Bauer, Wilhelm Ludwig - Das Evangelium St. Marki in Bibelstunden behandelt - 2. Stunde.

Herr, in deinem Namen sind wir zusammengekommen, zu deiner Freundlichkeit und Treue bitten wir hinauf, gib uns den Geist der Klarheit, dass wir immer mehr an den eigenen Herzen verstehen lernen, wie es ein gewiss wahres und teures wertes Wort ist, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen! Amen.

Wir lesen zu dieser Andacht: Mark. 1, 9-20.

Und es begab sich zu derselbigen Zeit, dass Jesus aus Galiläa von Nazareth kam, und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald stieg er aus dem Wasser und sah, dass sich der Himmel auftat, und den Geist gleich wie eine Taube herabkommen auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und bald trieb ihn der Geist in die Wüste. Und war allda in der Wüste vierzig Tage, und ward versucht von dem Satan, und war bei den Tieren, und die Engel dient ihm. Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus in Galiläa, und predigte das Evangelium vom Reich Gottes. Und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße, und glaubt an das Evangelium. Da er aber an dem galiläischen Meer ging, sah er Simon und Andreas, seinen Bruder, dass sie ihre Netze ins Meer warfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Alsobald verließen sie ihre Netze, und folgten ihm nach. Und da er von dannen ein wenig fürbass ging, sah er Jacobus, den Sohn Zebedäi, und Johannes, seinen Bruder, dass sie die Netze im Schiff flickten; und bald rief er ihnen. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Schiff mit den Taglöhnern und folgten ihm nach.

Sehen wir auf die Verse vor diesem Abschnitte zurück, um den Faden zu finden, an welchem die kostbaren Perlen der Worte und Taten zu unsrem Heile aufgereiht sind; so will der Evangelist uns dartun, dass Jesus der verheißene Retter des erwählten Volkes ist. Ist er das, so muss nach der Verheißung ihm ein göttlicher Bote vorausgehen. Johannes der Täufer ist dieser Bote; denn er ist in der Wüste, wie zuvor gesagt war; er wird von Jerusalem und dem jüdischen Lande dafür erkannt; seine Gestalt und sein Tun, wie seine eigene Verkündigung bezeugen es. Lesen wir nun:

V. 9. “Und es begab sich zu derselbigen Zeit, dass Jesus aus Galiläa von Nazareth kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan;“ so sagen uns diese Worte, dass Jesus selbst Johannes den Täufer für den erkennt, der das Reich Gottes vorbereiten soll, denn er lässt sich von ihm taufen.

Die Taufe Johannes ist eine Taufe zur Buße, ein Zeichen der Reinigung, nicht aber eine Taufe, die den Heiligen Geist, die Kraft der Wiedergeburt schaffen kann. Denn Johannes war nicht so vom Himmel, dass er Himmelsgaben hätte austeilen können; sondern nur so vom Himmel, dass er von Himmelsgaben Zeugnis bringen sollte.

Aber, werdet ihr fragen, warum lässt sich denn Jesus von Nazareth taufen? Er hatte doch von keiner Sünde Buße zu tun, ehe er Hand legen durfte an das heilige Werk, Gottes Reich auf Erden zu bauen. Wahrlich, nein! Aber wie es anderwärts geschrieben ist, er tat es, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Also um all' die Ordnungen zu ehren, die zum Reich Gottes aufgerichtet waren; wie er denn in allen Dingen uns ein Exempel werden wollte und ausdrücklich sagt, dass er nicht gekommen ist, Gesetz und Propheten aufzuheben, sondern zu erfüllen.

Wie darum Gott, der Herr, Johannes den Täufer verordnet, wie er den Weg der Vorbereitung durch das äußere Zeichen der Bußtaufe bestimmt hatte; so erkennt Jesus auch das für sich an, und bestätigt zugleich damit die göttliche Berufung, die dem Johannes gegeben war. Also der Herr des Reiches Gottes erkennt hier öffentlich und feierlich den an, der zum Boten, zum ersten Herold des erschienenen Himmelreichs gesetzt war. Johannes hat nicht Christo die Weihe gegeben, sondern Johannes hat von dem Herrn die Weihe erhalten, als er von ihm die Taufe im Jordan begehrte. Johannes fühlte das, darum, wie ihr anderwärts lest, wollte Johannes zuerst, dass er vielmehr selbst von Jesu getauft werde, als dass er ihn taufe.

V. 10. “Und alsbald stieg er aus dem Wasser und sah, dass sich der Himmel auftat und den Geist gleichwie eine Taube herabkommen auf ihn.“

Gott macht hier offenbar, dass, was Johannes mit seiner Taufe nicht vermochte, nun durch die Taufe Christi eintreten sollte von Oben herab: die Gabe des Heiligen Geistes. Ein lieblich Sinnbild wird von den Umstehenden gesehen, eine Erscheinung, gleich dem sanft schwebenden Fluge der Taube, senkt sich auf Jesum nieder.

Aber, mögt ihr fragen, soll denn hier uns gelehrt werden, dass erst mit seiner Taufe am Jordan Jesus von Nazareth den Heiligen Geist empfangen habe? Sind wir denn nicht durch unser Glaubensbekenntnis anders angewiesen zu glauben? Wir bekennen: „Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unseren Herrn, empfangen vom Heiligen Geist.“

Er war also nicht aus menschlichem Willen, sondern aus dem Heiligen Geiste. Wie soll er hier erst mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, der daraus sein Wesen, wie von der Jungfrau Maria sein Fleisch und Blut hat? Nein, aber wie er hier, den Himmel über sich offen sieht, so kommt ihm hier zuerst für sein zeitlich irdisches Leben die Gotteskraft des Heiligen Geistes, die ihn erfüllt, zum vollen festen Bewusstsein. Ihr wisst ihn ja, euren treuen Heiland, der sich gefallen ließ, vom Himmel auszugehen und aller menschlichen Ordnung untertan zu werden. So ist er als Kindlein geboren, ebenso arm und hilflos, wie der Geringste in unsrer Mitte. Er ist herangewachsen verborgen und unscheinbar, wie so oft das Größte in der Welt zuerst in der Stille gedeiht. So hat sich das Gefühl seiner himmlischen Abkunft zuerst dort geregt, als er aus dem hehren Tempel zu Jerusalem heraustretend seiner Mutter entgegenruft: Wisset ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist! Und jetzt, als er den Himmel offen und von Oben herab das Sinnbild des Heiligen Geistes sich nahen sieht, da fühlt er sich in der Kraft dieses Geistes.

Aber was ihm ein teures Zeichen, eine göttliche Versiegelung war, das konnte die Welt, die noch kein Verständnis hat für den Heiligen Geist, nicht fassen; darum redet der treue Gott zu ihr mit anderen Zeichen. Wir lesen:

V. 11. “Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“

Also, Jesus der Gottessohn, der Beweis dafür heißt weiter: Gott selbst hat ihn dafür erklärt.

Ihr fraget: Warum nicht auch in unseren Tagen solche mächtige Gottesstimmen? Warum nicht auch zu unsern Zeiten solche ergreifende Gotteszeugnisse? Ihr denkt, wenn sie gegeben würden, dann sollte des schnöden Unglaubens, dann sollte der frechen Verspottung der Kirche und Verachtung der Bibel und des Gotteswortes weniger sein, dann würden Manche in sich schlagen, und es besser unter uns werden. Aber haben sie denn nicht Mosen und die Propheten, oder noch mehr, haben sie nicht Christum und die Apostel? Wenn sie denen nicht glauben, werden sie auch nicht glauben, ob Einer von den Toten auferstände; auch nicht, und wenn Gottes Stimme noch so gewaltig in ihre Ohren spräche.

Ihr bekennt ja, hier redet Gottes Zeugnis für Christum so deutlich, dass wer glauben will, des Glaubensgrundes genug hat. Und wer die Welt mehr lieb hat, als den Herrn Jesum Christum, der glaubt nicht, und wenn die Steine schreien. Wie viele Gotteszeugnisse gehen durch unsre Zeit, die alle erweisen, dass nur Gotteswort retten, und nur durch bußfertigen Glauben es besser werden kann; und doch wird nicht Buße getan, wird nicht das Wort Gottes auf den Leuchter erhoben.

Wie nun Gott Zeugnis abgelegt hat, dass Jesus der Sohn ist nach seinem Wohlgefallen; so wird dasselbe offenbar aus der Art, wie er noch besonders zu seinem Werke sich bereitet. Solches schreibt uns:

V. 12 u. 13. “Und bald trieb ihn der Geist in die Wüste, und war allda in der Wüste vierzig Tage, und ward versucht von dem Satan, und war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.“

Bis hierher hatte Jesus als einfacher Zimmermannssohn sich in der Stille zu Nazareth auf seinen Beruf vorbereitet, wie er ihn zum ersten Mal vor der tief bewegten Mutter in seinem zwölften Jahr gedeutet und hatte erkennen lassen, dass er weiß, wen er Vater zu nennen hat. Wie er aber aller menschlichen Ordnung untertan war, so wartete der Gottessohn auch die Zeit ab, die nach dem Gesetz für einen Lehrer in Israel bestimmt war. Mit dem dreißigsten Lebensjahre erst kommt er an den Jordan, tut da den ersten Schritt auf die Bahn seines Berufes. O, diese Demut, diese Hingebung an alle Ordnung, wo findet man sie zu unsern Zeiten? Jeder will richten, Jeder will kritteln, Jeder will die Welt verbessern, wenn er noch nicht einmal sich selbst regieren, kaum vielleicht sich selbst ernähren kann.

Aber als Jesus durch das herrliche Gotteszeugnis am Jordan des Gottesgeistes und des Gottgefallens inne geworden ist; tritt er nun mit Feuereifer auf, umzustürzen die Verkehrtheiten seiner Zeit, die Verblendung seines Volks? Nein, der Heilige Geist ist ein Geist der Demut, der Besonnenheit und der Stille. „Der Geist trieb ihn in die Wüste.“ Fern von der menschlichen Gesellschaft, in der tiefsten Einsamkeit überdenkt er seines Berufes heilige und so gewaltige Aufgabe, überdenkt er seines Volkes und der damaligen Welt Beschaffenheit, überdenkt er die Mittel und Wege, wie das Gottesreich aufgerichtet, und dem Vater im Himmel ein Volk des Wohlgefallens gesammelt werden kann. Und wer ist er, der so menschlich sein Werk vorbereitet? Und wir? - Wie oft unüberlegt; wie selten einsam; wie selten im Gebete, wenn es auch die wichtigsten Schritte unsres Lebens gilt! Darum aber darf es uns auch nicht wundern, wenn so Vieles uns zum Unglück ausschlägt; wenn so Manches uns, selbst wo wir nicht bösen Willen hatten, doch in Sünde stürzt. Aber wir arme Menschen glauben so gern an unsre Tugend, an unsre Stärke, und denken nicht uns zu bereiten, dass die Sünde uns nicht übereile.

Aber die Einsamkeit der Wüste soll nicht bloß Zeugin ernster Vorbereitung, sondern sogar gewaltiger Kämpfe sein: „er ward versucht von dem Satan.“

Die Versuchungen selbst werden hier uns nicht weiter erzählt, aber es ist auch schon genug, wenn es heißt: vom Satan. Da sind Versuchungen uns gedeutet, schwer und bedenklich, wie sie von Gottes Barmherzigkeit gegen unsre Schwachheit nicht zugelassen werden; denn er ist getreu, dass er uns nicht lässt versucht werden über Vermögen. Versuchungen, wie sie in gleichem Maße nicht mehr gegen uns hervortreten, seit der Herr den Satan für uns überwunden hat. Und er überwindet den Satan mit aller seiner List, und das so einfach, wie auch wir ihn überwinden können an der Hand unsres Herrn mit Gottesgedanken und Gotteswort. Er überwindet sie, ob auch keine treue Freundesseele ihm zur Seite steht, „er war bei den Tieren.“ Ist aber Niemand nahe, der seinen Sieg feiert, so sind Gottes Engel da, ihn zu verherrlichen: „die Engel dienten ihm.“ Wie sie in der Weihnacht den Menschgewordenen verherrlichten durch ihre Lobgesänge; so preisen sie den Sieger des Teufels, der nun sich bereitet, auch Sieger des Todes und Grabes für uns zu werden.

V. 14. 15. “Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus in Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen; tut Buße und glaubt an das Evangelium.“

Johannes, der Täufer, hatte nicht bloß Entbehrung übernommen und Entsagung auf die Lust und Herrlichkeit der Welt, als er dort in der Wüste predigte und mit der dürftigen Nahrung der Wüste sich begnügte; sondern er war auch bereit, der Welt Feindschaft dafür zu tragen, dass er zur Buße rief und ihre Sünde ihr ins Angesicht sagte. Herodes, der Sohn jenes Herodes, des Mörders der Kinder zu Bethlehem, dessen, unter welchem Christus geboren war, dieser Herodes war jetzt Vierfürst von Galiläa, hörte von der ernsten Gestalt des Predigers in der Wüste und wollte ihn sehen, da seine Seele im Geheimen sich dem Gedanken nicht verschließen konnte, dass an diese Erscheinung doch eine bedeutungsvolle Zeit sich anschließen werde. Johannes tritt vor ihn hin, aber auch als Prediger der Buße. Er ruft ihm ins Angesicht: „Es ist nicht recht, dass du sie hast.“. Denn der vornehme Wüstling lebte in verbrecherischem Verhältnis mit Herodias, dem angetrauten Weibe seines Bruders. Aber diese Herodias ließ es dem Prediger der Buße entgelten; er wurde überantwortet ins Gefängnis, und wie er darin hernach selbst gegen den Willen des leichtsinnigen Herodes zum Tode gebracht wird, erzählt der Evangelist später.

Nachdem so das öffentliche Wirken Johannes des Täufers zu Ende, somit seine Aufgabe gelöst war, die Zeit vorzubereiten, in welcher das Heil kommen sollte; da tritt Jesus selbst in Galiläa auf und predigt das Evangelium vom Reiche Gottes, also das, worauf das Volk Israels seit den Propheten gewartet hatte. So spricht er: „Die Zeit ist erfüllt.“ Das Prophetenwort hatte immer in die Zukunft gewiesen, hatte von dem Heil geredet, das kommen werde, wenn das Maß der Zeit voll sein werde, das Gottes Weisheit zuvorbestimmt hatte. Nachdem das Volk von Jahrhundert zu Jahrhundert geharrt und von manchem falschen Messias sich hatte täuschen lassen, wird von Johannes angesagt, dass jetzt das Reich Gottes nahe herbeigekommen, und darum die ernsteste Vorbereitung nötig sei: Nun tritt Jesus von Nazareth hervor und bringt die Botschaft: „Die Zeit ist erfüllt.“ Der Morgenstern ist aufgegangen, der Tag herbeigekommen.

Aber beachtet auch wohl, wie Jesus mit dem Worte: Die Zeit ist erfüllt! wieder auf das Alte Testament weist, und es anerkennt. Denn dieses hatte ja die Zeit vorausgenannt, auf die Dinge hingewiesen, die erst vorhergehen, die die Zeit ausmachen sollten, ehe der verheißene Retter seines Volkes kommen werde. So konnte man aus dem Alten Testamente prüfen, ob es sich also verhalte, wie der Herr es ansagte.

Jesus will geglaubt haben, weil das Wort des Alten Bundes für ihn Zeugnis ablegt.

Er spricht: Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Das war für die Ohren des Volkes Israel eine frohe Botschaft. Freilich wisst ihr, im fleischlichen Sinne dieses Volkes, in seinem irdischen Gelüste verstand es das Reich Gottes nicht, wie der Herr es wollte. Es erwartete ein Reich, in welchem ein von Gott gesendeter Gewaltiger aus Davids Geschlecht, Herr und König des Volkes sein, Gewalt und Macht bringen, die fremden Herrn und Gewalthaber aus dem Lande treiben und für Israel gute Tage schaffen werde.

Und ja, der Herr, unser treuer Heiland, will auch diese Erde zu einem freundlichen Lande uns umschaffen, wo Friede sein und wir uns freuen sollen in unsrem Gotte. Darum spricht er vorerst nicht gegen die Erwartungen des Volkes, nicht näher sich aus über sein Reich; aber er lässt recht wohl merken, wie er weit mehr fordert, als zu einem bloß irdischen Reiche notwendig sein werde. Er fordert nicht bloß, wie Johannes, Buße; sondern er fordert auch Glauben an das Evangelium.

Nicht bloß also, dass man alle Sünde und Unreinigkeit abtue, nicht bloß Buße, verlangt der Herr, sondern dass man glaube, traue auf die frohe Botschaft, dass von Oben das Reich werde gebracht werden. Hier fordert er noch nicht Glauben an sich selbst, an den Namen, der über alle Namen ist; nur Glauben an die Botschaft vom Reiche Gottes. Diesen Glauben konnte, musste er von vornherein unter einem Volke verlangen, zu welchem die Propheten geredet hatten, getrieben vom Heiligen Geist. Der Glaube zur Wiedergeburt ist es noch nicht, denn noch hat er selbst sich nicht erwiesen als den, welcher für uns gestorben ist, dass er sich uns erkaufe, als ein Volk des Eigentums, das fleißig sei zu guten Werken. Hier ist's der alttestamentliche Glaube, der Anfang auch unseres Glaubens, das feste unbedingte Hingeben an das Wort von Oben. „Es steht geschrieben;“ das muss uns genug sein. „Wie der Prophet gesagt hat;“ das muss uns Beweis sein. So muss, Geliebte, auch unser Weg des Glaubens gehen, dann wird sich das Licht des Glaubens uns auftun, der Geist des neuen Lebens wird sich von uns erfahren lassen; wir werden die Verheißung erlangen, dass der Glaube uns Friede und Seligkeit wird.

Aber soll die frohe Botschaft geglaubt werden, so muss sie gepredigt werden, wie denn geschrieben steht: Der Glaube kommt aus der Predigt. Aber keine Predigt ohne Berufung. So sehen wir auch hier Berufung. Jesus stellt auch darin als Gottessohn sich dar, wie er seine Jünger beruft. Lest:

V. 16 - 20.

“Da er aber an dem galiläischen Meere ging, sah er Simon und Andreas, seinen Bruder, dass sie ihre Netze ins Meer warfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Alsobald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und da er von dannen ein wenig fürbass ging, sah er Jakobus, den Sohn Zebedäi, und Johannes, seinen Bruder, dass sie die Netze im Schiffe flickten; und bald rief er ihnen. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Schiff mit den Taglöhnern, und folgten ihm nach.“

Liebliches Bild! Zwei Brüderpaare, die der Herr zu seinem Werke heranruft, und die in seltenem Gehorsam des Glaubens sofort ihr irdisches Tagewerk verlassen und ihm nachfolgen. Das waren Seelen, die hatten Sinn für das große Wort: Ich will euch zu Menschenfischern machen! Die Einen mitten in ihrer Arbeit, die Andern, da sie eben sich bereiten zu ruhen von ihrer Arbeit; und jene wollen nicht erst ihre Arbeit vollenden, diese nicht erst die wohlverdiente Ruhe genießen; als der Herr ruft, da verlassen sie alsbald Alles und folgten ihm nach. Geliebte, mit welchen Gefühlen mochte Vater Zebedäus auf solche Söhne hinsehen! Seliges Vaterherz, das seine Söhne so freudig, so opferbereit, auf die Wege des Herrn treten und seinem Rufe folgen sieht!

Aber erkennt auch den, welcher wusste, was in den Menschen ist, und bedurfte nicht, dass ihm Jemand Etwas sage. Ein Blick des Herrn und unter dem rauen Gewand der Arbeit hat er die Herzen erkannt, die offen sind für die Verheißung, sie sollen Menschenfischer werden. Wahrlich, der Gottessohn steht vor uns.

Der Gottessohn steht vor uns, wie er so sprechend das Werk andeutet, an welches er selbst die Hand gelegt hat, und zu welchem er jene einfachen Männer als Gehilfen sich erwählt. Er will sie zu Menschenfischern machen. Er will ihnen das Netz in die Hand geben, womit sie aus dem unruhigen Meere dieser Welt die emporziehen, und auf sicheres Land bringen sollen, welche die Gnade erwählt hat, dass der Name, Jesu Christi ihnen eine Ursache werde der Auferstehung. Eine Arbeit, oft im Schweiße des Angesichtes zu tun; aber, der sie ruft, wird auch mit ihnen sein, das Werk hinauszuführen, das er ihnen vertrauet hat. Auf des Herrn Wort hat Petrus das Netz im Genezareth ausgeworfen und eine große Menge Fische beschlossen, obwohl er vorher mit seiner eigenen Kunst nichts gefangen hat; auf das Wort des Herrn will er jetzt auch das Netz auswerfen, eine kostbare Beute, Menschen zu fangen für das Reich Gottes.

Seht nun zurück auf unsre Textesworte, und ihr erkennt, der Evangelist will Jesum als den Sohn Gottes von uns erkannt haben; erkannt daran, wie er selbst sich auf sein Werk bereitet, und wie er dann Hand leget an sein Werk. O, dass uns Allen das Auge der Erkenntnis recht ausgetan sei, damit es werde zum Auge des fröhlichen Glaubens; ihr wisst, dann soll es einst kommen zum seligen Schauen. Das walte der Herr! Amen.

Gebet.

Herr, auf deinem Reiche stehen alle unsere Hoffnungen; denn nur als Erben deines Reiches können die Pforten des Himmels sich uns auftun. So bitten wir dich, ergreife unsre Seelen mit der Kraft des Glaubens an deinen Namen, dass wir mit demütigen Herzen dein Wort hören, mit festem Schritte die Wege gehen, die du uns heißest, und mit treuem Sinne die Kämpfe bestehen, die uns verordnet werden. Dann hilfst du uns vorwärts von einer Klarheit zur andern, dann segnest du uns mit jener Zuversicht, dass wir an deiner Hand uns fühlen und unter deinem Schutze sicher trauen. So warten wir getrost der seligen Stunde, da dein Heiliger Geist unserem Geiste das Zeugnis gibt, dass wir Gottes Kinder sind. Und sind wir dann Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben des Herrn Jesu Christi. Unter solchem Glaubenssiegel überwinden wir weit, dass, wenn unsere Stunde kommt, wir getrost hingehen in dem letzten Beten: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Dazu, Herr, hilf uns nach der großen Barmherzigkeit, in welcher du verheißen hast: Wer zu dir kommt, den wollest du nicht hinwegstoßen. Amen.