Jonas, Justus - Eine fast tröstliche Predigt und Auslegung der Historien von den wunderbaren XL Tagen in Actis Apostol. Cap. 1

Wolfenb. 1715. S. 119. Eine fast tröstliche Predigt und Auslegung der Historien von den wunderbaren XL Tagen in Actis Apostol. Cap. 1. (dergleichen Tage nie auf Erden gewesen). Item von der Auferstehung der Todten, des künftigen seligen Lebens im Himmel, wie es das Symbolum Nicen. nennt, Vitam futuri saeculi, wider alle Epikurer. bösen Teufelssamen, sonderlich zu Rom, so die wahre Religion verachten, alle Gottesworte und öffentliche Werke aufs neue in Wind schlagen, zu Regensburg in Baiern gepredigt, Anno Dmni 1553 erstlich, jetzund Anno 1554 in Druck gegeben. Durch Justum Jonam, den Ältern, Nordhusanum Doctor.

Text: Apostelg. 1 (V. 1-3.).

Es ist ein sonderlieblicher, trefflicher, schöner Text in den Geschichten der Apostel am ersten Capitel, da Lucas der Evangelist beschreibet, dass der Herr Christus nach seinen Leiden und Auferstehung den Aposteln, welche er erwählt hatte, sich lebendig erzeigt durch mancherlei Erweisung, und hat sich sehen lassen unter ihnen vierzig Tage lang und hat mit ihnen geredet vom Reiche Gottes, das ist, hat ihnen gethan solche Predigt von dem hohen Rathe Gottes und von dem Geheimniss des hohen, göttlichen Werks der Erlösung, vom ewigen Reich Messiä, wie wir in der unendlichen Ewigkeit, in jenem künftigen Leben, von unserm lieben Herrn Christo im Himmel hören werden. Dieses Stück in den Geschichten der Apostel am ersten Capitel soll billig im österlichen Feste, wenn wir von der Auferstehung reden, gehandelt werden mit grossem Fleiss. Denn diese vierzig Tage sind die wunderbarsten vierzig Tage oder sechs Wochen gewesen, die je auf Erden gekommen sind. Da haben wir ja ein klar, herrlich Zeugniss wider die Epikurischen Säue und verroheten Weltkinder, welche kein künftiges Leben glauben, dass hier auf Erden unser lieber Herr Christus das himmlische ewige Wesen angefangen, da er in seinem unsterblichen, verklärten Leibe (in Maassen, wie er jetzt oben im Himmel auf dem Throne der Majestät sitzt) den Aposteln sechs ganze Wochen oder vierzig Tage gepredigt hat vom Kelche Gottes. Das werden gar treffliche, hohe, fröhliche, himmlische Predigten gewesen sein. Es ist kein trefflicherer Synodus, kein höher Concilium von Anbeginn der Welt niemals auf Erden geschehen. Der Herr Christus hat sonst auch nach seiner Auferstehung ein trefflich Gespräch mit den zwei Jüngern, so gen Emaus gingen, Luc. 24. gehalten; aber es ist dieser Unterredung, da der Herr Christus, wahrer Messias, vor den Aposteln, so noch am Leben waren und vor den hohen Patriarchen und Propheten, welche nach seiner Auferstehung auch aus den Gräbern gegangen und von den Todten auferstanden, diese Rede gethan, nicht gleich. Da hat er geredet vom Reiche Messiä, das ist, von dem gräulichen Schaden, so der Satan, die alte Schlange, im Paradiese gethan, und wiederum von der überschwänglichen, grossen, göttlichen Kraft und mächtigen Stärke, welche Gott gewirkt in Christo, da er ihn hat von den Todten erwecket, die Hölle, Sünde und Satan überwunden, dem Tode die Macht genommen, wie St. Paulus davon zu den Ephesern am l. Cap. auch mit himmlischen, flammenden, feurigen Worten gepredigt, also, dass solch kräftig Wort aus keinem andern Munde gehen konnte, denn aus Pauli oder Christi selber. Was nun belangt diese seligen, wunderbaren vierzig Tage oder sechs Wochen, in welchen der Herr sich lebendig erzeiget seinen Aposteln, ob auch etlich mehr Patriarchen und Propheten nach seiner Auferstehung von den Todten auferstanden und also bei diesem Gespräch gewesen, schreibt Matthäus in seinem 27. Capitel, da der Herr Christus am Kreuze gestorben, da sei der Vorhang des Tempels von oben an bis unten aus gerissen, die Erde habe gezittert und gebebet, die Felsen sind zerrissen, die Gräber haben sich aufgethan, und sind aufgestanden viele Leiber der Heiligen, die da geschlafen (das ist, vorlängst gestorben gewesen sind) und sind hervorgegangen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und sind gesehen worden in der heiligen Stadt Jerusalem und Vielen erschienen. Diese Heiligen, so mit ihren Leibern auferstanden (da Christus der Erstgeborene gewesen von den Todten) halten etliche Lehrer (wie auch der Text klar von Heiligen, das ist, nicht von wenigsten Heiligen stimmet), dass es gewesen sind die höchsten, heiligsten, fürnehmsten Väter und Patriarchen von Anbeginn der Schöpfung, als nämlich Adam, Seth, Enos, Kenan, Mahalaleel, Jared, Henoch, Methusalah, Lamech, Noah, Abraham, Isaac, Jakob, item Eva, Sarah, Rebecca, Rahel und andere dergleichen heilige Matronen. Und dieser Meinung, dass diese die Heiligen sind, so von den Todten mit ihren Leibern aus den Gräbern gegangen, ist auch Reveren. Doctor Martinus und D. Philipp Melanchthon in vielen ihren Schriften und Trostreden, so sie vom Osterfeste an den Tag gegeben haben; wie er, D. Philipp Melanchthon, auch meldet, dass diese Versammlung der hohen heiligen Väter und Propheten mit dem Herrn gen Himmel gefahren, wie denn dies Gespräch der vierzig Tage ohne Gegenwärtigkeit der heiligen Engel nicht gewesen ist. Wenn nun gleich dies Gespräch allein mit den Aposteln, Maria und den andern gehalten wäre die langwährende liebliche Zeit (nämlich die vierzig Tage), so wäre es doch und ist ein Anfang des ewigen himmlischen Lebens und Wesens gewesen, dergleichen in der ganzen heiligen Schrift an keinem anderen Orte so klar gemeldet wird. Ach lieber Gott, wenn wir den Einfältigen ein Gleichniss oder Exempel geben, so wird es desto lieblicher und klarer. Wie manch fromm gottesfürchtig Herz fände man wohl, wenn es möglich wäre, dass St. Augustinus oder Doctor Martinus Luther vom Tode auferstände, und sollte ein solcher gottesfürchtiger Mensch nicht allein vierzig Tage, sondern nur ein Stündlein mit ihm reden, er gäbe all sein Gut darum. Was viel mehr und höher wird dies für eine herzliche Freude und Wonne, freudenreiches Gespräch gewesen sein, da der Sohn Gottes, Jesus Christus mit den Aposteln, mit welchen er auf Erden umgegangen, vor ihnen Mirakel gethan, nach seinem Leiden und Auferstehung freundlicher, süsser und lieblicher geredet hat, denn kein Menschenherz mit allen Gedanken erlangen oder begreifen kann! Man sieht und erfahrt, was es für eine Brunst, herzliche, liebliche Freude und Wonne ist, wenn hier auf Erden in diesem vergänglichen Leben Vater und Sohn oder gute Freunde eine Zeit von einander gewesen und doch darnach einander wiedersehen. Was wird dann dies für eine Freude gewesen sein, da die lieben Jünger, Apostel und, wie aus Matth. 27. zu vernehmen, die lieben Patriarchen, Adam, Seth, item Abraham, David, Enos, Jared, Henoch u. s. w., den Messiam und Heiland im Anfang seines ewigen Reiches gesehen, auf welches Zukunft sie so ämsig gewartet, von welches herrlichem Reich (dass es zukünftig wäre) Adam allein, ohne 70 Jahre, tausend Jahr gepredigt und die anderen Väter (so mit ihm gelebt) etliche hundert Jahre gelehret! Gott der Herr hat gewollt, dass dieses allein sollte ein Anfang sein des ewigen himmlischen Wesens, dadurch er allein seinen lieben Aposteln so klar gepredigt, vom Reiche Gottes, wie er denn auf dem Berge Thabor auch ihnen eine besondere Offenbarung giebt, Matth. 17. Für die andere ganze Kirche sollte Dieses gespart werden in das künftige ewige Leben, da alle Gläubigen und alle heiligen Kinder Gottes in der ewigen himmlischen Kirche und ewiger Seligkeit das Reich Gottes vollkommen erkennen sollten und den Herrn Christum in Ewigkeit mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wie Petrus 1. Petri 1. sagt, sehen und hören. Darum gedenken dieses Gesprächs die Apostel nicht so klar in ihren Episteln. Ganz klar zeugen sie aber, dass sie nach seiner Auferstehung mit ihm haben gegessen und getrunken, in Actis Cap. 10., und ihn hören predigen.

Also ist dieses wunderbare Gespräch, welches Lucas am 1. Cap. gedenkt, ein Anfang gewesen auf Erden des ewigen himmlischen Lebens, also dass dadurch klar bekräftigt wird wider die blinde Welt und Epikurer der Artikel unseres heiligen Symboli, da wir bekennen: Wir glauben ein Leben der künftigen Welt; wie auch Paulus zu den Ephesern am 1. sagt, dass Christus ein Haupt gesetzt sei der Kirche und der Gemeine, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. St. Paulus 2. Cor. 12. sagt von seiner Offenbarung, da er gezückt ist in den dritten Himmel, er habe solche Dinge gehört und gesehen, welche kein Mensch könne ausreden. Welcher Redner oder Prediger unter der Sonne will nun ausreden, was in diesem Synodo heiliger, fürtrefflicher Versammlung der Herr Christus mit Adam geredet, mit der hohen, trefflichen Matrona Eva, mit Maria, der hochgelobten Jungfrauen! Denn von geringen Dingen, von Gold oder Silber, sind nicht ihre Reden gewesen, sondern von dem hohen, unbegreiflichen Werke der Erlösung, nach Adam's Fall, des ganzen menschlichen Geschlechts. Denn fast werden ihre Reden gleich gewesen sein den lieblichen, herrlichen Gesprächen Maria und Elisabeth's, Lucä 2, da Elisabeth spricht: Selig bist du, welche du geglaubt hast; in dir wird erfüllet werden u. s. w. Und die liebe, hohe Matrone Eva wird auch zu Maria gesagt haben: Von wannen kommt mir, dass erst nach viertausend Jahren, dass nun die Mutter meines Herrn mir, zu sehen und anzureden, kommt. Wer kann mit Gedanken oder Worten erlangen, wie liebliche Reden die heiligen Apostel mit den Patriarchen und Propheten, wie oben angezeigt, von den Todten auferwecket, gehabt, wie Sarah, Rahel, dergleichen heilige Weiber diese vierzig Tage mit Maria und den Aposteln von den hohen Sachen freundlich geredet, und wie Maria und die Apostel sie wiederum gefragt, freundlich, lieblich Antwort empfangen.

Und zeigen also diese 40 Tage an, dass im neuen Testament oder Evangelio ganz klar ohne alle Verdeckung oder Dunkelheit nicht allein die Lehre herfürgebracht ist, durch welche angezeigt wird das künftige Leben und Auferstehung aller Todten, darauf dann folgen wird das Gericht, ewige Herrlichkeit, Freude und Trost der Gläubigen und ewige Qual der Gottlosen; sondern dass auch diese grossen Sachen auf Erden hienieden in der Kirche angefangen, und dass also der rechte, fröhliche, lebendige Anfang des künftigen, neuen, ewigen Lebens, darin himmlische, vollkommene Weisheit, neues himmlisches Licht und klare Gotteserkenntniss, vollkommene Gerechtigkeit ohne alle Sünde, Tod, ohne Krankheit, ohne Gebrechen oder Schwachheit sein wird, da auch vollkommene Gegenwärtigkeit, nicht zweier oder dreier, sondern aller heiligen Engel sein wird, offenbaret den Aposteln und der anderen Versammlung, so dazumal aus wunderbarem Rath Gottes haben sollen dabei sein, und ist ihnen klar vor die Augen gesetzt, dass der Herr Christus, auferstanden von den Todten, sich vierzig Tage hat lebendig sehen lassen, und viel hohe Patriarchen und Propheten nach seiner Urstendt auch von den Todten erweckt sind, wie im Matthäo 27. gemeldet wird. Dieses wunderliche Werk Gottes wird nicht umsonst mit so klaren, wiewohl kurzen Worten in den Geschichten der Apostel am l. Cap. beschrieben. Der Herr Christus hat gewollt, dass diese seine eigene fröhliche, herrliche Auferstehung (welche der Apostel Paulus Ephes. l. Cap. als die rechte Posaune eröffnet und helle an den Tag giebt, ja dass die Auferstehung der anderen lieben Väter und Heiligen, welche nach seiner Auferstehung auch aus den Gräbern gegangen, die freundliche, herzliche Versammlung und Gespräche dieser wunderbaren vierzig Tage bei den Aposteln und der anderen Versammlung sollten sein ein gewiss, wahrhaftig, beständig, klar Zeugniss, dass die heilige Kirche gewiss einer gemeinen, fröhlichen, herrlichen Auferstehung, eines anderen, viel besseren, künftigen, seligen Lebens und Wesens in jener Welt und ewiger Seligkeit zu erwarten habe. Wenn wir diesen herzlichen, überreichen, herrlichen Trost, der mit aller Welt Pracht und Freude nicht zu vergleichen ist, zu welchem uns der heilige Geist durch St. Lucam hat erwecken wollen, Abends, Morgens oft betrachten, und unsere Herzen und Willen gänzlich ohne Wanken auf diesen Worten und Zeugnissen festständen, würde nicht allein unser Glaube an diesen edlen Trost recht gestärkt, sondern wir würden auch alle Trübsal, Kreuz, Unfälle, Sorge, Fährlichkeit dieses allerkürzesten, vergänglichen, sterblichen Lebens desto leichter tragen und fleissig sehen auf dieses edle, heilige Concilium, allerfröhlichsten Synodum Christi und solcher hohen, von den Todten auferweckten Väter und grossen Heiligen. Es wäre das l. Capitel in den Geschichten der Apostel wohl werth, dass Viele diesen Text erwogen und darüber geschrieben hätten. Aber dieweil es kurz von diesen Sachen redet, hat man's Übergangen. Es ist doch der Spruch von den seligen, wunderbaren 40 Tagen ein herzlich Trostzeugniss, es ist doch durch diese Historie und treffliche Geschichte der 40 Tage aller Zweifel und Wanken von der Auferstehung und ewigem Leben rein und zu Grunde aufgehoben, da ist klar ein edler, fröhlicher Anfang des Himmelreichs und ewigen Lebens von den Aposteln und den höchsten Menschen und Patriarchen, so je unter der Sonne gelebt, erfahren und gesehen worden. Da sind in Versammlung bei einander gewesen Christus selbst und die heiligen Apostel, so viele treffliche Erzväter, welche einander in den neuen auferweckten Leibern mit unaussprechlicher, herrlicher Freude (wie Petrus sagt) angesehen, aufs lieblichste geherzt, mit einander geredet, dass freilich den Aposteln zu Sinne gewesen, wie Petrus sagt, Matthäi 17. vom Berge Thabor: Herr, hier ist gut sein, willst du, so wollen wir drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine und Eliä eine. Denn wir sollen nicht gedenken, dass der Herr Christus und die anderen Väter und Heiligen, so nach der Auferstehung auch von den Todten erwecket, wann sie von den Aposteln, der allerheiligsten Jungfrau Maria sich haben sehen lassen, dass sie wie vergängliche Gespenster oder Geister verschwunden, sondern sie sind wahrhaftig in ihren Leibern und Körpern wie der Herr Christus erstanden und sind oft zusammenkommen und haben die vierzig Tage durch mit unaussprechlicher Freude und ganz lieblichen und herzlichen Reden und Gesprächen zugebracht, von dem hohen vortrefflichen Werke Gottes (welches höher, dann die erste Schöpfung ist), nämlich von der Erlösung und Ergetzung menschlicher Natur, von dem Reichthum des herrlichen Erbes (Ephes. Cap. 1.), durch Messiam, den Sohn Gottes erworben, haben sie geredet. Item, von den überschwänglichen Reichthümern und Schätzen der Gnaden Christi, von Ausbreitung des Evangelii in alle Länder und Nation, unter die Heiden und andere Völker. Auch haben sie mit dem Herrn ohne Zweifel gegessen und getrunken, zum Zeugniss ihrer wahrhaftigen Auferstehung, wie in der Apostelgeschichte am 10. Capitel die Apostel von dem auferstandenen Herrn Christo sagen: Wir haben mit ihm gegessen und getrunken. Also sind auch andere Zeichen und Zeugnisse reiner, vollkommener und wie Petrus (l. Petri 1) sagt, reiner, unbefleckter Freude unter ihnen vorhanden gewesen. Diese vierzig Tage sind ein herrlicher, freudenreicher Anfang des Himmelreichs hienieden auf Erden gewesen, nichts Grösseres, nichts Dergleichen ist je auf Erden von Anbeginn der Welt geschehen, und so Gott der Herr diese 40 Tage eine solche wunderbare, unerhörte Sache hat sehen lassen und öffentlich auf Erden hier des ewigen Himmelreichs und Lebens einen Anfang gemacht, so sollen wir diesen allerheiligsten Synodum und der 40 Tage himmlische Schule und Versammlung alle Zeit im Herzen behalten und betrachten; denn aus diesen können wir von anderen grossen Sachen, von der herrlichen, künftigen Auferstehung aller Gläubigen in Christo gewiss und beständig Zeugniss haben, und uns nun mit diesen 40 Tagen zu trösten, sollen wir daneben erwägen die lieblichen, tröstlichen, klaren Sprüche Matthäi 25. von der Auferstehung und ewigem Leben: Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmet ein das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Item Joh. 5. und 6.: Das ist der Wille meines Vaters, der mich gesandt hat, dass ein Jeglicher, der da siehet den Sohn und glaubet an ihn, habe das ewige Leben, und ich will ihn auferwecken am jüngsten Tage. Und St. Paulus 1. Cor. 15. streitet gewaltig für den Artikel von der Auferstehung wider die blinde Welt und säuischen Epikurer, giebt herrlich Gleichniss, sagt, es sei ganz gewiss die Auferstehung der Leiber, so begraben sind, als gewiss jährlich neuer Weizen, Gerste, Korn herfürbricht, welches in die Erde gesäet ist und erstlich in der Erde stirbt, darnach erst neu erwächst. Darüber sind von diesem Artikel die gewaltigen Sprüche in den Psalmen und Propheten, als Esaiä am 26. Solche Zeugnisse sollten gläubige Herzen aus den Geschichten der Apostel und Episteln der Apostel fleissig sammeln und St. Pauli Rath und Trostrede folgen, da er sagt 1. Thessal. 4.: Tröstet euch, liebe Brüder, in allen Nöthen und Anliegen mit diesen Worten. Als sollte er sagen: Die ganze Welt kann euch mit allem ihrem Gold und Silber, mit aller ihrer Freude einen solchen Trost nicht geben. Die Auferstehung Christi, unseres Herrn, ist an ihr selbst eine Historie, welcher die Welt nicht werth ist. Ja, es ist eine wunderbare, fürtreffliche Historia voller Weisheit, voller geistlichen Saftes, voller Freude und Wonne, geistlicher Lust und Süssigkeit, voll reichen Trostes, da die Apostel, welche noch sterblich waren, mit dem auferstandenen Herrn Christo geredet. Bedenk, mein Christ, was sollte es für eine Freude sein, wenn wir jetzt, wenn wir von der Predigt anheim auf den Mittag kommen, deinen und meinen Vater (welcher vor 40 oder 50 Jahren begraben) über Tisch fänden sitzen. Bei diesem Gleichniss ist den Einfältigen abzunehmen, was es für eine Freude wird sein, wenn wir nicht allein mit unsern Altern und Ahnherren, sondern mit den hohen Patriarchen in ewiger Seligkeit werden zusammenkommen. Da werden wir Paulum, Athanasium, Polycarpum, die lieben Apostel, Jünger, ja unsern Doctorem Martinum Alle wieder sehen. Darum sind die Christen gar anders gesinnt, denn die Epikurer. Das höchste Alter eines Menschen jetziger Zeit sind 70 Jahre, aufs Höchste 80. Von den 70 Jahren sind 20 Jahre gar nahe eitel Kindheit. Da weiss ein Christ wohl, dass die edle Creatur Mensch um der armen sechszig, siebenzig Jahre willen nicht geschaffen ist, sondern zu der unendlichen, fröhlichen, unsterblichen Ewigkeit im Himmel sind wir geschaffen. Darum tröstet sich St. Paulus mit der Hoffnung der seligen Erlösung und Auferstehung, 2. Timoth. am letzten Cap., und mit dem seligen Wesen, Leben futuri saeculi: Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird. Er nennt die Auferstehung mit sonderem, brünstigem, fröhlichem Glauben und Geist „jenen Tag“ als sollte er sagen: An dem Tage, darauf wir Alle hoffen und herzlich warten (ach, wollte Gott, er käme heute, der selige, herzliche Tag und erlösete uns von der bösen, untreuen Welt!). St. Paulus an vielen Orten und auch St. Petrus in seiner Epistel reden gar mit fröhlichem, wackerm Glauben und Geist von solcher Freude und Seligkeit des ewigen Lebens. Also lesen wir von dem künftigen Leben gar einen trefflichen Spruch St. Pauli in der anderen Ep. zu den Corinthern, Cap. 5. Wir wissen aber, so unser irdisches Haus dieser Hülle zerbrochen wird, dass wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Christus sagt Joh. am 14.: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; wo es nicht so wäre, so wollte ich es euch sagen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Ungläubige, weltliche Herzen, die zu hart kleben an dieser Welt und am gegenwärtigen armen, vergänglichen Leben, verlassen nicht gern Marmor, köstliche, vergüldete Gebäude, liebliche Lustgärten, Schlösser, Häuser und Wohnung auf Erden, und auch noch wohl schwache Christen sorgen und zweifeln, ob sie auch so liebliche, lustige Wohnung werden haben im Himmel. Aber Christen, deren Glaube mit Trübsal, Kreuz, Anfechtung geübet ist, und die, so die Schwachheit und mancherlei Fahr dieses Lebens erkennen, wissen wohl, dass wir unendlich bessere Wohnung werden nach der Auferstehung haben, wie St. Paulus sagt, dass Alles, was immer Menschenhand machen kann, Alles, was von Perlen, Gold, Rubin, Smaragden, Purpur, Sammet, Seiden kann zugerichtet werden, wird den Wohnungen nicht zu vergleichen sein. Darum sagt Paulus 2. Corinth. 5.: Bin Haus, nicht mit Händen gemacht. Wie denn der Herr Christus Joh. am 14. sagt, dass in seines Vaters Hause, das ist, im weiten Himmel, welches Herrlichkeit man in diesem Leben nicht begreifen kann, werden viele Wohnungen sein, unaussprechliche, herrliche Freude, wie Petrus (1. Petri 1.) sagt, und werden die allerköstlichsten, besten Schlösser auf Erden köthige Schwalbennester dagegen zu achten sein. Darum nennt auch Petrus seinen eigenen Leib und alte Wohnung (da wir auf Erden innen wohnen) Hütte. Denn wie eine Hütte, von Maien oder grünen Reisern gemacht, in dreien Tagen verwelkt und verdorret, also sind die Wohnungen und Marmor, beste Schlösser und Häuser auf Erden. Darum von der ewigen Herrlichkeit rühret auch Etwas Apokalypsis am 21., da er beschreibt das neue Jerusalem und sagt: Seine Pforten und Thore werden Perlen sein u. s. w. Petrus der Apostel, welcher in seiner Epistel zeuget, dass er solche himmlische Freude erfahren und geschmeckt habe auf dem Berge Thabor (Matth. 17.), setzt einen trefflichen Spruch von diesen himmlischen Sachen in seiner Epistel, da er sagt (1. Petri 1.): Ihr seid neugeboren zu einem unvergänglichen, unbefleckten, unverwelklichen Erbe im Himmel, euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, ewigen, unaussprechlichen Freuden, rechtem Leben, welches zubereitet ist, dass es offenbaret werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es sein soll, in mancherlei Anfechtung traurig seid, auf dass euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durch das Feuer bewähret wird, zu Lob, Preis und Ehre, wann offenbaret wird werden Jesus Christus, welchen ihr liebet, obwohl ihr ihn nicht sehet. Da rühret St. Petrus auch aus hohem Geist etwas Sonderliches von dem ewigen Leben mit den kurzen Worten, dass er sagt: Die Sachen, welche ihr dazumal unsichtbar im Wort durch den Glauben ergriffen habt, werdet ihr viel köstlicher, herrlicher finden in jenem ewigen künftigen Leben, denn alle die Freude und Lust, welche durch alle Reichthümer, durch alle edle Gesteine, Gold und Schätze der Welt kann gemacht werden. Diese Offenbarung der ewigen Herrlichkeit nennt St. Paulus zu den Römern am 5. einen Tag der Erlösung und sagt, dass alle Trübsal und Kreuz, welches so mannichfältig und schwer begegnet der Kirche Gottes auf Erden, von der Welt und dem Teufel, sei Nichts gegen die überwichtige Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. Item in allen seinen Trübsalen, als 2. Tim. 1., tröstet er sich alle Zeit mit dem Tage der Erlösung, wie er sagt: Der Herr vergelte es Onesiphoro an jenem Tage. Aus dem Exempel Pauli sollen wir lernen, dass wir auch oft uns trösten mit jenem Tage, das ist, mit dem seligen Tage, da alles Elend und Jammer, Schwachheit, Sünde aufhören wird. Wenn wir nun reden von dem ewigen Leben im Himmel, pflegen etliche Unerfahrene zu fragen, ob wir auch in jenem künftigen Leben einander kennen werden in so unzähliger Menge der Menschen, ob wir auch mit einander reden werden. Das sind Fragen, die man kindische Fragen mag nennen. Wenn wir die Schrift fleissig lesen, so sagt St. Paulus, es werde eine überwichtige Herrlichkeit sein um uns. Und St. Petrus, es werde eine unaussprechliche, sehr herrliche Freude sein. Darum hat's keinen Zweifel, dass Alles, was wir in dieser Welt gehabt, Verstand, Rede, Sprache, werden wir viel vollkommener in jenem seligen, ewigen Leben haben. Item, so sagt St. Petrus: Wir werden uns freuen mit unaussprechlicher, herrlicher, himmlischer Freude. Was wäre es, wenn wir einander nicht kenneten? mit einander nicht redeten? So wäre das vorige, sterbliche Leben besser gewesen, denn das im Himmel. Zudem zeugen es ja die 40 Tage, da der Herr Christus aufs freundlichste, lieblichste hat mit den Jüngern geredet, in Maassen, wie unsere Leiber werden verklärt werden, viel lichter und herrlicher sein (die Gerechten werden leuchten wie die Sonne), denn im vorigen, sterblichen Leben. Also werden auch alle Gaben an Leib und Seele viel vollkommener sein, Vernunft, Verstand, Gedanken, Sinne, Wille an Menschen wird durch Erleuchtung des heil. Geistes neue, himmlische Kraft haben und Licht, viel stärker, lichter, klarer und heller sein, denn am schärfsten, weisesten Menschen auf Erden gewesen ist. Also werden wir einander kennen, und wie dies Gespräch der vierzig Tage genugsam zeuget, wird im ewigen Leben der höchsten Freuden und Süssigkeiten eine sein, dass wir nicht allein Adam, Seth, Noah von der Schöpfung und anderen Werken Gottes werden reden hören, sondern werden auch in der ewigen Kirche des herzlichen, freudenreichen neuen Jerusalem in der seligen, unbegreiflichen Versammlung, ja in der ganzen seligen, unendlichen Ewigkeit (die weder mit Stunden, noch mit Jahren gemessen wird) werden wir hören die himmlische, göttliche Weisheit unseres lieben Herrn Jesu Christi, des einigen Sohnes Gottes und dieselbigen herzlichsten, allerfreudenreichsten Gespräche mit den Patriarchen, Propheten werden alsdann auch da sein. Dass aber weltliche Leute Dies nicht oder selten bedenken, oder nicht gross achten, macht Alles, dass Viele an diesem Leben kleben, welche die heilige Schrift nicht lesen, noch erwägen. Denn welcher die Propheten fleissig liest, der befindet, dass sie ihre meisten und höchsten Gedanken vom ewigen Leben gehabt, wie Daniel sagt von Propheten: Wohlan, hier auf Erden sind wir verachtet, wir Propheten und Prediger, aber gleichwohl wir, die wir Viele zur Gerechtigkeit unterweisen, werden leuchten wie die Sterne des Himmels in Ewigkeit. Darum hats keinen Zweifel, es ist in der Schrift gegründet und gewiss, dass wir im künftigen, ewigen Leben werden mit unseren Altern, Grossvätern und Ahnherren reden, in Maassen wir klar hier sehen, dass Christus nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern geredet hat; dessgleichen mit unseren verstorbenen Brüdern, Vätern, Söhnen, Töchtern, Kindlein, sonderlich, die in Christo abgeschieden sind. Esaias sagt vom Trost und Freude der Kirche auf Erden, dass die Gläubigen der Gnade Christi, der Vergebung der Sünde und so manches herrlichen Siegs und Victorien sich freuen werden, wie sich Diejenigen freuen, welche nach fährlicher, sorglicher Feldschlacht plündern die Feinde und den Raub austheilen. Wie viel mehr werden sich die im ewigen Leben also freuen! Auch zeigt die Parabola Luc. 16. klar genug an, dass wir werden der Gottlosen und Verdammten Jammer erkennen; denn Abraham's Gespräch lautet also zum reichen Manne: Gedenke, Sohn, dass du dein' Gut empfangen hast. in deinem Leben. Wir sehen wohl aus dem ersten Buche Mose, Genesis im Latein genannt, was die heben folgen den Väter von dem hohen Theologo Adam empfangen haben, wie er von dem hohen, trefflichen, unaussprechlichen Werke der Schöpfung gelehrt und geredet hat. O, lieber Gott, wie wird der hohe Mann, der erste Mensch die 930 Jahre, die er gelebt, so manche gewaltige, reiche Predigt gethan haben von der Schöpfung, von dem ewigen Worte und Sohne Gottes, der in's Fleisch kommen sollte, von der Erlösung, von Überwindung des Reiches der Schlange und Satan's! Wie vielmehr wird derselbe Adam, alsdann erhoben zur ewigen Klarheit, von dieser hohen Sache in jenem ewigen Leben reden! In Summa, die edle Kreatur Mensch, die nächst nach den heiligen Engeln die höchste ist, ist von Gott geschaffen, vollkömmlich Gott zu erkennen und alle Kreaturen, die unter'm Himmel sind, auf Erden und im Meer begriffen sind, alle Vögel in der Luft, alle Thiere auf Erden, alle Fische im Meer und Wassern, alle Bäume, Kräuter, Früchte, Gewächse, allen edlen, süssen Saft, alle edlen Gesteine u. s. w. und dadurch Gott zu loben, das ist keinem Menschen in diesem Leben möglich. Darum ist ein ander Leben vorhanden, da Gott und seine unzähligen Gaben, die Kreaturen, werden erkannt werden, und die Herzen von Freuden überfliessen und von Gottes Liebe und Lob drinnen vollkömmlich erleuchtet sein, wie vom ewigen Leben Christus, der Herr, und Daniel sagen: Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne und Sterne in dem unendlichen, wahrhaftigen Leben und Ewigkeit. Darum wird es gar eine hohe Erleuchtung sein, welche in diesem armen, schwachen Leben nicht zu fassen oder zu begreifen ist. Dieses gegenwärtige Leben ist wie die Blätter am Baume und wie die Blüthe, wann die Bäume im Lenze blühen. Das ewige Leben aber ist wie die vollkommen reifen Pomeranzen-, wie vollkommene Äpfel und edle Früchte. Es kann aber kein Gleichniss oder Bild gegeben werden, welches genugsam abmalet. St. Petrus sagt, es werde eine unaussprechliche und vollkommene herrliche Seligkeit sein. Die höchste Lust und Freude auf Erden in König- und Fürstenhöfen, item am Geburtstage unserer Kinder, am Brauttag und hochzeitliche Freude ist Alles Nichts und Kinderspiel gegen das zukünftige Leben, das wir hoffen. Etliche Menschen, welche kindische und schwache Gedanken haben von diesen hohen, himmlischen, ewigen und jetzt unsichtbaren Sachen, fragen, ob wir auch in jenem Leben essen und trinken werden. Denen ist leicht zu antworten, dass der Herr Christus mit den Aposteln nach der Auferstehung gegessen und getrunken hat in Geschichten der Apostel, 10. Aber es sind die Fragen zu gering gegen die hohen himmlischen Freuden. Spricht man doch von vielen Sachen auf Erden, es möge ein Mensch so froh werden, dass er vor Freuden nicht essen und trinken könne. Darum können wir in diesem Leben nicht erlangen vollkömmlich, wie es an ihm selbst ist. Die Scholastici Doctores haben auch geschrieben und gelehrt, dass die Speise, so Christus nach der Auferstehung habe genossen, sei im verklärten Leibe, wie im Feuer, verzehrt und nicht natürlich weggegangen. Das ist auch ein Gedanke, aber gleichwohl unnöthig. Denn jenes Leben wird keine Schwachheit, keinen Mangel oder Gebrechlichkeit haben, und wie es sein wird, können wir auf Erden vollkommen nicht begreifen; wir sollten uns aber danach herzlich sehnen, wie Paulus sagt 2. Cor. 5., dass das Sterbliche verschlungen werde vom Leben. Die Heiden, wie Cicero und andere, haben wohl fliegende Gedanken gehabt, sie haben aber selbst daran gezweifelt, ob etwa ein ander Leben folgen werde künftig; denn ohne Gottes Wort und Erleuchtung des heil. Geistes kann ein Menschenherz von der hohen himmlischen Sache und Erkenntniss des höchsten Gutes oder summi boni keine rechte Wahrheit oder beständige Gewissheit haben. Darum M. Cicero als ein Heide, ob er wohl in der Epistel ad Octavium und anderen Orten mehr auch gedenkt eines ewigen Hauses, nennt's aeternam domum, einer unverrücklichen himmlischen Wohnung, da er die alten löblichen Römer, deren hohe, treffliche Ehrbarkeit, Tugend und Wohlthaten gegen das Regiment und Vaterland weit bekannt und berühmt gewesen, finden werde, nämlich Africanos, Maximos, Paulos, Scipiones, Decios und werde ihnen in jenem Leben zu klagen haben, wie ihre Nachkommen gegen ihre, die alte, grosse, mächtige Tugend so übel Haus gehalten und ganz untreulich gehandelt, so sagt er doch kurz in derselbigen Epistel zuvor, wie er auch an anderen Orten gedenkt, er wisse nicht für wahr oder gewiss, ob dieselbigen alten römischen Heroes und Helden noch irgend an einem Orte nach dem Tode ihr Leben und Wesen haben, oder ob ihr Leib und Seele zugleich gestorben und miteinander untergegangen. Dies ist nun die arme heidnische, hässliche Blindheit, vor welcher wir erschrecken sollten und Gott von Herzen für das Licht des göttlichen Wortes und heiligen Evangelii ohne Unterlass herzlich danken. Von der grossen Blindheit, auch Irrthum der Philosophie redet Paulus zu den Ephesern, da er sagt: Ihr seid etwa Finsterniss gewesen, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Da sehen wir nun, wie gross wir Gott zu danken haben; denn durch Zeugniss der vierzig Tage in Geschichten der Apostel 1. Cap. und sonst durch Gottes Wort haben wir nicht allein die Doctrin oder gewisse, wahrhaftige Lehre von der Auferstehung unserer Leiber und vom ewigen Leben, sondern unser Heber Herr Christus hat auch hier auf Erden (wie oben gesagt) das Himmelreich, das himmlische und ewige Leben und die herrliche Seligkeit (da nun keine Sünde, Tod oder Schwachheit statt hätte) angefangen. Darum auch, so Gott auch sonst den Propheten und Aposteln klare Offenbarung gegeben vom ewigen Leben, so reden sie nicht ungewiss, nicht so zweifelhaftig wie Cicero und andere Heiden, sondern in allen ihren Predigten lehren sie beständiglich und aufs allergewisseste (verachten dieses vergängliche Leben als einen Schatten) und lassen das zukünftige Leben in jener Welt, welches Gott bereitet hat allen Auserwählten (1. Petri 1. Cap.) ihre grösste Hoffnung, Lust, Freude, Wonne und Trost sein. Darum redet auch der liebe Paulus aufs allergewisseste von dem reichen, herrlichen, künftigen Erbe, von den künftigen Schätzen und Gütern, da er sagt zu den Corinthern: Alles, was sichtbar ist hier auf Erden, Das ist zeitlich und vergänglich; was aber unsichtbar ist, Das ist ewig. Item an einem andern Orte sagt er: Ich begehre abzuscheiden und bei Christo zu sein, und ist ein tröstlicher, lieblicher Spruch 2. Timoth. am letzten Cap. , da er die grosse Gewissheit anzeigt: Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden, ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Also hat auch Augustinus ein sein Wort gesagt, da er aus sonderm apostolischen Geist gesprochen: Auf Alles, was dieser Zeit vergänglich und zeitlich ist, da setzt (liebe Brüder) euer Herz nicht auf, sondern Alles, was zeitlich und vergänglich ist, Das haltet geling, oder, als wäre es gar Nichts, und euer ganzes Herz und fürnehmste Sorgfalt lasst auf Das gerichtet sein, das ewig ist im Himmel. Wenn nun unerfahrene und weltliche Menschen (so sich um die Bibel und Schrift wenig kümmern) aus ihrer menschlichen Vernunft fragen und kindisch reden von den hohen Sachen, ja fragen, ob wir auch essen, trinken werden in jenem Leben, ob uns in der Ewigkeit die Zeit auch wird lang dünken, ist gleich, als ob ein klein Kindlein von dreien, vier Jahren seine frommen Altern fragt: Lieber Vater, liebe Mutter, wenn ich gross werde und alsdann im Ehestande lebe, werde ich dann auch so schöne Tocken, Puppen und Schoosssteinlein haben, wie ich jetzt habe? oder, als wenn ein junger König oder Fürst, welcher in seiner jüngsten Kindheit hölzerne Stecken für Pferde braucht, spräche zu seinen Altern: Herr Vater, wenn ich nun erwachse und auch Fürst und regirender Herr dieses Landes sein werde, so werde ich dann auch solche hölzerne Rosse und Hengste haben mit schön gemalten, vergüldeten Zäumen und Gebissen, wie ich jetzt habe. Wenn auch ein Epikurer, der in dieser Welt Lüsten ersoffen, Nichts hoffet auf die herrlichen, künftigen ewigen Schätze und achtet allein Das, was auf Erden bekannt ist, das vergänglich und zeitlich ist, schlägt in Wind das Künftige, ist gleich, als wenn ein Schwein reden könnte und spräche: Von der hohen Könige und des Kaisers Tische halte ich Nichts und von allen güldenen Kleinoden, von Malvasier, das darauf ist; Eicheln und Trabern sind mir bekannt, die sind 'auf des Kaisers Tische nicht. Es redet St. Paulus 1. Cor. 13. ganz deutlich und auch tröstlich vom Unterschiede dieses gegenwärtigen schwachen und des künftigen, seligen, ewigen Lebens, da er also sagt: Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen und Predigen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, da that ich ab, was kindisch war. Es ist hier auf Erden etlicher Maassen ein gering Bild und Gemälde das langwierige Leben der Väter, da sie mit Adam lebten, sein Sohn (Seth) 800 Jahr, Enos 695, Kenan 605, Mahaleel 535, Jared 470, Henoch 308, Methusalah, Lamech u. s. w. rc;, und hat sein Wandel, Leben und Wesen, Trost und Anfechtung, Wohlstand und Unfälle, traurige und fröhliche Stunden gesehen. Aber ob es wohl etliche hundert Jahre gewesen, so ist es doch zeitlich, vergänglich und hat ein Ziel oder Ende gehabt. Das künftige, selige Leben nach der herrlichen Auferstehung wird eine unendlich freudenreiche Ewigkeit sein. Ich habe samt Anderen auch unwürdig mit unserer Zeit Erzvater Doct. Martino Luthero sechs und zwanzig Jahre gelebt zu Wittenberg und Halle, da er denn etliche Male gepredigt auf dem Predigtstuhle, der mir Anno Domini 41. befohlen ist. Von demselben herzliebsten Vater D. Martino Luthero habe ich den nächst eingeführten Spruch St. Pauli 1. Cor. 13. hören auslegen, dass er oft gesagt: St. Paul hat ein wichtiges Wort gesagt, da er spricht: Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind. Denn von den hohen ewigen Sachen zu denken und zu reden, sind wir nicht anders, denn, als wenn Kinder von drei Jahren von hohen Regimenten, von Königsund Fürstensachen rathschlagen, reden oder ordnen und schaffen sollten. Welche Christen aber durch allerlei Anfechtung wohlgesegnet, wie St. Petrus (1. Petri 1. ) sagt: ob ihr eine kleine Zeit, so es also sein soll, traurig seid in allerlei Anfechtung, damit euer Glaube durch Kreuz und Bette, Trübsal wie Gold im Feuer probirt werde; ja diejenigen, so ernstlich und wahrhaftig mit hitzigem Gebet ihren Glauben üben und im Gebet wider den Satan kämpfen: in denen wird oft erweckt ein Funke und Flämmlein der rechten Hoffnung, dass sie alles Zeitliche gegen das Ewige verachten und hoffen aufs Vaterland nicht anders, denn Einer, der im armen, elenden Dorfhüttlein eine Nacht verharret und starke Hoffnung in sein Vaterland hat, denkt, in diesem elenden Dörflein bin ich eine kleine Zeit und wenige Stunden; wenn ich in die schöne Stadt komme, in mein Vaterland, da wird kein Mangel, noch Dürftigkeit sein, da werde ich Weib, Kind mit herzlicher Freude finden, köstliche Speise, Trank und Alles genug haben. Zu dem himmlischen Jerusalem aber und wahren Vaterlande helfe uns unser lieber Herr Jesus Christus, wahrer Gott, gelobet in Ewigkeit. Amen.

Quelle: Beste, Wilhelm - Die bedeutendsten Kanzelredner der lutherschen Kirche des Reformationszeitalters

autoren/j/jonas/jonas_predigt_apg_1.txt · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)