Hefentreger, Johannes - Bekenntnis für die Konfirmanden (1529)

  1. Das eyn eyniger, ewiger, warhafftiger, almechtiger gott sey vnd das derselbig eyn barmhertziger vatter aus gnad sey aller deren, dye in yhn glauben vnd yhm vortreuwenn.
  2. Das Jesus Christus seyn eyngeborner son sey, vnd gleich dem vatter der warhafftige got, welcher von der Jungkfraw Maria auß crafft des heyligen geistes das fleisch hab angenomen vnd darin dye benedeyung, welche dem Abraham zugesagt ist, allen gleubigen erworbenn vnd gegeben vnd dye schuldt Adam vnd aller seyner kynder mit seynem todt vnd blutvorgyssen bezalet.
  3. Das der heylige geist eynn warhafftiger got sey mit dem vatter vnd dem sone vnd das derselbig heylig geyst dye neuwen widdergeburt durch seyne gotliche crafft in dem menschen wircke vnd das on seyne gnad nymandt zu gottes erkentnys, zum glauben oder zu eynichem gotseligen werck oder gedancken kommen müg.
  4. Das das heylig gotlich wort das werckgezeug sey, vormittellst welchem der glaub ins hertz gegossen wirdt vnd das on dasselbig (ordentlich zuredden) zum glauben nymandt kommen mag;
  5. Das dye heylig Tauff eynn sygell der götlichen warheyt sey, das alle, dye da gleuben vnd getaufft werden, selig werden, vnd das dyeselbige tauff yhre crafft vnnd werck beweysse durch teglig creutzigung des alten Adams, biß das der mensch eyn neuwe creatur werd, welchs in dysem leben anfahe, aber am jüngsten tag erst zum ende komme.
  6. Das dye erbsünde eyn angeborner schade sey von Adam vbber alle menschen kommen, vnd dye fruchte dyses bosen samens hoffart, geytz, zorn, vnd andre offentlich laster sampt den heymlichen tücken vnnd gleysnerey des hertzen seyen, vnd das dyser erbschade durch den glauben in Christum vnd durch dye tauff also hingenommen ist, nicht das er im fleisch vngefület bleyb, sundern das er nicht herschen soll, vnnd will yhn Christus sampt allen synen fruchten nicht zurechnen den gleubigen, sunder aus gnaden vbbersehen.
  7. Das vnser Her Jesus Christus seynen leyb vnd blut vor vnser sund in toidt gegeben vnd am creutz vergossen hab vnd des zugedencken im Sacrament des Nachtmails eyn testament gemacht vnder dem sichtlichen broit vnd weyn seynen vnsichtlichen leyb vnd blut durch crafft seynes worts mitt dem mundt zu essen vnd zu tryncken, vnd welche dys also thun, sollen durch den glauben vmb dyses ewigen bundts willen vorgebung yhrer sunde haben.
  8. Das dye heylig Christlich kirch dye gemeyne versamlung sey aller lieben gottes kynder, dye er vonn anbegynn zu seynem reich erwelet hait, vnd wiewoell sye in dye gantze weltt zerstreuwet sey, stehe sye doch in eynikeyt des glaubens, der hoffnung, des geistes vnd tauffe vnder dem lebendigen heubt vnd vff dem vnbeweglichen gruntfest Christo Jesu, auch wyewoel dyse gemeynd vor der welt vnbekandt sey, hab man sye doch bey dem waren gottes wort zu erkennen, welchem sye als der stym yhres rechten hyrten gerne gleuben vnd nachfolgenn.
  9. Das derselbigen heilgenn Christenheyt von gott dye gewalt gegebenn sey, auff erden dye vngleubigen zu bynden vnd dye bußfertigen gleubigen auffzulösen von yren sünden, vnd das got der kirchen vrteyll, nach seynem wort vnd geist geschehen, dergleichen im hymel bündig achten will, vnd das nymandt ausser derselbigen gemeynd selig werden müg.
  10. Das der Her Jesus Christus am jüngsten tag sichtbarlich widderkommen wird, dye lebendigen vnd toidtten zurichten vnd einem jeden nach seynen gleubigen vnd glaublosen wercken zu gebenn.
  11. Das am selbigenn tag eyn gemeyne warhafftig aufferstehung aller menschen geschehen werd, eynes jeden in seynem cörper, den er zuvor getragenn, doch on alle gebrechen.
  12. Das an dem tag beyd, dye gleubigen vnd vngleubigen erst recht erkant werden, dye man in dyser welt, yhene vor yhrer gleisnerey, gluck vnd woilfart in allen sachenn, dyse aber vorm creutz, jamer vnd elend nicht hait erkennen mügen, vnd das alda nymandt des andern fursprech, mitler oder beystand werde seyn, vnd das nach dem gericht angehen wird eyn ewigs leben der gleubigen mit Christo vnd eyn ewigs sterben der gotlosen mit dem teuffel vnd seynen engeln.
  13. Das eyn warhafftiger Christ obgemelthe artikell sampt allen andern im wort gots verfasset vor gott im hertzen zu gleuben vnd gott seynem hernn zur ehren vor dyser leydigen welt mit dem mundt vnd sunst in allem Christlichen wandell zubekennen schuldig sey, vnd welcher das umb ehren, guts, leybs vnd lebens willen der welt zu gefallen nachlasse, vnd, als vyel an yhm ist, den heilgen namen gottes vnd den Glauben an Jesum Christum vnd seyn heilges Evangelion lesset vndertruckt vnd geschmehet werden, das denselbigen der herre Jesus Christus am tag seyner herlichen erscheynung widderumb versachenn vnd vor seynem hymlischen vatter vnd allen auserwelten engelnn vorleugnen will vnd den feynden seynes heiligen namens gleich achtenn. Welche aber alhye auff erdenn für der Eebrüchigen vnd vnartigen weltt yhn bekennen vnd sich seynes Evangelions nicht schemen, das er dyeselbigen am tag seyner zukunfft auch kennen will vnd mitgenossen der vnvergenglichen herligkeyt lassen werden. Matt: X Marc: VIII.

Waldeckische Reformationsgeschichte
von
D. Victor Schultze,
Professor an der Universität Greifswald
Leipzig.
A. Deichert'sche Verlagsbuchh. Nachf.
(Georg Böhme)
1903

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