Blarer, Ambrosius - In Briefen über die Wiedertäufer

Schon am 27. November 1531 konnte er an Bucer schreiben: „Die Wiedertäufer behandle ich also, daß sie mich sehr lieb haben und unseren Predigten regelmäßig mit aller Aufmerksamkeit anwohnen; die Mehrzahl derselben ist von ihrem Irrthum ganz abgestanden und pflichtet uns in Allem zu; von den Uebrigen, deren Zahl sehr gering ist, versehen wir uns des Gleichen;“ am 23. December: „Die Wiedertäufer treten mehr und mehr zu uns über,“ und am 2. Febr. 1532: „Das Gift der Wiedertäufer schadet allenthalben der Kirche viel; dieses Gift ist um so schädlicher, je verborgener es ist. Hier schenkte mir Christus einige von diesem Gift angesteckte Bürger, und es gibt nur noch ganz wenige, die zu dieser Secte gehören.“ Blaurer urtheilte um so milder über die Wiedertäufer, je weniger er sich verbarg, wie ihr einseitiges Auftreten durch eine nicht minder gefährliche Einseitigkeit dessen, was sich damals als evangelisches Wesen da und dort breit machte, hervorgerufen sei. Er bekannte. „Wir selber tragen einen großen Theil der Schuld. Man will bei uns so wenig von wahrhafter Buße hören, daß unsere Lehre selbst dadurch verdächtig werden muß. Arbeit und Leben wird mir zuwider, wenn ich den Zustand vieler wenig evangelischen Städte betrachte, in welchen kaum irgend eine Spur ächter Bekehrung sich aufweisen läßt. Aus der christlichen Freiheit wird durch eine gottlose Auslegung die Freiheit Sünde zu üben gemacht. Alles preist die Gnade des Heilands. Es ist behaglich, umsonst gerechtfertigt, erlöst, beseligt zu werden. Aber da ist Keiner, der gegen die Abtödtung des Fleisches, gegen Kreuz und Leiden und gegen christliche Ergebung sich nicht mit Händen und Füßen sträubt.“

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