Heiliger und barmherziger Gott, von dem die reichste Fülle mannigfaltiger Güter zu uns herniederkommt, der du mir durch Verwandte und Wohlthäter sehr viele Unterstützungen dieses Lebens gereicht hast, ich bitte dich, daß du jenen dagegen mit ewigem Lohne vergeltest! Die mir nach deinem Willen durch ein ganz besonderes Band der Natur und des Blutes verbunden sind, dieselben befehle ich dir ganz besonders zur Bewahrung. Denen ich eine ganz besondere Liebe und vorzügliche Sorgfalt schuldig bin, deren Wohl übergebe ich dir mit ernstem und inbrünstigem Gebete. Gib, daß meine Verwandten mit vereinigten Herzen und Eifer in wahrem Glauben und Gottseligkeit dir dienen, damit alle einst die unverwelkliche Krone der ewigen Herrlichkeit empfangen. Meinen Eltern, die du mir nächst dir als Urheber des Lebens und Unterweiser in der wahren Gottseligkeit gegeben hast, kann ich keineswegs würdig lohnen. Dich bitte ich daher demüthig, als den Urheber alles Guten, und Vergelter aller Wohlthaten, daß du ihre Wohlthaten zeitlich und ewig belohnen wollest. Das Beispiel Christi, deines Sohnes, der nahe am Todeskampfe seinem Jünger die Sorge für seine Mutter empfahl, lehre mich, bis zum letzten Hauch für die Eltern Sorge zu tragen. Es lehre mich die Natur selbst am Beispiel des Storches, daß dem Verdienste der Eltern ein beständiger Dank gebührt. Auch befehle ich dir, gütigster Vater, die Erhaltung meiner Brüder und Schwestern, so wie aller meiner Verwandten. Laß sie Brüder und Schwestern Christi, laß sie Erben des Himmelreiches seyn. Laß sie mit mir im Reich der Gnade verbunden werden, die du mir im natürlichen Leben verbunden hast, und die des Todes Gewalt mit Thränen und Schmerzen schon längst von mir trennte, dieselben bringe mir deine letzte Zukunft mit ewiger Freude wieder. Mach uns Alle zu Bürgern des himmlischen Jerusalems, wie du uns in diesem Leben zu Gliedern der wahren Kirche gemacht hast. Um eben dasselbe bitte ich auch für alle meine Wohlthäter von Herzen; denn schon das Recht der Natur verpflichtet mich zu ernstlicher Sorge für sie und zum Verlangen nach ihrem Wohl. Nimm die in die ewigen Hütten der obern Bürgerschaft auf, durch die du mir so mannigfaltige und reichliche Wohlthaten erwiesen hast. Mein Herz hält dir die untrügliche Verheißung deines Wortes vor, daß du aus Gnaden auch einen Trunk kalten Wassers belohnen wollest; wie viel mehr wird es billig seyn, daß diejenigen deine Freigebigkeit und Wohlthätigkeit erfahren, die mit so freigebiger Hand den Dürftigen Wohlthaten aller Art erweisen. Unaufhörlich müssen deine Wohlthaten auf die zurückfließen, von welchen so reichlich Wohlthaten auf andere abfließen; beständig müsse der Born deiner Güte denen quellen, von welchen so reiche Bäche der Güte ausfließen. O wirke, ich bitte dich, allbarmherziger Gott, daß diejenigen, welche so reichlich Leibliches säen, mit großem Wucher Geistliches empfangen; erfülle die Seelen derer mit Freude, die das Verlangen der Hungrigen stillen; die Frucht der Wohlthätigkeit gehe ihnen nicht unter, obgleich diese von vergänglichen Gütern kommt; gib denen, die Andern geben, du Geber alles Guten, gebenedeiet in Ewigkeit! Amen.