Text: 4. Buch Mos. 21, 32-35. 5. Buch Mos. 3, 12. 13. 23.
Und Mose sandte aus Kundschafter gen Jaefer, und gewannen ihre Töchter, und nahmen die Amoriter ein, die darinnen waren; und wandten sich, und zogen hinauf des Weges zu Basan. Da zog aus ihnen entgegen Og, der König zu Basan, mit allem seinem Volk, zu streiten in Edrei. Und der Herr sprach zu Mose: Fürchte dich nicht vor ihm; denn ich habe ihn in deine Hand gegeben mit Land und Leuten, und sollst mit ihm tun wie du mit Sihon, dem Könige der Amoriter, getan hast, der zu Hesbon wohnte. Und sie schlugen ihn und seine Söhne, und alles sein Volk, bis dass keiner überblieb; und nahmen das Land ein.
Solches Land nahmen wir ein zu derselben Zeit, von Aroer an, die am Bach bei Arnon liegt. Und ich gab das halbe Gebirge Giliad mit seinen Städten den Rubenitern und Gaditern. Aber das übrige Gilead, und das ganze Basan des Königsreichs Og, gab ich dem halben Stamm Manasse, die ganze Gegend Argob zum ganzen Basan, das heißt der Riesen Land.
Auch hier finden wir die Fortsetzung des Streits und der Einnahme. Ist Sihon als ein Bild des Teufels, so ist Basan als ein Bild der Welt und ihrer Lust, aber auch der neutestamentlichen Verfassung anzusehen.
Die Kinder Israels haben den Sihon überwunden und sich in den Besitz seines Reiches gesetzt. Sie sind bis Jaefer gekommen, und werden da in einen neuen Krieg verwickelt. Aber Jaefer heißt Gotteshilfe und wenn die auf unserer Seite ist, wo sollte es uns denn fehlen? Und alle geistlichen Kriege werden von da aus geführt, und alle Feinde unter dem Beistande des Herrn überwunden. Ohne ihn aber können wir nichts tun. Diesen Krieg würde Israel unter Anführung Mosis mit besonderer Freudigkeit führen, denn der Herr sagte nach 5. Mos. 3, 2 zu ihm: Fürchte dich nicht vor ihm, denn ich habe ihn und alles sein Volk samt seinem Lande in deine Hände gegeben. Da war also gut Krieg führen, welches auf eine evangelische Weise geschah, denn das Evangelium befreit die Seele von aller Furcht, und gewährt durch den Glauben die Tüchtigkeit zu jeglichem guten Werke, da das Gesetz wohl fordert, aber nicht stärkt, sondern sagt: Da sieh du zu.
Der König, mit dem sie es zu tun hatten, hieß Og. Die Bedeutung dieses Namens ist von keiner Wichtigkeit. Er heißt so viel als Kuchen, Leckereien, wird mit Ps. 35, 16 mit Heuchlern und Spöttern verbunden, und bezeichnet einen Bauchdiener, von denen eben der Apostel sagt: sie machen ihren Bauch zum Gott und denen er die Verdammnis als ihr Ende ankündigt. Hosea 7, 8 wird von Ephraim gesagt: es ist wie ein Kuchen, den niemand umwendet, der also halb verbrannt, halb ungar und niemand genießbar ist, wie es von Moab heißt, er gleiche einem Weine, der stets auf seinem Hefen liegen blieb und nicht von einem Fass ins andere gegossen worden. Ein solcher Kuchen ist ein Bild unbekehrter Menschen, mit denen noch keine Veränderung vorgegangen ist, oder doch ungeübter Seelen, deren Gold noch nicht durch das Feuer der Anfechtung von den Schlacken gesäubert und erprobt ist, denen deswegen noch mancher Wechsel bevorsteht, den sie jetzt noch nicht vermuten und nicht anders meinen, als sie würden in ihrem bequemen Neste sterben. Hiob meinte das auch wohl, da es ihm wohl ging. Aber was für Stürme rauschten noch über seinem Haupte hin! David wie wurde er so oft umgewendet, und Jesus sagt von seinen Jüngern, welche, so lange er als Bräutigam bei ihnen war, nicht Leide tragen konnten: der Bräutigam werde von ihnen genommen werden, und dann die Reihe des Fastens und Trauerns auch an sie kommen. Ach! dies Umwenden hat seine erfreuliche aber auch eine höchst beschwerliche Seite, je nachdem es ist, und wird von dem nämlichen Weibe besorgt, das auch den einen Groschen so sorgfältig suchte und fand. Die Person dieses Ogs, von welchem hier die Rede ist, war höchst gefährlich, von ungeheurer Größe, der Letzte aus einem Riesen Geschlechte. Sein eisernes Bette, das 9 Ellen oder Ellenbogen lang und 4 breit war, ward zum Gedächtnis aufbewahrt. Auch wird seiner Ps. 134 als ein glänzender Beweis der göttlichen Macht, die sich in seiner Überwindung verherrlichte, erwähnt. War uns Sihon in seinem Hesbon ein Bild der fleischlichen Vernunft und der vielen Künste, welche der natürliche Mensch sucht, so ist dieser Og ein Bild der Augenlust, der Fleischeslust und des hoffärtigen Wesens, mit Recht als ein gewaltiger Riese zu betrachten. Wer soll den frei machen, der in diesem dreifachen Netz verstrickt ist? Nur der Sohn vermag das, vermag's auch vollkommen, weshalb es auch zu denen, welche er zum Streit wider diesen Og der Augenlust rc. beruft, und die er dazu tüchtig macht, heißt: Fürchtet euch nicht. Ist er nicht der Götze, dem Alles dient, und deswegen auch sein Fleisch und Welt heißt? Bewundert man große Feldherren wegen ihrer großen Siege, wodurch sie Länder erobern und Städte gewinnen, Salomo weiß noch größere, nämlich diejenigen, die ihres Mutes Meister sind, und er selbst, wurde er nicht trotz seiner bewunderten Weisheit von diesem Og überwunden und schimpflicher Weise sein Sklave? Hatte nicht selbst sein Vater eine jämmerliche Niederlage von ihm erlitten, da er gegen den Abend aufs Dach des königlichen Hauses stieg? Joseph aber, dem sich dieser Og durch Potiphars Weib näherte, besiegte ihn glücklich, musste aber dafür im Gefängnis büßen, das jedoch in seinen Weg zur Erhöhung gehörte. Was sucht die verderbte Natur, so lange sie ein Kuchen ist, der nicht umgewendet worden, von Kindesbeinen an bis ins graue Alter anders, als Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Leben. Gewinnt nicht sogar ein Demas, dieser Gefährte des Apostels, die Welt wieder lieb, und klagt nicht Petrus über Leute, welche durch die Erkenntnis Jesu Christi, dem Unflat dieser Welt nicht oder auch wie einige Urschriften haben, wenig entflohen waren, wieder also verflochten wurden, dass das Letztere ärger wurde, denn das Erste. Welch ein gefährlicher Feind demnach, der auch solche Helden fället! Der nämliche Apostel schildert diejenigen, welche das zeitliche Wohlleben für Wollust achten, zugleich als solche, die Augen haben voll Ehebruchs, welche sich die Sünde nicht wehren lassen, locken an sich die leichtfertigen Seelen, reden stolze Worte, da nichts hinter ist, reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust, -verfluchte Leute, denen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Dass ein Christ diesen Og, seiner riesenhaften Größe ungeachtet, angreifen und bestreiten muss, ist ausgemacht. Die versuchende Hand, der ärgernde Fuß muss abgehauen, das verführende Auge muss ausgerissen werden bei Androhung des höllischen Feuers, wo ihr Wurm nicht stirbt. Aber so gewiss Israel den Og unter Anführung des Mittlers des Alten Testaments überwand, so gewiss werden diejenigen Sieger sein, welche unter Anleitung des Mittlers des neuen Testamentes die Welt und das Fleisch, samt seinen Lüsten ergreifen, denn alles, was aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, und der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Das Land dieses Riesen hieß Basan. Schöner Name, wenn's nur an der Tat nicht fehlt, nicht Schein, sondern Wirklichkeit ist. San heißt: ruhig, still, glücklich sein, nicht bewegt werden. Hiob braucht dieses Wort, wenn er Kap. 3, 18 meint, im Grabe hätten doch die Gefangenen Friede miteinander, und hörten nicht die Stimme des Drängers. So sagt auch Gott, Jer. 13, 10: fürchte du dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Herr, und entsetze dich nicht, Israel; denn siehe, Jakob soll im Frieden leben, Genüge haben und Niemand soll ihn schrecken. Spr. 1, 33 sagt die selbstständige Weisheit: wer mir gehorcht, wird sicher sein und genug haben, und kein Unglück fürchten. Basan heißt in der Ruhe die Ruhe, die Sättigung, die Fülle kommt; oder ist ein Wunsch, eine Bitte: Komm, o Ruhe! und gleicht der Bitte: Dein Reich komme, denn dieses Reich besteht zwar nicht in Essen und Trinken, aber in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Wehe aber dem, der dieses Basan hienieden sucht oder zu finden meint, der wird schrecklich betrogen oder beraubt, und findet es weder hier noch dort. Das natürliche, irdische Basan war ein herrliches Land diesseits des Jordans, und ist noch der fruchtbarste Teil des sonst jetzt öden Palästinas. Es gab daselbst herrliche Waldungen und vortreffliche Weis den, daher sind auch die Eichen und die Ochsen von Basan berühmt, so wie der Balsam Gileads, dessen Jeremias gedenkt: ist denn keine Salbe in Gilead?
Es hatte 60 Städte, alle mit hohen Mauern und festen Toren, und noch weit mehr offene Flecken und Dörfer, welche in einer Gegend des Königsreichs lagen, welche Argob d. i. Löwengrube heißt, wo es viele Löwen gab, und deren Bewohner den Löwen glichen. Aber das, durch Gott mächtige Israel eroberte sie alle. Unter jenen Städten zeichneten sich besonders zwei aus, die eine hieß Edrei, das ist die Herrliche, die andere Astarot, Jos. 13, 12, die reiche und allen Überfluss gewährende, die glänzende. So hieß auch der Götze oder vielmehr die Götzin, welche diese üppigen Heiden statt des wahren Gottes verehrte, als die Urheberin alles Vergnügens und alles Wohlergehens, deren Dienst mit den schändlichsten Wollüsten begleitet war, und wozu sich Israel oft verleiten ließ, sich aber dadurch die Strafgerichte Gottes zuzog. Der Herrscher dieses herrlichen Königsreiches, dem es an nichts mangelte, weder an Herden noch an Wein und Getreide, zog nun Israel mit seinem bewaffneten Riesenvolke entgegen, wie Löwen den Schafen, und Israel war gegen sie wie ein Haufen Ameisen zu achten. Aber Israel musste streiten oder verschlungen werden. Anders hatte es keine Wahl, obschon kein natürlicher Anschein vorhanden war, dass sie siegen würden. Aber der König Og, größer noch wie Goliath, zog mit seinem Heer ihnen entgegen, und Moses und sein Volk traten ihm entgegen. Jedoch handelten sie der Regel gemäß, welche Christus gibt, wenn er sagt, wer einen Turm bauen wollte, sollte sich vorher die Zeit nehmen, zu überschlagen, ob er es habe hinauszuführen, und wenn er mit zwanzigtausend überzogen würde, bedenken, ob er's mit zehntausend Mann gegen ihn aufnehmen könne. Dieser Regel handelten sie gemäß. Aber nur durch den Glauben und nach dem alten Gesetz: Der Herr wird für euch streiten und und ihr werdet stille sein. Sie sahen nicht an den riesenartigen Og, nicht an seine löwennäsige Armee, nicht an seine vermauerten Städte, sondern was sahen sie an? Den Herrn in seinen Verheißungen. Und was hatte er verheißen? Fürchte dich nicht vor ihm, hatte er gesagt denn ich habe ihn in deine Hand gegeben mit Land und Leuten, und der Herr streitet für dich. Dazu verlieh ihnen der Herr das gläubige Vertrauen, womit sie dieses Wort aufnehmen und ihm gehorchen konnten. Und so wird uns nichts weiter vom Streit gemeldet, sondern nur gesagt: Der Herr unser Gott gab ihn in unsre Hände, dass wir ihn schlugen, bis dass ihm nichts übrig blieb. Dieses Sieges sollten sie dann auch für die Zukunft und aller ähnlichen Fällen eingedenk bleiben, und ihre Kriege auf gleiche Weise führen, nämlich durch den Glauben und so uns zugleich ein Vorbild geben, dass wir auf gleiche Weise streiten und auf gleiche Weise siegen.
Was taten nun die Kinder Israel mit dem eroberten und entvölkerten Lande? Sie nahmen's selber in Besitz, und es wurde das Erbteil des Stammes Ruben, des Stammes Gad und der einen Hälfte des Stammes Manasse, welcher die andere Hälfte seines Erbteils jenseits des Jordans bekam. So war es ihre eigene Wahl. Sie stellten Mose ihren Wunsch vor, dass sie die eroberten Länder gerne erblich besitzen möchten, deren frühere Bewohner der Herr geschlagen hatte vor der Gemeinde Israel; denn, sprachen sie, dies Land ist bequem für Vieh, und wir, deine Knechte, haben viel Vieh. Haben wir deshalb Gnade vor dir gefunden, so gib uns dies Land zu eigen, so wollen wie nicht über den Jordan ziehen. Diesen letzteren Ausdruck nahm Moses sehr übel auf, und sagte: So? eure Brüder sollten in den Streit ziehen und ihr wollt hier bleiben? Wollt ihr es machen, wie eure Väter, dass der Sünder desto mehr werde, und ihr des Zorns und Grimms des Herrn noch mehr machet wieder Israel? Als sich aber jene Stämme näher erklärten, das sei ihre Meinung keineswegs, vielmehr wollten sie gerüstet vor Israel herziehen, bis Kanaan ganz eingenommen sei, und nur ihre Weiber, Kinder und Herden da lassen, da bewilligte er's ihnen.
Dies gibt uns verschiedenes zu bedenken. Die Meisten machten es wie Ruben und Gad; einige möchten es machen wie Manasse; einigen wenigen geht es wirklich so wie ihnen; vielen, wie den acht übrigen Stämmen, und etlichen, wie dem Stamme Levi, der gar kein Erbteil bekam, sondern dessen Teil der Herr selbst war, was das Beste ist. Bei weitem die meisten Menschen machen es wie Ruben und Gad, indem sie sich ihr Teil diesseits des Jordans, außer Kanaan, wählen. Sie ziehen die Erde dem Himmel vor, und bekümmern sich nicht um diesen, sondern sorgen bloß für jene. Ihr Teil ist in diesem Leben das schöne Basan, und dessen Götzin ist der Gegen stand ihrer Verehrung, ihrer Anhänglichkeit und ihres Bestrebens. Sie schämen sich nicht zu gestehen, dies Land sei bequem fürs Vieh. Weil sie aber viehisch, tierisch, fleischlich gesinnt sind, so begehren sie es eben dieser seiner Beschaffenheit wegen, die mit ihrer Gesinnung so völlig übereinstimmt. Es ist wahr, Gad und Ruben mengen sich äußerlich unter die Kinder Israel und seine Kriege, aber ihr Herz hängt doch an Basan, an ihre Weiber, Kinder und Herden, die sie daselbst haben; denn wo Jemandes Schatz ist, da ist auch sein Herz. So sind unsre Gaditer selbst getauft und lassen auch ihre Kinder taufen, sie schicken sie zur Konfirmation, in die Katechisation, sie bedienen sich, wo es sein muss, der kirchlichen Vermittlung und Anordnung aber ohne ihr Herz. Ja bei Verfolgungen wegen der Religion haben viele dieser, obschon herzlose Leute, ein Tüchtiges mitgelitten, wie ungelegen es ihnen auch sein mochte, und was sie in unsern Tagen schwerlich mehr tun, sondern wohl zu allem Ja sagen würden. Hier in der Welt alle Tage herrlich und in Freuden zu leben, sich prächtig zu kleiden, herrlich zu essen und zu trinken, sich nichts zu versagen, was ihren Augen gelüftet und ihr Herz begehrt, das wäre es wohl. Sie nehmen auch davon, was sie eben können, leben wie ein Vieh und fahren davon wie ein solches. Aber den Rat Gottes von ihrer Seligkeit verachten sie, und achten sich des ewigen Lebens nicht würdig. Um ihre Äcker und Besitzungen, Ochsen oder Pferde, Hochzeiten und Vergnügungen sorgen sie, aber die Einladung zum Abendmahl, der Hochzeit des Lammes weisen sie ab. Wahrlich ich sage euch, derer die geladen sind, wird keiner mein Abendmahl schmecken. Ihr Ende ist die Verdammnis, da wird sein Heulen und Zähneklappern, denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt, und viele sind, die auf dem breiten Weg wandeln. Einige möchten es machen, wie Manasse tat, der sein Erbteil dies und jenseits des Jordans, in Basan und Kanaan zugleich haben wollte. Sie wollen Religion, sie wollen Christentum haben; o ja, einen gewissen Hausbedarf davon, aber einen solchen, der sie nirgends geniert, wo sie nicht gerne beengt sein wollen. Sie lesen Andachtsbücher, aber nur solche, welche in diesem Sinne abgefasst sind. Sie nehmen einige Lehren des Christentums an, aber mit Auswahl, und weisen andere zurück. Etliche Gebote genehmigen sie, aber das Schwerste im Gesetz: den Glauben, die Verleugnung seiner selbst, die Aufnahme des Kreuzes und die Nachfolge Jesu, ist für sie nichts. Bei ihren Vergnügungen dehnen sie die Bezeichnung „erlaubt“ so erstaunlich weit aus, als es ihnen selbst beliebt. So dünken sie sich die Ersten, die Vernünftigsten, die eigentlich Gebildeten, und vermessen sich, die rechtlichsten Ansprüche an das himmlische Kanaan zu haben, ohne über den Jordan zu wollen und ohne den alten Mensch zu kreuzigen samt den Lüsten und Begierden, wie doch alle tun, die Christo angehören. Aber ich kenne euch nicht und weiß nicht, wo ihr her seid. Weichet von mir, ihr Übeltäter, das ist ihr Urteil. Einigen, jedoch aber nicht gar vielen, geht es im besten Sinne wie Manasse. Sie haben ihr Erbteil sowohl diesseits als jenseits des Jordans, hienieden und dort, das gilt teils von allen wahren Christen überhaupt. Alles samt dürfen sie rühmen: mir ist ein schönes Erbteil worden, das Los ist mir aufs Lieblichste gefallen, wenn sie auch nicht immer so rühmen können, wegen ihres schwachen Glaubens; die Gottseligkeit ist doch zu allen Dingen nütze, denen, die Gott lieben, müssen doch alle Dinge zum Besten dienen. Sie werden doch beständig bewahrt, und wenn auch Berge weichen und Hügel hinfallen, so soll doch seine Gnade nicht von ihnen weichen.
Von etlichen gilt es aber doch in besonderem Sinne. Es gibt einige, die mit Hiob sagen müssen: Ich bin von jeher bedrückt und ringe von Jugend auf wie mit dem Tode. Es gibt Andere, welche wie der Kämmerer ihre Straße stets mit Freuden ziehen und denen der Herr zusagt: Ich will mein Angesicht nicht mehr vor dir verbergen. Sonderlich ist das wohl einmal der Fall bei jenen, welche noch zur Erweisung der sonderlichen Barmherzigkeit Gottes in ihren letzten Lebenswochen und Tagen zu Gott gezogen, reichlich getröstet und mit Jauchzen durch den Jordan des Todes in das himmlische Basan geführt werden, so wie solche, welche im Leben und Sterben mit einem völligen Glauben beschenkt sind und so ein sanftes Joch und eine leichte Last tragen. Den Meisten unter den Christen aber geht's wie den meisten Stämmen Israels, durch viel Streit nach dem verheißenen Lande. Sie haben täglich ihr Kreuz und jeder Tag seine besondere Plage. Sie haben der Leiden Christi viel und werden geachtet wie die Schlachtschafe. Was aber will uns scheiden von der Liebe Gottes? Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit. Etliche endlich gleichen dem Stamme Levi, welcher gar keinen Erbteil bekam, sondern sein Erbe war der Herr selbst. Diese sind die Armen am Geiste, aber das Himmelreich ist ihr. Es sind diejenigen, welche nichts und doch alles innen haben. Aller eigne Ruhm ist ihrerseits aus und wenn sie sich ja rühmen wollen, so haben sie nur von Christo zu rühmen. In sich selbst haben sie keine Stärke, in sich selbst nichts mehr, worauf sie irgendwie ihr Vertrauen setzen könnten, sondern lauter Armut und Elend, können sich auch selbst nichts nehmen, sondern müssen sich alles vom Herrn geben lassen. Ihr Glück besteht darin, dass des Herrn Güte alle Morgen über ihnen neu, und der Herr gestern, heute und derselbe in Ewigkeit ist. Dabei sind sie aber auch ohne Sorgen, weil der Herr für sie sorgt. Sie wandeln im Glauben, dessen gewiss, dass er ihnen es nicht mangeln lassen werde an einigem Guten, sondern dass er's ihnen darreicht zur Stunde, da sie es bedürfen. Zwar hält sich ihr gesammeltes Manna nicht, aber dessen Ursprung bleibt. Sie bedürfen und bekommen stets neues, so dass ihnen allerlei seiner göttlichen Kraft dargereicht wird, je nachdem es Not tut. Diese sind das arme und elendige Volk, das sich der Herr hat übrig bleiben lassen, dass es auf seinen Namen traue, die Stillen im Lande, die gestorben sind, und ihr Leben ist verborgen mit Christo in Gott; wenn aber Christus, ihr Leben, offenbar werden wird, so werden sie offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. Wir kehren noch einmal zu Basan zurück und finden darin teils ein Bild der neutestamentlichen Ruhe, teils eine Bitte um ihre Zukunft.
Basan, komm, o Ruhe, Basan in ihr ist Ruhe, ist Sättigung, ist die Fülle aller Güter - Leben und volle Genüge das ist ein Ruhm, welcher dem Neuen Testament, welcher dem Evangelium von Jesu oder dem Gnadenbunde mit höchstem Rechte und ausschließlich gebührt. Kein Gut, das wesentlich zu unsrer Glückseligkeit gehört, ist zu erdenken, das hier nicht reichlich anzutreffen wäre.
Jesus Nam', du Perl der Seelen,
O wie köstlich bist du mir!
Dich will ich zum Schatz erwählen;
Was ich wünsch', ist ganz in dir:
Gnade, Kraft und Heiligkeit,
Leben, Ruh und Seligkeit;
Dieser Name, dieser neue,
Ewig meine Seel' erfreue. 1)
In ihr ist Ruhe. Sie ist in weltlichen Dingen nicht anzutreffen. Im Gesetz ist auch keine Rast noch Ruhe.
Du aber bist die rechte Ruh,
In dir ist Fried' und Freude;
Gib, Jesu, gib, dass immerzu
Mein Herz in dir sich weide.
Was ist, o Schönster! das ich nicht,
In deiner Liebe habe?
Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht.
Mein Quell, da ich mich labe. 2)
Durch den Glauben geht es in die Ruhe, wenn die Seele, durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, lebt. Davon gibt es hienieden schon viel Herrliches zu sehen, zu schmecken, zu genießen und zwar nicht bloß in einzelnen Stunden, sondern sogar als ein fortwährender Stand, wo man nur genießt die Früchte dessen, was er ausgemacht, da er uns in dem Gerichte längst mit Ehren durchgebracht.
Solche Seelen finden, wie der halbe Stamm Manasse, gewissermaßen Kanaan schon diesseits des Jordans und mögen mit Paulo sagen: Ferner mache mir niemand Mühe.
Gott selbst mein Vater ist, Ich seines Sohnes Braut;
Sein Geist das Pfand und Band, Wodurch ich ihm vertraut.
Gott hat mir mehr geschenkt, Als allen Seraphinen;
Die Engel stetig mich begleiten und bedienen;
Ich habe was ich will; die ganze Welt ist mein;
Die Hölle fürchtet mich, ich fürchte Gott allein;
Im Himmel wandle ich als eine Königin;
Sag, armes Weltkind! ob ich nicht was Großes bin?3)
So wird sich das Neue Testament noch als ein herrliches Basan wo alle Fülle wohnt auf Erden in hohem Glanze alsdann offenbaren, wenn die Zeit erfüllt sein wird, wo diejenigen, welche nach Off. 20 Teil haben an der ersten Auferstehung und Priester Gottes und Christi sind, mit ihm regieren tausend Jahre. Dann wird das Neue Testament in einem weit helleren Lichte erkannt und verstanden, dann werden die Güter desselben in einem weit reicheren Maße und Umfange ausgeteilt und genossen, dann werden alle Hindernisse weit völliger weggeräumt, der Satan gebunden und alle Feinde gedämpft werden, als es noch jemals selbst zu der Apostel Zeiten geschehen ist.
Wie sollten wir das Ba-San denn nicht zu einer inbrünstigen Bitte und Flehen machen? Komm, o! Ruhe! komm, o! Sattheit der Freude! komm, o Zeit der Erquickung vor dem Angesichte des Herrn, wo alles herwieder gebracht wird, was Gott geredet hat, durch den Mund aller seiner Propheten von der Welt her.
Herr! wann wirst du Zion bauen,
Zion, die geliebte Stadt,
Die sich dir ergeben hat?
Ach, soll sie nicht einmal schauen
Ihre Mauern aufgericht't?
Ja, der Herr verlässt sie nicht. 4)
Dann werden ihm Kinder geboren werden, wie der Tau aus der Morgenröte, und die bis dahin heidnischen Völker werden herzufliegen wie die Wolken und wie die Tauben zu ihren Fenstern, und auch über Israel wird dann wieder ausgegossen werden der Geist der Gnaden und des Gebets. Weinend werden sie kommen und betend und der Herr wird sie führen.
O! Ba-san, Ba-san! Dein Reich komme. Wann wird die Hilfe aus Zion kommen und der Herr sein gefangenes Volk erlösen? Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein, da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. Amen.