Engels, Jakob Gerhard - Ich bin Dein

Ich bin Dein. — Der natürliche Mensch sagt: Ich bin mein. So denkt er, so redet er, so handelt er. Eis ist die Frucht der Bekehrung, daß sich’s umdreht und es wahr wird: Ich bin Dein. Und nur da ist die Bekehrung rechter Art, wo diese gründliche Veränderung stattfindet und das „Ich bin mein“ sich verwandelt in das „Ich bin Dein“.

Ich bin Dein, Herr Jesu, der Du mich geliebet und Dich selbst für mich dahingegeben hast, der Du mein Heiland und mein Seligmacher bist. Wenn ich aber Dein bin, so gehört Dir alles, was ich bin und habe.

Die Glieder meines Leibes und meine Seele sind Dein. Wie liegt es mir an, sie zu begeben zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden (Rom. 6, 19—23)!

Meine Zeit ist Dein. Ich sage mit David: Meine Zeit steht in Deinen Händen. Ich will sie auskaufen für die Ewigkeit und zum Heil des Nächsten.

Mein Vornehmen ist Dein. So der Herr will, will ich dies und das tun, und ich bin damit zufrieden, wenn der Herr einen Strich durch die Rechnung macht und meinen Weg anders führt.

Meine Familie ist Dein. Ich höre, was Gott zu Abraham sprach: „Du sollst ein Segen sein“, und möchte so gern mit meinem Hause dem Herrn dienen.

Mein Isaak ist Dein, das Liebste, was ich habe. Mit Abraham möchte ich sprechen, wenn es zu mir heißt: Nimm Isaak und opfere ihn! — Hier bin ich!

Meine Sünden sind Dein, auch die Sünden meiner Jugend. Denn Du, mein Heiland, bist als das Lamm Gottes für meine Sünden gestorben, und an Dir habe ich die Vergebung der Sünden.

Ich hab’ vergessen meine Sünd’,
als war’ sie nie geschehen;
Du sprichst: Lieg’ still in Mir, mein Kind,
du mußt auf dich nicht sehen.

Meine Schwachheit ist Dein, die sündliche Art, mit der ich mein Leben lang zu streiten habe. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, und ich darf mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl hinzutreten, auf daß ich Barmherzigkeit empfange und Gnade finde (Hebr. 4, 14—16).

Meine Leiden sind Dein. Ich weiß, ich muß durch viel Trübsal ins Reich Gottes gehen; aber Du hast meine Leiden abgemessen, und sie dienen mir zum Besten. Die köstliche Verheißung ist mir auch gegeben: „Der Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbe wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen“ (1. Petr. 5, 10).

Mein Sterben ist Dein. Ich gehöre Dir ja an, der Du dem Tode die Macht genommen hast und zu der Martha von Bethanien sprichst: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an Mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“ Das glaube ich mit der Martha, die die Herrlichkeit Gottes gesehen hat. Herr, stärke mir den Glauben!

So bin ich denn mit allem Dein. Ich sage es mit klarem, festem, nüchternem Geist, nicht etwa bloß in einer Gefühlserregung, und ich will es immer wiederholen: Ich bin Dein, das Jahr ist Dein, jeder Tag ist Dein, Leben und Sterben ist Dein, alles ist Dein. Herr, Du weißt alle Dinge.

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