Juda, Leo - Über Erasmus von Rotterdam, Luther und deren Abendmahlsverständnis

Ursprüngliche Quelle: Des Hochgelahrten Erasmi von Roterdam und Doctor Luthers Meynung vom Nachtmal unsers HErrn JEsu Christi neulich ausgegangen auf dem XVIII. Tag Aprellens. Von Ludovicus Lopoldi Pfarrer zu Leberau (Anonym)

Erasmus

Ich habe vor Zeiten auch mit grossem Fleiß des hochberühmten Erasmi Bücher gelesen und als viel ich mich jetzt noch besinnen mag, nennet er das Brot und Wein des Nachtmals an vielen Orten Symbola, das ist, Bedeutzeichen und Symbolicum panem, das ist, ein bedeutlich Brod. Die Orte sind mir jetzt entfallen, aber ich meyne, es sey in Adagiis und Querel Pacis, auch im Enchiridion, welches gar ein nützliches Büchlein ist. Im fünften Canon redt er also: So gar ist das Fleisch nichts nütz, daß auch Christus das Essen seines Fleisches verwirft, es sey dann, daß mans geistlich durch den Glauben esse.

Luther

Für das andere, was Meynung der Luther sey in diesem Sacrament, will ich dich bescheiden. D. Luther hat erstlich heftigen Fleiß angekehrt das Pabstthum ganz um zu kehren. Und auf solches hat er unter andern Büchern eins gemacht de Abrogatione Missae, von Abthuung der Meß. Im selbigen Büchlein im Anfang schreibt er einen Sendbrief zu seinen Brüdern zu Wittenberg seines Ordens und am End desselbigen Briefs schreibt er also: Wir sollten GOtt bitten, daß er Werkleute schicke in seine Ernd und seine Boten, die alle Aergernuß und Verletzung sammeln aus seinem Reiche, deren fast viel sind. Doch so habe ich jetzt das allertreflichste vor die Hand genommen zu bestreiten. Wo ich das hin möchte nehmen, habe ich nicht nur eins hinweggenommen, so doch die Meß gar noch das Hauptstück ist aller Aergernuß und Verletzung. Was ist nun die Meß anders, dann so die Pfaffen vermeynen, sie machten mit den Worten, das ist mein Leichnam, daß aus dem Brod Fleisch und Blut Christi dem Vater für die Lebendigen und Todten geopferet worden: Dann, wo die Papisten nicht vermeynten, daß das wahre Fleisch und Blut Christi zugegen wären, so opferten sie GOtt dasselbige nicht, dann schlecht Brod und Wein opfern sie GOtt nicht, rc.

Quelle: Füßlin, Johann Georg - Beyträge zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes - Band 5

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