Müller, Heinrich - Bitte um Bewahrung

Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Ps. 102, 25.

Also betet der Christ von den Tagen, welche er zu seiner Bereitung auf das Ewige nöthig hat, wie denn der selige Arnd sehr wohl sagt, ein jeglicher Mensch solle täglich Gott anrufen, daß er ihn nicht eher wolle sterben lassen, er habe denn das End, das ist: den Zweck erreicht, wozu ihn Gott erschaffen und ihm das Leben gegeben hat. Wenn Jemand erkennet, er habe das ewige Leben noch nicht ergriffen, er sey noch nicht in dem Stande, daß er könnte selig sterben, der muß wohl bitten, daß ihm Gott noch Zeit und Raum gönne. Aber er säume nicht, Buße zu thun und sein Heil bei Jesu zu suchen, sonst kommt die Todesstunde, ungeachtet seines Betens, wie ein Fallstrick über ihn.

Die Zeit geht hin, der Tod kommt her,
Ach, wer doch allzeit fertig war'!