gegenstück und die Erläuterung. Alles geht so in den Christus ein und wird so zu seinem Eigentum, dass er an allem seine Offenbarung und Verherrlichung erhält. Die Hoheit Jesu zeigt aber auch seiner Gemeinde, wie hoch er sie erhebt, sowohl in dem, was sie hat, als in dem, was sie soll, da sie dem zu dienen hat, dem alles in allem gehört, der ein Recht an jede Menschenseele hat, dass sie ihm lebe, und ein Recht an jede Kraft, dass sie für ihn wirke. Aus der alles umspannenden Weite der Herrschaft Jesu ergibt sich sowohl der Reichtum der Christenheit, als auch die Größe der Arbeit, die ihr übertragen ist.

Wenn die Gemeinde auf das zurücksieht, was sie früher gewesen ist, so wird noch deutlicher, wie - Großes sie empfangen hat. Paulus begann die Beschreibung des Werkes Jesu oben bei der ewigen Liebe Gottes, die uns unsere Bestimmung gibt und bei der Gnade Jesu, die uns die Erlösung verschafft und bei der Herrschaft, die er dadurch über uns erworben hat. Gottes Gnade tritt aber an den Menschen so heran, dass sie ihm in seiner Not und Schuld die Hilfe bringt, und wenn wir sie so beobachten, wie sie sich in den menschlichen Zustand hinabgibt, dann erkennen wir ihre Größe vollends. Bei diesem Rückblick auf den früheren Stand der Gemeinde kam zweierlei in Betracht: dass die Epheser vorher Sünder und dass sie Heiden gewesen sind. Aus dieser doppelten Not sind sie nun in die Gemeinde des Christus hinüber versetzt. Beides ist für sie nur dadurch erreicht worden, dass Christus sich mit ihnen in jene vollständige und wirksame Gemeinschaft gesetzt hat, wie sie das Haupt mit dem Leib vereint. Dass er so ihre Sünde und deren Folgen überwunden hat, bildet die Voraussetzung für die zweite Wohltat, dass ihnen über das Heidentum hinausgeholfen ist. Die Berufung zu Gott hätte den Heiden nicht erteilt werden können, hätte Gott nicht für ihre Sünde ihnen die Hilfe gebracht. Aus dieser ergab sich auch ihre Befreiung vom Heidentum. Damit steht Paulus dann bei seiner eigenen Arbeit und kann nun die Gemeinde daran erinnern, dass sie an dieser den starken Grund zu reicher Dankbarkeit habe, ohne dass sie sein Gefängnis erschüttern darf.