Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Vierundachtzigste Predigt. - Elidad

Eingang.

Merkwürdig ist es, wie der Apostel Johannes sich selbst beschreibt und bezeichnet, wenn er sich den Jünger nennt, den Jesus lieb hatte. Maßt er sich dadurch nicht etwas zur Ungebühr an, indem er sich etwas zueignet, was er doch nur mit den andern Jüngern gemein hatte? Nein, keineswegs. Will er die Andern herab- und sich selbst hinaufstellen: Gar nicht. Hatte der Herr ihn denn etwa besonders lieb, vor den Andern her, so dass zwischen dem Herrn Jesu und dem Johannes eine besondere Sympathie, eine sonderliche Übereinstimmung stattfand, wie das denn unter den Menschen sich oft zu ereignen pflegt, dass einige sich besonders wohl verstehen, während andere sich besonders leicht missverstehen? Das kann ich nicht glauben. Ich weiß wohl, dass der Herr Jesus ein wahrhaftiger Mensch war und auch alle unsündlichen Schwachheiten an sich hatte, dass ihm als Mensch der Eine besser gefiel als der Andere, wie er den reichen Jüngling lieb hatte, obschon nichts aus ihm wurde. Aber dass Johannes das nur gemeint hätte, kommt mir allzu menschlich vor und darum unglaublich.

Aber wenn Johannes sich den Jünger genannt hätte, der Jesum lieb hätte, hätte das nicht wohl besser geklungen? Aufs Klingen kommts nicht an. Aber eine solche Art zu reden wäre dem ganzen Sinne des Apostels unmöglich und unleidlich gewesen. Er hätte dann etwas rühmliches von sich selbst gesprochen. Aber er erklärt: das ist die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat, und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Die Liebe, die Christus zu uns hat, seine Barmherzigkeit, seine Gnade war dem Apostel Alles. Wenn er sich also den Jünger nennt, den Jesus lieb hat, so sagt er das im Glauben, als das Zeugnis Gottes annehmend, das Gott gezeugt hat. Und dann sagt er das nicht bloß um seinetwillen, sondern zur Aufmunterung, zum Vorbilde und Exempel für uns, dass wir lernen, ihm das von Herzen nachzusagen und uns selbst im Glauben den Jünger, die Jüngerin zu nennen, die Jesus lieb hat.

O! wie so selig nicht nur, sondern wie wichtig ist das, aber auch wie schwer und ohne den Jesum verklärenden Heiligen Geist unmöglich. Er lehre uns die Johanneische Sprache und segne dazu die anzustellende Betrachtung.

Text: 4. Buch Mosis 34, 21.

Elidad.

Ich habe mir die Freiheit genommen, über die Namen der zwölf Männer etwas zu sagen, die von Gott mit der Verteilung des Landes Kanaan beauftragt waren. Ich betrachte die Namen als Bezeichnungen desjenigen, was allen nötig ist, welche Teil an dem wirklichen Kanaan - nämlich dem ewigen Leben erlangen sollen. So etwas notwendiges deutet auch dieser fünfte Name: Elidad an. Er bedeutet das nämliche, was unser deutsche Name, Gottlieb. Im Hohenliede kommt das Wort dad oder dod, oft vor und Luther übersetzt es durch Freund. Elidad, mein Gott ist mein Freund, Gott ist es, der mich lieb hat, und von mir geliebt wird. Ist das nicht ein lieblicher Name? Ist es nicht die Liebe Gottes, wodurch man selig wird? Gibt es etwas Köstlicheres? Bedürfen wir etwas in ähnlichem Maße? Ja, wenn dieser Elidad mit unserer Leitung beauftragt ist, dann werden wir wohl geleitet: wenn er damit beauftragt ist, uns Anteil an Kanaan zu verschaffen, so ist er uns gewiss. Lasst uns denn auch bei diesem Namen etwas verweilen, in der Absicht, die Liebe, die Gott zu uns hat, zu erkennen, und dieselbe zu glauben, damit wir ihn wieder lieben, der uns zuerst geliebt hat, und Freudigkeit zu ihm gewinnen, selbst auf den Tag des Gerichts, wie Johannes redet.

Wir fragen dann - von wessen Liebe ist die Rede? wer ist der Gegenstand derselben? welches sind derselben Äußerungen und Beweise ihre Wirkungen und Früchte?

Elidad: mein Gott ist die Liebe. Was lässt sich Herrlicheres denken oder sagen und glauben. Niemand dünke es aber seltsam, wenn wir fragen: was ist das für ein Gott, von dem gesagt werden mag: er ist die Liebe? denn ich wollte hier wohl jedoch ohne Zank die Worte Pauli 1. Kor. 8, 5 anführen, wo er sagt: es sind viele Götter, und gleich hinzusetzt: aber wir haben doch nur Einen Gott, den Vater. Nur von dem Gott der Christen mag und darf und soll das gesagt werden, Elidad, und von keinem andern Gott. Wir Christen wissen nur von Einem Gott, der einen Sohn hat, welcher auch des Menschen Sohn ist. Wer den Sohn nicht hat, der hat auch den Vater nicht, ja, er hat gar keinen Gott, 2. Joh. 9. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht, denn Gott hat uns das Leben gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohne. Die jetzigen Juden samt den Muhamedanern und die Philosophen nebst den Rationalisten haben also gar keinen Gott, weil sie darin einig sind, den Sohn zu leugnen. Im Grunde ist es ein wunderseltsames Gebilde, das sie Gott nennen und nicht wissen, was sie sagen, und was sie sehen, glauben auch selbst nicht, was sie sagen, leugnen es mit der Tat und sprechen in ihrem Herzen; es ist kein Gott, weil sie in ihrem Dichten eitel geworden sind. Diese Leute schwätzen auch gar viel von Gott, als der sehr gütig sei und das Wort Johannes: Gott ist die Liebe, ist einer von den Schriftsprüchen, die sie gelten lassen, und gar andere Stellen damit abweisen. Im Grunde betrachtet, aber wollen sie mit ihrem wortreichen Gewäsche nur bewirken, dass man sich auch bei seinem Sündendienste vor Gott nicht fürchte, den man auch nicht liebt noch traut, dass man sich an seine Gebote weiter nicht kehrt, als dass man davon spricht und rühmt, und eigentlich eben so wenig etwas Gutes von ihm hofft, als Böses von ihm fürchtet, welches man freilich nicht gelten lassen will. Ja, diese Menschen lästern den Gott der Christen sogar. Obschon sie sich Christen heißen, wollen sie doch mit ihrem Gott nichts zu tun haben. Doch ich will diese Mohren nicht waschen. Sollte aber Gott sie bekehren, so werden sie alsdann selber bekennen, dass sie bisher ohne Gott und ohne Christum gelebt haben in der Blindheit ihres Herzens.

Der Christen Gott hat sich als solcher nur in seinem Worte offenbart. Aus demselben, und aus demselben allein können und sollen wir ihn kennen lernen und lernen wir ihn kennen, wenn er uns die erleuchteten Augen des Verständnisses schenkt, die dazu erforderlich sind, die Wunder in seinem Gesetz zu sehen. Es ist der Gott, der einig im Wesen, doch Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Es ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, es ist der Bundesgott, der Gott in Christo, der in ihm war, die Welt mit sich selbst versöhnend. Außer diesem ist er ein verzehrendes, unzugängliches Feuer, vor dem alle Sünder erschrecken müssen, ausrufen müssen: wehe mir, ich vergehe, den niemand also sehen könnte, oder er müsste sterben. In Christo aber ist dieses unermessliche, majestätische Wesen zugänglich und freundlich mitteilsam. In Christo ist er Vater, ist er voll Gnade, ist er barmherzig, gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue. In Christo ist bei ihm viel Vergebung, dass man ihn fürchte, ist er ganz liebens-, ganz vertrauenswert. Mit einem Worte: in Christo ist er die Liebe selbst. Und wir - sagt Johannes - haben geglaubt und erkannt die Liebe, die Gott zu uns hat.

Dies Erkennen im Glauben ist aber nicht eine Wirkung des natürlichen Verstandes und des natürlichen Sinnes. Nur die Gnade schenkt beides, was nur Eins ausmacht, schenkt es in verschiedenem Maße und in einer gewissen Ordnung. Der Mensch maßt sich das nicht so selber durch eigenmächtigen Vorsatz an, indem er andere Vorstellungen von sich weist. O! es ist eine hohe Offenbarung, deswegen beugte Paulus seine Knie gegen den Vater unseres Herrn Jesu Christi, dass er den Ephesern Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist nach dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen in ihrem Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden, um zu begreifen mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe, und die Liebe Christi, die allen Verstand übersteigt, Epheser 3, 14. Man fängt in der Tiefe an mit Erkenntnis seines Sündenelendes, mit Verzagen an sich selbst, mit Richten und Verurteilen seiner selbst, mit Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit, mit und unter dem Gesetze in seiner verdammenden, ängstenden, tötenden Kraft. Gott wird schrecklich in seinem Wesen und Eigenschaften, schrecklich in seinen Forderungen, in seinen Drohungen, in seinen Gerichten, so dass auch David ausruft: ich fürchte mich vor dir, dass mir die Haut schaudert. Liebe das kann die Seel nicht fassen. Das fasst sie erst dann, wenn der Herr es ihr durch seinen Geist offenbart, dann erkennt sie die Liebe und glaubt sie.

O seliges Erkennen im Glauben. O wie viel sollte uns doch an diesem rechten, vollständigen, kräftigen Erkennen und Glauben gelegen sein, wie Paulus darum betet. Je kräftiger dies erkannt, desto lebendiger wird es auch geglaubt und umgekehrt. Lasst uns darum fortfahren, etwas davon zu stammeln, ob es dem Herrn gefallen möge, uns etwas davon zu verstehen zu geben.

Der Liebende ist Gott in Christo. Und was für einen unermesslichen Wert hat die Liebe eines Solchen, eines Allmächtigen, eines Solchen, der alles in seiner Hand hat, der nichts versäumt, nichts übersieht, nichts vernachlässigt, nichts vergisst. Wie nützlich ist die Liebe der Mutter einem Kinde, das ja ohne dieselbe gar bald umkommen müsste. Aber wie oft hat diese Mutterliebe doch nichts als Mitleid und Tränen und kann zu ihrem größten Bedauern umso weniger helfen, je hilfsbedürftiger das geliebte Kindlein ist. Welch' einen Wert hat dagegen die Liebe eines Allmächtigen, der nicht lange nach Mittel zu fragen braucht, sondern dessen bloßer Wille zugleich alle Mittel in sich fasst oder unnötig macht; dessen Tüchtigkeit zu helfen nicht durch die Größe der Not beschränkt wird, sondern sich umso herrlicher zeigt, so dass er auch Tote lebendig macht. Ja die Erhabenheit der liebenden Person ist so groß, dass sie, vernünftig betrachtet, eher Zweifel als Vertrauen einflößen sollte, wie das zugehen. möchte, dass ein solcher, mich, ja mich lieben sollte. Was war David gegen Gott? Und wie weiß der Königssohn Mephi Boseth so gar keine Worte zu finden, um seine Dankbarkeit gegen die Beweise seiner Liebe an den Tag zu legen. Er fällt vor dem Könige auf sein Angesicht nieder, er spricht: wer bin ich, dass du dich zu einem toten Hunde wendest? Wie tief wollten wir uns denn wohl vor Gott bücken? Ja, wie dürften wir uns unterstehen, von seiner Liebe zu uns zu reden, wofern sein Wort uns nicht dazu berechtigte, sein wahrhaftiges, unzweifelhaftes Wort, das gewisser ist, als alle unsere und aller Menschen Gedanken. Welche Unanständigkeit würde es sein, wenn ich mich ohne gehörigen Auftrag unterstehen wollte, die Versicherung von Seiten unseres irdischen Königs zu geben, er habe uns lieb. Wie dürften wir dies vollends von dem Könige aller Könige versichern, als weil er selbst es in seinem Worte versichert. Von eigener Würdigkeit kann kein Gedanke sein, denn die Himmel sind nicht rein vor ihm. Dagegen sagt einer, der sich den größten Sünder nennt er hat mich geliebt und sich selbst für mich gegeben und wer es kann, sage es ihm getrost nach, wer es nicht kann, lerne es.

Welche sind dann die Gegenstände seiner Liebe? Diese Frage leitet uns zu einem neuen Wunder. Sind es einige Thronfürsten unter den Engeln, sind es vielleicht fünf oder sechs Ausgezeichnete unter den Menschen? Ich habe darauf zwei Antworten. Die erste ist die: Es ist eigentlich nur Einer unter den Menschen, den Gott lieb hat, aber um desselben willen auch alle, die diesem Einen angehören; die andere Antwort ist, es ist die Welt, es sind Sünder. Darüber erstaunt der Sohn Gottes selbst, wenn er verwundernd ausruft: also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Je weniger Liebenswürdiges in den Gegenständen selber anzutreffen ist, desto bewundernswürdiger ist die Liebe, die ihn umfasst. Die Geliebteste unter Salomos Weibern war eine Mohrin. Alles, was sich etwas zu sein dünkt, was sich Gott selbst aufdringen und empfehlen will, verfehlt seines Zweckes, je unwürdiger sich aber jemand der göttlichen Liebe achtet und doch auf dieselbe hoffet, desto gewisser lässt sie sich zu ihm herab. Ist nicht jenes kananäische Weiblein davon ein rührendes Exempel. Jesus scheint es auf das Bestimmteste darauf angelegt zu haben, ihr alle Hilfe abzuschlagen und sie von sich zu weisen. Er ängstigt sie mit der Erwählung, und sagt ihr auf das Deutlichste: zu andern Leuten, als zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel sei er nicht gesandt; die. gingen also ihn und er sie nichts an. Indem er jene Schafe nennt, heißt er diese ohngefähr ein Hündlein, und während sie von Erbarmen, spricht er von Recht. Sie bückt sich unter alles mit ihrem: ja, Herr, sie wehrt sich nicht gegen die Vergleichung mit einem Hündlein, sie sträubt selbst nicht an gegen die Erwählung, sie fährt fort um Erbarmen und Hilfe zu flehen, sie will auch kein anderes Recht als das eines Hündleins. Ihre große Not macht sie schreien und anhalten, und so heißt es endlich zu ihr: Weib, dein Glaube ist groß, dir geschehe wie du willst. Könntest du eine ähnliche Behandlung vertragen, weil du dich in gleicher Not, deiner Seele wegen, befindest, so würdest du, wenn es zu dir hieße: Jakob habe ich geliebt und Esau habe ich gehasst, wohl in Verlegenheit gesetzt werden, aber nicht dagegen anschnauben, disputieren, widerbellen, Gott selbst beschuldigen, von Recht reden, wo nur Gnade gilt, sondern du würdest mit dem dennoch des kananäischen Weibleins an das Herz des barmherzigen Königs Israels dringen und einen ähnlichen herrlichen Erfolg haben. Kurz, die Liebe des Elidad umfasst nur unwürdige Gegenstände. Sie kehrt ihre Hand zu den Kleinen. Wer nicht klein, nicht unwürdig, nicht nichts sein will, passt sich zu derselben nicht. Übrigens ist das der Preis der Liebe, nicht dass wir ihn geliebt hätten, sondern er hat uns zuerst geliebt, solche, an denen nichts liebenswürdiges war, noch ist. Dieser nimmt die Sünder an und lässt die Selbstgerechten draußen stehen. Was groß ist unter den Menschen, das ist ein Gräuel vor Gott. Das Recht bringt Untergang. Es liegt aber am Erbarmen. Das Tor ist niedrig, wer aber klein ist, dringt hindurch.

Mein Gott, die Liebe.

Elidad - Wodurch und wie hat er sich als solchen erwiesen! Der dreieinige Gott hat davon die allerhöchsten Beweise gegeben, Beweise, die allem Begriff übersteigen. Der Vater hat seinen einigen Sohn gegeben; er hat seiner nicht verschont, er hat ihn um unserer Missetat willen verwundet, und um unserer Sünden willen zerschlagen. Er wies sein jämmerliches Flehen, dass der Kelch von ihm genommen werden möchte, zurück. Er erwies an ihm seine Gerechtigkeit, und legte ihn in des Todes Staub. Was muss das menschlich davon zu reden dem Herzen des Vaters gekostet haben, also mit dem geliebten Sohn zu verfahren. Was ist das für eine Liebe gegen uns, die den Vater bewegt, also zu handeln und mit dem Sohn zu zürnen, um Zorneswürdige zu begnadigen.

Der Sohn ist in seiner Liebe nicht weniger bewunderungswürdig. Seine Liebe ist es, seine Liebe gegen hassenswürdige Sünder, die ihn bewegt, das Äußerste nicht nur dem Leibe, sondern noch mehr der Seele nach zu ertragen, Leiden, die wir ohne Erschütterung nicht anhören können, die er aber wirklich litt. Aber das ist noch nicht hinreichend zu unserm Heil, wenn die dritte Person der hochgelobten Dreieinigkeit, wenn der Heilige Geist nicht eben so viel Liebe bewiese, als der Vater und Sohn. Das tut er nicht nur dadurch, dass er unserm Mittler, Bürgen und Versöhner, den Leib aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria zubereitete, den er zum Opfer brauchte, sondern tut es noch immer dadurch, dass er Christo seinen mystischen Leib zubereitet, dass er die Gnadenwahl an denen, die sie gilt, zur Ausführung bringt, dass er die geistlichen Tempel baut, worin er samt dem Vater und dem Sohne wohnt, wie er gesprochen hat: ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Er ist es, der das durch Christum erworbene Heil denen zueignet, welche Teil daran haben; der das gute Werk in ihnen anfängt, aber auch vollendet, denn wo er einmal ist, da bleibt er auch in Ewigkeit, und wer dieses Wasser, das Jesus gibt, getrunken hat, da wird's ein Quell des Wassers, der in das ewige Leben quillet. O! mit welcher treuen Liebe beschäftigt der Heilige Geist sich mit dem auserwählten Sünder, wie wirbt er um ihr, wie geht er ihm nach, wie klopft er bei ihm an, wie überzeugt er ihn, und oft Jahre lang vergeblich. Wenn er ihn aber einmal gefasst hat, so erleuchtet er ihn mehr und mehr, und lässt ihn nicht, bis er ihn bis zum Ziele durchgeführt hat. Welche Liebe! die sich durch allen Widerstand nicht ermüden lässt.

Elidad - mein Gott ist die Liebe. Zu Zeiten gibt sich Gott also zu genießen, indem seine Liebe in das Herz ausgegossen wird durch den Heiligen Geist. Die Erfahrung, die alsdann gemacht wird, die köstlichen Genüsse, welche die Seele alsdann hat, werden besonders im Hohenliede ausgedrückt, Ausdrücke, welche die erquickte Seele jetzt zu den ihrigen machen kann. Sie sieht nicht nur, sondern schmeckt auch, dass der Herr so freundlich ist, und das ist ein unbeschreiblicher Genuss, ein Vorschmack des Himmels, den niemand kennt, als der ihn erfährt. Alsdann ist die Seele besonders geschickt, das i, das mein in völligem Glauben auszusprechen. Sie findet nirgends keinerlei Schwierigkeit, das unser Vater, das mein Herr Jesu! mit höchster Zuversicht auszusprechen, ihn meine Gerechtigkeit, mein Leben zu nennen. Hast du je auf diesem Tabor geweilt, so weißt du, wie gut da sein ist, welche liebliche Hütten da zu bauen sind. Doch findet der Elidad es nach seiner weisen Liebe für gut, seine Kinder von Zeit zu Zeit zu züchtigen, und sich durch schmerzhafte Züchtigungen als Vater an ihnen zu erweisen. Dann ist es nicht leicht, Elidad zu sagen, und der wohlmeinenden Liebe die Plagen zuzuschreiben, die so wehe tun, mögen sie auch heilsam sein.

Lasst uns doch noch eine Anmerkung darüber machen, dass auch der Vater Elidads mit Namen genannt wird, nämlich Chislon. Dies Wort bedeutet so viel als dreist, kühn, freimütig. Und werden dadurch nicht einige unausbleibliche Wirkungen der anerkannten Liebe Gottes angedeutet? O! gewiss, wird die Liebe, die Gott zu uns hat, geglaubt und erkannt, sollte das nicht eine Dreistigkeit, Kühnheit, Unerschrockenheit und Freimütigkeit wirken, die unaussprechlich ist! Sollte daraus nicht eine innige Gegenliebe erwachsen: Unausbleiblich.

Nun, Er zerknirsche uns durch seine Majestät und Heiligkeit, dass wir die Opfer haben, die Ihm gefallen, nämlich einen geängsteten Geist, ein geängstetes und zerschlagenes Herz. Er lasse uns sein Angesicht in Liebe leuchten und diese Liebe bringe uns zum Besitze Kanaans. Amen.