Blarer, Ambrosius - Aus seiner Abschiedspredigt zu Esslingen, 30.6.1532

„Hiemit dank ich auch euch allen meines höchsten Vermögens aller Treu, Liebe, Gutthaten und Freundschaft, so ihr mir so vielfältig und gutwillig bewiesen und erzeigt habt. Der milde, reiche Gott, welchen ihr in mir lieb habet und ehret, wolle es Alles gnädiglich mit hundertfältigem Wucher zeitlich und ewig erstatten. Mich freut, daß er mir so viel frommer gottseliger Leute und liebe Kinder unter euch hat zu erkennen gegeben, und ich weiß, wie lieb mich dieselbigen haben um seinetwillen, und wie herzlich gern euer viel mich allweg bei ihnen hätten, bei denen ich auch nicht minder gern sein wollte. Weil aber der liebe Gott meine Berufung anderst hat angerichtet, muß und will ich derselbigen geleben und warten und soll sein Wille billig einen Fürgang haben. Es ist hie nichts Bleibliches auf Erden, unser Gemüth aber und Geist soll allweg in dem Herrn unzertrennt bei einander sein: hoff doch daneben, er werde uns auch noch oft leiblich zusammenhelfen und geistlichen Trost von einander haben lassen. Allein seid mittlerzeit allweg eingedenk meiner Treu und unverdrossenen Arbeit, daß ich euch allen Willen Gottes eröffnet, euer keins Silber noch Gold begehrt und gar nicht das Eure, sondern euch selbst und euer ewiges Heil zu fördern gesucht habe, und beweiset euch also in aller standhaften Gottseligkeit, daß ich auch in meinem Abwesen Gutes und einen christlichen Fürgang in gottgefälligem Wandel an euch hören und euer herzlich erfreut werden, auch mit Paulo sagen möge: Ihr seid meine Hoffnung, meine Freude und die Krone meines Ruhms vor dem Angesicht unseres Herrn Jesu Christi. Bittet für mich mit Geist und Wahrheit, daß Gott meinen Weg in Gnaden fertigen wolle, damit ich entrinnen möge allem blutgierigen Aufsatz der Widerwärtigen unseres h. Glaubens. Wo es aber also sein guter Wille, seiner Ehr und meinem Heil fürderlich wäre, daß ich fiele in die Hände der Feinde und ihr deß inne würdet: bitt und begehr ich von Herzen, ihr wollet Liebe und Barmherzigkeit an mir beweisen und mit herzlichen Begierden zu ihm rufen, daß er meine Schwachheit stärken und meinen Geist gewaltiglich erhalten wolle, damit mich kein leiblicher Schmerz noch Tod des Fleisches dringe von der Wahrheit seines lebend machenden Worts, welches ich von Herzen geglaubt und mit Mund bekannt hab, sondern demselbigen in der Kraft seines Geistes unüberwindlich anhange. Dieß wollte ich euch in Kürze vermahnt und erinnert haben, damit ihr meines Abschieds alle ein gemein Wissen hättet und nicht aber viel und mancherlei Lügen für die Wahrheit umgetragen und die Schwachen dadurch verärgert würden. Aufrecht und immer wisselich habe ich bei euch gehandelt; was mir von den Mißgünstigen mit der Unwahrheit aufgelegt worden, ist zum Theil offenbar worden, zum Theil wird es sich noch finden, wie ungetreulich sie an mir gefahren sind. Der Vater aller Gnaden verzeih ihnen und wende sie von der Lüge zur Wahrheit.“

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